Don Juan d' Austria (19.02.2017, 09:16):
Servus an die Runde!
Ich möchte nun mit dem Hauptanliegen meinerseits und der Motivation von mir mich hier anzumelden beginnen - die Werke der Strauß Dynastie und deren Zeitgenossen vorzustellen. Die Leser dieses Forums zu animieren selbst in diese herrliche Musikwelt einzutauchen. Neues kennenzulernen - altes anders zu sehen.
Ich hab mich entschlossen, zur besseren Übersicht das ganze in 10er Schritten zu tun. Jedoch kanns passieren, dass manches durcheinander gepostet wird. Sollte das so sein bitte ich um Entschuldigung.
Beginnen möchte ich mit
WIENER PUNSCH LIEDER
opus 131
Walzer im Ländler Stil
Entstehungsjahr 1853
Seit dem Jahre 1851 komponiert Johann Strauß Sohn für die "Strauß-Bälle" in seinem "Stammlokal", dem Sperl, in der Leopoldstadt immer wieder Walzer im Ländler Stil.
TITEL -
Dieses Stück hieß ursprünglich "Wiener Punch-Lieder", nach einer Londoner Satirezeitschrift, dem "Punch". Strauß ließ die Widmung einem gewissen Herrn Saphir, dem Redakteur einer Zeitung "Humorist" zukommen. Saphir ist es auch, der, als der Walzer dann im Druck erschien das Motto auf die Titelseite der Partitur schreiben ließ, welches da lautete: "Um des Lebens rohen Teig zu salzen, laßt uns lieben,singen, tanzen, walzen."
Saphir war in Wien der damaligen Zeit nicht sonderlich beliebt, seine bösen Spitzen gegen allerlei Personen des öffentlichen Lebens waren nicht gern gesehen. Jedoch hat er der Strauß-Familie zu manchen Gefälligkeiten geholfen, weswegen Johann ihm mit diesem Walzer einen Gefallen vergelten wollte.
Was hat nun der Punch mit dem Humoristen und dem Saphir zu tun. Der "Humorist" erschien für einige Monate mit einer kleinen Gratis-Beilage, dem an die Londoner Zeitung angelehnten "Wiener Punsch". Der Verleger Saphirs, Carl Haslinger, meinte dass man mit so einem Titel keine Zeitung verkaufen kann. Womit er Recht behalten sollte, denn das Blatt (der Punsch) existierte nur wenige Monate. Um die Wiener Bevölkerung vollends zu verwirren änderte Haslinger dann auch noch den Titel des Wiener Punschs (dem Walzer) zu Wiener Punch.
Es hat also nicht mit der Lieblingsbeschäftigung der Wiener in der Adventzeit zu tun...;)
ENTSTEHUNG -
"Es muss einem nur was einfallen" hat Johann Strauß einmal gesagt.
Sein Bruder Eduard erinnert sich: "Johann war (...) der flinkste Instrumentator. So instrumentierte er für sein am Faschingmontag im Vergnügungsort 'Sperl’ bestimmtes Benefiz einen Walzer, "Punschlieder" (Eduard verwendet also ganz selbstverständlich den ursprünglichen, wienerischen Titel!) betitelt, samt Introduction und Coda in zwei Tagen, jedoch bei einer Arbeitszeit von nur vier Stunden am ersten und fünf Stunden am zweiten Tag. Gewiß eine außerordentliche geistige wie physische Leistung."
Am 7. Februar 1853 wird der Walzer im Sperl uraufgeführt, und es zeigt sich sehr schön, dass Qualität auch in Eile geschaffen werden kann. "Es muss einem nur etwas einfallen!"
Und hier ist er:
opus 131 - Wiener Punsch Lieder
https://www.youtube.com/watch?v=nLaQl3qeAU4
Meine Meinung: Ein netter Walzer, dem Stile der frühen 1850er Jahre entsprechend. Wäre, wenn er wirklich dem Punsch-Trinken huldigen würde, im Dezember sicher viel häufiger zu hören... :D :P