Jürgen (05.10.2009, 09:18): Ich habe in letzter Zeit einige Beiträge über Muti (in: Was höre ich gerade) gelesen. Es ging dabei um seine bei Brilliant wieder aufgelegten ehemaligen EMI-Aufnahmen der Sinfonien von Scriabin, Schubert und Tschaikowski.
Alle drei Einspielungen wurden von David Hurwitz recht gut besprochen und kamen auch hier im Forum bislang überwiegend gut weg.
Von diesen dreien habe ich lediglich den Schubert kennengelernt, der mich aber weder positiv noch negativ beeindruckt hat. Das mag aber nicht nur an Muti gelegen haben.
Was mir positiv aufgefallen ist, ist folgende Aufnahme:
Stravinsky: Le Sacre du Printemps / Pétrouchka / Feuervogel-Suite, Muti 1978-81 Insbesondere das erste Werk wird von Muti martialisch (weil heidnisch?) widergegeben. Und das ganze in überraschend guter Tonqualität.
Ohne die sehr preisgünstige Wiederauflage von Brilliant hätte ich mir die Aufnahme jedoch nicht zugelegt und hätte sie vielleicht nie kennengelernt. Zuvor war Muti von mir wenig beachtet.
Wie steht Ihr zu diesem Dirigenten, nicht nur unter dem Blickwinkel der Wiederauflagen?
Grüße Jürgen
kreisler (05.10.2009, 11:18): Ohne meine Meinung zu Muti da mal einflächten zu wollen, würde ich sagen, er, oder besser seine Aufnahmen, "leiden" an der Tatsache, dass Muti von der Kritik nicht umbedingt ins absolute Spitzenfeld der Dirigenten eingeordnet wird. Obwohl er mit sehr renommierten Orchestern und Labeln zusammengearbeitet hat. Aber das ist vielleicht gerade das Problem: Viele Leute kauften sich wohl einfach kein teuren Tschaikowsky-Zyklus von Muti bei Emi, wenn sie sich für das Geld auch einen Karajan, oder Bernstein oder Mravinsky leisten können. Vielleicht erlebt Riccardo Muti deshalb durch die Brilliant-Boxen tatsächlich eine Art Rehabilitierung. Ich behaupte einmal viele unbekanntere Dirigenten versuchen sich einen Namen zu machen, indem sie sich auf einen bestimmte Weise "spezialisieren" und versuchen somit für die Hörer interessanter zu werden. Das hatte Muti wohl nicht nötig, denn immerhin muss er ja recht erfolgreich sein, wenn er bei Emi klassische Symphoniezyklen einspielen darf. Ich gehöre wohl auch zu den Leuten, die Muti erstmal als einen etwas uninteressanten Dirigenten des klassischen Repertoires abstempeln und ihm gar keine richtige Chance geben. Ich weiß, dass das kein besonders "ehrenhafter" Standpunkt ist, aber wenn ich ehrlich bin müsste ich dann auch noch eine große Anzahl anderer Dirigenten berücksichtigen... Und die Tatsache, dass ich mir seinen Schubert gekauft habe und er z.B. gegen meine Günter Wand-GA zusehens verblasst und in meinen CD Regal ein etwas trübes Dasein fristet, trägt auch nicht gerade zu einer eingehenden Beschäftigung mit ihm ein.
Jetzt hab ich doch meine Meinung mit reingebracht. Es soll aber bitte nicht so rüberkommen, dass ich Riccardo Muti für einen schlechten Dirigenten halte. Dem ist nicht so. Es gibt sicher noch viel Schlechtere :P :wink Außerdem habe ich nichts gegen Muti, abgesehen davon, dass es mir manchmal ein bisschen zu sehr auf großen und tiefempfindenden Maestro macht. Aber ich finds gut, dass wir uns auch mal mit ihm beschäftigen...
Herzliche Grüße, Kreisler
uhlmann (06.10.2009, 10:42): ich wusste gar nicht, dass muti eine rehabilitierung nötig hat. es gibt wohl heute kaum einen dirigenten, der eine schillerndere karriere hinter sich hat (und noch gar nicht am ende angekommen ist):
+ 1968-1982: chef des maggio musicale florenz + 1972-1982: chef des philharmonia orchesters in nachfolge klempereres + 1981-1992: chef des philadelphia orchesters in nachfolge ormandys + 1986-2005: musikdirketor der mailänder scala + ab 2010: chef des chicago symphony orchestras + ab 2010: musikdirektor der oper rom + seit 1971 bei den salzburger festspielen, wo er eine fixgröße war und ist + seit 1973 ständiger gast der wiener staatsoper + ständiger gast der wiener philharmoniker, ist heute einer ihrer wichtigsten gastdirigenten, macht immer wieder "große" konzerte (u.a. tourneen, neujahrskonzerte, 150 jahre philharmoniker, 250 jahre mozart, etc.) + dirgiert immer wieder die berliner philharmoniker und praktisch alle spitzenorchester weltweit
ob seine musikalischen leistungen diesem erfolg gerecht werden, kann ich nur ansatzweise beurteilen, da ich nicht sehr viel von muti kenne. ich nehme aber mal nicht an, dass intendanten und orchester einen scharlatan über jahrzehnte immer wieder einladen würden.
muti ist für mich ohne zweifel ein guter dirigent, einer, der versucht, werktreue mit "traditionell-romantischen" mitteln zu erreichen. vielleicht ist es dieser heute vielfach verpönte ansatz, der die kritik seine aufnahmen eher geringschätzen läßt – während viele hipe aufnahmen des klassisch-romantischen repertoires in den himmel gehoben werden, egal, welcher schmarren sie sind. außerdem habe ich den eindruck, dass muti eher ein live-dirigent ist. seine studio-aufnahmen erreichen selten die spritzigkeit und das feuer, das er live zu bringen vermag.
meine persönliche einschätzung:
recht gut finde ich mutis mozart. die symphonien (mit den wiener philharmonikern) sind natürlich musiziert, dabei keineswegs hip, aber immer noch spritziger und mit mehr drive als viele old-school-aufnahmen – imo klar den für meine begriffe maßlos überschätzten, hier im forum aber wohl unantastbaren böhm-aufnahmen vorzuziehen.
sehr gerne mag ich mutis mozart-opern-aufnahmen (die 3 da ponte bei emi). die sind für nicht-hipe einspielungen erstaunlich frisch. muti verfügt imo über ein außergewöhnliches dramatisches gespür, baut die handlung schön auf, ist an den richtigen stellen zurückhaltend, dafür an anderen enorm schwungvoll. dazu hat er gute bis exzellente sänger.
gut ist wohl auch mutis verdi (ich habe seinen maskenball), aber mit verdi kann ich persönlich wenig anfangen, deshalb maße ich mir hier kein urteil an. schön fand ich cherubinis requiem, die aufnahme wird gerne als referenz angesehen.
wenig berauschend, sind imo oben genannte schubert-ga, sowie der brahms-zyklus mit dem philadelphia orchester, die viel zu behäbig und bieder musiziert sind und recht "hausbacken" wirken.
mehr aufnahmen habe ich nicht (glaube ich zumindest). seine neujahrskonzerte, die ich ohne zweifel gehört habe, sind mir irgendwie nicht wirklich in erinnerung.
ab (07.10.2009, 16:17): Mit Muti verbinde ich ein ganz wunderbares Gastspielerlebnis mit den Wiener Philharmoniker bei Bruckners 4. (nach einer klangschönen, aber wenig interessanten Unvollendeten). Dieser Bruckner war so etwas wie die Quadratur des Kreises: von vorne bis hinten ein durchgehender Hochgenuss ohne dass auch nur irgend etwas nicht gepasst hätte. :engel
Leider hat er so gut wie nichts von Bruckner aufgenommen - und wie Uhlmann schon geschrieben hat: "seine studio-aufnahmen erreichen selten die spritzigkeit und das feuer, das er live zu bringen vermag." (Ich persönlich finde seien Brahms gar nicht so behäbig, wie er ihn schildert.)
Was ich inzwischen aber von Musikern gehört habe, ist, dass er alles andere als beliebt ist.
Auch verwies mich jüngst jemand auf einen Artikel des Spiegel, in dem der Dirigent Itay Talgam schrieb, Muti sei
... ein Dirigent, der sehr viel mit Macht und Kontrolle erreichen will, was sich an seinen präzisen Bewegungen und seinem starren Gesicht zeigt. Steht er auf dem Podium, herrscht im Orchestergraben law and order: Mit einem Handkantenschlag befiehlt Muti den Musikern zu schweigen. In der Stille aber bebt seine Hand weiter, als würde er die Musiker würgen, als zeigte er ihnen die Konsequenzen, die ihnen drohten, wenn sie ihm nicht bedingungslos folgten. Selbst heitere Rossini-Opern dirigiert Muti mit sinistrem Gesichtsausdruck. Es gibt dafür einen fast religiösen Hintergrund: Der Maestro glaubt, dass ihm, während er das Orchester führt, der Komponist aus dem Himmel Befehle gibt. Strikt hält er sich an die Partitur, lässt keinen Raum für Interpretation. Er ist wie ein Diktator, zu dem die Toten sprechen.
Talgam führt aus, dass Mutis Autorität zwar unanzweifelbar sei, dafür aber den Preis habe, dass sein Orchester unglücklich ist. Bei seinen Konzerten blicke man in versteinerte, teils eingeschüchterte Musikermienen. Auch das Publikum wirke angespannt.
Ich selbst hatte jedenfalls sicherlich keinen angespannten Gesichtsausddruck im genannten Konzert!
Muti ist zwar sicherlich der Inbegriff des konservativen Dirigenten, aber dies auf einem Niveau, das es nicht zu rechtfertigen, und daher auch nicht zu "rehabilitieren" gilt.
:hello
HenningKolf (07.10.2009, 17:01): Original von ab
Muti ist zwar sicherlich der Inbegriff des konservativen Dirigenten, aber dies auf einem Niveau, das es nicht zu rechtfertigen, und daher auch nicht zu "rehabilitieren" gilt.
:hello
Dem kann ich mich nur uneingeschränkt anschließen! Insbesondere in der Zeit mit dem Philadelphia Orchestra hat er auch discographisch einiges Bemerkenswerte zustande gebracht. Für Itay Who? (muss man den kennen?)wird es vermutlich hingegen ein langer Weg sein, bis die Wiener ihn zum Neujahrskonzert verpflichten. Es ist wohl schon so, dass das La Scala Orchester ein wenig hinter den Philadelphiern zurücksteht..ausserdem hatte er da wohl zum Schluss seines Enagagements einigen Ärger, was den einen oder andren verbitterten Gesichtsausdruck erklären mag.
Gruß Henning
Agravain (08.10.2009, 08:01): Original von ab Talgam führt aus, dass Mutis Autorität zwar unanzweifelbar sei, dafür aber den Preis habe, dass sein Orchester unglücklich ist. Bei seinen Konzerten blicke man in versteinerte, teils eingeschüchterte Musikermienen. Auch das Publikum wirke angespannt. :hello
Hallo Zusammen, ist ja nett, dass hier ein Rehabilitierungsversuch für Muti gestartet wird, allerdings halte ich den im Grunde auch nicht für zwingend notwendig. Mich hat Muti (von verschiedenen Einspielungen abgesehen) bei einem Ausflug in die wunderbare Welt von youtube beeindruckt, und zwar in einem eingestellten Ausschnitt einer arte-Reportage. Schlechtes Verhältnis zum Orchester? Unglückliche Musiker? Würgender Dirigent? (s.o.) Mir scheint doch eher, dass sich im SPIELGEL-Interview ein Niemand vermittelst seiner harschen Kritik eines Jemand der Szene ins Gespräch zu bringen versucht. Und der Spiegel druckt's. Ist auch nicht mehr, was er einmal war... Gardiner hat das im Übrigen auch versucht, als er von Händel ins symphonische Repertoire umstieg. Völlig überflüssige, ungerechte und kleinstkarierte Karajan-Schelte. Vielleicht find ich den Artikel noch irgendwo, dann stelle ich ihn mal ein. Genützt hat das dem Ansehen und gar der Qualität seiner symphonischen Aufnahmen wenig. Aber vielleicht muss das für manch einen so sein. In erwähnter Probe Mutis kann man ein ganz anderes Verhältnis zwischen Dirigent und Orchester sehen, wobei noch recht interessante Einblicke in Mutis Auffassung vom Dirigenten / Dirigieren gegeben werden. Zum Anschauen HIER klicken. :)
Viele Grüße
Agravain
Jürgen (08.10.2009, 10:29): Original von Agravain ist ja nett, dass hier ein Rehabilitierungsversuch für Muti gestartet wird, allerdings halte ich den im Grunde auch nicht für zwingend notwendig. Original von ab Muti ist zwar sicherlich der Inbegriff des konservativen Dirigenten, aber dies auf einem Niveau, das es nicht zu rechtfertigen, und daher auch nicht zu "rehabilitieren" gilt. Original von uhlmann ich wusste gar nicht, dass muti eine rehabilitierung nötig hat.
Okay, Rehabilitierung ist schon eine provokante Formulierung. Und wenn ich mir den von uhlmann geposteten Lebenslauf Mutis, was er an Stationen hinter sich aber auch noch vor sich hat, anschaue, dann hat er selbstverständlich keine Rehabilitierung nötig.
Ich meinte Rehabilitierung auch eher im discographischem Sinne, seine Präsenz in Euren Plattensammlungen.
Original von uhlmann ....., da ich nicht sehr viel von muti kenne. Original von kreisler .....in meinen CD Regal ein etwas trübes Dasein fristet
Und auch bei mir war es so, dass ich bis vor einem Jahr etwa nur einen Promo-Sampler "Künstler unserer Generation" und Bruckner 6 (beides aus den 80ern und auch etwa so lange in meinem Besitz) mein Eigen nannte. Nachdem ich dann die Schubert-Box und den Strawinski unter Brilliant, sowie die Cherubini-Requien (kurzzeitig bei 2001 fast verschenkt) zugelegt habe, hat sich der Muti-Anteil in meinen Regalen vervielfacht.
Durch seine "Sacre"-Interpretation fand ich heraus, dass er nicht nur ziemlich gute sondern auch Spitzenaufnahmen gemacht hat. Das bedeutet für mich zumindest eine gewisse Rehabilitierung Mutis. Ohne Brilliant wäre das wohl nicht passiert. So ist der Titel des Threads zu verstehen.
Grüße Jürgen
teleton (08.10.2009, 10:29): Muti sehe ich da "zu Hause", bei dem es um Komponisten der Romantik, Spätromantik und des 20.Jhd. geht. Rein klassisch Komponisten wirken bei ihm zu langweilig Da ist die Konkurenz auch zu groß und zugleich zu überlegen. Beispiel: Die Schubert-Sinfonien sind keine herausragende Tat.
Einige gute Aufnahmen, wie die Tschaikowsky-Sinfonien wurden bereits angesprochen. In der Manfred - Sinfonie spielt er wirklich jeden Effekt gekonnt aus ! Gegenüber Swetlanow hat er aber auch dort nur den Vorteil der besseren Klangtechnik für sich zu verbuchen.
Meine beste Muti-Aufnahme auf CD ist auch bei Brillant erschienen. Die RömischeTriologie von Respighi:
Es ist tatsächlich so, dass ich die damals immer teure EMI-CD nie gekauft hätte (heute ist sie billig zu haben), da ich bereits von Respighi mit Reiner, Ormandy, Metha, Swetlanow, Dutoit eingedeckt war. Ich kannte nur die glänzende Aufnahme von Feste Romane mit Muti auf einer Billig-EMI-CD (Muti´s beste Aufnahmen).
:beer Aber jetzt auf Brillant erweist sich der Kauf als eine der besten Aufnahmen der drei sinf.Dichtungen von Respighi:
:times10 Die Klangqualität der EMI Aufnahmen ist Erstklassig.
OT: Die antiken Tänze werden auf der Brillant-Doppel-CD mit Marriner geboten (ganz gut aber Ozawa (DG) ist vorzuziehen).
Agravain (08.10.2009, 10:41): Original von teleton Beispiel: Die Schubert-Sinfonien sind keine herausragende Tat.
Also ganz ehrlich: Ich kann's nicht verstehen. Ist ja nicht das erste Urteil dieser Art, aber dennoch fehlt grundsätzlich die Begründung. Warum ist Mutis Schubert keine große Tat? Was ist schlecht? Stimmen die Tempi nicht, ist die Dynamik nicht in Ordnung oder gibt es agogische Probleme? Ist die Klangqualität übel? Arbeitet der Orchesterapparat zu unausgewogen? Ist der Klang nicht (früh)romantisch genug? Oder ist es nur das vage "Der Funke springt nicht über" bzw. "Das ist nicht 'tief' genug?" Wo GENAU also liegt der Unterschied zu anderen Produktionen?
Ich muss es weiterhin mit Hurwitz halten, der die Aufnahme lobt. In sämtlichen der genannten Punkte kann ich nämlich kaum Schwächen feststellen. Oder ist es nur der Punkt, dass Muti draufsteht und Schubert drin ist? Will das einfach nicht zueinander passen? Ich schnappe mir jetzt die Partitur und höre mir nochmal die Neunte an. :) Wenigstens kommt man so zu genuem Zuhören (das geht - ich geb'S zu - auch nur im Urlaub :))
Maurice inaktiv (10.04.2013, 17:36): Ich denke,dass Muti mit einigen Dingen in der Tat zu kämpfen hat oder/und hatte.
Er wirkt auf mich sehr erhaben,arrogant und unnahbar,was ja auch schon geschrieben wurde.Das ist die eine Seite des Herrn Muti.Mag sein,dass er s nicht wirklich ist,dazu müsste man die Musiker fragen.Doch nicht umsonst wurde aus der Scala fast schon gejagt,aber das Scala-Orchester soll ja auch nicht gerade "pflegeleicht" sein....
Mutis Aufnahmen von Orffs "Carmina Burana",seine Cherubini-Einspielungen,seine Bemühungen um Donizetti,aber auch die Moderne wie Dallapiccola und Schoatakowitsch (seine Fünfte fand ich brillant eingespielt zusammen mit dem Festmarsch) und mit Abstrichen seine Tschaikoswksy-GE sind mir durchaus positiv in Erinnerung,ebenso die hier schon erwähnten Rhespighi-Aufnahmen.Sein Ravel und Debussy habe ich ebenfalls noch als schön in Erinnerung.
Muti gilt nicht gerade als "Show-Dirigent",aber er muss als junger Mann schon ganz schön Feuer gehabt haben,aber davon ist er jetzt als alter Mann natürlich weit entfernt.
Fakt ist auch,dass er eher dem Kapellmeister-Bereich zuzuordnen ist,und weniger den innovativen Dirigenten des 21.Jahrhunderts.
Er ist auch bestimmt weniger kommunikativ wie sein Landsmann Claudio Abbado,der von allen Kollegen hochverehrt wird.Doch das ist mein Anschein,den ich nicht direkt begründen kann,sondern nur von Fotos und den Neujahrskonzerten.
Ich möchte einmal frei einen Orchestermusiker eines sehr bekannten Sinfonieorchesters zitieren,als ein ebenso bekannter,alter Dirigent mitteilte,die nächsten zwei Jahre nicht mehr als Gast vor das Orchester zu treten,weil er keine Termine mehr frei habe : "Das bedauern wir aber sehr!"-Gedacht hat er aber : "Zum Glück bleibt uns der arrogante Sack in dieser Zeit vom Halse weg!!!"......
Möglich,dass man bei Muti auch so denkt als Orchestermusiker.Ich würde es absolut verstehen.....
VG,Maurice
palestrina (10.04.2013, 21:34): Bin gerade mit der vierten fertig , und kann dazu sagen , das Andante ist so was von gelungen , gefuehlvoller habe ich das selten gehört , wenn überhaupt! Habe ja die Box erst seit gestern aber nicht mehr anderes gehört , ich bin völlig verzaubert von der Interpretation von MUTI und seiner Vorstellung von den Schubert Sinfonien ! Da ist nichts von Arroganz , da ist nur Leidenschaft für Schubert zu spüren. Noch zum Allegro das zieht einen völlig in den Bann !!!!! Also meine Hochachtung für MUTI , wunderschön !
LG palestrina
Mache jetzt mit der fünften weiter!
Maurice inaktiv (10.04.2013, 22:26): Die Einspielungen werden auch auf Amazon durchaus sehr positiv bewertet.Ich habe ja auch nicht geschrieben,dass Muti nichts kann,das wäre ja mehr als nur eine Frechheit.
Es ist nur schade,dass wir hier in Deutschland kaum international konkurrenzfähige Dirigenten haben.Die wichtigsten Stellen sind mit Dirigenten fern der Heimat besetzt.Nur in Frankfurt ist Sebastian Weigle zugegen,der auch dort gut ankommt.
Ich möchte betonen,dass es mir jetzt überhaupt nicht um eine Art "Deutschtümmelerei" geht,sondern gegenüber früheren Zeiten haben wir hier eindeutig Boden verloren.Das ist also eine reine Feststellung und Tatsache.
VG,Maurice
Cantus Arcticus (11.04.2013, 17:08): Original von Maurice André .....
Es ist nur schade,dass wir hier in Deutschland kaum international konkurrenzfähige Dirigenten haben.Die wichtigsten Stellen sind mit Dirigenten fern der Heimat besetzt.Nur in Frankfurt ist Sebastian Weigle zugegen,der auch dort gut ankommt.
Ich möchte betonen,dass es mir jetzt überhaupt nicht um eine Art "Deutschtümmelerei" geht,sondern gegenüber früheren Zeiten haben wir hier eindeutig Boden verloren.Das ist also eine reine Feststellung und Tatsache.
VG,Maurice
Hallo Maurice Ich muss gestehen, dass ich Deinen Gedankengang auch schon hatte. Für mich zeigt sich halt, dass mit der Globalisierung auch die Zahl der Dirigenten fast exponential gestiegen ist. Vor 80 Jahren waren Dirigenten aus China oder Japan unbekannt, wenn überhaupt vorhanden. Heute haben wir diverse etablierte Taktgeber aus Asien, wenn nicht sogar der ganzen Welt.
Die Konkurrenz ist gross und die "Vormachtstellung" (ja ich weiss, blöder Ausdruck :A) deutscher Dirigenten in heimischen Orchestern ist diesem Umstand zum Opfer gefallen....
Führt mich persönlich zu der Frage: Gibt es noch charismatische Dirigenten in Deutschland? Damit meine ich nicht "Macken und Divagehabe"... sondern wirkliche Hingabe und Überzeugungskraft, die auf ein Ensemble einwirken können.
Nicht umsonst bin ich zur Zeit bei Klemperer, Wand, Jochum und Furtwängler hängengeblieben...
Viele Grüsse :hello Stefan
Maurice inaktiv (11.04.2013, 19:13): Stefan,auch früher war nicht alles Gold was glänzte,aber man sieht das heute anders.
Einige der Dirigenten,die lange eine Vormachtstellung in den großen Orchestern hatten,galten als "Pult-Tyrannen" unter den Musikern,und weniger als "Pult-Stars".
Heute gibt es von den "Alt-Stars" auch noch 2-3 dieser "Tyrannen",wenn auch auf eine andere Art und Weise.Namen nenne ich mal nicht,wer weiß,wem ich sonst wieder auf die Füße trete.
Wenn ich mir die Orchester heute anschaue und dann sehe,wer da teilweise als Chefdirigent auftaucht,schüttele ich nur mit dem Kopf.Da sind Namen zu lesen,die man früher vermutlich nicht mal als Korrepetitor ausgesucht hätte.Auch hier verzichte ich auf Namen.....
Mich wundert es nicht,dass es im Opernbereich immer weniger Dirigenten gibt,die wirklich mit den Sängern umgehen können.Früher war es selbstverständlich,dass ein Dirigent auch Chorleiter war,und alleine dadurch einen ganz anderen Zugang zu den Sängern hatte.
Erstaunlicherweise gibt es wohl diese Probleme weniger im Bereich der "Alten Musik".Hier findet man doch erstaunlich viele Musiker und Dirigenten der mittleren und jüngeren Generation.
VG,Maurice
uliwer (16.04.2013, 22:11): Zum Stichwort "charismatische" Dirigenten deutscher Herkunft: Wie wäre es mit Ingo Metzmacher?
Ich bin nie so oft ins Konzert und auch in die Oper gegangen wie zu seiner Zeit in Hamburg. Längst nicht alles war gut: Beethoven eher langweilig, Mahler nichts Besonderes - aber seine Programme waren jedesmal spannend und auch bei Rihm oder Ives oder Hartmann war der Saal voll. Musik, die ich nicht sonderlich mag, wie z.B. die 11. von Schostakowitsch waren ein Ereignis - ich erinnere mich noch gut an Metzmachers Begeisterung über den Klang der Bratschen, die ein sonst nicht erstklassiges Orchester da plötzlich erzeugte und an den Ausbruch von Bravos, mit dem das sonst so dröge Hamburger Publikum diesen Bratschen dann, "charismatisch" vom Dirigenten angesteckt, dankte. Seine Aufführung von Nonos Prometeo, die ich zweimal gehört habe, wird sicherlich auf Dauer ein prägendes Erlebnis bleiben, auch Weills Mahagonny.
Aber das Thema war doch eigentlich Muti, oder nicht? Dem hat sicherlich geschadet, dass er als Dirigent für das Kernrepertoire vermarktet wurde. Er war als "Spezialist" besser - aber notwendigerweise auch viel seltener.
Ich habe eine hervorragende Aufnahme von Prokofievs Dritter aus Philadelphia unter Muti, die vor rund 20 Jahren nur kurz auf dem Markt war, und vermutlich seither nicht wieder. Die gekoppelte Erste war dagegen unheimlich öde.
Vorbildlich ist sein nachhaltiger Einsatz für Cherubini.