satie (19.05.2007, 15:35): Da ich mich mit diesem Komponisten nie beschäftigt habe und nun eine sehr schöne Aufnahme im Player habe (ja, manchmal lohnt sich, aus den Bibliotheken mal einiges blind mitzunehmen) starte ich einen Thread zu diesem Komponisten. Der Einfachheit halber hier mal die Informationen aus der Wikipedia:
Pietro Antonio Locatelli (* 3. September 1695 in Bergamo; † 30. März 1764 in Amsterdam) war ein italienischer Violinist und Komponist. Über Locatellis Leben ist wenig bekannt. In seiner frühen Jugend war er dritter Violinist im Kirchenorchester von Santa Maria Maggiore in Bergamo. Seine ersten Lehrer waren vermutlich Ludovico Ferronati und Carlo Antonio Marino, beide anerkannte Musiker in seiner Vaterstadt. Ab 1711 studierte er in Rom, wahrscheinlich bei Giuseppe Valentini, vielleicht auch bei Arcangelo Corelli. Von 1717 bis 1723 war er Violinist in der Kirche San Lorenzo e San Damaso in Rom, danach war er bis 1728 vorwiegend auf Konzertreisen durch Italien (Mantua, Venedig) und Deutschland (Dresden, München, Berlin, Kassel). 1729 zog er nach Amsterdam, wo er sesshaft wurde und bis zu seinem Lebensende wirkte. Er komponierte, gab Violinunterricht, edierte Werke anderer Musiker und leitete ein Collegium Musicum, das aus wohlhabenden Musikliebhabern bestand. Locatelli schrieb überwiegend für die Violine, jenes Instrument, das er selbst virtuos beherrschte. Zu seinen Schülern gehörte der französische Virtuose Jean-Marie Leclair. Orientierte sich sein Kompositionsstil anfangs an Arcangelo Corelli, wurde er später stärker von Antonio Vivaldi beeinflusst. Locatelli aber wollte seine venezianischen Kollegen noch übertreffen, was ihm durch seine Kantabilität und atemberaubende Virtuosität in den Solopassagen des L’Arte del Violino op. 3 gelang. Spätestens seit der Herausgabe dieses Werkes kann man Locatelli als einen Avantgardisten bezeichnen. Allerdings erreichten seine Orchesterpassagen selten Vivaldi’sche Qualität. Werke: * Opus 1: 12 Concerti grossi (Amsterdam 1721), zeigen noch den Einfluss von Arcangelo Corelli * Opus 2: 12 Sonaten für Traversflöte und B.c. (Amsterdam 1732) * Opus 3: L’Arte del Violino (Amsterdam 1733), vermutlich sein wichtigstes Werk, eine Sammlung von 12 Violinkonzerten, die 24 technisch anspruchsvolle „Capricci“ (ausgeschriebene Solokadenzen) enthalten * Opus 4: 6 Introductione Teatrali und 6 Concerti (Amsterdam 1735) * Opus 5: 6 Triosonaten (Amsterdam 1736), dem Amsterdamer Stadtsekretär M. Leveston, einem seiner Schüler und Gönner, gewidmet * Opus 6: 12 Violinsonaten (Amsterdam 1737) * Opus 7: 6 Concerti a quattro (Leiden 1741) * Opus 8: 6 Violinsonaten und 4 Triosonaten da camera (Amsterdam 1744) * Opus 9: 6 Concerti a quattro (Amsterdam 1762) * Weitere Sonaten für Cello, Flöte und Violine.
Ich höre gerade jene schönen und tatsächlich hochvirtuosen Concerti, die den Titel "L'arte del violino" tragen (Op. 3). Die Aufnahme ist mit dem Orchestra da Cameras di Santa Cecilia und Rodolfo Bonucci (Label Arts Music). Die Musik ist sehr schön, auch gut gespielt, wenn auch der Solist hin und wieder in den (zugegebenermaßen verteufelt schweren) Kadenzen die Intonation nicht so wichtig nimmt.
Mich würde hier interessieren, ob andere Aufnahmen existieren und wie Ihr alle, die Ihr Locatelli kennt seine Musik einschätzt. Mein gegenwärtiger Eindruck des Komponisten ist sehr positiv, doch kenne ich auch nichts anderes, habe nur mal beiläufig im Radio das ein oder andere Stück gehört.
Herzliche Grüße S A T I E
Rachmaninov (20.05.2007, 11:27): @Satie,
danke für den neuen Thread.
Von Werken Locatelli's besitze ich lediglich eine Aufnahme.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/4718055.jpg
Carmignola (Baroque Violin) mit dem Venice Maroque Orchestra. Wie bereits bei den 4 Jahreszeiten von Vivaldi eine sehr gelungene Aufnahme. Alleerdings klingt, für mein Ohr, Locatelli doch recht typisch für seine Zeit und sehr vieles klingt wie bei Vivaldi.
Wo siehst Du seine Besonderheiten und vor allem den Unterschied zu Vivaldi?
satie (19.05.2007, 15:35): Da ich mich mit diesem Komponisten nie beschäftigt habe und nun eine sehr schöne Aufnahme im Player habe (ja, manchmal lohnt sich, aus den Bibliotheken mal einiges blind mitzunehmen) starte ich einen Thread zu diesem Komponisten. Der Einfachheit halber hier mal die Informationen aus der Wikipedia:
Pietro Antonio Locatelli (* 3. September 1695 in Bergamo; † 30. März 1764 in Amsterdam) war ein italienischer Violinist und Komponist. Über Locatellis Leben ist wenig bekannt. In seiner frühen Jugend war er dritter Violinist im Kirchenorchester von Santa Maria Maggiore in Bergamo. Seine ersten Lehrer waren vermutlich Ludovico Ferronati und Carlo Antonio Marino, beide anerkannte Musiker in seiner Vaterstadt. Ab 1711 studierte er in Rom, wahrscheinlich bei Giuseppe Valentini, vielleicht auch bei Arcangelo Corelli. Von 1717 bis 1723 war er Violinist in der Kirche San Lorenzo e San Damaso in Rom, danach war er bis 1728 vorwiegend auf Konzertreisen durch Italien (Mantua, Venedig) und Deutschland (Dresden, München, Berlin, Kassel). 1729 zog er nach Amsterdam, wo er sesshaft wurde und bis zu seinem Lebensende wirkte. Er komponierte, gab Violinunterricht, edierte Werke anderer Musiker und leitete ein Collegium Musicum, das aus wohlhabenden Musikliebhabern bestand. Locatelli schrieb überwiegend für die Violine, jenes Instrument, das er selbst virtuos beherrschte. Zu seinen Schülern gehörte der französische Virtuose Jean-Marie Leclair. Orientierte sich sein Kompositionsstil anfangs an Arcangelo Corelli, wurde er später stärker von Antonio Vivaldi beeinflusst. Locatelli aber wollte seine venezianischen Kollegen noch übertreffen, was ihm durch seine Kantabilität und atemberaubende Virtuosität in den Solopassagen des L’Arte del Violino op. 3 gelang. Spätestens seit der Herausgabe dieses Werkes kann man Locatelli als einen Avantgardisten bezeichnen. Allerdings erreichten seine Orchesterpassagen selten Vivaldi’sche Qualität. Werke: * Opus 1: 12 Concerti grossi (Amsterdam 1721), zeigen noch den Einfluss von Arcangelo Corelli * Opus 2: 12 Sonaten für Traversflöte und B.c. (Amsterdam 1732) * Opus 3: L’Arte del Violino (Amsterdam 1733), vermutlich sein wichtigstes Werk, eine Sammlung von 12 Violinkonzerten, die 24 technisch anspruchsvolle „Capricci“ (ausgeschriebene Solokadenzen) enthalten * Opus 4: 6 Introductione Teatrali und 6 Concerti (Amsterdam 1735) * Opus 5: 6 Triosonaten (Amsterdam 1736), dem Amsterdamer Stadtsekretär M. Leveston, einem seiner Schüler und Gönner, gewidmet * Opus 6: 12 Violinsonaten (Amsterdam 1737) * Opus 7: 6 Concerti a quattro (Leiden 1741) * Opus 8: 6 Violinsonaten und 4 Triosonaten da camera (Amsterdam 1744) * Opus 9: 6 Concerti a quattro (Amsterdam 1762) * Weitere Sonaten für Cello, Flöte und Violine.
Ich höre gerade jene schönen und tatsächlich hochvirtuosen Concerti, die den Titel "L'arte del violino" tragen (Op. 3). Die Aufnahme ist mit dem Orchestra da Cameras di Santa Cecilia und Rodolfo Bonucci (Label Arts Music). Die Musik ist sehr schön, auch gut gespielt, wenn auch der Solist hin und wieder in den (zugegebenermaßen verteufelt schweren) Kadenzen die Intonation nicht so wichtig nimmt.
Mich würde hier interessieren, ob andere Aufnahmen existieren und wie Ihr alle, die Ihr Locatelli kennt seine Musik einschätzt. Mein gegenwärtiger Eindruck des Komponisten ist sehr positiv, doch kenne ich auch nichts anderes, habe nur mal beiläufig im Radio das ein oder andere Stück gehört.
Herzliche Grüße S A T I E
Rachmaninov (20.05.2007, 11:27): @Satie,
danke für den neuen Thread.
Von Werken Locatelli's besitze ich lediglich eine Aufnahme.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/4718055.jpg
Carmignola (Baroque Violin) mit dem Venice Maroque Orchestra. Wie bereits bei den 4 Jahreszeiten von Vivaldi eine sehr gelungene Aufnahme. Alleerdings klingt, für mein Ohr, Locatelli doch recht typisch für seine Zeit und sehr vieles klingt wie bei Vivaldi.
Wo siehst Du seine Besonderheiten und vor allem den Unterschied zu Vivaldi?