HenningKolf (14.03.2008, 08:25): Ich hatte mir zunächst überlegt, angesichts dieser höchst erfreulichen Neuerwerbung http://image.allmusic.com/00/acg/cov200/cm200/m216/m21677gd6k8.jpg einen Eintrag in der beabsichtigten "Kurz vorgestellt" - Rubrik zu verfassen. Da aber Prokofjew im Klavierbereich relativ unterrepräsentiert ist habe ich mich entschlossen, diesen Faden zu eröffnen, obwohl ich mich weder eingehend mit dem Werk beschäftigt habe noch ein ausgiebiges Vergleichshören durchgeführt habe. Also eher ein Faden, der nicht primär vom Eröffnungsbeitrag lebt sondern vornehmlich von der gesamten Forengemeinde :engel
Prokofjew hat einige Klaviertranskriptionen seiner orchestralen Werke erstellt, so z.B. auch Auszüge aus Cinderella (op. 95, 97 u. 102) und aus der "Liebe zu den drei Orangen".
Die zehn Stücke aus Romeo und Julia wurden 1937 fertiggestellt und 1938 veröffentlicht.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Reihenfolge der Stücke, da diese nicht mit der Reihenfolge im Ballett übereinstimmt - in der Zählweise des Balletts betreffen die zehn Transkriptionen die Abfolge Nr. 22, 3, 11, 10, 12, 13, 28, 15, 49, 38.
Neben der CD von Malikova stand mir eine mp3 - Datei der folgenden CD zur Verfügung
Die CD mit Glemser ist bestimmt nicht schlecht - A.Csampai z.B. war in der stereoplay Jahrgang 1999 voll des Lobes auch bezüglich op.75 - aber wenn man bedenkt, dass es sich um die Transkription einer Ballettmusik handelt, ist Malikova eine Offenbarung. Im Vergleich streift Malikova da Ballettschuhe über wo Glemser mit holländischen Holzklompen agiert (der Vergleich ist Ausdruck meiner Begeisterung für Malikova, Glemser ist wie schon betont kein Fehlgriff). Wenn der Vergleich nicht so hinken würde wäre ich fast geneigt zu sagen: "Das swingt". Der perfekte Eindruck wird dadurch abgerundet dass das Klavier sehr natürlich klingend aufgenommen ist.
Gruß Henning
teleton (14.03.2008, 12:44): Hallo Henning,
ich habe mich seinerzeit nach langen Recherchen auch für drei NAXOS-CD´s der Prokofieff-Sonaten mit Bernd Glemer entschieden und bin mit den Aufnahmen rundum zufrieden. :wink Den Stoff hört man ja nicht jeden Tag !
Die 10Klavierstücke aus Romeo und Julia habe ich dabei als willkommene Zugabe angesehen und Glemser finde ich hier auch angemessen und gut. Das Anna Kalikova hier noch besser ist, ist ja erfreulich. Wenn ich allerdings Romeo und Julia höre, dann greife ich doch lieber zur Orchesterfassung - mit Solti (große zusammengestelle Suite auf Decca) - Ozawa mit seiner GA (DG); die ist sehr gut aber - Ashkenazy´s GA (Decca), ist noch eindrucksvoller.
Die Stimmungen die dieses fabelhafte Meisterwerk beinhaltet, vermag für mein Empfinden keine Klavierfassung in dieser Art umzusetzen. Dennoch ist die Klavierfassung "nett anzuhören" und da reicht mir Glemser.
HenningKolf (14.03.2008, 13:15): @ teleton
Solti auf Decca habe ich auch, dazu - wenn ich nicht irre (ich schreibe vom Büro) Skrowaczewski aus den 60ern (beides die Suiten, nicht das komplette Ballett), aber ich würde nicht unterschreiben, dass die Klavierstücke durch Malikowa interpretiert zurückstehen...aber ich entwickle mich ja zu meiner eigenen Überraschung zum "Pianophilen" (meine derzeit bevorzugte Version der "Bilder" ist die mit Afanassiev)
Gruß Henning
HenningKolf (14.03.2008, 15:00): Original von HenningKolf - wenn ich nicht irre (ich schreibe vom Büro) Skrowaczewski aus den 60ern (beides die Suiten, nicht das komplette Ballett
1962 mit dem Minneapolis Symphony Orchestra - dies nur der Volständigkeit halber
Zelenka (14.03.2008, 17:14): Original von HenningKolf Also eher ein Faden, der nicht primär vom Eröffnungsbeitrag lebt sondern vornehmlich von der gesamten Forengemeinde :engel
Als Mitglied dieser strenggläubigen Forengemeinde kann ich leider kein sehr großes Scherflein beitragen ... Ich besitze eine einzige Gesamtaufnahme mit Gavrilov (DG). Ich find diese Klavierfassungen von einzelnen Balletnummern durchaus reizvoll, allzu oft höre ich sie allerdings nicht ... Ich könnte mir jedenfalls vorstellen, daß der Malikova eine sehr schöne Aufnahme gelungen sein könnte ... Bei Glemser reicht meine Vorstellungskraft nicht so weit.
Wenn es, abseits vom Thema, hier auch ein wenig um die volle Orchesterfassung gehen sollte - Teleton hat Empfehlungen gegeben - dann würde ich eher zu Maazel mit dem Cleveland Orchestra (auch Decca) neigen als zu Ashkenazy mit seinem weniger begnadeten RPO.
Gruß, Zelenka
HenningKolf (15.03.2008, 08:28): Original von Zelenka
Wenn es, abseits vom Thema, hier auch ein wenig um die volle Orchesterfassung gehen sollte
Meine Intention war es zwar nicht, aber threads führen immer ein gewisses Eigenleben.............
Rachmaninov (15.03.2008, 11:15): @Henning,
empfehlen kann ich dir hier die Aufnahme Demidenko's
teleton (15.03.2008, 20:15): Hallo Henning und Zelenka,
angeregt durch Deinen Beitrag habe ich mir gestern die 10 Stücke aus Romeo und Julia wiedermal angehört. Hat mir sehr gut gefallen, wenngleich einige Sätze nur mit Klavier nicht die Ausdruckskraft der Orchesterfassung ereichen.
Herausragend finde ich die beiden Sätze Montagues und Capulets und Mecutio. Und da gleich meine Frage: Hat die von Dir favorisierte Pianistin Malikova als Frau diese Kraft diesen Tastenwahnsinn zu bewältigen ? Glemser ist hier wirklich umwerfend mit "voller Pranke" auch wenn Zelenka Zweifel an Glemser hat - er ist TOP drauf. Da entstanden bei mir gleich Zweifel, ob eine Frau das auch so toll hinbekommt !?!
Prokofieff hat diese Klavierstücke aus der Orchesterfassung umgeschrieben. Es steht im Booklet, das man das nicht hört und es könnten direkte Klavierstücke sein. Ich finde man kann schon bei einigen Sätzen aufgrund der Polyphonie hören, das es ursprünglich keine Klavierstücke waren. Trotzdem eine sehr gute Umsetzung die Spaß macht zu hören. Danke an Henning für die Anregung !
An Zelenka möchte ich antworten (für diesen Thread zwar OT aber interesant): Die Vielgelobte Orchesteraufnahmevon Romeo und Jula mit Maazel (DECCA) isz wirklich sehr gut. Ich habe aus dieser GA eine Suitenfassung auf einer Decca-CD. Aber Du unterschätzt Ashkenazy (Decca). Jahrelang habe ich die Ozawa - GA (DG) genossen, aber Ashkenazy steckt diese "voll in die Tasche", sodaß ich die Original-Ozawa-CD´s verkauft habe ( :wink habe sie aber als CD-R zurückbehalten). Ashkenazy ist auch durchweg beeindruckender im Vergleich zu den Maazel-Suitensätzen, die ich mit ihm auf CD habe. Er versteht das RPO zu Höchleistungen anzuspornen - das Ergebis ist mein Favorit für Romeo und Juliai bester Deca-Klangtechnik.
HenningKolf (15.03.2008, 20:22): Original von teleton
Herausragend finde ich die beiden Sätze Montagues und Capulets und Mecutio. Und da gleich meine Frage: Hat die von Dir favorisierte Pianistin Malikova als Frau diese Kraft diesen Tastenwahnsinn zu bewältigen ?
Ich habe kein "Schwächeln" vernommen, und "das Rhythmische" bekommt Frau Malikowa meiner Meinung nach deutlich besser hin
Gruß Henning
PS: Einen kurzen Höreindruck gibt es hier
Zelenka (16.03.2008, 08:34): Original von teleton
An Zelenka möchte ich antworten (für diesen Thread zwar OT aber interesant): Die Vielgelobte Orchesteraufnahmevon Romeo und Jula mit Maazel (DECCA) isz wirklich sehr gut. Ich habe aus dieser GA eine Suitenfassung auf einer Decca-CD. Aber Du unterschätzt Ashkenazy (Decca). Jahrelang habe ich die Ozawa - GA (DG) genossen, aber Ashkenazy steckt diese "voll in die Tasche", sodaß ich die Original-Ozawa-CD´s verkauft habe ( :wink habe sie aber als CD-R zurückbehalten). Ashkenazy ist auch durchweg beeindruckender im Vergleich zu den Maazel-Suitensätzen, die ich mit ihm auf CD habe. Er versteht das RPO zu Höchleistungen anzuspornen - das Ergebis ist mein Favorit für Romeo und Juliai bester Deca-Klangtechnik.
Lieber Teleton:
Ashkenazy und sein Orchester überzeugen mich leider nicht völlig, nicht zu ändern ... Ich habe Verständnis dafür, daß Decca auch eine digitale Version des Balletts produzieren wollte, aber eigentlich ist sie überflüssig - wie so vieles in den Katalogen der Labels.
Gruß, Zelenka
teleton (16.03.2008, 12:15): Hallo Henning,
ich habe mir den mp3-Ausschnitt (2Minuten) mit Malinkowa runtergeladen. :) Es wird genau der Satzanfang von Montagues und Capulets präsentiert, den Satz den ich so herausragend finde. Kein Wunder das gerade dieser Ausschnitt als Appetithäppchenb gewählt wurde. :beer Meine Vermutung wird hier bestätigt: Glemser wirkt genau hier mannhafter, pointierter und vorwärsdrängender. Auch der Klang mit wuchtigen Bässen bei Glemser/Naxos ist famos gelungen; wirkt auf mich einfach beeindruckender in diesem Satz. Vergleiche diesen Satz mal und höre beide Aufnahmen gegen.
Ansonsten wie Du schreibst - Malinkowa ohne Schwächeln und ich nehme Dir gerne ab, dass Dich ihre Aufnahme insgesamt gesehen voll zufriedenstellt.
HenningKolf (16.03.2008, 12:34): Original von teleton Vergleiche diesen Satz mal und höre beide Aufnahmen gegen.
Das habe ich doch schon längst bevor ich den Faden hier eröffnet habe..................
nikolaus (16.03.2008, 12:51): Original von teleton Und da gleich meine Frage: Hat die von Dir favorisierte Pianistin Malikova als Frau diese Kraft diesen Tastenwahnsinn zu bewältigen ?
Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass Kraft bei Pianisten (Neutrum) etwas mit dem Geschlecht zu tun hat...