Mit meinen heißen Tränen - Schuberts Winterreise D 911

Carola (26.03.2006, 23:07):
Der auf der Dichtung von Wilhelm Müller basierende Zyklus von insgesamt 24 Liedern wurde im Jahr 1827 in zwei Teilen von je 12 Liedern veröffentlicht. Schubert selbst sprach von einem "Kreis schauerlicher Lieder" die ihm selbst mehr als alle anderen gefielen, seine damaligen Freunde und ersten Zuhörer aber eher befremdeten.


http://www.moeller-schauspiel.de/images/winterreise.jpg

In der Tat: Diese Lieder können einen das Schaudern auch heute noch lehren. In düsterer Zerrissenheit umkreisen sie den einsamen, an sich, der Liebe und der Welt verzweifelnden, heimatlosen Wanderer der Romantik. Moll-Tonarten prägen das Bild, die Stimmung schwankt zwischen trotzigem Übermut, Wut, Wehmut und Resignation. Selbst der später durch so manchen Kinderchor unsäglich verkitschte "Lindenbaum", eines der wenigen in Dur stehen Lieder der Winterreise, entpuppt sich trotz des heimeligen Volksliedtons zu Beginn letztlich doch als Lied der Todessehnsucht; die Zweige des Baumes rufen dorthin, wo der Wanderer Ruhe finden könnte, ewige Ruhe.

Das könnte für heutige Ohren eigentlich unsagbar kitschig sein. Ist es aber nicht. Weil schon die Gedichte von Wilhelm Müller gut sind und die Musik von Schubert noch besser. Aber was genau macht diese Musik so gut, WIE macht Schubert das, mit welchen musikalischen Mitteln? Ich kann es zwar hören aber leider nicht beschreiben oder gar erklären.

Für den Fall, dass jemand auf das ein oder andere Lied des Zyklus detaillierter eingehen möchte, hier als kleine Erinnerungshilfe die Titel der 24 Lieder:

1. Gute Nacht
2. Die Wetterfahne
3. Gefrorne Tränen
4. Erstarrung
5. Der Lindenbaum
6. Wasserflut
7. Auf dem Flusse
8. Rückblick
9. Irrlicht
10. Rast
11. Frühlingstraum
12. Einsamkeit

Ende des ersten Teils

13. Die Post
14. Der greise Kopf
15. Die Krähe
16. Letzte Hoffnung
17. Im Dorfe
18. Der stürmische Morgen
19. Täuschung
20. Der Wegweiser
21. Das Wirtshaus
22. Mut!
23. Die Nebensonnen
24. Der Leiermann

Und wie steht es mit der unüberschaubaren Menge von Aufnahmen, was habt Ihr, was kennt Ihr, was gefällt Euch und warum?

Mit Gruß von Carola :)
Mime (27.03.2006, 09:58):
Hallo Carola,

die Winterreise ist der ultimative Liederzyklus schlechthin.Ein Prüfstein für jeden Sänger und eine Adelung,wenn die Prüfung bestanden wurde.

Mir gefällt er sehr gut und ich habe mehrere Aufnahmen,u.a.mit H.Prey,D.Fischer-Diekau und P.Anders.
Derzeit ist die Quasthoff-Aufnahme heiß begehrt,ich werde sie demnächst kaufen,wenn ich sie nicht geschenkt kriege.

Den Leiermann habe ich während früherer Gesangsstunden schon mal selber einstudiert und gesungen.Er ist der krönende Abschluß eines ergreifenden Gesamtkunstwerks.
Carola (27.03.2006, 15:36):
Hallo Mime,

es war sicher sehr ergreifend für Dich, den "Leiermann" selber singen zu können. Kompliment, Du musst als Sängerin ziemlich gut gewesen sein. Bei mir hat´s leider nur bis zum Schulchor gereicht.

Was die Quasthoff-Aufnahme angeht, so meinst Du vermutlich diese hier mit Charles Spencer als Pianist, 1998 erschienen.


http://images-eu.amazon.com/images/P/B00000DFKL.03.LZZZZZZZ.jpg


Ich besitze diese Aufnahme und kann sie wirklich empfehlen. Quasthoff singt das ungemein intensiv und glaubwürdig. Und dann noch das warme, dunkle Timbre seiner Stimme - das passt genau zur Winterreise für mein Gefühl. Ich glaube im Fono Forum las ich mal über die Klavierbegleitung von Spencer, sie sei hier und da ein wenig "verwaschen". Ich kann das nicht nachvollziehen, ich finde Spencer spielt das sehr gut.

Falls Du die Aufnahme doch nicht geschenkt bekommst - bei Amazon gibt´s die im Moment für 8,97 €.

Mit Gruß von Carola :)

P.S. Spinne ich oder ist danach noch eine zweite Aufnahme der Winterreise mit Quasthoff herausgekommen? Mit einem anderen Pianisten? Leider habe ich keine Ahnung, wie ich darauf komme.
Ganong (27.03.2006, 16:34):
Liebe Carola ,
sehr schön Dein Beitrag , weil Du einen einführenden Text geschrieben hast .
Da ich das Werk in meine 100 bevorzugten Werke aufgenommen habe , kann ich dasErgebnis kurz schreiben : Hans Hotter ( EMI ) .
Ich kenne keine ergreifendere Interpretation .
Das Booklet ist hervorragend .
Viele Grüsse , Ganong
Carola (27.03.2006, 21:20):
Und dann habe ich noch eine Aufnahme mit Christoph Prégardien und Andreas Staier


http://www.jpc.de/image/middle/front/0/8169071.jpg


Schon deshalb völlig anders als meine Vergleichsaufnahme mit Quasthoff/Spencer weil Prégardien Tenor ist und Quasthoff Bariton. Außerdem spielt Staier auf einem Fortepiano von 1825, das sehr viel weicher und auch leiser klingt als ein moderner Flügel. Was man bevorzugt ist wohl letztlich Geschmacksache. Mir ist so ein Fortepiano aus dem 18. Jahrhundert oft zu leise und klanglich irgendwie zu dürftig. Dieses hier klingt aber sehr gut.

Und auch Prégardiens Gesang ist großartig, an manchen Stellen aber vielleicht eine Spur zu schön für die Winterreise, Quasthoff wirkt urwüchsiger, intensiver, direkter auf mich.

Mit Gruß von Carola :)
Cosima (27.03.2006, 22:03):
Hallo Carola,

gefällt mir gut, Dein Einführungsthread; man merkt, dass Dir die Winterreise sehr liegt.

Manchmal geht man mit sehr geringen Erwartungen an ein Werk und wird dann ganz überwältigt. So erging es mir mit der Winterreise. Ursprünglich wollte ich mir die Richter/Schreier-Aufnahme nur zulegen, um meine Sammlung zu erweitern. Die Aufnahme war schwer zu bekommen, also hörte ich seinerzeit im Geschäft in die Pears/Britten- und in die Quasthoff-Aufnahme rein. Quasthoffs Stimme lag mir überhaupt nicht, weshalb ich mich für Pears entschied.

Beim ersten Anhören dann die große Überraschung: Pears und Britten sind m.E. ein fantastisches Team (die von manchen bemängelten kleinen Aussprachefehler stören mich nicht). Aber nicht nur das: Es ist sehr ergreifend, wie diese geschundene Seele durch die Winterlandschaft wandert; so voller Einsamkeit, Leid und Schmerzen. Sie nimmt zwar noch einige Hoffnungsschimmer wahr, am Ende fügt sie sich jedoch in die Vorstellung, dass nur der Tod Erlösung bedeuten kann. Ich denke aber nicht, dass es um Suizid geht. Dieser Reisende sehnt sich schon nach Ruhe und dem Ende seiner Qualen, aber das Symbol des Leiermanns am Ende und der Text…

„Wunderlicher Alter,
soll ich mit dir gehen?
Willst zu meinen Liedern
deine Leier drehn?“

… bedeuten für mich, dass sich hier ein Mensch resignierend in sein trauriges Schicksal gefügt hat.

Gruß, Cosima

P.S.: Richter/Schreier kann ich natürlich auch sehr empfehlen! Beide Aufnahmen gefallen mir gleich gut.
josquin (27.03.2006, 22:20):
Hallo Carola und Cosima und alle anderen,
die Aufnahme mit Pears und Britten, welche Cosima empfahl, würde ich auch empfehlen. Sie hat eine zweite besondere Stärke, nämlich Brittens hervorragendes Klavierspiel. Er setzt die lyrische Qualität in Schuberts Klavierpart kongenial um.

Zwei Bemerkungen noch. Pears und Britten harmonieren nicht zuletzt deshalb so gut, weil sie sich liebten.
In einer Kritik las ich einmal, daß Pears Stimme genau der von Schuberts Lieblingsstimme entspräche. Es muß eine Quelle geben, in der die Stimme von Schuberts Lieblingssänger beschrieben wurde!

Gruß
Norbert

p.s. Meine bevorzugte Aufnahme ist die oben erwähnte mit Prégardien/Staier
Mime (28.03.2006, 08:02):
Hallo Carola,

beim Lesen deiner Erwiderung habe ich mit Schrecken festgestellt,daß mich irgendjemand "entmannt" hat.Ein Blick in den Spiegel beruhigte mich dann wieder,Mime ist also nach wie vor männlich,Gott sei Dank! :wink
Carola (28.03.2006, 10:08):
Original von Mime
Hallo Carola,

beim Lesen deiner Erwiderung habe ich mit Schrecken festgestellt,daß mich irgendjemand "entmannt" hat. :wink


Ich war´s nicht! :D

Carola :engel
Rolf Scheiwiller (29.03.2006, 09:27):
Tag zusammen.

Eine Aufnahme die mir gefällt, ist die Einspielung mit einem der vielleicht kommenden Grossen des Liedgesangs.

Es ist der promovierte Arzt Christian Gerhaher.
Bis vor kurzem brachte ARTE NOVA seine Einspielungen heraus.
Jetzt ist er im gleichen Haus aufgestiegen.
Er ist ab sofort auf dem Label RCA Red Seal zu hören.
Ein hochverdienter Karrieresprung meiner Meinung nach. Nicht mehr nur in wenigen Ländern , sondern weltweit ist er verteten.
Ich sah ihn am vorletzten Sylvesterkonzert im TV.
Carmina Burana. Leicht erkältet.

Grundsätzlich ist mir die Tenorstimme in diesen Schubertzyklen lieber.

Gruss.
Rolf.
Ganong (29.03.2006, 17:09):
Lieber Norbert ,
Und Britten ist einer der ganz wundervollen Schubert - Interpreten ! Die Arpeggionesonate ( mit Rostropowitsch ) ist in ihrer sehr romatischen Sicht fast noch intensiver , ja aufwühlenmder als die Aufnahme mit Syzmon Goldberg ( Violine ) und seinem Partner M. Francoi , einem französischen Pianisten und Komponisten .
Peter Pears wird wegen seiner homosexuellen Beziehung zu Britten als Sänger leider in den meisten Rezensionen als "Aussenseiter" behandelt .
Viele Grüsse , Ganong
Carola (30.03.2006, 13:49):
Original von Rolf Scheiwiller

Grundsätzlich ist mir die Tenorstimme in diesen Schubertzyklen lieber.

Gruss.
Rolf.


Soweit ich weiß, war die Winterreise auch ursprünglich für eine Tenorstimme komponiert. Der Wiener Hofopernsänger Michael Vogl, mit dem Schubert gut bekannt war und eng zusammenarbeitete, war der Erste (von Schubert selbst abgesehen), der den Liederzyklus öffentlich vortrug - wenige Tage vor seinem eigenen Tod.

Mit Gruß von Carola :)
Carola (17.04.2006, 19:30):
Inzwischen bin ich noch auf eine interessante Doppel-CD aus der Reihe "Wege zur Musik" des Bayrischen Rundfunks gestoßen.


http://images-eu.amazon.com/images/P/B00005QE8C.03.LZZZZZZZ.jpg


Unter Verwendung zahlreicher Hörbeispiele und biographischer Dokumente wird die Entstehungsgeschichte und Wirkung der Winterreise Schritt für Schritt und Stück für Stück entfaltet.

Als musikalische Grundlage dient dabei die aktuelle Aufnahme von Andreas Staier, Hammerklavier und Christoph Prégardien, Tenor (siehe oben). Beide haben für diese CD´s sogar extra detaillierte Einzelaufnahmen gemacht, in denen bestimmte, von Schubert eingesetzte musikalischer Mittel beispielhaft demonstriert werden, um den Charakter und die Struktur der Musik besser hörbar zu machen. Das ist richtig spannend und sehr kenntnisreich gemacht; gut anzuhören auch die angenehmen Stimmen mehrerer Sprecher.

Wer ein bisschen tiefer in Schuberts Winterreise "einwandern" will, ist mit diesen beiden CD´s also bestens bedient.

Mit Gruß von Carola
Rachmaninov (30.04.2006, 13:53):
@Carola, Schubertliedfreunde,

Original von Carola
In der Tat: Diese Lieder können einen das Schaudern auch heute noch lehren. In düsterer Zerrissenheit umkreisen sie den einsamen, an sich, der Liebe und der Welt verzweifelnden, heimatlosen Wanderer der Romantik. Moll-Tonarten prägen das Bild, die Stimmung schwankt zwischen trotzigem Übermut, Wut, Wehmut und Resignation.


Bisher habe ich mich zunächst mit dem ersten Teil beschäftigt!

Wie breits von Carola angedeutet sind die Lieder durchaus befremdlich und so geht es auch mir. Jedoch habe ich aus dem ersten Teil derzeit einige Lieder die mir durchaus zugänglich sind, wenn auch nicht gerade der große "Winterreisefreund" plötzlich in mir entstanden ist :wink

Irrlicht gefällt mir aus dem ersten teil derzeit recht gut!


Das könnte für heutige Ohren eigentlich unsagbar kitschig sein. Ist es aber nicht. Weil schon die Gedichte von Wilhelm Müller gut sind und die Musik von Schubert noch besser. Aber was genau macht diese Musik so gut, WIE macht Schubert das, mit welchen musikalischen Mitteln?


Dies kann ich bestätigen. Schubert war ein großartiger Komponist und auch hier gelingt ihm wieder eine sehr eindrongliche gefühlsbetonte Darstellung der Themen.


Und wie steht es mit der unüberschaubaren Menge von Aufnahmen, was habt Ihr, was kennt Ihr, was gefällt Euch und warum?


Bisher kenne ich ja nur diese Aufnahme:



Mir fällt hier auf wie klar und deutlich man Dieskau vertseht!

Gruß
R
Carola (30.04.2006, 15:33):
Ja, man versteht Fischer-Dieskau immer sehr gut, darauf hat er selbst ja auch den allergrößten Wert gelegt.

Ich kenne von ihm nur diese Aufnahme mit Barenboim von 1980.



http://images-eu.amazon.com/images/P/B0000012ZU.03.LZZZZZZZ.jpg


Vor allem im Vergleich zu Quasthoff finde ich Fischer-Dieskau in dieser Aufnahme aber in der Interpretation zu unterkühlt, zu analytisch präzise. Verzweiflung, Einsamkeit, Todessehnsucht - das höre ich in dieser Stimme nicht wirklich.

Quasthoff klingt da viel dramatischer und vibrierender, auch wärmer und erdiger. Das entspricht jedenfalls meiner Auffassung von der Winterreise eher.

Im ersten Teil schätze ich übrigens das Lied "Erstarrung" am meisten, im zweiten Teil neben den letzten drei Liedern vor allem "Die Krähe". Wie sich da die linke Hand im Klavier Ton für Ton und unbeirrbar an den Gesang und damit an die Krähe als Vorbotin des Todes heftet, das geht mir durch und durch.

Soweit erst mal von Carola
Mime (30.04.2006, 19:03):
Hallo Carola,

du sprichst mir wieder mal aus dem Herzen.Die heutigen "Winterreisen" haben allesamt die Quasthoff-Interpretation als Meßlatte.Und ich kenne keinen,der schon drübergesprungen wäre.
Quasthoff ist der Maßstab für den Schubert-Zyklus. :down :down :down
ab (16.05.2006, 22:03):
Bei der Winterreise liebe ich am Meisten und höre ich am Öftesten die Aufnahme mit dem Tenor Ernst Haefliger (Claves), die er in seinen späten Jahren mit Jörg Erwald Dähler am Hammerklavier bei Claves aufgenommen hat. Man mag seine Stimme mögen oder nicht, vom musikalischen Ausdruck finde ich nichts vergleichbares. Außerdem ist er der einzige Tenor gewesen, den ich kenne, der nicht diesesn seltsamen gepresst-gestützen Tenor-Schmelz hat.
Mime (19.05.2006, 18:08):
An ab:

Hör dir mal die Winterreise von Peter Anders gesungen an.Von den Tenoraufnahmen mag ich diese am liebsten.
Ich bin aber der Meinung,die Baritonstimme kann die Stimmungen in diesem Zyklus besser ausdrücken.
ab (19.05.2006, 18:44):
Hallo Mime,

Peter Anders steht schon lange auf meiner Anhörliste; nur hause ich in der Provinz, wo es schwer ist, derartiges in Hände zu bekommen und selbst in München war ich letztens nicht erfolgreich...
Carola (15.06.2006, 00:01):
Original von Gamaheh
Hallo allerseits,

iKürzlich habe ich eine etwas schräge Orchesterversion von Hans Zender im Radio gehört und ich meine sogar aufgenommen, kann sie aber nicht wiederfinden - schade! Denn die fand ich durchaus interessant.

Grüße,
Gamaheh

Hallo Gamaheh,

meinst du vielleicht diese Aufnahme?

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000003FU1.03.LZZZZZZZ.jpg

Das ist eine "komponierte Interpretation" von Hans Zender - ziemlich beeindruckend. Allerdings keine reine Orchesterfassung sondern mit dem Tenor Blochwitz und dem Ensemble Modern. Gibt´s günstig bei 2001, wenn ich mich richtig erinnnere.

Für alles andere bin ich jetzt zu müde.

Gute Nacht!

Carola
Jimi (29.06.2006, 20:05):
Hallo miteinander,

kann einer von euch etwas zu dieser Aufnahme sagen:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000174LTS.03.LZZZZZZZ.jpg

Die Ausschnitte auf Amazon sind recht viel versprechend, soweit man das bei der mäßigen Klangqualität beurteilen kann. Besonders beeindruckt hat mich der sehr differenziert gesungene Anfang von Irrlicht.

Viele Grüße,
Jimi
Carola (05.08.2006, 10:53):
Kennt jemand diese neue CD mit Christine Schäfer, Sopran und Eric Schneider, Klavier?


http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5802721.jpg


Ich las gerade diese Rezension, die von einer epochalen Aufnahme spricht.

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/feuilleton/575045.html

Leider sehr teuer, da werde ich wohl noch warten. Aber vielleicht ist ja jemand nicht so geduldig (und sparsam) und macht den Klassikforum-Probehörer... :D

Mit Gruß von Carola
Mime (06.08.2006, 13:36):
Ich werde nach dieser Aufnahme schauen.Die Interpretin hat mit dieser Aufnahme einen privaten Schicksalsschlag aufgearbeitet.Das erklärt die Besonderheit dieser Winterreise.
Carola (06.08.2006, 14:01):
Original von Mime
Die Interpretin hat mit dieser Aufnahme einen privaten Schicksalsschlag aufgearbeitet.

Ja, das macht unter Umständen künstlerisch enorm produktiv...

Es wäre sehr nett, Mime, wenn Du Deine Eindrücke dann irgendwann hier berichtest.

Mit Gruß von Carola
MartinG (16.09.2006, 20:47):
Bei mir haben sich auch schon einige Winterreisen auf CD angesammelt - wobei ich generell eigentlich Tenoraufnahmen bevorzuge, wegen der Originaltonarten.

Ich finde es allerdings sehr schwer, sie zu bewerten - fast jede hat nach öfterem Hören Aspekte, die ich nicht vermissen möchte. Ich versuche es mal mit einer Art Rangliste innerhalb der Stimmfächer.
(Erstaunlich ist, dass nur Britten, Schiff und Shetler wissen, wie man Triolen-Achtel gegenüber punktierten Achteln richtig spielt. Mancher macht aus dem nachklapperndem 16tel-Akkord in der Wasserflut ein richtiges Ausdrucksmoment, obwohl Punktierung zu Schubert's Zeiten triolisch aufgefasst werden muß, wenn die andere Hand Triolen spielt. Insbesondere der historisierende J.E. Dähler hätte das wissen sollen, meine ich.)

Tenor:

1. Peter Schreier/Andras Schiff (DECCA)

Die Aufnahme mit Richter habe ich nicht behalten, weil dort die Störgeräusche aus dem Publikum für meinen Geschmack das Erträgliche überschreiten. Aber Schiff gefällt mir auch. Nicht jeder mag Schreier's Timbre - mir persönlich ist es die vielleicht liebste Tenorstimme. Und ich finde die Interpretation als ganzes sehr, sehr schön. Wäre für mich die Einsame-Insel-Auswahl.
Sowohl bei

2. Peter Pears/Benjamin Britten (DECCA) und
3. Ernst Haeflliger/Jörg Ewald Dähler (Claves)

habe ich ein wenig Probleme, den Stimmklang wirklich zu lieben, aber gestalterisch sind beide sehr stimmig. Das historische Hammerklavier in 3. setzt interessante Akzente, wie z.B. den Fagottzug im Leiermann.

4. Peter Anders/Michael Raucheisen (Deutsche Grammophon)

Erstaunlich, dass man im Jan/März 1945 in Berlin noch Zeit für solche Aufnahmen hatte. Tolle Stimme - allerdings manche Ausdrucksmittel, die man heute so nicht mehr verwenden würde. Ich hab' etwas gebraucht, sie toll zu finden.

5. Eberhard Büchner/Norman Shetler (Magna/Eterna)

Grundsolide, aber meine entbehrlichste.
Bariton:

1. Fischer Dieskau / Jörg Demus (Deutsche Grammophon, 1966)

Kenne fast alle Dieskau-Aufnahmen, und halte diese für die beste.
Jörg Demus ist allerdings auch ein viel zu vergessener, großer Schubert-Pianist.
Hier findet Dieskau den Grad zwischen schönem Stimmklang und deklamatorischen Ausdrucksmitteln perfekt - und viel besser als in

2. Fischer Dieskau / Gerald Moore (Deutsche Grammophon, 1972)

Diese Version berührt mich wenig - ich denke, mit Gerald Moore sollte man die EMI-Aufnahme kaufen.
--
Frauenstimme:

Da habe ich nur Christa Ludwig/James Levine

Ich liebe Christa Ludwig sehr - nicht nur mit Mahler und Brahms, sondern durchaus auch mit Schubert. Nur nicht unbedingt hier. Die Tonarten sind einfach zu weit weg transponiert teilweise, viele Tempi zu zäh. Hab' sie in 18 Jahren aber auch nur 3x gehört... sollte meine Erinnerung vielleicht noch mal auffrischen.

Gruß,
Martin
nikolaus (28.09.2006, 21:27):
Hallo,

ich möchte diesen Thread noch einmal aufgreifen:

Hat inzwischen jemand Christine Schäfer mit ihrer "Winterreise" gehört? Man liest immer wieder durchweg positive Meinungen über diese wohl sehr außergewöhnliche Aufnahme.
Sogar ich als nicht unbedingt "Lied-Fan" bin bald soweit, sie mir zuzulegen.
Aber erst würde mich eure Meinung interessieren.

Nikolaus.
Jimi (09.11.2007, 18:00):
Hallo an alle Freunde der Winterreise,

Hier kann man in eine sehr interessante Liveaufnahme der Winterreise( Jonas Kaufmann2007) reinhören/runterladen.


Viel Spaß beim reinhören

:hello Jimi
Poztupimi (10.11.2007, 11:48):
Hallo Ihr Lieben,

lange ist's her, daß Nikolaus gefragt hat (@Nikolaus: bestimmt hast Du sie inzwischen gekauft, oder?), jetzt mal ein paar Zeilen von mir zu dieser Aufnahme:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/31856P9EYDL._AA240_.jpg
Christine Schäfer / Eric Schneider

Nachdem ich einmal bei einer Freundin die Gelegenheit hatte, die Aufnahme Ludwig/Levine zu hören, hatte ich lange nicht das Bedürfnis, die Winterreise mit einer Sängerin zu hören. Irgendwie fand ich, daß der Text da einfach nicht paßt. Und die angespielten Einzeltitel, die ich mal bei Dussmanne mit Natalie Stutzmann gehört habe, haben mich auch nicht überzeugt.
Da ich aber der Meinung war, wenigstens eine Version mit Frauenstimme sollte ich in meiner Sammlung haben, habe ich mir bei Erscheinen diese Aufnahme bestellt, sie einmal gehört und seitdem nicht wieder.
Jetzt habe ich sie heute Vormittag zweimal hintereinander gehört. Wenn man wie ich Vorurteile oder Bedenken hat, hier kann man sie getrost in die Tonne treten. Einfach toll!
Überraschend schon, wie zügig und schnell sie in "Gute Nacht" startet. Insgesamt ist die gesamte CD mit 68:32 z. T. erheblich kürzer als alle anderen Aufnahmen ihrer männlichen Kollegen in meiner Sammlung, bspw. Prégardien/Staier 73:58; Goerne/Brendel 75:32 (evtl. mit Applaus); Henschel/Gage 70:34; Quasthoff/Spencer 72:23; FiDi/Reutter 75:23; FiDi/Demus 71:22; Souzay/Baldwin 75:10; Bostridge/Andsnes 69:27; Gerhaher/Huber 77:59. Aber man darf sich davon nicht täuschen lassen, die Relation zwischen den drängenden, "eiligen" Liedern und den eher ruhigen stimmen für mein Empfinden immer, und da wo es gilt, eher ruhig und bedächtig zu singen, macht sie es auch. Und wenn sie dann das Tempo auch innerhalb der Lieder variiert und so durch Tempo und Dynamik quasi kleine Dramen gestaltet, wirkt dies nie aufgesetzt und künstlich. Nicht zuletzt Dank eines hervorragenden Pianisten.

Interpretation: 10
Aufnahme: 10

Folglich:
K A U F E N!

Viele Grüße und ein schönes Wochenende,
Wolfgang
Amadé (12.11.2007, 18:16):
LIeber Werner,

danke für den Hinweis auf Gerhard Hüsch, ich finde seine Winterreise auch große Klasse. Er hat auch eine sehr gute Aufnahme der Schönen Müllerin hinterlassen, dazu viele Lieder in Einzelaufnahmen.

Ernst Haefligers Winterreise bei Claves stammt aus seiner spätesten Zeit, von Jörg Ewald Dähler mit einem Hammerflügel begleitet. Wenn man sie zum ersten mal hört, ist man vieleicht etwas irritiert, seine Stimme klingt da schon etwas baritonal. Nach mehrmaligem Hören war/bin ich sehr angetan von der Aufnahme. Vom gleichen Gspann gibt es auch die Müllerin und den Schwanengesang. Letzteren hat er ca 1959 schon einmal mit dem routinierten Erik Werba bei DGG aufgenommen.

Gruuß Bernd
ab (12.11.2007, 22:03):
Original von Amadé
LIeber Werner,

danke für den Hinweis auf Gerhard Hüsch, ich finde seine Winterreise auch große Klasse. Er hat auch eine sehr gute Aufnahme der Schönen Müllerin hinterlassen, dazu viele Lieder in Einzelaufnahmen.

Ernst Haefligers Winterreise bei Claves stammt aus seiner spätesten Zeit, von Jörg Ewald Dähler mit einem Hammerflügel begleitet. Wenn man sie zum ersten mal hört, ist man vieleicht etwas irritiert, seine Stimme klingt da schon etwas baritonal. Nach mehrmaligem Hören war/bin ich sehr angetan von der Aufnahme. Vom gleichen Gspann gibt es auch die Müllerin und den Schwanengesang. Letzteren hat er ca 1959 schon einmal mit dem routinierten Erik Werba bei DGG aufgenommen.

Gruß Bernd

Zudem gibts noch eine vierte CD mit verschiedenen Schubert-Liedern.

Eine Aufnahme von 1959 mit Erik Werba bei der DG ist mir nicht bekannt (bist Du Dir sicher?!), wohl aber eine von den beiden - zu recht aus dem Katalog Verschwundene - aus Anfang der 70er, ich glaube 1971 wars, bei Sony.
Amadé (13.11.2007, 21:57):
@ ab

Die LP hatte die Bestellnummer DG 138 905. Zeitlich muss ich etwas korregieren, ich vermute, die Aufnahme fand 1965 statt Auf dem Plattenetikett ist angegeben P 1966. Mit Werba nahm er auch noch An die ferne Geliebte und Dichterliebe auf DG 138 843. Diese Aufnahme besitze ich jedoch (leider) nicht.

Gruß Amadé
manrico (20.11.2007, 22:43):
Lieber Bernd!
Die Aufnahme mit Haefliger und Dähler klingt interessant, zumal ich den Schwanengesang den die beiden eingespielt haben, sehr schätze. Ich werd mich einmal umschauen.

Jetzt kann ich mir's aber doch nicht verkneifen, auf den Opernkomponisten Schubert zu verweisen. Zwei Lieder aus diesem Zyklus stehen in engem Zusammenhang mit Schubertopern. Diese Hinweise schenkt man sich eigentlich meistens, weil's eh keiner merkt, da Schuberts Opern (zum Teil) völlig zu Unrecht völlig unbekannt sind. Die Melodie zu "Täuschung" stammt aus "Alfonso und Estrella" und heisst im Original "Der Jäger ruhte hingegossen". Auch in dieser sitzt der Jäger einer Täuschung auf, folgt einem Wolkenmädchen in die Felsen, um dort feststellen zu müssen, dass sie nur eine Nebelschwade, eine Täuschung, war und stürzt sich daraufhin vom Abhang.

In seiner letzten Oper (Fragment), "Der Graf von Gleichen"(D918) zitiert Schubert die "Nebensonnen" im Duett "Wohlan, sprich zu dem frommen Kinde". Der Text der "Nebensonnen" ist für mich völlig rätselhaft und unverständlich (mich würde interessieren, wie ihr ihn versteht), er grenzt ja eigentlich bereits ans Psychotische. Das Interessante ist, dass sich auch der Graf von Gleichen einer für ihn im Rationalen nicht auflösbaren Situation gegenüber stehen sieht. In dieser Situation zitiert er die Stelle "Ach, meine Sonnen seid ihr nicht" - also eine Lösung im Irrationalen. Interessant weiters, dass Schubert das Finale - also die Lösung des Knotens - nicht komponiert, ja, offensichtlich nicht einmal skizziert hat. Weiss jemand von euch, ob es über diese eigentlich sehr interessante musikalische Zitat Literatur gibt, bzw. hat jemand darüber gelesen - Satie vielleicht?

Übrigens hat Richard Dünser den meiner Ansicht nach durchaus gelungenen Versuch einer Vollendung der Oper unternommen.

Liebe Grüße


Werner
Amadé (21.11.2007, 18:21):
Guten Abend Werner,

ist ja interessant, was Du da herausgefunden hast. "Alfonso e Estrella" besitze ich in einer Aufnahme mit Suitner, ich wurde heute Abend mal diese genau hören.
"Den Grafen von Gleichen" besitze ich (noch) nicht. Im SChubert-Lexikon von Hilmar/Jestremski ist diesbezüglich nichts verzeichnet, die Autoren vermerken nur, dass Schubert die Reihenfolge von Müllers Gedichte im 2. Teil umgestellt habe, besonders auch die Nebensonnen, um sie bewusst in unmittelbare Nachbarschaft zu dem "Leiermann" zu stellen.
O.E.Deutsch weist in seinem Werkverzeichnis darauf hin, dass Sch. für die Arie "Trocknet nicht,..." auf das Lied "Wonne der WEhmut" zurückgreift.

Grüße Bernd
Zelenka (21.11.2007, 20:14):
Lieber Bernd, lieber Werner:

Graham Johnson weist in seinem vorzüglichen Booklet-Text (über 100 Seiten) zur Folge 30 der "Hyperion Schubert Edition" (Winterreise D 911) darauf hin, daß es sich bei der Melodie der "Täuschung" tatsächlich um Schuberts einzige Entlehnung in sein Liedgut aus seinem Opernschaffen handelt.

Was die "Nebensonnen" angeht, so streiten sich die Gelehrten weiter. Johnson referiert einige Theorien, u.a. daß Müller die drei Sonnen aus Shakespeares "Heinrich VI., Teil 3" bezogen haben könnte oder auch aus "Titus Andronicus".

Gruß, Zelenka
manrico (21.11.2007, 22:13):
Lieber Zelenka, lieber Bernd!

Vielen Dank für Eure Antworten. Heinrich VI und Titus Andronicus hab ich jetzt nicht so parat, als dass ich den Bezug zu den Nebensonnen herstellen könnte.
Ich finde, es ist das einzige der Gedichte, dessen Symbolik sich nicht so ohne weiters erschließt (ich muss gestehen, ich habe bisher aber auch noch keine Sekundärliteratur darüber gelesen).
Erst mit dem diskreten musikalischen Zitat im Graf von Gleichen ist mir aufgegangen, dass die drei Sonnen in diesem Fall Allegorien für den Grafen und seine beiden Frauen sein könnten. Im Bewusstsein der Unmöglichkeit einer Nebenehe in der realen Welt müssen Graf und Gräfin untergehen. Die Dritte, Suleika, muss beiden in eine irreale Welt folgen, um diese Doppelehe leben zu können.

Zitat aus dem Finale:
Suleika: Hör ich recht und ist's kein Traum?
Graf: S'ist Wahrheit, wenn du's billigst, süsse Wahrheit. Und nun zur Trauung. Laßt uns fest zusammenhalten, eh soll die Welt als unsere Lieb' veralten.die späte Nachwelt mag verwundert schauen, des Grafen Gleichen Bild und seine beiden Frauen.
Chor: Heil dir, du wunderbarer Mann, heil euch ihr Frauen. Seht, sie nah'n der heil'gen Stelle, Heil den Gatten Ehr und Preis. Tretet über diese Schwelle in den neuen Lebenskreis.
Suleika, Graf, Gräfin: So sind wir ewig nun verbunden, an süßer, heil'ger Liebe gleich. In Wonne schlingen sich die Stunden, bis zu dem sel'gen Himmelreich.

Diese Stelle hat Schubert nicht komponiert, nicht einmal skizziert.
Die Gedanken kreisen hier um Traumwelt, Nachwelt, Bilder, neuer Lebenskreis, Himmelreich.

Das musikalische Zitat der Nebensonnen verwendet Schubert an der Stelle der Oper, an der der Graf der Gräfin die Doppelehe vorschlägt.
Ist doch spannend, findet ihr nicht?

Lg


Werner
Mime (26.11.2007, 18:09):
Hallo,

wer kennt die Aufnahme, bei der ein Saxofon den Sänger ersetzt?

Ist so etwas noch werkgerecht?
manrico (26.11.2007, 18:42):
Hallo Mime !

Nein, die Aufnahme kenn ich nicht, hört sich aber spannend an.

Beim Thema "werkecht" bin ich nicht so puritanisch. Ich denke, Kunst lebt auch davon, dass man Dinge ausprobieren darf. Vieles geht halt schief, sind Modeerscheinungen, die ein paar Jahre später lächerlich, geschmacklos, unmodern, oder was weiss ich sonst noch sind, andere Dinge gehen gleich zu Beginn in die Hose, aber das eine oder andere bleibt. Immer schon haben sich Musiker an bereits Bestehendem vergriffen und etwas Neues daraus geschaffen. Nur in der heutigen Zeit steht alles unterm Quargelsturz und die Musiker und deren Werke sind sakrosankt. Ich glaube, dass ein etwas entspannterer Umgang mit Musik an selbiger nur geringen Schaden anrichtet, dafür ist sie zu robust.

Liebe Grüße

Werner
daniel5993 (26.11.2007, 18:50):
Diese Aufnahme hab ich mir Gestern mehrere Male zu Gemüte geführt und ich kann nur :down :down :engel sagen!

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/5517666.jpg

Eine Vergleichsaufnahme habe ich allerdings nicht!
Aber die fünfziger Aufnahme Dieskaus und die Hotter Aufnahme habe ich schon ins Auge gefasst! EMI sei Dank, zu Günstigem Preise! Überhaupt ist mir aufgefallen, dass man bei den EMI Great Recordings, Qualität für den kleinen Preis bekommt! :J EMI führt sowieso meine Sammlung mit größerem Vorsprung auf die DGG an :D :D

Gruß
Daniel
Mime (24.12.2007, 16:55):
Hallo,

gibts die Winterreise mit Florian Prey, dem Sohn von Hermann Prey?

:hello
ab (25.12.2007, 18:51):
ja, mit Rico Gulda am Klavier, womöglich sogar mit dem wunderbaren Bösendorfer von 1912 aus der Badura-Skoda-Sammlung, auf dem Rico mit einer recht schönen Schubert-CD debutiert hatte:

http://www.florianprey.de/flo.bilder/winterreise.jpg
Mime (26.12.2007, 13:28):
Vielen Dank!
Nun mach ich mich auf die Suche nach dem Sohn, den Vater hab ich schon (mit L.Hokansson am Klavier)

:hello
ab (26.12.2007, 21:00):
Original von Mime
Vielen Dank!
Nun mach ich mich auf die Suche nach dem Sohn, den Vater hab ich schon (mit L.Hokansson am Klavier)

:hello

Ich kann sie wirklich nicht empfehlen, weder den Gesang noch das Klavier betreffend! Bitte unbedingst erst reinhörn und dann gründlich überlegen, ob man sie der Namen wegen wirglich braucht...
ab (19.05.2006, 18:44):
Hallo Mime,

Peter Anders steht schon lange auf meiner Anhörliste; nur hause ich in der Provinz, wo es schwer ist, derartiges in Hände zu bekommen und selbst in München war ich letztens nicht erfolgreich...
Carola (15.06.2006, 00:01):
Original von Gamaheh
Hallo allerseits,

iKürzlich habe ich eine etwas schräge Orchesterversion von Hans Zender im Radio gehört und ich meine sogar aufgenommen, kann sie aber nicht wiederfinden - schade! Denn die fand ich durchaus interessant.

Grüße,
Gamaheh

Hallo Gamaheh,

meinst du vielleicht diese Aufnahme?

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000003FU1.03.LZZZZZZZ.jpg

Das ist eine "komponierte Interpretation" von Hans Zender - ziemlich beeindruckend. Allerdings keine reine Orchesterfassung sondern mit dem Tenor Blochwitz und dem Ensemble Modern. Gibt´s günstig bei 2001, wenn ich mich richtig erinnnere.

Für alles andere bin ich jetzt zu müde.

Gute Nacht!

Carola
Carola (15.06.2006, 13:04):
Original von Gamaheh
Hallo allerseits,

... Auf die Gefahr hin, gesteinigt zu werden: Ich hatte immer den Verdacht, daß die Texte Wilhelm Müllers ein bißchen "tongue-in-cheek" geschrieben sind, also nicht so ernstgemeint, wie sie durch die Musik Schuberts werden. Müller hatte einen feinen Sinn für Humor und eine großartige Beobachtungsgabe...

Grüße,
Gamaheh

Hallo Gamaheh,

ich habe mir die Texte gerade noch mal auf Deine These hin angesehen, kann das aber nicht so recht nachvollziehen. Es sei denn, man würde einen gewissen Sarkasmus unter die Rubrik "Humor" einorden. Als sarkastisch empfinde ich zum Beispiel "Der greise Kopf" und auch "Die Krähe". Aber es handelt sich dann wohl eher um das, was man als "schwarzen Humor" bezeichnet.

Allerdings: In "Erstarrung" (einer meiner liebsten Texte in dem Zyklus) oder auch "Der Wegweiser" lese ich auch ohne die Vertonung nichts als ungebrochenen Schmerz.

Generell könnte man darüber hinaus argumentieren, dass eine (gelungene) Vertonung ohnehin nur das spürbar werden lassen kann, was in den Texten zumindest als eine Bedeutungsebene schon enthalten ist. Wobei diese Deutungsmöglichkeit der Texte durch Schuberts Vertonung dem Autor selbst vielleicht gar nicht bewusst und so auch nicht beabsichtigt war.

Mit Gruß von Carola

PS. Quasthoff ist übrigens Bariton
ab (15.06.2006, 22:30):
Original von Carola
ich habe mir die Texte gerade noch mal auf Deine These hin angesehen, kann das aber nicht so recht nachvollziehen. Es sei denn, man würde einen gewissen Sarkasmus unter die Rubrik "Humor" einorden.

Hallo Carola,

Schubert hat ja nur einen Auschnitt aus dem Müllerschen Werk ausgewählt. Meines Wissens nach meinte Müller seinen Text duraus ironisch (gesamt glesen habe ich ihn aber bislang nie). Weiß jemand mehr darüber zu berichten?
Carola (15.06.2006, 22:52):
Ich zitiere aus dem Booklet der Quasthoff/Spencer-Aufnahme:

Schubert komponierte den Zyklus 1827 und veröffentlichte ihn in zwei Teilen von jeweils 12 Liedern. Der erste Teil besteht aus Gedichten, die Müller ursprünglich 1823 in dem Jahrbuch "Urania" als "Wanderlieder veröffentlicht hatte; der zweite Teil enthält die Gedichte, die hinzugefügt wurden, als der Zyklus 1824 unter dem Titel "Lieder des Lebens und der Liebe: Die Winterreise neu herauskam. Müller hatte die neuen Gedichte zwischen die alten eingeschoben. Schubert, der die ersten zwölf bereits vertont hatte, als er die spätere Version des Zyklus kennenlernte, beließ sie in der ursprünglichen Reihenfolge und verwendete die neuen Gedichte für den zweiten Teil.

Schubert hat also in jedem Fall Müllers Titel auf "Winterreise" verkürzt. Dass er auch Gedichte aus dem Gedichtzyklus weggelassen hätte, habe ich noch nie irgendwo gelesen.

Genaueres weiß aber vielleicht Gamaheh.

Mit Gruß von Carola
Gamaheh (16.06.2006, 00:56):
Liebe Carola, lieber ab,

ich fühle mich, ehrlich gesagt, nicht qualifiziert, hierüber mehr zu sagen. Ich habe mich mit den müllerschen Texten vor etwa zwanzig Jahren mal befaßt, da hatte ich sie aus einer Bibliothek ... Ich meine zu erinnern, daß sie auf jeden Fall in anderer Reihenfolge standen als bei Schubert. Der wesentliche Grund, warum ich nicht glaube, daß sie wörtlich zu nehmen sind, ist wahrscheinlich mein Optimismus: Eine derartige, ungeminderte Trostlosigkeit existiert in meinem Weltbild einfach nicht, und ich glaube, so sieht es Müller (und mit uns (Müller und mir) die meisten Menschen) auch. Selbst in der Winterreise (und selbst bei Schubert, gerade bei Schubert) reißen ja zwischendurch immer mal die Wolken auf. Sarkasmus sehe ich hier nicht, eher Selbstironie. Kennen wir das nicht alle irgendwie: Die unerwiderte Liebe, man suhlt sich geradezu im Selbstmitleid, aber dann denkt man auch mal wieder an bunte Blumen, wie sie wohl im Mai blühen, usw.usw. Glücklicherweise dauert das alles nicht an. Wie gesagt, Müller ist ein sehr feinsinniger Beobachter. Und dann schwächt er gelegentlich alles ab, indem er so außerordentlich übertreibt: "Ich will den Boden küssen, durchdringen Eis und Schnee mit meinen heißen Küssen, bis ich den Boden seh" (und dergleichen diverse). Das muß man sich mal bildlich vorstellen! Ich bin der Meinung, daß Müller, der Philologe, in einer literarischen Tradition steht und Sentimente, wie sie schon in der elegischen Dichtung der Antike und weiter über die Jahrhunderte ausgedrückt worden sind (ich denke insbesondere an Catull, den "Naturburschen" unter den römischen Elegikern) in der Sprache und der naturverbundenen Stimmung seiner Zeit ausgedrückt hat. Aber diese Sentimente sind Klassiker, wir kennen sie alle, und deshalb wirken sie auf uns. Und natürlich ist er ein großer Dichter, sonst würden sie an uns vorbeigehen (die Gedichte). Und Schubert hat das Seine dazu getan, sie ans Firmament der Klassiker zu heften (aber Schubert ist auch ein großer Optimist). Versteht mich nicht falsch: Ich liebe die Winterreise (Texte und Musik), aber ich kann sie nicht wörtlich nehmen. Aber glücklicherweise ist das ja mit Klassikern so, daß jeder Mensch und jede Zeit sie auf seine/ihre Weise sieht und sehen kann, und genau deshalb sind sie Klassiker.

Ah, ob ich sie gleich noch einmal höre, zum Abkühlen gewissermaßen?

Grüße (und "gute Ruh"),
Gamaheh

P.S.: Für mich ist "Der Lindenbaum" das schönste Lied in deutscher Sprache.
ab (16.06.2006, 11:50):
Auf Wikipedia ist zu lesen, dass es Müllers Thema gewesen sei, Einsamkeit und Erstarrung des Individuums in der Epoche der Restauration unter der Rahmenhandlung einer unerfüllten Liebe darzustellen und dass er somit als einen Vorläufer des Vormärz zu sehen sei.

Sollte dies richtig sein, dann hat wohl Schubert den Text definitiv falsch verstanden – oder aber alle Sänger und Sängerinnen??! (Ließe sich die Winterreise womöglich konsistent singen wie Schostakowitschs groteske Verzerrung der Realität im Finalsatz der 5. oder die Stalin-Kritik in der 10. Sinfonie?)
Carola (16.06.2006, 16:19):
Original von ab
Auf Wikipedia ist zu lesen, dass es Müllers Thema gewesen sei, Einsamkeit und Erstarrung des Individuums in der Epoche der Restauration unter der Rahmenhandlung einer unerfüllten Liebe darzustellen und dass er somit als einen Vorläufer des Vormärz zu sehen sei.



Das macht doch gerade ein großes Kunstwerk aus, dass es vielschichtig ist und auf unterschiedliche Weise (richtig) verstanden werden kann.

In der Werkeinführung aus der Reihe "Wege zur Musik", ,die ich weiter oben bereits vorgestellt hatte, wird dieser politische Aspekt, die Unzufriedenheit mit den restaurativen Zuständen nach Napoleon vor allem in zwei Gedichten gesehen, im "Frühlingstraum" (ich träumte von bunten Blumen...) und im nachfolgenden Lied "Einsamkeit". Im "Frühlingstraum" werden vor allem die beiden Zeilen "Ihr lacht wohl über den Träumer/der Blumen im Winter sah" in diese Richtung interpretiert. Auch Schubert hat mit seiner Vertonung dieser Stelle größtes Gewicht gegeben, es ist einfach unglaublich, welch schwebend-träumerische Intensität sie durch die Musik gewinnt.

Im nachfolgenden Lied "Einsamkeit, dem letzten Lied des ersten Teils, heißt es am Ende: "Ach! daß die Luft so ruhig,/Ach! daß die Welt so licht!/ Als noch die Stürme tobten,/war ich so elend nicht."

Ach diese Zeilen lassen sich gut auf auf die politische Situation beziehen. Den gesamten Gdichtzyklus und Schuberts Vertonung eindimensional auf diesen Aspekt zu verkürzen, geht aber nach meiner Auffassung am Werk vorbei. Dazu ist zu viel ganz persönlicher Schmerz, Todessehnsucht und Resignation darin. Die bereits erwähnte Werkeinführung spricht gar von den 24 Liedern als "24 Stadien der Verzweiflung".

Mit Gruß von Carola
ab (16.06.2006, 16:27):
Original von Carola
Das macht doch gerade ein großes Kunstwerk aus, dass es vielschichtig ist und auf unterschiedliche Weise (richtig) verstanden werden kann.


Da sind wir ja gleicher Ansicht.

Nur meine Frage war nicht, ob so etwas Vielschichtiges aus einem Muskwerk herausgelesen und verstanden werden kann, sondern ob es möglich ist, - statt des verzweifelten Ausdruck eines zunächst unglücklich verlieben und dann neurotisch hineinsteigernden Menschen - den politischen Gehalt derart beim Singen durch den Sänger oder die Sängerin zum Ausdruck zu bringen, dass er gehört werden kann. (Analog: Bei Schostakowitsches Finalsatz der 5. kann man Wahnsinn hörbar machen oder aber auch Triumpf; beides zusammen geht nicht, weil es sich gegeseiting ausschließt.)
manrico (12.11.2007, 15:17):
Bei der Winterreise möchte ich noch eine Lanze für Gerhard Hüsch brechen. Seine schlichte Gestaltung, sein Zugang, der aus dem Gesang und nicht aus dem Dozieren über den Text kommt, führt neben den völlig andersartigen (grandiosen) Winterreisen des Hans Hotter zu einer der für mich schönsten Interpretationen dieses Werks. Obwohl Hüsch keine überdeutliche Deklamation bemüht, zeichnet sich seine Interpretation durch große Wortdeutlichkeit aus. Die Aufnahme mit Quasthoff kenne ich leider (noch) nicht, nach der von Fischer-Dieskau sehne ich mich nicht sonderlich.
Bei den Tenören habe ich bislang nur Anders gehört - eine schlichte, stimmige Interpretation, aber kein ganz großes Meisterwerk. Von Ernst Haefliger kenne und liebe ich nur seinen "Schwanengesang". Die Winterreise ist mir bislang von ihm auf CD noch nicht untergekommen.
Ist aber sicherlich auch sehr spannend.

lg

Werner
Cosima (21.09.2008, 12:19):
Es ist überliefert, wie Schubert sich vorstellte, dass seine Lieder vokal zu gestalten seien. Leopold von Sonnleither, ein Freund des Komponisten, schrieb 1860 in einem Aufsatz:

„Schubert fordert vor allem, dass seine Lieder nicht deklamiert als vielmehr fließend gesungen werden, dass jeder Note mit gänzlicher Beseitigung des unmusikalischen Sprachtones der gebührende Stimmklang zuteil und dass hierdurch der musikalische Gedanke rein zur Geltung gebracht werde. Damit in notwendigem Zusammenhange steht die strengste Beobachtung des Zeitmaßes. Schubert hat überall angemerkt, wo er eine Verzögerung, eine Beschleunigung oder überhaupt einen freien Vortrag wünschte oder erlaubte… Es soll damit durchaus nicht gesagt sein, dass Schubert seine Lieder nur mechanisch abgeleiert wissen wollte. Ein getreuer, rein musikalischer Vortrag schließt ja Gefühl und Empfindung keineswegs aus; aber der Sänger soll sich nur nicht überheben, soll nicht pathetischer und geistreicher sein wollen als der Tondichter.“

So betrachtet, kann man Fischer-Dieskaus Interpretation aus dem Jahre 1955 eigentlich nicht gutheißen. Was heißt das aber schon? Ich liebe auch viel mehr Richters (D 960) oder Arraus (D 959) intensivere – und sicher subjektivere - Gestaltung der Klaviersonaten als so viele andere gefälligere Interpretationen.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41R3AZV16XL._SL500_AA240_.jpg

Die vielfältigen Ausdrucksvarianten, das unbedingte Ausdruckswollen, die deklamatorischen Akzente – all das kann nicht im Sinne Schuberts gewesen sein. Trotzdem ist dies für mich eine höchst faszinierende Interpretation. Und zwar obwohl oder gerade weil Fischer-Dieskau dem Hörer im Grunde eine eigene Deutung des Textes abnimmt. Dies geschieht aber nicht mit überzogener Dramatik (deren Wirkung nur oberflächlich wäre und die ich ablehnen würde) – eher subtil und suggestiv vereinnahmt mich sein Vortrag im Verlaufe der „Winterreise“ immer stärker.

Fischer-Dieskaus Autorität wirkt auf mich sehr stark, er nimmt mich mit auf dieser Reise, auf der der Wanderer in „Gute Nacht“ nicht nur die Stadt verlässt, sondern sich gleichzeitig mit diesem realen Abschied auch mehr und mehr von der Wirklichkeit entfernt. Beeindruckend ist z. B. wie er in „Frühlingstraum“ die Verquickung von Illusion und Realität hörbar macht. In seinem „Ihr lacht wohl über den Träumer“ klingen Trotz, Verachtung und gleichzeitig Verbitterung, Angst und Resignation an. Ganz großartig! Es gibt darüber hinaus unzählige Stellen, an denen die Verschmelzung von Utopie und Realität so erfahrbar wird. Überhaupt habe ich während des ganzen Zyklus’ das Gefühl, dass die zunehmende innere Entfremdung wirklich spürbar ist. Die Schubertsche Anmut tanzt hier tatsächlich am Rande des Abgrundes, wobei vor allem die Zerbrechlichkeit in Fischer-Dieskaus Stimme diesen Eindruck verstärkt.

Es existieren über 10 Fischer-Dieskau-Aufnahmen der Winterreise. Zwei davon werde ich mir noch zulegen, nämlich jene aus 1962 mit Gerald Moore und die spätere aus 1965 mit Jörg Demus.

Verglichen habe ich gestern einige der Lieder mit meinen anderen Aufnahmen. Pears’ klare, etwas androgyn klingende Stimme finde ich immer noch interessant, mit Schreier kann ich inzwischen nicht mehr so viel anfangen. Richter schätze ich hier aber als zurückhaltenden und dennoch präsenten, sensiblen Begleiter sehr. Gefallen finde ich an beiden Interpretation nach wie vor in gewisser Weise, aber wirklich fesseln können sie mich nicht.

Gruß, Cosima
Dr. Schön (21.09.2008, 12:51):
Original von Cosima
Es gibt darüber hinaus unzählige Stellen, an denen die Verschmelzung von Utopie und Realität so erfahrbar wird. Überhaupt habe ich während des ganzen Zyklus’ das Gefühl, dass die zunehmende innere Entfremdung wirklich spürbar ist.

Liebe Cosima,

ich hatte am Wochenende wiedermal meine bisherigen Favoriten Pears/Britten gehört. Den Eindruck, den du oben schilderst, vom zunehmenden Realitätsverlust, konnte ich an dieser Aufnahme auch nachvollziehen.

Was ich bei Pears/Britten darüberhinaus so schätze, ist die kammermusikalische Intimität, die zwischen den beiden Interpreten vorherrscht. Eine gewisse, sich gegenseitig inspirierende und animierende, Einigkeit zwischen den beiden. Ich finde, dass dadurch das Wort-/Musikgefüge sehr dynamisch und fließend (wenn du verstehst wie ich das meine) realisiert wird.
Zudem finde ich eben Brittens Gestalltung des Klavierparts sehr sehr gut.

Diese Winterreise habe ich wie gesagt vor ganz langer Zeit mal gehört, als das ich noch was dazu sagen könnte. Aber auch von anderen Liedaufnahmen her kommt mir Moores Begleitung immer als etwas routiniertes "Geplunkere" im Hintergrund vor. Angenehm, dass er sich hinter dem Sänger zurücknehmen kann, aber von der Gestalltung und dem wirklich Beteiligtsein her kein Vergleich zu Britten (Richter kann ich mir sehr gut vorstellen).

Tue ich Moore unrecht oder wie beurteilst Du sein Spiel und das Zusammenspiel mit Dieskau? Ich fürchte immer bei Liedern ist mir die Einigkeit zwischen Solisten und Sänger fast noch wichtiger als bei Kammermusik. Daher halte ich Pears/Britten sehr hoch.


Gruß
Dr. Schön
Cosima (21.09.2008, 13:37):
Lieber Dr. Schön,

was Moore angeht: Ich kenne ja noch nicht so viele Aufnahmen, aber bisher sehe ich das ebenso. Ich denke aber, dass Moores Zurückhaltung einer gewissen Tradition entsprang: Das Klavier war eben tatsächlich nur der zurückhaltende, begleitende Part, der dem Sänger Raum zu geben hatte und hier und da vielleicht etwas unterstützte. (Hier wissen sicher die Lied-Experten mehr und besser Auskunft zu geben.)

In einem Artikel von Jürgen Kesting las ich gestern, dass Fischer-Dieskaus Neigung zu einem emphatisch-sprachgeprägten Singen (welches nicht nur Kesting kritisiert) immer dann gebändigt wird, wenn die Pianisten weniger zurückhaltende Begleiter als autonome Partner sind. Er führt hier als Beispiel u.A. die Aufnahmen mit Richter an. Insofern interessiert mich vor allem auch die „Winterreise“ mit Jörg Demus.

Zu Pears/Britten und ihrer fantastischen Zusammenarbeit hatte ich mich seinerzeit auch schon geäußert. Als Team funktionieren sie m.E. sehr gut. Was meinen Ohren nicht mehr so behagt, ist das Androgyne in Pears’ Stimme. Du hast aber recht: Gerade diese Stimmfärbung ist es vielleicht, die den Eindruck des Realitätsverlustes unterstützt. – Britten am Klavier gefällt mir auch besser als Moore. Ich meine auch, dass die Klavierbegleitung sehr wichtig ist, weshalb ich gleich zu Beginn meiner großen Lied-Begeisterung im "Müllerin"-Thread nach Aufnahmen mit besonders guter Klavierbegleitung gefragt habe.

Gruß, Cosima
Dr. Schön (21.09.2008, 13:53):
Liebe Cosima,

wo Du es sagst, ähnliches hatte ich auch mal zur Winterreise mit Demus gelesen. Von daher gehe ich davon aus, dass du in bälde berichten wirst. :)

An Pears Stimme habe ich mich gewöhnt. Seine Müllerin mit Britten ist vielleicht noch besser gelungen. Sie wirkt mit fortschreitender Dauer, als würde aus dem Grab, also rückbetrachtend aus dem Jenseits, alles erzählt. Zu gerne hätte ich auch Schumann's Dichterliebe mit den beiden.

Sollte mir FiDi zusagen, und ich werde das bald antesten, wären die Bezugsmöglichkeiten bald wohl erheblich reicher.

Dr. Schön
HenningKolf (08.11.2008, 13:51):
Liebe Forenmitglieder,

mit dem Kunstlied, oder genauer gesagt jedenfalls mit dem deutschen Kunstlied (mit dem französischen Repertoire von Ravel, Duparc, Fauré, Debussy etc. habe ich mich schon ein wenig länger - wenn auch noch nicht wirklich intensiv) befasse ich mich erst seit wenigen Wochen. Im Moment hat mich der Winterreise - Müllerin - Virus erfasst (Schwanengesang, Dichterliebe und Wolf werden sicherlich noch folgen).

Da ich mich in unbekanntem Terrain bewege solltet ihr Euch nicht wundern, wenn ich in einigen Wochen schreibe, dass mich mein Geschwätz von gestern nicht weiter interessiert. Auch achte ich im Moment - nicht willentlich, das ist einfach so - sehr focussiert auf das Gesangliche (obwohl mir bei der Britten/Pears-Aufnahme nicht entgangen ist, welch hervorragender Pianist Briitten doch gewesen ist).

Ich habe auch noch nicht alle geliehenen und gekauften CDs und alle downloads durchgehört, aber bei der Besetzung mit Bariton habe ich bisher zwei Aufnahmen ausgemacht, die jedenfalls für mich und meinen Geschmack perfekt sind.

Zum einen - schon genannt -

http://ecx.images-amazon.com/images/I/4183P0A9BDL._SS500_.jpg

zum anderen

http://ecx.images-amazon.com/images/I/412ZFMRDAJL._SS500_.jpg

(meine CD hat ein anderes Cover - ich nehme an das es sich aber um dieselbe Aufnahme aus 2001 handelt)

Klar, textverständlich (jedenfalls Gerhaher), nicht maniriert, aber auch nicht zu zurückhaltend! Mir ist nicht entgangen, dass Gerhhaher/Hubers Müllerin - die ich ebenso überaus schätze - auf amaz....de total verrissen wird, aber das kann ich absolut nicht nachvollziehen. Das ist beileibe nicht nur Schönklang in den Mittellagen, wie es dort geschrieben steht!

Probleme allerdings habe ich mit dem "Kunstlied-Gott" Fischer-Dieskau. Das ist mir alles viel zu dick aufgetragen, die Musik und die Texte wirken schon aus sich heraus genügend. Ich finde, dass die ältesten Aufnahmen mit FiDi die sind, die mich am wenigsten stören, weil sich da das, was ich als Übertreibung empfinde, in Grenzen hält.

Quasthoff habe ich in der Bücherei nicht bekommen, ob ich mir die Aufnahme noch zulege, weiss ich noch nicht. Goerne (mit Brendel) mag ich auch, aber nicht so sehr wie die beiden anderen Aufnahmen.

Die Tenor-Lieblingsaufnahme ist noch nicht gefunden. Eigentlich wären Britten/Pears perfekt. Und ich schätze beide mit englischsprachigem Repertoire sehr! Die ruhigen und lyrischen Stellen bewältigt Pears auch sprachlich ohne weiteres, aber wenn es dramatisch wird stellt sich ein unüberhörbares Sprachproblem ein. Ich bin insoweit aber auch sehr empfindlich und höre meist Muttersprachler und -sprachlerinnen, auch bei französischem und englischem Material (Ausnahmen - Janet Baker z.B. - bestätigen die Regel). Schade dass Wunderlich nicht mehr dazu gekommen ist, die Winterreise aufzunehmen. Oder vielleicht macht Padmore ja irgendwann eine - weitgehend akzentfreie - Aufnahme.

Ob ich mir die Bearbeitungen für Begleitung durch Streichquartett oder Orchester anhören werde weiss ich noch nicht. Ist ja auch eine Kostenfrage.

Gruß
Henning
Cosima (08.11.2008, 19:05):
Original von HenningKolf
"Kunstlied-Gott" Fischer-Dieskau

Endlich mal einer, der es auf den Punkt bringt... :times10

(Mich ärgert der Vorwurf - bzw. das Vorurteil - der Manieriertheit in Bezug auf FiDi inzwischen ein wenig... Aber sei's drum, ich selber habe anfangs seine Kunst so leichtfertig abgetan.)
HenningKolf (08.11.2008, 20:11):
@ cosima

da ich ja blutiger Kunstlied-Laie bin, habe ich es ja absichtlich vermieden, zu starke Worte zu gebrauchen, aber mir ist da einfach von allem zuviel...mal schaun, möglicherweise ändert sich meine Meinung mit der Zeit

bin ja schließlich lernfähig, höre mittlerweile ja sogar gelegentlich in historische Aufnahmen rein :W


Gruß
Henning
Nicolas_Aine (08.11.2008, 21:28):
hm, ich hab mir hier jetzt nichts durchgelesen, aber werd ich wohl noch... das ist nämlich eins der Stücke, die wir im 4-stündigen Musikkurs durchnehmen werden, als Sternchenthema :/ Leider kann ich mit Vokalmusik gar nix anfangen:(
Jürgen (05.12.2008, 11:08):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51XLFiCzNzL._SL500_AA240_.jpg

Gestern ausgeliehen, läuft sie jetzt.

Schubert: Winterreise, Quasthoff/Spencer 1998 RCA

Ich bin fast durch, aber schon beim ersten lief mir ein Schauer den Rücken herunter. Wie herrlich authentisch das rüberkommt.

Das wird mit Sicherheit meine Lieblings-Winterreise.

Grüße
Jürgen
Heike (09.01.2010, 19:10):
Hallo Jean,
ich antworte dir mal hier:

Original von Jean

Bonsoir,
ergänzend möchte ich noch erwähnen:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0761203987726.jpg

Schuberts >Winterreise< in der Bearbeitung für Tenor und Streichquartett von Jens Josef. Christian Elsner übt den tenoralen Part aus (hier bevorzuge ich Prégardien), es spielt das Henschel-Quartett.
Erschienen bei cpo, Aufnahme aus dem Mai 2001.

Eine interessante Einspielung! Die Begleitung durch das fabelhafte Henschel-Quartett unterstreicht IMO den düster-melancholischen Charakter der >Winterreise< ganz besonders.

Cordialement
J E A N

Das klingt interessant, wenngleich ich mir die Begleitung durch ein Quartett nur schwer vorstellen kann! Ich werde mir das aber merken und sicher mal reinhören!
Heike
Jean (09.01.2010, 19:20):
Liebe Hebre,

Deine Bedenken kann ich durchaus teilen. Mir erging es zunächst ähnlich. Gleichwohl hat es für mich Sinn gemacht, mich mit dieser Interpretation nachhaltig zu beschäftigen. Hoffe, Du wirst meine Eindrücke teilen!

Es grüsst Dich ganz herzlich
J E A N
EinTon (09.01.2010, 19:32):
Hi!

Sind mit den "Nebensonnen" nicht einfach die Augen der (ehemaligen) Geliebten gemeint, die jetzt "anderen ins Angesicht" schauen? Mir schiene das absolut naheliegend! Bei wikipedia steht's übrigens auch so... :wink
Fairy Queen (09.01.2010, 19:55):
Ich habe sogar mal eine Version der Winterreise mit Tenor , Orchester und Ballett erlebt, das war sehr spannend, weil die Gefühle im Tanz interpretiert nochmal eine andere Eindringlichkeit bekamen und körperlich wurden.
Auch als Klavierlied-Puristin höre ich mir serh gerne andere Interpretationsarten an, um neue Deutungen zu erfahren.
Die Schauspielerin Barbara Sukowa hat bei einem Konzert mit Jazzensemble, das sich "Im wunderschönen Monat Mai" nannte, neben Schumann-Liedern auch einige Stücke aus der Winterreise in einer Art Sprechgesang interpretiert.
Das war rein gesanglich ziemlich mässig und kann gerne kritisiert werden, aber was die Ausdruckskraft dieser Lieder angeht, fûr mich sehr beeindruckend und zeigte manche neue Facette, die disziplinierte Kunstlied-Sänger so gar nciht rüberbringen können.
Sukowa traut sich, zu schreien, zu weinen, zu schluchzen und zu grollen udn so die ganze Gefûhls- Palette dieser Reise in Verwahrlosung, Isolation und Tod aufzuzeigen.
Die Winterreise ist eines der grössten und bewegendsten Kunstwerke der Menschheitsgeschichte und schlechte Interpretationen kônnen ihr genausowenig anhaben wie andere Instrumentierungen.

Meine Lieblingsversionen sind die von Christian Gerhaher/Gerold Huber,(wegen der wunderschönen Stimme und dem feinenZusammenspiel)
Hans Hotter/Gerald Moore ,(wegen Hotters Mut zur Emotion in Nackt-Form) Pears /Britten(wegen der tollen Zusammenarbeit der beiden) und Lotte Lehmann mit Bruno Walther. Letztere ist 1942 in den USA im Exil entstanden und zuerst war ich schockiert, eine Frauenstimme , noch dazu in dieser dramatisierenden Manier damit zu hören. aber das Verstörenden hat dann gerade den Weg zum Reichtum dieser Interpretation gewiesen .
Und warum sollen Frauen nciht dieselben existentiellen Entwurzelungs- und Heimatlosigkeits Erfahrungen einer Reise in die emotionale Erfrierung beschrieben?

Gerade mitten im Krieg und im Exil hat das eine besondere Eindringlichkeit.



euphonia
Heike (09.01.2010, 20:15):
Da fällt mir ein, wo ihr über Fassungen redet, dass ich auch mal in diese CD reinhören wollte, die mal irgendwo vorgestellt wurde:



Mitsuko Shirai Solo
Tabea Zimmermann Viola
Hartmut Höll Klavier
Peter Härtling Sprecher/Erzähler

Hat da schon mal jemand reingehört?
Heike
Cetay (inaktiv) (09.01.2010, 20:47):
Original von Hebre
Hat da schon mal jemand reingehört?
Heike
Ja, das ist aber 2 Jahre her...
Damals schrieb ich:

Eine geniale Idee, um einem krankhaften Gesangsphobiker wie mir, die Winterreise näher zu bringen: Man nehme einen Erzähler, der die Texte - oder zumindest einen Teil davon - liest und lasse den Gesangspart von Tabea Zimmermann auf der Bratsche spielen. Das Ergebnis ist überwältigend. Was sie aus ihrem Instrument an vielfältigen Stimmungen heraus holt, ist streckenweise tief berührend. Die Vokalversion auf der zweiten CD nehme ich zur systematischen Desensibilisierung. Vier Lieder in Folge habe ich heute geschafft :)
Gamaheh (22.01.2010, 14:59):
Original von Euphonia
Lotte Lehmann mit Bruno Walther. Letztere ist 1942 in den USA im Exil entstanden und zuerst war ich schockiert, eine Frauenstimme , noch dazu in dieser dramatisierenden Manier damit zu hören. aber das Verstörenden hat dann gerade den Weg zum Reichtum dieser Interpretation gewiesen .
Und warum sollen Frauen nciht dieselben existentiellen Entwurzelungs- und Heimatlosigkeits Erfahrungen einer Reise in die emotionale Erfrierung beschrieben?



Liebe Euphonia,

ist die Winterreise nicht mit Paul Ulanowsky am Klavier ? Ich muß diese Version zuhause mal wieder rauskramen und hören. Lotte Lehmann hat - wenn ich mich nicht irre - auch Zeichnungen zu der Winterreise gemacht.

Ich meine, es gibt auch eine Aufnahme mit Christine Schäfer, aber ich kenne sie nicht (bzw. habe sie nur mal ansatzweise gehört und war davon nicht recht überzeugt).

Habe ich die Orchesterversion eines japanischen Komponisten mit Hermann Prey schon erwähnt? Auch lange nicht gehört ...

Viele Grüße,
Gamaheh
Jürgen (22.01.2010, 18:17):
Original von Gamaheh
Original von Euphonia
Lotte Lehmann mit Bruno Walther. Letztere ist 1942 in den USA im Exil entstanden und zuerst war ich schockiert, eine Frauenstimme , noch dazu in dieser dramatisierenden Manier damit zu hören. aber das Verstörenden hat dann gerade den Weg zum Reichtum dieser Interpretation gewiesen .
Und warum sollen Frauen nciht dieselben existentiellen Entwurzelungs- und Heimatlosigkeits Erfahrungen einer Reise in die emotionale Erfrierung beschrieben?



Liebe Euphonia,

ist die Winterreise nicht mit Paul Ulanowsky am Klavier ? Ich muß diese Version zuhause mal wieder rauskramen und hören. Lotte Lehmann hat - wenn ich mich nicht irre - auch Zeichnungen zu der Winterreise gemacht.

Ich meine, es gibt auch eine Aufnahme mit Christine Schäfer, aber ich kenne sie nicht (bzw. habe sie nur mal ansatzweise gehört und war davon nicht recht überzeugt).

Habe ich die Orchesterversion eines japanischen Komponisten mit Hermann Prey schon erwähnt? Auch lange nicht gehört ...

Viele Grüße,
Gamaheh

Gamaheh hat recht, wenn ich das auf der Rückseite des Covers richtig lese:
http://ecx.images-amazon.com/images/I/61Y6fdMiptL._SS400_.jpg
Allerdings ist die Winterreise nicht komplett.

In der Kombination Lotte & Paul habe ich noch die Müllerin, die mir nicht genug gefallen hat, dass ich sie ein zweites mal hätte hören wollen.

Grüße
Jürgen
Fairy Queen (23.01.2010, 06:21):
Ja, ihr habt natürlich Recht! Ich hatte mich zuerst mit der Dichterliebe befasst udn dann nicht verifiziert, dass die Winterreisen-Ausschnitte nicht auch von Walter begleitet werden.
Aber gut ist es allemal.
Die Müllerin mit Lotte Lehmann kenne ich nicht, auf welcher Cd ist die drauf?
Winterreisen von Frauenstimmen gesungen sind ja ohnehin etwas serh Spezielles. Brigitte Fassbänder hat eine vielbeachtete Interpretation gegeben, bei der dann als Pro-Argument manchmal seltsamerweise herangezogen wird, dass sie als Frau, die Frauen liebt, da einen anderen Zugang habe. Warum sollte eine Frau, die Männer leibt, das anders empfinden?
Die frz. Altistin Nathalie Stutzmann hat die Winterreise mit einer so androgynen Alt-Stimme eingespielt, dass man, wenn man nciht weiss, wer da singt, durchaus glauben kann, es handele sich um einen Counter.


Christine Schäfers Sopran ist dagegen ohne Wenn und Aber.
Ich habe ihre Aufnahme nicht, aber es gibt Menschen, die finden gerade das Helle, Klare und etwas Kühle an ihrer Interpretation besonders eindringlch. zumal eine serh schmerzliche persönliche Verlusterfahrung dahinterstünde.
Wie auch immer: die Winterreise ist, wie oben gesagt, ein so universelles und meisterhaftes Werk, dass jede Deutung neue Facetten entdecken machen kann.
Euphonia
jünter (23.01.2010, 14:15):
Original von Euphonia
Christine Schäfers Sopran ist dagegen ohne Wenn und Aber. Ich habe ihre Aufnahme nicht, aber es gibt Menschen, die finden gerade das Helle, Klare und etwas Kühle an ihrer Interpretation besonders eindringlch. zumal eine serh schmerzlkliche persönliche Verlusterfahrung dahinterstünde.

Dem kann ich nur zustimmen mit der Empfehlung an alle Freunde der Winterreise, in die Aufnahme

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0880040401025.jpg

mal reinzuhören. Für mich strahlt die Interpretation eine Eiseskälte aus, die wahrscheinlich nicht jedermanns Geschmack trifft, die aber hervorragend zum Werk und seiner Atmosphäre passt. Gänsehaut ist garantiert!

Gruß, jünter
nikolaus (23.01.2010, 16:06):
Original von jünter
Original von Euphonia
Christine Schäfers Sopran ist dagegen ohne Wenn und Aber. Ich habe ihre Aufnahme nicht, aber es gibt Menschen, die finden gerade das Helle, Klare und etwas Kühle an ihrer Interpretation besonders eindringlch. zumal eine serh schmerzlkliche persönliche Verlusterfahrung dahinterstünde.

Dem kann ich nur zustimmen mit der Empfehlung an alle Freunde der Winterreise, in die Aufnahme

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0880040401025.jpg

mal reinzuhören. Für mich strahlt die Interpretation eine Eiseskälte aus, die wahrscheinlich nicht jedermanns Geschmack trifft, die aber hervorragend zum Werk und seiner Atmosphäre passt. Gänsehaut ist garantiert!

Gruß, jünter

Also melde ich mich als nicht gerade Lied-Liebhaber doch zu Wort.

Dieses ist meine einzige Aufnahme der Winterreise und ich finde sie grossartig.
Sie fesselt mich sehr und ja: Gänsehaut!
Warum das so ist, kann ich gar nicht sagen. Es ist nicht nur die Klarheit (bishin zur Kälte), sondern auch eine Weichheit und Lautmalerei, die mich anspricht.

Nikolaus.
Jürgen (24.01.2010, 01:29):
Original von Euphonia
Die Müllerin mit Lotte Lehmann kenne ich nicht, auf welcher Cd ist die drauf?


Ist hier enthalten:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41RAGQ8ESZL._SL500_AA240_.jpg

Leise Flehen Meine Lieder - The Art of Schubert Lieder
History (10 CDs)



Grüße
Jürgen
Fairy Queen (17.02.2010, 22:03):


Ich habe mir Gamamehs Rat zu Herzen genommen und heute zum wiederholten Mal Hermann Prey mit Irving Gage gehört. Ich muss sagen: das ist wirklich grossartig! :down :down :down
Da ich Fischer-Dieskau zum direkten Vergleich hatte: mir gefällt zwar Preys Stimme weniger gut als die von FI-Di , seine Interpretation ist für mich aber 100mal eindringlicher. Bei FI-Di hab ich leider immer das Gefühl, er traut der Musik nicht und meint , er müsse ihr erst den rechten Weg zeigen.
Preys Interpretation hält fûr mich eine Balance zwischen künstlerischer Distanz und Hineinfallenlassen in den Zyklus. Seine Reise fûhrt geradewegs in den Tod- durch Selbstaufgabe. Bereits bei "Wie mir vor meiner Jugend graut, wie weit noch bis zur Bahre" schauerts mir druch Mark und Bein. Wie er dann den "Wegweiser" und das "Wirtshaus" im piano singt, ist einfach genial- die komplette Resignation, allein mit der Stimme nachgezeichnet.
Nichtmal mehr der Tod kann da Erlösung bringen. Sein Leiermann ist fûr mich nicht das Ende sondern der Anfang der völligen Selbstentäusserung und künftigen, auch physischen, Verwahrlosung- die psychische Verwahrlosung ist da ja bereits im vollen Gange bzw auf dem Höhepunkt.


Als nächstes befasse ich mich mit Quasthoff, die Aufnahme hab ich schon hier, er wird ja hier im Thread serh gelobt.
Solange der Winter hier kein Ende nimmt.......

F.Q.
ab (18.02.2010, 09:38):
Original von Fairy Queen


Ich habe mir Gamamehs Rat zu Herzen genommen und heute zum wiederholten Mal Hermann Prey mit Irving Gage gehört. Ich muss sagen: das ist wirklich grossartig! :down :down :down


Ich dachte, Gamaheh hätte eine andere Aufnahme gepriesen, nämlich Prey/Bianconi (Denon, 1984) ?(

Was am Aura-Mitschnitt empfehleswert ist, scheint mir, ist vor allem das Klavierspiel von Irvin Gage.

Und ich lassse mir natürlich erneut nicht die Gelegenheit entgehen, um hier nachdrücklich auch Dich auf die Aufnahme mit Ernst Haeffliger bei Claves aufmerksam zu machen und sie Dir ans Herz zu legen!
http://www.jpc.de/image/w150/front/0/7619931800820.jpg
Eindlich ist auch wieder die 4-CD-Box mit den drei Zyklen und einer Liederzusammenstellung aufgelegt worden.
http://www.jpc.de/image/w150/front/0/7619931890029.jpg
:hello

Nich zuletzt ist der Livemitschnitt aus der Semperoper Dresden wieder veröffentlicht worden, wo damals Svjatoslav Richter der Begleiter von Peter Schreier war. Solches Klavierspiel sollte man zumindest einmal gehört haben!
:down

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0028947817147.jpg
Fairy Queen (18.02.2010, 11:41):
Lieber a.b. was gefällt dir denn an Prey nicht? ?(
Ich habe übrigens ein falsches Cover eingestellt, weil ich meines nciht gefunden habe. das ist in einer alten frz. Box mit Schubert-Liedern drin.

Haefflinger habe ich noch nciht gehört und muss erstmal an die Aufnahme kommen. Heute gibt es erstmal Quasthoff.
F.Q.
Honoria Lucasta (18.02.2010, 11:52):
Bisher m.W. nicht erwähnt wurde diese Winterreise:

http://a-static.musicload-shop.de/cov/m/230/48/cover/07/46/00000000000746ad/717281932875_e0474f98abd24b05640b7def8365d4dc/winterreise-anton-dermota.jpg

Der von mir sehr geschätzte Anton Dermota hatte einen schönen elegischen Grundton in der Stimme.

Grüße!

Honoria
ab (18.02.2010, 11:57):
Original von Fairy Queen
Lieber a.b. was gefällt dir denn an Prey nicht? ?(
Ich habe übrigens ein falsches Cover eingestellt, weil ich meines nciht gefunden habe. das ist in einer alten frz. Box mit Schubert-Liedern drin.


Ich habe sie noch in der roten Ausbabe von Ermitage, wie zuvor das Label Aura (Edimedia) hieß:

http://pan.priceminister.es/photo/499639836_M.jpg

Das ist aber nicht französisch, sondern aus Italien. Bist Du sicher, dass Du eine Aufnahme mit Gage aus Frankreich hast?
?(

Was ich persönlich an Prey nicht so mag, ist, dass er mir sein Stimme zu kontourenlos einsetzt, da fehlt mir der Kern des Ansatzes, alles mir zu weich, weil mir ein positiv konnotierter Ausdruck für "schwammig" fehlt".
:hello
Fairy Queen (18.02.2010, 12:36):
Lieber ab , Asche auf mein Haupt! Die Box ist wirklich französsich und von Emi und es gibt 4CDs (von denen zwei leider verschlampt wurden, nicht von mir.... :S)
Aber ich habe meine Brille aufgesetzt und nochmal richtig hingeschaut: da spielt nicht Gage sondern Karl Engel- es ist jedoch 100%ig Prey der singt..... :wink
Mir gefällt die Stimme an sich auch nicht so richtig, wobei ich nicht weiss, was ich konkret ausser z.B. bei der Dichterliebe, aber hier nicht!, zu viel portamento, auszusetzen habe. Das" Schwammige" gefällt mir allemal besser als zu hart gespuckte Konsonanten. Stimmen sind eben etwas serh Subjektives.

Aber ich finde die Interpretation der Winterreise von 1962 mit Karl Engel sehr überzeugend.

Sag mal, kennst du eigentlich alle CDS dieser Welt? :wink
F.Q.
ab (18.02.2010, 13:00):
Original von Fairy Queen
Sag mal, kennst du eigentlich alle CDS dieser Welt? :wink
F.Q.

Zu meinen großen Glück nein: viele wollte ich niemals gehört haben, und sonst gäbe es nicht immer wieder neue großartige Überraschungen :wink

Von Prey kenne ich fast gar nichts.

Irwin Gage war nach meinem Dafürhalten (lange Zeit) einer der großartigsten Liedbegleiter überhaupt, aber: Nicht nur "Stimmen sind eben etwas sehr Subjektives".
:hello

Ps Privatnachricht gelesen?
Gamaheh (18.02.2010, 14:35):
Original von ab
Original von Fairy Queen


Ich habe mir Gamamehs Rat zu Herzen genommen und heute zum wiederholten Mal Hermann Prey mit Irving Gage gehört. Ich muss sagen: das ist wirklich grossartig! :down :down :down


Ich dachte, Gamaheh hätte eine andere Aufnahme gepriesen, nämlich Prey/Bianconi (Denon, 1984) ?

Liebe Fairy Queen,

schön, daß Du Prey entdeckt hast ! Diese Aufnahme mit Irwin Gage habe ich auch, sie ist - wenn ich mich nicht irre - von Anfang der 90er Jahre und ist eine Konzert-Aufnahme (das Label Aura kommt übrigens - wenn mich die Erinnerung nicht trügt - aus der (wenn auch italienischen) Schweiz, Aufnahmen der Radio Svizzera Italiana).

Inzwischen wissen wir aber, daß Du Preys erste Aufnahme der Winterreise mit Karl Engel meinst. Er hat sie mehrmals aufgenommen, für die Lied-Edition (meine ich) mit Gerald Moore (erste Hälfte der 70er Jahre).

Bei Youtube gibt es eine Aufnahme mit Helmut Deutsch (zweite Hälfte der 80er, würde ich schätzen), die Playlist ist leider nicht in der korrekten Reihenfolge.

Die Aufnahme mit Bianconi ziehe ich in der Tat allen anderen vor, wobei ich sie aber alle preisen würde. Mit Bianconi habe ich mal ein Interview auf France Musique gehört, in dem er auch über die Zusammenarbeit mit Prey sprach: Prey habe mit ihm die Lieder Note für Note erarbeitet und ihn mit seinen Erkenntnissen über diese Lieder und Schubert im allgemeinen gewissermaßen genährt, wie eine Mutter ihr Kind nährt. Wahrscheinlich hätte Prey am liebsten sich selbst am Klavier begleitet, wenn das möglich gewesen wäre, und das war wohl der Grund, warum er immer mal wieder gerne mit sehr jungen Pianisten zusammengearbeitet hat.

Jedenfalls ist es interessant zu hören, wie sich die Stimme im Laufe der Jahre wandelt (und die Interpretation).

Beste Grüße,
Gamaheh
Fairy Queen (18.02.2010, 18:17):
Also mir hat wie gesagt diese erste Interpretation schon serh gut gefallen, weil sie eine echte Aussage hat und weil man spürt, wie Prey sich mit dem Werk auseinandersetzt ohne es zu zerfleddern oder Alles besser zu wissen als Schubert und Müller
Lieber Ab, was die PNs angeht, hättest du mich nicht drauf hingewiesen... Sie werden mir leider nirgends angezeigt. :(
Merci!!!!

F.Q.
Fairy Queen (18.02.2010, 18:35):
Lieber A.B. Richter muss man wirklich gehört haben! :down :down :down
Schreiers Stimme mag ich ebenfalls sehr, aber ich finde er nimmt das Tempo arg langsam und da ist schon gleich von Beginn an volle Ladung Depression und Hoffnungslosigkeit. Wie soll sich das denn noch steigern? Bin gespannt

Grand merci! Ihr seid wirklich total nett in diesem Forum, da muss man sich einfach wohlfühlen! :engel
F.Q.
ab (18.02.2010, 18:42):
Original von Fairy Queen
Das" Schwammige" gefällt mir allemal besser als zu hart gespuckte Konsonanten.
:beer
Fairy Queen (19.05.2010, 13:57):
Ich habe eben im Radio ienen grossen Auschnitt aus eienr neuen Winterreise Einspielung bei Harmonia Mundi gehört: Werner Güra,Tenor und Christoph Berner auf einem Fortepiano des 19 Jh.
Ausserordentlich vielversprechend! :down
Güras Stimme ist sowieso eine Wonnebad für mich und sein jugendliches Timbre und die grosse Emphase in der Interpretation evozieren hier einen jungen stürmenden drängenden und verzweifelten Winterreisenden, bei dem man nicht glauben möchte dass der Tod das letzte Wort hat. "Wie weit noch bis zur Bahre" singt er so eindringlich , dass man ihn sofort retten will.. Viel zu jung zum Sterben! Das geht mir bei gestandenen Baritonstimmen viel weniger so- wie das timbre allein schon interpretatorisches Element wird ist doch wirklch spannend!
Der Fortepianoklang gefällt mir sehr gut, ich habe leider nicht genau verstanden, was das für ein Instrument ist, so um die 1870iger jahre. Wenn man dem Radiosprecher glauben will, eine Aufnahme ganz dicht am "Originalschubertsound"- also Winterrreise HIP?
Wie auch immer: sehr schön! :down
Gamaheh (19.05.2010, 16:02):
Hallo Fairy,

von dieser Aufnahme habe ich auch schon gehört oder gelesen, und habe auch schon Ausschnitte bei Youtube gehört. Das Instrument ist ein Rönisch von 1872, also nicht gerade besonders hip, da ja Schubert schon über 40 Jahre tot war und der Klavierbau in der Zwischenzeit ganz wesentliche Fortschritte gemacht hatte, also wohl kaum ein Hammerflügel oder Fortepiano, aber trotzdem ein etwas schlankerer Klang als die heutigen Instrumente.

Ist übrigens offenbar vollständig bei YT zu finden.

Beste Grüße,
Gamaheh

P.S.: Ich habe mir übrigens aus irgendeinem Grunde immer einen jungen Mann vorgestellt - egal, wer es singt.
ab (19.11.2010, 22:03):
:B heute im Radio gehört: Sehr bewegend!

Die Winterreise
Wilhelm Müller (1794-1827)
Franz Schubert (1797-1828)
Fassung für Stimme & Drehleier
Nataša Mirkovic - De Ro, Gesang
Matthias Loibner, Drehleier

da

http://ecx.images-amazon.com/images/I/31cdhAjCANL._SL500_AA300_.jpg
Fairy Queen (20.11.2010, 14:23):
Lieber Ab, magst du etwas mehr erzählen? Das klingt sehr spannend. Ist das iene Altistin oder eine Sopranistin, die da singt?
Ich kenne mcih mit der Drehleier nicht aus, kann man mit diesem Instrument die Klavierbegleitung spielen oder ist das eine ganz andere Begleitung?

F.Q.
Jimi (21.11.2010, 09:48):
Guckst du hier
Und hier sieht man wie die Drehleier funktioniert

:hello Jimi
Fairy Queen (21.11.2010, 10:33):
Danke für den Link. zum Leiermann passt das natürlich hervorragend und gefällt mir gut, aber was ist mit den anderen Liedern?
F.Q
ab (21.11.2010, 12:10):
http://oe1.orf.at/programm/258828 lg Armin]Hier ist die Sendung des ORF noch bis kommenden Freitag nachzuhören.

Mathias Leubner, den ich gerne einmal im Konzert erleben würde, macht ja auch Weltmusik, vor allem Musik vom Balkan, aber auch die original Haydn-Konzert für Drehleier oder Berabeitungen von Vivaldi-Konzerten. Hier ein Eindruck seiner Balkan-Sachen, die seine Musikalität zeigen. Mircovich-De Ro finde ich hier so besonders, weil es fast näher liegt, von "Stimme" zu sprechen, denn von "Gesang". Die Radiomoderatorin meinte bei der Präsentation sinngemäß, sie sei wie eine der guten Schauspielerinnen, die nicht gestalte, sondern es eher "durch sich hindurch gehen" ließe, und damit viel mehr Wirkung erzielte. Auf mich wirkt das ein bisschen wie Straßenmusik und die Tradition der Märchenerzähler. Auf meinem Wunschzettel steht diese CD jedenfalls...
:hello
Heike (05.12.2010, 13:41):
Am Sonntag den 05.12 von 15.05 Uhr - 17.00 Uhr auf Deutschlandradio Kultur
Interpretationen
"Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus" Franz Schubert "Winterreise"
Moderation: Jürgen Liebing Gast: Peter Härtling
Fairy Queen (05.12.2010, 14:14):
Worum geht es da? Ist das eine vergleichende Studie zu Einspielungen oder eine Einführung in das Werk an sich oder eine biographische Analyse?

F.Q.
Heike (05.12.2010, 14:21):
Die webseite sagt:
"Dieser Zyklus von Wilhelm Müller und Franz Schubert hat Peter Härtling sein Leben lang nicht losgelassen. Ein Ergebnis seiner fortwährenden Beschäftigung ist auch eine besondere Aufnahme mit der Bratschistin Tabea Zimmermann, dem Pianisten Hartmut Höll und der Sopranistin Mitsuko Shirai. Sie bildet gleichsam den roten Faden dieser "Interpretationen", in denen aber auch Dietrich Fischer-Dieskau, Thomas Quasthoff, Christine Schäfer und andere musikalisch zu Wort kommen.

Die "Winterreise" ist für Peter Härtling aber mehr als ein musikalisches Ereignis, sie ist für ihn höchst aktuell als Sinnbild für die Heimatlosigkeit in einer unbehausten Welt. "
Fairy Queen (05.12.2010, 14:29):
Danke, das klingt hoch interessant für mich. Weiss jemand, ob und wie ich diese sendung über Internet hören/nachhören kann? Da das in einer halben Stunde anfängt, ist Eile angesagt..... :engel
Heike (05.12.2010, 14:33):
hören hier:
http://www.dradio.de/dkultur/ rechts, live-stream
nachhören nicht möglich, nur aufnehmen.
Dazu kostenlos schnell den PLAYER / RECORDER runterladen und installieren (auch rechts, weiter unten).
Heike
Fairy Queen (05.12.2010, 14:39):
Merci vielmal, ich hoffe, es klappt!!!!!
F.Q.
Fairy Queen (06.12.2010, 14:25):
Ich habe die Sendung gestern aufgenommen und habe eben festgestellt dass es die dort vorgestelle Version der Winterresie für Viola, Sprecherstimme und Klavier nciht mehr im Handel gibt. Peter Härtling, den die Winterresie shcon sein gazens Leben lang in besodnerer weise begleitet hat zusammen mit Hartmut Höll, Mitsuko Shirai und Tabea Zimmermann eine hochinteressante Annâherung an das Werk versucht. Leider nicht mehr zu haben...... :S In der Sendung ist auch ein stück aus der allerersten Aufnahme mit FIDI zu hören- man erkennt ihn kaum wieder, ganz unverbraucht, ohne jeglcihe Manierismen, rein und wunderschön. :down
Ich bin Heike serh dankbar fûr dne tipp mit Deutschlandradio Kultur! :engel
Archivspinne (12.12.2010, 21:37):
Wenn ich lese "Mit meinen heißen Tränen" erinnere ich mich, dass meine Mutti bei dem Gedanken an diesen Film schon fast zu weinen anfängt... :I
Fairy Queen (16.01.2011, 19:39):
Weiss zufällig jemand etwas zu Elfriede Jelineks Theaterstück "Winterreise", das in München in den Kammerspielen(mit Musik, wenn ich es richtig verstehe) aufgeführt wird? Ich bin zu der Zeit gerade da und würde mir das evtl ansehen. Wenn es allerdings total unerträglich ist..... bei Jelinek muss man ja mit allem rechnen ?(

F.Q.
Heike (17.01.2011, 08:33):
Ich erinnere mich, eine Kritik gelesen zu haben, in der das Stück als depressiver Monolog über Jelineks Innenleben bezeichnet wurde. Es ist also sehr biographisch angelegt, aber kombiniert mit aktuellen Ereignissen (Hyposkandal, Kampuschentführung u.a.). Alles gespickt mit traurigen Winterreise-Zitaten. Das bezog sich aber auf das Buch, zu der Bühnenumsetzung weiß ich nichts.
Sicherlich interessant, aber wahrscheinlich solltest du dir hinterher eine kleine Party zur Aufmunterung organisieren ;-)
Heike
Ingrid (17.01.2011, 10:01):
Liebe Fairy,

habe gestern auch nur die Einführung der Kammerspiele dazu gelesen und es klang so, wie es Heike beschrieben hat. Von Bekannten hörte ich noch nichts. War wohl noch niemand drin.

Falls Du aber zur Festspielzeit mal in München sein solltest, ist ja der Liederabend von Gerhaher und vielleicht auch Jonas Kaufmann ein MUSS. Ob man Karten bekommt, steht auf einem anderen Stern. Diese Woche beginnt, wenn mich nicht alles täuscht, die tagelange Ansteherei für die Festspiele und wie ich hörte, wären die Liederabende ein besonderes Nadelöhr, da ja jeweils nur einmal.

Herzliche Grüße aus dem Münchner Umland
Ingrid

PS. Werde heute Nachmittag allerdings in München sein und mein goldiges erstes Enkelkind besuchen.
Fairy Queen (17.01.2011, 19:23):
Wenn ich alleine wâre, würde ich es mir totz alledem ansehen. Mich kann so leicht ncihts schockieren und ich fand auch "Die Klavierlehrerin" zwar erschütternd aber doch serh gut. Leider weigert sich nun meine Tochter bei dem Namen Jelinek strikt.... man kann es ihr wohl nciht verdenken! Parallel gibt es dostojewski Schuld und Sühne als Theaterstück. Das klingt auch serh spannend!
Danke und lieben Gruss
F.Q.
P.S. Liebe Ingrid, ich würde Gerhaher und Kaufmann ja zu gerne sehen, aber ich bin leider nur alle Jubeljahre mal da..... :I
Rachmaninov (16.10.2011, 10:09):
ich bin mal so frei

Original von Cetay
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41JWXTZ969L._SL500_AA300_.jpg
Schubert; Winterreise; Abramowitsch, Barth

Die Winterreise geht bei mir nur mit einer ganz tiefen Männerstimme (Martti Talvela kann mir das näher bringen, Textverständlichkeit hin oder her) oder einer unaffektierten Frauenstimme (also nicht Faßbender oder Schäfer), wie die gerade gehörte. Tenöre vom Schlage eines Fischer-Dieskau machen mir das unerträglich, das ist Künstlich-Lied statt Kunstlied. :A :ignore
Cetay (inaktiv) (16.10.2011, 10:12):
Oh weh! Hier finden es doch die Kunstliedfreunde. http://www.smiley-channel.de/grafiken/smiley2007/erstaunt/smiley-channel.de_erstaunt018.gif

EDIT: aber ich höre die gezeigte Aufnahme bei Lied 7 nach wie vor mit Freude!
Fairy Queen (16.10.2011, 18:37):
Ähmmm..... die Winterreise ist ursprünglich für die "unerträglichen Tenöre" komponiert worden und obschon Fischer-Dieskau(Bariton!) nciht zu dieser Gattung gehört, hat er massgebliche Weichen für die Interpretation des Zyklus gestelllt. Und hervorragende Nachfolger ausgebildet.(z.B. den von mir hochverehrten Christian Gerhaher)
Ganz tiefe Männerstimmen wie hier gefordert wird, kônnen die Winterreise nichtmal im Original singen- waren von Schubert also erstmal gewiss nicht vorgesehen . Das stört mich allerdings nciht wirklch , wenn jemand das so herzzereissend rüberbringt wie Hans Hotter.
Was mich stört sind interpratationslose Interpretationen, ob hoch oder tief oder mittel. Natürliches Singen ist vielleicht in der Badewanne möglich aber niemals im Konzertsaal.Ein kunstliedzyklus ist einstudiert und kann nur von künstl(er)isch ausgebildeten Stimmen bewältigt werden. Mit "Naturstimme " kann man evtl noch den Lindenbaum im Mânnerchorstil hinbekommen, aber den Rest???????????

Etwas ratlose Grûsse von F.Q.
Cetay (inaktiv) (16.10.2011, 22:14):
Liebe Fairy,

ich sehe das etwas anders und würde wenig interpretierende Interpreten nicht gleich in die Badewanne stecken, sondern sie eher an einen der extremen Ränder des Interpretationsspektrums verorten. Dass es eine so immense Bandbreite an möglichen Auslegungen eines Werkes (egal welcher Gattung oder Epoche) geben kann, macht für mich einen Gutteil der Faszination Klassischer Musik aus. Ob das alles immer meinen Hörpräferenzen entgegenkommt, ist dabei zweitranging.

Im konkreten Fall hat mir Frau Abramowitsch durch ihre eigenwillige (Un-)Deutung den Zugang zum Werk ermöglicht, der mir sonst in der Regel durch den Interpreten (egal ob Tenor oder hoher Bariton :wink) verstellt wird. Und mit der Kenntnis des Werks, kommt vielleicht auch der Wunsch, "richtigere" Interpretationen zu hören, von ganz allein.

Es gibt viele Fälle, in denen Randinterpretationen Werke für neue Zielgrupoen erschließen können. Ich denke an den Sacre, der nicht zuletzt durch Karajan, der die Ecken und Kanten brutal weggeschliffen hat, zum allgemeinen Volksgut wurde. Mir gefällt die Interpretation überhaupt nicht, aber ich finde sie gut. Ich denke an Streichquartettformationen, die wegen ihres orchestralen Klangs kritisiert werden, aber so vielleicht exklusive Orchestermusikliebhaber für das eine oder andere Werk ihrer Gattung begeistern können. Dank den -anfangs extremen- HIPstern hören heute auch einst notorische Alte-Musik-Freaks Kompositionen, die im 19. Jhd. geschrieben wurden, dank Benny Goodman hör(t)en Jazz-Fans Mozart, ...

Man kann das alles kritisieren, weil es nicht richtig ist, aber ich freue mich lieber an der Vielfalt und suche mir daraus das aus, was mir gefällt.
Ingrid (17.10.2011, 00:28):
Jonas Kaufmann wird in den Münchner Festspielen 2012 mit der Winterreise starten. Die Ankündigung kann man u.a. von ihm in seiner Homepage sehen und hören.

LG Ingrid
palestrina (04.04.2013, 20:38):
Also , mir ist es gleich wer die Lieder interpretiert, ob Bariton , Bass, Mezzo oder Tenor,
die Hauptsache bleibt was ich da höre !
Bisher gefielen mir die Lieder nicht mit Tenor, aber als ich die 2te Aufnahme mit
Christoph Pregardien gehört habe (die 1te gefiel mir nicht so gut) war ich unglaublich
überzeugt von seiner heutigen Interpretation. Das ist alles so gereift , viel natürlicher
und Ausgewogen, mag auch am Pianisten liegen , Michael Gees macht das Zusammen-
Spiel zu einem Ereignis .
Früher habe ich nicht so auf das Klavierspiel geachtet , aber heute um so mehr.
Dadurch ergeben sich auch völlig andere Sichtweisen auf die Winterreise .
Pregardiens Gesang ist auch merklich dunkler geworden und dadurch auch kerniger
was ich für meinen Teil bei der WR überzeugender finde !

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0608917259629.jpg

LG palestrina
abendroth (29.04.2013, 22:30):
Habe gerade die Winterreise mit Christine Schäfer gehört (CD). Gewiss die ungewöhnlichste Winterreise, die ich je gehört habe (ich kenne so manche). Sie wurde auch hier wiederholt, oft mit Begeisterung, erwähnt. Die Aufnahme wurde hier und anderswo als kühl, eiskalt, emotionslos beschrieben ....aber geht wie nur wenige unter die Haut. Sie wird lange bei mir nachklingen. Es ist mir fast ein bisschen bange davor, sie noch einmal anzuhören.
freundliche Grüsse
abendroth
palestrina (14.02.2014, 21:58):
Seit gestern viel gehört , die neue Winterreise mit J. Kaufmann......

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0888837956321.jpg

Nun ist es fast ein Jahr her, das ich die obige Aufnahme mit Ch.Prégardien erstanden und lieben gelernt habe und dann kommt diese neue Winterreise dazu und hat mich völlig umgehauen .
Was für ein Interpretation, der Ausdruck, die vielen Farben, man leidet förmlich mit !
Es mangelt ja nicht an Aufnahmen, aber genauso wie seine "Schöne Müllerin" fasziniert mich
seine Deutung der Winterreise .Es ist auch nicht so manieristisch , sondern hat was von Natürlichkeit.
Auch die Begleitung von H.Deutsch ist hervorragend, die beiden ergänzen sich auf das beste !

Es mag bestimmt nicht jedermanns Geschmack sein, aber meiner ist es ! :down

LG palestrina
Jussi (19.02.2014, 22:02):
Palestrina, Herrn Kaufmann mit Schubert ... das überrascht! :tongue: Aber ich bin natürlich darauf sehr gespannt und bleibe am Ball, was die Beschaffung dieser CD anbelangt! :wink :) Danke für den Tipp! Bisher sind meine Favoriten die Aufnahmen mit Pregardien und Christine Schäfer.
palestrina (19.02.2014, 22:17):
Jussi,

wieso überrascht ?

Obige Prégardien, oder die ältere ?

Also mit Frau Schäfer kann ich ja garnichts anfangen , hatte die Aufnahme und 1x gehört , nein,
war sogar nicht mein Geschmack ! ?(

LG palestrina
Jussi (20.02.2014, 12:17):
Palestrina, ich meinte die gute alte mit Staier. :wink Aber diese hier ist auch sehr interessant:

http://img5.fotos-hochladen.net/uploads/51lqqx3vklsxtway6ep9xm.jpg

Mit Verdi hat Herr Kaufmann sehr überzeugt, aber Schubert? Da liegen schon Welten zwischen ...

Liebe Grüße an den Main! :) Hab etwas Sehnsucht nach der alten Heimat ...
palestrina (21.02.2014, 17:29):
Hallo Jussi,
diese kenne ich ja gar nicht ?(, habe ich da was verpasst?

Also, er kann Schubert ganz vorzüglich singen, es kommt für mich voll überzeugend rüber !
Und was andere bemäkeln an ihm, das seine Stimme sehr baritonal klingt, ist hier der große
Vorteil.

LG palestrina

PS. Kommst du aus FFM ? Oderso Drumherum ?
Jussi (21.02.2014, 18:22):
Original von palestrina
Hallo Jussi,
diese kenne ich ja gar nicht ?(, habe ich da was verpasst?

Also, er kann Schubert ganz vorzüglich singen, es kommt für mich voll überzeugend rüber !
Und was andere bemäkeln an ihm, das seine Stimme sehr baritonal klingt, ist hier der große
Vorteil.

LG palestrina

PS. Kommst du aus FFM ? Oderso Drumherum ?

Es geht doch nichts über einen schönen Bariton!! :wink :) Bin jedenfalls schon sehr gespannt!

Ja, habe Kindheit und Jugend in OF verbracht! Und je älter ich werde, desto mehr zieht es mich an den Main zurück ... :wink

LG Jussi
palestrina (21.02.2014, 18:57):
Original von Jussi
http://img5.fotos-hochladen.net/uploads/51lqqx3vklsxtway6ep9xm.jpg


Nochmal Jussi, hab ich da was verpasst?

LG palestrina

Bin morgen in OF , ich werde auch schöne Grüße bestellen !
abendroth (21.02.2014, 20:15):

Ja, habe Kindheit und Jugend in OF verbracht! Und je älter ich werde, desto mehr zieht es mich an den Main zurück ... :wink

LG Jussi

Ich auch! Aber ich käme nicht auf die Idee Berlin mit OF tauschen zu wollen. Als ich jung war, hatte OF noch ein richtiges Theater (die ehemalige Synagoge), in der ich recht viele Opern und Konzerte hören konnte. Die Opernensembles aus Mainz, Darmstadt oder Wiesbaden traten regelmässig auf, es kamen Streichquartette, Pianisten (Eschenbach) und sogar Harnoncourt war mit seinem Concentus in OF. Seit langem ist die Stadt kulturell tot, zum Glück hat sie aber noch immer die schönen Fuss- und Radwege am Main entlang.
freundliche Grüsse
abendroth
Jussi (21.02.2014, 21:35):
Abendroth, das gibt es ja nicht!!! :D So klein ist die Welt!
Ich erinnere mich an eine Rigoletto-Aufführung in der ehem. Synagoge mit Domgraf Faßbender, die meine begeisterten Eltern erleben durften!

Palestrina, ich finde, ja! Besorgen und reinhören! :tongue: Und viel Spaß in OF! :wink
Jussi (22.02.2014, 16:52):
Palestrina, ich war einkaufen! :D

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0888837956321.jpg

Und ich bin hingerissen!!! :down Keine blutleere, verhaltene Aufnahme, sondern eine sehr expressive und emotionale, dramatisch und voller Klangfarben! Sie trifft sofort ins Herz! Herr Kaufmann kann wunderbar Schubert singen!! Und ganz begeistert bin ich auch von Helmut Deutsch, der sehr wach und klug gleichberechtigt neben der Singstimme den Klavierpart leuchten läßt. DANKE für den Tipp! :thanks

Liebe Grüße Jussi
palestrina (22.02.2014, 18:31):
Das freut mich aber sehr, Jussi !
Habe heute auch eine Rückmeldung eines Freundes erhalten, der wie du sehr skeptisch wahr
und nun vor Begeisterung eine Stunde mit mir telefonierte .

LG palestrina
Cetay (inaktiv) (11.09.2014, 18:49):

http://www.gopera.com/winterreise/img/friedrich2.jpg

Ein Übersicht aller(?) bis 2006 erschienenen Aufnahmen findet sich --> hier auf der Seite GOpera.com.
Die Liste ist nach Interpret, Begleiter und Aufnahmedatum sortierbar und man kann die Auswahl auf eine Stimmlage beschränken. Es finden sich auf dieser Seite allerlei interessante Artikel (in englischer Sprache), u.a. verrät Lotte Lehmann zu jedem Lied ausführlichst ihre Gedanken zur Interpretation (sogar Hinweise zum passenden Gesichtsausdruck gibt es), eine Gegenüberstellung zeigt, wie sich Schuberts Reihenfolge von der finalen Publikation Müllers unterscheidet und wer schon immer wissen wollte, was es mit den Nebensonnen auf sich hat, findet unter "Links" neben vielem anderen einen Verweis auf eine Seite, die dieses Phänomen erklärt.
Cetay (inaktiv) (14.09.2014, 21:08):
Nach mehreren vergeblichen Anläufen gehöre ich nun auch zum Kreis der Winterreisenden. Meine Schwierigkeiten mit der klassischen Lied-Vortragsweise und der Wunsch nach einer möglichst tiefen Stimme und einer introvertierten Darbietung wurde von der Liedgesangs-Fraktion schon mit heftigem Unverständnis quittiert, doch was hilfts? Bei den meisten Einspielungen weiß ich schon nach der zweiten Zeile, dass das nichts für mich ist. Warum trotzdem dieses Ringen mit dem Werk? Weil die wenigen Versuche, die ich durchgehalten habe, sich unauslöschlich ins Hirn gebrannt haben, weil es einfach viel zu viel gute Musik und dazu eine überragendes textliches Konzept gibt. Anlass für die neue Initiative war ein Post im "Das Wichtigste"-Faden:

Original von Tangua
3. Schubert - Die Winterreise - ich bin eigentlich kein Fan von klassischer Vokal-Musik, aber diese Lieder schaffen es, bei mir eine Wirkung zu erzielen, wie ich das sonst nur aus dem Bereich Rock und Jazz kenne
So ist es! Durch die Recherche bin ich dann auf Jorma Hynninen gestossen. Den kenne ich von Sibelius her und seine Stimmfarbe gefällt mir richtig gut; die im Rahmen der BIS-Gesamtedition herausgekommenen Orchesterlieder höre ich sehr gerne. Youtube-Ausschnitte aus einer Winterreise-DVD, die er gemacht hat, haben mich dann vollends überzeugt und ich habe die Aufnahme heruntergeladen.

Volltreffer! Neben dem warmen Timbre und der absolut ungekünstelten und glaubwürdigen Vortragsweise von Hynninen überzeugt auch das Klavierspiel von Ralf Gothóni auf ganzer Linie und die Symbiose von Solist und Begleiter ist einfach perfekt.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51CuBsqbfIL._SL500_AA270_.jpg
Jorma Hynninen & Ralf Gothóni, 1988 (71:38)

Die Live-DVD ist nicht mit der CD identisch; sie entstand 1994 (Ausschnitte: 'http://www.youtube.com/watch?v=R35KRmCVsi0' Einsamkeit & Der Leiermann).

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51GWBSWXBPL._SL500_AA270_.jpg
palestrina (21.11.2014, 14:32):
Hallo zusammen , hallo Jussi !

Habe mir mal für ein paar Euronen diese Winterreise zugelegt ......

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51odhT7etQL._SY350_.jpg

also nicht die mit Pregardien sondern jene mit Blochwitz aus Ffm :D HR Sendesaal '94
Nach dem ersten hören , finde ich einige Lieder gut, aber im großen und ganzen lässt mich das eben
gehörte etwas ratlos zurück !?
Liegt vielleicht daran , das ich in letzter Zeit soviel Klavierlieder gehört habe, aber ich werde das ja noch ein paar mal hören, oder hat jemand eine Einstiegsdroge für mich!?
Die Einleitung z.B. fand ich sehr gelungen .

Zurück bleibt ein ratloser palestrina ?(
LG
Jussi (25.11.2014, 16:46):
Original von palestrina
Hallo zusammen , hallo Jussi !

Habe mir mal für ein paar Euronen diese Winterreise zugelegt ......

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51odhT7etQL._SY350_.jpg

also nicht die mit Pregardien sondern jene mit Blochwitz aus Ffm :D HR Sendesaal '94
Nach dem ersten hören , finde ich einige Lieder gut, aber im großen und ganzen lässt mich das eben
gehörte etwas ratlos zurück !?
Liegt vielleicht daran , das ich in letzter Zeit soviel Klavierlieder gehört habe, aber ich werde das ja noch ein paar mal hören, oder hat jemand eine Einstiegsdroge für mich!?
Die Einleitung z.B. fand ich sehr gelungen .

Zurück bleibt ein ratloser palestrina ?(
LG

Hallo, Palestrina!

Ich kenne diese Aufnahme auch, finde sie doch sehr interessant. Aber ist ja alles Geschmacksache! :wink
Gestern im Radio wurde diese Aufnahme mit Daniel Behle und einem Klaviertrio vorgestellt. Kennst Du sie?

http://img5.fotos-hochladen.net/uploads/0888837882323o524fbqs07.jpg

Einen schönen Feierabend!

LG Jussi
palestrina (25.11.2014, 16:58):
Hallo liebe Jussi, nein noch nicht , aber am Freitag oder Samstag , denn die ist noch nicht zu haben !

Ich freue mich sehr darauf !
Wenn ich es gehört habe , dann hier !

Für die Zender Winterreise brauche ich noch ein paar Durchgänge ! :D

LG palestrina
palestrina (03.12.2014, 21:11):
Kopiere mal hier her, was ich bei" Eben gehört" geopstet hatte , da Severina die beiden CDs auch gehört hatt und wie ich total begeistert war !

https://www.jpc.de/image/w350/front/0/0888837882323.jpg :down :down :down

oh, diese Winterreise für Klaviertrio von und mit D.Behle und dem Oliver Schnyder Trio, ist sehr sehr schön anzuhören ! Nun habe ich Zender gehört, die Bearbeitung für Streichquartett von J.Josef und diese und das hier ist das BESTE , weil am unaufdringlichsten, sehr dezent in der Bearbeitung er hat die Violine und das Violoncello sehr behutsam eingesetzt !

Bin gespannt auf deine Zeilen Severina !

LG palestrina
Severina (03.12.2014, 21:15):
Liebe Winterreisende,

seit gestern besitze ich die neue CD mit Daniel Behle. Obwohl ich dachte, Jonas Kaufmann hätte mich für alle weiteren Einspielungen verdorben, gefällt sie mir doch sehr gut.
Zunächst musste ich mich an Behles viel heller timbrierten Tenor gewöhnen, auch geht er vieles wesentlich ruhiger an als sein Landsmann. Er wühlt mich nicht so auf wie Kaufmann, berührt mich auf seine besondere Weise aber auch sehr tief.
Interessant finde ich die von Behle selbst erstellte Version mit Klavier, Violine und Cello, die den Liedern eine zusätzliche Dimension verleiht. So klingt der Leiermann noch jenseitiger und unheimlicher als mit der üblichen Klavierbegleitung.

Dies einmal ein erster Eindruck, jetzt wäre ich auf Gegenstimmen neugierig!

lg Severina :hello

PS: Palestrina und ich haben wohl gleichzeitig geschrieben!! :D
Jussi (03.12.2014, 21:56):
... und hier ist Daniel Behle 2013 live mit der Winterreise auf der Schubertiade in Hohenems zu erleben: :engel

https://www.youtube.com/watch?v=IkSGPsI_73k
Viola (04.12.2014, 10:45):
Original von Jussi
... und hier ist Daniel Behle 2013 live mit der Winterreise auf der Schubertiade in Hohenems zu erleben: :engel

https://www.youtube.com/watch?v=IkSGPsI_73k

Danke, Jussi, für diesen Link (bei mir funktioniert er zwar nicht, aber das Konzert ist natürlich auffindbar :wink), das ist in der Tat ein vorzüglicher Liedgesang. Sehr natürlich, und obwohl ich das eigentlich mag, fehlt mir etwas - und das Merkwürdige, ich weiß nicht genau, was ...

Die CD mit dem Winterreise-Trio kenne ich leider noch nicht.

Meine (nach wie vor) bevorzugte Winterreise ist neben jener Pregardiens (Staier) und Schreiers (Schiff) diese hier:
http://youtu.be/kUJK7Ta8gOI?list=PLEA9DC2E8F60FB58C

Großartig finde ich auch das Klavierspiel Christoph Berners.
:engel


Viola
Severina (04.12.2014, 12:39):
Liebe Viola,

mir ging es beim ersten Mal genauso, ich fand den "Sound" perfekt, aber es packte mich nicht so richtig. Inzwischen fesselt mich aber auch der durchgehend resignative Ton, dem man auch das seltene Aufbegehren nicht so wirklich abnimmt. Behle ist ein ganz anderer Wanderer als Kaufmann, bei ihm scheint das (letale) Ende schon von Anfang an festzustehen. Er hat sich innerlich längst aufgegeben, lebt nur von der Erinnerung, die aber zu wenig stark ist, um ihm ein Weiterleben erstrebenswert erscheinen zu lassen, weil er auch da nur das Negative sieht (sich fast darin suhlt). Ich finde es inzwischen faszinierend, wie er diese resignative Grundstimmung vom ersten bis zum letzten Lied durchhält.
Wobei mir nach dem x-ten Durchgang die Version mit dem Klaviertrio besser gefällt als die übliche. Ginge es nur um eine konventionelle Winterreise (also Klavier+Interpret), wäre Daniel Behle nicht an der Spitze. Aber ich denke, das wäre eine Interpretation, die auch Cetay gefallen könnte, eben weil sie nicht so auf großes Seelendrama, auf expressive Selbstentäußerung (Kaufmann) setzt, sondern sehr introvertiert daherkommt.


Pregardien/Staier besitze und schätze ich auch!

lg Severina :hello
Viola (04.12.2014, 20:57):
Liebe Severina,

interessant, was Du schreibst - kann mir gut vorstellen, dass es mir beim wiederholten Hören ähnlich geht, und mich der relativ "undramatische" Ton Daniel Behles stärker berührt. Und auch möglich, dass Du genau das ansprichst, was mir fehlt: das "Gegenhalten", das Aufbegehren, eine Spur der Hoffnung irgendwie. Eine Spur! Manchmal bricht so etwas durch, für mich, beim ersten Eindruck, zwar an merkwürdigen Stellen, aber egal, nur versackt es (relativ chancenlos) sofort, das beschreibst Du gut.

Auf das Klaviertrio bin ich natürlich - und nun nach der zweiten begeisterten Reaktion hier im Forum erst recht - gespannt, werde es bei nächster Gelegenheit versuchen anzuhören.

Restlos überzeugt bin ich von der Fassung für Klavier und Viola, seitdem ich sie vor Jahren in einem Konzert mal gehört hatte. War überrascht, wie perfekt die Singstimme der Winterreise von der Viola übernommen und getragen werden kann.

Liebe Grüße
Viola

(Mit Jonas Kaufmanns Winterreise hab ich eigenartigerweise ein Problem - obwohl ich seine Stimme sonst ziemlich göttlich find' :wink)
palestrina (05.12.2014, 18:03):
Hallo ihr lieben Winterreisenden .....!

Nach zigmaligem hören , bin ich der Meinung, man muss es zig mal hören und begreifen was Behle aussagen will, er weiß nämlich noch nicht wie es endet. Am Ende des Leiermanns steht ja 2x ein ? und es gibt keine Antwort, also w.o. erwähnt -Resignation-von Anfang an? Na ich weiß nicht ganz, ich finde er will uns sagen , hallo ich will Euch mal erzählen was geschehen kann ......und er singt die letzte Zeile des Leiermanns mit einem zarten ? nicht als Resignation wie ich meine , denn das Wirtshaus hat ihn auch nicht eingelassen und beim Lindenbaum bliesen ihn die Winde fort , ergo es gibt kein Ende , war alles nur eine Illusion !?
Und dann denke ich imner an Schubert, was man erzählt hat bei seinem Vortrag der WR 1827 ich singe euch einen Zyklus schauerlicher Lieder vor . Und auf Schubert gemünzt, -willst zu meinen Liedern deine Leier drehn ? ....und Schubert hat ja noch einige Lieder komponiert !?
Das habe ich noch gelesen : Nach dem ersten Lied , keine Schwärmerei hat das letzte Wort, sondern Wahrhaftigkeit. Und solche Illusionslosigkeit der weiteren düsteren Stationen sollte auch die Interpretation während des ganzen Zyklus vor der Larmoyanz bewahren, die manchmal zu hören ist.

LG palestrina
palestrina (07.12.2014, 12:44):
Hallo zusammen !

Ein Beitrag von Irwin Gage , Pianist , Liedbegleiter.

Meine ursprünglicher Eindruck war der, dass die WRso eine Art Fortsetzung der SM darstellt.
Der Müllerbursche springt nicht in den Bach ! Er verlässt den Ort seiner unglücklichen Erfahrung
und zieht in eine Stadt, wo er das Leben eines Einsiedlers führt. Vielleicht zehn Jahre später begegnet er der Müllertochter dort wieder-und das ganze Unglück wird wieder aufgewühlt in ihm!
Und dann muss er sich auf seine Winterreise begeben ...Ich weiß:Es ist absurd-aber diese Vorstellung drängte sich mir früher auf.
Abgesehen von dieser assoziativen Verbindung haben die beiden Zyklen nichts gemein. Die "Müllerin"
hat eine Handlung : MBurche im Dienst, verliebt in die Müllertochter wird nicht erwidert, Verzweiflung !
Bei der WR handelt es sich um eine Sache der Stimmung: Diese bleibt bestehen; es giebt kaum Veränderungen. Die Stimmung die von Anfang bis Ende bestehen bleibt. Es gibt kein einziges fröhliches Lied in diesem Zyklus, nur dunkle Farben. Bei der Müllerin spürt man hingegen , dass es sich um eine jüngere , jedenfalls aber unerfahrene Person handelt: Da sind Hoffnung und freudige Momente.
Wie sich oft im Leben die Hoffnungen nicht erfüllen und man seine Wunschträume nicht in die Realität umsetzten kann, so muss der Wanderer in der WR als der ältere Mann eben dies erkennen. Daher kommt seine Verbitterung.
Obwohl ich weiß, das die Zyklen nicht als Einheit gedacht sind , sehe ich da die Verbindung: Zwei Lebensalter - derselben Person? - werden geschildert. (Irwin Gage)

Ich finde eine Interessante These , was mein Ihr ?

LG palestrina
Cetay (inaktiv) (08.02.2015, 06:35):
Auf SWR 2 Treffpunkt Klassik wurden unlängst 7 neue Aufnahmen der Winterreise besprochen:Daniel Behle (Tenor), Oliver Schnyder Trio
Jakob Högström (Bariton), Duo Dialog (Klarinette & Gitarre)
Alice Coote (Mezzosopran), Julius Drake (Klavier)
Zvil Emanuel-Marial (Altus), Philip Mayers (Klavier)
Jan van Elsacker (Tenor), Tom Beghin (Hammerklavier)
Jan Kobow (Tenor), Christoph Hammer (Hammerklavier)
Matthias Goerne (Bariton), Christoph Eschenbach (Klavier)Als Favoriten der Moderation stellen sich Behle (Farbenreich und psychologisch schlüssig erzählt er im Ich-Tonfall von dem heimatlosen Wanderer, macht seine Sorgen und Qualen erlebbar und bleibt dennoch distanziert. Stimmlich in jeder Hinsicht warm, natürlich und flexibel...) und Kobow (Auf dieser Aufnahme hört man keine psychologischen Deutungen eines Textes, hier exponiert auch kein Sänger seine echten oder gespielten Gefühle und kein Pianist seine brillante Technik, sondern man hört Franz Schuberts Musik. Und das ist berührend gut.) heraus,

Das vollständige Manuskript (aus dem die kursiven Zitate stammen) zur Sendung kann --> hier heruntergeladen werden.
SWR2 Treffpunkt Klassik - Neue CDs; Am Mikrofon: Dorothea Bossert; Vorgestellte Aufnahmen: Sieben Mal Franz Schuberts „Winterreise“ D 911
agravain (22.07.2017, 10:44):
Kopiert aus "Eben gehört." Ich hoffe, liebe Cosima, das ist in Deinem Sinne.
ZuThomas E. Bauer: Unbedingt mal in die Winterreise mit Immerseel reinhören.

Das ist eine großartige Aufnahme! In jeder Hinsicht. Ich gebe gerne zu, dass ich sehr durch die diversen FiDi-Winterreisen geprägt bin. Andere Aufnahmen – z. B. von Pregardien oder Güra – fand ich ganz gut, aber nicht annähernd so überwältigend. Die Aufnahme von Thomas E. Bauer und Jos van Immerseel (am Hammerflügel Christopher Clarke, 1988) ist einfach nur begeisternd, ich würde sie ohne Zögern den FiDi-Interpretationen zur Seite stellen. Gerade der wunderbare Klang das verwendeten Instruments trägt zur Stimmung bei.


Ein Rezensent auf der NDR-Kultur-Seite schrieb seinerzeit sehr richtig:


Der Ton tiefer Traurigkeit


Eine ungewohnte Farbe: Nicht so brillant und klar wie der moderne Steinway, sondern beinahe milchig verschwommen und ein bisschen heiser - dieser Hammerflügel lässt uns aufhorchen. Er sorgt für eine zerbrechliche, dunkle Stimmung.
Diese fragile Grundierung durch das Instrument gibt dem Sänger alle Freiheiten. Und die nutzt Bauer für eine eindringliche Interpretation. Mit seinem edlen Baritontimbre erzählt Bauer die Geschichte des einsamen, enttäuschten und lebensmüden Winterreisenden. Dabei trifft er den typisch Schubertschen Ton tiefer Traurigkeit geradezu erschütternd genau: Es ist kein schreiender Schmerz, der den Hörer anspringt, sondern meist eine leise, nach innen gekehrte Wehmut.


Bauer hat ein betörendes Timbre, er singt in der Tat sehr eindringlich und ausdrucksstark, alles fließt dabei ganz natürlich. Die Stimmfärbung und der Klang des Instrumentes harmonieren perfekt miteinander.

Meine Lieblingsaufnahme der Winterreise.


.

:hello
Cetay (inaktiv) (22.07.2017, 11:08):
In diese Winterreise habe ich auch hineingehört, aber sie hat mir nicht so gut gefallen wie der Schwanengesang des Duos. Mir ist da noch ein minimaler Ticken zu viel künstlicher Theatralik drin. Bei Bauers älterer Aufnahme der Winterreise (mit Siegfried Mauser) ist das noch mehr, während beim späteren Schwanengesang praktisch nichts mehr davon da ist. Daraus schließe ich, dass Bauer mit zunehmenden Alter, pardon: zunehmender Reife, nein: zunehmender Erfahrung keine Äußerlichkeiten mehr nötig hat. Beim Timbre stimme ich zu: das ist einfach betörend - und diese Aussage kommt von jemanden, der 95% aller Sänger genau deswegen aussortiert. :ignore Dass erst durch den Hammerflügel die dem Sujet angemessene dunkle Stimmung "richtig" getroffen wird, bestätigt sich hier aufs Neue.


Thomas E. Bauer, Jos van Immerseel
palestrina (22.07.2017, 13:19):
Dann sollte man aber unbedingt diese dazufügen die im Reigen der Aufnahmen mit Fortepiano eine ganz hervorragende Rolle spielt ...

AD 2005
Hans-Jörg Mammel /Tenor Arthur Schoonderwoerd /Fortepiano (Johann Fritz ca1810)
Hier finden ich das Instrument interessanter und wohlklingender als auf der Bauer/Immerseel CD.
Auch hier bildet die Zusammenarbeit Mammel /Schoonderwoerd eine ganz wunderbare Einheit!
Und hervorheben sollte man unbedingt H.-J.Mammels wunderbaren Stimme mit der er auch viel zu interpretieren weiß.
Das wäre meine Empfehlung, aber ich habe es schon so oft gesagt „ alles ist eine reine Geschmacksfrage " besonders bei Gesangsstimmen, was jetzt allerdings nicht heißen soll T.E.Bauers Stimme gefiele mir nicht, jedoch ziehe ich Mammels Stimme vor, auch wegen seiner Interpretation die mir mehr zusagt.

LG palestrina
Nicolas_Aine (11.02.2018, 14:40):
ich habe jetzt mal die hier empfohlenen Aufnahmen quergehört, konnte mich aber für keine so richtig begeistern, mit Ausnahme der von Gerhard Hüsch / Hans-Udo Müller. Das hat mir recht gut gefallen, recht schnörkellos, und vor allem endlich mal einer in Originaltonart! Das ist nämlich der Hauptgrund dafür, dass mir die anderen nicht gefallen, das geht mir auf den Keks. Kennt ihr vielleicht noch andere Aufnahme in Originaltonarten, die ähnlich schlicht gesungen sind? Die Hüsch / Müller Aufnahme kann ich leider nämlich nirgends zu kaufen finden bzw. nur völlig überteuert :(
Guenther (12.02.2018, 10:24):
Hi Nicolas,

meinst Du die Aufnahme von 1936?

https://www.youtube.com/watch?v=3efQmJu6mKI

Die gefällt Dir wirklich?

Ich kann diese damals anscheinend übliche abgedunkelte Singweise nicht recht leiden. Auch das übertrieben gerollte "R" hört sich heute eher seltsam an. Dafür sind die Zischlaute unterdrückt, was heute auch kaum jemand noch macht.
Außerdem finde ich "Gute Nacht" als zu schnell. Es sollen dort doch eigentlich die Schritte des ausziehenden Verschmähten nachempfunden werden, und so schnell wird der schon nicht an der Tür der Geliebten vorbeigehuscht sein...

M.E. kaum übertroffen:

https://www.youtube.com/watch?v=yCAPqO8U73U

Sehr gut gefallen hat mir auch eine Aufnahme mit Siegfreid Vogel (Baß/Bariton). An diese Aufnahme hatte ich mich selbst gehalten, als ich die Winterreise einstudierte. Schöner klarer Baß mit guter Akzentuierung und viel Höhe.
Nicolas_Aine (12.02.2018, 14:53):
ja, die meine ich. Das gefällt mir tatsächlich, weil ich das Gefühl habe, dass er einfach singt. Ich mag Sologesang i. d. R. überhaupt nicht, weil mir das viel zu gekünstelt ist, das empfinde ich hier nicht. Das Tempo hat mich bisher nicht gestört, auch wenn ich Dein Argument gut nachvollziehen kann.
Die Fischer-Dieskau Version gefällt mir auch recht gut soweit, von Brendel bzw. ich glaube eher dem Flügel bin ich nicht so begeistert, das scheint mir etwas zu hell. Aber ich denke, ich bestell mir die einfach mal, mal schauen, kostet ja nicht viel :)
Lupo (14.02.2018, 16:56):
Fischer Dieskau hat seit 1948 regelmäßig Aufnahmen von diesem Zyklus gemacht.Mindestens 12 sind zugänglich.Ich mag die früheren lieber(er selbst fand die später kitschig).Mitte der fünfziger Jahre war sein Höhepunkt: stimmlich komplett entwickelt,aber noch nicht manifestiert.
Cetay (inaktiv) (14.02.2018, 23:18):
Hinsichtlich der Forderung, dass einfach nur ohne große Künstelei gesungen wird, will ich hier Josef Greindl, kongenial begleitet von Hertha Klust, in den Ring werfen. Von einem mit Wagner berühmt gewordenen Bass erwartet man das am wenigsten, aber er versteht es, sich zurück zu nehmen, ohne dass Aussage und Intensität darunter leiden. Meine bisherigen Empfehlungen nehme ich hiermit zurück, weil ich trotz der ursprünglichen Begeisterung nie mehr das Bedürfnis hatte, sie nochmals zu hören. Anders hier: Greindl/Klust laufen - falsches Klavier und falsche Tonart zum Trotz- bei jeder Gelegenheit und ich habe das Gefühl endlich Die Winterreise ohne interpretatiorische Eitelkeiten präsentiert zu bekommen. Für Liedgesangs-Phobiker könnte das ein Heilmittel sein.
Lupo (15.02.2018, 08:47):
Bei den Stimmen sind viele subjektive Einschätzungen dabei.In der Bass-Lage ist Talvela mein Favorit,wunderbar warmes timbre,erstaunlich akzentfrei,und mit Gothoni ein fabelhafter Begleiter.
Guenther (15.02.2018, 13:57):
Beim Liedgesang schätze ich die Sänger, die etwas weniger "Operndramatik" hineinbringen, mit mehr Mittelregister singen.
Hier wäre u.a. auch Dobmeier zu nennen:

https://www.youtube.com/watch?v=V_jXNbdolBA


Wen es interessiert, hier die (auch) von ihm genutzte "inhalare la voce"-Technik kurz beschrieben:

https://www.youtube.com/watch?v=YlazX3ZitIQ
Gamaheh (22.01.2019, 00:46):
Liebe Forenser,

es treibt mich zurück bzw. der Winterwind tut's:

Bei der Lektüre einer Konzertbesprechung von ca. 1890 las ich von einem Liedkomponisten Hans Sommer, der mir gänzlich unbekannt war. Da ich einiges Vertrauen in meinen historischen Gewährsmann habe, suchte ich mich zu informieren, nur um zu erfahren, daß er sicherlich vielen anderen auch gänzlich unbekannt ist. Lediglich zwei Lieder fand ich, gesungen von einem ebenfalls mir Unbekannten, und beide fanden meine Zustimmung. Ich war also sogleich auf der Webseite dieses Tilman Lichdi, zunächst bona fide Opern-, Oratorien- und Liedersängers. Der auf dieser Seite auf - jedenfalls in diesem Bereich - etwas ungewöhnliche Art "als Weihnachtsgeschenk" seine neue Aufnahme anbot. Daß dies vollständig gratis war, war kaum hilfreich, denn da heißt es - besonders im Internet - besonders auf der Hut sein !


Allein, die Neugier behielt die Oberhand, denn die Winterreise mit Gitarre konnte ich mir nicht hinreichend vorstellen, um darauf zu verzichten. Ich kann es bis jetzt noch nicht bereuen, denn der Preis war nicht höher als eine vernachlässigbare email-Adresse.


Nun zur Aufnahme: Der Sänger ist fabelhaft, er ist einer der wenigen lyrischen Tenöre, die ich mit Genuß hören kann. Artikulation und Diktion sind makellos, dem Deutschen werden die charakteristischen Härten (Glottalverschluß, starke Aspiration der stimmlosen Verschlußlaute, Brutzeln der Aspiranten usw.) genommen; auch eine pedantische Artikulation trivialer Endungen wird vermieden, Registerwechsel gelingen völlig unauffällig.


Das, was die Aufnahme bereits ungehört anders macht, ist die Gitarrenbegleitung (anstelle des Klaviers). Schubert hat diese Lieder für Stimme und Klavier geschrieben - nicht Gitarre, nicht Laute, nicht Cembalo. Kann die Gitarre das ersetzen ? Unüberraschend: nein. Es fehlt die Dynamik, es fehlt die Dramatik. Einige der Lieder (namentlich die letzten drei) können darauf eher verzichten als andere. Wenn man das Positive herausstellen will: Diese Aufnahme demonstriert, was für eine Rolle das Klavier bei diesen Liedern spielt, nämlich keineswegs die eines beliebig austauschbaren Begleiters, vielmehr ist es ein wichtiger Partner des Sängers und sollte entsprechend selbstbewußt auftreten, um die Lieder plastisch darzustellen. Andererseits gibt diese Aufnahme dem Hörer Gelegenheit, einmal ganz aufmerksam den Text zu hören - some you gain, some you lose.


Ich war allerdings so beeindruckt, wie Lichdi mit unangestrengt klingender Stimme diese hohe Kunst als etwas ganz Natürliches erscheinen läßt, daß ich unwillig war, es beim ersten Eindruck und damit beim einmaligen Hören zu belassen. In der Tat gefielen sie mir nach mehrmaligem Hören immer besser, und insbesondere seit ich aufgehört habe, die Gitarre als Ersatz für das Klavier zu hören: Es ist einfach etwas anderes.


Meine Meinung: Müller wird hier sehr gut bedient, Schubert wird diese Aufnahme nicht wirklich gerecht. Anhören lohnt sich auf jeden Fall !

Dies allerdings nur als Über- oder Einleitung !

Neuerlich nocturne Grüße,
Gamaheh
Amadé (22.01.2019, 10:00):
Hallo Gamaheh,
schön wieder von Dir zu "hören". Bei der Winterreise mit Gitarrenbegleitung frage ich mich, ohne diese gehört zu haben, ob die Gitarre ein adäquates Instrument ist, der meist düsteren Stimmung der Lieder gerecht zu werden. Peter Schreier hat vor vielen Jahren mit Konrad Ragossnig eine Aufnahme der Schönen Müllerin herausgebracht, die mir als Alternative gefällt. Bei der Winterreise bin ich, zumindest jetzt noch, skeptisch, ob dies gelingt. Vermutlich muss ich Dir zustimmen
" Müller wird hier sehr gut bedient, Schubert wird diese Aufnahme nicht wirklich gerecht."
Vor einem entgültigen Urteil muss man die Aufnahme einmal hören.

Gruß Amadé
Cetay (inaktiv) (22.01.2019, 10:55):
Liebe Forenser,

es treibt mich zurück bzw. der Winterwind tut's:
Das ist eine wärmende Nachricht kurz vor der Erstarrung bei 6 Miesen auf der Säule. Ich mochte diese hier mal sehr:



Ricardo Iznaola, der diese Transkription eingerichtet hat, spekuliert im Begleittext, dass einige Lieder von Schubert zunächst auf der Gitarre skizziert wurden. Dies würde die Natürlichkeit und Leichtigkeit erklären, mit der sich der Klavierpart auf die Gitarre übertragen lässt. Die Attraktion ist freilich der tiefrabenschwarze Bass von Kenneth Cox und dessen extrem düster-melancholische Darbietung. Die in meinen Ohren skelettiert wirkende Gitarrenbegleitung ist dazu eine effektive Ergänzung.
Guenther (23.01.2019, 08:44):
Wird sicher seine Liebhaber finden, aber meine Sache ist Cox überhaupt nicht.
(Erst dachte ich, das sei eine Persiflage...)

Die Gitarre paßt dagegen sehr gut, finde ich. Hatte so meine Bedenken bei "Gute Nacht" und einigen anderen, aber nein: Mal was anderes und nicht übel!
Gamaheh (24.01.2019, 02:46):
Lieber Amadé,
es sieht aus, als würde der kostenlose Download noch funktionieren: tilmanlichdi.com - folge dem Link. Es heißt dort zwar, es sei nur bis 24.12. gültig, aber er hat wohl noch keine Zeit gehabt, das wieder rauszunehmen. Aber laß Dich von der Präsentation auf der verlinkten Seite nicht abschrecken; soweit ich sehen kann, ist das alles ganz seriös, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht !

Lieber Cetay,
Du hast wirklich einen exklusiven Geschmack ! Ist das die "Gothic"-Version ?

Hier ist es auch kalt - da muß ich wohl mal was Karibisches hören - Harry Belafonte ?

Gute Nacht !
Cetay (inaktiv) (02.02.2021, 03:29):


Glaubt man dem PR-Text bei meinem Stromanbieter, ist der Tenor Mathias Hedegaard in seiner Heimat ein Superstar, der dem klassischen Gesang sogar neue Hörerschichten erschlossen hat. Das muss an der äusserst attraktiven Optik liegen, denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ein derartig gekünstelter Gesang ausserhalb der Zirkel von Kennern und Liebhabern grossen Zuspruch findet. Er wobbelt als ob er nebenher einen schweren Meisselhammer bedient, kaut auf den Silben herum, schluckt sie runter, spuckt sie aus, gleitet innerhalb von einer Sekunde über den halben Dynamikbereich, wirkt bisweilen regelrecht exstatisch. Und trifft! Nachdem der erste Abschaltreflex überwunden war, hatte er mich bei der Stange. Vielleicht brauchen die -mit Verlaub- bisweilen etwas banalen Texte eine solche Behandlung um die vermeintlich darunter liegenden Tiefen auszuschürfen. Und das macht dieser Dio des Liedgesangs für mich überzeugend. Tove Lønskov begleitet unauffällig, alles andere wäre dann auch over the top.
Cetay (inaktiv) (02.02.2021, 07:30):
Völlig anders geartet, mitunter das genaue Gegenteil ist die nachfolgende Aufnahme. Die Liste der Protagonisten gibt einen Fingerzeig, wohin die Winterreise geht. Der (Bass-)Bariton Klaus Mertens, obschon mit einen breiten Repertoire im Rücken, erntete Ruhm dafür, dass er seine Lage für das komplette Bach-Werkeverzeichnis eingesungen und aufgeführt hat. Die Pianistin Tini Mathot ist Aufnahmeleiterin beim Amsterdamer Barock-Chor und Ehefrau von HIP-Spezialist Ton Koopman, der wiederum das Album produziert hat.
Geballte Alte-Musik-Kompetenz also, somit sind Romantizismen nicht zu erwarten. Der Star der Aufnahme ist das Fortepiano, ein 1802 gebautes Modell von Rosenberger. Der fragile und spröde Klang und die begrenzte Dynamik erzwingen das Spiel 'Note für Note', weitab von dem verschwommenen Klangbrei, der mitunter auf modernen Aufnahmen zu hören ist. Mertens singt klar, mit wenig Vibrato, ohne grosse Gesten oder Ausdrucksextreme. Ein paar Beiträge weiter oben wurde vom Darsteller gewünscht, dass er einfach singt. Hier ist so ein Sänger! Das ist nicht so aufregend wie bei Hedegaard, aber weniger eindimensional als es klingt -Mertens lässt die Lieder für sich selbst sprechen- und bleibt nicht zuletzt wegen des delikaten Klavierparts immer spannend.
Guenther (02.02.2021, 10:24):
Lieber Cetay,

danke für den Hinweis auf den dänischen Tenor. Nur der Link funktioniert nicht, da müßtest Du evtl. korrigieren.

Ich finde auch, daß man Schubert so nicht singen sollte. Was ich gar nicht verstehe, ist das extreme Vibrato sowie die extreme Betonung der Silben, so daß schon fast wie ein Kinderreim Trochäen und Daktylen entstehen, die die Gesangslinie (meiner Meinung nach) unterbrechen und zerstören.


(...) derartig gekünstelter Gesang ausserhalb der Zirkel von Kennern und Liebhabern grossen Zuspruch findet.

Ich denke, gerade dort wird diese Aufnahme wenig Anklang finden. Vielleicht eher bei Laienkonsumenten...

Die Stimme selbst jedoch ist sehr schön und rein im Klang, "gefällig", wie man so schön sagt...

Mertens und Mathot halten sich angenehm (wie ich finde) zurück und lassen die Musik wirken und für sich sprechen. Das wird dem Schubertschen Wunsch und Ideal wahrscheinlich sehr nahe kommen.

Angenehm auch der Hammerflügel.
Danke für den Hinweis!
palestrina (02.02.2021, 13:45):
Hallo zusammen, hier noch ein Link zu Matthias Hedegaard ....

Excerpts from Winterreise played by Mathias Hedegaard & Esbjerg Ensemble

....ich persönlich finde das zum Teil geschmacklos bis komisch!

Klaus Mertens Winterreise finde ich sehr schön und ungekünstelt, vor allem im Zusammenspiel mit dem Fortepiano!

LG palestrina
Cetay (inaktiv) (03.02.2021, 03:53):
Lieber Cetay,

danke für den Hinweis auf den dänischen Tenor. Nur der Link funktioniert nicht, da müßtest Du evtl. korrigieren.

Ich finde auch, daß man Schubert so nicht singen sollte. Was ich gar nicht verstehe, ist das extreme Vibrato sowie die extreme Betonung der Silben, so daß schon fast wie ein Kinderreim Trochäen und Daktylen entstehen, die die Gesangslinie (meiner Meinung nach) unterbrechen und zerstören.

(...) derartig gekünstelter Gesang ausserhalb der Zirkel von Kennern und Liebhabern grossen Zuspruch findet.
Ich denke, gerade dort wird diese Aufnahme wenig Anklang finden. Vielleicht eher bei Laienkonsumenten...

(...)
Lieber Guenther,

so herum kann es natürlich auch sein. Ich bin ja selbst Laienkonsument und mein Eindruck als Ganzes ist sehr positiv. Es passiert nicht oft, dass mich ein Winterreisender bis zum Schluss mitnimmt (meistens ziehe ich schon nicht mehr mit aus... :D ).
Ich bin mit Aussagen, wie man etwas singen oder spielen sollte immer zurückhaltend. Der Interpret wird sich seine Gedanken gemacht haben und seine Gründe haben, es so zu tun. Und selbst wenn es nur Anderssein als Selbstzweck sein sollte, ist das für mich in Ordnung. Es gibt schon über 100 Aufnahmen am Markt, da sollte für jeden etwas dabei sein. Eine weitere metoo Aufnahme wäre da IMHO eher zwecklos.

Lieber palestrina,

Danke für den Link. Ich kann den hier hinter der Great Firewall leider nicht aufrufen. Da steht Esbjerg-Ensemble, das ist ein 3-Frau-7-Mann-Orchester. Handelt es sich hier um eine neue Bearbeitung?
palestrina (03.02.2021, 12:09):
Da steht Esbjerg-Ensemble, das ist ein 3-Frau-7-Mann-Orchester. Handelt es sich hier um eine neue Bearbeitung?
Hier bei der verlinkten Aufnahme sind es 6 Mitglieder des Esbjerg-Ensembles!

Hallo lieber Cetay,
das ist natürlich eine Bearbeitung, derer es viele gibt, angefangen mit Akkordeon, Kammerensemble, Streichquartett,
Kammerorchester und was es sonst noch so alles gibt :D !
Ich forste mal meine Bestände durch was ich noch so habe und melde mich !

LG palestrina
palestrina (03.02.2021, 12:43):
Also, bei mir befindet sich die bekannteste Version von Hans Zender.....

1X mit Julian Pregardien und mit Hans Peter Blochwitz, den ich auch mit dem Ensemble Modern Live gehört habe!
Beide sind zu empfehlen!


Und noch eine mit Streichquartett....



.....und Christian Elsner, gefällt mir auch....!
Fazit: alle drei Sänger sind wunderbar im Ausdruck und in der jeweiligen ihr eigenen Interpretation !

Ich habe noch eine Aufnahme mit Sprecher * und danach rein Intrumental mit Cello und Klavier, das hat mir allerdings beim ersten hören nicht zugesagt, nach dem die CD gut abgehangen war, fand ich es doch sehr hörenswert!
* Xaver Hutter österreichischer Schauspieler



LG palestrina
Cetay (inaktiv) (04.02.2021, 02:13):
Danke für diese Tips. :beer :thanks
Streichquartett finde ich interessant. Mal hören...
Es gibt schon allerlei Kuriositäten. Ich hatte mal eine mit Viola (Tabea Zimmermann) und bei meinem Stromanbieter habe ich eine mit Saxophon und Laute gesehen.

Gestern habe ich eine Wahnsinns-Resource gefunden. Ich bin zu faul, nachzusehen, ob die Seite hier schon genannt wurde und WR-Aficionados kennen die wahrscheinlich schon. Auf wintereise.online sind über 500 Alben gelistet. Falls das nicht reicht, gibt es nochmal rund 100 inoffizielle Mitschnitte, 29 Filme, knapp 200 Bücher plus Essays, Kunstwerke, Links...
Cetay (inaktiv) (05.02.2021, 05:50):


Noch eine Spezialität. Diese neue Transkription für Bariton & Streichquartett von Gilone Gilbert, dem Primarius des begleitenden Quatour Les Heures du jour wird auf Originalinstrumenten gespielt - das klingt einfach wunderbar!. Alain Buet hat eine klare, sehr angenehme Stimme und übertreibt es weder mit Intensität noch mit Drama. Für mich eine echte Bereicherung.