Ouvertüren - mehr als nur "Vorspeisen"

Jeremias (09.01.2007, 22:55):
Ich dürfte vielleicht 6 bis 7 Jahre alt gewesen sein, als mich eines der großen musikalischen Schlüsselerlebnisse meines gesamten Lebens ereilte. Wir waren in Bayern im Urlaub und meine Eltern nutzten die Gelegenheit, ein Galakonzert mit Pavarotti in der Olympiahalle München zu besuchen. Dieses Konzert nahm ein Bekannter für uns zeitgleich im TV auf. Als wir es uns dann zu Hause ansahen war es jedoch nicht Pavarotti, der mich faszinierte, sondern vielmehr der "Appetithappen" zu Beginn, die Ouvertüre zu Verdi's "Sizilianischer Vesper". Noch nie hatte ich in einer derart komprimierten Form so viele wunderschöne Melodien auf einmal gehört.

Aber was war es, was diese Faszination in mir auslöste, Gehört diese Ouvertüre doch zu den eher selten gespielten des Repertoires?! War es die Kumulation der Themen, waren es die vielen kompakten Stimmungs- und Gemütsschwankungen des Komponisten? Bis heute weiss ich es nicht so recht! Aber ich habe gemerkt, dass ich persönlich an einer Ouvertüre oftmals bereits festmachen kann, ob mich eine Oper interessiert! Interessanterweise höre ich die Ouvertüren Rossini's z.B. recht gerne einmal, habe mich aber ansonsten noch nie so richtig mit seinen Opern beschäftigt. Anders verhält es sich mit den 3 großen Ouertüren von Carl Maria von Weber. Leider gibt es außer dem Freischütz kaum Aufnahmen. Zu gerne würde ich mir einmal eine gute Einspielung des Oberons oder Euryanthes anhören! Auch ein Phänomen diesbezüglich ist Franz von Suppé, den man fast ausschließlich mit seiner leichten Kavallerie kennt. Aber hat jemals jemand von Euch die dazugehörige Operette gehört?

Welches sind Eure Lieblings-Ouertüren?
Martin (09.01.2007, 23:26):
Ich bin davon gezeichnet, dass ich als 11-Jähriger in Carmen im Kinderchor mitgesungen habe und Carmen seitdem für mich das größte im Operngenre ist. Die Ouverture aus Carmen ist natürlich ein Gassenhauer, den jeder kennt, aber auch der zweite Teil der Ouverture, der etwas dunkler klingt ist wunderschön und deutet schon auf das tragische Ende der Geschichte hin.
Ebenfalls wunderbar ist die an Zigeunermusik erinnernde Ouverture zum 4. Akt. Dieser Ouverture habe ich immer direkt hinter der Bühne gelauscht, weil in der 1. Szene des 4. Aktes der zweite Auftritt des Kinderchors ist, sehr schnell konnte ich sie auswendig und kenne auch jetzt 5 Jahre später noch nahezu jeden Takt, ohne sie dauernd zu hören. Wunderbare Musik von Georges Bizet.
Jeremias (10.01.2007, 00:23):
Ein derartiges Kindheitserlebnis wie Du habe ich auch. Allerdings war es bei mir nicht Carmen, sondern Hänsel und Gretel von Humperdinck. Auch heute höre ich noch unwahrscheinlich gerne die wunderschöne Ouvertüre, in welcher insbesondere die Streicher zur Geltung kommen. Es sind halt Kindheitserinnerungen.... lang lang ist's her.... :engel :I :engel :I :engel
Amadé (10.01.2007, 20:30):
Mein erstes Orchesterkonzert begann mit der feurigen Ouvertüre zu Glinkas Oper Ruslan und Ludmilla".
Ich war hingerissen von der Präzision der Streicher in dem sehr schnellen Tempo sowie dem ZUsammenspiel vor allem mit den Blechbläsern. Auch heute noch, nach etwa 40 Jahren, wenn die Ouvertüre im Radio läuft, horche ich auf und unterbreche meine Beschäftigung, um diesem einzigartigen Bravourstück zuzuhören. Damals für mich ein Schlüsselerlebnis!

Gruß Amadé
daniel5993 (03.05.2007, 13:21):
Hallo :hello,

Ouvertüren? Ein Thema, mit dem ich mich oft beschäftige! Viele Ouvertüren sind geniale Meisterwerke! Hab mir extra auch auf LP, Ouvertürensammlungen zusammengekauft. Ich möchte hier ein paar Unvergängliche Ouvertüren nennen, welche einen Mitreißen und in Meinen Augen von unvergänglicher Größe sind!

- Medea
- Der Freischütz
- Don Giovanni
- Die Zauberflöte
- Egmont und Coriolan .... usw.

ach, es hat keinen Sinn weiter zu zählen, es gibt zu viele!

Ich wäre froh, wenn Ihr mir weitere Ouvertüren empfehlen könntet, die in euren Augen "die Größe" besitzen, um ein Meisterwerk genannt zu werden!
Dieser Thread ist zu unrecht "eingeschlafen" und es wär schön, wenn sich hier mehr Leute zu dem Thema "Ouvertüren" äußern würden, denn dieses Thema interessiert mich sehr! Danke! :down

Gruß
daniel :down
Cosima (28.09.2007, 12:41):
Hallo,

Henning brachte mich in einem Beitrag drauf, sein „Wagner ohne Worte“ war der Auslöser.
Ich mag Ouvertürensammlungen recht gerne, besitze diese beiden hier:

http://ec1.images-amazon.com/images/I/4132KEEJRGL._AA240_.jpg

Giulini dirigiert Rossini

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/7567045.jpg

Akademie für Alte Musik Berlin, Ouvertüren für die Hamburger Oper

Speziell Wagner fände ich hier interessant. Gibt es Empfehlungen?

Danke und Gruß,
Cosima
Wotan (29.09.2007, 11:01):
Bei Wagners Opern eignen sich die Overtüren oftmals sehr gut zum Einstieg.
Sehr gute Aufnahmen sind:

http://ec1.images-amazon.com/images/I/41FCKZ4AKBL._AA240_.jpg

Christian Thielemann

http://www.berliner-philharmoniker.de/typo3temp/pics/fc765f0922.jpg

Claudio Abbado mit den Berlinern

http://g-ec2.images-amazon.com/images/I/518NCGJSNEL._SS120_.jpg

Giuseppe Sinopoli

http://ec1.images-amazon.com/images/I/419XYSCW9EL._AA240_.jpg

Sehr interessant aber gewöhnungsbedürftig ist Celibidache

http://ec1.images-amazon.com/images/I/21XJMENXA0L.jpg

Ebenfalls sehr gut sind die "Deutschen Ouvertüren" von Thielemann mit einem grandiosen "Rienzi".

MfG

Wotan
Cosima (29.09.2007, 11:49):
Mit Thielemann habe ich leider so meine Probleme. Seine Alpensinfonie hat mir eigentlich schon gereicht…

Kennt jemand diese Cluytens-Aufnahme auf Testament? Hier ist eine positive Rezension.

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/7268199.jpg

Ansonsten würde ich wohl zu Abbado greifen.

Gruß, Cosima
Nordolf (29.09.2007, 13:43):
Hallo Cosima!

Original von Cosima

Ansonsten würde ich wohl zu Abbado greifen.

Gruß, Cosima

Ob Abaddo für Wagner wirklich die richtige Wahl ist, wage ich zu bezweifeln. Im Laden habe ich in diese CD hineingehört und empfand sie als eher mittelmäßig.

Großartig hingegen ist die strenge und monumentale Einspielung von Orchesterstücken mit Otto Klemperer und dem Philharmonia Orchestra:

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/6208215.jpg

Zudem ist diese Doppel-CD bei jpc gerade sehr preiswert zu haben.

Sollte ich mich irgendwann für die einsame Insel entscheiden, kommt diese CD als erstes ins Gepäck. :)

Herzliche Grüße!
Jörg
Cosima (29.09.2007, 14:08):
Hallo Jörg,

Klemperer hatte ich auch schon im Visier. Allerdings weiß ich nicht, ob mir zu dem eh schon monumentalen Wagner eine wuchtige und monumentale Interpretation nicht ein wenig viel des Guten sein wird. Man könnte aber auch sagen: Wenn schon - denn schon…

Du hast es generell gern wuchtig und monumental, oder?

Gruß, Cosima
Amadé (29.09.2007, 21:04):
Hallo,

Klemperer gehört bei Wagner in die Spitzenklasse, Thielemann (noch) nicht, auch wenn sich die Presse mit Lobeshymnen überstürzt, die Schreiber haben einfach keine Erfahrung und kennen keine Vergleiche. Ihre Meinung ist: " Th. dirigiert in Bayreuth, also Spitze", so einfach ist das!
Von der Holländer-Ouvertüre kenne ich keine bessere als die von Klemperer.
Auch die angezeigte CD mit André Cluytens besitze ich und kann sie empfehlen, sie enthält zum Schluss auch einen schön gesungenen LIebestod von Rita Gorr, von der es leider nur wenige Aufnahmen gibt. Cluytens dirigierte auch in Bayreuth, bei Orfeo kamm kürzlich eine wunderbare Tannhäuser-Produktion aus dem Jahre 1955 heraus.

Grüße Bernd
Wotan (30.09.2007, 10:37):
Eine weitere Empfehlung meinerseits wäre die 5CD-Box von Stokowski, die zwar nicht sehr günstig und tontechnisch sicher nicht überragend ist, dafür aber grandios in Bearbeitung und Interpretation.

http://www.classical.net/music/recs/images/a/and01130.jpg


Eine weitere, technisch sehr gute Aufnahme mit Stokowski gibt es auch sehr günstig, wenn auch nur eine CD.

http://ec1.images-amazon.com/images/I/518HWKT4Y6L._AA240_.jpg

MfG
Wotan
Nordolf (30.09.2007, 12:14):
Original von Cosima

Du hast es generell gern wuchtig und monumental, oder?

Gruß, Cosima


Eine gewisse Tendenz habe ich schon dazu. Allerdings würde ich lieber von "episch" reden. Ich mag es, wenn die Musik eine Geschichte erzählt - und da gehört natürlich Wucht und Dramatik mit dazu. Darauf festgelegt bin ich aber nicht - ich höre auch gern spröde oder intime Musik.

Das Klemperer "intim" werden kann, beweist er auf der abgebildeten CD mit dem "Siegfried-Idyll".

Herzliche Grüße!
Jörg
teleton (01.10.2007, 11:28):
Die Ouvertüre ist eine knappe sinfonische Form, die ich immer gerne höre.
Im Prinzip entspricht die Ouvertüre der Sonatensatzform, ist also oft so angelegt, wie der erste Satz einer Sinfonie.

Die großen Ouvertüren von Beethoven, Brahms und Wagner fallen dem Klassikliebhaber sofort ein, diese fanden ja bereits Erwähnung.
Drei Komponisten, die höchstinteressante Ouvertüren komponiert haben möchte ich hier Vorstellen:

Was ist mit Berlioz ?
Hier finden sich einige erfrischend sprudelnde Ouvertüren, die man neben den Sinfonien nicht vergessen sollte.
Auch Colin Davis (Philips) hat hier eine feurige vorbildliche Sichtweise vorgelegt, die mich weitaus mehr begeistert, als seine sämlichen für meinen Geschmack langatmigen Sinfonien-Aufnahmen, durch die er als Berlioz-Dirigent bekannt ist.

Auf CBS hatte auch P.Boulez mal eine LP mit den Berlioz-Ouvertüren vorgelegt, die ich sehr beachtlich fand - sie schlummert im LP-Schrank, da ich kaum LP höre.

:W Noch ausgefeilter finde ich eine Berlioz-Ouvertüren-CD mit Alexander Gibson. Gibson hat die Ouvertüren bei Chandos auch mit dem Scottich National Orchestra vorgelegt.
Her auf der preiswerten RPO-CD legt er eine Sichtweise vor, die IMO alle anderen in den Schatten stellt - er formt die kleinen Werke zu Meisterwerken und läßt sie nie langweilig im Raum stehen, unterstützt durch eine schon als audiophil zu nennede Klangqualität.

http://ec1.images-amazon.com/images/I/312FAESBZJL._SS400_.jpg
1. Benvenuto Cellini -Ouvertüre
2. Les Francs-Juges -Ouvertüre
3. Le Corsaire -Ouvertüre
4. Beatrice et Benedict -Ouvertüre
5. Waverly -Ouvertüre
6. King Lear -Ouvertüre
Royal PO / Alexander Gibson
RPO , DDD
-

Tschaikowsky hat auch tolle Ouvertüren geschrieben, die eigendlich Sinf.Dichtungen sind. Er nannte sie Fantasie Ouvertüre.

Diese Werke haben mich schon damals mit Swetlanow auf meinen Eurodisc-LP´s begeistert. Swetlanow liefert mit der Moskauer PH und dem russischen Orchesterklang eine referenzwürdige Interpretation.
Meine Vorliebe Aufnahmen aus dem gleichen Land zu nehmen, wie das des Komponisten hat mich hier wiedermal voll überzeugt.

Auf CD ist es die Dorati-Decca-Aufnahme, der diese Tschaikowsky-Ouvertüren in fantastischen Interprationen mit zwei amerikanischen Orchestern abliefert und von Swetlanow gar nicht so weit entfernt ist.
Seine legendäre Aufnahme der Ouvertüre 1812 mit dem Mineapolis SO (Mercury) ist ja ohnehin eine Legende. Die Kopie mit echten Kanonen hat Kunzel auf Telarc nicht in so vollendeter Form erreicht.

Hier auf der Decca-Doppel-CD ist die Ouvertüre 1812 auch sehr angemessen gelungen, aber nicht ganz so spectakulär wie bei Mercury.

http://g-ec2.images-amazon.com/images/I/51W14FPBTQL._AA240_.jpg
1. Capriccio italien, op.45
2. Hamlet, op.67- Fantasy overture after Shakespeare
3. The Voyevoda, op.78
4. Fatum, op.77
5. 1812 Overture, op.49
6. Romeo and Juliet - Fantasy overture after Shakespeare
7. The Tempest, op.18- Sym fantasia after Shakespeare
8. Francesca da Rimini, op.32 - Sym fantasia after Dante
9. Marche slave, op.31
Decca, ADD
-

Schumann-Overtüren:
Die Schumann-Ouvertüren sind teils ganz nett.
Ganz heraus fällt allerdings die Manfred-Ouvertüre, die ich als großes Meisterwerk empfinde.
Meine Naxox-CD liefert einen ganz guten Überblick dieser Ouvertüren, aber die Aufnahme vermag nicht 100% zu begeistern.
:( Die Manfred Overtüre klingt mit Wildner vergleichsweise lasch.

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/6688299.jpg
Schumann:
Ouvertüre, Scherzo & Finale op. 52;
Genoveva op. 81;
Bride of Messina op. 100;
Julius Caesar op. 128;
Hermann & Dorothea op. 136;
Faust-Ouvertüre;
Manfred op. 115
RSO Katowice, Wildner
Label: Naxos , DDD, 92

Zu dem was sich wirklich lohnt - die Manfred-Ouvertüre:
Szell legt ja mit den Schumann-Sinfonien eine maßstabsetzende Interprettaion hin. Auch seine Manfred-Ouvertüre ist Klasse und ist gekennzeichnet von einer präzisen Dramatik.

:beer Aaaaaaaaaaber wer könnte eine bessere Interpration anbieten als Leoanrd Bernstein / New Yorker PH (SONY) ???
Er macht aus diesem 12Minuten -Werk einen groß angelegten sinf.Satz der Extraklasse. Wie Bernstein die Ouvertüre aufbaut und dramatisch aufläd ist einfach Klasse.
Diese Aufnahme habe ich schon jahrzehnte auf meinem Tonband als Mitschnitt und noch nie besser gehört.
:W Erst vorigen Monat habe ich mir die Schumann-Sinfonien mit Bernstein (SONY) geleistet und da ist diese hervorragende Manfred-Ouvertüre auch dabei.
Jeremias (09.01.2007, 22:55):
Ich dürfte vielleicht 6 bis 7 Jahre alt gewesen sein, als mich eines der großen musikalischen Schlüsselerlebnisse meines gesamten Lebens ereilte. Wir waren in Bayern im Urlaub und meine Eltern nutzten die Gelegenheit, ein Galakonzert mit Pavarotti in der Olympiahalle München zu besuchen. Dieses Konzert nahm ein Bekannter für uns zeitgleich im TV auf. Als wir es uns dann zu Hause ansahen war es jedoch nicht Pavarotti, der mich faszinierte, sondern vielmehr der "Appetithappen" zu Beginn, die Ouvertüre zu Verdi's "Sizilianischer Vesper". Noch nie hatte ich in einer derart komprimierten Form so viele wunderschöne Melodien auf einmal gehört.

Aber was war es, was diese Faszination in mir auslöste, Gehört diese Ouvertüre doch zu den eher selten gespielten des Repertoires?! War es die Kumulation der Themen, waren es die vielen kompakten Stimmungs- und Gemütsschwankungen des Komponisten? Bis heute weiss ich es nicht so recht! Aber ich habe gemerkt, dass ich persönlich an einer Ouvertüre oftmals bereits festmachen kann, ob mich eine Oper interessiert! Interessanterweise höre ich die Ouvertüren Rossini's z.B. recht gerne einmal, habe mich aber ansonsten noch nie so richtig mit seinen Opern beschäftigt. Anders verhält es sich mit den 3 großen Ouertüren von Carl Maria von Weber. Leider gibt es außer dem Freischütz kaum Aufnahmen. Zu gerne würde ich mir einmal eine gute Einspielung des Oberons oder Euryanthes anhören! Auch ein Phänomen diesbezüglich ist Franz von Suppé, den man fast ausschließlich mit seiner leichten Kavallerie kennt. Aber hat jemals jemand von Euch die dazugehörige Operette gehört?

Welches sind Eure Lieblings-Ouertüren?
Martin (09.01.2007, 23:26):
Ich bin davon gezeichnet, dass ich als 11-Jähriger in Carmen im Kinderchor mitgesungen habe und Carmen seitdem für mich das größte im Operngenre ist. Die Ouverture aus Carmen ist natürlich ein Gassenhauer, den jeder kennt, aber auch der zweite Teil der Ouverture, der etwas dunkler klingt ist wunderschön und deutet schon auf das tragische Ende der Geschichte hin.
Ebenfalls wunderbar ist die an Zigeunermusik erinnernde Ouverture zum 4. Akt. Dieser Ouverture habe ich immer direkt hinter der Bühne gelauscht, weil in der 1. Szene des 4. Aktes der zweite Auftritt des Kinderchors ist, sehr schnell konnte ich sie auswendig und kenne auch jetzt 5 Jahre später noch nahezu jeden Takt, ohne sie dauernd zu hören. Wunderbare Musik von Georges Bizet.
Jeremias (10.01.2007, 00:23):
Ein derartiges Kindheitserlebnis wie Du habe ich auch. Allerdings war es bei mir nicht Carmen, sondern Hänsel und Gretel von Humperdinck. Auch heute höre ich noch unwahrscheinlich gerne die wunderschöne Ouvertüre, in welcher insbesondere die Streicher zur Geltung kommen. Es sind halt Kindheitserinnerungen.... lang lang ist's her.... :engel :I :engel :I :engel
Amadé (10.01.2007, 20:30):
Mein erstes Orchesterkonzert begann mit der feurigen Ouvertüre zu Glinkas Oper Ruslan und Ludmilla".
Ich war hingerissen von der Präzision der Streicher in dem sehr schnellen Tempo sowie dem ZUsammenspiel vor allem mit den Blechbläsern. Auch heute noch, nach etwa 40 Jahren, wenn die Ouvertüre im Radio läuft, horche ich auf und unterbreche meine Beschäftigung, um diesem einzigartigen Bravourstück zuzuhören. Damals für mich ein Schlüsselerlebnis!

Gruß Amadé
daniel5993 (03.05.2007, 13:21):
Hallo :hello,

Ouvertüren? Ein Thema, mit dem ich mich oft beschäftige! Viele Ouvertüren sind geniale Meisterwerke! Hab mir extra auch auf LP, Ouvertürensammlungen zusammengekauft. Ich möchte hier ein paar Unvergängliche Ouvertüren nennen, welche einen Mitreißen und in Meinen Augen von unvergänglicher Größe sind!

- Medea
- Der Freischütz
- Don Giovanni
- Die Zauberflöte
- Egmont und Coriolan .... usw.

ach, es hat keinen Sinn weiter zu zählen, es gibt zu viele!

Ich wäre froh, wenn Ihr mir weitere Ouvertüren empfehlen könntet, die in euren Augen "die Größe" besitzen, um ein Meisterwerk genannt zu werden!
Dieser Thread ist zu unrecht "eingeschlafen" und es wär schön, wenn sich hier mehr Leute zu dem Thema "Ouvertüren" äußern würden, denn dieses Thema interessiert mich sehr! Danke! :down

Gruß
daniel :down
Cosima (28.09.2007, 12:41):
Hallo,

Henning brachte mich in einem Beitrag drauf, sein „Wagner ohne Worte“ war der Auslöser.
Ich mag Ouvertürensammlungen recht gerne, besitze diese beiden hier:

http://ec1.images-amazon.com/images/I/4132KEEJRGL._AA240_.jpg

Giulini dirigiert Rossini

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/7567045.jpg

Akademie für Alte Musik Berlin, Ouvertüren für die Hamburger Oper

Speziell Wagner fände ich hier interessant. Gibt es Empfehlungen?

Danke und Gruß,
Cosima
Wotan (29.09.2007, 11:01):
Bei Wagners Opern eignen sich die Overtüren oftmals sehr gut zum Einstieg.
Sehr gute Aufnahmen sind:

http://ec1.images-amazon.com/images/I/41FCKZ4AKBL._AA240_.jpg

Christian Thielemann

http://www.berliner-philharmoniker.de/typo3temp/pics/fc765f0922.jpg

Claudio Abbado mit den Berlinern

http://g-ec2.images-amazon.com/images/I/518NCGJSNEL._SS120_.jpg

Giuseppe Sinopoli

http://ec1.images-amazon.com/images/I/419XYSCW9EL._AA240_.jpg

Sehr interessant aber gewöhnungsbedürftig ist Celibidache

http://ec1.images-amazon.com/images/I/21XJMENXA0L.jpg

Ebenfalls sehr gut sind die "Deutschen Ouvertüren" von Thielemann mit einem grandiosen "Rienzi".

MfG

Wotan
Cosima (29.09.2007, 11:49):
Mit Thielemann habe ich leider so meine Probleme. Seine Alpensinfonie hat mir eigentlich schon gereicht…

Kennt jemand diese Cluytens-Aufnahme auf Testament? Hier ist eine positive Rezension.

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/7268199.jpg

Ansonsten würde ich wohl zu Abbado greifen.

Gruß, Cosima
Nordolf (29.09.2007, 13:43):
Hallo Cosima!

Original von Cosima

Ansonsten würde ich wohl zu Abbado greifen.

Gruß, Cosima

Ob Abaddo für Wagner wirklich die richtige Wahl ist, wage ich zu bezweifeln. Im Laden habe ich in diese CD hineingehört und empfand sie als eher mittelmäßig.

Großartig hingegen ist die strenge und monumentale Einspielung von Orchesterstücken mit Otto Klemperer und dem Philharmonia Orchestra:

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/6208215.jpg

Zudem ist diese Doppel-CD bei jpc gerade sehr preiswert zu haben.

Sollte ich mich irgendwann für die einsame Insel entscheiden, kommt diese CD als erstes ins Gepäck. :)

Herzliche Grüße!
Jörg
Cosima (29.09.2007, 14:08):
Hallo Jörg,

Klemperer hatte ich auch schon im Visier. Allerdings weiß ich nicht, ob mir zu dem eh schon monumentalen Wagner eine wuchtige und monumentale Interpretation nicht ein wenig viel des Guten sein wird. Man könnte aber auch sagen: Wenn schon - denn schon…

Du hast es generell gern wuchtig und monumental, oder?

Gruß, Cosima
Amadé (29.09.2007, 21:04):
Hallo,

Klemperer gehört bei Wagner in die Spitzenklasse, Thielemann (noch) nicht, auch wenn sich die Presse mit Lobeshymnen überstürzt, die Schreiber haben einfach keine Erfahrung und kennen keine Vergleiche. Ihre Meinung ist: " Th. dirigiert in Bayreuth, also Spitze", so einfach ist das!
Von der Holländer-Ouvertüre kenne ich keine bessere als die von Klemperer.
Auch die angezeigte CD mit André Cluytens besitze ich und kann sie empfehlen, sie enthält zum Schluss auch einen schön gesungenen LIebestod von Rita Gorr, von der es leider nur wenige Aufnahmen gibt. Cluytens dirigierte auch in Bayreuth, bei Orfeo kamm kürzlich eine wunderbare Tannhäuser-Produktion aus dem Jahre 1955 heraus.

Grüße Bernd
Wotan (30.09.2007, 10:37):
Eine weitere Empfehlung meinerseits wäre die 5CD-Box von Stokowski, die zwar nicht sehr günstig und tontechnisch sicher nicht überragend ist, dafür aber grandios in Bearbeitung und Interpretation.

http://www.classical.net/music/recs/images/a/and01130.jpg


Eine weitere, technisch sehr gute Aufnahme mit Stokowski gibt es auch sehr günstig, wenn auch nur eine CD.

http://ec1.images-amazon.com/images/I/518HWKT4Y6L._AA240_.jpg

MfG
Wotan
Nordolf (30.09.2007, 12:14):
Original von Cosima

Du hast es generell gern wuchtig und monumental, oder?

Gruß, Cosima


Eine gewisse Tendenz habe ich schon dazu. Allerdings würde ich lieber von "episch" reden. Ich mag es, wenn die Musik eine Geschichte erzählt - und da gehört natürlich Wucht und Dramatik mit dazu. Darauf festgelegt bin ich aber nicht - ich höre auch gern spröde oder intime Musik.

Das Klemperer "intim" werden kann, beweist er auf der abgebildeten CD mit dem "Siegfried-Idyll".

Herzliche Grüße!
Jörg
teleton (01.10.2007, 11:28):
Die Ouvertüre ist eine knappe sinfonische Form, die ich immer gerne höre.
Im Prinzip entspricht die Ouvertüre der Sonatensatzform, ist also oft so angelegt, wie der erste Satz einer Sinfonie.

Die großen Ouvertüren von Beethoven, Brahms und Wagner fallen dem Klassikliebhaber sofort ein, diese fanden ja bereits Erwähnung.
Drei Komponisten, die höchstinteressante Ouvertüren komponiert haben möchte ich hier Vorstellen:

Was ist mit Berlioz ?
Hier finden sich einige erfrischend sprudelnde Ouvertüren, die man neben den Sinfonien nicht vergessen sollte.
Auch Colin Davis (Philips) hat hier eine feurige vorbildliche Sichtweise vorgelegt, die mich weitaus mehr begeistert, als seine sämlichen für meinen Geschmack langatmigen Sinfonien-Aufnahmen, durch die er als Berlioz-Dirigent bekannt ist.

Auf CBS hatte auch P.Boulez mal eine LP mit den Berlioz-Ouvertüren vorgelegt, die ich sehr beachtlich fand - sie schlummert im LP-Schrank, da ich kaum LP höre.

:W Noch ausgefeilter finde ich eine Berlioz-Ouvertüren-CD mit Alexander Gibson. Gibson hat die Ouvertüren bei Chandos auch mit dem Scottich National Orchestra vorgelegt.
Her auf der preiswerten RPO-CD legt er eine Sichtweise vor, die IMO alle anderen in den Schatten stellt - er formt die kleinen Werke zu Meisterwerken und läßt sie nie langweilig im Raum stehen, unterstützt durch eine schon als audiophil zu nennede Klangqualität.

http://ec1.images-amazon.com/images/I/312FAESBZJL._SS400_.jpg
1. Benvenuto Cellini -Ouvertüre
2. Les Francs-Juges -Ouvertüre
3. Le Corsaire -Ouvertüre
4. Beatrice et Benedict -Ouvertüre
5. Waverly -Ouvertüre
6. King Lear -Ouvertüre
Royal PO / Alexander Gibson
RPO , DDD
-

Tschaikowsky hat auch tolle Ouvertüren geschrieben, die eigendlich Sinf.Dichtungen sind. Er nannte sie Fantasie Ouvertüre.

Diese Werke haben mich schon damals mit Swetlanow auf meinen Eurodisc-LP´s begeistert. Swetlanow liefert mit der Moskauer PH und dem russischen Orchesterklang eine referenzwürdige Interpretation.
Meine Vorliebe Aufnahmen aus dem gleichen Land zu nehmen, wie das des Komponisten hat mich hier wiedermal voll überzeugt.

Auf CD ist es die Dorati-Decca-Aufnahme, der diese Tschaikowsky-Ouvertüren in fantastischen Interprationen mit zwei amerikanischen Orchestern abliefert und von Swetlanow gar nicht so weit entfernt ist.
Seine legendäre Aufnahme der Ouvertüre 1812 mit dem Mineapolis SO (Mercury) ist ja ohnehin eine Legende. Die Kopie mit echten Kanonen hat Kunzel auf Telarc nicht in so vollendeter Form erreicht.

Hier auf der Decca-Doppel-CD ist die Ouvertüre 1812 auch sehr angemessen gelungen, aber nicht ganz so spectakulär wie bei Mercury.

http://g-ec2.images-amazon.com/images/I/51W14FPBTQL._AA240_.jpg
1. Capriccio italien, op.45
2. Hamlet, op.67- Fantasy overture after Shakespeare
3. The Voyevoda, op.78
4. Fatum, op.77
5. 1812 Overture, op.49
6. Romeo and Juliet - Fantasy overture after Shakespeare
7. The Tempest, op.18- Sym fantasia after Shakespeare
8. Francesca da Rimini, op.32 - Sym fantasia after Dante
9. Marche slave, op.31
Decca, ADD
-

Schumann-Overtüren:
Die Schumann-Ouvertüren sind teils ganz nett.
Ganz heraus fällt allerdings die Manfred-Ouvertüre, die ich als großes Meisterwerk empfinde.
Meine Naxox-CD liefert einen ganz guten Überblick dieser Ouvertüren, aber die Aufnahme vermag nicht 100% zu begeistern.
:( Die Manfred Overtüre klingt mit Wildner vergleichsweise lasch.

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/6688299.jpg
Schumann:
Ouvertüre, Scherzo & Finale op. 52;
Genoveva op. 81;
Bride of Messina op. 100;
Julius Caesar op. 128;
Hermann & Dorothea op. 136;
Faust-Ouvertüre;
Manfred op. 115
RSO Katowice, Wildner
Label: Naxos , DDD, 92

Zu dem was sich wirklich lohnt - die Manfred-Ouvertüre:
Szell legt ja mit den Schumann-Sinfonien eine maßstabsetzende Interprettaion hin. Auch seine Manfred-Ouvertüre ist Klasse und ist gekennzeichnet von einer präzisen Dramatik.

:beer Aaaaaaaaaaber wer könnte eine bessere Interpration anbieten als Leoanrd Bernstein / New Yorker PH (SONY) ???
Er macht aus diesem 12Minuten -Werk einen groß angelegten sinf.Satz der Extraklasse. Wie Bernstein die Ouvertüre aufbaut und dramatisch aufläd ist einfach Klasse.
Diese Aufnahme habe ich schon jahrzehnte auf meinem Tonband als Mitschnitt und noch nie besser gehört.
:W Erst vorigen Monat habe ich mir die Schumann-Sinfonien mit Bernstein (SONY) geleistet und da ist diese hervorragende Manfred-Ouvertüre auch dabei.
Amadé (24.06.2011, 18:10):
Forianerinnen und Forianer,
ich möchte diesen schlummernden Faden wieder aufwecken, da ich denke, dass sich auch unsere neuen Mitglieder hier einbringen können.

Ich kann mich noch an meine späte Kindheit erinnern, die leider schon viel zu lange zurück liegt, da habe ich nach Mittag bei den Hausaufgaben sehr oft Ausschnitte aus bekannten Opern, Singspielen u.a. gehört. Am Anfang stand immer eine Ouvertüre, auf die ich mich besonders freute, ich lernte so ziemlich alle kennen und diese gingen mir mein Leben lang nicht aus dem Sinn.
Ein besonderer Leckerbissen war für mich die Ouvertüre zur romantischen Oper "Die lustigen Weiber von Windsor" von Otto Nicolai.

Grüße Amadé
Severina (24.06.2011, 18:31):
Ich besitze eigentlich nur eine einzige CD mit Ouvertüren, weil ich sie nicht so gerne völlig losgelöst von der Oper höre, aber die ist mein bewährtestes Antidepressivum:

Rossini-Overtures mit dem Chamber Orchestra of Europe unter Claudio Abbado! Da genügen einige Takte, und jeder triste Regentag gewinnt schlagartig Farben, jede trübe Laune verflüchtigt sich und zaubert ein Dauergrinsen in mein Gesicht! :D (Spätestens bei der Tell-Ouvertüre!!)

Eine meiner liebsten Verdi-Ouverturen ist die aus "La Forza del Destino", seit ich sie unter dem Sternenhimmel von Verona, umgeben von einem Lichtermeer aus candelini, erleben durfte. Ich mochte sie schon vorher, aber diese Stimmung war so unbeschreiblich, dass ich heute noch Gänsehaut empfinde, wenn ich sie höre und mir diesen Zauber einer südlichen Nacht in Erinnerung rufe.

lg Severina :hello
teleton (25.06.2011, 11:29):
Hallo Severina,

die Rossini-Ouvertüren sind auch wirklich eine Klasse "Gute Laune Musik".

Die Abbado-Aufnahmen, die Du empfielst sind sicher gut.
Aber ich stehe bei diesen Rossini-Ouvertüren auf die absolut fetzigen
Bernstein-Aufnahmen mit den New Yorker PH ! Diese CBS-LP hatte ich beriets zu zeiten, als es noch keine CD´´s gab.
:engel Eine spannendere Aufnahmen für diese Ouvertüren ist mir noch nicht bebegnet.
In der herausragendenden Bernstein-Royals-Serie von SONY eine Wucht; auch klanglich TOP im 20Bit-Remastering:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51e6C229GcL._SL500_AA300_.jpg
SONY, 60er, ADD
Cetay (inaktiv) (26.06.2011, 08:57):
Original von Jeremias
Auch ein Phänomen diesbezüglich ist Franz von Suppé, den man fast ausschließlich mit seiner leichten Kavallerie kennt.

Zu unrecht, wie ich finde. Manche seiner Overtüren sind von einer solchen klanglichen Rafinesse, dass ich mir schließlich mal aus Neugierde eine ganze Operette anhören mußte. Die schöne Galathée ist seither regelmäßige Besucherin meiner CD-Schublade.
Marco Polo hat in einer editorischen Großtat Verschollenes ausgegraben, Fragmentarisches arrangiert und schließlich alle Overtüren Suppés auf 6CDs herausgegeben. Das ist sehr lohnend. Einige seiner fast gänzlich unbekannten Overtüren sind wahre Juwelen:

Original von mir
Die Liebe zum Volke gibt ein veritablies Klarinettenkonzert ab und auch bei der Reise durch die Märchenwelt und Paragraph 3 besticht die Instrumentationskunst. Von dem befürchteten Tingeltangel und Tschingderassabum ist bei diesen Stücken wenig zu hören.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61zJdX1JceL._SL500_AA300_.jpg
Sfantu (28.06.2011, 17:03):
Ich bin ein ausgesprochener Ouvertüren-Liebhaber.

Gab es da das zündende Schlüsselerlebnis? Ich meine, es war eher ein immer stärker werdendes Aufhorchen bis zum endlichen Durchbruch:
Als Komparse zu Schülerzeiten hockte ich abseits meiner Einsätze oft in der Nullgasse, lauschte und schaute. Mit der zeit bedauerte ich mehr und mehr, "nur" die Bühne, nicht aber den Orchestergraben sehen zu können. Was mich also mehr und mehr faszinierte, war der Klang von dort unten, erst in zweiter Linie das Bühnengeschehen.
Den Durchbruch markierte u. a. sicher "Nabucco". Die feierlichen Fanfaren zu Beginn, das Va-pensiero-Thema durch die Solo-Trompete ausgesungen, die elektrisierende Stretta zum Schluss. So startete meine Schallplatten-Leidenschaft mit einem ganz starken Akzent auf Ouvertüren-Sammlungen. Und Signore Verdi zählt für mich nach wie vor zu den Meistern dieser Form, das sind mit Theaterinstinkt klug und wirkungsvoll aufgebauten Stücke, natürlich von unwiderstehlicher Italianita durchdrungen. Auch für mich zählt hier "Les Vepres Siciliennes" zu den schönsten Beiträgen - sehr wirkungsvoll auch das zur ausgewachsenen Ouvertüre vom Komponisten selbst bearbeitete Aida-Vorspiel. Hören kann man's auf Abbados Verdi-Ouvertüren-CD mit dem London Symphony auf RCA.

Um bei Abbado zu bleiben, möchte ich Severinas Aussage zu seiner Rossini-CD mit dem Chamber Orchestra of Europe (DG) voll unterstreichen. Sehr gediegen die Ausarbeitung feiner Details wie subito piani und Crescendi, prägnantes Schlagwerk und eine mitreissende Musizierlaune.

Die Rossini-Ouvertüren-GA mit der ASMF und Marriner auf Philips aus den 70ern hatte ich mal als schmucke 3er-CD-Box. Irgendwann hab' ich sie verschenkt, weil mir da was fehlte. Es wird mit Aplomb sehr plastisch und teils auch packend musiziert. Nervig fand ich aber die Angewohnheit, bei den (sicher ein Markenzeichen Rossinis) über mehrere Takte gespannten Ostinati gleichzeitig ins accelerando zu rutschen. Gerade bei einem Rhythmiker wie Rossini ist das für meine Ohren unverzeihlich. In "Le Siège de Corinthe" wird insgesamt in dermassen überzogenem, wahnwitzigem Grundtempo herruntergekratzt, dass mir die Lust verging - schade um dieses dramatische, sehr nach Theater schmeckende Stück, das garnicht so recht in das Sempre-lieto, sempre-gaio-Klischee passen will, welches über Rossini verbreitet ist.

Vieles wieder gut gemacht hat Marriner bei seiner auszugsweisen Neueinspielung mit seiner ASMF Ende der 80er für EMI.
Die damalige Fono-Forum-Kurzbewertung mutmasste einen simplen Aufguss der Super-Hits aus der alten Philips-Totale. Hat jemand wohl nicht so genau hingehört...Alles ist hier ausgefeilter, delikater. So hört man hier auch meinen persönlichen Lieblings-Guillaume-Tell: in keiner anderen Aufnahme wird das einleitende Cello-Solo so sprechend, so prägnant in Szene gesetzt.

Fortsetzung folgt

:hello Sfantu
Sfantu (30.06.2011, 12:10):
Wolfgang Körner schreibt in seinem "Einzig wahre(n) Opernführer" so herrlich boshaft

Die Ouvertüre ist sozusagen der Eingang in eine Oper, wie die Ofentüre der Eingang in den Ofen ist.


Das Schmunzeln entfleucht mir, ach, zu bald, wenn das eben Gelesene sich als klanggewordene Strafe aus den Lautsprechern entlädt.
Ohne ein eigenes Kapitel "Meine schrecklichsten Ouvertüren-Platten" starten zu wollen, darf doch ein kurzer Blick durch die knarrende Kellertür hinab ins Gruselkabinett nicht fehlen. Wer probt dort? Die Berliner Philharmoniker unter Herbert von Karamalz - stilecht auf der gleichnamigen Getränkekiste stehend. Was liegt auf den Notenpulten? Verdi und Offenbach.
Die Verdi-Ouvertüren-Totale (DG) erklingt im nur zu bekannten Saft-und-Kraft-Sound Marke Karajan. Alle Steigerungen, Beckenschläge, Schlussakkorde klingen gleich, auf lästige Detailarbeit wird verzichtet. Was für eine Verschwendung an diesem Luxus-Klangkörper!

Ähnlich tönt es bei Offenbach (wieder DG) - und dieser Feinkost bekommt der herannahende philharmonische Tsunami noch weniger. Statt Leichtfüssigkeit und frou frou eine paar Nummern zu grosse Schalldruck-Breitseite. Welcher Film läuft da vor mir ab? In Li Tai Pos "Lied von der Jugend" wird statt in einer zierlichen Senfte mit Filzpantoffeln beschuhten Trägern mit dem Porsche Cayenne über die Jade-Brücke hinüber zu der kleinen Insel mit dem Porzellan-Pavillon gebrettert. Wäre da nicht der hohe Repertoirewert ("Vert-vert", "La Grande Duchesse du Gerolstein"), hätte die Scheibe wie die obigen längst meinen Stapel mit Aussortiertem zum Verschenk weiter erhöht.

Um wieder zu Wolfgang Körner zurückzukehren, kann man sich auch kurz fassen:

Spezial-Tip: Unbedingt vermeiden!

So, das musste mal sein. Karajan sonst gern - aber bitte mit Bruckner!

:hello Sfantu
Sfantu (07.07.2011, 11:39):
Franz Joseph Haydn -
Sämtliche Ouvertüren, Haydn Sinfonietta Wien - Manfred Huss, Dirigat und Continuo-Cembalo resp. -Hammerklavier. Koch / Schwann 1995-96, 2 CDs.

Vol I enthält:

Acide e Galatea Sinfonia D-dur, 1762/73, Hob Ia Nr.5, 6'49
Lo Speziale Sinfonia G-dur, 1768, Hob. Ia Nr.10, 8'19
Le Pescatrici Sinfonia D-dur, 1769/70, Hob. I Nr. 106, 3'16
L'Infedelta delusa Sinfonia C-dur, 1773, Hob. Ia Nr.1, 7'45
Philemon und Baucis Ouvertüre d-moll, 1773, Hob. Ia Nr.8, 5'59
Der Götterrath Sinfonia C-dur, 1773, Hob XXIXa Nr.1a, 3'45
Il Ritorno di Tobia Ouvertüre c-moll, 1774, Hob. Ia Nr.2, 6'19
Die Feuersbrunst Sinfonia C-dur, 1776/77, Hob. XXIXa Nr.4, 8'19
L'Incontro improvviso Sinfonia D-dur, 1775, Hob.Ia Nr.6 , 7'18
Il Mondo della Luna Sinfonia C-dur, 1777, Hob. XXVIII Nr.7, 4'31

Vol II enthält:

Ouvertüre D-dur, 1777, Hob.Ia Nr.7, ein mögliches Finale B zur Sinfonie Nr.53, 4'18
La vera costanza , Sinfonia B-dur, 1778/79, Hob. Ia Nr.15, 8'14
L'isola disabitata Overtura g-moll, 1779, Hob. Ia Nr.13, 7'15
La fedeltà premiata Sinfonia D-dur, 1780, Hob Ia Nr.11, 3'48
Orlando Paladino Sinfonia B-dur, 1782, Hob Ia Nr.16, 3'30
Ouvertüre D-dur , 1784?, Hob. Ia Nr.4, ein mögliches Finale B zur Sinfonie Nr.80 oder Finale C zur Sinfonie Nr.53, 3'31
Armida Sinfonia B-dur, 1783, Hob Ia Nr.14, 5'22
Die Sieben Letzten Worte Unseres Erlösers Am Kreuze (Erstfassung) Introduzione d-moll Hob XX Nr.1, 4'57
L'anima del filosofo ossia Orfeo ed Euridice Ouvertüre, 1791, Hob Ia Nr.3, 3'51
Die Schöpfung Ouvertüre "Die Vorstellung des Chaos" 1797, Hob XXI Nr.2, 5'04
Die Jahreszeiten Hob XXI Nr.3, 1801:
- "Der Herbst" (Erstfassung) 2'19
- "Der Winter" (Erstfassung) 4'03

Manfred Huss schreibt in seinem ausführlichen, detailreichen Begleittext:

Die tönende Biographie Haydns, durch die Chronologie seiner 22 Ouvertüren gleichsam stenographisch dargestellt, ist das fast einzigartige Dokument eines genialen, schöpferischen Geistes, der durch seine unablässige Erfindungskraft, durch seine scheinbar unendliche Entwicklungsfähigkeit bis ins hohe Alter beeindruckt.

Tatsächlich bietet sich hier ein spannend zu erkundendes Panorama von den Anfängen im Nachhall des Spätbarock mit oft noch dreisätziger Struktur schnell - langsam - schnell (hier bewegen wir uns noch im Niemandsland zwischen Opern-Sinfonia und den ebenfalls schon als Sinfonia bezeichneten Werken, die sich anschicken, sich selbst genügend und losgelöst vom Theater einen unabhängigen Platz im Konzertsaal zu behaupten) bis zu dramatisch aufgeladenen Einleitungen, die klar erkennbare Bezüge zum folgenden Werk aufweisen ( bspw. "Die sieben letzten Worte...", "Die Jahreszeiten", "Die Schöpfung") und somit die Entwicklung hin zu individualisierter, ausdrucksstarker Tonsprache der Hochklassik und Frühromantik vorzeichnen, ja sogar bereits ihre Wurzeln bilden.
Einen langen Weg legen wir da hörend zurück: von der Austauschbarkeit der lieblichen, harmlosen Ouverturette zum massgeschneiderten, bühnenwirksamen Count-down auf das sich anschliessende dramatische Geschehen.

Das Klanggewand des Ensembles in historisierender Aufführungspraxis ist hie & da eine Spur zu leichtgewichtig (in meinen Ohren). Es wird aber ausnahmslos das Letzte an dramatischem Gehalt aus jedem einzelnen Stück herausgeschlagen. "L' isola disabitata" hatte ich halt zuvor schon in der konventionellen, nicht viel weniger dramatischen, aber mehr klanggesättigten Version Hartmut Haenchens mit dem Kammerorchester Carl Philip Emmanuel Bach (Berlin Classics, ursprünglich VEB Deutsche Schallplatten) liebgewonnen.
Ab jenem Werk spielt Huss dann auf dem Hammerklavier statt auf dem Cembalo, was er wiederum philologisch und anschaulich belegen kann.

Seit Jahren erfreut mich dieser klingende Schatz - eine klare Empfehlung!

:hello Sfantu
Amadé (07.07.2011, 22:20):
Hallo sfantu,

das ist ja enorm, was uns Haydn da hinterlassen hat. Außer den Einleitungen zu den beiden Oratorien und den "7 Worten" besitze ich seit vielen Jahren nur eine einzige :down Ouvertüre, noch auf LP:

Lo Speziale - Der Apotheker, Sinfonia G-dur, 1768, Hob. Ia Nr.10, 8'19

gepielt von der New York Sinfonietta unter Max Goberman, Odyssey, Teil einer nicht vollendeten Gesamtaufnahme aller Haydn-Sinfonien vor allem mit dem Orchester der Wiener Staatsoper. Das kleine Opus klingt frisch, leicht und unbeschwert.
Vielleicht sollte man sich mit diesen Ouvertüren etwas näher beschäftigen, Haydn ist für Überraschungen immer gut!

Gruß Amadé
Sfantu (28.07.2011, 12:52):
Johann Christian Bach -
Sämtliche Opernouvertüren, Hanover Band - Anthony Halstead, Leitung und Cembalo. cpo 1994-2000 (P 2003), 3 CDs.

Vol I enthält:

Artaserse, Teatro Regio Torino, 1760, 6'07
Ouvertüre zur Geburtagskantate für König Carlo V. von Neapel (später Carlos III. von Spanien), Teatro San Carlo, Napoli, 1762, 4'57
Gli Uccellatori, Regio Ducal Teatro Milano, 1759, 5'59
Alessandro nell'Indie, Teatro San Carlo, Napoli, 1762, 6'39
La Giulia, Regio Ducale Teatro, Milano, 1760, 7'00
Il tutore e la pupilla, King's Theatre, London (Haymarket), 1762, 5'39
Catone in Utica, Teatro San Carlo, Napoli, 1761, 6'11
La Cascina, King's Theatre, London (Haymarket), 1763, 5'22
La Cascina, alternatives Andante, 2'18
La calamita de cuori, King's Theatre, London (Haymarket), 1762, 6'03

Vol II enthält:

Gioas, re di Giuda (Oratorium), 1770, 7'11
La clemenza di Scipione, 1778, 6'48
Adriano in Siria, 1765, 6'15
Zanaida, 1763, 5'59
Carattaco, 1767, 11'58 (inkl. zweier Märsche aus Finale II & Finale ultimo)
Orione, 1763, 9'58

Gioas entstand für die königlichen Bühnen an Covent Garden und Dury Lane, die übrigen Werke für den Haymarket.

Sinfonie D-dur, Schmitt op.18 Nr.1

Vol III enthält:

Endimione, 1772, King's Theatre London (Haymarket), 11'19
Temistocle, 1772, Kurpfälzisches Hoftheater Mannheim, 8'35
Lucio Silla, 1775, KHT Mannheim, 8'33
Amadis des Gaules, 1779, Palais Royal an der Pariser Opéra, 7'39
Amadis des Gaules, Ballettmusik III. Akt, 25'12

Anders als der nur 3 Jahre ältere Haydn zeigt Bach keine so deutliche Weiterentwicklung der Form über die Jahre - vielleicht auch, weil ihm statt 77 nur 46 davon vergönnt waren...?
Das Meiste ist recht konventionell im Stil der dreisätzigen italienischen Sinfonia gehalten. Halstead betont zwar die gegenüber den Zeitgenossen grössere Delikatesse der Instrumentation - mich kann das nur begrenzt begeistern. Lieblich und grazil aber eben doch mehr Puder und Perücke als echte Theaterluft, zumindest empfehl' ich häppchenweisen Konsum.
Aufhorchen lässt immerhin (und bezeichnenderweise) die bewusste Rückbesinnung auf Händel in "Gioas": das tönt deutlich markanter und repräsentativer als der übrige selige Geisterreigen im galanten Stil.

Auch die späten Beiträge finde ich hörenswerter: "Endimione" bspw. kommt formal immer noch mit den alten Zöpfen daher, die Themen aber werden viel eingehender ausgesungen, der Mittelteil schmeichelt sich lieblich ins Ohr, Pauken und Hörner treten im da capo plastisch hervor. Auch die Spieldauer der späteren Stücke weist, wie ich finde, auf einen allmählich wachsenden Stellenwert der Ouvertüre an sich hin. "Endimione" ist die einzige Bach-Oper, von der ich eine GA besitze und in der musiziert die Capella Coloniensis mit Bruno Weil für meinen Geschmack einfach mit mehr Spannung bei transparenterem Klang.

Das sind allerdings nur Nuancen. Die historisierend musizierenden Londoner tun dies insgesamt auf hohem Niveau, stilsicher und mit Geschmack, vielleicht mit einer ganz leichten Tendenz zu einer gewissen Glätte - aufgekratzter hab´ ich die "Hanoveraner" etwa mit Beethoven unter Roy Goodman in Erinnerung. Vielleicht geben die meisten dieser Partituren auch einfach nicht so viel her...

Mein Fazit:
Eine Ouvertüren-Totale spiegelt den Opernmeister Bach wohl nur stark heruntergebrochen wider.
Bei den Frühwerken hätte es für mich auch eine Mini-Auswahl getan. Was die Anschaffung der Box (für derzeit knapp 15,- beim hauseigenen Vertrieb mit ebenfalls 3 Buchstaben) dennoch lohnt, ist allein schon Vol III mit den wie gesagt höhrenswerteren Beiträgen und als Sahnehäubchen darin die farbige Ballettmusik aus "Amadis des Gaules", im Speziellen der Schlusssatz, "Tambourin".

Bei "Alphabetisches" im Spielzimmer heisst es dazu:


Pures Coffein, euphorisierend, süchtig machend! Trotz konventioneller Mittel farbig orchestriert und mit unbeschreiblichem Drive - möchte sehen, wer von euch dabei noch stillsitzen kann.

Ein ansprechender Tenor und ein Chor sind in der Ballettmusik auch beschäftigt, bleiben aber leider ungenannt.

:hello Sfantu
teleton (28.07.2011, 14:06):
Dieser Thread wurde im Jahre 2006 gestartet.
Trotzdem fehlen hier bisher die Beethoven-Ouvertüren, die ich neben den Sinfonien hoch schätze.

Da drei Beiträge höher Karajan nicht besonders gut weg gekommen ist, möchte ich aber gerade bei dem Beethoven-Dirigenten Karajan zuerst auf seine masstabsetzenden Aufnahmen mit den Berliner PH hinweisen und dann Alternativen aufzeigen.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/613NNH9X7YL._SL500_AA300_.gif
DG, 1960, ADD

:engel Besonders die Coriolan-Ouvertüre ist mit Karajan eine Wahnsinnsaufnahme, bei der ich andere Interpretationen eher als müden Abklasch empfinde.

Alternativen der bei den Beethoven-Ouvertüren sind für mich Szell / Cleveland Orchestra (SONY), Bernstein / New Yorker PH (SONY), Bernstein / Wiener PH (DG) , Solti / Chicago SO (Decca, die ADD und DDD-Aufnahmen).

Zu den Beethoven-Ouvertüren haben wir im Klassikforum auch einen eigenen Thread !
Aber wegen Karajan seien diese auch hier genannt. Ich empfinde die Karajan-Aufnahmen als eine Referenz, an der sich alle Weiteren erst einmal messen müssen und messen lassen !

:wink Vielleicht lagen ihm die Verdi und Offenbach-"Schnulzen" tatsächlich nicht so, das er dort mehr auf groben Effekt, statt Einfühlung setzte. Sei es drum, denn so wichtig sind mir diese Opern-Ouvertüren auch nicht !


:( Eine weitere GA der Beethoven-Ouvertüren habe ich mit Zinman / Zürich SO (Arte). Zu deser GA habe ich ein gespaltenes Verhältnis. Klanglich TOP, aber ich habe oft das Gefühl als wenn Zinman diese Werke auf Teufel komm raus neu erfinden will - das liegt mir nicht.
Rideamus (28.07.2011, 15:34):
Da ich sie nicht kenne, habe ich keinen Grund, an der Empfehlung der Karajan-Ouvertüren zu kratzen, zumal ich seine Enspielung des EGMONT und insbesondere der Ouvertüre auch großartig finde, aber ich möchte eine weitere Aufnahme in den Ring werfen. Auf zwei cd enthält sie wirklich sämtliche Ouvertüren Beethovens, also einschließich aller vier FIDELIOS bzw. LEONOREN.


Ich finde diese Aufnahmen schlechthin mustergültig. Leider scheint es die Box nur noch antiquarisch zu geben, aber wer ihr für einen halbwegs zumutbaren Preis über den Weg läuft, sollte unbedingt zugreifen.

Was fehlende Ouvertüren angeht, so sollte man auch einmal einen Blick über das Schaffen auf der anderen Seite des Rheins werfen. Berlioz und seine Meisterwewrke wurden immerhin schon vor Jahren genannt, aber da hört es auch schon auf. Ich habe zum Beispiel eine mp3 - Sammlung von 39 Ouvertüren von Daniel Francois Auber, die der von Severina zu Recht gepriesenen Sammlung von Rossini-Ouvertüren oder denen von Franz von Suppé als Muntermacher in keiner Weise nachsteht, wie jeder nachvollziehen kann, der auch nur LE DOMINO NOIR oder den POSTILLON DE LONJUMEAU kennt.

Und auch die Werbung für Offenbach-Ouvertüren möchte ich nachdrücklich verstärken, nur bitte nicht in den HIFi-Spektakeln, die Karajan daraus machte, sondern zum Beispiel in dieser deutlich sensibleren und zudem sehr preiswerten Aufnahme von Bruno Weill und den Wiener Symphonikern, wenn man nicht die Ouvertüren der Gesamtaufnahmern von MInkowski und anderen heranziehen will:



Soviel für's Erste, denn zu dem Thema lässt sich noch sehr viel mehr sagen, was ich aber erst einmal wieder sammeln und vertiefen müsste.

:hello Rideamus
Amadé (28.07.2011, 18:17):
Original von Rideamus
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51X05zPpsOL._SS500_.jpg


wer spilt denn da, ich kann es vor dem dunkelnen Hintergrund nicht lesen? Das Klimt Bild könnte auf Abbado weisen, seine Sinfonie-Cds hatten auch Klimt-Covers.

Gruß Amadé
Heike (28.07.2011, 18:56):
Lieber Amade,
ja, das ist Abbado. Hier kann ich das mühelos lesen, vielleicht ist dein Monitor zu dunkel eingestellt?
Heike
Rideamus (28.07.2011, 19:07):
Ja, das ist Claudio Abbado mit den Wiener Philharmonikern.

Hier der Link zu dem leider sehr teuren Marketplace-Angebot auf Amazon

:hello Rideamus
Amadé (28.07.2011, 20:10):
Ich bin auch im Besitz der Beethoven-Ouvertüren von Karajan dirigiert. Beim vergleichendem Hören ist mir aufgefallen, dass seine letzten digital produzierten Aufnahmen näher an Beethoven sind als die früher aufgenommen. Hier hat Beethovens Musik mehr Biss, mehr Ecken und Kanten und ist auch durchweg schneller gespielt.

Grüße Amadé
Amadé (28.07.2011, 20:18):
Danke Heike und Rideamus für die Aufklärung, mein Cover dieser Aufnahmen sieht etwas anders aus, aber es wird immer wieder neue Kleider geben.
Abbados Sammlung ist vollständig, das ist ihr Vorteil. Interpretatorisch liegen sie m.E. jedoch nur im Mittelfeld des Angebots, Dirigent und Orchester haben alles richtig gemacht, doch der entscheidende Funke fehlt, wie bei den meisten anderen Interpretationen auch.

Grüße Amadé
Sfantu (29.07.2011, 08:00):
Lieber Riddle,

auch ich zögerte nicht lange, Abbados GA das Siegel "Mustergültig" zu verpassen, wäre da nicht: die Aufnahmetechnik! Da kommt einem ein Breitwandsound entgegen, der zu Turangalila oder den Gurre-Liedern passen würde. Kurz bevor sie damals herauskam, kristallisierte sich gerade mein bis heute favorisierter Beethoven-Sinfonien-Zyklus heraus: mit der AAM und Christopher Hogwood (L'Oiseau Lyre). Der Unterschied zwischen historisierend und konventionell wäre nicht das eigentliche Problem - schliesslich gibt es auch HIP-Aufnahmen in viel zu fettem, wattigem Klang, gibt es auch moderne Orchester, die klar und durchsichtig abgebildet werden.
Um ein kulinarisches Bild zu bemühen: Beethoven kommt bei Hogwood als Fitness-Salat daher, bei Abbado als exquisiter Lammrücken, leider aber in einer viel zu dicken, alles zudeckenden Sauce.
Diese schöne Box blieb nicht sehr lang in meiner Sammlung, irgendwann hab' ich sie zum Ankauf gebracht - wenn auch mit einer Träne im Knopfloch.

:hello Sfantu
teleton (29.07.2011, 14:34):
Original von Amadé
ch bin auch im Besitz der Beethoven-Ouvertüren von Karajan dirigiert. Beim vergleichendem Hören ist mir aufgefallen, dass seine letzten digital produzierten Aufnahmen näher an Beethoven sind als die früher aufgenommen. Hier hat Beethovens Musik mehr Biss, mehr Ecken und Kanten und ist auch durchweg schneller gespielt.

Grüße Amadé

Hallo Rideamus, Amade und Sfantu,

die Karajan-2CD-DG-Box, die ich gestern abgebildet habe, enthält auch alle Beethoven-Ouvertüren komplett (incl.aller 4 zu Fidelio). karajan´´s Ouvertüren sind somit auch vollstänig !

:cool Was die späteren digital aufgenommenen Ouvertüren mit Karajan anbetrifft, so möchte ich Amade zumindest für die Ouvertüren, die ich daraus kenne, eindeutig widersprechen.
Ich hatte die DG-DDD-Einzel-CD mit der Sinfonie Nr.8, die mit den Ouvertüren Fidelio, Leonore 3 und Egmont gekoppelt ist. Gegenüber den alten Aufnahmen aus den 60ern haben mich diese gerade wegen ihrem mehr laschen Zugriff (eben ohne den alten Biss, was auch nebenbei für die DDD 8te gilt) im Vergleich, ziemlich enttäuscht.

:beer Zustimmen möchte ich Dir Amade aber in Deiner Beurteilung zu den Abbado-Aufnahmen. Diuese klingen auf jeden Fall gut, aber ich finde auch, dass bei Abbado einfach der Funke nicht überspringt.

Da möchte ich Bernstein (SONY) ins Spiel bringen. Seine Beethobven - Ouvertüren sind nunmal leider nicht komplett. Meine geliebte Coriolan gibt es aus New York gar nicht. :thanks Aber man höre die verfügbaren Aufnahmen in der SONY-GA sowie in der DG-GA. Das ist für mich neben Karajan ein Beispiel, wo bei mir voll der Fuinke überspringt.
Armin70 (30.07.2011, 00:50):
Wenn ich mal Lust habe, Beethovens Ouverturen zu hören, dann am liebsten in der Aufnahme von George Szell:



Meiner Meinung nach sind das packende Interpretationen, mit der typischen Unerbittlichkeit und Präzision, die Szell`s Aufnahmen auszeichnen.

Des weiteren höre ich noch sehr gerne die sehr brilliant instrumentierten und sehr fetzigen Ouvertüren von William Walton: "Portsmouth Poiint Overture", "Johannesburg Festival Overture" und die "Scapino Ouverture":



Armin
Amadé (04.09.2011, 10:55):
Neu auf Empfehlung von sfantu:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0761203996322.jpg

kein Fehlkauf

Gruß Amadé
Sfantu (07.09.2011, 18:59):
Hallo Amade,

das freut mich sehr! Ganz viel Spass damit!

:hello Sfantu
Bert (17.09.2011, 19:00):
Mein Weg zu Wagner führte über die Rienzi-Ouvertüre. Als ich ein Fragment dieser Ouvertüre das erste Mal (im Radio oder TV ohne weitere Infos) gehört habe, machte ich mich auf den Weg herauszufinden, welches Stück das ist und wer das komponiert hat. Nach der erfolgreichen Recherche habe ich mir Wagners Ouvertüren und die ganze Oper Rienzi gekauft und - war von Rienzi ein bißchen enttäuscht (wegen Rene Kollo, ich mag seine Stimme nicht), aber die anderen Ouvertüren (Tristan, Tannhäuser und Lohengrin) brachten mich endgültig zu Wagner.
Falls jemand mit Solti einsteigen will:


Obwohl Wagners Opern zu meiner allerliebsten und am meisten gehörten Musik gehören, die schönste Ouvertüre ist für mich schon seit über dreißig Jahren die Rusalka-Ouvertüre.

Gruß, Bert
Maurice inaktiv (16.03.2013, 23:33):
Bei den Ouvertüren sollte man jene von Johann Strauss nicht vergessen.Wer möchte schon "Die Fledermaus-Ouvertüre" missen?

Auch hier kann ich einige Raritäten auflisten :

1. Franz Schubert : Ouvertüren / Arts sehr preisgünstig noch dazu

http://www.amazon.de/Ouvert%C3%BCren-Donato-Renzetti/dp/B0000263YQ/ref=sr_1_7?ie=UTF8&qid=1363471296&sr=8-7

2. Robert Schumann : Ouvertüre / Naxos ebenfalls günstig zu erwerben

http://www.amazon.de/Schumann-Ouvert%C3%BCre-Wildner/dp/B0000273UR/ref=sr_1_3?s=music&ie=UTF8&qid=1363471415&sr=1-3

3. Heinrich August Marschner : Ouvertüren / Marco Polo

http://www.amazon.de/Ouvert%C3%BCren-Walter-Alfred/dp/B0000045WJ/ref=sr_1_1?s=music&ie=UTF8&qid=1363471504&sr=1-1

4. Luigi Cherubini : Ouvertüren / EMI

http://www.amazon.de/Ouvert%C3%BCren-Marriner/dp/B00000DNQG/ref=sr_1_3?s=music&ie=UTF8&qid=1363471572&sr=1-3

Die Cherubini-CD ist wirklich klasse.Hier ist Marriner richtig klasse.

5. Donenico Cimarosa : Ouvertüren,Vol.1 / Marco Polo + Naxos

http://www.amazon.de/Domenico-CIMEROSA-Ouvert%C3%BCren-Vol-1/dp/B000SKJQSO/ref=sr_1_3?s=music&ie=UTF8&qid=1363471679&sr=1-3

Ebenfalls sehr schöne CD!Wurde im FF mit sehr gut bewertet (06/2002)

6. Antonio Salieri : Ouvertüren / Naxos

http://www.amazon.de/Ouvert%C3%BCren-Dittrich-Michael/dp/B00004SSJE/ref=sr_1_1?s=music&ie=UTF8&qid=1363471818&sr=1-1

Diese CD hat auch gute Kritiken erhalten.

7. Guiseppe Verdi : Verdi without Words / Telarc

http://www.amazon.de/Verdi-ohne-Worte-Kunzel-Erich/dp/B000003D03/ref=sr_1_1?s=music&ie=UTF8&qid=1363471933&sr=1-1

Ebenfalls sehr gute gelungen.Dazu die bekannt vorzügliche Aufnahme-
technik von Telarc.

7. Giuseppe Verdi : Ouvertüren,Vol.1 & 2 / Naxos

http://www.amazon.de/Ouvert%C3%BCren-Vorspiele-Ballettmusik-Morandi/dp/B0000014GO/ref=sr_1_2?s=music&ie=UTF8&qid=1363472037&sr=1-2

http://www.amazon.de/Ouvert%C3%BCren-Vol-2-Morandi/dp/B000001447/ref=sr_1_4?s=music&ie=UTF8&qid=1363472037&sr=1-4

Ebenfalls erstaunlich gut gelunge CDs von Naxos.

8. Giuseppe Verdi : Ouvertüren / Sony

http://www.amazon.de/Ouvert%C3%BCren-Preludes-Muti-Riccardo/dp/B0007KISAW/ref=sr_1_3?s=music&ie=UTF8&qid=1363472175&sr=1-3

Muti hat mir hier sehr gut gefallen.

9. Giuseppe Verdi : Ouvertüren / Decca

http://www.amazon.de/Ouvert%C3%BCren-Sinopoli-Giuseppe/dp/B000031W1W/ref=sr_1_2?s=music&ie=UTF8&qid=1363472269&sr=1-2

Als Kontrast dazu Giuseppe Sinopoli,der hier ebenfalls eine ausgezeichnete CD vorweisen kann.

10. Siegfried Wagner : Hier gibt es vier CDs von CPO . Diese gibt es
in einer 7-CD-Box bei JPC günstig zu erwerben.Es sind wirklich
schöne Aufnahmen unter Wener Andreas Albert.
Für 29,99 € ein Schnäppchen!!!!!!!

http://www.jpc.de/jpcng/cpo/detail/-/art/Siegfried-Wagner-1869-1930-S%E4mtliche-Orchesterwerke/hnum/8822037

Bei Wagner gibt es einige CDs,darunter Karajan,Böhm,Klemperer.

Bei Beethoven gab es mal eine CD mit Eugen Jochum.Ich meinte,er würde die Staatskapelle Dresden dirigieren,aber ich habe die CD nicht mehr,auch finde ich sie nicht bei Amazon....

Ach,bei Franz von Suppé gibt es eine wunderbare CD mit seinen bekanntesten Ouvertüren mit den Wienern unter Zubin Metha.Hier ist Metha wirklich ganz hervorragend,und die Wiener spielen fantastisch auf.

http://www.amazon.de/Bekannte-Ouvert%C3%BCren-Mehta-Zubin/dp/B000026C4C/ref=sr_1_19?s=music&ie=UTF8&qid=1363472987&sr=1-19

Als Alternative würde ich hier zur Decca-Aufnahme unter Charles Dutoit raten.Auch diese CD ist sehr gut gelungen.

http://www.amazon.de/Ouvert%C3%BCren-Dutoit-Charles/dp/B00000E2YA/ref=sr_1_10?s=music&ie=UTF8&qid=1363473067&sr=1-10

Sie ist besonders günstig zu erwerben gerade.

Nicht empfehlneswert finde ich die CD mit Marriner hier.Im Vergleich zu den von mir genannten Aufnahmen klingt Marriner wie das Symphonie-Orchester der Österreichischen Bahn-langsam und behäbig....Sorry,falls ich jetzt die Österreicher verärgert haben sollte.Ihr könnt euch ja die Deutsche Bahn dazu denken,das passt auch....

SO,ich habe fertig....
Peter Brixius (13.06.2015, 14:29):
Bei Christoph Willibald Gluck gibt es eigentlich nur eine Ouvertüre, die man ohne anhängende Oper in unterschiedlichen Einspielungen erwerben kann, wie ich bei einer Recherche im Bielefelder Katalog herausfand. Dies ist - und das ist kein Zufall - die Ouvertüre zu Iphigénie en Aulide.

Bei den Interpeten findet man R. Strauss, Toscanini, Furtwängler, Abbado, Walter und Klemperer (und nicht mehr im BK enthalten: Horenstein). Es ist sicher nicht die einzige, die auch mal für sich stehen kann, aber hier gibt es eine Besonderheit, die - neben ihrer Qualität - ihre Beliebtheit bei Dirigenten begründet: Es gibt eine ausführliche Analyse von Richard Wagner zu dieser Ouvertüre.

In Sammlungen mit "exotischer" Musik findet man die Ouvertüren zu "Le Cinesi" und zu den "Pilgern von Mekka", beide mit "Türkenmusik" ausgestattet. Von der düsteren Alceste gibt es noch eine Einzeleinspielung von Furtwängler.

Was mich verwundert, ist das Fehlen der Ouvertüre zum "Orfeo" bzw. "Orphée". Ich habe sie schon als Einzelstück im Konzert erlebt, finde sie auch hörenswert. Wenn man mich vor meiner Recherche gefragt hätte, hätte ich mich verwettet, dass sie zu den mehrfach eingespielten Ouvertüren gehört.

Wenn ich eine Sammlung von Glucks Ouvertüren herausgeben könnte, gehörte auf jeden Fall die der "Armide" dazu. In die bin ich ein wenig vernarrt, wenn sie bei mir läuft, drücke ich gerne auf den Wiederholungsknopf.

Warum sollte ich nun (etwa im Gluck-Opern-Thread) einzelne Ouvertüren anpreisen, wenn man sie ohnedies nicht einzeln erwerben kann? Bei der Darstellung der Opern gehe ich auf jeden Fall immer ausführlich auf die jeweilige Ouvertüre ein. Aber sollte es mal eine Veröffentlichung mit Gluck-Ouvertüren geben, dann schreibe ich gerne mehr dazu.

Übrigens: Ballettmusiken (bis zu der Chaconne aus der "Armide") findet man eher auf CDs, da natürlich mit dem "Furientanz" und dem "Reigen seliger Geister" aus dem Orphée als Spitzenreiter.

Liebe Grüße Peter
Hosenrolle1 (12.07.2015, 18:15):
In einem Programmheft zur Salome finden sich folgende Zeilen:

Er, der mit seinen bis dato komponierten zahlreichen Sinfonischen Dichtungen den wohl verdienten Ruf eines Klangmagiers genoss, hätte den versunkenen Orient in prächtigsten Farben vor den Ohren der Opernhausbesucher Stück für Stück entstehen lassen können. Aber genau das wollte Strauss nicht. Er wollte keine zeitliche und räumliche Distanz zwischen den gezeigten Vorgängen und dem Publikum aufbauen. Man soll vom ersten Moment an hineingezogen werden in diese so merkwürdige Feier am Hofe eines Provinzpotentaten. Die Wirklichkeit des festlichen Opernhauses soll ihre direkte Fortsetzung in der Party des Herodes finden.


Da habe ich mich gefragt, welche Opern gibt es noch, die KEINE Ouvertüre haben, und WARUM haben sie keine?

Eigentlich ein interessanter Kunstgriff, direkt in ein Stück einzusteigen, ohne das Publikum erst irgendwie "abzuholen" und einzustimmen.



LG,
Hosenrolle1
Peter Brixius (12.07.2015, 18:31):
Liebe hosenrolle1,

wer denn, wenn nicht Gluck :engel

Also, Glucks "Iphigénie en Tauride" hat keine Ouvertüre. Deshalb hat man ihr auch schon mal die von "Iphigénie en Aulide" vorangestellt.

Es ist so: Die Oper beginnt mit einem instrumentalen Vorspiel, das eine ruhige See vorstellt. Plötzlich bricht ein wilder Sturm los, Iphigenie und ihre Begleiterinnen stürzen auf die Bühne und bitten die Götter um Einhalt. Als der Sturm nachlässt, entwickelt sich dann die Szene, zunächst mit einem riesigen Accompagnato, in dem Iphigenie ihren Traum schildert. Es ist der Traum von der Ermordung ihres Vaters. Damit wird der erst äußerlich erscheinende Sturm ins Innere verlagert.

Ein geniales Stück Musik, aber keine (ausgewiesene) Ouvertüre - und eine Einführung der Heldin der Oper, die eben auch triumphal ist, wenn es ihr gelingt, den Sturm zu bändigen (es gibt da eine Einspielung mit der Callas ...)

Liebe Grüße Peter
Hosenrolle1 (12.07.2015, 18:34):
Ein interessantes Beispiel ... wollte Gluck hier ebenfalls die Zuseher quasi in das Stück hineinstoßen, ohne es erst mal "zu entführen", einzustimmen in die Handlung, wie man so schön sagt?




LG,
Hosenrolle1
Peter Brixius (12.07.2015, 18:47):
Die Parallele ist für mich der Beginn von Verdis "Otello" - auch ein Seestück, ein Sturm, über den sich triumphal die Stimme des Protagonisten erhebt. Dass es von da an nur noch bergab gehen kann ...

Gluck hat eine Ouvertüre verwandt, die von "L'île de Merlin". Dort gerät eine Gesellschaft in einen Seesturm, als sie endlich glücklich auf der Insel stranden, erwartet sie eine Idylle. Gluck hat die Musik quasi umgedreht. Durch den Einbezug des Solo von Iphigenie und des Chores der Gefährtinnen ergibt sich aber eine Szene statt eines Instrumentalstücks. Wenn man dann noch die psychologischen Implikationen nimmt (die Schuld, die auf dem Atriden-Geschlecht lastet, die neue, die durch die Ermordung Agamemnons, dann durch die Rache an Ägisth und Klytemnästra aufgetürmt wird, damit die Vorbereitung auf den in der Großszene gegen Ende gefangen hereingeschleppten Orest), wird der Zuschauer tatsächlich mit brachialer Gewalt in das Stück gezogen. Da wird dann noch als schwarzer Farbton die paranoide Furcht des Königs Thoas hinein gemischt, dann das barbarische Ballett der Thraker - es gibt keinen Ruhepunkt, und als es ihn im 2. Akt zu geben scheint, erweist er sich als Illusion. Erst gegen Ende des 2. Aktes, als Iphigenie zur Totenfeier rüstet (O malheureuse Iphigénie) wird eine Oase erreicht, aber um welchen Preis ... Aber auch mit welcher Musik!

Liebe Grüße Peter
EinTon (12.07.2015, 19:16):
Original von Hosenrolle1
Da habe ich mich gefragt, welche Opern gibt es noch, die KEINE Ouvertüre haben, und WARUM haben sie keine?



Das hast Du im 20 Jahrhundert recht häufig, zB bei Alban Bergs "Wozzeck" oder bei bislang allen mir bekannten Britten-Opern (die haben allerdings dann oft einen gesungenen Prolog).

Ein neueres Beispiel wäre "La Métamorphose" von Michaël Lévinas, die fängt sogar nur mit Stimmen und ein paar Schlaginstrumenten an. (wird Dir aber wahrscheinlich musikalisch nicht gefallen :wink ).

Die Frage:

und WARUM haben sie keine?

hast Du ja hier schon quasi beantwortet:

Eigentlich ein interessanter Kunstgriff, direkt in ein Stück einzusteigen, ohne das Publikum erst irgendwie "abzuholen" und einzustimmen.


Es ist also schlicht eine künstlerische Entscheidung, genauso wie "langsame Einleitung oder nicht" vor einer klassischen oder romantischen Sinfonie.
EinTon (12.07.2015, 19:19):
Hosenrolle1 (12.07.2015, 19:25):
Naja, mit der Frage nach dem "warum" (die ich präziser hätte stellen müssen) meinte ich eher, dass sie auf das jeweilige Stück bezogen ist.

Im Fall der Salome wird darauf verzichtet, um das Publikum vom Festsaal des Opernhauses direkt zu einem anderen Festsaal zu bringen, ohne es erst durch eine Ouvertüre in eine andere Zeit zu versetzen.

Eine "festliche Gesellschaft" stößt quasi direkt auf eine andere festliche Gesellschaft, die auf der Bühne, sozusagen.


Wie ist es dann bei anderen Opern und deren Handlungen? Welcher Zweck wird dort damit verfolgt, dass man das Publikum direkt in die Handlung stößt?





LG,
Hosenrolle1
EinTon (12.07.2015, 19:34):
Original von Hosenrolle1
Wie ist es dann bei anderen Opern und deren Handlungen? Welcher Zweck wird dort damit verfolgt, dass man das Publikum direkt in die Handlung stößt?


Naja, da kann ich genauso fragen, warum man früher (ok, auch da schon mit Ausnahmen (Gluck)) unbedingt eine Ouvertüre brauchte...

Man könnte ja auch argumentieren, dass eine Ouvertüre - als reines Orchesterstück - einen Fremdkörper in einer vokalen und szenischen Musikgattung darstellt. Durch deren Weglassen erreichst Du dementsprechend eine größere Einheitlichkeit.
Hosenrolle1 (12.07.2015, 19:57):
Das mit dem Fremdkörper ist ein interessanter Gedanke.

Ich habe das Prinzip einer Ouvertüre allerdings nie wirklich als Fremdkörper gesehen (außer vielleicht, wenn die Ouvertüre aus einer anderen Oper verwendet wurde, oder ähnliche Fälle).

Es gibt ja auch sicher Ouvertüren, die nahtlos in den 1. Akt übergehen ...

Ich denke schon, dass sie den Sinn haben, das Publikum einzustimmen auf eine andere Zeit, einen anderen Ort, damit sie sozusagen den Opernsaal vergessen.

Dann wäre wiederum die Frage, wieso gibt es Ouvertüren, die ein Ende haben, und solche, die nahtlos in den 1. Akt übergehen ...

Im konkreten Fall der Salome ist es ja auch so, dass man am Ende genauso schnell aus der Oper gekickt wird, wie man am Anfang hineingerissen wurde.




LG,
Hosenrolle1
EinTon (12.07.2015, 20:14):
Original von Hosenrolle1
Ich denke schon, dass sie den Sinn haben, das Publikum einzustimmen auf eine andere Zeit, einen anderen Ort, damit sie sozusagen den Opernsaal vergessen.



...und ich vermute, dass diese Haltung eben im 20. Jahrhundert weniger gewünscht war, und man eine "direktere" Ansprache des Zuhörers bevorzugte.
Sfantu (03.01.2019, 23:44):
Die drei Akt-Vorspiele zu Hans Pfitzners Oper ("Musikalische Legende") "Palestrina" zählen zu den ersten (& bis zum heutigen Tag prägenden) Eindrücken, seitdem ich mich für klassische Musik (im weitesten Sinne) interessiere.
Schuld daran ist die Pfitzner-Ouvertüren-Platte von Wolfgang Sawallisch.

Der Komponist schickt die Musik seiner Oper quasi einmal durch den Liebig-Kühler, sodaß ein Konzentrat des Gesamtwerks entsteht. Die drei Vorspiele können somit durchaus als eigenständiges Instrumentalwerk bestehen. Wie in einem Brennglas bildet sich das Wesen eines jeden der folgenden Aufzüge exemplarisch ab. Pfitzner, eher bekannt als Melodie-Vermeider, legt hier die (leit-) motivischen Keimzellen seines Dramas offen. Kann er auch nicht eben als Melomane gelten, so zählen doch gerade die Hauptthemen des ersten Vorspiels zum Schönsten & Anrührendsten, das ich kenne. Das kirchentonal geprägte Schaffens-Motiv, mit dem alles beginnt - ja, aus dem alles erwächst - & mehr noch das in seinem verzehrende Schmelz schier betörnde Palestrina-Thema sind in ihrer Wirkung auf das sensible Gemüt unwiderstehlich (hier offenbart sich (für mich) gar die zeitliche Nähe zum Verismo). Das zweite Vorspiel in seiner Schilderung des Chaos, der eitlen Verrohung, ja Pervertierung des ach so hehren Konzil-Gedankens streicht all dies ungeschönt heraus. Genial bspw. das mehrere Anläufe nehmende Motiv in den Trompeten: man hat die zänkischen, auf den eigenen Vorteil bedachten Pfaffen in ihrem hässlichen Eifer förmlich vor Augen.
Das dritte Vorspiel schließlich verkörpert die Geisteshaltung der mit allem Irdischen Ballast abgeschlossenen Seele Palestrinas.
Den Leitmotiv-Gedanken spinnt Pfitzner ungleich subtiler fort als Richard Wagner. Kaum einmal wird notengetreu auf jenen Melodien gesungen, sie bilden vielmehr devisenhafte Impulse, harmonische Umschreibungen / Andeutungen.

Es mag kitschig klingen: diese drei kurzen Sätze wiegen für mich so manches großformatige "Schlüsselwerk" auf.


Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks München - Wolfgang Sawallisch
(LP, Orfeo, 1988)

I 6'08 II 5'55 III 6'58

Die Münchner machen nie wirklich etwas "falsch" & (um es vorweg zu nehmen) keine der folgenden Aufnahmen ist als schlecht zu nennen. Die Aufnahmequalität ist superb & die Musiker berühren das Wesen der Musik. Dennoch ist eine noch verfeinertere, noch dichter die Essenz dieses Werkes treffende Deutung möglich...
Fortsetzung folgt
Sfantu (13.01.2019, 13:52):
Weiter geht es mit den Palestrina-Vorspielen:


Berliner Philharmoniker - Ferdinand Leitner
(LP, DG, mono, P 1959)
Nicht das originale Cover meiner LP, dafür aber ästhetischer.

I 7'19 II 7'00 III 7'43

Es ist gleich zu spüren, daß hier ein Theater-Dirigent am Werke ist. Leitner erlaubt sich einige bedeutungsschwere Rubati, speziell im ersten Vorspiel. Das wirkt zu keiner Zeit aufgesetzt, es trifft immer den Kern der Sache. Die Nr. II kommt in recht straffem Grundtempo daher. Zuerst war es mir zu schnell, sehr bald aber entsteht eine Art Sogwirkung & es wirkt geradezu als Aufsteller zwischen dem doch recht andächtigen vorausgehenden & nachfolgenden Stück. Im ruhigeren Seitenthema kommt mehrmals eine dynamische Steigerung, die von einem Triller in den Hörnern verstärkt wird. Hier haben sie genug Körper um nicht im Gesamtklang eher unterzugehen, wie man es sonst oft hört. Der Abschluß von Nr. II rüttelt mit auftrumpfender Geste auf, das Schlagwerk kommt gut zur Geltung - solchen Aplomb bietet nur Leitner - grandios! Nr. III wird immer noch gut gestaltet - die Staatskapelle Berlin & Otmar Suitner (nachfolgend) machen aber doch noch mehr daraus.
Kein überragender aber guter Mono-Klang.
Sfantu (13.01.2019, 18:30):
Ein krasses Beispiel von Verschlimmbesserung, indem ursprüngliche Mono-Tapes in ein Stereo-Korsett gepresst werden:

Berliner Philharmoniker - Ferdinand Leitner
(LP, DG, stereo, P 1958)

I 7'19 II 7'00 III 7'43

"Gediegene, noble Darstellung, ohne Mätzchen". So kann man das wohlwollend - & keineswegs beschönigend - charakterisieren.
"Etwas zu brav" wäre nicht weniger treffend, wenn man mehr Bühnenluft bevorzugt (man vergleiche nur die Unheil symbolisierenden Paukenwirbel in Nr. I: in dieser nachträglich stereophonisierten Ausgabe ist die Gewitterzelle noch in beruhigender Ferne - im Mono-Original schwindet dagegen jeder Zweifel: hier zieht ein packendes Drama herauf!). Im Blindtest käme man kaum darauf, daß es sich um dieselbe Einspielung handelt.
Entsprechend enttäuschend das Ergebnis: äusserst schmalbrüstige Bässe, leicht entfernt, etwas sparsame Dynamik.
Das einzige Plus dieser Bearbeitung liegt in der etwas selbstverständlicheren Bandbreite der Einzelstimmen. Wenn andererseits dermaßen viel Eingeständnisse gegenüber dem Original gemacht werden müssen, dann verzichte ich gern auf (Pseudo-) Stereo.
Amonasro (13.01.2019, 20:27):
Die Palestrina-Vorspiele gehören auch zu meinen Favoriten. Ich kenne sie aber nur von der Gesamtaufnahme aus Frankfurt. Eine besondere Vorliebe habe ich neben den Rossini-Ouvertüren für die sehr stimmungsvollen Opernvorspiele von Pietro Mascagni.

Neben dem Vorspiel der Cavalleria rusticana und dem Vorspiel zum 3. Akt von L’amico Fritz ragen vor allem die Vorspiele von Iris heraus. Das Vorspiel des 1. Aktes ist in verschiedene mit Überschriften versehenen Abschnitte eingeteilt: La notte - I primi albori - I fiori - L’Aurora und ist schon fast eine symphonische Dichtung, die den Sonnenaufgang beschreibt. Es beginnt mit einem die Nacht darstellenden Kontrabass-Solo und mündet schließlich in die Inno del sole (Sonnenhymne), die vom die Sonne darstellenden Chor hinter der Szene gesungen wird.
Der 2. Akt beginnt mit einer von Violine, Flöte und Harfe begleiteten Sopran-Vokalise und gehört zu den wenigen orientalisierenden Stücken in Iris.
Das Vorspiel des 3. Aktes stellt einen Abwasserkanal bei Nacht dar, der von Lumpensammlern nach noch Verwertbarem durchsucht wird. Der Librettist Luigi Illica hat jedem Akt sehr lange poetische Beschreibungen vorangestellt, zu Beginn des 3. Aktes heißt es u. a.: „Die drei Nächte: die sternenlose Nacht der Himmel, die Nacht des nichts reflektierenden, stehenden Wassers, die tränenlose Nacht der Gleichgültigkeit der Natur.“ Mascagni vergegenwertigt dem Hörer hier sehr überzeugend die geheimnisvolle, düstere Stimmung der Szenerie. In Iris hat Mascagni große zusammenhängende Szenen komponiert, sodass das Vorspiel nahtlos in den Chor der Lumpensammler und ein Lied an den Mond übergeht, so eine Art Gegenstück zur Sonnenhymne im 1. Akt bildend. Die für italienische Opernverhältnisse moderne Musiksprache des 3. Vorspiels soll bei der Uraufführung zu sehr ablehnenden Reaktionen geführt haben, obwohl der Rest der Oper sehr positiv aufgenommen wurde. Laut dem Mascagni-Biograph Alan Mallach war es „by far the most radical music ever to be presented to a mass audience in Italy”.

Für die fast zeitgleich entstandene Komödie Le maschere (Die Masken), in der sich Mascagni an den traditionellen Formen der Buffo-Opern Rossinis orientierte, komponierte er eine große Ouvertüre, die verglichen mit den Vorspielen der Iris geradezu anachronistisch wirkt, die jedoch durch schöne Melodien besticht und immer wieder nett anzuhören ist. Ein interessanter Einfall ist, dass nach den ersten 9 Takten der Ouvertüre der Dirigent von einem Schauspieler (den Impresario darstellend) unterbrochen wird, der fordert, dass sich zunächst alle Figuren in einer sogenannten Parabase vorstellen. Erst danach kann die Ouvertüre - diesmal vollständig - gespielt werden.

Die einzige mir bekannte Zusammenstellung von Mascagni-Vorspielen ist der Live-Mitschnitt eines Konzerts anlässlich des 50. Todestags des Komponisten 1995:



Der Titel „Symphonic and choral works“ ist irreführend, da es sich mit Ausnahme des Danza esotica um Vor- und Zwischenspiele aus seinen Opern handelt. Neben Vorspiel und Intermezzo der Cavalleria sind das 3. Vorspiel des L’amico Fritz, die Intermezzi von Isabeau, Silvano und Guglielmo Ratcliff, die Ouvertüre, ein Chor und ein Tanz (Furlana) aus Le maschere und die Sonnenhymne aus Iris enthalten. Der Iris-Ausschnitt macht mit über 17 Minuten das größte Stück der Aufnahme aus und besteht aus dem Vorspiel zum 3. Akt und der Sonnenhymne. Die Tonqualität ist leider nicht das Gelbe vom Ei; die Aufnahme klingt dumpf, Publikumsgeräusche sind deutlich zu hören. Das Orchester der Oper Triest unter Tiziano Severini legt zwar eine leidenschaftliche Interpretation vor, aber die meisten Stücke sind auf Gesamtaufnahmen der Opern überzeugender und klangschöner gelungen.

Alternativ gibt es einige der Stücke auch in Mascagnis eigener Interpretation, der sie zusammen mit Ouvertüren von Rossini und Verdi 1927 mit der Staatskapelle Berlin eingespielt hat. Eine Gesamtaufnahme scheint auf CD leider nicht erhältlich. Ein paar der Stücke (Ouvertüren und Intermezzi aus Il barbiere di Siviglia, I vespri siciliani, I Rantzau, Le Maschere, Iris, Guglielmo Ratcliff, L'amico Fritz) sind jedoch als Füller in der Naxos-Ausgabe von Mascagnis Cavalleria-Einspielung enthalten:



Gruß Amonasro :hello
Sfantu (13.01.2019, 22:53):
Hallo Amonasro,

das Stichwort Gesamtaufnahme lieferst Du mir quasi apropos.
Meine beiden letzten verbleibenden Einsspielungen stammen nämlich aus Gesamtaufnahmen:


Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks München - Rafael Kubelik
(4 LPs, DG, 1972)

I 6'04 II 5'49 III 5'12

&


Staatskapelle Berlin - Otmar Suitner
(3 CDs, Berlin Classics, 1997, ursprünglich VEB Deutsche Schallplatten, live, 1988)

I 5'38 II 6'20 III 4'51

Wie man schon an den Spielzeiten erkennt, ist hier etwas anders.
Für den Konzertgebrauch hat Pfitzner (nehme jetzt mal an, daß er das selbst getan hat) den Vorspielen Konzertschlüsse verpaßt. Denn in der Bühnenversion gehen sie jeweils in den anschließenden Aktbeginn nahtlos über. I: man hört in den letzten Takten bereits, wie Ighino & Silla im Studierzimmer ihre Geigen stimmen resp. mit dem Proben beginnen. II: das geschäftige Hin & Her der Vorbereitung der Konzilssitzung setzt unmittelbar ein (für die Konzertfassung wird praktischerweise der originale instrumentale Aktschluß hier angefügt). III: im Original sind im letzten Abschnitt bereits die Glocken der Sixtina zu hören.

Ein gesondertes Herauspicken der Vorspiele aus einer Gesamtaufnahme hinterläßt daher unvermeidlich einen anderen Höreindruck - man hat es dann tatsächlich mehr mit Musikschnipseln zu tun.

Die Suitner-Aufnahme habe ich schon länger. Aus Anlaß meines Vergleichshörens hab' ich mich drum entschieden, die Kubelik-Einspielung komplett durchzunehmen, da ich sie noch nie aufgelegt hatte. Was die Vorspiele angeht, machen beide Ensembles ihre Sache gut bis sehr gut, in beiden Fällen ist die Aufnahmequalität superb. Suitner schafft es allerdings, insgesamt noch ein kleines Plus an Emotionen zu erzeugen. Speziell in Nr. III baut er imposante Bögen bis zu hymnischer Größe auf, die staunen machen.

Aber, wie gesagt - die Konzertfassung zu hören oder die Originale, eingebettet in das komplette Werk, sind am Ende zwei Paar Schuhe.
Sfantu (18.03.2019, 18:02):
Es brauchte einen freien Tag wie heute, um endlich einmal mit der nötigen Ruhe, Deinem Hinweis,

lieber Amonasro,

auf die "Iris"-Vorspiele nachgehen zu können.
Ich wollte nicht einfach die drei Stücke einzeln anhören, sondern die ganze Oper, damit sich ihr Charakter & ihre Bedeutung / ihre Funktion im Gesamtzusammenhang erschließt. Auch sind sie mehr noch als bei Pfitzners Palestrina so sehr mit dem Werk verwoben, daß man sie nur schwer separat hören kann - es sei denn, es wurden Konzertfassungen erstellt. Ansonsten gebe ich Dir recht - das sind, zusammen genommen, tatsächlich veritable sinfonische Dichtungen. Besonders eindrücklich der Beginn des ersten Vorspiels: die Kontrabässe erzeugen mit diesem kohlrabenschwarzen Klang augenblicklich einen gruseligen Schauer. Diese Takte für sich genommen, könnten gut & gerne 60 Jahre später von Allan Pettersson geschrieben worden sein!

Am Ende bin ich dankbar, das heute nach sicher mehr als 10 Jahren erstmals wieder gehört zu haben. Es lieferte mir nämlich Gewißheit, daß Verismo nichts (mehr) für mich ist. Das Gute daran: dringend benötigter Platz in den Plattenregalen wird so frei: mit Ausnahme von Tiefland & dem Trittico wird den Emotionissimi nun Lebewohl gesagt. Eh schon reichlich nah am Wasser gebaut, sind mir diese Emotions-Talfahrten definitiv zu viel. Eine tieftraurige, grausame Story, gewandet in verzehrend süßliche Melodien, dann noch Protagonisten, die - als wüßten die eigenen Tränendrüsen nicht eh schon, was sie zu tun haben - laut schluchzen.

Aus Gründen, die ich nicht mehr zusammen kriege, hatte ich mich von der CBS-Gesamteinspielung unter Patanè irgendwann getrennt & später diese 3 LP-Box ergattert:


Pietro Mascagni - Iris

Magda Olivero - Titelrolle
Salvatore Puma - Osaka
Saturno Meletti - Kyoto
Giulio Neri - il Cieco
Amalia Olivia - una guécha
Salvatore de Tomaso - un merciaiolo
Mario Carlin - un cenciaiolo

Coro e Orchestra Sinfonica della Radiotelevisione Italiana - Angelo Questa
(3 LPs, live, fonit cetra, 1956)

Mono bedeutet per se noch keinen eingeengten, dünnen Klang - hier aber ist es leider genau so.
Eine Wonne dagegen diese Stimmen! Die Olivero kommt nicht ganz so blütenzart mädchenhaft rüber, wie es die Figur verlangte, ist technisch aber sicher & versiert. Puma klingt mit Schmelz & stählerner Höhe zum Dahinschmelzen (man vergißt glatt, daß man es mit einem Bösewicht zu tun hat). Erschütternd & die Rolle quasi durchlebend Giulio Neri als Vater.
Der Chor ist ordentlich, das Orchester mehr als ordentlich. Dennoch: bei Patanè hat man sicher mehr von der Musik - einfach aufgrund der besseren Aufnahmequalität.
Amonasro (02.04.2019, 17:10):
Lieber Sfantu,

die Patanè-Aufnahme ist wohl die einzige Aufnahme mit guter Tonqualität. Aber leider ist sie im Vergleich mit diversen Live-Mitschnitten eher blutarm geraten. Alles klingt sehr schön, die emotionale Achterbahn des Olivero/Questa-Mitschnitts wird man aber nicht erleben. Auch mit dem Vorspiel bin ich nicht ganz glücklich, die Kontrabässe sind sehr leise aufgenommen und bei normaler Lautstärke kaum zu hören.
Der Vollständigkeit halber sei noch ein anderer Mitschnitt mit Magda Olivero aus Amsterdam 1962 erwähnt. Es dirigierte Fulvio Vernizzi. Die Tonqualität ist etwas besser als 1956 und Magda Olivero beeindruckt in beiden Mitschnitten, die übrige Besetzung (Luigi Ottolini, Renato Capecchi, Plinio Clabassi) ist der früheren aber unterlegen.

Verismo gebe ich mir immer wieder gerne, bei der Iris brauchte es aber zunächst etwas Eingewöhnung. Der von dir angesprochene Gegensatz "Eine tieftraurige, grausame Story, gewandet in verzehrend süßliche Melodien" ist gerade bei der Iris besonders ausgeprägt. Wahrscheinlich finde ich sie gerade deswegen so faszinierend.

Gruß Amonasro :hello