Hosenrolle1 (01.02.2015, 19:52): Ohne lange Umschweife: ich möchte einmal die "Musikalischen Haus- und Lebensregeln" von Robert Schumann vorstellen und zu ein paar dazu einen Kommentar schreiben.
Was haltet ihr von den einzelnen Punkten?
Die Bildung des Gehörs ist das Wichtigste. Bemühe dich frühzeitig Tonart und Ton zu erkennen. Die Glocke, die Fensterscheibe, der Kuckuck - forsche nach, welche Töne sie angeben.
Tonarten erkennen? Meint er hier, dass man zwischen Dur und Moll unterscheiden können soll, oder dass man sämtliche Tonarten (F-Dur, G-Moll, usw.) nur durch das Hören benennen soll? Ich wette, dass nicht mal große Dirigenten sowas können.
Du sollst Tonleitern und andere Fingerübungen fleißig spielen. Es gibt aber viele Leute, die meinen, damit Alles zu erreichen, die bis in ihr hohes Alter täglich viele Stunden mit mechanischem Üben hinbringen. Das ist ungefähr ebenso, als bemühe man sich täglich, das ABC möglichst schnell und immer schneller auszusprechen. Wende die Zeit besser an.
Man hat sogenannte „stumme Klaviaturen“ erfunden; versuche sie eine Weile lang, um zu sehen, daß sie zu nichts taugen. Vom Stummen kann man nicht sprechen lernen.
Spiele im Takt! Das Spiel mancher Virtuosen ist wie der Gang eines Betrunkenen. Solche nimm dir nicht zum Muster.
Lerne frühzeitig die Gesetze der Harmonie.
Ja, da stimme ich ihm zu.
Fürchte dich nicht vor den Worten: Theorie, Generalbaß, Kontrapunkt etc.; sie kommen dir freundlich entgegen, wenn du dasselbe tust.
Stimmt auch, wobei es auch einen guten Lehrer braucht, der es einem verständlich vermittelt. Anderen etwas beizubringen ist m.E. eine Kunst für sich; nicht jeder, der gescheit und gebildet ist, kann dieses Wissen gut weitergeben, selbst wenn er das möchte.
Klimpere nie' Spiele immer frisch zu, und nie ein Stück halb.
Schleppen und eilen sind gleich große Fehler.
Bemühe dich, leichte Stücke gut und schön zu spielen; es ist besser, als schwere mittelmäßig vorzutragen.
Du hast immer auf ein rein gestimmtes Instrument zu halten.
Nicht allein mit den Fingern mußt du deine Stücke können, du mußt sie dir auch ohne Klavier vorträllern können. Schärfe deine Einbildungskraft so, daß du nicht allein die Melodie einer Komposition, sondern auch die dazugehörige Harmonie im Gedächtnis festzuhalten vermagst.
Bemühe dich, und wenn du auch nur wenig Stimme hast, ohne Hilfe des Instrumentes vom Blatt zu singen; die Schärfe deines Gehörs wird dadurch immer zunehmen. Hast du aber eine klangvolle Stimme, so säume keinen Augenblick sie ausbilden zu lassen, betrachte sie als das schönste Geschenk, daß dir der Himmel verliehen!
Einspruch! Eine Stimme ist für mich garantiert NICHT das „schönste Geschenk“. Ich kann auch den Satz „Die menschliche Stimme ist das schönste Instrument“ nicht mehr hören. Natürlich gibt es schöne Stimmen, keine Frage, aber mich nervt dieses Gerede a la: „Jetzt singt sie noch Partien wie die XX und die YY, aber bald wird sie in ein anderes Fach wechseln können und die ZZ singen können“.
Von einer Geige etwa sagt keiner, dass sie, wenn sie noch ein paar Jahre weiterhin Mozart spielt, später auch mal Wagner spielen können wird.
Du mußt es soweit bringen, daß du eine Musik auf dem Papier verstehst.
Die Frage ist, was er mit „verstehen“ meint.
Wenn du spielst, kümmere dich nicht darum, wer dir zuhört.
Spiele immer, als hörte dir ein Meister zu.
Legt dir jemand eine Komposition zum erstenmal vor, daß du sie spielen sollst, so überlies sie zuerst.
Hast du dein musikalisches Tagewerk getan und fühlst dich ermüdet, so strenge dich nicht zu weiterer Arbeit an. Besser rasten, als ohne Lust und Frische arbeiten.
Spiele, wenn du älter wirst, nichts Modisches. Die Zeit ist kostbar. Man müßte hundert Menschenleben haben, wenn man nur alles Gute, was da ist, kennenlernen wollte.
Sehe ich auch so.
Mit Süßigkeiten, Back- und Zuckerwerk zieht man keine Kinder zu gesunden Menschen. Wie die leibliche, so muß die geistige Kost einfach und kräftig sein. Die Meister haben hinlänglich für die letztere gesorgt; haltet euch an diese.
Aller Passagenkram ändert sich mit der Zeit; nur wo die Fingerfertigkeit höheren Zwecken dient, hat sie Wert.
Schlechte Kompositionen mußt du nicht verbreiten, im Gegenteil sie mit aller Kraft unterdrücken helfen.
Auch hier: was sind „schlechte“ Kompositionen? Wer bestimmt, ob sie schlecht sind? Für mich ein militantes Gefasel.
Du sollst schlechte Kompositionen weder spielen noch, wenn du nicht dazu gezwungen bist, sie anhören.
Dito. Jedoch: wenn ich die schlechten Kompositionen nicht anhöre, woher weiß ich dann, dass sie schlecht sind? Von den Meinungen anderer? Das hieße dann, man soll sich auf das Geschmacksurteil anderer verlassen, statt sich selbst eine Meinung zu bilden. Ein dummer Rat!
Such’ es nie in der Fertigkeit, der sogenannten Bravour. Suche mit einer Komposition den Eindruck hervorzubringen, den der Komponist im Sinne hatte; mehr soll man nicht; was darüber ist, ist Zerrbild.
Betrachte es als etwas Abscheuliches, in Stücken guter Tonsetzer etwas zu ändern, wegzulassen, oder gar neumodische Verzierungen anzubringen. Dies ist die größte Schmach, die du der Kunst antust.
Absolut!! Das sollte natürlich auch für alle Druckereien gelten, die Partituren gedruckt haben und immer noch drucken, und meinen, sie müssten da noch Dinge korrigieren oder verbessern.
Und das „weglassen“ gilt auch für weggelassene Takte, Rezitative, usw.! Wegen der Wahl im Studium deiner Stücke befrage Ältere; du ersparst dir dadurch viel Zeit.
Du mußt nach und nach alle bedeutenderen Werke aller bedeutenden Meister kennenlernen.
Nö, muss ich nicht.
Laß dich durch den Beifall, den sogenannte große Virtuosen oft erringen, nicht irre machen. Der Beifall der Künstler sei dir mehr wert, als der des großen Haufens.
Alles Modische wird wieder unmodisch, und treibst du’s bis in das Alter, so wirst du ein Geck, den niemand achtet.
Schumann kannte die Hardcore-68er!
Viel Spielen in Gesellschaften bringt mehr Schaden als Nutzen. Sieh dir die Leute an; aber spiele nie etwas, dessen du dich in deinem Innern zu schämen hättest.
Versäume aber keine Gelegenheit, wo du mit anderen zusammen musizieren kannst, in Duos, Trios etc. Dies macht dein Spiel fließend, schwungvoll. Auch Sängern akkompagniere oft.
Wenn alle erste Violine spielen wollten, würden wir kein Orchester zusammen bekommen. Achte daher jeden Musiker an seiner Stelle.
Auch hier volle Zustimmung. Leider werden die Instrumente oft sogar von den Musikern selbst in „ranghöhere“ und „rangniedrigere“ eingeteilt. Als sei die 2. Geige nicht so bedeutend wie die 1., als seien die 2. oder 3. Spieler eines Instruments irgendwie „unwichtig“. Im Gegenteil: ALLE Instrumente sind wichtig. Diese Einteilung in Klassen finde ich furchtbar, und nur allzu menschlich.
Liebe dein Instrument, halte es aber nicht in Eitelkeit für das höchste und einzige. Bedenke, daß es noch andere und ebenso schöne gibt. Bedenke auch, daß es Sänger gibt, daß im Chor und Orchester das Höchste der Musik zur Aussprache kommt.
Auf den Sängern kann ich aber schlecht spielen.
Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren, als mit Virtuosen. Spiele fleißig Fugen guter Meister, vor Allen von Joh. Seb. Bach. Das „Wohltemperierte Klavier“ sei dein täglich Brot. Dann wirst du gewiß ein tüchtiger Musiker.
Auch wenn man die Fugen guter Meister schrecklich öde findet und sich langweilt dabei, ohne Begeisterung übt?
Suche unter deinen Kameraden die auf, die mehr als du wissen.
Von deinen musikalischen Studien erhole dich fleißig durch Dichterlektüre. Ergehe dich oft im Freien.
Aber ganz sicher nicht! Jetzt soll ich auch noch beim Erholen fleißig sein?
Von Sängern und Sängerinnen läßt sich manches lernen, doch glaube ihnen auch nicht alles.
Hinter den Bergen wohnen auch Leute. Sei bescheiden! Du hast noch nichts erfunden und gedacht, was nicht andere vor die schon gedacht und erfunden. Und hättest du’s, so betrachte es als ein Geschenk von oben, was du mit anderen zu teilen hast.
Sei bescheiden – ok. Wenn ICH aber eine Leistung erbringe, dann bin ich stolz drauf, und bilde mir nicht ein, dass mir jemand „von oben“ etwas geschenkt hätte.
Das Studium der Geschichte der Musik, unterstützt vom lebendigen Hören der Meisterwerke der verschiedenen Epochen, wird dich am schnellsten von Eigendünkel und Eitelkeit kurieren.
Hä?
Ein schönes Buch über Musik ist das „Über Reinheit der Tonkunst“ von Thibaut. Lies es oft, wenn du älter wirst.
Wenn ich neben dem Musiktheoriestudium, dem vielen Üben, dem Spazierengehen und den Dichtern noch dazu komme …
Gehst du an einer Kirche vorbei und hörst Orgel darin spielen, so gehe hinein und höre zu. Wird es dir gar so wohl, dich selbst auf die Orgelbank setzen zu dürfen, so versuche deinen kleinen Finger und staune vor dieser Allgewalt der Musik.
Eher staune ich darüber, was Menschen da gebaut haben, wie groß und mächtig und durchdacht dieses Instrument ist!
Versäume keine Gelegenheit dich auf der Orgel zu üben; es gibt kein Instrument, das am Unreinen und Unsauberen im Tonsatz wie im Spiel alsogleich Rache nähme, als die Orgel.
Singe fleißig im Chor mit, namentlich Mittelstimmen. Dies macht dich musikalisch.
Mag nicht.
Was heißt denn aber musikalisch sein? Du bist es nicht, wenn du, die Augen ängstlich auf die Noten gerichtet, dein Stück mühsam zu Ende spielst; du bist es nicht, wenn du (es wendet dir jemand etwa zwei Seiten auf einmal um) stecken bleibst und nicht fort kannst. Du bist es aber, wenn du bei einem neuen Stück das, was kommt, ungefähr ahnst, bei einem dir bekannten auswendig weisst - mit einem Wort, wenn du Musik nicht allein in den Fingern, sondern auch im Kopf und Herzen hast.
Im Kopf reicht mir völlig. In den Fingern brauche ich sie nicht, weil ich kein Instrument spiele.
Wie aber wird man musikalisch? Liebes Kind, die Hauptsache, ein scharfes Ohr, schnelle Auffassungskraft, kommt, wie in allen Dingen von oben. Aber es läßt sich die Anlage bilden und erhöhen. Du wirst es nicht dadurch, daß du dich einsiedlerisch tagelang absperrst und mechanische Studien treibst, sondern dadurch, daß du dich in lebendigem, vielseitig musikalischem Verkehr erhältst, namentlich dadurch, daß du viel mit Chor und Orchester verkehrst.
Ja, alles kommt, wie immer, von oben. So sehr ich das fliegende Spaghettimonster auch schätze, aber sowas muss doch nicht sein.
Mache dich über den Umfang der menschlichen Stimme in ihren vier Hauptarten frühzeitig klar - belausche sie namentlich im Chor, forsche nach, in welchen Intervallen ihre höchste Kraft liegt, in welchen anderen sie sich zum Weichen und Zarten verwenden lassen.
Ok, aber wozu nur die menschlichen Stimmen? Idealerweise sieht man sich auch in jeder Partitur jedes einzelne Instrument an: in welchen Registern verwendet der Komponist es? Wofür verwendet er es gerne? Eher für Harmonien, oder für Melodien, Kantilenen? Usw.
Höre fleißig auf alle Volkslieder; sie sind eine Fundgrube der schönsten Melodien und öffnen dir den Blick in den Charakter der verschiedenen Nationen.
Übe dich frühzeitig im Lesen der Alten Schlüssel. Viele Schätze der Vergangenheit bleiben dir sonst verschlossen.
Achte schon frühzeitig auf Ton und Charakter der verschiedenen Instrumente; suche ihre eigentümliche Klangfarbe deinem Ohr einzuprägen.
Jep, sehr richtig.
Gute Opern zu höre versäume nie.
Ehre das Alte hoch, bringe aber auch dem Neuen ein warmes Herz entgegen. Gegen dir unbekannte Namen hege kein Vorurteil.
Moment, gerade noch meinte er, dass man schlechte Kompositionen unterdrücken und am besten gar nicht hören soll. Und jetzt soll man keine Vorurteile haben?
Urteile nicht nach dem ersten Mal hören über eine Komposition; was dir im ersten Augenblick gefällt, ist nicht immer das Beste. Meister wollen studiert sein. Vieles wird dir erst im höchsten Alter klar werden.
Bei Beurteilungen von Kompositionen unterscheide, ob sie dem Kunstfach angehören, oder nur dilettantische Unterhaltung bezwecken. Für die der ersten Art stehe ein; wegen der anderen erzürne dich nicht!Melodie ist das Feldgeschrei der Dilettanten, und gewiß, eine Musik ohne Melodie ist gar keine. Verstehe aber wohl, was jene darunter meinen; eine leicht faßliche, rhythmisch gefällige gilt ihnen allein dafür. Es gibt aber auch andere anderen Schlages, und wo du Bach, Mozart, Beethoven aufschlägst, blicken sie dich in tausend verschiedenen Weisen an: des dürftigen Einerleis namentlich neuerer italienischer Openmelodien wirst du hoffentlich bald überdrüssig.
Das wiederum ist für mich militanter Unsinn. Was spricht gegen leicht fassliche Melodien? Außerdem: auch Mozart schrieb „Ohrwürmer“ (Non piu andrai etwa, dessen Thema er später im Don Giovanni zitiert hat, wohlwissend, dass die Leute diesen Ohrwurm wiedererkennen).
Suchst du dir am Klavier kleine Melodien zusammen, so ist das wohl hübsch; kommen sie dir aber einmal von selbst, nicht am Klavier, dann freue dich noch mehr, dann regt sich in dir der innere Tonsinn. Die Finger müssen machen, was der Kopf will, nicht umgekehrt.
Fängst du an zu komponieren, so mache alles im Kopf. Erst wenn du ein Stück ganz fertig hast, probiere es am Instrument. Kam dir deine Musik aus dem Inneren, empfandest du sie, so wird sie auch so auf andere wirken.
Jetzt soll man komponieren auch noch?
Verlieh dir der Himmel eine rege Phantasie, so wirst du in einsamen Stunden wohl oft wie festgebannt am Flügel sitzen, in Harmonien dein Inneres aussprechen wollen, und um so geheimnisvoller wirst du dich in magische Kreise gezogen fühlen, je unklarer dir vielleicht das Harmonienreich noch ist. Der Jugend glücklichste Stunden sind diese. Hüte dich indessen, dich zu oft einem Talent hinzugeben, das Kraft und Zeit gleichsam an Schattenbilder zu verschwenden dich verleitet. Die Beherrschung der Form, die Kraft klarer Gestaltung gewinnst du nur durch das feste Zeichen der Schrift. Schreibe also mehr, als du phantasierst.
Verschaffe dir frühzeitig Kenntnis vom Dirigieren, sieh dir gute Dirigenten oft an; selbst im Stillen mit zu dirigieren, sei dir unverwehrt. Dies bringt Klarheit in dich.
Sieh dich tüchtig im Leben um, wie auch in anderen Künsten und Wissenschaften.
Die Gesetze der Moral sind auch die der Kunst.
Nö. Moral hat sich immer verändert und ist abhängig von Zeit und Ort.
Durch Fleiß und Ausdauer wirst du es immer höher bringen.
Aus einem Pfund Eisen, das wenig Groschen kostet, lassen sich viele tausend Uhrfedern machen, deren Wert in die hunderttausend geht. Das Pfund, das du von Gott erhalten, nütze es treulich.
Ohne Enthusiasmus wird nichts Rechtes in der Kunst zuwege gebracht.
Die Kunst ist nicht da, um Reichtümer zu erwerben. Werde nur ein immer größerer Künstler; alles andere fällt dir von selbst zu.
Genau, darum sind soviele Komponisten bettelarm gestorben …
Nur erst, wenn dir die Form ganz klar ist, wird dir der Geist klar werden.
Vielleicht versteht nur der Genius den Genius ganz.
"Zwar Lenens guter Genius bekämpft den Geist der Finsternus, doch dieser kehrt sich um und packt ihn mit der Gabel zwiegezackt ..."
Es meinte jemand, ein vollkommener Musiker müsse im Stande sein, ein zum erstenmal gehörtes, auch kompliziertes Orchesterwerk wie in leibhaftiger Partitur vor sich zu sehen. Das ist das Höchste, was gedacht werden kann.
Es ist des Lernens kein Ende.
Nicolas_Aine (01.02.2015, 20:10): habe grade den Anfang überflogen, werde das später alles lesen, klingt interessant.
Zu dem 1. Zitat:
http://de.wikipedia.org/wiki/Absolutes_Gehör
Nicolas_Aine (07.03.2015, 00:21): Original von Hosenrolle1 Ohne lange Umschweife: ich möchte einmal die "Musikalischen Haus- und Lebensregeln" von Robert Schumann vorstellen und zu ein paar dazu einen Kommentar schreiben.
Was haltet ihr von den einzelnen Punkten?
Die Bildung des Gehörs ist das Wichtigste. Bemühe dich frühzeitig Tonart und Ton zu erkennen. Die Glocke, die Fensterscheibe, der Kuckuck - forsche nach, welche Töne sie angeben.
Tonarten erkennen? Meint er hier, dass man zwischen Dur und Moll unterscheiden können soll, oder dass man sämtliche Tonarten (F-Dur, G-Moll, usw.) nur durch das Hören benennen soll? Ich wette, dass nicht mal große Dirigenten sowas können.
Siehe meinen letzten Beitrag.
Du sollst Tonleitern und andere Fingerübungen fleißig spielen. Es gibt aber viele Leute, die meinen, damit Alles zu erreichen, die bis in ihr hohes Alter täglich viele Stunden mit mechanischem Üben hinbringen. Das ist ungefähr ebenso, als bemühe man sich täglich, das ABC möglichst schnell und immer schneller auszusprechen. Wende die Zeit besser an.
Man hat sogenannte „stumme Klaviaturen“ erfunden; versuche sie eine Weile lang, um zu sehen, daß sie zu nichts taugen. Vom Stummen kann man nicht sprechen lernen.
Zweifellos hat Schumann da recht. Mechanisches Üben allein hilft nicht viel. Die Frage ist nur, was er mit mechanischem Üben meint; ich glaube nicht, dass er damit allein Technikübungen meint, er sagt ja im ersten Satz, dass man diese fleißig spielen sollte, dabei hat er meine volle Zustimmung. Was er meines Erachtens damit meint, ist, dass man immer konzentriert üben soll. Man kann auch Stücke mechanisch üben, indem man unkonzentriert ist und gedanklich abschweift und dabei einfach immer wieder bestimmte Stellen wiederholt o.ä. Das bringt freilich nicht viel, auch wenn ich zugeben muss, dass mir das auch immer wieder passiert.
Spiele im Takt! Das Spiel mancher Virtuosen ist wie der Gang eines Betrunkenen. Solche nimm dir nicht zum Muster.
Das ist sehr interessant zu lesen, da ja die gängige Meinung ist, dass man zu seiner Zeit bzw. im 19. Jh. viel freier gespielt hat... trotzdem würde ich ihm nicht völlig zustimmen, immer nur streng im Takt zu spielen ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss. Klar ist aber, dass man es nicht übertreiben darf.
Lerne frühzeitig die Gesetze der Harmonie.
Ja, da stimme ich ihm zu.
Zweifelsohne.
Fürchte dich nicht vor den Worten: Theorie, Generalbaß, Kontrapunkt etc.; sie kommen dir freundlich entgegen, wenn du dasselbe tust.
Stimmt auch, wobei es auch einen guten Lehrer braucht, der es einem verständlich vermittelt. Anderen etwas beizubringen ist m.E. eine Kunst für sich; nicht jeder, der gescheit und gebildet ist, kann dieses Wissen gut weitergeben, selbst wenn er das möchte.
Mit beiden Punkten hat er natürlich recht; ich würde noch Gehörbildung hinzufügen (siehe auch das 1. Zitat); Auch Du hast Recht mit dem guten Lehrer, es gibt so viele tolle Musiker, die einfach keine guten Lehrer sind. Umgekehrt gilt das aber auch, es gibt viele Lehrer, die ihr Instrument vielleicht nicht so gut beherrschen wie andere, aber das dafür viel besser vermitteln können.
Klimpere nie' Spiele immer frisch zu, und nie ein Stück halb.
ich finde das manchmal ganz erfrischend, einfach irgendwelche Sachen zu spielen, egal wies klingt (natürlich nur, wenn niemand in der Nähe ist :D)
Schleppen und eilen sind gleich große Fehler.
wie oben erwähnt, würde ich das nicht zwangsläufig als Fehler bezeichnen.
Bemühe dich, leichte Stücke gut und schön zu spielen; es ist besser, als schwere mittelmäßig vorzutragen.
es gibt leider viel zu viele Musiker, die diesen Spruch offensichtlich nicht eingetrichtert bekommen haben :(
Du hast immer auf ein rein gestimmtes Instrument zu halten.
der war wohl nie im Übekeller einer deutschen Musikhochschule, sonst wäre er noch schneller in der Klapse gelandet als ohnehin schon :D :ignore
Nicht allein mit den Fingern mußt du deine Stücke können, du mußt sie dir auch ohne Klavier vorträllern können. Schärfe deine Einbildungskraft so, daß du nicht allein die Melodie einer Komposition, sondern auch die dazugehörige Harmonie im Gedächtnis festzuhalten vermagst.
das finde ich auch einen beachtenswerten Punkt. Üben ohne Instrument hilft tatsächlich viel, finde ich. Eine Möglichkeit ist z.B., nur die Noten zu lesen oder sich das vorzusingen oder zu dirigieren, man kann aber auch einfach dasitzen oder liegen und über das Stück nachdenken, oft kommen dabei gute Ideen (manchmal aber auch weniger gute :D)
Bemühe dich, und wenn du auch nur wenig Stimme hast, ohne Hilfe des Instrumentes vom Blatt zu singen; die Schärfe deines Gehörs wird dadurch immer zunehmen. Hast du aber eine klangvolle Stimme, so säume keinen Augenblick sie ausbilden zu lassen, betrachte sie als das schönste Geschenk, daß dir der Himmel verliehen!
Einspruch! Eine Stimme ist für mich garantiert NICHT das „schönste Geschenk“. Ich kann auch den Satz „Die menschliche Stimme ist das schönste Instrument“ nicht mehr hören. Natürlich gibt es schöne Stimmen, keine Frage, aber mich nervt dieses Gerede a la: „Jetzt singt sie noch Partien wie die XX und die YY, aber bald wird sie in ein anderes Fach wechseln können und die ZZ singen können“.
Von einer Geige etwa sagt keiner, dass sie, wenn sie noch ein paar Jahre weiterhin Mozart spielt, später auch mal Wagner spielen können wird.
bei deinem letzten Satz gebe ich dir Recht, das hab ich auch nie verstanden, auch wenn ich von Gesang zugegebenermaßen wenig Ahnung habe. Ebenfalls stimme dem Rest zu, gebe aber zu bedenken, dass das höchst subjektiv ist. Ich selber kann mit Gesang wenig anfangen, weder aktiv noch passiv, aber offensichtlich gibt es Leute, die das anders sehen ?( :haha
Du mußt es soweit bringen, daß du eine Musik auf dem Papier verstehst.
Die Frage ist, was er mit „verstehen“ meint.
Stimmt. Wenn ich raten müsste, würde ich aber vermuten, dass er meint, dass man sich den Klang vorstellen kann, wenn man nur die Noten sieht.
Wenn du spielst, kümmere dich nicht darum, wer dir zuhört.
Spiele immer, als hörte dir ein Meister zu.
ist das nicht etwas widersprüchlich? :haha Aber trotzdem finde ich, dass er mit beidem Recht hat, auch wenn ich das erstere stärker gewichten würde.
Legt dir jemand eine Komposition zum erstenmal vor, daß du sie spielen sollst, so überlies sie zuerst.
Oder spiele sie da, wo niemand zuhört :D
Hast du dein musikalisches Tagewerk getan und fühlst dich ermüdet, so strenge dich nicht zu weiterer Arbeit an. Besser rasten, als ohne Lust und Frische arbeiten.
unbedingt!
Spiele, wenn du älter wirst, nichts Modisches. Die Zeit ist kostbar. Man müßte hundert Menschenleben haben, wenn man nur alles Gute, was da ist, kennenlernen wollte.
Sehe ich auch so.
ich auch, aber man kann ja trotzdem versuchen, möglichst viel kennenzulernen.
Mit Süßigkeiten, Back- und Zuckerwerk zieht man keine Kinder zu gesunden Menschen. Wie die leibliche, so muß die geistige Kost einfach und kräftig sein. Die Meister haben hinlänglich für die letztere gesorgt; haltet euch an diese.
Aller Passagenkram ändert sich mit der Zeit; nur wo die Fingerfertigkeit höheren Zwecken dient, hat sie Wert.
Schlechte Kompositionen mußt du nicht verbreiten, im Gegenteil sie mit aller Kraft unterdrücken helfen.
Auch hier: was sind „schlechte“ Kompositionen? Wer bestimmt, ob sie schlecht sind? Für mich ein militantes Gefasel.
Du sollst schlechte Kompositionen weder spielen noch, wenn du nicht dazu gezwungen bist, sie anhören.
Dito. Jedoch: wenn ich die schlechten Kompositionen nicht anhöre, woher weiß ich dann, dass sie schlecht sind? Von den Meinungen anderer? Das hieße dann, man soll sich auf das Geschmacksurteil anderer verlassen, statt sich selbst eine Meinung zu bilden. Ein dummer Rat!
Naja, ich würde das nicht als militantes Gefasel abtun, da er ja nicht konkret sagt, was schlechte Kompositionen sind oder eine Maßgabe vorgibt. Ich würde das so verstehen, dass man die Werke, die man subjektiv als schlecht empfindet, nicht hören soll und das ist absolut nachvollziehbar. Zum zweiten: Man kann sich das auch einfach einmal anhören, sich eine Meinung bilden und wenn man dann findet, dass das Werk nichts taugt, geht man ihm eben aus dem Weg. Ich finde nicht, dass das ein dummer Rat ist. Er sagt nirgends, dass man blind den anderen trauen soll.
Such’ es nie in der Fertigkeit, der sogenannten Bravour. Suche mit einer Komposition den Eindruck hervorzubringen, den der Komponist im Sinne hatte; mehr soll man nicht; was darüber ist, ist Zerrbild.
Ohje, das ist Stoff genug für eine lange Diskussion. Dem ersten Satz stimme ich noch fast uneingeschränkt zu; die Einschränkung wären für mich z.B. Werke von Paganini, da ja der Eindruck, den der Komponist hervorbringen will, durchaus eben jene Fertigkeit oder Bravour ist. Den zweiten Satz finde ich viel schwieriger, auch wenn Schumann als Komponist natürlich dieser Meinung ist. Ich finde durchaus, dass man nicht, zumindest nicht ausschließlich, den Eindruck des Komponisten hervorbringen muss, sondern ich finde, dass jeder Interpret nach dem Suchen muss, was das Stück seiner Meinung nach aussagt. Zum einen, weil wir unmöglich genau wissen können, was der Komponist wirklich wollte; natürlich können wir uns mit den jeweiligen Aufführungspraxen, den Instrumenten, dem Komponist selber etc. beschäftigen und wahrscheinlich der Idee des Komponisten recht nahe kommen, aber ein Stück Mutmaßung bleibt immer. Zum zweiten würde es glaube ich auf Dauer langweilig werden, wenn alle der gleichen oder einer sehr ähnlichen Idee folgen. Ich finde, dass gerade das ein gutes Werk ausmacht, wenn man es immer wieder neu interpretieren kann und immer wieder in eine neue Zeit und einen neuen Kontext bringen kann.
Betrachte es als etwas Abscheuliches, in Stücken guter Tonsetzer etwas zu ändern, wegzulassen, oder gar neumodische Verzierungen anzubringen. Dies ist die größte Schmach, die du der Kunst antust.
Absolut!! Das sollte natürlich auch für alle Druckereien gelten, die Partituren gedruckt haben und immer noch drucken, und meinen, sie müssten da noch Dinge korrigieren oder verbessern.
Und das „weglassen“ gilt auch für weggelassene Takte, Rezitative, usw.! Wegen der Wahl im Studium deiner Stücke befrage Ältere; du ersparst dir dadurch viel Zeit.
Bei weggelassenen Takten etc. sind wir uns absolut einig. Bei Vortragsbezeichnungen ist das so eine Sache. Das beste Beispiel sind z.B. die Legatobögen für Streicher. Insbesondere in Orchesterwerken der Romantik sind diese schlicht und einfach nicht möglich. Ähnlich ist es z.B. mit Dynamik: Manches funktioniert einfach nicht, weil dann die Balance überhaupt nicht mehr stimmt. Ich bin sehr für Urtextausgaben und spiele selbst fast ausschließlich aus solchen, aber manchmal muss man was ändern. Außerdem gilt auch, dass viele Komponisten sehr uneinheitlich schreiben, grade was Legatobögen und Artikulationsbezeichungen angeht, und ich bin mir sicher, dass das nicht immer Absicht ist. Zumal dann ja oft noch hinzukommt, dass in verschiedenen Quellen verschiedene Sachen stehen, also bspw. im Klavierauszug des Komponisten andere Sachen als in der fertigen Partitur, und im Erstdruck steht dann nochmal was anderes und in der 2. Auflage erst recht.
Du mußt nach und nach alle bedeutenderen Werke aller bedeutenden Meister kennenlernen.
Nö, muss ich nicht.
Müssen nicht, aber vielleicht verpasst man ja was? Ich finde an dieser Aussage den Fokus auf die bedeutenden Sachen viel schwieriger, es gibt so viel unbekannte wunderschöne Musik.
Laß dich durch den Beifall, den sogenannte große Virtuosen oft erringen, nicht irre machen. Der Beifall der Künstler sei dir mehr wert, als der des großen Haufens.
Alles Modische wird wieder unmodisch, und treibst du’s bis in das Alter, so wirst du ein Geck, den niemand achtet.
Schumann kannte die Hardcore-68er!
:rofl
Viel Spielen in Gesellschaften bringt mehr Schaden als Nutzen. Sieh dir die Leute an; aber spiele nie etwas, dessen du dich in deinem Innern zu schämen hättest.
Nicht unbedingt, vorspielen ist eigentlich immer ein gutes Training...
Versäume aber keine Gelegenheit, wo du mit anderen zusammen musizieren kannst, in Duos, Trios etc. Dies macht dein Spiel fließend, schwungvoll. Auch Sängern akkompagniere oft.
Absolute Zustimmung!! Bei Kammermusik kann man wahnsinnig viel lernen und es macht einfach unglaublich viel Spaß, vor allem mit den "richtigen" Leuten :) :engel
Wenn alle erste Violine spielen wollten, würden wir kein Orchester zusammen bekommen. Achte daher jeden Musiker an seiner Stelle.
Auch hier volle Zustimmung. Leider werden die Instrumente oft sogar von den Musikern selbst in „ranghöhere“ und „rangniedrigere“ eingeteilt. Als sei die 2. Geige nicht so bedeutend wie die 1., als seien die 2. oder 3. Spieler eines Instruments irgendwie „unwichtig“. Im Gegenteil: ALLE Instrumente sind wichtig. Diese Einteilung in Klassen finde ich furchtbar, und nur allzu menschlich.
Diese Einteilung existiert in Musikerkreisen allerdings hauptsächlich als Spaß. Ich kenne keinen professionellen Musiker, der WIRKLICH die Bratschen rausschmeißen würde. Natürlich gibt es viele Witze (insbesondere Bratschen- und Schlagzeugwitze :D) und "Rangordnungen", aber jeder Profi weiss, dass man alle braucht und alle wichtig sind und niemand nimmt das wirklich ernst. Im Gegenteil, niemand kennt so viele Bratschenwitze wie Bratschisten :D
Liebe dein Instrument, halte es aber nicht in Eitelkeit für das höchste und einzige. Bedenke, daß es noch andere und ebenso schöne gibt. Bedenke auch, daß es Sänger gibt, daß im Chor und Orchester das Höchste der Musik zur Aussprache kommt.
Auf den Sängern kann ich aber schlecht spielen.
siehe den Kommentar obendrüber.
Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren, als mit Virtuosen. Spiele fleißig Fugen guter Meister, vor Allen von Joh. Seb. Bach. Das „Wohltemperierte Klavier“ sei dein täglich Brot. Dann wirst du gewiß ein tüchtiger Musiker.
Fugen kosten aber so viele Nerven :(
Auch wenn man die Fugen guter Meister schrecklich öde findet und sich langweilt dabei, ohne Begeisterung übt?
Suche unter deinen Kameraden die auf, die mehr als du wissen.
Von deinen musikalischen Studien erhole dich fleißig durch Dichterlektüre. Ergehe dich oft im Freien.
Aber ganz sicher nicht! Jetzt soll ich auch noch beim Erholen fleißig sein?
haha :D Aber der Punkt, den er anspricht, finde ich durchaus wichtig: Ausgleich ist sehr wichtig. Wenn man den ganzen Tag Musik macht, ist es meiner Meinung nach wirklich wichtig, dass man auch noch andere Hobbies hat.
Von Sängern und Sängerinnen läßt sich manches lernen, doch glaube ihnen auch nicht alles.
Hinter den Bergen wohnen auch Leute. Sei bescheiden! Du hast noch nichts erfunden und gedacht, was nicht andere vor die schon gedacht und erfunden. Und hättest du’s, so betrachte es als ein Geschenk von oben, was du mit anderen zu teilen hast.
Sei bescheiden – ok. Wenn ICH aber eine Leistung erbringe, dann bin ich stolz drauf, und bilde mir nicht ein, dass mir jemand „von oben“ etwas geschenkt hätte.
Das Studium der Geschichte der Musik, unterstützt vom lebendigen Hören der Meisterwerke der verschiedenen Epochen, wird dich am schnellsten von Eigendünkel und Eitelkeit kurieren.
Hä?
Ich glaube, dass er meint, dass, wenn man sich mit der Geschichte der Musik beschäftigt, so viele geniale Werke und Komponisten entdeckt, dass man ganz bescheiden wird. Könnte was dran sein.
Ein schönes Buch über Musik ist das „Über Reinheit der Tonkunst“ von Thibaut. Lies es oft, wenn du älter wirst.
Wenn ich neben dem Musiktheoriestudium, dem vielen Üben, dem Spazierengehen und den Dichtern noch dazu komme …
Tja, ein Musiker hat nie Feierabend...
Gehst du an einer Kirche vorbei und hörst Orgel darin spielen, so gehe hinein und höre zu. Wird es dir gar so wohl, dich selbst auf die Orgelbank setzen zu dürfen, so versuche deinen kleinen Finger und staune vor dieser Allgewalt der Musik.
Eher staune ich darüber, was Menschen da gebaut haben, wie groß und mächtig und durchdacht dieses Instrument ist!
Versäume keine Gelegenheit dich auf der Orgel zu üben; es gibt kein Instrument, das am Unreinen und Unsauberen im Tonsatz wie im Spiel alsogleich Rache nähme, als die Orgel.
Singe fleißig im Chor mit, namentlich Mittelstimmen. Dies macht dich musikalisch.
Mag nicht. Wie oben schon erwähnt: Ich auch nicht. Überhaupt nicht. Ändert aber nix dran, dass er damit alles andere als unrecht hat... :I :S
Was heißt denn aber musikalisch sein? Du bist es nicht, wenn du, die Augen ängstlich auf die Noten gerichtet, dein Stück mühsam zu Ende spielst; du bist es nicht, wenn du (es wendet dir jemand etwa zwei Seiten auf einmal um) stecken bleibst und nicht fort kannst. Du bist es aber, wenn du bei einem neuen Stück das, was kommt, ungefähr ahnst, bei einem dir bekannten auswendig weisst - mit einem Wort, wenn du Musik nicht allein in den Fingern, sondern auch im Kopf und Herzen hast.
Im Kopf reicht mir völlig. In den Fingern brauche ich sie nicht, weil ich kein Instrument spiele.
Da siehst du, so unterschiedlich kann das sein. Mir reichts nicht. Wobei er ein weit verbreitetes Problem anspricht, dass mir auch immer wieder Schwierigkeiten bereitet: Nur weil man ein Werk spielen kann, ist es nicht gleich musikalisch...
Wie aber wird man musikalisch? Liebes Kind, die Hauptsache, ein scharfes Ohr, schnelle Auffassungskraft, kommt, wie in allen Dingen von oben. Aber es läßt sich die Anlage bilden und erhöhen. Du wirst es nicht dadurch, daß du dich einsiedlerisch tagelang absperrst und mechanische Studien treibst, sondern dadurch, daß du dich in lebendigem, vielseitig musikalischem Verkehr erhältst, namentlich dadurch, daß du viel mit Chor und Orchester verkehrst.
Ja, alles kommt, wie immer, von oben. So sehr ich das fliegende Spaghettimonster auch schätze, aber sowas muss doch nicht sein.
Mache dich über den Umfang der menschlichen Stimme in ihren vier Hauptarten frühzeitig klar - belausche sie namentlich im Chor, forsche nach, in welchen Intervallen ihre höchste Kraft liegt, in welchen anderen sie sich zum Weichen und Zarten verwenden lassen.
Ok, aber wozu nur die menschlichen Stimmen? Idealerweise sieht man sich auch in jeder Partitur jedes einzelne Instrument an: in welchen Registern verwendet der Komponist es? Wofür verwendet er es gerne? Eher für Harmonien, oder für Melodien, Kantilenen? Usw.
Sicher ist es auch wichtig, auch auf andere Sachen zu achten. Aber wie wir im "Musikalische Grundlangen" Thread schonmal erwähnt haben, lässt sich der Großteil der Musiktheorie und der Harmonielehre bis ca. 1900 auf eben diese vier Stimmen herunterbrechen. Insofern bringt es wirklich sehr viel, sich damit genau auseinanderzusetzen. Das gilt tatsächlich auch für so Sachen wie den Stimmumfang, denn obwohl viele Instrumente einen größeren Tonumfang haben, basieren viele Stimmführungsregeln auf dem Umfang der menschlichen Stimme.
Höre fleißig auf alle Volkslieder; sie sind eine Fundgrube der schönsten Melodien und öffnen dir den Blick in den Charakter der verschiedenen Nationen.
Übe dich frühzeitig im Lesen der Alten Schlüssel. Viele Schätze der Vergangenheit bleiben dir sonst verschlossen.
Das kostet aber fast so viele Nerven wie Fugen... :D
Achte schon frühzeitig auf Ton und Charakter der verschiedenen Instrumente; suche ihre eigentümliche Klangfarbe deinem Ohr einzuprägen.
Jep, sehr richtig.
Gute Opern zu höre versäume nie.
Ehre das Alte hoch, bringe aber auch dem Neuen ein warmes Herz entgegen. Gegen dir unbekannte Namen hege kein Vorurteil.
Moment, gerade noch meinte er, dass man schlechte Kompositionen unterdrücken und am besten gar nicht hören soll. Und jetzt soll man keine Vorurteile haben?
Urteile nicht nach dem ersten Mal hören über eine Komposition; was dir im ersten Augenblick gefällt, ist nicht immer das Beste. Meister wollen studiert sein. Vieles wird dir erst im höchsten Alter klar werden.
Bei Beurteilungen von Kompositionen unterscheide, ob sie dem Kunstfach angehören, oder nur dilettantische Unterhaltung bezwecken. Für die der ersten Art stehe ein; wegen der anderen erzürne dich nicht!Melodie ist das Feldgeschrei der Dilettanten, und gewiß, eine Musik ohne Melodie ist gar keine. Verstehe aber wohl, was jene darunter meinen; eine leicht faßliche, rhythmisch gefällige gilt ihnen allein dafür. Es gibt aber auch andere anderen Schlages, und wo du Bach, Mozart, Beethoven aufschlägst, blicken sie dich in tausend verschiedenen Weisen an: des dürftigen Einerleis namentlich neuerer italienischer Openmelodien wirst du hoffentlich bald überdrüssig.
Das wiederum ist für mich militanter Unsinn. Was spricht gegen leicht fassliche Melodien? Außerdem: auch Mozart schrieb „Ohrwürmer“ (Non piu andrai etwa, dessen Thema er später im Don Giovanni zitiert hat, wohlwissend, dass die Leute diesen Ohrwurm wiedererkennen).
Ich glaube nicht, dass Schumann hier generell gegen leicht fassliche Melodien hetzen will; die Frage ist, was hinter der Melodie steckt. Ist es wirklich nur diese Melodie, die den Reiz des Stückes ausmacht, oder gibt es auch eine interessante Harmonik, spannende Klangfarben, etc.?
Suchst du dir am Klavier kleine Melodien zusammen, so ist das wohl hübsch; kommen sie dir aber einmal von selbst, nicht am Klavier, dann freue dich noch mehr, dann regt sich in dir der innere Tonsinn. Die Finger müssen machen, was der Kopf will, nicht umgekehrt.
Die Finger müssen machen was der Kopf wil... Tja, das hätte ich auch mal gerne...
Fängst du an zu komponieren, so mache alles im Kopf. Erst wenn du ein Stück ganz fertig hast, probiere es am Instrument. Kam dir deine Musik aus dem Inneren, empfandest du sie, so wird sie auch so auf andere wirken.
Jetzt soll man komponieren auch noch?
Tja, Musiker ist halt wirklich mehr als ein Vollzeitjob :P
Verlieh dir der Himmel eine rege Phantasie, so wirst du in einsamen Stunden wohl oft wie festgebannt am Flügel sitzen, in Harmonien dein Inneres aussprechen wollen, und um so geheimnisvoller wirst du dich in magische Kreise gezogen fühlen, je unklarer dir vielleicht das Harmonienreich noch ist. Der Jugend glücklichste Stunden sind diese. Hüte dich indessen, dich zu oft einem Talent hinzugeben, das Kraft und Zeit gleichsam an Schattenbilder zu verschwenden dich verleitet. Die Beherrschung der Form, die Kraft klarer Gestaltung gewinnst du nur durch das feste Zeichen der Schrift. Schreibe also mehr, als du phantasierst.
Verschaffe dir frühzeitig Kenntnis vom Dirigieren, sieh dir gute Dirigenten oft an; selbst im Stillen mit zu dirigieren, sei dir unverwehrt. Dies bringt Klarheit in dich.
Ohja. Werke für sich selbst zu dirigieren hilft sehr viel, wie ich finde. Man kann so viel dabei lernen, grade für die Struktur des Werkes, für Form und Phrasierung.
Sieh dich tüchtig im Leben um, wie auch in anderen Künsten und Wissenschaften.
Die Gesetze der Moral sind auch die der Kunst.
Nö. Moral hat sich immer verändert und ist abhängig von Zeit und Ort.
Kunst auch.
Durch Fleiß und Ausdauer wirst du es immer höher bringen.
Aus einem Pfund Eisen, das wenig Groschen kostet, lassen sich viele tausend Uhrfedern machen, deren Wert in die hunderttausend geht. Das Pfund, das du von Gott erhalten, nütze es treulich.
Neudeutsch: Wenn dir jemand Zitronen gibt, kaufe Tequila dazu :D
Ohne Enthusiasmus wird nichts Rechtes in der Kunst zuwege gebracht.
Die Kunst ist nicht da, um Reichtümer zu erwerben. Werde nur ein immer größerer Künstler; alles andere fällt dir von selbst zu.
Genau, darum sind soviele Komponisten bettelarm gestorben …
Nur erst, wenn dir die Form ganz klar ist, wird dir der Geist klar werden.
Vielleicht versteht nur der Genius den Genius ganz.
"Zwar Lenens guter Genius bekämpft den Geist der Finsternus, doch dieser kehrt sich um und packt ihn mit der Gabel zwiegezackt ..."
Es meinte jemand, ein vollkommener Musiker müsse im Stande sein, ein zum erstenmal gehörtes, auch kompliziertes Orchesterwerk wie in leibhaftiger Partitur vor sich zu sehen. Das ist das Höchste, was gedacht werden kann.
Es ist des Lernens kein Ende.
Hosenrolle1 (07.03.2015, 20:37): Mit beiden Punkten hat er natürlich recht; ich würde noch Gehörbildung hinzufügen (siehe auch das 1. Zitat); Auch Du hast Recht mit dem guten Lehrer, es gibt so viele tolle Musiker, die einfach keine guten Lehrer sind. Umgekehrt gilt das aber auch, es gibt viele Lehrer, die ihr Instrument vielleicht nicht so gut beherrschen wie andere, aber das dafür viel besser vermitteln können.
Stimmt, Gehörbildung ist sehr wichtig!
Ich selbst könnte das Wissen, das ich habe, überhaupt nicht vermitteln. Ich wüsste nicht, wo und wie ich anfangen sollte, usw. Von daher ist es auf jeden Fall bewundernswert, wenn jemand das auch gut kann!
ich finde das manchmal ganz erfrischend, einfach irgendwelche Sachen zu spielen, egal wies klingt (natürlich nur, wenn niemand in der Nähe ist)
Ich glaube, dass Schumann das Instrument hier schon ein bisschen ZU sehr als „Heiligtum“ ansieht, und meint, man dürfe nicht so leichtfertig einfach mal ein paar Töne entlocken, sondern müsse immer ganze Stücke spielen.
Einspruch! Eine Stimme ist für mich garantiert NICHT das „schönste Geschenk“. Ich kann auch den Satz „Die menschliche Stimme ist das schönste Instrument“ nicht mehr hören. Natürlich gibt es schöne Stimmen, keine Frage, aber mich nervt dieses Gerede a la: „Jetzt singt sie noch Partien wie die XX und die YY, aber bald wird sie in ein anderes Fach wechseln können und die ZZ singen können“. Von einer Geige etwa sagt keiner, dass sie, wenn sie noch ein paar Jahre weiterhin Mozart spielt, später auch mal Wagner spielen können wird.
bei deinem letzten Satz gebe ich dir Recht, das hab ich auch nie verstanden, auch wenn ich von Gesang zugegebenermaßen wenig Ahnung habe. Ebenfalls stimme dem Rest zu, gebe aber zu bedenken, dass das höchst subjektiv ist. Ich selber kann mit Gesang wenig anfangen, weder aktiv noch passiv, aber offensichtlich gibt es Leute, die das anders sehen
Womit ich auch kein Problem habe. Wenn jemand eine herrliche Stimme hat und schön singt habe ich da genauso eine Freude daran. Mich stört nur das ganze Drumherum, der Sängerkult, diese eigentlich schon übertrieben zu nennende Anteilnahme daran, welche Partien und Werke die Sänger wohl als nächstes zu Gehör bringen werden.
Naja, ich würde das nicht als militantes Gefasel abtun, da er ja nicht konkret sagt, was schlechte Kompositionen sind oder eine Maßgabe vorgibt. Ich würde das so verstehen, dass man die Werke, die man subjektiv als schlecht empfindet, nicht hören soll und das ist absolut nachvollziehbar.
Ich weiß nicht, er schreibt aber auch, man müsse diese Kompositionen unterdrücken HELFEN. Und das helfen bezieht sich offenbar auf eine andere Gruppe Gleichgesinnter, die „zusammenarbeiten“. Und Schumann sagt, wie ich es verstehe, nun, dass man dieser Gruppe helfen soll bei der Unterdrückung.
Den zweiten Satz finde ich viel schwieriger, auch wenn Schumann als Komponist natürlich dieser Meinung ist. Ich finde durchaus, dass man nicht, zumindest nicht ausschließlich, den Eindruck des Komponisten hervorbringen muss, sondern ich finde, dass jeder Interpret nach dem Suchen muss, was das Stück seiner Meinung nach aussagt. Zum einen, weil wir unmöglich genau wissen können, was der Komponist wirklich wollte; natürlich können wir uns mit den jeweiligen Aufführungspraxen, den Instrumenten, dem Komponist selber etc. beschäftigen und wahrscheinlich der Idee des Komponisten recht nahe kommen, aber ein Stück Mutmaßung bleibt immer. Zum zweiten würde es glaube ich auf Dauer langweilig werden, wenn alle der gleichen oder einer sehr ähnlichen Idee folgen. Ich finde, dass gerade das ein gutes Werk ausmacht, wenn man es immer wieder neu interpretieren kann und immer wieder in eine neue Zeit und einen neuen Kontext bringen kann.
Ich habe Schumann hier ein wenig so verstanden, dass es ihm vor allem darum geht, dass einem das Werk nicht sowieso völlig gleichgültig ist und man sich deswegen alle möglichen Freiheiten nimmt, sondern VERSUCHEN soll, so gut es eben geht das zu vermitteln, worum es dem Komponisten ging. Wie diese Arbeit auszusehen hat, darüber schweigt sich Schumann aber leider aus. Aber ich glaube, dass es eher darum geht, dass man keine Experimente machen soll, dass man nicht von vornherein sagen soll „Ich spiele das jetzt einfach irgendwie“.
Ja, alles kommt, wie immer, von oben. So sehr ich das fliegende Spaghettimonster auch schätze, aber sowas muss doch nicht sein.
Das mit dem „von oben“, oder das Spaghettimonster?
Sicher ist es auch wichtig, auch auf andere Sachen zu achten. Aber wie wir im "Musikalische Grundlangen" Thread schonmal erwähnt haben, lässt sich der Großteil der Musiktheorie und der Harmonielehre bis ca. 1900 auf eben diese vier Stimmen herunterbrechen. Insofern bringt es wirklich sehr viel, sich damit genau auseinanderzusetzen. Das gilt tatsächlich auch für so Sachen wie den Stimmumfang, denn obwohl viele Instrumente einen größeren Tonumfang haben, basieren viele Stimmführungsregeln auf dem Umfang der menschlichen Stimme.Da ist was dran! Und trotzdem finde ich es schade, dass er hier nur auf die menschliche Stimme eingeht, schon deswegen, weil die Musikinstrumente, wie du schon sagst, einen viel größeren Tonumfang haben.
Übe dich frühzeitig im Lesen der Alten Schlüssel. Viele Schätze der Vergangenheit bleiben dir sonst verschlossen.
Das kostet aber fast so viele Nerven wie Fugen...
Wobei ich sagen muss, dass Schumann da durchaus Recht hat: ich beschäftige mich zwar nicht mit sehr frühen Epochen, aber auch im 19. Jahrhundert wurden manche Dinge anders notiert als heute. Stichwort „Hoher Bassschlüssel“. Auf den stoße ich immer wieder, und da ist es dann gut zu wissen, ob die Note nach oben oder nach unten wandert. Es ist halt ärgerlich, dass sich diese Schreibweisen immer wieder geändert haben, und die Recherche ist auch zäh!
LG, Hosenrolle1
Nicolas_Aine (08.03.2015, 00:47):
Den zweiten Satz finde ich viel schwieriger, auch wenn Schumann als Komponist natürlich dieser Meinung ist. Ich finde durchaus, dass man nicht, zumindest nicht ausschließlich, den Eindruck des Komponisten hervorbringen muss, sondern ich finde, dass jeder Interpret nach dem Suchen muss, was das Stück seiner Meinung nach aussagt. Zum einen, weil wir unmöglich genau wissen können, was der Komponist wirklich wollte; natürlich können wir uns mit den jeweiligen Aufführungspraxen, den Instrumenten, dem Komponist selber etc. beschäftigen und wahrscheinlich der Idee des Komponisten recht nahe kommen, aber ein Stück Mutmaßung bleibt immer. Zum zweiten würde es glaube ich auf Dauer langweilig werden, wenn alle der gleichen oder einer sehr ähnlichen Idee folgen. Ich finde, dass gerade das ein gutes Werk ausmacht, wenn man es immer wieder neu interpretieren kann und immer wieder in eine neue Zeit und einen neuen Kontext bringen kann.
Ich habe Schumann hier ein wenig so verstanden, dass es ihm vor allem darum geht, dass einem das Werk nicht sowieso völlig gleichgültig ist und man sich deswegen alle möglichen Freiheiten nimmt, sondern VERSUCHEN soll, so gut es eben geht das zu vermitteln, worum es dem Komponisten ging. Wie diese Arbeit auszusehen hat, darüber schweigt sich Schumann aber leider aus. Aber ich glaube, dass es eher darum geht, dass man keine Experimente machen soll, dass man nicht von vornherein sagen soll „Ich spiele das jetzt einfach irgendwie“.
Dann würde ich Schumann hier wohl widersprechen. Natürlich sollte einem das Werk nicht egal sein, das will ich unter keinen Umständen sagen. Aber ich denke eben nicht, dass man zwangsläufig versuchen muss, die Aussage des Komponisten zu finden und wiederzugeben, sondern dass man versuchen sollte, die Aussage zu finden und zu machen, die das Werk nach Ansicht des Interpreten hat. Das kann durchaus die gleiche Aussage sein, muss aber nicht. Und auch Experimente würde ich nicht von vorneherein verurteilen, auch wenn man aufpassen muss, dass man nicht nur um des Experimentieren willens experimentiert... Jedenfalls macht eben das für mich den Reiz von "klassischer" Musik aus, dass sich immer wieder neue Aussagen finden lassen, die von Person zu Person und Zeit zu Zeit variieren.
Ja, alles kommt, wie immer, von oben. So sehr ich das fliegende Spaghettimonster auch schätze, aber sowas muss doch nicht sein.
Das mit dem „von oben“, oder das Spaghettimonster?
Sorry, hier ging was mit dem Zitieren schief, das Spaghettimonster Zitat war Dein eigenes :P
Sicher ist es auch wichtig, auch auf andere Sachen zu achten. Aber wie wir im "Musikalische Grundlangen" Thread schonmal erwähnt haben, lässt sich der Großteil der Musiktheorie und der Harmonielehre bis ca. 1900 auf eben diese vier Stimmen herunterbrechen. Insofern bringt es wirklich sehr viel, sich damit genau auseinanderzusetzen. Das gilt tatsächlich auch für so Sachen wie den Stimmumfang, denn obwohl viele Instrumente einen größeren Tonumfang haben, basieren viele Stimmführungsregeln auf dem Umfang der menschlichen Stimme.Da ist was dran! Und trotzdem finde ich es schade, dass er hier nur auf die menschliche Stimme eingeht, schon deswegen, weil die Musikinstrumente, wie du schon sagst, einen viel größeren Tonumfang haben.
Übe dich frühzeitig im Lesen der Alten Schlüssel. Viele Schätze der Vergangenheit bleiben dir sonst verschlossen.
Das kostet aber fast so viele Nerven wie Fugen...
Wobei ich sagen muss, dass Schumann da durchaus Recht hat: ich beschäftige mich zwar nicht mit sehr frühen Epochen, aber auch im 19. Jahrhundert wurden manche Dinge anders notiert als heute. Stichwort „Hoher Bassschlüssel“. Auf den stoße ich immer wieder, und da ist es dann gut zu wissen, ob die Note nach oben oder nach unten wandert. Es ist halt ärgerlich, dass sich diese Schreibweisen immer wieder geändert haben, und die Recherche ist auch zäh!
Oh, ich wollte nicht bestreiten, dass Schumann Recht hat, im Gegenteil, ich stimme ihm da völlig zu. Ändert dummerweise an meiner Aussage nix :D
Hosenrolle1 (08.03.2015, 01:14): Jedenfalls macht eben das für mich den Reiz von "klassischer" Musik aus, dass sich immer wieder neue Aussagen finden lassen, die von Person zu Person und Zeit zu Zeit variieren.
Welche Erfahrungen hast du da schon gemacht? Das würde mich interessieren :)
Sorry, hier ging was mit dem Zitieren schief, das Spaghettimonster Zitat war Dein eigenes :P
Ups! Tatsächlich ... jetzt antworte ich mir schon selber hier :J
LG, Hosenrolle1
Nicolas_Aine (13.03.2015, 21:19): Hallo,
sorry, dass ich mich erst jetzt wieder melde, ich war die Woche über weg.
Die Aussage war zunächst mal allgemein gehalten, man muss sich ja nur anhören, wie Interpreten das gleiche Stück zu verschiedenen Zeiten interpretiert haben, grade in Barock und Wiener Klassik hat sich ja extrem viel getan. Und auch wie verschiedene Künstler aus der gleichen Zeit ihren jeweils ganz eigenen Zugang zu einem Stück finden, fasziniert mich immer wieder. Aber für mich persönlich gilt das genauso, jedes Mal, wenn ich ein neues Stück lerne, versuche ich, meinen ganz eigenen Zugang zu dem Stück zu finden. Natürlich lasse ich mich dabei leiten von dem, was ich glaube, dass der Komponist wollte, aber letzten Endes geht es darum, dass ICH das Stück spiele, und ich glaube, dass es nur dann gut werden kann, wenn ich voll und ganz hinter dem stehe, was ich mache, und nicht versuche, einer anderen Aussage zur Sprache zu verhelfen. Ebenso gilt das, wenn ich nach einiger Zeit ein Stück wieder aus der Kiste hole, jedes Mal habe ich dann einen neuen Blick auf das Stück, da ich mich ja auch selber weiterentwickelt habe (hoffe ich :D) und in der Zwischenzeit viele neue Sachen gelernt habe, die mich das ganze aus einem neuen oder zumindest anderen oder weiterentwickelten Blickwinkel sehen lassen.
Und eben dadurch bin ich zu meiner Sichtweise auf die Rolle des Interpreten gelangt, aber wer weiss, vielleicht ändert sich das ja auch noch :)
Nicolas_Aine (08.11.2015, 22:22): In dem Zusammenhang möchte ich gerne Cetay aus dem Thread über die Sibelius Symphonien zitieren:
Original von Cetay
Unlängst hat DECCA den Zyklus in einer klanglich neuen Überarbeitung als Teil der 11 CD-Box "Great Perfomances" herausgegeben. Zum Kringeln ist der PR Text (-> hier). Collins hatte vorher mit Jean Sibelius direkt über seine Pläne korrespondiert und das Ergebnis ist eine bis heute unübertroffene Referenzaufnahme. Klar, wenn der Komponist noch lebt und man mit ihm korrespondiert, dann verleiht das dieser Aufnahme eine Authentizität, mit der die nächste Dirigentengeneration nicht aufwarten kann. Allerdings hat man vergessen drauf hinzuweisen, worin Sibelius' Teil der Korrespondenz bestand. Auf Collins' längliches Telegramm voller detaillierter Fragen antwortete er: "Conductor must have liberty to get performance living." (-> Classical Notes)
Hosenrolle1 (08.11.2015, 22:39): Ja, manche Komponisten handhaben das sehr unterschiedlich ... Richard Strauss z.B. ist leider auch so jemand, der sich nicht so viel für seine eigenen Werke zu interessieren scheint, wenn er oder andere es dirigieren. Da nimmt man sich alle möglichen Freiheiten.
Zeigt halt die unterschiedlichen Auffassungen sehr deutlich.
Ich bilde mir ein, dass Brecht (obwohl es hier nicht um einen Komponisten geht) von einem seiner Stücke (ich glaube, es war die "Mutter Courage") eine Inszenierung gesehen hat, und dann vorschrieb, dass alle nachfolgenden Inszenierungen genau so sein müssen, mit genauen Beschreibungen des Bühnenbilds etc.
Leider finde ich grade das nicht, aber ich hab´s gelesen. Also manche Künstler sind da auch sehr streng, andere wiederum locker.
LG, Hosenrolle1
Zefira (09.11.2015, 10:45): Ich bilde mir ein, dass Brecht (obwohl es hier nicht um einen Komponisten geht) von einem seiner Stücke (ich glaube, es war die "Mutter Courage") eine Inszenierung gesehen hat, und dann vorschrieb, dass alle nachfolgenden Inszenierungen genau so sein müssen, mit genauen Beschreibungen des Bühnenbilds etc.
.. und mir fällt dabei Carl Zuckmayer ein, der in seinem "Hauptmann von Köpenick" Regieanweisungen gibt, die unmöglich auszuführen sind. Über den Auftritt der "Plörösenmieze" schreibt er: "Sie ist blond, voluminös, noch recht jung, aber etwas quallig und mit einem leisen Stich". Über Wormsers Auftritt: "Er ist rundlich, rosig, graublond, mit nur geringen jüdischen Rassemerkmalen". Und so weiter. Wo soll man denn solche Leute hernehmen? Sorry fürs OT.
Grüße von Zefira
ps. Ich muss mich gerade mal wieder wundern - ich habe den "Hauptmann" seit mindestens 20 Jahren nicht mehr in der Hand gehabt, aber trotzdem aus dem Gedächtnis zitiert. Ist diese Genauigkeit der Erinnerung in längst verstrichenen Dingen die erste Stufe von Alzheimer?