Peter Hofmann, von Siegmund zu S&G

Mime (26.11.2007, 18:05):
Hallo,
wer weiss etwas Aktuelles von Peter Hofmann?

Einst sang er den Siegmund in Bayreuth, später "Bridge over troubled Water" von Simon & Garfunkel.

Jetzt ist es ziemlich still um ihn geworden.
Poztupimi (26.11.2007, 18:17):
Hallo Mime,

Original von Mime
Hallo,
wer weiss etwas Aktuelles von Peter Hofmann?

Einst sang er den Siegmund in Bayreuth, später "Bridge over troubled Water" von Simon & Garfunkel.

Jetzt ist es ziemlich still um ihn geworden.

ich muß zugeben, in meinen Schränken findet sich nicht eine Aufnahme aus dem klassischen Bereich mit ihm, und seine Ausflüge in den Pop-/Rock-Bereich fand ich - so mal etwas im Radio zu hören war - ziemlich furchtbar, aber das ist halt Geschmackssache. Ich meinte, mich zu erinnern, mal etwas darüber gehört zu haben, daß er an Parkinson leidet, habe gerade mal nachgeschaut. Auf diesen Seiten kann man etwas über ihn und sein Engagement zur Unterstützung bei der Erforschung der Krankheit erfahren.

Viele Grüße,
Wolfgang
satie (26.11.2007, 19:47):
Ich entsinne mich, dass Peter Hofmann auch mal hoch zu Ross in Bad Segeberg bei den Karl-May-Festspielen mitwirkte. Allerdings kann ich nicht sagen, ob er da denn auch seinen Part mit Gesangseinlagen aufpeppte oder nicht. Mir hat er nie so recht gefallen...
Amadé (26.11.2007, 21:45):
Hallo,

ich habe ihn auch in Bayreuth als Tristan gehört, ich glaube es war 1986 oder 1987, es war die zweite Aufführung des Jahres. Normalerweise überträgt der Bayerische Rundfunk jeweils die ersten Aufführungen, in diesem Jahr muss Tristan I wegen P.Hofmann ziemlich danebengegangen sein, deshalb wurde im Rundfunk dann die von mir erlebte 2. Aufführung gesendet. Aber auch hier bot Hofmann keine festspielreife Leistung, der von den Tenören so gefürchtete 3. Akt war eine Qual.

Außerdem hat Hofmann mit Bernstein den Tristan in München (1982) für die Schallplatte (Philips) gemacht. Die Aufnahme erschien etwa zeitgleich mit Carlos Kleibers Dresdner Produktion für die DGG. Beide Aufnahmen gehören m.E. nicht in das Spitzenfeld und haben ihre Stärken und Schwächen. Die Dirigenten verbuche ich mal auf der Haben-Seite, die Tristan-Sänger weniger, wobei ich Rene Kollo bei C.Kleiber den Vorzug gebe.

Grüße Amadé
WagnerfanHB (30.03.2008, 10:23):
Vom Rocksänger zu Tamino, dann über Siegmund zu Parsifal und Tristan und zurück zum "Rock" ( nun gut, wirklich Rock war das nicht :D )

Als Siegmund im Chereau Ring fand ich ihn sehr sehr gut :down , als Tristan unter Bernstein hoffnungslos überfordert, als Parsifal unter Karajan durchaus gut.

Er war wie so viele "Helden"tenöre ein hochgesungener Bariton, weswegen ihm der Siegmund sehr entgegenkam, ich mag da nicht nur seine Bühnen-Darstellung bei Chereau sondern eben auch seinen Gesang. Er versteht die Rollen die er singt, brachte sie für mich glaubhaft. Technisch oft mit Sicherheit nicht perfekt, aber mir persönlich ist ein Sänger lieber, der mir die Rolle verständlich macht, mich mitfühlen läßt, als einer der perfekt und wunderschön singt, mich aber völlig kalt läßt.

Wenn man bei den Siegmundsängern mal Melchior wegläßt, der war sowieso "von einem anderen Stern", dann kommt Peter Hofmann für mich als Siegmund nahe an das Ideal heran. Ich habe Aufnahmen von Vinay, Windgassen, Vickers, Uhl ... und da steht Hofman für mich an erster Stelle.

Parsifal und Lohengrin fand ich ihn durchaus gut, über den Tristan breite ich lieber den Mantel des Schweigens :D

Ins Musicalfach zu wechseln war wohl nötig, da seine Stimme deutlich nachließ, seine Rock-/Popplatten fand ich teilweise gut ( Ivory Man ) andere ... nun gut :ignore

Schwer an Parkinson erkrankt bekommt man keine Infos mehr über ihn, es sein denn man ließt irgendwelche Blättchen der Regenbogenpresse, was man davon zu halten hat überlasse ich jedem selbst zu entscheiden.

Hofmann war für mich ein Beispiel eines nicht gut beratenden Sängers, Tamino bis hin zum Siegmund ok, aber mit Tristan und Co hat er sich wohl die Stimme kaputt gemacht.
Mime (07.12.2010, 17:35):
Gestern wurde der vor einer Woche nach langer Krankheit verstorbene Peter Hofmann zu Grabe getragen. Seine letzte Ruhestätte hat er im oberfränkischen Wunsiedel gefunden.

Als Siegmund (Bayreuther Jahrhundertring), Lohengrin und Parsifal schrieb er in den Siebzigerjahren Operngeschichte. Später unternahm er Ausflüge ins Musical (Phantom der Oper) und ins Popfach.

Was ihn auszeichnete, war die Symbiose von Gesang und Darstellung. Den Begriff des Heldentenors hat er neu definiert. Athletisch-sportlich durchtrainiert, ohne Fettwampe und Hängebacken wie in der Frühzeit des Wagnergesangs, hat er seine Rollen im wahren Wortsinn "verkörpert". Dafür hat er sich einen Platz im Sänger-Olymp verdient. Danke, Peter!

Kann Jemand über persönliche Begegnungen mit dem Sänger berichten?
Severina (07.12.2010, 19:36):
Lieber Mime,

leider nein, denn als Peter Hofmann seine große Zeit hatte, konnte ich mit Wagner noch nicht allzu viel anfangen, euphemistisch ausgedrückt :wink. Und dann pflegte ich auch das lächerliche Vorurteil, dass es mit einem Opernsänger, der sich in die Niederungen von "Phantom der Oper" begibt, nicht weit her sein kann. Heute denke ich gottlob nicht mehr so engstirnig.
Wenn ich Dir jetzt sage, wann ich meine erste Konservenbegegnung mit Peter Hofmann hatte, hältst Du das wahrscheinlich für eine gut erfundene Geschichte. Vorige Woche holte ich mir DVD-Nachschub aus der Zentralbibliothek, und als ich so vor dem Regal stand, dachte ich, es wäre doch hoch an der Zeit, mir einmal den so gerühmten Chereau-Boulez- Ring aus Bayreuth anzuschauen, mit Hofmann als Siegmund.
Als ich daheim den PC anwarf, war die erste Nachricht die vom Tod Peter Hofmanns.....
Ja, und jetzt tut es mir SEHR Leid, ihn früher so hartnäckig ignoriert zu haben, denn was er da als Siegmund bietet, vor allem darstellerisch, begeistert mich sehr. Was gäbe ich jetzt darum, ihn einmal live erlebt zu haben. Zu spät....

RIP, Peter Hofmann!

lg Severina :hello
Zefira (08.12.2010, 00:38):
Von Hofmann hieß es (nach meiner Erinnerung) immer wieder, er habe zu früh Wagner-Rollen gesungen, eben weil er optisch so perfekt in das Schema passte. Stimmlich sei er noch nicht reif gewesen und hätte seine Stimme mit diesen Rollen überlastet.

Stimmt das eigentlich? Ich bin keine Wagner-Hörerin und habe ihn kaum beachtet.

Gruß von Zefira
Honoria Lucasta (08.12.2010, 07:50):
Liebe Zefira,
ich denke, das ist zum Teil wahr, weil Hofmann ja auch verhältnismäßig spät mit dem professionellen Singen angefangen hat und nicht sehr viel Zeit hatte, die Belastbarkeit seiner Stimme durch die -damals jedenfalls noch besser als heute mögliche- Tour durch das gesamte Repertoire an Provinztheatern zu erhöhen. Daß wir heute gerade bei Tenören die "ex und hopp"-Mentalität der Industrie haben, liegt ja auch mit daran, daß man ihnen keine Gelegenheit gibt, das Stimmaterial zu stärken und in Geduld zu sehen, wohin sich Stimme und mit ihr das Repertoire entwickeln.

Peter Hofmann prädestinierten sein athletischer Typ und das nicht üble Aussehen damals natürlich zum blonden Recken in der Walküre oder zum Parsifal. Heute singt Peter Seiffert knubbelig und schwarzhaarig den Siegmund, und niemand findet etwas dabei, aber in den 70ern mag das noch anders gewesen sein.

Ich habe Peter Hofmann nie live gehört - er war in Bonn einmal als Parsifal geplant, fiel aber dann vor der von mir besuchten Vorstellung aus und wurde durch Walter Raffeiner ersetzt (auch so ein Getriebener!), was sicher keine schlechte Alternative war.

Mich hat immer sehr berührt, daß gerade so ein Sport-As wie Hofmann von der tückischen Parkinson-Krankheit, die über kurz oder lang alle Bewegungen verunmöglicht, befallen wurde. Manchmal glaube ich, daß ein paar ärgerliche Defizite seiner Leistung, u.a. eine stark suboptimale Aussprache (Wortverständlichkeit für einen Deutschen im deutschen Fach sollte schon eine Selbstverständlichkeit sein!) frühe Boten dieser späteren Erkrankung waren.

Von Hofmann werden bleiben der Chereau-Ring und der Parsifal sowie seine erste Rock-Platte, die man sich immer noch gut anhören kann.

Grüße!

Honoria
Jürgen (08.12.2010, 10:21):
Ich lese gerade in Wikipedia, dass Peter Hofmanns Opernschaffen von 1972 bis 1990 - also 18 Jahre - dauerte. Das Zeitfenster, in dem ich ihn als Opernsänger wahrnahm und auch schätzte, war deutlich kleiner.
Betrachtet man seine klassische Diskographie, so entspricht das schon eher diesem Zeitraum:

1980: Ludwig van Beethoven: Fidelio (Rolle des Florestan) (Chicago Symphony Orchestra, Sir Georg Solti)
1981: Wolfgang Amadeus Mozart: Die Zauberflöte (Sinfonie-Orchester und Chor des Bayerischen Rundfunks, Bernard Haitink)
1981: Richard Wagner: Parsifal (Berliner Philharmoniker, Chor der Deutschen Oper Berlin, Herbert von Karajan)
1981: Richard Wagner: Die Walküre (Orchester der Bayreuther Festspiele, Pierre Boulez)
1981: Richard Wagner: Tristan und Isolde (Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks Leonard Bernstein)
1983: Richard Wagner: Höhepunkte aus Rienzi, Tannhäuser u.a. (RSO Stuttgart, Ivan Fischer)
1985: Richard Wagner: Der fliegende Holländer (Berliner Philharmoniker, Wiener Staatsopernchor, Herbert von Karajan)
1985: Richard Wagner: Parsifal (Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele James Levine)
1985: Richard Wagner: Die Walküre, 1. Akt (New York Philharmonic Orchestra, Zubin Mehta, Eva Marton, Martti Talvela)
1986: Richard Wagner: Lohengrin (Metropolitan Opera Orchestra, Metropolitan Opera Chorus, James Levine)

Auch ich habe ihn nie live erlebt und nahm ihn daher fast ausschließlich über seine Aufnahmen war. Die Walküre wie auch die szenische Aufführung des Tristan habe ich im TV gesehen. Von Ersterer war und bin ich immer noch begeistert. Der Tristan hat mich gelangweilt.

Anfang der 80er dachte ich wirklich mit Peter Hofmann sei die Krise im Bereich Heldentenor überwunden. Mehr sogar, was Bühnenpräsenz anging, übertraf er sogar seine ruhmreichen Vorgänger. Ich nehme nur mal Lauritz Melchior und Wolfgang Windgassen als Beispiel. Melchior mußte auf athletisch getrimmt werden und Windgassen nahm man den Helden nicht richtig ab, Ärmelschoner passten besser zu ihm als ein Schwert:
http://2.bp.blogspot.com/_80C5m-BTrto/S8VWuKfiOhI/AAAAAAAABDU/ScXg5uQotiw/s320/melchior.jpghttp://media.auvito.de/images/cache/0b/86/3a/0b863a4c45b25eeb9d711780989098b3.jpg

Und dann kam er:
http://www.wagneroperas.com/siegmundbrunn.jpg
Das hat damals eingeschlagen, wie eine Bombe. Unterstützt von den Medien, der Plattenindustrie und eigenen markigen Sprüchen, wie: Als Wagner-Tenor darf man nicht unter der Dusche hin und her springen müssen, um nass zu werden (Aus dem Gedächtnis zitiert) avancierte er zum Superstar und stellte Kollegen wie René Kollo, die stimmlich nicht schlechter waren als er, für einige Jahre in den Schatten.

Was der Grund für seine Stimmkrise in den späten 80ern war, habe ich nirgends erfahren können. Es gab einfach keine Opernaufnahmen mehr von ihm. Anfangs kaufte ich noch seine Pop-, Rock- und Crossoverplatten, bis auch sie mich langweilten.
Da mich Musicals wenig interessieren, habe ich Peter Hofmann recht schnell aus den Augen und Ohren verloren.

Grüße
Jürgen
santuzza (08.12.2010, 20:07):
Ich habe Hofmann hier an der DOB als Lohengrin,Siegmund life mehrmals erlebt.
Er war ein Erlebnis in diesen Rollen.

Er sang hier sehr oft,seine sportliche und sängerischen Leistungen auf der Opernbühne
waren sensationell!

Santuzza