R. Strauss: Salome - zwischen Romantik und Expressionismus
Hyacinth (09.08.2013, 19:50): Eine großartige Oper hat einen eigenen Thread verdient! Zwar ist meine "Salome"-Begeisterung noch jung, aber durch meine Beschäftigung mit dieser Oper imzuge der Matura relativ intensiv.
"Salome" gilt in der Musik als die erste Literaturoper, da das Libretto zum größten Teil aus dem originalen Theaterstück von Oscar Wilde übersetzt und übernommen wurde. Gleichzeitig ist sie ein ausschlaggebendes Werk für Richard Strauss' Farbenspektrum und stilistische Bandbreite, vereint sie doch an die Grenzen der Tonalität gehende, expressionistische Momente mit schwelgerischer, nahezu trunkener Walzermusik, die schon als Vorbote zum sechs Jahre später entstandenen "Rosenkavalier" verstanden werden kann.
Beginnen und Diskussionsanstoß möchte ich mit einer Charakterisierung der Salome geben, die ich aus meinem Spezialgebiet jetzt überarbeitet habe :
Salome, Tochter der Herodias, wird in der Opernliteratur oft als „Femme Fatale“ bezeichnet und vor allem zur Zeit des Symbolismus und Jugendstil als solche gesehen . Aber ist sie das wirklich?
Man kann die Salome, wie so viele andere vielschichtige Charaktere, meiner Meinung nach auf verschiedene Arten interpretieren und darstellen, klar ist aber, dass Salome vermutlich ein junges Mädchen war – zu dieser Zeit heiratete man ja auch mit 12-14 Jahren. In der Oper (die wie das Theaterstück auch die Bibelgeschichte ausschmückt) begehrt der Stiefvater Herodes die junge Salome offensichtlich, auch vor den Augen ihrer Mutter (dass Strauss für diese fragwürdige Figur einen Tenor gewählt hat, muss wohl nicht extra erwähnt werden). Salome selbst hat durch ihre Mutter, die von Johannes dem Täufer des Ehebruchs und der Hurerei angeklagt wird, auch kein wirklich gutes Vorbild erhalten. Sie lebt ihr ganzes Leben in Wohlstand, ist gewohnt zu bekommen, was sie wünscht und ganz auf sich fixiert. Besonders plastisch zeigt das die Szene am Anfang, als sie Narraboth schöne Augen macht, um ihren Willen zu bekommen – sie will Jochanaan sehen. Der in sie verliebte Soldat lässt ihr nach einigen Schmeicheleien den gefangenen Propheten aus der Zisterne holen. Als Salome jedoch in seiner Gegenwart den fremden, sie völlig abweisenden und verurteilenden Propheten anfleht, sie zu küssen, ersticht er sich neben ihr – Salome bemerkt den Selbstmord des unglücklich in sie verliebten Soldaten nicht einmal.
Bei Salome kommt – pathologisch betrachtet – viel zusammen: Einerseits die genetische Vorbelastung und Vorbildwirkung durch ihre Mutter, die ebenso wie sie verwöhnt ist und sich nimmt, was sie will, andererseits der Missbrauch durch ihren Stiefvater, den sie auf ihre Weise verarbeitet und schließlich zu ihren Vorteilen ausnutzt.
Salome ist fasziniert von Jochanaan, diesem fremden Mann, der seine orakelhaften Sprüche aus der Zisterne ruft. Vielleicht ist im ersten Moment auch die Lust am Verbotenen oder Grenzen auszutesten ausschlaggebend, dass sie befiehlt, den Propheten sehen zu wollen. Dann wird Salome natürlich durch das abweisende Verhalten des so ungewöhnlich Aussehenden gereizt, sie wurde in ihrem Leben sicher noch nie mit Abweisung oder sogar Herablassung konfrontiert. Zuerst fasziniert sie diese Verstoßung, ja sogar Verfluchung, die Jochanaan ausstößt, und als sie begreift, dass sie ihn wirklich nicht besitzen kann, wie alles andere, und sich die Gelegenheit bietet, greift Salome zu und ihre verletzte Eitelkeit, vielleicht sogar wirklich Bewunderung oder Liebe, verwandelt sich in ein perverses Verlangen, das vermutlich aus einer posttraumatischen Belastungsstörung durch den Missbrauch durch ihren Stiefvater und einem daraus resultierenden gestörten Verhältnis zur Sexualität entsteht.
Ein gesunder, normal denkender Mensch würde nicht über Leichen gehen, um das Objekt unerwiderter Liebe zu küssen, Salome allerdings scheint der Kopf des Jochanaan fast noch mehr zu reizen als sein lebender Körper, da er jetzt völlig ihr gehört und ihr nicht mehr widerspricht. Auch schon vorher zeichnet sich ab, wie psychisch krank Salome veranlagt ist: Ihre sprunghaften, impulsiven Aussagen im Duett mit Jochanaan erinnern schon fast an eine Borderline-artige Persönlichkeitsstörung („Ich bin verliebt in deinen Leib, Jochanaan! Dein Leib ist weiß, wie die Lilien auf einem Felde “ –„Zurück, Tochter Babylons! Sprich nicht zu mir! Ich will dich nicht anhör’n. “ –„Dein Leib ist grauenvoll! Er ist wie der Leib eines Aussätzigen.“). Gekränkter Stolz wandelt sich bei Salome also nicht in Depression um, sondern bricht ihr verwöhntes Herz und ihren Stolz und fördert ihr krankhaftes Potenzial zutage.
Bin gespannt, welche Diskussionen sich hier entspinnen werden! :)
lg, Hyacinth :hello
Florestan (10.08.2013, 12:16): Liebe Hyacinth
Vielen Dank für den Einstieg zur Salome. Die psychologische Bewertung teile ich auch, denn die Persönlichkeitsstörung bei Salome ist evident. Ein Symptom für Borderline-Störungen ist ja die Idealisierung und Herabsetzung, also der schroffe Gegensatz zwischen Zuneigung und Abneigung. Häufig steht auch ein sexueller Missbrauch im Hintergrund. Ob der nun durch Herodes tatsächlich erfolgte, oder ob er nur ein geiler Bock war, der seine Stieftochter gerne mal nackt anschauen wollte, lässt sich für mich nicht schlüssig aus der Geschichte von Wilde ableiten. Aber diese Grunddisposition liefert ja den Stoff für die Oper.
Ich möchte mich aber zunächst mal mit der musikalischen Dimension beschäftigen. Strauss hat ja hier seine erste vollgültige Oper geschrieben, denn die beiden Vorgänger "Guntram" und "Feuersnot" kann man ja getrost noch als Fingerübungen bezeichnen, sie waren auch nicht sonderlich erfolgreich. Strauss hatte zu diesem Zeitpunkt seine bedeutendsten Tondichtungen bereits geschrieben (die Uraufführung der Oper war am 9.9.1905 in Dresden). Er war in der Meisterschaft der Orchestrierung schon weit fortgeschritten, und immerhin schon 41 Jahre alt. Ausserdem war er als Sinfoniker bereits arriviert, hatte eine Menge Lieder und Kammermusik geschrieben. Für den Stoff der Salome hatte er eine eigene Tonsprache entworfen, die zwar sofort ihren Schöpfer erkennen lässt, aber auf der Höhe der Zeit war. Die allgemeine Aufbruchstimmung nach der Reichsgründung und die damit verbundene Hybris (die letztendlich zum Ausbruch des 1. Weltkrieges geführt hatte) fanden auch in den musikalischen Produktionen ihren unmittelbaren Niederschlag. Der Aufwand im Orchester war enorm (Gurrelieder von Schönberg, oder 5. und 6. Sinfonie von Mahler z.B.) und es wurden Chöre und Solisten mit einbezogen. Dieser Gigantomanismus hat sich noch eine ganze Weile gehalten, und Strauss hat erst bei der Ariadne bescheidenere Mittel eingesetzt. Die musikalische Sprache geht aber schon weit über den Ausdruckspegel der Spätromantiker hinaus. Das erklärt auch die spontane Begeisterung von Mahler für das Werk, welches er gleichwohl in Wien wegen der Zensur nicht uraufführen konnte. Es beginnt ohne Vorspiel, und wir werden mit einer aufsteigenden Figur in den Holzbläsern direkt in das Geschehen hineinkatapultiert. Die einzelnen Charaktere werden mit Motiven scharf umrissen. Ständig schwankend die Salome und mit klaren Linien, fast choralartig der Jochanaan. Die Herodias wird als hysterisches Weib charakterisiert, und der Herodes als Tyrann mit schlechtem Gewissen, es könne doch was dran sein an den Verwünschungen des Propheten. Hier kündigt sich schon der Ägisth an, beides im Grunde jämmerliche Figuren, die auch musikalisch so abgebildet werden. Die für Strauss typischen Gestaltungsmerkmale wie fliessende Harmonik mit abrupten Rückungen, übermässige Intervalle und eine üppige Klangmalerei, werden hier mit größter Bravour eingesetzt. Man merkt sofort, dass hier ein höchst selbstbewusster Mensch am Werke ist, der von der Grossartigkeit seiner Gestaltungsmittel überzeugt ist. Mit seiner provokanten Botschaft und der für die Zeit höchst avangardistischen Musiksprache ist das Werk ein typisches "fin de siècle" Stück, und hat insofern den Zeitgeschmack einer aufstrebenden Klasse von intellektuellen bestens getroffen. Zwar sind die Kritiker fast alle über das Werk hergefallen, aber der Publikumserfolg war enorm, und hat ja bis heute angehalten, weshalb diese Oper die am meisten aufgeführte von Strauss ist. Eine besondere Rolle spielen die 5 Juden. Hier hat man ja im Nachhinein Beweise für den latenten und offenen Antisemitismus bei Strauss identifizieren wollen. In der Tat kommen die Herren nicht besonders gut weg. Sie streiten ständig über Religionsfragen, und reden durcheinander, was musikalisch ausserordentlich eindrucksvoll kommentiert wird.
Noch ein Wort zum Schluß der Oper: Der Schleiertanz ist ja für die Regisseure eine heikle Sache. Kann man einen kompletten Striptease auf die Bühne bringen? Und welche Sängerin gibt sich dafür her? Häufig drückt man sich dann um eine klare Position herum. In der Inszenierung von Katharina Thalbach, die mal vor vielen Jahren in Köln gezeigt wurde, spielt die ganze Oper in einer Grossküche, und Salome wälzt sich beim Schleiertanz auf dem Küchentisch herum. Damit die Handlung schlüssig bleibt, braucht es aber den Tanz. Es muß klar werden warum Herodes ihn fordert und welche eindeutigen Absichten er verfolgt. Die Musik versucht hier ein orientalisches Cholorit zu entfalten, was allerdings vor dem Hintergrund der tatsächlichen Folklore aus diesen Breiten etwas künstlich wirkt.
Wunderschön musikalisch illustriert sind auch die Angebote des Herodes als Ersatz für die Tötung des Jochanaan. Der grossartige Abschluß erfolgt durch die Gesangsszene der Salome "Ah, Du wolltest mich nicht Deinen Mund küssen lassen ". Hier wird noch einmal die ganze Instrumentationskunst aufgeboten um diese grausige Szene zu gestalten. Wahrscheinlich sind es solche Momente die Kritiker von Strauss bewogen haben, ihn als Blender zu charakterisieren. Aber die psychologischen Verstrickungen der Personen sind selten besser dargestellt worden als in dieser Oper. Der nächste Schritt war die Elektra.
Herzliche Grüße Florestan
Hyacinth (12.08.2013, 12:15): Endlich komme ich dazu, in Ruhe zu antworten:
Gut, es ist vermutlich voreilig zu sagen, dass Herodes es mit Salome zum Äußersten getrieben hat - und doch vor dem Hintergrund, dass es sich bei Salome um (von heutiger Zeit aus gesehen) ein junges Mädchen handelt, das so - in welchem Ausmaß auch immer - zum ersten Mal mit Sexualität in Berührung gekommen ist. Deshalb würde ich nicht ausschließen, dass das wenigstens einen Teil ihres Problems darstellt.
Danke für die genaue musikalische Beschreibung!
Näher eingehen möchte ich auf die Rolle des Herodes: Zweifellos ist der Tetrarch ein unsympathischer Lüstling, aber, wie Florestan schon geschrieben hat, merkt er im Gegensatz zu seiner Frau, dass irgendetwas vor sich geht und eben deshalb kann er Jochanaan ja auch nicht umbringen lassen. Ob er wirklich ein schlechtes Gewissen hat oder ein Bauchgefühl, dass er nicht benennen oder zuordnen kann, ist Interpretationsfrage, aber Stellen wie "Ich höre die Flügel des Todesengels im Palaste rauschen!" (die Strauss sehr lautmalerisch gestaltet) zeigen, dass er der Einzige im Geschehen ist, der das drohende Unheil wahrnimmt, auch wenn er die Zusammenhänge nicht herleiten kann. Alles in allem bleibt Herodes jedoch ein Loser, der zwar gern mit seinen Pfauen und Schätzen protzt, aber nicht einmal merkt, wie seine Frau ihm den Ring wegnimmt - in Wahrheit lässt sich niemand (bis auf seine Diener) etwas von ihm sagen.
Was den "Tanz der sieben Schleier" anbelangt gebe ich dir ganz recht, Florestan. Das mit dem Striptease ist so eine Sache - einerseits sollte man sich zumindest vom Stil her der orgiastischen Musik anpassen, andererseits kann man ja Sängerinnen nicht zumuten, sich völlig zu entblättern. In Wien wurde das (in einer ziemlich alten Regie von Boleslaw Barlog mit Ausstattung von Jürgen Rose) meiner Meinung nach sehr gut gelöst: Salome wirft Schleier für Schleier von sich, bis sie zum Schluss, beim letzten Knall, den letzten direkt gegenüber von Herodes lüftet - so dass das Publikum den hautfarbenen Body darunter nicht sehen kann und der Eindruck entsteht, sie hätte darunter nichts an.
Dass die Musiksprache der Oper eher pompös ist, zeigen die "Salome-Akkorde", die durchs ganze Stück vorkommen. Salomes Motiv dagegen ist eher schlicht und spiegelt die ganze Geschichte in 2,3 Takten wieder. Immer wieder beeindruckt mich allerdings die Musiksprache bei "Es ist kein Laut zu vernehmen". Erst nach einiger Grübelei kam ich bei meiner ersten "Salome" darauf, dass das wehklagende, wie aus dem Jenseits klingende Ächzen von einem (verhältnismäßig) hohen Ton der Kontrabässe erzeugt wird. Da gefriert einem das Blut in den Adern, Strauss hat sich also auch bemüht, manchmal wenige Mittel einzusetzen um Stimmungen zu erzeugen.
Die Partie der Salome ist halsbrecherisch aufgrund der wahnwitzigen Tonsprünge, die Strauss eingebaut hat. Es braucht also eine Sängerin mit einer tollen Höhe, aber auch einer gut hörbaren Tiefe. "Meine" Salome - ja, ich gebe es zu, ich habe bis jetzt auch erst die eine gesehen - ist Camilla Nylund, weil sie meiner Meinung nach alle stimmlichen Voraussetzungen hat und im "Tanz der sieben Schleier" ihr Bewegungstalent beweist. Zur Illustrierung stelle ich einen Youtube-Link der Schlussszene hinein: http://www.youtube.com/watch?v=hX0F1oVjrLk
lg, Hyacinth :hello
Florestan (12.08.2013, 16:33): .. ja, Camilla Nylund ist wirklich eine prächtige Salome. Sie war diejenige in der von mir zitierten Kölner Aufführung.
Aber da könnten wir den Reigen der Salome-Darstellerinnen auch eröffnen (vielleicht wird ja der ein oder andere animiert, hier seine Lieblingsaufnahme oder Aufführung zu benennen).
Da meine Tonträgersammlung mehr in der Breite als in der Tiefe angelegt ist, habe ich nur 2 Aufnahmen, zu denen ich direkt etwas sagen kann. Ansonsten ziehe ich es vor Opern live zu erleben.
Da ist zunächst der Mitschnitt aus der Hamburger Oper von 1970 mit Gwynneth Jones unter Karl Böhm. Schon allein des Dirigenten wegen lohnt diese Aufnahme.
Auch die anderen Rollen sind gut besetzt: Fischer-Dieskau als Jochanaan, und Richard Cassidy als Herodes. Ich hatte diese Inszenierung 1973 mit leicht veränderter Besetzung (Horst Stein als Dirigent und Franz Mazura als Jochanaan) gesehen und kann mich noch recht gut daran erinnern, das Cassidy den Herodes ausgezeichnet als ängstlichen Lüstling dargestellt hat. Die Jones war damals 34, und hatte noch eine etwas jugendliche Stimme, was gut zu der Rolle passt. Da es meine erste Salome war, halte ich sie natürlich in Ehren!
Birgit Nilsson unter Georg Solti. Die Nilsson wird mit der Rolle bestens fertig, und Solti ist wohl einer der besten Strauss Dirigenten gewesen (seine Arabella mit Lisa Della Casa ist legendär). Den Herodes singt da Gerhard Stolze (der langjährige Mime in Bayreuth), und Jochanaan wird von Eberhard Wächter gesungen, der ja auch eine Klasse für sich war. Fischer-Dieskau gefällt mir in der Rolle jedoch besser (was er bei mir fast immer tut), da er die etwas umständliche und deklamatorische Ausdrucksweise des Jochanaan besser trifft. Ihm nimmt man den kompromisslosen Propheten eher ab. Die gewaltige Stimme der Nilsson ist vielleicht etwas zu voluminös für die Rolle. Auch wenn sie viel Kraft verlangt, so sollten wir nicht vergessen, das Salome eine junge Frau ist. Insofern passt die Stimme einer Teresa Stratas z.B., welche die Rolle auch oft gesungen hat eher besser. Aber gestalterisch lässt sich gegen Frau Nilsson nichts einwenden. Sie war ja auch eine hervorragende Elektra. (Wer sich näher mit ihr beschäftigen möchte sollte unbedingt ihre Autobiografie lesen. Witzig und kundig) Klangtechnisch haben die Leute von Decca alle Register gezogen, deren sie damals (1962) fähig waren. Die Aufnahme wurde vom Erfinder des "sonic stage" John Culshaw, besorgt. Sie wurde dann 2006 remastered. Ich kann diese Aufnahme wärmstens empfehlen.
Aber seitdem gibt es eine Fülle von weiteren Aufnahmen. Vielleicht kramt ja mal einer in seiner Sammlung ..
LG Florestan
Hyacinth (12.08.2013, 18:23): Danke für die vielen CD-Tipps, lieber Florestan!
Wir haben diese Aufnahme mit den Berliner Philharmonikern unter Zubin Mehta zuhause - Eva Marton singt die Salome, Bernd Weilk den Jochanaan, Heinz Zednik den Herodes und Brigitte Fassbaender die Herodias.
Ich habe sie mir schon länger nicht mehr angehört, weiß aber nur mehr, dass mir persönlich Eva Marton, die mein Vater früher sehr gemocht hat, nicht besonders gefallen hat, da - es dürfte dasselbe sein, was du bei Nilsson angemerkt hast - mir ihre Stimme zu dramatisch ist. Ich bevorzuge 1. eine jugendliche, mädchenhafte Salome und 2. kann ich mit hochdramatischen Frauenstimmen wenig anfangen (deswegen faszinieren mich auch Opern wie "Turandot" überhaupt nicht). Die Aufnahme mit Karl Böhm klingt interessant, Fischer-Dieskau als Jochanaan kann ich mir gut vorstellen (obwohl ich ihn mir sonst als Opernsänger nicht so vorstellen kann). Mein Gesamtaufnahmenregal bedarf dringendst einer Aufstockung, im Normalfall gehe ich auch lieber in die Oper, als die CD einzulegen, aber immer kann ich mich ja nicht aus der elterlichen Bibliothek mit CDs eindecken. :D
Schade ist, finde ich, dass heutzutage kaum mehr Opernmitschnitte oder -studioaufnahmen gemacht werden. Es gibt viele ältere Gesamtaufnahmen, die toll sind, aber 1. kann ich nicht so viel mit Sängern anfangen, die älter als meine Großeltern sind und ich nie auf der Bühne erlebt habe und 2. ist leider die Qualität älterer Aufnahmen mangelhaft...
lg, Hyacinth :hello
palestrina (12.08.2013, 19:20): Oh je, dann fangen wir mal an :
http://ecx.images-amazon.com/images/I/31uZYtrHuRL._SY400_.jpg Anja Silja , die Salome (544.70€ beim Urwaldfluß)
http://ecx.images-amazon.com/images/I/517NBR5pGtL._SY600_.jpg Inga Nielsen, selbst Live erlebt , ganz fantastisch !
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51rFrA24qrL._SY600_.jpg Geschmacksache , aber, sie konnte es singen, alle Achtung ! Das Feld Drumherum nicht !
http://ecx.images-amazon.com/images/I/817iV8Z31BL._SY600_.jpg Von den neueren die BESTE , da stimmt einfach alles , bis in die kleinste Rolle, und Sinopoli ist Super ! :down
http://ecx.images-amazon.com/images/I/71AcibPC5wL._SY600_.jpg Ja, auch die Rysanek war eine super Salome !
http://ecx.images-amazon.com/images/I/31cy03YXGHL._SY300_.jpg Und die Welitsch, war Salome , einfach GRANDIOS !!!!! :down :down :down
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41K7GMZAMSL._SY400_.jpg Auch das eine der besten GA , Karajan , unvergleichlich . Und die Behrens ist kaum zuzügeln ! Und van Dam ein Jochanaan vom besten , und die Baltsa eine Herodias , wow!
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51SYMj9x5AL._SY600_.jpg Christel Goltz, war eine gute Salome, aber auf dieser GA ist es das Dirigat von C.Krauss und der Herodias von J.Patzak !!!!
Solti mit B. Nilsson , gibt es bei mir auch, aber, ist nicht so ganz mein Fall , ist mir zu dick aufgetragen !
LG palestrina
Florestan (12.08.2013, 21:15): Eine Übersicht der Aufnahmen (nicht vollständig) findet man hier:
Billy Budd (29.08.2014, 00:27): Salome – das ist einfach eine verdammt packende Oper, eine der aller-, allerbesten. Insofern verpasse ich nach Möglichkeit keine Aufführung in Wien und war auch am 4. August und heute am Rathausplatz, um die Aufzeichnung aus Baden-Baden von 2011 anzuhören: Angela Denoke ist eine ganz tolle Salome, daß man oft vom Text wenig versteht, ist nur eine kleine Einschränkung, die (mich) angesichts der intensiven Gesamtleistung nicht weiter stört (vielleicht andere mehr, die diese Oper nicht auswendig können). Kim Bergley und Doris Soffel (die allerbeste Herodias, die ich je gehört habe; also übertrifft sie auch Elisabeth Kulman, Iris Vermillion, Michaela Schuster und Janina Baechle) bringen phantastische Leistungen, schon dieses Stiefvater/Mutter-Paares wegen lohnt sich diese Aufführung. Alan Held kann da als Jochanaan nicht ganz mithalten, objektiv betrachtet bringt er eine sehr gute Leistung (schauspielerisch ist seine Darbietung aber faszinierend), nur ist sie nicht so herausragend wie die der anderen Hauptrollensänger. Mit Marcel Reijans ist auch die sehr undankbare Partie des Narraboth (die liegt extrem blöd, genau dort, wo es schwierig ist, laut und (!) schön zu singen, aber beides ist erforderlich) sehr gut besetzt. Auch unter den kleinen Rollen gibt es keinen Aussetzer, am besten gefällt mir der Erste Jude (wenn ich richtig nachgeschaut habe, handelte es sich um Jeffrey Francis). Stefan Soltesz erzeugt zwar nicht eine solche Hochspannung, wie wir sie von Peter Schneider kennen, leitet aber das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin kompetent. Die die biblische Geschichte ohne jeden orientalischen Kitsch erzählende (der Schleiertanz ist da besonders sehenswert!) Inszenierung von Nikolaus Lehnhoff ist eine interessante Alternative zur Wiener Uralt-Produktion (die ich aber nicht schlecht finde!). Billy :hello http://ecx.images-amazon.com/images/I/51pl-wX7M5L.jpg
stiffelio (30.08.2014, 11:32): Hallo Billy,
ich habe mir gerade mal den Trailer angesehen. Wenn ich mich jemals an Strauss und insbesondere die SALOME gewöhnen sollte :ignore (ich finde die Story noch schlimmer als bei der ELEKTRA), werde ich mir die DVD sicher zulegen. Danke für den Tipp!
VG, stiffelio
Billy Budd (30.08.2014, 12:38): Liebe Stiffelio! Haha, stimmt, die Story ist echt nicht so ohne. :cool ^^ In diesem Trailer hört man aber auch genau die Stellen, die am ehesten abschrecken können. :wink Dabei finden sich in der Salome auch wirklich wunderschöne Passagen (in der Elektra noch mehr!), die natürlich jeder bei den ersten paar Anhörungen nicht bemerkt: :) Zum Beispiel Jochanaans Erzählung vom "See von Galiläa" (Bryn Terfel singt das hier natürlich grandios! :times10 , 35:10 bis 38:10) oder das "Jawohl, er erweckt die Toten"(54:30 bis 56:10 im selben Link) der beiden Nazarener (zwei Nebenfiguren) ... oder auch lustige, wie der Zwischenruf des Ersten Juden: "Der Messias ist nicht gekommen!!!". Wenn Du Strauss eine weitere Chance geben möchtest, probiers mal mit der Daphne (z.B. damit) oder mit den Vier letzten Liedern! Billy :hello
stiffelio (30.08.2014, 13:14): Lieber Billy,
hm, ich gebe zu, da gefällt mir Terfel besser als alles, was ich von ihm bisher gesehen/gehört habe. Und Malfitano spielt sehr gut mit. Vielleicht gebe ich dieser Fassung doch nochmal eine Chance. OT: Die vier letzten Lieder kenne ich und mag sie auch (ich lehne Strauss ja nicht generell ab), aber das ist halt keine Oper :wink. Und bei Daphne spricht mich so gar nichts an. Dann würde ich es eher mit einer gut inszenierten Frosch probieren wollen, aber da hab ich noch keine gefunden.
VG, stiffelio
palestrina (30.08.2014, 15:23): Hallo lieber Billy Budd , da hast du natürlich RECHT :down ! Terfel ist umwerfend in der Salome ! Und es gibt wahrlich viele schöne Stellen in der Salome !
Liebe Stiffelio, gib doch dem Strauss noch eine Chance, oder zwei.......! :D Z.B. auch die Erkennungsszene aus der Elektra ist Grandios , und der Schluss der Daphne " Ich komme grünende Brüder"mit der anschließenden Mondlichtmusik , wunderschööön ! Und das mit Lucia Popp!!!
Ach ich liebe Strauss Opern ! :down Ich glaube Stiffelio dir entgeht da was !? :wink
LG palestrina
stiffelio (30.08.2014, 15:30): Original von palestrina Ich glaube Stiffelio dir entgeht da was !? :wink
Lieber palestrina,
na klar, aber man kann halt nichts erzwingen. Ich werde es schon immer mal wieder probieren, keine Bange :wink. Mit Janacek hat es ja auch irgendwann geklappt.
VG, stiffelio
palestrina (30.08.2014, 15:35): Liebe Stiffelio, genauso hatte ich es gemeint ! :)
LG palestrina
Billy Budd (02.09.2014, 00:15): Liebe Stiffelio! Das ist ja auch völlig in Ordnung, ich will da wirklich niemanden irgendwie "bekehren" oder so. :D Billy :hello
(Ich weiß, daß ich angekündigt habe, im Fidelio-Thread zu einzelnen Aufführungen was zu schreiben und es noch nicht getan hab ... mach ich demnächst!)
Hosenrolle1 (30.11.2014, 07:05): Schön, dass es hier einen eigenen Thread zu dieser herrlichen Oper gibt; auch von mir Danke für die interessante Einleitung. Auf ein paar Dinge wollte ich gerne eingehen ...
Original von Hyacinth Eine großartige Oper hat einen eigenen Thread verdient! Zwar ist meine "Salome"-Begeisterung noch jung, aber durch meine Beschäftigung mit dieser Oper imzuge der Matura relativ intensiv.
Nun ist es ja doch ein Jahr her, seit du diesen Thread ins Leben gerufen hast. Ist die Begeisterung immer noch so groß? Welche neuen Erkenntnisse (egal ob musikalisch oder handlungstechnisch) hast du seitdem gewonnen?
Original von Hyacinth "Salome" gilt in der Musik als die erste Literaturoper, da das Libretto zum größten Teil aus dem originalen Theaterstück von Oscar Wilde übersetzt und übernommen wurde.
Naja, das ist so nicht ganz richtig; die deutsche Übersetzung von Hedwig Lachmann basiert auf einer englischen Übersetzung des französischen Originals. (Als Strauss dies erfuhr, nahm er Französisch-Unterricht und schrieb eine neue Fassung in Französisch)
Original von Hyacinth Gleichzeitig ist sie ein ausschlaggebendes Werk für Richard Strauss' Farbenspektrum und stilistische Bandbreite, vereint sie doch an die Grenzen der Tonalität gehende, expressionistische Momente mit schwelgerischer, nahezu trunkener Walzermusik, die schon als Vorbote zum sechs Jahre später entstandenen "Rosenkavalier" verstanden werden kann.
Dem Teil mit der Walzermusik kann ich leider nicht so ganz nachvollziehen; bezieht sich die Aussage auf den kurzen „Valse triste“ im Schleiertanz? Ansonsten kann ich nirgendwo in der Oper walzerähnliche Musik entdecken. Der Rosenkavalier ist musikalisch doch ein krasser Gegensatz zur Salome (oder zur Elektra, die zwischen Salome und Rosenkavalier kam).
Original von Hyacinth Salome, Tochter der Herodias, wird in der Opernliteratur oft als „Femme Fatale“ bezeichnet und vor allem zur Zeit des Symbolismus und Jugendstil als solche gesehen. Aber ist sie das wirklich?
Die Frage habe ich mir ebenfalls gestellt, aber sie ist m.E. schwer zu beantworten, denn das Theaterstück ist so „künstlich“ (im positiven Sinne), voller Symbolik, es ist erdrückend, schillernd, schwül … ich hatte immer Probleme damit, die Figuren als realistische Personen zu sehen. Es ist auch ein Stück des fin de siécle, und da weiß ich nicht, ob es Wilde um eine Charakterstudie ging, oder eher um Stimmungen etc.
Zur Symbolik in Wildes Stück wurde ja schon vieles geschrieben; besonders auffällig sind natürlich solche Dinge wie der Mond, der in jeder Figur, die ihn ansieht, eine andere Assoziation erweckt. Auch spielt die Zahl 3 offenbar eine nicht unwichtige Rolle: 3 verschiedene Dinge verspricht Salome Narraboth (Blume, Blick, Lächeln), 3x möchte Salome etwas von Jochanaan und wird abgewiesen, 3x möchte Herodes, dass Salome etwas für ihn tut (von Frucht abbeißen, vom Wein trinken, auf dem Thron sitzen) und wird abgewiesen, 3x versucht Herodes, Salome zu überreden von ihrem Wunsch nach dem Kopf des Täufers abzusehen. Und 3 Personen sterben in diesem Stück. (Narraboth, Jochanaan, Salome).
Auch werden in dem Stück immer wieder die fünf Geschmackssinne angesprochen: da sieht man durch Maulwurfsaugen, möchte jemanden berühren, man hört die Stimme aus der Zisterne, Salome schmeckt das Blut von den toten Lippen des Propheten, usw.
Strauss selbst wollte nach eigener Aussage, dass die Salome Mitleid erregen soll, und ich denke, so hat er das Stück auch angelegt. Wenn man die Titelfigur als realistischen Menschen sehen möchte, dann ist Salome alles andere als eine berechnende femme fatale. Sie ist ein Mädchen, das entdeckt, dass sie verführen kann, und das auch einsetzt. Kein Vergleich beispielsweise zu einer „Carmen“ von Bizet.
Original von Hyacinth Bei Salome kommt – pathologisch betrachtet – viel zusammen: Einerseits die genetische Vorbelastung und Vorbildwirkung durch ihre Mutter, die ebenso wie sie verwöhnt ist und sich nimmt, was sie will, andererseits der Missbrauch durch ihren Stiefvater, den sie auf ihre Weise verarbeitet und schließlich zu ihren Vorteilen ausnutzt.
Meinst du mit „Missbrauch“ sexuellen Missbrauch? Manche Regisseure stellen das tatsächlich so dar, aber dagegen sprechen mehrere Punkte:
Ich glaube, dass im Theaterstück angedeutet wird, dass Herodes impotent ist. Ganz sicher bin ich mir dessen nicht, aber auch das ist eine Interpretation, die bekannt ist. Herodes wirft seiner Frau vor, sie sei unfruchtbar, worauf diese antwortet:
"Ich bin unfruchtbar, ich? Das sagst du, du, der fortwährend meine Tochter ansieht, du, der sich an ihrem Tanze weiden möchte? Du sprichst wie ein Narr. Ich habe ein Kind geboren. Du hast kein Kind gezeugt, nein, nicht mit einer einzigen deiner Sklavinnen. An dir liegt es, nicht an mir!"
Herodes nimmt sich also einfach, was er haben möchte, wie man hier erfährt. Angenommen, er hätte das bei Salome ebenfalls so gemacht, dann stellen sich mehrere Fragen: wieso sieht er sie ständig an? Wieso möchte er sie unbedingt tanzen sehen? Und vor allem: wieso verspricht er ihr für den Tanz sein halbes Königreich?
Nein, ich denke, dass es ganz anders ist: Herodes hat seine Sklavinnen, die er leicht haben kann (impotent oder nicht), er hat seine Frau, aber ihn interessiert Salome, die er NICHT haben kann – so wie sich Salome ihrerseits für Jochanaan interessiert, die SIE nicht haben kann.
Und der für mich eindeutigste Beweis, dass es da keinen Missbrauch gab, sind die ersten Worte von Salome, als sie das Fest verlässt:
"Warum sieht mich der Tetrarch fortwährend so an mit seinen Maulwurfsaugen unter den zuckenden Lidern? Es ist seltsam, daß des Mann meiner Mutter mich so ansieht. Ich weiß nicht, was es heißen soll. In Wahrheit – ich weiß es nur zu gut."
Würde Herodes Salome (womöglich jahrelang) vergewaltigt haben, würde sie so etwas garantiert nie sagen. „Warum sieht er mich so an?“ „Was hat das zu bedeuten?“. Sie sagt zwar, dass sie es weiß, aber es ist nur eine Ahnung.
Original von Hyacinth und als sie begreift, dass sie ihn wirklich nicht besitzen kann, wie alles andere, und sich die Gelegenheit bietet, greift Salome zu und ihre verletzte Eitelkeit, vielleicht sogar wirklich Bewunderung oder Liebe, verwandelt sich in ein perverses Verlangen, das vermutlich aus einer posttraumatischen Belastungsstörung durch den Missbrauch durch ihren Stiefvater und einem daraus resultierenden gestörten Verhältnis zur Sexualität entsteht.
Wie gesagt, ich bin mir zu 100% sicher dass es da keinen Missbrauch gab, nichts spricht dafür, und vieles spricht dagegen. Das gestörte Verhältnis resultiert meiner Meinung nach viel mehr aus dem dekadenten Umfeld, in dem Salome aufgewachsen ist. Die Mutter ist alles andere als ein Vorbild, Herodes sowieso nicht, und da gibt und gab es für Salome zwar Reichtum und Macht, aber eigentlich niemanden, mit dem sie reden konnte, keine Ansprechperson, keine Vorbilder, keine emotionalen Bindung etc.
Mit Jochanaan eröffnet sich für sie eine Chance auszubrechen aus dieser Umgebung; da ist jemand, der auf ihre Mutter und ihren Stiefvater schimpft, jemand, der völlig anders ist als das was sie bislang kennengelernt hat, jemand, dem ihre Macht egal ist.
Ich denke hier auch, dass die feierliche Diatonik (Strauss selbst nannte es einen „Schulmeister-Philisterton“) von Jochanaans Musik auch verdeutlichen soll, dass er in seiner ideologischen Welt gefangen ist, in seiner Egomanie nicht mehr in der Lage ist, seine Umwelt angemessen wahrzunehmen. Und so ist von diesem geheimnisvollen fremden Propheten auch nichts zu erwarten, da dieser durch seinen Fanatismus gar nicht in der Lage ist, Gefühle zu haben oder zu zeigen.
Der Agnostiker Strauss sah in Jochanaan bekanntermaßen einen „Hanswurst“, der nicht ernst zu nehmen ist, und die Vertreter der Religion kommen auch z.B. in seinem früheren Werk „Till Eulenspiegels lustige Streiche“ alles andere als gut weg.
Original von Florestan Vielen Dank für den Einstieg zur Salome. Die psychologische Bewertung teile ich auch, denn die Persönlichkeitsstörung bei Salome ist evident. Ein Symptom für Borderline-Störungen ist ja die Idealisierung und Herabsetzung, also der schroffe Gegensatz zwischen Zuneigung und Abneigung. Häufig steht auch ein sexueller Missbrauch im Hintergrund. Ob der nun durch Herodes tatsächlich erfolgte, oder ob er nur ein geiler Bock war, der seine Stieftochter gerne mal nackt anschauen wollte, lässt sich für mich nicht schlüssig aus der Geschichte von Wilde ableiten.
Siehe oben. Ich denke sehr wohl, dass es an mehreren Stellen offensichtlich ist, dass Herodes ersteres ist: ein „geiler Bock“, der Salome nicht haben kann, die ihm nicht gehorcht (worüber er sich auch bei Herodias beschwert), und von der er deswegen schlussendlich auch den Tanz sehen möchte.
Aus diesem Grund habe ich auch ein großes Problem mit Inszenierungen, in denen der Regisseur zeigt, dass Salome tatsächlich ein Missbrauchsopfer ist, wenngleich diese Inszenierungen die Oper auch aus ihrem originalen Kontext reißen und in die heutige Zeit, in ein völlig anderes Milieu verfrachten. Das Problem ist dann der Text, der übrig bleibt, und der widerspricht diesen Deutungen doch sehr stark.
Original von Florestan Eine besondere Rolle spielen die 5 Juden. Hier hat man ja im Nachhinein Beweise für den latenten und offenen Antisemitismus bei Strauss identifizieren wollen. In der Tat kommen die Herren nicht besonders gut weg.
Ja, mit dem Judenquintett haben so manche ihre Probleme. Ich persönlich denke nicht, dass Strauss ein Antisemit war, schon deswegen, weil er sich dafür einsetzte, dass der jüdische Autor Stefan Zweig auf Plakaten ebenfalls genannt wurde, was ihm Probleme mit den Nazis einbrachte. Strauss´ Schwiegertochter war Jüdin, und seine Enkelkinder galten daher laut den damaligen Rassengesetzen als „jüdische Mischlinge“. (wikipedia)
Aber das ist ein eigenes Thema, das nichts mit der Salome zu tun hat. Ich habe das nur aus einem bestimmten Grund erwähnt: schon Wilde bedachte die meisten seiner Figuren mit ironischem Spott, ob nun die Menschenopfer darbringenden Nubier, die Römer, die christlich angehauchten Nazarener, Jochanaan, Herodes … Strauss hat die Juden karikiert, das stimmt; allerdings nicht die Juden an sich, weil sie jüdisch sind, sondern weil sie sich in endlosen Debatten über ihre Religion streiten, weil sie sich ereifern.
Ich würde fast sagen, er hat diese Randglosse aus Wildes Stück aufgebauscht – ich sehe das nicht als Judenkarikatur, sondern als Karikatur von religiösen Ereiferern.
Strauss selbst sagte auch, dass er Herodes karikiert hat, und Jochanaan ebenfalls. Auch diese Figuren kommen bei ihm keineswegs „edel“ rüber. Das vergisst man leider häufig bei dieser Diskussion.
Original von Florestan Damit die Handlung schlüssig bleibt, braucht es aber den Tanz. Es muß klar werden warum Herodes ihn fordert und welche eindeutigen Absichten er verfolgt. Die Musik versucht hier ein orientalisches Cholorit zu entfalten, was allerdings vor dem Hintergrund der tatsächlichen Folklore aus diesen Breiten etwas künstlich wirkt.
Hier muss ich ganz entschieden widersprechen!
Ich möchte, weil er es besser beschreiben kann als ich, den Musiktheoretiker Richard Specht zitieren, aus dem 2. Band seines 1920 erschienenen Werkes „Richard Strauss und sein Werk“, das übrigens äußerst lesenswert ist.
„Wäre es Strauß hier um das Ethnographische eines billigen Orientalismus zu tun gewesen, so hätte er bloß irgendeinen der Basars für exotische Musik zu plündern brauchen und nachahmen können, was Goldmark in den Tänzen der Königin von Saba oder Felicien David oder Rubinstein in ihren Opernballetten zu höchster Wirksamkeit gebracht hatten: ein paar Triolenwindungen, ein paar drängende Synkopen, erniedrigte Leittöne, übermäßige Quarten und Quinten, ein bisschen Moll-Dur-Farbe, ein Schellenbaum und Zymbeln — das wäre im Ausverkauf leicht zu haben gewesen und der „echt orientalische" Tanz wäre fertig und ein Paradestück der Oper; Arrangement für Klavier zu sechzehn Händen oder für Zither und Flöte in der hochbeliebten Sammlung „Album bekannter Operntänze" unbedingt garantiert.“
Dem kann ich nur zustimmen; ich bin mir sicher, dass gerade der Klangmagier Strauss es ohne Mühe fertiggebracht hätte, einen „echt orientalischen“ Tanz zu schreiben, oder zumindest eine Vorstellung davon, denn wer weiß schon, wie Musik vor 2000 Jahren, lange bevor es die ersten Notensysteme gab, geklungen hat? Davon abgesehen, Strauss komponiert für ein modernes Orchester. Ich bin mir aber sicher, dass die Oboe, die das erste Solo spielt, absichtlich gewählt wurde, da es Vorläufer der Oboe schon im Altertum gab, und klanglich passt die Oboe auch sicher viel mehr zur orientalischen Musik als etwa ein Horn oder ein Saxofon.
Nein, der Schleiertanz fügt sich m.E. nahtlos in die restliche Musik der Oper ein, er ist eine symphonische Dichtung, ein „Seelengemälde in Tönen“, wie Specht es nennt.
Im weiteren Verlauf der Analyse geht er sehr genau auf die verwendeten Themen und deren Verarbeitung ein. Zusammenfassend möchte ich gerne auf ein paar Dinge hinweisen: man höre sich z.B. den Rhythmus an, nachdem die wilde Trommelei aufgehört hat. Da spielen die Streicher tiefe Glissandi, und dann hört man ein kurzes Motiv, wieder Glissandi, wieder Motiv. Dieses Motiv ist nichts anderes als das „Den Kopf des Jochanaan“-Motiv, und es ist naheliegend, dass Strauss hier zeigt, woran Salome denkt, oder vielmehr, was die Motivation für diesen Tanz ist. Dann folgt kurz darauf das Flötensolo – und auch das spielt das schlangenartige Salome-Motiv, mit dem die Oper eingeleitet wird.
Auch andere Motive, die man bereits vorher gehört hat, werden hier verarbeitet, etwa das wunderschöne Verführungsmotiv, und auch die verliebten Celli, die Narraboth in den ersten Takten begleitet haben, werden noch einmal eingeflochten in diese Nummer. Kurz bevor die Musik gegen Ende noch einmal richtig wild und laut wird, hört man auch das sich fröhlich aufschwingende Motiv, das man ebenfalls zu Beginn der Oper gehört hat, als Narraboth meinte „Wie eine kleine Prinzessin, deren Füße weiße Tauben sind“.
Wilde schreibt in seinem Stück als einzige Regieanweisung, dass Salome den Tanz der sieben Schleier tanzt. Das war´s.
Bei Strauss findet sich diese Anweisung ebenfalls, doch er hat noch zwei weitere hinzugefügt, nämlich da, wo die Musik gegen Ende kurz ins Stocken gerät; hier sagt der Komponist, dass Salome kurz zu ermatten scheint, um mit der Anweisung, dass sie sich wie neubeschwingt aufrafft, das große Finale einzuleiten.
Ich denke, dass er mit diesen Salomes Verhalten betreffenden Anweisungen zusätzlich noch verdeutlichen wollte, wie diese Figur fühlt und denkt. Ihm ging es garantiert nicht darum, den Tanz oberflächlich und möglichst exotisch-klingend zu gestalten, zumal er schon in der restlichen Oper meisterhaft die erdrückende orientalische Schwüle einer heißen Nacht am Toten Meer in seiner Musik heraufbeschworen hat.
Original von Hyacinth Näher eingehen möchte ich auf die Rolle des Herodes: Zweifellos ist der Tetrarch ein unsympathischer Lüstling, aber, wie Florestan schon geschrieben hat, merkt er im Gegensatz zu seiner Frau, dass irgendetwas vor sich geht und eben deshalb kann er Jochanaan ja auch nicht umbringen lassen.
Das stimmt, wobei besonders im Theaterstück noch klarer wird, dass Herodes irgendwie auch Herodes Recht gibt in seinen Aussagen. So betont er beispielsweise einmal, dass Jochanaan nie etwas gegen ihn gesagt habe (bis auf die Sache mit dem Ehebruch), und es gibt auch eine interessante Abhandlung im Internet, die die Theorie vertritt, dass Herodes sozusagen zum Sprachrohr des toten Jochanaan wird. Hier nur ein ganz winziger Auszug aus diesem wirklich lesenswerten, wenn auch zugegebenermaßen sehr langen Text:
"Herodes wird aus Angst vor Jochanaan zu dessen weltlichem Arm, zur Exekutive, wie er zuvor bereits Jochanaans Terminologie übernimmt, wenn er - in paradoxer Denunziation - seine Frau Hérodias als "l'épouse incestueuse" („die inzestuöse Frau“, in der dt. Übersetzung von Lachmann geht das verloren, da sagt er „meines Bruders Weib“, Anm. v. mir) bezeichnet. Es ist sicher auch kein Zufall, dass nur Jochanaan und Herodes die gemeinsame Panikvision haben, dass sie die Flügel des Todesengels in der Luft zu hören glauben. Das psychologisch-ideologische Machtstreben des Propheten und das physische Machtstreben des Usurpators gründen gleichermaßen in Angst, in der Angst vor der Sinnlichkeit und in der Angst vor dem Stärkeren. Die ständige Berufung des Propheten auf "den Herrn" und die des Herodes auf Caesar ist in ihrer Symmetrie nicht zu überhören."
Falls sich jemand für den Text interessiert, er ist hier zu finden: "http://www.rainer-kohlmayer.de/downloads/files/salome_rezeption.pdf"
Original von Hyacinth Ob er wirklich ein schlechtes Gewissen hat oder ein Bauchgefühl, dass er nicht benennen oder zuordnen kann, ist Interpretationsfrage, aber Stellen wie "Ich höre die Flügel des Todesengels im Palaste rauschen!" (die Strauss sehr lautmalerisch gestaltet) zeigen, dass er der Einzige im Geschehen ist, der das drohende Unheil wahrnimmt, auch wenn er die Zusammenhänge nicht herleiten kann.
Ich gebe dir da völlig Recht, einzig das Zitat ist hier falsch zugeordnet, da es nicht von Herodes stammt, sondern von Jochanaan, während seiner Szene mit Salome. (Es würde sich auch widersprechen, dass Herodes von einem „Todesengel“ Bescheid weiß, dann aber nicht weiß, was er da zu hören glaubt). Herodes sagt: „Ich sage euch, es weht ein Wind – und in der Luft höre ich etwas wie das Rauschen von Flügeln, wie das Rauschen von mächtigen Flügeln. Hört ihr es nicht?“
Original von Hyacinth Was den "Tanz der sieben Schleier" anbelangt gebe ich dir ganz recht, Florestan. Das mit dem Striptease ist so eine Sache - einerseits sollte man sich zumindest vom Stil her der orgiastischen Musik anpassen, andererseits kann man ja Sängerinnen nicht zumuten, sich völlig zu entblättern. In Wien wurde das (in einer ziemlich alten Regie von Boleslaw Barlog mit Ausstattung von Jürgen Rose) meiner Meinung nach sehr gut gelöst: Salome wirft Schleier für Schleier von sich, bis sie zum Schluss, beim letzten Knall, den letzten direkt gegenüber von Herodes lüftet - so dass das Publikum den hautfarbenen Body darunter nicht sehen kann und der Eindruck entsteht, sie hätte darunter nichts an.
Leider habe ich die Inszenierung noch nie live gesehen, lediglich eine auf YouTube verfügbare alte Aufnahme eines Live-Mitschnitts von 1980, in sehr schlechter Bildqualität. Ist das mit dem Body tatsächlich so? Sieht man deutlich, dass es einer ist? Hat den jede Sängerin dort an?
Original von Hyacinth Erst nach einiger Grübelei kam ich bei meiner ersten "Salome" darauf, dass das wehklagende, wie aus dem Jenseits klingende Ächzen von einem (verhältnismäßig) hohen Ton der Kontrabässe erzeugt wird. Da gefriert einem das Blut in den Adern, Strauss hat sich also auch bemüht, manchmal wenige Mittel einzusetzen um Stimmungen zu erzeugen.
Absolut! Diese Töne, die du meinst, werden mit der sogenannten Langlois-Technik gespielt; dabei wird die Saite nicht auf das Griffbrett gedrückt, sondern zwischen Daumen und Zeigefinger fest zusammengedrückt und mit dem Bogen mit kurzen, scharfen Strichen in Schwingung versetzt.
Strauss selbst schrieb übrigens einmal, dass diese Töne oft fälschlicherweise als Schmerzensschreie des Delinquenten verstanden wurden (was sich meinem Verständnis entzieht, denn wieso sollte Salome sonst sagen „Es ist kein Laut zu vernehmen, warum schreit er nicht, der Mann?“), und es sich, wie er sagt, um „stöhnende Seufzer aus der Brust der ungeduldig wartenden Salome“ handelt. Ich muss gestehen, dass ich diesen Ton weder als Schmerzensschrei NOCH als Seufzer von Salome wahrgenommen habe, sondern einfach nur als ein die drückende, makabre Stimmung unterstützendes Stilmittel.
(Nebenbei bemerkt, in keiner einzigen Live-Aufführung der Oper habe ich diese Töne durchgehend sauber gespielt gehört. In Aufnahmen hört man, dass jeder Ton gleich sauber gelingt, aber Live ist es dann ganz anders. Die Produktion dieses Tones dürfte also alles andere als leicht zu bewerkstelligen sein)
Original von Hyacinth Ich bevorzuge 1. eine jugendliche, mädchenhafte Salome und 2. kann ich mit hochdramatischen Frauenstimmen wenig anfangen (deswegen faszinieren mich auch Opern wie "Turandot" überhaupt nicht).
Da geht es mir nicht anders. Furchtbar finde ich es, wenn die Sängerin stimmlich klingt wie eine 40 oder 50 jährige, die Stimme dunkel und schwer ist, und womöglich auch noch ein hässliches Vibrato hat. Ganz furchtbar fand ich etwa die Malfitano, die meine allererste Salome war, die ich gesehen habe (auf YouTube). Natürlich stellt diese Musik, diese Lautstärke enorme Herausforderungen für eine Sängerin dar – aber es gibt durchaus Interpretinnen, die auch dramatisch singen können und trotzdem vibratoarm und hell klingen.
Erst vor kurzem habe ich ein Interview mit Nicola Beller Carbone gefunden, die die Salome in vielen verschiedenen Inszenierungen schon über 10 Jahre lang gesungen hat. Nach der idealen Stimme für diese Partie gefragt, antwortete sie:
„Ich glaube nicht, dass die Salome für einen hochdramatischen Sopran geschrieben ist. Dieses junge Mädchen kann ja noch gar nicht so eine reife, ausgeprägte Stimme haben. Ich denke da eher an ein flexibles, kräftiges Vokalorgan, das sich gegenüber dem riesigen Orchester gut durchsetzen können muss, aber an keine dramatische Stimme. In diesem Fall würde dieses sechzehnjährige Mädchen kaum glaubhaft sein. Die Salome erfordert ein ganz spezifisches Timbre, eine Mischung aus klarer, frischer und unverbrauchter Tongebung sowie Durchschlagskraft und Ausdauer in den von vollen Orchestereruptionen geprägten dramatischen Ausbrüchen.“
LG, Hosenrolle1
Billy Budd (01.12.2014, 00:03): Herzlich willkommen im Forum! Schön, daß Du bei uns bist! Deinen Beitrag finde ich sehr interessant! Billy :hello
Hosenrolle1 (01.12.2014, 00:30): Ärgerlicherweise hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen:
Das stimmt, wobei besonders im Theaterstück noch klarer wird, dass Herodes irgendwie auch Herodes Recht gibt in seinen Aussagen.
Es sollte natürlich heißen "dass Herodes irgendwie auch Jochanaan Recht gibt".
Leider kann ich den Beitrag diesbezüglich nicht editieren :(
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (06.12.2014, 04:10): @Florestan:
Du hast geschrieben:
"Insofern passt die Stimme einer Teresa Stratas z.B., welche die Rolle auch oft gesungen hat eher besser"
Meines Wissens sang Stratas die Rolle nie live, so dass diese Einspielung auf DVD ihre einzige Salome ist. Weißt du da vielleicht Näheres darüber?
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (24.01.2015, 23:05): Schade, dass "Hyacinth" offenbar nicht mehr da ist, wäre durchaus gespannt gewesen auf ihre Antwort :(
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (18.02.2015, 22:22): Ich lese immer wieder, dass die "Salome" 105 oder 106 Musiker haben soll in der Originalfassung, die Zahl schwankt jedoch immer. Ich möchte es aber auch einmal genau wissen, deswegen versuche ich einmal alles zusammenzuzählen, wobei ich immer von der maximalen Anzahl der Instrumente ausgehe.
16 erste Violinen 16 zweite Violinen 12 Violas 10 Celli 8 Kontrabässe
Das sind einmal 62 Streicher.
1 Piccoloflöte 3 große Flöten 2 Oboen 1 Altoboe 1 Heckelphon 1 Clarinette in Es 2 Clarinetten in A 2 Clarinetten in B 1 Bass Clarinette in B 3 Fagotte 1 Kontrafagott
Das sind 18 Holzbläser.
6 Hörner 4 Trompeten 4 Posaunen 1 Basstuba
Das sind 15 Blechbläser.
1 Pauken 1 kleine Pauke 1 Tamtam 1 Becken 1 große Trommel 1 kleine Trommel 1 Tamburin 1 Triangel 1 Xylophon 1 Kastagnetten 1 Glockenspiel
Hier steht in der Partitur, dass die 11 o.g. Instrumente von 6-7 Musikern bedient werden. Gehen wir also einmal von 7 Musikern aus.
2 Harfen 1 Celesta 1 Harmonium 1 Orgel
Das sind 5 weitere Instrumente.
62+18+15+7+5 = 107 Musiker, wenn man von der jeweiligen Maximalanzahl ausgeht.
In der Partitur steht "10-12 Bratschen". Gehen wir von 10 Bratschen aus, kommen wir auf die 105.
Weiters steht beim Schlagwerk "6-7 Musiker". Gehen wir von 6 Musikern aus, sind wir bei 104 Musikern.
Es hängt also auf jeden Fall davon ab, wieviele Violen verwendet werden, und wieviele Musiker sich das Schlagwerk teilen.
Im Minimalfall sind es also 104 Musiker, in voller Besetzung 107.
Ich hoffe, ich habe nichts übersehen!
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (05.04.2015, 20:25): In dem Buch "Das Schwarze sind die Noten" wird gesagt, Clemens Krauss hätte sich an Richard Strauss mit der Frage gewandt, was der Baron von Ochs aus dem "Rosenkavalier" mit dem Jochanaan aus der "Salome" gemeinsam habe, denn beide singen bei ihrem Auftritt die selben sechs Töne, allerdings in einem anderen Rhythmus. Strauss soll gemeint haben, dass er wünscht, dass dieses Geheimnis unter ihnen bleibt; er habe das zu seinem eigenen Vergnügen getan.
Das hat mich natürlich interessiert, und so wollte ich natürlich vergleichen, um zu sehen, ob das stimmt.
Schwierig ist schon die Ausgangslage: im Buch heißt es "Bei ihrem Auftritt".
Beim Ochs war das einfacher, denn die ersten notierten Noten, die er zu singen hat, dürften diese hier sein:
Aber was ist der Auftritt des Jochanaan? Seine allerersten Worte aus der Zisterne zu Beginn? Oder seine ersten Worte, als er herauskommt?
In beiden Fällen stimmen die Noten aber nicht miteinander überein. Soll die Geschichte nun nicht stimmen?
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (27.04.2015, 23:39): Eine interessante Theorie eines Regisseurs: die Frage ist, ob Salome Narraboth nicht nur bezirzt, sondern auch erpresst.
Sie meint nämlich, dass sie in der Öffentlichkeit für ihn ein "kleines, grünes Blümchen" fallen lassen will.
Nun meint dieser Regisseur, dass es Fotos von Oscar Wilde und Alfred Douglas, seinem Liebhaber, gibt, wo beide auf dem Jackett eine grüne Blume, "a green carnation" tragen, was ein damals verbreitetes Symbol für Homosexualität war.
Salome würde also, laut dieser Theorie, Narraboth damit erpressen, seine Beziehung zum Pagen publik zu machen.
Ob da etwas dran ist?
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (07.08.2015, 09:18): Eigentlich ein banaler Gedanke: Jochanaan redet ja ständig von Jesus, verehrt ihn über alle Maßen.
Hätte er aber Jesus´ Satz "Richte nicht, auf dass du nicht gerichtet wirst" beachtet, wäre er vielleicht noch am Leben.
LG, Hosenrolle1
Jürgen (07.08.2015, 12:11): Original von Hosenrolle1 Eigentlich ein banaler Gedanke: Jochanaan redet ja ständig von Jesus, verehrt ihn über alle Maßen.
Hätte er aber Jesus´ Satz "Richte nicht, auf dass du nicht gerichtet wirst" beachtet, wäre er vielleicht noch am Leben.
LG, Hosenrolle1
Da müßte man die zeitliche Abfolge näher beleuchten. Wenn Jesus diesen Satz (Bergpredigt?) erst nach Johannes' Tod von sich gegeben hat, hatte der Ärmste ja gar keine Chance gehabt.
Mal abgesehen davon, hätte er vielleicht ein paar Jahre/Jahrzehnte gewonnen, aber leben würde er nicht mehr.
Grüße Jürgen
Hosenrolle1 (07.08.2015, 13:24): Stimmt, das ist hier die Frage ... soweit ich mich erinnere steht bei Wilde nicht, wie lange Jochanaan in der Zisterne gefangen gehalten wird, was das Ganze leider schwerer macht.
Andererseits, ich glaube, selbst WENN er die Worte gehört hätte, Jochanaan ist so ein religiöser Fanatiker, ich glaube fast nicht dass er da ein Einsehen hätte, wenn jemand wie Herodias Dinge tut, die ihm ein Greuel sind.
Oder es hätte sich folgender Dialog aus "Life of Brian" ergeben:
"Richtet niemals andere auf das ihr, ich meine auf das ihr niemals gerichtet werdet."
"Was?"
"Ich sagte: richtet niemals andere, auf das ihr nicht gerichtet, äh, werdet."
"Wer ich?"
"Ja."
"Oh danke. Danke vielmals."
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (05.10.2015, 20:27): In einem anderen Thread wird ja nach dem schönsten ersten Takt gefragt, meine Frage hier ist: habt ihr eigentlich bei der "Salome" Lieblingsstellen? Wenn je, welche sind es, und warum?
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (23.11.2015, 20:13): Ein Bilderrätsel (schummeln gilt nicht!): diese beiden Bilder stammen aus einer Salome-Aufführung in Stuttgart.
Wer von den beiden Sängerinnen spielt die Salome, wer die Herodias, also Salomes Mutter?
Hosenrolle1 (17.05.2016, 00:41): Die Salome wurde von Strauss ja ziemlich gekürzt.
Ein nettes Beispiel:
Original:
Der Page der Herodias: Sieh die Mondscheibe! Wie seltsam sie aussieht. Wie eine Frau, die aus dem Grab aufsteigt. Wie eine tote Frau. Man könnte meinen, sie blickt nach toten Dingen aus.
Der junge Syrier: Sie ist sehr seltsam. Wie eine kleine Prinzessin, die einen gelben Schleier trägt und deren Füße von Silber sind. Wie eine kleine Prinzessin, deren Füße weiße Tauben sind. Man könnte meinen, sie tanzt.
Oper:
PAGE: Sieh' die Mondscheibe, wie sie seltsam aussieht. Wie eine Frau, die aufsteigt aus dem Grab.
NARRABOTH: Sie ist sehr seltsam.Wie eine kleine Prinzessin, deren Füsse weisse Tauben sind. Man könnte meinen, sie tanzt.
Entfernt wurden auch die vielen religiösen Diskussionen:
Original:
Zweiter Soldat: Die Juden. Sie sind immer so. Sie streiten über ihre Religion.
Erster Soldat: Warum streiten sie über ihre Religion?
Zweiter Soldat: Ich weiß es nicht. Sie tun das immer. Die Pharisäer zum Beispiel sagen, daß es Engel gibt, und die Sadduzäer behaupten, daß es keine gibt.
Erster Soldat: Ich finde es lächerlich, über solche Dinge zu streiten.
Oper:
ZWEITER SOLDAT: Die Juden. Sie sind immer so. Sie streiten über ihre Religion.
ERSTER SOLDAT: Ich finde es lächerlich, über solche Dinge zu streiten.
LG, Hosenrolle1
Zefira (17.05.2016, 00:51): Ich vermute doch, die Sängerin, die sich so lustvoll über das abgeschlagene Haupt lehnt, ist Salome, oder?
Hosenrolle1 (29.09.2016, 10:06): Gerade eine Rezension zu einer Salome-Aufführung in der Semperoper in Dresden gelesen. Eine Aufführung, wo Menschen als Teddybären, Cowboys und Harlekins verkleidet sind.
Die Geschichte ist prägnant: Salome ist fasziniert von der körperlosen Stimme des Propheten Jochanaan, der im Schloss des Herodes eingekerkert ist, weil er die Maßlosigkeit der Herodias angeprangert hat.
Zweimal falsch. Er ist nicht „im Schloss“ eingekerkert, sondern wird in einer Zisterne auf dem Balkon gefangengehalten. Und das deswegen, weil er Herodes(!) angeklagt hat aufgrund der Tatsache, dass dieser die Frau seines Bruders geheiratet hat.
Salome luchst ihrem Stiefvater den Eid ab, ihr jeden Wunsch zu erfüllen, wenn sie nur für ihn tanze.
Falsch: Herodes bietet das von sich aus an. Anfangs möchte sie nicht tanzen, und erst als er ihr diesen Wunsch verspricht, willigt sie ein.
Der Tanz der sieben Schleier, der Höhepunkt einer jeden Salome-Inszenierung
Wieso?
wird hier kongenial gelöst. Für die ersten sechs Schleier gibt es eine eigene Tänzerin, die einen hocherotischen Striptease auf die Bühne zaubert und zum Schluss (fast) alle Hüllen fallen lässt,
Ja, wirklich kongenial, das! Meine Begeisterung kennt keine Grenzen.
sicher sehr zur Freude des männlichen Publikums.
Und wenn es so wäre? Nebenbei, SIE, Herr Autor, waren es, der den Schleiertanz als Höhepunkt der Oper bezeichnet haben.
Vergebens wehrt sich Herodes gegen diesen Wunsch. Er ist zu schwach, um Salome in ihre Schranken zu weisen.
Wieso in die Schranken zu weisen? Er bietet ihr dreimal verschiedene andere Dinge an, um sie von ihrem Wunsch abzubringen. Von „in die Schranken weisen“ kann da keine Rede sein.
Regisseur Michael Schulz, Bühnenbildner Dirk Becker und Renée Listerdal mit durchaus ansprechenden Kostümen haben hier eine Deutungsversion angeboten, die es wert ist, diskutiert zu werden.
Teddybären, Harlekins, Cowboys und Nussknacker sind es wirklich wert, diskutiert zu werden!
Kaputte Familienstrukturen, Missbrauch, Gewalt, Gefühlsverarmung und psychosoziale Störungen nehmen in unserer Gesellschaft immer mehr zu,
Klingt wie ein Kommentar auf Facebook. Die genannten Dinge hat es IMMER gegeben.
so dass diese Adaptation der Salome an unsere heutigen Verhältnisse mit den Elementen eines kammerschauspielartigen Voyeurismus eine interessante Variante darstellt, gleichwohl der schwülstige Text mit seinen biblischen Bezügen dazu herzlich wenig passt.
Boah, ernsthaft?? Schwülstiger Text? Biblische Bezüge? Hat der Autor das Theaterstück bzw. das Libretto der Oper überhaupt einmal gelesen? Spätestens hier erkennt man, was er vom Original hält, denn die „ansprechenden Kostüme“ und Neudeutungen sind doch wichtiger als der schwülstige Schmarrn, der diese Oper eigentlich ist …
Musikalisch schwelgt die Sächsische Staatskapelle Dresden in den opulenten Melodien, angetrieben von dem jungen Dirigenten Omer Meir Wellber. Er führt das Orchester mit dem richtigen Gespür für die Schönheiten, aber auch die Tücken der Straussschen Musik durch die Partitur. Er schwelgt in sphärischer Seligkeit, lässt es poltern und krachen, um dann die innigen Momente punktiert herauszuarbeiten. Er wechselt die Bögen zwischen großer symphonischer Tondichtung und kammermusikalischer Intimität. Allerdings ist er an den ganz großen Orchesterstellen zu laut, so dass die Sänger, vor allem Jennifer Holloway, fast zugedeckelt werden. Hier bedarf es sicher noch einer feineren Abstimmung.
Auf gut Deutsch: ich habe keine Ahnung von der Musik, weiß aber, dass das Orchester groß und die Musik sehr kompliziert ist, deswegen schreibe ich ein paar 08/15-Standardphrasen ("punktiert herauszuarbeiten"), die gescheit klingen, aber ungenau genug, um mich nicht daran festzunageln.
Dennoch ist es kein euphorischer Jubel, den man sonst in der Semperoper, vor allem bei Richard Strauss, gewohnt ist. Es ist eine diskussionswürdige Inszenierung, mit der die Semperoper die erste Premiere der neuen Spielzeit feiert.
Jaja, Diskussionswürdig ist das alles, weiß ich schon.
Schaut sich jemand diese Inszenierung an? Ich war überrascht, dass Jennifer Holloway die Salome singt; ich kenne sie als Hänsel aus der DVD aus Glyndebourne, wo mir ihre burschikose Art und ihr Schauspiel gefiel, ich die Stimme aber viel zu dunkel fand. Würde mich doch interessieren, ob sie als Salome heller klingt.
LG, Hosenrolle1
Nicolas_Aine (29.09.2016, 10:34): Original von Hosenrolle1 Ich lese immer wieder, dass die "Salome" 105 oder 106 Musiker haben soll in der Originalfassung, die Zahl schwankt jedoch immer. Ich möchte es aber auch einmal genau wissen, deswegen versuche ich einmal alles zusammenzuzählen, wobei ich immer von der maximalen Anzahl der Instrumente ausgehe.
16 erste Violinen 16 zweite Violinen 12 Violas 10 Celli 8 Kontrabässe
Das sind einmal 62 Streicher.
1 Piccoloflöte 3 große Flöten 2 Oboen 1 Altoboe 1 Heckelphon 1 Clarinette in Es 2 Clarinetten in A 2 Clarinetten in B 1 Bass Clarinette in B 3 Fagotte 1 Kontrafagott
Das sind 18 Holzbläser.
6 Hörner 4 Trompeten 4 Posaunen 1 Basstuba
Das sind 15 Blechbläser.
1 Pauken 1 kleine Pauke 1 Tamtam 1 Becken 1 große Trommel 1 kleine Trommel 1 Tamburin 1 Triangel 1 Xylophon 1 Kastagnetten 1 Glockenspiel
Hier steht in der Partitur, dass die 11 o.g. Instrumente von 6-7 Musikern bedient werden. Gehen wir also einmal von 7 Musikern aus.
2 Harfen 1 Celesta 1 Harmonium 1 Orgel
Das sind 5 weitere Instrumente.
62+18+15+7+5 = 107 Musiker, wenn man von der jeweiligen Maximalanzahl ausgeht.
In der Partitur steht "10-12 Bratschen". Gehen wir von 10 Bratschen aus, kommen wir auf die 105.
Weiters steht beim Schlagwerk "6-7 Musiker". Gehen wir von 6 Musikern aus, sind wir bei 104 Musikern.
Es hängt also auf jeden Fall davon ab, wieviele Violen verwendet werden, und wieviele Musiker sich das Schlagwerk teilen.
Im Minimalfall sind es also 104 Musiker, in voller Besetzung 107.
Ich hoffe, ich habe nichts übersehen!
LG, Hosenrolle1
bist du dir bei 16 zweite Geigen sicher? Das wäre zumindest untypisch, normalerweise hat eine sogenannte 16er Besetzung nur 14 zweite Geigen. Im Orchestergraben muss das jedenfalls schrecklich sein :D
Hosenrolle1 (29.09.2016, 10:39): Jep, habe grade nachgesehen. Die Dover-Partitur sagt sechzehn 1. und sechzehn 2. Violinen. Strauss notiert ja auch immer wieder solche Sachen wie "3. Pult, 2 Spieler".
Ich nehme schon an, dass Dover das hier korrekt abgedruckt hat.
LG, Hosenrolle1
Rotkäppchen (29.09.2016, 10:57): Original von Hosenrolle1 Schaut sich jemand diese Inszenierung an?
Falls Du mit jemand mich meinst – ich weiß es noch nicht, der mannshohe Teddybär täte mich schon reizen. Die Kartensituation ist entspannt, da entscheide ich mich spontan. Aber ich werde hier nicht berichten, das ist mir zu heiß, weil ich ja die Partitur nicht kenne :P.
:hello Rk
Hosenrolle1 (29.09.2016, 11:05): Es würde schon reichen wenn man als Kritiker, der für eine Online-Plattform wie das Opernnetz schreibt, zumindest die Handlung kennen würde, UND darauf verzichtet, das Libretto als "schwülstig mit Bibelbezügen" zu bezeichnen :haha (Ich kenne die Partitur übrigens auch nicht, und berichte trotzdem :wink)
Mich interessiert in erster Linie Jennifer Holloway als Salome, die ich mir gar nicht so recht vorstellen kann in dieser Partie, weil sie doch einen (optisch, nicht stimmlich!) sehr überzeugenden, burschikosen Hänsel sang.
LG, Hosenrolle1
Zefira (29.09.2016, 11:33): Rein gefühlsmäßig würde ich sagen (nachdem ich gelesen habe, was Du zitierst), dass der Kritiker die Oper schlicht nicht mag.
Hosenrolle1 (29.09.2016, 12:06): Das Gefühl habe ich auch.
LG, Hosenrolle1
Nicolas_Aine (29.09.2016, 16:25): ah danke. Hat mich nur interessiert, weil das wie gesagt ungewöhnlich ist. Aber er wird sich schon was gedacht haben :)
satie (29.09.2016, 17:03): Ich habe mal mit Elektra und dem Rosenkavalier verglichen: bei Elektra 24 Violinen in drei Gruppen, bzw. einfach als ein einziger Klangkörper, dazu 18 Bratschen, ebenfalls nicht gerade gewöhnlich, und beim Rosenkavalier ebenfalls je 16 erste und zweite Violinen. Man müsste das jetzt noch mal mit weiteren Werken vergleichen, aber ich denke, Strauss hat die Violinen als homogenen Klangkörper gesehen, ohne Abstufung in erste und zweite (mit dem üblichen ganz leichten dynamischen Übergewicht der ersten Violinen). Oder aber wegen des Orchestergrabens käme der leichte räumliche Unterschied eh nicht heraus? Letzteres kann ich nicht beurteilen, aber das wären meine beiden Thesen.
Hosenrolle1 (29.09.2016, 17:59): Ich habe gerade in die Partituren von der Alpensinfonie sowie "Frau ohne Schatten" reingeschaut, dort findet sich aber leider keine Auflistung der Besetzung :(
Wegen dem räumlichen Unterschied im Orchestergraben: ich glaube, dass das sehr vom Sitzplatz abhängig ist. Sobald man ein bisschen weiter rechts oder links sitzt, hört man die Musik schon ganz anders. Ich habe das bei der Salome erlebt: als ich weiter rechts saß, war die Musik lauter, das Schlagzeug kam stärker durch, die große Trommel drückte sich ziemlich brutal in den Magen (etwas, was ich bei Mozartopern vermisse :haha)
Als ich weiter links saß, hörte ich die Trompete besonders laut, das Schlagzeug hingegen ging ziemlich unter, der Magen blieb verschont. Ich kann natürlich nur für die Volksoper sprechen, aber ich könnte mir vorstellen, dass es in anderen Opernhäusern auch nicht so viel anders sein wird.
LG, Hosenrolle1
satie (29.09.2016, 19:24): Eben, das ist ja meine Theorie, dass es beim Graben eh egal ist und man diese feinen Unterschiede weniger hören kann als bei der klassischen Aufstellung im Konzert. Allerdings sehe ich das mittlerweile schon als widerlegt an:
Weitere Streicherapparate bei Strauss:
Also sprach Zarathustra: 16-16-12-12-8 Don Quixote: 16-16-12-10-8 Sinfonia domestica: 16-16-12-10-8
Offensichtlich sind die Violinen einfach ein homogener Klangkörper.
EinTon (29.09.2016, 21:53): Original von Rotkäppchen Aber ich werde hier nicht berichten, das ist mir zu heiß, weil ich ja die Partitur nicht kenne :P.
Hoooch, Rotkäppchen, erzähl' doch mal! (wenn Du hingehst, natürlich) :D :wink
Rotkäppchen (29.09.2016, 22:36): Original von EinTon Hoooch, Rotkäppchen, erzähl' doch mal! (wenn Du hingehst, natürlich) :D :wink Vermutlich gehe ich erst Ende Oktober – let's see. :hello Rk
Rotkäppchen (12.10.2016, 21:50): Original von Hosenrolle1 Mich interessiert in erster Linie Jennifer Holloway als Salome, die ich mir gar nicht so recht vorstellen kann in dieser Partie, weil sie doch einen (optisch, nicht stimmlich!) sehr überzeugenden, burschikosen Hänsel sang.
Nochmal kurz zur neuen Dresdner Salome. Es gibt jetzt einen Trailer dazu. Es wird viel erzählt, aber ab und zu hört man J. Holloway auch singen. Ich finde das Timbre jetzt nicht ausgeprägt dunkel. Gut, die Ausschnitte sind eigentlich zu kurz. So, wie es jetzt aussieht, gehe ich am 4.11. live hin, wenn nichts dazwischen kommt.
Bei der youtube-Suche habe ich zufällig die vermutlich(?) vorletzte Dresdner Salome-Inszenierung gefunden (die letzte spielte irgendwie an einem Swimming Pool – kann mich nicht erinnern, die mal gesehen zu haben), welche mit gewisser Wahrscheinlichkeit mein Erstkontakt mit dieser Oper war, irgendwann in den 1990ern. Insofern war das gerade ein interessantes Fundstück für mich.
:hello Rk
Hosenrolle1 (12.10.2016, 22:08): Ich muss zugeben, ich hätte mir ihre Stimme für diese Rolle schlimmer vorgestellt. Ich sehe in ihr immer noch diesen Lausbuben-Hänsel, der aber leider eine wirklich zu dunkle Stimme hatte. Klar, andere werden es nicht zu dunkel finden, aber ich vergleiche natürlich mit meinem Lieblingshänsel, und davon ist sie sehr weit entfernt.
Wenn du dort bist, sag bitte auch dazu, wo du gesessen bist, wegen der Akustik! Vielleicht kannst du ja auch einen Blick in den Orchestergraben erhaschen und schauen, ob da zwei Harfen stehen, und wieviele Kontrabässe, und ob die Pauken links oder rechts sind. Diese Instrumente erkennt man schnell, ohne großes Suchen, deswegen habe ich sie genannt :)
Acht Kontrabässe wären vorgeschrieben, und zwei Harfen. Interessant wäre auch, ob ihr eine Orgel habt, die in der Schlussarie an einer sehr wichtigen Stelle vorkommt (nämlich wenn sie singt "hörte ich geheimnisvolle Musik", da hört man sie im Hintergrund spielen).
Viel Spaß auf jeden Fall :)
LG, Hosenrolle1
Rotkäppchen (13.10.2016, 10:27): Hauptsache, ich verzähle mich nicht :D.......
:hello Rk
Hosenrolle1 (13.10.2016, 12:28): Hehe :D
Auf jeden Fall viel Spaß dort! Bin auch gespannt ob sie dort Übertitel haben, so wie bei uns in der VO, oder ob sie darauf verzichten.
LG, Hosenrolle1
Rotkäppchen (13.10.2016, 13:16): Das mit den Übertiteln kann ich jetzt schon bejahen, seit dieser Spielzeit zweisprachig deutsch/englisch.
Hosenrolle1 (13.10.2016, 13:33): Oje, tut mir leid :(
Wirst du sie lesen? Die in der Volksoper waren in JEDER Vorstellung manchmal zu langsam, da gab es Hänger.
LG, Hosenrolle1
Rotkäppchen (13.10.2016, 13:50): Nein, lese ich nie, egal ob deutsch oder fremdsprachig gesungen wird.
Hosenrolle1 (19.11.2016, 00:50): Man kann sich meine Freude vermutlich denken, als ich meine Meinung zu Strauss und zur Salome von Harnoncourt vertreten sah:
Na gut: Ich würde Richard Strauss auch nicht aufführen. Dafür habe ich wieder einen anderen Grund. Da finde ich eine so wahnsinnige Begabung, also wahrscheinlich die größte Originalbegabung, den schönsten Götterhauch seit Mozart. Und dann das wenige, das er damit macht, das kann ich ihm nicht verzeihen. Mit dieser Begabung hätte er was ganz anderes machen müssen. Da gibt es Anklänge mit Salome und Elektra.
Sogar fast derselbe Wortlaut, denn ich meinte ebenfalls, dass ich Strauss besonders seinen Rosenkavalier nicht verzeihen kann, nachdem er so etwas wie die Salome geschrieben hat.
LG, Hosenrolle1
Rotkäppchen (19.11.2016, 01:15): Was genau ist jetzt das Unverzeihliche am Rosenkavalier?
Nebenbei bemerkt gibt es durchaus Menschen, die den Rosenkavalier der Salome vorziehen oder z.B. beide Opern schätzen, jede auf ihre Weise . Haben diese Menschen etwas nicht ganz verstanden?
Hosenrolle1 (19.11.2016, 01:21): Man verzeihe mir, dass ich die selbe Wortwahl wie Harnoncourt benutze, die doch umso mehr zeigt, dass man diesen Werken nicht gleichgültig gegenübersteht. Aber es geht hier lediglich um ein Geschmacksurteil.
Strauss wandte sich nach der Elektra von dieser Musik schnell wieder ab und wurde "klassischer". Statt den sowohl musikalisch als auch inhaltlich wilden, zügellosen, teilweise auch anrüchigen Opern gabs dann eben den Rosenkavalier. Statt dass er diese neuen Richtungen mit seinem Talent weiterverfolgt hat, schrieb er Walzer, grob vereinfacht gesagt.
Ich finde es z.B. auch unverzeihlich, dass eine Joan Jett heute im Alter sich dafür hergibt, mit einer Miley Cyrus auf der Bühne zu stehen, auch wenn es sicher Leute gibt, die beide gut finden. Oder dass AC/DC 1980 nicht aufgehört haben. Manche Fans der Stones würden es sicher auch unverzeihlich finden, wenn die Gruppe plötzlich mit irgendeiner Castingshow-Boyband auf Tournee gehen würde, auch wenn andere kein Problem damit hätten. Ich find´s halt trotzdem nicht gut.
Und ich fand schön, dass auch Harnoncourt meiner Meinung ist, was Strauss angeht. Tatsächlich sagt er ja, dass sogar in Salome und Elektra (er hat nicht nur die Salome genannt!!) nur "Anklänge" davon zu finden sind, also ihm gefallen diese Opern scheinbar deutlich weniger als mir.
LG, Hosenrolle1
EinTon (20.11.2016, 22:39): Strauss wandte sich nach der Elektra von dieser Musik schnell wieder ab und wurde "klassischer". Statt den sowohl musikalisch als auch inhaltlich wilden, zügellosen, teilweise auch anrüchigen Opern gabs dann eben den Rosenkavalier. Dann versuch's mal mit Franz Schreker, dessen Opern (zB "Die Gezeichneten") dürften Dir - so wie Du deinen Geschmack hier beschreibst - auch gefallen!