Klassische Werke mit einer Farbe im Beinamen - gibt es das ?

xarddam (30.03.2020, 09:30):
Hallo,

ich habe mal eine Frage.
Mal sehen, ob es sowas überhaupt gibt (?) ;-)

Ich suche ein klassisches Werk oder mehrere klassische Werke (wenn es mehrere geben sollte), die im Beinamen eine Farbe haben.

Also, als Beispiele seien genannt:
Joseph Haydn: Sinfonie Nr. 101 D-Dur ("Die Uhr")
Wolfgang Amadeus Mozart: 41. Sinfonie C-Dur, Kv 551 ("Jupiter Sinfonie")

Muss natürllich nicht von Mozart oder Haydn sein, egal von welchem Komponisten

Kann natürlich auch auf Englisch, Französisch, Italienisch, Latein .... sein

Bin mal gespannt ...
Sfantu (30.03.2020, 10:01):
Hallo xarddam,

schöne Idee, dieses Thema!

Was mir dazu spontan einfällt, ist "A Colour Symphony" von Arthur Bliss (1891-1975).
In diesem viersätzigen Werk von 1922 stellt der Komponist den einzelnen Teilen Charakterisierungen voran:

Purple - the colour of amethysts, pageantry, royalty and death
Red - the colour of rubies, wine, revelry, furnaces, courage and magic
Blue - the colour of sapphires, deep water, skies, loyalty and melancholy
Green - the colour of emeralds, hope, youth, joy, spring and victory

Ein großartiges Werk - falls Du vorsichtig neutönerische Musik des beginnenden 20. Jahrhunderts magst.

Ich bin mir sicher, das Thema ist nicht unergiebig - da finden wir sicher das ein oder andere.
Cetay (inaktiv) (30.03.2020, 10:19):
Claude Debussy; Poissons d’Or
Alexander Scriabin; Klaviersonate No. 9, Op. 68 "Schwarze Messe"
John Corigliano; The Red Violin Concerto
Xian Xinghai; The Yellow River Piano Concerto

An der schönen blauen Donau (keine Ahnung von wem und ich muss das auch nicht unbedingt wissen... :D )
xarddam (30.03.2020, 10:48):
jo,
sind schon schöne Sachen dabei.
Von A. Bliss gefällt mir vor allem der 3. und 4. Satz sehr gut.

Debussy: hat das wirklich was mit ner Farbe zu tun ?
Ich kann kein Französisch.

The Yellow River Piano Concerto (alle drei Sätze habe ich reingehört) ist bislang mein Favorit !
Schöne Musik !!

Aus dem OST The Red Violin (ja, von John Corigliano komponiert) hab ich einen wunserschönen Ausschnitt gefunden: The Monastery (schöne Barockmusik)
Amonasro (30.03.2020, 11:10):
Gershwin: Rhapsody in Blue
Elgar: The Black Knight
Hovhaness: Sinfonie Nr. 46 "To the Green Mountains"

Poisson d'or heißt "Goldfisch". 8o

Gruß Amonasro
xarddam (30.03.2020, 11:41):
auf Gershwin hätt ich selber kommen können !!

Hovhaness: Sinfonie Nr. 46 "To the Green Mountains" höre ich gerade rein.
Schöne, ruhige, melodiöse Musik

"Goldfisch". OK. Danke :-)
Andréjo (30.03.2020, 11:45):
Alexander Scriabin; Klaviersonate No. 9, Op. 68 "Schwarze Messe"
Alexander Scriabin: Klaviersonate Nr. 7, Op. 64 "Weiße Messe"

;) Wolfgang
satie (30.03.2020, 13:50):
Debussy: En Blanc et Noir ("In schwarz und weiß")
satie (30.03.2020, 13:58):
Cesare Negri: Bianco Fiore
Jakob Arcadelt: Il bianco e dolce cigno (auch von Orazio Vecchi und einigen anderen)
Muzio Clementi: Variations on "The Black Joke"
xarddam (30.03.2020, 17:08):
Cesare Negri
und
Muzio Clementi

beides wunderschöne Musik !!
tapeesa (01.04.2020, 21:27):
Kenne fast keins der genannten Stücke, aber als jetzt ein goldener Hahn meinen Weg kreuzte, war sofort der Goldfisch präsent :)

>> Rimsky-Korsakov - Le Coq d'Or <<
Amonasro (01.04.2020, 21:59):
Opern mit farbigem Titel gibt es noch weitere, nur alle nicht besonders bekannt:

Boieldieu: La dame blanche
Saint-Saëns: La princesse jaune
Dukas: Ariane et Barbe-Bleue (wahrscheinlich auch Bartoks Oper)
Donizetti: La romanzesca e l'uomo nero

Gruß Amonasro
Sfantu (03.02.2023, 23:25):
Der Däne Bent Lorentzen (1935 - 2018) schrieb 1978 seine Klavier-Suite

Colori



Erik Kaltoft, Klavier
(CD, dacapo, 2002)

Rosso 3`30
Bianco 4`00
Oro 3`39
Azurro 5`03
Nero 5`41

Rosso
wird von nervös oszillierenden Zitterfiguren in den obersten Registern bestimmt. Sie wirken wie ein Fanal aus zum Aufbruch rufendem roten Farbenmeer. Einzelne markante Einwürfe im Baß bleiben folgenlos, das Geschehen beruhigt sich erst allmählich. Zaghaft entspinnen sich Motiv-Versatzstücke der "Internationalen".

Bianco
besteht meistenteils aus leise dahingeworfenen Tupfern in Einzeltönen oder einfachen Akkorden, getrennt durch ausgiebige, gleichbleibende Pausen. Gegen Ende ein Beharren auf demselben spannungsreichen Sekundakkord im Diskant, der vorübergehend an Schalldruck und Schärfe gewinnt, dann aber nach und nach wieder versandet. Laut Lorentzen ist ein (nicht näher bezeichnetes) Palestrina-Zitat enthalten. Doch selbst als Palestrina-Kenner hätte man wohl ziemliche Mühe, aus diesen zerdehnten Schallinseln, die die Stille einrahmen, irgendetwas heraus zu hören.

Oro
erweckt spontan das Bild vom scheinbar wahllosen Tasten-Geklimper eines Nicht-Pianisten. Während die linke Hand diese tapsigen kleinen Intervalle auf und ab stolpert, rauschen in der Rechten hastige Läufe vorüber - wie Vogelschwärme.

In Azurro
ist der Ausführende kaum an der Klaviatur aktiv sondern darf allerlei Handarbeit im Inneren des Flügel-Korpus` verrichten: Hämmern, Zupfen, Streichen, Kratzen. Booklet-Textautor Lars Ole Bonde schreibt von der Transformation des Instruments in ein fremdes Wesen. Azurro hinterläßt den stärksten Eindruck auf mich. Die Stimmung ist auf faszinierende Weise beängstigend, es entstehen Konnotationen an bodenlose Abgründe, an ein Sich-Auflösen von Marterie.

Nero
ist quasi das Komplementär-Stück zu Bianco. Flirrt dort alles in hohen Registern, spielt sich das Geschehen hier in tiefsten Tiefen ab. Die Grundstimmung ist von Unruhe, Brutalität und Motorik gekennzeichnet. Das Instrument wird vor allem perkussiv behandelt. Gegen Ende werden wieder mit den Fingernägeln die Saiten gekratzt, gestrichen und der Satz verklingt zögernd. Wie eine Raubkatze, die sich nach erfolgreicher Jagd gähnend zurückzieht.
Joe Dvorak (04.01.2025, 02:01):
Nicht mit einer Farbe, sondern mit der Farbe im Namen:

Aaron Jay Jenkins - Color Wheel

Es gibt eine Aufnahme bei Naxos. Nur hörenswert, wenn man gewisse Klischeevorstellungen zur amerikanischen Sinfonik mitbringt und diese zu 100% bestätigt haben möchte. Ansonsten lieber wieder mal Ives hören.
Sfantu (04.02.2026, 21:11):
Anna Clyne
wurde zu ihrem 2020 entstandenen Farben-Tryptichon für Orchester inspiriert durch Mark Rothkos Bildserie "Color Fields" aus den 1960ern. Zum Teil orientiert sie sich an den Wahrnehmungen, welche Farben bei Synästhetikern auslösen (mögen).
In Gestalt des wohl bekanntesten Beispiels solcher "Mehrkanal-Perzeptionisten" in der Musik, nämlich Skrjabin, wählt Clyne eine milde Art von Fremdbestimmung: er (Skrjabin) empfand (hörte) bei gewissen Farben gewisse tonale Zentren:
Gelb = D
Rot = C
Orange = G
Da Orange ein Ergebnis des Mischens von Gelb und Rot ist, integriert der letzte Satz die Stimmungs-Charaktäre der beiden vorangegangenen Abschnitte:

"Yellow" wird von einer ruhig schreitenden Baßlinie grundiert. Darüber schweben in luftiger Höhe Streicher und Holz in einer sphärenhaften Ambiance während Mittelstimmen weitgehend schweigen. "Venus" und "Neptun" von Holst lassen grüßen. Eine Art Paradiesgarten mit friedlich kuschelnden Lämmern und Löwen.

"Red" ist wie ein rhythmisch durchpulstes Perkussionskonzert. Energiegeladen konzertieren alle Orchestergruppen mit-und gegeneinander. Ein friedlich und sanft wiegender Mittelteil wird recht bald von den brandenden Wogen des Anfangs wieder mit fortgerissen.

"Orange" wird von minimalistisch anmutenden Patterns geprägt. Es ist ein einziges großes Crescendo, welches gegen Ende plötzlich verpufft und in sanften Klängen allmählich verebbt.

2. und 3. Satz tönen manchmal nach Film-Soundtracks. Insgesamt wird die spät-bis nachromantische Klangästhetik mit leichten Anklängen an etwa Respighi, Vaughan Williams und, ja, Holst nicht verlassen. Angenehm anzuhörende, in der Tradition fußende Neue Musik.

Hier wurde sie überzeugend und klangprächtig eingespielt:



Anna Clyne

"Color Fields"

Baltimore Symphony Orchestra - Marin Alsop
(CD, Naxos, 2025, AD: 23. und 24. Oktober 2021)

Yellow 6'50
Red 6'05
Orange 5'02