ungläubig habe ich vor einigen Tagen festgestellt, dass bisher weder hier noch im Capriccio-Forum ein Thread zu René Pape existierte. Zu wenig bekannt kann er dafür eigentlich nicht sein. Also vermutlich zu gut bekannt? Oder keine Fans hier? Ich bin es jedenfalls spätestens geworden, seit ich den Opernfilm "The Magic Flute" von Ken Branagh mit René Pape als Sarastro gesehen habe.
René Pape wurde 1964 in Dresden geboren. Seine Eltern trennten sich, als er zwei Jahre alt war. Er wuchs bei seiner Großmutter in Dresden auf, die er als begeisterte Oper- und Konzertbesucherin beschreibt, die ihm den Weg zur Musik gebahnt habe. Mit 9 Jahren wurde er Mitglied des Dresdener Kreuzchors, mit 24 Jahren Ensemblemitglied der Berliner Staatsoper, der er heute noch angehört. 1991 sang er unter Sir Georg Solti bei den Salzburger Festspielen als jüngstes Mitglied im Sängerteam den Sarastro. Seitdem ist er ein international gefragter Opernsänger. Zu seinen großen Rollen gehören auch Leporello, Don Giovanni, Figaro, Rocco, Escamillo, Mephisto (Faust), Ramphis, Filippo, Fafner, Fasolt, Hunding, König Heinrich, Pogner, König Marke, Gurnemanz, Wotan (Rheingold und Walküre, erst seit kurzem), Orest und Boris Godunov.
René Pape hat weder die ungeheure Koloraturgeläufigkeit des (jungen) Samuel Ramey noch die tiefen Orgeltöne z.B. der großen finnischen Bässe Martti Talvela oder Matti Salminen, aber er hat etwas anderes: eine unglaublich wohlklingende Stimme mit einem wundervollen Legato. (Genau diese Eigenschaften sind mir in dem genannten Zauberflöten-Film bisher am stärksten aufgefallen, z.B. "http://www.youtube.com/watch?v=2ex0FBCqoYA") Darüber hinaus kann er mit seiner Stimme nicht nur "schönsingen", sondern eine große Palette an Emotionen abrufen: Bissigkeit, Power und ironische Eleganz in Mephistorollen, tiefe Traurigkeit in König Philipps "Ella giammai d'amo", Zerrissenheit bis zum Wahnsinn in seinem Boris Godunov.
Er nimmt auch die schauspielerische Seite des Opernsängers sehr ernst und hat eine umwerfende Bühnenpräsenz: René Pape gehört zu den Opernsängern, die auftreten und vom ersten Moment an voll da sind, die eine Aura mitbringen. Eine Interviewfrage, ob es Parallelen gebe zwischen ihm und den Figuren, die er verkörpere, beantwortete er mit: "Das ist ein Geben und Nehmen, von jeder Figur ist von mir etwas drin und umgekehrt." Das trifft m. E. den Nagel auf den Kopf. In vielen Opernrollen von René Pape entdecke ich ein ihm eigenes Profil, er würzt seine Rollen gerne mit einem kräftigen Schuss (Selbst)Ironie - wenn es passt und man ihn lässt, denn er spielt sich nicht zwanghaft in den Vordergrund. Umgekehrt habe ich den Eindruck, dass er sich mit den Charakteren hinter seinen Rollen intensiv beschäftigt und sich dann auch von diesem Ergebnis inspirieren lässt.
Den Titel dieses Threads habe ich einem Interview mit René Pape anlässlich des Jubiläums "25 Jahre NEUE STIMMEN" von 2012 entnommen, in dem er immer wieder betont, dass Singen (aus seiner Sicht) trotz oder gerade wegen aller harten Arbeit zuallererst Spaß machen müsse. Wenn man ihn auf der Bühne sieht, glaubt man ihm das aufs Wort. Überhaupt kommt René Pape für mich in allem was er tut, auch in seinen Interviews, sehr authentisch, sehr "echt", unverkrampft und mit überdurchschnittlich viel "Bodenhaftung" rüber. (Eines der für mich interessantesten kann man hier nachlesen: "http://planet-interview.de/rene-pape-19092008.html")
Ich hoffe, dass er der Oper noch lange erhalten bleibt.
VG, stiffelio
Schweizer (26.01.2013, 17:02): Hallo stiffelio, ich bin mir bewusst, dass René Pape eine grosse Fangemeinde hat, Du ihn magst (soll auch weiterhin so bleiben), ich habe ordentlich Mühe seinen Ruhm zu begreifen, aus folgenden Gründen: 1) "René Pape hat weder die ungeheure Koloraturgeläufigkeit des (jungen) Samuel Ramey noch die tiefen Orgeltöne z.B. der großen finnischen Bässe Martti Talvela oder Matti Salminen, aber er hat etwas anderes: eine unglaublich wohlklingende Stimme mit einem wundervollen Legato." ... - Eben, für mich ist er schon mal kein richtiger Bass, sondern ein Bassbariton, was schon dadurch bewiesen wird, dass er vor Jahren an der MET den schwierig zu singenden Escamillo hochanständig gesungen hat; da fand ich ihn hervorragend. - Die Schlussphrase Philipps in der Auseinandersetzung mit dem Grossinquisitor in Verdi's Don Carlo "Dunque il trono piegar dovrà sempre all'altare" macht Pape Mühe, das tiefe f zum Schluss schwächelt, ist kaum hörbar, weil er kein tiefer oder schwarzer Bass ist. - die Stimme ist zugegebenermassen wohlklingend, aber damit hat es sich schon für mich. 2) "Darüber hinaus kann er mit seiner Stimme nicht nur "schönsingen", sondern eine große Palette an Emotionen abrufen: ... tiefe Traurigkeit in König Philipps "Ella giammai d'amo"." ... Ich habe ihn vor einem Jahr an der Bayerischen Staatsoper gehört und gesehen und just Philipps Grosse Szene hat mir sowohl gesanglich wie darstellerisch missfallen (siehe meinen ausführlichen Bericht über die Münchner Aufführung). 3) "Er nimmt auch die schauspielerische Seite des Opernsängers sehr ernst und hat eine umwerfende Bühnenpräsenz: René Pape gehört zu den Opernsängern, die auftreten und vom ersten Moment an voll da sind, die eine Aura mitbringen." ... Diese Aussage kann ich schlicht nicht nachvollziehen, denn auf mich wirkt René Pape darstellerisch höchst diskret, schon eher langweilig, von einer umwerfenden Bühnenpräsenz und einer Aura kommt rein gar nichts bei mir an, zu mir rüber. (Dazu folgendes Aperçu: in einem Don Giovanni wurde er von seinem Leporello Bryn Terfel ausdrucksmässig und darstellerisch klar ausgestochen, zur Nebensache degradiert) Ich bin dafür bekannt, dass mir hyperaktives Acting Stil Dessay, Petitbon, Villazon auf den Keks geht, R.Pape aber weist meiner Meinung nach darstellerisch eindeutig ein Defizit auf. Résumé: ein guter Sänger (kein eigentlicher Bass), ein mittelmässiger Akteur. Stiffelio, bitte meinen Beitrag nicht als persönlichen Angriff auf Dich, sondern nur als eine gegensätzliche Ansicht auffassen. Gruss vom Schweizer
stiffelio (26.01.2013, 18:10): Hallo Schweizer,
keine Sorge, ich habe kein Problem mit kontroversen Ansichten, zumal es ja erfahrungsgemäß spätestens bei den darstellerischen Fähigkeiten eines Opernsängers meist sehr subjektiv wird, was einem gefällt und was nicht. Ich gehe mal davon aus, dass die Mehrheit aller Opernsänger sich auch um eine glaubhafte Darstellung bemüht und was davon dann beim Einzelnen im Publikum ankommt, wird immer höchst unterschiedlich sein. Nur aus Interesse: du kennst doch sicher auch Pape als Mephisto (Faust) in den Aufnahmen aus Orange und aus der MET? Würdest du ihm da immer noch ein darstellerisches Defizit attestieren??
Dass Pape in der tiefsten Tiefe nicht seine herausragenden Stärken hat, darüber sind wir uns ja durchaus einig. Es kann halt nicht jeder ein tiefschwarzer Bass sein. Seine anderen gesanglichen Qualitäten machen das für mich mehr als wett.
Seinen Münchener Philipp kenne ich zwar nicht live, aber von Konserve. Die Darstellung in seiner großen Arie begeistert mich auch nicht durchgehend, das würde ich aber nicht Pape sondern dem Inszenierungskonzept in diesem Punkt anlasten. Ich gehe davon aus, dass der Regisseur Philipp in dieser Szene so dargestellt haben wollte und Pape das schlicht und einfach umgesetzt hat. Immerhin HAT er etwas umgesetzt und nicht einfach nichts gemacht. Ist aber ein Punkt, über den wir sicher nicht zu streiten brauchen. Meine Lieblingsaufnahme des "Ella giammai..." ist dieser Link: "http://www.youtube.com/watch?v=QQTNdi-zX0g". Ist aber sicher auch nicht jedermanns Geschmack, ich kann gut akzeptieren, wenn dir diese Art zu singen nicht gefällt.
Zu Pape als Don Giovanni: da habe ich bisher keine Bildmaterial irgendeiner Aufführung finden können (nur als Leporello), kann also zu seiner Darstellung nichts sagen. Aber falls ich etwas übersehen habe, wäre ich für einen Tipp von dir dankbar.
Da es nun 1:1 steht, fühlen sich ja vielleicht noch andere Forumsmitglieder zu einer Stellungnahme zu René Pape herausgefordert... :wink
VG, stiffelio
Schweizer (26.01.2013, 18:51): Hallo stiffelio, nein, ich kenne R.Pape nicht als Mephisto. /// Danke für den Philipp-Link: da ist er stimmlich besser drauf als letzten Januar in München; diese seine Interpretation hat für mich etwas weinerliches an sich, ich erwarte eher Resignation und Trauer im Ausdruck. /// Es gibt kein Bildmaterial vom mir besuchten semi-szenischen Don Giovanni mit Pape und Terfel. /// Fällt mir gerade jetzt noch ein: es gab mal am TV eine Elektra aus Salzburg mit Theorin und Pape als Orest: auch da konnte ich nicht übertrieben viel ihm anfangen, er kam mir zu reserviert, schon wieder darstellerisch fad vor, ich nahm ihm den Rächer nicht ab. Gruss vom Schweizer
Billy Budd (26.01.2013, 18:53): Original von stiffelio Da es nun 1:1 steht, fühlen sich ja vielleicht noch andere Forumsmitglieder zu einer Stellungnahme zu René Pape herausgefordert... :wink Ich find ihn auch nicht so toll. Billy :hello
Ingrid (26.01.2013, 19:02): Lieber Schweizer,
neben Terfel in der Rolle des Leporello als "Schlaftablette" (im übertriebenen Sinn) zu wirken, ist sicher nicht verwunderlich. Nicht viele werden sich da behaupten können.
Aber jetzt geht es ja um René Pape und ihn habe ich vorallem als König Marke unglaublich gemocht. Er hätte stundenlang singen können und es wäre mir nie langweilig geworden. Er ist vielleicht vom Gesichtsausdruck nicht so beweglich wie gerade BT, aber in die Stimme kann er doch jede denkbare Gefühlsregung sehr gut einbringen. Also mich bewegt er stark, auch als Philipp im Münchner DC. Meist erlebte ich in den Bassrollen Matti Salminen und mit dessen finnischer Aussprache hatte ich halt immer enorme Probleme, auch wenn er natürlich die entsprechende Tiefe hat. Nobody is perfekt, aber mir ist, gerade in den Wagneropern, eine gute und verständliche Aussprache dann doch um einiges lieber.
Er gehört auf jeden Fall immer zu den Sängern, die ich nach Möglichkeit, so sie in München auftreten, nicht verpassen möchte. Leider habe ich jetzt erst entdeckt, dass ich ausgerechnet zum Don Carlo in den Festspielen und dieser grandiosen Besetzung (Harteros, Ganassi, Kaufmann, Pape, Kwiecien)unterwegs bin. Karten habe ich natürlich schon bestellt und muss jetzt tatsächlich hoffen, dass ich keine bekomme.
Herzliche Grüße Ingrid
stiffelio (27.01.2013, 15:23): Hallo Schweizer,
ich habe nochmal intensiv gebuddelt und zu meinem Bedauern festgestellt, dass alle "langstreckigen" YT-Links zu den beiden FAUST-Aufführungen in Orange und an der MET mittlerweile nicht mehr aktiv sind. An der MET hat mir die Darstellung von Pape eher noch besser gefallen, vor allem im dritten Akt. Einen klitzekleinen Einblick bietet http://www.youtube.com/watch?v=WUgoMzkaSoE (Le veau d'or aus Orange). Darstellerisch nicht eine der besten Stellen aber als defizitär würde ich sie auch nicht bezeichnen.
Ansonsten bleibt mir nur wieder der Verweis auf den Zauberflöten-Film, obwohl der natürlich nicht richtig gilt, weil er nun mal ein Film ist und keine Opernaufführung. Aber ab 53:50 in diesem Link "http://www.youtube.com/watch?v=XT62KLvzGZU" bietet Pape einen ganz anderen als den üblichen Sarastro und (für mich) alles andere als langweilig.
Ich kenne übrigens auch einen halbszenischen Don Giovanni mit Terfel und Pape (Verbier), aber da spielt Terfel den Don Giovanni und Pape den Leporello.
Hallo Billy, in welchen Rollen hast du Pape denn erlebt?
Hallo Ingrid, aber in die Stimme kann er doch jede denkbare Gefühlsregung sehr gut einbringen. :times10
VG, stiffelio
Severina (27.01.2013, 16:00): Meine Meinung zu René Pape ist ziemlich neutral: Er hat mir noch nie missfallen, mich aber auch noch nie so mitgerissen, dass ich hätte sagen können "So und nicht anders gehört das gesungen!" Sein Philipp an der WSO hat mir sehr gut gefallen, bei dieser Partie ist mir ein ausdrucksvolles "Ella gammai..." wichtiger als der Kellerton in der Inqisitorszene. ass er den nicht hat, darin besteht ja Einigkeit.
Im Übrigen hat es Stiffelio auf den Punkt gebracht: Ein Sänger muss einen berühren und seine Figur vokal und darstellerisch glaubhaft vermitteln können. Warum das X schafft und Y nicht und warum es ein anderer genau umgekehrt empfindet, entzieht sich wohl jeder rationalen Erklärung. (Eine Freundin hat mir eben ihre jüngste Calleja-CD geborgt, und ich weiß auch nach fünfmaligem Anhören nicht, was sie an ihm findet :ignore)
lg Severina :hello
stiffelio (29.01.2013, 20:19): Original von Severina ...mich aber auch noch nie so mitgerissen, dass ich hätte sagen können "So und nicht anders gehört das gesungen!"
Liebe Severina,
und was hältst in diesem Zusammenhang von diesen 5 Minuten? (Der Dämon, Rubinstein): http://www.youtube.com/watch?v=uTBlxp4t2ho (abgsehen davon, dass du YT-Links prinzipiell nicht magst :wink)
VG, stiffelio
Schweizer (29.01.2013, 22:11): Hallo stiffelio, Du hast mich zwar nicht angesprochen, aber ich habe mir den Ausschnitt angehört: stellt betreffend Höhe oder Tiefe schlicht keine Anforderungen an den Sänger, da vom Höreindruck her alles bequemst in der Mittellage liegt; ich würde fast schwören, dass der höchste Ton nur ein c ist. Ich habe vor Jahren den "Dämon" in Zürich gehört, müsste aber in die Bücher gehen um herauszufinden wer damals diese Partie gesungen hat. Aber zurück zum Vortrag von Pape: er tönt äusserst gepflegt. Und da das kein Schaustück ist, das jeder Bass, der was auf sich hält, glaubt singen zu müssen, sind Quervergleiche praktisch unmöglich. Gruss vom Schweizer
stiffelio (29.01.2013, 22:45): Original von Schweizer ich würde fast schwören, dass der höchste Ton nur ein c ist Du brauchst nicht zu schwören, die Noten sind ja mit abgebildet und der höchste Ton ist demnach ein des, aber nur zweimal ganz kurz :wink.
zum Vortrag von Pape: er tönt äusserst gepflegt. so kann man es natürlich auch ausdrücken :J
VG, stiffelio
Schweizer (29.01.2013, 22:54): Hallo stiffelio, ich habe nur zugehört um von gar nichts abgelenkt zu werden. Danach habe ich den Kommentar, der unter dem Ausschnitt steht, gelesen: das sei oder sollte eine Vorsingarie sein: völlig daneben, denn jeder Intendant/Dirigent, der einen Bassisten sucht, will Höhe und Tiefe hören! Jetzt will ich doch nachfragen was Du denn zu dieser Dämon-Arie und Pape's Interpretation sagst?
stiffelio (30.01.2013, 08:08): Hallo Schweizer,
eigentlich nichts anderes als bereits in meinem ersten Posting: eine unglaublich wohlklingende Stimme mit einem wundervollen Legato Höhe und Tiefe war mir ehrlich gesagt in diesem Zusammenhang egal - ich bin ja weder Intendant noch Dirigent :wink.
VG, stiffelio
Schweizer (30.01.2013, 17:17): Hallo stiffelio, täusche ich mich vielleicht: ich dachte Deine Absicht war Severina oder wer auch immer nicht so von R.Pape schwärmt mittels einer Arie zu begeistern suchen, sie/ihn in Dein Fan-Lager rüberzuziehen? Mit diesem Ausschnitt aus Rubinstein's Dämon ist Dir das bei mir gründlich misslungen. Aus folgenden Gründen: a) ich kann nicht russisch b) ich habe die Handlung des Dämon nicht präsent c) diese Arie gibt nichts her (im Sinne eines Bravourstücks oder dass man mit einer Bombenhöhe oder einer schwarzen Tiefe den Hörer beeindrucken könnte). Genau deshalb habe ich den Kommentar unter dem YT-Ausschnitt angezweifelt, der suggerieren will, diese Arie sollte zu einer Audition-Arie deklariert werde. Und Du hast mein "er tönt äusserst gepflegt" mit Deiner Replik "so kann man es natürlich auch ausdrücken" schon in die richtige Richtung interpretiert ... ich empfinde dieses Stück Musik, so wohlklingend René Pappe es mit Legato singt, aus Unkenntnis um was es geht, als fünf Minuten der elegischen, gepflegten Langeweile, sorry. / In Zürich war damals in der Spielzeit 1998/99 V. Fedossejew Dirigent, J.Kozlowska/Tamara, Y.Naef/Engel, St.Kaluza/Amme, E.Silins/Dämon, P.Beczala/Prinz Sinodal und G.Götzen/Fürst Gudal. Gruss vom Schweizer
stiffelio (30.01.2013, 19:46): Hallo Schweizer,
sind wir nicht alle vor allem aus einem Grund hier: um uns über das auszutauschen, was uns (meistens) Freude macht und uns begeistert? Dass dann natürlich auch Momente des Missvergnügens dabei sein können, liegt in der Natur der Dinge. Beides hat aber aus meiner Sicht nichts mit "rüberziehen" in irgendwelche "Lager" zu tun, diese Bezeichnungen klingen mir viel zu gewaltsam. Dir sei deine Meinung über Pape oder irgendwelche konkreten Stücke genauso unbenommen wie mir meine. Dass ich mich darüber freue, wenn Begeisterung geteilt werden kann, ist - denke ich - ebenfalls völlig natürlich. Aber auch das hat nichts mit "rüberziehen" zu tun. Nur mit "geteilte Freude ist doppelte Freude". Dass ich meine Freude über Pape mit dir nicht teilen kann, ist mir allerdings schon klargeworden. Keine Katastrophe - vielleicht treffen wir uns ja bei einer anderen Gelegenheit :wink.
VG, stiffelio
Schweizer (30.01.2013, 20:10): Hallo Stiffelio, recht hast Du, bei R.Pape kommen wir nicht zusammen (let's agree to disagree!) und auch ich hoffe, dass wir bei anderer Gelegenheit uns zusammen freuen können! :beer :thanks Gruss vom Schweizer
Schweizer (31.01.2013, 13:19): Hallo stiffelio, ein Nachtrag: vielen Dank für den mir zugesandten Link mit dem Ausschnitt "le veau d'or" aus Orange, den hatte ich - mea culpa - völlig übersehen; und hier nun finde ich René Pape stimmlich sehr überzeugend und darstellerisch geht er endlich mal aus sich heraus ... das weckt positive Erinnerungen an seinen, wie schon mal erwähnt, ebenfalls gut gelungenen Escamillo an der MET vor circa 10 Jahren. Gruss vom Schweizer
ar (31.01.2013, 13:37): Hallo zusammen! Ich mag Rene Pape auch sehr, besonders als Wotan, Marke und als Mephisto (eigentlich jeden, den er gesungen hat). Mir gefällt auch sein Sarastro, verstehe aber, wenn man eine so helle Stimme in dieser Partie nicht mag.
Mir gefällt sein Spiel auch (habe ihn aber noch nie live gesehen), er macht lieber zu wenig, als zu viel und das ist mir sehr sympatisch (ähnlich sehe ich es bei Kaufmann).
LG :hello ar
PS: Lieber Schweizer, ich mag Petibon und Dessay sehr, finde aber auch, dass beide manchmal ein bisschen zu viel machen. Aber beide haben mich auch schon völlig verzaubert. Trotzdem steht mir persönlich Veronique Gens näher, als diese beiden. Aber jetzt sind wir OT.
stiffelio (31.01.2013, 19:43): Hallo Schweizer,
toll, das hätte ich gar nicht mehr zu hoffen gewagt :wink. Das macht mir Mut gleich noch einen anderen Link von "Le veau d'or" hinterherzuschießen (war mein allererster, den ich mir schon vor Urzeiten zu Pape gespeichert hatte, als ich mit seinem Namen noch gar nichts anfangen konnte): http://www.youtube.com/watch?v=Lm3yUB4NR9o Da ist Pape natürlich noch jünger und es ist eine konzertante Aufführung. Von der (auch vokalen) Darstellung her finde ich ihn noch furioser, allerdings auch etwas weniger subtil. Was meinst du? Gefällt er dir da besser oder schlechter als in Orange?
VG, stiffelio
Schweizer (31.01.2013, 20:35): Beide Versionen haben was für sich: in der Nachgereichten besticht das jugendlich-ungestüme Draufgängertum, die Orange-Version ist reifer und ökonomischer/subtiler; wenn ich mich entscheiden müsste, fiele die Wahl auf Orange. Nochmals, das liegt ihm, da find ich ihn echt stark!
stiffelio (31.01.2013, 20:53): ...was lange währt... :leb Mein Weg zu Pape ging definitiv auch über seinen Mephisto, zuerst an der MET und dann in Orange (obwohl er ihn chronologisch anders herum gesungen hat). Das waren die ersten Begegnungen, die sich bei mir so richtig eingekratzt haben.
VG, stiffelio
palestrina (01.02.2013, 22:35): Hallo zusammen! Ich muss es jetzt noch loswerden! Habe eben die neue Walkuere angehört . Rene Pape singt den Wotan , und ich bin hin und weg, Terfel war ja bisher mein lieblings Wotan aber das hat sich heute geändert . Mit welch einem sinnlichen Legato Pape singt ist einfach Grandios . Der Augen leuchtendes Paar , da steckt soviel Liebe drin. Auch bei "der freier als ich , der Gott" betont er das Gott nicht so wie viele andere, sondern es ist ganz berueckend , fast zärtlich , als wollte er sagen , ich bin zwar der Gott aber auch Liebender . Auch die Schlusszeile "so kuesst er die Gottheit von dir" beinhaltet den ganzen Schmerz den Wotan empfindet.
Das Orchester ist Großartig , und Gergiev macht seine Sache sehr gut! Über das restliche später.
LG palestrina
stiffelio (02.02.2013, 15:02): Hallo palestrina,
ich kenne Papes Wotan leider nur von früheren Aufnahmen. Hat er seine Interpretation z.B. gegenüber dieser hier von 2008 http://www.youtube.com/watch?v=pY5wD0WeZWI nochmal wesentlich geändert? Pape ist einer der wenigen Sänger, die ich mir auch gerne auf Audio anhöre, weil ich ebenfalls finde, dass er soo viel allein mit seiner Stimme ausdrücken kann.
Dann will ich noch gleich die Gelegenheit nutzen, eine von Schweizer bemängelte Lücke zu Rubinsteins Dämon zu schließen :wink, dessen Romanze Pape im o.g. Link "http://www.youtube.com/watch?v=uTBlxp4t2ho" singt. a) ich kann nicht russisch b) ich habe die Handlung des Dämon nicht präsent Die Handlung finde ich in diesem Link http://www.boosey.com/pages/opera/moredetails.asp?site-lang=de&musicid=27789 sehr gut und knapp zusammengefasst: "Zwischen Himmel, Hölle und Erde angesiedelt ist die Handlung des Dämon – genau wie der Dämon selbst, der gefallener Engel und innerlich zerrissener Charakter, verneinende Macht und Widersacher des Engels zugleich ist. Nicht fähig zu demütiger Liebe, verliebt er sich in Tamara, die im Begriff ist den Sohn des Fürsten Gudal zu ehelichen, und bringt den Bräutigam um. Die Braut flieht in ein Kloster und bekommt Besuch vom Dämon (an diese Stelle gehört die von Pape gesungene Romanze "Im Ozean des Himmels"), der dem Bösen den Rücken zu kehren verspricht und ihr Ewigkeit und grenzenlose Macht an seiner Seite in Aussicht stellt. Tamara, der Versuchung erlegen, stirbt an seinem Kuß. Im Streit um ihre Seele hat der Dämon gegen den Engel das Nachsehen, denn "wer liebt, gehört dem Paradies". Für den Dämon bleibt alles beim alten: Er lebt weiterhin in ewiger Verdammnis und verliert die Hoffnung in Gestalt Tamaras, mit der er die Einsamkeit, die Liebessehnsucht, den Wissensdrang und die aus allem resultierende quälende Trauer teilte."
Der Text der Romanze lautet auf russisch: "Na vazdúshnam akeánye, Biez ruliá i biez vietríl, Tíkha plávaiut vtumánye Khórî stróinîe svietíl; Sried’ paliéi nyeabazrímîkh Vnyébie khódiat biez sliedá Ablakóv nyeulavímîkh Valaknystîe stadá. Chas razlúki, chas svidánya Im ny rádast’, ny piechál; Im vgriadúshchem nyet zhelánya, . Im prashédsheva nye zhal’. Vdien’ tamítiel’nî nyeschástia
Tî o nykh lish vspamiany; Bud’ kziemnómu biez uchástia I biespiéchna, kak any!
Lish tól’ka noch svaím pakróvam Vierkhí Kavkáza asienyt, Lish tól’ka mir, valshébnîm slóvam Zavarazhónnî, zamalchít; Lish tól’ka miésiats zalatói Ízza garî tikhón’ka vstányet - I na tiebiá ukrádkai vzgliányet, Ktiebié ia stánu prilietát; Gastít’ ia búdu dadien’nytsî I na shelkóvîe riesnytsî Snî zalatîe navievát’!… "
und in deutscher Übersetzung (nein, ich kann kein Russisch, dieser Versuch ist um mehrere Ecken und ohne Gewähr zustandegekommen :wink) "Im Ozean des Himmels ohne Steuer und ohne Segel treibt ruhig im Dunst der harmonische Chor der himmlischen Körper; Inmitten grenzenloser Räume in den Himmeln fliegen sie vorbei ohne eine Spur zu hinterlassen der flüchtigen Wolken wollige Herde. Die Zukunft erweckt ihnen kein Verlangen und die Vergangenheit kein Bedauern an einem des Unglücks überdrüssigen Tag.
An sie erinnere du dich nur. Nimm keinen Anteil an irdischen Dingen und sei sorglos wie sie.
Sobald die Nacht die Gipfel des Kaukasus mit ihrem Schleier verhüllt, Sobald die Welt mit einem Zauberwort fasziniert still wird, Sobald der goldene Mond hinter den Bergen leise aufgeht - und auf dich mit einem Lächeln blickt, will ich zu dir fliegen. Bei dir will ich bleiben bis zur Dämmerung Und auf deine seidigen Wimpern will ich goldene Träume gießen."
Romantik pur halt und für viele sicher auch nicht dazu geeignet, sich mit diesem Stück und Papes Interpretation besser zu befreunden. Aber für einige vielleicht doch hilfreich.
VG, stiffelio
Jürgen (02.02.2013, 17:05): Liebe stiffelio,
vielen Dank für den Link auf die Dämonsarie. Gefällt mir eher wegen und nicht trotz der Romantik darin.
Ich werde mich wohl in Zukunft mehr um Rubinstein kümmern müssen. Ja, und selbstverständlich auch um Pape.
Grüße Jürgen
palestrina (02.02.2013, 20:26): Hallo stiffelio !
Ja , das ist für meine begriffe schon anders, die Ausdrucksweise finde ich ist noch viel besser geworden. Das er schon immer mit seiner Stimme viel Differenzieren konnte ist unbestritten , aber was ich auf der GA hörte ist noch besser. Auch im letzten Akt das Duett mit Bruenhilde ist einfach großartig . Habe eben auf dem Nachhauseweg noch mal gehört. Es ändert sich nichts, einfach klasse!!!!!!!
LG palestrina
stiffelio (03.02.2013, 16:00): Hallo palestrina,
hört sich so an, als sollte ich mir diese Aufnahme irgendwann auch mal zulegen :wink
Hallo Jürgen,
danke, Recherchen machen rückwirkend noch mehr Spaß, wenn man erfährt, dass sie auch für andere nützlich waren.
VG, stiffelio
Jürgen (12.02.2013, 09:01): Original von palestrina Hallo zusammen! Ich muss es jetzt noch loswerden! Habe eben die neue Walkuere angehört . Rene Pape singt den Wotan , und ich bin hin und weg, Terfel war ja bisher mein lieblings Wotan aber das hat sich heute geändert . Mit welch einem sinnlichen Legato Pape singt ist einfach Grandios . Der Augen leuchtendes Paar , da steckt soviel Liebe drin. Auch bei "der freier als ich , der Gott" betont er das Gott nicht so wie viele andere, sondern es ist ganz berueckend , fast zärtlich , als wollte er sagen , ich bin zwar der Gott aber auch Liebender . Auch die Schlusszeile "so kuesst er die Gottheit von dir" beinhaltet den ganzen Schmerz den Wotan empfindet.
Das Orchester ist Großartig , und Gergiev macht seine Sache sehr gut! Über das restliche später.
Auch ich höre nun die Walküre aus Petersburg unter Gergiev. Zuerst Anfang und Ende des 3.Aktes. Gergiev wählt recht langsame Tempi, was dem Schluss der Oper gut bekommt, genauso wie Papes weiche Einsätze. Beim Walkürenritt geht dieses Konzept m.E. nicht auf, das ist mir zu seicht. Da hätte ich mir die Walküren deutlich schneidiger gewünscht.
Ich werde demnächst weiterhören.
Grüße Jürgen
palestrina (12.02.2013, 13:52): Hallo Jürgen !
Bin ganz gespannt, aufs weitere von Dir!
Beim Walkuerenritt , würde ich das nicht ganz so sehen! Aber der Geschmack ist halt verschieden !
LG palestrina
stiffelio (03.03.2013, 09:18): Hallo palestrina,
jetzt muss ich auch etwas loswerden. Ich war gestern im MET-Kino: Parsifal mit Pape als Gurnemanz. Es war einfach zauberhaft! Pape gelangen ganz wunderbar schwingende Töne und Bögen, wie ich sie in dieser Rolle noch nie gehört habe, auch nicht von ihm. :down Ich habe den Eindruck, er wird derzeit immer besser und übertrifft sich sozusagen selbst. Jedem, der Pape mag und an diese Aufführung herankommen kann, kann ich nur raten zuzugreifen, egal ob als Audio oder Video. Ich bin auf Wolke Nr. 7 um Mitternacht nach Hause geschwebt!
VG, stiffelio
Heike (03.03.2013, 11:17): Liebe Stiffelio, wechseln wir hierhin, du kannst dort berichten: Die MET im Kino
stiffelio (16.03.2013, 14:30): Hallo an Alle,
erstaunt habe ich kürzlich festgestellt, dass René Pape sich auch schon an Liedgesang versucht hat. Dieses Konzert aus Liceu Recital René Pape : Lieder from Schubert, Wolf, Schumann and R. Strauss (Liceu - LIVE 2012) finde ich ziemlich klasse. Vielleicht nicht mit den ganz großen Liedgrößen vergleichbar, aber in Puncto Textverständlichkeit und Ausdruck braucht er sich nicht zu verstecken. An wenigen Stellen ist mir die Stimme etwas zu schwer, aber dafür gibt es auch ganz viele wunderbar zarte Stellen.