Toni Bernet (23.12.2020, 20:32):
Wer Oliver Knussen einmal live dirigieren sah, war von seiner nicht nur körperlich mächtigen Erscheinung beeindruckt. Dass ein solcher Mann aber auch sehr sensible, feine Musik schreiben konnte, bewies mir eine Aufführung seines Violinkonzertes in Zürich mit der amerikanischen Geigerin Leila Josefowicz. Ein Erlebnis, das mir im Gedächtnis haften blieb.
Dank und mit einer CD-Aufnahme von Knussens Violinkonzertes an den Proms in London will ich diesem Musikerlebnis nochmals nachspüren. Es gibt zudem erfreuliche Anzeichen, dass Knussens Violinkonzert in letzter Zeit doch vermehrt programmiert wird.
Von Anbeginn seines künstlerischen Schaffens war Oliver Knussen sowohl als Komponist wie auch als Dirigent aktiv. Er trat als Dirigent besonders für das zeitgenössisches Schaffen seiner Komponistenkollegen des 20. Jahrhunderts ein. Als Komponist hinterlässt er nach seinem plötzlichen Herztod 2018 ein eher kleines, aber präzis gestaltetes Werk, mit Kammermusik, 3 Sinfonien und mit einer bekannt gewordenen Oper nach dem Kinderbuch «Wo die wilden Kerle wohnen». Sein Violinkonzert ist zwar erst 2002 uraufgeführt worden, aber ich zähle Oliver Knussen in der Nachfolge von Berg und Britten doch eher zu den Komponisten des 20. Jahrhunderts. Sein Violinkonzert ist zudem Pinchas Zukerman, einem der grossen Geiger des 20. Jahrhunderts, gewidmet. Knussens Musik ist freitonal, funkelnd instrumentiert, faszinierend zu hören, in Momenten magisch und brillant imaginiert. Seine Werke sind meist eher kleinformatig angelegt. Oliver Knussen sagte selbst: "Ich mag lieber ein paar Minuten verzaubert sein, als eine Stunde hypnotisiert werden." Sein Violinkonzert dauert denn auch nur knappe 16 Minuten. Zudem werden die drei Sätze Rezitativ, Aria und Gigue ohne Pause gespielt, als wären sie e i n szenischer Auftritt in einem Theater.
Ein einführender Höröffner findet Ihr auf
Oliver Knussen: Violin Concerto op. 30 (2002) - unbekannte-violinkonzerte Webseite! (jimdofree.com)
oder
www.unbekannte-violinkonzerte.jimdofree.com
Frohe Weihnachten allen Klassikforum-Mitglieder
Toni