am 5. Dezember 2007 ist Karlheinz Stockhausen im Alter von 79 Jahren gestorben. Er war zweifellos einer der wichtigsten Komponisten der Nachkriegszeit in Deutschland (und somit ganz Europa).
Hier einen Nachruf zu verfassen ist gar nicht so einfach, denn mein Verhältnis zu Stockhausen war immer sehr gespalten: als Komponist ist sein Einfluss gar nicht zu bestreiten (ob einen nun diese Musik interessiert oder nicht sei mal völlig dahingestellt). Als Mensch hat er für sehr viele Kontroversen gesorgt, wurde durchaus als Nazi beschimpft, als verrückt, als krank etc. Das alles hing mit Stockhausens sehr eigenwilliger Philosophie-Religion zusammen, die eine Mischung aus Christentum, indischem Gedankengut, Glauben an ausserirdisches Leben (besonders das wurde ihm sehr zum Verhängnis!), wahnartige Vorstellungen einer Apokalypse etc. Seine Äußerungen zur Tragödie des 11. September waren so etwas wie ein Selbstmord (Stockhausen hatte bemerkt, dass diese Flugzeuge, wie sie da in die Wolkenkratzer flogen, durchaus einen ästhetischen Reiz hätten, was natürlich nicht unbedingt eine sehr angebrachte Aussage angesichts einer solchen Sache war).
Trotz allem überkandidelten Gehabe sollte man ihn aber meiner Meinung nach nicht einfach belächeln, denn er war ein guter und interessanter Komponist, der einen enormen Einfluss auf viele andere hatte und darüber hinaus wohl außer Cage einer der wenigen war, die auch auf den Pop-Bereich eine große Ausstrahlung hatten (seine Freundschaft mit den Beatles ist wohl vielen bekannt).
Einige seiner Werke kann ich überhaupt nicht ausstehen (so etwa das Helikopter-Quartett), andere hingegen haben für mich einen großen poetischen Reiz (ich liebe seinen "Tierkreis"). Stockhausen war eine Leitfigur des Serialismus, und besonders in den Anfängen hat er viele hochinteressante Schriften veröffentlicht (insbesondere interessant ist "...wie die Zeit vergeht"). Die Hinwendung zur Esoterik etc. fand bei ihm wie bei den meisten in den späten 60ern und den 70er-Jahren statt. Stockhausen schrieb in dieser Zeit intuitive Musik ("Aus den Sieben Tagen") und stark klanglich orientierte wie "Stimmung". Sein größtes Projekt war der Opernzyklus "Licht" (1977-2005, 29 Stunden Dauer). Ich hatte immer gewettet, dass Stockhausen es schaffen wird, diesen Zyklus zu vollenden, bevor er stirbt. Er selbst hatte allerdings ursprünglich mit einer Fertigstellung nach 2010 gerechnet. Immerhin: er hat es geschafft. Eine sehr wichtige Rolle spielte er als Pionier der elektronischen Musik. Seine frühen Studien waren bahnbrechend, und in diesem Bereich hat sich auch der Popbereich sehr für ihn interessiert.
Einen ausführlichen Artikel gibt es hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Karlheinz_Stockhausen
Ich halte es für notwendig, Stockhausen zwar menschlich und künstlerisch (so weit das geht) zu trennen. Ihn als Spinner ab zu tun fand ich immer schon unfair. Macken haben schließlich fast alle Komponisten, seine waren halt etwas ausgeprägter.
Herzliche Grüße, S A T I E
Rachmaninov (11.12.2007, 13:52): Original von Satie Seine Äußerungen zur Tragödie des 11. September waren so etwas wie ein Selbstmord (Stockhausen hatte bemerkt, dass diese Flugzeuge, wie sie da in die Wolkenkratzer flogen, durchaus einen ästhetischen Reiz hätten, was natürlich nicht unbedingt eine sehr angebrachte Aussage angesichts einer solchen Sache war).
In einem Interview hat sich Pollini dazu geäußert. Wenn ich es recht in Erinnerung habe, ist es gar nicht einmal 100%ig klar und sicher nachvollziehbar was Stockhausen genau gesagt hat. Ich habe in Erinnerung, daß Pollini hier zweifel über die Richtigkeit des "Zitats" hegt. Ist diese Aussage nun "belegt"?
satie (11.12.2007, 14:02): Doch, die Aussage ist belegt (kann man im genauen Wortlaut im Wikipedia-Artikel nachlesen. Stockhausen hatte dazu noch einmal Stellung genommen, denn einen Sinn ergab das alles erst im größeren Zusammenhang und mit Stockhausens eigenen Werkvorstellungen (hier kann man auch Parallelen ziehen zu Skriabin, Wagner und anderen). Trotzdem, die Aussage wurde aus verständlichen Gründen stark kritisiert, und Stockhausen hätte besser nichts dazu gesagt, zumal ihm die ganze politische Dimension gar nicht bewusst gewesen zu sein scheint oder ihn nicht interessiert hat, wer weiss. Es ist hier wie üblich Ermessenssache, ob man etwas als Größenwahn negativ versteht oder es wohlwollend als visionär bezeichnet (jetzt nicht diese Aussage, sondern die allgemeinen Werkideen, die dann eben dazu führten).
HenningKolf (11.12.2007, 23:07): ich habe mir gerade das wikipedia-Zitat zum 11.9. durchgelesen und denke, dass mich derartige Instinktlosigkeit fast so ratlos zurücklässt wie diverse kompositorische Werke des Verfassers. Derartig verschrobenen Nonsense würde man ansonsten allenfalls von Typen wie Dali oder Kinski erwarten, so sie denn den 11.9 erlebt hätten. Mit deren künstlerischen Schaffen konnte ich mich allerdings immerhin anfreunden. So bleibt denn bei Stockhausens nichts was sich für mich des Erinnerns lohnen würde. Möge er in Frieden ruhen.
Henning
satie (12.12.2007, 09:40): Ich möchte doch ein wenig einlenken. In einem 80 Jahre langen Leben durchlaufen Menschen bekanntlich eine ziemlich lange Entwicklung. Die Verschrobenheit Stockhausens kann diverse Gründe haben (er hatte eine geistig behinderte Mutter, die von den Nazis "erlöst wurde", auch musste er im Krieg Bombenopfer verarzten, die wohl so entstellt waren, dass er nur auf gut Glück mit einem Strohhalm eine Öffnung zum Mund eines Patienten fand etc.). Ich bin der Meinung, dass man darauf nicht all zu sehr herumreiten sollte. Es geht in die selbe Richtung wie gewisse Leute grundsätzlich Wagner wegen des Antisemitismus ablehnen oder sich keine Heinz Rühmann Filme mehr ansehen können, weil der seine Frau ohne großen Widerstand abtransportieren ließ. Wie ich bereits meinte, muss man manchmal das menschliche doch vom künstlerischen abspalten (bei Philosophen müssen wir das andauernd, weil sie oft überhaupt nicht nach ihrer Philosophie gelebt haben, selbst Menschen wie Gandhi sind da zu nennen, die trotz aller Revolution die eigene Frau wie Dreck behandelt haben etc.). Seit dem 11. September ist Stockhausen der Welt nur noch als Spinner präsentiert worden, und der durchschnittliche Bild-Leser wird außer dieser Sache gar nichts über Stockhausen wissen (es war eine dieser typischen Schlagzeilen...). Ich nehme da nichts in Schutz, bin aber der Meinung, dass man ihn doch in erster Linie als Komponisten betrachten sollte und seine Musik ins Zentrum stellen muss. Man kann vielleicht sagen, dass die Werke seit den 70er-Jahren dann diese seltsam esoterische Prägung haben, aber dennoch gibt es wirklich interessante Stücke von ihm. Davor war Stockhausen immerhin ein Pionier, der für mindestens eine Generation wohl der bedeutendste Komponist in Deutschland war. Es gibt genügend andere Fälle, die eine ähnliche Entwicklung zeigen, so etwa Henry Cowell, der Cage im Grunde die ganze Idee mit dem präparierten Klavier lieferte. Er schrieb zunächst hochinteressante Stücke voller neuer Ideen, wanderte aber dann wegen Pädophilie in den Knast. Danach war er ein gebrochener Mann, und seine Kompositionen zeigen das sehr deutlich (deutlicher als Stockhausens Werke, die dann ganz im Einfluss seiner Sirius-Gläubigkeit stehen). Will man nun Cowells Werke, Cowell als Komponisten einfach in die Tonne treten, weil der Mann sich für Kinder "interessierte"? Ich finde nicht, denn der Mann lebt nicht mehr, und das Hören seiner Stücke verpflichtet uns ja nicht, mit ihm ins Sommercamp zu fahren, damit er einem an die Wäsche gehen kann. Hier will ich also dafür plädieren, nicht zu sehr diese Dinge zu verquicken. Gesualdo hören wir auch, obwohl er seine Frau im Wahn getötet hat. All das schreibe ich nur zur Klärung. Vielleicht hätte ich in der Einleitung auch gar nichts von der Sache erwähnen sollen, denn der eine oder andere, der bisher nichts oder wenig von Stockhausen gehört hat, wird vielleicht angesichts eines solchen Zitats die Spinner-Schublade öffnen und ihn einfach da hinein legen. Natürlich: ob es einem gefällt oder nicht ist eine andere Frage.
Herzliche Grüße, S A T I E
karajan (12.12.2007, 17:02): Original von HenningKolf ich habe mir gerade das wikipedia-Zitat zum 11.9. durchgelesen und denke, dass mich derartige Instinktlosigkeit fast so ratlos zurücklässt wie diverse kompositorische Werke des Verfassers. Derartig verschrobenen Nonsense würde man ansonsten allenfalls von Typen wie Dali oder Kinski erwarten, so sie denn den 11.9 erlebt hätten. Mit deren künstlerischen Schaffen konnte ich mich allerdings immerhin anfreunden. So bleibt denn bei Stockhausens nichts was sich für mich des Erinnerns lohnen würde. Möge er in Frieden ruhen.
Henning
Hallo Henning
100% deine Auffassung da ist nichts mehr zu sagen genau meine Meinung. Für mich war das keine Musik. Ob man in 20 Jahren noch von Stockhausen redet ich mag es bezweifeln.
Gruß Karajan
satie (12.12.2007, 18:55): Original von karajan
Hallo Henning
100% deine Auffassung da ist nichts mehr zu sagen genau meine Meinung. Für mich war das keine Musik. Ob man in 20 Jahren noch von Stockhausen redet ich mag es bezweifeln.
Gruß Karajan
Lieber Karajan, zwar ahnte ich schon, dass es zu einer Grundsatzdiskussion ausarten wird. Keine Angst, ich werde mich hierzu nicht groß auslassen. Ich möchte aber zwei Dinge klarstellen. Zunächst muss ich, um wirklich nicht falsch verstanden zu werden noch einmal betonen, dass ich mich von Stockhausens verschrobenen Seiten ziemlich klar distanziere (wenn auch nicht von allen) und keineswegs die berüchtigte Aussage zu der Tragödie vom 11. September rechtfertigen wollte. Ich bin hier kein Advocatus Diaboli, sondern wie die Jungfrau zum Kinde kommend hier offenbar bislang der einzige, der Stockhausens Musik überhaupt etwas abgewinnen kann und sie daher in Schutz nimmt.
Das führt mich zum zweiten, sehr viel wichtigeren Punkt, nämlich zu einer Beobachtung, die ich jetzt schon seit 20 Jahren immer und immer wieder gemacht habe, wenn es um atonale Musik geht (wenn auch immer wieder konkret um andere Formen der Musik des 20. Jahrhunderts). Ich frage mich einfach, warum hier immer wieder Sätze zu lesen sind, die man sich älterer Musik gegenüber niemals erlauben würde, niemals. Da mich das immer noch aufregt, muss ich jetzt was sagen. Ich bin zugegeben absolut kein Fan des Belcanto und kann zum Beispiel Verdi absolut nicht leiden. Ich würde aber niemals dieser Musik absprechen Musik zu sein, nur weil ich sie nicht mag. Ich sage nicht: Verdi ist ein lausiger Komponist gewesen, von dem eigentlich heute niemand mehr sprechen dürfte. Warum ist es nötig zu schreiben: Für mich war das keine Musik. Warum muss das so stark, so abwertend, so vernichtend formuliert sein? Warum muss es überhaupt gesagt werden? Denn: eine tiefere Kenntnis des Oeuvres des Komponisten liegt sehr wahrscheinlich nicht vor. Was erlaubt eine solche auch noch in der wohl bewusst in Vergangenheitsform gesetzte Verurteilung? Und ihr folgt denn auch prompt in Manier des guten Nostradamus: Ob man in 20 Jahren noch von Stockhausen redet ich mag es bezweifeln.
Genau das ist es, was ich versuchte klarzumachen. Es ist nicht richtig, hier die Dinge so zu verquicken, dass daraus ein solches Pauschalurteil entsteht. Es ist deshalb nicht in Ordnung, weil es a) nicht geschieht mit Komponisten, die dem breiten Publikum als etabliert gelten, bzw. generell nicht mit Komponisten anderer Epochen b) für ein solches Urteil das Hören einer Aussage des Komponisten keinesfalls ausreichend ist
Warum rege ich mich überhaupt auf? Weil ich selbst Komponist bin und mir absolut bewusst bin, wie dünn der Grat hin zum spleenigen Sonderlingsdasein ist, wenn man so in seine kompositorische Arbeit versinkt. Viele sind durchaus verrückt geworden. Ich akzeptiere aber deswegen keine Verurteilung und Abwertung des Werks, nur weil einem etwas nicht gefallen hat und man etwas über die sonderlichen Geisteszustände der Leute gehört hat. Tut mir leid, aber hier bin ich empfindlich. Henning hat es weit vorsichtiger formuliert und auch nicht die Sonderlichkeit mit der Musik verquickt (zumindest habe ich es nicht so aufgefasst).
Ich frage mich auch, ob man hier den Komponisten aufgrund dieses Zitats diskriminieren darf, während bei Böhm und Karajan der Zusammenhang mit dem d r i t t e n R e i c h gar nicht diskutiert werden durfte (was ich an sich akzeptabel fand als zensorischen Eingriff). So zumindest hatte ich es nicht intendiert, ich wollte aber diese Facette nicht einfach weglassen, da ein Teil davon wieder für das Werk wichtig ist. Jetzt finde ich allerdings, dass sich alles wirklich zu sehr darum dreht, was der Mann sagte und zu wenig um ihn als Komponisten. Dass die Aussage spinnert war scheint mir hinreichend bekannt und nun genügend zu seinem Nachteil eingebracht worden zu sein. Jetzt sollte es um die Musik gehen, und man sollte über sie so sprechen, wie man auch über die von Mozart oder von Bruckner spricht und nicht so, als ob man von vornherein davon ausgeht, dies sei gar keine Schokolade, sondern Exkrement (mir sei der starke Vergleich verziehen). Wer diese Schokolade nicht mag (nicht jeder will Nuss-Rosine), der braucht sie nicht zu essen, das genügt völlig. Es ist nicht nötig, sie anderen als Dreck zu verkaufen.
S A T I E
Rachmaninov (12.12.2007, 19:03): @Forianer,
denke, wer Stockhausen hier ablehnt kann dies durchaus äußern, ich denke aber seine damaligen Äußerungen hier zu diskutieren drängt und vermutlich mehr in die Politische als in die kompositorische Diskussion. Das wäre schade.
Die Frage aufzuwerfen ob wir in 20 Jahren überhaupt noch Stockhausen hören werden ist natürlich kaum zu beantworten, allerdings doch recht interessant.
satie (12.12.2007, 19:10): Lieber Rachmaninov, danke, das ist schon sehr richtig. Mir ging es nur um die Art, wie man jemanden ablehnt und wie man es formuliert. Vielleicht bin ich auch zu empfindlich... Die Frage nach der Zukunft muss dann aber eine generelle Frage zur Musik des letzten Jahrhunderts und der Gegenwart sein. Warum muss sie hier aufgeworfen werden? Ich jedenfalls kann mir nicht vorstellen, warum man einen bedeutenden Komponisten des 20. Jahrhunderts später nicht mehr beachten sollte, Meister des Barock aber selbstverständlich doch, nach über 400 Jahren.
Herzliche Grüße, S A T I E
Rachmaninov (12.12.2007, 19:12): @Satie,
Pollini hat sich jedenfalls eindeutig zu Stockhausens Klavierwerk, als logische Folge der Entwicklung im 20. jahrhundert bekannt.
Irgendwo in einem Interview laß ich auch "..... die Leute wissen genau was Stockhausen sagt, sie wollen es nur nicht hören...."
Wenn ich die genaue Stelle finde zitiere ich ordnungsgemäß. Glaube Pollini zitierte im Interview selber.
BTW, ich kenne Stockhausens Werk gar nicht.
Zelenka (12.12.2007, 19:15): Auch Claudio Arrau war von Stockhausen beeindruckt ...
Gruß, Zelenka
satie (12.12.2007, 19:42): Zur weiteren Lektüre hier einige Links, die durchaus den Komponisten Stockhausen mehr beachten und verstehen lassen:
Max Nyffeler - Würdigung Karlheinz Stockhausen anlässlich seines Todes
WDR Nachruf
Die Zeit - sehr ausführlicher Artikel
uhlmann (12.12.2007, 20:12): ohne zweifel ist stockhausen einer der wichtigsten und bekanntesten komponisten des 20. jahrhunderts, ohne zweifel auch werden viele seiner werke klassiker der neuen musik bleiben. leider haben seine unsinnigen aussagen und seine wirre esoterik etwas an seinem nimbus gekratzt.
ich persönlich kenne (und mag) hauptsächlich werke aus seiner seriellen und aleatorischen phase (50er, 60er). seine spätere hinwendung zum "übersinnlichen" habe ich nicht wirklich verstanden (ich habe mich aber auch nie genauer damit auseinander gesetzt).
noch etwas zu obiger diskussion:
statements wie jenes von karajan kommen in diskussionen über neue musik immer wieder zum vorschein. das hat imo gar nicht konkret etwas mit stockhausen zu tun (man könnte hier sicher auch lachenmann, boulez, rihm oder viele andere heranziehen). alles, was den üblichen konzeptionen von musik zuwider läuft, alles, was nicht auf anhieb verstanden wird, wird in frage gestellt. man kann es niemendem verübeln, keinen zugang zu solcher musik zu finden. jedoch sollte die allgemeine diskussion von gegenseitigem respekt geprägt sein. musik ist nicht weniger wertvoll, wenn jemand sie nicht versteht.
HenningKolf (12.12.2007, 21:00): na ja, da ich schließlich zitiert worden bin:
ich meinte dass durchaus so, dass die Ratlosikeit sich auf den Menschen und die politische (wahrscheinlich durchaus unpolitisch gemeinte, aber das eben ist mit Grund für meine Qualifizierung als Instinktlosigkeit) Äußerung, aber auch auf das Werk bezieht. Natürlich ist Letzteres rein subjektiv. Ich kenne sicherlich nicht viel von Stockhausen..kennen ist übertrieben, ich habe reingehört, aber das reicht mir für eine rein subjektive lebenslange Ablehnung.
Konkret habe ich geringe Hörerfahrungen bzgl. des - in meiner sicherlich unmaßgeblichen rein subjektiven Welt ausgesprochen verschroben und albern erscheinenden - Helikopterquartetts oder -quintetts (oder was auch immer) und einer Geschichte, in der Musiker mit einem Radio zusammen "musizieren". Beides glaube ich über das Fernsehen (Aspekte, Kulturspiegel oder etwas in der Art). Dann hatte ich mal eine CD ausgeliehen, in der es um elektronische Musik ging.Ich war neugierig, weil ich mit Holger Czukay, Can, Klaus Schulze etc. durchaus etwas anfangen kann (Czukay/Can betreffend auch nur selektiv). Aber Stockhausens Musik hat bei mir allergische Reaktionen ausgelöst, ein anaphylaktischer Schock ließ sich nur durch abruptes Ausstellen des Players verhindern.
Für mich ist Stockhausens Werk durchaus mehr Geräusch denn Musik, aber dass eine solche Äußerung zu nichts führt weiß ich auch und das soll dann auch ausdrücklich kein Diskussionsbeitrag sein (frühe Klavierkompositionen kenne ich nicht).
Nur am Rande: Ich glaube nicht, dass ich vorurteilsgeleitet bin, ich höre gerne in Zeitgenössisches oder jedenfalls fast Zeitgenössisches hinein..mit manchen Kompositionen/Komponisten kann ich sogar etwas anfangen, mit anderen halt nicht. Stockhausen gehört zu letzteren.
Ich stimme übrigens absolut zu, dass diese Äußerung zum 11.9 nicht weiter diskutiert werden sollte, genausowenig wie die Frage, was Karajan, Böhm, Walter und Furtwängler zu bestimmten Zeiten gemacht haben oder hätten (nicht) machen sollen
Dies ist ein Musikforum, Stockhausen wie Böhm waren in erster Linie Musiker und nicht Politiker...ich hatte die Bemerkung zum 11.9. nur aufgegriffen, weil sie bereits Gegenstand des Beitrags war.
So, mehr trage ich zu diesem Faden auch nicht mehr bei.
Gruß Henning
karajan (12.12.2007, 22:44): Re Stockhausen
Also ich muß nochmal sagen das ich schreibe so wie ich das emfinde. Musik so wie ich sie mag soll mir gefallen, soll meinem Ohr gefallen und meiner Seele. Man muss aber auch Kritik vertragen und sollte sich nicht gleich persönlich angegriffen fühlen.
Für mich und das habe ich auch so geschrieben ist das keine Musik so wie ich sie liebe. Für mich sind das Geräusche unharmonische Klänge und Töne. Die Musik hat keinen Fluss ist hart und kalt. Damit muss halt ein jeder Leben der seine Sache der Allgemeinheit zugänglich macht, das er Abgeleht wird. Warum sind die Werke der alten Meister so harmonisch angelegt egal ob es Werke von Bach-Mozart-Händel-Vivaldi usw sind. Sie werden immer noch nach mehreren hundert Jahren gern gehört. Ich bin der Meinung das Stockhausen in 100 Jahren nicht mehr gehört wird. Auch wenn Uhlmann meint das diese Musik nicht verstanden wird die kann man nicht verstehen weil sie undefinierbar ist. Unser tägliches Leben ist schon manchmal nicht zu ertragen hart und kalt und dann auch noch Musik? Nein das muss ich nicht haben und richtig wie Uhlmann schon sagte auch nicht Boulez, Henze und die anderen Notenverdreher. Das hat doch nichts mit Schönklang zu tun der Salbei für die Seele sein sollte.
Gruß Karajan
Rachmaninov (12.12.2007, 22:50): Original von karajan Warum sind die Werke der alten Meister so harmonisch angelegt egal ob es Werke von Bach-Mozart-Händel-Vivaldi usw sind. Sie werden immer noch nach mehreren hundert Jahren gern gehört.
Bach war nun auch mal "unpopulär" bis ihn Mendelssohn(?) wieder entdeckt hat! :wink
karajan (12.12.2007, 22:56): Original von Rachmaninov Original von karajan Warum sind die Werke der alten Meister so harmonisch angelegt egal ob es Werke von Bach-Mozart-Händel-Vivaldi usw sind. Sie werden immer noch nach mehreren hundert Jahren gern gehört.
Bach war nun auch mal "unpopulär" bis ihn Mendelssohn(?) wieder entdeckt hat! :wink
Schön dann hat er ja noch eine Chance:wink Jeder sollte zwei haben:engel
Rachmaninov (12.12.2007, 23:06): Original von karajan
Auch wenn Uhlmann meint das diese Musik nicht verstanden wird die kann man nicht verstehen weil sie undefinierbar ist.
Das darf und soll aber auch jeder für sich bewerten. Wie ich verstehe ist ein nicht DEINE Art der Musik. Nicht tragisch, es gibt ja so vieles :wink
satie (12.12.2007, 23:08): Original von karajan Re Stockhausen
Also ich muß nochmal sagen das ich schreibe so wie ich das emfinde. Musik so wie ich sie mag soll mir gefallen, soll meinem Ohr gefallen und meiner Seele.
Warum dann nicht gleich so erklären? Aber das folgende zeigt ja, dass es eben doch so gemeint war, wie ichs verstanden hatte...
Warum sind die Werke der alten Meister so harmonisch angelegt egal ob es Werke von Bach-Mozart-Händel-Vivaldi usw sind. Sie werden immer noch nach mehreren hundert Jahren gern gehört.
Die Werke der Ars subtilior werden sogar nach noch mehreren hundert Jahren gerne gehört als die der genannten Komponisten. Und das, obwohl die dann wohl mindestens so hart und kalt und konstruiert und unharmonisch sind (wenn man nun diese Mützchen drüber stülpen will...).
Ich bin der Meinung das Stockhausen in 100 Jahren nicht mehr gehört wird. Auch wenn Uhlmann meint das diese Musik nicht verstanden wird die kann man nicht verstehen weil sie undefinierbar ist. Unser tägliches Leben ist schon manchmal nicht zu ertragen hart und kalt und dann auch noch Musik?
Also, wenn Uhlmann dank der neuesten Erkenntnisse der Medizin 200 Jahre alt werden sollte, dann hört immerhin Uhlmann immer noch Stockhausen, denn er hört ihn ja heute auch. (Uhli, wir treffen uns dann beim Bingo in der Seniorenresidenz und ziehn uns mal wieder das Kreuzspiel rein. Sagen wir heute in 150 Jahren, so gegen 15 Uhr?) Also mal ehrlich, was kann denn Stockhausen dafür, dass Dein Leben so schwer zu ertragen ist? Und wie bitte definierst Du denn die andere Musik?
Nein das muss ich nicht haben und richtig wie Uhlmann schon sagte auch nicht Boulez, Henze und die anderen Notenverdreher. Das hat doch nichts mit Schönklang zu tun der Salbei für die Seele sein sollte.
Jesus Christus. Er hat es wieder getan. Soll ich? Ach, nö... Übrigens schmeckt Salbei gar nicht und ist gar kein Kraut, genauso wie die anderen Dinger mit zwittrigen Blüten. Upps...jetzt hab ich ja doch...
karajan (13.12.2007, 07:13): Original von Satie Original von karajan Re Stockhausen
Also ich muß nochmal sagen das ich schreibe so wie ich das emfinde. Musik so wie ich sie mag soll mir gefallen, soll meinem Ohr gefallen und meiner Seele.
Warum dann nicht gleich so erklären? Aber das folgende zeigt ja, dass es eben doch so gemeint war, wie ichs verstanden hatte...
Warum sind die Werke der alten Meister so harmonisch angelegt egal ob es Werke von Bach-Mozart-Händel-Vivaldi usw sind. Sie werden immer noch nach mehreren hundert Jahren gern gehört.
Die Werke der Ars subtilior werden sogar nach noch mehreren hundert Jahren gerne gehört als die der genannten Komponisten. Und das, obwohl die dann wohl mindestens so hart und kalt und konstruiert und unharmonisch sind (wenn man nun diese Mützchen drüber stülpen will...).
Ich bin der Meinung das Stockhausen in 100 Jahren nicht mehr gehört wird. Auch wenn Uhlmann meint das diese Musik nicht verstanden wird die kann man nicht verstehen weil sie undefinierbar ist. Unser tägliches Leben ist schon manchmal nicht zu ertragen hart und kalt und dann auch noch Musik?
Also, wenn Uhlmann dank der neuesten Erkenntnisse der Medizin 200 Jahre alt werden sollte, dann hört immerhin Uhlmann immer noch Stockhausen, denn er hört ihn ja heute auch. (Uhli, wir treffen uns dann beim Bingo in der Seniorenresidenz und ziehn uns mal wieder das Kreuzspiel rein. Sagen wir heute in 150 Jahren, so gegen 15 Uhr?) Also mal ehrlich, was kann denn Stockhausen dafür, dass Dein Leben so schwer zu ertragen ist? Und wie bitte definierst Du denn die andere Musik?
Nein das muss ich nicht haben und richtig wie Uhlmann schon sagte auch nicht Boulez, Henze und die anderen Notenverdreher. Das hat doch nichts mit Schönklang zu tun der Salbei für die Seele sein sollte.
Jesus Christus. Er hat es wieder getan. Soll ich? Ach, nö... Übrigens schmeckt Salbei gar nicht und ist gar kein Kraut, genauso wie die anderen Dinger mit zwittrigen Blüten. Upps...jetzt hab ich ja doch...
Guten Morgen Satie:hello
Ich werde dazu mich nicht mehr äußern nicht das diese Sache noch eskaliert. Er soll in Frieden Ruhn. :engel Ich werde jetzt das Requiem von Mozart auflegen das ist ok. Eine schöne Zeit dir noch bis dann Karajan
Cosima (14.12.2007, 19:21): Vorgestern hörte ich im Radio eine Sendung zum Tode Stockhausens. Es wurden einige seiner Werke in Auszügen vorgestellt, zwischendurch sprach der Komponist über seinen Weg der Entwicklung, seine persönliche „Evolution“. Einem der Werke (ich habe den Namen vergessen, aber eine Sopranistin „sang“ bzw. kreischte/seufzte/stöhnte zu Orchesterklängen) hatte der Komponist diverse Geräusche/Klänge im Studio beigemischt. Ich war irritiert beim Hören, denn es handelte sich um Baby- und Truthahngeschrei etc. – Ich weiß nicht, ob die Auswahl dieser Radiosendung repräsentativ für Stockhausens Schaffen war. Falls doch: Ich brauche das nicht.
Gruß, Cosima
cellodil (15.12.2007, 12:32): ... also, wenn ich mir die Diskussion auf der vorigen Seite so anschaue, dann kann ich nur sagen, dass Monsieur Stockhausen (möge er in Frieden Wolken schieben) es doch immer noch schafft, die Gemüter zu erhitzen - als Mensch, aber auch mit seiner Musik, dass er nicht gleichgültig lässt, sondern etwas berührt (ob wir das nun als schön, unangenehm oder gar fürchterlich empfinden, das sei an dieser Stelle mal dahingestellt)... Und ich denke, das ist doch schon auch etwas, was Kunst auch sollte.
habe ich heute reingehört, und wenn meine Kultur-Einkaufsliste nicht schon so umfangreich gewesen wäre und der Einkaufskorb nicht schon so voll, hätte ich sie auch mitgenommen. Ist vorgemerkt für Anfang 2008.
Weder Geräusche, unharmonische Klänge, es fehlen weder Fluß, noch ist sie hart oder kalt. Und in jedem Fall mehr Salbei für meine Seele als die 2te 3te 4te nte Neuaufnahme und Wiederauflage von was auch immer des Herrn von K.
Einen schönen Abend, Wolfgang
Gamaheh (29.12.2007, 00:52): Original von Satie Er war zweifellos einer der wichtigsten Komponisten der Nachkriegszeit in Deutschland (und somit ganz Europa).
Seine Äußerungen zur Tragödie des 11. September waren so etwas wie ein Selbstmord (Stockhausen hatte bemerkt, dass diese Flugzeuge, wie sie da in die Wolkenkratzer flogen, durchaus einen ästhetischen Reiz hätten, was natürlich nicht unbedingt eine sehr angebrachte Aussage angesichts einer solchen Sache war).
Kann es sein, daß es etwas durchaus Deutsches ist, solche Dinge gegeneinander aufzurechnen? Etwa, wie wenn man sagt, Hier habe immerhin Autobahnen gebaut und Muolini dafür gesorgt, daß die Züge pünktlich fahren (nur umgekehrt)?
Um ganz ehrlich zu sein, weiß ich so gut wie nichts über Stockhausen (er hat mich noch nicht erreicht), aber kürzlich war ich bei einer Sendung von Radio France Musique (Le Cabaret classique de Jean-Francois Zygel), die mit einer kleinen Hommage an Stockhausen begann. Es wurde ein Stück gespielt, das - wenn ich mich nicht irre - den Namen "Mikrophonie 1" trug: ein Stück für zwei Tam-Tams und zwei Mikrophone - durchaus interessante Klänge, aber nicht unbedingt das, was ich als zum inneren Kreis der "Musik" gehörig empfunden hätte (aber man ist ja sehr beschränkt). Der anwesende Komponist, Anthony Girard, kannte es auch nicht und meinte, es sei vielleicht etwas für Vegetarier, gegen Tierquälerei ... (Ich glaube, er hat die Klänge mit Schmerzensschreien von mißhandelten Tieren assoziiert.) Ich will damit nicht sagen, daß ich das als unschön empfand - nur gediegen.
Grüße, Gamaheh
Admin: Ich mag die Namen hier nicht via Google finden lassen und habe sie daher unkenntlich gemacht.
satie (11.12.2007, 13:14): Meine Lieben,
am 5. Dezember 2007 ist Karlheinz Stockhausen im Alter von 79 Jahren gestorben. Er war zweifellos einer der wichtigsten Komponisten der Nachkriegszeit in Deutschland (und somit ganz Europa).
Hier einen Nachruf zu verfassen ist gar nicht so einfach, denn mein Verhältnis zu Stockhausen war immer sehr gespalten: als Komponist ist sein Einfluss gar nicht zu bestreiten (ob einen nun diese Musik interessiert oder nicht sei mal völlig dahingestellt). Als Mensch hat er für sehr viele Kontroversen gesorgt, wurde durchaus als Nazi beschimpft, als verrückt, als krank etc. Das alles hing mit Stockhausens sehr eigenwilliger Philosophie-Religion zusammen, die eine Mischung aus Christentum, indischem Gedankengut, Glauben an ausserirdisches Leben (besonders das wurde ihm sehr zum Verhängnis!), wahnartige Vorstellungen einer Apokalypse etc. Seine Äußerungen zur Tragödie des 11. September waren so etwas wie ein Selbstmord (Stockhausen hatte bemerkt, dass diese Flugzeuge, wie sie da in die Wolkenkratzer flogen, durchaus einen ästhetischen Reiz hätten, was natürlich nicht unbedingt eine sehr angebrachte Aussage angesichts einer solchen Sache war).
Trotz allem überkandidelten Gehabe sollte man ihn aber meiner Meinung nach nicht einfach belächeln, denn er war ein guter und interessanter Komponist, der einen enormen Einfluss auf viele andere hatte und darüber hinaus wohl außer Cage einer der wenigen war, die auch auf den Pop-Bereich eine große Ausstrahlung hatten (seine Freundschaft mit den Beatles ist wohl vielen bekannt).
Einige seiner Werke kann ich überhaupt nicht ausstehen (so etwa das Helikopter-Quartett), andere hingegen haben für mich einen großen poetischen Reiz (ich liebe seinen "Tierkreis"). Stockhausen war eine Leitfigur des Serialismus, und besonders in den Anfängen hat er viele hochinteressante Schriften veröffentlicht (insbesondere interessant ist "...wie die Zeit vergeht"). Die Hinwendung zur Esoterik etc. fand bei ihm wie bei den meisten in den späten 60ern und den 70er-Jahren statt. Stockhausen schrieb in dieser Zeit intuitive Musik ("Aus den Sieben Tagen") und stark klanglich orientierte wie "Stimmung". Sein größtes Projekt war der Opernzyklus "Licht" (1977-2005, 29 Stunden Dauer). Ich hatte immer gewettet, dass Stockhausen es schaffen wird, diesen Zyklus zu vollenden, bevor er stirbt. Er selbst hatte allerdings ursprünglich mit einer Fertigstellung nach 2010 gerechnet. Immerhin: er hat es geschafft. Eine sehr wichtige Rolle spielte er als Pionier der elektronischen Musik. Seine frühen Studien waren bahnbrechend, und in diesem Bereich hat sich auch der Popbereich sehr für ihn interessiert.
Einen ausführlichen Artikel gibt es hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Karlheinz_Stockhausen
Ich halte es für notwendig, Stockhausen zwar menschlich und künstlerisch (so weit das geht) zu trennen. Ihn als Spinner ab zu tun fand ich immer schon unfair. Macken haben schließlich fast alle Komponisten, seine waren halt etwas ausgeprägter.
Herzliche Grüße, S A T I E
Rachmaninov (11.12.2007, 13:52): Original von Satie Seine Äußerungen zur Tragödie des 11. September waren so etwas wie ein Selbstmord (Stockhausen hatte bemerkt, dass diese Flugzeuge, wie sie da in die Wolkenkratzer flogen, durchaus einen ästhetischen Reiz hätten, was natürlich nicht unbedingt eine sehr angebrachte Aussage angesichts einer solchen Sache war).
In einem Interview hat sich Pollini dazu geäußert. Wenn ich es recht in Erinnerung habe, ist es gar nicht einmal 100%ig klar und sicher nachvollziehbar was Stockhausen genau gesagt hat. Ich habe in Erinnerung, daß Pollini hier zweifel über die Richtigkeit des "Zitats" hegt. Ist diese Aussage nun "belegt"?
satie (11.12.2007, 14:02): Doch, die Aussage ist belegt (kann man im genauen Wortlaut im Wikipedia-Artikel nachlesen. Stockhausen hatte dazu noch einmal Stellung genommen, denn einen Sinn ergab das alles erst im größeren Zusammenhang und mit Stockhausens eigenen Werkvorstellungen (hier kann man auch Parallelen ziehen zu Skriabin, Wagner und anderen). Trotzdem, die Aussage wurde aus verständlichen Gründen stark kritisiert, und Stockhausen hätte besser nichts dazu gesagt, zumal ihm die ganze politische Dimension gar nicht bewusst gewesen zu sein scheint oder ihn nicht interessiert hat, wer weiss. Es ist hier wie üblich Ermessenssache, ob man etwas als Größenwahn negativ versteht oder es wohlwollend als visionär bezeichnet (jetzt nicht diese Aussage, sondern die allgemeinen Werkideen, die dann eben dazu führten).
HenningKolf (11.12.2007, 23:07): ich habe mir gerade das wikipedia-Zitat zum 11.9. durchgelesen und denke, dass mich derartige Instinktlosigkeit fast so ratlos zurücklässt wie diverse kompositorische Werke des Verfassers. Derartig verschrobenen Nonsense würde man ansonsten allenfalls von Typen wie Dali oder Kinski erwarten, so sie denn den 11.9 erlebt hätten. Mit deren künstlerischen Schaffen konnte ich mich allerdings immerhin anfreunden. So bleibt denn bei Stockhausens nichts was sich für mich des Erinnerns lohnen würde. Möge er in Frieden ruhen.
Henning
satie (12.12.2007, 09:40): Ich möchte doch ein wenig einlenken. In einem 80 Jahre langen Leben durchlaufen Menschen bekanntlich eine ziemlich lange Entwicklung. Die Verschrobenheit Stockhausens kann diverse Gründe haben (er hatte eine geistig behinderte Mutter, die von den Nazis "erlöst wurde", auch musste er im Krieg Bombenopfer verarzten, die wohl so entstellt waren, dass er nur auf gut Glück mit einem Strohhalm eine Öffnung zum Mund eines Patienten fand etc.). Ich bin der Meinung, dass man darauf nicht all zu sehr herumreiten sollte. Es geht in die selbe Richtung wie gewisse Leute grundsätzlich Wagner wegen des Antisemitismus ablehnen oder sich keine Heinz Rühmann Filme mehr ansehen können, weil der seine Frau ohne großen Widerstand abtransportieren ließ. Wie ich bereits meinte, muss man manchmal das menschliche doch vom künstlerischen abspalten (bei Philosophen müssen wir das andauernd, weil sie oft überhaupt nicht nach ihrer Philosophie gelebt haben, selbst Menschen wie Gandhi sind da zu nennen, die trotz aller Revolution die eigene Frau wie Dreck behandelt haben etc.). Seit dem 11. September ist Stockhausen der Welt nur noch als Spinner präsentiert worden, und der durchschnittliche Bild-Leser wird außer dieser Sache gar nichts über Stockhausen wissen (es war eine dieser typischen Schlagzeilen...). Ich nehme da nichts in Schutz, bin aber der Meinung, dass man ihn doch in erster Linie als Komponisten betrachten sollte und seine Musik ins Zentrum stellen muss. Man kann vielleicht sagen, dass die Werke seit den 70er-Jahren dann diese seltsam esoterische Prägung haben, aber dennoch gibt es wirklich interessante Stücke von ihm. Davor war Stockhausen immerhin ein Pionier, der für mindestens eine Generation wohl der bedeutendste Komponist in Deutschland war. Es gibt genügend andere Fälle, die eine ähnliche Entwicklung zeigen, so etwa Henry Cowell, der Cage im Grunde die ganze Idee mit dem präparierten Klavier lieferte. Er schrieb zunächst hochinteressante Stücke voller neuer Ideen, wanderte aber dann wegen Pädophilie in den Knast. Danach war er ein gebrochener Mann, und seine Kompositionen zeigen das sehr deutlich (deutlicher als Stockhausens Werke, die dann ganz im Einfluss seiner Sirius-Gläubigkeit stehen). Will man nun Cowells Werke, Cowell als Komponisten einfach in die Tonne treten, weil der Mann sich für Kinder "interessierte"? Ich finde nicht, denn der Mann lebt nicht mehr, und das Hören seiner Stücke verpflichtet uns ja nicht, mit ihm ins Sommercamp zu fahren, damit er einem an die Wäsche gehen kann. Hier will ich also dafür plädieren, nicht zu sehr diese Dinge zu verquicken. Gesualdo hören wir auch, obwohl er seine Frau im Wahn getötet hat. All das schreibe ich nur zur Klärung. Vielleicht hätte ich in der Einleitung auch gar nichts von der Sache erwähnen sollen, denn der eine oder andere, der bisher nichts oder wenig von Stockhausen gehört hat, wird vielleicht angesichts eines solchen Zitats die Spinner-Schublade öffnen und ihn einfach da hinein legen. Natürlich: ob es einem gefällt oder nicht ist eine andere Frage.
Herzliche Grüße, S A T I E
karajan (12.12.2007, 17:02): Original von HenningKolf ich habe mir gerade das wikipedia-Zitat zum 11.9. durchgelesen und denke, dass mich derartige Instinktlosigkeit fast so ratlos zurücklässt wie diverse kompositorische Werke des Verfassers. Derartig verschrobenen Nonsense würde man ansonsten allenfalls von Typen wie Dali oder Kinski erwarten, so sie denn den 11.9 erlebt hätten. Mit deren künstlerischen Schaffen konnte ich mich allerdings immerhin anfreunden. So bleibt denn bei Stockhausens nichts was sich für mich des Erinnerns lohnen würde. Möge er in Frieden ruhen.
Henning
Hallo Henning
100% deine Auffassung da ist nichts mehr zu sagen genau meine Meinung. Für mich war das keine Musik. Ob man in 20 Jahren noch von Stockhausen redet ich mag es bezweifeln.
Gruß Karajan
satie (12.12.2007, 18:55): Original von karajan
Hallo Henning
100% deine Auffassung da ist nichts mehr zu sagen genau meine Meinung. Für mich war das keine Musik. Ob man in 20 Jahren noch von Stockhausen redet ich mag es bezweifeln.
Gruß Karajan
Lieber Karajan, zwar ahnte ich schon, dass es zu einer Grundsatzdiskussion ausarten wird. Keine Angst, ich werde mich hierzu nicht groß auslassen. Ich möchte aber zwei Dinge klarstellen. Zunächst muss ich, um wirklich nicht falsch verstanden zu werden noch einmal betonen, dass ich mich von Stockhausens verschrobenen Seiten ziemlich klar distanziere (wenn auch nicht von allen) und keineswegs die berüchtigte Aussage zu der Tragödie vom 11. September rechtfertigen wollte. Ich bin hier kein Advocatus Diaboli, sondern wie die Jungfrau zum Kinde kommend hier offenbar bislang der einzige, der Stockhausens Musik überhaupt etwas abgewinnen kann und sie daher in Schutz nimmt.
Das führt mich zum zweiten, sehr viel wichtigeren Punkt, nämlich zu einer Beobachtung, die ich jetzt schon seit 20 Jahren immer und immer wieder gemacht habe, wenn es um atonale Musik geht (wenn auch immer wieder konkret um andere Formen der Musik des 20. Jahrhunderts). Ich frage mich einfach, warum hier immer wieder Sätze zu lesen sind, die man sich älterer Musik gegenüber niemals erlauben würde, niemals. Da mich das immer noch aufregt, muss ich jetzt was sagen. Ich bin zugegeben absolut kein Fan des Belcanto und kann zum Beispiel Verdi absolut nicht leiden. Ich würde aber niemals dieser Musik absprechen Musik zu sein, nur weil ich sie nicht mag. Ich sage nicht: Verdi ist ein lausiger Komponist gewesen, von dem eigentlich heute niemand mehr sprechen dürfte. Warum ist es nötig zu schreiben: Für mich war das keine Musik. Warum muss das so stark, so abwertend, so vernichtend formuliert sein? Warum muss es überhaupt gesagt werden? Denn: eine tiefere Kenntnis des Oeuvres des Komponisten liegt sehr wahrscheinlich nicht vor. Was erlaubt eine solche auch noch in der wohl bewusst in Vergangenheitsform gesetzte Verurteilung? Und ihr folgt denn auch prompt in Manier des guten Nostradamus: Ob man in 20 Jahren noch von Stockhausen redet ich mag es bezweifeln.
Genau das ist es, was ich versuchte klarzumachen. Es ist nicht richtig, hier die Dinge so zu verquicken, dass daraus ein solches Pauschalurteil entsteht. Es ist deshalb nicht in Ordnung, weil es a) nicht geschieht mit Komponisten, die dem breiten Publikum als etabliert gelten, bzw. generell nicht mit Komponisten anderer Epochen b) für ein solches Urteil das Hören einer Aussage des Komponisten keinesfalls ausreichend ist
Warum rege ich mich überhaupt auf? Weil ich selbst Komponist bin und mir absolut bewusst bin, wie dünn der Grat hin zum spleenigen Sonderlingsdasein ist, wenn man so in seine kompositorische Arbeit versinkt. Viele sind durchaus verrückt geworden. Ich akzeptiere aber deswegen keine Verurteilung und Abwertung des Werks, nur weil einem etwas nicht gefallen hat und man etwas über die sonderlichen Geisteszustände der Leute gehört hat. Tut mir leid, aber hier bin ich empfindlich. Henning hat es weit vorsichtiger formuliert und auch nicht die Sonderlichkeit mit der Musik verquickt (zumindest habe ich es nicht so aufgefasst).
Ich frage mich auch, ob man hier den Komponisten aufgrund dieses Zitats diskriminieren darf, während bei Böhm und Karajan der Zusammenhang mit dem d r i t t e n R e i c h gar nicht diskutiert werden durfte (was ich an sich akzeptabel fand als zensorischen Eingriff). So zumindest hatte ich es nicht intendiert, ich wollte aber diese Facette nicht einfach weglassen, da ein Teil davon wieder für das Werk wichtig ist. Jetzt finde ich allerdings, dass sich alles wirklich zu sehr darum dreht, was der Mann sagte und zu wenig um ihn als Komponisten. Dass die Aussage spinnert war scheint mir hinreichend bekannt und nun genügend zu seinem Nachteil eingebracht worden zu sein. Jetzt sollte es um die Musik gehen, und man sollte über sie so sprechen, wie man auch über die von Mozart oder von Bruckner spricht und nicht so, als ob man von vornherein davon ausgeht, dies sei gar keine Schokolade, sondern Exkrement (mir sei der starke Vergleich verziehen). Wer diese Schokolade nicht mag (nicht jeder will Nuss-Rosine), der braucht sie nicht zu essen, das genügt völlig. Es ist nicht nötig, sie anderen als Dreck zu verkaufen.
S A T I E
Rachmaninov (12.12.2007, 19:03): @Forianer,
denke, wer Stockhausen hier ablehnt kann dies durchaus äußern, ich denke aber seine damaligen Äußerungen hier zu diskutieren drängt und vermutlich mehr in die Politische als in die kompositorische Diskussion. Das wäre schade.
Die Frage aufzuwerfen ob wir in 20 Jahren überhaupt noch Stockhausen hören werden ist natürlich kaum zu beantworten, allerdings doch recht interessant.
satie (12.12.2007, 19:10): Lieber Rachmaninov, danke, das ist schon sehr richtig. Mir ging es nur um die Art, wie man jemanden ablehnt und wie man es formuliert. Vielleicht bin ich auch zu empfindlich... Die Frage nach der Zukunft muss dann aber eine generelle Frage zur Musik des letzten Jahrhunderts und der Gegenwart sein. Warum muss sie hier aufgeworfen werden? Ich jedenfalls kann mir nicht vorstellen, warum man einen bedeutenden Komponisten des 20. Jahrhunderts später nicht mehr beachten sollte, Meister des Barock aber selbstverständlich doch, nach über 400 Jahren.
Herzliche Grüße, S A T I E
Rachmaninov (12.12.2007, 19:12): @Satie,
Pollini hat sich jedenfalls eindeutig zu Stockhausens Klavierwerk, als logische Folge der Entwicklung im 20. jahrhundert bekannt.
Irgendwo in einem Interview laß ich auch "..... die Leute wissen genau was Stockhausen sagt, sie wollen es nur nicht hören...."
Wenn ich die genaue Stelle finde zitiere ich ordnungsgemäß. Glaube Pollini zitierte im Interview selber.
BTW, ich kenne Stockhausens Werk gar nicht.
Zelenka (12.12.2007, 19:15): Auch Claudio Arrau war von Stockhausen beeindruckt ...
Gruß, Zelenka
satie (12.12.2007, 19:42): Zur weiteren Lektüre hier einige Links, die durchaus den Komponisten Stockhausen mehr beachten und verstehen lassen:
Max Nyffeler - Würdigung Karlheinz Stockhausen anlässlich seines Todes
WDR Nachruf
Die Zeit - sehr ausführlicher Artikel
uhlmann (12.12.2007, 20:12): ohne zweifel ist stockhausen einer der wichtigsten und bekanntesten komponisten des 20. jahrhunderts, ohne zweifel auch werden viele seiner werke klassiker der neuen musik bleiben. leider haben seine unsinnigen aussagen und seine wirre esoterik etwas an seinem nimbus gekratzt.
ich persönlich kenne (und mag) hauptsächlich werke aus seiner seriellen und aleatorischen phase (50er, 60er). seine spätere hinwendung zum "übersinnlichen" habe ich nicht wirklich verstanden (ich habe mich aber auch nie genauer damit auseinander gesetzt).
noch etwas zu obiger diskussion:
statements wie jenes von karajan kommen in diskussionen über neue musik immer wieder zum vorschein. das hat imo gar nicht konkret etwas mit stockhausen zu tun (man könnte hier sicher auch lachenmann, boulez, rihm oder viele andere heranziehen). alles, was den üblichen konzeptionen von musik zuwider läuft, alles, was nicht auf anhieb verstanden wird, wird in frage gestellt. man kann es niemendem verübeln, keinen zugang zu solcher musik zu finden. jedoch sollte die allgemeine diskussion von gegenseitigem respekt geprägt sein. musik ist nicht weniger wertvoll, wenn jemand sie nicht versteht.
HenningKolf (12.12.2007, 21:00): na ja, da ich schließlich zitiert worden bin:
ich meinte dass durchaus so, dass die Ratlosikeit sich auf den Menschen und die politische (wahrscheinlich durchaus unpolitisch gemeinte, aber das eben ist mit Grund für meine Qualifizierung als Instinktlosigkeit) Äußerung, aber auch auf das Werk bezieht. Natürlich ist Letzteres rein subjektiv. Ich kenne sicherlich nicht viel von Stockhausen..kennen ist übertrieben, ich habe reingehört, aber das reicht mir für eine rein subjektive lebenslange Ablehnung.
Konkret habe ich geringe Hörerfahrungen bzgl. des - in meiner sicherlich unmaßgeblichen rein subjektiven Welt ausgesprochen verschroben und albern erscheinenden - Helikopterquartetts oder -quintetts (oder was auch immer) und einer Geschichte, in der Musiker mit einem Radio zusammen "musizieren". Beides glaube ich über das Fernsehen (Aspekte, Kulturspiegel oder etwas in der Art). Dann hatte ich mal eine CD ausgeliehen, in der es um elektronische Musik ging.Ich war neugierig, weil ich mit Holger Czukay, Can, Klaus Schulze etc. durchaus etwas anfangen kann (Czukay/Can betreffend auch nur selektiv). Aber Stockhausens Musik hat bei mir allergische Reaktionen ausgelöst, ein anaphylaktischer Schock ließ sich nur durch abruptes Ausstellen des Players verhindern.
Für mich ist Stockhausens Werk durchaus mehr Geräusch denn Musik, aber dass eine solche Äußerung zu nichts führt weiß ich auch und das soll dann auch ausdrücklich kein Diskussionsbeitrag sein (frühe Klavierkompositionen kenne ich nicht).
Nur am Rande: Ich glaube nicht, dass ich vorurteilsgeleitet bin, ich höre gerne in Zeitgenössisches oder jedenfalls fast Zeitgenössisches hinein..mit manchen Kompositionen/Komponisten kann ich sogar etwas anfangen, mit anderen halt nicht. Stockhausen gehört zu letzteren.
Ich stimme übrigens absolut zu, dass diese Äußerung zum 11.9 nicht weiter diskutiert werden sollte, genausowenig wie die Frage, was Karajan, Böhm, Walter und Furtwängler zu bestimmten Zeiten gemacht haben oder hätten (nicht) machen sollen
Dies ist ein Musikforum, Stockhausen wie Böhm waren in erster Linie Musiker und nicht Politiker...ich hatte die Bemerkung zum 11.9. nur aufgegriffen, weil sie bereits Gegenstand des Beitrags war.
So, mehr trage ich zu diesem Faden auch nicht mehr bei.
Gruß Henning
karajan (12.12.2007, 22:44): Re Stockhausen
Also ich muß nochmal sagen das ich schreibe so wie ich das emfinde. Musik so wie ich sie mag soll mir gefallen, soll meinem Ohr gefallen und meiner Seele. Man muss aber auch Kritik vertragen und sollte sich nicht gleich persönlich angegriffen fühlen.
Für mich und das habe ich auch so geschrieben ist das keine Musik so wie ich sie liebe. Für mich sind das Geräusche unharmonische Klänge und Töne. Die Musik hat keinen Fluss ist hart und kalt. Damit muss halt ein jeder Leben der seine Sache der Allgemeinheit zugänglich macht, das er Abgeleht wird. Warum sind die Werke der alten Meister so harmonisch angelegt egal ob es Werke von Bach-Mozart-Händel-Vivaldi usw sind. Sie werden immer noch nach mehreren hundert Jahren gern gehört. Ich bin der Meinung das Stockhausen in 100 Jahren nicht mehr gehört wird. Auch wenn Uhlmann meint das diese Musik nicht verstanden wird die kann man nicht verstehen weil sie undefinierbar ist. Unser tägliches Leben ist schon manchmal nicht zu ertragen hart und kalt und dann auch noch Musik? Nein das muss ich nicht haben und richtig wie Uhlmann schon sagte auch nicht Boulez, Henze und die anderen Notenverdreher. Das hat doch nichts mit Schönklang zu tun der Salbei für die Seele sein sollte.
Gruß Karajan
Rachmaninov (12.12.2007, 22:50): Original von karajan Warum sind die Werke der alten Meister so harmonisch angelegt egal ob es Werke von Bach-Mozart-Händel-Vivaldi usw sind. Sie werden immer noch nach mehreren hundert Jahren gern gehört.
Bach war nun auch mal "unpopulär" bis ihn Mendelssohn(?) wieder entdeckt hat! :wink
karajan (12.12.2007, 22:56): Original von Rachmaninov Original von karajan Warum sind die Werke der alten Meister so harmonisch angelegt egal ob es Werke von Bach-Mozart-Händel-Vivaldi usw sind. Sie werden immer noch nach mehreren hundert Jahren gern gehört.
Bach war nun auch mal "unpopulär" bis ihn Mendelssohn(?) wieder entdeckt hat! :wink
Schön dann hat er ja noch eine Chance:wink Jeder sollte zwei haben:engel
Rachmaninov (12.12.2007, 23:06): Original von karajan
Auch wenn Uhlmann meint das diese Musik nicht verstanden wird die kann man nicht verstehen weil sie undefinierbar ist.
Das darf und soll aber auch jeder für sich bewerten. Wie ich verstehe ist ein nicht DEINE Art der Musik. Nicht tragisch, es gibt ja so vieles :wink
satie (12.12.2007, 23:08): Original von karajan Re Stockhausen
Also ich muß nochmal sagen das ich schreibe so wie ich das emfinde. Musik so wie ich sie mag soll mir gefallen, soll meinem Ohr gefallen und meiner Seele.
Warum dann nicht gleich so erklären? Aber das folgende zeigt ja, dass es eben doch so gemeint war, wie ichs verstanden hatte...
Warum sind die Werke der alten Meister so harmonisch angelegt egal ob es Werke von Bach-Mozart-Händel-Vivaldi usw sind. Sie werden immer noch nach mehreren hundert Jahren gern gehört.
Die Werke der Ars subtilior werden sogar nach noch mehreren hundert Jahren gerne gehört als die der genannten Komponisten. Und das, obwohl die dann wohl mindestens so hart und kalt und konstruiert und unharmonisch sind (wenn man nun diese Mützchen drüber stülpen will...).
Ich bin der Meinung das Stockhausen in 100 Jahren nicht mehr gehört wird. Auch wenn Uhlmann meint das diese Musik nicht verstanden wird die kann man nicht verstehen weil sie undefinierbar ist. Unser tägliches Leben ist schon manchmal nicht zu ertragen hart und kalt und dann auch noch Musik?
Also, wenn Uhlmann dank der neuesten Erkenntnisse der Medizin 200 Jahre alt werden sollte, dann hört immerhin Uhlmann immer noch Stockhausen, denn er hört ihn ja heute auch. (Uhli, wir treffen uns dann beim Bingo in der Seniorenresidenz und ziehn uns mal wieder das Kreuzspiel rein. Sagen wir heute in 150 Jahren, so gegen 15 Uhr?) Also mal ehrlich, was kann denn Stockhausen dafür, dass Dein Leben so schwer zu ertragen ist? Und wie bitte definierst Du denn die andere Musik?
Nein das muss ich nicht haben und richtig wie Uhlmann schon sagte auch nicht Boulez, Henze und die anderen Notenverdreher. Das hat doch nichts mit Schönklang zu tun der Salbei für die Seele sein sollte.
Jesus Christus. Er hat es wieder getan. Soll ich? Ach, nö... Übrigens schmeckt Salbei gar nicht und ist gar kein Kraut, genauso wie die anderen Dinger mit zwittrigen Blüten. Upps...jetzt hab ich ja doch...
karajan (13.12.2007, 07:13): Original von Satie Original von karajan Re Stockhausen
Also ich muß nochmal sagen das ich schreibe so wie ich das emfinde. Musik so wie ich sie mag soll mir gefallen, soll meinem Ohr gefallen und meiner Seele.
Warum dann nicht gleich so erklären? Aber das folgende zeigt ja, dass es eben doch so gemeint war, wie ichs verstanden hatte...
Warum sind die Werke der alten Meister so harmonisch angelegt egal ob es Werke von Bach-Mozart-Händel-Vivaldi usw sind. Sie werden immer noch nach mehreren hundert Jahren gern gehört.
Die Werke der Ars subtilior werden sogar nach noch mehreren hundert Jahren gerne gehört als die der genannten Komponisten. Und das, obwohl die dann wohl mindestens so hart und kalt und konstruiert und unharmonisch sind (wenn man nun diese Mützchen drüber stülpen will...).
Ich bin der Meinung das Stockhausen in 100 Jahren nicht mehr gehört wird. Auch wenn Uhlmann meint das diese Musik nicht verstanden wird die kann man nicht verstehen weil sie undefinierbar ist. Unser tägliches Leben ist schon manchmal nicht zu ertragen hart und kalt und dann auch noch Musik?
Also, wenn Uhlmann dank der neuesten Erkenntnisse der Medizin 200 Jahre alt werden sollte, dann hört immerhin Uhlmann immer noch Stockhausen, denn er hört ihn ja heute auch. (Uhli, wir treffen uns dann beim Bingo in der Seniorenresidenz und ziehn uns mal wieder das Kreuzspiel rein. Sagen wir heute in 150 Jahren, so gegen 15 Uhr?) Also mal ehrlich, was kann denn Stockhausen dafür, dass Dein Leben so schwer zu ertragen ist? Und wie bitte definierst Du denn die andere Musik?
Nein das muss ich nicht haben und richtig wie Uhlmann schon sagte auch nicht Boulez, Henze und die anderen Notenverdreher. Das hat doch nichts mit Schönklang zu tun der Salbei für die Seele sein sollte.
Jesus Christus. Er hat es wieder getan. Soll ich? Ach, nö... Übrigens schmeckt Salbei gar nicht und ist gar kein Kraut, genauso wie die anderen Dinger mit zwittrigen Blüten. Upps...jetzt hab ich ja doch...
Guten Morgen Satie:hello
Ich werde dazu mich nicht mehr äußern nicht das diese Sache noch eskaliert. Er soll in Frieden Ruhn. :engel Ich werde jetzt das Requiem von Mozart auflegen das ist ok. Eine schöne Zeit dir noch bis dann Karajan
Cosima (14.12.2007, 19:21): Vorgestern hörte ich im Radio eine Sendung zum Tode Stockhausens. Es wurden einige seiner Werke in Auszügen vorgestellt, zwischendurch sprach der Komponist über seinen Weg der Entwicklung, seine persönliche „Evolution“. Einem der Werke (ich habe den Namen vergessen, aber eine Sopranistin „sang“ bzw. kreischte/seufzte/stöhnte zu Orchesterklängen) hatte der Komponist diverse Geräusche/Klänge im Studio beigemischt. Ich war irritiert beim Hören, denn es handelte sich um Baby- und Truthahngeschrei etc. – Ich weiß nicht, ob die Auswahl dieser Radiosendung repräsentativ für Stockhausens Schaffen war. Falls doch: Ich brauche das nicht.
Gruß, Cosima
cellodil (15.12.2007, 12:32): ... also, wenn ich mir die Diskussion auf der vorigen Seite so anschaue, dann kann ich nur sagen, dass Monsieur Stockhausen (möge er in Frieden Wolken schieben) es doch immer noch schafft, die Gemüter zu erhitzen - als Mensch, aber auch mit seiner Musik, dass er nicht gleichgültig lässt, sondern etwas berührt (ob wir das nun als schön, unangenehm oder gar fürchterlich empfinden, das sei an dieser Stelle mal dahingestellt)... Und ich denke, das ist doch schon auch etwas, was Kunst auch sollte.
habe ich heute reingehört, und wenn meine Kultur-Einkaufsliste nicht schon so umfangreich gewesen wäre und der Einkaufskorb nicht schon so voll, hätte ich sie auch mitgenommen. Ist vorgemerkt für Anfang 2008.
Weder Geräusche, unharmonische Klänge, es fehlen weder Fluß, noch ist sie hart oder kalt. Und in jedem Fall mehr Salbei für meine Seele als die 2te 3te 4te nte Neuaufnahme und Wiederauflage von was auch immer des Herrn von K.
Einen schönen Abend, Wolfgang
Gamaheh (29.12.2007, 00:52): Original von Satie Er war zweifellos einer der wichtigsten Komponisten der Nachkriegszeit in Deutschland (und somit ganz Europa).
Seine Äußerungen zur Tragödie des 11. September waren so etwas wie ein Selbstmord (Stockhausen hatte bemerkt, dass diese Flugzeuge, wie sie da in die Wolkenkratzer flogen, durchaus einen ästhetischen Reiz hätten, was natürlich nicht unbedingt eine sehr angebrachte Aussage angesichts einer solchen Sache war).
Kann es sein, daß es etwas durchaus Deutsches ist, solche Dinge gegeneinander aufzurechnen? Etwa, wie wenn man sagt, Hier habe immerhin Autobahnen gebaut und Muolini dafür gesorgt, daß die Züge pünktlich fahren (nur umgekehrt)?
Um ganz ehrlich zu sein, weiß ich so gut wie nichts über Stockhausen (er hat mich noch nicht erreicht), aber kürzlich war ich bei einer Sendung von Radio France Musique (Le Cabaret classique de Jean-Francois Zygel), die mit einer kleinen Hommage an Stockhausen begann. Es wurde ein Stück gespielt, das - wenn ich mich nicht irre - den Namen "Mikrophonie 1" trug: ein Stück für zwei Tam-Tams und zwei Mikrophone - durchaus interessante Klänge, aber nicht unbedingt das, was ich als zum inneren Kreis der "Musik" gehörig empfunden hätte (aber man ist ja sehr beschränkt). Der anwesende Komponist, Anthony Girard, kannte es auch nicht und meinte, es sei vielleicht etwas für Vegetarier, gegen Tierquälerei ... (Ich glaube, er hat die Klänge mit Schmerzensschreien von mißhandelten Tieren assoziiert.) Ich will damit nicht sagen, daß ich das als unschön empfand - nur gediegen.
Grüße, Gamaheh
Admin: Ich mag die Namen hier nicht via Google finden lassen und habe sie daher unkenntlich gemacht.
Cetay (inaktiv) (15.10.2017, 20:33): Der 10. Todestag von Stockhausen nähert sich und so darf auch dieser Faden wieder nach oben. Ich habe heute festgestellt, dass ich von Stockhausen ein paar Sachen in der Offline-Bibliothek habe, obwohl ich ihn eigentlich nicht zu meinen Lieblingskomponisten zähle. Das mag daran liegen, dass es von ihm einige Werke gibt, die mir arg missfallen. Zeitmasse ist so ein Beispiel, das bereitet mir regelrecht Schmerzen beim Hören. Mein Evergreen ist ganz klar Aus den sieben Tagen, das ich in gleich drei Einspielungen kenne und liebe. Die oben pauschal für Stockhausens Musik verliehenen Attribute "hart" und "kalt" kann ich nicht vernehmen. Auch die von vorne herein abgelehnte Idee, einen Ausführenden mit einem Radio kommunizieren zu lassen, finde ich interessant - aber letztlich kommt es auf das Ergebnis an und das überzeugt mich bei Eberhard Blums Realisierung von Spirals durchweg. Ein richtiger Hit ist die u.g. CD, die Schlagzeug- und Klavierstücke (Zyklus - Kontakte - Klavierstücke V & XI) dramaturgisch geschickt kombiniert. Angetan hat es mir auch die Komposition Mixtur (auf der NEOS-Box), die ein Beispiel für den oben erläuterten Einfluss Stockhausens über die klassische Avantgarde hinaus darstellt. In diesem konkreten Fall war es Miles Davis, der daraus wichtige Impulse für sein bahnbrechendes Album On the Corner erhielt, das seinerzeit Fans und Kritiker erzürnte (perpetuierter Stumpfsinn) und heute seinen Platz auf dem Jazz-Olymp genießt. Vielleicht kommt ja Stockhausen doch noch zu seinem Recht; bei den Klassikern dauert es halt manchmal ein bisschen länger, wie das Beispiel von J. S. Bach belegt. Ob Stockhausen einen Knall hatte, ist mir übrigens reichlich schnurz. Wenn ich deswegen seine Musik boykottieren müsste, dann dürfte ich auch meine Texte nicht mehr lesen...
Joe Dvorak (17.02.2023, 04:21): (...)
Für mich war das keine Musik. Ob man in 20 Jahren noch von Stockhausen redet ich mag es bezweifeln. Es dauert nicht mehr lange, dann wissen wir es zweifelsfrei. 8)
1994 wurde die Stockhausen-Stiftung für Musik mit dem Zweck der "Weiterentwicklung der Musikwissenschaft einschließlich der Anregung der Musikkultur auf der Grundlage des Schaffens von Professor Karlheinz Stockhausen" gegruendet. Auf der Webseite kann man Partituren, Buecher, Poster, Zodiac-Spieldosen und Bild- & Tontraeger erwerben. Darunter gibt es auch das Gesamtwerk auf CD. Fuer eine Einzel-CD sind stolze 23 Steine zu berappen; wenn das Booklet richtig fett ist, dann darf es auch etwas mehr sein. 106 Volumina mit insgesamt 160 CDs gibt es. Die meisten Sachen scheint es nur direkt beim Verlag zu geben. Ich habe jedenfalls nirgendwo anders die Einspielung von Inori als CD oder Download gesehen. Das Werk ist mit Anbetungen für einen oder zwei Solisten und Orchester untertitelt. Ich kann das unbedingt empfehlen, insbesondere fuer diejenigen, die auch fuer Olivier Messiaens ausgedehnte 'jenseitige' Orchesterwerke die Antenne und das Sitzfleisch haben. "Stockhausen komponierte Inori unter Verwendung einer Urgestalt oder Formel, die 'eine melodisch-rhythmische Struktur ist, aus der sich die Hauptmerkmale des Werkes ableiten'. Diese melodische Formel ist in fünf Segmente unterteilt und bildet eine Sequenz, 'die vom reinen Rhythmus . . . über Dynamik, Melodie und Harmonie zur Polyphonie führt: also ein Fortschritt vom primitiven Ursprung der Musik zu einem Zustand des reinen Intellekts.'" Everything Explained Today (Inori (Stockhausen) Explained)
Das LP-Cover (das auch in den Kuriosum-Faden passen wuerde) sieht so aus:
Inori / Formel Sinfonie-Orchester des SWF Baden-Baden, Karlheinz Stockhausen
Joe Dvorak (22.02.2023, 01:49): Ich schlage vor, diesen Faden umzubenennen und "Zum Tode von" wegzulassen. Er wurde aus dem Anlass eroeffnet, aber das ist schon etwas her und es hat sich eine allgemeine Diskussion daraus ergeben.
Ob der folgende Beitrag dazugehoert, weiss ich nicht, er koennte ebenso in den Rubriken "Klaviermusik" oder "Interpreten" oder "Allgemein/Gerade gehoert" erscheinen. Es geht um die Aufnahme der Klavierstuecke I-XI mit Sabine Liebner, welche ich eben gehoert habe. Das ist eine morgenfuellende Angelegenheit, denn die Pianistin laesst sich viel Zeit bei der Erkundung der Klanglandschaften - die Nummern VI und X reissen die 40-Minuten-Marke. Zum Vergleich: David Tudor brauchte bei siner Ersteinspielung fuer die Nr. VI knapp ueber 16 Minuten (die X war noch nicht fertig). Ob sie Cage, Scelsi oder Kagel spielt, Liebner erhaelt von den Kritikern nur groesstes Lob. Da schliesse ich mich gerne an: Diese Pianistin hat ein sagenhaftes Gespür für die Interpretation der Moderne - selbst weit von der Norm-Ästhetik entfernte Geräusche, Klänge und Tonfolgen klingen nie abweisend. Auf Stockhausen darf man also gespannt sein.
Die Klavierstuecke werden in drei Gruppen gegliedert. Die Nrs. I-IV (Werk Nr. 2) sind 'Zeichungen', in denen Ideen skizziert werden und Nrs. V-X (Werk Nr. 4) sind 'Gemaelde', in denen Ideen ausgearbeitet und Farben hinzugefuegt werden. So bewegen sich diese Stuecke von abstrakt (nach seriellen Prinzipien gearbeitet) nach 'poetisch'. Eine Sonderstellung nimmt das Stueck Nr. XI (Werk Nr. 7) ein. Es besteht aus 19 Fragmenten, aus denen der Interpret eine beliebige Anzahl in beliebiger Reihenfolge auswaehlt. Am Ende eines jeden Fragments stehen Spielanweisungen fuer das nachfolgende, so dass ein und dasselbe Fragment immer anders klingt, je nachdem, wo es in der Reihenfolge steht. Es gibt unzaehlige Realisierungsmoeglichkeiten und Liebner praesentiert uns zwei davon. Auch hier benoetigt sie fuer eine Version ungefaehr doppelt so lange wie Tudor, der vier davon aufgenommen hat. Liebner liefert und wird auch fuer ihren Stockhausen gefeiert, selbst wenn es ganz leise Kritik gibt, dass ihre Tempi und ihr Fokus auf die Klanggestaltung zu Lasten der rhythmischen Klarheit gingen. Ich feiere mit. Wer mich dazu bringt, zweieinhalb Stunden lang ohne Ermuedung Klaviermusik zu hoeren, hat es drauf - zumindest von meiner Warte aus.
Die Vielseitigkeit dieser 11 Stuecke straft Vorschnellurteile ueber den Komponisten Luegen und laesst Aussagen, man habe in zwei, drei Sachen reingehoert, fand es doof und tut es deshalb nie wieder, mehr als fragwuerdig erscheinen. Hier liegt die Keimzelle zu einer 'Kultur', die mittlerweile immer mehr um sich greift. Es reicht heutzutage ein Fehltritt, eine falsche Meinung, um einen Menschen und alles, was ihn als solchen ausmacht zu diskreditieren oder ihm gar das Menschsein abzusprechen - ohne Ansehen dessen, woher er kommt, wie er geworden ist, wer er ist, welche Erfahrungen er gemacht hat... man will es gar nicht wissen. Koennte man das als Stockhausen-Syndrom bezeichnen? 8|