Originalsprache vs. Übersetzung -Ü

Hosenrolle1 (01.11.2016, 12:23):
Ich ziehe grundsätzlich die Originalsprache vor, bei italienischen und französischen Opern sowieso (obwohl ich auch mal zur Abwechslung deutsche Übersetzungen höre).
Bei englischsprachigen Texten ist es ein wenig anders: Diese Sprache ist für mich eine Geschäftssprache, gut geeignet im Flugverkehr und am Computer, aber gesungen finde ich sie einfach - schrecklich! Diese ständigen indifferenten Laute sind mir ein Graus. Aber Händel hat nun mal den Messias und auch viele andere Vokalwerke nach englischen Vorlagen komponiert, und das sollte man schon respektieren. Doch ich persönlich ziehe hier deutsche Übersetzungen vor.

Gilt das für dich auch etwa bei englischen Pop- oder Rocksongs, oder nur im klassischen Bereich?

Was haltet ihr generell von deutschen Übersetzungen von Opern, Oratorien etc.? Ich denke, das Argument, dass man den Text dann besser versteht ist heutzutage eher hinfällig, weil es ja meist in Booklets oder im Internet dt. Übersetzungen gibt.

Ich meine auch, dass in Übersetzungen nicht nur der Klang der Sprache, der Wörter verlorengeht, sondern auch zwangsläufig der Inhalt.

Das gilt aber nicht nur bei deutschen Übersetzungen; wenn die Hexe aus HUG in englischen Übersetzungen häufig "My broomstick nag, giddy up don´t lag" singt, dann klingt das viel weicher, als das viel härtere "Mein Besengaul, hurr hopp nit faul".

Oder der Figaro: die Arie "Non più andrai", die mit eben diesen Worten beginnt, heißt im Deutschen oft "Nun vergiss ...". "Andrai - Vergiss" - aus dem weicheren "andrai" wird ein schärferes, zischendes "vergiss".





LG,
Hosenrolle1
Hörbert (01.11.2016, 14:19):
Hallo!

Hier gibt es für mich gar keinen Zweifel, ich ziehe unbedingt die Originalsprache einer Übersetzung vor, eine Übersetzung stört m.E. den Fluss der Musik allzusehr.

Als angedachtes Beispiel stelle man sich bloß einmal Berlioz wundervolle Kantate La Mort de Cléopâtre in Deutsch, -oder als Gegenbeispiel Brahms "Alt-Rhapsodie" in Englisch vor-.

MFG Günther
Hosenrolle1 (01.11.2016, 17:11):
Die klanglich für mich am schönsten Sprachen bei Musik sind für mich Englisch und Italienisch. Gerade bei Rock- oder Popmusik mag ich das Englische am meisten, bei der Klassik das Italienische, sofern es sich natürlich um keine Übersetzung, sondern um die jeweilige Originalsprache handelt.




LG,
Hosenrolle1
Cavaradossi (01.11.2016, 17:27):
Gilt das für dich auch etwa bei englischen Pop- oder Rocksongs, oder nur im klassischen Bereich?
Hallo Hosenrolle1,

da ich weder Pop- noch Rockmusik höre, ist das für mich nicht wichtig. Im klassischen Bereich ist Englisch ja relativ selten vertreten, und bei einer Oper von Purcell ist die Sprache ja durchaus angebracht.
Dein Einwand, dass bei Übersetzungen nicht nur die Diktion, sondern auch der Sinn verbogen wird, ist durchaus berechtigt. Vor allem die alten deutschen Übersetzungen gängiger italienischer Opern war oft peinigend. Da gab es manchmal wirklich haarsträubende Texte, die meilenweit vom Original entfernt waren.
Da kommt mir eben eine Recital-CD mit Franco Bonisolli in den Sinn, und zwar diese hier:



Zum Glück singt Bonisolli in der Originalsprache, denn da wird die Arie des Herzogs aus "Rigoletto": "Parmi veder le lagrime" sowohl auf der Hüllenrückseite als auch im Beiheft wie folgt übersetzt: "Ich seh' die heißen Zähne"! Mit dem Begriff "Zähren" konnte der Übersetzer wohl nichts anfangen, und die Redaktion auch nicht .... Selten so gelacht!

Doch zurück zum Thema: Das Wiener Opernpublikum hat sich damals sehr dagegen gewehrt, als Karajan in seiner Amtszeit um 1960 generell die Originalsprache an der Staatsoper eingeführt hat. "Es gibt nichts mehr zu lachen", war vor allem der Einwand bei komischen Opern wie Rossinis Barbier oder auch Mozarts Figaro. Vielleicht hätte man die Rezitative weiterhin deutsch sprechen können, aber eine ideale Lösung wäre das sicher nicht gewesen. Heute ist das alles längst Schnee von vorgestern. Und trotzdem hilft es mir beim Hören meiner CDs noch immer, dass ich die deutschen Übersetzungen von anno dazumal im Kopf habe. Mit Textheft ist es doch etwas umständlich und lenkt von der Musik ab.

LG, Cavaradossi
Hosenrolle1 (01.11.2016, 18:14):
Original von Cavaradossi
Doch zurück zum Thema: Das Wiener Opernpublikum hat sich damals sehr dagegen gewehrt, als Karajan in seiner Amtszeit um 1960 generell die Originalsprache an der Staatsoper eingeführt hat. "Es gibt nichts mehr zu lachen", war vor allem der Einwand bei komischen Opern wie Rossinis Barbier oder auch Mozarts Figaro. Vielleicht hätte man die Rezitative weiterhin deutsch sprechen können, aber eine ideale Lösung wäre das sicher nicht gewesen. Heute ist das alles längst Schnee von vorgestern. Und trotzdem hilft es mir beim Hören meiner CDs noch immer, dass ich die deutschen Übersetzungen von anno dazumal im Kopf habe. Mit Textheft ist es doch etwas umständlich und lenkt von der Musik ab.
Ich bin ja sowieso dafür, dass man sich Werke, die man mag, mehr oder weniger "erarbeitet". Nicht, um irgendwelchen Ansprüchen zu genügen, sondern für sich selbst, um möglichst viel davon zu entdecken.
Wie man das macht ist eigentlich egal. Ob man die Musik auseinander nimmt, den Text, die Handlung, die Entstehungsgeschichte, das Leben des Komponisten zur Zeit der Komposition, was auch immer.
Gerade klassische Musik gibt so viel her und ist so reichhaltig, dass man da endlos fündig werden kann.

Das von dir erwähnte Publikum war garantiert eines, das kein großes Interesse daran hatte, sich mehr mit einem Werk zu beschäftigen, sondern schnell und einfach unterhalten werden wollte, mit dem netten Nebeneffekt, dass man zeigen konnte, dass man in die feine Oper geht. Sich vorher den Text in guten Übersetzungen anzusehen und sich damit vertraut zu machen kam da vermutlich eher nicht in Frage.




LG,
Hosenrolle1
Cavaradossi (03.11.2016, 11:31):
Als angedachtes Beispiel stelle man sich bloß einmal Berlioz wundervolle Kantate La Mort de Cléopâtre in Deutsch, -oder als Gegenbeispiel Brahms "Alt-Rhapsodie" in Englisch vor
Nun ja, nicht gerade die "Alt-Rhapsodie", aber das Schicksalslied gibt es auf Englisch.

Es wurde zum "Song of Destiny". Sir Thomas Beecham hat es möglich gemacht.
Übrigens gibt es auch Mozarts "Entführung" komplett in englisch gesungen, mit keinem Geringeren als Nicolai Gedda als Belmonte. Wie man sieht, sind Übersetzungen keine exklusive deutsche "Unsitte".

Gruß, Cavaradossi
Hosenrolle1 (03.11.2016, 11:37):
Übrigens gibt es auch Mozarts "Entführung" komplett in englisch gesungen, mit keinem Geringeren als Nicolai Gedda als Belmonte. Wie man sieht, ist das keine exklusive deutsche "Unsitte".
Jössas ... wie wurde denn "Singt dem großen Bassa Lieder, töne, feuriger Gesang!" sowie "Vivat Bacchus, Bacchus lebe, Bacchus war ein braver Mann" übersetzt?



LG,
Hosenrolle1
Cavaradossi (03.11.2016, 12:15):
Jössas ... wie wurde denn "Singt dem großen Bassa Lieder, töne, feuriger Gesang!" sowie "Vivat Bacchus, Bacchus lebe, Bacchus war ein braver Mann" übersetzt?
Das weiß ich auch nicht.
Aber es gibt die Gesamtaufnahme (1967) in dieser Besetzung:
Mattiwilda Dobbs (Konstanze), Noel Mangin (Osmin), Nicolai Gedda (Belmonte), John Fryatt (Pedrillo),
Ambrosian Opera Singers, Bath Festival Orchestra, Dirigent Yehudi Menuhin.
In einem Gedda-Recital habe ich die Arie "Ich baue ganz auf deine Stärke". Sie heißt da: "Love, only love, can now direct me"! :(
Gedda, der sie in der deutschen GA unter Josef Krips auslässt, singt das sehr ordentlich, aber eben leider auf Englisch - und deshalb entbehrlich.

LG, Cavaradossi
palestrina (03.11.2016, 14:31):
Übrigens gibt es auch Mozarts "Entführung" komplett in englisch gesungen, mit keinem Geringeren als Nicolai Gedda als Belmonte. Wie man sieht, ist das keine exklusive deutsche "Unsitte".
Jössas ... wie wurde denn "Singt dem großen Bassa Lieder, töne, feuriger Gesang!" sowie "Vivat Bacchus, Bacchus lebe, Bacchus war ein braver Mann" übersetzt?


LG,
Hosenrolle1
Zu 1 ...
Sing to the mighty Pasha Selim songs of loyalty and joy.
Zu 2 ...
Here's to Bacchus, long live Bacchus, Bacchus is the man for me!



English National Opera (ENO)mit Sitz im London Coliseum, ist eines der beiden großen Opernhäuser in London. Im Gegensatz zum Royal Opera House (Covent Garden) präsentiert die ENO alle Aufführungen in englischer SpracheDas hat in England immer noch Tradition, es gibt sehr viele CD Aufnahmen bei Chandos " Opera In English ".

LG palestrina
Hosenrolle1 (03.11.2016, 14:59):
Hmm ... ich fand es auch immer schade, dass im Film "Amadeus" die dort gezeigten Opernvorstellungen alle in englischer Sprache waren. Sehr authentisch ist das nicht :D



LG,
Hosenrolle1
Waldi (03.11.2016, 15:54):
In den meisten Fällen ist die originalsprachliche Interpretation überlegen, aber es gibt Ausnahmen. Wenn z.B. Fritz Wunderlich "Komm, o holde Dame" singt, dann ist das dem französischen Original zumindest gleichwertig (subjektiv finde ich es sogar besser als beispielsweise die Version mit Rockwell Blake). Auch als Alfredo vermag Wunderlich meine Skepsis gegenüber einer verdeutschten "Traviata" zu überwinden. Dank seiner Artikulationskunst nimmt er da Hürden, an denen andere scheitern müssen. Es gibt ja auch Schauspieler, die zwar körpersprachlich exzellent sind, aber als Sprecher weniger beeindrucken. Für Sänger gilt dasselbe. Die vollbringen Wunder im Deutschen, die man nicht glauben mag Ein Beispiel fürs Umgekehrte, noch dazu eines, was ich nie für möglich gehalten hätte. Marilyn Hill-Smith schlägt mit der Arie "Don't be cross" aus Carl Zellers "Obersteiger" sämtliche "Sei nicht bös"-Sängerinnen von Güden bis Bonney eindeutig aus dem Feld. Daß Englisch gut sangbar ist, wenn von echten Sprachkünstlern gestaltet, habe ich erst lernen müssen...
Cavaradossi (04.11.2016, 10:42):
Hallo, Waldi,

Fritz Wunderlich in allen Ehren, ich schätze ihn über alle Maßen, aber bei "Komm, o holde Dame" ist und bleibt für mich Josef Traxel das Maß aller Dinge. Seine Aufnahme von 1956 ist von einer Reinheit und Schlichtheit, die nicht zu überbieten ist. Außerdem singt er die Arie ganz ungekürzt, während Wunderlich den Schluss weglässt.
Zum Vergleich habe ich noch Nicolai Gedda, Rockwell Blake, Juan Diego Florez und Michael Spyres gehört, die alle in der Originalsprache singen. Nach meinem Empfinden kommt nur Spyres an Traxels Leistung heran. Er singt leider nur mit Klavierbegleitung, aber sein Vortrag ist lupenrein. Gedda singt, wie Wunderlich, eine gekürzte Fassung, sehr schön, aber für meinen Geschmack zu distanziert.
Sie schreiben "Marilyn Hill-Smith schlägt mit der Arie "Don't be cross" aus Carl Zellers "Obersteiger" sämtliche "Sei nicht bös"-Sängerinnen von Gueden bis Bonney eindeutig aus dem Feld." Ich kenne zwar die englische Aufnahme von Hill-Smith nicht, aber ich kann mir absolut nicht vorstellen, daß sie in der Lage sein soll, Elisabeth Schwarzkopf mit ihrer Aufnahme von 1957 (mit dem Philharmonia Orchestra London, Dir. Otto Ackermann) zu übertreffen. Für mich ist das, wie auch der übrige Inhalt der CD, eine "Desert Island"-Aufnahme, obwohl ich ansonsten kein großer Operettenliebhaber bin.

LG, Cavaradossi
Keith M. C. (04.11.2016, 12:36):
Hallo,

ich höre grundsätzlich die Opern in Originalsprache, habe aber nichts gegen Übersetzungen in die jeweilige Landesprache. Und selbstverständlich freue ich mich über gute Übersetzungen. Schlechte Übersetzungen sind jedoch kein Argument generell gegen Übersetzungen. Sollte es zu merkwürdigen, drolligen oder gar falschen Übersetzungen kommen, ist das bedauerlich, aber zu verwinden. Einige Originaltexte sind ebenfalls für unsere Ohren heute merkwürdig anzuhören. Bei manchen Texten R. Wagners fühle ich mich belustigt oder gar befremdet aufgrund der Offenbarung seiner Gedankenwelt. Seine Alliterationen wie z. B. "Weia! Waga! Woge, du Welle, walle zur Wiege! Wagala weia! Wallala, weiala weia!" können ziemlich lustig, aber auch nervend sein und an eine Vorwegnahme des Dadaismus erinnern.

Obwohl damals Rideamus anderen Orts auch eine DVD/CD mit einer übersetzten Oper des romantischen Belcantos oder besser der italienischen Romantik empfohlen hat, sind meine Bedenken bzgl. Übersetzungen von Barockopern seien es Opern des italienischen Belcantos oder des französischen Barocks nicht gewichen.

Geht man heute in die Oper sind viele Opern übertitelt und die Wiedergänger kennen viele bereits, so dass ihnen die Handlung und die Texte geläufig sind.

Die heutige internationalisierte Opernwelt macht es vielen Sängern einfacher, indem die Originalsprache verlangt wird und diese mit ihrem Repertoire durch die Länder gastieren können, da das Ensembletheater seine Bedeutung verloren hat.

Bis dann.
Hörbert (04.11.2016, 18:52):
Hallo!

Nun wenn die Sprache ein integraler Bestandteil der Komposition ist wäre eine Sprachänderung m.E. eigentlich ein sehr tiefer Eingriff in das Musikgeschehen, so wäre z.B. eine neuere Oper wie die (hoffentlich) allseits bekannte "Antigone" von Carl Orff durch so eine Maßnahme eigentlich verstümmelt. Oder sehe ich das Falsch?

MFG Günther
Waldi (04.11.2016, 19:18):
Hallo Cavaradossi, die Traxel-Aufnahme kenne ich leider nicht (schätze diesen Sänger aber an sich sehr), Du hast mich neugierig gemacht Auf Youtube ist diese Arie von ihm aber offenbar nicht zu hören. Bei Spyres stimmen wir durchaus überein, ebenso bei Gedda (die Youtube-Version ist sicher nicht eine seiner stärksten Leistungen, obwohl stilistisch sicher genuin).
Die Schwarzkopf habe ich jetzt nicht mehr im Ohr, über Hill-Smith können wir weiterreden, wenn Du Sie gehört hast. Chandos hat "Treasures of Operetta" herausgebracht mit M.Hill Smith und P.Morrison.

Liebe Grüße aus Wien
Waldi
Hosenrolle1 (04.11.2016, 19:26):
Nun wenn die Sprache ein integraler Bestandteil der Komposition ist wäre eine Sprachänderung m.E. eigentlich ein sehr tiefer Eingriff in das Musikgeschehen, so wäre z.B. eine neuere Oper wie die (hoffentlich) allseits bekannte "Antigone" von Carl Orff durch so eine Maßnahme eigentlich verstümmelt. Oder sehe ich das Falsch?
Ich finde auch, dass das eigentlich eine Bearbeitung ist, weil der Gesang sowie der Text ja Teil der Musik sind.



LG,
Hosenrolle1
Cavaradossi (04.11.2016, 19:53):
die Traxel-Aufnahme kenne ich leider nicht
Guten Abend, Waldi,

ich kann sie nur wärmstens empfehlen. Hier ist sie drauf:




Das ist eine Lizenzausgabe von Preiser Records, Wien, mit Original-Aufnahmen von EMI Electrola (nur "Faust" und "Perlenfischer" sind auf DGG erschienen), alle in Mono, aus den 1950er Jahren, aber klanglich ausgezeichnet.
Auch die Postillon-Arie habe ich von niemand bis heute schöner gehört, trotz der berühmten Versionen von Gedda und Roswaenge. Und die Romanze "O schweige still" aus "Das Glöckchen des Eremiten" von Maillard ist ebenfalls eine wahre Trouvaille. Mit diesem schlichten Lied habe ich Traxel zum allerersten Mal gehört, und zwar im Rundfunk. Das muss so um 1960 herum gewesen sein. Seitdem zählt er zu meinen Lieblingstenören (neben Anders, Wunderlich, Björling, Bergonzi, Gedda).
Obige CD ist übrigens bei Amazon erhältlich, gebraucht ab € 13,99. Es gibt sie auch neu, da ist sie allerdings recht teuer. Auf jeden Fall ist sie das Geld wert.
Hill-Smith kenne ich, ehrlich gesagt, nicht, werde sie mir aber baldigst anhören und darauf zurückkommen.

Schönen Abend aus dem Rheinland nach Wien
Cavaradossi

P.S.: Vielleicht gibt's die CD ja bei Amazon Österreich günstiger, oder in einem Wiener Fachgeschäft. Schließlich ist Preiser eine Wiener Firma (muß aber nichts heißen).
Hosenrolle1 (04.11.2016, 20:01):
Leider bekomme ich das Bild nicht kleiner.
Klick auf das Bild und ziehe es mit dem kleinen grauen Kästchen am rechten unteren Eck kleiner :)






LG,
Hosenrolle1
Cavaradossi (04.11.2016, 20:10):
Danke für den Tipp! Werde beim nächsten Mal dran denken.

LG, Cavaradossi
Hosenrolle1 (04.11.2016, 20:11):
Bitte gerne, aber du kannst deinen Beitrag eh noch editieren wenn du das möchtest :)



LG,
Hosenrolle1
Amonasro (04.11.2016, 21:09):
Ich bevorzuge eindeutig Opern in Originalsprache. Der Komponist hat ja seine Musik zu genau diesem Text komponiert, also auch den Klang der einzelnen Wörter im Ohr gehabt. Da ich die meisten Opern in Originalsprache kennengelernt habe, ist es für mich sowieso sehr ungewohnt, bekannte Werke plötzlich in anderer Sprache zu hören.

Fritz Wunderlichs Version der holden Dame gefällt mir zwar, allerdings passt die französische Sprache IMHO besser zur leichten, verspielt klingenden Musik Boieldieus. Am besten gefällt mir die Interpretation von Michael Spyres (zusätzlich mit überzeugendem Mienenspiel), Rockwell Blakes Timbre finde ich immer etwas gewöhnungsbedürftig.

Gruß Amonasro
Hörbert (05.11.2016, 08:49):
Hallo!

Es ist wahrscheinlich immer ein "Eiertanz" inwieweit man die Originalsprache ersetzen kann, in einer ganzen Reihe von Fällen die ich mir angehört habe (vorwiegend historisches Material bis 1970-1975) hat das Werk dadurch gelitten und dem standen nur wenige gelungene Translationen entgegen.

MFG Günther
Hosenrolle1 (15.12.2016, 12:35):
Mir liegen nun drei verschiedene Übersetzungen des "Figaro" vor: einmal das Libretto von Reclam, einmal das CD-Booklet der Harnoncourt-Aufnahme und einmal ein Opernführer vom "insel Verlag", herausgegeben von der Staatsoper Unter den Linden Berlin.

Ein paar Stellen:

Zuerst eine Regieanweisung, die schon unterschiedlich interpretiert wird:


Original:

(prende cherubino e se lo fa inginocchiare davanti poco discosto dalle Contessa che siede.)

Opernführer:

(Nimmt Cherubino und lässt ihn vor sich niederknien, ein wenig entfernt von der Gräfin, die sitzt.)

Reclam:

(Sie nimmt Cherubino und lässt ihn nahe bei der Gräfin niederknien, die sich hingesetzt hat.)

Booklet:

(nimmt Cherubino und lässt ihn vor sich niederknien, wenig entfernt von der Gräfin, die sitzt.)


"Vor sich", "nahe bei", "wenig entfernt" ...


______

Eine andere Stelle, wo ich mich an der Reclam-Übersetzung gestoßen habe:


Original:

Quante buffonerie!

Opernführer:

Was für Streiche!

Reclam:

Kein Ende der Scherze!

Booklet (Deutsch):

Wie viele Narrheiten!

Booklet (Englisch):

This is too silly!


Hier übersetzt die dt. Übersetzung des Booklets am genauesten, während die englische Version wiederum völlig abweicht davon.

______

Eine Stelle, die mich verwirrt hat, war die, wo Susanna Cherubinos Haut sieht, als sie den Ärmel hochstreift und seine Verletzung untersucht.


Susanna:

Mostrate! Non è mal. Cospetto! Ha il braccio più candido del mio! Qualche ragazza ...

Opernführer:

Zeigen Sie her! Es ist nicht schlimm. Sieh da! Sein Arm ist weißer als der meine! Er ist wie ein Mädchen ...

Reclam:

Zeigt her! Nicht schlecht! Respekt! Sein Arm ist weißer als meiner! So manches Mädchen ...

Booklet (D):
Zeigt: nicht übel. Alle Achtung! Sein Arm ist weißer als meiner! manches Mädchen ...

Booklet (E):

Let´s see: it´s nothing much. Look! His arm´s whiter than mine! Like a girl´s ...


"qualche ragazza" wird mir von google mit "manches Mädchen" übersetzt. Meine Verwirrung fängt damit an, dass ich nicht weiß, was Susanna da sagen möchte.

Dann kommen aber neue Übersetzungen, die auf jeden Fall etwas anderes wiedergeben; der Opernführer macht daraus "Er ist wie ein Mädchen ...", die engl. Übersetzung "Like a girl´s ...". Ich kann kein italienisch, und weiß wie gesagt nicht, was sie mit "qualche ragazza" genau meint, aber ich glaube nicht, dass sie sagt, dass ER wie ein Mädchen aussieht.

Auch finde ich die Reclam-Übersetzung nicht gelungen, denn Susanna sagt "Non è mal.", wird übersetzt mit "Es ist nicht wund", vielleicht heißt "mal" auch "schlimm"? Aber Reclam macht daraus "nicht schlecht!".

Wie das "Cospetto" zu übersetzen ist weiß ich nicht. Google sagt hier "Anblick!", vielleicht heißt das so viel wie "Da schau her!". Aber sagt sie wirklich "Respekt" oder "Alle Achtung!"? Da gefällt mir "Sieh da! und "Look!" schon besser.



______

Auch das bekannte "Se vuol ballare" von Figaro wird gerne mit "Will der Herr Graf ein Tänzchen wagen, soll er´s nur sagen, ich spiel ihm auf" oder so übersetzt. Hier halten sich die Übersetzungen erfreulicherweise großteils an das Original, nur die engl. Übersetzung muss wieder aus der Reihe tanzen:

Figaro:

Se vuol ballare
Signor Contino,
Il chitarrino
Le suonerò.

Opernführer:

Wenn Sie tanzen wollen,
Herr Gräflein,
werde ich Ihnen
das Gitarrchen schlagen.

Reclam:

Will er tanzen,
der Herr Gräflein,
mit der Gitarre
spiel ich ihm auf.

Booklet (D):

Wenn Sie tanzen wollen,
lieber Herr Graf,
spiele Ich Ihnen
die Gitarre.

Booklet (E):

If, my dear Count,
you feel like dancing,
it´s I
who call the tune.


Google sagt mir, dass "Le suonerò" "das werde ich spielen" bedeutet. Der Opernführer verwendet das besser übersetzte "Gitarrchen" statt "Gitarre", aber von "Gitarrchen schlagen" oder "spiel ich ihm auf" ist keine Rede.
Das Booklet nennt den Grafen "lieber Herr Graf", von "lieber" ist aber auch keine Rede.

Ich hätte es so übersetzt: "Wenn Sie tanzen, Herr Gräflein, auf dem Gitarrchen werde ich spielen" bzw. "werde ich auf dem Gitarrchen spielen".




LG,
Hosenrolle1
Zefira (16.12.2016, 10:06):
"Manches Mädchen ..." habe ich immer so verstanden, dass Susanna meint, manches Mädchen würde Cherubino um seine schöne Hautfarbe beneiden.
"mal" würde ich mit "schlimm" übersetzen, im Italienischen kann "mal" alles mögliche bedeuten. Krankheit, Kummer, als Adjektiv auch einfach "schlecht", man kann es auch mit "miss-" übersetzen wie bei malfatto = misslungen.

Was den Abstand betrifft, das hatten wir ja, glaube ich, schon mal. Solange "nahe" und "ein wenig" keine klar definierten Größen sind, ist es ziemlich wurscht, wie man es genau übersetzt. Es kann drei Meter oder auch die berühmte Armlänge bedeuten. Schließlich spielt dabei wohl auch die Größe der Bühne eine Rolle sowie die Anzahl der Möbel und wie sie aufgestellt sind.
Hosenrolle1 (16.12.2016, 10:37):
Aber doch interessant, wie unterschiedlich solche Übersetzungen ausfallen, und wie sinnentstellend die oft sind. Trau keinem, der Übersetzungen schreibt! ^^



LG,
Hosenrolle1