Ganong (03.05.2006, 17:04):
Liebe Schumann - Freunde ,
Robert Schumanns "Blumenstück" in Des - Dur , 2/4- Takt , mit der Vortragsbezeichnung "Leise bewegt" ist eng verbunden mit der "Arabeske" in C-Dur , der "Humoreske" Opus 20 - diese drei Werke werden oft als Triptychon bezeichnet - und dem "Faschingsschwank aus Wien" Opus 26 innerhalb seiner Werke für Klavier solo .
Schumann schrieb am 26 . Januar 1839 an Clara , dass er das Werk "Kleine Blumenstücke" nennen wolle . Heute nimmt die Schumannforschung an , dass das Blumenstück den "Variationen über kein Thema" enstpricht ( G. Wagner , o.J. , wohl 2005 ) .
Das Blumenstück besteht aus fünf Teilen , die jedoch kompositorisch geschickt durch eine feinste Linie miteinander verbunden sind . Sie haben esprit , Charme , Schumanns Feinfühligkeit und sind auch interpretatorisch durchaus anspruchsvoll .
Entstanden in Wien 1839 wo Robert diese vier Werke zumindest in einer , nach seinen Briefen zu urteilen , äusserlich glücklichen , zumindest zufriedenen Stimmung lebte. Dies war angesichts der äusseren Umstände sehr schwierig .
Die reine Poesie steht in diesme äusserlich kurzn , "kleinen" Werk ( Interpretationsdauer zwischen 5:30 und 7 minuten ) ganz im Vordergrund . Diese Miniatur enthält aber beim Studium des Notentextes durchaus in Schumanns Wendung von den scharfen kompositorischen Kontrasten hin zu den in den "Kinderszenen" im Frühjahr 1838 begonnenen auch ganz verinnerlichte Gefühls- ud Elebniswelten , die bereits in opus 18 ("Arabesken" 9 begonnen hatten un din ausgelassener Weise in den "Humore´sken" den Höhepunkt hatten . Dennoch ist auch die "Humoreske" ein sehr nachdenkliches Werk mit vielen melancholischen Elementen . schumann selbst hielt das Opus 20 für die bedeutenste der eingangs erwähnten drei Kompositionen . Das Blumenstück war den eher nach Schumanns eigenen Aussagen eine Zweckkomposition , um bei den Wienerinnen Eindruck zu machen . Schumann wollte mit Clara ja nach Wien übersiedeln .
Ein wundervoller Miniaturkosmos bleibt das Blumenstück auch für viele Interpreten . Das Werk ist trotz seiner Kürze übrigens nie ein "Zugabestück" gewesen .
Was ist i n dieser Komposition , die viele grossse Interpreten bewogen hat , das Werk aufzunehmen , während dieselben KünstlerInnen einen Bogen um angeblich viel bedeutendere Kompositionen Schumanns gemacht haben und noch machen ? Dabei hat die sehr kritische Clara - was leider oft vergessen wird , weil sie auf die Rolle einer Gralshüterin der Kompositionen ihres verstorbenen Mannes reduziert wird - von einer seiner "herrlichsten Eingebungen " gesprochen . Diese Urteil wird wohl jeder bestätigen , der das Werk mehrfach gehört hat . Diese Frage ist angesichts der sonstigen Spekulationen um die Werke Schumanns und den sehr divergierenden Meinungen und Deutungen der Schumannforschung in diesem konkreten Fall leicht zu beantworten :
Das "Blumenstück" ist voller Poesie , Verinnerlichung . Pianistisch-technisch ist es nicht so anspruchsvoll wie die Toccata , die grossen Variationen oder Fantasiekompositionen . Aber es bedarf schon einer Auseinandersetzung mit Schumanns eigentlicher Kernpersönlichkeit , seinem romantischen Erleben und der musikalischen Wiedergabe dessen , um eine "richtige" Interpretation gestalten zu können .
Aus allen mir bekannten Aufnahmen ragen zwei heraus :
1. Claudio Arrau ( Philips ) u n d
2. Cyprien Katsaris ( echter Livemitschnitt vom 3. August 1977 in Paris , Label : PIANO 21 , Vol. 1 ) . Diese CD enthält noch die Papillons , die Kinderszenen , dei Arabeske und die C-Dur-Fantasie . Alle Werke sind Livemitschnitte aus verschieden Jahren und geben somit auch einen sehr guten Überblick über Katsaris .
Die Aufnahmen durch Horowitz ( RCA ) und S. Richter sind pianistisch grossartig , aber dann doch zu "gewichtig" interpretiert im Sinne der Schumannschen Vorstellungen .
Beste Grüsse , Frank