Zefira (29.01.2017, 21:46): Hallo zusammen, ich habe eine große Bitte an die Spezialisten unter euch. Meine Tochter (Schulmusikstudentin in Frankfurt) möchte gerne nächste Woche ihre Examensarbeit mit dem Thema Britten in der Tradition des englischen Chorwesens am Beispiel von “A Hymn to St. Cecilia” anmelden. (Der Titel der Arbeit ist nach der Anmeldung nicht mehr veränderbar.) In der Arbeit möchte sie zunächst die Geschichte des englischen Chorwesens überblicksartig darstellen und anhand einiger Werkbeispiele versuchen, etwas wie Charakteristika der englischen Chormusik (möglichst a cappella) herauszuarbeiten. Angefangen mit Morley oder Byrd, dann vielleicht Purcell und schließlich ins 19. Jahrhundert springen und Stanford oder Elgar oder Holst untersuchen. Zum Schluss möchte sie “Hymn to Cecilia” von Britten analysieren, über die Bedeutung des Werkes in seiner Biographie schreiben und schauen, inwiefern Britten auf traditionelle “typisch englische” Mittel zurückgreift und inwiefern er sich davon abgrenzt.
Die Arbeit soll so ca. 60 Seiten lang werden.
Seltsamerweise hat eine erste Nachsuche nach Büchern zur englischen Chortradition kaum Ergebnisse gebracht. Wo könnte sie Literatur dazu finden? Oder ist das Thema vielleicht doch nicht so ergiebig und sinnvoll, wie sie meint? Gibt es vielleicht bestimmte Werke, die sich für einen Vergleich anbieten? Sie hat daran gedacht, verschiedene Cäcilienvertonungen zu vergleichen, aber - schreibt sie mir -, die Werke von Purcell und Händel weichen einfach sehr stark von Britten ab. Erstere schreiben für Orchester, Chor und Solisten, während Britten für einen fünfstimmigen Chor a cappella schreibt und auch die Texte sind völlig verschieden. Man würde überwiegend Unterschiede statt Gemeinsamkeiten feststellen.
Ich möchte betonen, dass ich so gut wie nichts von der Materie verstehe. Ich möchte ihr aber natürlich gern im Rahmen meiner Möglichkeiten helfen und habe ihr deshalb angeboten, die Frage hier zu posten. Wenn das unangebracht oder unversschämt ist, bitte einfach löschen. Falls jemand etwas dazu beizutragen hat, wären wir ganz dolle dankbar. Es wäre ja recht peinlich, wenn sie jetzt die Arbeit mit diesem Thema anmeldet und gar keine Arbeitsgrundlage findet. Literatur über Britten hat sie (habe selbst bei meinem letzten Besuch die Wälzer liegen sehen), aber wie gesagt nicht über das Thema englische Chortradition.
Vielen Dank schon mal. Grüße von Zefira
Cantus Arcticus (30.01.2017, 09:16): Hallo Zefira Ich würde eine Anfrage zum Thema starten an der University of Cambridge. Sie ist eine der renommiertesten Institutionen auch in Sachen alte Musik. Unter anderem haben Sie auch Entdeckungen wie diese gemacht.
Ich schaue mal nach und melde mich wieder.
Gruss Stefan
Zefira (30.01.2017, 12:54): Hallo Stefan, vielen Dank für die Antwort. Meine Tochter hat mir gestern abend spät noch per Mail mitgeteilt, dass sie In der Bibliothek der Oxford University und in der British Library ein paar Titel gefunden hätte, die vielversprechend aussahen. Ich weiß nicht, wie es da mit der Ausleihe vor sich geht (oder ob evtl. sogar eine Online-Einsichtnahme möglich ist), vielleicht wird das auch so aufwendig und dauert so lange, dass sie dann lieber doch ein anderes Thema wählt. Grüße von Zefira
Vinding (31.01.2017, 14:22): Dass man da nicht fündig wird, mag ich kaum glauben.
Allerdings: Bis wann muss die Arbeit fertig sein?
Meine Erfahrung - allerdings von vor 30 Jahren - ist, dass es in renommierten deutschen Universitäten nichts gibt was nicht auf die eine oder andere Art besorgt werden kann, aber oft mit großem Zeitaufwand und - jedenfalls war das damals so - auch mit finanziellem Aufwand verbunden ist. Die werden die Möglichkeiten der Fernleihe und des Anfertigens von Auszugskopien auch im Internetzeitalter nicht eingeschränkt haben - hoffe ich.
Wenn es darum geht, überhaupt Literatur benannt zu bekommen (sooo speziell kommt mir das Thema eigentlich gar nicht vor), kann man durchaus den einen oder anderen Fachmann/ die eine oder andere Fachfrau mal anschreiben, ob es etwa schon Vorlesungen etc. zu Themen mit Berührungspunkten gegeben hat und diesbezüglich noch Literaturlisten zugänglich sind. Meine diesbezügliche Erfahrung mit Juristen und Wirtschaftswissenschaftlern ist, dass möglichst präzise Fragestellungen mit erhöhter Antwortbereitschaft einhergehen...Die werden da in Oxford und Cambridge im Musikbereich vermutlich durchaus wohlwollend mit umgehen. Aber auch dies ist kein Vorgehen, welches kurzfristige Antworten erwarten lässt.
Ein Name der mir da spontan einfällt ist Timothy Brown, der jedenfalls vor wenigen Jahren noch in Cambridge (glaube Clare College) tätig war (ob heute noch weiss ich nicht - ob ich den aufgrund des Studiums von booklets, von Radiosendungen oder von Zeitschriften her kenne weiss ich jetzt nicht mehr).
Zefira (31.01.2017, 19:27): Ich habe beim Herumgoogeln ein Interview mit einem Prof. Richard Mailänder gefunden - Erzdiözesanmusikdirektor in Köln -, der 2016 ein Chorbuch mit englischer Chormusik herausgegeben hat. Den hat meine Tochter angeschrieben, es kam auch schon Antwort, leider auch nicht sehr ergiebig.
Heute hat sie mir erzählt, dass sie ihre Suchworte geändert hat - sie hat Namen von Komponisten eingegeben - und damit ein, zwei Treffer gelandet hat. Jedenfalls hat sie inzwischen ein wenig Material gefunden. Ich werde ihr Deine Antwort zukommen lassen, vielleicht gibt es noch mehr Möglichkeiten. Vielen Dank! Bis wann die Arbeit fertig werden muss, weiß ich im Moment nicht. Aber natürlich hat sie nicht ewig Zeit ...
Vinding (01.02.2017, 06:32): Kleine Ergänzung noch:
Wenn ich sehe (habe auch mal kurz gegoogelt), wie viele britische Komponisten des 20. Jahrhunderts sich der heiligen Cäcilia angenommen haben - siehe z.B. hier - kann ich mir noch weniger vorstellen, dass es keine wissenschaftlichen Arbeiten wenigstens mit Berührungspunkten zum Thema geben soll.