Rachmaninov: Variationszyklus über ein Thema von Corelli op.42
Rachmaninov (16.10.2011, 16:57): Forianer,
als letzes Klavierwerk komponierte S. Rachmaninov ein Variationszyklus über ein Thema von Corelli op.42 oder wie es üblicherweise genannt wird "Variationen über ein Thema von Corelli".
Rachmaninov stellte dieses letzte Werk für Klavir solle am 16. Juli 1931 fertig.
Der Titel ist übrigens irreführend:
Als Thema dient hier nicht ein Originalthema von Arcangelo Corelli; sondern vielmehr der berühmte Tanz "La Folia", den schon Franz Liszt in seiner "Spanischen Rhapsodie", Cherubin in seiner Oper Hotellerie portugaise", Johann Sebastion Bach in seiner Bauernkantat" verwednet hatt, und den Corelli selbst in seiner 12. Sonate als "Variation serieuse" bezeichnete. Quelle: Ewald Reder - Sergej Rachmaninow Leben und Wek (1873-1943)
In einer Zeit in der Strawinsky, Hindemith, Berg und Schostakowitsch bereits die Welt musikalisch geprägt hatten erschien die Musik Rachmaninovs, als nostalgische romantische Musik, die an "vergangene" Zeiten erinnerte.
Rachmaninov's Musik ist Romantik, oder genauer "Spätromantik".
Tachmaninov war kein Erneuerer, kein Kämpfer, er war Schüler und Mensch des 19. Jahrhunderts, der letzte Spätromantiker auf dem russischen Musikthron" Quelle: Ewald Reder - Sergej Rachmaninow Leben und Wek (1873-1943)
Und eben auf diesem Thron einer Musiktradition folgend schrieb einer der größten Komponisten der Klaviermusik sein letztes großes Werk für Klavier solo.
Dieses, an Rachmaninov's sonstigen Werken, als einfach zu bezeichnende Werk ist das letzte bedeutende Fingerzeig und zählt für mich zu den schönsten Werken überhaupt. Eben weil es durch seine "Einfachheit" bezaubert! Rachmaninov entfesselt, befreit von den Zwängen!
20 Variationen, ein Thema: Andante, ein Intermetzo und eine abschließende Coda: Andante umfasst das Werk.
AcomA (17.10.2011, 23:44): Lieber Sergejewitsch,
die Corelli-Variationen gehoeren IMO zu den am feinsten komponierten Werken. Unendlich traurig ist das Intermezzo. Ein verstorbener Freund von mir erkannte in der Coda einen modulierenden Durchgang durch viele Tonarten gleich der finalen Verbeugung vor dem Publikum kurz vor dem Fallen des Buehnenvorhanges.
Erstmalig hoerte ich das Werk als 14-Jaehriger mit der DG- Aufnahme Lazar Bermans, grandios. Ebenfalls Top: Pletnev auf Rachmaninovs Fluegel (DG) und Bernd Glemser (Oehms Classics)
LG, Siamak
Rachmaninov (18.10.2011, 10:18): Original von AcomA Lieber Sergejewitsch,
die Corelli-Variationen gehoeren IMO zu den am feinsten komponierten Werken. Unendlich traurig ist das Intermezzo. Ein verstorbener Freund von mir erkannte in der Coda einen modulierenden Durchgang durch viele Tonarten gleich der finalen Verbeugung vor dem Publikum kurz vor dem Fallen des Buehnenvorhanges.
Siamak,
wenn man an die seelischen Zustände Rachmaninov's mit all seinen Zweifeln denkt eine interessante Sichtweise zur Coda.
Mir erscheint jedenfalls Rachmaninov's Schaffen bei den Corelli Variationen befreit von allem Balsat, Zwängen und vor allem dem eigenen inneren Druck!
Wie siehst Du das?
Rachmaninov (18.10.2011, 10:20): Original von AcomA Erstmalig hoerte ich das Werk als 14-Jaehriger mit der DG- Aufnahme Lazar Bermans, grandios. Ebenfalls Top: Pletnev auf Rachmaninovs Fluegel (DG) und Bernd Glemser (Oehms Classics) LG, Siamak
@Siamak,
die L. Berman Aufnahme liegt mir leider nicht vor und Hörproben konnte ich auf die Schnelle auch nicht ermitteln.
Die Pletnev's wurde übrigends nicht nur auf Rachmaninov's Flügel eingespielt sondern sogar in seiner Villa in der Schweiz wenn ich es richtig im Kopf habe.
Diese intime, private Atmosphäre merkt man der Aufnahme an.
Pletnev's Aufnahme der Variationen ist für mich DER Massstab und ist unerreicht!
leider wurde die Berman-Aufnahme nie auf CD veroeffentlicht. Sie koppelte die Variationen mit einer Auswahl der preludes aus op. 23 und 32. Natuerlich auch das op.3 Nr. 2. Aus der Erinnerung kommt sie aber an die Differenziertheit Pletnevs nicht ganz heran. Dafuer zeigt Berman viel Lust zur Virtuositaet.
LG, Siamak
Rachmaninov (23.10.2011, 09:54): Original von AcomA
Erstmalig hoerte ich das Werk als 14-Jaehriger mit der DG- Aufnahme Lazar Bermans, grandios. Ebenfalls Top: Pletnev auf Rachmaninovs Fluegel (DG) und Bernd Glemser (Oehms Classics)
LG, Siamak
Siamak,
die Glemser Aufnahme ist in der tat gut und auch sicherlich empfehlenswert. IMHO kommt aber auch diese nicht an die Pletnev Aufnahme ran. Wobei Glemser schon begeistert mit leuchtendem Spiel, feinen Klangbild und kraftvollem Zugriff!
Ärgerlich an der CD: Das ganze Werk ist nur ein Track. Ein Unding IMHO.
AcomA (23.10.2011, 12:25): Lieber Sergejewitsch,
ich stimme Dir absolut zu. Letztlich gibt es das I-Tüpfelchen mehr bei Pletnev, die Kunst des Singens und die Intellektualität. Aber das ist ja Kritik auf allerhöchstem Niveau. Was die Problematik mit dem einen Track angeht, vielleicht wollte die Plattenfirma dahingehend einen gegenakzent setzen, dass Rachmaninov selbst es nie geschafft hatte, das Werk komplett öffentlich aufzuführen.