Falstaff (21.05.2017, 00:45): Sicherlich kollidiert dieser Thread ein wenig mit 'Gerade gehört', doch finde ich, dass dort oftmals nicht der Raum ist, eine Aufnahme genauer vorzustellen und zu diskutieren. Da soll nun dieser hier, wenigstens aus dem Opernbereich, Abhilfe schaffen.
Dies ist, wie gesagt, eine Aufnahme der Zweitbesetzung der Scala-Ballo-Produktion von 1956 unter Gavazzeni. Die Premiere sangen Callas, Simionato, di Stefano und Bastianini unter dem selben Dirigenten, der leider nicht die Studio-Aufnahme mit der Callas im folgenden Jahr betreuen durfte.
Den wesentlichen Unterschied machen natürlich die Neubesetzung der beiden Damen aus.
Stella, deren hier sehr dunkles Timbre mich überrascht hat, kenne ich eigentlich nur aus ihrer DGG-Carlos-Aufnahme. Ich empfinde sie als zuverlässige Sängerin ohne den Glanz des Besonderen. Genau singt sie auch hier. Das ist gut, durchaus engagiert und stimmschön. Was mich aber ganz entschieden stört, sind ihre ständigen Schluchzer und ihr hörbares, Emphase ausdrückendes Atmen. Das ist mir zu viel Verismo und gehört schlichtweg nicht zu Verdi.
Stignani, bereits 53 Jahre alt, ist dagegen, nein, keine Steigerung zur stimmschön singenden Simionato, aber eine vollgültige Alternative. Fast ein wirklicher Alt, rund und immer noch warm klingend und der Rolle das Quentchen Geheimnis und Fremdheit gebend.
Di Stefano ist stilistisch von A bis Z kein Riccardo. Passagio-Singen war nicht seine Stärke und auch nicht das Singen in der Maske. Zum Schluss des Duetts dreht er (genauso wie Stella) zu sehr auf, so dass es fast schon kein Singen, eher ein Schreien ist. Verbuchen wir das mal unter Leidenschaft. ;) Aber genau diese Leidenschaft, dieses sich in die Rolle Werfen war eben seine große Stärke und was das angeht, ist es einfach eine tolle Interpretation. Aber ich bin beim nie so richtig objektiv.
Bastianini - wahrlich kein expressiver Sänger wie Gobbi oder Cappuccilli in dieser Partie. Aber was für ein Wohlklang, was für eine technisch sichere Handhabung und auch trotzdem welch ein Ausdruck! Ein wirklicher Verdi-Bariton. Solch ein reichhaltiges Timbre, dieses Legato! Es ist immer eine Freude und eine Lust ihm zu lauschen.
Gavazzeni ist ein wunderbarer Begleiter und Gestalter. Ich hatte das große Glück ihn noch zweimal an der Scala live erleben zu können. Und genau wie damals erscheint er mir auch hier. Mitatmen, Mitfühlen mit der Musik, mit den Sängern, Akzente setzend, das richtige Tempo wählend.
Das ist bestimmt keine der großen Aufnahmen dieses Werkes. Dafür ist die Amelia doch zu schwach besetzt. Aber es ist auch mehr als eine normale Repertoirevorstellung. Ich denke, wir wären alle glücklich, heute noch einmal so etwas erleben zu können. Denn es ist schlichtweg ein packender Theaterabend, fast immer überzeugend, streckenweise großartig gesungen.
:hello Falstaff
Cetay (inaktiv) (21.05.2017, 11:03): Sicherlich kollidiert dieser Thread ein wenig mit 'Gerade gehört', doch finde ich, dass dort oftmals nicht der Raum ist, eine Aufnahme genauer vorzustellen und zu diskutieren. Da soll nun dieser hier, wenigstens aus dem Opernbereich, Abhilfe schaffen. Ich kenne das Dilemma. Manchmal will zu man zu einer gerade gehörten Aufnahme etwas mehr als einen Zweizeiler schreiben, aber es gibt noch keinen Werkthread, wo das hineinpassen würde und im Geradehör-Faden ginge es zu schnell unter. Daher finde ich diese Thread-Idee gut. Allerdings ist mit dem von dir gewählten Titel nicht klar, ob reine Cover-Postings oder Einzeiler nun hier oder dort zu finden sind und ich sehe die Gefahr, dass der andere Faden zerfleddert. Ich empfehle deswegen, den Titel zu ändern um die Kollision zu vermeiden. "Operaufnahmen - kurz vorgestellt" oder "Kurzbesprechungen von gerade gehörten Opernaufnahmen" o. ä.
Ich hörte gerade:
John Cage; Europera 5 Martha Herr (Sopran), Gary Burgess (Tenor) Yvar Mikhashoff (Klavier), Jan Williams (Grammophon), Don Metz (Tonband, Radio)
Cage's letzte Oper ist wie meisten Werke seiner späten Lebensjahre aufs Äußerste reduziert. Die Besetzung wird mit two singers, piano, tape machine operator, and lighting technician angegeben. Es handelt sich um eine Mischung aus Live-Darbietung und Konserve unter Nutzung verschiedener Technologien. Die beiden Hauptprotagonisten wählen frei je 5 Arien aus dem Standardopernrepertoire und die Begleitung wird von einem Pianisten, der Ausschnitte aus 6 Lisztschen Transkriptionen/Paraphrasen spielt, übernommen. Dazu kommen Zuspielungen aus 6 historischen Opern-Aufnahmen von einem Grammophon, weiter von einem Tonband mit einem Zusammenschnitt von 100 Opern-Fragmenten, wie sie aus den Radios von vorbeifahrenden Autos wahrgenommen würden, sowie von einem Radio, das auf einen lokalen Jazzsender eingestellt sein soll. Der Einsatz dieser verschiedenen Elemente wurde durch Zufallsoperationen bestimmt, so dass sich alle möglichen Kombination von Stille bis zur tumultartigen Collage ergeben können. Nach dem von Cage häufig angewandten Prinzip 'independent but coexistent" werden die Ereignisse immer wieder einen neuen Kontext gestellt. Die Leistung der Sänger vermag ich nicht zu beurteilen, zumal auch nicht klar ist, ob in diesem Umfeld dieselben interpretatorischen Anforderungen wie im Originalzusammenhang gelten.
satie (21.05.2017, 11:43): Ich habe den Thread-Titel wie von Cetay vorgeschlagen geändert. Sollte sich noch ein passenderer finden, sagt mir bitte bescheid.
Herzliche Grüße Satie
Falstaff (21.05.2017, 22:14): Ich empfehle deswegen, den Titel zu ändern um die Kollision zu vermeiden. "Operaufnahmen - kurz vorgestellt" oder "Kurzbesprechungen von gerade gehörten Opernaufnahmen" o. ä. :thumbup: :beer
:hello Falstaff
Falstaff (21.05.2017, 22:28):
Ich muss gestehen, dass die Butterfly in meinem Regal eigentlich recht spärlich vertreten ist. Neben der Callas-Aufnahme und dem Querschnitt mit Lorengar und Wunderlich findet sich eigentlich nur diese hier. Alle weiteren Begegnungen mit dem Werk fanden im Theater statt.
Während ich Callas und Lorengar immer wieder höre, lege ich die obige Aufnahme doch recht selten auf. Ich weiß gar nicht warum, denn sie gefällt mir, mit einigen Einschränkungen eigentlich recht gut.
Erste Einschränkung betrifft leider die de los Angeles. Sie trifft zwar genau den Ton für die junge Japanerin, aber ab und an würde ich mir doch einen volleren, runderen, von breiterer Mittellage getragen Ausbruch wünschen. Das ist, um es kurz zu sagen, zu viel Mädchen, zu viel Rolle und zu wenig Verismo.
Di Stefano hingegen finde ich großartig. Er war auch der Grund, warum ich mir die Aufnahme angeschafft habe. Das ist genau der Typ, bei dem man verstehen kann, dass sie auf ihn hereinfällt. Emphase, Verführung, Charme und trotzdem ein gewisses Maß an Unbeteiligtsein.
Gobbi überzeugte mich in positiveren Rollen nie so richtig. Ähnlich erging es mir mit Cappuccilli. Trotzdem zeichnet er ein wunderbares Porträt, Singschauspieler, der er war.
Von Gavazzeni bin ich ja nun eigentlich immer begeistert. Er hatte eben ein Händchen für den Verismo. Hier breitet er einen wunderbaren Klangteppich aus ohne ins Vordergründige zu verfallen.
:hello Falstaff
Amonasro (22.05.2017, 16:30): Erste Einschränkung betrifft leider die de los Angeles. Sie trifft zwar genau den Ton für die junge Japanerin, aber ab und an würde ich mir doch einen volleren, runderen, von breiterer Mittellage getragen Ausbruch wünschen. Das ist, um es kurz zu sagen, zu viel Mädchen, zu viel Rolle und zu wenig Verismo. Lieber Falstaff,
gerade deswegen gefällt mir Victoria de los Angeles' Butterfly besonders gut. Für mich kommt sie dem 15-jährigen Mädchen am nächsten. Sie ist eigentlich die einzige Cio-Cio-San, bei der ich nicht sofort meine, eine ältere Frau zu hören. Bei Di Stefano sind wir einer einer Meinung. Größtes Manko dieser Aufnahme ist die Tonqualität (ich habe die Ausgabe von Brilliant). Die spätere Aufnahme der los Angeles mit Jussi Björling und Mario Sereni kenne ich leider noch nicht, die Ausschnitte auf Youtube klingen aber vielversprechend.
Gruß Amonasro :hello
Falstaff (22.05.2017, 21:42): gerade deswegen gefällt mir Victoria de los Angeles' Butterfly besonders gut. Für mich kommt sie dem 15-jährigen Mädchen am nächsten Lieber Amonasro, das ist sicherlich der wirklich große Vorteil der de los Angeles. Aber vor dem inneren Ohr höre ich eben immer auch die mehr dramatischere Stimme, was vielleicht zusammen genommen kaum möglich ist. Wobei ich ja finde, dass die Callas diesem Spagat sehr nahe kommt. Aber es ist ihrer Aufnahme eben auch anzuhören, dass sie den mädchenhaften Tonfall imitiert ohne ihn natürlicherweise zu haben. Immerhin macht sie das aber sehr gekonnt.
LG Falstaff
Falstaff (22.05.2017, 22:49):
zudem Bruna Baglioni, Carlo Zardo und Carlo del Bosco.
Eine von den offensichtlich tollen Verdi-Aufführungen der 70iger Jahre hier unter der Verantwortung von Gianandrea Gavazzeni.
Einziger Schwachpunkt vielleicht gewisse Anlaufschwierigkeiten bei der Caballé in ihrer ersten Arie. Aber es ist halt live. Auch Gavazzeni findet für mein Empfinden erst im Laufe des Abends (allerdings recht bald) zur großen Form.
Aber ansonsten wirklich packendes Musiktheater, hör- und spürbar selbst auf der Konserve.
Cappuccilli in bestechender Form, auch die junge Baglioni, Caballé immer besser werdend bis hin zum leidenschaftlichen, überwältigenden Duett mit Rodolfo.
Und dann natürlich der junge Pavarotti in seinem Glanzjahrzehnt. Ihn in diesen Jahren zu loben hieße irgendwie Eulen nach Athen zu tragen. Das ist schlichtweg ein Genuss. Ein Genuss, diese stimmliche und selbstverständliche Souveränität zu hören, diese Schönheit des noch unverbrauchten Timbres, diese Intelligenz in der Gestaltung und Phrasierung, dieses Gespür für Verdi, dieses Legato und die Spitzentöne sowieso. Und aus allem resultierend eine dramatische Leidenschaftlichkeit, nicht vordergründig dargeboten, sondern aus einer wirklichen Beherrschung der stimmlichen Anforderungen.
Ein großer Theaterabend voller Dramatik, Leidenschaft, Emotion. Und ein großer Abend für Verdi!
:hello Falstaff
palestrina (22.05.2017, 23:52): Ich komme nochmal auf die Butterfly zurück ...
, AD 1963
diese meine allerliebste Madama Butterfly GA, mit zwei ganz hervorragenden Sängern als Butterfly L.Price und R.Tucker als Pinkerton, die Price singt mit allen Facetten und Farben eine zu Herzen gehende Cho-Cho-San, (trotzihrer ehrabschneidenden Verwandtschaft) aber mit den Jahren und Kind wird aus der zarten Kirschblüte eine Frau, die immer noch an die Liebe glaubt und nach Pinkertons Rückkehr bitter enttäuscht wird. Tucker singt mit erlesener Stimme den gleichgültigen aber durchaus auch leidenschaftlichen Pinkerton, für ihn nur ein Abenteuer und doch überMann/t ihn durchaus auch die Leidenschaft und zum Schluss auch so etwas wie Gefühl ? oder ist es doch nur Mitleid!? Das alles können beide hervorragend umsetzen! Oft wird diese Oper als Kitsch bezeichnet, dann ist hier aber Kitsch Kunst und Kunst kommt bekanntlich von Können, ein Hoch auf Puccini !
LG palestrina
Falstaff (23.05.2017, 00:07): Oft wird diese Oper als Kitsch bezeichnet, Wenn dem so ist, lieber Palestrina, dann sind die Interpreten umso höher zu schätzen, die mit ihrem Können aus dem vermeintlichen Kitsch Kunst zu erschaffen vermögen.
Ich denke, ich werde mir die Price-Aufnahme mal bestellen, auch weil sie gerade bei Amazon sehr preiswert zu haben ist. Wie schätzt du denn Leinsdorf ein?
LG Falstaff
palestrina (23.05.2017, 00:12): Wie schätzt du denn Leinsdorf ein? LG Falstaff Für mich ist und war Leinsdorf immer ein Dirigent mit Leidenschaft, der auch die Sänger mitreissen konnte, so auch hier!
LG palestrina
palestrina (23.05.2017, 00:16):
Die Studio GA entstand sogar ein Jahr früher ......
AD 1975
eventuell ;) demnächst mehr!
LG palestrina
Falstaff (23.05.2017, 00:23): Die Studio GA entstand sogar ein Jahr früher ...... Ich besaß sie damals als LP, allerdings hat sie es bei mir nie zu CD-Ehren gebracht, was sicherlich nicht an der möglichen Qualität hing. Ich müsste sie wirklich nochmal hören, um einen Vergleich zu haben.
Danke für deine Einschätzung zu Leinsdorf. Fast hätte ich ihn in Hamburg noch einmal erlebt. Er sagte dann aber wegen Krankheit ab, was ich bis heute bedaure.
LG Falstaff
palestrina (23.05.2017, 17:40): Auch diese Madama Butterfly gehört zu den besten was vorallem der Scotto und ganz besonders Barbirolli zu verdanken ist ...
AD 1966
die Scotto singt eine sehr ausgeglichene Butterfly mit gelegentlich einigen Schärfen, passt aber ganz gut zu der Figur, ich war nie der große Scotto Fan, aber das hier hat mir immer gut gefallen, dagegen fällt der wunderschön singende Bergonzi aus der Rolle, das ist keine Portrait des Pinkerton, sondern nur schön gesungen, aber was Barbirolli hier darbietet ist nicht nur vom feinsten, nein vom allerfeinsten, er hatte auch eine besondere Affinität zur ital.Oper, und das merkt man seinem Dirigat auch an, dafür gibt es eine glatte :times10 . Hier muss man auch den Sharpless des Panerei erwähnen und auch die wunderbare Anna di Stasio, die oft leider nur die Nebenrollen gesungen hat, ähnlich wie Piero di Palma.
Noch eine Butterfly soll wenigstens erwähnt werden ...
AD 1953
Feruccio Tagliavini und Clara Petrella geben ein gutes schönstimmiges Paar ab, erreichen aber nicht ganz die ihnen zu gedachte Rollen Gestaltung, das tut aber Giuseppe Taddei als Sharpless. Das Orchester erreicht nicht mehr als Routine, wenn ich hier das Böse Wort vom Kitsch benutze, hier trifft es in gewisser Weise zu. Es war aber beim jetzigen hören doch ganz vergnüglich!
LG palestrina
palestrina (23.05.2017, 23:40): Eben habe ich diese ganz herrliche Luisa Miller gehört ...
AD hier 1974 in meiner Aufnahme steht 1969 !?
Auf jedenfall ist dies Live Aufnahme von ganz erlesener Qualität, es gibt keinen gesanglichen Ausfall, was nicht so oft vorkommt, aber hier kann ich das bescheinigen, die leider etwas unter präsentierte Gilda Cruz Romo singt eine ganz wohltönende Luisa die sich wahrlich nicht zu verstecken braucht, Pavarotti, finde ich, hat wohl ein besonderes Verhältnis zu der Partie denn er singt auch hier sehr ausdrucksvoll und mit erlesenem Timbre einen geradezu fantastischen Rodolfo. Der Bass Feruccio Mazzoli, mir ansonsten nicht bekannt, eine prächtigen bösartigen Wurm, Manuguerra als Miller, sowie Raffaele Ariè als Conte gestalten mit wohltuenden Stimmen ihre Rollen perfekt. Anna die Stasio s.o., und Cristina Angelakova fügen sich untadelig bestens in das vorzügliche Ensemble. Maag hat wohl auch eine besondere Affinität zur dieser Oper, das ist auf hohem Niveau. Zu erwähnen wäre noch, es ist bestes Stereo!!!
LG palestrina
palestrina (24.05.2017, 23:55): Verdis Lieschen Müller in dieser Interpretation ...
AD 1991
also diese GA reicht nur in Teilen an die Maag Aufnahme heran, was ich für sehr gut halte ist Levines Dirigat, das hat Schwung und Elan wo es hingehört und Emphase im 3 ten Akt. Für meine Ohren ist Domingo dem entwachsen was er darstellen sollte, nämlich einen jungen Mann, Aprile Millo singt eine gute Luisa und Florence Quivar ist ebenfalls gut, jedoch sind mir die Stimmen zu ähnlich. Punkten können dagegen die restlichen Herren, hervorheben möchte ich besonders Paul Plishka als Wurm, von ironisch bis böse!
Nicht unbedingt eine Kaufempfehlung! :D
LG palestrina
Falstaff (25.05.2017, 00:32): Danke, lieber Palestrina, für die beiden Vorstellungen. Kennst du eigentlich Carreras in der Partie und wie schätzt du ihn ein?
Ich habe ihn vor Äonen darin mal live gehört und war damals sehr angetan. Allerdings bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich das heute auch noch so hören würde.
LG Falstaff
palestrina (25.05.2017, 08:34): Danke, lieber Palestrina, für die beiden Vorstellungen. Kennst du eigentlich Carreras in der Partie und wie schätzt du ihn ein?
Ich habe ihn vor Äonen darin mal live gehört und war damals sehr angetan. Allerdings bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich das heute auch noch so hören würde.
LG Falstaff Ich habe diese Aufnahme mit anderem Cover von Legato Classics, dieses Dreigestirn (nicht das Kölner :D ) ist genau so gut wie das obige mit Maag, allerdings finde ich Bruson als Miller um entscheidendes besser als Manuguerra, besonders stark im letzten Duett! :I Die Ricciarelli ist eine gute Luisa, wobei ich hier die Cruz Romo einen Tick besser finde. Und Carreras, mein absoluter Liebling, ist am Anfang ein schwärmericher Rodolfo der dann am Schluß an den Intrigen zerbricht! Carreras schrieb dazu, dass es ihm leider nicht gegönnt war eine Studio Einspielung zu machen ! :( Schade, so muss man sich mit dieser GA begnügen!
LG palestrina
Falstaff (25.05.2017, 23:12): Danke, lieber Palestrina, für diese Einschätzung. In der Tat ist es schade, dass eine Studio-GA mit Carreras nie zustande kam. Ricciarelli ist dagegen ja besser dokumentiert. Ich erinnere mich an ihre Hamburger Luisa schemenhaft. Glaube aber, dass sie damals noch ziemlich gut darin war. Später habe ich ihr Desaster in Mailand erlebt (und es war wirklich ein Desaster), dass ja eigentlich der Anfang vom Ende ihrer Karriere war. Schade, dass sie doch immer wieder zu sehr über ihr eigentliches Fach hinausgegangen ist.
LG Falstaff
palestrina (26.05.2017, 00:15): Ich habe mir heute mal die Nachfolge Oper von Luisa Miller meinen Ohren gegönnt, nämlich Stiffelio ...
AD 1980
Die Frage, welche von Verdis Opern am meisten vernachlässigt worden sei, muss die Antwort Stiffelio heißen. Es ist auch die ungewöhnlichste von Verdis Opern, UA 1850 in Triest, aber der Oper war kein Glück beschieden, schon durch die Zensurbehörde wurde das Werk bei der UA arg verstümmelt, und das Publikum stand dem Sujet auch eher ablenend gegenüber, ein protestantischer Pfarrer dessen Ehefrau Ehebruch beging, und das alles im katholischen Italien. ;) Auch der Umarbeitung in Aroldo sollte es nicht besser gehen.
Ich finde die Oper einfach GUT , ein anderer Verdi, aber ein sehr hörenswerter! :thumbsup: Und diese Aufnahme ist vortrefflich, Carreras und Sass, hier passt alles wie das Tüpfelchen auf dem i, ja sogar Manuguerra gefällt mir ausgesprochen gut hier!
LG palestrina
palestrina (26.05.2017, 23:17): Auch diese eher vergessene Oper des mittleren Verdi ist sehr außergewöhnlich ...
AD Scala 1961
UA 27.1.1849 Teatro Apollo Rom ....marzialische Klänge, patriotische Chöre, (1 Akt „ Viva Italia!) Schwüre, Liebe und die Ermordung F.Barbarossas* im letzten Akt, also das ganze Programm für diese heroische Oper, die es lohnt kennengelernt zu werden. Hier ist Corelli in seinem Element, Bastianini ein würdiger Freund/Rivale, und die Stella macht da gekonnt mit. *Barbarossa starb allerdings nicht wie in der Oper angedeutet, sondern erst 1190 während des 3. Kreuzzugs. Nach der Schlacht von Legnano, hielt die siegreiche Situation nicht lange an und die Oper durfte nur noch in Rom (römische Republik) gespielt werden. Im restlichen Italien wurde sie mit neuem Titel und Protagonisten in die spanisch besetzten Niederlande verlegt, mit dem Titel „ L'assedio di Arlem" ! Nach gänzlicher Änderung der politischen Situation zu Ungunsten der Italiener verschwand die Oper weitgehend von den Spielplänen. Verdi hielt viel von seiner Oper und wollte sie fünf Jahre später für eine Wiederaufführung bearbeiten, es kam aber nicht dazu. Als Anhang große Szenen und Arien mit Leyla Gencer aus einer Aufführung aus Triest unter F.Molinari-Pradelli vom 8.3.1963.
LG palestrina
PS: ganz Preiswert beim Urwaldfluss!
palestrina (27.05.2017, 13:49): Der Patriotismus geht in die zweite Runde „Viva Italia" ...
AD 1977
Carreras legt die Partie des Arrigo differenzierter an als Corelli und bildet mit Ricciarelli ein hervorragendens Paar, denn was die Ricciarelli und Carreras hier abliefern ist ganz großartig. Manuguerra ist natürlich nicht so feinfühlig und wohltönend wie Bastianini, aber hier darf man schon mal auf den Putz hauen! :D Den herzerweichenden 4.Akt gestaltet Carreras unnachahmlich wie immer , den sterben (wie auch in der Lucia als Edgardo )konnte er immer gut! :love:
Allerdings hätte ich mir hier ein italienisches Orchester gewünscht das noch diesen Patriotismus im Blut hat! Sollte man sich unbedingt anhören!
LG palestrina
Falstaff (28.05.2017, 02:43): PS: ganz Preiswert beim Urwaldfluss! Hab die Corelli-Aufnahme gleich bestellt. Bin sehr gespannt. Was das Frühwerk angeht, klaffen bei mir doch noch einige Lücken. Wird Zeit, dass sie geschlossen werden.
LG Falstaff
Falstaff (28.05.2017, 03:00):
Zunächst eine tolle Besetzung. Und Pavarotti oder Cappuccilli halten auch, was sie versprechen. Obraztsova war sicherlich keine Sängerin für die eleganten und feinen Zwischentöne. Aber sie schmiss sich immer mit Vehemenz in eine Partie und bestach durch wirkliches dramatisches Singen. So auch hier. Ihre Szene im II. Akt ist beeindruckend und packend.
Schwierigkeiten habe ich mit Verrett als Amelia, die mir, v.a. in ihrer ersten Arie viel zu dramatisch ist. Da klingt vieles nach Lady Macbeth und wenig nach Amelia, wobei sie in diesen Abschnitten entsprechend von Abbado begleitet wird. Was mir wiederum auch nicht so gefällt. Hier bremst die Wucht manchmal die feinere Dramatik aus.
:hello Falstaff
palestrina (30.05.2017, 23:17): War mal wieder im KH ...somit hatte ich heute erheblich Nachholbedarf ...
hier die Umarbeitung von „ I Lombardi alla prima crociata " zur Grand Opéra, auch eine der patriotischen Opern die selten zu hören sind. Es ist musikalisch eine Steigerung gegenüber den Lombarden, das Libretto wurde auch mit anderem Text versehen. Verdis erste Grand Opéra war kein großer Erfolg, aber dennoch ein Erfolg um seinen Weg fortzusetzen! Die Besetzung hier ist nicht ganz einheitlich, Giordano und Scandiuzzi sind auf gewohnt gutem Niveau, aber die Mescheriakova vibriert sich doch etwas viel durch die Oper, was man allerdings etwas vergisst durch die schmissige Darbietung Luisis mit dem Orchester.
LG palestrina
palestrina (01.06.2017, 23:11): Eine sehr gewöhnungsbedürftige Inka Oper aus Verdis Galeerenjahren, so richtig Begeisterung hat sie allerdings bei mir nie hervorgerufen, obwohl es einige sehr schöne Melodien gibt. Der Alzira (Uraufführung 12. Februar 1845 Neapel, Teatro San Carlo) war auch schon bei der UA kein Erfolg beschieden, auch bei einigen anderen Aufführungen nicht, in Rom sogar abgelehnt, auch das Ausland war nur mit wenigen Inszenierungen dabei!
Diese war 1967 die szenische Wiederbelebung der Oper in Rom mit Virginia Zeani, Cornell MacNeil und Gianfranco Cecchele. Hatte mir damals die Aufnahme als Fan von Virginia Zeani gekauft, aber speziell auch wegen der Bonus Tracks. Also diese Aufnahme ist mir dann doch noch die liebste, habe noch zwei. Cecchele ist ein sehr guter Zamoro, gegenüber Araiza in der Gardelli GA, und die Zeani ist eine fulminante Alzira, nichts gegen die Cotrubas bei Gardelli, einzig Bruson bei Gardelli ist McNeil überlegen.
Es gibt noch eine Aufnahme ...die ich nicht besitze! ;)
1938: Zum 125. Geburtstag von Giuseppe Verdi nimmt der Reichssender Berlin die gekürzte Fassung der Oper auf. Elisabeth Schwarzkopf wird kurzfristig engagiert, lernt die Partie im Taxi vom Flughafen und singt die Titelpartie prima vista.
Vielleicht kann der liebe Falstaff etwas dazu beitragen als ausgewiesener Schwarzkopf Enthusiast!
LG palestrina
Falstaff (01.06.2017, 23:20): Vielleicht kann der liebe Falstaff etwas dazu beitragen als ausgewiesener Schwarzkopf Enthusiast! Hehe, der liebe Falstaff hat sich immer um die Aufnahme herumgedrückt. :D Alzira auf Deutsch hat mich nie so richtig angesprochen. Aber ich werde mal reinhören die Tage.
LG Falstaff
palestrina (01.06.2017, 23:27):
Alzira auf Deutsch hat mich nie so richtig angesprochen. Mich auch nicht, und dann noch Frau Schwarzkopf als Alzira! :ignore Aber was machen Fans nicht alles um die Sammlung zu vervollständigen, ich gehe mal von mir aus! :love:
LG palestrina
Falstaff (01.06.2017, 23:29): Heute angekommen und gleich mal gehört:
Da bin ich doch bitter enttäuscht von. Die Milanov besaß natürlich eine wirklich wunderschöne Stimme und glänzt auch in manchen Passagen. Aber wenn es zum großen Duett kommt, ist mir das alles zu opern-/divenhaft und zu wenig dramatisch.
Mit Björling werde ich hier auch nicht warm. Leidenschaft würde ich ihm hier einmal nicht unterstellen wollen. Aber schockiert hat mich v.a. die Unsauberkeit seines Singens, die ewigen Vokalverfärbungen und die immer wieder zu hörenden Schwierigkeiten, wenn es darum geht, eine Phrase tonrein zu beenden.
Merrill ist mir persönlich zu wenig italienisch, aber das kann man wohl auch unter Geschmackssache verbuchen.
Also insgesamt eine Aufnahme, auf die ich auch verzichten könnte. Aber bei 0,09 € kann man immerhin nicht von rausgeschmissenem Geld reden. :D
:hello Falstaff
Falstaff (01.06.2017, 23:34): Ich komme nochmal auf die Butterfly zurück ...
, AD 1963
diese meine allerliebste Madama Butterfly GA, mit zwei ganz hervorragenden Sängern als Butterfly L.Price und R.Tucker als Pinkerton, Nach der Erfahrung mit der Cavalleria dann aber ein wirklicher Glücksmoment.
Lieber Palestrina, ein wirklich toller Tipp. Price und Tucker sind zum :down :down :down Leinsdorf ebenso. Eine Aufnahme, die die große Klasse dieser Oper wirklich verdeutlicht.
LG Falstaff
palestrina (01.06.2017, 23:49): Ich komme nochmal auf die Bonus Tracks zurück ...
die Auschschnitte aus den I Puritani von 1957 lohnen allein die Anschaffung der Aufnahme, habe das eben nochmal gehört. :love: :love: :love:
LG palestrina
Falstaff (02.06.2017, 00:16): Mich auch nicht, und dann noch Frau Schwarzkopf als Alzira! Aber was machen Fans nicht alles um die Sammlung zu vervollständigen, ich gehe mal von mir aus! Ich hab' jetzt mal in den 1. Teil hineingehört. (Mein Eindruck wird sich aber wohl nicht grundlegend ändern.)
Die Aufnahme ist ja kriegsbedingt nicht vollständig. Was, glaube ich, auch kein großer kultureller Verlust ist. :D Keine Ahnung, was sie damals geritten hat, ausgerechnet Alzira aufzunehmen.
Glawitsch als Tenor klingt häufig nach Operette, der Bass Gravello klingt mehr als unangenehm und zum Bariton bin ich noch nicht vorgedrungen. Tja, und die Schwarzkopf? In ihrem Debütjahr aufgenommen und wenn die Sache mit dem 'im Taxi gelernt', stimmt, ist das eine ganz anständige Leistung für eine junge Sängerin. Mehr aber auch wahrlich nicht. Und mit Verdi und italienischer Oper hat dies nun wirklich nicht viel zu tun. Es bleibt als Aufnahme ein Kuriosum.
LG Falstaff
Falstaff (02.06.2017, 00:28): Die Aufnahme ist ja kriegsbedingt nicht vollständig. Was, glaube ich, auch kein großer kultureller Verlust ist. Keine Ahnung, was sie damals geritten hat, ausgerechnet Alzira aufzunehmen. Die beste Zeile ist: 'Zu Ende bin ich mit meiner Geduld.' - Oh, wie wahr. Manchmal ist es nicht gut, wenn man den Text auch noch versteht. :rofl
LG Falstaff
Falstaff (03.06.2017, 00:42): Als Anhang große Szenen und Arien mit Leyla Gencer aus einer Aufführung aus Triest unter F.Molinari-Pradelli vom 8.3.1963. Lieber Palestrina, ich habe mir jetzt deine weiter oben gepostete Aufnahme von 'La Battaglia di Legnano' zu Gemüte geführt. Tolle Sänger, aber irgendwie werde ich trotzdem nicht warm mit der Oper. Das hakt mir doch zu sehr. Wobei die Gencer wiederum ganz toll ist und es für mein Empfinden sogar schafft, ein wenig Schwung in die ganze Sache reinzubringen.
LG Falstaff
palestrina (03.06.2017, 08:07): Hallo lieber Falstaff, was meinst du mit „Das hakt mir doch zu sehr" ! Weiter sagst du, die Gencer bringt mehr Schwung in die ganze Sache, ich meine Schwung ist auch in der anderen Aufnahme, wogegen die Gencer die schlechteren Partner hat.
Die Oper muss man sich erarbeiten, ;) das heißt öfter anhören, es funktioniert nicht alles gleich!
In dem Zusammenhang: wenn so mancher sagt, ach mit dem frühen Verdi kann ich nichts anfangen, sage ich immer wieso, gefällt dir der Nabucco nicht, ja, aber der Gefangenenchor ist doch so schön, also besteht für viele der Nabucco nur aus dem Gefangenenchor.
Also, ich mag das sehr, hatte auch immer schon ein Faible für die meisten der vor „ Rigoletto " Opern! :)
LG palestrina
Falstaff (03.06.2017, 22:45): Hallo lieber Falstaff, was meinst du mit „Das hakt mir doch zu sehr" ! Lieber Palestrina, damit meine ich einfach, dass der musikalische Fluss, wie ich ihn aus anderen seiner Frühwerke kenne und von daher annehme, dass er ihn auch hier angestrebt hat, zu oft unterbrochen wird. Es kommt irgendwie kein Schwung in die Melodienbögen. Allerdings ist das ein erster Eindruck und deshalb: Die Oper muss man sich erarbeiten, das heißt öfter anhören, es funktioniert nicht alles gleich! hast du damit zweifellos recht. :) wenn so mancher sagt, ach mit dem frühen Verdi kann ich nichts anfangen ... dann ist das eigentlich nur schade. Immerhin befinden sich darunter Werke wie Nabucco, Macbeth, Luisa Miller, Ernani, Giovanna d'Arco. Und auch die weniger bekannten, weil seltener gespielten, sind allemal eine Entdeckung wert. Zweifellos befinden sie sich nicht immer auf dem Niveau der späteren Opern, aber hören sollte man sie schon.
Im Moment läuft bei mir 'Un Giorno di Regno' in dieser Aufnahme (ich höre die Oper erstmalig):
und ich kann das negative Urteil, dass immer wieder darüber gefällt wird, nicht nachvollziehen. Da ist viel Donizetti enthalten (vielleicht zu viel für einen Verdi ;) ), aber die Oper hat Charme und eine gewisse Leichtigkeit und unterhält ziemlich gut.
LG Falstaff
Falstaff (03.06.2017, 23:21): Fast ganz gehört, gebe ich trotzdem schon einmal meinen Senf zu dieser Aufnahme hinzu:
(1955)
Also, so richtig warm werde ich damit nicht. Barbieri singt eine wunderbare Amneris, volltönend und trotzdem ausdrucksvoll. Anders als die Milanov, deren Stimme für mich zunächst einmal ein wahrer Genuss ist. Das ist von der reinen Stimmschönheit her mit das Beste, was ich in dieser Partie je gehört habe. Aber Stimmschönheit und Ausdruck scheint selten zusammenzugehen. Vielleicht verließ sich die Milanov auch zu oft auf ihr wunderbares Organ und war zu wenig bereit, sich richtig in die Figur hineinzubegeben. So bleibt mir das zu opernhaft.
Christoff ist dagegen wieder auf der Positivseite. Das ist wieder einmal prächtig und durchaus bedrohlich gesungen, voller Autorität. Warren finde ich ok. Aber auch bei ihm würde ich mir im Nil-Akt mehr Engagement, mehr Bedrohung wünsche.
Größter Schwachpunkt ist für mich aber wieder Björling. Ich kann den Hype um seine Person in diesen Partien nicht verstehen. Ähnlich wie bei seinem Turriddu 'schleudert' er wunderbare Spitzentöne (Arie) heraus, singt aber in der oberen Mittellage und darüber dermaßen gepresst und mit großer Kraftanstrengung, dass die Linien unsauber werden und der Klang auf der Strecke bleibt. Da habe ich mir von ihm wirklich anderes erwartet.
Das habe ich von Perlea allerdings auch. Ein bisschen mehr Tempo und Leidenschaftlichkeit täten dem Werk sicherlich keinen Abbruch.
:hello Falstaff
Falstaff (06.06.2017, 00:18): Gerade frisch erstanden und deshalb heute mal gehört:
Ich bin mir noch nicht sicher, was ich mit dieser Aufnahme anfangen soll. Noch schwanke ich zwischen Kopfschütteln und Faszination. Es ist also alles noch drin. :D
Die durchweg langsamen Tempi Klemperers sind wirklich sehr speziell. Sie haben einerseits den Vorteil die unglaublich schöne Musik Mozarts immer wieder deutlich werden zu lassen, gerade bei bestimmten Passagen, in denen man nun geradezu schwelgen kann bzw. bei denen man fassungslos diesen Stellen lauscht. Das ist dann fast schmerzlich schön und man hat das Gefühl, dass hier Zeit völlig nebensächlich wird.
Das heißt nun allerdings überhaupt nicht, dass Klemperer hier eine Aufnahme vorlegt, die dem reinen Schönklang verpflichtet wäre. Die Abgründe, die ja nun wirklich auch in dieser Musik vorhanden sind, werden durchaus herausgearbeitet und offengelegt.
Aber andererseits kommt einem doch immer wieder das langläufig mit seinem späten Wirken verbundene Wort 'Altersstarrsinn' in den Sinn. Überall passt das Tempo einfach nicht. Ab und an müsste er schon einmal anziehen. Was er durchaus tut, aber das ist, da es sich dann auf das Grundtempo bezieht, nun auch nicht besonders rasch.
Klemperer hatte das Glück, ein Sängerensemble dirigieren zu können, das seine Auffassung wunderbar umsetzte, das v.a. auch den Atem hatte, in dem Tempo auch noch singen zu können. :)
Besonders Price und Minton sind ein Hochgenuss. Aber letztlich gibt es keinen Ausfall, so dass eine wirkliche Ensembleleistung entsteht.
Wie sieht das Urteil also aus? Kurz zusammengefasst so:
;( ?( :thumbdown: :thumbup: :down :S
:hello Falstaff
palestrina (06.06.2017, 06:11): Hallo lieber Falstaff, zu Klemperers Tempi ist alles gesagt :D , das Damentrio ist vorzüglich, aber bei den Herren dann, stimmt die Besetzung für mich nicht mehr, L.Alwa war nie einer meiner Favoriten, G. Evans wäre ein guter Don Alfonso gewesen und Sotin passt so garnicht ins Ensemble, der klingt mir irgendwie zu deutsch. Eigentlich schade um das gesanglich wunderbare Damentrio. Ich pers.mag die Cosi schon flotter! :)
LG palestrina
Falstaff (06.06.2017, 21:07): Lieber Palestrina, was Sotin angeht, muss ich dir schon recht geben. Das ist nicht ideal, was die Verkörperung der Rolle angeht. dagegen finde ich Evans durchaus passend und Alva hat bei mir sowieso immer einen gut. :) Aber unabhängig davon, finde ich, macht er seine Sache wirklich gut. Aber das geht schon in den Bereich der Geschmackssache. Ich kann durchaus verstehen, dass die Stimme nicht jedem zusagt.
LG Falstaff
palestrina (06.06.2017, 22:07): Lieber Palestrina, was Sotin angeht, muss ich dir schon recht geben. Das ist nicht ideal, was die Verkörperung der Rolle angeht. dagegen finde ich Evans durchaus passend und Alva hat bei mir sowieso immer einen gut. :) Aber unabhängig davon, finde ich, macht er seine Sache wirklich gut. Aber das geht schon in den Bereich der Geschmackssache. Ich kann durchaus verstehen, dass die Stimme nicht jedem zusagt.
LG Falstaff Lieber Falstaff, bei Gesangsstimmen ist das leider oft eine Frage des Geschmacks, aber so ist das ja auch gut, wir haben ja oft eine gewisse Auswahl an Einspielungen, und manchmal sogar die Qual der Wahl!
LG palestrina
Golaud (07.06.2017, 12:25): Vor vielen Jahren habe ich Così fan tutti mit Klemperer kennengelernt und fand die Aufnahme damals lahm, zäh und spannungsarm, nicht wegen der Sänger, sondern wegen des Dirigats. Bevor ich alternativen kennenlernte, glaubte ich sogar, die Così sei mit Abstand die schwächste der drei Da Ponte-Mozart-opern
Heute kenne und schätze ich die Aufnahmen mit Gardiner und Jacobs, die zeigen, was in diesem großartigen Werk drinsteckt!
:hello
Falstaff (09.06.2017, 00:14): Vor vielen Jahren habe ich Così fan tutti mit Klemperer kennengelernt und fand die Aufnahme damals lahm, zäh und spannungsarm, nicht wegen der Sänger, sondern wegen des Dirigats. Bevor ich alternativen kennenlernte, glaubte ich sogar, die Così sei mit Abstand die schwächste der drei Da Ponte-Mozart-opern Lieber Gurnemanz, als Einstieg in die Così ist die Klemperer-Aufnahme wohl wirklich nicht geeignet. Aber im Vergleich offenbart sie dann doch einige Qualitäten - und Überraschungen und zeigt in manchen Bereichen, dass auch das in der Così steckt. Und mit Sicherheit ist sie sehr eigen. :D
LG Falstaff
Falstaff (09.06.2017, 00:21): Massenets Version der Manon Lescaut.
Pierre Monteux dirigiert eine durch und durch französische Version mit einer reizenden, koketten, fein singenden de los Angeles und einem sehr empfindsamen Henri Legay, der allerdings in seiner zweiten Arie, wenn es denn gilt, ein wenig dramatischer zu singen, leicht unter Druck gerät. Dagegen ist sein 'Reve' ein wirklicher Traum.
Insgesamt bin ich aber wirklich hin und weg von dieser Aufnahme, die mir den unglaublich reichhaltigen Zauber dieser Partitur erst wirklich offenbart hat.
:hello Falstaff
Falstaff (13.06.2017, 22:39): Heute gehört:
Zunächst ist es einmal eine hochinteressante, weil stilistisch sehr vielfältige Oper, die hier von Pretre wunderbar farbig und mitreißend dirigiert wird. Mit Vickers und Gorr hatte ich im ersten Moment Schwierigkeiten, aber spätestens im 2. Akt packte mich die Intensität ihrer Darbietung und dann auch die Schönheit ihres Gesangs.
Ich habe das Werk bislang nur ein einziges Mal konzertant live erlebt. Domingo, Borodina, Lafont. Pretre sollte dirigieren, wurde dann aber krankheitsbedingt durch Pinchas Steinberg ersetzt. Und ich muss sagen, dass diese Aufnahme in keiner Weise dem Live-Erlebnis überlegen ist. Beide insgesamt auf wirklich hohem Niveau, mitreißend, packend und v.a. den stilistischen Anforderungen gerecht werdend.
:hello Falstaff
Amonasro (15.06.2017, 11:44): Heute gehört:
Zunächst ist es einmal eine hochinteressante, weil stilistisch sehr vielfältige Oper, die hier von Pretre wunderbar farbig und mitreißend dirigiert wird. Mit Vickers und Gorr hatte ich im ersten Moment Schwierigkeiten, aber spätestens im 2. Akt packte mich die Intensität ihrer Darbietung und dann auch die Schönheit ihres Gesangs. Lieber Falstaff, diese Aufnahme habe ich erst vor kurzem gekauft und kann dir nur zustimmen. Ich besitze noch die ebenfalls sehr gelungene Aufnahme unter Patanè mit James King und Christa Ludwig. Beide Aufnahmen nehmen sich eigentlich nicht viel, wegen der sehr intensiven Interpretation des 2. Aktes würde ich aber zurzeit der Prêtre-Aufnahme den Vorzug geben. Etwas seltsam finde ich allerdings, Abimélech und den Hebräer mit dem selben Sänger zu besetzen. Das ist aber auch schon der einzige Kritikpunkt.
Gruß Amonasro :hello
palestrina (17.06.2017, 18:57): Ich habe auch ein paar Aufnahmen dieser Oper, aber das ist auch so ein Werk das mir irgendwie fremd bleibt, oder sollte ich das mehr hören !?, so geschehen heute in dieser Live Aufführung aus Bregenz, nicht selbst gekauft, kam aus anderer Quelle ;) ...
Liberalen Brenzlig 1988
Wiener Symphoniker Sylvain Cambreling
Gesungen wird auf gutem Niveau, was ich so beurteilen kann, am Anfang gefiel mir Cossutta nicht so richtig aber er steigerte sich beachtlich, und die Lipovsek hat eine sehr schöne Stimme die auch gut zum tragen kommt aber .....das bleibt so in sich stecken ohne größere Wirkung :whistling: , ich muss dann mal in den nächsten Tagen die Aufnahme mit Gorr und Vickers hören, das hier war auch nicht das Richtige um mich für dieses Stück zu begeistern! Na ja, vielleicht komme ich ja auch noch hinter das Geheimnis dieses Bibel Thrillers!
LG palestrina
Amonasro (17.06.2017, 20:35): Naja, zugegeben: Manche Stellen, vor allem im 1. Akt ziehen sich etwas, aber ab Dalilas erstem Auftritt reiht sich ein großartiger Moment an den anderen. Ihre drei Arien könnte ich in Dauerschleife hören. :whistling:
Am besten konzentrierst du dich auf die Verführungsszene im 2. Akt:
https://www.youtube.com/watch?v=Ik0QDzcM11U
Wenn da der Funke nicht überspringt, weiß ich auch nicht. :wink
Gruß Amonasro :hello
palestrina (17.06.2017, 22:11): Hallo Amonasro, wer singt denn hier bei YouTube, denn bei mir steht .....Server hat die Verbindung geschlossen. Es wurden keine Daten gesendet .....!
LG palestrina
Falstaff (17.06.2017, 23:04): Ich besitze noch die ebenfalls sehr gelungene Aufnahme unter Patanè mit James King und Christa Ludwig. Beide Aufnahmen nehmen sich eigentlich nicht viel, Lieber Amonasro, mit der Aufnahme hatte ich auch schon geliebäugelt, v.a. wegen der Ludwig. Danach kommt sie nun auch noch auf meine Anschaffungsliste.
LG Falstaff
Falstaff (17.06.2017, 23:08): aber das ist auch so ein Werk das mir irgendwie fremd bleibt, oder sollte ich das mehr hören !?, Lieber Palestrina, das gibt es halt. Manchmal hilft mehrmaliges Hören, manchmal eine ganz besondere Aufnahme/Aufführung, manchmal bringt auch gar nichts etwas. Mich persönlich hat dies Werk gleich angesprochen. Gerade die stilistische Vielfältigkeit, allgemein die Tonsprache, das große Duett und natürlich auch die drei Arien. Ihre drei Arien könnte ich in Dauerschleife hören. Da bin ich dabei. ;)
LG Falstaff
Falstaff (17.06.2017, 23:11): Hallo Amonasro, wer singt denn hier bei YouTube, denn bei mir steht .....Server hat die Verbindung geschlossen. Es wurden keine Daten gesendet .....! Lieber Palestrina, ich antworte schon einmal. Das ist aus der Aufnahme mit Vickers und Gorr unter Pretre.
LG Falstaff
Falstaff (17.06.2017, 23:13): Lieber Amonasro, ich bin ja immer sehr an Aufnahmen französischer Opern interessiert, die noch ganz dem klassischen französischen Gesangsstil verpflichtet sind. Kennst du diese hier und kannst etwas dazu sagen?
LG Falstaff
palestrina (18.06.2017, 00:06): Hallo Amonasro, wer singt denn hier bei YouTube, denn bei mir steht .....Server hat die Verbindung geschlossen. Es wurden keine Daten gesendet .....! Lieber Palestrina, ich antworte schon einmal. Das ist aus der Aufnahme mit Vickers und Gorr unter Pretre. LG Falstaff Na ja, dann kann ich das ja auch aus der Gesammtaufnahme hören! Danke! :)
Die Arien kenn ich ja auch gut aus div.Sänger Recitals, vor allem das „ Mon cœur " ist wunderschön!
LG palestrina
Amonasro (18.06.2017, 11:40): Lieber Amonasro, ich bin ja immer sehr an Aufnahmen französischer Opern interessiert, die noch ganz dem klassischen französischen Gesangsstil verpflichtet sind. Kennst du diese hier und kannst etwas dazu sagen?
LG Falstaff Nein, diese Aufnahme habe ich nicht. Ich hatte aber neulich bei Youtube reingehört und sie klingt durchaus interessant. Die Dalila hat eine schlankere, hellere Stimme und klingt dadurch jugendlicher als Gorr oder Ludwig. Die Tonqualität scheint für das Alter auch gut zu sein. Mehr kann ich dazu leider nicht sagen. Aufnahmen von vor 1950 habe ich bisher gar nicht. Bei den meisten schreckt mich die Tonqualität zu sehr ab.
Gruß Amonasro :hello
Falstaff (18.06.2017, 23:20): Ich hatte aber neulich bei Youtube reingehört und sie klingt durchaus interessant. Lieber Amonasro, da habe ich nun auch einmal gemacht und teile deine Sicht, dass es wirklich interessant klingt. Eine ganz andere Herangehensweise an das Werk. Auch vom Tenor her. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass französische Opern im Laufe der Zeit vermehrt von immer stärkeren, kräftigeren Stimmen interpretiert wurden (z.B. Carmen) und das oftmals gar nicht im Sinne der Komponisten war. Ich denke, ich werde mir diese Aufnahme in Gänze mal zu Gemüte führen.
LG Falstaff
palestrina (22.06.2017, 23:48): Nach dem Lucia Post von Falstaff mit der Sutherland, habe ich dann heute Lucia gehört vorallem diese ... ...und noch ein paar andere ... ;)
AD 1959
..ich falle mal mit der Tür ins Haus, hier finden ich di Stefano (der ja nicht so ganz zu meinen Tenorlieblingen gehört ) ganz wunderbar ja sogar super gut, ich will ja nicht gleich übertreiben, ich meine sogar besser als auf der Callas Aufnahme, und die Scotto ist eine fast perfekte Lucia, lediglich noch nicht so ganz im Ausdruck, und Bastianini mit seinem wunderschön samtenen Bariton, ein hinterlistiger Enrico. Warum hat man damals nie Turmszene aufgenommen, ich werde es niemals begreifen, wie schön wäre es hier mit di Stefano und Bastianini, ja da kann man nur :I ! Auch hier gibt es (es ist eine Studioaufnahme) viele Ausgaben, mir hatte man damals diese empfohlen, die auch ziemlich gut ist.
LG palestrina
palestrina (25.06.2017, 08:30): Diese Lucia mit der Gruberova ...
AD 2002 Festspielhaus Baden-Baden
...bei der ich selbst anwesend war, ist im großen und ganzen nur für Gruberova Intusiasten eine Erfüllung, denn der Rest des Ensembles reicht nicht im geringsten an die Leistung der Gruberova heran. Was die Gruberova hier abliefert ist vom allerfeinsten, da versteht man auch das Wort Belcanto in seiner ganzen Bedeutung, wie sie hier die Koloraturen verziert und passend zum Text mit Ausdruck versieht, ja sogar In den Koloraturen Akzente setzt ist einfach erstklassig und wird ihrem Ruf als Belcanto Königin vollauf gerecht, ist dann auch die Summe ihrer Erfahrung!
Über die Herren braucht man keine Wort zu verlieren, die sind hier nur Staffage für die Gruberova!
LG palestrina
palestrina (03.07.2017, 00:28): Heute war „ Martha " Tag.....
....die Aufnahme mit Jerusalem und der Popp sowie Soffel und Ridderbusch, nee das ist nicht mein Ding und das liegt vorallem an Ridderbusch, ja ich weiß auch das Flotow einen Bass wollte, aber bestimmt nicht so einen ältlich klingenden, denn der soll ja der Bruder des Lyonel sein, und wie aus dem Libretto hervorgeht kann er nicht soviel älter sein. Also ich bevorzuge dann doch lieber eine Konstellation Tenor/Bariton, wie Gedda und Prey, denn das ist auch gleichzeitig für mich die beste Aufnahme, obwohl so mancher nicht mit mir hier einverstanden ist, ich mag sie! :D Auch die Rothenberger ist hier eine überzeugende zickige Lady, passt absolut gut zur Rolle und die Fassbender dazu als Nancy, und die Chose ist perfekt! Die Aufnahme mit Peter Anders mag ich auch ganz gerne aber die leidet ebenfalls an dem etwas gobschlächtigen Greindl, passt zwar ganz gut zur Rolle aber meinen Ohren nicht! ;) Und mit der Berger habe ich immer so meine Probleme, die klingt mir im Timbre immer zu alt, das Problem habe ich auch bei der Rigoletto Aufnahme.
Ja, da gibt es ja noch die vorzügliche Aufnahme mit Tagliavini, Rizzieri, Tassinari und Tagliabue in ital. die mir sehr gut gefällt, wen es nicht stört das hier Richmond in der Toscana liegt ist mit dieser Einspielung bestens bedient, vom Gesang sowieso! :love:
LG palestrina
Falstaff (03.07.2017, 00:48): Lieber Palestrina, leider öffnen sich bei mir deine Abbildungen nicht, aber ich weiß ja, welche Aufnahmen du meinst. Die Heger-Aufnahme ist ganz vorzüglich. Heger selber war ja auch ein alter Hase, was u.a. dieses Repertoire angeht.
Meine liebste Aufnahme hingegen ist diese, wenn auch nur als Querschnitt vorhanden. (Welch ein Jammer!)
Hier ist natürlich wieder der Bass vorhanden, aber sie hat für mich den großen Vorteil des Tenors. Wunderlich hatte einfach diesen unglaublichen Charme in der Stimme, singt so wunderbar natürlich und voller Witz. Überhaupt ist dies für mich eine wunderbar humorvolle Einspielung. Da hallten alle wunderbar mit. Aber halt nur ein Torso.
LG Falstaff
palestrina (03.07.2017, 10:18): Lieber Palestrina, leider öffnen sich bei mir deine Abbildungen nicht, aber ich weiß ja, welche Aufnahmen du meinst. Die Heger-Aufnahme ist ganz vorzüglich. Heger selber war ja auch ein alter Hase, was u.a. dieses Repertoire angeht.
Meine liebste Aufnahme hingegen ist diese, wenn auch nur als Querschnitt vorhanden. (Welch ein Jammer!)
Hier ist natürlich wieder der Bass vorhanden, aber sie hat für mich den großen Vorteil des Tenors. Wunderlich hatte einfach diesen unglaublichen Charme in der Stimme, singt so wunderbar natürlich und voller Witz. Überhaupt ist dies für mich eine wunderbar humorvolle Einspielung. Da hallten alle wunderbar mit. Aber halt nur ein Torso.
LG Falstaff Hallo Falstaff, müsste jetzt gehen .......der Klobučar Ø ist sicherlich wegen Wunderlich ein Muss, aber es ist leider nur Ø, (wie dankbar wäre man für eine GA)und dann noch Frick, für ihn gilt das gleiche wie oben gesagt :D . Bin gerade beim hören, Wunderlich ist eben ein natürlicher Graf Derby, wogegen Gedda mehr den Grafen herauskehrt. ;) Ich mag halt beide!
LG palestrina
Waldi (03.07.2017, 10:52):
Obwohl deutsche Spieloper, ist "Martha" ein internationaler Renner (was zu denken geben sollte - vielleicht ist die Einengung auf "deutsch" bei diesem Werk nur teilweise gerechtfertigt).
Diese Aufnahme ist wegen der Damen - Victoria de los Angeles und Rosalind Elias - zu empfehlen, bei den Herren muß man einige Abstriche machen.
Unter den deutschsprachigen Einspielungen ist diese alte Rundfunkaufnahme eine der besten.
Diese italienisch gesungene Aufnahme bildet für mich mit der Wunderlichschen die absolute Spitze. Da merkt man erst, was in dieser Musik steckt! Und Tagliavini ist ein sensationeller Lyonel!
palestrina (03.07.2017, 21:24): Ambroise Thomas „ La Cour de Célimène " Opéra-Comique in zwei Akten Libretto von Joseph-Bernard Rosier
AD Juli 2007
Laura Claycomb, La Comtesse Joan Rodgers, La Baronne ihre Schwester Alastair Miles, Le Commandeur de Beaupré, Verehrer der Comtesse Sébastian Droy, Le Chevalier de Mérac, dito Nicole Tibbels, Bretonne der Contessa ihre Freundin Philharmonia Orchestra, Geoffrey Mitchell Choir, Andrew Litton
Rezension im Rondo Magazin
Die Ouvertüre führt uns in eine vergangene Zeit und beschreibt uns den Schauplatz wo die Oper stattfindet, nämlich ein Schloss in Paris um 1750. Eine Opéra-Comique mit gesprochenen Dialogen um eine Gräfin mit ihren unzähligen Verehrern mit denen sie aber nur spielt, um sich an den Männern zu rächen, weil ihr verstorbener Mann sie mit seinen Liebschaften unendlich quälte.Zum Schluss entscheidet wahrscheinlich die Vernunft denn man erfährt nicht so ganz weni sie nimmt, aber man kann sich schon denken das sie den Commandeur nimmt, denn er lässt ihr die gewissen Freiheiten! Besonders reizend ist ein Duett im ersten Akt mit ihrer Schwester Der Baronin, die Krönung ist allerdings die Arie der Gräfin im zweiten Akt mit einem brillianten vokalen Feuerwerk. L.Claycomb macht das gut, ich hätte mir allerdings so was wie die Gruberova gewünscht. Es gibt auch wunderbare Terzette und Ensembles.
Das Orchester ist brillant, na ja man hat auch keine Vergleich, es ist die einzige Aufnahme.
LG palestrina
palestrina (03.07.2017, 23:36): Jetzt gab es meine 2te Lieblingsoper von Verdi neben der Traviata, „ Simon Boccanegra " ..... >Das Herz des Menschen ist ein Quell ewigen Leides", heißt es im auch von Kennern besonders geschätzten Simon Boccanegra. < .....und zwar in meiner liebsten Version .... AD Live Tokyo 2.1990
....mit Renato Bruson als Simone und einem düsteren Fiesco in Person von Roberto Scandiuzzi sowie die wunderbare Mariana Nicolesco als Maria/Amelia und Giuseppe Sabbatini als ein draufgängerischer Gabriele. Aber ich mag auch Jose van Dam sehr, den ich Live einige male gehört habe, sowie Grundheber!
Falstaff bevorzugt ja eine andere Aufnahme, wenn ich mich recht erinnere!
Hier gibt es auch einen Thread im Forum!
LG palestrina
Falstaff (05.07.2017, 22:48): Hallo Falstaff, müsste jetzt gehen .......der Klobučar Ø ist sicherlich wegen Wunderlich ein Muss, aber es ist leider nur Ø, (wie dankbar wäre man für eine GA)und dann noch Frick, für ihn gilt das gleiche wie oben gesagt . Bin gerade beim hören, Wunderlich ist eben ein natürlicher Graf Derby, wogegen Gedda mehr den Grafen herauskehrt. Ich mag halt beide! Lieber Palestrina, manchmal ist die (Platten-) Welt einfach gemein. :D Was wünscht man sich doch für Aufnahmen, die leider nie zustande gekommen sind. Aber mit Sicherheit ist Gedda für eine GA die erste Wahl. Mit Ausnahme von Peter Anders. Genauso wie Operette muss man die Spieloper ernst nehmen (auch wenn man mit Witz singt) und diese natürliche Naivität haben vielleicht heutzutage immer weniger Sänger. Ich habe oftmals das Gefühl, hier steht einer unbefangenen Herangehensweise das viele 'Hinterfragen' im Wege. Und so gibt es kaum noch eine lebendige Tradition in beiden Bereichen und so klingt es dann auch. Anders, Wunderlich oder Gedda hatten da halt noch das 'Glück der frühen Geburt'. :D
Tagliavini ist mit Sicherheit eine interessante Alternative, weil es halt Tagliavini ist und er alleine den tenoralen Gassenhauer mit Sicherheit ganz anders und äußerst faszinierend singen wird.
LG Falstaff
Falstaff (06.07.2017, 00:29): Falstaff bevorzugt ja eine andere Aufnahme, wenn ich mich recht erinnere! Stimmt. :)
Allerdings kann ich zu der oben genannten Aufnahme nichts sagen, da ich sie nicht kenne. Nur habe ich die Nicolesco mal live gehört (nicht im 'Simone') und war nicht so angetan von ihr. Aber verbuchen wir es unter 'schlechter Abend'. ;)
Grundheber kenne ich übrigens auch als Simone und er war da wirklich großartig.
LG Falstaff
Falstaff (12.10.2017, 22:44):
Gehört habe ich erst den I. Akt, Turandot selber ist also noch nicht aufgetreten. Von daher kann ich über die Ricciarelli nichts sagen.
Auffallend ist zunächst einmal das wirklich unglaubliche Dirigat von HvK. Selten habe ich die 'Turandot' so sanft, so orchestral aufgefächert, so eingebettet in Strömungen damaliger Moderne gehört. Aber relativ schnell merkte ich aber, dass HvK die Musik eigentlich nur zelebriert. Das ist orchestral fantastisch, aber es lebt nicht, hat keine Dramatik, keinen Theatergeruch. Da wird ein unglaublicher Schönklang ausgebreitet, auch ein fantastsicher Klangteppich den Sängern dargeboten, aber das menschliche Drama als solches bleibt auf der Strecke.
Und die Sänger, im I. Akt eben speziell Domingo, Hendricks und Raimondi kommen eigentlich dagegen nicht an. Domingo vielleicht noch am ehesten. Das ist alles wunderschön gesungen, aber so richtig berühren tut es mich nicht.
:hello Falstaff
Jürgen (13.10.2017, 23:16): Mich berührt bei dieser Aufnahme das "Signore, ascolta" der Liu (Hendricks), das habe ich noch nie differenzierter gehört.
Falstaff (13.10.2017, 23:18): Heute habe ich den II. Akt der Karajan'schen 'Turandot' gehört und leider bestätigt sich mein Verdacht hinsichtlich der Ricciarelli als Turandot.
HvK bereitet ihr wirklich einen Klangteppich. Niemals wird sie zugedeckt oder muss aufgrund des Orchesters an ihre Grenzen gehen. Aber, sie hätte es nicht singen sollen. Auch wenn sie alle Töne hat, irgendwie (!), so merkt man doch sofort, dass diese 'Killerpartie' ihren eigentlichen Rossini-Sopran völlig überfordert. Und auch wenn sie die Rolle, natürlich in Absprache mit dem Dirigenten, sehr schlank anlegt, muss sie doch einfach an manchen Stellen Farbe bekennen. Und da geht es in die Hose. Zudem ist die Interpretation der Turandot als quasi depressiv auf Dauer auch nicht sehr überzeugend.
:hello Falstaff
Falstaff (13.10.2017, 23:25): Mich berührt bei dieser Aufnahme das "Signore, ascolta" der Liu (Hendricks), das habe ich noch nie differenzierter gehört. Lieber Jürgen, das ist in der Tat sehr schön gesungen. Aber für mich mit Betonung auf 'gesungen'. Denn berühren tut es mich weniger, was für mein Empfinden nicht der Sängerin, aber dem Dirigenten anzulasten ist. Aber da kommen wir natürlich in Bereiche, die sehr subjektiv sind.
Ich habe Live-Aufnahmen mit ihr gehört (mit anderen Dirigenten), in denen sie ähnlich differenziert sang, aber mich ganz anders berührte. Ohne Zweifel gehörte sie damals zu den besten Vertreterinnen in dieser Rolle. Aber, wie gesagt, das ist alles subjektiv.
Unabhängig davon, wenn man bei einer 'Turandot'-Einspielung zunächst (und ja durchaus mit recht) die Liù hervorhebt, stimmt etwas an der ganzen Aufnahme nicht. ;)
LG Falstaff
Jürgen (13.10.2017, 23:42): Unabhängig davon, wenn man bei einer 'Turandot'-Einspielung zunächst (und ja durchaus mit recht) die Liù hervorhebt, stimmt etwas an der ganzen Aufnahme nicht. ;) Nun, zum einen liegt das an der Handlung. Liu ist mir die nahezu einzige sympathische Rolle dieser Oper. Die Protagonisten gehen ja über Leichen.
Zum anderen bin ich bekennender Hendricks Fan (die Sängerin), leider kenne ich keine andere Liu-Aufnahme von ihr.
Dein Statement hat sicherlich einen wahren Kern, obgleich ich nicht so weit gehen möchte, zu behaupten, dass mit ihr etwas nicht stimme. Für mich ist sie immert noch unter den Top 10. Es gibt halt bloß Bessere, insbesondere was die Protagonisten angeht.
Grüße Jürgen
Falstaff (13.10.2017, 23:53): Nun, zum einen liegt das an der Handlung. Liu ist mir die nahezu einzige sympathische Rolle dieser Oper. Lieber Jürgen, das ist sicherlich richtig. Trotzdem würde man bei einer 'Turandot'-Aufnahme doch eigentlich eher zunächst ein Statement über Turandot, Kalaf oder den Dirigenten erwarten. Aber ich gebe dir ja recht, die Hendricks ist in dieser Aufnahme, jedenfalls für mein Empfinden, noch das beste. Dein Statement hat sicherlich einen wahren Kern, obgleich ich nicht so weit gehen möchte, zu behaupten, dass mit ihr etwas nicht stimme. Mit der Hendricks stimmt eigentlich alles, so weit es sie angeht. Ich höre bei ihrem Gesang nur halt sehr stark den sie dominierenden Dirigenten heraus. Und HvK, der sie eben in sein vorgefasstes Konzept einband, hat ihr damit sicherlich keinen Gefallen getan. So wie ich es weiß, konnte sie es besser. Oder sagen wir, noch besser.
Die Live-Aufnahmen, von denen ich sprach, sind allerdings nie offiziell veröffentlicht worden. ;)
LG Falstaff
Falstaff (02.11.2017, 23:12):
Das ist schon ein ganz schöner Schinken, wenn man sich das Libretto durchliest. Liebe, Freundschaft, Verrat, Vergebung, Opferung usw. Das ganze Repertoire und dabei angesiedelt in einem exotischen Umfeld, wie die französische Oper es zu der Zeit liebte (Roi de Lahore, Lakmè, Reine de Saba usw.).
Die Perlenfischer sind eine frühe Oper des 25-jährigen Bizet, 1863 uraufgeführt. Die Partitur ist nicht mehr erhalten, so dass alle Aufnahmen auf den Klavierauszug zurückgehen.
Und trotzdem hat die Oper ihre Vorzüge. V.a. natürlich das berühmte Duett und dann jeweils die Arien für die drei Hauptrollen. Aber auch die Chorszenen und die Ensembles machen Eindruck. Wenn es gut gemacht wird! Ich befürchte, dass ist eine der Opern, die auch ganz schnell in Richtung Kitsch abdriften können.
Das wird hier zum Glück vermieden. Durchweg französisch besetzt, wird auch ebenso gesungen. Die Micheau mit ihrem durchaus herben Sopran glänzt, ebenso wie der im französischen Fach eigentlich immer glänzende Gedda und auch Ernest Blanc gestaltet und singt seine Partie sehr angemessen. Vielleicht könnte das ganze Werk ein wenig bezwingender dirigiert werden (nachdem die musikalischen Highlights 'durch sind', fehlt ein wenig der Schwung), aber die exzellenten Stimmen entschädigen hier allzumal.
:hello Falstaff
Cetay (inaktiv) (04.11.2017, 12:05):
Gérard Hourbette; Amargeddon - Operétte pour robots (Akt 1 & 4) Rachel Gourfink (Stimme), Francis Fournier (Stimme), Art Zoyd (vierköpfiges Elektronik-Ensemble), Ensemble Musique Nouvelles
Die Operétte pour robots (Premiere 2004, Lille) ist eine Gemeinschaftsproduktion des Komponisten-Musiker-Kollektivs Art Zoyd aus Frankreich. Der erste und der vierte Akt (die beiden anderen wurden nicht für die CD-Produktion verwendet) stammen aus der Feder von Gérard Hourbette, der auch das Libretto auf Basis des apokryphen Buch Henoch der Bibel verfasst hat. Die Geschichte spielt in einer fernen Zukunft, in der die Menschheit von der Erde verschwunden ist. Ein Zitat von arte.tv (der Link ist mittlerweile kaputt): Jahrtausende nach Ende der Menschheit besingen synthetisch stammelnde Roboter große Mythen: den Krieg der Gallier, die "Operation Wüstensturm", und "Armageddon", benannt nach der letzten apokalyptischen Schlacht. Musiker als letzte Statisten vergangener Zivilisationen. Doch alles in dieser "Operette" ist schwarzer Humor: Das Stück parodiert zum einen die Technologie als unsere Ersatzreligion - aber auch das Ritual unseres lyrischen Theaters, bei dem das Publikum ja auch die gesungenen Botschaften nicht versteht.
Wie setzt man eine Handlung mit Robotern um? Indem man diese eigens für die Inszenierung entwickelt und einen fähigen Computerfachmann die Stimmen synthetisch programmieren lässt - lediglich eine Szene enthält gesampelte menschliche Stimmen. Von einer Beurteilung der Gesangsleistung muss man in diesem Fall absehen. Und die Musik? Wie immer bei Art Zoyd ist das einzige, dem man sich sicher sein kann, dass man sich nie sicher sein kann. Jede neue Produktion ist eine Wundertüte. Ich habe die Franzosen früher schon mal porträtiert und kopiere das dem Prinzip der maximalen Faulheit folgend einfach hierher: Art Zyod gehörten zu den Mitbegründern der Rock-in-Opposition Bewegung, die sich gegen die von den Plattenfirmen diktierten Kompositions- und Produktionsschemata richtete und kompromisslose, fordernde Rockmusik zum Zuhören schaffen wollte. Dazu bediente man sich unter anderem der Stilmittel der klassischen Avantgarde und der freien Jazz-Improvisation. Einige der von Art Zoyd hervorgebrachten Resultate gehören zum Aufregendsten, das die Musikgeschichte hervorgebracht hat. In den besten Werken entwickelt die in ihrem völlig eigenen Klanguniversum existierende Musik eine geradezu hypnotische Sogkraft. Das Ensemble hat sich in seiner 40-jährigen Geschichte immer weiter von den Wurzeln entfernt. Das Rock-Instrumentarium wich nach und nach reinen Kammermusik- und Jazzbesetzungen, diese wiederum wurden mehr und mehr von elektronischen Klangerzeugern und Samplern verdrängt und heute kann man das Ensemble in die Schublade Neue elektro-akustische Kammermusik stecken. Egal aus welcher Phase, diese Klanginstallationen wirken immer unglaublich intensiv, bisweilen beklemmend - ein Markenzeichen von Art Zoyd. Dass ein Komponisten-Ensemble-Kollektiv, das seinen Stil und Klang so stark verändert hat, wie es Art Zoyd über vier Jahrzehnte getan haben, immer sofort identifizierbar ist, ist wohl einmalig.
Mal was anderes und wahrscheinlich gewöhnungsbedürftig, aber es lohnt sich. :thumbup:
Falstaff (05.11.2017, 19:03):
Ich muss gestehen, ich werde nicht so richtig warm mit der Aufnahme und das liegt v.a. an Giulini. Das ist fein dirigiert, nicht einfach nur Begleitung, sondern wirkliche Gestaltung und dabei wunderbar Details der Partitur hörbar gemacht. Aber es ist mir schlichtweg zu langsam. Da fehlt es mir immer wieder an Dramatik, auch am Theatersinn.
Domingo ist an sich ein großartiger Carlo. Herrliche Phrasen bildend, ausdrucksstark, sehr leidenschaftlich. Aber die doch angestrengte Höhe, die doch auch ein Ausdruck jugendlicher Emphase sein soll, drückt schon auf die Stimmung beim Hören.
Milnes war live für mich der beste Posa, den ich je gehört habe. Aber das war live und im Überschwang seiner Interpretation übersah/überhörte man doch Einiges. So fallen im Studio seine ständigen Vokalverfärbungen in der Höhe doch recht unangenehm auf.
Auch Raimondi habe ich häufig in der Partie live erlebt und neben Ghiaurov war er für der Philipp. Das ist er hier noch nicht so richtig. Vielleicht kam die Aufnahme noch zu früh für ihn.
Traumhaft die Caballé. Welch eine runde, schöne Stimme, was für Phrasen kann sie (in dem Fall durchaus Dank Giulini) spinnen und wie füllt sie sie.
Und auch die Verrett ist eine ganz vorzügliche Eboli. Auch sie mit einer sauber geführten Stimme, fern ab vom Dämonischen ihrer Lady, vielmehr liebende und verzweifelte Frau. Eine Eboli, die v.a. zunächst einmal schön gesungen wird, was sehr einfach und schlicht klingt, es aber gar nicht ist. Und aus dieser Schönheit erwächst dann die Bedrohung. Großartig!
:hello Falstaff
Falstaff (28.12.2017, 22:42):
Die Aufführung wurde während der ersten Saison der MET im neuen Haus 1966 mitgeschnitten. Einmal mehr trafen hier Nilsson und Corelli aufeinander, diesmal sekundiert von Freni als Liù und Mehta als Dirigenten.
Die Nilsson bleibt weiterhin nicht meine allerliebste Turandot. Natürlich sind ihre Spitzentöne faszinierend (und die sind ja durchaus von Belang in dieser Partie), aber zu sehr fehlt mir das Italienische in ihrem Gesang. So fehlen zu häufig gebundenen Phrasen, längere Bögen, 'hoppelt' sie sich geradezu in die Höhe. Auch finde ich ihr Rollenportrait um Nuancen zu kalkuliert, zu sehr 'abgespult'.
Corelli ist längst nicht mehr auf der Höhe seines Gesangs. Vielleicht ist das aber auch der besonderen Situation während dieser Saison geschuldet. Aber die Stimme klingt rau, unflexible in manchen Phrasen und die Leichtigkeit, die man sonst von ihm kannte, hört man hier nicht mehr unbedingt. Zudem gibt er doch recht häufig wieder seiner alten Gewohnheit (wenigstens live) nach, Spitzentöne immer um die entscheidende Sekunde zu lange zu halten.
Freni wenigstens ist gewohnt berührend, auch wenn manch Schluchzer (durchaus ja im Sinne des Verismo) dann doch zu aufgesetzt klingt. Weniger wäre hier entschieden mehr.
Mehta aber ist ein guter Begleiter, gestaltet im richtigen Tempo und schafft wenigstens eine dramatische Atmosphäre.
:hello Falstaff
Falstaff (09.03.2018, 23:25):
Die Scotto in einer ihrer legendären Rollen in einer wohl zu recht legendären Aufnahme. Stimmlich in erstaunlicher Form ohne die bekannten Schärfen und 'Säuerlichkeiten' im Timbre gestaltet sie ganz intensiv und leidenschaftlich die Titelpartie. Wobei ihr Anna die Stasio als Suzuki ihr hier hervorragend und mehr als adäquat an die Seite gestellt wurde. Und auch die Herren klingen wunderbar und gestalten (meistens) ebenso. Vor allem Bergonzi ist ein klangschöner Pinkerton, der technisch geradezu makellos singt. Und das ist vielleicht die einzige Einschränkung, die ich bezüglich der Sängerriege habe. Das ist eine Lehrstunde in technisch makellosem Singen. Aber im Verismo ist das vielleicht gar nicht einmal so wichtig. Das zählt doch mehr die Expression, die Leidenschaftlichkeit, durchaus auch die Hemmungslosigkeit im Ausdruck oder auch das gelegentliche 'Darüberhinausschießen', wenn es der Moment erfordert. Und diese Entäußerung war nie die Sache Bergonzis. Persönlich würde ich da di Stefano vorziehen, der ihm natürlich technisch nie das Wasser reichen konnte.
Wunderbar ist -natürlich möchte ich fast sagen- wieder einmal Barbirolli als ein leidenschaftlicher Begleiter, der aber (und das ist gerade auch in dieser Oper ja durchaus wichtig), seinen Protagonisten nicht nur bedingungslos folgt, sondern die Partie durchaus auch sinfonisch auffasst, den Gang der Dinge begleitet, vorantreibt, deutet, verstärkt. Und das durchaus mit der entsprechenden Portion 'Italianita'.
Das die Scotto übrigens in dieser Partie auch ganz anders konnte, zeigte sie (in etwa zur selben Zeit) in einem Live-Mitschnitt aus der MET, der in dieser Box enthalten ist:
Molinari-Pradelli dirigiert Scotto, George Shirley, Ron Bottcher und Nedda Casei in New York 1967.
Scotto hat hier zumindest einen rabenschwarzen Beginn (wenn man gnädig sein will). Von den Partnern schweigt man besser ganz. Warum nun in der Edition ausgerechnet dieser Mitschnitt einer Butterfly, die ja wahrlich diskographisch gut dokumentiert ist, veröffentlicht werden musste, entschließt sich mir überhaupt nicht.