Rachmaninoff: Klavierkonzert Nr.5 (nach Grundlage der Sinfonie Nr.2)

teleton (10.08.2008, 11:38):
Hallo Rachmaninoff - Freunde,

ich habe mir jetzt diese Rachmaninoff - CD bestellt:
http://www.zweitausendeins.de/www_articles_images/large/690449.jpg

Wolfram Schmitt-Leonardy/Klavier, Janacek Philharmonic Orchestra/Theodore Kuchar
Brillant, 2008, DDD

Arrangement der Sinfonie Nr. 2 für Klavierkonzert von Alexander Warenberg. Weltersteinspielung. "Mit dem Pianisten Wolfram Schmitt-Leonardy hat sich das Label für einen Kenner der russischen Klavierschule entschieden, der unter Spezialisten schon als Geheimtipp gehandelt wird. Große russische Klaviermusik aus dem Geist des frühen 20. Jahrhunderts - und man ist am Ende nicht ganz sicher, ob es nicht doch ein 5. Klavierkonzert von Rachmaninow gibt."

Ich bin gespannt auf diese CD und werde berichten !
:hello Wer kennt sie schon ?
Cosima (11.08.2008, 19:17):
Hurwitz zeigt sich hier sehr kritisch und vergibt 3/8. Ich denke, dass ich die Aufnahme nicht unbedingt hören muss. Schmitt-Leonardy fand ich mit seinen Brahms-Aufnahmen (Brilliant) nicht schlecht, allerdings auch wieder nicht so umwerfend, dass ich nun voller Unruhe auf dieses dubiose "Rach5" warten würde. Überhaupt: Ich höre die 2. Symphonie sehr gerne, die vier Klavierkonzerte sowieso - wozu braucht man solch ein Arrangement? Hurwitz hat recht, wenn er schreibt:

"The world has not exactly been clamoring for another piano concerto by Rachmaninov, particularly given the fact that the First and Fourth are still comparatively ignored and unknown as concert items."

Gruß, Cosima
teleton (14.08.2008, 20:29):
Hallo cosima und Rachmaninoff-Fans,

ich finde mit Hurwitz und seinen Bewertungen muß man immer sehr vorsichtig sein.

:A Ich habe die CD gestern erhalten, gehört und bin sehr angetan von dem was ich da höre.
:beer das ist mehr als 3, ja das ist mindestens 8-9, denn das ist voll Rachmaninoff mit Wiedererkennungswert. Und das KK Nr.5 wirkt auf mich weniger langatmig als die Sinfonie Nr.2.

Der russische Arrangeur und Komponist Warenberg hat das Werk Klavierkonzertegerecht in drei Sätze gepackt:
Der erste Satz enthällt nur wenige Kürzungen und wirkt mit Klavier genial gut.
Der zweite Satz ist eine ABA_Zusammenfasung des Adagio und Scherzo(als B-Teil). Ebenfalls genaial gut arrangiert.
Der dritte satz ist wiederum fast ohne Kürzungen der 4.satzu der Sinfobnie Nr.2 und geht voll unter die Haut.
:times10 Das ganze könnte wirklich von Rachmaninow selber gescjrieben sein - mir gefällt es voll gut !

Einziger Wermutstropfen ist die besonders im zweiten Satz die sehr romantische Interpretation von Schmitt_Leonardy und Kuchar. Da hätte ich mir den zupackenderen Zugriff von Swetlanow in seiner 1968er-Aufnahme der Sinfonie Nr.2 gewünscht (ausdrücklich nicht die Swetlanow-Aufnahme von 1995 bei Warner, den hier gleitet er auch in romatisches und langatmiges Auszelebrieren ab, ohne den Biss der alten Inbterpretation zu erreichen).
Der erste und besonders der letzte Satz sind mit Schmitt_Leonardy und Kuchar TOP gelungen.

Die Klangqualität der BRILLANT-Aufnahme von 2007 entspricht heutigem Standard und ist gut gelungen. Gegenüber Hurwitz (diesem Witzbold) würde ich hier eine 9 vergeben !
Dr. Schön (14.08.2008, 20:47):
Aus welchem Grund wurde das überhaupt gemacht? Gab es Pläne oder Aussagen von Rachmaninoff? Oder ist das bloß die Idee eines Arrangeurs?

unwissend
Dr. Schön
teleton (17.08.2008, 10:02):
Hallo Dr.Schön,

die Idee dieses Projektes stammt von dem holländischen Klassikmusikchef des Labels BRILLANT Pieter van Winkel, der dem russischen Komponisten Alexander Warenberg (geb.1952) den Auftrag für diese dann in 2007 fertiggestellte Arbeit gab.
:beer Ich finde ein famose Idee mit einem auf CD vorliegenden TOP-Ergebnis.
Die dreisätzige Form des KK Nr.5 wurde eng an das KK Nr.3 angeleht und aus den 4 Sinfoniesätzen wurden 3 gemacht, so wie ich schon ausführte.
Cosima (17.08.2008, 12:15):
Original von teleton
ich finde mit Hurwitz und seinen Bewertungen muß man immer sehr vorsichtig sein. Gegenüber Hurwitz (diesem Witzbold) würde ich hier eine 9 vergeben !

Dein persönlicher Eindruck sei Dir unbenommen. Ich halte sehr viel von Hurwitz’ Rezensionen. Er ist einer der Kritiker, denen ich am meisten vertraue und sicher alles andere als ein „Witzbold“. – Sei’s drum: Dieses Warenberg-Projekt interessiert mich einfach nicht. Da scheint sich nur jemand einen großen Namen machen zu wollen, indem er sich eines noch viel größeren Namens bedient. Mir ist das suspekt.

Gruß, Cosima
teleton (18.08.2008, 11:56):
Liebe cosima,

ich glaube nicht, dass sich Warenberg einen großen namen machen will, denn dadurch wird er auch nicht bekannter. Ich habe diesen namen im Zusammenhang mit Rachmaninoff jetzt zum ersten mal gehört.
Nein, ich glaube er hat die Iddee von Pieter van Winkel, dem BRILLANT-Klassik-Chef einfach aufgenommen und verwirklicht, weil er großen Spaß an der Sache hat .... und er hat es entsprechend famos umgesetzt.

Das Ergebnis zählt und das gefällt mir, da ich die Sinfonie Nr.2 etwas langatmig finde. Sie ist als KK einfach abwechslungsreicher und kurzweiliger. Und JA, das KK Nr.5 wirkt auf mich weniger langatmig als die Sinfonie Nr.2.
(Ich muß dazu sagen, das ich einer der wenigen bin, der die Sinfonie Nr.1 sogar mehr schätzt als diese meistgespielte Sinfonie Nr.2 und in der straffen Form unter Maazel(DG) auch die Sinfonie Nr.3.)


Für den Rachmaninoff-Fan, der die KK wie die Sinfonien gleichermaßen schätzt ein MUSS.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/5029365890021.jpg
BRILLANT, 2007, DDD

Hier als INFO noch die Spielzeiten des KK Nr.5 mit den 3 Sätzen:
18:56 - 13:15 - 10:05 - Gesamtspielzeit 42:24
Dr. Schön (18.08.2008, 13:29):
Wir könnten ja eine Liste der Werke erstellen, die zu langatmig sind und gleich Vorschläge anbringen, wie man sie interessanter gestallten könnte.
Vielleicht liest Pieter van Winkel mit.

Gruß
Dr. Schön
Nordolf (18.08.2008, 16:07):
Hallo teleton!

Auch ich finde dieses Projekt ein wenig seltsam. Warum hat Herr Warenberg nicht gleich selbst ein Klavierkonzert komponiert, das z.B. auf moderne Weise an Rachmaninov anknüpft? Bei mir entsteht ebenfalls der Eindruck, das hier das kommerzielle Interesse im Vordergrund steht, wobei mir schon klar ist, das keine Plattenfirma ohne ein solches existiert.
Nun gut - grundsätzlich kann das Ergebnis ja trotzdem interessant für mich sein. Nur geht es ausgerechnet um die 2. Symphonie, welche ich nicht als "langatmig" empfinde, sondern als eines der großartigsten Werke von Rachmaninov voller Sentiment und Leidenschaft. Eine Straffung benötigt gerade diese Symphonie nicht. Außerdem beruht sie sehr stark auf einem dicht gewebten Streicherteppich (besonders im 1. und 3. Satz): - kann ein Klavierkonzert diesen Effekt erzeugen? Ist er in diesem Arrangement noch enthalten?

Herzliche Grüsse!
Jörg
teleton (22.08.2008, 15:10):
Hallo Nordolf,

ich kann Eure Vorbehalte gegenüber solch "unsinnigen Bearbeitungen" ja gut verstehen. Auch ich bin ansonsten eher Gegner von allen möglichen Bearbeitungen und greife immer auf die Originale der Komponisten zurück.

*** Auch hier hatte ich Vortbehalte, aber da mir das Ergebnis der Umsetzung wirklich gefällt, lasse ich dies mal als Ausnahme gelten.
Und - ja, es klingt alles voll nach Rachmaninoff und auch die von den Streicherteppichen getragenen Stellen sind TOP umgesetzt und passen auch mit Klavier.

:thanks Ich höre diese Fassung für Klavier und Orchester genau so gerne, wie Rachmaninoffs Original Sinfonie Nr.2
natürlich am da liebsten mit Swetlanow (Melodiya 1968):
Auf CD gibt es meine alte Eurodisc-LP-Aufnahme in dieser preiswerten und gut remasterten CD-Serie (die ich natürlich auch habe):

http://ecx.images-amazon.com/images/I/518J27SPM8L._AA240_.jpg
Moscow Studio Archives, 1968-1973, ADD, Remastert 2004