Repertoiretheater oder Stagionebetrieb?

Severina (13.02.2012, 16:25):
Der Anstoß für diesen Thread war die gestern auf ORF III laufende Aufzeichnung von Massenets "Manon" (WSO 2007), wo mir u.a. auch eine Überlegung kam, die vielleicht in einem eigenen Thread diskutiert werden könnte. Ich kopiere einmal die entsprechende Textpassage aus dem Thread "Oper im TV - Sammelthread" hier herüber:

"Die dritte Überlegung ist allgemeiner Natur: So sehr ich moderne(re) Inszenierungen liebe, muss ich doch zugeben, dass sie in den meisten Fällen nicht repertoirefähig sind. Was bei der sorgfältig geprobten PR-Serie gut funktioniert und meist auch überzeugt, verliert sich mit den Jahren, und übrig bleibt ein hilfloses Arrangement in merkwürdigen Bühnenbildern, mit dem niemand mehr viel anfangen kann, die Sänger nicht und das Publikum noch viel weniger.
Ich habe Andrei Serbans Inszenierung anfangs zwar nicht für genial, aber doch für gelungen gehalten, speziell das Transsylvanie-Bild gefiel mir ausgezeichnet. Nur war halt alles auf Anna Netrebko, Roberto Alagna (Gespielt hat er gut, das muss man ihm lassen) und Adrian Eröd zugeschnitten, mit anderen Besetzungen funktioniert das Konzept einfach nicht. (Schon gar nicht mit einer hausbackenen Norah Amsellem anstelle der Netrebko, die alle Register ihrer Verführungskünste zog und ihrem Partner ordentlich einheizte!)
Meine letzte Live-Manon in der vorletzten Saison fand ich nur mehr wegen der Besetzung interessant, die Inszenierung war nur mehr rudimentär vorhanden, und das nur 4 Jahre nach der PR.

Da hat natürlich ein Stagione-Haus wie das ThadW die Nase vorn: Jede Produktion läuft nur 4 bis höchstens 7mal, wird mit dem Ensemble sorgfältig erarbeitet und punktet daher mit einer ausgefeilten Regie, die sich nie im Repertoirebetrieb bewähren muss und daher auf ungewöhnliche/ausgefallene Konzepte setzen kann.
Und selbst wenn es sich um eine Übernahme handelt, wird sie vor Ort vom Regisseur betreut und noch einmal nachadjustiert, sodass das Ergebnis in den meisten Fällen vom Publikum goutiert wird.

Einen Ausweg für die WSO aus diesem Dilemma sehe ich auch nicht, denn die immer erhobene Forderung, dass halt auch Repertoirevorstellungen sorgfältig einstudiert werden müssen, ist völlig realitätsfern, weil die wenigsten international tätigen Sänger bereit sind, schon Tage vorher anzureisen und Repertoire zu proben. Ich erinnere an die Affäre Olga Borodina, die Holender vor die Tür setzte, weil sie sich weigerte, für Proben zur Verfügung zu stehen. Ihr Argument: Sie hätte diese Partie (Ich glaube, es war die Isabella) schon so oft gesungen und fände es lächerlich, dafür zu proben. Holender wurde damals von den Borodinafans verbal geprügelt, ich fand seine Haltung nur konsequent, denn auf der anderen Seite wurde ihm (und wohl jedem anderen Operndirektor auch) ja immer wieder die Lieblosigkeit vorgeworfen, mit welcher Repertoirevorstellungen abgespult wurden/werden. "

Durch die TV-Aufzeichnung wurde mir nämlich bewusst, was ich in der Zwischenzeit verdrängt hatte, dass nämlich diese Produktion bei der PR durchaus ihre Meriten hatte, natürlich auch, weil sie auf drei starke Sängerpersönlichkeiten - Netrebko, Alagna, Eröd - zugeschnitten war. Dass eine Inszenierung innerhalb von nur vier Jahren derart versandeln kann - die letzte Serie vor zwei Jahren kam mir trotz eines charismatischen Rolando Villazón verstaubter vor als so manche Uralt-Inszenierung - gibt mir doch zu denken.

Ähnlich ist ja um unseren Konwitschny-Carlos bestellt: Das vom Regisseur in sorgfältiger Probenarbeit erstellte psychologisch feinsinnige Beziehungsgeflecht ging mit der Zeit (und den wechselnden Besetzungen!) immer mehr verloren, und man kann es daher den Leuten nicht ganz verübeln, die in dieser Produktion nur mehr ein hässliches Bühnenbild sehen.
Das Bühnenbild ist Teil des Regiekonzepts, und wenn darin nicht mehr überzeugend und vor allem adäquat agiert und interagiert wird, verliert es an Sinnhaftigkeit, und übrig bleibt ein optisches Ärgernis, zumindest für all diejenigen, die darin zum ersten Mal "Don Carlos" erleben. (Die Wiederholungstäter :wink können ja noch aus ihrer Erinnerung abrufen, wie es ursprünglich gemeint war!)

Ist also ein Repertoirehaus wie die WSO generell ungeignet für moderne Regieformen?
in Wien haben wir ja das Glück, neben der WSO mit dem ThadW auch einen Stagionebetrieb zu besitzen, da fällt es natürlich leichter die Für und Wider gegeneinander abzuwägen.
Wie seht Ihr dieses Problem? Oder ist es für Euch keines, weil Ihr Inszenierungen generell keinen so hohen Stellenwert beimesst, hauptsache, es wird schön musiziert und gesungen?

Noch einmal: Mir geht's hier darum, ob das so genannte "Regietheater" (eigentlich ein unsinniger Begriff, der sich aber inzwischen etabliert hat) in einem Repertoirehaus überhaupt vernünftig realisiert werden kann, und nicht um die grundsätzliche Frage "Regietheater - ja oder nein?" (Das können wir gerne in einem eigenen Thread diskutieren, wenn Bedarf besteht! :D)

lg Severina :hello
Rideamus (14.02.2012, 10:30):
Original von Severina

Ist also ein Repertoirehaus wie die WSO generell ungeignet für moderne Regieformen?
in Wien haben wir ja das Glück, neben der WSO mit dem ThadW auch einen Stagionebetrieb zu besitzen, da fällt es natürlich leichter die Für und Wider gegeneinander abzuwägen.
Wie seht Ihr dieses Problem? Oder ist es für Euch keines, weil Ihr Inszenierungen generell keinen so hohen Stellenwert beimesst, hauptsache, es wird schön musiziert und gesungen?

lg Severina :hello

Liebe Sevi,

mir scheint tatsächlich, als sei hier die Quadratur des Kreises gefragt, die wohl am ehesten durch die Aufzeichnung einer Premiere (besser noch: einer späteren Aufführung der ersten Serie) wenigstens annähernd erreicht werden kann. Dass die aber auch nur ein dem Original eher begrenzt angenähertes Souvenir sein kann, weiß jeder Premierenbesucher, der eine spätere Aufzeichnung derselben Vorstellung zu sehen bekommt. Dabei muss übrigens nicht immer das Original die Nase vorn haben. Ich erinnere zum Beispiel den Londoner ROSENKAVALIER unter Solti mit Kanawa live nicht so großartig, wie mir die DVD vorkommt. Beim Münchener ROSENKAVALIER unter Carlos Kleiber war mein subjektives Erleben dagegen umgekehrt, obwohl auch diese DVD schon fast optimal ist.

Beides waren relativ konventionelle Inszenierungen, auch wenn Schlesinger die Roller-Ausstattung des ROSENKAVALIER gründlich umkrempelte, während Rose/Schenk sie im Wesentlichen kopierten. Bei Konwitschnys wiener DON CARLOS, den ich auf DVD mit einigen Abstrichen durchaus schätze, mag ich mir eine routinierte Repertoirevorstellung gar nicht erst vorstellen, geschweige denn antun.

Das Problem ist: bei der Erarbeitung einer Inszenierung spielen zu viele verschiedene Egos mit ganz unterschidlichen Zielen eine wichtige Rolle, und solange das Feuilleton mitspielt, haben die Regisseure zumindest bis zur Premiere einen starken Vorsprung, den ein versierter Egomane, wie es jeder konzeptionsstarke Regisseur sein dürfte, natürlich nutzen wird. Warum aber sollten Zweitbesetzungen über längere Zeiten hinweg Vorgaben gehorchen, die sie nicht einmal aus erster Hand kennen - oder bei ganz anderer Physis können?

So fordert das Repertoiretheater die Todsünde wider jeden Ehrgeiz eines Regisseurs, nämlich das Angebot vielseitig bespielbarer Rahmenvorgaben, die von den schauspielerischen Talenten des jeweiligen Abends gefüllt werden können und von den vielgereisten Gaststars oft mit - meist im Detail und Ausdruck reduzierten - Probenergebnissen ganz anderer Inszenierungen gefüllt werden müssen.

Natürlich wäre ein reduzierter Stagionebetrieb das Ideale, aber mindestens Verwaltung, Orchester und Chor wollen ja das ganze Jahr über bezahlt werden, und jeder Kämmerer wird darauf bestehen (müssen), dass sie dann auch das ganze Jahr arbeiten, während auch das größte Opernhausbudget nicht so viele Inszenierungen tragen kann, wie dann vonnöten wären. Die Alternative des En suite - Betriebes einmal eingeübter Inszenierungen wie beim Musical oder beim Boulevardtheater wäre natürlich auch eine Lösung, aber dafür hat kaum eine Region ein hinreichend zahlreiches und zwhalungsfähiges Publikum.

Wie gesagt: gefragt ist die Quadratur des Kreises. Dennoch gelingt es immer wieder Regisseuren und Ausstattern, Inszenierungen in die Welt zu setzen, die Bestand haben, selbst wenn sie auf ein bloßes Gerüst heruntergekommen sind. Billy Budds lobenswerte Repertoireberichte belegen, dass selbst im abgenudeltsten Repertoire immer wieder Funken zünden und einen Abend zu etwas Besonderem machen können, wie zuletzt beim BARBIER. Da ist es dann tatsächlich die Hauptsache, dass gut gespielt und musiziert wird. Bezeichnenderweise geschieht das kaum jemals bei Inszenierungen, die gegen den Strich des Werkes gebürstet werden. Aber das ist in der Tat die andere Diskussion, die man hier nicht auch noch aufwärmen sollte.

:hello Rideamus
Severina (14.02.2012, 15:50):
Lieber Rideamus,

erst einmal danke für Deine ausführliche Stellungnahme. Du hast natürlich Recht, es ist die Quadratur des Kreises, und einen Ausweg aus diesem Dilemma gibt es einfach nicht, außer man kehrt zum guten alten Ensembletheater zurück, aber dieser Zug ist wohl für alle Zeiten abgefahren.
Wobei das Problem der Verflachung eigentlich jede Inszenierung betrifft, nicht nur die modernen, denn auch die Arbeiten eines Ponnelle, der ja alles andere als ein Stückezertrümmerer war, reduzierten sich im Laufe der Jahre auf seine Bühnenbilder, in denen die Sänger mehr oder weniger engagiert versuchten, in sinnvolle Interaktionen zu treten.
Diesem Problem trägt man an der WSO ja neuerdings Rechnung, indem auf dem Programmzettel bei alten Produktionen vor dem Namen des Regisseurs der Zusatz "nach einer Idee von......" aufscheint.

So mancher Regisseur würde seine Inszenierung schon nach einem Jahr nicht mehr wiedererkennen, weil es zumindest an der WSO Usus ist (und zwar nicht erst unter der neuen Direktion), scheinbar "Überflüssiges" (Statisten, Dekorationsteile.....) einfach wegzulassen oder auch Szenen ganz abzuändern. Im Falle der "Manon" durchaus zum Vorteil, wie ich a.O. schon festgehalten habe. Mich wundert oft, wie relativ kurz nach der PR-Serie solche Veränderungen schon vorgenommen werden, denn ich dachte eigentlich früher immer, auch eine Inszenierung genieße eine Art "Urheberschutz".

Da mir persönlich Inszenierungen sehr wichtig sind, mich interessante Regiekonzepte fast (aber nur fast :D) genauso begeistern können wie die Sänger, ist eben das ThadW momentan mein Opernhaus Nr.1 in Wien. Der große Nachteil eines Stagionebetriebs ist natürlich der sehr überschaubare Spielplan - man kann nicht so aus dem Vollen schöpfen wie an einem Repertoirehaus, und wenn man eine Produktion verpasst, hat man Pech, denn sie kommt in der Regel nicht wieder.
Es gibt dort übrigens nur Gastorchester, kein fix engagiertes, ebenso wie für den Chor der Arnold-Schönberg-Chor herangezogen wird, und die Verwaltung wird sehr schlank gehalten, damit man finanziell über die Runden kommt.

lg Sevi :hello

PS: Das Verhältnis Aufführung-DVD wäre wieder ein eigener Diskussionspunkt, denn ich habe schon selber erlebt, dass ein geschickter Bildregisseur aus einer eher behäbigen Inszenierung ein spannendes Spektakel machen kann, leider gilt das auch umgekehrt.
stiffelio (14.02.2012, 19:00):
Liebe Severina,

Original von Severina
Wie seht Ihr dieses Problem? Oder ist es für Euch keines, weil Ihr Inszenierungen generell keinen so hohen Stellenwert beimesst, hauptsache, es wird schön musiziert und gesungen?


ich kann zu deiner eigentlichen Frage nichts Gescheites beitragen. Aber zu deiner o.g. Frage wollte ich doch kurz meine unqualifizierten 5 Cent dalassen.
Es ist in der Tat so, dass ich der Inszenierung keinen sehr hohen Stellenwert beimesse. Eine Inszenierung hat böse übertrieben für mich die Aufgabe, eine gute Singschauspielergruppe nicht zu stören. (Man könnte natürlich auch sagen, ich merke von einer guten Inszenierung nichts, weil sie mich nicht stört und ich zu unsensibel bin um sie dann bewusst wahrzunehmen :wink) Ich kann mit praktisch leeren Bühnen wie z.B. teilweise im SIMON BOCCANEGRA von Peter Stein mit Thomas Hampson sehr gut leben. Hauptsache es wird - nein, nicht in erster Linie schön musiziert und gesungen, sondern faszinierend gespielt.
Ich weiss, dass das teilweise Unfug ist, weil das, was gespielt wird, natürlich schon von der Inszenierung abhängt. Aber ich denke oft, dass es mich am allermeisten stört, wenn eine Inszenierung sich zu sehr in den Vordergrund drängt, sei es durch Bühnenbild, Requisiten oder eine nicht zu übersehende Umdeutung der Handlung (ich weiss, dass unter Letzterem jeder etwas anderes versteht).
So dass vielleicht ein ganz kleiner Teil der Problemmilderung darin bestehen könnte, in der Sängerausbildung viel Wert auf eine gute Schauspielausbildung zu legen und bei der Besetzung von Rollen vermehrt darauf zu achten, dass ein spielerisch "passender" Darsteller gewählt wird, selbst wenn er weniger berühmt ist oder eine weniger tolle Stimme hat als eine "unpassendere" Alternative?

Sorry, falls das viel zu naiv gedacht sein sollte, oder komplett am Thema vorbeigeht.

VG, stiffelio
yago (15.02.2012, 00:18):
in der WSO kann ich nicht vergleichen,da ich die vorstellungen immer nur 1x sehe.(weil viel zu selten vor ort)

ich kann nur sagen,dass in essen das repertoir sehr gut gepflegt wird und man die handschrift des regisseurs,auch noch nach 10 jahren erkennt. (allerdings treten dort nicht so oft gäste auf,wie in wien)
lg yago
p.s.:severina,warst du eigentlich im TadW in "iolante" ???
Severina (15.02.2012, 00:49):
Liebe Stiffelio,

leere Bühnen mag ich auch, je leerer, desto lieber! Ein Gräuel sind mir diese mit allhand historisierendem Plunder vollgeräumten Bühnen, von denen dann die Leute noch glauben, das Zeugs würde ein authentisches Ambiente vermitteln. (Besondere Alpträume bescheren mir die diversen "Aidas", wo jedem Ägyptologen die Haare zu Berge stehen!)

Die Boccanegra-Inszenierung hat mir ursprünglich auch sehr gut gefallen, leider ist auch von ihr nicht viel übrig geblieben. Die Ratsszene z.B., wo Peter Stein die Verfluchung Paolos so eindrucksvoll in Szene gesetzt hat, hat schon nach einem Jahr nicht mehr funktioniert. Besonders absurd wird es immer dann, wenn sich ein Teil der Sänger an das Regiekonzept hält und der andere nicht, teils aus Unwissenheit, teils aus Ignoranz: "Der Regisseur ist weit vom Schuss, jetzt mach ich, was ich will!" Wenn also Simone (Im konkreten Fall Leo Nucci, dem Regieanweisungen immer schnurz sind), stur auf seinem Thron hocken bleibt, anstatt Paolo gestisch und mimisch in die Enge zu treiben, bis er sich wie ein Wurm am Boden krümmt, wundert sich der nicht eingeweihte Teil des Publikums, warum sich da plötzlich ein Sänger scheinbar völlig unmotiviert am Boden wälzt.
Und die Simone-Regie ist doch wahrlich nicht so kompliziert - wenn es also schon da nach einem Jahr hinten und vorne nicht mehr stimmt, haben aufwändigere Konzepte schon gar keine Chance.

Was die Singschauspieler betrifft - völlig d'accord! Da halte ich mich ganz an Natalie Dessay, die einmal so treffend meinte, ein Sänger, der nicht auch ein guter Schauspieler ist (oder sich zumindest darum bemüht), ist eine Zumutung für das Publikum und hat auf einer Bühne nichts verloren. (außer bei konzertanten Aufführungen.....) Oper ist Musiktheater, und das inkludiert eben auch die Darstellung!

lg Severina :hello
Severina (15.02.2012, 00:54):
Original von yago
in der WSO kann ich nicht vergleichen,da ich die vorstellungen immer nur 1x sehe.(weil viel zu selten vor ort)

ich kann nur sagen,dass in essen das repertoir sehr gut gepflegt wird und man die handschrift des regisseurs,auch noch nach 10 jahren erkennt. (allerdings treten dort nicht so oft gäste auf,wie in wien)
lg yago
p.s.:severina,warst du eigentlich im TadW in "iolante" ???

Ja, war ich, aber ich hatte diesmal nur einen Hörplatz, habe also von der Inszenierung praktisch null gesehen und deshalb auch keine Rezension geschrieben. Samir Pirgu gefiel mir sehr gut, ich war überrascht, wie dramatisch seine Stimme inzwischen geworden ist, von Olga Mykitenko war ich nicht ganz so angetan. Naja, vielleicht hätte ich mir vorher nicht die Aufnahme mit der Netrebko anhören sollen....... :D

Und klar, an Häusern mit einem mehr oder weniger homogenen Ensemble funktionieren Inszenierungen länger, aber bei uns musst Du von Glück reden, wenn Du wenigstens einen Großteil der PR-Besetzung noch einmal zusammentrommeln kannst.

lg Severina :hello
Fairy Queen (15.02.2012, 07:16):
Wenn ich diesen Thread lese, wird mir einmal mehr bewusst, welchen Luxus sich deutsche und östereichische theater überhaupt leisten kônnen. Bei uns stellt sich die Frage nach Repertoire oder Stagione erst gar nicht und ich lebe immerhin in einer der 10 Metropolen Frankreichs. Hier gibt es 5 bis 7 Opernproduktionen pro Saison und die werden zwischen drei und zehn Tagen gespielt- das wars!
Davon sind die Hâlfte Barockopern- dank der unserer Oper eng verbandelten Emmanuelle Haïm und ihrem Concert d'Astrée, 1 oder 2 moderne Opern bzw Auftragskompositionen und 1 oder 2 klasssiche oder romantische Opern. Von Repertoirepflege kann da gar keine Rede sein.
Mir ist das lieb und teuer, denn ich liebe Barock, bin für Modernes serh aufgeschlossen und das, was geboten wird ist meistens erstklassig. Aber Mozart, Verdi, Puccini, Donizetti, Bellini etc -Fehlanzeige! In acht Jahren hier habe ich eine Zauberflöte erlebt , einen Rigoletto, eine Traviata, einen Macbeth.
Und selbstverständlich gab es keine einzige Wiederaufnahme, alles kommt jede Saison immer neu.
Ich habe hier zwar noch keine einizige "Staubi" Inszenierung gesehen, aber es gab druchaus schon schlechtes Regietheater- Händels Tamerlano war z.B. zum Einschlafen
Danaben gottseidank packendes Theater mit pelly, McVicar und anderen Spitzenregisseuren.
Mir fehlt die Repertoirepflege nciht wirklich schmerzlich, meine Neugier nach Neuem ist meistens grösser als die Nostalgie, aber die sehr gelungenen Aufführungen wie etwa den Giulio Cesare oder einen phantastischen Onegin würde ich mir schon gerne mehrmals ansehen kônnen. Wo es keine festen Ensembles gibt und Produktionen nebst Sängern engekauft werden müssen, ist so etwas nciht drin. :I

Freut euch also, ihr Bewohner von Städten mit grossen bzw gar mehreren Opernhäusern!!!!!
F.Q.
Severina (15.02.2012, 11:50):
Liebe Fairy,

ja, hast eh Recht, dass wir in Wien mit drei fixen Opernhäusern und dazu noch fallweise Aufführungen in anderen Lokalitäten (Odeon, Kammeroper, Schönbrunner Schlosstheater....) sehr verwöhnt sind, aber zu meckern gibt es immer etwas.

Natürlich gibt's auch stinklangweilige moderne Inszenierungen, modern heißt ja nicht automatisch gut. Am langweiligsten finde ich persönlich aber den an der WSO (schon unter Holender) gepflegten Stil des Weder-Noch: Inszenierungen, die niemandem weh tun sollen, in Wahrheit aber beide Seiten frustrieren, also sowohl die Anhänger konservativer Inszenierungen als auch die innovativer, weil keiner auf seine Rechnung kommt.

Die Oper Lille scheint übrigens ganz ähnlich konzipiert zu sein wie das ThadW: Auch da liegen die schwerpunkte bei Barock und Opern des 20.Jhdts., dazu kommen ein bis zwei Auftragswerke (heuer "Gogol" von Lera Auerbach) und der Rest (meist 3 Werke) ist Querbeet.

lg Sevi :hello