Cetay (15.10.2021, 05:16):
Schattenmenschen aus dem Baroque scheinen dazu verdammt zu sein, in der Dunkelheit zu verharren. Jedenfalls wurde an diesem Ort noch keiner gesichtet. Ich aendere das und zerre gleich zwei unheilvoll miteinander Verbundene ans Tageslicht: Vater (Antoine, 1679-1745) und Sohn (Jean-Baptiste, 1699-1782) Forqueray. Kenner moegen einwenden, dass die keineswegs in die zweite Reihe gehoeren, aber einem Dummy wie mir faellt zu Barock und Frankreich ausser Rameau und Leclair nicht viel ein - allenfalls noch Marais, aber auf die beiden Protagonisten dieses Fadens stiess ich heute morgen -beim Durchforsten der Diskographie von Ryo Terakado- das erste Mal. Nach dem Anwerfen der Suchmaschine wurde allerlei Unapetittliches ausgespuckt. Der Vater, ein Wunderkind, das als solches vor dem Koenig spielen durfte, muss wohl ein ziemlicher Enddarmausgang gewesen sein. Er quaelte seine Frau und neidete seinem Sohn, auch ein Wunderkind, das als solches auch vor dem Koenig spielen durfte, den Erfolg, intrigierte, lies ihn ins Gefaengnis werfen und des Landes verweisen. Der verzieh und arbeitete die 5 Gambensuiten des Vaters in Solowerke fuer Cembalo um. Damit ist das Werk der beiden auch schon grob umrissen. Laut dem Covertext umfasst das 5 CD-Set von Harmonia Mundi alles, was von den Forquerays erhalten geblieben ist. Allerdings sind die Suiten nicht in beiden Versionen in voller Laenge zu hoeren, sondern es wird innerhalb der Suiten zwischen den Versionen hin- und hergesprungen. Das ist sicher nicht das Falbe vom Ovum, aber schafft kurzweil. Mir wuerde allerdings eine 'best of' Single-CD genuegen, um festzustellen, dass Sahne oben schwimmt und die im Licht nicht ohne Grund im Licht stehen.