Mozarts große Opern auf CD (mit historischen Instrumenten) - Empfehlungen
Liebestraum (30.07.2017, 21:29): Idomeneo
Künstler: Anthony Rolfe Johnson, Anne Sofie von Otter, Sylvia McNair, Monteverdi Choir, English Baroque Soloists, John Eliot Gardiner Label: DGG DDD, 1990
Rezensionen stereoplay 06 / 09: »Richard Crofts weicher Tenor zeichnet Idomeneo als anrührend-labilen Anti-Helden, während Bernarda Fink als Idamante von der ersten Arie an alle Qualitäten des künftigen Königs spüren lässt. Das helle, jugendliche Sopran-Timbre von Sunhae Im als Ilia atmet Unschuld und Opferbereitschaft, während die Elettra von Alexandrina Pendatchanska in ihrer kalten und düsteren Strenge alle Abgründe der Rolle bloßlegt. René Jacobs hat die Musik so komplett eingespielt, wie sie Mozart ursprünglich konzipiert hatte. Grundlage bildete dabei eine eigens für diese Produktion vom Bärenreiter-Verlag erstellte Partitur, unter Berücksichtigung aller autographen Quellen. Auch deswegen setzt dieser (sogar aufnahmetechnisch rundum großartige) Idomeneo einen Maßstab, der wohl so schnell nicht mehr überboten werden kann und wird.«
:thumbsup: LT
Liebestraum (30.07.2017, 21:47): Die Entführung aus dem Serail
Künstler: Luba Orgonasova, Cyndia Sieden, Stanford Olsen, Uwe Peper, Cornelius Hauptmann, Monteverdi Choir, English Baroque Soloists, John Eliot Gardiner Label: DGG, DDD, 1991
Rezensionen: A. Beaujean in stereoplay 3 / 93: "Über jedesLob erhaben ist das fabelhafte Spiel der English Baroque Soloists, das kaum je gehörteBläserstimmen aus dem Klangbild destilliert."
Künstler: Christine Schäfer, Patricia Petibon, Ian Bostridge, Alan Ewing, Les Arts Florissants, William Christie Label: Erato, DDD, 1998
Rezensionen: A. Csampai in stereoplay 4 / 99: "Um dieses "pulsierende"Innenleben der Figuren zu verdeutlichen, animiertWilliam Christie sein schlank besetztes, aber bestenspräpariertes Originalklang-Orchester zu einer seismographisch-nervigen, ansatzlos prägnanten Spielweise.Die setzt endlich einmal auch die ständigen Stimmungswechsel der Musik in adäquate, das heißt, nervig-drängende Temporelationen und zieht so einen wunderbaren Spannungsbogen über die nicht gerade zwingende Dramaturgie des Stückes."
Künstler: Robin Johannsen, Mari Eriksmoen, Maximilian Schmitt, Julian Pregardien, RIAS Kammerchor, Akademie für Alte Musik Berlin, Rene Jacobs Label: HMF, DDD, 2014
:thumbsup: LT
Guenther (04.08.2017, 17:13): Die Schäfer-Entführung habe ich mir seinerzeit extra zugelegt, nachdem ich sie im Figaro 2006 unter Harnoncourt hörte. Für mich eine der schönstklingenden Soprane seit langer Zeit...
Die og. Aufnahme mit Christie ist in der Tat eine Referenz, besonders haben mir (neben Schäfer) das Orchester und Osmin gefallen. Alan Ewing gelingt m.E. eine edle Ausdrucksweise (nicht nur in der Aussprache, wobei man natürlich seinen Akzent nicht überhören kann), während sein Baß in der Tiefe voll und dennoch nicht "donnernd" klingt. Die Höhen sind z.T. (für meine Ohren) sanft klingend ("Trallalera"), was bei Bässen nicht selbstverständlich ist. Witzig auch, wie er die Stimme nach dem "Saufen" verstellt: "Wein ist ein schönes Getränk! Hast Du nichts mehr, Bruder?". Klasse!
Hervorragend der Orchesterklang beim Marsch, wenn Selim vom Abendspaziergang heimkommt. Weicher, angenehmer Bläserklang... Ebenso bei der Arie Belmontes "Ich baue ganz auf Deine Stärke". Hervorragende Begleitung, angenehm zurückhaltend, dennoch nicht "im Hintergrund". So soll es sein.
Blondchen gefällt mir durch gut betonte Akzentuierung der Texte, auch im Gesang, weniger durch den Klang ihrer (irgendwie doch recht dünnen) Stimme.
Pedrillo ist halt ein Pedrillo, frische, angenehm jung klingende Stimme, sehr passend. Musikalisch sehr sauber!
Belmonte singt auf dieser Aufnahme transparent und intoniert sauber. Die gesprochenen Teile gefallen mir nicht so bei ihm, da wirkt die Aussprache tw. übertrieben.
Tja, ich habe die CD aber wegen der Schäfer gekauft und bin nicht enttäuscht worden. Sie ist wirklich eine herausragende Interpretin. Die Arie "Traurigkeit ward mir zum Lose" ist die m.E. seit langem schönste Interpretation dieses Stücks. Schäfers Stimme singt den Part ohne jede Übertreibung, aber doch mit größter Innigkeit, und jedesmal, wenn ich dieses Stück von ihr höre, dann bin ich innerlich zutiefst erschüttert und mitgenommen. Hier ist m.E. Mozarts Intention, den lebendigen Menschen zu zeigen, in höchster Vollendung wahr geworden (sorry, wenn das zu schwülstig klingt). Hatte diese Innigkeit damals schon bei "Voi che sapete" gehört.
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Habe auch die Harnoncourt-Aufnahme aus Zürich, vor allem natürlich wegen des "anderen" Orchesterklangs. Hey, die Ouvertüre kommt hier mal prima und erfrischend anders rüber, während die Sänger mir nun auf dieser CD weniger gut gefallen, insbesondere die Konstanze mit ihrem ewigen Vibrato in der Stimme...
Hier gibt's übrigens eine Diskografie mit Kommentaren:
(Was sich mir wohl nie erschließen wird, sind so Rezensionen wie: "seismographisch-nervigen, ansatzlos prägnanten Spielweise." Seismographisch? Nervig? Aha...)
:)
Liebestraum (26.10.2017, 17:16): Die Hochzeit des Figaro
Rezensionen: K. Malisch in FonoForum 9 / 94: "Von allen der-zeit im Werden befindlichen Mozart-Zyklenkönnte dies der interessanteste, innovativste,risikofreudigste werden. Die Grundlage hierfürsind nicht nur die vorzüglichen Leistungen vonOrchester und Dirigent, sondern auch die glück-liche Hand und der glückliche Griff Gardinersbei der Auswahl seiner Gesangssolisten. Auf neue,anpassunsfreudige, junge Kräfte setzt er stattauf etablierte, prominente, "gut verkäufliche"Namen."
Künstler: Veronique Gens, Patrizia Ciofi, Angelika Kirchschlager, Simon Keenlyside, Lorenzo Regazzo, Kobie van Rensburg, Antonio Abete, Collegium Vocale Gent, Concerto Köln, Rene Jacobs Label: HMF, DDD, 2003
Rezensionen: Stereoplay 06 / 04: "Fabelhaft fantasievollePianoforte-Rezitative von Nicolau de Figueiredo und demConcerto Köln unter Rene Jacobs. Es wartet mit einervirtuosen Duftigkeit vor allem der Bläser, aber auch miteiner gesammelten Wucht auf, in der die orchestralenWunder der Partitur gen Himmel zu steigen scheinen. Auchgesanglich handelt es sich um eine Spitzenaufnahme."
Audio 06 / 04: "Der belgische Topdirigent Rene Jacobspräsentiert mit dem Concerto Köln einen aufmüpfigen'Figaro', spritzig, herzerfrischend leicht. Auchaufnahmetechnisch hat Jacobs' subversiverMozart-Sound das Zeug zur Referenz-Disc: lupenreintransparant das Orchester, perfekt ausgeleuchtet bisin die Nebenstimmen."
Künstler: Simone Kermes, Andrei Bondarenko, Christian von Horn, Fanie Antonelou, MusicAeterna Orchestra, Teodor Currentzis Label: Sony, DDD, 2013
Rezensionen: »Es ist tatsächlich die kompromissloseste Studioaufnahme der Oper: mit atemlosen Tempi und vielen wunderbaren Momenten des beseelten Innehaltens. Eine drei Stunden anhaltende, gnadenlose Detailbesessenheit von Musikern, die sich nicht als ›Begleiter‹, sondern als lebendige Initiatoren des Bühnengeschehens verstehen, und einer Sängercrew, die bereit war, sich mit höchster Sorgfalt, Demut und Leidenschaft einzufügen in das von der Partitur vorgegebene Geflecht von inneren und äußeren Lebensimpulsen, und so völlig aufzugehen in Mozarts nervöser Seelenseismografie.« (stereoplay, April 2014)