Eine bezaubernd zarte heitere D-dur-Melodie entwickelt sich über einem Teppich von 16teln in der Begleitung, um in einer vokalisenähnlichen melismatischen Wendung zu enden. Die zweite Strophe verdichtet im Aufwärtsstreben der Melodielinie die Ekstase, die die Sehnsucht ausdrückt, der Geliebten in den Armen zu liegen.
Die Aufnahme mit Nathan Berg lässt gerade in der Zartheit des Vortrags die phonetischen Schwächen (etwas süsse statt süße) hervortreten, immerhin weiß man von Berg her, was Fischer-Dieskau zu singen unternimmt. Ein Geschenk ist die einfühlsame Interpretation von Peter Schreier.
In dem Walde süße Töne Singen kleine Vögelein, Auf der Aue Blumen schöne Blühen gen des Maien Schein.
Also blüht mein hoher Mut Im Gedanken ihrer Güte, Die mir reich macht mein Gemüte, Wie der Traum dem Armen tut.
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (07.07.2010, 10:45): Als ich damals mit einem Sprung in das op. 19a meine Reihe begann, die die Lieder von Mendelssohn umfassen sollte, damals noch rechtzeitig zum Mendelssohnjahr, hatte ich die folgende Einspielung noch nicht vorliegen, auf der sich auch das op. 19a Nr. 1 findet - Das Frühlingslied
Diese Einspielung wird ein wenig nebenher laufen, denn hier ist das Klavier durch ein Gitarrenduo ersetzt. Das gibt dem Lied einen eigentümlichen Charakter. Es gewinnt an geselligem Charakter, die Konzertatmosphäre ist gewichen. Die angenehm leichte Stimme von Markus Schäfer gibt dem Ganzen zusätzlich einen luftigen Charakter. Mir gefällt diese Variante recht gut.
Opus 19 hat Mendelssohn übrigens zwei Werke genannt, zum einen die "Sechs Gesänge op. 19", zum anderen die nicht minder bekannten "Lieder ohne Worte op. 19". Zur Abgrenzung setzt man bei den Gesängen ein zu der Opuszahl, bei den Liedern ohne Worte ein (Wobei es Todd: Felix Mendelssohn-Bartholdy im Alphabetischen Register der Werke Mendelssohns S. 750 schafft, beides wieder durcheinander zu werfen). Es ist Felix Mendelssohn-Bartholdys dritte Liedersammlung, die ich deshalb vorgezogen habe, weil sich dort die ersten bekannteren Lieder finden, vor allem die Nr. 6, das Reiselied. Ich werde danach reumütig auf den Nullpunkt zurück kehren und bei dem (sehr) jungen Mendelssohn fortfahren - mit seinem op. 8.
Liebe Grüße Peter
Fairy Queen (07.07.2010, 11:57): Lieber Peter, ich freue mich serh, dass du mit den Mendelssohn- Liedern hier wietermachst- sie sind zu schön! Ich hoffe ab und an auch etwas beitragen zu kônnen. Ich habe ein klienes Haft mit Mendelssohn-Lieder mit Gitarrenbegleitung (von Fanny und Felix)- das eght für hohe stimmen aber nur wenn ein Capodaster zum Einsatz kommt, denn im Vergleich zu der Version mit Klavierbgelitung sind die leider viel tiefer notiert.
F.Q.
Peter Brixius (07.07.2010, 12:18): Liebe Fairy Queen,
ich habe gestern die neue Ausgabe der Lieder (die auch die neuentdeckten enthält) in die Hand bekommen, ansonsten sind die Bücher des Mendelssohn-Jahres inzwischen auch in der Bibliothek angekommen - das hat mich ermuntert, das Thema wieder aufzugreifen. Es ist eine gute Gelegenheit, den alten Thread, den ich einmal bei Tamino geschrieben habe und der dort nicht mehr zu stehen scheint, auf meinen derzeitigen Stand zu bringen.
Deine Beiträge dazu sind mir hochwillkommen; nicht zuletzt aus sängerischer Sicht (aber nicht nur) hast Du immer Wertvolles beizutragen - und eine Ehrenrettung für unseren Felix, von dem wenige Lieder ein wenig zu bekannt, aber viele Lieder zu sehr unbekannt sind, ist die Mühe immer wert.
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (08.07.2010, 09:33): Mendelssohn: Lieder op. 19a
Felix Mendelssohn: Das erste Veilchen op. 19a Nr. 2
Das zweite Lied aus op. 19a ist ein Meisterstück, schon auf der Höhe von Schubert. Wie auch das erste ist es von einem schwärmerischen Gefühl durchdrungen, ohne sentimental zu werden. In der dreitaktigen Einleitung findet man das gesamte Material des Liedes, das wie die Nr.1 zweiteilig ist. Der erste Teil schildert das Erleben des ersten Veilchen, das mit den Farben und dem Duft des Frühlings beglückt. Weite Bögen in der Gesangsstimme werden von einer duftigen Begleitung unterstützt. Wie dann etwa das Wort Duft innerhalb eines solchen Bogens im sf aufblüht, sich das Wort Lust ausschwingen kann, zeigt das kompositorische und poetische Vermögen Mendelssohns. Am Ende der ersten Strophe stockt die Bewegung, nach einer deutlichen Pause wechselt die Stimmung von F-dur nach f-moll. Fast tonlos im p kommen die Worte "Der Lenz ist vorüber, das Veilchen ist tot". Die fließende Bewegung des ersten Teils hat sich in eine stockende, von Pausen zerrissene verwandelt. Da ereignet sich in der Mitte das Wunder: Ein Blütentraum erwacht (wieder F-dur), die Achtelfigur, die in der Einleitung noch im Diskant eine Sekundreibung vierfach festhielt, erfüllt sich in vollen Akkorden im pp, worauf das Lied leise ausschwingt.
Die Leistung von Fischer-Dieskau zu beschreiben, macht bei der Größe des Sängers eher traurig. Die kunstvollen weiten Bögen atmen bei ihm nicht, da er über die Pausen hinwegsingt, die Syntax, die dynamischen Vorgaben nicht beachtet. Die feingetönte Stimme von Danemann zeigt, welche Poesie in dem Lied steckt, sorgfältig ihre Artikulation, meisterhaft ihre Pausengestaltung.
Als ich das erste Veilchen erblickt, Wie war ich von Farben und Duft entzückt! Die Botin des Lenzes drückt' ich voll Lust An meine schwellende, hoffende Brust.
Der Lenz ist vorüber, das Veilchen ist tot; Rings steh'n viel Blumen blau und rot, Ich stehe inmitten, und sehe sie kaum, Das Veilchen erscheint mir im Frühlingstraum.
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (14.07.2010, 07:27): http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0094639199020.jpg http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0034571169064.jpg
Das zweite Lied aus op. 19a ist ein Meisterstück, schon auf der Höhe von Schubert. Wie auch das erste ist es von einem schwärmerischen Gefühl durchdrungen, ohne sentimental zu werden. In der dreitaktigen Einleitung findet man das gesamte Material des Liedes, das wie die Nr.1 zweiteilig ist. Der erste Teil schildert das Erleben des ersten Veilchen, das mit den Farben und dem Duft des Frühlings beglückt. Weite Bögen in der Gesangsstimme werden von einer duftigen Begleitung unterstützt. Wie dann etwa das Wort Duft innerhalb eines solchen Bogens im sf aufblüht, sich das Wort Lust ausschwingen kann, zeigt das kompositorische und poetische Vermögen Mendelssohns. Am Ende der ersten Strophe stockt die Bewegung, nach einer deutlichen Pause wechselt die Stimmung von F-dur nach f-moll. Fast tonlos im p kommen die Worte "Der Lenz ist vorüber, das Veilchen ist tot". Die fließende Bewegung des ersten Teils hat sich in eine stockende, von Pausen zerrissene verwandelt. Da ereignet sich in der Mitte das Wunder: Ein Blütentraum erwacht (wieder F-dur), die Achtelfigur, die in der Einleitung noch im Diskant eine Sekundreibung vierfach festhielt, erfüllt sich in vollen Akkorden im pp, worauf das Lied leise ausschwingt.
Die Leistung von Fischer-Dieskau zu beschreiben, macht bei der Größe des Sängers eher traurig. Die kunstvollen weiten Bögen atmen bei ihm nicht, da er über die Pausen hinwegsingt, die Syntax, die dynamischen Vorgaben nicht beachtet. Die feingetönte Stimme von Danemann zeigt, welche Poesie in dem Lied steckt, sorgfältig ihre Artikulation, meisterhaft ihre Pausengestaltung.
Als ich das erste Veilchen erblickt, Wie war ich von Farben und Duft entzückt! Die Botin des Lenzes drückt' ich voll Lust An meine schwellende, hoffende Brust.
Der Lenz ist vorüber, das Veilchen ist tot; Rings steh'n viel Blumen blau und rot, Ich stehe inmitten, und sehe sie kaum, Das Veilchen erscheint mir im Frühlingstraum.
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (16.07.2010, 09:07): http://ecx.images-amazon.com/images/I/41dJVQ7QgEL._SS400_.jpg http://ecx.images-amazon.com/images/I/61wfrvI6VcL._SS500_.jpg http://ecx.images-amazon.com/images/I/412JGV4W3BL._SL500_AA300_.jpg http://ecx.images-amazon.com/images/I/41MFENRTY7L._SS400_.jpg
Das dritte Lied nach einem balladenhaften Text aus Schweden hält die künstlerische Höhe, die uns in dem Zyklus des jungen Mendelssohn begegnet. Ohne Vorspiel setzt eine schlichte e-Moll-Melodie ein. In der ersten Strophe bittet die Mutter ihren Sohn zu Hause zu bleiben und nicht im Wald seine verirrte Schwester zu suchen. Im Piano gesungen gipfelt die Gesangslinie in dem G (auch piano gesungen!) bei " nimmermehr", dem die flehentliche Bitte der Mutter folgt. In der zweiten Strophe spricht der Sohn. Es ist eine nur gering variierte Wiederholung der ersten Strophe des Liedes. Hier gipfelt die Gesangslinie im festen Glauben, die Schwester wiederzufinden: " gewiß" (auch hier piano gesungen!). Nun spricht der Erzähler. die Strophe beginnt mit einem Unisono, die Melodie muss sich erst finden. Wenn nun der Gipfelpunkt erreicht wird (" Nacht"), steht nun das erste Forte. Während nun die Gesangsstimme die Melodie weiterführt, blüht die Begleitung in einer Sechzehntelbewegung auf. Schwester und Bruder sind nicht aus der Schneenacht wiedergekehrt, aber die Natur erblüht im Frühling. Die Note f auf schein verlängert sich über der Figuration in der Begleitung auf eine ganze, die Note D auf "all" sogar über drei Takte. Dazu kommt in der Harmonik durch die Chromatik Farbe. Allumfassend ist die Blütenpracht, das Leben der Natur. Mit einem Ritando wendet sich wieder der Blick auf die zurückgebliebene Mutter. Die Melodie wird wieder aufgenommen, die Begleitung führt zu einem lakonischen Ende: die Mutter bleibt allein, ihre Kinder kehren nicht wieder zurück.
Sängerisch sind alle mir vorliegenden Einspielungen befriedigend, nur Fischer-Dieskau besteht auf seinen Eigenheiten (wozu auch ein stolzes Forte bei den Spitzentönen gehört). Daneman und Schreier verstehen es meiner Meinung nach am besten, dieses schöne Lied sängerisch zu formen.
Mein Sohn, wo willst du hin so spät? Geh' nicht zum Wald hinaus, Die Schwester find'st du nimmermehr, O bleib' bei mir im Haus! Da draußen ist's so kalt, so rauh, und heftig weht der Wind; Bist ganz allein im weiten Wald, o bleib' bei mir, mein Kind!
O Mutter, Mutter, laß mich zieh'n, trockne die Trän' im Blick, Die Schwester find' ich ganz gewiß und bring' sie uns zurück. Bis ich sie find', ist doch kein' Rast, ist doch kein' Ruhe hier; Den Schnee und Wind bin ich gewohnt, bald kehr' ich heim zu dir.
Die Mutter sah ihm lange nach, er ging zum Wald hinaus; Der Wind ward still, die Nacht verging, doch er kehrt' nicht zum Haus. Und der Schnee zerschmolz, der Wind verweht', kam wieder Sonnenschein Und Blüt' und Blätter überall: die Mutter blieb allein.
Fairy Queen (16.07.2010, 09:55): Auf Bitte von Peter hier ein letztes Jahr von mir geschriebener Einführungsbeitrag zu den Mendelssohn-Liedern. Ledier habe ich im mometn keine Zeit mich zu den einzelnen Liedern nâher zu äussern. Mich interessieren natürlcih besonders die bis dato noch unbekannten Stücke, die neulich aufgefunden wurden, in der dreibändigen Neuauflage der Lieder bereits eingeschlossen sind und balld auch als Cd erscheinen werden. Die Verdienste und in Sachen Kunstlied die hohe interpretationsKunst von Sophie Danemann und Asti kann ich gar nciht genug loben udn shcliesse mich Peters Urteilen da weitestgehend an! :down :down :down
Felix Mendelssohns Lieder mit Worten
Mendelssohns "Lieder ohne Worte" sind als eigene Gattung in die Musikgeschichte eingegangen, 48 an der Zahl. Die 78 Lieder(ich warte derzeit gespannt auf die aufnahme der weitere 40 neu entdeckten!!!) die er komponiert hat, werden im Wikipedia Artikel über den Komponisten nicht einmal erwähnt!
Selbst Liebhaber und Kenner Mendelssohns sind mit den Liedern selten vertraut Eine typische Ignoranz der Stieffkind-Gattung "Kunstlied" gegenüber ?
Typisch für das Werk Mendelssohns, den Liedern so wenig bzw gar keine Bedeutung zu geben? Oder sollte etwa eine minderwertige Qualität diese Werke zurecht in Abseits gestellt haben?
Letzteres kann ich guten Gewissen kategorisch verneinen, Ersteres muss ich wohl mit Zähneknirschen eingestehen. Den mittleren Punkt möchte ich gerne etwas näher unter die Lupe nehmen.
Mendelssohn hat seit seiner frühen Jugend Lieder komponiert und auch selbst mit offenbar ansprechender Tenorstimme in den regelmässigen Hausmusiken der Familie gesungen. Er stand lange der Berliner Singakademie seines Musiklehrers Zelter nahe und Vokalkompositionen nahmen im Raum eines jeden Komponisten, der damals nach Ruhm und Anerkennung strebte, einen grossen Raum ein. Mendelssohn wurde von grosser Sehnsucht gedrängt, eine erfolgreiche Oper zu schreiben und dass ihm das Zeit seines Lebens nicht gelingen sollte, war sowohl für ihn als auch für seine Eltern eine herbe Enttäuschung. Er selbst schreibt an seinen Freund, den Schauspieler Devrient "ich sehne mich jeden Tag neu danach, eine Oper zu schreiben" Und noch im vorletzten Brief seines Vater steht klar und deutlich der "Befehl" : "Du musst eine Oper schreiben".
Mendelssohns berümt gewordene Vokalwerke sind aber bekanntlich geistlicher Natur (wengleich der Elias und der Paulus für mich durchaus Operncharakter haben!) und darin spiegelt sich auch ein grosser Teil seiner inneren "Biographie" .
Robert Schumann hat seiner Clara zur Hochzeit den Liederkreis "Myrthen" gewidmet( darin das empathischste aller Liebeslieder "Widmung"), Mendelssohn dagegen komponierte für seine Braut Cécile den Psalm 42. Bezeichnend für die Haltung zum Kunstlied? Die Auseinandersetzung mit reiligiösen Themen spielte in seinem Werk eine weitaus grössere Rolle als die Vertonung weltlicher Texte und das hängt gewiss unmittelbar mit seiner reiligiösen und gesellschaftlichen Identitäts-Suche als konvertierter Jude zusammen. Wie zweischneidig dieses Schwert schon zu Mendessohns Lebzeiten gewesen ist (erst recht danach! Man lese nur Wagners Auslassungen über ihn und die Verfemungen der Nationsozialisten), soll nur ein Zitat aus einem Brief Zelters an Goethe zeigen, mit dem Zelter 1821 den Besuch des Knaben Felix Mendelssohn bei Goethe ankündigt:
“Er komme mit einem 12 jährigen munteren Knaben, seinem Schüler, dem Sohn des Herrn Mendelssohn. Dieser sei zwar ein Judensohn, aber kein Jude. Der Vater habe mit bedeutender Aufopferung seine Söhne nicht beschneiden lassen und erziehe sie, wie es sich gehört "es wäre einmal eppes wirklich Rores, wenn aus einem Judensohn ein Künstler würde".( zitiert nach Th. Lackmann "Das Glück der Mendelssohns")
Goethe war übrigens von diesem "himmlischen und göttlichen Knaben" begeistert und blieb ihm als väterlicher Freund verbunden.
Neben den herausragenden geistlichen Vokalwerken Mendelssohns bleiben seine Lieder tatsächlcih eher eine Marginalie, in absolutam sind sie es allerdings keineswegs, denn sie begleiten seinen gesamten Weg als Komponist. Ich habe irgendwo mal gelesen, Mendelssohn, sei zu glücklich gewesen, um tiefgründige Musik zu komponieren und demzufolge kämen auch seine Lieder in Tiefe und Bedeutung nicht an die wegweisenden Werke eines Schumann oder Schubert heran. Abgesehen davon, dass ich es als sarkastischen Hohn empfinde, glûckliche Schönheit für minderwertig zu halten, sehe ich Mendelssohns Lieder als ein notwendiges Bindeglied zwischen Klassik und Romantik an. Von Beidem haben sie das Beste in sich und sind ganz bezaubernde Perlen der Gesangsliteratur. Mendelssohns melodoscher Einfallsreichtum, sein Sinn für die Schönheit einer Gesangslinie, die ja auch in den Liedern ohne Worte so eklatant zum Ausdruck kommt sind einzigartig. Dass er die Klavierbegleitung noch nicht so differenziert in den Dienst der Textausdeutung stellt wie das Schubert und vor allen Dingen Schumann nach ihm getan haben, ist noch der klassischen Lied-Begleit-Kultur verschuldet, über die er jedoch bereits ein gutes Stück hinauswächst(siehe z.B. "Neue Liebe") Die Lieder sind aber nicht deswegen minderwertig , weil sie noch nciht den letzten Schritt zur romantischen Epoche vollzogen haben. Mozarts Oper würde auch niemand im Vergleich mit Wagners Opern als minderwertig bezecihnen- oder etwa doch ? ?(
F.Q.
miranda (17.10.2010, 22:02): Ich habe diesen Thread erst eben entdeckt und bin glücklich, dass auch andere Mendelssohn als Liedkomponisten zu schätzen wissen.
Es würde mich freuen, wenn Peter Brixius das so engagiert begonnene Projekt einer vergleichenden Vorstellung der Lieder fortführen könnte.
Mein Liebling ist Opus 19,4. Einfach herrlich!
Fairy Queen (18.10.2010, 06:31): Liebe Miranda, wie schön, noch eine Liebhaberin von "Neue Liebe" hier anzutreffen! Ich versuche mal, meine Besprechung dieses Liedes von ehedem wiederzufinden, vielleicht kann das eine Anregung und Diskussionsstoff auch mit Peter zusammen sein. Mendelssohnselige Grüsse F.Q.
Das vierte Lied des Zyklus, "Neue Liebe", finde ich bei jeder meiner Einspielungen, was ein Zeichen für die Populärität ist. Diese geht wohl am meisten von den Anklängen an die Sommernachtstraum-Musik, die sich hier in einer feinen, immer piano gehaltenen Elfenmusik wieder findet. Ein leichtfüßiger Zug reitet an dem Zuhörer vorbei, mit Hörnerklängen und Glöckchengeklingel. Punktierte Rhythmen stellen den leichten Hufschlag der Pferde dar - die Elfen und ihre Königin reiten durch den Wald. Im Vorüberreiten lächelt die Elfenkönigin dem Erzähler zu, während die Hufe verklingen wird der Gesang stockend, verharrt in einer schmerzlich-chromatischen Geste: "Galt das meiner neuen Liebe? Oder soll es Tod bedeuten?" Doch schon erklingen wieder die Elfenglöckchen und lassen die Frage in ihrem Presto verhallen.
Das ganze Lied ist ein wunderschönes Charakterstück für das Klavier, der Sänger bzw. die Sängerin muss eine fast atemlose Gesangslinie im Presto und im Piano bewältigen, nur ein Forte ("ihre Hörner hört ich klingen"), sonst nur ein gelegentliches Sforzato. Die Schnelligkeit überfordert vor allem die schweren Stimmen, es macht schon einen Unterschied, ob das Lied 1:59 oder 1:55 dauert. Mir hat bei diesem Lied Peter Schreier am besten gefallen, weil er virtuos das Tempo hält, das Lied mit seinen dynamischen Schwankungen zu gestalten weiß und sehr sorgfältig artikuliert. Bei den meisten ging immer mal wieder ein Konsonant in der Schnelle verloren.
In dem Mondenschein im Wald Sah ich jüngst die Elfen reuten; Ihre Hörner hört ich klingen, Ihre Glöckchen hört ich läuten.
Ihre weißen Rößlein trugen Güldnes Hirschgeweih und flogen Rasch dahin, wie wilde Schwäne Kam es durch die Luft gezogen.
Lächelnd nickte mir die Köngin, Lächelnd, im Vorüberreuten. Galt das meiner neuen Liebe, Oder soll es Tod bedeuten?
Liebe Grüße Peter
miranda (18.10.2010, 23:10): Lieber Peter,
schön, dass du meine Anregung so prompt aufgegriffen hast. Herzlichen Dank.
Ich habe nicht so viele Vergleichsmöglichkeiten wie du, aber Peter Schreiers Version finde ich auch wunderbar. Das ist eine Platte, die ich seit ca.30 Jahren nie zu hören überdrüssig werde.
Kommt bald "Leise zieht durch mein Gemüt"?
Grüße,
Miranda
Rideamus (19.10.2010, 00:58): Man kann Peter Schreiers "Neue Liebe" übrigens in einer orchestrierten Fassung auch als mittleres von drei Liedern hier hören: http://www.youtube.com/watch?v=Z-M16Ao3NmU&feature=related
Davor singt er "Auf den Flügeln des Gesanges" und danach den gewünschten "Gruß" op. 19a Nr. 5, "Leise zieht durch mein Gemüt".
:hello Rideamus.
Peter Brixius (19.10.2010, 06:58): http://www.jpc.de/image/w300/front/0/1557639.jpg http://www.jpc.de/image/w300/front/0/8132411.jpg http://www.jpc.de/image/w300/front/0/4700199.jpg http://www.jpc.de/image/w300/front/0/9589643.jpg
John Haylack will in seiner Einführung im Booklet der Daneman/Asti-CD Fanfarenklänge am Anfang von "Gruß" op. 19a Nr. 5 hören. Was da aber am D-dur-Akkord entlang andante und piano mit Quinten und Terzen vom Bass emporsteigt, um am Ende mit einem kleinen Seufzer wieder auf D-F zu landen, sind eher Hörnerklänge. Ein ruhiges, verträumtes Strophenied, in dem nach der stimmungsvollen Einleitung die Töne des D-dur-Dreiklangs auf und abschweben. Ein Lied, das von Frühling und von Liebe spricht, was sollten wohl da die Fanfaren suchen?
Leider hat wohl Sophie Daneman die Bemerkung von Haylack gelesen, sie bewältigt entsprechend die 15 Takte des Liedes in einer Rekordzeit. Von den gehörten Einspielungen hat mir wiederum die von Peter Schreier am besten gefallen (auch der sensiblen Begleitung von Walter Olbertz wegen). Während Daneman das Lied in 1:15 singt, lässt es Peter Schreier in 1:49 mit dem ganzen Frühlingsduft atmen.
Leise zieht durch mein Gemüt Liebliches Geläute, Klinge, kleines Frühlingslied, Kling hinaus ins Weite.
Kling hinaus bis an das Haus, Wo die Blumen sprießen, Wenn du eine Rose schaust, Sag, ich laß sie grüßen.
Liebe Grüße Peter
Fairy Queen (19.10.2010, 08:57): Nachdem Peter dem Aufruf der Dame Miranda in echter Ritter-Manier sofort Folge geleistet hat,einige wenige Ergänzungen zur Neuen Liebe aus sängerischer Sicht, vor allen Dingen weil ich dieses Lied schon selbst gesungen habe und "inwendig" kenne.
Es ist neben "Auf Flügeln des Gesanges" Mendelssohns Lied-Hit schlechthin und wie Peter schon sagt- eines der am meisten eingespielten und in Konzerten gesungenen. Leider ist es von den mir bekannten Liedern gleichzeitig auch das schwierigste. Neben den grossen Anforderungen, die das Tempo an die Atemführung und Artikulation stellt,gibt es noch die Tessitur, die sich zwischen c1 und a2 aufhält und grosse Intervallsprünge (Oktaven im rasenden Tempo) verlangt. Ganz besonders schwierig ist auch die Schlussphrasse in tiefer Mittellage, langsam und in Gegensatz zu dem atemlosen Ritt als tragische Vorahnung zu singen- und all das auf einem Raum, der ncihtmal zwei Minuten Zeit gibt!
Wenn nochmal jemand glaubt, Lied sei etwas für Anfänger und viel leichter als Oper zu singen, soll er sich mal Neue Liebe vornehmen!
Für mich steht hier übrigens das Schicksalhafte der Begegnung und ein vorgeahntes und verhängnisvolles Gruseln und Grauen im Vordergrund. Das Leichtfüssige ist nichts als schöner Schein- die Wahrheit dahinter grausig.
Man(n) begegnet solchen Wesen nciht ohne schwerwiegende Folgen und das Ambivalente im Charakter der Elfenkönigin bringt Mendelssohn wunderbar zum Ausdruck.
Übrigens ist der Pianist hier genauso gefordert wie der Sänger und hat einige Klippen zu bewältigen.
Und das Zusammenspiel der Beiden ist besonders haarig.
Mich erinnert Schumanns Waldesgespräch aus dem opus 39 stimmungsmässig sehr an "Neue Liebe".
Barbara Bonney gefällt mir hier besonders gut.
Dank an Peter für dieses grosse Unterfangen, alle Mendelssohn Lieder einzeln vorzustellen.sie haben es mehr als verdient!
F.Q.
Jürgen (19.10.2010, 11:23): Original von Rideamus Man kann Peter Schreiers "Neue Liebe" übrigens in einer orchestrierten Fassung auch als mittleres von drei Liedern hier hören: http://www.youtube.com/watch?v=Z-M16Ao3NmU&feature=related
Davor singt er "Auf den Flügeln des Gesanges" und danach den gewünschten "Gruß" op. 19a Nr. 5, "Leise zieht durch mein Gemüt".
:hello Rideamus.
Diese drei Lieder haben mir sehr gut gefallen.
Daraufhin habe ich meine FP durchforstet nach Mendelssohn-Liedern. Der einzige Treffer ist:
Dietrich Fischer-Dieskau, Bariton, Hartmut Höll, Klavier Aufnahme: Juni 1989 und März 1991, Villa Lankwitz, Berlin Produktion: Teije van Geest, Heidelberg; Claves Records, Schweiz
Ich habe wohl ein Problem mit DFD. Er mag mir nicht gefallen, es ist mir mit seinen Bach-Kantaten auch schon so ergangen. Er wirkt auf mich so steif, ich nehme ihm die Emotion nicht ab. Kurzum: Schreier ist mir viel lieber.
Grüße Jürgen
Peter Brixius (20.10.2010, 08:09): http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0094639199020.jpg http://ec2.images-amazon.com/images/P/B0000C83JY.03._SS300_SCLZZZZZZZ_.jpghttp://www.jpc.de/image/w600/front/0/0034571169064.jpg
Schon die unterschiedliche Repräsentanz von Einzelliedern aus op. 19a in den verschiedenen Einspielungen zeigt, dass op. 19a kein Zyklus ist, sondern ein Heft, in dem verschiedene Lieder zur Publikation zusammengestellt worden sind. Es gibt deshalb auch keinen inneren Zusammenhang, auch keine geplante Abfolge. Fischer-Dieskau, der in seiner Mendelssohn-Box das komplette op. 19a vertreten hat, verstreut die Lieder über das gesamte Programm.
Vorangegangen waren die Liederhefte op. 8 und 9, in denen auch Kompositionen seiner Schwester Fanny ohne Hinweis auf die Autorin enthalten sind. Wie die Opusbezeichnung zeigt, ist op. 19a nur ein Teil der Publikation, der andere - op. 19 - beinhaltet Lieder ohne Worte.
Das "Reiselied" op. 19a Nr. 6 wird von einer durchlaufenden Achtelfigur in der Begleitung bestimmt, die man mit dem Rollen der Räder identifizieren kann. Auch die Singstimme bildet dies nach, wenn auch auf einem anderen Weg, über wenige Noten wird ein Spitzenton erreicht, der längere Weg führt dann wieder nach unten. Das presto agitato lässt keine Sentimentalität aufkommen, trotz einem e-moll wirkt das Lied eher heiter bewegt, wenn auch mit einer leisen Melancholie. Die dritte Strophe ist leicht variiert. Hier rufen die neuen Orte zwar die alten Erinnerungen auf, aber die vorwärtseilende Begleitung weist von dem Vergangenen auf das Zukünftige, drängt nach vorne. Und wenn dann im längeren Nachspiel nur noch die Rollbewegung übrig bleibt, so vermittelt der Komponist, dass sie weiter und weiter geht und nicht aufhören will, so dass die letzte Note quasi in der Luft hängt.
Von den gehörten Einspielungen ziehe ich wieder die Gesamtaufnahme vor, in der hier Nathan Berg singt.
Bringet des treu'sten Herzens Grüße, Eilende Wellen, zu ihr hin. Sagt, wie ich jedes Glück vermisse, Seit ich von ihr geschieden bin.
Hier empfind' ich alle Schmerzen, Dort vergaß ich jedes Leid, Aug' in Auge, Herz an Herzen, Ach, es war wohl schöne Zeit!
Sieh', der Wind zieht ihr entgegen, Ihr entgegen eilt der Bach, Alles will zu ihr sich bewegen, Wolken und Blätter zieh'n ihr nach.
Ich allein muß vorwärts ziehen, Ich darf wenden nicht den Blick, Aber alle Sinne fliehen Mit den Wolken dort zurück!
Und so rufen neue Stellen Nur die alten mir empor, Und es blickt aus Wald und Wellen Nur ihr liebes Bild hervor;
Alles mahnt nur an die süße, Die entschwund'ne Fröhlichkeit. Bringt dem treuen Herzen Grüße, Ach, es war wohl schöne Zeit!
Liebe Grüße Peter
miranda (20.10.2010, 22:58): Dank an Rideamus für den Link zu den drei Liedern mit Orchesterbegleitung. Wenn auch Peter Schreier gewohnt schön singt, gefällt er mir doch mit Walter Olbertz am Klavier viel besser. Für mein Gefühl geht mit Orchester das speziell Liedhafte, Transparente etwas verloren. Ich stimme Fairys Ansichten zu "Neue Liebe" voll und ganz zu. Es ist wirklich nicht leicht zu singen - das aus Lust und Angst gemischte Gefühl in dieser Begegnung kann nicht jeder Sänger vermitteln. Dank auch nochmals an Peter Brixius für die Vorstellung der einzelnen Lieder. Da es mir in der Musik an theoretischem Wissen mangelt, bin ich immer neugierig, was Hinweise von Kennern betrifft!
Peter Brixius (21.10.2010, 08:30): http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0034571173887.jpg
Nun wende ich mich dem Beginn von Mendelssohns Liedschaffen zu. Am Anfang von op. 8 steht mit "Minnesang im Mai" ein Lied, dessen kompositorische Behandlung paradigmatisch für die Berliner Liederschule stehen könnte (und gleichzeitig deutlich macht, wie weit Mendelssohn im op. 19a diese weiter entwickelt hat). Das Strophenlied gliedert sich nach dem Textrhythmus, es ist regelmäßig aufgeteilt. Die Begleitung stützt weitgehend die Gesangslinie ab, weiß sie aber auch etwa durch Gegenbewegung zu beleben. Bei aller Einfachheit ist doch die harmonische Gestaltung des F-dur-Liedes farbig. Das Lied setzt ohne Vorspiel ein, nur ein kleiner feinsinniger Epilog beendet das Lied.
Die einzige Einspielung des Liedes, die ich habe, wird von Stephan Loges ohne Tadel gesungen. Dafür ist allerdings der Text des Booklets (das zu Vol. 1 war hervorragend, das zu Vol. 2 brauchbar, dieses ist leider nicht mehr als ausreichend) erheiternd. Dort wird Hölty (1748-1776) gleich zum "romantischen Dichter" ernannt, den Rest seiner Charakterisierung erspare ich uns, auch weil er eigentlich nichts zum Verständnis des Textes beiträgt.
Holder klingt der Vogelsang, Wenn die Engelreine, Die mein junges Herz bezwang Wandelt durch die Haine.
Röter blühen Tal und Au, Grüner wird der Wasen, Wo die Finger meiner Frau Maienblumen lasen.
Ohne sie ist alles tot, Welk sind Blüt' und Kräuter; Und kein Frühlingsabendrot Dünkt mir schön und heiter.
Traute, minnigliche Frau, Wollest nimmer fliehen; Daß mein Herz, gleich dieser Au, Mög' in Wonne blühen!
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (22.10.2010, 11:36): http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0034571173887.jpg
Die Nr. 2 im op. 8 ist nicht von Felix Mendelssohn sondern von seiner (älteren) Schwester Fanny. Von ihr stammen 300 Lieder, nur wenige sind (noch) bekannt. Felix "versteckte" in seinen Liederzyklen op. 8 und 9 einige Lieder von ihr, so dass sie auf diese Art und Weise zur Veröffentlichung kamen. Sie sind nicht nur kongenial, sie gehören zu den besten der jeweiligen Zyklen. "Das Heimweh", ein eher mittelmäßiges Gedicht von Friederike Robert, wird emotional durch die Vertonung Fannys so aufgeladen, dass es seine Beschränktheit weit hinter sich lässt. Auch hier ist es ein Strophenlied mit drei Strophen, die aus jeweils zwei Teilen bestehen. Im ersten wird über einer zerklüfteten Begleitung im Vivace ed agitato eine leidenschaftliche Stimmung aufgebaut. Mit einem Fortissimoakkord wird der zweite Teil eröffnet, in langen Werten stockt sich die zentrale Aussage "Es ist das Heimweh!" über akkordische Achteltriolen, der im Piano espressivo "O Schmerzenslaut" (2. O Jammerton! 3. O herbes Weh!) folgt, noch einmal ein Crescendo auf die Wiederholung "O Schmerzenslaut" (etc.) Dann schwingt sich die Gesangslinie über stockende Trionlen ab. Doch das Nachspiel nimmt noch einmal die leidenschaftliche Linie des ersten Teiles auf.
Stephan Loges Interpretation gefällt mir, obwohl mir eine bewegliche Frauenstimme hier lieber wäre. Aber die blasse Interpretation von Tuula Nienstedt (Alt) auf der zweiten CD wird der Bedeutung des Liedes nicht gerecht. Mit solchen gut gemeinten Einspielungen wird man kaum das Interesse an dem ungehobenen Schatz der Lieder Fanny Mendelssohns wecken. Und warum Tuula Nienstedt bei einer CD mit der Gesamtlänge von 44:34 die zweite Strophe einfach weglässt, ist mir in hohem Grade unverständlich.
Was ist's, das mir den Atem hemmet, Und selbst den Seufzer unterdrückt? Das stets in jeden Weg sich stemmet, Und Sinn und Geist mir so verrückt? Es ist das Heimweh! O Schmerzenslaut! O Schmerzenslaut, wie klingst im Innern mir vertraut!
Was ist's, das mir den Willen raubet, Zu jeder Tat mich mutlos macht? Das mir die Flur, so grün belaubet, Verwandelt in Gefängnissnacht? Es ist das Heimweh! O Jammerton! O Jammerton, wie lange tönst im Herzen schon!
Was ist's, das mich erstarrt und brennet, Und jede Freud' und Lust vergällt? Giebt es kein Wort, das dieses nennet, Giebt es kein Wort in dieser Welt? Es ist das Heimweh! O herbes Weh! O herbes Weh! Die Heimat, ach! ich nimmer seh'.
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (24.10.2010, 17:46): Mendelssohn: Lieder op. 8
Auch die Nr. 3 des op. 8 stammt von Fanny Mendelssohn. Wie sehr ihr Bruder das Lied "Italien" auf einen Text von Grillparzer schätzte, zeigt die Tatsache, dass er es der englischen Königin Victoria vortrug. Ein lebhafter Walzer in G-dur, dessen beiden Strophen zweiteilig sind. Der zweite Teil ist ein Variation des ersten, in dem die Sehnsucht nach dem südlichen Land noch gesteigert wird. Die Kunst, den textreichen Ablauf in große Bögen zu fassen, ist überzeugend.
Auch hier lässt Tuula Nienstedt unverständlicherweise die zweite Strophe einfach weg.
Schöner und schöner schmückt sich der Plan, Schmeichelnde Lüfte wehen mich an! Fort aus der Prosa Lasten und Müh' Zieh' ich zum Lande der Poesie.
Gold'ner die Sonne, blauer die Luft, Grüner die Grüne, würz'ger der Duft! Dort an dem Maishalm, schwellend von Saft, Sträubt sich der Aloe störrische Kraft;
Ölbaum, Cypresse, blond du, du braun, Nickt ihr wie zierliche, grüßende Frau'n? Was glänzt im Laube, funkelnd wie Gold? Ha! Pomeranze, birgst du dich hold?
Trotz'ger Poseidon, wärest du dies, Der unten scherzt und murmelt so süß? Und dies, halb Wiese, halb Äther zu schau'n, Es wär des Meeres furchtbares Grau'n?
Hier will ich wohnen, Göttliche du: Bringst du, Parthenope, Wogen zur Ruh'? Nun dann versuch' es, Eden der Lust, Eb'ne die Wogen auch dieser Brust!
Grüner und grüner Matten und Feld, Froher das Leben, schöner die Welt! Fort aus der Sorge düsterem Tal, Hin in des Frühlings sonnigen Saal!
Bunter die Blumen, süßer der Duft, Heit'rer der Himmel, frischer die Luft! Sieh', wie die Gemse hüpft und das Reh, Schau', wie der Bach hinrauscht in den See!
Zu der Lawine dumpfem Getön Hallen Schalmeien lieblich und schön. Hüllet der Nebel die Täler hier ein, Oben ist Freud', ist wonniger Schein.
Drüben und droben wär' ich so gern! Täler und Berge, wie seid ihr so fern! Ach, und wie fern ist Frieden und Ruh', Ach, und wie ferne, Liebe, bist du!
Träumend nur seh' ich Rosen noch blüh'n, Träumend der Alpen Zinken nur glüh'n. Täler und Berge, wie seid ihr so fern! Drüben und droben wär' ich so gern!
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (25.10.2010, 10:49): Eine kleine Nachbemerkung:
Die CD mit Mendelssohn-Lieder von Tuula Nienstedt ist nicht mehr auf dem Markt. Auch wenn für mich ihre Interpretationen nicht so überzeugend waren wie andere, hat sie doch die eine oder andere Lücke bei mir geschlossen - oder wenigstens eine Alternative geboten.
Erschienen war die CD bei Christophorus. Ein Cover ist nicht mehr ladbar, ich werde mal das meiner CD scannen und dann nachreichen.
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (26.10.2010, 10:31): Mendelssohn: Lieder op. 8
Auch das Erntelied ("Es ist ein Schnitter, der heißt Tod") ist als Strophenlied komponiert. Mit einem archaisierenden Unisono setzt das Lied in a-moll ein, es folgt eine eher rezitativische Phrase, am Ende steht eine choralartige Begleitung. Die sechste Strophe ist eine variierte Form der anderen. Hier wird dem Tod "Trotz" (im Forte) entgegen gesetzt. Der Tod bedeutet die Erwartung des himmlischen Gartens, statt "hüte dich" steht hier am Ende "freu' dich", noch einmal im Forte auf dem Spitzenton gesungen, dann folgt ein Diminuendo, die Stimme ist wieder auf e gesunken, die Bogenmelodie des Anfangs wird wiederholt. Mendelssohn setzt seine Mittel behutsam ein, um die Stimmung des Liedes auszudrücken.
Die Interpretation von Fischer-Dieskau überzeugt hier (nur einmal eilt er mit dem Forte einen halben Takt voraus), Sophie Danemann verkürzt leider das Lied um zwei Strophen.
Es ist ein Schnitter, der heißt Tod, Hat Gewalt vom höchsten Gott, Heut wetzt er das Messer, Es schneid't schon viel besser, Bald wird er drein schneiden, Wir müssen nur leiden. Hüte dich schöns Blümelein!
Was heut noch grün und frisch da steht, Wird schon morgen hinweggemäht: Die edlen Narzissen, Die Zierden der Wiesen, Viel schön' Hyazinthen, Die türkischen Binden. Hüte dich schöns Blümelein!
Viel hundert tausend ungezählt, Das nur unter die Sichel fällt, Ihr Rosen, ihr Lilien, Euch wird er austilgen, Auch die Kaiser-Kronen, Wird er nicht verschonen. Hüte dich schöns Blümelein!
Das himmelfarbe Ehrenpreis, Die Tulpanen gelb und weiß, Die silbernen Glocken, Die goldenen Flocken, Senkt alles zur Erden, Was wird daraus werden? Hüte dich schöns Blümelein!
Ihr hübsch Lavendel, Roßmarein, Ihr vielfärbige Röselein. Ihr stolze Schwertlilien, Ihr krause Basilien, Ihr zarte Violen, Man wird euch bald holen. Hüte dich schöns Blümelein!
Trotz! Tod, komm her, ich fürcht dich nicht, Trotz, eil daher in einem Schritt. Werd ich nur verletzet, So werd ich versetzet In den himmlischen Garten, Auf den alle wir warten. Freu' dich, schönes Blümelein.
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (27.10.2010, 09:14): Mendelssohn: Lieder op. 8
Der "Pilgerspruch" ist ein choralartiges Strophenlied (F-dur). Die beiden ersten Strophen drücken durch das stete Schreiten und die stets auf den sicheren Boden führende Gesangslinie die Glaubensfestigkeit aus. Nur die Schlusszeile ist in der Begleitung bewegter, hier schwingt sich die Stimme aus. Die letzte Strophe ist identisch, sie ist nur im Ausgang in dem Notenwerten über "heißt" verbreitet, das über drei Takte geführt wird. Mit einer kurzen Kadenz, bei der auch der tiefste Ton im Bass erreicht wird, endet das Lied.
Stephan Loges gibt dem "Pilgerspruch" die notwendige baritonale Überzeugungskraft mit.
Laß dich nur nichts nicht dauern Mit Trauern, Sei stille! Wie Gott es fügt, So sei vergnügt Mein Wille.
Was willst du heute sorgen Auf morgen? Der Eine steht allem für; Der gibt auch dir das Deine.
Sei nur in allem Handel Ohn Wandel, Steh feste! Was Gott beschleußt, Das ist und heißt das Beste.
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (28.10.2010, 10:13): Mendelssohn: Lieder op. 8
Das "Frühlingslied" op. 8 Nr. 6 vertont einen schwäbelnden Text von Friedrike Robert (warum sie das Booklet der Hyperion-Einspielung hartnäckig Friedericke nennt, ist mir unklar). Das durchkomponierte Lied ist vom Gestus und von der Musiksprache her mozartisch. Im ein tänzerisch beschwingten D-dur entwickelt sich eine jubelnde Gesangslinie mit großen Aufschwüngen. In der Begleitung hört man das Tirillieren von Vögeln. Die dritte Strophe des lebensbejahend jugendlichen Liedes endet in einer Vokalise. Auch das Nachspiel wird von einem frohen Aufschwung bestimmt, in den sich hartnäckig der Kuckucksruf mischt.
Das schöne Lied wird von Sophie Danemann ansprechend gesungen. Dass es nicht so sehr bei ihr schwäbelt, kann man ihr wohl nachsehen.
Jetzt kommt der Frühling, der Himmel isch blau, Die Wegle sin trucken, die Lüfte geh'n lau. Jetzt kommt der Frühling, die Vögle im Wald Zwitschern und locka ihre Weible wol bald. Jetzt kommt der Frühling, die Bähm schlage aus, Un i bring mei Schätzle ein Veigelestrauß.
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (11.11.2010, 14:06): Mendelssohn: Lieder op. 8
Die Nummer 7 des op. 8 ist das "Maienlied", auf das auch die Nummer 8 verweist, heißt sie doch "Andres Maienlied". Doch die Geschwister sind offensichtlich sehr unterschiedlich. Während es von dem "Anderen Maienlied" eine Vielzahl von Aufnahmen gibt, liegt mir bei dem "Maienlied" nur eine einzige vor, die von Margaret Price. Selbst die als Gesamteinspielung der Lieder und Duette angelegte Einspielung bei hyperion hat das Werk "vergessen".
Ist das Werk des 18jährigen wirklich so schlecht, dass man es verstecken muss? Es ist ein schlichtes Strophenlied (G-dur, 6/8, Allegretto), das durchaus etwas von der Beschwingtheit seiner Textvorlage vermittelt. Das kurze 3-taktige Vorspiel hat im Bass eine aufsteigende Linie, in der rechten Hand eine fallende Terzfolge, Wachsen und Erwartung sind mit Sehnsucht verbunden. Im Lied selbst ist die Begleitung "objektiv" im Sinne der Berliner Liederschule, sie stützt die Gesangslinie ab, ohne sie im wesentlichen zu kommentieren. Es fehlen auch die Einwürfe von Naturstimmen wie im "Frühlingslied". Das kurze Nachspiel hebt die Spannung des Vorspieles auf, nun begleitet auch der Bass den Diskant in der Abwärtslinie. Sicher kein misslungenes Lied, auch wenn ihm der Glamour der beiden es umgebenden Lieder fehlt. Es Grund, es zu umgehen, kann ich auf jeden Fall weder sehen noch hören.
Dank also an Margeret Price, die mit ihrem Begleiter Graham Johnson das Lied ansprechend interpretiert.
Man soll hören süßes Singen In den Auen überall, Lieblich hell Gesang erklingen Voraus vor der Nachtigall!
Schauet auf den Anger breit, Schauet an die lichte Heide, Wie sie schon sich mit dem Kleide Zu dem Maien hat bekleid't.
Mancherhande Blümelein Lachen aus des Maien Tau In der lichten Sonne Schein; Schöne Zeit zu werter Schau!
Was soll trösten mir den Mut, Da mich zwinget Herzensschwere, Bei der ich viel gerne wäre, Daß die ferne leben tut.
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (12.11.2010, 21:15): Mendelssohn: Lieder op. 8
Man hat dem "Andren Mailied" op. 8 Nr. 8 den Beinamen "Hexenlied" gegeben. Es erinnert in seinem wilden Tanz auch an Mendelssohns "Erste Walpurgisnacht". Der Ausdrucksstärke verdankt das Lied wohl auch seine Popularität, die sich (wie man oben sehen kann) in der Vielzahl der Einspielungen widerspiegelt. Was hier besungen wird ist die Nacht zum ersten Mai, die Nacht, in der sich die Hexen auf dem Brocken treffen. Aus einem unheimlichen g-moll (6/8) entwickelt sich pianissimo aus dem mit 16zehntel Noten gehämmerten g der durch ein Crescendo zum Fortissimo anschwellende wilde Ritt der Hexen der nach einem an- und abschwellenden Arpeggio mit vier mächtigen Akkorden zu seinem Ziel gelangt zu sein scheint. Nun setzt im Piano ein Reigen ein, der im Fortgang immer wilder wird, das Unheimliche durch Chromatik und Naturerscheinungen wie das Pfeifen des Windes, Donnerschläge etc. verstärkt. Die zweite Strophe wird notengleich wiederholt, die dritte wechselt nach dem gewohnten Beginn plötzlich die Stimmung: Im Pianissimo wird das Kommen des Frühling über einem langen Tremolo gefeiert, dann steigert sich der Gesang in einen lauten Jubel und wieder setzt der wilde Tanz ein.
Männer und Männerstimmen haben es bei diesem Hexenlied schwer, Fischer-Dieskau wirkt schwerfällig, Schreier kann wenig von der Wildheit vermitteln. Bei den Damen gefällt mir Barbara Bonney am besten, auch weil sie den inneren dramatischen Verlauf des Liedes mit ihrer Stimme angemessen gestalten kann. Eine interessante Alternative ist Barbara Schlick mit vielen rollenden "R"s, die von Elzbieta Kalvelage auf dem Hammerflügel begleitet wird. auch ihr gelingt es das Lied Mendelssohn mit kluger Gestaltung zu vermitteln.
Die Schwalbe fliegt, Der Frühling siegt Und spendet uns Blumen zum Kranze; Bald huschen wir Leis' aus der Tür Und fliegen zum prächtigen Tanze.
Ein schwarzer Bock, Ein Besenstock, Die Ofengabel, der Wocken Reißt uns geschwind, Wie Blitz und Wind, Durch sausende Lüfte zum Brocken!
Um Beelzebub Tanzt unser Trupp Und küßt ihm die kralligen Hände! Ein Geisterschwarm Faßt uns beim Arm Und schwinget im Tanzen die Brände!
Und Beelzebub Verheißt dem Trupp Der Tanzenden Gaben auf Gaben: Sie sollen schön In Seide geh'n Und Töpfe voll Goldes sich graben.
Ein Feuerdrach' Umflieget das Dach Und bringet uns Butter und Eier. Die Nachbarn dann seh'n Die Funken weh'n, Und schlagen ein Kreuz vor dem Feuer.
Die Schwalbe fliegt, Der Frühling siegt, Die Blumen erblühen zum Kranze. Bald huschen wir Leis' aus der Tür Juchheissa zum prächtigen Tanze.
Liebe Grüße Peter
miranda (13.11.2010, 19:31): Danke, danke für diese Interpretation. Ich finde, dass Lieder wie das Hexenlied und Neue Liebe mit ihren hintergründigen und unheimlichen Klängen das Klischee vom harmlosen Mendelssohn, dem die echt deutsche Tiefe fehlt, glänzend widerlegen!
Peter Brixius (18.11.2010, 13:00): Mendelssohn: Lieder op. 8
Das Abendlied (Text von Voss) op. 8 Nr. 9 (Es-dur, 4/4, Andante) ist ein ruhig gehaltenes Strophenlied, bei dem die Singstimme in der Regel Viertelnoten singt. Durch die ebenfalls ruhige akkordische Begleitung gewinnt das Lied den Charakter eines Abendchorals. Mit der dritten Zeile wird die Begleitung lebendiger und umspielt die Gesangstimme. Dazu verlässt die Begleitung auch den ruhigen harmonischen Ablauf und wird immer chromatischer geführt, um sich am Ende bei einem Pianissimo-Aufschwung der Singstimme wieder zu verstetigen und zu einem nun wieder ruhigen Abschluss in Es-dur zu kommen.
Loges bewältigt das Lied sicher und strahlt Kraft und Ruhe aus.
Das Tagewerk ist abgetan, Gib, Vater, deinen Segen! Nun dürfen wir der Ruhe nahn; Wir taten nach Vermögen. Die holde Nacht umhüllt die Welt, Und Stille herrscht in Dorf und Feld.
Wenn du getreu vollendet hast, Wozu dich Gott bestellte, Behaglich fühlst du dann die Rast Vom Tun in Hitz und Kälte. Am Himmel glänzt der Abendstern Und zeigt noch beß're Rast von fern.
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (19.11.2010, 12:00): Mendelssohn: Lieder op. 8
Eric Werner schreibt in seiner Monographie: Mendelssohn flirtete gerne, war aber kein passionierter Liebhaber, sondern ein liebevoller Gatte und Vater. Vor seiner Ehe hat er kein einziges leidenschaftliches Liebeslied komponiert. (S. 150) Ähnlich scheint Julian Haylock im Booklet der Danemann-Aufnahme zu argumentieren: Mendelssohns letzte Komposition in seinem op. 8 ist eine tradionelle spanische Romanze, deren leidenschaftliche zweite Strophe (Ich sünd'ge nicht vermessen, Der Himmel wird verzeih'n!) musikalisch durch recht uncharakteristisch blumige Momente lyrischer Ekstase dargestellt wird.
Es sei noch einmal erinnert, dass diese Lieder nicht für den Konzertsaal komponiert waren, sondern für das Konzert im familiären Bereich. Dazu waren die Vorgaben des Strophenliedes der Berliner Schule (Werner nennt sie ein Diktat) eine andere Voraussetzung zu einer Objektivierung. Auch war Hegels Meinung einflussreich: In ihrer Verwebung mit dem Wort muss sich die Musik nicht zu solcher Dienstbarkeit herunterbringen, dass sie, um in recht vollständiger Charakteristik die Worte des Textes wiederzugeben, das freie Hinströmen der Bewegung verliert, und dadurch, statt ein auf sich selbst beruhendes Kunstwerk zu erschaffen, nur die 'verständige Künstlichkeit' ausübt, die musikalischen Ausdrucksmittel zur möglichst getreuen Bezeichnung eines außerhalb ihrer und ohne sie bereits fertigen Inhalts zu verwenden. (Hegel, Vorlesungen über Ästhetik S. 148, zitiert nach Werner)
Die Romanze op. 8 Nr. 10 ist ein guter Beleg für die Notwendigkeit, sich auf die Ästhetik des Komponisten einzustellen, statt ihm eine modische überzustülpen. Es ist ein lyrisch-spanisches Element in den Melismen zu finden, die Haylock als "blumig" charakterisiert. In der Kantilene entwickelt sich ein eher zärtliches Lied im Andante, das die Leidenschaft hinter der farbigen Harmonik zu verbergen scheint. Ein großer melismatischer Bogen entwickelt sich über "der Himmel wird verzeihn", noch ausladender in der leicht variierten zweiten Strophe. Am Ende steht nach dem vokalen Verströmen nur noch das Pochen des Herzens in der Begleitung.
Sophie Danemann begleitet von Eugene Asti bringt mit einer schönen Gesangslinie eine überzeugende Darstellung dieses Liedes.
Einmal aus seinen Blicken, Von seinem süßen Mund, Soll Gruß und Kuß erquicken Des Herzens trüben Grund,
Ich kann ihn nicht vergessen, Ich kann es nicht bereu'n, Ich sünd'ge nicht vermessen, Der Himmel wird verzeih'n!
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (20.11.2010, 09:57): Mendelssohn: Lieder op. 8
Julian Haylock schreibt von op.8 Nr. 10 im Booklet der Danemann-Aufnahme, es sei Mendelssohns letzte Komposition in seinem op. 8, aber auch die Nr. 11 "Im Grünen" Ist von Felix, die Nr. 12 allerdings wieder von Fanny. Dieses E-dur-Lied steht wie viele der Lieder Mendelssohns im 6/8-Takt. Werner (Mendelssohn, 1980) zählt das interessanterweise zu den Manierismen, er fügt ihnen noch die Häufigkeit weiblicher Endungen, sentimentaler Vorhalte und weichlicher Harmonik bei (S. 150). All dies soll dazu beigetragen haben, die meisten seiner Lieder "zur wohlverdienten Vergessenheit" verurteilt zu haben.
Wenn wir nun das "wohlverdient vergessene" Lied op. 8 Nr. 11 darauf untersuchen, so hat hier der 6/8-Takt einen frischen frohgemut zupackenden Charakter. Dies wird vor allem durch die Hörnerklänge in der Begleitung bewirkt - wir sind im Grünen, im Wald. Mit einer Häufigkeit weiblicher Endungen kann das Lied nicht dienen. Gäbe sie in diesem Lied, so wäre sie wohl kaum Mendelssohns Manierismen geschuldet, sondern der Orientierung romantischer Dichtung an romanischen Formen. Einen Vorhalt kann ich in diesem Allegro vivace-Stück auch nicht finden - ob so ein Vorhalt nun gleich sentimental wäre, müsste auch am geeigneten Objekt untersucht werden. Was nun eine "weichliche Harmonik" ist, darüber denke nun schon geraume Zeit nach. In diesem E-dur Lied gibt es zwar beim "luftigen" Quell" (bzw. "säuselt der West") eine harmonische Einfärbung, die aber auf mich alles andere als "weichlich" wirkt. Im Gegenteil höre ich einen punktierten Rhythmus mit frohen Fanfaren, im zweiten Teil des Liedes kommt noch die sehnsuchtsvoll (crescendo vom Piano zum Forte) über fast sechs Takte ausgehaltene Anrufung des Grünen auf H, die aber dann auch wieder in den jubelnden Ausgang mündet. Beendet wird das Lied in der Wiederholung durch eine Fanfare in der Begleitung.
Fischer-Dieskau gibt dem fröhlichen Charakter des Liedes einen angemessenen Ausdruck. Am besten gefällt mir Katherine Broderick im Vol. 4 der Gesamtausgabe - leider scheint sie schon wieder vom Markt zu sein. Aber mit Janet Bakers Einspielung des Liedes kann man auch gut leben.
Willkommen im Grünen! Der Himmel ist blau, Und blumig die Au, Der Lenz ist erschienen! Er spiegelt sich hell Am luftigen Quell, Willkommen im Grünen!
Willkommen im Grünen! Das Vögelchen springt Auf Sprossen und singt: Der Lenz ist erschienen! Ihm säuselt der West Ums heimliche Nest, Willkommen im Grünen!
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (21.11.2010, 10:04): Mendelssohn: Lieder op. 8
Das die Lieder op. 8 abschließende Duett ist wieder von Fanny Mendelssohn. Der Text stammt aus dem West-östlichen Divan Goethes, ein Liebesgespräch von Hatem (Goethe) und Suleika (Marianne von Willemer). Vom Idiom her ist das Duett dem Schaffen ihres Bruders im höchsten Maße verwandt. Auch dieses steht in E-dur und im 6/8-Takt wie das vorhergehende Lied. Vor allem im Duettteil am Ende dominieren ornamentale Melismen.
Sophie Danemann hört man gerne, doch wenn Mark Padmore einsetzt, wünscht man ihr einen anderen Partner.
Suleika: An des lustgen Brunnens Rand, Der in Wasserfäden spielt, Wußt ich nicht, was fest mich hielt; Doch da war von deiner Hand Meine Chiffer leis gezogen, Niederblickt ich, dir gewogen.
Hier, am Ende des Kanals Der gereihten Hauptallee, Blick ich wieder in die Höh, Und da seh ich abermals Meine Lettern fein gezogen: Bleibe! bleibe mir gewogen!
Hatem: Möge Wasser springend, wallend Die Zypressen dir gestehn: Von Suleika zu Suleika Ist mein Kommen und mein Gehn.
Liebe Grüße Peter
Fairy Queen (21.11.2010, 10:38): Ich habe gerade begonnen, eine Version der Mendelssohn -Lieder mit Tenor und zwei Gitarren zu hören. Ziemlich ungewohnt; ich muss mich erst ein bisschen daran gewöhnen. Die Stimme steht hier besodners im Vordergrund, die Begleitung tritt im Vergleich zum Klavier sehr zurück. da Mendelssohn ein grosser Melodiker ist, schadet das nicht nachhaltig. Aber dann muss einem die Stimme, die singt, auch wirklcih gut gefallen. Das tut sie in diesem Falle trotz guter interpretorischer Qualitâten leider nciht so ganz.
Neue Liebe finde ich in der Fassung übrigens ziemlich misslungen, Anderes passt wieder recht gut. Das nur mal als Streiflicht im Vorübergehen.
F.Q.
Peter Brixius (22.11.2010, 08:44): Mendelssohn: Lieder op. 9 Felix Mendelssohn: Frage op. 9 Nr. 1
Das erste Lied des Zyklus op. 9 ist sehr kurz. Ohne Einleitung wird die Frage gestellt, die dann motivisch immer wieder aufklingt. Die Unsicherheit des Fragens drückt sich auch im harmonischen Verlauf aus, am deutlichsten beim Gipfelton (Sternlein), auf den auch noch zusätzlich ein anschwellender und abschwellender Ton gesetzt ist. Die Aufforderung "Sprich!" die über zwei Takte mit einem Fermate führt, hat in der Begleitung wieder die Frage "Ist es wahr?" Mit der Sehnsucht nach ewiger Treue scheint fester Grund erreicht. Doch das Nachspiel wiederholt die Frage und verklingt im Pianissimo.
Die Lakonie des Ausdrucks und die Ökonomie der Mittel beim jungen Mendelssohn in diesem Lied sind erstaunlich. Die Interpretationen nehmen sich einander wenig.
Ist es wahr? Ist es wahr? Daß du stets dort in dem Laubgang, An der Weinwand meiner harrst? Und den Mondschein und die Sternlein Auch nach mir befragst? Ist es wahr? Sprich! Was ich fühle, das begreift nur, Die es mit fühlt, Und die treu mir ewig, Treu mir ewig, ewig bleibt.
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (01.12.2010, 10:06): http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0034571151502.jpg http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0034571177533.jpg
Das zweite Lied beruht auf einem Gedicht des Schauspielers Eduard Devrient. Es verlangt nach einem "con fuoco, ma moderato", also einem Widerspruch in sich selbst. Das Strophenlied wird in der Begleitung bestimmt von einem je sechsmal gespielten vollgriffigen Akkord. Die Wiederholung trägt in sich die Möglichkeit des An- und Abschwellens, des leise Begehrens wie des leidenschaftlich Forderns. Dieses Ringen zeigt auch die Melodielinie des A-dur-Liedes. Am Ende steht die Allgewalt des Partners (fortissimo) und das eigene Sichverschenken (pianissimo). Mendelssohn stellt in der letzten Strophe (er nimmt je zwei Strophen als eine Einheit) bei der Wiederholung der Zeile "Ich will ganz dein eigen sein" die Wörter um, so dass es heißt "Ganz dein eigen will ich sein" - und das "ich" hier auf das Diminuendo zum Pianissimo fällt.
Die Aufnahme mit Margeret Price stört mich wegen der Opernhaftigkeit des Tones, das geforderte Moderato wird vernachlässigt. Dagegen bringt Finnur Bjarnason die Stimmung des Liedes angemessen zum Ausdruck.
Kennst du nicht das Glutverlangen, Diese Qual und diese Lust? Die mit Hoffen und mit Bangen Woget durch die enge Brust?
Siehst du denn nicht, wie ich bebe, Schein' ich lächelnd auch und kalt, Wie ich ringe, wie ich strebe Gegen deine Allgewalt!
Ahnst du nichts von meinen Schmerz, Hast du Mitleid nicht für mich? Spricht im umentweihten Herzen Keine Stimme denn für mich?
Laß die Qual mich nicht verzehren, Ach Maria, sei doch mein! Dir nur will ich angehören, Ich will ganz dein eigen sein!
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (03.12.2010, 13:29): http://ecx.images-amazon.com/images/I/5119gi4F5PL._SL500_AA300_.jpg http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0034571171371.jpg
Auch diese Romanze hat Mendelssohn als Strophenlied komponiert. Dabei ist die Strophe zwei eine wörtliche, die Strophe drei eine abgewandelte Wiederholung der ersten. Eingeleitet wird das Lied von einer kräftigen Unisono-Phrase, die fanfarenartig am Beginn steht und den fernen Ritter symbolisiert. Das Lied selbst wird von einem Marschrhythmus bestimmt, dem auch die Melodielinie die ersten beiden Zeilen folgt. Das "Komme du bald!" ist eine sehnsuchtsvolle Phrase, bei der Wiederholung, die im Pianissimo endet, ausgeziert. Die dritte Strophe bleibt im Pianissimo, das Allegro con molto verlangsamt sich, "ist das Fräulein erwacht" wird in der Wiederholung zur Frage umgedeutet. Ohne Begleitung erfolgt noch einmal im Forte und a tempo der sehnsuchtsvolle Ausruf "Komme du bald", die Wiederholung versickert im Pianissimo, wobei die Begleitung in einem unwirklichen offenen Dis endet.
Fischer-Dieskau weiß zwar das kräftig Zupackende des Marschrhythmus darzustellen, differenziert aber mE dann zu wenig und lässt kaum etwas von den Zwischentönen spüren. Dagegen ist die Interpretation von Danemann überzeugend.
Sie trug einen Falken auf ihrer Hand Und hat ihn über den See gesandt. Komme du bald!
Er kam mit dem Falken wohl über den See Und blies ins Hüfthorn vor Lust und Weh. Komme du bald!
Der Falk flog weit in Wald und Nacht, Vom Morgentraum ist das Fräulein erwacht. Komme du bald!
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (04.12.2010, 07:51): http://ecx.images-amazon.com/images/I/5119gi4F5PL._SL500_AA300_.jpg http://ecx.images-amazon.com/images/I/515y--EtPrL._SL500_AA300_.jpg
Das vorwärtsdrängende und gleichzeitig schwelgerische Lied "Im Frühling" op. 9 Nr. 4 ( D-dur, 3/8 ) fasst jeweils zwei Strophen musikalisch zusammen, so dass sich die Form A-B-A-B ergibt. Die Sechzehntelfigur, die schon im Vorspiel das Allegro vivace vorwärtsstürmen lässt, bestimmt auch weiterhin durch ihr Pulsieren das musikalische Geschehen. Dazu kommt im Bass häufig eine auf den ersten Schlag gespielte Achtel, der dann zwei Pausenzeiten folgen. Die Melodiebögen der Gesangslinien wirken darüber atemlos, bis sich dann mit dem Beginn der jeweils letzten Zeile im A-Teil eine langausgehaltene Note ergibt, wonach die Melodie dann espressivo und dolce ausschwingt. Im B-Teil wird dieser schwelgerische Ton noch durch eine rezitativähnliche unbegleitete Phrase vorbereitet. Hier folgt eine weit ausschwingende melismatische Bewegung, nach der dann wieder die vorwärtsdrängende Sechszehntelfigur einsetzt.
Fischer-Dieskau nimmt das Lied deutlich schneller als Danemann. Das führt dazu, dass es unruhiger wirkt und ausgerechnet in der ritardando-Phrase des rezitativnahen Teils verhaspelt. Dagegen blüht Danemanns Gesang in der behutsamen aber die Gefühle differenzierter abbildenden Interpretation mit Asti am Klavier hörbar auf.
Ihr frühlingstrunknen Blumen, Ihr Bäume, monddurchblinket! Ihr könnt nichts sagen und seid stumm, Wie süß ihr schwelgt und trinket!
Ich trink und schwelge mit euch Und sing's in heller Frühlingslust. O, wie mir Aug und Wange glüht! Sie hebt und sehnt sich meiner Brust!
Du sehnsuchtleuchtend Mondlicht, Ihr friedlich hellen Sterne Blickt zu den Blumen still herab. Euch bleibt der Frühling ferne.
Mir blüht und glüht die Rose Und mir die frische Frühlingspracht! All meine Träume sind erfüllt, Nun ist dem Herzen Ruh gebracht.
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (06.12.2010, 15:04): http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0022924494628.jpg http://ecx.images-amazon.com/images/I/5119gi4F5PL._SL500_AA300_.jpg http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0034571169064.jpg
Das fünfte Lied von op. 9 ist die Vertonung eines Gedichtes von Klingemann. Es ist von der Melodie und der Begleitung schlicht gestaltet und gewinnt durch den Volkstoncharakter seinen Zauber. Das Lied in fis-moll (Andante, 2/4) setzt sofort ein. Die Anfangsphrase wird häufig wiederholt, der Aufbau des Liedes ist A-A-B-A, die zweite Strophe ist abgesehen von dem Schluss identisch. Die Wiederholung dieser kleinen Phrase vermittelt Müdigkeit und Vergeblichkeit. Weitgehend ist das Lied im Pianissimo gehalten, mit Forte ist nur das "Ach wie schnell!" (2. Strophe: Wieder nicht!) hervorgehoben. Wirksam ist auch die Stelle, wo die Begleitung von der strikten akkordischen Begleitung zu einer kontrapunktischen Fügung übergeht ("Alle Wonne soll entstehen").
Das Andante wird von allen Sängern eher als "gehend" interpretiert, so dass das Lied von einer bleiernen Schwere bewahrt wird. Fischer-Dieskau scheint das Lied so schnell wie möglich hinter sich bringen zu wollen, während die anderen um die 2 Minuten (2'05, 2'02, 1'51) herum liegen, setzt er das Lied mit 1'41 doch ein wenig zu sehr unter Druck.
Ach, wie schnell die Tage fliehen, Wo die Sehnsucht neu erwacht, Wo die Blumen wieder blühen; Und der Frühling wieder lacht!
Alle Wonne soll erstehen, In Erfüllung alles gehen. Ach, wie schnell die Tage fliehen, Wo die Sehnsucht neu erwacht!
Seht, die Tage gehn und kommen, Zieh'n vorüber blütenschwer, Sommerlust ist bald verglommen, Und der Herbstwind rauscht daher.
Ach, das rechte Blühn und Grünen, Es ist wieder nicht erschienen! Ach, wie schnell die Tage fliehen, Wo die Sehnsucht neu erwacht!
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (07.12.2010, 08:08): Mendelssohn: Lieder op. 9
Das sechste Lied ( E-dur, 6/8 ) des Zyklus ist sicher ein Höhepunkt von op. 9. Wenn das Vorspiel "sehr ruhig" mit einem in die Tiefe führenden Bassgang einsetzt, dann im Diskant die wiegende Sechszehntelfigur dem nun wieder nach oben führenden Bass entgegensetzt wird, entfaltet sich eine Atmosphäre von Sehnsucht und Abschied, deren musikalische Mittel schon an Brahms erinnern. Über der ruhigen Wellenbewegung entfaltet sich der Gesang im Piano und tranquillo und vermittelt eine erfüllte Resignation. Bei "Fern liegt das Leben" wendet sich das Lied in Molltonarten, nun wird die Stimmung schmerzvoll mit einem Aufbäumen ("der mich dort band") um am Ende mit den "Fluten", die zum fernen Land tragen, wieder in ein wundervoll erfülltes E-dur zurückzukehren. Die zweite Strophe ist identisch.
Wundervoll musiziert wird dieses Lied von Fischer-Dieskau und Sawallisch, die sich Zeit nehmen, das Sehnsuchtsvolle des Liedes sensibel zu entfalten. Sie haben als einzige die zweite Strophe weggelassen. Die Intensität wird weder von Baker noch von Stutzmann erreicht. Markus Schäfer wird von einem Gitarrenduo begleitet, aber eben bei diesem Lied fehlt mir dann der sonore Klang des Klaviers vor allem in der Baßlinie, die so sehr ja den Höreindruck des Liedes mitbestimmt. Auch am Hammerflügel, mit dem Elzbieta Kalvelabe Barbara Schlick begleitet, kann sie nicht die Differenziertheit von Sawallischs Spiel einholen. Schön die Interpretation von Danemann, Berg und Asti. Hier wird das Problem der zweiten Strophe, die ja vom Text abgesehen vollkommen identisch mit der ersten ist, dadurch bewältigt, dass die Sänger jeweils eine Strophe singen und der Wechsel vom Sopran und Bariton eine zusätzliche Farbe gibt.
Wie so gelinde die Flut bewegt! Wie sie so ruhig den Nachen trägt! Fern liegt das Leben, das Jugendland! Fern, fern liegt der Schmerz, der dort mich band, Sanft tragt mich, Fluten, zum fernen Land!
Droben der Sterne stiller Ort, Unten der Strom fließt fort und fort. Wohl warst du reich, mein Jugendland! Wohl, wohl war es süß, was dort mich band, Sanft tragt mich, Fluten, zum fernen Land!
Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (11.12.2010, 11:58): Mendelssohn: Lieder op. 9
Das siebte Lied von op. 9 ist die Vertonung eines Gedichtes von Droysen, dem bekannten Historiker durch Fanny Mendelssohn, eines der Kompositionen, die der Bruder in seine Zyklen op. 8 und op. 9 aufgenommen hat. Nach der Nummer 6 kommt das Lied scheinbar schlicht einher, ohne Vorspiel, aber dafür zeigt schon der Einsatz der Singstimme auf einem lang ausgesungenen D die Intensität des Ausdrucks, der sich weniger in einer dramatischen Weise, aber doch mit den wenigen, doch wirksamen dynamischen Akzenten in einem nach außen hin eher verhaltenen Andante gesungenen Liedes zeigt, das von D-dur immer wieder ins Moll changiert. Der erste große Bogen in der Gesangsstimme führt sanft geschwungen nach unten. Doch aller abfallenden Bewegung, dem "sich zur Ruhe neigen" entgegen führt immer wieder die Begleitung, am deutlichsten am Ende des Liedes, wo von dem mit Nachdruck gesungenen Spitzentönen Fis-E-D dann eine mit diminuendo bezeichnete Linie auf das im Pianissimo gesungene d führt, worauf im Nachspiel die Begleitlinie sich wieder weit mit sehnsüchtiger Gebärde zum D'' heraufschwingt.
Dieses schöne Lied wird sowohl von Bonney wie von Loges adäquat interpretiert, über die schlichte Gesangslinie hinweg werden die starken "Wünsche und Träume" durch die fein abgestimmte Gestaltung erkennbar.
Fern und ferner schallt der Reigen. Wohl mir! um mich her ist Schweigen Auf der Flur. Zu dem vollen Herzen nur Will nicht Ruh' sich neigen.
Horch! die Nacht schwebt durch die Räume. Ihr Gewand durchrauscht die Bäume Lispelnd leis'. Ach, so schweifen liebeheiß Meine Wünsch' und Träume.