ab (26.05.2006, 10:24): Laut einer APG-Meldung: Otto M. Zykan ist tot
Er galt als "kompromissloser Neutöner" Der österreichische Komponist Otto M. Zykan ist am Donnerstag im Alter von 71 Jahren in Sachsendorf (NÖ) beim Radfahren gestorben.
Dies bestätigte seine Lebensgefährtin gegenüber der APA. Zykans Tod sei "plötzlich, aber nicht unerwartet" gekommen. In der österreichischen Musikszene galt er als "kompromissloser Neutöner", der sowohl die Konventionen des Konzertbetriebs als auch der Musik selbst in Frage stellte: Otto M. Zykan.
Neben Opern, Konzerten, Chansons, Bühnen- und Filmmusik schuf der Komponist u. a. auch die populäre "humanic"-TV-Werbung. Am Donnerstag ist Zykan im Alter von 71 Jahren in der Nähe seines Hauses in Sachsendorf (NÖ) beim Radfahren gestorben.
Mitgestalter der Werbung Nach H. C. Artmanns Spot "Papierene Stiefel" von 1980 ("Bei de japana drongs papiarene schtifö, des hast daun: GEDICHT") folgte 1983 Zykans "Lautmalerei". Denn der Wiener Komponist und Sprachschöpfer Zykan war in der Musik und in der Dichtung gleichermaßen zu Hause. In seiner Sprachbeherrschung war er immer wieder mit Altmeister Ernst Jandl verglichen worden.
Zykans Erfolgswerke Erfolge feierte er u. a. mit der Musik zu Hans Hoffers "Odysseus"-Inszenierung, mit der Oper "Singers Nähmaschine ist die beste" (1966), mit dem Skandalwerk "Staatsoperette" sowie mit der "Symphonie aus der heilen Welt" (beide 1977), mit "Kunst kommt von Gönnen" (1980) sowie mit "Auszählreim" (1986). Im September 2002 wurde in den Kristallwelten Wattens in Tirol Zykans Werk "Zyklus für Streichquartett und teilhabenden Komponisten" uraufgeführt. Werke vor 1994 nicht rekonstruierbar Zykans ungewöhnlicher Zugang zur Musik wird dadurch illustriert, dass zahlreiche seiner vor 1994 entstandenen Werke nicht mehr rekonstruierbar sind. Musik, die er als persönliches Anliegen sah, sei eben "nur persönlich (also unvermittelt) exekutierbar". Aus diesem Grunde sah er sich "außer Stande, Arbeiten zu veröffentlichen", weswegen heute viele verloren, verworfen oder schlicht unleserlich seien.
Beginn als Sängerknabe Otto M(atthäus) Zykan, der sich später zeitweise auch Otto J(unger) M(eister) Zykan nannte, wurde am 29. April 1935 in Wien geboren. Er bekam bereits im Alter von vier Jahren Klavierunterricht von seinem Vater. 1946/47 war er Mitglied der Wiener Sängerknaben, ab dieser Zeit studierte er auch Klavier an der Musikhochschule Wien. 1953 maturierte Zykan und begann eine Kompositionsausbildung bei Karl Schiske. 1965 gründete er gemeinsam mit Kurt Schwertsik und Heinz Karl Gruber die "Salonkonzerte", und 1968 das "MOB art & tone ART Ensemble".
"Ungereimtheiten Zykanschen Schaffens" Anlässlich des 70. Geburtstags des Künstlers stand im Vorjahr "Otto M. Zykans lange Nacht der Musik" auf dem Programm des RadioKulturhauses. "Die Gestaltung einer sechsstündigen Sendung gegen Ende meines Lebens wird nicht daran vorbeikommen, die Ungereimtheiten Zykanschen Schaffens über einen gemeinsamen Nenner zu biegen und daran festzuhalten, dass Musik von Menschen für Menschen geschaffen wird, dass eine Musik, die nichts zu erzählen weiß, besser nicht geschrieben worden wäre. In diesem Sinn will ich versuchen, nicht nur mit, sondern auch von meiner Musik zu erzählen", so Zykan damals.
Im Dezember 2005 wurde im Musikverein Zykans zweites Konzert für Violoncello und Orchester, "Beethovens Cello", uraufgeführt. Bei den Wörthersee Classics soll am 14. Juni 2006 Zykans Werk "Ave Schwermut", das er im Auftrag des Wiener Mozartjahres 2006 verfasst hat, uraufgeführt werden.
Großer Verlust für Österreich Mit Otto M. Zykan verliere "Österreich einen seiner profiliertesten und international anerkannten Komponisten, einen radikalen Avantgardisten, der bis an sein Lebensende den Gestus der Avantgarde behalten, aber auf den Gestus der Provokation verzichtet hat", meinte Kunststaatssekretär Franz Morak (ÖVP) in einer Aussendung zum Tod des Künstlers. Der Komponist habe mit Mut und Beharrlichkeit seinen Weg verfolgt und damit vielen jungen Musikschaffenden Mut gemacht. Zykan habe sich "immer als Kämpfer gegen die Institutionalisierung der Kunst verstanden und die Regeln des Kunstbetriebes ironisch zurückgewiesen" sowie "wesentlichen Anteil an Österreichs Durchbruch zur Moderne" gehabt.
Betroffen zeigte sich auch SPÖ-Kultursprecherin Christine Muttonen. Mit Zykan verliere Österreich "einen seiner vielseitigsten Musiker". Sein avantgardistisches Werk habe nicht nur zahlreiche musikalische Schöpfungen umfasst, "einer breiten Öffentlichkeit war er auch als Schöpfer außergewöhnlicher Werbespots bekannt", so Muttonen in einer Aussendung.
claashorst (26.05.2006, 19:11): Danke für die Info, ich gestehe: bin wohl noch zu sehr (Kultur-) Banause, da ich den Namen Zykan noch nie gehört habe. Schön, wenn Horizonte sich erweitern. :wink Welche Musikstücke Zykan´s von wem interpretiert sind denn für Null-Ahnung-Leute wie mich geeignet ? CH
ab (26.05.2006, 10:24): Laut einer APG-Meldung: Otto M. Zykan ist tot
Er galt als "kompromissloser Neutöner" Der österreichische Komponist Otto M. Zykan ist am Donnerstag im Alter von 71 Jahren in Sachsendorf (NÖ) beim Radfahren gestorben.
Dies bestätigte seine Lebensgefährtin gegenüber der APA. Zykans Tod sei "plötzlich, aber nicht unerwartet" gekommen. In der österreichischen Musikszene galt er als "kompromissloser Neutöner", der sowohl die Konventionen des Konzertbetriebs als auch der Musik selbst in Frage stellte: Otto M. Zykan.
Neben Opern, Konzerten, Chansons, Bühnen- und Filmmusik schuf der Komponist u. a. auch die populäre "humanic"-TV-Werbung. Am Donnerstag ist Zykan im Alter von 71 Jahren in der Nähe seines Hauses in Sachsendorf (NÖ) beim Radfahren gestorben.
Mitgestalter der Werbung Nach H. C. Artmanns Spot "Papierene Stiefel" von 1980 ("Bei de japana drongs papiarene schtifö, des hast daun: GEDICHT") folgte 1983 Zykans "Lautmalerei". Denn der Wiener Komponist und Sprachschöpfer Zykan war in der Musik und in der Dichtung gleichermaßen zu Hause. In seiner Sprachbeherrschung war er immer wieder mit Altmeister Ernst Jandl verglichen worden.
Zykans Erfolgswerke Erfolge feierte er u. a. mit der Musik zu Hans Hoffers "Odysseus"-Inszenierung, mit der Oper "Singers Nähmaschine ist die beste" (1966), mit dem Skandalwerk "Staatsoperette" sowie mit der "Symphonie aus der heilen Welt" (beide 1977), mit "Kunst kommt von Gönnen" (1980) sowie mit "Auszählreim" (1986). Im September 2002 wurde in den Kristallwelten Wattens in Tirol Zykans Werk "Zyklus für Streichquartett und teilhabenden Komponisten" uraufgeführt. Werke vor 1994 nicht rekonstruierbar Zykans ungewöhnlicher Zugang zur Musik wird dadurch illustriert, dass zahlreiche seiner vor 1994 entstandenen Werke nicht mehr rekonstruierbar sind. Musik, die er als persönliches Anliegen sah, sei eben "nur persönlich (also unvermittelt) exekutierbar". Aus diesem Grunde sah er sich "außer Stande, Arbeiten zu veröffentlichen", weswegen heute viele verloren, verworfen oder schlicht unleserlich seien.
Beginn als Sängerknabe Otto M(atthäus) Zykan, der sich später zeitweise auch Otto J(unger) M(eister) Zykan nannte, wurde am 29. April 1935 in Wien geboren. Er bekam bereits im Alter von vier Jahren Klavierunterricht von seinem Vater. 1946/47 war er Mitglied der Wiener Sängerknaben, ab dieser Zeit studierte er auch Klavier an der Musikhochschule Wien. 1953 maturierte Zykan und begann eine Kompositionsausbildung bei Karl Schiske. 1965 gründete er gemeinsam mit Kurt Schwertsik und Heinz Karl Gruber die "Salonkonzerte", und 1968 das "MOB art & tone ART Ensemble".
"Ungereimtheiten Zykanschen Schaffens" Anlässlich des 70. Geburtstags des Künstlers stand im Vorjahr "Otto M. Zykans lange Nacht der Musik" auf dem Programm des RadioKulturhauses. "Die Gestaltung einer sechsstündigen Sendung gegen Ende meines Lebens wird nicht daran vorbeikommen, die Ungereimtheiten Zykanschen Schaffens über einen gemeinsamen Nenner zu biegen und daran festzuhalten, dass Musik von Menschen für Menschen geschaffen wird, dass eine Musik, die nichts zu erzählen weiß, besser nicht geschrieben worden wäre. In diesem Sinn will ich versuchen, nicht nur mit, sondern auch von meiner Musik zu erzählen", so Zykan damals.
Im Dezember 2005 wurde im Musikverein Zykans zweites Konzert für Violoncello und Orchester, "Beethovens Cello", uraufgeführt. Bei den Wörthersee Classics soll am 14. Juni 2006 Zykans Werk "Ave Schwermut", das er im Auftrag des Wiener Mozartjahres 2006 verfasst hat, uraufgeführt werden.
Großer Verlust für Österreich Mit Otto M. Zykan verliere "Österreich einen seiner profiliertesten und international anerkannten Komponisten, einen radikalen Avantgardisten, der bis an sein Lebensende den Gestus der Avantgarde behalten, aber auf den Gestus der Provokation verzichtet hat", meinte Kunststaatssekretär Franz Morak (ÖVP) in einer Aussendung zum Tod des Künstlers. Der Komponist habe mit Mut und Beharrlichkeit seinen Weg verfolgt und damit vielen jungen Musikschaffenden Mut gemacht. Zykan habe sich "immer als Kämpfer gegen die Institutionalisierung der Kunst verstanden und die Regeln des Kunstbetriebes ironisch zurückgewiesen" sowie "wesentlichen Anteil an Österreichs Durchbruch zur Moderne" gehabt.
Betroffen zeigte sich auch SPÖ-Kultursprecherin Christine Muttonen. Mit Zykan verliere Österreich "einen seiner vielseitigsten Musiker". Sein avantgardistisches Werk habe nicht nur zahlreiche musikalische Schöpfungen umfasst, "einer breiten Öffentlichkeit war er auch als Schöpfer außergewöhnlicher Werbespots bekannt", so Muttonen in einer Aussendung.
claashorst (26.05.2006, 19:11): Danke für die Info, ich gestehe: bin wohl noch zu sehr (Kultur-) Banause, da ich den Namen Zykan noch nie gehört habe. Schön, wenn Horizonte sich erweitern. :wink Welche Musikstücke Zykan´s von wem interpretiert sind denn für Null-Ahnung-Leute wie mich geeignet ? CH