mich würde mal interessieren, welche Werke für StrQ welcher Komponisten Ihr als die wichtigsten erachtet. Es soll nicht um eine "Einsame-Insel-Liste", also um eine enge Begrenzung gehen. Ich würde einfach gern mal wissen, welche Werke Ihr für besonders hörenswert haltet, und welche man in Euren Augen (bzw. Ohren) gehört haben sollte, um sich ein einigermaßen abgerundetes Bild des Genres machen zu können. Zum Teil kann man dies natürlich allein schon aus den bestehenden Threads hier entnehmen, aber vielleicht wurden ja noch nicht alle wichtigen Werke genannt?
Jack Bristow (25.01.2007, 23:01): Frage ist halt, was "müssen" heißt. :D Ich halte ca. 50+ Quartette von Haydn für sehr hörenswert, die schreibe ich jetzt aber nicht alle hin..sondern hier sollte man vielleicht zuerst ein paar Stichproben machen:
Haydn (evtl. eins aus den Divertimenti op.1, aber das dann eher aus historischen Gründen) op.20 (besonders #2,#3,#4) op.33 (besonders #1, #3) op.74,3 "Reiter" op.76 alle 6 (#2 "Quinten", #3 "Kaiser", #4 "Sonnenaufgang")
(Boccherini kann man getrost weglassen)
Mozart eigentlich die letzten 10: 6 "Haydn" (beginnen vielleicht damit), KV 499, 3 "Preussische" Beethoven: alle! Schubert: die letzten drei a-moll, d-moll, G-Dur, (Quartettsatz c-moll) Mendelssohn: op.12, 13, 80 Schumann: nicht ganz so essentiell, aber es gibt nur 3: op.41,1-3, 1 und 3 sind die bekanntesten Brahms: alle drei Smetana: "Aus meinem Leben" (aber das 2., fast unbekannte ist sehr hörenswert) Dvorak: das "Amerikanische" und die letzten beiden G-Dur und As-Dur Janacek: beide hörenswert, weiß nicht, ob "must" Ravel Debussy Berg: Lyrische Suite (wirklich sehr schön, m.E. guter Einstieg in "2. Wiener Schule") Schönberg, Webern muß ich passen, schwierige Musik, die ich nur flüchtig kenne Bartok: alle! (beginnen mit 4 oder 5) Schostakowitsch: #3,#5,#8 und dann den Rest
viele Grüße
J Bristow
Rachmaninov (26.01.2007, 08:13): Original von Jack Bristow Dvorak: das "Amerikanische" und die letzten beiden G-Dur und As-Dur
Hier schließe ich mich an! Insg. empfinde ich die vier letzten SQ von Dvorak als sehr gelungen.
Rachmaninov (26.01.2007, 08:14): Original von Jack Bristow Schostakowitsch: #3,#5,#8 und dann den Rest
@Jack,
aus "Idiologischen" Gründen würde ich #8 wahrscheinlich zuerst nennen. Aber unabhängig von der Reihenfolge ist #8 absolut zwingend in der Aufstellung hier zu nennen.
Richard
Jeremias (26.01.2007, 12:26): Für mich das schönste Quartett aller Zeiten: Schuberts "Tod und das mädchen"! Jetzt werde ich mich aber erstmal mit Beethoven beschäftigen....
Jack Bristow (26.01.2007, 13:08): Original von Rachmaninov Original von Jack Bristow Schostakowitsch: #3,#5,#8 und dann den Rest
aus "Idiologischen" Gründen würde ich #8 wahrscheinlich zuerst nennen. Aber unabhängig von der Reihenfolge ist #8 absolut zwingend in der Aufstellung hier zu nennen.
Ich stimme zu; hier habe ich mich einfach an die numerische Reihenfolge gehalten, wobei ich diese drei auch am besten kenne. Das achte ist für mich auch emotional das klar Beeindruckendste, ein würdiges Gegenstück zur 8. Sinfonie. Insofern wäre als Einstieg bzw. zum Überblick gut eine CD, die eben mindestens das 8. enthält, geeignet
Nochmal kurz als Ergänzung. Wer sich mit Haydn, dem Ur- und Übervater der Gattung, nicht überlasten will, sollte vielleicht entweder:
- eine sehr schöne neue CD mit 3 Quartetten (op.64,5; 76,2 und 77,1) des Jerusalem Quartetts besorgen (harmonia mundi) - oder die Doppel-CD des Emerson-Quartetts (DG) mit ca. 6 Quartetten, die einen einigermaßenen Querschnitt bieten (die kenne ich zwar nicht, aber sie wird zumindest sehr virtuos und solide sein) - und dann vielleicht eine Aufnahme von op.76,1-6 (viele erhältlich)
Damit hätte man mit 1-4 CDs einen recht guten Überblick. Bei Beethoven lohnt aufgrund der vielen preiswerten Ges.-Aufnahmen Einzelkauf zum Kennenlernen eher nicht.
Ein Minimal-Kennlern-Set wäre daher, zusätzlich zu LvB und Haydn
Mozarts 6 Haydn gewidmete Quartette Schuberts d-moll oder G-Dur oder am besten beide Dvoraks letzte 3-4 (also 12-14) Brahms 1-3 Debussy/Ravel (normal auf einer CD) Berg Lyrische Suite Bartok (hier gibts fast nur sets) Schostakowitsch: eine CD, die das 8. Quartett u. 2 beliebige andere enthält
viele Grüße
J Bristow
Gerion (26.01.2007, 23:37): Liebe Forianer,
ich danke für Eure Einschätzungen. Zwei, drei Denkanstöße (Brahms, Dvorak, Mendelsohn) waren für mich schon dabei. Eure Beiträge zu lesen war - wie bis jetzt immer - für mich eine innere Bereicherung!
Grüße Gerion
PS: Was ist mit "Nordlichtern" wie Sibelius?
ab (31.01.2007, 00:00): Nachdem Jack Bristow fast nichts mehr übrig lässt:
Jedenfalls Alfred Schnittkes Streichquartette, zumindest davon Nr. 2 & 4, wobei sich der Einstieg mit Nr. 3 besonders anbietet.
Was Haydn betrifft, würde ich jedenfalls noch die beiden op. 77 nennen (mein Favorit: Alban Berg Quartett) und auf Schostakowitsch unglaublich stimmigen Nr. 3 insistieren wollen (mein Liebling ist ja nr. 14). Auch denke ich, dass Janacek zu den "musts" gehört, allerdings kenne ich auch noch nicht jene Aufnahme, die mich restlos überzeugen würden, aber das, so scheint mir, geht auf die fatale Tradition zurück, ihn spätromantisch glattzubügeln.
Schumann (so gerne ich sie Dank der Aufnahme vom Hagen Quartett mag) gehört sicher nicht dazu, statt dessen viel eher Tchaikovskys Nr. 2 (mein einsamer Favorit: Borodin Quartet: Chandos) und das wunderschöne von Grieg (mein Favorit: Osloer Quartet: Naxos). Was die Spätromantik betrifft, so wäre wohl Zemlinsky am ehesten zu nennen (Artis Quartett sei dank für wunderbare Interpretationen (orfeo/nimbus). Ganz eigenwillig - und wohl deshalb zu nennen - sind auch die Quartette von Benjamin Britten, von denen ich (bislang) das erste am liebsten mag. Nich zu vergessen Martinu, zumindest Nr. 5.
Und weiter zurück als erlaubt: eine Bearbeitung der Bachschen Kunst der Fuge gehört auch dazu!
Gerion (25.01.2007, 20:43): Liebes Forum,
mich würde mal interessieren, welche Werke für StrQ welcher Komponisten Ihr als die wichtigsten erachtet. Es soll nicht um eine "Einsame-Insel-Liste", also um eine enge Begrenzung gehen. Ich würde einfach gern mal wissen, welche Werke Ihr für besonders hörenswert haltet, und welche man in Euren Augen (bzw. Ohren) gehört haben sollte, um sich ein einigermaßen abgerundetes Bild des Genres machen zu können. Zum Teil kann man dies natürlich allein schon aus den bestehenden Threads hier entnehmen, aber vielleicht wurden ja noch nicht alle wichtigen Werke genannt?
Jack Bristow (25.01.2007, 23:01): Frage ist halt, was "müssen" heißt. :D Ich halte ca. 50+ Quartette von Haydn für sehr hörenswert, die schreibe ich jetzt aber nicht alle hin..sondern hier sollte man vielleicht zuerst ein paar Stichproben machen:
Haydn (evtl. eins aus den Divertimenti op.1, aber das dann eher aus historischen Gründen) op.20 (besonders #2,#3,#4) op.33 (besonders #1, #3) op.74,3 "Reiter" op.76 alle 6 (#2 "Quinten", #3 "Kaiser", #4 "Sonnenaufgang")
(Boccherini kann man getrost weglassen)
Mozart eigentlich die letzten 10: 6 "Haydn" (beginnen vielleicht damit), KV 499, 3 "Preussische" Beethoven: alle! Schubert: die letzten drei a-moll, d-moll, G-Dur, (Quartettsatz c-moll) Mendelssohn: op.12, 13, 80 Schumann: nicht ganz so essentiell, aber es gibt nur 3: op.41,1-3, 1 und 3 sind die bekanntesten Brahms: alle drei Smetana: "Aus meinem Leben" (aber das 2., fast unbekannte ist sehr hörenswert) Dvorak: das "Amerikanische" und die letzten beiden G-Dur und As-Dur Janacek: beide hörenswert, weiß nicht, ob "must" Ravel Debussy Berg: Lyrische Suite (wirklich sehr schön, m.E. guter Einstieg in "2. Wiener Schule") Schönberg, Webern muß ich passen, schwierige Musik, die ich nur flüchtig kenne Bartok: alle! (beginnen mit 4 oder 5) Schostakowitsch: #3,#5,#8 und dann den Rest
viele Grüße
J Bristow
Rachmaninov (26.01.2007, 08:13): Original von Jack Bristow Dvorak: das "Amerikanische" und die letzten beiden G-Dur und As-Dur
Hier schließe ich mich an! Insg. empfinde ich die vier letzten SQ von Dvorak als sehr gelungen.
Rachmaninov (26.01.2007, 08:14): Original von Jack Bristow Schostakowitsch: #3,#5,#8 und dann den Rest
@Jack,
aus "Idiologischen" Gründen würde ich #8 wahrscheinlich zuerst nennen. Aber unabhängig von der Reihenfolge ist #8 absolut zwingend in der Aufstellung hier zu nennen.
Richard
Jeremias (26.01.2007, 12:26): Für mich das schönste Quartett aller Zeiten: Schuberts "Tod und das mädchen"! Jetzt werde ich mich aber erstmal mit Beethoven beschäftigen....
Jack Bristow (26.01.2007, 13:08): Original von Rachmaninov Original von Jack Bristow Schostakowitsch: #3,#5,#8 und dann den Rest
aus "Idiologischen" Gründen würde ich #8 wahrscheinlich zuerst nennen. Aber unabhängig von der Reihenfolge ist #8 absolut zwingend in der Aufstellung hier zu nennen.
Ich stimme zu; hier habe ich mich einfach an die numerische Reihenfolge gehalten, wobei ich diese drei auch am besten kenne. Das achte ist für mich auch emotional das klar Beeindruckendste, ein würdiges Gegenstück zur 8. Sinfonie. Insofern wäre als Einstieg bzw. zum Überblick gut eine CD, die eben mindestens das 8. enthält, geeignet
Nochmal kurz als Ergänzung. Wer sich mit Haydn, dem Ur- und Übervater der Gattung, nicht überlasten will, sollte vielleicht entweder:
- eine sehr schöne neue CD mit 3 Quartetten (op.64,5; 76,2 und 77,1) des Jerusalem Quartetts besorgen (harmonia mundi) - oder die Doppel-CD des Emerson-Quartetts (DG) mit ca. 6 Quartetten, die einen einigermaßenen Querschnitt bieten (die kenne ich zwar nicht, aber sie wird zumindest sehr virtuos und solide sein) - und dann vielleicht eine Aufnahme von op.76,1-6 (viele erhältlich)
Damit hätte man mit 1-4 CDs einen recht guten Überblick. Bei Beethoven lohnt aufgrund der vielen preiswerten Ges.-Aufnahmen Einzelkauf zum Kennenlernen eher nicht.
Ein Minimal-Kennlern-Set wäre daher, zusätzlich zu LvB und Haydn
Mozarts 6 Haydn gewidmete Quartette Schuberts d-moll oder G-Dur oder am besten beide Dvoraks letzte 3-4 (also 12-14) Brahms 1-3 Debussy/Ravel (normal auf einer CD) Berg Lyrische Suite Bartok (hier gibts fast nur sets) Schostakowitsch: eine CD, die das 8. Quartett u. 2 beliebige andere enthält
viele Grüße
J Bristow
Gerion (26.01.2007, 23:37): Liebe Forianer,
ich danke für Eure Einschätzungen. Zwei, drei Denkanstöße (Brahms, Dvorak, Mendelsohn) waren für mich schon dabei. Eure Beiträge zu lesen war - wie bis jetzt immer - für mich eine innere Bereicherung!
Grüße Gerion
PS: Was ist mit "Nordlichtern" wie Sibelius?
ab (31.01.2007, 00:00): Nachdem Jack Bristow fast nichts mehr übrig lässt:
Jedenfalls Alfred Schnittkes Streichquartette, zumindest davon Nr. 2 & 4, wobei sich der Einstieg mit Nr. 3 besonders anbietet.
Was Haydn betrifft, würde ich jedenfalls noch die beiden op. 77 nennen (mein Favorit: Alban Berg Quartett) und auf Schostakowitsch unglaublich stimmigen Nr. 3 insistieren wollen (mein Liebling ist ja nr. 14). Auch denke ich, dass Janacek zu den "musts" gehört, allerdings kenne ich auch noch nicht jene Aufnahme, die mich restlos überzeugen würden, aber das, so scheint mir, geht auf die fatale Tradition zurück, ihn spätromantisch glattzubügeln.
Schumann (so gerne ich sie Dank der Aufnahme vom Hagen Quartett mag) gehört sicher nicht dazu, statt dessen viel eher Tchaikovskys Nr. 2 (mein einsamer Favorit: Borodin Quartet: Chandos) und das wunderschöne von Grieg (mein Favorit: Osloer Quartet: Naxos). Was die Spätromantik betrifft, so wäre wohl Zemlinsky am ehesten zu nennen (Artis Quartett sei dank für wunderbare Interpretationen (orfeo/nimbus). Ganz eigenwillig - und wohl deshalb zu nennen - sind auch die Quartette von Benjamin Britten, von denen ich (bislang) das erste am liebsten mag. Nich zu vergessen Martinu, zumindest Nr. 5.
Und weiter zurück als erlaubt: eine Bearbeitung der Bachschen Kunst der Fuge gehört auch dazu!
Hosenrolle1 (07.05.2015, 00:12): Ich möchte für meine Frage keinen eigenen Thread auf machen, und in gewisser Weise passt sie auch zum Thema, denn nachdem ich hier:
ab 2:16 einen Ausschnitt eines Streichquartetts gehört habe, möchte ich unbedingt wissen, um welches Stück es sich handelt, da mir der Ausschnitt Lust auf mehr macht, und ich mir gern die Noten dazu ansehen möchte.
Vielleicht weiß da jemand etwas dazu?
LG, Hosenrolle1
satie (07.05.2015, 08:52): Das ist der erste Satz von Schuberts Quattett in D-Moll, "Der Tod und das Mädchen". Allerdings hört man das Seitenthema, also nicht wundern, dass der Satz ganz anders beginnt. Auf jeden Fall eines der schönsten Streichquartette!
Herzlich grüßt
Satie
Hosenrolle1 (07.05.2015, 15:24): Vielen Dank für die Info!
Tatsächlich gefiel mir die Melodie und die Instrumentation so gut, dass ich das unbedingt einmal ganz hören wollte :)
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (07.05.2015, 18:56): Ich habe mir nun den 1. Satz mehrmals angehört, und bin wirklich begeistert von diesem Quartett.
Meine Befürchtung war, dass bis auf dieses Thema die restliche Musik langweilig sein wird; Streichquartette sind ja nicht wirklich meine Sache. Tatsächlich aber gefiel es mir sehr gut, und ich bin froh, dass es Seiten wie Imslp.com, aber auch Youtuber gibt, die die Noten zur Musik gleich mitliefern.
Besonders gefiel mir ja dieses Seitenthema (ab Takt 61) in F-Dur:
(Ich hoffe, ich habe die Tonarten richtig benannt? Beim ersten Mal steht es in F-Dur. D-moll wäre die Mollparallele davon, doch statt das Thema auch in d-moll zu bringen, erscheint es in der gleichnamigen Dur-Tonart ... eigentlich eine Schubert-typische Spielerei, oder?)
LG, Hosenrolle1
Wooster (29.10.2015, 09:37): Nein, dass ein (Seiten)thema in einem Moll-Satz zuerst in der Paralleltonart, dann (in der Reprise) der gleichnamigen Durtonart erscheint, ist nahezu die Regel in der Wiener Klassik. Nach den ungeschriebenen Regeln der Sonatenform MUSS Material, das nicht in der Tonika vorgestellt wurde, irgendwann später in der Grundtonart (oder eben der gleichnamigen Durtonart) erscheinen. Warum auch immer hat sich als üblichster Tonartenkontrast für Dur-Sätze die Dominanttonart und für Moll-Sätze die parallele Durtonart herausgebildet. (Es gibt einige Ausnahmen, zB in Beethovens Klaviersonate op.90,1.Satz ist es die Moll-Dominante statt der Tonikaparallele). Schon bei Beethoven gibt es nicht so selten Seitenthemen in entfernteren Tonarten (typischerweise "terzverwandt", d.h. oft die 3. Stufe, zB. E-Dur in der C-Dur-Waldsteinsonate, 1. Satz, oder 6. Stufe F-Dur im a-moll-Quartett op.132), wenn auch meistens danach noch Material in der üblichen (Dominanttonart) gebracht wird.
Für (späten) Schubert ist das eher ungewöhnlich "konservativ"; da gibt es oft Seitenthemen oder kontrastierende Abschnitte in weiter entfernten Tonarten. zB im Streichquintett C-Dur steht das berühmte "Cello-Thema" in Es-Dur (erniedrigte III. Stufe), aber die "Schlussgruppe" geht dann auch nach G-Dur (V). Oder noch viel extremer: fis-moll (wohl eigentlich ges-moll in B-Dur) in der letzten Klaviersonate (mit einem langsamen Satz dann in cis-moll).