Natalie Dessay- eine frisch gebackene Kammersängerin

Severina (21.04.2010, 00:04):
Eigentlich wollte ich Euch mit einem Bericht von der 3. "Sonnambula" verschonen - zweimal eine gaballte Ladung Severina-Euphorie reicht wirklich :wink - aber dann wurde diese Vorstellung noch zu einer besonderen, und das will ich speziell den Dessay-Fans doch nicht vorenthalten!

Dabei sah es zunächst gar nicht nach etwas Besonderem aus, im Gegenteil, diese "Sonnambula" war insgesamt die schwächste von den dreien. Juan Diego Flórez trat zwar wieder vollfit an und brillierte in altgewohnter Weise, dafür schwächelte Natalie Dessay. Ihr Stimme klang phasenweise etwas müde, einige Spitzentöne kamen nur mit großer Kraftanstrengung, dafür versöhnte aber die traumhaft schön gesungene Schlafwandlerszene.
Bei ihrem ersten Solovorhang wirkte sie ungewohnt ernst - klar, eine so intelligente und sensible Künstlerin weiß selbst am besten, wenn es nicht so optimal gelaufen ist.
Plötzlich hob sich der Vorhang zu unser aller Verblüffung - die Dessay eingeschlossen - wieder, auf der Bühne war nicht nur das gesamte Ensemble angetreten, sondern auch Direktor Holender, Bundestheaterchef Springer und ein mir unbekannter Herr, der sich später als französischer Botschafter entpuppte.
Nanu? Zwar hat Natalie Dessay in diesen Tagen Geburtstag, aber keinen runden, also kein Grund für diesen Auftritt des Herrn Direktors.
Das Rätsel löste sich, als er der Dessay zur großen Überraschung ihre Ernennung zur Kammersängerin verkündete. Üblicherweise weiß man das vorher und wird oft sogar im Programm angekündigt, dass nach der Vorstellung Frau oder Herrn XY der Titel Kammersängerin verliehen wird, diesmal aber gelang Holender wirklich ein Überraschungscoup (In seiner launigen Laudatio meinte er, es habe sich um den schnellsten Staatsakt in der Geschichte Österreichs gehandelt: Am 16. wurde der Antrag bewilligt, gestern vom BP unterschrieben, und heute fand die Ehrung statt.) Natalie Dessay war jedenfalls völlig überrumpelt (offensichtlich hatten wirklich alle dicht gehalten) und brach in Tränen aus, sie schluchzte so herzzerrreißend, dass die hohen Herren eiligst nach einem (hoffentlich reinen :cool) Taschentuch suchten.
Wir sprangen natürlich alle von den Sitzen und feierten unsere frisch gebackene Kammersängerin mit standing ovationes und donnernden Bravi. :leb
Als sie sich wieder gefangen hatte, ergriff sie das Mikro und bestätigte zunächst, was schon Holender angedeutet hatte, dass dies heute ihre endgültig letzte Amina gewesen sei. Es tue ihr Leid, dass sie nicht besser gesungen habe, aber sie hätte alles gegeben, und das sei für sie immer das Wichtigste. Man kann nur den Hut ziehen vor dieser großen Künstlerin, die in einem solchen Moment so ehrliche und selbstkritische Worte findet :down :down. Dann bedankte sie sich bei Direktor Holender, der sie als junge Sängerin gefördert und ihre Weltkarriere ermöglicht habe, und bei "ihrem wunderbaren Wiener Publikum". Sie hätte schon daran gedacht, mit dem Singen Schluss zu machen und "lieber mehr reiten zu gehen", aber nun hänge sie doch noch ein paar Jahre dran :wink :D. Schließlich wollte sie noch wissen, ob sie die erste französische Kammersängerin sei. Holender nach kurzem Nachdenken: "Wenn wir aus der Pilou eine Griechin machen, dann schon!" Worauf Natalie mit einem triumphierenden "Jaaa!" die geballte Faust in die Höhe stieß.

Dann folgten noch unzählige Vorhänge, Solovorhänge heute allerdings nur für unsere Neo-Kammersängerin, bevor wir uns endlich müde geklatscht und heiser geschrien hatten. (Ich beruhige meine ausgefransten Stimmbänder eben mit einer Tasse Salbeitee! :D )

lg Severina :hello
Jimi (21.04.2010, 18:12):
Original von Severina
Als sie sich wieder gefangen hatte, ergriff sie das Mikro und bestätigte zunächst, was schon Holender angedeutet hatte, dass dies heute ihre endgültig letzte Amina gewesen sei.

Hallo Severina,
danke für deinen, wie immer, tollen Bericht.
Hat Sie sie auch gesagt warum sie die Amina nicht mehr singen wird, oder gibt es wenigstens Vermutungen ?

:hello Jimi
Solitaire (22.04.2010, 08:47):
Hallo Severina!
Danke für diese Schilderung! Ich gönne es ihr von Herzen. In der Tat, die Frage warum sie die Rolle nicht mehr singen will interessiert mich auch!
Fairy Queen (24.04.2010, 07:33):
Liebe Sevi, das ist ja eine tolle Nachricht! :leb :leb :leb
Ja, ich habe an Natalie Dessay auch immer ihre selbstkritischen,humorvollen und so erfrischend ehrlichen und natürlichen Ausbrüche geliebt. Sie ist halt genauso wie sie auf der Bûhne spielt- authentisch und bar jeder divenhaft-eleganten Zurückhaltung.
Keine typische Französin, dieses Temperament ist eher italienisch :D
Ich freue mich riesig über ihre Ernennung und dass du all das hautnah miterlebst und uns genauso hautnah weitergibst ist ein Geschenk! Von euch Wienern geliebt zu werden, ist offenscichtlich ebenfalls ein Riesengeschenk
Grand merci. :thanks

Warum sie die Amina nicht mehr singen will und kann kann ich mir gut vorstellen, so traurig das auch ist, denn fûr mich hat sie genau den Stimmtyp verkörpert, in dem ich idealerweise diese Rolle hören môchte.
aber Bellini ist noch brutaler als mozart was die nackheit der Stimme angeht. Das wird jede kleine Abnutzungserscheinung sofort hörbar, man kann ncihts überspielen, man ist in jeder Sekunde zum bel-canto aufgerufen. Wenn die Stimme das nicht mehrverlässlich garantieren kann, wird qaus dem Bel-canto ein bell-canto. Allein den asnatz dazu wird jemand wie dessay nciht ertragen kônnen und rechtzeitg dei Notbremse ziehen.
Ich habe eine ihrer Aminas der pariser serie gehört und ihre stimme kaum erkannt- sie hatte so hörbarte Probleme, dass ich wirklich fûrchtete sie halte nciht durch und höre ganz auf.
Das Drama einer solchen sehr leichten Stimme ist einfach, dass sie besonders fragil ist und eventuell spielen hier auch rein biologische Prozesse eine Rolle. Natalie Dessay dûrfte nciht weit von der Menopause sein, die bei manchen Frauen die Stimme verändert.

Evtl wechselt sie in ein etwas schwereres Fach, was ene Traviata ja nun allemal ist. sie ihat aber vor Jahren schon angekündigt, rechtzeitig aufhören zu wollen, ehe die Leute wünschen, sie wûrde aufhören.
Sie môchte sich dann ihrer ersten grossen Leidenschaft, dem Sprechtheater widmen. Eigentlich wollte sie ja Schauspielerin werden und ist als Puck dann fürs Musiktheater entdeckt worden......

Liebe Grüsse von Fairy Queen, wieder mit Internetanschluss :hello
Severina (27.04.2010, 15:44):
Meine Lieben,
abwesenheitsbedingt kann ich erst heute antworten, aber Fairy hat es ohnehin schon gesagt: Eine so intelligente und vor allem selbstkritische Sängerin wie Natalie Dessay weiß und spürt einfach, wenn sie eine Partie nicht mehr 100%ig im Griff oder besser in der Kehle hat, und dass sie dann - im Unterschied zu so vielen anderen - die Konsequenz daraus zieht, nötigt mir wirklich Respekt ab. Natürlich kann sie an Tagen, wo alles passt, sie in Bestform antritt, noch eine wunderbare Amina singen, aber wie oft passt schon wirklich alles?? Die erste Amina dieser Sonnambula-Serie gelang ihr ausgezeichnet, die zweite war OK, die dritte natürlich immer noch nicht schlecht, aber doch ziemlich von dem entfernt, was man sich von dieser Sängerin erwartet. Und das ist für die hohen Ansprüche, die Natalie Dessay an sich selbst stellt, einfach zu wenig.
Ich bin überzeugt, dass sie schon in Paris die Rolle zurückgelegt hätte (Nach Fairys Höreindrücken zu schließen), wäre sie nicht Holender im Wort gewesen, ausnahmsweise diese drei Repertoirevorstellungen zu singen. Denn wie ich schon bei meiner Kritik erwähnt habe: Diese Aminas waren ihr Dankeschön und Abschiedsgeschenk für Holender!

lg Severina :hello
Fairy Queen (29.08.2012, 21:15):
Für die Fans von Natalie Dessay bzw die, die ihre Karriere verfolgen. In der neuesten Ausgabe der frz. Musikzeitschrift Classica hat sie ein langes interview gegeben. Natalie Dessay ist inzwishcen 47 Jahre alt und hat in den letzten 10 Jahren mit einem Stimmfachwechsel vom reinen Koloraturfach ins leichte lyrisiche Fach allerhand Höhen und Tiefen durchlebt. Sie sagt, sie mûsse nun eine Bilanz ziehen und über ihre Zukunft entschieden und hat für 2015 ein Sabbatjahr angekündigt. Ob sie danach zur Opernbühne zurückkehrt, weiss sie noch nciht. Sie hat in der letzten Saison mehrere geplante Vorstellungen absagen mûssen , u.A. eine Manon an der Scala unter der Regie von Laurent Pelly. Dagegen ist sie an eine andere Manon an der Bastille/Paris vertraglich "geknebelt" worden, aus der sie aussteigen wollte, aber nciht konnte, da ma nihr ienen prozess androhte. Ursprünglich sollte Pelly Regie führen und Villazon des Grieux singen, aber dann kam alles anders und sie fand sich in einer in ihren Augen grâsslichen Inszenierung wieder und fühlte sich so unwohl wie nie zuvor. Ihre Stimme habe daran serh gelitten sagt sie. Sie wird die Manon von Pelly aber in Toulouse und London singen. Natalie Dessay ist nach eigenen Angaben viel mehr Schauspielerin als Sängerin und serh selbstkritisch und skeptisch. Sie bedauert schon seit je, eine leichte Koloraturstimme zu haben," mit der man nur schauspielerisch relativ uninteressante Rollen singen kônne oder aber Rollen, fûr die sie sich nun zu alt fûhle". Sie sieht ausser der Blanche de la Forcce oder der Antonia kaum noch neue Rollen für ihre Stimme, die sie wirklich reizen. Das, was sie im Opernbereich noch sie singen môchte sagt, sie, gibt ihre Stimme nciht her. Ein echtes Dilemma.
Sie hat aber Les contes de Hoffmann unter Marc Minkowski, wo sie alle Frauenrollen singen sollte, ebenfalls wegen Erschöpfung abgesagt. Schade!

Natalie Dessay möchte sich zunehmend dem Chanson und Liedern widmen und es gibt bereits einen eigens für sie komonierten Zyklus von Michel Legrand der demnâchst auf Cd erscheinen soll.
Ich drücke ihr Daumen, dass sie einen guten Weg fûr sich und ihre weitere Laufbahn findet. Sie ist in einem für Frauen ohnehin schwierigen Alter und fûr Sängeirnnen war das von jeher ein Kreuzweg. sie hat auch ihren äusseren Look ziemlich verändert und trägt nun enen blond gefärbten Pagenkopf.
Mir hat ihre hinreissende Stimme und ihr Bühnentalent so viele schône und herausragende Momente geschenkt, dass ich serh dankbar bin für das, was sie mir gegeben hat
F.Q.
Billy Budd (31.08.2012, 13:14):
Also bei diesem "Freijahr" bin ich schon skeptisch. Waltraud Meier hat sich ja auch ein solches genommen und war hernach - das weiß ich von mehreren zuverlässigen Personen - viel schlechter als vorher. Und auch Peter Weber hat nach einem Mandryka angekündigt, ein Jahr pausieren zu wollen und ist dann nie mehr aufgetaucht.

Sie war - das steht außer Zweifel - eine tolle Sängerin, aber jetzt wünsche ich, sie hörte auf.
Billy :hello
Fairy Queen (31.08.2012, 15:03):
Lieber Billy, ich denke, das weiss sie selbst und das geht aus dem Interview auch ziemlcih deutlich hervor. Sie wird sicher nciht ganz aufhören zu singen, aber wahrscheinlich ihre internationale Opernkarriere beenden. Was soll auch ein leichter lyrsicher Sopran ohne grosse Stimmentwicklungsmöglchkeiten in diesem alter noch glaubwürdig auf der Bühne singen? Natalie Dessay ist ein echter Koloratursopran gewesen und sie wird niemals ein lyrischer Sopran werden . Selbst Barbara Bonney, die viel lyrischer ist als Dessay hat mit 50 auf der Opernbühne aufgehört, weil die Rollen einfach nicht mehr passten und sie keine schwerstimmigeren Rollen singen wollte/konnte. Irgendwann hilft auch das beste Schauspieltalent nciht mehr und wenn man nicht die amerikanische Barbiepuppenmentalität hat und sich ständig verjüngen lâsst (für jemanden wie Dessay jenseits der Vorstellung) kann man trotz Maske etc das Alter nciht ewig verbergen. Es gibt sicher Bühnen und Regisseure die gnâdiger mit älteren Sängern sind, aber es gibt eben auch das Regietheater und jungen Nachwuchs fûr den Platz gemacht werden sollte. Ich denke, dass Natalie Dessay das Beste was ihr in der Oper môglich ist, gegeben hat und dass sie nun mit Theater- und anderen Bühnenaktivitâten besser fahren wird als mit der Oper. Nichts ist letztlich peinlicher als ein Star, der nur noch ein Schatten seiner selbst ist, aber es ist leider auch wahnsinnig schwierig für Opernsänger aufzuhören, denn der Gesang war in vielen Fällen ja ihr Leben. Wohl dem, der dann noch andere Lebensinhalte hat. Bei Natalie Dessay bin ich diesbezüglich aber sehr zuversichtlich.
F.Q.
Severina (31.08.2012, 15:24):
Liebe Fairy,
das sehe ich genauso! Ich mache mit auch keine Sorgen um Natalie Dessay, weder dass sie den richtigen Moment zum Aufhören verpasst, noch dass sie danach in ein tiefes Loch fällt. Vielleicht klappt es dann ja auch mit ihrem Traum, einmal in einem Thomas-Bernhard-Stück auf der Bühne zu stehen. "Der Ignorant und der Wahnsinnige" wäre ihr ja auf den Leib geschneidert :W!

lg Sevi :hello
Billy Budd (31.08.2012, 20:32):
Liebe Fairy,
Nichts ist letztlich peinlicher als ein Star, der nur noch ein Schatten seiner selbst ist, aber es ist leider auch wahnsinnig schwierig für Opernsänger aufzuhören, denn der Gesang war in vielen Fällen ja ihr Leben.
da stimme ich Dir zu. Ich finde es nur schade, dass sie ihre Wiener Auftritte mit einer total verunglückten Traviata beschlossen hat und es nicht mit der Amina (April 2010) belassen hat.

Übrigens besitze ich diese CD (Sinopoli-Ariadne), die es übrigens derzeit bei Amazon um € 5,18 gibt, und bin schon gespannt, wie sie mir gefällt.
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41LYUWfl2LL._SL500_AA300_.jpghttp://ecx.images-amazon.com/images/I/51QRihQHSZL._SS350_.jpg
Billy :hello

P.S.: Eine Korrektur zu Meier: Mit "viel schlechter als vorher" meinte ich, dass sie eine wirklich tolle Sängerin war (bzw. mit Abstrichen jetzt noch ist) und derzeit nicht "schlecht" ist, aber dennoch einige stimmliche Qualitäten verloren hat.
ar (01.09.2012, 16:51):
Nichts ist letztlich peinlicher als ein Star, der nur noch ein Schatten seiner selbst ist

weder dass sie den richtigen Moment zum Aufhören verpasst

Tut mir leid, aber beide Punkte sind bei Frau Dessay leider schon eingetreten. Mit der Violetta hat sie beides erreicht.

Das sind (selbst wenn man sie NICHT mit früheren Dessay-Aufnahmen vergleicht) nur noch Bruchstücke einer Stimme, mit der sich andere nicht mehr auf die Bühne trauen würden. Es gibt auch solche, die in so einem stimmlichen Zustand noch auf die Bühne gehen und leider gehört die Dessay nun auch dazu.

Ich fand schon ihre Cleopatra grenzwertig (sie soll da aber krank gewesen sein), aber seit ihren Violettas ist es (rein von der gesanglichen Seite her) einfach nur noch schlecht.

Mir fällt es schwer, mich objektiv zu Frau Dessay zu äussern, da ich sie lange Zeit verehrt habe und es mir unmöglich ist, zu vergessen wie sie früher klang (und ich denke da nicht einmal zwingend an das Koloraturgezwitscher, sondern auch an viele schöne, lyrische Stellen).

Nehmt mir das bitte nicht übel und :hello
Billy Budd (01.09.2012, 17:04):
Ich nehm Dir das bestimmt nicht übel, Du hast da vollkommen recht. Es muss erlaubt sein, zu einem Sänger, auch wenn er hier eine relativ große Fangemeinde hat, kritische Worte zu finden!
Billy :hello
ar (01.09.2012, 18:48):
Mir tut eigentlich mehr weh, dass ich selbst zu dieser Fangemeinde gehöre...
ar (01.09.2012, 19:15):
Hier noch ein Auftritt jüngeren Datums, der mir eigentlich doch noch sehr gefallen hat:

http://www.youtube.com/watch?v=jbEWhiWGRzk

Frau Dessay singt gleich am Anfang mit Stéphane Degout.
Fairy Queen (02.09.2012, 10:41):
Lieber Ar,danke für den schönen Link. Ich fand die Cleopatra übrigens überhaupt nicht schlecht und das Barockfach bzw genauer: der sängerfreundliche Händel tun gestressten Stimmen oft gut. Allerdings habe ich die Rolle als Gesamtpaket gesehen und das hinreissende Spiel gehörte für mich genauso dazu wie die Stimme, deren Schönklang ich in dieser Rolle in weiten Teilen wiedergefunden habe.
Meine absolute Lieblings-Cd mit N.D. ist ihre allererste, die Mozart-Konzertarien.

Da sie einer der ganz wenigen echten Koloratursoprane mit einer warm und wirklich unverwechselbar schön timbrierten Stimme ist, ist sie m.E. in diesem Repertoire nciht zu toppen. Wer kann schon "Popoli di Tessaglia" singen oder das noch schwierigere "Vorrei spiegarvi o Dio" und wenn ja , dann so schön ?????? Oft klingen echte Koloraturstimmen etwas schrill oder kühl oder ncihtssagend.

Natürlich darf man Sänger kritisieren, solange man sich darüber klar ist, das das auf sehr hohem Niveau passiert und man nciht von vorneherein bestreiten will, dass diese Leute singen können. Ich höre mir z.B. niemals freiwillig einige grosse Stars wie etwa Elisabeth Schwarzkopf oder Barbara Hendricks an, einfach weil ich die Stimmen und die Art zu singen nicht mag. Dass beide Damen singen können bestreite ich dabei aber nie. Das ist einfach ein Grundrespekt und eine Grund-Gerechtigkeit, die man nie vergessen sollte.

:engel
ar (02.09.2012, 12:41):
Liebe Fairy Quenn

Danke, dass du auf die tolle CD hinweist, Mozart und Dessay waren für mich immer ein Dreamteam (die Pamina und die Konstanze gefallen mir eigentlich noch mehr, als Königin der Nacht und Blonde). Wenn ich Frau Dessays "Tiger, wetze nur die Klauen" höre, dann verblassen Damrau und Co. sofort (und ich mag die Damrau noch ein bisschen mehr, als Dessay).
Aber wie andere bereits erwähnt haben, um Dessays Zukunft mache ich mir keine Sorgen. Die schafft es auch als Schauspielerin.

LG
Solitaire (03.09.2012, 09:36):
Original von Fairy Queen
L Wer kann schon "Popoli di Tessaglia" singen oder das noch schwierigere "Vorrei spiegarvi o Dio" und wenn ja , dann so schön ??????
l
Reri Grist? :beer
Ist ja aber auch schon ein paar Donnerstage her.
Danke für die Informationen, ich bin ja auch bekennder Dessay-Fan und irgendiwe war klar, daß es mit der internationalen Opernkarriere bald zuende gehen wird. Ich bin einfach gespannt, was in Zukunft von ihr kommt. Ihre Violetta kenne ich nur in auszügen und so schlecht fand ich sie eigentlich gar nicht, aber vielleicht hatte ich es ja auch an den Ohren oder habe mich von ihrer Bühnenpräsenz benebeln lassen :wink
Fairy Queen (03.09.2012, 13:17):
Liebe Solitaire, von Fan zu Fan: ich fand die Violetta auch nicht so schlecht, wie sie allgemein kritisiert wird. Aber die Rolle ist grundsätzlich zu dramatisch für N.D. udn das weiss sie auch selbst. Sie hat daraus gemacht, was sie eben mit dieser Stimme machen kann und die Violetta war ein uralter Traum den sie sich am Ende ihre Bühnenlaufbahn erfüllen wollte und konnte. Leider war ihre Stimme schon zu müde und angestrengt um wirklich zu glänzen (wengistens im Koloraturteil) aber einen totalen Verriss hat sie m.E. nciht verdient. Es kommt aber immer darauf an, mit wem man das vergleicht und welche Massstäbe man anlegt. Noch ein Satz für die Wiener: Dessay hat im besagten Classica-Iinterwiev als eines ihrer schônsten und glûcklichsten Erlebnisse die Verleihung der Kammersängerinnenwürde durch Holender genannt.
:engel

F.Q.

P.S. Reri Grist kenne ich nicht mit Mozart-Konzertarien. Hat sie denn auch ein so schônes Timbre gehabt?
Billy Budd (12.06.2013, 15:07):
“I want to change my life,” she says to me. “I want to go into straight theatre.”

In September, Natalie will be in Toulouse to sing Massenet’s Manon. It may be her last appearance on the operatic stage.

“Yes, I think so. I did my real ‘debut’ in Toulouse, in the chorus. I had started off as an acting student. That was my real passion. That is my real passion. It’s just a detour of thirty-three years—to finally get back to my first goal. There’s nothing left for me to sing. I’ve done most of the roles I could do. I don’t want to play Juliette. At my age? Please! Or Lucia or Adina or anything else like that. That’s why I’m quitting. You have to love your repertoire. For a while I thought it was fun, but no. On to something else.”
Quelle: Link, letzter Aufruf am 12. Juni 2013.

Gut so!
Billy :hello
Severina (12.06.2013, 15:43):
Das ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt sicher eine sehr vernünftige Entscheidung, und ich wünsche dieser charismatischen Künstlerin alles Gute für ihren neuen Lebensabschnitt!
Danke, Natalie Dessay, für die vielen wunderbaren Aufführungen an der WSO!

lg Severina :hello

PS: Ich wünschte, auch so manche(r) KollegIn von Frau Dessay hätte die Einsicht und Größe zu sagen "So, Freunde, das war's!" Man hätte sie/ihn zweifellos in besserer Erinnerung, wenn man nicht Zeuge des qualvollen Abstiegs sein müsste....
Fides (13.06.2013, 10:28):
"Muss" man denn?

LG
Fides ?(
Fairy Queen (13.06.2013, 22:21):
Danke für diese Nachricht, auf die ich schon längere Zeit gewartet habe. Natalie Dessay hat vollkommen Recht- wenn man eine Opernrolle singt, muss man sich in dieser Rolle auch wohlfühlen und obschon ich nciht dem Jugendwahn huldige, finde ich auch, dass eine fast 50 jährige Juliette oder Manon fehl am Platz sind. Als Koloratursopran ist man ausser Königin der Nacht und wenigen anderen Ausnahmen auf blutjunge Mädels abonniert und auch wenn Edita Gruberova da keine Berührungsängste zu haben scheint, kann ich N.D. gut verstehen. Je ernster man den Theateraspekt der Oper nimmt, desto unglaubwürdiger fühlt man sich. Ich singe/spiele nächste Woche in mehreren Aufführungen Auschnitte aus Lakmé und Perlenfischer und ich merke an mir selbst, dass ich trotz aller rationalen Einsicht Identitâtsprobleme mit diesen Rollen junger Mädchen habe. Die Schminkschichten werden dann immer dicker und das kann ja nicht Sinn der Sache sein. Und das ist nur ein kleiner Rahmen. Im grossen Rahmen auf internationalen Bühnen und mit brutal ehrlichen Kameras und massenweise Kritikern, die kein Blatt vor den Mund nehmen, ist das um ein Vielfaches potenziert, denke ich mir.
Ich danke Natalei Dessay ebenfalls von ganzem Herzen für die wunderbaren Musikerlebnisse, die sie mir beschert hat. Von allen lebenden Sängerinnen war sie das grösste Vorbild für mich und in den Mozart- Konzertarien sowie als Lakmé ist sie unerreicht. Ich sehe niemanden mit einer so natur-schônen Stimme in diesem Stimmfach, das Timbre ist einfach
einmalig. Diana Damrau mag wesentlich vielseitiger und robuster sein und ich bewundere sie sehr, aber mir gefällt Dessays Stimme an sich besser. Ich wünsche ihr ganz viel Erfolg bei ihrer zweiten Karriere als Theaterschauspielerin, die ja eigentlich als erste Karrriere geplant war und hoffe, sie in diesem Fach dann auch live bewundern zu kônnen.
Liebe Grûsse ringsum von Fairy Queen
stiffelio (31.05.2014, 21:36):
Natalie Dessay ist bisher die einzige Sängerin, deren Stimme ich in der Regel schon nach wenigen Takten erkennen kann. Sie hat ein ganz spezielles, unverwechselbares Timbre, das mich völlig in den Bann zieht, auch wenn ich es leider mangels Vokabular nicht beschreiben kann. Es wird besonders deutlich, wenn sie ihre Stimme in die Höhe schraubt und es verhindert, dass ich ihre Stimme jemals als schrill empfinde. Sie ist dadurch bis heute die einzige Sängerin geblieben (ich bin ja sonst eher auf Männerstimmen abonniert), von der ich mir manche Aufnahmen nur deshalb zugelegt habe, weil sie im Ensemble mitsang.

So habe ich jetzt auch eine "Entführung aus dem Serail" aus Genf von 2000 hauptsächlich deshalb durchgehalten, weil sie die Konstanze sang. Und obwohl es in der Summe faszinierend war, geht es mir tendentiell anders als der Mehrheitsmeinung hier im Thread:
gerade bei Mozart empfinde ich die Stimme bzw. Stimmgestaltung von Dessay eher einen Hauch zu dramatisch. Ich höre sie tatsächlich noch etwas lieber in romantischen Opern. Ihre Ophelia, ihre Lucia und ja, auch ihre Violetta (selbst wenn das komplette Inkompetenz in Stimmfachbeurteilung bedeuten mag) sind für mich(!) das Nonplusultra, einfach nur traumhaft!
Geht das nur mir alleine so, liegt es an meinen persönlichen Hörgewohnheiten, dass ich Dessays Stimme primär nicht als Mozartstimme empfinde, zumindest nicht in der o.g. Aufnahme aus Genf?
Wer mal hineinhören will:
Ach ich liebte
Martern aller Arten

Dagegen versetzt mich das hier einfach nur in Eksatase: Doute de la lumière

VG, stiffelio
palestrina (01.06.2014, 16:14):
Hallo stiffelio, habe mir heute mal den Mozart angehört mit's Natalie, spontan kann ich dir zustimmen,
aber im Detail sehe ich das etwas anders. Auf der Mozart Heroines CD sind sehr berührende Arien zuhören, z.B aud der EadS , Traurigkeit ....und aus der Zauberflöte, Ach, ich fühls ...sowie aus Idomeneo,Zeffiretti lunsinghieri....!
Das singt sie mit einer solchen Innigkeit , aber die Königin der Nacht ist einfach nicht gut, auch die Martern Arie gefällt mir gar nicht. Habe überlegt ob das auch mit der deutschen Sprache zusammenhängen kann, denn eigentlich ist das ja ihr Fach!
Sicher kommen die hohen Töne aber das ist nur gewollt .
Die Ophelia von ihr ist wunderschön, auf der CD , Airs d'opéras français ist die Wahnsinnszene das ist einfach Grandios . Was mir auch sehr gut gefällt ist die Schattenarie aus Le Pardon de Ploërmel.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0724354544729.jpg

LG palestrina
stiffelio (01.06.2014, 18:46):
Hallo palestrina,
du hast schon recht, ich habe gestern noch einen Link mit "Ach, ich fühl's" gefunden und dabei hat sie mir noch besser gefallen als als Konstanze. Es ist ja auch beileibe nicht so, dass ich ihre Konstanze schlecht fände. Ich war nur so gewohnt, Dessay in allem, was ich bisher von ihr gehört habe, als das Maß aller Dinge zu empfinden, dass es mich irritiert hat, dass ich als Konstanze andere Sängerinnen (wenn auch wenige) vorziehen würde.
Ich kann es nur ganz schlecht beschreiben, vielleicht am besten so, dass ich Dessays Stimme als ungeheuer charaktervoll empfinde. Bei Lucia oder Ophelia würde ich mich ohne eine solche Stimme in den langen Arien langweilen. Bei der EadS trägt mich voll die Musik selbst, und die wurde durch Dessays ausdrucksstarke Stimme fast "gesprengt". Ich kann mir aber auch vorstellen, dass mich das in isoliert dargebotenen Arien im Konzert oder auf CD weniger irritieren würde, als in einer kompletten Oper "am Stück".

VG, stiffelio