Maria-Anna (20.11.2010, 14:20): Das Wagner Jahr steht vor der Tür. Etliche Häuser haben den Ring neu aufgelegt oder sind noch dabei. Welche Neuproduktion findet ihr am gelungensten bzw. vielversprechendsten? Welche könnt ihr empfehlen und von welchen würdet ihr abraten?
Heike (20.11.2010, 15:12): Hallo Maria-Anna, über das Rheingold an der Berliner Staatsoper im Schillertheater habe ich hier berichtet http://www.das-klassikforum.de/thread.php?postid=88573#post88573 Der Zyklus wird im nächsten Jahr fortgesetzt. Heike
Severina (20.11.2010, 15:55): Liebe Maria-Anna,
leider bin ich ein Ring-Neuling, mir fehlen daher zu unserem Wiener Zyklus, der mein ersteri n seiner Gesamtheit war Vergleichswerte - in anderen Opernhäusern sah ich immer nur einzelne Teile.
Die Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf fällt typisch in die Kategorie "Nicht Fisch und nicht Fleisch", also nicht traditionell, aber auch keine aufregende Neudeutung (Ich kenne Leute, die sogar von einer Nicht-Deutung sprechen :wink ), sondern eher sehr konventionell, auch wenn das Bühnenbild anderes vermuten lässt. Bechtolf hat auf Psychologie gesetzt, viel mit bedeutungsvollen kleinen Gesten, Blicken und Zuwendungen gearbeitet, und das ist durchaus faszinierend für Leute, die in den ersten Reihen Parkett sitzen oder über die Kondition verfügen, 5 Stunden lang das Opernglas zu stemmen. (Und zwar ein sehr gutes, die in der Regel schwer sind!)
Der große Gewinn für mich ist das Dirigat von Franz Welser-Möst, der sehr transparent, sehr "kleinteilig" dirigiert und es daher mir Wagner-Greenhorn ermöglicht, die Struktur der Musik, die aufeinander verweisenden Motive usw. zu erfassen (Nicht alles natürlich!) Das war wirklich ein großes Aha-Erlebnis, denn früher war Wagner für mich eher eine indifferente, bombastische Klangmasse.
Die Besetzungen waren sehr unterschiedlich, von großartigen Leistungen (Nina Stemmes Sieglinde, Johan Botha Siegmund, Stephen Goulds Siegfried, Adrian Eröds Loge...) bis hin zu mittelmäßigen. Richtige vokale Katastrophen habe ich keine in Erinnerung.
Ich würde sagen, dass der Wiener Ring keiner ist, den der Kenner unbedingt gesehen haben muss, aber es gibt sicher Schlimmeres. Ich hoffe, das hilft Dir!
lg Severina :hello
Maria-Anna (20.11.2010, 16:17): Danke für eure Eindrücke! :W
@Heike: Das Berliner-Rheingold habe ich auch gesehen. Deiner Kritik nach zu urteilen, hat es mir besser gefallen als dir .... ;) Obwohl ich es jetzt weit entfernt von genial beurteilen würde. Auch empfand ich die Balletteinlagen als nicht so störend - sonder eher als Stärke der Inszenierung. Na ja, aber die Walküre werde ich mir vermutlich nicht ansehen, denn wenn ich das richtig gesehen habe, finden alle Vorstellungen während der Festtage statt und sind somit fast doppelt so teuer.....
@Severina: Den Wiener Ring kenne ich gar nicht: Die von dir genannte Besetzung ist aber natürlich DER Knüller! Da könnte man ggf. auch einfach die Augen zumachen, wenn die Inszenierung nicht gefällt ..... ;) Mal schauen, wie die zukünftige Besetzung so ist ....
Mich persönlich hat der Hamburger Ring, obwohl er oftmals schlechte Kritik bekommen hat, wirklich fasziniert!! Die psychologische und sehr menschliche Deutung von Claus Guth hat mir wahnsinnig gut gefallen!!! Ich habe mir alle Teile 3x oder sogar öfter angesehen.
Wirklich gut ist auch der Lübecker Ring: Sehr kurzweilig und auch witzig inszeniert. Mit einer sagenhaften musikalische Leistung für solch ein kleines Haus.
Hannover hingegen kann man, meiner Meinung nach, komplett vergessen. Das Rheingold war noch ganz okay und es gab ein paar interessante Einfälle. Die Walküre fand ich allerdings tötlich langweilig: entweder wurde so gut wie gar nix inszeniert oder es wurden platte Effekte aufgefahren. Der Siegfried hat in dieser Spielzeit Premiere.....