Mit welchen Opernfiguren könnt ihr euch identifizieren?

Hosenrolle1 (23.02.2016, 22:33):
Gründe, bestimmte Opern oder Opernfiguren toll zu finden gibt es massig.

Mich würde aber interessieren, könnt ihr euch mit bestimmten Opernfiguren tatsächlich irgendwie identifizieren?

Ich meine jetzt nur die Figuren, nicht, ob sie schöne Gesangslinien oder Texte haben, auch nicht eine bestimmte Inszenierung oder ähnliches.

Gibt es da welche, wo ihr sagt "Darin erkenne ich mich weitestgehend wieder", oder sind die Figuren dann doch zu "abstrakt", so dass es "nur" dabei bleibt, an einer Inszenierung, an den Melodien etc. Gefallen zu finden?




LG,
Hosenrolle1
Jürgen (23.02.2016, 22:45):
Hey, ein schönes Thema.

Obwohl, oder gerade weil es garnicht so viele gibt, mit denen ich mich wirklich identifiziren könnte.

Ich werde mal drüber schlafen. Bis morgen.

Jügen
Hosenrolle1 (23.02.2016, 22:59):
Danke :)

Mir persönlich fällt eigentlich keine Figur ein ... es gibt Figuren, mit denen ich z.B. Mitleid habe, das schon. Ich habe ja z.B. große Sympathien für Cherubino - aber eher aus theoretischer Sicht, nicht weil ich mich in ihm wieder erkenne. Das nun wirklich nicht.


Was mir an den Opernfiguren meiner Lieblingsopern gefällt sind tatsächlich ihre Gesangslinien, idealerweise von einem tollen Sänger vorgetragen, auch wenn die Texte teilweise schon ziemlich doof sind.




LG,
Hosenrolle1
Zefira (24.02.2016, 00:44):
Ob ich mich mit ihm identifiziere, weiß ich nicht, aber ich mag Papageno sehr und finde, dass er mit seiner "niederen Daseinsstufe" wesentlich besser dran ist als Tamino mit seinem Weisheitsgedöns. :leb
Hosenrolle1 (24.02.2016, 01:11):
Sind Opernfiguren überhaupt so gedacht, dass sich der Zuschauer als solcher überhaupt mit ihnen identifizieren sollte, im Idealfall?

Und falls ja, womit kann man sich da überhaupt identifizieren? Vermutlich mit Charaktereigenschaften, mit Überzeugungen, vielleicht auch mit einer bestimmten Lebensweise, einer Lebensphilosophie, oder aber auch äußeren Umständen wie etwa diverse Schicksalsschläge (Krankheit, Armut, etc.).

Wie gesagt, für mich selbst habe ich noch niemanden gefunden ... ich nehme an, leidenschaftslose Theoretiker, die allem auf den Grund gehen wollen wird es in Opern eher weniger geben :D





LG,
Hosenrolle1
Jürgen (24.02.2016, 09:04):
Ich schränke einfach mal den Kreis der Opern ein auf diejenigen, die ich sehr gut kenne.

Da sind vor allem die Wagneropern vom Holländer bis zum Parsifal.

Siegmund: In meiner Pubertät hätte ich ihn ausgewählt "Was Rechtes je ich riet, andern dünkte es arg" Aber im gesetzteren Alter fehlt mir das Heldische.

Wotan: Nein, das Austesten von Schlupflöchern meiner eigenen Regeln ist mir zuwider.

Tristan: Ja, das könnte klappen, schliesslich ist der Liebestrank an Allem Schuld.

Sachs: Irgendwie kann ich mich gut mit ihm identifizieren, obwohl mein Lebenslauf wenig Parallelen aufweist.

Jetzt mal weg von Wagner. Bei Hänsel & Gretel ist mir der Vater sehr sympathisch. Nix zu Essen im Haus, aber Kümmel ist sein Leiblikör.

Bei Puccini habe ich deutliche Schwierigkeiten mit den Protagonisten, aber Gianni Schicchi ist ein Schalk. Bei "Il Tabarro" kann ich mich mit Michele identifizieren. Aber mit Puccinis großen Opern habe Probleme, ein Pinkerton geht schon mal gar nicht.

Soweit
Jürgen
Hosenrolle1 (24.02.2016, 19:07):
Ahh, Siegmund, das ist gut ... ja, das ist für mich eine der sympathischsten Opernfiguren.

Ein Einzelgänger, gegen Konventionen wie Zwangsehe oder irgendwelche moralischen Vorstellungen eitler Götter, kein "Weiberheld", und auch kein Krieger im Actionfilm-mäßigen Sinne.

Mit dem könnte ich mich am ehesten identifizieren.


Mit Figuren wie etwa dem Mann, der auf Carmen steht und sie am Ende umbringt wieder absolut nicht. Es gibt so Opernfiguren, die führen sich auf wie hormongesteuerte Gockel - und da soll man zu dem halten?




LG,
Hosenrolle1
Cetay (inaktiv) (24.02.2016, 21:35):
Die -einzige- Protagonistin von Morton Feldmans Neither (Libretto: Samuel Beckett): Sie hat keinen Namen, keine Herkunft, keine Geschichte, keine Eigenschaften, keine Beziehungen. Ihr Text ist minimal (87 Worte), inhaltlich kaum, semantisch fast unmöglich und akustisch (durch extreme Dehnungen und Lagen) überhaupt nicht zu verstehen. Es scheint gar nicht sicher, ob sie existiert. Mehr Identifikation geht kaum.
Zefira (24.02.2016, 22:19):
Ich könnte mich ja identifizieren mit der Gräfin Ceprano aus "Rigoletto".

Es wird zwar mehrfach über sie gesprochen, aber sie selbst hat nur eine Zeile Text: "Ich muss meinem Gemahl folgen".

:haha