Mussorgsky - Bilder einer Ausstellung (Klavier solo)
Cosima (15.04.2006, 09:47): Das Werk, mit dem der Name Mussorgsky wohl am häufigsten in Zusammenhang gebracht wird, ist sein Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“. Der Anlass zu diesem Werk war ein trauriges Ereignis: Ein enger Freund des Komponisten, der Maler und Architekt Victor Hartmann, war im Vorjahr gestorben. Im Frühling des Jahres 1874 besuchte Mussorgsky eine Gedächtnis-Ausstellung für den Verstorbenen – dieser Inspirationsquelle folgend, versuchte der Komponist zehn Bilder Hartmanns musikalisch nachzuempfinden. Zwischen den einzelnen Bildern steht meist als bindendes Element die „Promenade“, sie bezeichnet das Schlendern von einem Bild zum anderen.
1. Gnomus: Ein ungelenker Zwerg scheint über die Leinwand zu hüpfen. Mit seinen hinkenden Sprüngen und seinem kläglichen Äußeren macht er sich zum Gespött.
2. Das alte Schloss: Die Vision einer mittelalterlichen Burg, vor deren Mauern ein Troubadour sein wehmütiges und sentimentales Lied singt.
3. Die Tuilerien: In graziöser Weise wird das ausgelassene, teilweise in Streit ausartende Spiel der Kinder in den Tuilerien geschildert.
4. Bydlo: Das ist der alte polnische Ochsenkarren, der über holprige Wege und weite Ebenen langsam dahinfährt. Er kommt aus der Ferne, nähert sich und verklingt mit einem leiser werdenden gleichförmigen Geräusch seiner großen Räder.
5. Ballett der Küken in ihren Eierschalen: Ein Pastellbildchen voll schwebender Leichtigkeit; die Zeichnung war von Hartmann als Entwurf für ein Ballet gedacht.
6. Samuel Goldenberg und Schmuyle: Die musikalische Karikatur zweier polnischer Juden; der eine reich, eitel, sich wichtig fühlend – der andere ein armer Teufel, gerissen, in unterwürfiger Haltung.
7. Der Markt von Limoges: Vulgäres, endloses Schwatzen und Keifen der Marktweiber, erbarmungslos eingefangen in einem Stück, das ähnlich eines Perpetuum mobile keinen Anfang und kein Ende hat. Ohne Promenade geht es weiter zur Nr. 8.
8. Katakomben: Auf diesem Bild hat sich Hartmann selbst dargestellt, mit einer Laterne in der Hand, in den Katakomben von Paris. Es herrscht Grabesatmosphäre. Der Betrachter ist erfüllt von der schaurigen Szene und schreitet weiter. Die Promenade danach klingt anders als zuvor, ist überschrieben mit „Mit den Toten in einer toten Sprache“.
9. Baba-Yaga (Die Hütte auf Hühnerfüßen): Baba-Yaga ist eine alte russische Märchenfigur, ähnlich einer Hexe, die wild durch die Lüfte reitet. Hartmanns Bild scheint die Hütte Baba-Yagas gezeigt zu haben. Sie hat die Form einer riesigen Uhr, die auf schmalen Hühnerkrallen ruht.
10. Das große Tor von Kiew: Schließt sich unmittelbar an die Baba-Yaga an. Hartmann hatte ein gewaltiges Tor für die Stadt Kiew entworfen. In Mussorgskys musikalischer Übersetzung glaubt man nicht nur diesen Triumphbogen zu sehen, sondern zugleich eine riesige Prozession, die mit vollem Pomp und unter betäubenden Glockenklängen in die Stadt einzieht.
Soweit zu dem hochvirtuosen und sehr dichten Klaviersatz, mit dem Mussorgsky sich an Liszt orientierte. Aufnahmen gibt es viele, einige wenige davon kenne ich. Als da wären (Einzelbesprechungen später):
Zu der Orchesterfassung richte ich einen eigenen Thread ein, um die Übersichtlichkeit zu erhalten.
Gruß, Cosima
Tangua (15.04.2006, 22:09): Die Bilder sind eines meiner Lieblings-Klavierwerke. Ich habe die Einspielungen von Pogorelich, Ashkenazy und Brendel. Pogorelichs zugegebenermaßen recht "eigene" Aufnahme finde ich überragend - eine meiner Lieblings-Aufnahmen überhaupt mit Klaviermusik. Seine "Dramaturgie", der Wechsel zwischen den Stimmungen und Schattierungen und seine Klangfarben - ich finde sie überwältigend. Da ich das Werk so sehr mag, habe ich noch einige Aufnahmen auf meinem Wunschzettel - Kissin, Lahusen, Korstick, Engerer und auch Jando (hat mir beim flüchtigen Hineinhören durchaus gefallen). Leider fast alles Hochpreis-Aufnahmen, darum werden sie wohl noch ein Weilchen auf dem Wunschzettel bleiben... :D Vielleicht kann jemand was zu der Berman sagen/schreiben - die könnte mich nämlich auch noch interessieren? :thanks
Cosima (15.04.2006, 23:25): Die legendäre Richter-Aufnahme, Sofia 1958, ist nach wie vor mein Favorit. Er findet jeweils genau den richtigen Ausdruck für die unterschiedlichen Stimmungen der Bilder. Ohne Effekthascherei, dafür mit großer Intensität. Auch wenn Richter gelegentlich danebenhaut und die Klangqualität lausig ist: Diese Aufnahme ist mein Maßstab.
Eine weitere Richter-Aufnahme, Moskau 1958 (Melodiya), würde ich als fast ebenbürtig bezeichnen. Dagegen fällt die ältere Einspielung aus 1952 (Andromeda) schon sehr deutlich ab. Dennoch ist die Richtung erkennbar, in die Richter mit den späteren Aufnahmen gehen sollte. Insofern ist sie für mich wieder interessant, da sie wie die Rohfassung der 58-er Aufnahmen klingt.
Bzgl. Pogorelich bin ich zwiegespalten. Einerseits empfinde ich seine technischen Fähigkeiten als ungemein reizvoll, andererseits seine Eigenwilligkeit zuweilen als nervtötend. Ich musste sehr schmunzeln über die zynische Kritik von A. Csampai (Rondo), die er schließt mit: „Mussorgsky glaubt, Tschaikowsky zu sein, und Pogorelich, sein „Dr. Freud“, bringt’s an den Tag.“ :D
Lazar Bermans „Bilder“ halte ich noch für eine Top-Aufnahme im klassischen Sinne. Zu Weissenbergs Einspielung habe ich keine besondere Meinung, höre ihn aber nicht ungern.
Gruß, Cosima
AcomA (16.04.2006, 01:22): liebe Cosima,
ein wunderbarer thread. wie auch immer, ich sehe den großen wert dieses werkes in seinem original, und wie viele andere klavierwerke wirkt es pianistisch dargeboten viel realistischer und berührender als eine orchestrierte fassung. und um realismus geht es hier bei diesem werk. gewiss sollte der pianist auch den klangfarbenreichtum nicht ignorieren. aus diesem grunde gehört IMO pogorelichs interpretation zu den beeindruckendsten. was er entschieden anders macht ? z.b. spielt er 'die kommunikation mit den toten' deutlich langsamer als alle anderen, die ich kenne. dies durchzuhalten, ist immens schwer. das bild, welches hierdurch heraufbeschworen wird, ist noch fröstelnder. bei der baba yaga werden töne akzentuiert, die man vorher nicht vernahm. das bild wirkt dadurch noch bedrohlicher. der bydlo zieht dermaßen kompakt und vom höreindruck realistisch mit crescendo und decrescendo ohne tempoveränderung vorbei, wie ich es sonst so zwingend nur noch mit horowitz kenne.
entscheidend ist, dass der pedalgebrauch recht sparsam ist, um die klänge nicht zu verwischen. das erfordert dann schon erhebliches manualtechnisches vermögen. gerade bei markus schirmer wird viel pedal eingesetzt, die strukturen verlieren an kontur und ursprünglicher aussage. der klangbrei tut dem werk nicht gut !
als weitere hochkarätige einspielungen kann ich empfehlen: vladimir horowitz (rca victor), lazar berman (DG), michail pletnev (virgin) und evgeny kissin (rca).
ein weiteres schmankerl ist die version für zwei klaviere mit den paratore-brüdern. ich habe diese aufnahme, welche wohl leider nicht mehr aufgelegt wird. die 'bilder' sind hier gekoppelt mit der busoni-version für 2 klaviere der 1. sinfonie mendelssohns.
Walter (16.04.2006, 11:44): Ich habe es ja schon im Thread der Orchesterfassung erwähnt, dass ich beide Versionen begeisternd finde. Von der Klavierfassung habe ich einige sehr schöne CDs:
Ich habe auch die Rock-Aufnahme von Emerson, Lake & Palmer. Wahrscheinlich kommt daher auch meine Vorliebe für die Interpretation der Klavierfassung durch Valery Afanassiev.
Da geht es auch richtig ab - wie immer bei Afanassiev - nur, dass er das alleine mit dem Klavier schafft.
Mein absolutes HIGHLIGHT :down :down
Ansonsten würde ich Demidenko sicher auf die gleiche Ebene stellen.
Bydlo: Pogorelich nimmt das Bild sehr kraftvoll, braucht auch deutlich mehr Zeit als alle anderen. Okay, so ein Ochsenkarren ist groß, die Fahrt über den holprigen Untergrund mühsam - aber ein Bydlo ist auch kein Schlachtschiff. Richter ist mit seinem Karren zu flott und leichtfüßig unterwegs (wahrscheinlich ist er unbeladen :D ), aber Pogorelich dehnt dieses Bild m.E. zu sehr aus. Es wäre für mich realistischer und zwingender, wenn er weniger dick aufgetragen hätte. Ich sehe keinen Sinn darin, das Bild auf 4:19 auszudehnen, dadurch wirkt es auf mich eher zähflüssig als kompakt.
Baba-Yaga: Pogorelich 4:10 – Richter 2:52. Pogorelich setzt besondere Akzente, die ich auch als interessant empfinde und die für Dich den bedrohlichen Charakter des Bildes unterstreichen. Aber jetzt schau Dir doch mal bitte das Bild an, unter: "http://www.russisches-musikarchiv.de/bilder.htm". Dieses Bild einer riesigen Uhr auf den kleinen Hühnerkrallen ist doch absolut grotesk und skurril. Baba-Yaga ist weniger eine bedrohliche Hexe als eine absonderliche, verrückte Märchenfigur. Diese Skurrilität und Verrücktheit höre ich exakt bei Richter.
„Mit den Toten in einer toten Sprache“: Pianistisch meistert Pogerelich dies auch wieder großartig, keine Frage. Und zum Frösteln bringt er mich auch. Aber gerade durch die Kürze und Strenge bei Richter wirkt die ganze Szene auf mich weitaus realistischer. Ich stelle mir vor, dieses Bild der „Katakomben“ zu sehen, eine düstere Szenerie: Der Mann mit der Laterne, rechts die Totenschädel. Ich bin erschrocken, und im Nachhall folgt diese Zwiesprache mit den Toten. Aber ich befinde mich in einer Ausstellung, d.h. ich bin schnell wechselnden Eindrücken und Stimmungen ausgesetzt. Statt in die Kommunikation mit den Toten komplett zu versinken (wie bei Pogorelich), werde ich sie mehr als bedrohliches, aber unbestimmtes Gefühl wahrnehmen. Das nächste Bild wartet ja bereits. Konsequenterweise wäre es Pogorelich gar nicht möglich, nach der langen und intensiven emotionalen Vertiefung in die Totensprache so einfach zum nächsten Bild überzugehen. Das ist übrigens vielleicht der Grund, warum er die darauf folgende Baba-Yaga als bedrohlich charakterisieren muss.
Ich fürchte, lieber Siamak, wir werden hier auf keinen gemeinsamen Nenner kommen. Pogorelich spielt wirklich großartig, aber m.E. schaden seine interpretatorischen Freiheiten dem Werk an sich. Ich meine, dass Csampai es auf den Punkt bringt, wenn er sagt: „Statt knochentrockenen russischen Stationentheaters erleben wir hier die schwankenden Albträume eines müde und ausgebrannt wirkenden Museumsbesuchers.“
Gruß, Cosima
P.S.: Afanassiev würde ich auch zu gerne hören! Was meinst Du, Walter, mit "da geht es auch richtig ab"? ?(Könntest Du das bitte etwas konkretisieren? :)
Cosima (17.04.2006, 10:49): Lieber Siamak,
danke für Deine sehr diplomatische Antwort! Ich höre Pogorelich ja auch richtig gerne! Es freut mich, dass wir uns auf eine dritte, sehr gute Alternative, nämlich Lazar Berman, einigen können.
Lieber Richard,
jetzt hast Du mich richtig neugierig auf die Afanassiev-Aufnahme gemacht. Ich füchte, ich werde sie mir doch zulegen müssen. Die „Bilder“ liebe ich sehr, da kann eine weitere Interpretation nicht schaden.
Viele Grüße, Cosima
Ganong (17.04.2006, 13:55): Lieber Siamak , welche "Erkrankung" soll Ivo Progorelich dennhaben ? Die DGG hat mir mitgeteilt , dass zur Zeit keine Aufnahmen mit einem ihrer Verkaufsschlager gepant seien . I.P. hat das management gewechselt . Doch von ConcertoWinderstein München gabe s leider keine Antwort . im übrigen stimmen die Hinweise von Concerto Winderstein nicht überein mit den Werken , die Pogorelich tatsächlich aktuell im Konzert spielt . Viele gGüsse , Frank
Ganong (20.04.2006, 16:17): Lieber Siamak , Dank für Deine behutsamen Hinweise. Über eine Mitteilung per PN würde ich mich freuen . Hioer kann ich allerdings schreiben , dass ich es , man mag Pogorlichs Kunst mögen oder nicht ( ihn selbst muss ich ja nicht "mögen" ) , aber ich finde es nicht angemessen , wenn ein sehr guter Pinaistt und , viel wichtiger ,ein Mensch bei offensichtlichen Karriereeinbrüchen plötzlich so fallengelassen wird . Er wird zum Teil hingestellt , als sei er ein "Vorführpatienet" für eine öffentliche Veranstaltung . Dies ist absolu unwürdig . dass er "...auf dem absteigenden Ast.." ( inpianistischer Hinsicht ) ist oder sein soll kann ich nicht beurteilen . Wieviele Menschen im allgemeine n oder berühmte Künstler haben lebensbedrohliche "Einbrüche" erlitten ?! Du kennst dies ja aus der alltäglichen Tätigkeit . Viele Grüsse , Frank
Rachmaninov (02.05.2006, 21:18): IMO zu unrecht noch gar nicht genannt wurde die pianistisch sehr interessante Deutung von O. Mustonen. Der hier zeigt was für ein klasse Pianist er ist, oder genauer 1992 war.
Tangua (07.05.2006, 17:06): Hallo, ich habe mir in den letzten Tagen zwei neue Einspielungen des Werkes jeweils für wenig Geld :rofl gekauft: Arkady Sevidov (1996, Arte Nova) Alexis Weissenberg (1972, EMI) Sevidov habe ich gerade gehört und bin eigentlich ganz angetan - zwar fehlen vielleicht ein paar Ecken und Kanten, aber pianistisch ist das alles makellos, flüssig und homogen gespielt. Die würde ich durchaus empfehlen (übrigens gekoppelt mit der Ravel-Orchesterfassung gespielt vom "Russian Philharmonic Orchestra" unter Samual Friedmann, von denen ich schon einighe sehr gute Aufnahmen habe, und auch diese hier ist wieder gut!).
Eigentlich wollte ich mir die Bermann-Aufnahme kaufen, aber die muss erstmal weiter warten, im Moment habe ich erstmal genug Bilder...
Tangua (07.05.2006, 17:16): Ich habe die Lahusen-Aufnahme jetzt zum ersten Mal gehört. Ich war überrascht nach den vielen positiven Meinungen, die ich vorher gehört hatte - mir kam sie pianistisch keineswegs perfekt vor - ich hatte an einigen Stellen den Eindruck, dass sowohl Tempi als auch Dynamik des Spieles etwas "sprunghaft" sind - ich kann's nicht anders ausdrücken. Jedenfalls schien mir die Aufnahme nicht gänzlich homogen. Trotzdem finde ich sie faszinierend, weil sie an einigen Stellen unglaublich innig, versunken und lyrisch, dann aber auch wieder vehement mit Leidenschaft und der vielzitierten "Pranke" gespielt ist. Man kann diese Aufnahme wohl kaum beurteilen, ohne daran zu denken, dass es Lahusens letzte war (er starb wenige Monate später an Krebs) - das trägt sicher zu meinem Eindruck bei, dass es nicht "irgendeine", sondern eine besondere Einspielung des Werkes ist.
Walter (07.06.2006, 07:33): unter dem Eindruck des Pletnev Konzerts habe ich mir gestern noch mal seine "Bilder" angehört und konnte es mir auch nicht verkneifen einige Stellen mit Afanassiev zu vergleichen.
Afanassiev klingt im direkten Vergleich geradezu hölzern, wo Pletnev alle Register der Anschlagtechnik zieht. Allerdings stellen sich bei mir weiterhin die Nackenhare, wenn Afanassiev spielt.
Und nachdem Ab mich auf den Gedanken gebracht hat, erkenne ich eine gewisse Manieriertheit bei Pletnev, gerade bei der Gegenüberstellung mit diesem Schrat Afanassiev.
Gruß Walter
ab (07.06.2006, 20:28): Original von Walter gerade bei der Gegenüberstellung mit diesem Schrat Afanassiev.
Erbitte als Ausländer aus dem Süden um Erläuterung, was "Schrat" heißt und in welchem zusammenhang dies gewöhnlich verwendet wird. (Nicht alle Audrücke und deren pejorative Bedeutung sind mir geläufig, selbst wenn wir "die besseren Deutschen" sein sollen, wie jüngst einer eurer Politiker, dessen Komentare ich hier in diesem Forum sicherlich nicht vermisse, gemeint hat.)
ab (07.06.2006, 20:29): Original von Tangua ich habe mir in den letzten Tagen zwei neue Einspielungen des Werkes jeweils für wenig Geld :rofl gekauft: Arkady Sevidov (1996, Arte Nova) Alexis Weissenberg (1972, EMI)
Deine Einschätzung Weissenbergs Spiel hätte mich mehr interessiert. Folgt dazu noch etwas? Danke!
Tangua (08.06.2006, 07:39): Ehrlich gesagt habe ich bisher erst kurz reingehört - hatte in letzter Zeit wenig Zeit, in Ruhe Musik zu hören. Ich werde berichten...
Walter (08.06.2006, 08:24): Original von ab Original von Walter gerade bei der Gegenüberstellung mit diesem Schrat Afanassiev.
Erbitte als Ausländer aus dem Süden um Erläuterung, was "Schrat" heißt und in welchem zusammenhang dies gewöhnlich verwendet wird. (Nicht alle Audrücke und deren pejorative Bedeutung sind mir geläufig, selbst wenn wir "die besseren Deutschen" sein sollen, wie jüngst einer eurer Politiker, dessen Komentare ich hier in diesem Forum sicherlich nicht vermisse, gemeint hat.)
Ich fand diese Erklärung im Netz:
Schrat: Ein Waldgeist, der wie die Zwerge in Waldhöhlen leben soll. Im Laufe seiner Entwicklungsgeschichte nahm der Waldschrat auch zunehmend Züge eines koboldartigen Geistes an, der jedoch nicht das menschliche Schlafzimmer, sondern den Stall aufsucht, oft in Gestalt einer schwarzen Katze. Dort quält er die Tiere, verknüpft den Pferden den Schwanz oder verfilzt ihre Mähnen.
Ihr wohl bekanntester Vertreter ist der Rübezahl des Riesengebirges
- ich wollte damit das etwas sonderbare Auftreten des Künstlers umschreiben
Gruß Walter
ab (08.06.2006, 11:17): Original von Walter Schrat - ich wollte damit das etwas sonderbare Auftreten des Künstlers umschreiben
Danke Walter, für die Erläuterung. Mein Bruder meinte einst, als er diese Interpretation zum ersten Mal von mir vorgespielt bekam: Das ist ja ein Verrückter, das spielt ja richtig erschreckend diese Musik. Er würde Deiner Umschreibung also vermutlich zustimmen.
Ich selbst denke, dass man damit Afanassiev nicht grundlegend gerecht wird. Doch genau dazu werde ich noch an entsprechender Stelle meine Ansicht darüber kundtun, was das Spezifiische dieses Piansiten ausmacht. Dort möchte ich dann auch auf die bisher in diesem Forum - und anderswo - gefallenenen Charakterisierungsversuche eingehen.
Cosima (08.06.2006, 16:32): Original von Walter Afanassiev klingt im direkten Vergleich geradezu hölzern, wo Pletnev alle Register der Anschlagtechnik zieht.
Lieber Walter,
ich habe mir die „Bilder“ mit Afanassiev inzwischen auch anhören können. Einst schriebst Du, dass dort „die Post abgeht“. Ich wollte nichts weiter dazu schreiben, um Dich nicht in Deinem Elan zu bremsen, aber mir lag nach dem ersten Eindruck auf der Zunge, dass Du nur die „Schneckenpost“ gemeint haben konntest.
Ich sage es rundheraus: Ich empfinde seine Interpretation als dem Werk nicht angemessen. Nun schreibst Du auch, dass Du sie als „hölzern“ empfindest. Ja, so sehe ich es auch: Hölzern, zerdehnt und am Werk vorbei interpretiert. Ich kann diese Aufnahme nicht empfehlen. Aber dies ist selbstverständlich auch eine Geschmacksfrage.
Gruß, Cosima :)
P.S.: Falls dieses Mal mit dem Versand alles gut gehen sollte, werde ich demnächst die Kapell-Aufnahme hier haben. Ich bin sehr gespannt darauf und werde berichten.
Walter (09.06.2006, 08:28): @ ab
bitte bewerte diese Bemerkung nicht zu sehr - Afanassiev scheint sehr zu polarisieren und wirkt offensichtlich (da ich ihn noch nicht gesehen habe) etwas off-standard!
Seine Interpretationen sind auch off-standard - aber ich bin ein begeisterter Afanassiev Hörer, weil er mich mit seiner Musik berührt! Das ist für mich das wichtigste.
Auf Deine weitergehenden Ausführungen zu Afanassiev bin ich bereits sehr gespannt!
Gruß Walter
Walter (09.06.2006, 08:38): Original von Cosima
Ich sage es rundheraus: Ich empfinde seine Interpretation als dem Werk nicht angemessen.
Schade Cosima,
dennoch kann ich es nachvollziehen - gleichzeitig freue ich mich über jede Gänsehaut die er bei mir verursacht :leb
Gruß, Walter
Cosima (09.06.2006, 14:19): Original von Walter gleichzeitig freue ich mich über jede Gänsehaut die er bei mir verursacht So soll es sein! :beer
Gruß, Cosima
Tangua (12.06.2006, 08:00): So, ich habe nun Weissenberg etwas intensiver gehört - mein Eindruck ist zwiespältig. Zuerst einmal handelt es sicher um eine interessante Einspielung, allerdings mit Stärken und Schwächen. Stark ist Weissenberg immer dann, wenn es ums Tänzerische, spielerisch Leichte geht: die Tuillerien, die tanzenden Küken, der Marktplatz von Limoges sind wunderbar federn und lebendig gespielt, die Promenaden habe ich selten so schön gehört. Bei den ernsten, schwereren Stücken aber überzeugt mich Weissenberg leider nicht. Nicht stimmige Tempo-Relationen (Gnom), zuviel Bedächtigkeit und Schwere oder schlicht zu langsam sind das alte Schloss, Bydlo, Goldenberg und Schmyle oder das Tor von Kiew an vielen Stellen gespielt - das ist für mein Empfinden einfach nicht schlüssig. Schön dagegen wiederum das rhythmische Baba Jaga. Im Vergleich mit dem oben bereits erwähnten Sevidovist Weissenbergs aber dennoch die interessantere Aufnahme, da muss ich auch meine zunächst ziemlich positive Einschätzung Sevidovs revidieren. Man könnte die beiden Aufnahmen so unterscheiden: Da, wo Sevidov die Noten fehlerfrei herunterspielt, versucht Weissenberg zumindest, Bilder zu zeigen. Dass ihm das nicht immer gelingt, verhindert, dass diese Einspielung in die Reihe meiner Favoriten (Pogorelich, Lahusen)einzieht - interessant finde ich sie wie gesagt dennoch.
Cosima (21.06.2006, 17:09): So kam ich drauf: Rondo-Seite (A. Csampai):
„Ähnlich körperlich ist seine hier zum ersten Mal publizierte Deutung von Mussorgskys "Bildern einer Ausstellung", die in ihrer fast asketischen Schärfe und inneren Logik sogar die russischen Referenzen Richter und Horowitz gefährdet."
Der Mann hat Recht, die Kapell-Interpretation aus 1951 reicht nicht nur an die Richter-Aufnahme heran, fast gefällt sie mir sogar noch besser. Und sie ist auch live gespielt! Wenn nur die erbärmliche Klangqualität nicht wäre. Deshalb kann ich sie nur ganz hart gesottenen „Bilder“-Fans empfehlen.
Dann fand ich dies: (auf irgendeiner Wikipedia-Seite, glaube ich):
VAI 1027 contains broadcast recordings of the Rachmaninoff Piano Concerto No. 3 and the Khatchaturian Piano Concerto. Arbiter 108 features part of the Beethoven Piano Concerto No. 3 and the Shostakovich Concerto no. 1, and it includes Mussorgsky's Pictures at an Exhibition, which also appears in the RCA set, as well as on VAI 1048, the last from an Australian recital of 21 July 1953. Of these three, the version on Arbiter (from 1951) is the most colorful and varied, whereas the RCA (1953) is steadier and sustains a dreamlike mood, and the VAI is wild, daring, and free. All three are live recordings, but RCA’s has by far the clearest sound. It is fascinating to hear three such different interpretations of this piece, all recognizably by the same person.
Die Arbiter 108-Aufnahme besitze ich ja nun, jetzt habe ich mir zusätzlich noch die RCA-CD bestellt. „Clearest sound“ klingt gut – aber viel schlechter als bei Arbiter geht es eh nicht.
Kennt jemand die Einspielung auf VAI?
Gruß, Cosima
Cosima (27.06.2006, 19:09): Hallo allerseits,
oben zitierte ich eine Rezension u.a. dieser CD (RCA, Frick Collection Recital)… http://images.amazon.com/images/P/B00000HZRV.01._PE18_OU03_SCMZZZZZZZ_.jpg
… und der Rezensent hatte Recht: Diese Live-Aufnahme aus 1953 ist vollkommen anders als jene aus 1951 (Arbiter) – „dreamlike mood“ trifft es tatsächlich! Ich bin absolut hingerissen! Sie ist weniger kraftvoll, aber mit höchster Intensität und Klarheit gespielt, dadurch plastischer als die ältere Interpretation. Kapells Klavierspiel ist wunderschön anzuhören, weiterhin besitzt er ein tolles Gefühl für Rhythmik und spielt sehr virtuos.
Es ist so traurig, dass William Kapell bereits mit 31 Jahren durch einen tragischen Unfall ums Leben kam. Was für Aufnahmen hätte es noch von ihm geben können! Für mich ist er ein ganz großer Künstler, und ich bedauere, dass ich mir nicht gleich die 9-teilige Edition zulegte, statt diverse Einzelaufnahmen zu kaufen.
Die Klangqualität ist um Lichtjahre besser als auf der Arbiter-CD, aber im Grunde muss man beide Interpretationen einmal gehört haben. Ich gebe es zu: Selbst mein geliebter Sviatoslav Richter tritt hier (vorübergehend) ein wenig in den Hintergrund.
Auf der o.g. CD findet sich darüber hinaus die Klaviersonate von Aaron Copland, die der Komponist William Kapell gewidmet hatte. Weiterhin kleinere Stücke von Chopin und Schumann und eine Scarlatti-Sonate.
Begeisterte Grüße, Cosima :down
Cosima (30.06.2006, 20:55): So sieht das Objekt meiner Begierde aus:
Sie ist also noch zu bekommen, allerdings recht teuer für solch eine alte Aufnahme (Broadcast Performances 1942-1953). :(
Gruß, Cosima
ab (18.07.2006, 17:16): Gerade ist bei der EMI eine Aufnhame mit dem 1984 in Moskau geborene Boris Giltburg erschienen.
Ein Rezensent hier schilt, dass zu wenig kraftvoll gespielt werden würde. Bei solchen Urteilen bin ich immer höchst skeptisch: womöglich liegt gerade in diesem (Klischee-)Verzicht eine ungehörte Größe der Interpretation. Ich wäre auf eure Urteile gespannt...
Tangua (30.07.2006, 18:42): Ich habe im Urlaub soeben die Berman-Aufnahme gehört und stimme Cosima vollkommen zu - eine rundum überzeugende, hervorragende Aufnahme ohne "Schnickschnack" - klassisch eben! Als nächste habe ich die Affanassiev-Aufnahme im Auge, bin aber nach nochmaligem Lesen der Beiträge hierzu doch wieder etwas unsicher...
Cosima (30.07.2006, 18:45): Original von Tangua Als nächste habe ich die Affanassiev-Aufnahme im Auge, bin aber nach nochmaligem Lesen der Beiträge hierzu doch wieder etwas unsicher...
Ich rate ab! Falls Dir etwas schlechtere Klangqualität nichts ausmacht, so würde ich zu William Kapell raten.
Gruß, Cosima
ab (31.07.2006, 12:19): Original von Tangua
Als nächste habe ich die Affanassiev-Aufnahme im Auge,
Jedenfalls anhören und ein eigenes Urteil bilden!
Tangua (01.08.2006, 14:04): Hallo Cosima, danke für Deinen Hinweis - leider bin ich ja, besonders bei Klavier solo, was die Klangtechnik angeht, ziemlich anspruchsvoll, deswegen habe ich auch immer noch keine Aufnahme der Bilder von S.Richter. Die, die ich bisher gehört habe, finde ich einfach grausam und sie verleidet mir zu sehr seine Interpretation- leider ! Gerade habe ich gesehen, dass Du auch die Weissenberg-Aufnahme besitzt - teilst Du da eigentlich meine Einschätzung (siehe zuvor) oder wie findest Du sie?
Cosima (01.08.2006, 18:23): Original von Tangua Gerade habe ich gesehen, dass Du auch die Weissenberg-Aufnahme besitzt - teilst Du da eigentlich meine Einschätzung (siehe zuvor) oder wie findest Du sie?
Hallo Tangua,
ich habe mir die Weissenberg-Aufnahme noch einmal im direkten Vergleich zu der Kapell-Aufnahme (RCA - die Klangqualität sollte hier wirklich niemanden abschrecken, die Aufnahme ist m.E. sehr gut remastered worden!) angehört.
Ich mag Weissenbergs Interpretation nicht besonders. Sie erscheint mir im Verhältnis zu Kapells frischer, dynamischer und lebendig gestalteter Interpretation fast statisch bzw. hölzern und lieblos herunter gespielt. Die „Küken“ sind noch das einzige Weissenberg-Highlight, aber auch die hat z.B. Kapell quirliger und mit mehr Gespür für Rhythmus gespielt. Im Gegensatz zu Bermans Einspielung würde ich die Weissenberg-Aufnahme nicht einmal als „klassisch“ bezeichnen, sondern einfach als spannungsarm und in sich wenig geschlossen.
Gruß, Cosima
Tangua (01.08.2006, 21:58): ... somit sind wir uns, was Weissenberg angeht, ja ziemlich einig!
ab (22.01.2007, 11:59): Neu erschienen: die russische Pianistin Valentina Igoshina
die Kurzvorstellung der Aufnahme in der Piano News ist deutlich positiver.
Sowohl was den Schumann angeht und den Mussorgsky!
Tangua (24.01.2007, 09:17): Dafür im Fonoforum - soweit ich mich erinnere - wiederum eher negativ, was beide Inerpretationen angeht. Da hilft wohl nur: Selber hören...
Ganong (27.01.2007, 18:06): Liebe Freunde des Hauptwerkes von Mussorgsky !
Man darf sich durch die sehr hübsche junge Damen nicht irritieren lasen .
Wer die berühmten Masstäbe setzenden Aufnahmen durch S Richter , V Horowitz und A Weissenberg kent , der wird bei dieser Aufnahme nicht lange brauchen, um sicher sagen zu können , dass man das Werk s o nicht spielen kann .
Das "Grosse Tor von Kiew" gerät als Nr. 35 der CD geradezu zu einem superschnellwirkenden und langanhaltenden Schlafmittel .
Der "Carnaval" , die direkt angefügt , ist weit von dem interpretatorischen freien Geist eines Sergey Rachmaninov oder der notentextgetreuen Wiedergabe durch Alexis Weissenberg entfernt .
Grüsse ,
Frank
PS.: Wenn ich die Chopinschen "Préludes" habe , werde ichj über diese insgesamt gerichten . F:
Rachmaninov (30.07.2007, 20:27): @Cosima,
Du schriebst vor einiger Zeit zur Richter Aufnahme...
Original von Cosima Eine weitere Richter-Aufnahme, Moskau 1958 (Melodiya), würde ich als fast ebenbürtig bezeichnen. Dagegen fällt die ältere Einspielung aus 1952 (Andromeda) schon sehr deutlich ab. Dennoch ist die Richtung erkennbar, in die Richter mit den späteren Aufnahmen gehen sollte. Insofern ist sie für mich wieder interessant, da sie wie die Rohfassung der 58-er Aufnahmen klingt.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7594553.jpg
So unterschiedlich kann eine Empfindung beim Hören sein.
Mich persönlich ergreift Richter, wiedereinmal, eher weniger. Die Aufnahme empfinde ich als ordentlich, aber auch nicht mehr..... Zu oft einfach zu plakativ und eher "grob" und kraftvoll als tatsächlich die "Bilder beschreibend".
Sein "Karren" ist mir arg zu schnell, sein "Old Castle" klingt für mich nebelverhangen und der Marktplatz ist weniger erfüllt von den Neuigkeiten als im völligen Trubel und Chaos versinkend.
Das ist nicht mein Geschmack..... :ignore
Rolf Scheiwiller (15.04.2006, 10:40): Guten Tag Cosima. Die original Klavierversion kenne ich nicht. Wird diese überhaupt noch auf den Podien gegeben ? Oder einzig im Studio ?
Wenn Du später mal den sep. Thread zu den beiden Orchesterversionen Ravels und des andern, nordischen Instrumentators, dessen Name mir ausgerechnet jetzt nicht einfällt, schreibst, bin ich dabei.
Gruss. R.
Cosima (15.04.2006, 10:53): Hallo Rolf,
der andere Thread existiert bereits, siehe unter Instrumentalmusik.
Die Klavierversion sah ich erst neulich im TV, Pletnev spielte sie (das Jahr der Aufzeichnung ist mir entfallen, aber so lange her kann es nicht gewesen sein). Etwas eigenwillig, aber durchaus spannend und vereinnahmend.
Gruß, Cosima
Ganong (15.04.2006, 11:25): Liebe Cosima , besten Dank für die Vorstellung dieses in vielerlei Hinsicht aussergewöhnlichen Werkes . Man muss , wie Du es getan hast , die Einzelstücke sorgfältig anylysieren und beschrieben , um zu einem Werkganzen zu finden .
Zu Alexis W e i s s e n b e r g : 1. Interessanterweis ehat Glenn Gould diese Aufnahme als seine liebste des Werkes und pianistisch überragedne Aufnahme bezeichnet . Persönlich habe ich Weissenberg oft und über einen längeren Zeitraum gehört . Ich fanb die Liveabende ungleich packender als diese sehr ausgewogene Aufnahme , die allerdings im "Grossen Tor von Kiew" ein dramtisch - dramaturgische Steigerung erfährt , die aussergewöhnlich ist . 2. Von einem in Frankreich lebenden Klassikliebhaber , der Weissenberg schon 1948(!!!) gehört hat , weiss ich durch Briefwechsel ud jetzt per E-Mail , dass er meine Meinung teilt und er Weissenberg s frühe Interpretationen virtuoser gehört hat .
Die Richteraufnahme ( Sofia , die so überschwänglich gelobt wird ) in der Edtion "great Pianists ..." ist sehr hektisch , abgehackt gespielt . Viel interessanter findeich die Aufnahmen des jungen Julius Katchen und die durch Lazar Berman .
Viele Grüsse , Frank
Rachmaninov (16.04.2006, 20:28): @Cosima,
zunächsteinmal eine ganz tolle Einleitung zu diesem tollen Werk.
Jede auf ihre Art klasse. Detailberichte folgen nach und nach :engel
@Siamak,
war ja klar das Du Deinen Liebling Pogo nennen würdest :haha
Tangua (16.04.2006, 20:32): Jaah! Habe soeben seit langem mal wieder ein Ebay-Schnäppchen gemacht - Lahusens "bilder"- Einspielung! Werde demnächst mal hier berichten!
Rachmaninov (16.04.2006, 20:38): Original von Tangua Jaah! Habe soeben seit langem mal wieder ein Ebay-Schnäppchen gemacht - Lahusens "bilder"- Einspielung! Werde demnächst mal hier berichten!
Ja, mache das bitte! Die Aufnahme kenne ich auch, bin gespannt auf Deine Einschätzung :D
Cosima (16.04.2006, 20:56): Original von Rachmaninov war ja klar das Du Deinen Liebling Pogo nennen würdest
Da hätte ich mir die ganze Argumentation eigentlich sparen können. Einen Liebling gegen den anderen auszuspielen, kann eh kein fruchtbares Ergebnis bringen. :rofl
Richard, fang mal bitte bald mit der Afanassiev-Aufnahme an. Walter hält sich hier ja recht bedeckt. Außer dass da irgendwie die Post abgeht, konnte ich bislang nichts erfahren. :D
Gruß, Cosima
Walter (16.04.2006, 21:33): Original von Cosima
P.S.: Afanassiev würde ich auch zu gerne hören! Was meinst Du, Walter, mit "da geht es auch richtig ab"? ?(Könntest Du das bitte etwas konkretisieren? :)
Hallo Cosima - Afanassiev spielt kraftvoll und energisch; stark akzentuiert, eben fast rockig. Dann nimmt er sich aber wieder alle Zeit der Welt, z.B. Bydlo dauert bei ihm 4:16, strotzt aber vor Kraft und Stärke. Die Hütte der Baba-Yaga dauert bei ihm 3:47 und ich möchte zu dieser Musik nicht alleine Nachts durch den Wald gehen.
konnte ich mich verständlicher machen? (ich übe noch :rofl)
Walter
Cosima (16.04.2006, 22:33): Original von Walter konnte ich mich verständlicher machen? (ich übe noch :rofl)
Danke Dir, Walter!
Deine Einschätzung klingt ein wenig nach Pogorelichs Interpretation. Wieder so ein ewig langer Ochsenkarren. :D Aber "rockig" kann ich mir nun gar nicht vorstellen bei diesem Werk.
Gruß, Cosima
AcomA (16.04.2006, 23:41): liebe Cosima,
dein analytischer vergleich zwischen richter und, ja, ich gebe es gerne zu, meinem pianistischen jugendidol 'ivo' ist sehr trefflich bis akkurat ! bravo :down
ich kenne die sofia-aufnahme von richter auch. leider ist sie aufnahmetechnisch ziemlich schlecht, dafuer interpretatorisch sehr gelungen.
wenn ich also schreiben sollte, welche interpretation fuer mich die 'adaequateste' ist, wuerde ich diejenige der paratore-brothers anfuehren. das ist nicht statthaft, da es eine andere wenn auch sehr am original haftende version ist.
ich denke, dass pogorelichs interpretation schon den 'realismus' der mussorgsky-sprache wundervoll zum ausdruck bringt. wahrscheinlich spielt fuer mich das originale bild hartmanns eine eher untergeordnete rolle und ich fokussiere mehr auf den titel des stuecks. wie oben schon aufgefuehrt, kennen wir nicht alle originalbilder hartmanns. von daher muss hier der interpret doch selbst gewisse entscheidungen treffen.
aber du hast ja recht. pogorelich uebertreibt einiges ! nur, ist die realitaet gelegentlich nicht auch uebertrieben existent ?
es ist eine der letzten pogorelich-aufnahmen ! IMO kuendigt sich hier schon etwas seine 'erkrankung' an. das koennte es sein, was manche irritiert. ich wuerde niemandem pogorelich fue dieses werk in erster linie zum kennenlernen des werkes empfehlen, sondern eher auf z.b. berman oder den fabelhaften kissin weisen.
danke Cosima, fuer diese wunderbare eroerterung !
LG, siamak :engel
Rachmaninov (17.04.2006, 09:37): Hallo,
gestern und heute morgen habe ich mir nochmal die "Bilder" mit Afanassiev angehört. Eins vorweg, eine sehr spezielle Aufnahme, die wie bei Afanassiev üblich sicherlich "polarisieren" wird. So spielt er z.B. Gnomus ganze 5:20 min lang und benötigt für das "hroße Tor von Kiev" knapp über 7 minuten. Dafür spielt er aber manche Stücke gleich schnell wie andere Pianisten. Das ist sicherlich nichts was jeden Geschmackt treffen wird. Afanassiev zeichnet also, im übertragenen Sinne, manches Bild strcih für Strich nach.
Die gesamte Aufnahme ist jedoch atmosphärisch sehr dicht und die Stimmungen bringt Afanassiev mit "farbigem" Klavierton sehr bildlich rüber.
Ins. das "Castello" oder "Bydol" wirken sehr wie die von Cosima beschriebenen Szenen auf den Bildern.
Dazu noch ein vorzüglich klingendes und sehr gut aufgezeichneter Klavierklang.
Mir gefällt diese Sichtweise, die ich aber auch nicht immer auswähle wenn ich Lust habe die "Bilder" zu hören......
AcomA (19.04.2006, 20:57): lieber Frank,
es handelt sich zum einen ueber geruechte, zum anderen konnte ich mich in den letzten jahren zweimal davon ueberzeugen (recitals), dass ivo einen 'prozess' durchlaeuft. ich sollte vielleicht mit PN antworten.
gruss, siamak :)
Zelenka (20.04.2006, 13:00): Um wieder auf den rechten Pfad in diesem Faden zu kommen und weg von Pogos Geistesbefindlichkeit (S. Richter fand ihn wohl zu seinen Lebzeiten auch eher merkwürdig):
Ich habe eine große Schwäche für Byron Janis' Aufnahme von 1961, die man kurioserweise bis 1994 unveröffentlicht gelassen hat:
Die Schwäche besteht weiter, obwohl Janis sogar am Notentext herumgedoktert hat ... Meine anderen Aufnahmen sind die Richter-Aufnahmen auf Philips (Sofia) und Melodiya (1958) und Pogo. Mit seinen Aufnahmen ist Richter offenbar selbst nicht zufrieden gewiesen, aber die Kritiker, nicht der Künstler, haben natürlich das letzte Wort. Die Philips-Aufnahme ist tontechnisch wirklich eine Katastrophe (irgendjemand hat mal bemerkt, daß im Hintergrund bulgarische Putzfrauen mit Staubsaugern hantieren würden), es macht mehr Spaß, die Melodiya-Aufnahme anzuhören, die interpretatorisch bestimmt nicht weit entfernt ist von Sofia.
Gruß,
Zelenka
Cosima (20.04.2006, 16:00): Original von Zelenka (S. Richter fand ihn wohl zu seinen Lebzeiten auch eher merkwürdig):
Die Unterschiede in Richters und Pogorelichs Wesen sind so groß, dass einem Mann wie Richter gleich Pogorelichs „exhibitionistisches“ Temperament auffallen musste. Ich höre sie aber beide sehr gerne. Und hätte sich Pogorelich ein klein wenig gezügelt, was diverse interpretatorische Freiheiten angeht, hätten seine „Bilder“ bestimmt das Zeug zu meiner Lieblingsaufnahme.
Nun werde ich – ganz unerwartet – noch zur Fürsprecherin von Pogorelich. :D Janis würde ich aber auch gerne mal hören…
Gruß, Cosima
Rachmaninov (02.05.2006, 21:18): IMO zu unrecht noch gar nicht genannt wurde die pianistisch sehr interessante Deutung von O. Mustonen. Der hier zeigt was für ein klasse Pianist er ist, oder genauer 1992 war.
Tangua (07.05.2006, 17:06): Hallo, ich habe mir in den letzten Tagen zwei neue Einspielungen des Werkes jeweils für wenig Geld :rofl gekauft: Arkady Sevidov (1996, Arte Nova) Alexis Weissenberg (1972, EMI) Sevidov habe ich gerade gehört und bin eigentlich ganz angetan - zwar fehlen vielleicht ein paar Ecken und Kanten, aber pianistisch ist das alles makellos, flüssig und homogen gespielt. Die würde ich durchaus empfehlen (übrigens gekoppelt mit der Ravel-Orchesterfassung gespielt vom "Russian Philharmonic Orchestra" unter Samual Friedmann, von denen ich schon einighe sehr gute Aufnahmen habe, und auch diese hier ist wieder gut!).
Eigentlich wollte ich mir die Bermann-Aufnahme kaufen, aber die muss erstmal weiter warten, im Moment habe ich erstmal genug Bilder...
Tangua (07.05.2006, 17:16): Ich habe die Lahusen-Aufnahme jetzt zum ersten Mal gehört. Ich war überrascht nach den vielen positiven Meinungen, die ich vorher gehört hatte - mir kam sie pianistisch keineswegs perfekt vor - ich hatte an einigen Stellen den Eindruck, dass sowohl Tempi als auch Dynamik des Spieles etwas "sprunghaft" sind - ich kann's nicht anders ausdrücken. Jedenfalls schien mir die Aufnahme nicht gänzlich homogen. Trotzdem finde ich sie faszinierend, weil sie an einigen Stellen unglaublich innig, versunken und lyrisch, dann aber auch wieder vehement mit Leidenschaft und der vielzitierten "Pranke" gespielt ist. Man kann diese Aufnahme wohl kaum beurteilen, ohne daran zu denken, dass es Lahusens letzte war (er starb wenige Monate später an Krebs) - das trägt sicher zu meinem Eindruck bei, dass es nicht "irgendeine", sondern eine besondere Einspielung des Werkes ist.
Walter (07.06.2006, 07:33): unter dem Eindruck des Pletnev Konzerts habe ich mir gestern noch mal seine "Bilder" angehört und konnte es mir auch nicht verkneifen einige Stellen mit Afanassiev zu vergleichen.
Afanassiev klingt im direkten Vergleich geradezu hölzern, wo Pletnev alle Register der Anschlagtechnik zieht. Allerdings stellen sich bei mir weiterhin die Nackenhare, wenn Afanassiev spielt.
Und nachdem Ab mich auf den Gedanken gebracht hat, erkenne ich eine gewisse Manieriertheit bei Pletnev, gerade bei der Gegenüberstellung mit diesem Schrat Afanassiev.
Gruß Walter
ab (07.06.2006, 20:28): Original von Walter gerade bei der Gegenüberstellung mit diesem Schrat Afanassiev.
Erbitte als Ausländer aus dem Süden um Erläuterung, was "Schrat" heißt und in welchem zusammenhang dies gewöhnlich verwendet wird. (Nicht alle Audrücke und deren pejorative Bedeutung sind mir geläufig, selbst wenn wir "die besseren Deutschen" sein sollen, wie jüngst einer eurer Politiker, dessen Komentare ich hier in diesem Forum sicherlich nicht vermisse, gemeint hat.)
ab (07.06.2006, 20:29): Original von Tangua ich habe mir in den letzten Tagen zwei neue Einspielungen des Werkes jeweils für wenig Geld :rofl gekauft: Arkady Sevidov (1996, Arte Nova) Alexis Weissenberg (1972, EMI)
Deine Einschätzung Weissenbergs Spiel hätte mich mehr interessiert. Folgt dazu noch etwas? Danke!
Tangua (08.06.2006, 07:39): Ehrlich gesagt habe ich bisher erst kurz reingehört - hatte in letzter Zeit wenig Zeit, in Ruhe Musik zu hören. Ich werde berichten...
Walter (08.06.2006, 08:24): Original von ab Original von Walter gerade bei der Gegenüberstellung mit diesem Schrat Afanassiev.
Erbitte als Ausländer aus dem Süden um Erläuterung, was "Schrat" heißt und in welchem zusammenhang dies gewöhnlich verwendet wird. (Nicht alle Audrücke und deren pejorative Bedeutung sind mir geläufig, selbst wenn wir "die besseren Deutschen" sein sollen, wie jüngst einer eurer Politiker, dessen Komentare ich hier in diesem Forum sicherlich nicht vermisse, gemeint hat.)
Ich fand diese Erklärung im Netz:
Schrat: Ein Waldgeist, der wie die Zwerge in Waldhöhlen leben soll. Im Laufe seiner Entwicklungsgeschichte nahm der Waldschrat auch zunehmend Züge eines koboldartigen Geistes an, der jedoch nicht das menschliche Schlafzimmer, sondern den Stall aufsucht, oft in Gestalt einer schwarzen Katze. Dort quält er die Tiere, verknüpft den Pferden den Schwanz oder verfilzt ihre Mähnen.
Ihr wohl bekanntester Vertreter ist der Rübezahl des Riesengebirges
- ich wollte damit das etwas sonderbare Auftreten des Künstlers umschreiben
Gruß Walter
ab (08.06.2006, 11:17): Original von Walter Schrat - ich wollte damit das etwas sonderbare Auftreten des Künstlers umschreiben
Danke Walter, für die Erläuterung. Mein Bruder meinte einst, als er diese Interpretation zum ersten Mal von mir vorgespielt bekam: Das ist ja ein Verrückter, das spielt ja richtig erschreckend diese Musik. Er würde Deiner Umschreibung also vermutlich zustimmen.
Ich selbst denke, dass man damit Afanassiev nicht grundlegend gerecht wird. Doch genau dazu werde ich noch an entsprechender Stelle meine Ansicht darüber kundtun, was das Spezifiische dieses Piansiten ausmacht. Dort möchte ich dann auch auf die bisher in diesem Forum - und anderswo - gefallenenen Charakterisierungsversuche eingehen.
Cosima (08.06.2006, 16:32): Original von Walter Afanassiev klingt im direkten Vergleich geradezu hölzern, wo Pletnev alle Register der Anschlagtechnik zieht.
Lieber Walter,
ich habe mir die „Bilder“ mit Afanassiev inzwischen auch anhören können. Einst schriebst Du, dass dort „die Post abgeht“. Ich wollte nichts weiter dazu schreiben, um Dich nicht in Deinem Elan zu bremsen, aber mir lag nach dem ersten Eindruck auf der Zunge, dass Du nur die „Schneckenpost“ gemeint haben konntest.
Ich sage es rundheraus: Ich empfinde seine Interpretation als dem Werk nicht angemessen. Nun schreibst Du auch, dass Du sie als „hölzern“ empfindest. Ja, so sehe ich es auch: Hölzern, zerdehnt und am Werk vorbei interpretiert. Ich kann diese Aufnahme nicht empfehlen. Aber dies ist selbstverständlich auch eine Geschmacksfrage.
Gruß, Cosima :)
P.S.: Falls dieses Mal mit dem Versand alles gut gehen sollte, werde ich demnächst die Kapell-Aufnahme hier haben. Ich bin sehr gespannt darauf und werde berichten.
Walter (09.06.2006, 08:28): @ ab
bitte bewerte diese Bemerkung nicht zu sehr - Afanassiev scheint sehr zu polarisieren und wirkt offensichtlich (da ich ihn noch nicht gesehen habe) etwas off-standard!
Seine Interpretationen sind auch off-standard - aber ich bin ein begeisterter Afanassiev Hörer, weil er mich mit seiner Musik berührt! Das ist für mich das wichtigste.
Auf Deine weitergehenden Ausführungen zu Afanassiev bin ich bereits sehr gespannt!
Gruß Walter
Walter (09.06.2006, 08:38): Original von Cosima
Ich sage es rundheraus: Ich empfinde seine Interpretation als dem Werk nicht angemessen.
Schade Cosima,
dennoch kann ich es nachvollziehen - gleichzeitig freue ich mich über jede Gänsehaut die er bei mir verursacht :leb
Gruß, Walter
Cosima (09.06.2006, 14:19): Original von Walter gleichzeitig freue ich mich über jede Gänsehaut die er bei mir verursacht So soll es sein! :beer
Gruß, Cosima
Tangua (12.06.2006, 08:00): So, ich habe nun Weissenberg etwas intensiver gehört - mein Eindruck ist zwiespältig. Zuerst einmal handelt es sicher um eine interessante Einspielung, allerdings mit Stärken und Schwächen. Stark ist Weissenberg immer dann, wenn es ums Tänzerische, spielerisch Leichte geht: die Tuillerien, die tanzenden Küken, der Marktplatz von Limoges sind wunderbar federn und lebendig gespielt, die Promenaden habe ich selten so schön gehört. Bei den ernsten, schwereren Stücken aber überzeugt mich Weissenberg leider nicht. Nicht stimmige Tempo-Relationen (Gnom), zuviel Bedächtigkeit und Schwere oder schlicht zu langsam sind das alte Schloss, Bydlo, Goldenberg und Schmyle oder das Tor von Kiew an vielen Stellen gespielt - das ist für mein Empfinden einfach nicht schlüssig. Schön dagegen wiederum das rhythmische Baba Jaga. Im Vergleich mit dem oben bereits erwähnten Sevidovist Weissenbergs aber dennoch die interessantere Aufnahme, da muss ich auch meine zunächst ziemlich positive Einschätzung Sevidovs revidieren. Man könnte die beiden Aufnahmen so unterscheiden: Da, wo Sevidov die Noten fehlerfrei herunterspielt, versucht Weissenberg zumindest, Bilder zu zeigen. Dass ihm das nicht immer gelingt, verhindert, dass diese Einspielung in die Reihe meiner Favoriten (Pogorelich, Lahusen)einzieht - interessant finde ich sie wie gesagt dennoch.
Cosima (21.06.2006, 17:09): So kam ich drauf: Rondo-Seite (A. Csampai):
„Ähnlich körperlich ist seine hier zum ersten Mal publizierte Deutung von Mussorgskys "Bildern einer Ausstellung", die in ihrer fast asketischen Schärfe und inneren Logik sogar die russischen Referenzen Richter und Horowitz gefährdet."
Der Mann hat Recht, die Kapell-Interpretation aus 1951 reicht nicht nur an die Richter-Aufnahme heran, fast gefällt sie mir sogar noch besser. Und sie ist auch live gespielt! Wenn nur die erbärmliche Klangqualität nicht wäre. Deshalb kann ich sie nur ganz hart gesottenen „Bilder“-Fans empfehlen.
Dann fand ich dies: (auf irgendeiner Wikipedia-Seite, glaube ich):
VAI 1027 contains broadcast recordings of the Rachmaninoff Piano Concerto No. 3 and the Khatchaturian Piano Concerto. Arbiter 108 features part of the Beethoven Piano Concerto No. 3 and the Shostakovich Concerto no. 1, and it includes Mussorgsky's Pictures at an Exhibition, which also appears in the RCA set, as well as on VAI 1048, the last from an Australian recital of 21 July 1953. Of these three, the version on Arbiter (from 1951) is the most colorful and varied, whereas the RCA (1953) is steadier and sustains a dreamlike mood, and the VAI is wild, daring, and free. All three are live recordings, but RCA’s has by far the clearest sound. It is fascinating to hear three such different interpretations of this piece, all recognizably by the same person.
Die Arbiter 108-Aufnahme besitze ich ja nun, jetzt habe ich mir zusätzlich noch die RCA-CD bestellt. „Clearest sound“ klingt gut – aber viel schlechter als bei Arbiter geht es eh nicht.
Kennt jemand die Einspielung auf VAI?
Gruß, Cosima
Cosima (27.06.2006, 19:09): Hallo allerseits,
oben zitierte ich eine Rezension u.a. dieser CD (RCA, Frick Collection Recital)… http://images.amazon.com/images/P/B00000HZRV.01._PE18_OU03_SCMZZZZZZZ_.jpg
… und der Rezensent hatte Recht: Diese Live-Aufnahme aus 1953 ist vollkommen anders als jene aus 1951 (Arbiter) – „dreamlike mood“ trifft es tatsächlich! Ich bin absolut hingerissen! Sie ist weniger kraftvoll, aber mit höchster Intensität und Klarheit gespielt, dadurch plastischer als die ältere Interpretation. Kapells Klavierspiel ist wunderschön anzuhören, weiterhin besitzt er ein tolles Gefühl für Rhythmik und spielt sehr virtuos.
Es ist so traurig, dass William Kapell bereits mit 31 Jahren durch einen tragischen Unfall ums Leben kam. Was für Aufnahmen hätte es noch von ihm geben können! Für mich ist er ein ganz großer Künstler, und ich bedauere, dass ich mir nicht gleich die 9-teilige Edition zulegte, statt diverse Einzelaufnahmen zu kaufen.
Die Klangqualität ist um Lichtjahre besser als auf der Arbiter-CD, aber im Grunde muss man beide Interpretationen einmal gehört haben. Ich gebe es zu: Selbst mein geliebter Sviatoslav Richter tritt hier (vorübergehend) ein wenig in den Hintergrund.
Auf der o.g. CD findet sich darüber hinaus die Klaviersonate von Aaron Copland, die der Komponist William Kapell gewidmet hatte. Weiterhin kleinere Stücke von Chopin und Schumann und eine Scarlatti-Sonate.
Begeisterte Grüße, Cosima :down
Cosima (30.06.2006, 20:55): So sieht das Objekt meiner Begierde aus:
Sie ist also noch zu bekommen, allerdings recht teuer für solch eine alte Aufnahme (Broadcast Performances 1942-1953). :(
Gruß, Cosima
ab (18.07.2006, 17:16): Gerade ist bei der EMI eine Aufnhame mit dem 1984 in Moskau geborene Boris Giltburg erschienen.
Ein Rezensent hier schilt, dass zu wenig kraftvoll gespielt werden würde. Bei solchen Urteilen bin ich immer höchst skeptisch: womöglich liegt gerade in diesem (Klischee-)Verzicht eine ungehörte Größe der Interpretation. Ich wäre auf eure Urteile gespannt...
Tangua (30.07.2006, 18:42): Ich habe im Urlaub soeben die Berman-Aufnahme gehört und stimme Cosima vollkommen zu - eine rundum überzeugende, hervorragende Aufnahme ohne "Schnickschnack" - klassisch eben! Als nächste habe ich die Affanassiev-Aufnahme im Auge, bin aber nach nochmaligem Lesen der Beiträge hierzu doch wieder etwas unsicher...
Cosima (30.07.2006, 18:45): Original von Tangua Als nächste habe ich die Affanassiev-Aufnahme im Auge, bin aber nach nochmaligem Lesen der Beiträge hierzu doch wieder etwas unsicher...
Ich rate ab! Falls Dir etwas schlechtere Klangqualität nichts ausmacht, so würde ich zu William Kapell raten.
Gruß, Cosima
ab (31.07.2006, 12:19): Original von Tangua
Als nächste habe ich die Affanassiev-Aufnahme im Auge,
Jedenfalls anhören und ein eigenes Urteil bilden!
Tangua (01.08.2006, 14:04): Hallo Cosima, danke für Deinen Hinweis - leider bin ich ja, besonders bei Klavier solo, was die Klangtechnik angeht, ziemlich anspruchsvoll, deswegen habe ich auch immer noch keine Aufnahme der Bilder von S.Richter. Die, die ich bisher gehört habe, finde ich einfach grausam und sie verleidet mir zu sehr seine Interpretation- leider ! Gerade habe ich gesehen, dass Du auch die Weissenberg-Aufnahme besitzt - teilst Du da eigentlich meine Einschätzung (siehe zuvor) oder wie findest Du sie?
Cosima (01.08.2006, 18:23): Original von Tangua Gerade habe ich gesehen, dass Du auch die Weissenberg-Aufnahme besitzt - teilst Du da eigentlich meine Einschätzung (siehe zuvor) oder wie findest Du sie?
Hallo Tangua,
ich habe mir die Weissenberg-Aufnahme noch einmal im direkten Vergleich zu der Kapell-Aufnahme (RCA - die Klangqualität sollte hier wirklich niemanden abschrecken, die Aufnahme ist m.E. sehr gut remastered worden!) angehört.
Ich mag Weissenbergs Interpretation nicht besonders. Sie erscheint mir im Verhältnis zu Kapells frischer, dynamischer und lebendig gestalteter Interpretation fast statisch bzw. hölzern und lieblos herunter gespielt. Die „Küken“ sind noch das einzige Weissenberg-Highlight, aber auch die hat z.B. Kapell quirliger und mit mehr Gespür für Rhythmus gespielt. Im Gegensatz zu Bermans Einspielung würde ich die Weissenberg-Aufnahme nicht einmal als „klassisch“ bezeichnen, sondern einfach als spannungsarm und in sich wenig geschlossen.
Gruß, Cosima
Tangua (01.08.2006, 21:58): ... somit sind wir uns, was Weissenberg angeht, ja ziemlich einig!
ab (22.01.2007, 11:59): Neu erschienen: die russische Pianistin Valentina Igoshina
die Kurzvorstellung der Aufnahme in der Piano News ist deutlich positiver.
Sowohl was den Schumann angeht und den Mussorgsky!
Tangua (24.01.2007, 09:17): Dafür im Fonoforum - soweit ich mich erinnere - wiederum eher negativ, was beide Inerpretationen angeht. Da hilft wohl nur: Selber hören...
Ganong (27.01.2007, 18:06): Liebe Freunde des Hauptwerkes von Mussorgsky !
Man darf sich durch die sehr hübsche junge Damen nicht irritieren lasen .
Wer die berühmten Masstäbe setzenden Aufnahmen durch S Richter , V Horowitz und A Weissenberg kent , der wird bei dieser Aufnahme nicht lange brauchen, um sicher sagen zu können , dass man das Werk s o nicht spielen kann .
Das "Grosse Tor von Kiew" gerät als Nr. 35 der CD geradezu zu einem superschnellwirkenden und langanhaltenden Schlafmittel .
Der "Carnaval" , die direkt angefügt , ist weit von dem interpretatorischen freien Geist eines Sergey Rachmaninov oder der notentextgetreuen Wiedergabe durch Alexis Weissenberg entfernt .
Grüsse ,
Frank
PS.: Wenn ich die Chopinschen "Préludes" habe , werde ichj über diese insgesamt gerichten . F:
Rachmaninov (30.07.2007, 20:27): @Cosima,
Du schriebst vor einiger Zeit zur Richter Aufnahme...
Original von Cosima Eine weitere Richter-Aufnahme, Moskau 1958 (Melodiya), würde ich als fast ebenbürtig bezeichnen. Dagegen fällt die ältere Einspielung aus 1952 (Andromeda) schon sehr deutlich ab. Dennoch ist die Richtung erkennbar, in die Richter mit den späteren Aufnahmen gehen sollte. Insofern ist sie für mich wieder interessant, da sie wie die Rohfassung der 58-er Aufnahmen klingt.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7594553.jpg
So unterschiedlich kann eine Empfindung beim Hören sein.
Mich persönlich ergreift Richter, wiedereinmal, eher weniger. Die Aufnahme empfinde ich als ordentlich, aber auch nicht mehr..... Zu oft einfach zu plakativ und eher "grob" und kraftvoll als tatsächlich die "Bilder beschreibend".
Sein "Karren" ist mir arg zu schnell, sein "Old Castle" klingt für mich nebelverhangen und der Marktplatz ist weniger erfüllt von den Neuigkeiten als im völligen Trubel und Chaos versinkend.
Das ist nicht mein Geschmack..... :ignore
Rachmaninov (15.04.2008, 19:44): @Forianer,
soeben hörte ich nochmals die Aufnahme der Bilder mit Sergey Schepkin. Bereits als ich die Aufnahme neu hatte war ich sehr angetan.
Bewußt hatte ich die Aufnahme auch geraume Zeit nicht wieder angehört, da man sich oftmals auch "reinhört" und dadurch unsensibel wird.
Meine damaligen Eindrücke haben sich voll bestätigt. MIt seinem blitzsuaberen Anschlag, feiner Differenzierung zeichnet er hier die Bilder in fantastischer Weise "nach".
Mein Highlight ist der Markt von Limoges
Cosima schrieb damals in der Einleitung:
Vulgäres, endloses Schwatzen und Keifen der Marktweiber, erbarmungslos eingefangen in einem Stück, das ähnlich eines Perpetuum mobile keinen Anfang und kein Ende hat.
So was von hörbar habe ich dieses Bild noch nie gehört :down
Aber auch Bydlo oder two polish jews sind sehr überzeugend...
Kann mir gut vorstellen, daß diese Aufnahme polarisiert, eben wegen Schepkin's Spiel, aber soist das manchmal. Jedenfalls steht sie gänzlich entgegen einer Deutung wie sie uns Afanassiev aufzeigt. Daher empfehle ich hier dringend reinzuhören...... aber nicht gleich weg legen :wink
Ein diskographischer Leckerbissen bei einem häufig eingespielten Werk: :times10
ab (15.04.2008, 21:09): Original von Rachmaninov Kann mir gut vorstellen, daß diese Aufnahme polarisiert, eben wegen Schepkin's Spiel,
Was zeichnet es denn so aus? :hello
Rachmaninov (15.04.2008, 21:21): Original von ab Original von Rachmaninov Kann mir gut vorstellen, daß diese Aufnahme polarisiert, eben wegen Schepkin's Spiel,
Was zeichnet es denn so aus? :hello
siehe den Thread zu ihm.
ab (15.04.2008, 21:58): Original von Rachmaninov Original von ab Original von Rachmaninov Kann mir gut vorstellen, daß diese Aufnahme polarisiert, eben wegen Schepkin's Spiel,
Was zeichnet es denn so aus? :hello
siehe den Thread zu ihm.
Ich finde da nichts zu Lesen, was auf eine Polarisieren hinweisen könnte... Bei Afanassiev ists mir klar: Manches Tempi und der freie Umgang mit dem Notentext. Was ist es bei Schepkin? Eine romantisierende Spielweise?
Rachmaninov (16.04.2008, 06:19): Original von ab Original von Rachmaninov Original von ab Original von Rachmaninov Kann mir gut vorstellen, daß diese Aufnahme polarisiert, eben wegen Schepkin's Spiel,
Was zeichnet es denn so aus? :hello
siehe den Thread zu ihm.
Ich finde da nichts zu Lesen, was auf eine Polarisieren hinweisen könnte... Bei Afanassiev ists mir klar: Manches Tempi und der freie Umgang mit dem Notentext. Was ist es bei Schepkin? Eine romantisierende Spielweise?
Nein, er spielt hoch differenziert und ich kann mir vorstellen, daß dies bei Mussogsky's Bildern, z.B. bei alten Schloß, nicht jeden anspricht. Hier wünschen sich sicherlich einige eher einen "breiten" und "weicheren" Ton als ihn Schepkin spielt.
ab (16.04.2008, 09:52): Original von Rachmaninov Nein, er spielt hoch differenziert und ich kann mir vorstellen, daß dies bei Mussogsky's Bildern, z.B. bei alten Schloß, nicht jeden anspricht. Hier wünschen sich sicherlich einige eher einen "breiten" und "weicheren" Ton als ihn Schepkin spielt.
aha, danke! Jetzt stelle ich mir einen Ton à la jüngere Russische Schule wie früheren Pletnev oder Mallikova oder Babayan vor (nicht aber Sokolov).
Dr. Schön (20.12.2008, 19:20): http://www2.temeon.de/img_original/4603/4603141001095f.jpg
Habe gerade mal wieder meine Lieblingsaufnahme vom Mussorgskij Zyklus gehört. Gespielt von der großartigen Maria Yudina.
In den ersten Momenten bin ich immer wieder von der donnernden Härte dieser Einspielung schockiert. Mit vorschreitender Dauer wird mir wieder klarer, dass ich Mussorgskij ja im Grunde gar nicht anderes hören möchte.
Ich würde ihr Spiel gleichermaßen schroff, brüchig und stählern beschreiben. Dabei immer höchst genau, konstruktiv und expressiv mit in Eisen gegossener Emotionalität von höchster Intensität.
:times10
ab (21.12.2008, 10:59): und die Schostakowitsch-Sonate?
Dr. Schön (21.12.2008, 13:00): Original von ab und die Schostakowitsch-Sonate?
Sehr hörenswert. Ich habe leider keine Verlgleichsmöglichkeiten (sie verträgt wohl auch ein schnelleres Spiel). Auch hier wirkt jeder Anschlag wie mit dem Stahlfinger gesetzt, aber es hat dennoch durchaus etwas fast zartes und gefühliges, auch farbiges. So wie sie den zweiten Satz spielt würde ich von ihr auch gerne mehr Moderne (oder impressionistisches) hören.
Nochmal zu ihren "Bildern...". Wenn ich meinen Mussorgskij von den Opern oder "Der Nacht am kahlen Berg" (beides in möglichst originalen Fassungen !!!) aus betrachte, dann geht das dort schon sehr kurde, brüchig und grob zu. Vieles ist geradezu grell, sehr disparat und dennoch zu einem Ganzen zusammengefügt. Und eben diese Mussorgskij Welt kommt in Yudinas Einspielung sehr gut rüber. Man hört nicht jeden Knopf an der Jacke des Gnoms, dafür ist das "große Tor..." nicht so plötzlich gedonnert, sondern dass ganze aus einem großen Guss.
ab (22.12.2008, 09:47): Ich habe keine Zweifel an der Güte der Yudina -Aufnahmen.. Gerne würde ich sie einmal in Hände bekommen.
Bei Schostakowitschs Sonate wird ja stets auf Gilels als Referenz verwiesen. :hello
kann mir jemand etwas über die Klangqualität dieser Aufnahme sagen?
Interpretatorisch ist sie sicher sehr interessant.
thwinter12 (22.10.2009, 20:08): Original von Tangua http://ecx.images-amazon.com/images/I/41YEFFYNK3L._SL500_AA240_.jpg
Hallo allerseits,
kann mir jemand etwas über die Klangqualität dieser Aufnahme sagen?
Interpretatorisch ist sie sicher sehr interessant.
Genau bei der o.a. CD würde ich aufpassen! :( Dazu einige Kommentare von Amazon.COM:
But the worst is yet to come. It is unbelievable how the sound Engineers and the Edition Personal did not check the inexcusable cuts along the different episodes of the Pictures.
I bought this record with the naïve presumption of suppose the tracks were complete but you know ; there is always new under the sun.
All those acquired this CD should return and expect not only the most sincere excuses but sending us a new album with the required conditions, but I am afraid this expected hope will not be possible to satisfy. oder
Having said all of that, the CD I received when I ordered this had the last few seconds lopped off many of the tracks, so instead of Baba Yaga flowing into Kiev, Baba Yaga ends suddenly, a few bars are missing and there are a few seconds of frustrating silence and then Kiev begins. It ruins the performance, obviously, and if you owned this version on LP, none of those gaps existed. This might mean there's a problem with the pressing of all of the Mussorgsky/Richter CDs, or perhaps I got truly unlucky. Ich würde daher eher zur nachfolgenden Ausgabe greifen - hier habe ich von solchen technischen Mängeln noch nichts gelesen (oder Du wartest bis aus der Melodiya Edition auch die Vol. 6 - 10 neu aufgelegt werden :down):
Über die Klangqualität der Aufnahme an sich, kann ich aber leider nichts sagen, da ich sie noch nicht besitze. Hier liest man wiederum auf Amazon.COM folgenden Kommentar:
What should be pointed out is that the sound on this recording is much, much better than on either of the other currently available accounts of Pictures by Richter, largely because it's a studio recording. The live Sofia, account, of course, is in notoriously bad sound, even for its era, so even if you love the performance, you are frustrated by the sound. The live BBC Legends recording really does sound like a radio recording (so better than the Sofia but worse than this one), but Richter's performance for the BBC lacks all of his usual subtlety, and so, ruins the performance for me. Hoffe das hilft und Servas, :hello Thomas
Tangua (23.10.2009, 12:53): Uuuppss... vielen Dank für die Warnung, dann lasse ich die Finger davon!
AcomA (27.09.2014, 00:00): Hallo,
meine Erfahrungen habe ich mit folgenden Interpreten:
Lazar Berman Vladimir Ashkenazy Vladimir Horowitz Sviatoslav Richter William Kapell Ivo Pogorelich Vladimir Ovchinnikov Jewgeny Kissin Valery Afanassiev Alfred Brendel Alexis Weissenberg
Am meisten beeindruckend für mich klanglich oder psychologisch:
Ivo Pogorelich Valery Afanassiev Vladimir Horowitz Alexis Weissenberg
LG, Siamak
Hosenrolle1 (24.04.2016, 23:35): Eine Frage an alle: hat zufällig jemand die Henle-Urtext-Ausgabe dieses Werkes, für Piano?
LG, Hosenrolle1
satie (25.04.2016, 08:47): Die habe ich nicht, aber die Wiener Urtext Edition habe ich. Was suchst Du?
Hosenrolle1 (25.04.2016, 10:19): Naja, ich habe erwägt, einen weiteren Thread mit kritischen Berichten zu machen, wie bei Schubert. Hier sind es allerdings viel weniger.
Henle bietet hier ebenfalls den kritischen Bericht zum Download an, und auf Imslp gibt es mehrere Versionen davon. (Leider kein Autograph)
Kannst du vielleicht einmal bei Bild Nr. 6 in Takt 6 testweise schauen, ob die punktierte Sechzehntel irrtümlich einmal, statt korrekt zweimal punktiert ist? Mussorgsky hat nämlich diesen Fehler gemacht, und die meisten Verlage drucken ihn auch so ab.
LG, Hosenrolle1
satie (25.04.2016, 21:06): Du meinst die Sechzehntelpause? Die ist doppelt punktiert.
Hosenrolle1 (25.04.2016, 21:35): Grrr, ich habe "Sechzehntel" geschrieben, statt korrekt "Sechzehntelpause". Sorry für diesen Flüchtigkeitsfehler.
Ja, das ist sehr gut, denn bei den 2 Versionen, die ich bei Imslp gesehen habe, ist da nur ein Punkt. Laut dem kritischen Bericht hat Mussorgsky das falsch gesetzt in seinem Autograph.
Jedoch weiß ich nicht, ob ein solcher Bericht auch ohne Screenshots des Autographs Sinn machen würde. Der Bericht selbst ist relativ kurz, aber, wie ich finde, dennoch interessant.
Ich könnte ja meinen Bericht mit dem mir zur Verfügung stehenden Notenmaterial machen, und wenn du möchtest, kannst du ja mal dazu schreiben, wie das in deiner Version ist, und/oder ob es da noch zusätzliche Hinweise gibt, die Henle vielleicht nicht stehen hat.
Dass du dann sozusagen nur schreibst "In meiner Version ist die Pause doppelt punktiert". Wenn du dein OK gibst, mach´ich einen neuen Thread dazu auf.
Danke für´s Nachsehen auf jeden Fall! :thanks
LG, Hosenrolle1
satie (26.04.2016, 08:44): Ich habe arge Zweifel, dass sich das bei diesem Werk lohnt. Der kritische Bericht in der Wiener Urtext Ausgabe ist gerade mal zwei Seiten lang, und wer will kann sich den doch einfach durchlesen. Aber wenn Du Dir natürlich die Mühe machen willst und jede Stelle mit anderen Ausgaben vergleichen möchtest, ist Dir das doch wie immer freigestellt. Da braucht es keine Erlaubnis von mir. Natürlich kann ich das dann vergleichen mit meiner Ausgabe. Viel interessanter fände ich mal einen Vergleich der verschiedenen Orchesterfassungen. Wer instrumentiert wie, wo sind Parallelen, wo sind die großen Unterschiede? Wenn es aber um die Klavierversion geht, würde ich allenfalls mit der Rimsky-Korsakow-Ausgabe vergleichen, der hat nämlich ganz schön in den Text eingegriffen.
Herzliche Grüße Satie
Hosenrolle1 (26.04.2016, 12:22): Original von Satie Ich habe arge Zweifel, dass sich das bei diesem Werk lohnt. Der kritische Bericht in der Wiener Urtext Ausgabe ist gerade mal zwei Seiten lang, und wer will kann sich den doch einfach durchlesen.
Ich fände halt den Vergleich interessant, welche Hinweise gleich sind und welche nicht, und viele werden die Partitur (mich eingeschlossen) gar nicht haben.
Viel interessanter fände ich mal einen Vergleich der verschiedenen Orchesterfassungen. Wer instrumentiert wie, wo sind Parallelen, wo sind die großen Unterschiede? Wenn es aber um die Klavierversion geht, würde ich allenfalls mit der Rimsky-Korsakow-Ausgabe vergleichen, der hat nämlich ganz schön in den Text eingegriffen.
Dafür bin ich leider nicht geeignet, dafür kenne ich das Werk zu wenig :)
Ich überleg´s mir noch!
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (26.04.2016, 19:42): Aus dem Thread "Bilder einer Ausstellung - Kritische Durchsicht":
Original von AcomA Lieber Hosenrolle,
recht aktuell hat der russische Pianist Andrei Hoteev eine Einspielung dieses Werkes anhand eines Autographs vorgenommen und vorgestellt !
LG Siamak
Besonders schön finde ich, dass, laut Wikipedia, im CD-Beiheft "die wichtigsten Abweichungen anhand von Abbildungen aus den Manuskripten nachvollziehbar dokumentiert" sind. :)
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (27.04.2016, 22:52): Original von Satie Viel interessanter fände ich mal einen Vergleich der verschiedenen Orchesterfassungen. Wer instrumentiert wie, wo sind Parallelen, wo sind die großen Unterschiede?
Ich kann da gerne mit Notenmaterial weiterhelfen, mir die entsprechenden Stellen heraussuchen, und wie in meinen beiden Threads herzeigen. Gerade bei diesem Stück wäre es aufgrund der Kürze der Stücke einfacher, das zu analysieren.
Aber wie gesagt, ich bin da nicht wirklich geeignet dafür, weil ich das Werk zu wenig kenne, geschweige denn die verschiedenen Versionen davon.
LG, Hosenrolle1
satie (28.04.2016, 09:49): Original von Hosenrolle1 Aber wie gesagt, ich bin da nicht wirklich geeignet dafür, weil ich das Werk zu wenig kenne, geschweige denn die verschiedenen Versionen davon.
...was sich ja ändern ließe :)
Hosenrolle1 (28.04.2016, 10:49): Schon, aber dafür bräuchte es Jahre bei mir.
Ich sitze schon seit 10 Jahren an HUG und entdecke immer noch eine Fülle an neuen Dingen, die mir bisher entgangen sind.
An welche Versionen hättest du denn gedacht? Vermutlich auf jeden Fall die von Ravel?
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (30.04.2016, 00:11): Also ich habe jetzt zwei Versionen gefunden, einmal die bekannte von Ravel, und einmal die Info, dass Korsakov 2 Sätze instrumentiert hat.
Leider finde ich bei Imslp zu keiner Version eine Partitur (oder bin zu blöd zum suchen).
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (30.04.2016, 00:48): Ergänzung: die Ravel-Version habe ich jetzt, dank der Hilfe von Nicolas-Aine, doch noch.
LG, Hosenrolle1
satie (30.04.2016, 00:52): Doch doch, Ravel ist dort, unter "Arrangements and Transcriptions" musst Du schauen. Tuschmalow würde ich noch interessant finden und eigentlich Stokowski, aber von letzterem findet man nicht die Noten im Netz. Jedenfalls nicht kostenlos (legal). Aber allein der Vergleich von Tuschmalow und Ravel würde sich lohnen.
Hosenrolle1 (30.04.2016, 00:55): Aber wie könnte so ein Vergleich aussehen?
Ich denke mir, auf jeden Fall einmal eine Gegenüberstellung des Instrumentariums.
Sollte man jeden Takt einzeln betrachten und vergleichen? Vielleicht mit Notenbeispielen, oben der Takt von Mussorgsky, unten nebeneinander die beiden Takte der Orchesterfassungen im Vergleich?
Das wäre sicherlich interessant :)
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (30.04.2016, 01:01): So könnte das z.B. aussehen:
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (30.04.2016, 14:57): So, die Tuschmalov-Version habe ich jetzt auch.
Einem Vergleich steht nichts mehr im Wege.
LG, Hosenrolle1
satie (01.05.2016, 10:36): Schön! Ich würde nicht unbedingt jeden Takt vergleichen, sondern generelle Instrumentierungen (auch von Abschnitten) und vor allem die Stellen herauspicken, die sich deutlich unterscheiden, also klanglich wirklich anders interpretiert werden. Bin mal gespannt!