Auf die Gefahr hin, dass dieses Thema nicht auf allzu große Resonanz stößt: Da ich eigentlich immer neugierig auf ausgefallenes Repertoire besonders aus dem 19. und 20. Jahrhundert bin, habe ich vor kurzem angefangen, mich mit Musik von Komponisten, die in der DDR wirkten, auseinanderzusetzen. Namen wie Eisler oder Dessau sind ja noch recht bekannt, aber es gibt auch noch eine Menge anderes zu entdecken.
Schon länger bin ich mit der Musik von Ottmar Gerster (1897-1969) vertraut. Bei Hastedt gibt es da eine CD mit der Kantate "Eisenkombinat Ost", dem Klavierkonzert und der Festouvertüre 1948. Die Kantate fällt wohl in die Kategorie Agitprop, ist aber meiner Meinung nach ziemlich überzeugend gemacht. Das Klavierkonzert könnte man als neoklassizistisch-spielfreudig bezeichnen, während es sich bei der Festouvertüre um ein Potpourri von Liedern der Arbeiterbewegung handelt. Über LP habe ich mir u.a. noch die Sinfonie Nr.2 "Thüringische" aufgegabelt (deren erster Satz auch im Rahmen der Reihe Musik in Deutschland 1950-2000 veröffentlicht wurde). Diese Sinfonie gehört zu meinen Lieblingswerken, sehr melodische, aber auch recht temperamentvolle, ziemlich konservative Musik. Gerster komponierte absolut tonal, immer mit der Betonung auf dem "Handwerklichen". Gewisse Parallelen zu seinem Bekannten Hindemith kann man ziehen, aber Gerster ist letztlich erheblich traditioneller.
Ernst Hermann Meyer (1905-1988) war auch recht prominent. Bis auf eine CD mit Liedern sind leider derzeit kaum vollständige Werke auf Tonträgern erhältlich, wiederum muss man also nach LPs Ausschau halten. Meyer komponierte deutlich komplexer als Gerster, zwar auch nicht umwerfend modern, aber eher chromatisch, polyphon und mit teilweise recht scharfen Kontrasten. Er versuchte nach eigener Aussage, "dialektische Musik" zu schreiben. Seine Konzertante Sinfonie für Klavier und Orchester ist nicht übel, auch ein Violinkonzert ist hörenswert. Hoffentlich erscheint mal was auf CD!
Über die Musik von Leo Spies (1899-1965) hatte mich mich hier im Forum ja schon mal geäußert - wirklich lohnenswert, wenn auch sehr konservativ (noch halb im 19. Jahrhundert angesiedelt).
Gerade habe ich mir ein paar CDs zugelegt. Es handelt sich um die folgenden:
Diese CD enthält Klavierkonzerte für die linke Hand gespielt von Siegfried Rapp. Neben Werken von Martinu und Prokofjew ist auch das 1. Klavierkonzert op.71 (1963) vom sorbischen Komponisten Dieter Nowka (1924-1998) eingespielt. Soweit ich weiß, ist dies das einzige, was von Nowka erhältlich ist. Ich finde das Konzert nicht schlecht. Der erste Satz lebt von dem sehr markanten ersten Thema, das gleich zu Beginn vom Solo-Horn vorgestellt wird. Der zweite Satz ist eher nachdenklich, aber mit einem recht farbigen Mittelteil. Dagegen handelt es sich beim letzten Satz um eine schmissige Toccata. Leider kommt mir der letzte Satz etwas zu kurz vor, nach dem knapp 12-minütigen ersten und dem 7-minütigen zweiten Satz wirkt das Finale mit nicht einmal 4 1/2 Minuten knapp. Die Tonsprache des Konzertes ist üppig, romantische Mittel werden kombiniert mit einer markanten, teilweise mit Jazz-Anklängen arbeitenden Rhythmik. Die Harmonik baut auf einer erweiterten, freien Tonalität auf.
Diese 3 CD-Box mit Orchesterwerken aus der DDR ist zum Glück recht billig (bei Amazon derzeit keine 12 Euro). Sonst hätte ich sie mir auch kaum gekauft, denn von den meisten Werken (Namen wie Goldmann, Schenker, Matthus, Katzer oder Zechlin) war mir schon vorher klar, dass sie mir deutlich zu modern sind. Das erste Hereinhören hat dies auch bestätigt. Insgesamt haben mir vier Werke gut gefallen: Die zweite Sinfonie von Günter Kochan (*1930), das Trompetenkonzert von Siegfried Kurz (*1930), die oben genannte Festouvertüre von Ottmar Gerster, welche hier in einer klanglich besseren Version vorliegt, sowie Einleitung und Ode von Rudolf Wagner-Régeny (1903-1969). Letztes ist ein 20-minütiges Orchesterwerk, das eine eher lyrisch-elegische Stimmung aufweist. Der Komponist achtet nach eigener Aussage sehr auf die Melodielinien, was ich nur bestätigen kann. Das Trompetenkonzert von Siegfried Kurz ist ein knappes Werk, das sich wiederum neoklassizistischer, rhythmischer Tonsprache bedient. Kein großer Wurf, aber ganz kurzweilig und unterhaltsam. Kurz dürfte eher als Dirigent denn als Komponist bekannt sein. Ein tolles Stück ist die einsätzige zweite Sinfonie von Kochan. Die Tonsprache ist schon recht avanciert, greift aber zumindest auf eine tonale Basis zurück (ansonsten schon ziemlich dissonant). Über Kochan habe ich gelesen, dass er sich primär an Schostakowitsch orientiert. Normalerweise bin ich bei derartigen Aussagen eher skeptisch - manchmal habe ich den Eindruck, dass fast jeder tendenziell eher traditionelle moderne Komponist mit Schostakowitsch verglichen wird -, aber im Falle von Kochan ist das absolut korrekt. Gerade Instrumentation und Melodiebildung verweisen deutlich auf Schostakowitsch, obschon die Tonsprache moderner ist. Man könnte die Sinfonie als eine Art moderne Version das "Per aspera ad astra" bezeichnen, von der düsteren, schroffen Einleitung entwickelt sich das Werk über recht kämpferische Stationen zu einem eher gelösten Schlussabschnitt, wird gegen Ende fast hymnisch. Von Kochan kenne ich noch eine sehr eindrucksvolle Kantate "Die Asche von Birkenau" - ein erschütterndes Werk. Vom Deutschen Rundfunkarchiv habe ich eine Aufnahme seines jugendlichen ersten Violinkonzertes. Leider habe ich es verpasst, mir eine Aufnahme der vierten Sinfonie zu beschaffen (gab es mal bei Berlin Classics, ist jetzt aber aus dem Katalog).
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7276771.jpg
Diese CD enthält Musik für Streichorchester von Kurt Schwaen (*1909). Das älteste Werk entstand 1956, das jüngste 2002. Schwaen erweist sich hier eindeutig als Neoklassizist. Er fasst sich ziemlich knapp (auf seiner Homepage gibt er auch als Motto an "Was du nicht mit drei Tönen sagst, das sagst du auch nicht mit hundert." Eine andere Prämisse von ihm lautet "Alles Leichte ist ungewöhnlich schwer". Damit ist seine Musik ganz gut charakterisiert. Die Werke sind alle knapp und sehr ökonomisch in der Wahl ihrer Mittel. Alle sind tonal, wenngleich immer mit einem gewissen Dissonanzgrad. Es ist schon erstaunlich, wie ungekünstelt frisch und vital zum Beispiel das "Concert pour la jeunesse" für Klavier und Streichorchester ist, das Schwaen immerhin mit 90 Jahren komponiert hat. Von Schwaen gibt es noch eine ganze Menge auf CD, da werde ich mit Sicherheit noch zugreifen.
Ich besitze ein Buch aus der DDR von Karl Laux, das Anfang der 1960er Jahre veröffentlicht wurde. Der Autor widmet sich darin ausführlich der Komponistenlandschaft in der DDR. Das finde ich ganz interessant, dort sind viele Komponisten erwähnt, die völlig unbekannt sind. Außerdem interessieren mich sowieso eher die Komponisten konservativer Prägung, wie oben erwähnt. Gibt es Werke, Komponisten oder CDs, die ihr besonders empfehlen könnt? Oder wie ist eure Meinung zu dem hier Vorgestellten? Es ist ja schon einiges auf dem Markt (von Hastedt zum Beispiel), leider liest man nur selten unvoreingenommene Rezensionen.
Viele Grüße Holger
claashorst (18.05.2006, 19:40): Schönes Thema. Nach einem Film im letzten Jahr über Fluchthelfer und nun der Besuch "Das Leben der anderen" eine interessante Perspektive, die ich mit beobachten werde. CH
Engelbert (18.05.2006, 21:58): Hallo Holger,
interessiert habe ich Deinen Beitrag über DDR-Komponisten gelesen. Als seinerzeit die Mauer noch stand, habe ich dort viele LP. Einkäufe getätigt. Wenn ich richtig informiert bin, ist die Volksgruppe der Sorben mit eigener Sprache im Spreewald beheimatet. Die Sorben sind sehr darauf bedacht, auch in künstlerischer Hinsicht als eigenständig wahgenommen zu werden.
Da gibt es den Komponisten Jan Raupp (geb. 1928) der hochinteressante Sachen komponiert hat. Da wären zunächst die Metamorphosen für sinsonisches Orchester (entstanden 1964), Dauer etwa 20 Minuten. Das Essay für Cioline und Orchester (1867/68) hat nur einen Satz von knapp 10 Minuten Dauer. Es folgt ein kleines Concerto animato für Vilone und Orchester (10 Minuten)
Gruss Engelbert
Landowski (18.05.2006, 22:04): Sehr zu empfehlen ist das 1. Violinkonzert von Gerhard Rosenfeld. Ein Werk das ihn schlagartig berühmt machte. Wenn ich mich recht erinnere, besteht das Orchester nur aus Bläsern. Zumindest prägen sie das Werk wesentlich und geben dem Konzert einen durchgehenden tiefen, düsteren Klang. Dazu kontrastierend die Solo-Violine - schön und aufregend. Gibts bei Hastedt.
Ein ebenfalls sehr interessantes Violinkonzert gibt es von Gerd Domhardt (erschienen bei Thorofon: "Neue Musik aus alten Städten"). Das Werk ist zweisätzig und zeigt damit schon, dass es sich nicht an die klassischen Violinkonzerte anlehnt. Die Sätze heißen "Nachtstück" und "Tagstück" und so beginnt das Konzert auch ruhig und etwas "entrückt". Das Ganze entzieht sich leider meinen Beschreibungsmittel. Insgesamt aber kein Virtuosenkonzert mit launigen Melodien und Motiven, sondern ebenfalls ein eher dunkles schwermütiges Werk.
Das Violinkonzert von Günter Kochan gefällt mir noch ganz gut, ist allerdings sehr modern gehalten. Vielleicht eher nichts für dich Holger. Erschienen ebenfalls bei Hastedt.
Wieder etwas klassischer geht es zu bei Tilo Medek. Das fünfsätzige Violinkonzert bietet die gewohnte Breite von langsamen gefühlvollen Sätzen mit schnellen, tanzähnlichen Sätzen. Leider bisher nicht auf CD erschienen.
Ein absoluter Geheimtipp ist Jan Paul Nagel. Gehörte zur sorbischen (?)Minderheit in der Lausitz und sehr schöne Werke komponiert - nicht nur ein tolles Violinkonzert. Das Violinkonzert ist einsätzig und nur 15 Minuten lang. Er muss es geschrieben haben in einer schlechten Verfassung, da es enorm ausdrucksstark, emotional und voller trauriger oder depressiver Energie ist. Sehr zu empfehlen. Gibts beim Verband Komponisten der sorbischen Minderheit (oder so).
Das Spies Violinkonzert gefällt mir im Übrigen auch gut.
Von den restlichen DDR Komponisten, die ich besitze (Bruns, Cilensek, Geißler, Goldmann, Herrmann, Jung, Katzer, Köhler, Krol, Matthus, Meyer, Neef, Nowka, Raupp, Schleiermacher, Schubert, Schwaen, Thilman, Tittel, Weiss, Zechlin), ist mir keiner nachhaltig im Gedächtnis geblieben. Falls jemand dennoch Interesse hat, höre ich gerne noch mal rein und versuche mich an einer Beschreibung.
Holger S. (19.05.2006, 07:24): Hallo!
Erst mal danke für den Hinweis zu den Veröffentlichungen sorbischer Musik, war mir bis dato unbekannt. Ich bin im Zuge meiner Recherchen auf folgende Seite gestoßen: http://ski.sorben.com/site/docs/german/index.htm. Da gibt es ja einiges an klassischer Musik zu kaufen, sogar mit Hörbeispielen! Leider sind die Informationen zu den CDs / MCs nicht allzu umfangreich. Aber egal, da werde ich gleich mal zuschlagen. Nagel Violinkonzert scheint in der Tat gut zu sein, das kleine Hörbeispiel ist jedenfalls interessant. Raupp wird auch gekauft. Scheint ja eine sehr bemerkenswerte sorbische Musikkultur zu geben... hatte ich so noch nicht wahrgenommen. Danke für den Tipp!
Zu den übrigen: Hastedt hat ja wirklich eine Menge veröffentlicht, das große Manko ist, dass man in den seltensten Fällen Hörbeispiele vorfindet. Rosenfeld - der Name ist mir ein Begriff, kenne aber nichts von ihm. Medek kannte ich ebenso, der ist übrigens dieses Jahr verstorben. Ich hatte aber bisher nie ernsthaft erwogen, was von ihm zu kaufen, da ich ihn als avantgardistisch einschätzte... Nun, da habe ich wohl getäuscht. Die MGG führt sein Violinkonzert kurioserweise gar nicht. Interessant, dass er seine 1994-96 komponierte Dritte Sinfonie als "Sorbische" bezeichnet hat. Kochan Violinkonzert werde ich mir wohl zulegen, da ist ja auch ein frühes Klavierkonzert dabei, das wohl nicht so modern sein wird, mal schauen, was ich vom Violinkonzert halte. Schwaen, die Hastedt-CD, steht auch auf meiner Einkaufsliste.
Tobias, von den übrigen Komponisten, die du nennst, kenne ich schon ein paar, jedenfalls den Namen nach. Vieles davon ist sicher interessant, das meiste wahrscheinlich im Handel leider gar nicht erhältlich (Nowka? Bruns? Neef? Siegfried Köhler? Thilman?) Wie gesagt, Meyers Violinkonzert habe ich ja selbst. Übrigens hat Ottmar Gerster auch ein Violinkonzert komponiert, ich habe aber noch nie von einer Aufnahme gehört. Wie ist Manfred Schubert einzuschätzen? Hastedt hat ja einiges von ihm im Programm, aber das kaufe ich mir bestimmt nicht "blind". Kennst du Heinz Röttger (auch Hastedt)? Wie findest du dieses Konzert?
Viele Grüße Holger
Holger S. (19.05.2006, 14:41): Gerade bei e-Bay ersteigert:
http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=4878018385&rd=1&sspagename=STRK%3AMEWN%3AIT&rd=1 - Kochan: Violakonzert, Dritte Sinfonie. Das ist so eine Rarität, da habe ich nicht lange überlegt, sondern gleich zugeschlagen. Derzeit biete ich auch noch auf einen weiteren Artikel, der heute abend zu Ende geht. Mal schauen...
Was die Sorben betrifft: Habe heute morgen erst mal drei CDs bestellt - Nagel Orchesterwerke, Sorbische Sinfonik Vol.1, Pogoda Orchesterwerke. Darauf bin ich auch schon gespannt. Übrigens gibt es die CDs noch bei ein paar weiteren Anbietern, wie ich später festgestellt habe (z.B. Domowina-Verlag).
Viele Grüße Holger
Landowski (19.05.2006, 15:59): Original von Holger S. Zu den übrigen: Hastedt hat ja wirklich eine Menge veröffentlicht, das große Manko ist, dass man in den seltensten Fällen Hörbeispiele vorfindet. Rosenfeld - der Name ist mir ein Begriff, kenne aber nichts von ihm.
Das erste Violinkonzert ist absolut zu empfehlen! Da kann man nichts falsch machen. Energisch, ausdrucksstark, dabei harmonisch und melodisch gehalten. Da müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn dir das nicht zumindest halbwegs gefällt.
Original von Holger S. Medek kannte ich ebenso, der ist übrigens dieses Jahr verstorben. Ich hatte aber bisher nie ernsthaft erwogen, was von ihm zu kaufen, da ich ihn als avantgardistisch einschätzte... Nun, da habe ich wohl getäuscht. Die MGG führt sein Violinkonzert kurioserweise gar nicht.
Tja, scheint nicht eines seiner populärsten Werke zu sein. Ich hatte es vor ein paar Jahren mal von ihm privat bekommen. Die Chance hat sich ja leider seit diesem Jahr erübrigt... :(
Original von Holger S. Tobias, von den übrigen Komponisten, die du nennst, kenne ich schon ein paar, jedenfalls den Namen nach. Vieles davon ist sicher interessant, das meiste wahrscheinlich im Handel leider gar nicht erhältlich (Nowka? Bruns? Neef? Siegfried Köhler? Thilman?)
Nein, leider nicht. Victor Bruns gabs mal auf LP, wenn ich richtig informiert bin. Die restlichen Aufnahmen sind Radiomitschnitte.
Original von Holger S. Übrigens hat Ottmar Gerster auch ein Violinkonzert komponiert, ich habe aber noch nie von einer Aufnahme gehört.
Ich auch nicht, aber ich bin noch auf der Suche.. :D
Original von Holger S. Wie ist Manfred Schubert einzuschätzen? Hastedt hat ja einiges von ihm im Programm, aber das kaufe ich mir bestimmt nicht "blind". Kennst du Heinz Röttger (auch Hastedt)? Wie findest du dieses Konzert?
M. Schubert finde ich nicht so toll. recht modern, und ich finde wenig in der Musik, an dem ich mich "festhängen" kann (ob nun Melodie, Rhythmus, Emotion, ..). Es gibt mindestens zwei CDs von Hastedt mit Werken von ihm. Eines mit dem Konzert für 2 Violinen und Orchester und die andere mit seinem Cantilena e capriccio, für Violine und Orchester. Beides Werke, die ich eigentlich nie höre. Röttger habe ich auch, höre ich gerade. Ist moderner als Kochan, aber nicht unattraktiv. Viel Schlagwerk und Streicher im Orchester, sehr eigenwillig. Die Ecksätze sehr Schlagwerk betont, der Mittelsatz träumerisch mit Solo-Violine und Harfe und Glockenspiel (oder so etwas). Aber wie gesagt recht modern vom Klang gerade in den Ecksätzen. Ich würde es dennoch empfehlen, wenn du dich mal etwas weiter aus dem Fenster wagen wolltest.
Holger S. (20.05.2006, 07:45): Hallo!
Gestern abend habe ich bei e-Bay noch das hier ersteigert: http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=4878325170&rd=1&sspagename=STRK%3AMEWN%3AIT&rd=1 - Streichquartette von Gerster (Nr.2), Dessau (Nr.5) und Wagner-Régeny.
Tobias, erstmal danke für deine Ausführungen und Beschreibungen. Im Falle von Manfred Schubert vertraue ich ganz deinem Urteil. Wenn er dir nicht gefällt, dann mir wohl erst recht nicht. Dafür merke ich mir Röttger und Rosenfeld mal vor. Von Röttger gibt es ja auch ein paar Hörproben bei jpc. Meine daraus gewonnenen Eindrücke decken sich ungefähr mit deinen Schilderungen - klingt recht "kernig". Was das Gerster-Konzert angeht: ich habe bei mir zu Hause eine Gerster-Biographie von Rainer Malth aus dem Jahre 1988 herumliegen. In dieser ist dem Violinkonzert auch ein Absatz gewidmet, sogar eine Seite aus der Partitur ist abgedruckt. Dort ist zu lesen:
Völlig in Vergessenheit geraten ist das Violinkonzert von Ottmar Gerster. Das im Jahre 1939 kurz vor Gersters Einberufung zum Kriegsdienst vollendete Werk erlebte 1941 in Berlin seine Uraufführung und verschwand dann in den Archiven. Eine Wiederbelebung des Konzertes wäre sicher eine interessante Neuentdeckung.
Hört sich nicht danach an, als wäre es mal irgendwo gespielt oder aufgenommen worden... Ich besitze auch Noten von seinem Cellokonzert, habe sowohl in die Cellostimme als auch in den Klavierauszug mal hereingeschaut. Ebenfalls nicht schlecht, aber wie beim Violinkonzert wüsste ich von keiner Aufnahme. Schade ist das!
Viele Grüße Holger
Holger S. (03.01.2007, 16:12): Gerade habe ich das Klavierkonzert von Siegfried Köhler gehört, dabei habe ich mich an dieses Thema erinnert. Der Name Köhler wurde oben ja schon mal erwähnt in Zusammenhang mit seinem Violinkonzert, welches ich mittlerweile auch kenne. Ich muss aber sagen, dass diese beiden Konzerte wenig Gemeinsamkeiten besitzen - das Klavierkonzert ist eher heiter, mit jazzigen Anklängen, das Violinkonzert ernster, expressiver, es wurde zur Luther-Ehrung 1983 komponiert und nimmt darauf im letzten Satz durch vereinzelte Zitate aus "Ein feste Burg" Bezug, die aber weniger religiös zu verstehen sind: der Komponist wollte damit die unlösbare Verquickung von Gegenwart und Vergangenheit darstellen. Die Dritte Sinfonie dieses Komponisten gefällt mir dagegen weniger, das ist mir dann doch zu modern.
Das oben erwähnte Rosenfeld-Violinkonzert ist in der Tat sehr zu empfehlen, habe es auf Schallplatte gekauft zusammen mit dem Violinkonzert von Gerhard Wohlgemuth. Viel billiger (2,99 Euro!) als bei Hastedt gibt es das bei Berlin, siehe jpc. Tonale Musik, rhythmisch und fast schon dramatisch gehalten, wobei das Orchester allerdings nicht nur aus Bläsern besteht.
Ich habe mir mittlerweile einen ganz guten Überblick über DDR-Musik verschaffen können, allerdings im Wesentlichen dadurch, dass ich massiv Schallplatten gekauft habe. Ein wenig schade, dass diese Musikkultur von den CD-Labels doch eher ignoriert wird...
Viele Grüße Holger
Holger S. (18.05.2006, 11:49): Hallo!
Auf die Gefahr hin, dass dieses Thema nicht auf allzu große Resonanz stößt: Da ich eigentlich immer neugierig auf ausgefallenes Repertoire besonders aus dem 19. und 20. Jahrhundert bin, habe ich vor kurzem angefangen, mich mit Musik von Komponisten, die in der DDR wirkten, auseinanderzusetzen. Namen wie Eisler oder Dessau sind ja noch recht bekannt, aber es gibt auch noch eine Menge anderes zu entdecken.
Schon länger bin ich mit der Musik von Ottmar Gerster (1897-1969) vertraut. Bei Hastedt gibt es da eine CD mit der Kantate "Eisenkombinat Ost", dem Klavierkonzert und der Festouvertüre 1948. Die Kantate fällt wohl in die Kategorie Agitprop, ist aber meiner Meinung nach ziemlich überzeugend gemacht. Das Klavierkonzert könnte man als neoklassizistisch-spielfreudig bezeichnen, während es sich bei der Festouvertüre um ein Potpourri von Liedern der Arbeiterbewegung handelt. Über LP habe ich mir u.a. noch die Sinfonie Nr.2 "Thüringische" aufgegabelt (deren erster Satz auch im Rahmen der Reihe Musik in Deutschland 1950-2000 veröffentlicht wurde). Diese Sinfonie gehört zu meinen Lieblingswerken, sehr melodische, aber auch recht temperamentvolle, ziemlich konservative Musik. Gerster komponierte absolut tonal, immer mit der Betonung auf dem "Handwerklichen". Gewisse Parallelen zu seinem Bekannten Hindemith kann man ziehen, aber Gerster ist letztlich erheblich traditioneller.
Ernst Hermann Meyer (1905-1988) war auch recht prominent. Bis auf eine CD mit Liedern sind leider derzeit kaum vollständige Werke auf Tonträgern erhältlich, wiederum muss man also nach LPs Ausschau halten. Meyer komponierte deutlich komplexer als Gerster, zwar auch nicht umwerfend modern, aber eher chromatisch, polyphon und mit teilweise recht scharfen Kontrasten. Er versuchte nach eigener Aussage, "dialektische Musik" zu schreiben. Seine Konzertante Sinfonie für Klavier und Orchester ist nicht übel, auch ein Violinkonzert ist hörenswert. Hoffentlich erscheint mal was auf CD!
Über die Musik von Leo Spies (1899-1965) hatte mich mich hier im Forum ja schon mal geäußert - wirklich lohnenswert, wenn auch sehr konservativ (noch halb im 19. Jahrhundert angesiedelt).
Gerade habe ich mir ein paar CDs zugelegt. Es handelt sich um die folgenden:
Diese CD enthält Klavierkonzerte für die linke Hand gespielt von Siegfried Rapp. Neben Werken von Martinu und Prokofjew ist auch das 1. Klavierkonzert op.71 (1963) vom sorbischen Komponisten Dieter Nowka (1924-1998) eingespielt. Soweit ich weiß, ist dies das einzige, was von Nowka erhältlich ist. Ich finde das Konzert nicht schlecht. Der erste Satz lebt von dem sehr markanten ersten Thema, das gleich zu Beginn vom Solo-Horn vorgestellt wird. Der zweite Satz ist eher nachdenklich, aber mit einem recht farbigen Mittelteil. Dagegen handelt es sich beim letzten Satz um eine schmissige Toccata. Leider kommt mir der letzte Satz etwas zu kurz vor, nach dem knapp 12-minütigen ersten und dem 7-minütigen zweiten Satz wirkt das Finale mit nicht einmal 4 1/2 Minuten knapp. Die Tonsprache des Konzertes ist üppig, romantische Mittel werden kombiniert mit einer markanten, teilweise mit Jazz-Anklängen arbeitenden Rhythmik. Die Harmonik baut auf einer erweiterten, freien Tonalität auf.
Diese 3 CD-Box mit Orchesterwerken aus der DDR ist zum Glück recht billig (bei Amazon derzeit keine 12 Euro). Sonst hätte ich sie mir auch kaum gekauft, denn von den meisten Werken (Namen wie Goldmann, Schenker, Matthus, Katzer oder Zechlin) war mir schon vorher klar, dass sie mir deutlich zu modern sind. Das erste Hereinhören hat dies auch bestätigt. Insgesamt haben mir vier Werke gut gefallen: Die zweite Sinfonie von Günter Kochan (*1930), das Trompetenkonzert von Siegfried Kurz (*1930), die oben genannte Festouvertüre von Ottmar Gerster, welche hier in einer klanglich besseren Version vorliegt, sowie Einleitung und Ode von Rudolf Wagner-Régeny (1903-1969). Letztes ist ein 20-minütiges Orchesterwerk, das eine eher lyrisch-elegische Stimmung aufweist. Der Komponist achtet nach eigener Aussage sehr auf die Melodielinien, was ich nur bestätigen kann. Das Trompetenkonzert von Siegfried Kurz ist ein knappes Werk, das sich wiederum neoklassizistischer, rhythmischer Tonsprache bedient. Kein großer Wurf, aber ganz kurzweilig und unterhaltsam. Kurz dürfte eher als Dirigent denn als Komponist bekannt sein. Ein tolles Stück ist die einsätzige zweite Sinfonie von Kochan. Die Tonsprache ist schon recht avanciert, greift aber zumindest auf eine tonale Basis zurück (ansonsten schon ziemlich dissonant). Über Kochan habe ich gelesen, dass er sich primär an Schostakowitsch orientiert. Normalerweise bin ich bei derartigen Aussagen eher skeptisch - manchmal habe ich den Eindruck, dass fast jeder tendenziell eher traditionelle moderne Komponist mit Schostakowitsch verglichen wird -, aber im Falle von Kochan ist das absolut korrekt. Gerade Instrumentation und Melodiebildung verweisen deutlich auf Schostakowitsch, obschon die Tonsprache moderner ist. Man könnte die Sinfonie als eine Art moderne Version das "Per aspera ad astra" bezeichnen, von der düsteren, schroffen Einleitung entwickelt sich das Werk über recht kämpferische Stationen zu einem eher gelösten Schlussabschnitt, wird gegen Ende fast hymnisch. Von Kochan kenne ich noch eine sehr eindrucksvolle Kantate "Die Asche von Birkenau" - ein erschütterndes Werk. Vom Deutschen Rundfunkarchiv habe ich eine Aufnahme seines jugendlichen ersten Violinkonzertes. Leider habe ich es verpasst, mir eine Aufnahme der vierten Sinfonie zu beschaffen (gab es mal bei Berlin Classics, ist jetzt aber aus dem Katalog).
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7276771.jpg
Diese CD enthält Musik für Streichorchester von Kurt Schwaen (*1909). Das älteste Werk entstand 1956, das jüngste 2002. Schwaen erweist sich hier eindeutig als Neoklassizist. Er fasst sich ziemlich knapp (auf seiner Homepage gibt er auch als Motto an "Was du nicht mit drei Tönen sagst, das sagst du auch nicht mit hundert." Eine andere Prämisse von ihm lautet "Alles Leichte ist ungewöhnlich schwer". Damit ist seine Musik ganz gut charakterisiert. Die Werke sind alle knapp und sehr ökonomisch in der Wahl ihrer Mittel. Alle sind tonal, wenngleich immer mit einem gewissen Dissonanzgrad. Es ist schon erstaunlich, wie ungekünstelt frisch und vital zum Beispiel das "Concert pour la jeunesse" für Klavier und Streichorchester ist, das Schwaen immerhin mit 90 Jahren komponiert hat. Von Schwaen gibt es noch eine ganze Menge auf CD, da werde ich mit Sicherheit noch zugreifen.
Ich besitze ein Buch aus der DDR von Karl Laux, das Anfang der 1960er Jahre veröffentlicht wurde. Der Autor widmet sich darin ausführlich der Komponistenlandschaft in der DDR. Das finde ich ganz interessant, dort sind viele Komponisten erwähnt, die völlig unbekannt sind. Außerdem interessieren mich sowieso eher die Komponisten konservativer Prägung, wie oben erwähnt. Gibt es Werke, Komponisten oder CDs, die ihr besonders empfehlen könnt? Oder wie ist eure Meinung zu dem hier Vorgestellten? Es ist ja schon einiges auf dem Markt (von Hastedt zum Beispiel), leider liest man nur selten unvoreingenommene Rezensionen.
Viele Grüße Holger
claashorst (18.05.2006, 19:40): Schönes Thema. Nach einem Film im letzten Jahr über Fluchthelfer und nun der Besuch "Das Leben der anderen" eine interessante Perspektive, die ich mit beobachten werde. CH
Engelbert (18.05.2006, 21:58): Hallo Holger,
interessiert habe ich Deinen Beitrag über DDR-Komponisten gelesen. Als seinerzeit die Mauer noch stand, habe ich dort viele LP. Einkäufe getätigt. Wenn ich richtig informiert bin, ist die Volksgruppe der Sorben mit eigener Sprache im Spreewald beheimatet. Die Sorben sind sehr darauf bedacht, auch in künstlerischer Hinsicht als eigenständig wahgenommen zu werden.
Da gibt es den Komponisten Jan Raupp (geb. 1928) der hochinteressante Sachen komponiert hat. Da wären zunächst die Metamorphosen für sinsonisches Orchester (entstanden 1964), Dauer etwa 20 Minuten. Das Essay für Cioline und Orchester (1867/68) hat nur einen Satz von knapp 10 Minuten Dauer. Es folgt ein kleines Concerto animato für Vilone und Orchester (10 Minuten)
Gruss Engelbert
Landowski (18.05.2006, 22:04): Sehr zu empfehlen ist das 1. Violinkonzert von Gerhard Rosenfeld. Ein Werk das ihn schlagartig berühmt machte. Wenn ich mich recht erinnere, besteht das Orchester nur aus Bläsern. Zumindest prägen sie das Werk wesentlich und geben dem Konzert einen durchgehenden tiefen, düsteren Klang. Dazu kontrastierend die Solo-Violine - schön und aufregend. Gibts bei Hastedt.
Ein ebenfalls sehr interessantes Violinkonzert gibt es von Gerd Domhardt (erschienen bei Thorofon: "Neue Musik aus alten Städten"). Das Werk ist zweisätzig und zeigt damit schon, dass es sich nicht an die klassischen Violinkonzerte anlehnt. Die Sätze heißen "Nachtstück" und "Tagstück" und so beginnt das Konzert auch ruhig und etwas "entrückt". Das Ganze entzieht sich leider meinen Beschreibungsmittel. Insgesamt aber kein Virtuosenkonzert mit launigen Melodien und Motiven, sondern ebenfalls ein eher dunkles schwermütiges Werk.
Das Violinkonzert von Günter Kochan gefällt mir noch ganz gut, ist allerdings sehr modern gehalten. Vielleicht eher nichts für dich Holger. Erschienen ebenfalls bei Hastedt.
Wieder etwas klassischer geht es zu bei Tilo Medek. Das fünfsätzige Violinkonzert bietet die gewohnte Breite von langsamen gefühlvollen Sätzen mit schnellen, tanzähnlichen Sätzen. Leider bisher nicht auf CD erschienen.
Ein absoluter Geheimtipp ist Jan Paul Nagel. Gehörte zur sorbischen (?)Minderheit in der Lausitz und sehr schöne Werke komponiert - nicht nur ein tolles Violinkonzert. Das Violinkonzert ist einsätzig und nur 15 Minuten lang. Er muss es geschrieben haben in einer schlechten Verfassung, da es enorm ausdrucksstark, emotional und voller trauriger oder depressiver Energie ist. Sehr zu empfehlen. Gibts beim Verband Komponisten der sorbischen Minderheit (oder so).
Das Spies Violinkonzert gefällt mir im Übrigen auch gut.
Von den restlichen DDR Komponisten, die ich besitze (Bruns, Cilensek, Geißler, Goldmann, Herrmann, Jung, Katzer, Köhler, Krol, Matthus, Meyer, Neef, Nowka, Raupp, Schleiermacher, Schubert, Schwaen, Thilman, Tittel, Weiss, Zechlin), ist mir keiner nachhaltig im Gedächtnis geblieben. Falls jemand dennoch Interesse hat, höre ich gerne noch mal rein und versuche mich an einer Beschreibung.
Holger S. (19.05.2006, 07:24): Hallo!
Erst mal danke für den Hinweis zu den Veröffentlichungen sorbischer Musik, war mir bis dato unbekannt. Ich bin im Zuge meiner Recherchen auf folgende Seite gestoßen: http://ski.sorben.com/site/docs/german/index.htm. Da gibt es ja einiges an klassischer Musik zu kaufen, sogar mit Hörbeispielen! Leider sind die Informationen zu den CDs / MCs nicht allzu umfangreich. Aber egal, da werde ich gleich mal zuschlagen. Nagel Violinkonzert scheint in der Tat gut zu sein, das kleine Hörbeispiel ist jedenfalls interessant. Raupp wird auch gekauft. Scheint ja eine sehr bemerkenswerte sorbische Musikkultur zu geben... hatte ich so noch nicht wahrgenommen. Danke für den Tipp!
Zu den übrigen: Hastedt hat ja wirklich eine Menge veröffentlicht, das große Manko ist, dass man in den seltensten Fällen Hörbeispiele vorfindet. Rosenfeld - der Name ist mir ein Begriff, kenne aber nichts von ihm. Medek kannte ich ebenso, der ist übrigens dieses Jahr verstorben. Ich hatte aber bisher nie ernsthaft erwogen, was von ihm zu kaufen, da ich ihn als avantgardistisch einschätzte... Nun, da habe ich wohl getäuscht. Die MGG führt sein Violinkonzert kurioserweise gar nicht. Interessant, dass er seine 1994-96 komponierte Dritte Sinfonie als "Sorbische" bezeichnet hat. Kochan Violinkonzert werde ich mir wohl zulegen, da ist ja auch ein frühes Klavierkonzert dabei, das wohl nicht so modern sein wird, mal schauen, was ich vom Violinkonzert halte. Schwaen, die Hastedt-CD, steht auch auf meiner Einkaufsliste.
Tobias, von den übrigen Komponisten, die du nennst, kenne ich schon ein paar, jedenfalls den Namen nach. Vieles davon ist sicher interessant, das meiste wahrscheinlich im Handel leider gar nicht erhältlich (Nowka? Bruns? Neef? Siegfried Köhler? Thilman?) Wie gesagt, Meyers Violinkonzert habe ich ja selbst. Übrigens hat Ottmar Gerster auch ein Violinkonzert komponiert, ich habe aber noch nie von einer Aufnahme gehört. Wie ist Manfred Schubert einzuschätzen? Hastedt hat ja einiges von ihm im Programm, aber das kaufe ich mir bestimmt nicht "blind". Kennst du Heinz Röttger (auch Hastedt)? Wie findest du dieses Konzert?
Viele Grüße Holger
Holger S. (19.05.2006, 14:41): Gerade bei e-Bay ersteigert:
http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=4878018385&rd=1&sspagename=STRK%3AMEWN%3AIT&rd=1 - Kochan: Violakonzert, Dritte Sinfonie. Das ist so eine Rarität, da habe ich nicht lange überlegt, sondern gleich zugeschlagen. Derzeit biete ich auch noch auf einen weiteren Artikel, der heute abend zu Ende geht. Mal schauen...
Was die Sorben betrifft: Habe heute morgen erst mal drei CDs bestellt - Nagel Orchesterwerke, Sorbische Sinfonik Vol.1, Pogoda Orchesterwerke. Darauf bin ich auch schon gespannt. Übrigens gibt es die CDs noch bei ein paar weiteren Anbietern, wie ich später festgestellt habe (z.B. Domowina-Verlag).
Viele Grüße Holger
Landowski (19.05.2006, 15:59): Original von Holger S. Zu den übrigen: Hastedt hat ja wirklich eine Menge veröffentlicht, das große Manko ist, dass man in den seltensten Fällen Hörbeispiele vorfindet. Rosenfeld - der Name ist mir ein Begriff, kenne aber nichts von ihm.
Das erste Violinkonzert ist absolut zu empfehlen! Da kann man nichts falsch machen. Energisch, ausdrucksstark, dabei harmonisch und melodisch gehalten. Da müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn dir das nicht zumindest halbwegs gefällt.
Original von Holger S. Medek kannte ich ebenso, der ist übrigens dieses Jahr verstorben. Ich hatte aber bisher nie ernsthaft erwogen, was von ihm zu kaufen, da ich ihn als avantgardistisch einschätzte... Nun, da habe ich wohl getäuscht. Die MGG führt sein Violinkonzert kurioserweise gar nicht.
Tja, scheint nicht eines seiner populärsten Werke zu sein. Ich hatte es vor ein paar Jahren mal von ihm privat bekommen. Die Chance hat sich ja leider seit diesem Jahr erübrigt... :(
Original von Holger S. Tobias, von den übrigen Komponisten, die du nennst, kenne ich schon ein paar, jedenfalls den Namen nach. Vieles davon ist sicher interessant, das meiste wahrscheinlich im Handel leider gar nicht erhältlich (Nowka? Bruns? Neef? Siegfried Köhler? Thilman?)
Nein, leider nicht. Victor Bruns gabs mal auf LP, wenn ich richtig informiert bin. Die restlichen Aufnahmen sind Radiomitschnitte.
Original von Holger S. Übrigens hat Ottmar Gerster auch ein Violinkonzert komponiert, ich habe aber noch nie von einer Aufnahme gehört.
Ich auch nicht, aber ich bin noch auf der Suche.. :D
Original von Holger S. Wie ist Manfred Schubert einzuschätzen? Hastedt hat ja einiges von ihm im Programm, aber das kaufe ich mir bestimmt nicht "blind". Kennst du Heinz Röttger (auch Hastedt)? Wie findest du dieses Konzert?
M. Schubert finde ich nicht so toll. recht modern, und ich finde wenig in der Musik, an dem ich mich "festhängen" kann (ob nun Melodie, Rhythmus, Emotion, ..). Es gibt mindestens zwei CDs von Hastedt mit Werken von ihm. Eines mit dem Konzert für 2 Violinen und Orchester und die andere mit seinem Cantilena e capriccio, für Violine und Orchester. Beides Werke, die ich eigentlich nie höre. Röttger habe ich auch, höre ich gerade. Ist moderner als Kochan, aber nicht unattraktiv. Viel Schlagwerk und Streicher im Orchester, sehr eigenwillig. Die Ecksätze sehr Schlagwerk betont, der Mittelsatz träumerisch mit Solo-Violine und Harfe und Glockenspiel (oder so etwas). Aber wie gesagt recht modern vom Klang gerade in den Ecksätzen. Ich würde es dennoch empfehlen, wenn du dich mal etwas weiter aus dem Fenster wagen wolltest.
Holger S. (20.05.2006, 07:45): Hallo!
Gestern abend habe ich bei e-Bay noch das hier ersteigert: http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=4878325170&rd=1&sspagename=STRK%3AMEWN%3AIT&rd=1 - Streichquartette von Gerster (Nr.2), Dessau (Nr.5) und Wagner-Régeny.
Tobias, erstmal danke für deine Ausführungen und Beschreibungen. Im Falle von Manfred Schubert vertraue ich ganz deinem Urteil. Wenn er dir nicht gefällt, dann mir wohl erst recht nicht. Dafür merke ich mir Röttger und Rosenfeld mal vor. Von Röttger gibt es ja auch ein paar Hörproben bei jpc. Meine daraus gewonnenen Eindrücke decken sich ungefähr mit deinen Schilderungen - klingt recht "kernig". Was das Gerster-Konzert angeht: ich habe bei mir zu Hause eine Gerster-Biographie von Rainer Malth aus dem Jahre 1988 herumliegen. In dieser ist dem Violinkonzert auch ein Absatz gewidmet, sogar eine Seite aus der Partitur ist abgedruckt. Dort ist zu lesen:
Völlig in Vergessenheit geraten ist das Violinkonzert von Ottmar Gerster. Das im Jahre 1939 kurz vor Gersters Einberufung zum Kriegsdienst vollendete Werk erlebte 1941 in Berlin seine Uraufführung und verschwand dann in den Archiven. Eine Wiederbelebung des Konzertes wäre sicher eine interessante Neuentdeckung.
Hört sich nicht danach an, als wäre es mal irgendwo gespielt oder aufgenommen worden... Ich besitze auch Noten von seinem Cellokonzert, habe sowohl in die Cellostimme als auch in den Klavierauszug mal hereingeschaut. Ebenfalls nicht schlecht, aber wie beim Violinkonzert wüsste ich von keiner Aufnahme. Schade ist das!
Viele Grüße Holger
Holger S. (03.01.2007, 16:12): Gerade habe ich das Klavierkonzert von Siegfried Köhler gehört, dabei habe ich mich an dieses Thema erinnert. Der Name Köhler wurde oben ja schon mal erwähnt in Zusammenhang mit seinem Violinkonzert, welches ich mittlerweile auch kenne. Ich muss aber sagen, dass diese beiden Konzerte wenig Gemeinsamkeiten besitzen - das Klavierkonzert ist eher heiter, mit jazzigen Anklängen, das Violinkonzert ernster, expressiver, es wurde zur Luther-Ehrung 1983 komponiert und nimmt darauf im letzten Satz durch vereinzelte Zitate aus "Ein feste Burg" Bezug, die aber weniger religiös zu verstehen sind: der Komponist wollte damit die unlösbare Verquickung von Gegenwart und Vergangenheit darstellen. Die Dritte Sinfonie dieses Komponisten gefällt mir dagegen weniger, das ist mir dann doch zu modern.
Das oben erwähnte Rosenfeld-Violinkonzert ist in der Tat sehr zu empfehlen, habe es auf Schallplatte gekauft zusammen mit dem Violinkonzert von Gerhard Wohlgemuth. Viel billiger (2,99 Euro!) als bei Hastedt gibt es das bei Berlin, siehe jpc. Tonale Musik, rhythmisch und fast schon dramatisch gehalten, wobei das Orchester allerdings nicht nur aus Bläsern besteht.
Ich habe mir mittlerweile einen ganz guten Überblick über DDR-Musik verschaffen können, allerdings im Wesentlichen dadurch, dass ich massiv Schallplatten gekauft habe. Ein wenig schade, dass diese Musikkultur von den CD-Labels doch eher ignoriert wird...