Heike (31.12.2009, 13:27): Nun, ich hoffe, ich habe es nicht übersehen - aber spätestens zum Jubiläumsjahr 2010 ist es wohl Zeit, einen Thread zu Robert Schumann zu eröffnen.
Biographisches: Robert Schumann, geboren am 8. Juni 1810 in Zwickau war ein deutscher Komponist und Pianist der Romantik. Er erhielt bereits mit sieben Jahren Klavierunterricht, eine Fingerzerrung vereitelte jedoch eine Pianistenlaufbahn; es entstanden aber früh viele Kompositionen. Sein Opus 1 sind die ABEGG-Variationen, auf Jahre hinaus veröffentlichte er nur Werke für Klavier, erst später widmete er sich den anderen Musikgattungen.
Schumann gründete mit Freunden 1834 die Neue Zeitschrift für Musik und profilierte sich auch als Kritiker und Musikwissenschaftler.
1840 heiratete er Clara Wieck, nachdem er in einem Gerichtsprozess die fehlende Zustimmung von Claras Vaters Friedrich Wieck eingeklagt hatte.
Schumanns Hoffnung, 1844 Nachfolger von Mendelssohn Bartholdy am Leipziger Gewandhaus zu werden, ging nicht in Erfüllung. Er ging nach Dresden, dann als Städtischer Musikdirektor nach Düsseldorf.
Eine schon in jungen Jahren gelegentlich sich ankündigende seelische Krise wurde bisweilen als Psychose im Rahmen einer bipolaren affektiven Störung gedeutet, die 1854 nach einem Selbstmordversuch vollends zum Ausbruch gekommen sei. Krankenakten aus der Heilanstalt Endenich lassen dagegen einen Zusammenhang zwischen Schumanns Nervenleiden und dem Spätstadium einer Syphilis vermuten. Schumann starb 1856 in Endenich bei Bonn.
Heike (31.12.2009, 13:28): Filme über Schumann:
Clara Schumanns große Liebe (USA, 1947). In den Hauptrollen: Katharine Hepburn als Clara Schumann, Paul Henreid als Robert Schumann, außerdem: Leo G. Carroll, Henry Daniell. Regie: Clarence Brown
Frühlingssinfonie (BRD 1982). In den Hauptrollen: Nastassja Kinski als Clara Schumann, Herbert Grönemeyer als Robert Schumann, außerdem André Heller, Rolf Hoppe, Gidon Kremer, Bernhard Wicki. Regie: Peter Schamoni; Buch: Peter Schamoni und Hans A. Neunzig
Dr. Robert Schumann, Teufelsromantiker (BRD, 1999). In den Hauptrollen: Michael Maertens als Robert Schumann, Bettina Kurth als Clara Wieck, außerdem: Will Quadflieg, Ulrich Wildgruber, Monika Bleibtreu. Regie: Ernst-Günter Seibt, Christine Soetbeer
Geliebte Clara (BRD/Frankreich/Ungarn 2008). In den Hauptrollen: Martina Gedeck als Clara Schumann, Pascal Greggory als Robert Schumann und Malik Zidi als Johannes Brahms. Regie: Helma Sanders-Brahms (Quelle Wikipedia)
Heike (31.12.2009, 13:33): Kulturradio vom rbb - Eine Sendereihe zum 200. Geburtstag jeden Sonntag 03.01. - 27.06.2010, 15:04 - 17:00 Uhr Erster Teil: Der Romantiker Folgen 1-10 Zweiter Teil: Das Werk - Folgen 11-18 Dritter Teil: Wirkungen und Nebenwirkungen - Folgen 19-26
Wir wissen alles über Robert Schumann. Die Schumann-Forschung erstickt in Material. Es gibt seine Briefe, seine Tagebücher, seine Schriften. Wir kennen die Briefe und Tagebücher seiner berühmten Frau, der Pianistin Clara Wieck. Man kann in den Schriften Dutzender Zeitzeugen Prägnantes über ihn erfahren.
Wir wissen nichts über Robert Schumann. Der Komponist verstrickt sich unablässig in Widersprüche. Seine Selbstäußerungen sind von Tagesstimmungen und Orten abhängig. Und er spielt mit sich und uns eine ewige Scharade, er tritt selten als er selbst auf, sondern maskiert oder unter Pseudonym, und was Eusebius sagt, kann ebenso wahr sein, wie die gegenteiligen Behauptungen Florestans.
Robert Schumann erscheint uns wie seine flatternden Papillons, unwirklich und doch real, flüchtig und doch bleibend, und man könnte über ihn das sagen, was sein Liebling Heine einst über E.T.A Hoffmann sagte: Wem der nicht den Kopf verdreht, der hat gar keinen. Vieles an ihm ist für uns schwer greifbar und begreifbar, und auch wenn die zwiespältige Sekundärliteratur zahlreiche Antworten bietet, bleibt doch das schale Gefühl, dass sie mehr über ihre Verfasser aussagt als über Schumann.
Nur in einem sind sich alle einig: Robert Schumann hat die Musikwelt entscheidend geprägt und verändert, durch seine Werke, seine Schriften und seine Person, sein Künstlerdasein. Er hat konsequent versucht, sein Ideal vom unabhängigen Musiker, der nur sich selbst verpflichtet ist, zu leben. Nicht nur auf dem Papier. Kunst und Leben fallen bei Schumann zum ersten Mal in einer Weise zusammen, die für die musikalische Romantik Vorbild sein wird. Matthias Käther (Quelle und weitere Infos zu den einzelnen Sendungen: hier beim rbb
Cetay (inaktiv) (02.01.2010, 22:48): Da bleibt es wohl mir als augewiesenem Schumann-Nichthörer überlassen, diesen Faden weiterlaufen zu lassen. Ich nutze ihn zur Spekulation darüber, warum mir Musik der Romantik nicht gefällt. Eine Achillesferse wird wohl mit der folgenden Aussage getroffen:
Original von Hebre Kunst und Leben fallen bei Schumann zum ersten Mal in einer Weise zusammen, die für die musikalische Romantik Vorbild sein wird.
Es ist sicher kein Fehler, wenn der Künstler Musik als Mittel zum Ausdruck persönlicher Empfindungen, als Reflex auf ein leidend-sensibles Ich oder als Ausdruck von außermusikalischen Ideen schafft. Ich finde es nur witzlos, das 200 Jahre später nachzuspielen, wo es doch so viele Tondokumente von Musik lebender und selbst ausführender Künstler gibt, bei denen das viel authentischer nachzuhören ist. Das faszinierende am klassischen Komponisten ist für mich gerade das Unerklärbare, das Vermitteln einer höheren Realität, die jenseits der Person des Komponisten liegt (ich bin mir durchaus im klaren darüber, dass ich damit einer romantischen Vorstellung nachhänge :P). Genau das fehlt mir bei Schumann größtenteils (mit dem Spätestwerk muss ich mich noch näher beschäftigen) und was mich bei seinen Sinfonien konkret stört, ist der volkstümlich-liedhafte Tonfall und die Betonung des gefühlvollen Ausdrucks. Ich vermute mal, dass die konventionelle Interpretationstradition das noch ordentlich verstärkt; eine unlängst mit Gardiner im Radio gehörte Aufnahme hat mich positiv überrascht. Vielleicht ist ja mit einem konseqenten HIP-Ansatz noch etwas für mich zu retten. Erwähnen muss ich natürlich eine Aufnahme, die nicht wegen dem Komponisten sondern wegen dem Interpreten hier steht. Das Klavierkonzert konnte ich nicht ausstehen, bis ich die Einspielung von Lipatti gehört habe. Die transzendiert diesen Schinken, weil der Ausführende selbst das romantische Wesen verkörpert und die romantsich komponierte Gefühlswelt durch eine "echte" ersetzt.
Wooster (02.01.2010, 23:10): Man kann zum einen nicht über die Romantik generell sagen, daß ein solch enger Zusammenhang zwischen "Kunst und Leben" besteht. Die Musik Chopins ist weitgehend frei von solchen biographischen Verstrickungen wie das bei manchen Schumann-Werken der Fall sein mag. Zum anderen fällt das bei Schumann keineswegs so einfach zusammen. Das zeigt die Vorliebe für "Maskenspiele", die unterschiedlichen Persönlichkeitsaspekte Florestan und Eusebius usw.
Die Sinfonien sind m.E. nicht wirklich für die Besonderheiten und Errungenschaften der Musik Schumanns repräsentativ. Denn hier versucht er häufig eine Art Klassizismus in der Nachfolge Beethovens. Die zentralen Werke sind die Klavierwerke, besonders die großen Zyklen Davidsbündlertänze, Carnaval, Kreisleriana, die Sinfonischen Etuden und einige weitere, ebenso die große C-Dur-Fantasie und mindestens die erste Klaviersonate. Dazu die Liederzyklen. Das Klavierkonzert halte ich allerdings für ein wirklich großartiges Werk, das beste der Gattung zwischen Beethoven und Brahms und diesen durchaus ebenbürtig.
:hello
Wooster
Rachmaninov (06.01.2010, 17:01): Ja, der Robert Schumann, was hat sein Naturell und seine Seele uns nicht für wunderbare romantische Klavierwerk beschert. Keines wollte ich missen!
Aber sein sonstiges musikalisches Schaffen? Seine Instrumentalwerke sind IMHO wenig erbaulich. Wie seht ihr das?
Fairy Queen (06.01.2010, 17:20): Original von Rachmaninov
Aber sein sonstiges musikalisches Schaffen? Ich wollte bei dieser Gelegenheit gleich mal nachdrücklich auf Schumanns Liedschaffen hinweisen. Vier berühmte Zyklen, die zum meistgesungenen Kunstlied-Repertoire überhaupt gehören und international geliebt werden:
Myrthen Dichterliebe Frauenliebe-und leben Liederkreis opus 39
......und dazu Unmengen anderer Lieder.
Da sie alle im Liederjahr 1840, dem Jahr von Claras und Robert Schumanns endlicher Heirat begonnen oder vollendet wurden, kann man einen biographischen Zusammenhang nicht leugnen oder übersehen. Robert und Clara schumann hatten das sich gegenseitig Lieder Komponieren zum Ritual ihrer Liebe und Ehe gemacht. Clara Schumann hat gar nach Roberts Tod keine einziges Lied mehr geschrieben, was angescihts der Qualität der von ihr überlieferten Lieder ein Riesenverlust ist. Robert Schumann hat in Briefen immer wieder betont, wieviel von Clara in sienen Liedern sei.
Was natürlich nicht heisst, dass die Lieder nun biographisch interpretiert werden müssten. Als echte Kunstwerke haben sie das nämlichgar nciht nötig und sprechen für sich selbst. Aber man sollte im Hinterkopf behalten, dass Schumann hier durchaus eigene emotionale Erfahrungen eingearbeitet hat und das macht die Lieder vielleciht so einzigartig bewegend und schön. Mein Favorit, der Liederkreis opus 39 nach Eichendroff-Gedcihten hat einen eigenen Thread, die anderen Zyklen werden vielleicht irgendwann folgen. euphonia
Wooster (06.01.2010, 21:28): Original von Rachmaninov Ja, der Robert Schumann, was hat sein Naturell und seine Seele uns nicht für wunderbare romantische Klavierwerk beschert. Keines wollte ich missen!
Aber sein sonstiges musikalisches Schaffen? Seine Instrumentalwerke sind IMHO wenig erbaulich. Wie seht ihr das?
Also das Klavierkonzert, die 4. Sinfonie und mit einigen Abstrichen auch die anderen Sinfonien, mindestens die 2. halte ich schon für großartige und sehr bedeutende Orchesterwerke. Auch die Kammermusik ist sehr hörenswert, wenngleich nur wenige Werke sehr bekannt sind. Hier gibt es einiges zu entdecken! Das Klavierquintett (sicher mit Abstand das populärste Kammerwerk Schumanns) und -quartett stehen nicht hinter entsprechenden Werken von Brahms zurück. Die Streichquartette sind vielleicht kontroverser, aber auch spannend. Die 2. Violinsonate mag vielleicht nicht unmittelbar eingängig sein, ist aber eine der großen Sonaten in einer Reihe mit Beethoven, Brahms oder Franck. Von den Trios ist anscheinend das 1. das populärste, mir gefällt das 3. am besten. Auch diese Werke halte ich z.B. den Mendelssohntrios für gleichwertig, wenn auch etwas widerborstiger.
Nicht recht warm werde ich bisher mit dem Cello- und dem Violinkonzert und die eigenartigen oratorischen Werke wie "Paradies und Peri" sind mir noch völlig unbekannt.
Wooster
Armin70 (06.01.2010, 22:05): Hallo,
Für mich zählen Schumanns Sinfonien zu den schönsten, die in der Gattung Sinfonik komponiert wurden. Das gilt natürlich für Schumanns eigene Fassungen und nicht die Versionen, die von Gustav Mahler uminstrumentiert wurden, weil ja lange Zeit (heute immer noch ?) angenommen wurde, dass Schumann nicht instrumentieren konnte. Dieser Meinung bin ich nicht. Es ist halt sein Stil. Besonders herausragend finde ich seine 2. Sinfonie, vor allem den langsamen Satz finde ich ergreifend.
Was seine Konzerte angeht, so gefällt mir sein Klavierkonzert a-moll sehr gut. Meiner Meinung wirkt dieses Konzert wie aus einem Guss. Das kann ich für sein Violin- und sein Violoncellokonzert nicht sagen. Mit diesen beiden Werken habe ich ehrlich gesagt Probleme, weil die auf mich irgendwie spröde wirken. Besser finde ich persönlich noch das Violoncellokonzert, weil ich es lyrischer und gesanglicher finde und auch weil ich das öfters gehört habe.
Noch ziemlich weisse Flecken auf meiner musikalischen Landkarte bilden Schumanns Kammermusiken sowie die oratorischen Werke.
Armin
Agravain (06.01.2010, 22:29): Original von Rachmaninov Ja, der Robert Schumann, was hat sein Naturell und seine Seele uns nicht für wunderbare romantische Klavierwerk beschert. Keines wollte ich missen!
Aber sein sonstiges musikalisches Schaffen? Seine Instrumentalwerke sind IMHO wenig erbaulich. Wie seht ihr das?
Ja, ich muss mich outen. Schumann macht mir seit Jahren Probleme. Nicht seine Liede, nein, nein, die höre und singe ich gern. Aber der Rest? Die Symphonien. OK, Nr. 1 ist hübsch, die 3. hat einen schönen Kopfsatz, aber der Rest? Mir scheint, dass besonders die 2. und 4. irgendwie vor dem Versuch Musik zu machen, sich in Theorie, Kopflastigkeit und Sprödigkeit verirrt. Dabei habe ich es wirklich versucht, drei GAs stehen im Schrank, darunter auch eine der wohl ultimativen, nämlich:
Aber auch jene hochgerühmte Scheibe hat es nicht schaffen können. Bisher hat's einfach noch nicht geschnackelt. Ansonsten: Kinderszenen: ja, nett, "Paradies und die Peri": seltsam, Instrumentalkonzerte: Klavier ok, aber nicht das größte seiner Zeit, Violine: nö, kein Funkenflug. Kammermusik - ohnehin nicht oft auf meiner Linie - bei Schumann bisher den ohnehin hazardösen Versuch noch nicht gewagt.
Aber das mag wie mit Goethes Alterslyrik sein - man versteht sie erst richtig, wenn man alt ist. Ich hoffe weiter auf mein "Erweckungserlebnis".
Wooster (06.01.2010, 23:59): Original von Agravain Original von Rachmaninov Ja, der Robert Schumann, was hat sein Naturell und seine Seele uns nicht für wunderbare romantische Klavierwerk beschert. Keines wollte ich missen!
Aber sein sonstiges musikalisches Schaffen? Seine Instrumentalwerke sind IMHO wenig erbaulich. Wie seht ihr das?
Ja, ich muss mich outen. Schumann macht mir seit Jahren Probleme. Nicht seine Liede, nein, nein, die höre und singe ich gern. Aber der Rest? Die Symphonien. OK, Nr. 1 ist hübsch, die 3. hat einen schönen Kopfsatz, aber der Rest? Mir scheint, dass besonders die 2. und 4. irgendwie vor dem Versuch Musik zu machen, sich in Theorie, Kopflastigkeit und Sprödigkeit verirrt.
Ich habe ein gewisses Problem mit den Finali von 2 und 3 (die ich insgesamt recht inhomogen finde) und der Kopfsatz der 2 ist etwas spröde. Aber der langsame Satz? Ergreifend und überzeugend. Die 4. mochte ich eigentlich seit der ersten Begegnung, sozusagen eine romantische Nachfolgerin von Beethovens 5.
Instrumentalkonzerte: Klavier ok, aber nicht das größte seiner Zeit
Im Ernst gefragt: Welches wäre denn das "größte" zwischen Beethoven 5 und Brahms 2 oder ca. 1825 und 1875? Da fällt mir als erstes Schumanns ein und als zweites und drittes eigentlich auch. :P Dann irgendwann Brahms 1, Liszt 1, sowie Mendelssohns und Chopins, aber doch mit einigem Sicherheitsabstand...
Wooster
Agravain (07.01.2010, 07:58): Original von Wooster Im Ernst gefragt: Welches wäre denn das "größte" zwischen Beethoven 5 und Brahms 2 oder ca. 1825 und 1875? Da fällt mir als erstes Schumanns ein und als zweites und drittes eigentlich auch. :P Dann irgendwann Brahms 1, Liszt 1, sowie Mendelssohns und Chopins, aber doch mit einigem Sicherheitsabstand... Wooster
Na, das wäre doch mal etwas für einen eigenen Faden. gerade heraus würde ich immer sagen: Brahms' 1 liegt mir wesentlich näher. Was für eine Bandbreite an Emotion, an Wucht, ja, sagen wir es ruhig: an jugendlichem Sturm-und-Drang, an Wertherscher Verzweiflung. Der Kontrastreichtum, die musikalischen Einfälle, im Kopfsatz einer der schönsten Einsätze des Solinstrumentes in der gesamten Literatur - die Art wie Schumanns Tod und Brahms hier nachgewirkt hat (und davon gehe ich schlicht aus) reicht über den Gehalt und die Originalität seines eigenen Konzertes um ein vielfachs heraus.
Aber wenn schon 1875 als "Schallgrenze", dann würden in meiner Liste zumindest noch Saint-Seans 2 (1868), Grieg (1868 - zugegebenermaßen an Schumann orientiert) und Tschaikowsky 1 (1874) erscheinen. Agravain
Heike (09.01.2010, 08:18): Schumann war ja, soviel ich weiß, auch kein guter Dirigent. Vielleicht hat er nicht so gern fürs Orchester geschrieben? Mir kommt es immer so vor, als wenn er bei den kleinen Formen mit mehr Lust beid er Sache war. Heike
Fairy Queen (09.01.2010, 17:28): Was Schumanns Dirigierfähigkeiten angeht, gibt es in dem Film "Geliebte Clara" von Helma Sanders Brahms, eine Sequenz, die ihn als komplett unfähig, ein Orchester zu leiten darstellt. Das Ganze spielt in Düsseldorf zu den Proben der Rheinischen Symphonie und das Orchester meuterte zunehmend, bis sich dann schliesslcih Clara der ganze Sache annahm und dirigierte. Bei der Aufführung stand sie hinter Schumann, der sozusagen als Strohmann fungierte, während sie die eigentliche Arbeit machte. Da in diesem Film ein in jeder Hinsciht idealisiertes Clara-Bild gezeichnet wird, ist die Frage, wie realistisch das Ganze ist. Allerdings soll Sanders-Brahms sich streng an historische Dokumente gehalten haben. Ein Körnchen Wahrheit wird wohl dran sein, zumal Schumann zum damaligen Zeitpunkt bereits von schwerer psychischer Krankheit gezeichnet war.
Euphonia
Wooster (09.01.2010, 18:05): Es ist richtig, daß er Schwierigkeiten mit der Orchesterleitung hatte (es ist vermutlich aber für den Film erfunden, daß Clara dirigiert hat), nun waren da aber einige Orchesterwerke schon geschrieben. (Gerade in der "Frühlingssinfonie" hat man viel weniger den Eindruck eines "zu dicken" Orchesters als später.)
Die innovativsten Werke Schumanns sind vermutlich die Klavier- und Liederzyklen. Allerdings handelt es sich dabei ja nicht durchweg um "kleine Formen". Zum einen gibt es eben auch Stücke wie die C-Dur-Fantasie, die fis-moll-Sonate (oder die ca. 20minütige Humoreske) zum andern sind das oft nicht einfach nebeneinandergestellte kleine Stückchen, sondern sie bilden eben eine zyklische Einheit. Die sinfonischen Etüden oder die Davidsbündlichertänze würde ich ebensowenig als "kleinformatig" bezeichnen wie Beethovens Eroica-Variationen Schließlich sind Formprobleme ja was anderes als technische Schwierigkeiten beim Dirigieren oder Ungeschicklichkeiten bei der Orchestrierung; die Kammermusikwerke sind vielleicht auch nicht alle unumstritten, aber sie weisen keine Schwierigkeiten mit den üblichen klassischen Formen auf.
Für mich ist eindeutig Schumanns Klavierkonzert das größte und wichtigste der „Romantik“ (wobei ich Brahms nicht wirklich dazurechne und sein 1. keineswegs in den Schatten stellen möchte). Aber Saint-Saëns 2 – Operette ! – Grieg, Tschaikowsky (so sehr ich es mag) können ihm meiner Meinung nach wirklich nicht das Wasser reichen.
Aber Cetay (??) hat recht: Es hängt sehr vom Interpreten ab, ob der Funke überspringt: Nicht jeder kann diese romantische Musik mit der nötigen Überzeugungskraft darstellen oder – gewissermaßen mein ceterum censeo – hier seine eigene und gleichzeitig womöglich noch gar des Komponisten Wahrheit sagen. Lipatti ist wunderbar, aber mein Eindruck ist, daß ihn Karajan ein wenig bremst (gibt es nicht sogar zwei Aufnahmen?, von denen ich allerdings nur eine kenne: die Studio-Aufnahme von 1948).
Das erste Mal, daß ich Lang Lang hörte (und es war glücklicherweise „blind“ aus dem Radio, so daß ich mir keine Voreingenommenheit vorwerfen muß), war mit diesem Konzert; das rief bei mir eine gewisse Übelkeit hervor.
Ich hatte kürzlich das Glück, dieses Konzert mit Philippe Bianconi (für mich der romantische Pianist schlechthin unter den lebenden) mit dem Orchestre du Capitole de Toulouse unter Tugan Sokhiev zu hören, und hier stimmte wirklich alles, denn Dirigent, Orchester und Solist waren sich offenbar einig. Voller Verve und Hingabe, und ein uneingeschränktes Glückserlebnis !
Schumanns vermeintlicher Mangel an Talent, was das Dirigieren betrifft, geht – so vermute ich – auf den Düsseldorfer Konzertmeister Wasiliewsky zurück, der bald nach Schumanns Tod eine Biografie des Komponisten veröffentlichte, von der Clara Schumann und Brahms überhaupt nicht begeistert waren.
Aus den Briefen allerdings geht hervor, daß Schumann in dieser Brottätigkeit unglücklich war, sich von dem Orchester abgelehnt fühlte – und wer kann unter diesen Umständen schon ordentlich und mit Enthusiasmus seine Arbeit tun? Überliefert ist, daß ihm der Taktstock einmal aus der Hand in das Orchester flog – aber das ist sicher auch schon anderen im Eifer des Gefechts passiert.
Im übrigen hat die Fähigkeit zu dirigieren natürlich nichts mit der Eignung zur Orchesterkomposition zu tun, denn das Dirigieren fordert auch andere – außermusikalische – Fähigkeiten, so die Bereitschaft und Eignung, eine Truppe von Menschen zu kommandieren, die der scheue Schumann sicher nicht hatte. Und davon abgesehen hat es auch andere Komponisten gegeben, die das Instrument, für das sie schrieben, nur unzulänglich beherrschten – man denke an Ravel und das Klavier.
Was die Einheit von Leben und Werk betrifft, so sollte man sich keinen Illusionen hingeben, daß das nur bei den Romantikern so ist. Unser aller Tun und Denken wird von unserem Leben geprägt, nicht nur das der Schaffenden, schon gar nicht ausschließlich das der Romantiker. (Mir kommt hier ein interessanter Text von T.S. Eliot in den Sinn, den ich im Moment leider nicht suchen kann.) Nur steht bei jenen (bzw. in der Biedermeierzeit) das häusliche Leben und die Gefühlswelt wahrscheinlich stärker als jemals zuvor im Vordergrund, statt nur in Topoi und konventionellen Formen ausgedrückt zu werden.
Über den Film von Helma Sanders-Brahms (!) haben wir hier schon gesprochen. Sie hat es bei aller Recherche nicht hingekriegt, die Anzahl der schumannschen Kinder korrekt zu bestimmen.
Beste Grüße, Gamaheh
P.S.: Das Klavierquintett finde ich übrigens wunderbar !
Cetay (inaktiv) (13.01.2010, 07:50): Original von Gamaheh
Lipatti ist wunderbar, aber mein Eindruck ist, daß ihn Karajan ein wenig bremst (gibt es nicht sogar zwei Aufnahmen?, von denen ich allerdings nur eine kenne: die Studio-Aufnahme von 1948).
Die Spannung, die dadurch aufgebaut wird, dass der Solist stets versucht auszubrechen und sich dann zurückfallen läßt um wieder neu Anlauf zu nehmen, macht für mich einen Teil der Faszination dieser Aufnahme aus.
Bei der Liveaufnahme des Konzerts 1950 war Ansermet am Pult. (näheres hier).
Fairy Queen (13.01.2010, 09:31): Lieber Gamaheh, wo finde ich diese Film-Diskussion, die interessiert mich serh! Ich habe mich recht intensiv mit dem Liedschaffen und auch der Biographie bedier Schumanns befasst und stehe diesem Film ziemiich kritisch gegenüber, auch wenn er nett auanzusehen und gut gespielt ist. Die Schumann-Kinder sind ohnehin ein eigenes und leider überwiegend trauriges Kapitel. Das das Leben eines jeden Menschen in seine Werke(ob Kunst- oder was acuh immer) entscheidend hineinfliesst ist für mich vollkommen eindeutig. Ich kann weder Wagner von seinem Antisemitismus und seiner wirkungsgeschichte , die insbespondere durch seine 2. Ehefrau angestossen wurde,trennen, noch die Schumanns vom jahrelangen Warten auf die Eherlaubnis oder Schumanns psychische und physische Zerrüttung. Wie direkt und sichtbar solche Dinge im Werk auftauchen, ist dann wieder eine ganz andere Sache und Werke psychoanalytisch im Hinblick auf die Künstlerpersönlichkeit zu interpetieren,nochmal eine Andere. Aber Künstler und Werk zu trennen, ist eine Haltung, die der menschlichen Natur nicht gerecht wird und sich darûber hinwegsetzen möchte- warum auch immer.
Euphonia
Heike (13.01.2010, 19:55): Hallo, wo finde ich diese Film-Diskussion, die interessiert mich serh!
die Diskussion findest du in diesem Thread ab Seite 1 unten: http://www.das-klassikforum.de/thread.php?threadid=524
Heike
Gamaheh (13.01.2010, 22:54): Danke, Heike. Ich war gerade drauf und dran zu schreiben "weiß ich leider nicht mehr, vielleicht weiß es Hebre", und in der Tat weiß sie es!
Grüße, Gamaheh
rosa (26.05.2010, 19:12): Es gibt jetzt ein neues Buch, in dem behauptet wird, Schumann wäre gar nicht wegen fortschreitender Paralyse in den Rhein bei Düsseldorf gesprungen, in Selbstmordabsicht, sondern wegen eines sog. Säuferdeliriums. Der Autor scheint ernstzunehmend zu sein.
Komisch, dass diese Diskussionen nie zur Ruhe kommen. Hat jemand das Buch gelesen? Ich finde zum Beispielt das Violinenkonzert und die Violinenfantasie ziemlich vital und überhaupt nicht ausgelaugt oder repetitiv. Die Stücke gehören zu seinen letzten Werken.
Gamaheh (27.05.2010, 09:51): Original von rosa Es gibt jetzt ein neues Buch, in dem behauptet wird, Schumann wäre gar nicht wegen fortschreitender Paralyse in den Rhein bei Düsseldorf gesprungen, in Selbstmordabsicht, sondern wegen eines sog. Säuferdeliriums. Der Autor scheint ernstzunehmend zu sein.
Komisch, dass diese Diskussionen nie zur Ruhe kommen. Hat jemand das Buch gelesen? Ich finde zum Beispielt das Violinenkonzert und die Violinenfantasie ziemlich vital und überhaupt nicht ausgelaugt oder repetitiv. Die Stücke gehören zu seinen letzten Werken. Original von obiger Webseite Historische Dokumente nötigen dazu, die Schumannlegende zu korrigieren. Nach dem letzten Sex des berühmten Ehe- und Liebespaares Clara und Robert Schumann am 14. Februar 1854 vergingen nur 13 Tage. Dann verließ Clara zusammen mit ihren Kindern auf immer ihren Mann. Ein sorgfältiger Vergleich bekannter und bislang unbekannter Dokumente zeigt, dass Schumann nicht an einer Geisteskrankheit erkrankt war, wie man bisher glaubte. Vielmehr war er Alkoholiker und machte ein Säuferdelir (Delirium tremens) durch, das schon nach fünf Tagen beendet war. Ärztliche Kunstfehler deuteten das als unheilbare Geisteskrankheit. Als schon wieder Gesunder wurde Schumann auf immer in eine private Heilanstalt abtransportiert. In diesem Buch werden die Fakten dazu erstmalig Tag für Tag dargestellt und interpretiert. Selbst Schumanns berühmter selbstmörderischer Sprung in den Rhein am Rosenmontag 1854 ist offenbar doch nur ein Gerücht gewesen. Das romantische Ende einer romantischen Künstlerbeziehung war anders als die Legende es bisher glauben machte. Wie konnte es dazu kommen? Auch dafür liefert Uwe Henrik Peters in diesem Buch die Erklärungen. Kein weiterer Kommentar nötig, denke ich.
Gamaheh
Gamaheh (06.06.2010, 23:54): Es sollte zumindest erwähnt werden, daß heute Schumanns 200. Geburtstag ist.
Ich bin leider etwas desorientiert: Heute ist ja erst der 6. ...
Fairy Queen (07.06.2010, 05:56): Liebe Gamameh, da ich allmählich wieder ältere Beiträge nachzuholen beginne: das Thema Schumann interessiert mich ganz besonders. Warum sagst Du, dass zu dem neuen Buch von Uwe Henrik Peters kein Kommentar nötig sei? Findest du es so abwegig, dass sich ein Kommentar erübrigt oder so überzeugend?
Es gibt etliche verschiedene mher oder weniger ernstzunehmende Meinungen zu Schumanns Geisteskrankheit. in einem anderen Forum wird sogar die These vertreten, er sei ermordet worden. Aus Allem, was ich bisher gelesen haben (und dabei beziehe ich mich vor allen Dingen auch auf Briefe und Tagebücher) scheint deutlich hervorzugehen, dass die Syphilis, die Schumann in jungen Jahren eingefangen und auch behandelt hat, die wesentliche Ursache des geistigen Verfalls war Der Alkohol und eine depressive Persönlichkeitsstörung spielen aber ebenfalls eine Rolle. Wie hoch man nun was davon gewichtet, gibt immer wieder anlass zu neuen Spekulationen und neuen "Sensationen". Kennst du den Film "Geliebte Clara " von Helma Sanders-Brahms?
Clara schumanns Rolle in dieser ganzen Geschichte wird einmal beinahe damönisiert (z.B. bei Eva Weissweiler) ein andermal idealisiert wie bei Sanders-Brahms. Warum kann man dieser aussergewohnlichen Frau nciht einfach Gerechtigkeit widerfahren lassen? Sie nun vor der Nachwelt als miserable Ehefrau und Mutter darzustellen, die ihren Mann loswerden wollte (die Kinder sowieso) , ihn in die Gesiteskrankheit abgeschoben und nichtmal mehr besucht hat, obschon er gar nciht krank war, ist serh bequem, nimmt aber das Schicksal einer Frau, die eine ganz grosse Künstlerin war nicht wahr. Ich idealisiere Clara shcumann nciht, aber ich versuche, so gut ich es kann, mich in ihre Lage hineinzufühlen.
F.Q.
Heike (07.06.2010, 09:26): Aus Allem, was ich bisher gelesen haben (und dabei beziehe ich mich vor allen Dingen auch auf Briefe und Tagebücher) scheint deutlich hervorzugehen, dass die Syphilis, die Schumann in jungen Jahren eingefangen und auch behandelt hat, die wesentliche Ursache des geistigen Verfalls war Der Alkohol und eine depressive Persönlichkeitsstörung spielen aber ebenfalls eine Rolle.
So sieht das auch der Autor dieses Buches (was ich mit großem Vergnügen gelesen habe).
Die Krankheiten grosser Komponisten: Bd.1, Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven, Vincenzo Bellini, Felix Mendelssohn Bartholdy, Frederic Chopin, Robert Schumann von Franz Hermann Franken
Er sieht auch einen hirnorganischen Prozess, wahrscheinlich durch die Syphilis ausgelöst, als wesentlich. Schumann zeigte (erst) ab 1852 die bekannten Symptome: verwaschne Sprache, Krampfanfälle, Gehörhalluzinationen, Verworrenheit, Erinnerungslücken, Stereotype, Unruhe, Aggressivität und schließlich rascher geistiger und körperlicher Verfall. Das Intervall zwischen Ansteckung und Paralyse liege bei Syphilis durchchnittlich bei 2 Jahrzehnten. Viel früher hatte Schumann wohl schon eine manisch depressive Erkrankung. Und dann kamen sicher später zusätzlich Abhängigkeitsprobleme (Alkohol, Opium) hinzu.
Ich fand an dem Buich besonders interessant, dass der Autor nicht einfach seine Meinung kundtut, sondern alle bis dahin verfügbaren Quellen darstellt, diese bewertet und dann auch die Meinungen /Diagnosen anführt und kommentiert, die bisher veröffentlicht wurden. Heike
Heike (07.06.2010, 09:55): Ein Nachtrag zum fFilm "Geliebte Clara" - der gestern in der ARD kam:
Ich hab ihn mir nochmal angesehen und bestätigt gefunden, dass es etliches zu kritisieren gibt an dem Film, dass er mich aber trotzdem recht gut unterhalten hat. Auf einen Kritikpunkt (an den ich mich aus der damaligen Diskussion erinnere) will ich eingehen:
Es wurde heftig kritisiert, dass die Kinderzahl im Film nicht stimmen würde. Da habe ich nun nochmal drauf geachtet: Clara sagte "Robert wir haben 5 Kinder und ich bin wieder schwanger" (Szene im Weinkeller). Wir befinden uns im Jahr 1850/51, als er gerade die Rheinische fertigschrieb.
Folgende Kinder hatte Schumann zu damaligen Zeitpunkt: 1. Marie (1841–1929), 2. Elise (1843–1928), 3. Julie (1845–1872) Emil (1846–1847) war bereits verstorben 4. Ludwig (1848–1899), 5. Ferdinand (1849–1891), Eugenie (1851–1938) war gerade unterwegs und somit das erwartete Kind und Felix (1854–1879) kam dann am Ende des Fims auf die Welt.
Also ich kann zumindest an diesem Punkt keinen Fehler erkennen, wenn der Film sich auch an anderer Stelle etliche künstlerische Freiheiten nimmt. Es waren nicht alle Kinder im Bild, das ist richtig (ich glaube, Ferdinand und Eugenie sind nicht zu sehen), aber daraus kann man ja keine falsche Kinderzahl konstruieren, zumal Clara sich einmal direkt dazu äußert (siehe oben) - und dass sie da nur die lebenden Kinder meint erscheint mir ziemlich logisch. Heike
Fairy Queen (07.06.2010, 12:33): Liebe Heike , das Buch über die Krankheiten der Komponisten kenne ich noch nciht, das klingt aber hochinteressant, danke Was sagt er denn über meinen geliebten Bellini? Selbiger war ein arger Hypochonder und ist dann auch tatsächlcih auf mysteriöse weise ganz plötzlich gestorben. Sind da die Ursachen lzut Franken inzwischen geklärt?
Was Schumanns Krankheit zngeht, fidne ich seine Erklärung jedenfalls am logischsten. Vater Wieck, der Schumann als Schüler im Hause hatte und in auch aus weinseligen Abendrunden der Studenten kannte, wusste jedenfalls genau von den Dispostionen des Bewerbers um die Hand seiner Tochter und hat auch deshalb eine Ehe abgelehnt. Das lässt dann vielleicht doch ein wenig Verständnis für einen besorgten Vater empfinden, wenngleich ich sehr wenig Sympathie für seine Haltung , Vereinnahmung und finanzielle ausbeutung von Clara habe. Mit Sicherheit war Schumann ein serh schwieriger und komplizierter Lebenspartner und bevor man Steine auf Clara wirft, sollte man sich auch das vor Augen halten. Sie war keine Cosima Wagenr, die im dienen dienen dienen am Werk des Mannes aufging, sondern sie war selbst eine grosse Künstlerin, deren Lebensader durch zahllose eheliche und familiäre Verpflichtungen abgeschnitten wurde. Was die Kritik an dem Film angeht, finde ich das Argument der Kinderzahl absurd, gut dass du das so widerlegen kannst. Die Kritk sollte ganz woanders ansetzen, nämlich an der überidealisierung von Clara- das was in diesem Film gezeigt wird, kann keine sterblcihe Frau leisten und das ist einfach unglaubwürdig. ! Aber die Schumann-Fan Gemeinde kann natürich nicht ertragen, wie der Meister vom Sockel geholt wird udn braucht Indizien, wie falsch das alles ist.....
F.Q.
Heike (07.06.2010, 22:34): Hallo Fairy, Was sagt er denn über meinen geliebten Bellini? Das Kapitel hab ich noch nicht gelesen, weil ich von Bellinis Leben (leider) noch gar nichts weiß. Das Buch ist ganz hervorragend in Teilen lesbar, immer wenn ich gerade eine Phase mit demjenigen Komponisten habe, dann hatte ich auch über dessen Krankheiten gelesen.
Ich kann aber mal schnell nachschauen: So auf den ersten Blick sehe ich da "Amöbenruhr mit Leberabzess" als Diagnose. Dann lässt er sich noch über Vermutungen zu akuten Erkrankungen im Sterbejahr aus, die diese Grunderkrankung verschlimmert haben könnten und in eine akute Krise führten. Zitat: "Der Tod trat wohl durch den maximalen Wasser- ud Elektrolytverlust infolge der unstillbaren Diarrhoen ein, ehe es zu einer Perforation des Leberabzesses in die Freie Bauchhöhle ... kam".
Er schreibt, dass der arme Bellini unter heutigen Umständen wahrscheinlich überlebt hätte X( Heike
P.s. das Buch gehört zu einer Reihe - es gibt weitere Ausgaben mit weiteren Komponisten.
Heike (07.06.2010, 22:43): Hallo, Mit Sicherheit war Schumann ein serh schwieriger und komplizierter Lebenspartner und bevor man Steine auf Clara wirft, sollte man sich auch das vor Augen halten. Ja, das finde ich auch. Sie muss doch oft sehr verzweifelt und frustriert gewesen sein, im Schatten dieses Mannes, ohne eigene Möglichkeit zur künstlerischen Weitereintwicklung; mit einer Geburt nach der anderen, Geldsorgen und einem hochkomplizierten Mann an der Seite. Damals hat man sich nicht einfach getrennt, wenn es nicht mehr gut lief. Zudem, wenn man sich erinnert, wie sehr das Paar um die Erlaubnis zur Heirat gestritten hat, bis vor Gericht. Da kann doch später die Clara nicht hergehen zu ihren Eltern und sagen "oh wie schrecklich ist dieser Mann, ich brauch eure Hilfe". Heike
Gamaheh (07.06.2010, 23:53): Original von Fairy Queen Liebe Gamameh, da ich allmählich wieder ältere Beiträge nachzuholen beginne: das Thema Schumann interessiert mich ganz besonders. Warum sagst Du, dass zu dem neuen Buch von Uwe Henrik Peters kein Kommentar nötig sei? Findest du es so abwegig, dass sich ein Kommentar erübrigt oder so überzeugend? Liebe Fairy,
ich habe durchaus ein Faible für Verschörungstheorien, aber irgendwo habe auch ich meine Grenzen. Man muß wohl schon eine außergewöhnlich komplexe Verschwörungstheorie aufbauen, um das ernstzunehmen. Es gibt ja schließlich genügend Zeugnisse. Zunächst muß man annehmen, daß Clara Schumann ihr Tagebuch im nachhinein frisiert hat (ist ja auch schon gelegentlich von dem einen oder anderen behauptet worden). Brahms war natürlich auch mit im Boot, die Ärzte sowieso, die Krankenakten alle nichts als Belletristik: "Als schon wieder Gesunder wurde Schumann auf immer in eine private Heilanstalt abtransportiert." Besucher hatte Schumann in Endenich auch - auch deren Zeugnisse Erfindungen?
Und ich bitte Dich: "Nach dem letzten Sex des berühmten Ehe- und Liebespaares Clara und Robert Schumann am 14. Februar 1854" - da hat der Autor offenbar noch irgendein intimes Tagebuch aufgefunden (sicher bisher unveröffentlicht!). Allein dieser Satz würde mir reichen - was für ein Stil (in jeder Beziehung)!
Hier ist übrigens auch schon einmal behauptet worden, es sei so gut wie gesichert, daß Felix Schumann der Sohn von Brahms sei. Ein kleines Rechenexempel führt mit einer reichen Phantasie ausgestattete Menschen zu Szenen, die Arzt- oder Försterromanen in nichts nachstehen.
In der Tat ist anscheinend schon fast alles über diese drei Personen behauptet worden, und als nächstes warte ich noch darauf, daß Clara in Wirklichkeit lesbisch war (aber wahrscheinlich hat das schon jemand entdeckt und nachgwiesen).
Es gibt etliche verschiedene mher oder weniger ernstzunehmende Meinungen zu Schumanns Geisteskrankheit. in einem anderen Forum wird sogar die These vertreten, er sei ermordet worden. Siehst Du, es wurde auch langsam Zeit, daß das behauptet wurde. Es gibt eigentlich nichts, was man nicht über diese Menschen behaupten würde, es ist schon fast ein Sport, sich diese Menschen herzunehmen und Geschichten über sie zu erfinden. Und jeder nimmt sich das Recht, sie nach seinen eigenen Standards zu beurteilen und abzuurteilen - daher dann auch die unterschiedlichen Darstellungen (von denen viele wahrscheinlich nur über ihre Autoren eine ernstzunehmende Aussage machen).
Vielleicht bin ich prüde, aber ich finde hier einen Mangel an Zurückhaltung und Anstand und vor allem Respekt - ich denke, auch Tote sollten noch eine Privatsphäre genießen dürfen. Wenn einen das Schicksal und die Beziehungen dieser Menschen interessieren, kann man sich sicher vieles dazu denken, aber muß man alles sagen, was man denkt - oder gar veröffentlichen?
Warum kann man dieser aussergewohnlichen Frau nciht einfach Gerechtigkeit widerfahren lassen? Wir haben es hier mit drei großen, außergewöhnlichen und komplizierten Menschen zu tun (Clara und Robert Schumann und Brahms), die genau wie alle anderen nicht ohne Widersprüche sind. Wir können allen dreien Gerechtigkeit widerfahren lassen, indem wir sie akzeptieren, wie sie sich darstellen und wie sie gesehen werden wollten. Wenn wir gewisse Dinge nicht verstehen können, mag es auch an uns liegen - wir können eben nicht jeden mit unseren Maßstäben messen. Dabei brauchen wir niemanden zu idealisieren.
Beste Grüße, Gamaheh
Heike (08.06.2010, 08:10): Nun aber - herzlichen Glückwunsch zum heutigen 200. Geburtstag - mögen sie den Jubilar auch in den Sphären des Himmels erreichen! Heike
Fairy Queen (08.06.2010, 08:58): Liebe Gamameh, deinen serh schönen und einfüihlsamen Beitrag kann ich geradezu mit- unterzeichnen, wobei ich lediglich einzuwenden habe, dass es ein ganz natürlicher Prozess ist, dass die Nachwelt sich für grosse aussergewöhnliche Menschen interessiert. Der Voyeurismus das Privatleben von Stars betreffend ist eine normale Reaktion und immer und überall in der Menschheitsgeschichte zu finden. Warum dem so ist, kann man noch sehr detailliert analysieren, das ist aber hier nicht der Ort dazu. Was Diskretion, Respekt und Achtung betrifft sehe ich das grundsätzlich wie du, aber habe trotzdem viel Verständnis für all die Neugier und das grosse Interesse. Schumann hat ja in seinen Tagebüchern seine Liebesbegegnungen mit Clara selbst quasi buchhalterisch notiert, was dann allen Biographen entsprechendes Futter gibt. Wenn man nicht von permanenten Nötigungen und Vergewaltigungen ausgeht,(auf diese Idee kommt sicher auch noch jemand....der sollte aber dann bitte mal die Briefe lesen!)) kann man daraus m.E. durchaus schliessen, dass diese Ehe bis zuletzt bestanden hat und die Geschichte mit Felix als Sohn von Brahms erst Recht ins Reich der romantischen Absurditäten verbannen.
Mir scheint ganz entscheidend zu sein, dass Clara Schumann eine wirkliche Künstlerin war, deren Berufung zwischen Liebe zu ihrem Mann und den unglaublich belastenden Pflichten als Ehefrau und vielfache Mutter aufgerieben wurde. Wer sich annähernd vorstellen kann, was Menschen passiert, die von ihrem eigentlichen Lebensnerv abgeschnitten werden, kann dann etliche Reaktionen evtl besser nachvollziehen. Die Vernachlässigung der Kinder wird ihr sehr oft vorgeworfen und auch das "Nichterhören" des armen Brahms. Selbst wenn da beidseitige romantishce Liebe im Spiel gewesen sein sollte(was ja nicht sicher ist): sollte sie nach Schumanns Tod etwa zum zweiten Mal hinter einem Komponisten-Mann zurückstehen und schon wieder mit dem Kinderkriegen anfangen?
Ja, das sind drei grosse und aussergewöhnliche Menschen und deren Schicksal darf dann eben auch gross und aussergewöhnlich und wie Gamameh so schön sagt, nciht immer zu verstehen sein.
F.Q.
Fairy Queen (08.06.2010, 22:35): Gerade noch vor Tagesende: meine Hommage an das heutige Geburtstagskind. In Fance musique lief soeben eine Live-übertragung aus der Düsseldorfer Tonhalle mit schumanns Klavierkonzert, siehe Thread-Thema. Immer wieder schön zu hören, trotz aller Popularität. Chritsoph Eschenbach dirigierte das Düsseldorfer Orchester, am Klavier ein Israeli dessen Namen ich nciht verstanden habe. Eine für meinen Geschmack sehr gute Interpretation. Dazu gab es "Die Braut von Messina" und die zweite Symphonie. in der Pause Kinderszenen gespielt von Maria Joao Pires und Kinderszenen von Sofia Gubaildina, gespielt von Andreas Häfflinger. Eigentlich wollte ich in der Pause den Liederkreis 39 als persönliche Mega-Hommage hören, aber diese gegenübergestellten Klavierminiaturen waren zu faszinierend. :down :down :down F.Q.
rosa (10.06.2010, 16:52): Original von Fairy Queen Liebe Gamameh, da ich allmählich wieder ältere Beiträge nachzuholen beginne: das Thema Schumann interessiert mich ganz besonders. Warum sagst Du, dass zu dem neuen Buch von Uwe Henrik Peters kein Kommentar nötig sei? Findest du es so abwegig, dass sich ein Kommentar erübrigt oder so überzeugend? F.Q.
Ich habe mit Interesse die Diskussion zu Schumann weiter verfolgt. Sie ist es mit Sicherheit wert, ausführlich geführt zu werden. Ich glaube, weil bei Schumann so immens viel eigenbiographisches Material vorhanden ist, ist die Verführung zu spekulativer Interpretation von bestimmten Lebens-Situationen und -Sachverhalten besonders gross. Wir sollten uns vielleicht einfach mehr mit der Musik an sich beschäftigen. So ähnlich hat es der Musikwissenschaftler und Dirigent Peter Gülke neulich in einem Interview im Deutschlandradio zu diesem Thema gesagt. Ich finde, er hat recht.
Liebe Fairy Queen, danke, dass Du noch einmal nachgehakt hast. @ Gamameh: Besonders nett geschrieben war Deine Antwort ja nicht, aber ich bin bestimmt nicht nachtragend. :wink
sahrapa92 (20.10.2014, 18:09): hatte seine eigene geschichte. karajan,selbst guter pianist, hat sich bei der vorbesprechun an den flügel gesetzt und lipatti vorgespielt, wie er sich die interpretation vorstelle. lipatti, darob verärgert, hat karajan vorgeschlagen, doch gleich selbst das konzert zu spielen. die beiden sind keine freunde geworden. letztlich hat sich karajan mit seiner tempovorstellung durchgesetzt. nichtsdesdotrotz ist dies wohl die gelungenste einspielung des schumann-klavierkonzertes. es gibt noch einen livemitschnitt des konzertes mit lipatti und einem unbekannten dirigenten, romantischer , leider hat lipatti da einen aussetzer im langsamen satz