Murray Perahia

Heike (26.04.2012, 22:25):
Eigentlich wollte ich nur dieses interessante Interview verlinken, aber es gibt gar keinen Thread über Murray Perahia.

Das darf ja nicht so bleiben!

Also, hier ein paar Daten:
Murray Perahia, KBE (* 19. April 1947 in New York) ist ein Pianist und Dirigent sephardischer Herkunft. Er lernte mit 4 Jahren Klavier spielen. Später war er Schüler von MieczysBaw Horszowski und machte Kurse Rudolf Serkin, Alexander Schneider und Pablo Casals. Er war mit Horowitz befreundet und arbeitete viel mit ihm.

Ab 1992 unterbrach eine Entzündung seines Daumens seine Karriere einige Jahre, auch später traten die Probleme mit seiner Hand immer wieder auf, er musste deswegen immer wieder pausieren.

Neben seiner solistischen Karriere tritt er auch als Kammermusiker in Erscheinung, so bei seiner langjährigen Zusammenarbeit mit dem Guarneri String Quartet oder dem Budapester Streichquartett. Er ist außerdem Principal Guest Conductor des Orchesters Academy of St. Martin in the Fields.
(Quelle: Wiki).
Heike (26.04.2012, 22:29):
Was mag ich an ihm?

Das habe ich schon öfter hier und da beschrieben, aber ich trage es hier nochmal zusammen:
Ich mag seine klugen und zugleich extrem feinfühligen Interpretationen, diese Kombination aus Empfindsamkeit und Ernsthaftigkeit. Der hat einerseits was tief ans Gefühl gehendes, fast mimosenhaftes in seinem Spiel, das mich sehr berührt, ohne je affektiert oder aufdringlich zu sein. Aber er zergliedert bei aller Detailliebe nichts, da ist immer die klug durchdachte Struktur hörbar und völlig logisch.

Bei Bach beeindrucken mich zudem vor allem seine wunderbaren polyphonen Linienführungen, noch viel mehr bei den Partiten als bei den älteren Aufnahmen. Die Goldbergvariationen und die Bach-Suiten und Konzerte fand ich schon gut, aber die beiden Partiten-CDs finde ich großartig.

Ich finde, dass er auch Chopin famos kontrapunktisch spielt. Und dabei auch, wo nötig, richtig Feuer gibt. Und dabei bleiben die einzelnen Stimmen immer ganz sauber und transparent, da paart sich die Virtuosität mit brillianter geistiger Durchdringung. Bei Händel/ Scarlatti mag ich das perlende, glitzernde des Klanges, auch das freche, spritzige an der Interpretation.

Ich habe ihn zudem mehrmals live gehört, da hat mich sein wirklich zärtlich zu nennender Anschlag am meisten berührt. Das ist ein berührend schöner Klang live. Letztes Jahr hörte ich ihn u.a. auch mit Brahms (Vier Klavierstücke op. 119 ), was mir auch ganz hervorragend gefallen hatte: eine sehr leichte, fast spielerische Interpretation, die durch die hinreißend herausgearbeiteten Stimmungswechsel keine fett aufgetragene Dramatik brauchte. Sehr beeindruckend. Im selben Konzert spielte er auch die Kinderszenen von Schumann - und da scheiden sich für mich wirklich die Geister (von einem langweiligen Pianisten kann ich das Stück fast nicht mehr ertragen). Er interpretierte mit einer sehr feinen Ernsthaftigkeit. Ich weiß nicht, vielleicht geht das nur live, diese Kombination von unglaublich differenzierter Anschlagskunst und kluger Interpretation, die zum Niederknien schön ist, in der ganzen Fülle zu erfassen.

Heike
Jeremias (27.04.2012, 14:00):
Ich weiss gar nicht was ich an ihm am meisten mag... er ist einer der spannendsten, unspektakulärsten und grandiosesten Pianisten aller Zeiten... mein erstes Konzerterlebnis mit ihm war schön, er spielte Beethoven, Bach und Schuberts c-moll Sonate, beim 2. Mal erhielt er die Arrau-Verdienstmedaille der Schumann-Gesellschaft Düsseldorf, ein traumhafter Abend mit Schumann u.a., beim dritten Mal hörte ich ihn mit Schuberts letztere Sonate, bis heute eines der einprägendsten Erlebnisse meines Lebens... einmal erlebte ich ihn noch beim Kalvierfestival Ruhr mit Schubert und Brahms und am 10.05. ist es wieder so weit, er kommt nach Köln!

Was höre ich mit ihm am liebsten? Bach? Genial! Händel? Genial! Scarlatti? Grandios! Mozart? Rührend! Schubert? Unbeschreiblich! Chopin? Funkeln und glitzern! Ich weiss es nicht....
Agravain (28.04.2012, 08:46):
Original von Heike
Bei Bach beeindrucken mich zudem vor allem seine wunderbaren polyphonen Linienführungen, noch viel mehr bei den Partiten als bei den älteren Aufnahmen. Die Goldbergvariationen und die Bach-Suiten und Konzerte fand ich schon gut, aber die beiden Partiten-CDs finde ich großartig.


Das geht mir ganz genau so. Auch seine Händel-Aufnahme begeistert mich - wenn ich mich recht erinnere - so wie Dich. Ich habe jetzt seine Aufnahme der Klavierkonzerte Mozarts bestellt (in der er das English Chamber Orchestra leitet) und bin einigermaßen gespannt!

:hello Agravain
Heike (28.04.2012, 14:49):
Hallo,
die Mozart- Klavierkonzerte kenne ich nicht, da wäre ich neugierig auf deinen Bericht. Ich habe Perahia einmal im Konzerthaus Mozart dirigieren hören, allerdings mit St. Martin in the Fields. Das war klasse, also der kann auch dirigieren.
Heike
Fairy Queen (03.05.2012, 13:09):
Da kann ich mich ja ganz besonders auf das Konzert in der Berliner Philharmonie freuen! Ich habe Perahia noch nie live gehört und bin sehr gespannt. Leider spielt er an diesem Abend keinen Bach- der hat mih nâmlich besonders begeistert. Aber dafür Scumann, Chopin und Haydn- und letzteren liebe ich ganz besonders, wenn er so fein und elegant daherkommt.

Zurück aus Sizilien und Malta liebe Grüsse in die Runde nah und fern :hello
F.Q.
Heike (03.05.2012, 19:07):
Liebe Fairy,
da hast du dich wohl verschaut: Perahia spielt in Berlin Beethoven (Nr. 14 Mondschein),, Schumann (Faschingsschwank), Schubert (D664) und diverses von Chopin. Leider keinen Haydn, ich wüsste auch nicht, dass er den im Repertoire hat
Heike
Fairy Queen (04.05.2012, 07:46):
Da hab ich mich wirklich verschaut...... und der Wunsch war wohl Vater des Gedanken.... :I.aber ich hâtte die Karte trotzdem gekauft und es wird in jedem Fall lohnen, ihn mal live zu erleben! Und wenn ich schonmal in Berlin bin, was seit Jahren wieder zum ersten mal der Fall sein wird, nehm ich auch Beethoven ohne Haydn mit. :engel
Rachmaninov (05.05.2012, 13:38):
Original von Heike

Ab 1992 unterbrach eine Entzündung seines Daumens seine Karriere einige Jahre, auch später traten die Probleme mit seiner Hand immer wieder auf, er musste deswegen immer wieder pausieren.



Sein Comeback nach der letzten längeren Pause und der darauf folgenden Veröffentlichung der Bach Partiten muss man einfach mit Begeisterung und Respekt vor der Leistung honorieren.
Mir scheint er habe sich all die Jahre der erzwungenen Pause intellektuell auf diesen Moment vorbereitet!

:down
Heike (05.05.2012, 23:52):
Er hatte im letzten Konzert mit den BPhils leider meiner Meinung nach wieder Probleme mit der Hand, er spielte Schumanns Klavierkonzert und nahm zunehmend Tempo und Risiko raus.
Ich hoffe, das geht nicht wieder los.
Heike
Jeremias (11.05.2012, 11:46):
Ich hatte gestern das große Vergnügen in der Kölner Philharmonie.... :down :down :down bericht folgt!
Heike (12.05.2012, 00:00):
Oh da bin ich aber neugierig auf deinen Bericht, denn Ende Mai spielt er in Berlin (vermutlich dasselbe Programm?)!
Heike
Heike (26.05.2012, 01:49):
Ich war gestern bei dem Berliner Konzert, Perahia war in Bestform und spielte zusätzlich vor dem angekündigten Beethoven, Schumann, Schubert und Chopin-Programm noch eine Bach-Suite (extra für Fairy Queen, die ich hiermit nochmal herzlich grüße und mich für die nette Gesellschaft bedanke!) Schlussendlich gabs noch 2 Zugaben (Chopin Mazurka und das Es Dur Schubert Impromptu, grandios gespielt), die den Abend abrundeten.
Ich bin zu müde für einen ausführlichen Bericht, aber es war ganz wunderbar.
Heike

P.s. übrigens saß Alfred Brendel direkt vor mir im Saal, ich hätte gern Gedanken lesen können, was er dazu meint. Man sah direkt, wie er innerlich mitspielte.