Ralph Vaughan-Williams (1872-1958) - damit gehört er nach den Lebensdaten zu urteilen zur "Klassischen Moderne". Doch davon ist in seinen Werken die einen spätromantischen Touch haben wenig zu spüren (viele würden sagen: zum Glück), denn er ist weit von jeglicher Atonalität entfernt und schrieb absolut toinale Ohrwurm-Musik ohne irgendwelche Ausreisser.
Ich schätze Vaughan-Williams sehr. Ich habe ihn allerdings durch seine populären Werlke zuerst kennengelernt und war dann überrascht welch andere und feurige und dramatische Tonsprache er auch in seinen Sinfonien an den Tag legt.
Wenn man Ohrwurmwerke wie Greensleeves und die Tallis - Fantasia hört, glaubt man kaum, dass er so fetzige Werke mit hochdramatischem Gestus schreibt, wie die Sinfonien Nr.2,4,7. Besonders seine Sinfonie Nr.7 - Antartica, die aus einer gleichnamigen Filmmusik entstanden ist, hat es mir angetan. Die Atmosphäre in diesem Werk über die Antarctis ist einmalig und wird kaum irgendwo ein entsprechendes Gegenstück finden - tolle Musik. Ebenfalls die Sinfonien Nr.2 und 4 "London Sinfonie" sind feurige Meisterstücke, die es mit angetan haben. Die Sinfonie Nr.1 "SeaSympony" ist für Chor, Soli und Orchester geschrieben. Auch hier Handley erstklassig (wenn gleich hier nicht mein Geschmack getroffen wird).
:hello Wir sollten in folgenden Threads noch näher auf die Sinfonien und Werke eingehen.
Seine populären Werke: Oboenkonzert; Concerto Grosso; Greensleeves-Fantasia; English Folk Song Suite; The Lark ascending; 5 Variants on "Dives und Lazarus"; Norfolk Rhapsody Nr. 1; Partita for Double String Orchestra; Fantasia on a Theme by Thomas Tallis
Diese Werke habe ich auf dieser fabelhaften Decca-Doppel-CD mit Marriner/Accademy of St.Martin in the Fields u.a. kennen und schätzen gelernt und hätte daher dem Komponisten gar nicht so energiegeladene Sinfonik zugetraut:
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/0028946035726.jpg Nicklin, Academy St. Martin, Marriner; London PO, Boult;New Queen's Hall Orchestra, Wordsworth Label: Decca , ADD/DDD, 72-92
Seine Sinfonien: Ich habe (zufällig) zwei GA der Sinfonien Nr.1-9 Die erste mit Handley / Liverpool SO (EMI, 1992, DDD) gefällt mir aber wesentlich besser, da prägnanter, emotionsgeladner und präziser, als Thomson / London SO (Chandos, 1991-92, DDD). Nach intensivem Hören der Sinfonien und Vergleichshören, muß ich sagen, daß der Chandos-Sound nicht immer optimal ist. Auf jeden Fall vorzuziehen ist die Aufnahme mit Vernon Handley auf EMI, die ich zuerst gekauft habe. Der Klang des Liverpol SO kommt bei den EMI-CD´s sehr natürlich und noch wichtiger - die Interpretation ist mit Handley eimalig, höchst einfühlsam und an den dramatischen Stellen durchschlagend.
http://images.amazon.com/images/P/B000025XYZ.03._SS300_SCLZZZZZZZ_V1057214258_.gif Liverpool SO, Vernon Handley EMI, 1992, DDD
:wink Haitink, der auch eine GA der Sinfonien vorlegte ist soweit ich diese gehört habe auch keine schlechte Wahl, aber die Davis - Aufnahmen sollte man wegen der fehlenden Durchschlagskraft (mehr auf Schönklang dirigiert) nicht unbedingt wählen.
:) Letzte Woche habe ich noch eine weitere Vaughan-Williams-CD dazubekommen: Irgendwo in den weiten der Klassik-Foren wurde diese überschänglich gelobt. Wenn einer eine Bernstein-Aufnahme in den Himmel hebt, dann bleibt bei mir so etwas haften. So auch dieser Tage bei EBAY: Da wurde ich um diese diese SONY-CD der Sinfonie Nr.4 mit Bernstein überboten. Kaufte sie kurz danach aber sogar preiswerter für weniger als die Hälfte bei amazon.
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41CDV40E7DL._AA240_.jpg...http://ecx.images-amazon.com/images/I/4156NM7ZH3L._AA240_.jpg Sinfonie Nr.4 Greensleves Tallis - Fantasia Serenade to Music NewYorker PH, Bernstein......es gibt die CD in zwei CD-Versionen - die Neuere ist weitaus billiger. SONY, 1974, ADD
Irgendwo in den Weiten der Klassik-Foren (kann hier geweden sein) hatte ein Klassikfreud sich überschwänglich über diese Bernstein-SONY-CD geäußert. Mein Eindruck ist, das diese Begeisterung schon ihre Berechtigung hat, da Bernsteins Emphase und Gefühl auch hier voll eingebracht wird. Eine tolle Aufnahme aller enthaltenen Werke.
Da ich die CD erwartete hatte ich einige Tage zuvor die Handley-Aufnahme (EMI) aus meiner GA gehört.
Ich meine hier trotz des packenden Zugriffs duch Bernstein doch mehr Details und sogar einen noch zupackenderen Zugriff bei Handley verspürt zu haben. Diesen straffen und packenderen Eindruck, den ich vorher nicht vermutet hätte, hinterläßt Handley durch ein flotteres Tempo als Bernstein, die deutlichen Pauken und den detailreichen Klang des Liverpool PO bei der Sinfonie Nr.4. Ansonsten enthält auch die SONY-Bernstein-CD mit den weiteren Werken eine von großen Emotionen getragene Interpretationen.
:beer Fazit: Eine schöne Bereicherung um Vaughan-Williams mit der Bernstein-Aufnahme, die Handley (bei der Sinf.Nr.4) nicht ankratzen kann.
Nordolf (29.01.2008, 21:02): Hallo teleton!
Danke für Deine sehr wertvollen Hinweise! :thanks
Ich habe Vaughan Williams gerade mit seiner 7. und 8. Symphonie für mich entdeckt. Die Naxos-Aufnahme mit Kees Bakels und dem renomierten Bournemouth Symphony Orchestra ist interpretations- sowie klangtechnisch allererste Sahne. Sie dürfte wohl ein ganz hervorragender Einstieg in den sehr visuell-filmisch komponierenden Britten sein.
Erst hatte ich die preiswerte Davies/BBC-GA bestellt. Nach Deinen Hinweisen habe ich sie storniert und ein Klangschnipsel-Vergleichshören gestartet. Das Rennen hat dabei ganz eindeutig Bryden Thomson mit den LSO gewonnen. Die teure GA lohnt sich hier leider nicht. Die Einzel-CDs enthalten auch andere Werke, die in der GA fehlen. Ich werde mir die Chandos-Aufnahmen also nach und nach zulegen.
Deine Kritik am Chandos-Sound kann ich nachvollziehen. Für viele dürfte er leicht verwaschen klingen. Andererseits mag ich persönlich dieses ein wenig dunkle, narkotische Klangbild und die Wärme des Sounds. Ein großer Pluspunkt ist der Dirgent Thomson: - er interpretiert unverhohlen romantisch. Und so will ich es am liebsten...
Herzliche Grüsse! Jörg
HenningKolf (30.01.2008, 07:05): Meine Begeisterung für den Komponisten hält sich in Grenzen. Ich nenne diese Aufnahme mein Eigen
und höre sie nicht mehr, weil ich die darauf befindliche Sinfonia Antartica eigentlich recht langweilig finde (ich habe sie genauer gesagt zweimal bis ungefaähr zur Hälfte gehört und dann keine Lust mehr gehabt). Es ist halt Filmmusik, die sich von Szene zu Szene hangelt und größere Spannungsbögen nicht aufkommen lässt. Die kompositorischen Ideen finde ich eher begrenzt. Mag als Filmbegleitung funktionieren, aber weniger als eigenständiges Werk. Nun ist szenische Musik nichts Neues und nicht per se uninteressant, aber in meinen Ohren ist alles recht plakativ und etwas kitschig angehaucht, z.B. die Wind nachahmenden Geräusche etc.
Vom Komponisten kenne ich ansonsten noch die Wasps-Ouvertüre und "The Lark Ascending". Da auch insoweit Begeisterung nicht entstanden ist, wartet die "London Symphony" unter Previn noch darauf, gehört zu werden.
Gruß Henning
Jürgen (30.01.2008, 11:06): Ich mag diesen Komponisten auch sehr.
Ich habe diesen Sinonienzyklus (Previn, seine älteren Aufnahmen): http://ecx.images-amazon.com/images/I/51m5DMiN2FL._AA240_.jpg
Die schon öfter erwähnte Vierte mit Bernstein habe ich auch. Sie ist vorzüglich. Die "Serenade to Music", die auch auf dieser CD ist, empfinde ich aber schon hart am Kitsch. Das ist allerdings von meiner Tagesform abhängig. Manchmal brauche ich sowas.
Previn hat die Sinfonien noch einmal bei Telarc aufgenommen. Davon kenne ich nur die Zweite: http://ecx.images-amazon.com/images/I/51TX4ZXF07L._AA240_.jpg Ich wollte noch eine Aufnahme haben, weil die ältere schlecht geschnitten ist. Nun diese ist nun gut geschnitten, hat aber nicht den Ausdruck, das Herz der Ersten. Schade, hätte ich mir sparen können. Die Zweite "London" ist übrigens meine Lieblingssinfonie von RVW. Insbesondere der 2. Satz ist herrlich.
Ausserdem habe ich noch "Job - A Masque for Dancing" von Handley 1983
Grüße Jürgen
teleton (30.01.2008, 11:09): Hallo Jörg und Henning,
Ich hatte die Thomson-Aufnahme später in der Verwandtschaft geliehen und mir kam diese zunächst auf den ersten Blick auch Powergeladener vor. Doch sehr schnell hat sich dieser Ersteindruck gelegt und ich stellzte fest , dass Handley wesentlich mehr Ausdruck und auch klanglich mehr Details zu bieten hat. Thomson wirkt da vergleichsweise nervös. Für mich immer sehr Wichtig: Die Pauken sind bei Handley immer sehr prägnant und geben den Werken ihre rhytmische Power. Sehr gut festzustellen bei VW: Sinfonie Nr.4, 1.Satz
da bleiben Thomson und auch Bernstein zu sehr im undefinierbaren Nebelfeld.
Ja, Henning es ist immer sehr entscheidend mit welchen Werken und auch welchen Aufnahmen man einem Komponisten zuerst begegnet. Ich habe von Haitink oft gelesen, dass er bei VW zu pauschal interpretiert.
:engel Gerade die Sinfonie Nr.7 "ANTARTICA" hat es mir angetan. Die Atmaosphäre der Arctis, die VW dort ausbreitet finde ich unsagbar toll und nirgens besser als mit Handley (EMI) getroffen. Von lLngeweile keine Spur. Eines meiner Lieblingswerke von VW.
Deine CD der LONDON Sinfonie mit Previn (Previn soll hier mal gut sein) solltest Du unbedingt mal hören. Eines der Werke mit mehr Power und ohne Ohrwurmseeligkeit.
Ich hatte Vaughan-Williams auch zuerst für einen Schnulzen-Ohrwurm-Komponisten gehalten (mit seinen mehr populären Werken). Aber als ich seine Sinfonien hörte, habe ich erkannt, dass er einer der Großen des 20.Jhd. ist. !
Auch auf sein Klavierkonzert in C möchte ich unbedingt aufmerksam machen. Ein lohnendes TOP-KK des 20.Jahrhunderts in dieser Aufnahme höchempfehlenswert - natürlich mit Handley am Pult: -leider keine ABB gefunden- Vaughan-Williams: Klavierkonzert in C Delius: Klvierkonzert C-Moll Piers Lane, Klavier ( Liverpool SO / Handley EMI, 1995, DDD
Rachmaninov (30.01.2008, 16:29): @RVW-Freunde,
ich muß gestehen, daß mich die bisherigen Aufnahmen mit RVW Werken nicht wirklich so überzeugen konnten mich mit dem Komponisten eingehender zu beschäftigen. Meine Schwerpunkte liegen auch klar auf anderen Gebieten.
So "kenne" ich bisher lediglich Fantasia on a Theme by Tallis, Fantasia on "Greenleeves", The Lark Ascending sowie ein oder 2 SQ.
Keine seine Sinfonien ist mir bisher bekannt.
Immerhin hatte ich die Haitink Box seiner Sinfonien auf dem Zettel, die aber wohl hier keiner bisher sonderlich hervor gehoben hatte ?(
Jürgen (30.01.2008, 17:08): Hallo teleton,
weisst Du, ob in dieser Box auch die EMI Aufnahmen sind? Es sind hier 7 CDs und ein paar kleinere Werke mehr drauf. http://ecx.images-amazon.com/images/I/41MDJET9RXL._AA240_.jpg
Wenn ja, wär's günstig bei amazon-market
Grüße Jürgen
teleton (30.01.2008, 18:37): Hallo Jürgen,
ja seltsame Labelpolitik - aber es ist tatsächlich die gleiche Gesamt-Aufnahme der Sinfonien mit Handley auf EMI, die ich oben abgebildet habe. Es sind nebrn den 9Sinfonien noch die Werke Serenade to Music, Flos Campi-Suite dabei.
Bei EMI finde ich gut das die Handley-GA aus 6 Einzel-CD´s besteht. Die 6CD-Cases sind in einem dicken stabilen Pappschuber. So hat man für jede CD ein eigenes Heftchen mit der INFO zu den Werken.
Bei der von Dir abgebildeten GA von Hyperion ist es die gewohnte GA-Verpackung in CD-Papierhüllen und einem Heft. Da sind auch noch weitere Werke auf der 7.CD. :hello Wenn diese GA preiswerter ist - dann nichts wie zugreifen.
Jürgen (31.01.2008, 10:18): Original von teleton Hallo Jürgen,
ja seltsame Labelpolitik - aber es ist tatsächlich die gleiche Gesamt-Aufnahme der Sinfonien mit Handley auf EMI, die ich oben abgebildet habe. Es sind nebrn den 9Sinfonien noch die Werke Serenade to Music, Flos Campi-Suite dabei.
Bei EMI finde ich gut das die Handley-GA aus 6 Einzel-CD´s besteht. Die 6CD-Cases sind in einem dicken stabilen Pappschuber. So hat man für jede CD ein eigenes Heftchen mit der INFO zu den Werken.
Bei der von Dir abgebildeten GA von Hyperion ist es die gewohnte GA-Verpackung in CD-Papierhüllen und einem Heft. Da sind auch noch weitere Werke auf der 7.CD. :hello Wenn diese GA preiswerter ist - dann nichts wie zugreifen. Guten morgen Wolfgang,
das von mir gefundene Cover ist so undeutlich, dass ich das Label nicht erkennen konnte. Ich habe mal weiter gegoogelt und festgestellt, dass das Label CfP (Classics for Pleasure) heißt und eine Unterabteilung der EMI ist. Das erklärt natürlich alles! http://www.emiclassics.co.uk/images/banner/cfplogo-2.jpg
Ralph Vaughan-Williams (1872-1958) - damit gehört er nach den Lebensdaten zu urteilen zur "Klassischen Moderne". Doch davon ist in seinen Werken die einen spätromantischen Touch haben wenig zu spüren (viele würden sagen: zum Glück), denn er ist weit von jeglicher Atonalität entfernt und schrieb absolut toinale Ohrwurm-Musik ohne irgendwelche Ausreisser.
Ich schätze Vaughan-Williams sehr. Ich habe ihn allerdings durch seine populären Werlke zuerst kennengelernt und war dann überrascht welch andere und feurige und dramatische Tonsprache er auch in seinen Sinfonien an den Tag legt.
Wenn man Ohrwurmwerke wie Greensleeves und die Tallis - Fantasia hört, glaubt man kaum, dass er so fetzige Werke mit hochdramatischem Gestus schreibt, wie die Sinfonien Nr.2,4,7. Besonders seine Sinfonie Nr.7 - Antartica, die aus einer gleichnamigen Filmmusik entstanden ist, hat es mir angetan. Die Atmosphäre in diesem Werk über die Antarctis ist einmalig und wird kaum irgendwo ein entsprechendes Gegenstück finden - tolle Musik. Ebenfalls die Sinfonien Nr.2 und 4 "London Sinfonie" sind feurige Meisterstücke, die es mit angetan haben. Die Sinfonie Nr.1 "SeaSympony" ist für Chor, Soli und Orchester geschrieben. Auch hier Handley erstklassig (wenn gleich hier nicht mein Geschmack getroffen wird).
:hello Wir sollten in folgenden Threads noch näher auf die Sinfonien und Werke eingehen.
Seine populären Werke: Oboenkonzert; Concerto Grosso; Greensleeves-Fantasia; English Folk Song Suite; The Lark ascending; 5 Variants on "Dives und Lazarus"; Norfolk Rhapsody Nr. 1; Partita for Double String Orchestra; Fantasia on a Theme by Thomas Tallis
Diese Werke habe ich auf dieser fabelhaften Decca-Doppel-CD mit Marriner/Accademy of St.Martin in the Fields u.a. kennen und schätzen gelernt und hätte daher dem Komponisten gar nicht so energiegeladene Sinfonik zugetraut:
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/0028946035726.jpg Nicklin, Academy St. Martin, Marriner; London PO, Boult;New Queen's Hall Orchestra, Wordsworth Label: Decca , ADD/DDD, 72-92
Seine Sinfonien: Ich habe (zufällig) zwei GA der Sinfonien Nr.1-9 Die erste mit Handley / Liverpool SO (EMI, 1992, DDD) gefällt mir aber wesentlich besser, da prägnanter, emotionsgeladner und präziser, als Thomson / London SO (Chandos, 1991-92, DDD). Nach intensivem Hören der Sinfonien und Vergleichshören, muß ich sagen, daß der Chandos-Sound nicht immer optimal ist. Auf jeden Fall vorzuziehen ist die Aufnahme mit Vernon Handley auf EMI, die ich zuerst gekauft habe. Der Klang des Liverpol SO kommt bei den EMI-CD´s sehr natürlich und noch wichtiger - die Interpretation ist mit Handley eimalig, höchst einfühlsam und an den dramatischen Stellen durchschlagend.
http://images.amazon.com/images/P/B000025XYZ.03._SS300_SCLZZZZZZZ_V1057214258_.gif Liverpool SO, Vernon Handley EMI, 1992, DDD
:wink Haitink, der auch eine GA der Sinfonien vorlegte ist soweit ich diese gehört habe auch keine schlechte Wahl, aber die Davis - Aufnahmen sollte man wegen der fehlenden Durchschlagskraft (mehr auf Schönklang dirigiert) nicht unbedingt wählen.
:) Letzte Woche habe ich noch eine weitere Vaughan-Williams-CD dazubekommen: Irgendwo in den weiten der Klassik-Foren wurde diese überschänglich gelobt. Wenn einer eine Bernstein-Aufnahme in den Himmel hebt, dann bleibt bei mir so etwas haften. So auch dieser Tage bei EBAY: Da wurde ich um diese diese SONY-CD der Sinfonie Nr.4 mit Bernstein überboten. Kaufte sie kurz danach aber sogar preiswerter für weniger als die Hälfte bei amazon.
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41CDV40E7DL._AA240_.jpg...http://ecx.images-amazon.com/images/I/4156NM7ZH3L._AA240_.jpg Sinfonie Nr.4 Greensleves Tallis - Fantasia Serenade to Music NewYorker PH, Bernstein......es gibt die CD in zwei CD-Versionen - die Neuere ist weitaus billiger. SONY, 1974, ADD
Irgendwo in den Weiten der Klassik-Foren (kann hier geweden sein) hatte ein Klassikfreud sich überschwänglich über diese Bernstein-SONY-CD geäußert. Mein Eindruck ist, das diese Begeisterung schon ihre Berechtigung hat, da Bernsteins Emphase und Gefühl auch hier voll eingebracht wird. Eine tolle Aufnahme aller enthaltenen Werke.
Da ich die CD erwartete hatte ich einige Tage zuvor die Handley-Aufnahme (EMI) aus meiner GA gehört.
Ich meine hier trotz des packenden Zugriffs duch Bernstein doch mehr Details und sogar einen noch zupackenderen Zugriff bei Handley verspürt zu haben. Diesen straffen und packenderen Eindruck, den ich vorher nicht vermutet hätte, hinterläßt Handley durch ein flotteres Tempo als Bernstein, die deutlichen Pauken und den detailreichen Klang des Liverpool PO bei der Sinfonie Nr.4. Ansonsten enthält auch die SONY-Bernstein-CD mit den weiteren Werken eine von großen Emotionen getragene Interpretationen.
:beer Fazit: Eine schöne Bereicherung um Vaughan-Williams mit der Bernstein-Aufnahme, die Handley (bei der Sinf.Nr.4) nicht ankratzen kann.
Nordolf (29.01.2008, 21:02): Hallo teleton!
Danke für Deine sehr wertvollen Hinweise! :thanks
Ich habe Vaughan Williams gerade mit seiner 7. und 8. Symphonie für mich entdeckt. Die Naxos-Aufnahme mit Kees Bakels und dem renomierten Bournemouth Symphony Orchestra ist interpretations- sowie klangtechnisch allererste Sahne. Sie dürfte wohl ein ganz hervorragender Einstieg in den sehr visuell-filmisch komponierenden Britten sein.
Erst hatte ich die preiswerte Davies/BBC-GA bestellt. Nach Deinen Hinweisen habe ich sie storniert und ein Klangschnipsel-Vergleichshören gestartet. Das Rennen hat dabei ganz eindeutig Bryden Thomson mit den LSO gewonnen. Die teure GA lohnt sich hier leider nicht. Die Einzel-CDs enthalten auch andere Werke, die in der GA fehlen. Ich werde mir die Chandos-Aufnahmen also nach und nach zulegen.
Deine Kritik am Chandos-Sound kann ich nachvollziehen. Für viele dürfte er leicht verwaschen klingen. Andererseits mag ich persönlich dieses ein wenig dunkle, narkotische Klangbild und die Wärme des Sounds. Ein großer Pluspunkt ist der Dirgent Thomson: - er interpretiert unverhohlen romantisch. Und so will ich es am liebsten...
Herzliche Grüsse! Jörg
HenningKolf (30.01.2008, 07:05): Meine Begeisterung für den Komponisten hält sich in Grenzen. Ich nenne diese Aufnahme mein Eigen
und höre sie nicht mehr, weil ich die darauf befindliche Sinfonia Antartica eigentlich recht langweilig finde (ich habe sie genauer gesagt zweimal bis ungefaähr zur Hälfte gehört und dann keine Lust mehr gehabt). Es ist halt Filmmusik, die sich von Szene zu Szene hangelt und größere Spannungsbögen nicht aufkommen lässt. Die kompositorischen Ideen finde ich eher begrenzt. Mag als Filmbegleitung funktionieren, aber weniger als eigenständiges Werk. Nun ist szenische Musik nichts Neues und nicht per se uninteressant, aber in meinen Ohren ist alles recht plakativ und etwas kitschig angehaucht, z.B. die Wind nachahmenden Geräusche etc.
Vom Komponisten kenne ich ansonsten noch die Wasps-Ouvertüre und "The Lark Ascending". Da auch insoweit Begeisterung nicht entstanden ist, wartet die "London Symphony" unter Previn noch darauf, gehört zu werden.
Gruß Henning
Jürgen (30.01.2008, 11:06): Ich mag diesen Komponisten auch sehr.
Ich habe diesen Sinonienzyklus (Previn, seine älteren Aufnahmen): http://ecx.images-amazon.com/images/I/51m5DMiN2FL._AA240_.jpg
Die schon öfter erwähnte Vierte mit Bernstein habe ich auch. Sie ist vorzüglich. Die "Serenade to Music", die auch auf dieser CD ist, empfinde ich aber schon hart am Kitsch. Das ist allerdings von meiner Tagesform abhängig. Manchmal brauche ich sowas.
Previn hat die Sinfonien noch einmal bei Telarc aufgenommen. Davon kenne ich nur die Zweite: http://ecx.images-amazon.com/images/I/51TX4ZXF07L._AA240_.jpg Ich wollte noch eine Aufnahme haben, weil die ältere schlecht geschnitten ist. Nun diese ist nun gut geschnitten, hat aber nicht den Ausdruck, das Herz der Ersten. Schade, hätte ich mir sparen können. Die Zweite "London" ist übrigens meine Lieblingssinfonie von RVW. Insbesondere der 2. Satz ist herrlich.
Ausserdem habe ich noch "Job - A Masque for Dancing" von Handley 1983
Grüße Jürgen
teleton (30.01.2008, 11:09): Hallo Jörg und Henning,
Ich hatte die Thomson-Aufnahme später in der Verwandtschaft geliehen und mir kam diese zunächst auf den ersten Blick auch Powergeladener vor. Doch sehr schnell hat sich dieser Ersteindruck gelegt und ich stellzte fest , dass Handley wesentlich mehr Ausdruck und auch klanglich mehr Details zu bieten hat. Thomson wirkt da vergleichsweise nervös. Für mich immer sehr Wichtig: Die Pauken sind bei Handley immer sehr prägnant und geben den Werken ihre rhytmische Power. Sehr gut festzustellen bei VW: Sinfonie Nr.4, 1.Satz
da bleiben Thomson und auch Bernstein zu sehr im undefinierbaren Nebelfeld.
Ja, Henning es ist immer sehr entscheidend mit welchen Werken und auch welchen Aufnahmen man einem Komponisten zuerst begegnet. Ich habe von Haitink oft gelesen, dass er bei VW zu pauschal interpretiert.
:engel Gerade die Sinfonie Nr.7 "ANTARTICA" hat es mir angetan. Die Atmaosphäre der Arctis, die VW dort ausbreitet finde ich unsagbar toll und nirgens besser als mit Handley (EMI) getroffen. Von lLngeweile keine Spur. Eines meiner Lieblingswerke von VW.
Deine CD der LONDON Sinfonie mit Previn (Previn soll hier mal gut sein) solltest Du unbedingt mal hören. Eines der Werke mit mehr Power und ohne Ohrwurmseeligkeit.
Ich hatte Vaughan-Williams auch zuerst für einen Schnulzen-Ohrwurm-Komponisten gehalten (mit seinen mehr populären Werken). Aber als ich seine Sinfonien hörte, habe ich erkannt, dass er einer der Großen des 20.Jhd. ist. !
Auch auf sein Klavierkonzert in C möchte ich unbedingt aufmerksam machen. Ein lohnendes TOP-KK des 20.Jahrhunderts in dieser Aufnahme höchempfehlenswert - natürlich mit Handley am Pult: -leider keine ABB gefunden- Vaughan-Williams: Klavierkonzert in C Delius: Klvierkonzert C-Moll Piers Lane, Klavier ( Liverpool SO / Handley EMI, 1995, DDD
Rachmaninov (30.01.2008, 16:29): @RVW-Freunde,
ich muß gestehen, daß mich die bisherigen Aufnahmen mit RVW Werken nicht wirklich so überzeugen konnten mich mit dem Komponisten eingehender zu beschäftigen. Meine Schwerpunkte liegen auch klar auf anderen Gebieten.
So "kenne" ich bisher lediglich Fantasia on a Theme by Tallis, Fantasia on "Greenleeves", The Lark Ascending sowie ein oder 2 SQ.
Keine seine Sinfonien ist mir bisher bekannt.
Immerhin hatte ich die Haitink Box seiner Sinfonien auf dem Zettel, die aber wohl hier keiner bisher sonderlich hervor gehoben hatte ?(
Jürgen (30.01.2008, 17:08): Hallo teleton,
weisst Du, ob in dieser Box auch die EMI Aufnahmen sind? Es sind hier 7 CDs und ein paar kleinere Werke mehr drauf. http://ecx.images-amazon.com/images/I/41MDJET9RXL._AA240_.jpg
Wenn ja, wär's günstig bei amazon-market
Grüße Jürgen
teleton (30.01.2008, 18:37): Hallo Jürgen,
ja seltsame Labelpolitik - aber es ist tatsächlich die gleiche Gesamt-Aufnahme der Sinfonien mit Handley auf EMI, die ich oben abgebildet habe. Es sind nebrn den 9Sinfonien noch die Werke Serenade to Music, Flos Campi-Suite dabei.
Bei EMI finde ich gut das die Handley-GA aus 6 Einzel-CD´s besteht. Die 6CD-Cases sind in einem dicken stabilen Pappschuber. So hat man für jede CD ein eigenes Heftchen mit der INFO zu den Werken.
Bei der von Dir abgebildeten GA von Hyperion ist es die gewohnte GA-Verpackung in CD-Papierhüllen und einem Heft. Da sind auch noch weitere Werke auf der 7.CD. :hello Wenn diese GA preiswerter ist - dann nichts wie zugreifen.
Jürgen (31.01.2008, 10:18): Original von teleton Hallo Jürgen,
ja seltsame Labelpolitik - aber es ist tatsächlich die gleiche Gesamt-Aufnahme der Sinfonien mit Handley auf EMI, die ich oben abgebildet habe. Es sind nebrn den 9Sinfonien noch die Werke Serenade to Music, Flos Campi-Suite dabei.
Bei EMI finde ich gut das die Handley-GA aus 6 Einzel-CD´s besteht. Die 6CD-Cases sind in einem dicken stabilen Pappschuber. So hat man für jede CD ein eigenes Heftchen mit der INFO zu den Werken.
Bei der von Dir abgebildeten GA von Hyperion ist es die gewohnte GA-Verpackung in CD-Papierhüllen und einem Heft. Da sind auch noch weitere Werke auf der 7.CD. :hello Wenn diese GA preiswerter ist - dann nichts wie zugreifen. Guten morgen Wolfgang,
das von mir gefundene Cover ist so undeutlich, dass ich das Label nicht erkennen konnte. Ich habe mal weiter gegoogelt und festgestellt, dass das Label CfP (Classics for Pleasure) heißt und eine Unterabteilung der EMI ist. Das erklärt natürlich alles! http://www.emiclassics.co.uk/images/banner/cfplogo-2.jpg
Bei dieser Ausgabe handelt es sich tatsächlich um die EMI-Aufnahmen (das EMI-Logo findet sich auf den CDs). Auch hier bekommt man einen stabilen Pappschuber und richtige CD-Hüllen. Jeder der 7 CDs liegt ein zweiseitiges Booklet bei (in englischer Sprache). Das ist zwar nicht allzuviel Information, aber immerhin... Ich habe die Box sehr günstig bekommen (um die 23 Euro). Zur Zeit sah ich sie beim Marketplace von Amazon für ca. 29 Euro.
Die Interpretationen sind sehr zu empfehlen. Ich kann teleton nur beipflichten. Vernon Handley dirigiert modern und präzise, dabei aber niemals kalt analytisch, sondern mit sinnlichem Genuss am Klang und mit der von teleton gerühmten Durchschlagskraft.
Hier die Informationen zu den Aufnahmen:
CD 1 A Sea Symphony: Soprano: Joan Rodgers / Baritone: William Shimell // Vernon Handley / Royal Liverpool Philharmonic Orchestra // Ian Tracey / Royal Liverpool Philharmonic Choir 1988
CD 2 A London Symphony / Symphony No. 8: Vernon Handley / Royal Liverpool Philharmonic Orchestra 1992
CD 3 English Folk Song Suite: Vernon Handley / Royal Liverpool Philharmonic Orchestra 1990 A Pastoral Symphony: Soprano: Alison Barlow // Vernon Handley / Royal Liverpool Philharmonic Orchestra 1991 Symphony No. 4: Vernon Handley / Royal Liverpool Philharmonic Orchestra 1991
CD 4 Flos Campi: Viola: Christopher Balmer // Vernon Handley / Royal Liverpool Philharmonic Orchestra // Ian Tracey / Royal Liverpool Philharmonic Choir 1986 Oboe Concerto: Oboe: Jonathan Small // Vernon Handley / Royal Liverpool Philharmonic Orchestra 1990 Symphony No. 5: Vernon Handley / Royal Liverpool Philharmonic Orchestra 1986
CD 5 Symphony No. 6 / Symphony No. 9: Vernon Handley / Royal Liverpool Philharmonic Orchestra 1993 Fantasia On Greensleeves: Flute: Colin Chambers / Harp: Mair Jones // Vernon Handley / Royal Liverpool Philharmonic Orchestra 1990
CD 6 Serenade To Music: Vernon Handley / Royal Liverpool Philharmonic Orchestra // Ian Tracey / Royal Liverpool Philharmonic Choir 1990 Partita: Vernon Handley / Royal Liverpool Philharmonic Orchestra 1990 Sinfonia Antartica: Soprano: Alison Hargan // Vernon Handley / Royal Liverpool Philharmonic Orchestra // Ian Tracey / Royal Liverpool Philharmonic Choir 1990
CD 7 Fantasia On A Theme By Thomas Tallis: Vernon Handley / London Philharmonic Orchestra 1973 Five Variants Of Dives And Lazarus: Vernon Handley / London Philharmonic Orchestra 1985 Job: Vernon Handley / London Philharmonic Orchestra 1983
Herzliche Grüsse! Jörg
Nordolf (24.02.2008, 23:10): Hallo!
Als 1948 die 6. Symphonie von Vaughan Williams durch Adrian Boult uraufgeführt wurde, war das Publikum geradezu schockiert. Eine solche Agressivität, einen solchen sarkastischen Pessismismus hatte man nicht erwartet. Die Symphonie galt schnell als schwer zugänglich. Man vermutete, das der letzte statische Satz ohne jede Expression eine verbrannte Landschaft illustrieren sollte, die durch einen Nuklearanschlag zerstört worden war.
Vaughan Williams komponierte die Symphonie in den Jahren 1944 - 1947. Die Zerstörungen des Krieges waren allerorten präsent und die USA hatten die erste Atombomben über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen. Gleichwohl distanzierte sich der Komponist in einem Brief davon, das sein Werk sich genuin auf das Zeitgeschehen beziehe: - er habe einfach nur Musik schreiben wollen. Später hat er allerdings der 6. Symphonie ein Motto beigegeben. Es war der berühmte Satz Properos aus Shakespeares Stück "Der Sturm": "Wir sind aus solchem Stoff wie Träume sind, und unser kleines Leben ist von einem Schlaf umringt." Die Symphonie scheint also die Endlichkeit und Flüchtigkeit des menschlichen Daseins zu thematisieren.
Ob Vaughan Williams das nun beabsichtigte oder nicht - die musikalischen Mittel und die Stimmung des Werkes weisen deutlich zeitgeschichtliche Bezüge auf. Am Anfang der Symphonie gibt der Komponist gleich die Marschrichtung für die ersten drei Sätze vor: ein peitschender Rhythmus und scharfe Bläser werfen den Hörer mitten ins Geschehen. Dann sind fast jazzige ("Gangster"-)swingende Momente zu hören, die die Härte der Stimmung noch mal unterstreichen. Im zweiten Satz schaffen die Streicher eine bedrohliche Stimmung, aus der einzelne Expressionen - z.B. in Form der Pauken - hervorbrechen. Schließlich endet das Ganze in einem düsteren Marsch, der immer wieder abbricht, um dann grollend lauter zu werden. Eine Oboe(?) intoniert zuletzt eine traurige Melodie. Dann übernimmt wieder das laute treibende Geschehen die Führung. Im drittem Satz - ein sogenanntes "Scherzo" - erklingt über den agressiven Rhythmen ein sardonisch-ironisch klingendes Saxophon. Der vierte Satz - ein zehnminütiger Epilog - lässt dagegen plötzlich alle Expression außen vor und verbreitet eine unheimliche Stille. Die leisen hohen Streicher scheinen den einsam pfeifenden Wind über einem Ödland zu imitieren. Die gespenstische Statik des Satzes wirkt nach den vorherigen treibenden Bewegungen besonders bestürzend. Wohin ist all die Agression verschwunden? Es bleiben offensichtlich nur "Schutt und Asche" zurück.
Hierin eine Vorahnung des Kalten Krieges und der Nuklearbedrohung zu sehen, finde ich gar nicht so abwegig. Andererseits lässt sich das Werk auch auf einer allgemein menschlichen Ebene deuten: - nach den gewaltsam ausbrechenden Emotionen bleibt nichts als Ausgebranntheit zurück. Vielleicht aber wollte Vaughan Williams - mit Bezug auf Prosperos Spruch - sagen, das all unser so aufgeregtes und geschäftiges Leben am Ende in der Leere, im Tod endet. Wie auch immer: - freundlich ist die Botschaft dieser Symphonie sicher nicht.
Herzliche Grüsse! Jörg
Tangua (25.02.2008, 13:55): In mehereren Postings war von "der" Davis-Aufnahme die Rede und davon, dass diese nicht besonders empfehlenswert sein soll.
Ich nenne sie meine eigen und hatte sie vor dem Kauf mit der Bakels-Aufnahme von Naxos verglichen - mir gefiel Davis (gemeint ist Andrew Davis mit dem BGC-SO) besser.
Als GA war sie sehr preisgünstig und genügt meinen Ansprüchen völlig. Von der zweiten habe ich noch die - auch sehr schöne - Einspielung mit Previn, ich könnte aber nicht sagen, dass Davis dagegen abfällt.
Nordolf (25.02.2008, 17:09): Original von Tangua In mehereren Postings war von "der" Davis-Aufnahme die Rede und davon, dass diese nicht besonders empfehlenswert sein soll.
Ich nenne sie meine eigen und hatte sie vor dem Kauf mit der Bakels-Aufnahme von Naxos verglichen - mir gefiel Davis (gemeint ist Andrew Davis mit dem BGC-SO) besser.
Als GA war sie sehr preisgünstig und genügt meinen Ansprüchen völlig. Von der zweiten habe ich noch die - auch sehr schöne - Einspielung mit Previn, ich könnte aber nicht sagen, dass Davis dagegen abfällt.
Hallo Tangua!
Wie würdest Du denn die Aufnahmen von Davis charakterisieren? Und was hebt bspw. seine 7. Symphonie vor der von Bakels heraus? Diese Naxos-Aufnahme finde ich persönlich hervorragend. Deswegen frage ich.
Herzliche Grüsse! Jörg
Tranquillo (25.02.2008, 21:24): Original von Nordolf Als 1948 die 6. Symphonie von Vaughan Williams durch Adrian Boult uraufgeführt wurde, war das Publikum geradezu schockiert. Eine solche Agressivität, einen solchen sarkastischen Pessismismus hatte man nicht erwartet. Die Symphonie galt schnell als schwer zugänglich. Man vermutete, das der letzte statische Satz ohne jede Expression eine verbrannte Landschaft illustrieren sollte, die durch einen Nuklearanschlag zerstört worden war.
In der Tat - diese Sinfonie beunruhigt und verstört den Hörer, das britische Konzertpublikum Ende der 1940er Jahre sicher noch viel mehr als uns heute. Was mich am meisten verstört, ist der Finalsatz, der in seiner Art einzigartig ist. Ich würde ihn nicht als "statisch" und "ohne jede Expression" bezeichnen. Es dominiert zwar ein fahles, scheinbar gleichförmiges Streicherpianissimo, aber dennoch "passiert" etwas: So wandert beispielsweise gleich am Anfang ein Motiv durch die Streicher, bis es in den tiefen Lagen angekommen ist. Gegen Ende des Satzes spielt zweimal eine Oboe eine klagende Melodie, die hier umso eindrucksvoller wirkt. Dennoch: Die gewaltige Spannung, die sich in den vorangegangenen Sätzen aufgebaut hat, wird nicht aufgelöst.
Am Anfang der Symphonie gibt der Komponist gleich die Marschrichtung für die ersten drei Sätze vor: ein peitschender Rhythmus und scharfe Bläser werfen den Hörer mitten ins Geschehen. Dann sind fast jazzige ("Gangster"-)swingende Momente zu hören, die die Härte der Stimmung noch mal unterstreichen.
Der Anfang erscheint mir wie ein gewaltiger Aufschrei, aus dem sich dann ein Marsch entwickelt, der mit triolischen Rhythmen durchsetzt ist. Gegen Ende des Satzes erscheint wie ein erster Lichtblick ein lyrisches Thema, das nach einer gewaltigen Steigerung aber wieder in einen Aufschrei mündet.
Im zweiten Satz schaffen die Streicher eine bedrohliche Stimmung, aus der einzelne Expressionen - z.B. in Form der Pauken - hervorbrechen. Schließlich endet das Ganze in einem düsteren Marsch, der immer wieder abbricht, um dann grollend lauter zu werden. Eine Oboe(?) intoniert zuletzt eine traurige Melodie.
Wegen der tiefen Lage würde ich eher Englischhorn vermuten, sicher bin ich mir aber nicht.
Im drittem Satz - ein sogenanntes "Scherzo" - erklingt über den agressiven Rhythmen ein sardonisch-ironisch klingendes Saxophon.
Was mir am dritten Satz besonders auffällt, ist die ungemein dichte und konsequente Polyphonie, die den Eindruck des Vorwärtsdrängens noch verstärkt.
Wohin ist all die Agression verschwunden? Es bleiben offensichtlich nur "Schutt und Asche" zurück.
Diesem Eindruck kann man sich wirklich nicht entziehen, wenn man den vierten Satz hört. Die Deutung, der Komponist wollte hier die Folgen eines Nuklearschlags darstellen, kann ich sehr gut nachvollziehen.
Eine beeindruckende und faszinierende Komposition, die mich sicher dazu bewegt, auch die anderen Sinfonien von Vaughan Williams wieder zu hören!
Viele Grüsse Andreas
Tranquillo (27.02.2008, 20:53): Original von teleton Haitink, der auch eine GA der Sinfonien vorlegte ist soweit ich diese gehört habe auch keine schlechte Wahl, aber die Davis - Aufnahmen sollte man wegen der fehlenden Durchschlagskraft (mehr auf Schönklang dirigiert) nicht unbedingt wählen.
Dieses Urteil kann ich nicht bestätigen. Ich habe beide Gesamtaufnahmen (Haitink und Davis). In den letzten Tagen habe ich mehrfach die 6. Sinfonie aus der Haitink-Aufnahme gehört und höre jetzt gerade die gleiche Sinfonie aus der Davis-Aufnahme. Nach meinem perönlichen Eindruck dirigiert Haitink eher etwas romantisierend, während Davis' Ansatz eher etwas nüchtern-moderner auf mich wirkt. Er achtet sehr auf Transparenz, alles ist bestens durchhörbar. Das Schlagwerk ist bei Davis dominanter als bei Haitink. Der Ausbruch am Anfang des ersten Satzes kommt mir bei Davis um einiges schärfer und aggressiver vor; von "Schönklang" und "fehlender Durchschlagskraft" keine Spur!
Viele Grüsse Andreas
teleton (01.03.2008, 13:57): Durch Nordolfs schönem Beitrag zur Sinfonie Nr.6 habe ich dies als Anlass genommen mir dieses fastzinierende Werk wiedermal anzuhören.
Ich greife jetzt kaum noch zu meiner Hickox-GA /Chandos) sondern gleich zur alles umfassend begeisterungswürdigen Handley-Aufnahme (EMI).
Was soll man seine Zeit mit schlechteren Aufnahmen vergeuden. Handley bringt alle aggressiven und dramatischen Eigenschaften des Werkes mit Gänsehaut, das Schlagwerk ist TOP - die ruhigen Momente im letzten Satz haben brucknersches Format - Klasse.
Auch die folgend gehörte Sinfonie Nr.9, die mit weniger Dramatik, aber Tiefe versehen ist : .................Super mit Handley.
Tranquillo (01.03.2008, 17:45): "I don't know whether I like it, but it's what I meant" - so Vaughan Williams zu seiner 4. Sinfonie in f-moll, die 1935 uraufgeführt wurde. Mussolini war gerade in Abessinien einmarschiert, und es zeichnete sich ab, dass Gewalt in der europäischen Politik eine immer grösser werdende Rolle spielen würde. Diese Sinfonie, schrieb Frank Howes (später Musikkritiker bei der Times), sprach von der Welt, in der ihr Komponist, ihre Interpreten und ihre Zuhörer lebten.
Die 4. Sinfonie ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Sie wirkt dunkel und dramatisch, ist aber gleichzeitig von dichten kontrapunktischen Strukturen geprägt - wenn man so will, eine Mischung aus Bartok und Hindemith, die kaum noch Anklänge an die Spätromantik hat.
Die Sinfonie wird von einem Thema durchzogen, das an das bekannte B-A-C-H-Thema angelehnt ist. Im Finale "con epilogo fugato" wird auf diesem Thema eine Fuge mit etlichen kontrapunktischen Kunststücken (z. B. Umkehrung, Vergrösserung des Themas) aufgebaut, die Vaughan Williams' kompositorische Meisterschaft zeigt.
Welchen Eindruck habt Ihr von dieser Sinfonie?
Viele Grüsse Andreas
Tranquillo (06.04.2008, 17:52): Original von Tranquillo Welchen Eindruck habt Ihr von dieser Sinfonie? Fast jeder sinfonisch Interessierte in diesem Forum hat eine (oder sogar mehrere) Gesamtaufnahmen der Sinfonien von Vaughan Williams - bin ich etwa der einzige, der die Vierte gehört hat?
Viele Grüsse Andreas
Zelenka (06.04.2008, 18:20): Original von Tranquillo Original von Tranquillo Welchen Eindruck habt Ihr von dieser Sinfonie? Fast jeder sinfonisch Interessierte in diesem Forum hat eine (oder sogar mehrere) Gesamtaufnahmen der Sinfonien von Vaughan Williams - bin ich etwa der einzige, der die Vierte gehört hat?
Viele Grüsse Andreas
Ich schwöre, daß ich sie nicht gehört habe und auch keine Aufnahme besitze.
Gruß, Zelenka
liegnitz (06.04.2008, 19:04): Original von Zelenka Ich schwöre, daß ich sie nicht gehört habe und auch keine Aufnahme besitze.
Gruß, Zelenka
Da sind wir schon zwei. :J
Gruss Emma
Cosima (06.04.2008, 19:22): Original von liegnitz Original von Zelenka Ich schwöre, daß ich sie nicht gehört habe und auch keine Aufnahme besitze.
Gruß, Zelenka
Da sind wir schon zwei. :J
Gruss Emma
Und nun drei.... :W (aber ich habe immerhin die 2. und 8. mit Barbirolli).
Gruß, Cosima
Jürgen (07.04.2008, 09:46): Na dann platziere ich mal den Anschlusstreffer.
Ich habe die Gesamtaufnahme mit Previn (70er Jahre). Damals fiel mir die 4. nicht besonders auf. Erst seit ich Bernstein (Sony) gehört habe, finde ich ihre Dramatik richtig packend.
Grüße Jürgen
teleton (07.04.2008, 10:45): Hallo Jürgen,
das Bernsteins TOP-Aufnahme der Sinfonie Nr.4 bei Dir zum gefühlsmäßigen Durchbruch geführt hat (nach Previn) kann ich ich mir lebhaft vorstellen.
Ich habe mit die Bernstein-SONY-CD dieses Jahr auch zugelegt, weil ich viel Positives gelesen darüber hatte und die CD überall Spitzenpreise erzielt (ich hatte bei EBAY Glück - fürn paar Euro). Sie ist sehr gut und ohne Fehl und Tadel mit Bernsteins Emotioinen ausgestattet. Eines hätte ich jedoch nicht erwartet und das hatte ich schon im Eingangsbeitrag geschrieben:
Ich meine hier trotz des packenden Zugriffs duch Bernstein doch mehr Details und sogar einen noch zupackenderen Zugriff bei Handley verspürt zu haben. Diesen straffen und packenderen Eindruck, den ich vorher nicht vermutet hätte, hinterläßt Handley durch ein flotteres Tempo als Bernstein, die deutlichen Pauken und den detailreichen Klang des Liverpool PO bei der Sinfonie Nr.4. Ansonsten enthält auch die SONY-Bernstein-CD mit den weiteren Werken eine von großen Emotionen getragene Interpretationen. :beer Das Handley (EMI) noch begeisterungswürdiger rüberkommt !
Jürgen (01.12.2009, 15:19): Original von teleton Hallo Jürgen,
das Bernsteins TOP-Aufnahme der Sinfonie Nr.4 bei Dir zum gefühlsmäßigen Durchbruch geführt hat (nach Previn) kann ich ich mir lebhaft vorstellen.
.........
:beer Das Handley (EMI) noch begeisterungswürdiger rüberkommt !
Nachdem ich gerade wieder Vaughan Williams: Sinfonie Nr.4, Bernstein 1965 gehört habe und sie wieder klasse fand,
und Handley von einigen noch besser eingeschätzt wird, liebäugle ich um die Weihnachtszeit herum mit der Vaughan Williams: The Collector's Edition (EMI)
Wooster (01.12.2009, 15:40): Falls Du nicht ganz sicher bist, ob Du wirklich 30 CDs RVW haben willst (womit nichts gegen die Box gesagt sein soll), gibt es die Sinfonien mit einigen Füllern (Job, Oboenkonzert usw.) auch in einer einer günstigen Box aus UK.
Das hat natürlich den Vorteil, das man für jede CD ein eigenes Textheft hat. Die von Wooster gezeigte GA scheint noch mehr RVW-Werke zu beinhalten und diese enthaltenen Aufnahmen wurden von EMI übernommen. :wink Jetzt muß der Kaufpreis entscheiden, welche CD-Box man nimmt. Hauptsache Handley ist drin !
Ich besitze noch eine weitere GA der Sinfonien mit Bryden Thomson LSO (Chandos, 1987-1990, DDD) . Die Aufnahmen sind auch insgesamt gut, wirken aber nervöser. Nach dem Handley-Kauf hatte ich aber dann nie mehr das Bedürfnis diese noch einmal aufzulegen ......... :D wer will sie haben ?
Armin70 (09.12.2009, 17:02): Hallo,
als Neuling hier im Klassik-Forum habe ich als Fan von Vaughan-Williams`Musik mit großem Interesse die Beiträge hier gelesen.
Faszinierend finde ich unter VW`s Sinfonien die 5. Sinfonie aus dem Jahr 1943, Jean Sibelius gewidmet. Dieses Werk wirkt wie ein Ruhepol zwischen den turbulenten und expressiven Sinfonien Nr. 4 und 6.
Die 5. Sinfonie ist gewissermassen auch eine "Kriegssinfonie" aber in einer anderen Art und Weise: Es ist ein Werk gegen den Krieg indem es ein Kontrapunkt für die Schönheit und des inneren Friedens ist. Diese Schönheit wird aber auch in Frage gestellt. Das zeigt schon das Hörnermotiv über die dissonanten Bässe zu Beginn des 1. Satzes.
VW selbst sagte über seine 5. Sinfonie, dass sich in ihr die englische Chortradition von Tallis, Byrd, Gibbons, Purcell bis hin zu Sir Hubert Parry wieder findet.
In VW`s Oper "The Pilgrims Progress" aus dem Jahren 1949 - 1951, entstanden nach Paul Bunyans gleichnamiger christlicher Allegorie aus dem Jahr 1678, finden sich übrigens auch Motive aus seiner 5. Sinfonie.
Bei der 5. Sinfonie bevorzuge ich die Aufnahmen von Andre Previn mit dem Royal Philharmonic Orchestra kombiniert mit der Tallis-Fantasie, erschienen bei Telarc sowie die Aufnahme mit Richard Hickox mit dem London Symphony Orchestra kombiniert mit Chorwerken von VW, erschienen bei Chandos.
Bei VW`s Oper "The Pilgrims Progress" gibt es eine brilliante Aufnahme mit Chor und Orchester der Royal Covent Garden Opera unter der Leitung von Richard Hickox, ebenfalls bei Chandos erschienen.
Armin70 (12.04.2011, 19:07): Eben hörte ich mir diese Neuererwerbung zum ersten Mal an:
Auf dieser CD sind Werke von zwei Komponisten, die sehr gut miteinander befreundet waren:
George Butterworth (1885 - 1916):
George Butterworth und Ralph Vaughan Williams lernten sich am Trinity College in Oxford kennen. Beiden gemeinsam ist die Begeisterung zur englischen Volksmusik und sie unternahmen Reisen auf das ländliche England, um Volkslieder zu sammeln.
Auf Anregung von Butterworth arbeitete Vaughan Williams ein ursprünglich als sinfonische Dichtung über London geplantes Werk in die 2. Sinfonie um. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges ging die Partitur der 2. Sinfonie in Deutschland verloren und Butterworth rekonstruierte diese anhand der Einzelstimmen. Vaughan Williams widmete daraufhin Butterworth dieses Werk posthum.
Butterworth meldete sich zu Beginn des Ersten Weltkrieges zum Militärdienst. Im Jahr 1916 fiel er in der Schlacht an der Somme. Von seinen Werken sind leider nicht viele erhalten geblieben, weil Butterworth viele Werke aus übertriebener Selbstkritik vor seinem Einsatz im Militär selbst vernichtete.
Zu seinen wenigen erhaltenen Orchesterwerken zählt die auf dieser CD aufgenommene Orchesteridyll "The Banks of Green Willow" aus dem Jahr 1913:
Das ist ein wunderschönes Orchesterstück. Einerseits strahlt es eine pastorale, fast schon impressionistische Stimmung aus. Auf der anderen Seite hat dieses Werk auch einen wehmütigen und sehr melancholischen Charakter.
Man kann nur erahnen, was für ein großes Potential in George Butterworth steckte und dass er neben Vaughan Williams, Delius und Holst zu einer festen Größe in der englischen Musik geworden wäre, hätte er länger gelebt.
Nun aber zur 2. Sinfonie ("A London Symphony") von Ralph Vaughan Williams (1872 - 1958) in der Originalfassung aus dem Jahr 1913:
Das Werk wurde von Vaughan Williams mehrfach umgearbeitet. Die letzte Überarbeitung entstand zwischen 1919 und 1920 und in dieser Fassung setzte sich dieses Werk dann durch und alle seitdem gemachten Aufnahmen verwenden dann auch diese Fassung.
Wie bereits erwähnt, ging die Originalpartitur des Werks 1914 verloren, als Vaughan Williams diese auf postalischem Werk nach Deutschland zu dem Dirigenten Fritz Busch schickte. Anhand der erhaltenen Orchesterstimmen rekunstruierte George Butterworth zusammen mit Vaughan Williams die Partitur.
Vaughan Williams Witwe Ursula (1911 - 2007) gab im Jahr 2001 die Erlaubnis, die erhaltene Originalfassung erstmals auf CD aufzunehmen.
Die Originalfassung ist insgesamt ca. 20 Minuten länger als die zuletzt revidierte Fassung.
Der erste Satz ist größtenteils mit der letzten Fassung identisch. Im zweiten Satz gibt es schon größere Unterschiede. Insbesondere in der Coda fehlen 52 Takte. Dadurch singt und schwingt die Originalfassung besser aus. Noch größer ist der Unterschied im dritten Satz, der quasi so eine Art 2. Trio hat. Es handelt sich um einen Andante-Abschnitt am Schluss des Satzes, der einerseits ganz dunkel-geheimnisvoll und andererseits etwas ätherisch-schwebendes an sich hat. Das ist fast wie "Luft vom anderen Planeten". Im vierten Satz gibt es auch einige langsame, von lyrischen Stimmungen geprägte Passagen, die in der späteren Version von Vaughan Williams gestrichen wurden.
Die spätere Version, in der sich das Werk durchsetzte, klingt insgesamt stringenter und straffer im Aufbau. Dagegen klingt die Originalfassung insgesamt düsterer-melancholischer und auch dramatischer-tragischer im Tonfall sowie irgendwie auch schwelgerischer. Es ist fast bedauerlich, was für schöne Musik Vaughan Williams in der späteren Version gestrichen hat.
Meiner Meinung nach ist diese Originalfassung mehr als eine lohnenswerte Alternative zur allgemein gültigen Fassung der 2. Sinfonie. Vor allem die sehr engagierte mit Verve und mit großen Spannungsbögen versehenen Aufnahme des London Symphony Orchestra unter der Leitung von Richard Hickox sollte dafür Sorgen, dass die Originalfassung mehr Verbreitung finden sollte.
Überhaupt ist die Aufnahme des LSO von einer orchestralen Wucht und Opulenz geprägt, dass es ein einziger Ohrenschmaus ist, dieser Aufnahme zu lauschen, zumal auch die Klangqualität brilliant ist und einen tollen Raumklang bietet und man das Gefühl hat, mitten im Orchester zu sitzen.
Eindeutige Kaufempfehlung !
Agravain (27.10.2012, 07:54): Seit einiger Zeit höre ich intensiv Vaughan Williams' fünfte Symphonie und möchte in nächster Zeit auch die mir vorliegenden Einspielungen etwas genauer unter die Lupe nehmen.
Vielleicht ist die Fünfte meine liebste unter den Symphonien Vaughan Williams. Sie regt mich am meisten an, hörend über sie nachzudenken und mich zu fragen, welchen Gehalt sie transportieren könnte. Darum hier einige mäandernde Gedanken (quasi ein work-in-progress :wink), die – man muss ja bisweilen darauf hinweisen – niemand teilen muss. Aber vielleicht regen sie den ein oder anderen an. Ansonsten muss ab dieser Stelle nicht weitergelesen werden. :D
Geht es nach VW, dann transportiert diese Symphonie überhaupt keinen Gehalt. Sie bezieht sich, trotz der verschiedenen thematischen Verbindungen weder auf das Bunyan-Projekt, zu dem sich das musikalische Material nicht verdichten wollte, noch bezieht sich auch nicht auf den sich nahenden Krieg, weil die Komposition – so argumentiert beispielsweise Saremba – ja schon 1938 begonnen wurde. Beides glaube ich – diese Freiheit nehme ich mir angesichts dessen, was ich hier höre, schlicht - nicht.
Ich glaube nicht, dass Vaughan Williams quasi versehentlich ein Bunyan-Zitat („Upon this place stood a cross, and a little below a sepulcre. Then he said: ‘He hath given me rest by his sorrow, and life by his death.”) über den dritten Satz des Werkes (“Romanza”) notiert hat. Dass er es nicht in die Druckversion der Partitur übernommen hat, bedeutet aus meiner Perspektive nicht zwangsläufig, dass es keinerlei Zusammenhang geben kann/darf. Vielleicht ging es ihm schlicht darum, dass Teile des Werkes oder das Werk in seiner Gesamtheit nicht auf diese Textstelle reduziert werden sollten. Wie werden es nicht erfahren.
Der Kontext indes lag mE durch die musikalischen Übernahmen unweigerlich in der Luft. Der Kontext, das ist die Oper „The Pilgrim’s Progress“, mit der Vaughan Williams über Jahre rang (s. des Rois Ausführungen o.), eine Oper, die Vaughan Williams als „Morality“, also als Moralität (= morality play) verstanden wissen wollte, als ein Spiel, das zeigt, wie der Protagonist des Spiels nach der Begegnung mit allerhand Versuchungen dennoch ein tugendhaftes und gottesfürchtiges Leben wählt.
In Kombination hiermit scheint mir der Entstehungszeitpunkt der Symphonie gerade eine wichtige Rolle zu spielen. Ich kann dem an sich zuverlässigen Saremba nicht zustimmen, der im VW-Kapitel seines Buches zur englischen Musik schreibt:
„Doch die außermusikalischen Deutungen, , ließen unberücksichtigt, dass VW bereits 1938 mit der 5. Sinfonie begonnen hatte, also noch bevor sich durch die Bedrohung, die vom faschistischen Deutschland ausging, ein Krieg abzeichnete und bevor man die Auswirkungen der neuesten Waffentechnologie zu spüren begann.“
Es zeichnete sich ’38 kein Krieg ab? Anschluss Österreichs? Anschluss des Sudetenlandes? Münchner Abkommen? Appeasement-Politik Großbritanniens, um unter allen Umständen einen Krieg zu verhindern. Nur, weil Chamberlain meinte „Peace in our time!“ ausrufen zu können und zu müssen, so hieß es doch nicht, dass der Krieg nicht geradezu greifbar in der Luft hing – und zwar überall in Europa.
1943 dirigiert Vaughan Williams dann die Uraufführung seiner Fünften in einem London, das die Schrecken von „The Blitz“ erlebt hatte und er dirigierte ein Werk, das mir, wenn schon nicht religiös (VWs Verhältnis zur Religion ist ein solch problematisches, dass ich es hier weder ausbreiten kann und will), dann aber doch ethisch motiviert zu sein scheint. Doch das Werk ist mE nicht, wie Saremba schreibt, das Abbild einer „herbeigesehnten friedvollen Vision einer glücklicheren Welt“, auch wenn Adrian Boult seinen Eindruck einst ähnlich beschrieb („Vaughan Williams, like all great aritists, is a prophet And when Europe was plunging into war, Vaughan Williams was looking ahead to the world we hoped would emerge .“ Boult on Music. London 1983, S. 63 f.). Sicher, auch mir scheint die Symphonie ein Kind ihrer Zeit zu sein, ein Reflex des (britischen?) Wunsches nach einem (tugendhaften, nach einem „anständigen“) Leben ohne einen weiteren Krieg – ganz so wie er von Königs George V formuliert wurde:
„I will not have another war. I will not! The last one was none of my doing and if there is another one and we are threatened with being brought into it, I will go to Trafalgar Square and wave a red flag myself sooner than allow this country to be brought in.”
Hierzu passt mE auch, dass in der Romanze beispielsweise jene Stelle aus dem „Pilgrim’s Progress“ aufgegriffen wird, an der der Pilgrim ausruft: „Save me Lord! My burden is greater than I can bear.“ Auch die Tatsache, dass es im letzten Satz thematische Verbindungen zur „Dona nobis pacem“ Vertonung VWs gibt, und zwar zu jener Stellen, wo es heißt: „Nation shall not lift up sword against nation“ und „Open to me the gates of righteousness“, sollte man beim Nachdenken über das Werk berücksichtigen. Außerdem muss man sich fragen, warum VW an verschiedenen Stellen des Werkes auf seinen hymn tune „Sine nomine“ Bezug nimmt, der den Text der hymn „For all the Saints“ vertont, in dem sich u.a. folgende Strophen finden:
7. O may Thy soldiers, faithful, true and bold, Fight as the saints who nobly fought of old, And win with them the victor’s crown of gold. Alleluia, Alleluia!
8. And when the strife is fierce, the warfare long, Steals on the ear the distant triumph song, And hearts are brave, again, and arms are strong. Alleluia, Alleluia!
9. The golden evening brightens in the west; Soon, soon to faithful warriors comes their rest; Sweet is the calm of paradise the blessed. Alleluia, Alleluia!
Ebenfalls interessant ist, warum im letzten Satz auf einmal der Choral „All Creatures of our God and King“ eine Rolle spielt, in dem man die folgende Strophe findet:
And all ye men of tender heart, Forgiving others, take your part, O sing ye! Alleluia! Ye who long pain and sorrow bear, Praise God and on Him cast your care!
Aber vielleicht ist Zusammenkunft dieser Elemente in diesem Werk nur purer Zufall.
Wenn es wiederum kein Zufall sein sollte, dann glaube ich bei aller Begeisterung für die Stilisierung des Künstlers zum Propheten nicht, dass VW ernsthaft das Bild eines „post-war-idyll“(vgl. Boult) entwerfen wollte. Vielmehr wird hier – wenn überhaupt – ein Appell formuliert, der dazu auffordert, sich besserer vergangener Tage zu erinnern, den Blick in eine Zeit vor den beiden Kriegen zu richten, in Richtung eines lange verlorenen Idylls, das es nicht mehr gab und so nie mehr geben würde (Philip Larkin formulierte es 1964 in seinem Gedicht „MCMXIV“ noch einmal für die gesamte Nation: „Never such innocence again.“), dessen „morality“ aber eventuell wieder als Orientierungswert für die unmittelbare Gegenwart dienen könne.
Dies korrespondiert mE dann auch musikalisch mit dem altertümlichen Ton dieser Symphonie (John Alexander Maitland: "One is never quite sure whether one is listening to something very old or very new"), der zweifellos von Vaughan Williams intensiver Beschäftigung mit der Musik der (englischen) Renaissance und dem englischen Kirchenlied (1906 war von ihm das "English Hymnal" herausgegeben worden) zeugt. Dass der hier Ton gewordene Wunsch nach einer zumindest ideellen Wiederkehr idyllischerer Zeiten in letzter Instanz schlicht utopisch ist, verschweigt Vaughan Williams aber nicht, kann doch der Schönklang das stetige Gären der Gegenwart nicht wirklich und vollständig unter seiner Oberfläche verbergen. Schlussendlich fällt die Symphonie in ihren letzten Takten auch noch auf sich selbst zurück (Themen des Kopfsatzes brechen in den Schlusssatz), das Werk führt nirgendwohin, eröffnet also keine Zukunft, sondern endet mit dem Blick zurück. Doch das Idyll einer ethisch intakten Vergangenheit, hier repräsentiert durch die altertümliche Form der Passacaglia, hat tatsächlich - das scheint zumindest mir so - keine echt Tragfähigkeit mehr: sie bricht nach wenigen Minuten ab. Konsequent folgt die Auflösung der Musik im Äther. Die Symphonie entpuppt sich mE als eine (eher melancholische?) Meditation über das „Was wäre, wenn…“. Was dann wirklich war, das zeigt (wenn man denn so will) die sechste Symphonie.
:hello Agravain
Agravain (27.12.2012, 16:03): Vor einiger Zeit habe ich angefangen meine Aufnahmen der fünften Symphonie von Ralph Vaughan Williams mit dem Auge in der Partitur durchzuhören. Es ist nicht alle am Markt erhältlichen, einige durchaus populäre, ja vielleicht sogar wichtige sind nicht dabei, sodass mir „die“ Aufnahme des Werkes durchaus entgangen sein kann. Eine Reihe der Aufnahmen wurde auch weiter oben schon genannt. Dennoch möchte ich kurz und in knapper Übersicht wenige meiner Eindrücke zu jenen schildern, die ich gehört habe. Es waren die folgenden, die ich – für Freunde der Statistik – mit ihren Spielzeiten angebe:
Der erste Satz, das Preludio, beginnt unmittelbar mit einem charakteristischen Hornruf im Piano, der in den oben genannten Aufnahmen schon sehr unterschiedlich angegangen wird. So ist Vaughan Williams’ Piano deutlich lauter als beispielsweise Haitinks oder Davis’. Bei den letzteren beiden wird das Motiv fließend, gewissermaßen auf einer Ebene (die punktierte Achtel wird quasi abschattiert) gespielt, der Rhythmus tritt in den Hintergrund. Vaughan Williams selbst macht das nicht, auch Boyd nicht. Stattdessen betonen beide die Achtel sogar recht deutlich. Das hat dann schon einen recht weltlichen „Ruf“-Charakter, wohingegen sich das bei Handley und Haitink und auch Norrington schon eher ätherisch, nicht ganz von dieser Welt anhört. Bei diesen treten die Violinen mit einem lichten Schein hinzu, Boyd holt hier eher einen fahl-gleißenden Ton heraus. Boult, dessen EMI-Aufnahme mir insgesamt am wenigsten interessant erscheint (die ältere Boult-Aufnahme soll wesentlich eindringlicher sein), klingt schon hier belanglos. Überhaupt kann ich mich ür diese Aufnahme kaum erwärmen. Im Verlauf des Satzes wird beim vergleichenden Hören deutlich dass Handley insgesamt dazu neigt, deutlich lauter als notiert spielen zu lassen. Schon beim Eintritt des nächsten wichtigen Motivs bei Ziffer 1 kann man bei ihm kaum von einem Mezzoforte sprechen. Auch Rozhdestvensky liefert ein deutliches Forte. Will man eine genaue Staffelung der einzelnen dynamischen Hinweise hören, so muss man zu Norrington greifen, der diesen Bereich vorbildlich umsetzt. Selbst Boyd, der sich mE an Norringtons Interpretation orientiert, ist lässt im Verlauf des Satzes oft deutlich lauter als vorgegeben spielen (z.B. Ziffer 5 ff.). Davis hingegen nimmt die Lautstärke oft zurück, schrammt aber mE bisweilen hart am Kitsch vorbei, da er oft deutliches Portamento und ein Quäntchen zu viel Vibrato in den Streichern zulässt (z.B. 3 nach Ziff. 5). Haitink, dessen Interpretation des Satzes mich am meisten anspricht entwickelt insgesamt den vollsten Klang, weich, oft sonnig, ohne den Lautstärkehahn aufzudrehen. Er entwickelt Klangkraft durch Fülle nicht durch Druck, hat ein untrügliches Händchen für den Fluss des Werkes. Nirgends hören sich Crescendi und Decrescendi organischer an. Der Allegro-Teil des Satzes (5 vor Ziff. 7) stellt sich auch recht unterschiedlich dar. Vaughan Williams selbst, Rozhdestvensky, Davis und Norrington nehmen zügig Fahrt auf, Handley und Haitinks Übergang zum Allegro ist einigermaßen gemäßigt. Hier nun zeigt Boyd, dass er auch weiß, was Piano bedeutet. Der Verlauf des Abschnitts gestaltet sich bei Vaughan Williams ausgesprochen erregt, Davis und Haitink halten das Drängen zurück und bauen deutlich zum fff-Ausbruch hin auf. Boyd klingt sehr nervös Rozhdestvenskys Gangart ist einigermaßen vehement. Der Aufbau zum eigentlichen Höhepunkt des Satzes beginnt ab Ziffer 12 und es ist Haitink, der mich hier erneut am meisten überzeugt, weil seine Erfahrung mit den großen Spätromantikern mir hier dafür zu sorgen scheint, dass die Klimax des Satzes, die 1 vor Ziff. 14 erreicht wird, von geradezu Brucknerscher Größe und Klangmacht zugt, und zwar ohne ins Kitschige abzurutschen (wie Davis 7 vor 14) oder sonderbar zu verpuffen (Rozhdestvensky). Auch die Rückkehr zur Ausgangsstimmung gelingt Haitink mE am eindringlichsten (man höre sein wunderbar körpervolles Piano bei Ziff. 15), obwohl auch Vaughan Williams und Rozhdestvensky hier ausgesprochen hörenswert sind.
II. Scherzo
„Presto misterioso“ – sehr schnell und geheimnisvoll, so soll der Satz laut Vaughan Williams klingen. Es ist ein spukhaft dahinhuschender Satz, den Vaughan Williams in seiner Aufnahme mit einem so hohen Grundpuls wie nur wenige der späteren Interpreten angeht. Insbesondere Handley scheint wenig Spaß am Satz zu haben. Da klingt viel sehr gemütlich, Freude an der rhythmischen Erregtheit des Satzes hat er nicht. Erst gegen Ende (Ziffer 20) dreht er einmal auf, wobei es dann auch schnell sehr grell und knallig klingt. Boyds Einspielung ist hier ebenso eindrucksvoll wie die Norringtons. Beide sind sehr schnell, sehr spukhaft, sehr am rhythmischen und dynamischen Spiel des Satzes interessiert, wobei Boyd ab und an deutlich aggressivere Akzente setzt (Holz bei Ziff. 2). Davis und Rozhdestvensky spielen den Satz ohne sonderlich individuell zu interpretieren. Haitink lässt streckenweise so erdverbunden spielen (z.B. Ziff. 4), dass nicht selten (wenn auch von Ferne) Brucknersche Scherzi grüßen. Boult fällt gegen alle anderen ab.
III. Romanza
Dies ist mE nicht nur der Kern des Werkes, sondern eines der berückendsten Stücke, die Vaughan Williams überhaupt komponiert hat. Keiner der oben genannten Interpreten musiziert mE wirklich am Satz vorbei, wobei Boult schon sehr nüchtern an die Sache herangeht und den dem Satz innewohnenden Zauber nicht so recht beschwören kann (oder will?). Obwohl Handley sicher den schönsten Klang des Englischhorns zur Verfügung hat (schöner kann man den ersten Einsatz mE kaum spielen), so ist auch hier neben vielem Schönen doch wieder vieles zu laut für meinen Geschmack. Er badet mir durchweg etwas zu stark in einem glänzend-fettigen Klang, der an sich nicht vorgesehen zu sein scheint, aber auch – ich kann es nicht leugnen - einen gewissen Reiz hat. Sehr eindringlich gelingt streckenweise Norringtons Wiedergabe des Satzes, der auch hier größtmögliche Zurückhaltung übt, immer Wert auf ein spannungsvolles Piano legt und sehr fließend musizieren lässt. Lediglich die Dialoge zwischen Oboe und Englischhorn sind von einer eigentümlicher Hektik und Nervosität geprägt, die aus dem lichten Gesamtbild völlig herausfällt. Das macht Boyd für meinen Geschmack schon besser, wobei er schnell dazu neigt zu laut zu werden. Gegen Ende (11 nach Ziff. 7) klingt es sehr unorganisch, nicht nach Wechselspiel der Instrumentengruppen, sondern nach Gegenüberstellung von Klangblöcken. Der Höhepunkt kurz nach Ziffer 10 klingt bei ihm vielleicht am ehesten nach Soundtrack, der Abgesang kann dann auch einen Hang des Dirigenten zum Kitsch nicht verleugnen, ein Problem, das sich auch in Davis’ an sich sehr gelungenen Wiedergabe einstellt. Vaughan Williams geht schlicht an diesen Satz. Bisweilen beachtet er seine eigenen dynamischen Notierungen nicht (lauter) und ist sehr vorsichtig, was die Herausschälung von Höhepunkten angeht. Wo Handley zur Opulenz neigt, da fehlt Vaughan Williams hier und da der Mut zum Auskosten des Wohlklangs der eigenen Komposition. Mein Favorit ist auch hier – der Leser wird mittlerweile eine Tendenz ausmachen können - Haitink. Allein wie die Streicher zu Beginn aus dem Off hervorleuchten, dann der melancholische Einsatz des Englischhorns, das großartige Legato, die Ruhe und Tiefe des Gefühls, das Gespür für die Architektonik des Satzes, das Ohr für den lyrischen Ton, die Unaufgeregtheit und Sicherheit in der Vorbereitung der Höhepunkte und die Verklärung der letzten Töne – für mich macht Haitink hier alles richtig, verinnerlichter kann man das mE nicht musizieren.
IV. Passacaglia
Der letzte Satz zeigt mE Handley mit den Schwächen, die auch schon die vorherigen drei Sätze bestimmt haben. Wenig Freude am Rhythmischen, bisweilen zu fett, aber dann noch wieder mit echtem Sinn für Momente, beispielsweise beim deutlichen Stimmungswechsel 4 vor Ziffer 9 der ihm mindestens ebenso gut gelingt wie Haitink, der bei eigentlich allen anderen aber ausnahmslos seltsam beiläufig erscheint. Boyd und Norrington hingegen haben sichtlich Freude am Rhythmus, wobei Boyd mE einige eigentümliche Entscheidungen bei der Gestaltungen der Horn- und Klarinettensoli trifft. Rozhdestvensky gelingt 5 vor Ziff. 5 der Stimmungswechsel hin zum renaissanceartig aufsteigenden Hymnus am eindringlichsten. Der Abgesang des Satzes, der sich wie eine große Auflösung gestaltet, gelingt eigentlich allen Dirigenten klangschön, aber doch unterschiedlich intensiv. Handley, Haitink und Rozhdestvensky beweisen mE am meisten Sinn für den Ton dieser Musik und den Mut, eben diesen auszukosten. Vaughan Williams selbst ist das deutlich vorsichtiger, Davis ebenso und Boult wirkt auf mich unbeteiligt.
:hello Agravain
Maurice inaktiv (13.03.2013, 05:54): Es ist schon so viel Richtiges hier geschrieben worden,dass ich meine Favoriten kurz nennen möchte :
1. Vernon Handley -einfach insgesamt unerreicht
2. Sir Adrian Boults späten EMI-Einspielungen - Authentisch,da er von VW mit einigen Uraufführungen selbst betraut wurde.
3. Sir Andrew Davies - weil er auch die Feinheiten herausgearbeitet hat,obwohl er sonst doch recht neutral dirigiert.
4. Die GE von Leonard Slatkin,die hier noch überhaupt nicht erwähnt wurde.,weil er wohl vielen Leuten als zu "amerikanisch glatt" rüberkommt.
Seine Aufnahmen sind aber durch das Ausspielen und gründliche Einstudieren,gepaart mit einer hervorragenden Aufnahmetechnik ein Musterbeispiel an Werktreue,mit der er aber letztendlich bei VW auch gnadenlos gescheitert ist!!!
Durch seine Einspielung der 3.Sinfonie,zusammen mit der Vierten und "Fantasia on Greensleeves" bin ich auf diesen genialen Komponisten aufmerksam geworden.
Das prägt eben sehr,also möchte ich seinen Zyklus nicht missen.
5. Die GE durch Naxos,die ja auch hier bereits punkten konnte.
Maurice inaktiv (14.03.2013, 22:21): Ich habe die Previn-Aufnahmen aus den 70-ern unterschlagen.Sie gehören natürlich auch erwähnt.
Habe mir mal Norringtons Aufnahmen der 3. & 5. Sinfonie gekauft.Die war gerade günstig zu haben bei Amazon....
Meine Lieblings-Sinfonie ist die Nr.3 .Wie er hier mit ruhigen Tempi,unglaublichen Harmonien unter die Melodien gelegt hat,ist schon höchst bemerkenswert....
Sfantu (27.03.2013, 19:49): Hallo zusammen,
weiss jemand (möglichst genau), wann Boult seinen ersten VW-Zyklus (Decca) eingespielt hat?
Da ich mein schwarzes Gold nicht öfter als nötig abnutzen möchte, überspiele ich Vieles für den Alltagskonsum von LP auf Minidisc. Gerade komme ich auf diesem Marathon bei Vaughan-Williams an. Viele Labels veranstalteten gern ein Versteckspiel, was genaue Datierungen anging. In der Anfangszeit der CD war das nicht anders als eben beispielsweise in den ersten Jahren der Stereo-Ära, wenn es darum ging, Bewährtes & Begehrtes aus den Back-Katalogen für das neue oder "verbesserte" Format erneut zu vermarkten (oder freundlicher gesagt: wieder zugänglich zu machen). Eine löbliche Ausnahme die EMI: Die Aufnahmedaten für den zweiten Boult-Zyklus sind exakt und unverblümt angegeben (1968/69). Im Falle der älteren Decca-Totalen aber das übliche Ärgernis: Als Produktionsjahr (Sinfonien Nr. 3 & 5) wird 1972 genannt. Das mag für diese Auflage in der Eclipse-Reihe zutreffen. Wer intakte Ohren mit sich führt, merkt jedoch schnell, dass wir es hier mit einem Mono-Schätzchen zutun haben, das nachträglich stereophonissimo neu überspielt wurde (im 90° versetzten & an den Rand gedrängten Kleingedruckten wird das dann auch zugegeben).
Für die Etikettierung meiner Kopien mach' ich gern genaue Angaben zu Namen, Ort & Zeit - drum meine Frage.
Vielen Dank im voraus und herzliche Grüsse
Sfantu
Maurice inaktiv (27.03.2013, 21:07): Nur ungenau,aber die Angabe habe ich gerade aus dem Gramophone Classical Good CD&DVD-Guide heraus :
GE von 1952-1958
Symphony No. I (A Sea Symphony) Isobel Baillie, John Cameron, London Philharmonic Choir, LPO, Decca, 1954 Sheila Armstrong, John Carol Case, London Philharmonic Choir, LPO, HMV, 1968 Symphony No. 2 (A London Symphony) LPO, Decca, 1952 LPO, HMV, 1971 Symphony No. 3 (Pastoral) Margaret Ritchie, LPO, Decca, 1953 Margaret Price, NPO, HMV, 1968 Symphony No. 4 LPO, Decca, 1955 NPO, HMV, 1968 Symphony No. 5 LPO, Decca, 1954 LPO, HMV, 1970 Symphony No. 6 LSO, HMV, 1949 LPO, Decca, 1954 NPO, HMV, 1967 Symphony No. 7 (Sinfonia Antartica) Margaret Ritchie, (superscriptions spoken by John Gielgud) LPO, Decca, 1954 Norma Burrowes, London Philharmonic Choir, LPO, HMV, 1970 Symphony No. 8 LPO, Decca, 1960 LPO, HMV, 1969 Symphony No. 9 LPO, Everest, 1960 LPO, HMV, 1970 Thanksgiving for Victory: Luton Choral Society, LPO, HMV, 1953 Towards the Unknown Region: Sheila Armstrong, John Carol Case, London Philharmonic Choir, LPO, HMV, 1974 The Wasps, incidental music LPO, Decca, 1954 LPO, HMV, 1968
aus : From Wikipedia, the free encyclopedia
VG,Maurice
Sfantu (28.03.2013, 07:52): Hallo Maurice,
vielen Dank - super Service! Nochmal nachgefragt (Ich leb' halt so'n bisschen hinter'm Mond): soweit ich das sehen kann: diesen Grammophone Classical Good CD & DVD-Guide - gibt's den nur in Papierform? Am Ende gibst Du dann noch Wiki als Quelle an - bin deswegen etwas verpeilt...
VG - Sfantu
Maurice inaktiv (28.03.2013, 08:27): Guten Morgen,verpeilter Sfantu!! :D
Frage mich mal....Das ist überhaupt nicht meine Zeit,so acht Uhr am Morgen....
Ich hatte zuerst mich auf andere Art bemüht Dir zu helfen,dann aber einen anderen Weg eingeschlagen.Deshalb gab es die beiden Quellenangaben.
De erste Weg hat mich dann auf den nächsten Weg quasi "geführt"....
Das passt also so wie es ist.....Die lange und genaue Beschreibung stammt dann von Wigipedia.
Ich kenne die Dinger nur als dicke Wälzer in Buchform.Über Amazon kannst Du die Dinger der älteren Jahrgänge auch günstig kaufen.Bei mir stehen drei Stück herum,die man durchaus immer mal wieder gebrauchen kann.
Allerdings sind die ausgesuchten Werke sehr stark "britenlastig",was heißen soll,dass man da eine wohl nicht immer ganz so neutrale Sichtweise gewählt hat.
Oftmals bekommt man aber auch interessante Aufnahmen geboten,auf die man selbst nicht gekommen wäre.
Auch hier gilt,wie immer,wenn man sich der Fachpresse bedient,ein gewisses "Händchen" für die einzelnen Einspielungen zu haben.
Früher hatte ich mehrere Fachzeitungen über Jahre hinweg gesammelt,so dass ich doch einen gewissen Gesamtüberblick hatte.So waren außer dem Fono-Forum noch Scala,Klassik Heute,Crescendo,Rondo,Gramophone,FM Classic und das BBC Music Magazine bei mir vertreten (die englischen Zeitungen aber nicht ganz so regelmäßig),dazu noch Jazz Podium,usw....
Doch diese Hefte habe ich dann mit der Zeit entsorgt,da das I-Net doch in den Vordergrund gerückt ist.Manchmal bedauere ich das,aber es geht auch so ganz gut.