Martha Mödl

Falstaff (14.02.2017, 01:01):
(*22. März 1912 in Nürnberg, † 17. Dezember 2001 in Stuttgart)

Ich kannte sie natürlich von Platten her. Aber irgendwann in den Neunzigern gab sie ein Gesprächskonzert in der Hamburgischen Staatsoper. Wir hatten Plätze ziemlich weit vorne, kamen aber zu spät. Also schlichen wir langsam und vorsichtig die Treppen im Parkett hinunter, während ihre 'Boris'-Aufnahme mit Rudolf Schock im großen Rund der Hamburgischen Staatsoper ertönte. Und da traf mich ihre Stimme wie ein Schock, so dass ich vor Schreck und Überwältigung fast die Treppen heruntergefallen wäre.

Martha Mödl ist, was ihre Gesangsausbildung angeht, ein typisches Kriegskind. Nichts war von Dauer. Entsprechend kurz und unregelmäßig war ihr Gesangunterricht. Entsprechend spät, mit 28 Jahren, debütierte sie als Mezzo in Remscheid. Über Düsseldorf und Duisburg kam sie dann nach dem Krieg nach Hamburg. Dann ging es mit der Karriere schnell bergan. 1951 Bayreuth mit den ersten Festspielen nach dem Krieg v.a. als Kundry und von Wieland Wagner extra dahin geholt. Und dann kamen alle großen Bühnen der Welt.

Die Mödl vollzog in den fünfziger Jahren den Wechsel vom Mezzo zum hochdramatischen Sopran. Etwas, was selten gutgeht. Sie sang in Bayreuth und der Welt Brünnhilde und Isolde. Aber auch Sieglinde oder die Fidelio-Leonore, beides v.a. unter Furtwängler. In den fünfziger und sechziger Jahren war sie eine der drei großen Vertreterinnen der hochdramatischen Wagnerpartien in der Welt. Relativ schnell kam dann aber auch wieder der Wechsel zurück. Letztlich war ihre Technik wohl nicht tragfähig genug für solche Partien.

Ihre überlange Karriere bis 2001 verdankte sie dem völlig uneitlen, frühen Wechsel ins Charakterfach. Die Mödl wurde berühmt als Protagonistin von Uraufführungen und/oder von Darstellungen entsprechender 'Knallweiber' in arrivierten Opern.

Ich habe die Mödl leider nie live erlebt. Nur eben in diesem Gesprächskonzert, nach dem sie stundelang geduldig Autogramme schrieb. Aber was ich damals erlebt habe, war eine völlig uneitle, ihrem Ruhm gegenüber fast scheue, trotzdem ungemein humorvolle und menschliche Persönlichkeit.

Und ich habe dort damals und später eine Stimme kennengelernt, die mit ihrer Wärme, Schönheit, Ausdrucksfähigkeit und Ehrlichkeit mich seitdem fasziniert und überwältigt.

Die Mödl ist eine der wenigen Künstlerinnen, vor der ich mich menschlich wie künstlerisch tief, tief verbeugen und ihr immerwährend danken möchte.
Falstaff (14.02.2017, 01:07):


Die muss man haben, so fern man Wagnerianer ist. Bayreuths Neubeginn nach dem Kriege. Das ist...das ist... das ist...Parsifal. So soll er sein. Jedenfalls für mich. Und die Mödl ist, umgeben von einem exquisiten Ensemble, eine Kundry, wie ich sie im letzten Jahrhundert nur von Callas und Meier kenne.
Falstaff (14.02.2017, 01:15):


Und gäbe es nur diese Aufnahme mit ihr.

Dies ist wahrlich nicht die einzige Fidelio-Aufnahme mit der Mödl, aber tontechnisch sicherlich die beste. Eine Traumstunde der Interpretation. Bereits vom Beginn an gibt Furtwängler eine Dramatik und Intensität vor, die kaum zu steigern ist. Aber die Mödl geht mit und ihre große und sch...schwere Arie ist geradezu makellos. Wer da nicht zittert und bebt!
Falstaff (14.02.2017, 21:53):


Die Mödl begann schon relativ früh die drei Brünnhilden und Isolde zu singen. So richtig lagen diese Partien ihrer Stimme nur für eine relativ kurze Zeit. Aber immerhin verdanken wir diesem Rollenwechsel diese grandiose Aufnahme mit dem jungen Herbert von Karajan aus dem Jahr 1952.

Auch wenn ich mit Vinay als Heldentenor nicht so viel anfangen kann, passt hier sein warmes, baritonales Timbre exzellent zu dem der Mödl, die ja eben auch aus der Mittellage kam.

Nicht nur wegen der ergreifenden Leistung der Mödl, wegen ihrer Ausdrucksfähigkeit (sie war eigentlich immer Ausdruck, direkt und ehrlich), ihres Einfühlungsvermögens und ihrer Stimmschönheit ein unbedingtes Muss für jede Tristan-Sammlung.
Falstaff (17.02.2017, 00:15):


Ich muss gestehen, ich kenne diese Box nicht. Ausgewählt habe ich sie, wie hier die 'Boris'-Ausschnitte mit Rudolf Schock enthalten sind. Damals in Hamburg unter Wilhelm Schüchter aufgenommen. Dimitri und Marina. Das hat Suchtcharakter. :down :down :down