satie (30.08.2008, 20:02):
Musik für Lautenwerk
Meine Lieben,
auf Carolas Anregung hin will ich hier noch einmal zusammentragen, was wir in einem anderen Thread zum Lautenwerk, einer Abwandlung des Cembalos, geschrieben hatten. Ich habe außerdem einige weitere Informationen dazu gesucht.
Zunächst zitiere ich aus den vorangegangenen Beiträgen:
Carola:
Kann mir jemand sagen, was das ist, ein "Lauten-Cembalo"?
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0747313047079.jpg
Die Hörproben bei jpc klingen für mich nach einem normalen Cembalo, allerdings einem recht kräftigen.
Tranquillo:
Ein Lautencembalo ist ein Cembalo, das ähnlich einer Laute klingt. Eigentlich ist das kein besonderes Instrument - Cembali haben oft ein sogenanntes Lautenregister, mit dem die Saiten etwas abgedämpft werden und nicht mehr frei schwingen können. Dadurch entsteht ein etwas dumpferer Klang, und der Anschlag der Saiten durch die Federkiele wird deutlicher hörbar. Bei den Hörschnipseln kann man das ganz gut hören.
Wie Du an den BWV-Nummern sehen kannst, handelt es sich um Werke, die Bach für Laute komponiert hat (vermutlich für Sylvius Leopold Weiss, mit dem er befreundet war). Man kann sie natürlich auf einem Cembalo mit Lautenregister spielen, aber ich finde, dass sie auf einer Laute besser klingen.
Satie:
Das Lauten-Cembalo oder gebräuchlicher Lautenwerk (Lautenwerck) funktioniert zwar im Grunde wie ein Cembalo, der entscheidende Unterschied ist aber, dass das Instrument mit Darmsaiten bespannt ist statt mit Metallsaiten. Insofern unterscheidet sich die Tonerzeugung schon vom gewöhnlichen Lautenzug. Ein weiterer unterschied ist der, dass beim Lautenwerk mit Lederplektrum gezupft wird, um den Klang der Laute möglichst genau zu imitieren. Vergleicht man mit einem Lautenzug beim normalen Cembalo, so wird man feststellen, dass das Lautencembalo viel voller klingt, weil die Saiten eben nicht abgedämpft werden.
Scheinbar sind keine originalen Instrumente erhalten, es gibt aber Beschreibungen, unter anderem von einem Cousin J.S. Bachs, der Instrumentenbauer war. Angeblich war dies eines der allerliebsten Tasteninstrumente Bachs.
Hier kann man das meiner Meinung nach gut hören, der Text zu diesem Instrument und die Bilder sind ebenfalls sehr interessant:
http://www.lautenwerk.com/harpsichord_sound_samples.htm
Carola:
Mir war nicht klar, dass auf einem Lauten-Cembalo die Werke für Laute gespielt werden. Ich dachte, es handelt sich um originäre Cembalo-Musik.
Satie:
Ich habe noch einmal geschaut. Mindestens drei der Werke auf der CD sind wohl nicht eindeutige Lautenwerke:
Suite c-Moll BWV 997
Nach Kohlhase sehr wahrscheinlich für Lautenwerk gedacht!
Suite E-Dur BWV 1006a
Besetzung zweifelhaft (ohnehin eine Transkription der 3. Violinpartita E-Dur BWV 1006)
Präludium, Fuge, Allegro Es-Dur BWV 998
Hier steht in der Handschrift: „pour la Luth. ó Cembal“
Und die Suite g-Moll BWV 995 ist eine Bearbeitung der Suite Nr. 5 für Violoncello solo (oder eventuell auch umgekehrt)
Warum schreibe ich das? Weil es andeutet, dass die Interpretation auf der Laute nicht bedeuten muss, dies sei das authentische Instrument. Also: warum nicht doch das Lautenwerk?
Tranquillo:
vielen Dank für die Korrektur. Das, was ich beschrieben hatte, war der Lautenzug (Lautenregister) eines "normalen" Cembalos. Das bei einem "Lautenwerk" die Saiten und die Plektren aus anderem Material sind, war mir nicht bekannt - wieder etwas dazugelernt.
Satie:
Ich finde immer mehr! Es ist unglaublich. Schaut euch mal diese Seite und vor allem die Bilder an:
http://www.baroquemusic.org/barluthp.html
Ist das nicht absolut schrill?
Auf die Frage nach Aufnahmen: bei Amazon fand ich folgende:
Sonaten und Transkriptionen für Viola da gamba und Lautenwerk von Ekkehard Weber, Robert Hill, und Johann Sebastian Bach (Komponist) von Ars Musici (Freiburger Musik Forum) (Audio CD - 1999)
Bohm Georg - Werke fur Lautenwerk - Geoffrey Thomas (UK Import) von Geoffrey Thomas und Georg Bohm (Audio CD)
Art of the Lautenwerk von Kim Heindel von Import (Megaphon Importservice) (Audio CD - 2006) (allerdings unbezahlbar!)
Die ersten beiden hören sich aber ganz interessant an.
Soweit die Zitate. Hier nun noch einige Hinweise für alle Interessenten:
http://www.lautenwerk.com/
Diese Seite eines in den USA lebenden skandinavischen Cembalobauers bietet Hörproben seiner Instrumente. Einen schon rcht ausführlichen Text (natürlich nur auf englisch) gibt es ebenfalls. Ein Ausschnitt:
"One of Bach's favorite keyboard instruments was the lute-harpsichord or lautenwerck. The 18th century scholar Jacob Adlung described it as "the most beautiful of all keyboard instruments after the organ...because it imitates the lute, not only in tone quality, but also in compass and delicacy". No original gut-stringed harpsichords have survived, yet the lautenwerck is mentioned as early as 1511 and is found in many writings of the 17th and 18th centuries. Only a few lautenwerck makers have left traces of their existence. Detailed descriptions come from three German harpsichord makers: Johann Nicolaus Bach (second cousin of J. S. Bach), Johann C. Fleischer and Zacharias Hildebrandt."
Diese Seite
http://www.baroquemusic.org/barluthp.html
bietet eine besonders interessante Bauform mit lautenähnlichem Korpus. Hier erfahren wir mehr über klanglichen Details:
"According to contemporary accounts, even this simplest of versions made a sound that could deceive a professional lutenist, a fact considered almost miraculous at the time. But a basic shortcoming was the absence of dynamic expression, and to remedy matters J. N. Bach also made instruments with two and three manuals, whose keys sounded the same strings but with different quills and at different points of the string, so providing two or three grades of dynamic and timbre. J. N. Bach also built theorbo-harpsichords with a compass extending down an extra octave. "
Infos auf deutsch:
http://www.dervinschger.it/artikel.phtml?id_artikel=7980&q=&a=&r=Kultur&re=
"Im Jahr 1750, als Johann Sebastian Bach 65jährig starb, befanden sich in seinem Leipziger Haus zwei Lautenclaviere, die er in seinen späten Lebensjahren zusammen mit dem Leipziger Instrumentenbauer Zacharias Hildebrandt geplant und entwickelt hatte. Bach muss diese feinen Tasteninstrumente, die den Klang der Laute imitieren, sehr geliebt und viel gespielt haben. Laut Peter Waldner gilt es so gut wie sicher, dass das Lautenwerk Johann Sebastian Bachs, mit dem Lautenisten große Schwierigkeiten haben, für das Lauten clavier geschrieben wurde. Leider hat kein Lautenclavier die Jahrhunderte überlebt. Jacob Adlung hat das Lautenclavier allerdings in seiner „Musica Mechanica Organoedi“ (Berlin 1768) sehr genau beschrieben."
Dies soll für den Moment genügen. Wer Aufnahmen kennt oder Bücher zum Thema: immer her damit!
Herzlich,
S A T I E