Rachmaninov - Études tableaux, op. 33 und 39

Cosima (28.07.2007, 10:49):
Ich liebe sie sehr - die Études tableaux sind für mich Meisterwerke der Kleinform in der Klaviermusik. Der von Rachmaninov geprägte Titel, der ohne Vorbilder ist, deutet auf eine Synthese von Konzertetüde und bildhaft inspirierter Tondichtung. Das Ergebnis sind Stimmungsbilder von großer Suggestivkraft, wobei die poetische Idee eher Ausgang der Inspiration, nicht aber das Ziel der Musik selbst ist.

Im Überblick:

op. 33: ursprünglich sechs Études tableaux (1911) – 2 weitere Etüden (ursprünglich Nr. 3 und 5) wurden erst postum veröffentlicht. Die Etüde Nr. 4 ging in überarbeiteter Form in op. 39 (Nr. 6) ein.

op. 39: Neun Études tableaux (1916/17)

Obwohl bereits der Werktitel auf Bildhaftes verweist, besitzen die einzelnen Stücke keine verbindlich festgelegten Inhalte. Dennoch sind von Rachmaninov Erläuterungen überliefert, welche er an den Komponisten Ottorino Respighi weitergab, als dieser sich 1930 anschickte, einzelne Etüden zu orchestrieren:

op. 33 Nr. 7: eine Jahrmarktszene
op. 39 Nr. 2: das Meer und die Möwen werden dargstellt
op. 39 Nr. 6: Gestalten aus Rotkäppchen und der Wolf nachempfunden
op. 39 Nr. 7: ein Trauermarsch
op. 39 Nr. 9: ein orientalischer Marsch

Diese orchestrierte Version habe ich noch nicht gehört. Gibt es Empfehlungen und Hinweise dazu?

Die Anzahl der Gesamtaufnahmen der Études für Klavier ist überschaubar, einzelne Stücke werden häufig gespielt. Welches sind Eure Favoriten?

Gruß, Cosima :)
AcomA (28.07.2007, 11:31):
hallo Cosima,


auch ich mag diese zyklen sehr. es ist bester rachmaninov !

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00000290I.01.MZZZZZZZ.jpg

es gibt auf der sony cd 'horowitz - late russian romantics' drei etudes tableaux (op.33 nr. 2 u. 6, op.39 nr. 9) als live mitschnitt vom 10.12.1967. das manisch-depressive des es-moll op.33 nr. 6 sowie die kantabilität bzw. gesangskunst des c-dur op.33 nr. 2 dieser präsentation bleiben absolut unerreicht !

dann gibt es die ebenfalls schon legendäre rachmaninov-hommage-CD von pletnev, auf der auch das op.33 nr. 6 es-moll gespielt wird. desweiteren op.33 nr.8, 9 sowie op.39 nr.5.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8790756.jpg

sehr empfehlenswert:

op.33 nr.1; op.39 nr.4 und 7 mit zoltan kocsis

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/1083301.jpg

op.33 nr.2 und 8; op.39 nr.3-5 mit nikolai demidenko

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9363249.jpg

vladimir ashkenazy hat damals auch einige sehr schön eingespielt. und natürlich kann man als gesamtaufnahme die einspielung nikolai luganskys empfehlen ! die gesamteinspielung vladimir ovshinnikovs bei EMI kommt mir zu brutal und uninspiriert vor.


gruß, siamak :engel
Jeremias (01.08.2007, 17:26):
Ich möchte hier noch die Aufnahme von Nicholas Angelich erwähnen. Es ist eine seiner stärksten CDs, diese Musik liegt ihm mehr als z.B. Brahms, er lässt hier seine - versteckte (?) - russische Seele zum Vorschein kommen!
Rachmaninov (01.08.2007, 18:42):
@Cosima,

im Klavierschaffen Rachmaninov's begistern mich op.33 und op.39 eher weniger.

Die drei von Siamak genannten Aufnahmen kenne ich auch bevorzuge und höre aber lieber die anderen Werke als die Etudes. Woran das liegt habe ich bisher nie veruscht zu ergründen.

Die Preludes z.B. bevorzueg ich deutlich!!!

Ich besitze noch die Gesamtaufnahme mit N. Lugansky, die ich allerdings eine Ewigkeit nicht gehört habe.

@Jeremias,

danke für den Hinweis auf Nicholas Angelich. Von ihm besitze ich noch keine Aufnahme. Vielleicht greife ich hier ja mal zu :hello
nikolaus (01.08.2007, 21:14):
Original von Jeremias
Ich möchte hier noch die Aufnahme von Nicholas Angelich erwähnen. Es ist eine seiner stärksten CDs, diese Musik liegt ihm mehr als z.B. Brahms, er lässt hier seine - versteckte (?) - russische Seele zum Vorschein kommen!

Aha?! Die kenne ich gar nicht. Wo ist sie denn erschienen?
Übrigens finde ich seinen Brahms nicht so schlecht, wie einige hier im Forum. Aber es ist sicher richtig, daß man ihn in seiner Art unterschätzt: er wirkt immer so "behäbig", wenn er auf die Bühne kommt, dabei kann er ganz schön temperamentvoll spielen...

Gruß, Nikolaus.
AcomA (01.08.2007, 23:19):
hallo,

die gesamteinspielung angelichskenne ich auch und hatte sie leider nicht erwähnt. sie ist ebenfalls auch IMO exzellent gespielt. dennoch fehlt bei angelich das 'besondere' an temperament, gesangsfähigkeit und exzentrik, was insbesondere horowitz soweit abhebt !

gruß, siamak
Rachmaninov (02.08.2007, 17:38):
Original von Rachmaninov

Ich besitze noch die Gesamtaufnahme mit N. Lugansky, die ich allerdings eine Ewigkeit nicht gehört habe.

Mittlerweile habe ich die Lugansky Aufnahme wiedereinmal aus dem Regal gezogen und gehört :cool

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7243260.jpg

@Cosima,

bei Deiner Suche nach einer möglichen Gesamtaufnahme solltest Du die Aufnahme von Lugansky sicherlich in Betracht ziehen.
Viele Etudes sind für mich eher "spröde" aber Lugansky schafft es dennoch zu gestallten und ihm gelingt wirklich eine klasse Gesamteinspielung.
Cosima (03.08.2007, 21:20):
Original von Rachmaninov
bei Deiner Suche nach einer möglichen Gesamtaufnahme solltest Du die Aufnahme von Lugansky sicherlich in Betracht ziehen.


Ja, die Lugansky-Aufnahme ist IMO sehr gut, elegant und feinsinnig. Anders John Ogdon (Testament), der eher schroff und markant zu Werke geht. Über Hayroudinoff schrieb ich bereits etwas bei den „Jungen Pianisten“. Jede dieser Gesamtaufnahmen schätze ich aber sehr, gerade weil sie so unterschiedlich sind.

In die diversen Einzelaufnahmen habe ich noch nicht wieder reingehört…

M.E. sind die Études den Préludes ebenbürtig, was ihren Gehalt angeht. Ich höre beide Zyklen gleich gern.

Gruß, Cosima
Cosima (03.08.2007, 21:51):
Ich bin zwar kein großer Fan von Murray Perahia, aber diese Live-Aufnahme aus 1989 (Aldeburgh, Sony) ist IMO fantastisch und hat meinen Eindruck von diesem Pianisten nachhaltig verändert. Sie enthält u.a. einige Études (op. 33 Nr. 2, op. 39 Nr. 5, 6 und 9), die ich mit dieser Innigkeit und diesem Temperament Perahia so gar nicht zugetraut hätte.

http://ec1.images-amazon.com/images/I/51ATHWQ3S2L._AA240_.jpg

Ingesamt ein glanzvolles, virtuoses Recital; die Liszt-Rhapsodie ist vielleicht das Highlight. Auch die Beethoven-Variationen gefallen mir ausgesprochen gut, sehr energisch und dynamisch gespielt.

Gruß, Cosima
Cosima (28.07.2007, 10:49):
Ich liebe sie sehr - die Études tableaux sind für mich Meisterwerke der Kleinform in der Klaviermusik. Der von Rachmaninov geprägte Titel, der ohne Vorbilder ist, deutet auf eine Synthese von Konzertetüde und bildhaft inspirierter Tondichtung. Das Ergebnis sind Stimmungsbilder von großer Suggestivkraft, wobei die poetische Idee eher Ausgang der Inspiration, nicht aber das Ziel der Musik selbst ist.

Im Überblick:

op. 33: ursprünglich sechs Études tableaux (1911) – 2 weitere Etüden (ursprünglich Nr. 3 und 5) wurden erst postum veröffentlicht. Die Etüde Nr. 4 ging in überarbeiteter Form in op. 39 (Nr. 6) ein.

op. 39: Neun Études tableaux (1916/17)

Obwohl bereits der Werktitel auf Bildhaftes verweist, besitzen die einzelnen Stücke keine verbindlich festgelegten Inhalte. Dennoch sind von Rachmaninov Erläuterungen überliefert, welche er an den Komponisten Ottorino Respighi weitergab, als dieser sich 1930 anschickte, einzelne Etüden zu orchestrieren:

op. 33 Nr. 7: eine Jahrmarktszene
op. 39 Nr. 2: das Meer und die Möwen werden dargstellt
op. 39 Nr. 6: Gestalten aus Rotkäppchen und der Wolf nachempfunden
op. 39 Nr. 7: ein Trauermarsch
op. 39 Nr. 9: ein orientalischer Marsch

Diese orchestrierte Version habe ich noch nicht gehört. Gibt es Empfehlungen und Hinweise dazu?

Die Anzahl der Gesamtaufnahmen der Études für Klavier ist überschaubar, einzelne Stücke werden häufig gespielt. Welches sind Eure Favoriten?

Gruß, Cosima :)
AcomA (28.07.2007, 11:31):
hallo Cosima,


auch ich mag diese zyklen sehr. es ist bester rachmaninov !

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00000290I.01.MZZZZZZZ.jpg

es gibt auf der sony cd 'horowitz - late russian romantics' drei etudes tableaux (op.33 nr. 2 u. 6, op.39 nr. 9) als live mitschnitt vom 10.12.1967. das manisch-depressive des es-moll op.33 nr. 6 sowie die kantabilität bzw. gesangskunst des c-dur op.33 nr. 2 dieser präsentation bleiben absolut unerreicht !

dann gibt es die ebenfalls schon legendäre rachmaninov-hommage-CD von pletnev, auf der auch das op.33 nr. 6 es-moll gespielt wird. desweiteren op.33 nr.8, 9 sowie op.39 nr.5.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8790756.jpg

sehr empfehlenswert:

op.33 nr.1; op.39 nr.4 und 7 mit zoltan kocsis

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/1083301.jpg

op.33 nr.2 und 8; op.39 nr.3-5 mit nikolai demidenko

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9363249.jpg

vladimir ashkenazy hat damals auch einige sehr schön eingespielt. und natürlich kann man als gesamtaufnahme die einspielung nikolai luganskys empfehlen ! die gesamteinspielung vladimir ovshinnikovs bei EMI kommt mir zu brutal und uninspiriert vor.


gruß, siamak :engel
Jeremias (01.08.2007, 17:26):
Ich möchte hier noch die Aufnahme von Nicholas Angelich erwähnen. Es ist eine seiner stärksten CDs, diese Musik liegt ihm mehr als z.B. Brahms, er lässt hier seine - versteckte (?) - russische Seele zum Vorschein kommen!
Rachmaninov (01.08.2007, 18:42):
@Cosima,

im Klavierschaffen Rachmaninov's begistern mich op.33 und op.39 eher weniger.

Die drei von Siamak genannten Aufnahmen kenne ich auch bevorzuge und höre aber lieber die anderen Werke als die Etudes. Woran das liegt habe ich bisher nie veruscht zu ergründen.

Die Preludes z.B. bevorzueg ich deutlich!!!

Ich besitze noch die Gesamtaufnahme mit N. Lugansky, die ich allerdings eine Ewigkeit nicht gehört habe.

@Jeremias,

danke für den Hinweis auf Nicholas Angelich. Von ihm besitze ich noch keine Aufnahme. Vielleicht greife ich hier ja mal zu :hello
nikolaus (01.08.2007, 21:14):
Original von Jeremias
Ich möchte hier noch die Aufnahme von Nicholas Angelich erwähnen. Es ist eine seiner stärksten CDs, diese Musik liegt ihm mehr als z.B. Brahms, er lässt hier seine - versteckte (?) - russische Seele zum Vorschein kommen!

Aha?! Die kenne ich gar nicht. Wo ist sie denn erschienen?
Übrigens finde ich seinen Brahms nicht so schlecht, wie einige hier im Forum. Aber es ist sicher richtig, daß man ihn in seiner Art unterschätzt: er wirkt immer so "behäbig", wenn er auf die Bühne kommt, dabei kann er ganz schön temperamentvoll spielen...

Gruß, Nikolaus.
AcomA (01.08.2007, 23:19):
hallo,

die gesamteinspielung angelichskenne ich auch und hatte sie leider nicht erwähnt. sie ist ebenfalls auch IMO exzellent gespielt. dennoch fehlt bei angelich das 'besondere' an temperament, gesangsfähigkeit und exzentrik, was insbesondere horowitz soweit abhebt !

gruß, siamak
Rachmaninov (02.08.2007, 17:38):
Original von Rachmaninov

Ich besitze noch die Gesamtaufnahme mit N. Lugansky, die ich allerdings eine Ewigkeit nicht gehört habe.

Mittlerweile habe ich die Lugansky Aufnahme wiedereinmal aus dem Regal gezogen und gehört :cool

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7243260.jpg

@Cosima,

bei Deiner Suche nach einer möglichen Gesamtaufnahme solltest Du die Aufnahme von Lugansky sicherlich in Betracht ziehen.
Viele Etudes sind für mich eher "spröde" aber Lugansky schafft es dennoch zu gestallten und ihm gelingt wirklich eine klasse Gesamteinspielung.
Cosima (03.08.2007, 21:20):
Original von Rachmaninov
bei Deiner Suche nach einer möglichen Gesamtaufnahme solltest Du die Aufnahme von Lugansky sicherlich in Betracht ziehen.


Ja, die Lugansky-Aufnahme ist IMO sehr gut, elegant und feinsinnig. Anders John Ogdon (Testament), der eher schroff und markant zu Werke geht. Über Hayroudinoff schrieb ich bereits etwas bei den „Jungen Pianisten“. Jede dieser Gesamtaufnahmen schätze ich aber sehr, gerade weil sie so unterschiedlich sind.

In die diversen Einzelaufnahmen habe ich noch nicht wieder reingehört…

M.E. sind die Études den Préludes ebenbürtig, was ihren Gehalt angeht. Ich höre beide Zyklen gleich gern.

Gruß, Cosima
Cosima (03.08.2007, 21:51):
Ich bin zwar kein großer Fan von Murray Perahia, aber diese Live-Aufnahme aus 1989 (Aldeburgh, Sony) ist IMO fantastisch und hat meinen Eindruck von diesem Pianisten nachhaltig verändert. Sie enthält u.a. einige Études (op. 33 Nr. 2, op. 39 Nr. 5, 6 und 9), die ich mit dieser Innigkeit und diesem Temperament Perahia so gar nicht zugetraut hätte.

http://ec1.images-amazon.com/images/I/51ATHWQ3S2L._AA240_.jpg

Ingesamt ein glanzvolles, virtuoses Recital; die Liszt-Rhapsodie ist vielleicht das Highlight. Auch die Beethoven-Variationen gefallen mir ausgesprochen gut, sehr energisch und dynamisch gespielt.

Gruß, Cosima
Rachmaninov (06.08.2008, 19:02):
Nach längerer Zeit hörte ich gerade nochmals die 9 Etudes-tableaux op.39 in der erst kürzlich veröffentlichten Aufnahme mit A. Melnikov.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0794881866625.jpg

Klanglich empfinde ich die Aufnahme stellenweise als doch sehr direkt und sie vermittelt mir zwar die Dynaik des Instruments durchaus gut wieder, erscheint mir dann aber doch aufnahmetechnisch doch etwas "hart". Ist natürlich auch ggf. eine Eigenart des Instruments. Ich vernehme jedenfalls eine gewisse "Schärfe".

Melnikov spielt aus meiner Sicht sehr dynamisch, kräftiger Anschlag, ihm gelingt es auch träumerische Momente auszukosten. Aber IMHO gelingt ihm innerhalb dieser unterschiedlichen Empfindungen eher wenig in der Differenzierung seines Anschlages. So bleibt diese, wie seine vorherige Aufnahme mit Scriabin, sicherlich eine gute Aufnahme, jeodch würde ich sie nicht als Favorit oder grar Spitzenaufnahme einordnen. Dafür fehlt mir hier doch ein wenig Durchdringung.

Interpretation: 8
Klang: 7-8