Mild und leise - Eine Arie und ihre Interpretinnen
Falstaff (30.03.2017, 00:15): Ich weiß gar nicht, wie ich mich dem 'Mild und leise' nähern soll. Es ist einerseits keine Arie für mich, auch wenn sie immer wieder als Solo-Nummer in Konzerten dargebracht wird. Aber sie ist eben untrennbar mit dem Gesangwerk verknüpft. Andererseits, nehme ich sie eben als solche, ist es für mich immer noch einer der magischsten Momente der klassischen Musik. Sehnsucht, Auflösung, Verlöschen, Verwandlung. Dabei voller Pathos und großer Geste, voller Innigkeit und Sanftheit. Ein Kosmos in fünf bis sechs Minuten Musik.
Ich kann mich eigentlich gar nicht für eine Lieblingsaufnahme entscheiden. So viele Interpretinnen bieten mir das, was ich hören möchte und irgendwie bleiben sie doch alle noch hinter dem zurück, was sich in meinem inneren Ohr dabei abspielt. Aber das kann wohl auch niemand leisten.
So fange ich einfach einmal an mit einer Sängerin, die, so weit ich weiß, die Isolde nie auf der Bühne verkörpert hat. Lotte Lehmann nähert sich der 'Arie' mit ihrem jugendlich-dramatischen Sopran.
Oh, lass sie an manchen Stellen vielleicht technische Schwierigkeiten haben, den vokalen Anforderungen nicht ganz gerecht werden können. Es ist mir so egal, es ist so zweitrangig. Diese Emphase, diese Ehrlichkeit, dieses zutiefst Empfundene, dieses Mitnehmen zu etwas ganz anderem. Das ist für mich höchste, allerhöchste Kunst.
:hello Falstaff
Falstaff (30.03.2017, 00:30): Ich weiß gar nicht welche der vielen Aufnahmen mit der Flagstad ich wählen soll. Die mit der jüngeren, frischeren Stimme oder die mit dem größeren Wissen, der größeren Einsicht. Als Beispiel wähle ich einfach einmal die frühe Beecham-Aufnahme, aber die späten mit Furtwängler sind genauso wertvoll und notwendig.
Die Flagstad ist für mich immer wieder ein Phänomen. Solch eine Riesenstimme, die wohl wirklich Klangmassen über dem Zuschauer ergießen konnte und gleichzeitig solch eine Feinfühligkeit, solch eine Feinheit produzieren konnte! Sie verkörpert für mich das, was Wagner vielleicht angedacht hat und was vielleicht gar nicht dargebracht werden kann. Größe, Volumen, Lyrik. Die Stimme eins werden lassend mit den Orchester und in dieser Einheit den Hörer mitziehen. Ein Rausch, ein Vergessen.
:hello Falstaff
Falstaff (30.03.2017, 00:37): Natürlich darf doch in diesem Zusammenhang der Verweis auf diese Aufnahme nicht fehlen:
Die Flagstad zeitlich am Ende ihrer Karriere und stimmlich zwangsläufig nicht mehr so frisch wie mehr als eine Dekade früher. Aber welches Wissen, welche Weisheit und welch ein Dirigent!!!
:hello Falstaff
Falstaff (30.03.2017, 00:47):
Frida Leider - leider existiert keine einzige Wagner-GA mit ihr. Und dabei war sie vielleicht die größte Konkurrentin der Flagstad in ihrer Zeit. Eigentlich war sie, stimmlich gesehen, keine Hochdramatische sondern kam auch eher aus dem jugendlich-dramatischen Bereich. Sie sang Mozart, Verdi und Wagner und das mit einer technischen Finesse! Leider war immer Ausdruck, auch hier mit 'Mild und leise'. Ich kann mich ihrer Stimme nicht entziehen.
:hello Falstaff
Falstaff (30.03.2017, 00:54): Meine heiß und innig geliebte Martha Mödl.
Schönheit des Timbres und Ausdruck pur. Ehrlichkeit im Gesang und (vielleicht deshalb) Verzauberung. Rausch und in dieser Stimme sich 'baden wollen'. Martha Mödl: :down :down :down
:hello Falstaff
Falstaff (30.03.2017, 01:14): Und 'last but not least' die Callas.
Das ist so anders, so ganz eigen. Wie eigentlich immer bei ihr. Dieses Recital ist so sehr Wiedergabe dessen, was sie eben damals gesungen hat (und das war wahrlich stupend genug). Aber es ist in diesem Fall auch weitaus mehr. Es ist eine Idee von dem, was sie im Wagnergesang hätte leisten können (oder vielleicht sogar geleistet hat). Und es ist ein Blick auf Wagner aus einer ganz anderen Richtung. Aber es ist auch ein Statement. Wie so oft bei der Callas. So und nur so hat es zu klingen, so ist es richtig. Damit meine ich in diesem Fall wirklich nur das aktuelle Hören, diese Überzeugung während des Hörens, dass es so sein muss. Callas war jemand, die einem, selbst in diesem geradezu jugendlichen Alter, von der Richtigkeit des eigenen Tuns überzeugen konnte, die einen alles andere vergessen machen ließ.
:hello Falstaff
Cavaradossi (30.03.2017, 10:20): Lieber Falstaff,
zu diesem "Stück" (verzeihe das profane Wort, mir fällt gerade kein besseres ein) hast Du ja, wie nicht zu übersehen ist, ein ganz besonderes Verhältnis. Leider kann ich wenig dazu beitragen, weil ich, trotz mehrfacher Anstrengungen, zu Wagner nie ein richtiges Verhältnis und zu "Tristan" keinen Zugang gefunden habe. Die einzigen Wagner-Opern, die mir "liegen", sind der Holländer, Lohengrin, Tannhäuser und Meistersinger. Vom Spätwerk nur die Orchesterstücke (vornehmlich die mit Klemperer). Vom Tristan habe ich nur zwei GA, diese hier:
Gehört habe ich beide aber nur jeweils einmal :I
Ich denke aber, daß Birgit Nilsson nicht die schlechteste Isolde ist. Die Böhm-Aufnahme wird ja immer wieder über den grünen Klee gelobt, manche ziehen sie sogar der legendären C.Kleiber-Aufnahme vor. Kirsten Flagstad hast Du ja schon gebührend gelobt, sie war wohl die größte Wagner-Heroine ihrer Zeit. Es ist übrigens die gleiche Furtwängler-Aufnahme, nur in anderer Aufmachung.
LG, Cavaradossi
Jürgen (31.03.2017, 14:42): Schönes Thema.
Isoldes Liebestod, wie dieses geniale Stück Musik auch genannt wird, ist für mich einer der wenigen Gipfel der abendländischen Musikkultur.
Ganz zart (mild und leise halt) beginnend steigert sich das Stück in wenigen Wellen, Isolde singt sich quasi in Rage, bis zum absoluten Höhepunkt. Dort bekomme ich regelmäßig eine Gänsehaut (bei sehr guten Interpretationen). Der Welt-Atem nimmt mich mit, bläst mich fast um.
Interpretationen, die das hinbekommen sind mit Birgit Nilsson (Böhm) oder Jessye Norman (Wagner-Rezital mit Tennstedt). Auch der Orchesterpart muss stimmen. Detailverliebt, auch wenn es laut wird. Bei Karajan 1952 geht das leider im Klangbrei unter. Da springt kein Funke. Schade, Martha. Der Klang von Solti's Aufnahme 1960 ist deutlich besser, aber das Zusammenspiel von Sängern und Orchester gefällt mir hier nicht ganz so gut. Böhm's Bayreuth-Aufnahme 1966 ist für mich fast ideal, unter den mir bekannten Aufnahmen die beste. Karajan 1972 ist orchestral hervorragend, aber Helga Dernesch m.E. überfordert. Zuletzt will ich noch Tennstedt/Norman 1987 hervorheben. Aus meiner Sammlung der längste Liebestod. Aber Jessye Norman scheint Experte auf dem Gebiet der Langsamkeit zu sein (4 letzte Lieder!!). Und deswegen spannt sie einen gigantischen Bogen, das Stück fällt nicht auseinander, wie bei Bernstein 1981, der nur geringfügig schneller war.
Grüße Jürgen
Jürgen (31.03.2017, 16:30): Eine Sängerin, die nicht unbedingt mit der Stimmgewalt einer Nilsson oder Norman ausgestattet war, aber trotzdem eine hervorragende Interpretation geliefert hat, ist Margareth Price.
Sie hatte mit Carlos Kleiber aber auch einen tollen Begleiter. Sehr zurückgenommen und Details herausstreichend.
Grüße Jürgen
Falstaff (01.04.2017, 00:00): Leider kann ich wenig dazu beitragen, weil ich, trotz mehrfacher Anstrengungen, zu Wagner nie ein richtiges Verhältnis und zu "Tristan" keinen Zugang gefunden habe. Lieber Cavaradossi, ich kann gut verstehen, dass man sich mit bestimmten Wagner-Opern schwer tut. Aber wenn du den 'Liebestod' allein nimmst, ist das nicht ein Stück, das sofort total unter die Haut geht? Oder hast du auch zu ihm, sozusagen als Solo-Nummer keinen Zugang? Ich denke aber, daß Birgit Nilsson nicht die schlechteste Isolde ist. Für ihre trompetenartig erschallenden Spitzentöne liebe, für ihren gesamten Gesang bewundere ich sie sehr. Aber mir fehlt es bei ihr immer ein wenig am Ausdruck, an der letzten Hingabe. Trotzdem bedauere ich es unendlich, dass ich sie nie live gesehen habe.
LG Falstaff
Falstaff (01.04.2017, 00:07): Zuletzt will ich noch Tennstedt/Norman 1987 hervorheben. Lieber Jürgen, diese Aufnahme kenne ich leider nicht. Norman habe ich bislang nur in dem Ausschnitt aus dem letzten Konzert mit Karajan gehört. Ich weiß gar nicht einmal, ob die Norman so ideal für dieses 'Stück' war, aber beide erschaffen hier solch einen magischen Moment,, der mich immer wieder total in seinen Bann schlägt.
https://www.youtube.com/watch?v=WPUT-LDo_nY
LG Falstaff
Falstaff (01.04.2017, 00:18): Eine Sängerin, die nicht unbedingt mit der Stimmgewalt einer Nilsson oder Norman ausgestattet war, aber trotzdem eine hervorragende Interpretation geliefert hat, ist Margareth Price. Lieber Jürgen, die Price gehört für mich mit Sicherheit zu der unzähligen Riege von Sängerinnen, die an sich mit der Partie überfordert waren, bzw. sich nur an den 'Liebestod' gewagt haben.
Die Price hatte das Glück, dass sie Kleiber als Dirigenten hatte und dazu die Studiosituation. Trotz dieser Vorbehalte ist es eine durchaus ergreifende Aufnahme und die Price ist einmal mehr in der Lage ein Stück zu veredeln, auch wenn ihr die letzten rauschhaften Ausschwünge nicht zu Gebote standen.
Aber da stellt sich vielleicht sowieso die Frage, welchen Stimmtypus man für die Isolde bevorzugt.
LG Falstaff
Falstaff (01.04.2017, 00:30): Eine Sängerin, die die Isolde zu gerne auf der Bühne gesungen hätte, aber klug genug war, dies nicht zu tun, war Christa Ludwig. 1963 sang sie aber z.B. den 'Liebestod' unter Knappertsbusch in einem Konzert in Hamburg.
Ich bin mir nicht sicher, ob es diese Version ist, die in dieser Sammlung enthalten ist. Wohl eher die 1962iger Klemperer Studio-Aufnahme. Aber unabhängig davon finde ich es unendlich schade, dass es keine GA mit ihr gibt und bin gleichzeitig unendlich glücklich, dass sie der Versuchung widerstanden hat, denn ich bin mir sicher, es hätte ihre Karriere sehr verkürzt.
Auch dies ist eine Interpretation, die mich immer wieder verzückt, weil sie hier jemand ist, die mich mitnehmen kann, die mich fortträgt, die mich vergessen lässt.
Wohlgemerkt, es geht hier nur um den 'Liebestod' als Solo-Nummer. Ob sie der Partie als Ganzem interpretatorisch und gesanglich Genüge getan hätte, ist nicht die Frage.
:hello Falstaff
palestrina (01.04.2017, 00:47): Nachdem ich gestern und heute 26 Liebestode gehört habe, bin ich zu der Einsicht kekommen, ( ich muss mir die Kugel geben :D ) und das ohne wenn und aber, die einzige wo alles stimmt, ausgenommen die Mödl, aber auch nicht die Aufnahme aus Bayreuth mit Karajan, sondern aus München mit Keilberth, gibt es nur in Ausschnitten, ist C.Ligendza mit Kleiber aus Bayreuth, erstens hält Kleiber die enorme Spannung bis zum Ausbruch des Vulkans und sofort kehrt er in Isoldens innersten zurück!
Kurz zu Karajan und Dernesch, lieber Jürgen, ich bin der Meinung das Sie nicht unbedingt überfordert war, sondern das Orchester ist zum einem sehr im Vordergrund und dazu auch noch sehr laut, was auch bei div.anderen Aufnahmen der Fall ist.
LG palestrina
Cavaradossi (01.04.2017, 17:19): Aber wenn du den 'Liebestod' allein nimmst, ist das nicht ein Stück, das sofort total unter die Haut geht? Lieber Falstaff,
ich habe Deine Frage zum Anlaß genommen, heute meine drei Aufnahmen des "Liebestodes" nacheinander zu hören. Mehr sind es in der Tat nicht :( Beschämend für jemand, der seit 60 Jahren Opernaufnahmen sammelt .... Aber, wie gesagt, mein Zugang zu Wagner ist begrenzt. Doch nun zur Sache: Zuerst habe ich die Version mit Kirsten Flagstad (aus der berühmten Furtwängler-GA von 1952) gehört, danach Maria Callas (live, aus 1957, mit dem "Athen Festival Orchestra") und schließlich Birgit Nilsson mit Karl Böhm (Bayreuth, 1966). Von letzterer war ich so angetan, daß ich sie gleich zweimal abgespielt habe. Ich habe den Liebestod mindestens 10 Jahre nicht mehr gehört, aber Du hast recht: Wenn man sich darauf einläßt, wird man schon in den Bann dieser Musik gezogen. Da ich aber alles andere als ein Experte für Wagner bin, nur soviel: Nilsson hat mich am meisten überzeugt. Das liegt sicher zuerst einmal an dem fantastischen Klang der Aufnahme. Hier kommt es schon entscheidend darauf an, daß man die in 1000 Facetten schillernden Orchesterfarben wahrnehmen kann, und das ist bei Furtwängler nur partiell möglich (ich empfinde den Klang für 1952 recht dumpf) und bei Maria Callas stört mich außer der schlechten Klangqualität auch das Italienisch, was für meine Begriffe so gar nicht zu Wagner paßt. Davon abgesehen, singt sie grandios. Flagstad stand 1952 am Ende ihrer Sängerkarriere, und das ist leider nicht ganz zu überhören. Sie hätte die Aufnahme 10 Jahre früher machen müssen, aber da war Krieg und keine Zeit für solche umfangreichen Projekte. Außerdem hätte Furtwängler zu der Zeit auch nicht nach London kommen können!
LG :hello Cavaradossi
Falstaff (02.04.2017, 01:26): Lieber Cavaradossi,
Wenn man sich darauf einläßt, wird man schon in den Bann dieser Musik gezogen. Na also, lieber Cavaradossi, dann ist ja noch Hoffnung. ;)
Ich kann verstehen, dass die Tonqualität wichtig für dich ist. Bei mir sieht es da ein wenig anders aus. Natürlich hätte ich den Fu-Tristan auch gerne in Stereo oder mindestens die Qualität, die die Decca damals schon zustande brachte. Aber ich bin sozusagen mit Live-Aufnahme der Callas auf LP sozialisiert worden :) und von daher schreckt mich wenig so richtig ab. :D
Was die Nilsson angeht, habe ich weiter oben ja schon meine Meinung zu ihr geschrieben. Die Flagstad war sicherlich über ihren Zenit hinaus, aber was sie Erfahrung, Einsicht und geradezu Weisheit mitbringt, ist schon fulminant Das Italienische hat mich bei Wagner nie gestört. Im Gegenteil, ich finde, wenn es eine Fremdsprache gibt, die zu ihm passt, dann ist es diese. Vielleicht ist es mit dem Tristan noch ein wenig anders, aber z.B. der Parsifal gewinnt dadurch eine Fin-de-Siècle-Qualität, eine d'Annunzio-Nähe, die ich ganz faszinierend finde. Aber letztlich ist es Geschmackssache.
LG Falstaff
Cavaradossi (02.04.2017, 15:11): Lieber Falstaff,
eigentlich bin ich kein Klangfetischist, in meiner Sammlung gibt es unzählige Aufnahmen aus der Mono-Ära. Und bei Sängern bzw. Sängerinnen können es ruhig auch Aufnahmen aus der Zeit nach 1925 (als das elektrische Verfahren eingeführt wurde) sein; akustische aus der Trichterzeit gibt es bei mir aber nur ganz vereinzelt. Aber bei Wagner (und insonderheit bei "Mild und leise" spielt das Orchester eine so entscheidende Rolle, daß ich da schon Stereo bevorzuge. Und die Böhm-GA von 1966 kann sich heute noch sehr gut hören lassen. Bei Flagstad/Furtwängler fehlt eben wegen des relativ flachen Klangs eine ganze Dimension, ebenso in dem Callas-Mitschnitt. Ich werde mir diese Versionen aber noch einmal in einer ruhigen Stunde vornehmen, um meine Eindrücke zu vertiefen. Übrigens, ich habe bis vor kurzem über lange Zeit (mindestens 3 Jahre) fast ausschließlich sinfonische Musik gehört und bin erst wieder durch unsere Diskussion auf die Oper gekommen, die in meiner Sammlung einen sehr breiten Raum einnimmt. Und da befinden sich noch Schätze, die jetzt nach und nach ans Licht geholt werden. So gestern eine weitere Aufnahme des Liebestod mit Birgit Nilsson, die hier enthalten ist:
Sie entstand 1958 in London, bereits in Stereo. Leopold Ludwig dirigiert das Philharmonia Orchestra London. Der Dirigent dürfte Dir kein Unbekannter sein, war er doch viele Jahre lang GMD in Hamburg (1951-1971). Leider ist er auf Platten sehr selten vertreten. Nun zu der Aufnahme: Ehrlich gesagt, ich war enttäuscht, vor allem, weil ich Nilsson noch unter Böhm im Ohr hatte. Das liegt aber nicht am Dirigenten, sondern erstens an der viel schlechteren Klangqualität (wenig Transparenz), zum zweiten an Nilsson selber. Sie singt hier längst nicht so intensiv, so brennend, so engagiert wie bei Böhm. Das mag damit zu tun haben, daß sie seitdem viel mehr Bühnenerfahrung und auch noch mehr Einfühlung in diese überaus schwierige Partie gewonnen hatte. Bei mir befindet sich die Aufnahme Nilsson/L.Ludwig auf einer Sammel-CD, die ich nicht abbilden kann, weil es sie offenbar nicht mehr gibt. Sie steht seit mindestens 25 Jahren bei mir im Regal, ungehört (unerhört!!).
LG :hello Cavaradossi
palestrina (02.04.2017, 22:25): Hallo Cavaradossi, kleine Korrektur zum Aufnahmedatum, 14.-16.5.1957, und dieses musste damals unbedingt eingehalten werden, Nilsson sang nämlich beim Maggio Musicale Fiorentino mit Windgassen Tristan und Isolde 21.5.1957, die große Walküren Szene entstand erst vom 16.-19.10.1957.
Die Nilsson beeindruckt ungemein, sie brennt auch, aber dieses Feuer wärmt nicht, es ist mehr äußerlich, das Innere des Gefühls hat sie noch nicht so drauf, ein klein wenig besser ist sie dann in der Live Aufführung in Florenz, kann auch damit zusammenhängen das es Live ist, aber es ist immer noch nicht das was sie 9 Jahre später mit Böhm vollbringt, das ist wirklich eine Sternstunde des Wagnergesangs!
LG palestrina
palestrina (02.04.2017, 22:41): Habe heute diese beiden Aufnahmen verglichen ....
Die Gesammtaufnahme von '36 ist ohne jeden Zweifel beeindruckend, erhaben, voller Gefühl, ein klein wenig gefehlt hat mir höchstens daß sie noch nicht so verinnerlicht beeindruckt wie dann später z.B. in der von mir sehr gemochten Aufnahme vom 31.3.-1.4.1948 mit dem Philharmonia Orchestra unter Issay Dobrowen, da kommt es mir so vor als wenn das Ziel erreicht wäre, für mich eine fulminante Interpretation!
LG palestrina
palestrina (02.04.2017, 22:53): Mich wundert lieber Falstaff, das du die Varnay noch nicht vorgestellt hast?
Die in dieser Box ...
enthaltenen, beiden Einspielungen der Schlussszene mit den Bamberger Symphonikern, 17.10.1957 Herkulessaal München Mono und 14.&16.4.1959 Bamberg Kulturraum Stereo. Wie unterschiedlich diese beiden Aufnahmen ausfallen ist erstaunlich, die Mono ist wirklich beeindruckend wogegen die Stereo zwei Jahre später einfach nur eindimensional rüberkommt, da fehlt mir die ganze Palette der Ausdruckskraft!
LG palestrina
Cavaradossi (02.04.2017, 23:32): kleine Korrektur zum Aufnahmedatum, 14.-16.5.1957 Hallo, palestrina,
Du hast sicherlich recht, ich habe das Stück auf einer Sammel-CD mit dem Aufdruck P 1958, das Aufnahmedatum ist nicht genannt. Danke für die Korrektur. Die Live-Mitschnitte kenne ich nicht, aber ansonsten decken sich unsere Eindrücke, die Version mit Böhm von 1966 ist ganz herrlich!
Gute Nacht, Cavaradossi
Jürgen (03.04.2017, 08:32): Ich habe mir doch nochmal die Callas-Aufnahme angehört:
Sie entstammt dem ersten Recital der Callas aus dem Jahre 1949. Es stört mich nicht das Italienisch, damit komme ich gut klar. Aber die Orchesterbegleitung des Orchestra Sinfonica di Torino della RAI unter Arturo Basile spielt das ziemlich gelangweilt/routiniert herunter. Die Callas singt sehr schön und unangestrengt, aber es berührt mich nicht. Nicht unerwähnt lassen will ich die unterirdische Tonqualität. :I Aber als historisches Tondokument ist das durchaus interessant.
Jürgen (03.04.2017, 08:51): Nun mache ich einen riesigen Schritt in Richtung Gegenwart mit einer Aufnahme dieses Jahrhunderts:
Christine Brewer - Sopran Atlanta Symphony Orchestra, Donald Runnicles Woodruff Arts Center, Atlanta, Georgia, 1. & 2. April 2006
Wie nicht anders zu erwarten ist die Tonqualität makellos. Aber sowohl Frau Brewer als auch das Orchester singen bzw. spielen ohne das letzte Quäntchen Verinnerlichung, die es ermöglicht, dass des Funke überspringt. Ein Beispiel: Bei der Texstelle "wunderbar und leise" wird oft bei "leise" das Orchesterspiel als auch die Singstimme deutlich zurückgenommen (leiser). Nicht so bei Runnicles/Brewer. Die spielen ihren Stiefel einfach unverändert weiter, und der aufmerksame Hörer hat den Eindruck, die Interpreten wüßten gar nicht, was sie da tun.
Aber versteht mich nicht falsch: Das ist Kritik auf hohem Niveau. Hörte ich diesen Tristan im örtlichen Opernhaus, wäre ich begeistert. Oder hätte ich nur diese Aufnahme, würde ich sie lieben.
Da ich aber ein breit gefächertes (Wagner-)Regal habe, empfinde ich sie als überflüssig.
Grüße
Jürgen
palestrina (03.04.2017, 12:06): Hallo Jürgen, es gibt ja noch diese GA ....
Live 1.Akt 12.12.2002 2.Akt 5.2.2003 3.Akt 19.2.2003 Barbican Hall, London
Dein angemahnt Manko ist hier nicht ganz so deutlich zu vernehmen, aber es ist da, jedoch muss man sagen... suggestiv ist das allemal in dieser Live Aufnahme, und sie singt verdammt gut! Apropos, wer mich völlig in Erstaunen versetzt hat in dieser GA ist Peter Rose als Marke!!!
Ich habe Chr.Brewer 2X Live als Isolde gehört! :)
LG palestrina
Jürgen (03.04.2017, 14:26): Hallo Jürgen, es gibt ja noch diese GA ....
Live 1.Akt 12.12.2002 2.Akt 5.2.2003 3.Akt 19.2.2003 Barbican Hall, London
Dein angemahnt Manko ist hier nicht ganz so deutlich zu vernehmen, aber es ist da, jedoch muss man sagen... suggestiv ist das allemal in dieser Live Aufnahme, und sie singt verdammt gut! Apropos, wer mich völlig in Erstaunen versetzt hat in dieser GA ist Peter Rose als Marke!!!
Ich habe Chr.Brewer 2X Live als Isolde gehört! :)
LG palestrina
Danke Palestrina für diesen Hinweis. Die GA kannte ich noch nicht. Da ich sie bei Amazon/Medimops für einen Cent sah, bestellte ich sie umgehend. (Bin halt Jäger & Sammler. Wenn alle ein wenig zusammenrücken, passt sie vielleicht noch ins Regal)
Grüße Jürgen
P.S: Ich hoffe, ich muss mich nicht 1000 mal ärgern.
palestrina (03.04.2017, 16:56): (Bin halt Jäger & Sammler. Wenn alle ein wenig zusammenrücken, passt sie vielleicht noch ins Regal)Da ich sie bei Amazon/Medimops für einen Cent sah, bestellte ich sie umgehend.
Grüße Jürgen
P.S: Ich hoffe, ich muss mich nicht 1000 mal ärgern. Hallo Jürgen, die Box ist ziemlich schmal, wird schon passen! :) Nach dem Motto, Platz ist noch im kleinsten Regal! :hello Also für den Cent, musst du dich dann evtl. 2000x ärgern! :leb
LG palestrina
Jürgen (03.04.2017, 19:43): Ich bin heute noch drei weitere Liebestode gestorben. Und zwar alle drei, die ich mit Jessye Norman habe. Am Freitag hatte ich "Mild und leise" in die Suchleiste (von Foobar) eingegeben, dummerweise aber einige Einspielungen mit "Liebestod" getaggt. Das habe ich mittlerweile korrigiert und bekomme alle Treffer:
Jessye Norman - Sopran; London Symphony Orchestra, Sir Colin Davis, 1975 Jessye Norman - Sopran; London Philharmonic Orchestra, Klaus Tennstedt; No.1 Studio, Abbey Road, London, Dezember 1987 Jessye Norman - Sopran; Wiener Philharmoniker, Herbert von Karajan; Wien, Musikvereinssaal, 1987
Für mich hat die Aufnahme mit Tennstedt deutlich die Nase vorn. Diese Langsamkeit, Ausdruck & Wucht: Der Hammer!
Grüße
Jürgen
Falstaff (03.04.2017, 23:57): Mich wundert lieber Falstaff, das du die Varnay noch nicht vorgestellt hast? Jedes Ding hat seine Zeit, lieber Palestrina. :D
Wobei ich sage muss, dass die von mir sehr geliebte Astrid Varnay beim 'Liebestod' nicht unbedingt an erster Stelle steht. (Ich beziehe mich hier nur auf die '53iger Aufnahme aus Bayreuth, die anderen habe ich im Moment nicht im Ohr.) Das liegt v.a. an ihrem Timbre und an manchen ein wenig schärferen Stellen, was mich in einer Gesamtleistung überhaupt nicht stört, mich aber am 'Wegtauchen' bei einer einzelnen 'Arie' durchaus manchmal stört. So entsteht z.B. für mich hier nicht der Moment des Verlöschens, des Auflösens, des Abschiednehmens. Trotzdem rangiert sie als Künstlerin natürlich für mich ganz oben.
LG Falstaff
Falstaff (04.04.2017, 00:07): Christine Brewer - Sopran Atlanta Symphony Orchestra, Donald Runnicles Woodruff Arts Center, Atlanta, Georgia, 1. & 2. April 2006 Lieber Jürgen, zunächst muss ich gestehen, dass ich die Brewer vorher noch nie gehört habe, von den ersten Tönen nun aber dachte: 'Wow, die einmal live, das wäre 'was.' Nach dem Durchhören würde ich das immer noch gerne, weil ich das Gefühl habe, dass da eine Sängerin ist, die diese Partie durchaus durchstehen kann und das auch richtig gut. Nehme ich den Liebestod aber allein, fehlt mir doch sehr das Transzendente, das über die reine Partie Hinausweisende. Das ist mir zu sehr 'Hier und Jetzt', auch wenn es sehr beeindruckend ist. Aber das mag live alles ganz anders klingen. Palestrina hat ja das Glück gehabt, sie schon gehört zu haben. Vielleicht kann er noch mehr berichten.
LG Falstaff
Falstaff (04.04.2017, 00:13): Um bei den 'Heutigen' zu bleiben. Eine von den aktuellen Sängerinnen, die ich gerne einmal in dieser Partie hören würde, ist Nina Stemme.
Falstaff (04.04.2017, 00:28): So gestern eine weitere Aufnahme des Liebestod mit Birgit Nilsson, die hier enthalten ist: Sie entstand 1958 in London, bereits in Stereo. Leopold Ludwig dirigiert das Philharmonia Orchestra London. Lieber Cavaradossi, die Aufnahme mit Ludwig kenne ich leider nicht. Nur eben die offizielle Böhmsche und die aus 1957, '58 und '62 aus Bayreuth. Alle habe ich aber lange nicht mehr gehört, weil die Nilsson, so bewundernswert sie war, für mich halt nicht mehr das Nonplusultra des Wagner-Gesangs bedeutet. Sie war natürlich absolut verlässlich (eine Qualität, die heutzutage nicht hoch genug eingeschätzt werden kann), sie hatte alle Töne, sie war eine grandiose Isolde, aber sie berührt mich zu wenig, sie trifft mich nicht so richtig. Aber das ist wirklich Meckern auf höchstem, allerhöchstem Niveau.
LG Falstaff
Falstaff (04.04.2017, 00:49): Eine Sängerin, die ich aber nicht durch eine offizielle Aufnahme belegen kann, die ich aber häufig in Hamburg erlebt habe, ist Gabriele Schnaut. Gehört habe ich sie zunächst als Komponist, Oktavian oder in Nonos Intolleranza. Dann wechselte sie auf den Wunsch von Rolf Liebermann ins dramatische Fach und sang eben Isolde und Brünnhilde in Hamburg. Und ich muss gestehen, in beiden Partien hat sie mich jedes Mal sehr fasziniert, v.a. als Isolde, was durchaus auch an der genialen Inszenierung durch Ruth Berghaus gelegen haben mag. Objektiver kann ich ihre Leistung als Isolde hier nicht darstellen, ich kann nur sagen, dass sie mich wirklich immer wieder getroffen und verzaubert hat. Für mich eine große Sängerin und Interpretin, die leider durch die großen Labels viel zu sehr vernachlässigt wurde, die aber immer ganz fest in meinem Herzen sein wird.
:hello Falstaff
Falstaff (04.04.2017, 00:57): Die andere großartige Künstlerin, die ich als Isolde erleben durfte, war Waltraud Meier.
Auch sie für mich eine Künstlerin, die einen auf der Bühne alle Einwände vergessen ließ. Höre ich nur die Aufnahme und vergleiche sie, dann gibt es durchaus Einwände. Es fehlt mir an Fluss, vielleicht auch an Verinnerlichung. Aber auf der Bühne war es zum :down :down :down . Eben halt der Unterschied von live und 'Konserve'.
:hello Falstaff
Cavaradossi (05.04.2017, 12:02): Wohl eher die 1962iger Klemperer Studio-Aufnahme Lieber Falstaff,
Du erwähnst bei Christa Ludwig die Studio-Aufnahme "Mild und leise" mit Otto Klemperer. Nachdem ich nun meine umfangreiche Klemperer-Sammlung (da findet sich eigentlich fast alles, was mit ihm nach 1954 im Studio produziert wurde) von links nach rechts und wieder zurück durchforstet habe, finde ich diese leider nicht. Kennst Du sie, und ist sie es wert erworben zu werden? Nach meinen Recherchen ist sie auf jeden Fall auf dieser CD zu finden:
Das meiste, was sonst noch drauf ist, habe ich bereits.
LG :hello Cavaradossi
Jürgen (05.04.2017, 14:42): Hier auch:
Cavaradossi (05.04.2017, 16:15): Hallo Jürgen,
danke für Deinen Hinweis. Leider habe ich da außer dem "Liebestod" sämtliche anderen Stücke, die auf der CD enthalten sind. Zudem ist sie z.Zt. preislich jenseits von Gut und Böse. Bei "The very best of Christa Ludwig" gibt es wenigstens noch ein paar Sachen, die nicht in meiner Sammlung sind.
LG, Cavaradossi
Jürgen (05.04.2017, 17:57): Ich habe diese CD ja auch nicht. Aber ausser dem Liebestod und "Abscheulicher" habe ich auch alles aus diversen anderen Boxen ect.
Das sind so die Leiden des langjährigen Sammlers.
Gerüße Jürgen
Jürgen (05.04.2017, 18:39): Nun nehme ich mir eine Aufnahme vor, die ich schon lange vernachlässigt habe, weil die Tonqualität gemessen am Aufnahmejahr (1973) nicht gut ist.
Es ist eine Liveaufnahme aus dem Amphitheater in Orange. Also Open-Air bei damals windigem Wetter. Aus diesem Grunde ist die Tonqualität natürlich nicht so gut, wie 7 Jahre zuvor in Bayreuth. Die Details aus dem Orchestergraben kommen nicht so genau zur Geltung, aber die Nilsson singt gewohnt gut bzw. sehr gut.
Grüße Jürgen
Falstaff (05.04.2017, 22:07): Kennst Du sie, und ist sie es wert erworben zu werden? Lieber Cavaradossi, Ludwig/Klemperer kenne ich nicht, nur Ludwig/Knappertsbusch. Grundsätzlich kann man von Ludwig ja nie genug besitzen :D , aber bei dem Preis würde ich das auch erst einmal aufschieben.