Liszts Sonate h-moll - eine 'Genialitätsdampfmühle' ? (E. Hanslick)
AcomA (24.03.2006, 15:23): Es war nur eine Frage der Zeit, wann die Beschäftigung mit der deutschen Klassik sich in Liszts eigenem Werk finden sollte. Vor allem Beethoven mit seinen letzten Klaviersonaten hatte Einfluss auf die Komposition der h-moll Sonate, welche er 1853 fertigstellte. Vorher schon beschäftigte sich Liszt mit der Sonatenkonzeption undzwar mit der 'Dante-Sonate' (1837), welche literarisch inspiriert ist.
Die h-moll Sonate, an deren Beginn drei Themen exponiert werden, kann man entweder als einsätzige Sonatensatz-Fantasie oder auch als Verschmelzung vierer Sätze begreifen. Klassische Themenentwicklung gibt es nicht, sondern ein Gespinst von Verwandlungen dieser Motive, die ständig in anderen Masken daherkommen.
Mit den so typischen Tonrepetitionen beginnt auch die Eröffnung (Lento assai) des Werkes. Die wenigen Takte werden im Verlauf der Sonate noch weitere Funktionen übernehmen und bilden im Formplan einen wichtigen Baustein, sind also nicht bloß Einleitung. Auffallendstes Merkmal sind die abwärts geführten Tonskalen, die harmonisch nicht zugeordnet werden können, quasi freitonal angelegt sind. In Richtung h-moll bewegt sich das Geschehen erst mit dem Einsatz des Hauptthemas, das die Tonrepetitionen des Beginns aufgreift, aber zu Oktavsprüngen modifiziert. In den folgenden Takten wird das Kernmaterial exponiert, alle späteren Motive lassen sich von diesen wenigen Takten ableiten. So z.b. das wiederholt auftretende 'grandioso'-Seitenthema mit großzügiger Ausnutzung des Klangvolumens. Kulminationspunkt ist die Reprise mit dem fugato, einer frei entwickelten Fuge. Desto schneller das Grundtempo hier genommen wird, desto größer das Pianistenrisiko ! Nach einem präfinalen presto-Sturm folgt nochmals das Seitenthema als Coda im Andante sostenuto-Modus in H-Dur. In dieser Tonart klingt die Sonate dann auch mit einem Hauch eines 'Basstropfens' in Remineszenz an die einleitenden Takte aus.
Man könnte das Werk auch als viersätzige Sonate begreifen, wobei das fugato als Scherzo und das folgende Material als Finalsatz fungieren würden. Einige interpretierten in die Sonate auch den Fausstoff. Dafür gibt es von Liszt keine direkten Hinweise. In jedem Falle ist die Sonate als ganz persönliches Bekenntnis des Komponisten zu sehen !
Im 19. Jahrhundert und auch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es kaum Interpreten dieses Werkes. Die technmischen und intellektuellen Hürden sind gleichermaßen enorm, wenn es auch manualtechnisch nicht das schwierigste ist. Einer der ersten, der sie spielte, war Hans v. Bülow, Cosimas Mann :wink. Artur Schnabel hat sie in jungen Jahren gespielt. Dann war es der junge Horowitz, der sie in den 20er und 30er Jahren regelmäßig spielte. Alexander Brailowsky, Arthur Rubinstein folgten. Heute ist sie fester Bestandteil eines renommierten Pianisten !
Live erlebte ich sie tatsächlich nur einmal, 1981 mit Alexis Weissenberg. Die Hälfte der Noten 'verschluckte' er leider ! Es gibt hier viel zu besprechen und diskutieren bzgl. der Interpretationen. Auf geht's.
gruß, siamak :engel
AcomA (24.03.2006, 15:51): hallo,
hier erst mal eine liste der interpretationen, die ich kenne:
vladimir horowitz (späte rca) emil gilels (rca) emil gilels (melodiya) sviatoslav richter (live, sowj. rundfunk, brilliant) lazar berman (DG) martha argerich (DG) claudio arrau (philips) claudio arrau (live, salzburg) claudio arrau (live, ermitage) alfred brendel (philips) arthur rubinstein (rca) nelson freire (rundfunk) agustin anievas (emi) maurizio pollini (DG) krystian zimerman (DG) ivo pogorelich (DG) michail pletnev (DG) stephen hough (hyperion) vladimir feltsman (musicmasters) nikolai demidenko (hyperion) josef bulva (mediaphon) alfredo perl (arte nova) yundi li (DG)
gruß, siamak :)
Cosima (24.03.2006, 16:22): Bevor ich mich zum Thema selber äußere, dies vorab: Meinen Respekt für die tolle Thread-Eröffnung, Siamak! Ich bin ganz begeistert – nicht nur, weil es sich um eine meiner Lieblings-Klaviersonaten handelt. Ich bin darüber hinaus ein echter Fan von Liszts Klavierkompositionen, auch wenn sich hier die Geister bis heute oft scheiden. Schon 1943 schrieb die Londoner Presse:
"Liszt ist bloß eine ordinäre Person mit gesträubten Haaren – ein Snob aus dem Irrenhaus. Er schreibt die hässlichste aller existierenden Musik."
Eine Liszt-Biographie habe ich mit großer Begeisterung verschlungen; mir gefällt dieser große Virtuose und Komponist einfach. Vielleicht gerade weil er ein so bewegtes Leben hatte und ein echter Salonlöwe war, aber hinter der Fassade ein sehr unsicherer Mensch war. Nicht umsonst lagen ihm die Frauen zu Füßen… :D
Ich melde mich auf jeden Fall zu der Klaviersonate.
Also, wenn der zeitweilige Favorit Karajans an die Hälfte der Noten verschluckte, das ist ja nicht gerade eine Bagatelle, dann gehörte er meiner unmassgeblichen Meinung nach nicht auf das Podium.
Sicher, ganz sicher hat er auch die Gage in reduzierter Form kassiert.
Die beiden Interpretationen der Liszt - Sonate die ich habe erscheinen in Deiner Liste.
Es sind dies
Pollini K. Zimerman
Gruss. Rolf.
Rachmaninov (24.03.2006, 17:31): Hallo Siamak,
Liszt h-moll Sonate nimmt einen recht hohen Anteil im meiner Sammlung ein
Rachmaninov (24.03.2006, 20:14): So, jetzt habe ich mirglaube ich, insgesamt das dritte mal die Aufnahme der h-moll Sonate durch Valery Afanassiev angehört. Das Sein Metronom nur in den allermeisten Fällen ein wenig - um es gelinde zu sagen - langsamer geht ist mir ja bekannt, ABER was bei anderen Werken durchaus reizvoll ist und die Spannung wirklich verstärkt, geht hier doch arg zu weit!
41'38'' (kein Tippfehler) nimmt Afanassiev sich Zeit um die Sonate zu spielen und lässt sie damit - vor allem in den kraftvollen dynamisch fordernden Passagen - wie Kaugummi wirken. Natürlich ein wunderschöner Klavierton, den die DECCA Techniker in bekannt gekonnter Weise einfangen, und natürlich spielt er einige Stellen einfach klasse, aber in Summe durch eine h-moll Sonate, der das "Voranschreitende" fehlt und der "Zusammenhalt" der Elemente:
Interpretation:5-7 Klang: 9
Cosima (25.03.2006, 10:55): Hallo allerseits,
bei mir finden sich Aufnahmen von Argerich, Bulva, Cziffra, Duchable, Gilels, Richter, Weissenberg und Zimerman.
Für mich besonders interessant war zuletzt die Cziffra-Aufnahme. Gewaltiger, selbstverliebter und extravaganter Tastenlöwenstil – so könnte man sie umschreiben. Dabei aber streckenweise ganz versunken und düster, wie an einem Abgrund stehend. Interessant, weil irgendwie sehr mächtig und vereinnahmend, aber sicher nichts für jeden Geschmack.
Gruß, Cosima
AcomA (27.03.2006, 20:16): hallo,
ich hörte erstmalig von der h-moll sonate durch joachim kaisers pianisten-buch, die kapitel über vladimir horowitz und emil gilels. das war während der schulzeit. die nächst-verfügbare aufnahme besorgte ich mir: lazar bermans 'debutplatte' bei der DG als mc. es handelte sich um eine sowjetische studioproduktion (stereo), dessen lizenz die DG erhielt. bis heute würde ich sagen, eine interpretation mit referenzcharakter, wenn man die aufnahmequalität außer acht ließe. berman spielt transparent, benutzt sparsame rubati. das grandioso-seitenthema kommt mächtig voluminös daher, an einigen stellen erzeugt berman impressionistische klangwunder. das fugato kommt nicht übertrieben im tempo, doch ehern und mit 'durchschlagskraft ! schade, dass diese aufnahme nicht mehr aufgelegt wurde. überhaupt gehört lazar berman zu den 'vergessenen' künstlern, ähnlich wie alexis weissenberg. in italien scheint er noch bekanntheitsgrad zu haben, wo er ja bis zuletzt noch lebte.
ganz besonders will ich auf die 'straight forward'-interpretation gilels', die klanglich üppige version pogorelichs und die phönomenale live-performance des fast 80-jährigen arrau hinweisen.
der live-mitschnitt des emil gilels aus dem moskauer konservatorium anfang der 60er jahre zeigt die liszt-sonate als absolutes psychodrama, das klanglich raffinierter gespielt ist als beim ebenfalls 'um seinleben rennenden' sviatoslav richter.
josef bulva ist ein regelrechter experte dieser sonate, mit der er sich über jahrzehnte beschäftigte. das hört man auch in seiner späteren interpretation. die ideale synthese von klang und struktur. leider nicht gute aufnahmetechnik. sehr metallener klang.
eine anekdote: sviatoslav richter zählte erstmal nach dem hinsetzen bis (so meine ich mich zu erinnern) bis zehn, bevor er mit der sonate einsetzte, um die spannung zu steigern :B
gruß, siamak :engel
Zelenka (28.03.2006, 14:37): Ich habe ein wenig in alten Zeitschriften geschnüffelt und fand den gesuchten Bericht über ein vergleichendes Hören von 60 Aufnahmen von Liszts Sonate tatsächlich wieder. Er steht im Winterheft 1999 des International Piano Quarterly. Die 5 Lieblingsaufnahmen von Philip Kennicott sind
Von diesen 5 Aufnahmen besitze und kenne ich nur Horowitz, von Richter habe ich eine andere Version. Von den wenigen Aufnahmen in meiner Sammlung gefällt mir Marta Argerich am besten, aber es ist mehr ein Respekt vor der erbrachten athletischen Leistung als alles andere. Liszts Sonate sagt mir nach all den Jahren leider immer noch nicht sehr viel … Peinlich, aber wahr.
Rot angelaufen,
Zelenka :I
AcomA (28.03.2006, 15:36): hallo Zelenka,
interessante nennung des kritikers. die späte horowitz-aufnahme ist im ganzen problematisch. die sonate wird nicht ausreichend zusammengehalten und vor allem fallen die manierismen des pianisten unangenehm auf. übertriebenes martellato und teils destruktive betonung der bässe ! brendel wiederum hält die sonate sehr gut zusammen, die strukturen werden freigelegt, aber es fehlt ein gewisses maß an durchschlagskraft. es klingt doch sehr 'softy'. die bolet-aufnahme kenne ich nicht, sollte sie aber so ausfallen wie andere seiner lisztinterpretationen, so ginge es in richtung brendel, sehr weich und dazu noch breite tempi.
gruß, siamak :)
Zelenka (28.03.2006, 16:24): Hallo siamak:
Ich mußte feststellen, daß ich auch Horowitz 1932 besitze, die Aufnahme ist in der verblichenen "Great Pianists of the 20th Century"-Reihe von Philips enthalten. Ich höre die Aufnahme gerade. Ja, in der Tat, hier wie 1976 werden die Bässe betont. Kennicott (IPQ) meint wohl, es sei das mephistophelische/diabolische Interpretationsverständnis des Ausführenden ... Ansonsten war das Hämmern immer ein Charakteristikum von Horowitz, es stört mich hier im Moment nicht einmal sehr. Und das, obwohl ich unbedingter Verehrer des Nicht-Martellato-Spielers Kempff bin. Der hat Liszts Sonate allerdings links liegengelassen. War wohl auch besser so. - Bolet kenne ich praktisch gar nicht, hatte in den 80ern einige Anhänger. Brendel hat gewiß keine ausreichende Feuerkraft. Um Kennicott zu zitieren: "One senses at times that Liszt's technical demands are not part of Brendel's natural and innate catalogue of skills. But through composure and force of will, Brendel makes the piece sound effortless."
Gruß,
Zelenka
Cosima (28.03.2006, 16:25): Original von AcomA josef bulva ist ein regelrechter experte dieser sonate, mit der er sich über jahrzehnte beschäftigte. das hört man auch in seiner späteren interpretation. die ideale synthese von klang und struktur. leider nicht gute aufnahmetechnik. sehr metallener klang.
Hallo Siamak,
meinst Du die Mediaphon-Aufnahme von 1993? Ich habe sie gar nicht in guter Erinnerung, müsste aber noch einmal reinhören.
Die Richter-Anekdote kenne ich auch so. Und die 1966-er Aufnahme gehört in die Kategorie 1 a. :)
Gruß, Cosima
AcomA (28.03.2006, 16:47): liebe Cosima,
ich kenne nur die live-aufnahme richters aus der brilliant-box, weiß momentan nicht, aus welchem jahr. diese brilliant-aufnahme würde ich in die kategorie II einordnen, was ja immerhin 'top' wäre. undzwar deswegen, weil mir hier richter zu wenig aus den gesanglichen und impressionistischen stellen macht.
ja, die josef bulva-aufnahme meine ich.
gruß, siamak :)
Cosima (28.03.2006, 16:53): Danke, Siamak – werde mir den Herrn Bulva dann demnächst noch einmal anhören. Ich hatte mal ein 5-er-Paket mit neuen CDs von Bulva für ungefähr 5 Euro ersteigert. Er scheint als Pianist wohl nicht so bekannt (oder beliebt) zu sein.
Lieben Gruß, Cosima
AcomA (28.03.2006, 16:59): hallo Cosima,
um es mal so zu formulieren, josef bulva spielt häufig sehr 'eigen'. er versucht dem hörer klar zu machen, wie schwierig die stücke tatsächlich sind, benutzt dabei recht sparsam das rechte pedal und versucht wie in einem chemielabor eine art destillat der töne zu präsentieren. bei der liszt-sonate oder den etudes d'execution tr. ist es wirklich klasse, bei brahms allerdings unglücklich. hör dir doch bitte mal unter diesen gesichtspunkten die aufnahmen an. mich würde deine meinung interessieren. Jeremias z.b. findet bulva ziemlich unattraktiv.
gruß, siamak :)
Cosima (28.03.2006, 17:08): Hallo Siamak,
wir hatten ja schon einmal über die Martinu/Berger/Skriabin-Aufnahme gesprochen. Da nanntest Du Bulvas Klavierspiel „durchsichtig und trocken“, was ich unterschrieb. Aber die Martinu-Sonate kann ich mir nach wie vor nicht besser interpretiert vorstellen. Gänsehautmusik pur, vor allem der 2. Satz; kühl und fast unheimlich – ein tolle Aufnahme!
In die anderen Sachen muss ich noch mal reinhören.
Gruß, Cosima :)
AcomA (28.03.2006, 17:12): hallo Cosima,
über meine persönliche begegnung mit bulva werde ich hier dann auch noch berichten, am besten im 'unbekannten'-thread.
gruß, siamak :)
Ganong (29.03.2006, 16:48): Lieber Siamak , ich habe Lazar Berman , einen ungemein sympathischen , bescheidenen und natürlichen Mesnchen und überragenden Pianisten im Juni 1994 während des Clara-Schuman-Klavierwettbewerbes in Düsseldorf mit einem reinen Liszt - Programm ein letztes Mal erleben können . Und danach mit Frau Dr. Gisela Schäfer , damls Geschäftsführende Vorsitzende der Robert-Schuman-Gesllschaft e.V. in Düsseldorf ; Frau Schäfer ist von Hause aus Internistin . ) Berman spielte auch die h-Moll-Sonate . Einen bleibenderen Eindruck einer in sich geschlosseneren Wiedergabe des Werkes habe ich live und auch auf Tonträger nicht oft gehört . Berman verkörpert e den von Joachim Kaiser 1994 so ausführlich im TV beschrieben Typ des Virtuosen alter Russischer Schule . Lazar Berman hat übrigens eine stilistisch zwar nicht sehr gutes , aber wegen des Inhaltes höchst informatives Buch in Deutsch geschrieben :"Schwarz und Weiss" ( Der kleine Verlag ist in Düsseldorf ). Erinnert werden soll an alle Aufnahmen Liszts durch Berman . Sein Lebensweg ist erschütternd gewesen . Und LB fand , schon gesundheitlich schwer krank , erst in seiner neuen italienischen Heimat eine gewisse Ruhe . In den letzten Lebensjahren gab er keine Konzerte mehr , sondern unterrichtete . Sein Sohn ist selbst ausübender Klassikmusiker . Grüsse , Ganong
AcomA (29.03.2006, 20:03): hallo Ganong,
danke für deine ausführungen über lazar berman ! ich hatte damals alle seine aufnahmen auf mc. phantastico. unverständlich, dass die DG die meisten dieser aufnahmen verschwinden ließ. sein buch habe ich natürlich gelesen.
gruß, siamak :beer
Ganong (30.03.2006, 13:25): Lieber Zelenka , ich kenne die Arbeit von Philip Kennicott . Er ist bei seinem Resumée seinem Textinhalt nicht gefolgt . Grundsätzlich sollte wegen der interpretatorischen Bedeutung die erste Aufnahme sein , die wir uns kaufen die frühe von Horowitz aus 1932 ( EMI und jetzt Naxos ) sein . Sie ist immer noch beeindruckend frisch bezüglich der technischen Gegebenheiten . Die späte Aufnahme von Horowitz ist wohl nur deshalb so hoch im Kurs ( geblieben ) , weil Harold C Schonberg in seinem Pianisten-Buch sie in das Zentrum der "richtigen" Interpretation stellt . Skurilerweise macht Schonberg dies bei der Gesamteinspielungszeit von exakt 30 Minuten fest . Die von Schonberg genanten Zeiten der anderen Interpreten stimmen jedenfalls in der deutschen Übersetzung des Buches nicht . Horowitz' zweite Aufnahme zerfällt schon am Lento-assai-Beginn und hat so viele Brüche , dass ich diese Aufnahme nur aus interpretatiosgeschichtlichen gründen ( von Horowitz ) höre . Die Maniesrismen von V.H. übertreffen alle seine anderen ( späten ) Aufnahmen . Und wo , bitte , sind die berühmten Horowitz-Bässe ? Alfred Brendel , das hat Siamak zu Recht hervorgehoben ( ein Beitrag unter Deinem ) , versucht Liszt dadurch gerecht zu werden , das er dessen sehr späte Altersweisheiten über richtige Interpretationen zu verifizieren sucht . Liszt war bei der Komposition ein absoluter "tastenlöw" , ein Supervirtuose wie Thalberg etwa seinerzeit . Brendel spielt einfach langweilig . Viele Grüsse , Ganong
Cosima (01.04.2006, 18:48): Original von AcomA um es mal so zu formulieren, josef bulva spielt häufig sehr 'eigen'. ... bei der liszt-sonate oder den etudes d'execution tr. ist es wirklich klasse, bei brahms allerdings unglücklich. hör dir doch bitte mal unter diesen gesichtspunkten die aufnahmen an. mich würde deine meinung interessieren.
Lieber Siamak,
ich habe mir die Brahms-Konzerte und die Liszt-Sonate noch einmal angehört. Zum Brahms: Hier empfinde ich Bulvas sehr trockenen, fast mechanischen Stil fast als unerträglich. Das wirkt lieblos drauflos gehackt, stellenweise grotesk verzerrt. Da gibt es keinen musikalischen Fluss, da wird ruckhaft zu gestalten versucht. Das muss schief gehen und geht es m.E. auch völlig. Die Liszt-Sonate finde ich gar nicht mal übel. Hier höre ich schon mehr dynamische Entwicklung. Bulva spielt nicht ganz so ruckhaft, seine Härte schafft eine düstere Atmosphäre, eine zuweilen klirrende Kälte - gefällt mir deutlich besser als sein Brahms.
Nach wie vor favorisiere ich Gilels, interessiere mich aber noch für die Aufnahmen von Leon Fleisher (1959) und Lazar Berman. Aber beide sind wohl momentan vom Markt verschwunden. Bald kommt ja noch die Earl Wild-Aufnahme dazu. Irgendwo las ich, dass er die Sonate eher oberflächlich interpretiert, mehr sich selber inszeniert. Warten wir’s ab.
Gruß, Cosima
AcomA (02.04.2006, 11:15): hallo,
ich habe seit jahren erstmalig wieder lazar bermans DG-aufnahme (mc) gehört, meine erinnerung hatte mich nicht im stich gelassen. es bleibt summa summarum die kompletteste präsentation dieser sonate, die ich kenne, klanglich (lässt man die aufnahmequalität etwas beiseite), die strukturelle übersicht, die entwicklung, den pianistischen zugriff, die klaviertechnik. ungeheuerlich. blöde DG :evil:, leg sie doch wieder auf !!!
gruß, siamak :engel
Ganong (02.04.2006, 18:52): Lieber Siamak , zunächst finde ich es wertvoll , dass Du auf di e - damalige - Bedetung der MCs hinweist . Von diesen hast Du offensichtlich noch eine ganze Reihe . Bzgl. der tonqualitär dürfte ein Problem darin liegen , dass die seinerzeitigen Top-Abspielgerätre von Nakamichi u.a. nicht weiterentwickelt worden sind bzw. die Cd-technik den Markt zu beherrschen begann . Dem sind unsinnigerweise fast alle MCs zumOpfer gefallen . Die DGG / Universal ist gerade bei den Aufnahmen mit Lazar Berman ( unwissentlich ? ) weit hinter den Leistungen dieses Ausnahmepianisten und grossartigen Menschen "zurückgeblieben" .
Wer seine LPs , antiquarisch , bekommen kann , sollte sie alle kaufen .
Denselben interpretatorischen Rang wie die h-Moll-Sonate von Franz Liszt hat seine Aufnahme des d-Moll-Konzertes von Johannes Brahms .
Die Leute der DG / Universal antworten meistens auf Anfragen ! Ein immenser "fortschritt" gegenünber den leb- und lieblosen Machern von SONY/BMG oder gar EMI . Viele Grüsse , Ganong
Rachmaninov (03.04.2006, 18:33): Lieber Siamak,
für mich gehört die Deutung von N. Demidenko eindeutig in die Gruppe I. Technische perfekt gelingt ihm IMO eine grandiose Verbindung zwischen den vier "Sätzen" der Sonate. Fast vollkommen organisch verbindet er die Sätze und dabei gelingt es ihm den Spannungsbogen stets bei zu behalten. Einfach klasse wie er z.B. die Exposition spielt :down :down
Interpretation: 9 Klang: 9
AcomA (03.04.2006, 20:37): lieber Richard,
die demidenko-aufnahme ist wahrlich top. was aber gilels, berman, zimerman und arrau IMO noch etwas heraushebt, ist die atmende phrasierung in den sektionen des 'cantando espressivo', welches jeweils nach dem grandioso-thema auftaucht, ein letztes mal dann zwischen dem fugato und dem prestissimo in der reprise. die stelle klingt zum einen sehr impressionistisch, verlangt jedoch auch nach 'singender' phrasierung. bei demidenko, und das gilt auch für andere interpretationen seinerseits, klingt es eine spur zu statisch.
gruß, siamak :)
martin (21.04.2006, 22:18): Hallo!
Ich bin kein Klavierfreak und höre Klaviermusik nur selten. Allerdings habe ich mir doch soeben mal die Klaviersonate angehört. Nachdem ich sie mir vor langem schon mal angehört hatte. Sie hat schon eindrucksvolle Stellen.
Nur - habe ich eine gute Aufnahme? Ich habe nämlich die Aufnahme mit einem gewissen Artur Pizarro, ursprünglich Collins, jetzt Brilliant. Ist die gut? Mir kommt die an einigen Stellen ein bißchen langatmig vor. Der braucht 33'20". Ist das vielleicht ein bißchen zu langsam?
Gruß Martin
Rachmaninov (21.04.2006, 22:23): Original von martin Der braucht 33'20". Ist das vielleicht ein bißchen zu langsam? Gruß Martin
Also um 33 min. benötigen auch Pletnev, Demidenko und Pogorelich!
Aber wenn Du eine "zügigere" Alternative suchst wäre M. Argerich eine Aufnahme in die Du reinhören könntest!
Anton (22.04.2006, 18:18): Hallo,
beziehen möchte ich mich besonders auch auf die von Cosima zitierte Äußerungen in Sachen Duchable - daran bin ich ja nicht ganz unschuldig.
Zunächst aber möchte ich sagen, dass ich die Sonate mit Argerich kennen gelernt habe, doch da hat sie mir gar nicht gefallen. Sie lief eigentlich an mir vorbei. Duchable hat sie mir sehr schmackhaft gemacht, dann kam Demidenko und auch diese gefällt mir sehr gut.
Ich empfinde das so wie Cosima beschrieben hat - einfach zwei unterschiedliche Herangehensweisen, die dem Werk doch recht verschiedene Charaktere zuweist. Eben zwei Sichtweisen. Somit kann man sie nicht miteinander vergleichen - dennoch können mir ja beide gefallen und das ist einfach der Fall.
Habe das Werk aber lange nicht gehört. Vielleicht wird es etwas in den kommenden Tagen/Wochen/Monaten...
Es grüßt Anton.
nubar (22.04.2006, 20:34): Hallo Martin,
die Pizarro-Aufnahme war auch meine erste h-moll. Besonders hat mich die Fuge begeistert. Aber wenn man andere Aufnahmen kennt, ist diese nur durchschnittlich, genauer gesagt langatmig, was vor allen Dingen darin liegt, dass Pizarro es nicht schafft, den großen Bogen zu spannen, also das Werk als Gesamtheit den Hörer näher zu bringen.
Wenn es um Alternativen geht, ist der Markt reich im Angebot. Ich sage einfach mal meine Meinung zu den Aufnahmen, die ich kenne. Zimerman spielt die Sonate sehr gut, ausgewogen und kraftvoll, für mein Empfinden aber etwas zu brutal. Argerich ist Zimermann ähnlich, brilliert aber mehr und lässt es oft zu schnell angehen. Gerade bei dem langsamen Teil vor der Fuge könnte sie sich mehr Zeit lassen. Rubinstein spielt auch sehr gut, ihm fehlt aber das jugendliche Feuer und richtig schön klingt es erst ganz zum Schluss. Schade, dass er die h-moll nicht 30-40 Jahre früher aufgenommen hat, dann wäre diese höchstwahrscheinlich eine der besten Einspielungen des Werkes. Richter auf Brilliant ist sehr, sehr gut, mit unglaublichen Furor und majestätischen Zügen nimmt er die schnellen Abschnitte, aber ihm fehlt IMO das letzte Quäntchen Gelassenheit, manche Übergänge sind zu schnell genommen. Aber mit den anderen tollen Aufnahmen der Box eine dicke Empfehlung. Seine legendär genannte Aufnahme von 1966 habe ich nur ein einziges Mal gehört, fand sie aber aufgrund einiger Spielfehler nicht so schön. Brendel hat sehr schöne Stellen, die sich aber mit weniger schönen abwechseln. Er spielt die Sonate ungewöhnlich und hat bei mir letztendlich einen durchmischten Eindruck hinterlassen. Gilels ist geradezu legendär, was Liszts Sonate angeht, und dem kann ich auch voll zustimmen. Seine Studioaufnahme für RCA ist auf jeden Fall eine Referenz und ich hoffe, dass sie bald als SACD in der LivingStereo-Reihe wiederveröffentlicht wird, da sie z.Z. eher schwer zu bekommen ist. Der Live-Mitschnitt aus Salzburg im Jahre 1970 (Mono!) ist aber vollkommen ebenbürtig (erhätlich auf Orfeo). Gilels verhaut zwar am Anfang einen Akkord, aber der Rest ist absolute Spitzenklasse. Im Vergleich zur RCA-Aufnahme ist sie noch schöner gespielt und hat eine unglaubliche Spannung, obwohl es Gilels nicht so schnell angeht wie z.B. Richter. Die beiden h-moll-Aufnahmen auf der Brilliantbox sind auch sehr gut, haben aber eine sehr schlechte Aufnahmetechnik. im Vergleich zu den anderen beiden Aufnahmen habe ich sie noch nicht gehört, kann also auch nichts näheres sagen. Und zum Schluss noch Arrau, der auf Philips eine hervorragende Studioeinspielung abgeliefert hat. Er ist nicht so virtuos wie andere Pianisten, leuchtet aber die Sonate wundervoll aus und hat einen vollen, klangschönen Lisztton (unbedingt empfehlenswert, wenn man wissen will, wie Liszt klingen soll). Sein Orfeo-Mitschnitt aus Salzburg, als er schon hoch in den 80ern war, ist auch sehr gut. Besonders seine Fuge ist unglaublich, besser gesagt unübertroffen. Mir gefällt aber die Sonate als ganzes hier nicht so sehr wie in seiner Studioeinspielung. Übrigens ist Arrau als Lisztinterpret einer der ganz großen. Er hat, ich glaube in den 30er Jahren, auch einen Preis für seine Liszt-Interpretationen von einer sehr renommierten Einrichtung (deren Name mir gerade entfallen ist) erhalten, der zuvor einige Jahrzehnte(!) nicht vergeben worden war.
P.S. Du kannst ja mal Cosima einen freundlichen Hinweis auf deine Brilliantbox geben, wo sie sich doch gerade für einen sehr renommierten Liszt-Interpreten interessiert, von dem einige sehr gute Einspielungen ja auf der dritten CD vorhanden sind.
MfG nubar
Cosima (22.04.2006, 21:04): Hallo nubar,
ein sehr schöner Beitrag, Respekt für diese Übersicht! :)
Bei den Interpretationen aus Deiner Sammlung, die ich auch kenne, stimme ich mit Deiner Einschätzung fast vollkommen überein. Zimerman wirkt auf mich aber eher zu nüchtern und unterkühlt als brutal. Richter sehe ich ebenso wie Du, und ich kann (und will :engel ) es nicht ändern: Das ist meine Lieblingseinspielung. Argerich ist mir auch zu überhastet, aber den Eindruck habe ich bei ihr recht häufig.
Der Orfeo-Livemitschnitt von Gilels ist wirklich großartig, die Brillant-Aufnahmen habe ich auch nicht mehr so recht im Ohr. Die Arrau-Aufnahme aus 1982 habe ich mir erst kürzlich zugelegt und erst einmal angehört. Sie macht einen sehr guten ersten Eindruck auf mich.
Die Aufnahmen mit Cziffra und Wild (z.B. die alte, sehr eigenwillige Aufnahme aus den 40-ern, die ich im Wild-Thread erwähnte) sind bei mir in der Rubrik „special case“ neuerdings noch hinzugekommen. Aber die würde ich nicht empfehlen.
Gruß, Cosima
Rachmaninov (27.04.2006, 19:52): Hallo,
gestern habe ich mir die Aufnahme der Sonate mit Naida Cole nochmals angehört:
Eine "ohne Netz und doppeltem Boden" gespielte Sonate, voller Kraft und Risikobereitsschaft in den entsprechenden Passagen und dann dieser wunderbare perlende und farbenreiche Klang ihres Klavierspiels in den ruhigen und melodisch schönen Passagen der Sonate :down
Sicherlich nicht DIE Aufnahme der Sonate schlecht hin und ganz bestimmt trifft sie nicht den Gesmack aller Musikfreunde aber als eine Aufnahme unter mehreren sicherlich eine interessante. :cool
Ganong (28.04.2006, 11:18): Liebe Cosima , Georges Cziffras Interpretation ist sicherlich nicht im interpretatorischen "Zeitgeist" von Pogorelich , Zimernan oder Pollini . Aber sie hat Charakter ! Cziffra spielt sie phasenweis ebis an die Grenzen der Interpretationsfreeiheit , aber er schafft es , die Sonate zusammenzuhalten . Bei Pogorelich zerbröckelt si edoch völlig und Zimerman und Pollini müssten den "universal-Kälte-Preis" gewinnen . Alles Gute , Frank
Rachmaninov (14.05.2006, 17:32): I. Pogorelich's Aufnahme der Sonate ist für mich eine der besten Aufnahmen überhaupt. Kraftvoll, immer die Spannung haltend mit farbigem Klavierspiel in den "ruhigen" besinnlichen Passagen eine der gelungensten Einspielungen überhaupt.
Gekoppelt übrigens mit einen fantastischen Skriabin Sonate #2
Rachmaninov (13.02.2007, 08:14): Gestern hörte ich nach längerer Zeit nochmals die h-moll Sonatevon F. Liszt. Grund war die Neuanschaffung der Sonate in der Einspielung vom A. Brendel, die am letzten Samstag in der "The Originals" Serie erneut veröffentlicht wurde.
Bereits die ersten Töne Brendels überzeugten mich wenig und lediglich meine Bemühung um eine "objektive" Bewertung der gesamten Sonate, trotz meiner eigentlich ablehnenden Haltung gegenüber Brendel, ließ mich die Aufnahme bis zum Ende hören.
Was Brendel spielt empfinde ich persönlich einfach nur als grausames Zerhacken einer Sonate. Da wird reingehauen mit gröbster Pranke, die Sonate ohne erkennbare Struktur gespielt und jegliche Möglichkeit, die durchaus existieren, die Sonate atmen zu lassen in einem derartigen Brei auf Dröhnen erstickt das mir wirklich alles verging.
Einfach unterirdisch IMO!
Es gibt wirklich sehr viele, richtig gute Aufnahmen der Sonate. Aber DIESE tue ich mich sicherlich nicht mehr an.
Jürgen (13.02.2007, 09:33): Ich kenne nur drei Aufnahmen dieses Werks, das ich sehr gerne höre, wenn ich in der richtigen Stimmung bin.
1. Deszö Ranki, Denon 1974!! (29:22) Als Denon noch mit den ersten Digitalaufnahmen experimentierte, andere Labels wußten damals noch gar nicht, wie man digital schreibt. Rankis Spiel ist frisch, ohne zu hetzen. Es gefällt mir sehr gut, trotz klanglicher Abstriche. (Leider kein Image mehr gefunden)
2. Browning, Delos 1984 (31:45) Obwohl ich nichts auszusetzen habe, geht mir diese Aufnahme nicht ans Herz. Vielleicht zu klinisch? http://patachonf.free.fr/musique/img/couv/d/delos/delos-3022.jpg
3. Horowitz, RCA 1977 (30:09) Gefällt mir am wenigsten. Klingt alles zusammenhangslos, wie Stückwerk. http://www.klassikaktuell.de/cover/P0090266141524_1.jpg
Wenn ich mir die anderen Beiträge so durchlese, kristallisiert sich noch keine Referenz heraus, die man unbedingt haben muß. Will meinen, da sollten sich schon mindestens drei Leute einig sein. Oder habe ich nicht aufmerksam genug gelesen?
Grüße Jürgen
Rachmaninov (13.02.2007, 09:47): Original von Jürgen Wenn ich mir die anderen Beiträge so durchlese, kristallisiert sich noch keine Referenz heraus, die man unbedingt haben muß. Will meinen, da sollten sich schon mindestens drei Leute einig sein. Oder habe ich nicht aufmerksam genug gelesen?
Grüße Jürgen
@Jürgen,
denke schon das Du aufmerksam gelesen hast!
Glaube es gibt deutlich mehr als 100 Aufnahmen der Sonate mittlerweile. Da wird es ggf. schwierig sein einen eindeutigen Favoriten zu identifizieren.
Rachmaninov (13.02.2007, 12:21): @Jürgen,
habe gerade mal die Beiträge überflogen und folgende Namen dort bisher mit positiven Bewertungen gelesen:
es gibt in den letzten 30 Jahren mehrere , zum Teil umfangreichere Besprechungen der Sonate , die seit jeher eines meiner Lieblingswerke überhaupt ist .
Einen recht guten Versuch im deutschen Sprachraum hat Matthias Kornemann 1996 zu Beginn seiner Tätigkeit für ROBDO verfasst . Sie leiet darunter , dass MK nur wenige der damals zugängigen Aufnahmen herangezogen hat . Eine durchaus lesenwerte Arbeit . Auch mit Kornemanns Ergebnis kann man sehr gut leben .
Ich hatte vor einigen Jahren , nach dem Ausatz von Philip Kennicott meine eigene Liste der "Top 5 Interpretationen" zusammengestellt .
Mein Ergebnis ( eher chronologisch ) :
Vladimir Horowitz ( EMI ; erste Aufnahme ) Simon Barere ( APR ) Alexis Weissenberg ( Lumen und EMI Martha Argerich u n d Emil Gilels ( vor allem die Aufnahme aus Salzburg bei ORFEO ) .
S e h r empfehlenswert ist die Einspielung durch Duchable .
Zum Vergleich sollte man die Cortot - Aufnahme ( Label : Pearl ) heranziehen . Hier schreibt ein Cortotschüler ein sehr instruktives Textheft , das wesentliches zum Lisztverständnis beiträgt .
Grüsse ,
FRank
Rachmaninov (20.02.2007, 06:42): Original von Ganong S e h r empfehlenswert ist die Einspielung durch Duchable .
Diese Einspielung konnte mich bisher nicht überzeugen!
Rachmaninov (04.03.2007, 10:33): Original von Ganong Vladimir Horowitz ( EMI ; erste Aufnahme ) Simon Barere ( APR ) Alexis Weissenberg ( Lumen und EMI Martha Argerich u n d Emil Gilels ( vor allem die Aufnahme aus Salzburg bei ORFEO ) .
@Frank,
die von Dir hier genannte Aufnahme von E. Gilels, dessen Klavierspiel ich sehr schätze, habe ich mitlerweile geliefert bekommen.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6785468.jpg
Es ist einfach eine wahre Freude diese Aufnahme mit der Aufnahme vom Festival 1970 hören zu dürfen. Eine Liszt Sonate, gespielt mit so viel Kraft, Gefühl und einer enormen gestallterischen Aussage!
Ohne jeden Zweifel eine der Top 5 Aufnahmen!
:times10
Gerion (06.04.2007, 11:50): Liebe Forianer,
auf der Suche nach einer adäquaten Interpretation der Liszt'schen h-moll-Sonate habe ich diesen Thread entdeckt. Mehrfach wird von der superben Leistung Lazar Bermans geschrieben, und dass seine Aufnahme seitens der DG nicht verfügbar ist.
Ich habe gerade gesehen, dass Brilliant Classics eine Berman-Box im Rahmen der Reihe "Russian Archives" anbietet. Sie enthält auch die h-moll-Sonate. Kann mir jemand sagen, ob es sich um oben genannte Aufnahme handelt? Dann würde ich die Box auf jeden Fall kaufen.
Auf der Seite von Brilliant Classics finden sich leider keine Informationen zu Aufnahmeort und -datum der Stücke. Auf der bei jpc abgebildeten Rückseite der Box meine ich unten links den Schriftzug "live recordings from..." erkennen zu können.
Grüße, Gerion
Rachmaninov (06.04.2007, 12:02): Original von Gerion Liebe Forianer,
auf der Suche nach einer adäquaten Interpretation der Liszt'schen h-moll-Sonate habe ich diesen Thread entdeckt. Mehrfach wird von der superben Leistung Lazar Bermans geschrieben, und dass seine Aufnahme seitens der DG nicht verfügbar ist.
Ich habe gerade gesehen, dass Brilliant Classics eine Berman-Box im Rahmen der Reihe "Russian Archives" anbietet. Sie enthält auch die h-moll-Sonate. Kann mir jemand sagen, ob es sich um oben genannte Aufnahme handelt? Dann würde ich die Box auf jeden Fall kaufen.
Auf der Seite von Brilliant Classics finden sich leider keine Informationen zu Aufnahmeort und -datum der Stücke. Auf der bei jpc abgebildeten Rückseite der Box meine ich unten links den Schriftzug "live recordings from..." erkennen zu können.
Grüße, Gerion
@Gerion,
die bei in der L. Berman enthaltenen Aufnahme der Sonate handelt es sich um eine Einspielung auf dem Jahr 1955.
Es ist eher unwahrscheinlich, dass es sich hierbei um die gleiche Aufnahme wie die der DG handelt. Brilliant nutzt andere Quellen.
:hello
Gerion (06.04.2007, 12:24): Lieber Rachmaninov,
danke für die Antwort. :hello
Hältst Du die Box (hinsichtlich der h-moll-Aufnahme und der anderen Titel) dennoch für gut, würdest Du sie empfehlen? Der Preis ist natürlich unschlagbar...
Ich überlege, mir die Box zuzulegen und evtl. Krystian Zimermans h-moll-Sonatenaufnahme dazu...
Gruß Gerion
Rachmaninov (06.04.2007, 12:34): Original von Gerion Lieber Rachmaninov,
danke für die Antwort. :hello
Hältst Du die Box (hinsichtlich der h-moll-Aufnahme und der anderen Titel) dennoch für gut, würdest Du sie empfehlen? Der Preis ist natürlich unschlagbar...
Ich überlege, mir die Box zuzulegen und evtl. Krystian Zimermans h-moll-Sonatenaufnahme dazu...
Gruß Gerion
@Gerion, an sich ist die Box schon interessant! Allerdings, wie oft bei den aus Russland übernommenen Aufnahmen, sind diese klanglich kein Highlight! Die Zimerman ist definitiv ein Kauf!
Gerion (06.04.2007, 12:38): @Rachmaninov: Danke für den Hinweis auf die Klangqualität. Er lässt mich erst einmal von der Box Abstand nehmen. Ich finde es immer schwierig, sich neue Werke (und gerade im Bereich Klavierwerke bin ich noch recht unkundig) anhand problematischer Aufnahmen zu erschließen...
Rachmaninov (06.04.2007, 12:40): Original von Gerion @Rachmaninov: Danke für den Hinweis auf die Klangqualität. Er lässt mich erst einmal von der Box Abstand nehmen. Ich finde es immer schwierig, sich neue Werke (und gerade im Bereich Klavierwerke bin ich noch recht unkundig) anhand problematischer Aufnahmen zu erschließen...
Ja, mir ist die Klangqualität auch sehr wichtig! Oft hilft da die beste Interpretation nichts!
Rachmaninov (09.04.2007, 15:47): Nun habe ich sie mehrfach gehört, die h moll Sonate von Franz Liszt in der Aufnahme des 1982 geborenen Yundi Li.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7391099.jpg
Da wo Kraft und technische "Meisterschaft" verlangt ist wird es oftmals doch recht aussagelos und es klingt eher nach einem Versuch statt nach tatsächlichem Gelingen. So gerät das Lento assai und Allegro energico eher zu einem Gedröhne als zu einem kraftvollen Klavierspiel und wirkt eher oberflächlich statt differenziert.
Im Grandioso gelingt IMO ebenfalls nicht was eventuell Absicht sein mag. Da gibt es Pianisten, die einen viel stärkeren Ausdruck hinterlassen und funkelnder und leuchtendere Klangfarben erzeugen. Für mich klingt es hier einfach stellenweise völlig ohne Differenzierung im Anschlag, wenn ich mir beim Hören andere Aufnahmen ins Gedächnis hole.
Oder man höre mal ins Andante sostenuto. Hier kann man als Pianist wirklich zeigen was man für Ausrrucksmöglichkeiten mittels Anschlag und Klangfarben "drauf" hat. Für mich klingt das im Vergleich zu den Spitzenaufnahmen einfach nur oberflächlich! Da ist kein "Gesang", keine Farbe, kein Funkeln.
Irgendwo hatte ich einmal gelesen die h moll Sonate sei das meist aufgenommene Werk (für Klavier) überhaupt. Nun, es gibt hier sicherlich viele großartige Aufnahmen. Dabei denke ich insb. an Gilels, Demidenko, Zimerman und Pogorelich. Aber der 1982 geborene Yundi Li überzeugt mich nicht.
Meine, das ist alles nicht schlecht, aber vieles erinnert mich eher an einen "Showlauf" statt einer tiefen Auseinandersetzung mit dem Werk. So bleibt am Ende der in lediglich knapp unter 30 Minuten die Frage: "Brauche ich diese Aufnahme der h moll Sonate?" Und eine klare Antowrt: NEIN!
Interpretation: 6 Klang: 9
Ganong (09.04.2007, 19:37): Lieber R. ,
es stellt suich grundsätzlich die Frage , wieviele Aufnahmen jemand "haben" muss" ? Dies gilt für jede Komposition . Wenn jemand einen bestimmten Lieblinmgsinterprten hat , der ein Werk z.B. mehrfach aufgenommen hat , so werden diese Aufnahmen immer ganz oben angesiedelt sein als Empfehlung .
Yundi Li gehört weder zu den interessanten Pinaisten ( Du hast recht , das seine Lisztaufnahme zu besitzen überflüssig ist ; Interpretation meinerseits 4 ; Klang : 9 ) .
Diese Aufnahme unter rund 100 publizierten und autorisierten Aufnahmen gehört in die unterste Klasse .
BERMAN . Kein Zweifel , dass er ein grosser mensch , Pianist , Künstler gewesen ist . Er hat sicherlich wie alle anderen nicht alles gleichwertig gespielt .
Aber wer seinen Liszt , speziell die h-Moll-Sonate einmal ( oder mehrfach ) im Konzert gehört hat , wird an ihm nicht vorbeikommen .
ich hörte erstmalig von der h-moll sonate durch joachim kaisers pianisten-buch, die kapitel über vladimir horowitz und emil gilels. das war während der schulzeit. die nächst-verfügbare aufnahme besorgte ich mir: lazar bermans 'debutplatte' bei der DG als mc. es handelte sich um eine sowjetische studioproduktion (stereo), dessen lizenz die DG erhielt. bis heute würde ich sagen, eine interpretation mit referenzcharakter, wenn man die aufnahmequalität außer acht ließe. berman spielt transparent, benutzt sparsame rubati. das grandioso-seitenthema kommt mächtig voluminös daher, an einigen stellen erzeugt berman impressionistische klangwunder. das fugato kommt nicht übertrieben im tempo, doch ehern und mit 'durchschlagskraft ! schade, dass diese aufnahme nicht mehr aufgelegt wurde. überhaupt gehört lazar berman zu den 'vergessenen' künstlern, ähnlich wie alexis weissenberg. in italien scheint er noch bekanntheitsgrad zu haben, wo er ja bis zuletzt noch lebte.
ganz besonders will ich auf die 'straight forward'-interpretation gilels', die klanglich üppige version pogorelichs und die phönomenale live-performance des fast 80-jährigen arrau hinweisen.
der live-mitschnitt des emil gilels aus dem moskauer konservatorium anfang der 60er jahre zeigt die liszt-sonate als absolutes psychodrama, das klanglich raffinierter gespielt ist als beim ebenfalls 'um seinleben rennenden' sviatoslav richter.
josef bulva ist ein regelrechter experte dieser sonate, mit der er sich über jahrzehnte beschäftigte. das hört man auch in seiner späteren interpretation. die ideale synthese von klang und struktur. leider nicht gute aufnahmetechnik. sehr metallener klang.
eine anekdote: sviatoslav richter zählte erstmal nach dem hinsetzen bis (so meine ich mich zu erinnern) bis zehn, bevor er mit der sonate einsetzte, um die spannung zu steigern :B
gruß, siamak :engel
Zelenka (28.03.2006, 14:37): Ich habe ein wenig in alten Zeitschriften geschnüffelt und fand den gesuchten Bericht über ein vergleichendes Hören von 60 Aufnahmen von Liszts Sonate tatsächlich wieder. Er steht im Winterheft 1999 des International Piano Quarterly. Die 5 Lieblingsaufnahmen von Philip Kennicott sind
Von diesen 5 Aufnahmen besitze und kenne ich nur Horowitz, von Richter habe ich eine andere Version. Von den wenigen Aufnahmen in meiner Sammlung gefällt mir Marta Argerich am besten, aber es ist mehr ein Respekt vor der erbrachten athletischen Leistung als alles andere. Liszts Sonate sagt mir nach all den Jahren leider immer noch nicht sehr viel … Peinlich, aber wahr.
Rot angelaufen,
Zelenka :I
AcomA (28.03.2006, 15:36): hallo Zelenka,
interessante nennung des kritikers. die späte horowitz-aufnahme ist im ganzen problematisch. die sonate wird nicht ausreichend zusammengehalten und vor allem fallen die manierismen des pianisten unangenehm auf. übertriebenes martellato und teils destruktive betonung der bässe ! brendel wiederum hält die sonate sehr gut zusammen, die strukturen werden freigelegt, aber es fehlt ein gewisses maß an durchschlagskraft. es klingt doch sehr 'softy'. die bolet-aufnahme kenne ich nicht, sollte sie aber so ausfallen wie andere seiner lisztinterpretationen, so ginge es in richtung brendel, sehr weich und dazu noch breite tempi.
gruß, siamak :)
Zelenka (28.03.2006, 16:24): Hallo siamak:
Ich mußte feststellen, daß ich auch Horowitz 1932 besitze, die Aufnahme ist in der verblichenen "Great Pianists of the 20th Century"-Reihe von Philips enthalten. Ich höre die Aufnahme gerade. Ja, in der Tat, hier wie 1976 werden die Bässe betont. Kennicott (IPQ) meint wohl, es sei das mephistophelische/diabolische Interpretationsverständnis des Ausführenden ... Ansonsten war das Hämmern immer ein Charakteristikum von Horowitz, es stört mich hier im Moment nicht einmal sehr. Und das, obwohl ich unbedingter Verehrer des Nicht-Martellato-Spielers Kempff bin. Der hat Liszts Sonate allerdings links liegengelassen. War wohl auch besser so. - Bolet kenne ich praktisch gar nicht, hatte in den 80ern einige Anhänger. Brendel hat gewiß keine ausreichende Feuerkraft. Um Kennicott zu zitieren: "One senses at times that Liszt's technical demands are not part of Brendel's natural and innate catalogue of skills. But through composure and force of will, Brendel makes the piece sound effortless."
Gruß,
Zelenka
Cosima (28.03.2006, 16:25): Original von AcomA josef bulva ist ein regelrechter experte dieser sonate, mit der er sich über jahrzehnte beschäftigte. das hört man auch in seiner späteren interpretation. die ideale synthese von klang und struktur. leider nicht gute aufnahmetechnik. sehr metallener klang.
Hallo Siamak,
meinst Du die Mediaphon-Aufnahme von 1993? Ich habe sie gar nicht in guter Erinnerung, müsste aber noch einmal reinhören.
Die Richter-Anekdote kenne ich auch so. Und die 1966-er Aufnahme gehört in die Kategorie 1 a. :)
Gruß, Cosima
AcomA (28.03.2006, 16:47): liebe Cosima,
ich kenne nur die live-aufnahme richters aus der brilliant-box, weiß momentan nicht, aus welchem jahr. diese brilliant-aufnahme würde ich in die kategorie II einordnen, was ja immerhin 'top' wäre. undzwar deswegen, weil mir hier richter zu wenig aus den gesanglichen und impressionistischen stellen macht.
ja, die josef bulva-aufnahme meine ich.
gruß, siamak :)
Cosima (28.03.2006, 16:53): Danke, Siamak – werde mir den Herrn Bulva dann demnächst noch einmal anhören. Ich hatte mal ein 5-er-Paket mit neuen CDs von Bulva für ungefähr 5 Euro ersteigert. Er scheint als Pianist wohl nicht so bekannt (oder beliebt) zu sein.
Lieben Gruß, Cosima
AcomA (28.03.2006, 16:59): hallo Cosima,
um es mal so zu formulieren, josef bulva spielt häufig sehr 'eigen'. er versucht dem hörer klar zu machen, wie schwierig die stücke tatsächlich sind, benutzt dabei recht sparsam das rechte pedal und versucht wie in einem chemielabor eine art destillat der töne zu präsentieren. bei der liszt-sonate oder den etudes d'execution tr. ist es wirklich klasse, bei brahms allerdings unglücklich. hör dir doch bitte mal unter diesen gesichtspunkten die aufnahmen an. mich würde deine meinung interessieren. Jeremias z.b. findet bulva ziemlich unattraktiv.
gruß, siamak :)
Cosima (28.03.2006, 17:08): Hallo Siamak,
wir hatten ja schon einmal über die Martinu/Berger/Skriabin-Aufnahme gesprochen. Da nanntest Du Bulvas Klavierspiel „durchsichtig und trocken“, was ich unterschrieb. Aber die Martinu-Sonate kann ich mir nach wie vor nicht besser interpretiert vorstellen. Gänsehautmusik pur, vor allem der 2. Satz; kühl und fast unheimlich – ein tolle Aufnahme!
In die anderen Sachen muss ich noch mal reinhören.
Gruß, Cosima :)
AcomA (28.03.2006, 17:12): hallo Cosima,
über meine persönliche begegnung mit bulva werde ich hier dann auch noch berichten, am besten im 'unbekannten'-thread.
gruß, siamak :)
Ganong (29.03.2006, 16:48): Lieber Siamak , ich habe Lazar Berman , einen ungemein sympathischen , bescheidenen und natürlichen Mesnchen und überragenden Pianisten im Juni 1994 während des Clara-Schuman-Klavierwettbewerbes in Düsseldorf mit einem reinen Liszt - Programm ein letztes Mal erleben können . Und danach mit Frau Dr. Gisela Schäfer , damls Geschäftsführende Vorsitzende der Robert-Schuman-Gesllschaft e.V. in Düsseldorf ; Frau Schäfer ist von Hause aus Internistin . ) Berman spielte auch die h-Moll-Sonate . Einen bleibenderen Eindruck einer in sich geschlosseneren Wiedergabe des Werkes habe ich live und auch auf Tonträger nicht oft gehört . Berman verkörpert e den von Joachim Kaiser 1994 so ausführlich im TV beschrieben Typ des Virtuosen alter Russischer Schule . Lazar Berman hat übrigens eine stilistisch zwar nicht sehr gutes , aber wegen des Inhaltes höchst informatives Buch in Deutsch geschrieben :"Schwarz und Weiss" ( Der kleine Verlag ist in Düsseldorf ). Erinnert werden soll an alle Aufnahmen Liszts durch Berman . Sein Lebensweg ist erschütternd gewesen . Und LB fand , schon gesundheitlich schwer krank , erst in seiner neuen italienischen Heimat eine gewisse Ruhe . In den letzten Lebensjahren gab er keine Konzerte mehr , sondern unterrichtete . Sein Sohn ist selbst ausübender Klassikmusiker . Grüsse , Ganong
AcomA (29.03.2006, 20:03): hallo Ganong,
danke für deine ausführungen über lazar berman ! ich hatte damals alle seine aufnahmen auf mc. phantastico. unverständlich, dass die DG die meisten dieser aufnahmen verschwinden ließ. sein buch habe ich natürlich gelesen.
gruß, siamak :beer
Ganong (30.03.2006, 13:25): Lieber Zelenka , ich kenne die Arbeit von Philip Kennicott . Er ist bei seinem Resumée seinem Textinhalt nicht gefolgt . Grundsätzlich sollte wegen der interpretatorischen Bedeutung die erste Aufnahme sein , die wir uns kaufen die frühe von Horowitz aus 1932 ( EMI und jetzt Naxos ) sein . Sie ist immer noch beeindruckend frisch bezüglich der technischen Gegebenheiten . Die späte Aufnahme von Horowitz ist wohl nur deshalb so hoch im Kurs ( geblieben ) , weil Harold C Schonberg in seinem Pianisten-Buch sie in das Zentrum der "richtigen" Interpretation stellt . Skurilerweise macht Schonberg dies bei der Gesamteinspielungszeit von exakt 30 Minuten fest . Die von Schonberg genanten Zeiten der anderen Interpreten stimmen jedenfalls in der deutschen Übersetzung des Buches nicht . Horowitz' zweite Aufnahme zerfällt schon am Lento-assai-Beginn und hat so viele Brüche , dass ich diese Aufnahme nur aus interpretatiosgeschichtlichen gründen ( von Horowitz ) höre . Die Maniesrismen von V.H. übertreffen alle seine anderen ( späten ) Aufnahmen . Und wo , bitte , sind die berühmten Horowitz-Bässe ? Alfred Brendel , das hat Siamak zu Recht hervorgehoben ( ein Beitrag unter Deinem ) , versucht Liszt dadurch gerecht zu werden , das er dessen sehr späte Altersweisheiten über richtige Interpretationen zu verifizieren sucht . Liszt war bei der Komposition ein absoluter "tastenlöw" , ein Supervirtuose wie Thalberg etwa seinerzeit . Brendel spielt einfach langweilig . Viele Grüsse , Ganong
Cosima (01.04.2006, 18:48): Original von AcomA um es mal so zu formulieren, josef bulva spielt häufig sehr 'eigen'. ... bei der liszt-sonate oder den etudes d'execution tr. ist es wirklich klasse, bei brahms allerdings unglücklich. hör dir doch bitte mal unter diesen gesichtspunkten die aufnahmen an. mich würde deine meinung interessieren.
Lieber Siamak,
ich habe mir die Brahms-Konzerte und die Liszt-Sonate noch einmal angehört. Zum Brahms: Hier empfinde ich Bulvas sehr trockenen, fast mechanischen Stil fast als unerträglich. Das wirkt lieblos drauflos gehackt, stellenweise grotesk verzerrt. Da gibt es keinen musikalischen Fluss, da wird ruckhaft zu gestalten versucht. Das muss schief gehen und geht es m.E. auch völlig. Die Liszt-Sonate finde ich gar nicht mal übel. Hier höre ich schon mehr dynamische Entwicklung. Bulva spielt nicht ganz so ruckhaft, seine Härte schafft eine düstere Atmosphäre, eine zuweilen klirrende Kälte - gefällt mir deutlich besser als sein Brahms.
Nach wie vor favorisiere ich Gilels, interessiere mich aber noch für die Aufnahmen von Leon Fleisher (1959) und Lazar Berman. Aber beide sind wohl momentan vom Markt verschwunden. Bald kommt ja noch die Earl Wild-Aufnahme dazu. Irgendwo las ich, dass er die Sonate eher oberflächlich interpretiert, mehr sich selber inszeniert. Warten wir’s ab.
Gruß, Cosima
AcomA (02.04.2006, 11:15): hallo,
ich habe seit jahren erstmalig wieder lazar bermans DG-aufnahme (mc) gehört, meine erinnerung hatte mich nicht im stich gelassen. es bleibt summa summarum die kompletteste präsentation dieser sonate, die ich kenne, klanglich (lässt man die aufnahmequalität etwas beiseite), die strukturelle übersicht, die entwicklung, den pianistischen zugriff, die klaviertechnik. ungeheuerlich. blöde DG :evil:, leg sie doch wieder auf !!!
gruß, siamak :engel
Ganong (02.04.2006, 18:52): Lieber Siamak , zunächst finde ich es wertvoll , dass Du auf di e - damalige - Bedetung der MCs hinweist . Von diesen hast Du offensichtlich noch eine ganze Reihe . Bzgl. der tonqualitär dürfte ein Problem darin liegen , dass die seinerzeitigen Top-Abspielgerätre von Nakamichi u.a. nicht weiterentwickelt worden sind bzw. die Cd-technik den Markt zu beherrschen begann . Dem sind unsinnigerweise fast alle MCs zumOpfer gefallen . Die DGG / Universal ist gerade bei den Aufnahmen mit Lazar Berman ( unwissentlich ? ) weit hinter den Leistungen dieses Ausnahmepianisten und grossartigen Menschen "zurückgeblieben" .
Wer seine LPs , antiquarisch , bekommen kann , sollte sie alle kaufen .
Denselben interpretatorischen Rang wie die h-Moll-Sonate von Franz Liszt hat seine Aufnahme des d-Moll-Konzertes von Johannes Brahms .
Die Leute der DG / Universal antworten meistens auf Anfragen ! Ein immenser "fortschritt" gegenünber den leb- und lieblosen Machern von SONY/BMG oder gar EMI . Viele Grüsse , Ganong
Rachmaninov (03.04.2006, 18:33): Lieber Siamak,
für mich gehört die Deutung von N. Demidenko eindeutig in die Gruppe I. Technische perfekt gelingt ihm IMO eine grandiose Verbindung zwischen den vier "Sätzen" der Sonate. Fast vollkommen organisch verbindet er die Sätze und dabei gelingt es ihm den Spannungsbogen stets bei zu behalten. Einfach klasse wie er z.B. die Exposition spielt :down :down
Interpretation: 9 Klang: 9
AcomA (03.04.2006, 20:37): lieber Richard,
die demidenko-aufnahme ist wahrlich top. was aber gilels, berman, zimerman und arrau IMO noch etwas heraushebt, ist die atmende phrasierung in den sektionen des 'cantando espressivo', welches jeweils nach dem grandioso-thema auftaucht, ein letztes mal dann zwischen dem fugato und dem prestissimo in der reprise. die stelle klingt zum einen sehr impressionistisch, verlangt jedoch auch nach 'singender' phrasierung. bei demidenko, und das gilt auch für andere interpretationen seinerseits, klingt es eine spur zu statisch.
gruß, siamak :)
Cosima (21.04.2006, 18:40): Rachmaninov schrieb im anderen Thread an Anton:
Demidenko's Aufnahme der Sonate ist eine der großartigsten Aufnahmen des Werks überhaupt und mit sicherheit gibt ein einige weiter grandiose Aufnahmen der Sonate. Aber mit Sicherheit kann Duchable's Aufnahme keiner der großen Aufnahmen der Sonaten im geringsten das Wasser reichen!
Einspruch, Euer Ehren! :D
Ich kenne zwar die Demidenko-Aufnahme nicht, aber nach allem, was ich von diesem Pianisten bislang hörte, gehe ich davon aus, dass Duchable eine ganz andere Sichtweise wählte, die beiden Aufnahmen also sowieso nur schwer vergleichbar sind.
Ich höre den Duchable sehr gern, seine Aufnahme wirkt auf mich angenehm „entschlackt“. Mir gefällt sein klarer und transparenter Stil, der der Sonate einen innigen und zerbrechlichen Charakter verleiht. Jetzt kann man immer noch sagen, dass man die eine Sichtweise der anderen vorzieht, aber ich meine nicht, dass man hier von einer Steigerung im Verhältnis zueinander sprechen kann. Duchable geht vielleicht eher in Richtung Zimerman, das Ergebnis ist aber graziler.
Viele Grüße, Cosima
Jeremias (21.04.2006, 18:48): Den Duchable werde ich mir die Tage auch mal anhören, er liegt auf meinem To-Do-Stapel weit oben, ist neulich via Ebay angekommen. Auch live habe ich ihn mit diesem Werk einst hören dürfen
Cosima (21.04.2006, 18:54): Original von Jeremias Den Duchable werde ich mir die Tage auch mal anhören, er liegt auf meinem To-Do-Stapel weit oben, ist neulich via Ebay angekommen. Auch live habe ich ihn mit diesem Werk einst hören dürfen
Ich glaube fast, dass Du ihn nicht mögen wirst. Ganz entfernt erinnert mich seine Interpretation nämlich an eine wärmere und zartere Version der Bulva-Ausgabe (den Du ja nicht leiden kannst), wenn ich mich hier gerade recht erinnere. Aber berichte doch mal.
Gruß, Cosima
Cosima (21.04.2006, 19:22): Weil wir vorhin über Kornemann in Sachen Wild sprachen… Ich habe gerade eine Rezension gefunden (Rondo 4/96), die sich auch wieder mit meinen Eindrücken deckt. Dieser Kornemann wird mir immer sympathischer, der scheint mehr Ahnung als der Herr Hurwitz zu haben… :rofl Er zieht auch die gleiche Parallele wie ich zu Zimerman. In die gleiche Ecke "Kult der Kälte" passt m.E. auch der Bulva. :)
„Der Dritte im Kollektiv der beherrschten Überkapazitäten ist François-René Duchable. Er liefert das lichtdurchflutete Pendant zu Pollini und Zimerman, ebenso um letzte Transparenz bemüht, aber weniger streng. Sogar die Oktav-Stretta gelingt ihm noch elegant-chevaleresk. Es klingt so mühelos, daß man kaum bemerkt, wie rekordverdächtig schnell dieser Mann seine Oktaven aus dem Handgelenk schüttelt. Eines haben alle drei gemeinsam: Den Verlockungen manueller Selbstdarstellung geben sie sich nicht hin.“
Gruß, Cosima
martin (21.04.2006, 22:18): Hallo!
Ich bin kein Klavierfreak und höre Klaviermusik nur selten. Allerdings habe ich mir doch soeben mal die Klaviersonate angehört. Nachdem ich sie mir vor langem schon mal angehört hatte. Sie hat schon eindrucksvolle Stellen.
Nur - habe ich eine gute Aufnahme? Ich habe nämlich die Aufnahme mit einem gewissen Artur Pizarro, ursprünglich Collins, jetzt Brilliant. Ist die gut? Mir kommt die an einigen Stellen ein bißchen langatmig vor. Der braucht 33'20". Ist das vielleicht ein bißchen zu langsam?
Gruß Martin
Rachmaninov (27.04.2006, 19:52): Hallo,
gestern habe ich mir die Aufnahme der Sonate mit Naida Cole nochmals angehört:
Eine "ohne Netz und doppeltem Boden" gespielte Sonate, voller Kraft und Risikobereitsschaft in den entsprechenden Passagen und dann dieser wunderbare perlende und farbenreiche Klang ihres Klavierspiels in den ruhigen und melodisch schönen Passagen der Sonate :down
Sicherlich nicht DIE Aufnahme der Sonate schlecht hin und ganz bestimmt trifft sie nicht den Gesmack aller Musikfreunde aber als eine Aufnahme unter mehreren sicherlich eine interessante. :cool
Rachmaninov (14.05.2006, 17:32): I. Pogorelich's Aufnahme der Sonate ist für mich eine der besten Aufnahmen überhaupt. Kraftvoll, immer die Spannung haltend mit farbigem Klavierspiel in den "ruhigen" besinnlichen Passagen eine der gelungensten Einspielungen überhaupt.
Gekoppelt übrigens mit einen fantastischen Skriabin Sonate #2
Rachmaninov (13.02.2007, 08:14): Gestern hörte ich nach längerer Zeit nochmals die h-moll Sonatevon F. Liszt. Grund war die Neuanschaffung der Sonate in der Einspielung vom A. Brendel, die am letzten Samstag in der "The Originals" Serie erneut veröffentlicht wurde.
Bereits die ersten Töne Brendels überzeugten mich wenig und lediglich meine Bemühung um eine "objektive" Bewertung der gesamten Sonate, trotz meiner eigentlich ablehnenden Haltung gegenüber Brendel, ließ mich die Aufnahme bis zum Ende hören.
Was Brendel spielt empfinde ich persönlich einfach nur als grausames Zerhacken einer Sonate. Da wird reingehauen mit gröbster Pranke, die Sonate ohne erkennbare Struktur gespielt und jegliche Möglichkeit, die durchaus existieren, die Sonate atmen zu lassen in einem derartigen Brei auf Dröhnen erstickt das mir wirklich alles verging.
Einfach unterirdisch IMO!
Es gibt wirklich sehr viele, richtig gute Aufnahmen der Sonate. Aber DIESE tue ich mich sicherlich nicht mehr an.
Jürgen (13.02.2007, 09:33): Ich kenne nur drei Aufnahmen dieses Werks, das ich sehr gerne höre, wenn ich in der richtigen Stimmung bin.
1. Deszö Ranki, Denon 1974!! (29:22) Als Denon noch mit den ersten Digitalaufnahmen experimentierte, andere Labels wußten damals noch gar nicht, wie man digital schreibt. Rankis Spiel ist frisch, ohne zu hetzen. Es gefällt mir sehr gut, trotz klanglicher Abstriche. (Leider kein Image mehr gefunden)
2. Browning, Delos 1984 (31:45) Obwohl ich nichts auszusetzen habe, geht mir diese Aufnahme nicht ans Herz. Vielleicht zu klinisch? http://patachonf.free.fr/musique/img/couv/d/delos/delos-3022.jpg
3. Horowitz, RCA 1977 (30:09) Gefällt mir am wenigsten. Klingt alles zusammenhangslos, wie Stückwerk. http://www.klassikaktuell.de/cover/P0090266141524_1.jpg
Wenn ich mir die anderen Beiträge so durchlese, kristallisiert sich noch keine Referenz heraus, die man unbedingt haben muß. Will meinen, da sollten sich schon mindestens drei Leute einig sein. Oder habe ich nicht aufmerksam genug gelesen?
Grüße Jürgen
Rachmaninov (13.02.2007, 09:47): Original von Jürgen Wenn ich mir die anderen Beiträge so durchlese, kristallisiert sich noch keine Referenz heraus, die man unbedingt haben muß. Will meinen, da sollten sich schon mindestens drei Leute einig sein. Oder habe ich nicht aufmerksam genug gelesen?
Grüße Jürgen
@Jürgen,
denke schon das Du aufmerksam gelesen hast!
Glaube es gibt deutlich mehr als 100 Aufnahmen der Sonate mittlerweile. Da wird es ggf. schwierig sein einen eindeutigen Favoriten zu identifizieren.
Rachmaninov (13.02.2007, 12:21): @Jürgen,
habe gerade mal die Beiträge überflogen und folgende Namen dort bisher mit positiven Bewertungen gelesen:
es gibt in den letzten 30 Jahren mehrere , zum Teil umfangreichere Besprechungen der Sonate , die seit jeher eines meiner Lieblingswerke überhaupt ist .
Einen recht guten Versuch im deutschen Sprachraum hat Matthias Kornemann 1996 zu Beginn seiner Tätigkeit für ROBDO verfasst . Sie leiet darunter , dass MK nur wenige der damals zugängigen Aufnahmen herangezogen hat . Eine durchaus lesenwerte Arbeit . Auch mit Kornemanns Ergebnis kann man sehr gut leben .
Ich hatte vor einigen Jahren , nach dem Ausatz von Philip Kennicott meine eigene Liste der "Top 5 Interpretationen" zusammengestellt .
Mein Ergebnis ( eher chronologisch ) :
Vladimir Horowitz ( EMI ; erste Aufnahme ) Simon Barere ( APR ) Alexis Weissenberg ( Lumen und EMI Martha Argerich u n d Emil Gilels ( vor allem die Aufnahme aus Salzburg bei ORFEO ) .
S e h r empfehlenswert ist die Einspielung durch Duchable .
Zum Vergleich sollte man die Cortot - Aufnahme ( Label : Pearl ) heranziehen . Hier schreibt ein Cortotschüler ein sehr instruktives Textheft , das wesentliches zum Lisztverständnis beiträgt .
Grüsse ,
FRank
Rachmaninov (20.02.2007, 06:42): Original von Ganong S e h r empfehlenswert ist die Einspielung durch Duchable .
Diese Einspielung konnte mich bisher nicht überzeugen!
Rachmaninov (04.03.2007, 10:33): Original von Ganong Vladimir Horowitz ( EMI ; erste Aufnahme ) Simon Barere ( APR ) Alexis Weissenberg ( Lumen und EMI Martha Argerich u n d Emil Gilels ( vor allem die Aufnahme aus Salzburg bei ORFEO ) .
@Frank,
die von Dir hier genannte Aufnahme von E. Gilels, dessen Klavierspiel ich sehr schätze, habe ich mitlerweile geliefert bekommen.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6785468.jpg
Es ist einfach eine wahre Freude diese Aufnahme mit der Aufnahme vom Festival 1970 hören zu dürfen. Eine Liszt Sonate, gespielt mit so viel Kraft, Gefühl und einer enormen gestallterischen Aussage!
Ohne jeden Zweifel eine der Top 5 Aufnahmen!
:times10
Gerion (06.04.2007, 11:50): Liebe Forianer,
auf der Suche nach einer adäquaten Interpretation der Liszt'schen h-moll-Sonate habe ich diesen Thread entdeckt. Mehrfach wird von der superben Leistung Lazar Bermans geschrieben, und dass seine Aufnahme seitens der DG nicht verfügbar ist.
Ich habe gerade gesehen, dass Brilliant Classics eine Berman-Box im Rahmen der Reihe "Russian Archives" anbietet. Sie enthält auch die h-moll-Sonate. Kann mir jemand sagen, ob es sich um oben genannte Aufnahme handelt? Dann würde ich die Box auf jeden Fall kaufen.
Auf der Seite von Brilliant Classics finden sich leider keine Informationen zu Aufnahmeort und -datum der Stücke. Auf der bei jpc abgebildeten Rückseite der Box meine ich unten links den Schriftzug "live recordings from..." erkennen zu können.
Grüße, Gerion
Rachmaninov (06.04.2007, 12:02): Original von Gerion Liebe Forianer,
auf der Suche nach einer adäquaten Interpretation der Liszt'schen h-moll-Sonate habe ich diesen Thread entdeckt. Mehrfach wird von der superben Leistung Lazar Bermans geschrieben, und dass seine Aufnahme seitens der DG nicht verfügbar ist.
Ich habe gerade gesehen, dass Brilliant Classics eine Berman-Box im Rahmen der Reihe "Russian Archives" anbietet. Sie enthält auch die h-moll-Sonate. Kann mir jemand sagen, ob es sich um oben genannte Aufnahme handelt? Dann würde ich die Box auf jeden Fall kaufen.
Auf der Seite von Brilliant Classics finden sich leider keine Informationen zu Aufnahmeort und -datum der Stücke. Auf der bei jpc abgebildeten Rückseite der Box meine ich unten links den Schriftzug "live recordings from..." erkennen zu können.
Grüße, Gerion
@Gerion,
die bei in der L. Berman enthaltenen Aufnahme der Sonate handelt es sich um eine Einspielung auf dem Jahr 1955.
Es ist eher unwahrscheinlich, dass es sich hierbei um die gleiche Aufnahme wie die der DG handelt. Brilliant nutzt andere Quellen.
:hello
Gerion (06.04.2007, 12:24): Lieber Rachmaninov,
danke für die Antwort. :hello
Hältst Du die Box (hinsichtlich der h-moll-Aufnahme und der anderen Titel) dennoch für gut, würdest Du sie empfehlen? Der Preis ist natürlich unschlagbar...
Ich überlege, mir die Box zuzulegen und evtl. Krystian Zimermans h-moll-Sonatenaufnahme dazu...
Gruß Gerion
Rachmaninov (06.04.2007, 12:34): Original von Gerion Lieber Rachmaninov,
danke für die Antwort. :hello
Hältst Du die Box (hinsichtlich der h-moll-Aufnahme und der anderen Titel) dennoch für gut, würdest Du sie empfehlen? Der Preis ist natürlich unschlagbar...
Ich überlege, mir die Box zuzulegen und evtl. Krystian Zimermans h-moll-Sonatenaufnahme dazu...
Gruß Gerion
@Gerion, an sich ist die Box schon interessant! Allerdings, wie oft bei den aus Russland übernommenen Aufnahmen, sind diese klanglich kein Highlight! Die Zimerman ist definitiv ein Kauf!
Gerion (06.04.2007, 12:38): @Rachmaninov: Danke für den Hinweis auf die Klangqualität. Er lässt mich erst einmal von der Box Abstand nehmen. Ich finde es immer schwierig, sich neue Werke (und gerade im Bereich Klavierwerke bin ich noch recht unkundig) anhand problematischer Aufnahmen zu erschließen...
Rachmaninov (06.04.2007, 12:40): Original von Gerion @Rachmaninov: Danke für den Hinweis auf die Klangqualität. Er lässt mich erst einmal von der Box Abstand nehmen. Ich finde es immer schwierig, sich neue Werke (und gerade im Bereich Klavierwerke bin ich noch recht unkundig) anhand problematischer Aufnahmen zu erschließen...
Ja, mir ist die Klangqualität auch sehr wichtig! Oft hilft da die beste Interpretation nichts!
Rachmaninov (09.04.2007, 15:47): Nun habe ich sie mehrfach gehört, die h moll Sonate von Franz Liszt in der Aufnahme des 1982 geborenen Yundi Li.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7391099.jpg
Da wo Kraft und technische "Meisterschaft" verlangt ist wird es oftmals doch recht aussagelos und es klingt eher nach einem Versuch statt nach tatsächlichem Gelingen. So gerät das Lento assai und Allegro energico eher zu einem Gedröhne als zu einem kraftvollen Klavierspiel und wirkt eher oberflächlich statt differenziert.
Im Grandioso gelingt IMO ebenfalls nicht was eventuell Absicht sein mag. Da gibt es Pianisten, die einen viel stärkeren Ausdruck hinterlassen und funkelnder und leuchtendere Klangfarben erzeugen. Für mich klingt es hier einfach stellenweise völlig ohne Differenzierung im Anschlag, wenn ich mir beim Hören andere Aufnahmen ins Gedächnis hole.
Oder man höre mal ins Andante sostenuto. Hier kann man als Pianist wirklich zeigen was man für Ausrrucksmöglichkeiten mittels Anschlag und Klangfarben "drauf" hat. Für mich klingt das im Vergleich zu den Spitzenaufnahmen einfach nur oberflächlich! Da ist kein "Gesang", keine Farbe, kein Funkeln.
Irgendwo hatte ich einmal gelesen die h moll Sonate sei das meist aufgenommene Werk (für Klavier) überhaupt. Nun, es gibt hier sicherlich viele großartige Aufnahmen. Dabei denke ich insb. an Gilels, Demidenko, Zimerman und Pogorelich. Aber der 1982 geborene Yundi Li überzeugt mich nicht.
Meine, das ist alles nicht schlecht, aber vieles erinnert mich eher an einen "Showlauf" statt einer tiefen Auseinandersetzung mit dem Werk. So bleibt am Ende der in lediglich knapp unter 30 Minuten die Frage: "Brauche ich diese Aufnahme der h moll Sonate?" Und eine klare Antowrt: NEIN!
Interpretation: 6 Klang: 9
Ganong (09.04.2007, 19:37): Lieber R. ,
es stellt suich grundsätzlich die Frage , wieviele Aufnahmen jemand "haben" muss" ? Dies gilt für jede Komposition . Wenn jemand einen bestimmten Lieblinmgsinterprten hat , der ein Werk z.B. mehrfach aufgenommen hat , so werden diese Aufnahmen immer ganz oben angesiedelt sein als Empfehlung .
Yundi Li gehört weder zu den interessanten Pinaisten ( Du hast recht , das seine Lisztaufnahme zu besitzen überflüssig ist ; Interpretation meinerseits 4 ; Klang : 9 ) .
Diese Aufnahme unter rund 100 publizierten und autorisierten Aufnahmen gehört in die unterste Klasse .
BERMAN . Kein Zweifel , dass er ein grosser mensch , Pianist , Künstler gewesen ist . Er hat sicherlich wie alle anderen nicht alles gleichwertig gespielt .
Aber wer seinen Liszt , speziell die h-Moll-Sonate einmal ( oder mehrfach ) im Konzert gehört hat , wird an ihm nicht vorbeikommen .
Cosima (27.04.2008, 11:36): Hinweisen möchte ich auf einen Live-Mitschnitt aus der Carnegie Hall: Simon Barere spielte dort im November 1947 u.a. eine fantastische Liszt-Sonate – hochvirtuos und dramatisch, wunderschönes und sehr lebendiges Klavierspiel! Neben den diversen Interpretationen von Richter und Arrau ist dies derzeit eine meiner liebsten Aufnahmen.
Einziges Manko der CD (neben der natürlich nicht so überragenden Klangqualität): Die Sonate ist in 5 Tracks aufgeteilt, mit kleinen Pausen dazwischen. Das ist wirklich ärgerlich!
Gruß, Cosima
Rachmaninov (19.08.2008, 16:21): Gestern hörte ich die Aufnahme der Sonate mit dem brasilianischen Pianisten Arnaldo Cohen.
Die Aufnahme steht seit geraumer Zeit bei mir im Regal, jedoch habe ich sie mir jetzt erst intensiver angehört.
Etwas mehr als 31 min. nimmt sich Cohan Zeit und liegt damit eher im Mittelfeld was die Spielzeit angeht. Empfehlen würde ich die Aufnahme aber niemandem.
Stellenweise klingt es so als wolle Cohan beweisen, dass er "auch" schnell spielen kann, so wie es viele berühmte Pianisten vor ihm auch schon demonstriert haben. Dummerweise ist er aber keine M. Argerich, die auch im rasenten Tempo noch über eine Anschlag- und Klangdifferenzierung verfügt, die es verhindert das neben Schnelligkeit nicht mehr viel übrig bleibt. So verwischen manche Passagen einfach im Tempo.
Warum die Aufnahme anderswo eine 10/10 bekommen hat erschließt sich mir nicht! Aber auch bei "langsamen" passagen, die zum pianistischen Gesang einladen klingt das ganze eher etwas flau.
HenningKolf (30.11.2008, 07:56): Original von Rachmaninov
Glaube es gibt deutlich mehr als 100 Aufnahmen der Sonate mittlerweile. Da wird es ggf. schwierig sein einen eindeutigen Favoriten zu identifizieren.
Mark Tanner schreibt in der International Record Review, zu der Zeit, als er über die h-moll-Sonate zwecks Erlangung des akademischen Grades Ph.D. (keine Ahnung ob dies einem Diplom oder einer Promotion entspricht, btw.) eine Arbeit verfasst habe, habe er schon über 300 Aufnahmen, allerdings auch in Form von Pianorollen, ausgemacht. Er schreibt zwar nicht, wann dies der Fall gewesen ist, meint aber, heute an die 400 Aufnahmen ausmachen zu können.
Aber mir eher egal, weder Martha Argerich (für mich gilt, wenn sie nicht, wer dann?), noch Anda, Groh oder Richter haben mich dieses Werk auch nur ein wenig mögen lassen - die anderen 396 Aufnahmen werde ich mir also sparen können - na gut, wenn ich mal meine, Pogorelichs Scriabin haben zu müssen, käme noch zwangsläufig eine dazu.
Gruß Henning
Poztupimi (30.11.2008, 10:49): Original von HenningKolf Original von Rachmaninov
Glaube es gibt deutlich mehr als 100 Aufnahmen der Sonate mittlerweile. Da wird es ggf. schwierig sein einen eindeutigen Favoriten zu identifizieren.
Mark Tanner schreibt in der International Record Review, zu der Zeit, als er über die h-moll-Sonate zwecks Erlangung des akademischen Grades Ph.D. (keine Ahnung ob dies einem Diplom oder einer Promotion entspricht, btw.) eine Arbeit verfasst habe, habe er schon über 300 Aufnahmen, allerdings auch in Form von Pianorollen, ausgemacht. Er schreibt zwar nicht, wann dies der Fall gewesen ist, meint aber, heute an die 400 Aufnahmen ausmachen zu können.
Aber mir eher egal, weder Martha Argerich (für mich gilt, wenn sie nicht, wer dann?), noch Anda, Groh oder Richter haben mich dieses Werk auch nur ein wenig mögen lassen - die anderen 396 Aufnahmen werde ich mir also sparen können - na gut, wenn ich mal meine, Pogorelichs Scriabin haben zu müssen, käme noch zwangsläufig eine dazu.
Gruß Henning
Lieber Henning,
PhD ist durchaus unserer Promotion gleichzusetzen.
Ich habe einen Text in den "Newsletter of the Society for Music Analysis" (hier, Seite 16) gefunden, in dem über einen Vortrag von Tanner bei einem "Day for Music Postgraduates" im Mai 1998 berichtet wird. Ich schätze mal, seine PhD-Thesis über die Sonate wird er vielleicht nicht so wahnsinnig viel vor 1998 verfasst haben.
Grüße, Wolfgang
HenningKolf (30.11.2008, 11:37): Das würde bedeuten, in 10 Jahren schon wieder 100 Aufnahmen mehr........meine Güte!
Dr. Schön (05.12.2008, 12:05): Die h-moll Sonate gehört zu den den wenigen Kompositinen Liszts, die mir wirklich sehr gefallen. Auf der einen Seite ist es eine Ausgeburt (nicht negativ gemeint) an virtuoser Genialität, aber auf der anderen Seite finde ich sie konzeptionel und dramaturgisch wirklich sehr faszinierend.
Für mich gibt es da immer den Triptychon "Appassionata", "h-moll Sonate" und "C-Dur Fantasie" (Schumann). Das mag heikel und etwas vage sein, aber diese 3 Werke denke ich immer irgendwo zusammen. Beethoven treibt die Sonate an die Grenze des möglichen, bei Liszt schreitet die Auflösung noch weiter voran und bei Schumann fällt die Bezeichnung "Sonate" dann völlig weg. Mag etwas hinken... :(
Ich besitze folgende Einspielungen:
Martha Argerich. Typisch leidenschaftlich, viruos und eine geradezu athletische Leistung. Ich besitze diese Ausgabe aus der "Great Pianists of the Century" Reihe, die es mal bei Phillips gab. Und ich finde den Klang hier sehr mau.
Arrau ist zweimal vertreten. Seine Studioauzfnahme bei Phillips sticht durch ihre vergleichsweise trockene, vernünftige und konstuktive, eher antivirtuose Herangehesweise heraus. Seinen späten LiveMitschnitt bei Orfeo aus den frühen 80ern schätze ich als ein eindrucksvolles Dokument seines großen Gestallungswillens auch im hohen Alter. Auch wenn er manchmal etwas daneben zu greifen scheint.
Gilels bei Orfeo hat mir zu meiner Schande gar nichts gesagt.
Horowitz Aufnahme aus den frühen 30ern war immer meine liebste Einspielung. Müsste sie beizeiten mal wieder hören.
Alexis Weissenberg lotet, bei seinem etwas zu kräftigen Spiel, sehr vieles an Architektur und Struktur des Werkes aus, was ich interessant fand.
Als Leihgabe hatt ich mal Lazar Bermann, der mir auch ausgesprochen gut gefallen hat.
Das es eine Aufnahme mit Cziffra gab, lese ich hier zum ersten mal. Seine "Ungarischen Rhapsodien" fand ich pianistisch immer sehr unterhaltsam, aber auf der anderen Seite ist dort ein Punkt an Virtuosität erreicht, der nie so meine Sache war.
teleton (05.12.2008, 12:38): Hallo Liszt-Freunde,
dieser Thread ist eine willkommene INFO um zu erfahren, welche Aufnahmen lohnend sein könnten.
Ich besitze drei Aufnahmen: Yundi Li (DG) Da gehe ich mit Rachmaninov konform - das ist Liszt ohne Aussagekraft, aber klanglich schon berauschend.
Ronald Smith (APPIAN Records) Mikhail Pletnev (DG) Diese Aufnahmen habe ich beide noch nicht intensiv genug gehört um ausreichend beurteilen zu könnnen. Aber das kraftvolle und ausdrucksreiche Spiel beider Pianisten scheint mir überzeugend und Liszt angemessen.
Wer kann mehr dazu schreiben? Wer kennt die Aufnahmen ? Ich werde mich nach einer intensiven Hörsitzung auch dazu äußern, denn ich habe beide CD´s erst seit kurzer Zeit neu.
Rachmaninov (05.12.2008, 14:15): Original von teleton Mikhail Pletnev (DG) Diese Aufnahmen habe ich beide noch nicht intensiv genug gehört um ausreichend beurteilen zu könnnen. Aber das kraftvolle und ausdrucksreiche Spiel beider Pianisten scheint mir überzeugend und Liszt angemessen.
Also, die Pletnev Aufnahme kenne ich, denke sie ist gut, aber nicht ganz vorne dabei...
Heike (07.11.2011, 23:37): Hallo, ich bin kein riesengroßer Liszt-Klaviermusik-Fan, aber diese Sonate ist wahrlich wunderbar und ich liebe sie schon immer. Und ich habe etliche Aufnahmen davon, die ich gerade mal wieder bewusst anhöre. Ich habe den Thread daher jetzt für mich rausgekramt, weil ich nächste Woche Pollini in der Philharmonie damit hören werde :-)
Die h-moll Sonate, an deren Beginn drei Themen exponiert werden, kann man entweder als einsätzige Sonatensatz-Fantasie oder auch als Verschmelzung vierer Sätze begreifen.
Ja, das ist eines der faszinierenden Sachen, man kann es so oder so hören. Einfach genial. Zudem finde ich, gibts darin im Mittelteil teilweise schon richtig impressionistische Anklänge, das geht weit über die Zeit hinaus und erinnert fast schon an Debussy-Sphären.
Was die Anfangsthemen angeht, ich würde da sogar 4 am Beginn differenzieren: 1. beiden einleitenden Oktav-Töne, 2. die absteigende Tonleiter (1 und 2 würde ich trennen, weil die Tonleiter später auch mehrfach allein vorkommt, direkt vor dem grandioso) 3. das Haupthema 4. das rhythmische Bass-Motiv in der linken Hand (später kommt dann 5. das grandioso-Thema dazu)
Wie Liszt 3 und 4 verschachtelt und dann aus dem zackigen Thema 4 ein liedhaftes, ruhiges Seitenthema macht bzw. es später lyrisch in das Adagio integriert, ist meisterhaft. Da soll noch mal jemand sagen, der ist nur auf virtuose show aus. Nein, das ist große Kunst.
Dann schon im "Scherzo" (wenn man es so nimmt) hat er wiederum Thema 3 und 4 als inelligente Fuge verarbeitet, oder durchgeführt, wie man will. Auf mich hat das eine ungeheure Wirkung. Das Finale ist dann wirklich nur noch irre, ein virtuoser Sog. Mein Respekt jedem, der das spielen kann.
Heike
Heike (07.11.2011, 23:43): P.s. diese neuen Unterforen haben den Vorteil, dass man auf alte Themen leichter aufmerksam wird. Heike
Heike (10.11.2011, 20:22): I. Pogorelich's Aufnahme der Sonate ist für mich eine der besten Aufnahmen überhaupt. Kraftvoll, immer die Spannung haltend mit farbigem Klavierspiel in den "ruhigen" besinnlichen Passagen eine der gelungensten Einspielungen überhaupt. Dem stimme ich zu, nachdem ich die Aufnahme jetzt nochmal mehrmals gehört habe. Dieser glasklare, facettenreiche Klang ist faszinierend, man nehme nur mal jeweils den ersten Ton nach den ersten (machtvollen) grandioso-Bearbeitungen. Da gehen mir Welten auf. Oder die fast spirituellen Klänge in der rechten Hand, wo das Hauptthema nur leise im Bass anklingt, kaum jemand spielt das so brilliant modern und doch so innerlich und spielerisch leicht.
Er macht das Werk unheimlich kontrastreich, seine manchmal überraschenden Phrasierungen und Verzögerungen sind extrem, aber konsequent. Sie geben dem Ganzen einen gespenstischen, zwingenden Sog, wie ich finde. Da fühlt sich dann das innige dolce z.B. wie eine Hoffnung auf Erlösung an. Mir gefällt die Aufnahme ausgezeichnet und ich habe sogar Mühe, beim Hören direkt danach mich überhaupt mit irgendeiner anderen Aufnahme anzufreunden, weil Pogorelich durch seine Kompromisslosigkeit und seinen himmlisch- impressionistischen Klang im piano mich sehr sehr intensiv berührt. Ich muss da immer eine Pause einlegen, sonst werde ich ungerecht! Heike
Heike (11.11.2011, 23:33): Jetzt habe ich noch zwei weitere Aufnahmen gehört:
Richter (Brilliant-Box) - von wann ist die Aufnahme eigentlich? Reißt mich gar nicht vom Hocker. Zunächst finde ich den Klang ätzend flach, zusätzlich mit live-Störgeräuschen, dadurch fehlt dem Werk jede Brillianz. Richter spielt mir aber hier auch zu verkopft, zu wenig kantabel. Mag ich nicht wirklich so.
Argerich: Gefällt mir schon besser. Beeindruckend rasant wie immer, manchmal atemberaubend schnell. Manche Passagen macht sie auch besonders schön, z.B. den Teil nach der Fuge. Andererseits fehlt mir bei ihr diess manisch-depressive feeling, das Pogorelich unbedingt hat. Erst dadurch kriegt dieses Werk für mich seine Faszination. Das kriegt Argerich trotz ihrer fast gewaltvoll hingeknallten Akkorde nicht so hin. Trotzdem für mich eine gute Aufnahme, weil sie den großen Bogen zieht und auch die melodiösen Passagen schön ausdrucksvoll spielt. Heike
Heike (11.11.2011, 23:52): Die vielgelobte Aufnahme von Bermann kenne ich nicht. Neu gibt es von PianoClassics diese CD, ist das die besagte Aufnahme?
Rachmaninov (12.11.2011, 07:42): Hallo Heike,
kennst Du die Demidenko Aufnahme?
R
Heike (12.11.2011, 08:47): Hallo Rachmaninov, ja die habe ich (und auch in recht positiver Erinenrung)! Ich will sie aber demnächst nochmal gezielt anhören, ehe ich was dazu schreibe. Heike
Amadé (12.11.2011, 12:00): Ich hörte unlängst im SWR einen Ausschnitt mit John Ogdon, hat mich sehr beeindruckt. Ich kann die CD aber nirgends finden.
Gruß Amadé
Cetay (inaktiv) (12.11.2011, 13:14): Bei SRW2 wird auf EMI 0271802 referenziert. Das ist diese hier:
Heike (12.11.2011, 19:23): Weiter geht es mit Demidenko: Sofort schon zu Beginn fällt die große dynamische Spanne auf: ganz leise schleicht er sich in die ersten Takte. Um dann nicht viel später atemberaubend in die Tasten zu hämmern, und das mit großer Souveränität und Perfektion. So mal eben nebenbei oder bei Nebengeräuschen kann man das kaum anhören, bzw. sagen wir mal, kaum richtig in der ganzen Vielfalt genießen, da geht einem so einiges unter.
Irgendwie ähnelt sich die Interpretation mit der Pogorelichs in einem Punkt: sie forciert auch Extreme und spielt beide Pole bis zum Exzess aus. Inniges ist besonders ans Herz gehend und Mächtiges besonders heftig. Aber, während Pogorelich, so wie ich ihn höre, beim Spiel dieser Sonate IM Zustand der Zerrissenheit zwischen Manie und Depression drin ist, kommt es mir bei Demidenko so vor, als wenn er (z.B. am Ende eines Lebens) auf diese Phasen zurückschaut. Das bringt einerseits etwas mehr Abstand, weniger Zerrissenheit; andererseits ein runderes, zusammenhängenderes Bild. Pogorelich ist unruhiger, bedrohlicher, verzweifelter - Demidenko kann den ganzen Bogen zwischen anrührender Innenschau und andererseits ruppiger, fast gewaltvoller Besessenheit eher überlegt von weitem aufzeigen und weiß quasi schon, wo es hinführt. Vom Aufbau her sicher die rundere Aufnahme, allerdings verträgt es meiner Meinung nach diese Sonate ganz gut, wenn es genau diese Brüche gibt.
Der Klang bei Demidenko ist sehr klar und transparent und in der schlichten, kompromisslosen Härte hat er was radikales, was mir sehr nah geht. Heike
Armin70 (14.11.2011, 22:38): Mit Klaviermusik kenne ich mich zwar nicht ganz so gut aus aber dennoch besitze ich immerhin zwei Aufnahmen von Liszts h-moll Sonate. Es handelt sich um die Aufnahme von Mikhail Pletnev und Yuja Wang, die beide bei der DGG erschienen sind.
Beide Aufnahmen hörte ich mir heute an und ich versuche mal, meine Eindrücke hier widerzugeben:
Bei Mikhail Pletnev (33:46) habe ich den Eindruck, dass die Stärken seiner Aufnahme in den kraftvoll-mächtigen Passagen des Werkes liegen. Da greift er mächtig in die Tasten und spielt das auch sehr eindrucksvoll und natürlich auch gekonnt. Allerdings fehlt mir in den zurückgenommenen Stellen, z. B. im Rezitativo, die Innigkeit, weil er bleibt mir dabei etwas zu sehr an der Oberfläche. Pletnevs Aufnahme ist für mich ohne Frage technisch brilliant aber vielleicht doch zu kontrolliert. Im Fussball gab es mal den Begriff der "kontrollierten Offensive" an den ich beim Anhören dieser Aufnahme dachte, d. h. mir fehlte etwas der Mut zum Risiko aber das ist sicherlich Jammern auf hohem Niveau.
Dann die Aufnahme von Yuja Wang (31:13) von der ihr sehr überrascht war und zwar in positiver Hinsicht. Meiner Meinung nach versteht sie es, Spannungsbögen nicht nur aufzubauen, sondern diese auch zu halten. Des weiteren fand ich auch gerade die lyrischen Stellen, insbesondere im Andante sostenuto sehr berückend. Wobei sie aber auch in den kraftvollen Passagen mit Attacke zulangen kann. Die Fuge zu Beginn des Allegro energico gestaltet sie sehr transparent und meiner Meinung nach ist sie da auch präziser als Pletnev. Insgesamt eine Aufnahme, bei der Yuja Wang viel riskiert und auch viel dabei gewinnt. Jedenfalls hat mich ihre Aufnahme mehr berührt als Pletnevs Aufnahme.
Kann natürlich sein, dass andere hier, die sich mit Klaviermusik besser auskennen, das anders sehen. Jedenfalls bin ich auch neugierig auf Ivo Pogorelichs Aufnahme geworden, der Liszts Sonate übrigens, wie auch Yuja Wang, mit Scriabins 2. Klaviersonate kombiniert hat und sich somit ein doppelter Vergleich ergibt.
Armin
Jürgen (15.11.2011, 07:54): Original von Jürgen Ich kenne nur drei Aufnahmen dieses Werks, das ich sehr gerne höre, wenn ich in der richtigen Stimmung bin.
1. Deszö Ranki, Denon 1974!! (29:22) Als Denon noch mit den ersten Digitalaufnahmen experimentierte, andere Labels wußten damals noch gar nicht, wie man digital schreibt. Rankis Spiel ist frisch, ohne zu hetzen. Es gefällt mir sehr gut, trotz klanglicher Abstriche. (Leider kein Image mehr gefunden)
2. Browning, Delos 1984 (31:45) Obwohl ich nichts auszusetzen habe, geht mir diese Aufnahme nicht ans Herz. Vielleicht zu klinisch? http://patachonf.free.fr/musique/img/couv/d/delos/delos-3022.jpg
3. Horowitz, RCA 1977 (30:09) Gefällt mir am wenigsten. Klingt alles zusammenhangslos, wie Stückwerk. http://www.klassikaktuell.de/cover/P0090266141524_1.jpg
Wenn ich mir die anderen Beiträge so durchlese, kristallisiert sich noch keine Referenz heraus, die man unbedingt haben muß. Will meinen, da sollten sich schon mindestens drei Leute einig sein. Oder habe ich nicht aufmerksam genug gelesen?
Grüße Jürgen
Comes time - comes bicycle, wie der Engländer sagt. Man muss nur ein paar Jahre warten und schon findet man im Web das passende Cover:
Deszö Ranki, mit dessen Aufnahme ich die Sonate kennengelernt habe, gefällt mir immer noch ausgesprochen gut. Technische Brillianz gepaart mit jugendlicher Spielfreude, allerdings ohne aus dem Ruder zu laufen. Dass ich sein Tempo als das intuitiv richtige empfinde, mag jedoch meiner Prägung geschuldet sein.
Grüße Jürgen
Nachtrag: Ich habe gegoogelt, weil ich von DezsQ Ránki abgesehen von dieser CD nichts kenne und weiss. Er ist Jahrgang 1951 und gilt zusammen mit Zoltán Kocsis und András Schiff als einer der besten ungarischen Pianisten seiner Generation. Ausserdem hat er 1969 beim Robert-Schumann-Wettbewerb in Zwickau den ersten Preis gewonnen.
Heike (27.11.2011, 10:51): Weiter geht es mit der Zimerman- Aufnahme: Die mag ich recht gerne. Ich würde sie unbedingt empfehlen, um die Struktur der Sonate kennenzulernen, Zimermann arbeitet die Themen so schön heraus, unterstreicht jeweils den Ausdruck sehr treffend. Tempo und Klang gefallen mir sehr gut, er romatisiert nicht, sondern spielt es modern und zwingend, mit schönen Kontrasten. Allerdings ist es für mich nicht exzentrisch genug. Es ist mir doch manchmal zu kontrolliert, zu perfekt. Ich mag es lieber noch expressiver, zerrissener. Dafür sind bei Zimerman die lyrischen Passagen göttlich. Heike
Heike (28.11.2011, 20:36): Weiter mit Mikhail Pletnev Beim ersten Hören damals hatte mich diese AUfnahme gar nicht angesprochen. Aber mit viel öfterem Hören kann ich ihr immer mehr abgewinnen. Pletnev spielt sehr klar, ohne viel romantisches Drumrum,, sicher mit sehr wenig Pedal. Er zeigt für meinen Geschmack sehr schön das Zirkuläre dieser Sonate auf, ich habe bei seinem Spiel stark das Gefühl, am Ende wieder am Anfang zu sein. Im Gegensatz zu Armin gefallen mir vor allem die leisen Teile. In der Schlichtheit ist das trist und eindringlich, ich empfinde das als sehr trostlos und orientierungslos. Z.B. der Einsatz des Andante sostenuto höre ich tieftraurig, resigniert und versunken. Ebenso dunkel schattiert sind die Grandioso-Variationen, suchend, hoffnungslos.
In den expressiven Passagen dürfte es aber auch nach meinem Geschmack etwas zügelloser zugehen. Das Grandioso ist nicht wirklich majestätisch, damit fehlt mir eine Gegenkraft zu der ganzen Tristesse. Die erste Grandioso-Variation finde ich ein wenig kraftlos, leidenschaftslos, vielleicht will er das auch so. In der Fuge aber erwarte ich eigentlich, dass er nach dieser finsteren vorherigen Stimmung (wo er die Musik quasi fast stillstehen lässt und ich denke, das Leben ist nun endgültig ausgehaucht) jetzt in der Hölle angekommen ist und mit dem Teufel tanzt. Aber er bleibt gebremst. Armin sagte "kontrolliert", das höre ich auch so. Man bemerkt seine technische Versiertheit, aber es spricht mich nicht an. Schön dann wieder die Coda, das Andante zwar etwas friedlicher, aber es endet dunkel und verloren, der Kreis schließt sich, und er ist wieder am Anfang zurück, es könnte direkt wieder neu losgehen
Klanglich ist die Aufnahme nicht ganz oben mit dabei, was aber auch an der Technik liegen könnte. Heike
Amadé (15.01.2012, 20:11):
Liebe Heike! Fast schon beängstigend, dass viele Jungstars sich mit Liszts h-moll-Sonate auf Platte präsentieren, was das immer ihr Wunsch? Das Werk ist sicher ein Stück, mit dem man Furore machen kann, Voraussetzung dafür ist, dass man es nicht nur technisch, sondern auch musikalisch beherrscht, zu Letzterem gehört eine Reife, die man erst im Laufe des Pianistendaseins erwirbt, im steten Umgang mit der Sonate. Deshalb ist es höchst unklug, sie schon so früh aufzunehmen, ich meine nicht zu spielen. Die Liste der sehr guten Einspielungen ist lang. Yuja Wang hat die Sonate drauf, das steht außer Zweifel. Nach meinem Dafürhalten steht sie jedoch noch zu sehr im Werk, es fehlt ihr noch der Überblick, sie muss noch lernen Bögen zu spannen, musikalische Zusammenhänge mittels sinnvoller Phrasierungen vorzuführen. Manche Abschnitte stehen noch zu beziehungslos nebeneinander, da fehlt der Kitt. Die Sonate hält Stellen vor, an denen der Zuhörer den Atem anhält, wie ich es neulich bei Bernd Glemser erlebt habe, hier ist das (noch) nicht der Fall. Daneben vermisse ich auch Innigkeit bei der Darstellung der ruhigen, nachdenklichen Stellen. Gewiss ist es noch nicht das letzte Wort dieser vielversprechenden Künstlerin in Sachen h-moll. Trotzdem solltest Du mit offenen Ohren vorurteilsfrei das Konzert besuchen, wohnte ich in Berlin, würde ich auch hingehen.
Gruß Amadé
Heike (26.03.2012, 23:41): Ich höre gerade Aimard auf simfy hier
von dieser CD:
Was bin ich positiv überrascht! Das ist ja richtig gut. Sehr durchsichtig, ungekünstelt, ohne irgendwelchen Firlefanz. Muss ich morgen unbedingt nochmal hören. Und ich bin nun richtig neugierig auf den Rest auf diesem Album. Heike
Shruti (06.09.2013, 10:08): Original von AcomA
...Live erlebte ich sie tatsächlich nur einmal, 1981 mit Alexis Weissenberg. Die Hälfte der Noten 'verschluckte' er leider ! Es gibt hier viel zu besprechen und diskutieren bzgl. der Interpretationen. Auf geht's.
gruß, siamak :engel
Tja, an dem Abend war ich übrigens auch dabei, in der Tat wurde die eine Hälfte verschluckt, die andere Hälfte - die hörbare Hälfte - übervirtuos und "knallig" vorgetragen. Unsere gemeinsame Klavierlehrerin war übrigens auch anwesend und von der hörbaren Hälfte hellauf begeistert.
Ich hatte 1989 die Gelegenheit, Maurizio Pollini in Hamburg live mit der H-moll-Sonate zu hören. Der Vortrag war nahezu fehlerlos, die Interpretation sehr gefällig. Pollini hat hier sicherlich eine mehr als solide Interpretation vorgelegt, allein es fehlte an Dramatik und Furor.
Das kann man ihm nicht vorwerfen, allerdings hatte ich schon damals das Gefühl, dass Pollini im "Salon des Establishments" angekommen war, was auch am Programm ablesbar war. Auch unterscheidet sich natürlich ein Live-Vortrag von einerStudioaufnahme, in der es heute ja vielfältige Möglichkeiten der Manipulation gibt.
Daher liebe ich auch historische Aufnahmen der 60er und 70er, in denen der "Schnitt" - vor der Ära des digitalen Remasterings - gut hörbar ist.
Ich empfehle Euch die Einspielung von La Martha (Argerich) aus dem Jahre 1960. Sie spielt wie ein ganzer "Kerl", furios, dramatisch, kompakt, perlend. Wer kennt diese Aufnahme?