Rolando Villazón - Eine Kerze, die an beiden Enden brennt

Severina (16.03.2010, 18:26):
Rolando Villazón wurde am 22. Februar 1972 in Mexico-City geboren. Da seine Urgroßmutter (Roth) aus Österreich stammte, besuchten er und seine Schwester einige Jahre das Colegio Alemán Alexander von Humboldt, wo er sich die Grundlagen seiner guten Deutschkenntnisse aneignete.

Nach eigenen Aussagen betrachtete schon der kleine Rolando die ganze Welt als seine Bühne und liebte es zu singen und zu tanzen. Mit 11 Jahren schickten ihn die Eltern deshalb auf die Academia de Artes Espacios, wo er eine Ausbildung in Schauspiel, Gesang, Ballett und Modern Dance erhielt.
Wieder laut eigener Aussage war es die LP "Perherps love", ein crossover von Placido Domingo und John Denver, die ihn zum ersten Mal den Zauber einer Tenorstimme entdecken ließ und in ihm den Wunsch weckte, selber Sänger zu werden. Bis heute bewahrt Villazón eine schwärmerische Bewunderung für seinen berühmten Landsmann, den er mit großer Ehrerbietung "Maestro" nennt.

Villazóns erster Gesangslehrer war der Bariton Arturo Nieto. Nach seiner Ausbildung an nationalen Konservatorien und der Teilnahme an diversen Nachwuchsprogrammen (San Francisco, Pittsburgh) trat er 1999 bei dem von Domingo ins Leben gerufenen Gesangswettbewerb Operalia an und gewann den 2. Preis, allerdings auch den Publikumspreis, ein Beweis, dass er schon von Anfang an die Menschen begeistern konnte.
Im selben Jahr erfolgte sein Debut in Europa: In Genua sang er den Des Grieux in der Massenet'schen "Manon", in Paris den Alfredo, für beide erntete er sehr gute Kritiken.

Damit begann eine schwindelerregende Karriere, die Rolando Villazón binnen weniger Jahre an alle renommierten Opernhäuser der Welt brachte und einen wahren Hype um seine Person auslöste, ein Hype, der ihm vorübergehend auch zum Verhängnis wurde.
Als männlicher Part des "Traumpaares der Oper" wurde er an der Seite Anna Netrebkos spätestens seit der legendären Salzburger "Traviata" 2005 gnadenlos vermarktet. (Übrigens war es Domingo, der die beiden in Los Angeles als Romeo und Juliette erstmals zusammenspannte)
Villazón sang zu viel, viel zu viel, und wohl auch immer wieder über seine Fachgrenzen hinaus. Später sagte er selber über diese Zeit, er habe wie ein Kind alles gewollt, auf jeder Bühne stehen, Interviews geben und seinen Spaß haben.

Die Folgen dieses physischen und psychischen Raubbaus machten sich bereits Anfang 2006 bemerkbar, die Absagen häuften sich und Mitte August gab Rolando Villazón seine erste Auszeit bekannt.
Im Jänner 2008 kehrte er auf die Bretter, die ihm wie wie kaum einem anderen die Welt bedeuten, zurück: Das Publikum der WSO lag ihm zu Füßen, als er einen Werther interpretierte, der wohl jedem, der damals dabei gewesen ist, unvergesslich bleiben wird. Es war das erschütternde Porträt des an sich und der Welt leidenden und immer gefährdeten Künstlers, und wohl jeder spürte, wie viel von der Verzweiflung und existenziellen Krise der letzten Monate Rolando Villazón in seine Rollengestaltung einfließen ließ. Seine stimmliche Verfassung an diesem Abend konnte allerdings nur seine fanatischsten Anhänger darüber hinwegtäuschen, dass nicht alles so klang wie einst im Mai. Ich aber, die bei aller Begeisterung für diesen Ausnahmekünstler doch immer bemüht bin, objektiv zu werten, ging mit einem lachenden und einem weinenden Auge nach Hause.

Die nächsten drei Jahre brachten ein ständiges Auf und Ab, großartige Auftritte wechselten mit weniger großartigen, von der schlechten Verfassung des Sängers in der "Lucia di Lammermoor" an der MET im Jänner 2009 konnte sich das Kinopublikum der Liveübeertragung weltweit überzeugen. Im März schien die Krise überwunden, als er in Paris eine Wertherserie sang, für die ihn das Publikum zu Recht feierte.
Aber wenig später wurde eine Zyste an den Stimmbändern diagnostiziert und Rolando Villazón musste erneut pausieren. Nach der OP im Sommer meldete er sich im November in einer Videobotschaft an seine Fans zurück - wie immer ein Energiebündel, das vor Tatendrang zu platzen schien und es nicht mehr erwarten konnte, auf seine geliebte Opernbühne zurückzukehren.

Nächste Woche, am 22. März, ist es so weit. Rolando Villazón wird als Nemorino seine ersten Gehversuche nach der OP unternehmen, wie schon nach der ersten Krise wieder an der WSO, mit dessen Publikum er wohl in einer ganz besonderen "Liebesbeziehung" steht :D.

Ich sprach oben von einer "Kerze, die an beiden Enden brennt" - und damit ist wohl gleichzeitig das Faszinosum, aber auch die Gefährdung dieses Ausnahmekünstlers beschrieben.
Villazóns Stimme ist natürlich wie bei jedem Sänger Geschmackssache, ich liebe die baritonal eingefärbten Tenöre prinzipiell sehr. Villazón ähnelt auf manchen Aufnahmen wirklich verblüffend seinem großen Idol Placido Domingo, und wie dieser ist auch er kein strahlender Ritter des hohen C. Wer also auf Zirkusnummern steht, wird an diesem Sänger immer etwas zu bemäkeln haben. Seine Stärke sind die wunderbar gestützten Piani, seine herrlich ausgesponnen Legati und in erster Linie natürlich die Intensität des Ausdrucks: Fairy hat einmal gemeint, Rolando Villazón verkörpere seine Rollen nicht, er "verseele" sie, und damit trifft sie genau den Kern. Wenige Sänger können ihre Stimme emotional derart aufladen, jeder kleinsten Gefühlsnuance nachspüren und einen oft bei Stellen aufhorchen lassen, die einem bisher nie sonderlich bewusst geworden sind, einfach weil andere Tenöre darüber hinweg singen. Bei Villazón steht immer die Empfindung, die Wahrhaftigkeit des Ausdrucks vor reinem Schönklang.
Ebenso intensiv, wie er seine Rollen musikalisch gestaltet, spielt er sie auch. Deshalb verzeiht man diesem Sänger auch, wenn er sich stimmlich nicht in Bestform befindet, weil er einen mit seiner unglaublichen Bühnenpräsenz vom ersten Moment an gefangen nimmt.

Ich bin Villazónfan, seit ich 2002 seine Stimme bei einer Radioübertragung der "La Bohème" von der Bregenzer Seebühne erstmals hörte. Von da an versuchte ich bei allen seinen Auftritten in Wien dabei zu sein und verdanke ihm viele unvergessliche Opernabende, sei es als Romeo, Werther, Des Grieux, Nemorino, Rodolfo, Alfredo, Duca (den er inzwischen nicht mehr singt) oder Hoffmann.

Wer sich von den sängerischen Qualitäten Rolando Villazóns überzeugen will, dem empfehle ich "Arias. Gounod. Massenet", für mich seine beste CD, wer ihn als leidenschaftlichen Latin Lover erleben will, die CD "Gitano" (Zarzuelas), für seine schauspielerischen Qualitäten stehen zahlreiche DVDs.
(Nicht unbedingt die "Bohème"- Verfilmung, da finde ich meinen Liebling ziemlich schwach und vor allem im Spiel so unnatürlich, wie ich ihn noch nie auf der Opernbühne erlebt habe.)

Jetzt bleibt mir nur mehr zu sagen: Toi, toi, toi Rolando!!!

22. März - der Countdown läuft!!!

lg Severina :hello
Heike (16.03.2010, 18:40):
Liebe Severina,
vielen Dank für den längst überfälligen Thread! Du wirst hier einige Villazon-Fans finden :-)

Ich hatte zweimal das Vergnügen, RV leibhaftig zu begegnen:

Einmal sah ich ihn 2008 in der Lindenoper in Berlin in Eugen Onegin - in einer teilweise sonderbaren Freyer-Inszenierung, aber mit traumhafter Musik. Villazon hat unglaublich viel Ausdruck und Wärme in der Stimme, ich höre ihn sehr gerne. Er hat außerdem was besonderes und einen extrem hohen Wiedererkennungswert.

Das zweite Mal sah ich ihn als Zuschauer wenige Meter neben mir, auch in der Lindenoper (bei Tristan und Isolde); mit ich nehme mal an seiner Frau. Er scheint sich also in Berlin ganz wohl zu fühlen und wird ja auch in wenigen Wochen bei den Festspielen wieder 3x als Lenski auftreten.

Ich hoffe sehr, dass er zukünftig etwas besser auf sich achtet und wir noch ganz lange von ihm hören werden.
Heike
Severina (16.03.2010, 19:03):
Liebe Heike,
wie schön, dass ich mit meiner Begeisterung hier nicht alleine bin!
Villazón hat sicher eine sehr enge Bindung an Berlin, denn in seinen ersten Jahren in Europa waren die Deutsche Oper Berlin und die Pariser Oper seine wichtigsten Häuser. Besonders Barenboim scheint ihn sehr gefördert zu haben. Und in Paris hat er ja seinen ordentlichen Wohnsitz.
Ich freue mich jedenfalls schon unbändig auf den Montag, allerdings zittere ich auch ein wenig..... :(
lg Severina :hello
Heike (16.03.2010, 19:16):
Er spricht übrigens auch recht gut deutsch, ich hörte ihn nach Onegin im Publikumsgespräch, wo er quasi zum Alleinunterhalter wurde, sehr lebhaft und sympathisch; so, als ob er sich nach der (Freyer)steifen Rolle erst mal verbal und gestisch austoben wollte!

Ich wünsche dir einen wunderschönen Abend am Montag, und bitte berichte ausführlich (am besten mit heimlichen Mitschnitten ;-) )
Heike
Fairy Queen (16.03.2010, 19:26):
Original von Heike
Liebe Severina,
vielen Dank für den längst überfälligen Thread! Du wirst hier einige Villazon-Fans finden :-)


Ich hoffe sehr, dass er zukünftig etwas besser auf sich achtet und wir noch ganz lange von ihm hören werden.
Heike

Oja, ich bin auch ein Mega-Rolando-Fan! Für mch ist er das männliche Pendant zu Callas- was seine totale Hingabe an den Operngesang angeht. Ich hatte auch schon das Glück, ihn live zu erleben, im Barockfach, in dem ihn leider die wenigsten kennen, weil er sich ja serh schnell auf "grosse Oper" konzentriert hat. Sein Temperament ist sowas von ansteckend und trotz allen Clownerien wirkt er auf mich ganz und gar authentisch. Er ist wie er ist und er gibt Alles was er hat.
Sein Timbre liebe ich persönlich sehr, weil es genau die Emphase ausdrückt, die der ganze Mann an sich hat.
Seltsamerweise löst er nciht die geringste erotische Anziehungskraft bei mir aus, sondern richtige Muttergefühle. Mit meinem Alter kann das noch nichts zu tun haben, hoffe ich, denn bei Kaufmann gehts mir ganz anders. :wink

Wenn Villazon auf der Bühne steht und sich die Seele aus dem Leib singt, hab ich dauernd Angst, gleich bricht er zusammen vor lauter Leidenschaft und empfinde Beschützerinstinkte- das ist wirklich einzigartig, denn das erlebe ich so bei niemandem.
Ic hfinde ihn besonders überzeugend in den Rollen, die diesem Aspekt Rechnung tragen. der arme leidende Liebhaber mit einer gehörigen Portion Naivität à la des Grieux, Werther oder Alfredo ist ihm auf den Leib geschrieben. Als Duca dagegen oder sonst ein Tenor-HELD kann ich ihn mir schlecht denken
Ich fand ihn auch als Nemorino anbetungswürdig (eine Kategorie, dei bei Roland Barthes "Fragmente einer Sprache der Liebe" vorkommt) uund zusammen mit der Netrebko wirklich das Traumpaar des Elisir d'amore!
Was an den Gerüchten über eine Affâre der Beiden dran ist keine Ahnung. ich hoffe Villazon ist in guten Händen, soweit ich weiss ist seine Frau Psychologin, also wahrscheinlich genau richtig. fûr diesen Peter Pan Typ.....
Bi nserh gespannt auf Sevis Bericht über sein Come-Back! Hoffen wir, es geht ihm wie Natlaie Dessay, die hats ja auch geschafft nach der grossen Stimmkrise.
F.Q.
Mime (16.03.2010, 19:37):
Hallo Feenkönigin,

kannst du das in Bezug auf JK Gesagte etwas erläutern?

Zitat:
"Seltsamerweise löst er nciht deigeringste erotische Anziehungskraft bei mir aus, sodnern richtige Muttergefühle. Mit dem Alter kann das noch ncihts zu tun haben, hoffe ich, denn bei Kaufmann gehts mir ganz anders."

:thanks
Fairy Queen (16.03.2010, 19:51):
Lieber Mime, ich dachte das sei sehr deutlich, aber ich kann für echte Nibelheimer gerne nochmal ins Details gehen, so es denn not tut :D:
Kaufmann hat als singender und spielender Tenor eine erotische Ausstrahlung auf mich, Villazon nicht. Auch wenn Beide dasselbe singen und auch wenn ich Villazons Stimme emotional sehr bewegend finde.

Um Klartext zu reden: wenn man mich mit Villazon zwei Tage einsperren würde, würde ich ihn bitten "Pourquoi me reveiller " zu singen und ihm dann was von Goethe erzählen und Unmengen Spaghetti kochen. Was ich bei Kaufmann würde, nachdem er "Pourquoi me reveiller" gesungen hätte und so er denn wollte...... :ignore

Alles klar? :engel
F.Q.
Severina (16.03.2010, 20:20):
Original von Fairy Queen
Lieber Mime, ich dachte das sei sehr deutlich, aber ich kann für echte Nibelheimer gerne nochmal ins Details gehen, so es denn not tut :D:
Kaufmann hat als singender und spielender Tenor eine erotische Ausstrahlung auf mich, Villazon nicht. Auch wenn Beide dasselbe singen und auch wenn ich Villazons Stimme emotional sehr bewegend finde.

Um Klartext zu reden: wenn man mich mit Villazon zwei Tage einsperren würde, würde ich ihn bitten "Pourquoi me reveiller " zu singen und ihm dann was von Goethe erzählen und Unmengen Spaghetti kochen. Was ich bei Kaufmann würde, nachdem er "Pourquoi me reveiller" gesungen hätte und so er denn wollte...... :ignore

Alles klar? :engel
F.Q.

Ist doch klar, Du würdest ihm die Spaghetti nachher kochen :ignore :engel :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl

Aber damit wir nicht ganz OT sind, weil das doch ein Villazónthread ist: Mit dem Duca konnte er sichtlich selber wenig anfangen, obwohl er ihn gut gesungen hat, speziell das Deutt mit Gilda war natürlich zum Niederknien und Knieschnackeln. Ich denke, es hat nicht nur stimmliche Gründe, dass er diese Rolle zurückgelegt hat, der Typ ist ihm wahrscheinlich zu eindimensional.
lg Sevi :hello
Honoria Lucasta (17.03.2010, 07:41):
Liebe Severina,

besten Dank für die schöne Einführung. Ich glaube, ich habe anderswo schon einmal etwas zu Villazon und seinen Nerven geschrieben - Du beschreibst sehr schön, was ihn an sich selbst leiden läßt. Ich wünsche ihm sehr, daß er diese Krise erst einmal überwunden hat; Du wirst uns ja getreulich berichten.

Die Frage der unterschiedlichen erotischen Ausstrahlung im Vergleich Villazons mit anderen Tenören müßte man mal mit der gebotenen Wissenschaftlichkeit untersuchen :J - ich kann für mich nur sagen, daß ich in der Reaktion auf ihn und seinen Gesang eher Fairy Queens Richtung zuneige (aber so weit, daß mich Jonas Kaufmann in der Richtung begeisterte, geht es nun nicht, dafür kassiere ich auch regelmäßig hier und anderswo verbale Prügel...). Ich denke, es liegt viel daran, daß Villazon das Image eines tapsigen Welpen auch ganz gut einzusetzen weiß - man kann ihm gar nicht böse sein, er weckt vielleicht nicht gerade mütterliche, aber doch Beschützerinstinkte.

Auch aus dem Grund ist er kein Duca - er kann eben nicht aus seiner Haut...

Grüße!

Honoria
Rideamus (17.03.2010, 08:27):
Liebe Fangemeinde,

darf man sich als Mann ohne aufgeprägten Mutterinstinkt Euch dennoch zugesellen?

Mir fällt allerdings auf, dass Ihr ausgerechnet die Rolle, die sowohl er als auch Kaufmann gleichermaßen faszinierend, wenn auch völlig verschiedenen gestalten, noch nicht erwähnt habt, und das ist der Don José. Ich spreche hier natürlich von der Berliner Kusej-Inszenierung, in der Villazon die Geschichte als gerafften Erinnerungsfilm eines bereits zum Tode Verurteilten darbietet und wie selten sonst jemand zu vermitteln weiß, warum er einer Carmen so hoffnungslos verfallen muss.

Auch der Werther und der Alfredo gefielen mir von beiden sehr gut, wobei ich beidemale Villazon einen Tick überzeugender fand. Villazon gehört einfach zu den ganz wenigen Sängern, denen es gegeben ist, stark zu sein, indem sie Schwäche zum Ausdruck bringen ohne einfach als Schwächlinge zu erscheinen. Dagegen kann und will ich ihn mir überhaupt nicht als Lohengrin vorstellen, dermit dem Duca genau die Eindimensionalität gemeinsam hat, die Severina zu Recht hervor hob.

Mal hinterfragt: gab es je einen Tenor, der sich traute, das zu tun, es auch so überzeugend konnte und dabei dennoch sympathisch blieb?

:hello Rideamus
Fairy Queen (17.03.2010, 09:45):
:rofl :rofl :rofl
Lieber Rideamus, na klar, mann darf! Mannes Urteil ist ja umso unparteiischer da frei von diversen Mutter- und anderen Instinkten... :wink
Villazon hab ich leider nicht als Don José gesehen, Kaufmann fand ich absolut genial- besser oder gleichgut hat mir nur der damals noch in Hochform sich befindende Roberto Alagna gefallen.
Sollte Vilazon aber jemals Wagner singen- von wegen Lohengrin- bin ich die längste Zeit sein Fan gewesen: das ist nun gerade mal gar ncihts für ihn!!!!!

F.Q.
Liebe Sevi, ohne Spaghetti geht gar nix- das ist das Resultat der Lebenserfahrung einer Halb-Italienerin. :times10
Mimì (17.03.2010, 10:30):
Hallo zusammen,

ich hab ja auch schon mal erwähnt, dass ich großer Villazón-Fan bin und geselle mich daher ebenfalls dazu. Ich kann mich dem bereits Gesagten hier nur anschließen. Villazón singt und spielt mit einer überwältigenden Leidenschaft und Hingabe. Mehr brauch man dazu eigentlich schon nicht zu sagen :down.

Sein Don José hat mir auch sehr gut gefallen. Besonders in der Schlussszene, in der er hingerichtet werden soll und sich dann diese Augenbinde runterreißt – mich hat’s total überlaufen bei diesem Blick in den Tod *schauder*.
Alfredo und Nemorino fand ich auch wirklich toll.
Ich finde aber persönlich, er sollte mal mehr im Barockfach bleiben. Er macht das sooo schön, glaube auch, dass es ihm gut tut.

Allerdings mache ich mir auch ernsthaft Sorgen um ihn (obwohl er jetzt keine Muttergefühle bei mir weckt :D.). Erstens, weil ich wirklich hoffe, dass er sich nicht an Wagner macht, denn das ist doch das total falsche Fach für ihn, denke ich, oder? Meiner Ansicht nach sollte er im lyrischen Fach bleiben.
Und zweitens fällt mir auf, dass er, anstatt es langsam wieder mit Opern- und Konzertauftritten anzugehen, gleich im Medienbereich auftritt und in irgendwelchen Shows gastiert oder eine Castingshow mitleitet. Da frage ich mich, ob er denn nicht etwas aus seiner Krise gelernt hat? Er sollte sich lieber auf seine Karriere als Sänger konzentrieren, finde ich. :(
Ich werde ihn Ende April selbst live erleben und freue mich schon sehr darauf. Aber auch ich zittere…und warte gespannt auf Severinas Bericht :hello.

Grüße, Mimì (die heute irgendwie so quer schreibt...sorry)
Severina (17.03.2010, 11:51):
Original von Rideamus
Liebe Fangemeinde,

darf man sich als Mann ohne aufgeprägten Mutterinstinkt Euch dennoch zugesellen?

Mir fällt allerdings auf, dass Ihr ausgerechnet die Rolle, die sowohl er als auch Kaufmann gleichermaßen faszinierend, wenn auch völlig verschiedenen gestalten, noch nicht erwähnt habt, und das ist der Don José. Ich spreche hier natürlich von der Berliner Kusej-Inszenierung, in der Villazon die Geschichte als gerafften Erinnerungsfilm eines bereits zum Tode Verurteilten darbietet und wie selten sonst jemand zu vermitteln weiß, warum er einer Carmen so hoffnungslos verfallen muss.


:hello Rideamus

Lieber Wolfram,
man darf, der Korb steht schon bereit! :wink
Ich habe mich als Live-Freak bei meiner obigen Aufzählung auf die Partien beschränkt, in denen ich Villazón tatsächlich auf der Bühne erlebt habe, aber natürlch hast Du Recht: Er ist ein großartiger Don José, abgesehen davon, dass ich auch die Berliner Kusej-Inszenierung faszinierend finde.
Gerade in dieser Partie finde ich den Vergleich Villazón - Kaufmann (Den ich bekanntlich auch heiß und innig liebe! :D ) sehr interessant.
Villazón ist anrührender, verletzlicher, nicht so viril wie Kaufmann, das kommt besonders in der Schlussszene deutlich zum Ausdruck, wenn er so verloren, in sich gekehrt am Boden kniet, mit einem Blick, in dem sein und Carmens Schicksal bereits besiegelt ist. Er weiß schon in diesem Moment, dass er Carmen und damit alles verloren hat und es nur mehr darum geht, den Schlussstrich zu ziehen.
Übrigens würde ich Villazóns Don José nicht als unerotisch bezeichnen, die Szene mit der Blume im ersten Bild, bevor ihn Micaela quasi ertappt, hat's schon in sich......

Und weil wir bei Konserven sind: Auch seinen Don Carlo finde ich wunderbar, allerdings zählt der zu jenen Partien, von denen er wohl besser die Finger lässt, will er auch in zehn Jahren noch auf der Bühne stehen.
Er muss jetzt einfach wirklich endlich anfangen, seine Rollen mehr mit Hirn (Was passt zu meiner Stimme?) und weniger mit Herz (In welchem Charakter finde ich mich wieder?) auszusuchen, aber gerade darin scheint mir das Problem zu liegen. Villazóns Talent zu von der Vernunft diktierten Entscheidungen, zu klugem Taktieren, scheint nicht allzu ausgeprägt u sein........ :(
lg Severina :hello
Solitaire (17.03.2010, 17:44):
Nach langer Forumsabstinenz melde ich mich hier jetzt auch mal wieder zu Wort, und möchte Severina ganz herzlich für ihren Beitrag danken.
Mein Vater ist einst mitten in der Nacht aufgestanden um Ali boxen zu sehen, ich werde am Montag wohl daumendrückender- und nagelkauender Weise in meinem Wohnzimmer sitzen und darauf warten, daß die ersten (hoffentlich guten) Eilmeldungen eingehen.
Das Bild der Kerze die an beiden Enden brennt und eines Künstlers der seine Rollen „verseelt“ (was für ein wunderschöner Ausdruck!) trifft ganz offensichtlich zu, und ehrlich gesagt, glaube ich nicht, daß RV (selbst wenn er Manches jetzt behutsamer angehen sollte) jemals zum ökonomisch singenden Stimmverwalter werden wird, das ist auch nicht nötig, denn von der Sorte haben wir genug. Ich nenne keine Namen, um niemandem auf die Füße zu treten.
Ich stimme Severina zu, daß RV Rollen gesungen hat, die am Rande seiner Möglichkeiten lagen bzw. um einige Jahre zu früh gekommen sind, vor allem natürlich Don Carlos, der eine wahre Möderpartie sein muß. Ich stimme wieder Severina zu, daß solche Abenteuer vorerst zu unterlassen wären. Aber ich kann mir nicht helfen: auch in diesen Rollen hat er brennende, fiebrige Portraits gemalt, die an Wahrhaftigkeit weit, weit über vieles hinausgehen was ich von Kollegen gehört und gesehen habe, die der Rolle vokal vielleicht eher gewachsen sind. Villazón hat, wie Maria Callas, die Gabe, einem mit einer Phrase, einer Gesangslinie das Herz zu brechen und wie sie gehört er, davon bin ich überzeugt, zu den Künstlern, die gar nicht anders können, als künstlerisch ein Leben auf der Rasierklinge zu führen. Es mag sein, daß er seine Termine zusammenstreicht, es mag auch sein, daß er sein Repertoire überdenkt und sich, zumindest für’s erste, von der einen oder anderen Rolle verabschiedet, aber ich bin sicher, wann immer er in Zukunft auf einer Bühne steht, wird er immer noch alles geben was er an diesem Abend zu geben hat und nicht daran denken, ob das nun klug ist oder nicht. Das schönste was ich je über diesen Sänger gehört habe, war ein Satz aus einer Kritik zum (ja keineswegs unumstrittenen) Salzburger Romeo von 2008. Eine Kritikerin schrieb, er klinge nach wie vor als seien „seine Stimmbänder direkt an seinem Herzen angewachsen“. Etwas schöneres kann man wohl kaum über einen Künstler sagen.
Sein französisches Album ist für mich nach wie vor eines der schönsten Tenorrecitals die ich je gehört habe und ich hoffe sehr, daß der Zeitpunkt kommen wird, an dem er es sich leisten kann, zu einigen dieser Rollen zurückzukehren.
Was seine Einstellung zum Duca angeht, so hat mich die immer erstaunt: das Duett mit Gilda hat er auf dem Duett-Album in der Tat zum niederknieen schön gesungen. „E il sol dell’anima“ habe ich niemals mit soviel Wärme und Zärtlichkeit in der Stimme gehört, wenn man es nicht besser wüsste könnte man glauben, er meine es ernst. Ein begnadeter (Stimm)Verführer, der von grausamer Eiseskälte sein kann wenn sich jemand seinem Ziel in den Weg stellt. Vielleicht überlegt er es sich ja nochmal. Aber von Pinkerton will er ja auch nix wissen. Vermutlich mag er die bösen Jungs einfach nicht.
Ich hoffe jedenfalls sehr, daß sein Comeback ein Gelungenes und Dauerhaftes sein wird, denn ich bin nach wie vor der Meinung, daß er, bei allen Fehlern die er gemacht haben mag, zu den Künstlern gehört, die nur sehr schwer, wenn überhaupt, zu ersetzen wären.
Dem Menschen wünsche ich, daß er auf sicherem Fundament steht, wenn es dann doch nix mehr werden sollte mit der Karriere.


Was im Übrigen die Frage angeht, was ich täte, wenn ich zwei Tage mit dem lieben Rolando eingesperrt wäre, so die Antwort klar: ich würde mir von ihm zeigen lassen, wie Mexikaner nun wirklich Tequilla trinken (mit Zitrone oder ohne?) und wenn wir dann besoffen genug sind, würde ich mir in aller Ruhe erzählen lassen ,was da nun genau war mit Anna und ihm... :cool

Allen die am Montag dabeisein können, wünsche ich viel Freude. Bitte einmal für mich mit Daumen drücken!

Und jetzt: zeig es ihnen, Tiger! :D

Liebe Grüße von Solitaire, die manche vielleicht als Mina kennen. :hello
Severina (17.03.2010, 18:21):
Liebe Solitaire-Mina :wink,
bin gerade am Sprung in ein Konzert und melde mich hinterher ausführlich, nur in der Schnelle soviel: Wir sind uns völlig einig, was unser geliebts Sorgenkind betrifft!
lg Severina :hello
Heike (17.03.2010, 18:39):
Liebe Solitaire,
wie schön, mal wieder was von dir zu lesen; ehrlich gesagt hatte ich sofort an dich gedacht, als ich Severinas schönen Eröffnungsbeitrag las!!!!
Willkommen zurück :-)
Heike
Severina (17.03.2010, 23:26):
So, jetzt also noch einmal ausführlicher von mir:

Liebe Mina (bin ich schon so gewöhnt :wink ) -Solitaire!
Du bringst es auf den Punkt: Villazón kann gar nicht anders, als bei jeder Vorstellung bis an die Grenzen und darüber hinaus zu gehen, er muss alles geben, sonst würde er vermutlich platzen.
In dieser Beziehung erinnert er mich immer an Luis Lima, der sich auch mit allem, was er hatte, in seine Rolle hineinschmiss und bewusst riskierte, am Schluss aus dem letzten Loch oder gar nicht mehr zu pfeifen. Und ebenso wie Villazón hat ihm das Publikum (zumindest das Wiener) das immer verziehen, eben weil man spürte, dass da jemand für das Singen brennt.

Es gibt eben Sänger, da springt der Funke in den Zuschauerraum sofort über, und bei Villazón ist das gleich ein ganzes Feuerwerk. Er reißt sein Publikum einfach mit, einerseits mit seinem 1000%igen Einsatz, aber auch mit der unbändigen Freude am Singen und Spielen, die er ausstrahlt. Deshalb ist die Überlegung auch völlig müßig, ob das Comeback zu früh erfolgt.
Für diesen Sänger ist Singen das Lebenselixier, er braucht die Bühne, er braucht sein Publikum, und hält man ihn zu lange davon fern, würde er höchstwahrscheinlich in eine Depri schlittern, und die ist den Stimmbändern sicher auch nicht förderlich.

Nur in einem Punkt gehen wir nicht konform: Über sein G'spusi oder Nicht-G'spusi mit Anjuschka würde ich ihn nicht befragen, das geht uns nix an :engel (Wenn Du die beiden als Romeo und Juliette gesehen hättest, wäre Deine Neugierde wahrscheinlich gestillt, denn wenn das alles nur Spiel war, will ich Thusnelda heißen :D)

lg Severina :hello

PS: Im Übrigen schließe ich mich Heike an: Schön, dass Du wieder einmal hier vorbeischaust!!!
Fairy Queen (18.03.2010, 06:04):
Liebe Solitaire (der Name passt auch, finde ich!),
ich freu mich auch ganz doll, Dich hier zu lesen. Das ist ja die reinste Frauenpower-Versammlung :leb

Ja, der Rolando muss singen, wie schon gesagt, für mich ist er ein männlicher Nachkomme der Callas und der Callas habe ich auch alle Stimmfehler immer verziehen.

Allerdings hat Rolando ncht nur Fans!
Ich habe schon ganz böse Verrisse in Foren gelesen- meistens von Männern, die haben halt keine Mutterinstinkte sondern nur Platzhirschattitüden. :D
Liebe Sevi, gibt's dies Romeo und Juliette irgendwo anzusehen??? DAS würde mich ja nun doch mal interessieren, bevor ich Dich in Thusnelda(kurz "Tussy") umtaufe.

Ich konnte das nämlich irgendwie nie glauben, egal ob's mich was angeht oder nicht.

F.Q.
Solitaire (18.03.2010, 07:50):
Danke euch allen für das herzliche Willkommen!
Zum Romeo:
Bei Youtube gab es zumindest mal einen Ausschnitt davon und...nun ja...man hat den Eindruck sie waren kurz vorm...äh...Vollzug :ignore
Wie mein Gatte sagte: "Daß der dabei noch singen kann wundert mich jetzt wirklich" :D
Also hat Severina vemutlich recht und ich kann mir die Frage schenken. Bleibt also nur der Tequilla. Alles andere verbietet sich von selbst, schließlich bin ich ein braves Mädchen :J

Ja, RV hat sehr scharfe Kritiker, aber ich denke, damit ist er in guter Gesellschaft. Mir fallen wenige große Sänger ein, mein ewig unvergessener Fritz Wunderlich vielleicht mal ausgenommen, die nicht ebenso große Kritik wie Begeisterung erfahren hätten.

Neulich habe ich igendwo gelesen, daß RV 2012 in Paris (ich glaube, es war Paris) "Werther" inszenieren will. Inszenieren, nicht singen. Das interessiert mich wirklich sehr: wie inszeniert ein so belesener Sänger, der seinen Goethe gewiß im kleinen Finger hat diese Oper?
Zefira (18.03.2010, 08:45):
Guten Morgen,
ist das hier gemeint?
Romeo und Julia
Das sieht ganz schön gefährlich aus ... :cool

Schönen Gruß von Zefira
Severina (18.03.2010, 13:14):
Liebe Zefira, ich meinte zwar die Wiener Aufführung, wo die beiden nicht ganz so textilfrei :wink unterwegs waren, aber geknistert hat's auch bei uns heftig. Übrigens hat Villazón in einem Interview einmal gesagt, er wollte diese Szene (in LA) ganz nackt spielen, aber seine Partnerin hätte sich gesträubt.....
Auf keinen Fall erwecken die beiden den Eindruck, sie wären gegen ihren Willen vom bösen Regisseur zu dieser - ähem - etwas freizügigen Darstellung gezwungen worden :D.

lg Severina :hello
Fairy Queen (18.03.2010, 13:28):
Oweia, da frage ich mich allerdings dasselbe wie Solitarias Gatte: Wie kann mann (und frau) da noch singen??????
Und ich kannte bisher nur die Version mit Nino Machaidze- da liegen ja nun wirklich Welten zwischen!
Ich würde auch sagen, dass kein Regisseur unwillige Sänger zu einer solchen Darstellung zwingen kann, aber ein Beweis für ein Gspusi ist das nicht. Sogar im Gegenteil.
Man kann gerade dann auf der Bühne solche Sachen wunderbar ausleben, wenn sie im wirklchen Leben verboten sind bzw man sie sich selbst verbietet Der Knisterfaktor ist sogar noch viel heftiger, wenn die Beiden kein Gspusi haben, sondern nur in der Oper so tun dürfen als ob. Allerdings muss natürlich vorher eine nciht unerhebliche erotische Spannung da sein, das ist klar. Aber das dürfte ja bei solchen Partnern niemandem schwer fallen.

Wie auch immer: ich finde diese Szene ganz wunderbar gelungen, denn sie spiegelt ja genau das wieder, was Romeo et Juliette erleben und was auch in der Musik liegt. w Selbst wenn solche Paarungen wie Anna und Rolando einmalig sein dürften, sollte das Massstäbe setzen.

Dank an Zefira!
Severina (18.03.2010, 13:36):
Liebe Fairy,
vielleicht verstehst Du jetzt, warum Villazón&Netrebko für mich einfach Romeo et Juliette for ever sind und ich die Salzburger Aufführung im Unterschied zu Euch nur stinklangweilig und Rolando absolut nicht überzeugend finden konnte!! :D
Mimì (18.03.2010, 14:30):
Hallo zusammen,
zu dem Romeo: Meiner Meinung nach verspekuliert man sich da auch leicht.
Meine Mutter erzählte mir mal von einem Erotikthriller, bei dem es zwischen den Hauptdarstellern so richtig geknistert haben soll und später stellte sich heraus, dass die beiden in Wahrheit so eine tiefe Abneigung gegeneinander hegten, dass er vor den Liebesszenen absichtlich Salamibrötchen mit Zwiebelringen gegessen hat, um sie zu ärgern. :rofl
Ich persönlich würde von solchen Nacktszenen (wie im Romeo) nicht auf die privaten Angelegenheiten der Schauspieler oder Sänger schließen. In Filmen sind solche Szenen ja inzwischen Gang und Gäbe, ich finde allerdings, auf der Bühne muss so was wirklich nicht sein, wer auch immer das nun bestimmt...Die Inszenierungen werden da auch immer direkter und indiskreter, aber das geht jetzt zu weit Off-Topic.
Und Aussagen werden ja im Internet auch schnell verdreht dargestellt...
Vielleicht bin ich auch zu gutgläubig, dass ich mich frage, wieso sollten die beiden ihre Partner/ Familie (RV seine Familie, AN ihren Schrotti, mit dem sie sich ja offenbar gerade frisch verlobt hatte) derart betrügen? Ist ja auch nicht förderlich für die Karriere…



Was RVs persönliche Karriere betrifft :D: Ich stimme vollkommen zu, er gehört einfach zu diesen Künstlern, die immer 100% geben wollen und müssen. So meinte ich das auch nicht, als ich sagte, er sollte sich doch ein wenig zurücknehmen. Das Besondere an ihm ist ja, dass „seine Stimmbänder am Herzen angewachsen sind“, ein wunderschöner Ausdruck :wink. Und er selbst sagte ja glaube ich mal, dass er immer 100 % geben und für das Singen brennen wollte und wenn das eben nicht mehr ginge, sich dann auch ganz zurückziehen würde. Ich glaube, er kann gar nicht anders.
Ich wünsche ihm nur, dass er seinen persönlichen Terminplan nicht zu vollstopft (vor allem eben mit diesen Showauftritten und so), um bei seinen einzelnen Vorstellungen auch wirklich alles geben zu können. Und damit uns diese schöne Stimme noch lange erhalten bleibe... :I
Solitaire (18.03.2010, 15:37):
Dann möchte ich doch die Gelegenheit nutzen, und zitieren was der Meister selbst zu der bewußten Szene einmal gesagt haben soll, stand seinerzeit in diversen Zeitungen:

Bei der Aufführung von Romeo und Julia in Los Angeles seien er und seine bejubelte Partnerin Anna Netrebko "fast nackt" gewesen: "Es geht schließlich um eine Bettszene, es geht um Zärtlichkeit, um Liebe. Da kann ich nicht im Wintermantel auftreten." Anschließend habe sich ein Zuschauer bei der L.A.-Oper beschwert, er habe einen "Soft-Porno" gesehen. Die Sopranistin habe "ihre Möpse gezeigt und der Tenor seinen behaarten Hintern". Villazón spottet im Interview mit dem "Tagesspiegel am Sonntag": "Da sabbert ein Voyeur und schreit nachher: Schrecklich, nie wieder!"

@Mimì
Je nun, wenn die Leidenschaft zuschlägt (so sie denn zugeschlagen hat), pflegen Verstand und Vernunft sich gerne mal zu verabschieden. Da interessieren Familie, Partner, und vielleicht auch Karriere zumindest vorrübergehend nur noch am Rande.Wenn überhaupt.
Damit will ich es dann aber auch gut sein lassen. Es geht uns ja eigentlich wirklich nix an. Aber die Angelegenheiten anderer Leute sind nunmal besonders spannend :engel
Heike (21.03.2010, 22:05):
Ich muss doch nochmal den Klatsch und Tratsch aufgreifen: es gab auch im Zusammenhang mit dem Film "La Boheme" Berichte darüber, dass die (dort schon vorbei-gewesen-sein-sollende) Liebelei der beiden zu etlichen Schwierigkeiten am Set geführt haben soll - so dass der Regisseur wegen der bestehenden emotionalen Eiszeit erst ein Machtwort gesprochen haben solle, ehe da gedreht werden konnte. Wer weiß wer weiß.
Heike
Severina (21.03.2010, 22:54):
Original von Heike
Ich muss doch nochmal den Klatsch und Tratsch aufgreifen: es gab auch im Zusammenhang mit dem Film "La Boheme" Berichte darüber, dass die (dort schon vorbei-gewesen-sein-sollende) Liebelei der beiden zu etlichen Schwierigkeiten am Set geführt haben soll - so dass der Regisseur wegen der bestehenden emotionalen Eiszeit erst ein Machtwort gesprochen haben solle, ehe da gedreht werden konnte. Wer weiß wer weiß.
Heike

Liebe Heike,
diese emotionale Eiszeit merkt man dem Film auch deutlich an, da knistert gar nichts mehr, und dass Villazón so unnatürlich agiert, wie ich ihn auf der Bühne noch nie erlebt habe, rührt wohl auch daher.
lg Severina :hello
Severina (22.03.2010, 16:40):
An alle Villazónfans, die ORF 2 empfangen können:

Im "Kulturmontag" ab 22 Uhr 30 wird es ein kurzes Stimmungsbild vom "L'Elisir" geben, ich nehme an, man zeigt den Schlussapplaus, ein paar Statements von euphorischen Fans etc. Mal sehen, ob da überhaupt schon daheim bin von der Oper!!

Allmählich verspüre ich leises Kribbeln in der Magengegend - hoffentlich geht alles gut!!!!!!

lg Severina :hello
Honoria Lucasta (22.03.2010, 16:52):
Liebe Severina,

jetzt hast Du mir aber einen gehörigen Schreck versetzt: ich sah beim Durchsehen der neuen Beiträge Deinen Eintrag zu Villazon und eingedenk des heutigen Termins dachte ich: NEIN! Er hat doch nicht etwa abgesagt? :ignore

Ich wünsche Villazon ein herzliches "In bocca al lupo", Dir einen schönen Abend und uns Lesern eine angenehme Lektüre Deiner schriftlich fixierten Eindrücke morgen oder wann immer Du Zeit hast.

Grüße!

Honoria
Mimì (22.03.2010, 23:11):
Wir haben uns den Bericht eben gerade einmal angesehen.
Das klang ja doch recht optimistisch.
Rolando ist natürlich ganz der alte. Man sah ihm seine Erleichterung aber deutlich an, dass es ganz gut gelaufen zu sein scheint.
Aber kann er sich nicht einmal diese Matte abschneiden :ignore?

Liebe Grüße von Mimì, die furchtbar gespannt ist auf den Bericht
Severina (23.03.2010, 00:58):
"Willkommen zurück, Rolando!" stand auf Spanisch und Deutsch auf den Transparenten, die beim Schlussapplaus im Zuschauerraum entrollt wurden, und er ist tatsächlich zurück!! Aber schön der Reihe nach!

Über die uralte Inszenierung von Otto Schenk brauche ich mich nicht groß auszulassen, die meisten kennen sie wahrscheinlich von der DVD. Das Bühnenbild weckt Sehnsüchte nach sommerlicher Idylle unter toscanablauem Himmel und lässt den Sängern genügend Raum zur Entfaltung, so sie sich denn entfalten wollen. Das heutige Ensemble wollte es zum Gaudium des Publikums und zu seinem eigenen.

Rolando Villazón trat auf und weckte erst einmal Zweifel, ob wirklich "L'Elisir d'amore" und nicht vieleicht "Struwwelpeter" auf dem Programm stand, denn er schien mit seiner Frisur direkt vom Titalblatt des Kinderbuches auf die Bühne gehüpft zu sein. Da diese unglaubliche Lockenpracht speziell seine Adina immer wieder dazu verführte, kräftig darin herumzurühren, sah er bald aus wie ein "Wischmopp unter Strom" (O-Ton einer Dame hinter mir!) Unter Strom stand aber auch alles unterhalb der Frisur, und zwar in einem Ausmaß, wie man es selbst als hartgesottener Villazónfan nicht gewohnt ist.
Zunächst begrüßten wir "unseren Rolando" mit einem tosenden Auftrittsapplaus, den er sichtlich gerührt entgegennahm. Danielle Callegari, der Mann am Pult, dirigierte stur weiter, er hielt bis zum Schluss als Einziger an der Illusion fest, dass es sich heute um einen ganz normalen Opernabend handelte und sich daher alle gefälligst auch normal zu benehmen hätten. Nun, das Wiener Publikum kann auch stur sein, wir klatschten bis zum Beginn von "Quanto è bella..." durch und ich bewundere Chor und Orchester, dass sie in diesem Chaos halbwegs beisammen blieben.
Dann allerdings wurde es schlagartig still, 3510 Daumen krampften sich zusammen und jeder wartete zitternd auf die ersten Töne aus dem Mund unseres Sorgenkindes. Bald entspannten sich die Finger, denn Villazóns Stimme klang rund und kräftig und vor allem erstaunlich höhensicher, etwas, das wir schon lange nicht mehr bei ihm erlebt hatten. Und als wollte er uns beweisen, wie toll es da oben funktioniert, hielt er die Spitzentöne auch noch extra lang. Nun, von solchen circensischen Kraftakten bleibe ich in der Regel ziemlich unbeeindruckt, was mich viel mehr interessierte, war die Qualität von Rolandos Stimme. Ja, da waren sie wieder, die Piani in dolcissima, das wunderschöne Legato, das betörende Timbre, und eben als unerwartete Draufgabe eine solide Höhe, die sich weder verengte noch zu flackern begann, sondern richtig schön ausgesungen wurde.
Leider zeigte sich auch schon hier, dass "ökonomisch singen" in Villazóns Sprachschatz immer noch keinen Eingang gefunden hat, denn was er uns an diesem Abend vorführte, war "Stimmritzenprotzerei" (Ich liebe diesen Ausdruck von Leo Slezak!) in Reinkultur. Man merkte ihm richtig an, wie entzückt er von der Tatsache war, dass ihm seine Stimme wieder gehorchte, er mit ihr spielen konnte, und das musste er natürlich ununterbrochen ausprobieren und unter Beweis stellen. Zumindest machte er auf mich diesen Eindruck.
Habe ich einmal gesagt, Villazóns Nemorino ist mir zu sehr Clown und entspricht nicht meiner Vorstellung von dieser Rolle?? Nun, da hatte ich noch keine Ahnung, was mich heute erwartete. Rolando gab nicht nur einem Affen Zucker, sondern gleich einer ganzen Affenhorde, und da seine Adina kräftig mitfütterte, musste ich mich immer wieder mit einem Blick ins Programmheft vergewissern, dass "LÈlisir d'amore" gespielt wurde und nicht irgendeine verrückte Slapstickkomödie.
Im Ernst: Ich will nie wieder so einen Nemorino von Villazón sehen, aber heute hatte ich volles Verständnis dafür: Nach qualvollen 8 Monaten stand er endlich wieder auf seiner geliebten Bühne, und die Glückseligkeit darüber äußerte sich eben in einer völlig enthemmten Spielfreude, die leider vor der Grenze zur Schmiere nicht Halt machte. Rolando erinnerte mich an einen wilden Stier, der nach einem Winter im Stall zum ersten Mal auf die Weide darf und sich in verrückten Bocksprüngen austobt.
Er saß oder stand keine Sekunde still, hüpfte und sprang herum, tänzelte zur Musik, imitierte das Orchester und hatte ständig einen Gag parat, sei es, dass er ein imaginäres Marienkäferchen einfing, von einer Hand auf die andere krabbeln ließ und es vorsichtig am Boden aufsetzte, um es Sekunden später zu unabsichtlich "zertreten", sei es, dass er mit drei Bällen und drei Keulen jonglierte (früher machte er es mit Orangen...) mit Belcores Mütze Schabernack trieb oder bei einem extrem lang gehaltenen Ton auf die Uhr schaute und dann zufrieden ins Publikum nickte. Auf der Strecke blieben dabei leider die tragischen Momente dieser Oper, Nemorinos Verzweiflung wegen seiner scheinbar aussichtlosen Liebe zu Adina. Über diesen Nemorino konnte man zwar Tränen lachen, aber keine wegen ihm vegießen. "Thema klar verfehlt!" würde ich dazu im Normalfall sagen, aber wie schon erwähnt: Heute war ein Ausnahmefall!
Da sich die Adina Ekaterina Siurina von Villazóns Blödelei anstecken ließ und in ihr offensichtlich ein ähnlicher Kobold steckt, wähnte ich mich streckenweise in einer der typisch überdrehten Feydeaukomödien. Die beiden warfen sich die Bälle nur so zu, und dass auch kräftig improvisiert wurde, zeigte sich, als Adina eine der drei Keulen nach Nemorino schleuderte, womit dieser offensichtlich nicht gerechnet hatte und zu spät reagierte, weshalb er sie - autsch - mitten auf die Stirn kriegte. Kleine Schrecksekunde im Publikum und auf der Bühne, aber mexikanische Schädel sind gottlob hart, und Rolando rächte sich, indem er ihr kuz darauf kräftig auf die Zehen stieg.
Spätestens jetzt fragte ich mich, ob er beim "Una furtiva lagrima" von seiner Überdrehtheit herunterkommt und den nötigen Ernst und vor allem die nötige innere Traurigkeit für diese Arie aufbringen kann. Tja, er konnte es nach meinem Geschmack leider nicht: Technisch einwandfrei gesungen, mit wunderschönen Phrasen und ungewohnter Strahlkraft in der Höhe, aber zu wenig verinnerlicht, mit zu wenig Gefühl, dafür mit der stolzen Zurschaustellung seiner stimmlichen Potenz. Zum 3. Mal: Heute völlig verständlich und gerne verziehen, aber eben nur diesmal!!!!! :cool
Natürlich tobte das Auditorium nach dieser Arie minutenlang, Villazón setzte sich auf einen Sessel, schloss die Augen und genoss diesen lang entbehrten Jubel seines Publikums mit der gleichen Intensität, mit der dieser Mann wohl alles macht. Auch ein paar gar nicht heimliche Tränen kullerten dabei über seine Wangen. Er wusste, dass er damit die Feuerprobe bestanden hatte, und alles, was danach noch kam, klang wie ein einziger Triumphschrei und stand noch deutlicher unter dem Motto des Abends "Hört her, was ich alles kann!" Deshalb wunderte es mich ein bisschen, dass er kein Dacapo gab.

Man könnte ja glauben, dass alle anderen heute neben Villazón zu Statisten degradiert wurden, aber mit Ekaterina Siurina und Ambrogio Maestri (Dulcamara) standen zwei starke Persönlichkeiten auf der Bühne, die dem Star des Abends erfolgreich Paroli boten.

Ambrogio Maestri verfügt nicht nur über eine wirklich prachtvlle und große Stimme, er schaffte auch als Einziger die Gratwanderung zwischen Komödiantik und Schmiere und bot ein überzeugendes Rollenporträt. In ihm hat Wien endlich einen adäquaten Nachfolger für den legendären Dulcamara von Giuseppe Taddei gefunden.

Ekaterina Siurina bewältigte ihre Partie problemlos, sang die Verzierungen mit der nötigen Leichtigkeit und erwies sich auch als sehr höhensicher. Ihr Timbre gefiel mir gut, ohne dass ich es jetzt als außergewöhnlich empfinden würde. Beim Affenfüttern konnte sie mit Rolando wie schon erwähnt problemlos mithalten, was dabei leider auf der Strecke blieb, war die Rollengestaltung, denn sie flirtete eigentlich von Anfang an auf Teufel komm raus mit Nemorino, suchte auch immer wieder den Körperkontakt mit ihm, sodass weder seine Verzweiflung über ihre Katzbürstigkeit noch ihre Verlobung mit Belcore irgendwie motiviert waren. Denn dass die beiden zusammengehören und auch zusammenkommen, schien hier von Anfang an festzustehen, und dass Adina ernsthaft erwägt Belcore zu heiraten, glaubte wirklich niemand.
Damit lief aber die Handlung ins Leere, denn es fand keine reuevolle Selbstbesinnung Adinas statt, es traf sie nicht der Blitz der Erkenntnis, dass sie diesen "buffone" in Wahrheit liebt, sondern der Schluss wirkte eher wie die Legitimierung eines ohnehin schon längst existenten Zustandes. Also ebenfalls: "Thema verfehlt, setzen!"
Die Chemie stimmte zwischen Siurina und Villazón jedenfalls 100%ig, sie hatten sichtlich viel Spaß miteinander flirteten sehr gekonnt.

So viel gelacht wie heute wurde sicher noch nie bei einem "L'Elisir", in Zukunft will ich bitte wieder ein bisschen weniger lachen und dafür mehr berührt werden.
Berührt und gerührt hat mich heute natürlich die glanzvolle "Auferstehung" unseres geliebten Sorgenkindes, die wesentlich mehr Anlass zu Optimismus gibt als der "Werther" 2006, wio die stimmlichen Defizite doch sehr deutlich waren. Im Vergleich dazu klang Villazóns Stimme heute wirklich gesund, es bleibt zu hoffen, dass er nicht sofort zu übermütig wird....

Natürlich stand die Oper hinterher Kopf, der Jubel galt neben "unserem Rolando" in gleichem Maße Ekaterina Siurina und Ambrogio Maestri. Unzählige Vorhänge, standing ovationes, ein Rolando außer Rand und Band, der vor seinem Publikum auf die Knie sank und den Boden küsste, seine Kollegen immer wieder zur Welle animierte, seine Adina herzte und umärmelte und einfach die personifizierte Glückseligkeit war.

lg Severina (noch ziemlich durch den Wind) :leb :leb
Fairy Queen (23.03.2010, 07:16):
Liebe Sevi welch eine Freude am Morgen, diesen Bericht zu lesen!!!!!!!! Das steckt sofort an und leider leider gibt's hier nur eine serh kleine Smilie-Auswah,l ich würde sosnt eine ganze Runde Sofahüpfer einbauen! Ic hhabe die DVD und war damals von Rolando Und Anna total begeistert. die inszeneirung fand ich zwar einfallslos aber bei dieser Besetzung ging das gut hin. Dass gestern Slapstick angesagt war- nun ja, richtige Oper ist das dann weniger, aber einem von den Toten auferstandenen Rolando kann man's nicht verdenken. Ein Glûck nur, dass er adäquate Partner hatte, die nciht daneben untergingen!

Hoffen wir also gemeinsam, dass er nun nicht total ausflippt! Was sind denn seine folgenden Projekte?
Ihr Wiener könnt jedenfalls sehr stolz sein, ihm diese Heimat zu bieten, die dringend notwendig ist, um nach so langer Zeit wieder Vertrauen zu fassen.
Ich nehme ja gazn sciher an, Du hast ordentilch mitgejubelt, dir die Hände wundgeklatscht und zu seinem Glück beigetragen. :times10 :leb :leb
Heike (23.03.2010, 07:21):
Liebe Severinam
Berührt und gerührt hat mich heute natürlich die glanzvolle "Auferstehung" unseres geliebten Sorgenkindes
Danke, dass du uns so ausführlich daran teilhaben lässt! Ich habe es mit großem Genuss und was RV angeht mit großer Erleichterung gelesen!
Heike
Honoria Lucasta (23.03.2010, 07:22):
O liebe Severina,

vielen Dank für diesen schönen Bericht! Wenn RVs Stimme nun wiedergefunden zu sein scheint, möge er alles tun, sie nicht wieder verlustig gehen zu lassen.....Auch gestern haben ihm wohl wieder die Nerven am meisten zu schaffen gemacht, sonst kann man sich den Clowneriegrad wohl nicht erklären. Aber das ist ja für heute mal egal.

Beste Grüße!

Honoria
Solitaire (23.03.2010, 07:29):
Hallo Severina!
Ohen Frühstück, nur mit starkem Kaffee (von dem ich die Hälfte auch nich verschüttet habe, ehrlich!) sitze ich hier und lese deinen Bericht.
GANZ herzlichen Dank dafür! Okay, daß er der Affenhorde Zucker gegeben und das betrieben hat was Leo Slezak "Stimmritzenprotzerei" und ich nich ganz anders nenne sei ihm für diesmlal verziehen.
Daß das Wort "Ökonomie" in seinem Sprachsatz keine Bedeutung hat wundert mich nicht, ist aber auch etwas, daß ihn eben ausmacht.
Muß jetzt zum Bus und melde mich später nochmal.
Vielen Dank für deinen Bericht, you made my day! :D
Heike (23.03.2010, 07:33):
Ich bin ja gespannt, wie er seine streng choreographisch vorgegebene Rolle im Onegin an der Lindenoper ab Freitag hinkriegt - da ist ja nun rein gar nichts mit Rumzappeln möglich :D
Wer mag, kann ihn sich als Lenski übrigens am 5.6. um 18 Uhr in einer Live Übertragung open air und kostenlos auf dem Berliner Bebelplatz ansehen, siehe hier
Heike
Solitaire (23.03.2010, 08:07):
Oho, da wirst du dich wundern. Ich habe die Vorstellung 2008 gesehen, und ich habe mich auch gewundert.
Er kriegt das großartig hin. Ich habe damals meine Eindrücke zu der Inszenierung geschildert, und will das hier jetzt nicht wiederholen, aber es hat mich beeindruckt, wie es ALLE Sänger geschafft haben, in dieser doch stellenweise sehr Sängerunfreundlichn Inszenierung zu singen.
Villazón kamen hier wohl eindeutig seine Tanz- und Ballettstunden zu Hilfe.
Daneben hat mich begeistert, wie nahtlos er sich in das Ensemble eingefügt hat. Das war keine Oper mit Ensemble plus Startenor, wie ich es anfangs etwas befürchtet hatte.
Ich halte die Inszenierung in manchen Teilen für sehr gelungen,in vielen für extrem bescheuert und mit der Zeit ist sie dann nur noch langweilig, aber RV und seine Kollegen haben sich wacker geschlagen. Der kann durchaus stillstehen wenn es sein muß. Aber gestern war wohl nicht der Abend dafür. Sooo viele Gelegenheiten den komiker zu geben gibt es ja nun auch auf der Bühne nicht für ihn, normalerweise stirbt ihm das Mädchen weg oder seine Figur trägt sich mit Suizidgedanken, da kann man schon verstehen wenn, noch dazu an einem aAbend wie gestern, mit ihm durchgeht.
Heike (23.03.2010, 08:13):
Hallo,
ich habs ja 2008 auch gesehen (wir hatten uns damals sogar noch drüber ausgetauscht und waren ohne es vorher zu wissen in derselben Vorstellung) und fand ihn da sehr diszipliniert - aber trotzdem, nach soviel Abstinenz wird es ihm vermutlich schwerer fallen :)
Heike
Zefira (23.03.2010, 08:26):
Vielen Dank für den Bericht! Ich freu mich .... :beer :beer :beer

Sonnigen Gruß von Zefira
Severina (23.03.2010, 09:10):
Berufskritiker sind wirklich eine merkwürdige Spezies: Über Villazóns wirklich nicht guten Werther vor zwei Jahren überkugelten sie sich in (falschem) Lob und priesen seine zu 100% wiederhergestellte Stimme, über seinen gestrigen Nemorino lese ich eben in einer Kurzkritik, er sei sehr auf Schonung bedacht gewesen (Diesen Moment muss ich wohl verpasst haben.....) und seine Stimme noch nicht die alte. OK, so wie am Anfang seiner Karriere wird er wahrscheinlich nie wieder klingen, da sind wir uns ja alle einig, aber wenn er den Status von gestern wirklich halten kann, bin ich mehr als zufrieden. Das war um Klassen besser als alles, was ich in den letzten drei Jahren von ihm live zu hören bekam.
Und hoffentlich kann er sich jetzt endlich wieder einen Friseur leisten :wink, denn mit diesem Wischmopp will ich ihn auf Dauer nicht sehen :D!!!!!
lg Severina :hello
Erna (23.03.2010, 09:29):
Liebe Severina!

Bei Deinem Bericht vom gestrigen Opernabend ist mir ein Stein vom Herzen gefallen. Ich bin zwar kein fanatischer Villazon-Fan, aber ich wünsche keinem Sänger so eine Unterbrechung seiner Karriere, das muss ein fürchterliches Gefühl sein, nicht zu wissen, ob man je wieder singen wird können. Ich freue mich jedenfalls sehr über das gelungene Comeback und hoffe, dass es nun so positiv für ihn weitergeht, wobei ich fürchte, dass er seinem Temperament gemäß einfach über die Stränge schlagen muss, und dies in jeder Beziehung, sei es beim Stimmprotzen, beim Spielen oder in Sachen Frisur. Ich glaube nicht, dass Dein Wunsch bezüglich des Wischmopps in Erfüllung geht und bin auch der Meinung, dass er einfach zu seinem Äusseren passt.

Lg. Erni
Mimì (23.03.2010, 10:34):
Liebe Severina,

auch ich hab mich sehr gefreut über deinen Bericht, vielen Dank :thanks.
Ich bin wirklich sehr erleichtert und hoffe, dass er sein Temperament ausleben kann, ohne dass die nächste Auszeit bevorsteht. Aber jetzt will mich einfach mit euch freuen :beer.
Allerdings käme er mir auch sehr entgegen, wenn er sich den Wischmopp abschneiden würde :D.
Rideamus (23.03.2010, 12:09):
Liebe Severina,

vielen Dank für diesen lebendigen Bericht, bei dem ich mir wieder mal vorkam, als hätte ich das alles gerade selbst auf einem Stehplatz erlebt. :down:down:down

Da mir Mops und Möpse relativ egal sind, freue ich mich über die Regeneration von RV und hoffe, dass sie eine Weile anhält. Wie fragil das ist, sehen wir je gerade an Natalie Dessay.

Von deren Stimmkrisen abgesehen, fand ich aber Dein Lob für den Dulcamara Ambrogio Maestris hoch interessant, denn den hatte ich ja gerade in der DVD von Pellys Pariser Inszenierung des Werkes entdeckt, wo er mich, wie zuvor schon als Falstaff in Mutis Aufführung in Busseto, sehr beeindruckt hat.



Vielleicht sollte man mal mehr auf ihn achten als auf Herrn Schrott, der seinerzeit ja auch mit einem Dulcamara Furore machte. (sorry für das OT in einem Villaszon-Thread)

Für Deinen Bericht: :times10:thanks

:hello Rideamus
Severina (23.03.2010, 13:05):
Meine Lieben,
da ich heute wieder auf "normaler Betriebstemperatur" :wink agiere, noch ein kurzes Nachwort zu meinem gestrigen euphorischen Bericht: Natürlich klang bei unserem Liebling nicht alles so wie auf der DVD von 2005 (besonders "Una furtiva lagrima..." legte er damals viel lyrischer, verinnerlichter an), das war nach dieser OP und der langen Pause aber auch nicht ernsthaft zu erwarten. Außerdem verändert sich wohl jede Stimme in 5 Jahren, mir kommt vor, dass die von Villazón insgesamt schwerer geworden ist.
Interessanterweise hatte er gestern mehr Probleme mit den tieferen Lagen als mit den Höhen, "unten herum" gelang der Registerwechsel nicht immer bruchlos. Wunderbar funktionierte hingegen die Mittellage, da leuchtete Rolandos Stimme wieder in allen Regenbogenfarben, und völlig verblüfft war ich über die vollmundige Höhe. Nun verfüge ich über kein absolutes Gehör und kann beim besten Willen nicht sagen, ob seine Spitzentöne der Partitur entsprachen oder nicht, auf jeden Fall kamen sie absolut kontrolliert, nicht so "hinausgebellt" wie z.B. bei der "Manon" in Berlin, wo ich das Gefühl hatte, dass er sich mit äußerster Kraftanstrengung irgerndwie hinaufstemmt und den anämischen Ton keine Sekunde länger halten könnte. Gestern schien er gerade das Tonhaltenkönnen unendlich zu genießen und reizte es auch wirklich bis an die Grenze aus.
Na ja, ihr kennt mich ja und wisst, dass ich darauf extrem empfindlich reagiere, ich mag dieses Showmäßige nicht, und dass es gestern teilweise Show und nichts anderes war, zeigt ja die Szene, wo Rolando auf seine imaginäre Uhr blickte, während er auf einem schier endlosen Atem den Ton hielt und ihn mit einer typischen "Na, war das nicht toll?"-Geste beendete.
Aber psychologisch ist das natürlich allzu begreiflich, ich hoffe nur, daraus wird jetzt keine Dauermarotte, sonst geriete meine Villazónliebe in eine ernste Krise :W

lg Severina :hello
Ingrid (23.03.2010, 14:40):
Liebe Severina,

mir geht es wie Rideamus. Auch vor mir lief bei Deiner wunderbaren Rezension ein ganz genauer Film ab. Sah förmlich das Ei auf Rolandos Stirn wachsen und seine Tränen kullern. Selbst seine Struwwelpeterfrisur (die hatte er ja auch bei dem Kurzfilm auf seiner Website) passte an dem Abend wohl perfekt zu seiner Euphorie und Clownerie. Hoffe für Dich und uns, dass an den nächsten Abenden wieder der Ernst in der Rollengestaltung in den Vordergrund tritt, denn Deine Berichte wirken halt auch so identisch durch die große Liebe zu den Sängern und Sängerinnen, ganz speziell diesem Locken- und Kindskopf. Die sollte er sich auf keinen Fall verscherzen.

Ich sehe jetzt unserm Festspiel-Liebestrank natürlich mit noch größerer Spannung entgegen, denn unsere Neuinszenierung sah ich bisher noch nicht. Mit Rolando und Maestri müßte es dann schon gut werden. Nemorino muss bei uns ja auf einen Laternenpfahl klettern. Schätze mal, das schafft Rolando, beim jetzigen Energieüberschuss, auch locker.

Nochmals danke, dass Du uns an Deiner Freude hast teilhaben lassen und ich bin schon sehr auf die nächsten Berichte gespannt. Du wirst doch noch öfter dabei sein?

Sonnige Grüße aus dem Bayernlandl
Ingrid
Solitaire (23.03.2010, 14:58):
Aber psychologisch ist das natürlich allzu begreiflich, ich hoffe nur, daraus wird jetzt keine Dauermarotte, sonst geriete meine Villazónliebe in eine ernste Krise


Ich denke nicht, daß dieser Abend ein Maßstab dafür ist, wie RV seine Rollen in Zukunft angeht. Er neigt zwar dazu, Freud und Leid seiner Figuren oft ins unermessliche zu steigern, aber das was ich so böse Vokalonanie ( :ignore) nenne, liegt normalerweise nicht in seiner Art und ist wohl wirklich der überbordenden Freude geschuldet.
Das wäre umso verständlicher, als ich neulich ein Interview gelesen habe in dem er erzählt hat, viele Vorstellungen vor der Pause (vor allem Carlos) seien „horrible“ für ihn gewesen. „Als ob man läuft und plötzlich lassen dich die Beine im Stich, du stürzt, kannst dich nicht bewegen und musst danach ganz besonders vorsichtig sein“. Außerdem wurde vom Interviewer angedeutet, die OP sei risikoreicher gewesen, als in der Öffentlichkeit vemutet. So habe ein Arzt gemutmaßt, es könne sein, daß er nicht nur die Singstimme verlieren sondern u.U. nicht mal mehr reden könne.Selbst wenn das etwas übertrieben sein sollte, kann man verstehen, daß er gestern nicht nur wieder laufen sondern schweben, fliegen, rennen, tanzen, sich austoben wolle.
Wir wollen es ihm gönnen. Bei seinen tragischen Jünglingen verbieten sich Showeinlagen ohnehin von selbst und ich kann mir nicht vorstellen, daß er an Protzerei denkt, wenn er irgendwann wieder als Werther sterben sollte.Das tun nur Leute, die nicht wirklich bei der Sache sind. Man kann RV ja eine Menge vorwerfen, aber DAS nun wahrlich nicht :D
Severina (23.03.2010, 15:23):
Liebe Mina,
ja, das erklärt natürlich vieles und entspricht auch genau dem Eindruck, den ich hatte: Er wollte einfach nur rennen, rennen, rennen und war außer sich vor Freude, dass ihm seine "Beine" sprich Stimmbänder wieder gehorchten und das taten, was er wollte.
"Vokalonanie" ist übrigens köstlich, das muss ich mir merken!! :rofl
Du hast eine PN!

Liebe Ingrid,
leider gibt's kein nächstes Mal, dieser "L'Elisir" mit Villazón war eine singuläre Sache. Er war ja ursprünglich dafür gar nicht vorgesen und sollte doch den Don José mit Garanca und Netrebko im Mai machen. Das musste er natürlich im Vorjahr absagen und inzwischen hat er diese Partie Gott sei Dank überhaupt ad acta gelegt. (Trotzdem bin ich natürlich glücklich, dass der großartige Mitschnitt von Berlin existiert :D )
Das heißt, damit caro Rolando auch seine 2. Auferstehung in Wien feiern konnte, musste erst der ursprünglich vorgesehene Nemorino ausgebootet werden und das ging natürlich nur für eine Vorstellung, denn der Mann (Javier Camarena) hatte ja einen Vertrag!
Wir armen Wiener müssen also auf die nächste Saison warten, um unserem Liebling wieder zujubeln zu dürfen. (Ich darf allerdings schon vorher in Zürich jubeln! :D)
lg Severina :hello
Solitaire (23.03.2010, 15:37):
Ein Hoch auf Javier Camarena. Ich finde es nicht selbstverständlich, daß ein Künstler sich darauf einläßt, "ausgebootet" zu werden, damit ein Kollege sein Comeback feiern kann. Ich glaube jetzt einfach mal an das gute im Menschen in nehme an, daß sein Beweggrund schlichte Kollegialität war. Das wäre sehr schön. :thanks
yago (23.03.2010, 16:56):
liebe severina,
danke für deinen,wie immer ,wunderbaren bericht.
ich freue mich wahnsinnig,dass rolando villazon auf der operbühne zurück ist und ich hoffe,dass ich ihn auch bald wieder live on stage erleben darf.
lg
yago
Severina (23.03.2010, 18:25):
Che gioia - eben nach der Pressekonferenz der WSO bekannt geworden:
Villazón singt an der WSO am 6. und 9. September 2010 den Rodolfo!!! :leb :leb :leb :leb :leb
Habe eben meine Kartenbestellung erledigt!
lg Severina :hello
Solitaire (23.03.2010, 21:20):
Manche Leute haben's wirkli´ch gut...im nächsten Leben wohne ich in Wien, ganz klar :tongue:
Naja, ich freue mich für dich und bin jetzt schon gespannt auf deine Berichterstattung! :beer
Fairy Queen (23.03.2010, 23:37):
Ja, die Wiener sind einfach zu beneiden, aber auch die Sänger, die von den Wienern geliebt werden!
Einen glücklicheren Wischmopp hat man wohl noch nie gesehen als R.V. auf den Photos von gestern! :leb Im übrigen passt der Wischmopp haargenau zu ihm. Dei ideala Frisur für sein Temperament! :D
Was für ein tolles Comeback!!!!! Da geht mir wirklch das Herz auf!
angeblich soll er ja jetzt mit Händel-Arien weitermachen... Rodolfo ist da aber doch schon ein anderes Kaliber......
Wer ist denn die glückliche Mimi?
Ja, man sollte tatsächlich im nächsten Leben einen Wiener mit Familienstammabo an der WSO heiraten!

F.Q.
Severina (23.03.2010, 23:49):
Liebe Fairy,
die glückliche Mimi ist Krassimira Stoyanova, und das macht auch mich glücklich, weil sie großartig ist, die Musetta Alexandra Reinprecht (nicht meine erste Wahl, aber es gibt Schlimmeres), der Marcello Boaz Daniel (Seht gut!) und am Pult steht unser GMD höchstpersönlich, Franz Welser-Möst.
Von der Papierform her müsste es also eine Sternstunde werden! :D

Der glückliche Wischmopp hat übrigens gestern hinter dem Vorhang "Vittoria!!" geschmettert (man hörte es trotz des Jubels natürlich auch im Zuschauerraum) und konnte sich gar nicht einkriegen vor lauter Seligkeit.

lg Sevi :hello
Heike (24.03.2010, 08:48):
Vor einem Jahr gabs mal ein interessantes Interwiev mit Villazon in der Süddeutschen, ich habs mal rausgesucht. Er berichtet auch darüber, wie erschöpft er war und von den ersten Stimmproblemen. Habt ihr gewusst, dass er schon 14 Jahre eine Psychoanalyse macht und sein Frau ihn für chaotisch hält ;-)
nachzulesen hier: Im Gespräch: Rolando Villazón
Heike
Fairy Queen (24.03.2010, 09:39):
:J Wenn sogar seine Frau ihn für chaotisch hält, ist der Wischmopp auf dem Kopf wohl eher die Alltagsfrisur zu Hause......
Die Psychoanalyse scheint ihm immerhin zu helfen, all das durchzustehen, ohne total durchzudrehen. Wenn man sich in dem Job noch soviel Lebensfreude und Spontaneitât bewahrt, kann man nur auf gesunde Weise verrückt sein.

F.Q.
Solitaire (24.03.2010, 10:35):
Original von Heike
Habt ihr gewusst, dass er schon 14 Jahre eine Psychoanalyse macht und sein Frau ihn für chaotisch hält ;-)
nachzulesen hier: Im Gespräch: Rolando Villazón
Heike
Das mit der Analyse habe ich mal gelesen. Er hat in dem Zusammenhang mal den schönen Satz rausgehauen "Wenn eine Eidechse zur Analyse geht, geht sie daraus nicht als Krokodil hervor, sondern als analysierte Eidechse". Ohne zu privat werden zu wollen ist das eine Aussage, die ich bestätigen kann :cool
Daß seine Gattin ihn für chaotisch hält glaube ich sofort. :J
Mimì (24.03.2010, 17:44):
Vielleicht ist das in Südamerika auch üblicher zum Psychoanalytiker zu gehen. In einer Sendung über Buenos Aires hieß es einmal, dass es da ganz normal sei, dass jeder seinen Analytiker habe :D.
Aber RV schien ja doch überrascht und hat sich erstmal strikt geweigert :D
Solitaire (26.03.2010, 12:15):
Laut Spielplan der Oper in Zürich singt RV dort im Juli 2011 in "Il re pastore"

Alessandro: Rolando Villazón
Aminta: Martina Janková
Elisa: Malin Hartelius
Agenore: Benjamin Bernheim

Nur mal für die, die es interessiert.
Ich kenne die Oper nicht, ist die Rolle was für ihn?
Fairy? Severina?
Fairy Queen (26.03.2010, 12:51):
Für seine Stimme ist Mozart sicherlich Balsam.
Ob seine Stimme auch für Mozarts Musik und deren Fans Balsam ist, wird sich zeigen, ich hab ihn noch nie mit Mozart gehört! Wenn er das so hinbekommt wie Monteverdi, bestens, allerdings ist Mozart nciht Verdi, das wird er hoffentlich berücksichtigen.
Die Oper "Il ré pastore" ist wunderschön. Villazon wird ihr sicher seinen eigenen und eigenwilligen Stempel aufdrücken, ich bin jedenfalls SEHR gespannt!

F.Q.
Solitaire (26.03.2010, 13:32):
Irgendwo hier im Forum habe ich mal einen Link gepostet auf dem er die Bildnissarie singt. Wenn man davon absieht, daß ich persönlich mir gerade für diese Rolle einen helleren Stimmklang wünsche (Wunderlich, Schade :down :down :down) und er sich ab und zu ein paar veristische Ausrutscher leistet, singt er das wirklich sehr schön. Außerdem habe ich ihn mal mit "Il mio tesoro" gehört. Ein recht feuriger Don Ottavio. :D
Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf seine erste Mozartoper. Allerdings denke ich schon, daß manche Freiheiten die z.B. bei Händel so gerade noch erlaubt sind bei Mozart ein absolutes no-go sind. Aber das wird er wissen, ich vermute, er hat sich nicht ohne Grund solange Zeit gelassen mit diesem Komponisten.
Im Übrigen: Mozart ist groß und Wunderlich ist sein Prophet und wird es immer sein, und da RV ja bekenndender Wunderlich-Verehrer ist hege ich die Hoffnung, daß er das hinkriegt.
Mit Stimmritzenprotzerei ist dann allerdings Schluß, sonst gibt's auf die Nase :ignore
Heike (29.03.2010, 21:13):
hier ein Interwiev mit Villazon nach seinem kürzlichen Berliner Autritt - auch dort scheint das Comeback wie in Wien geglückt zu sein.
Heike

P.s. wobei der Tagesspiegel das doch differenzierter bewertet, nachzulesen hier (übrigens auch mit kurzem Rückblick auf Wien letzte Woche: " Der Saal raste und lag sich weinend in den Armen, der Tenorissimo küsste den Bühnenboden und weinte mit.")
Fairy Queen (30.03.2010, 05:14):
Liebe Heike, mit dem Interview Link klappt es bei mir leider nciht, aber den Artikel im Tagesspiegel kann ich lesen. Berlin und Wien ist halt wirklich nicht dasselbe.... :wink
Gut, dass er in Wienund als Nemorino angefangen hat!
Ich habe gestern dank Solitaire einige Auschnitte hören können- da springt die Begeisterung über und das Timbre der Stimme ist schön wie eh und je. Etwas verhaltener als früher, das ist wahr- ob das bewusste Vorsicht ist oder die Stimme nciht anders kann, weiss ich nicht zu sagen.
In jedem Fall braucht Villazon das entsprechende Umfeld um zur vollen Form aufzulaufen, soviel steht fest!
Er ist eben eine echte "bête de scéne"!
F.Q.
Heike (30.03.2010, 07:57):
Mein Fehler, ich hatte das Interview falsch verlinkt. Jetzt hab ich es korrigiert.
Heike
yago (01.04.2010, 11:26):
Original von Fairy Queen

In jedem Fall braucht Villazon das entsprechende Umfeld um zur vollen Form aufzulaufen, soviel steht fest!
Er ist eben eine echte "bête de scéne"!
F.Q.

ja liebe fairy,wie wirbt die stadt an der donau so schön?

"Wien ist anders"

lg u. frohe ostern yago
Jimi (09.04.2010, 23:27):
Original von Solitaire
Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf seine erste Mozartoper. Allerdings denke ich schon, daß manche Freiheiten die z.B. bei Händel so gerade noch erlaubt sind bei Mozart ein absolutes no-go sind.

Hallo Solitaire,
wenn du anstelle von Händel Puccini oder Mascagni geschrieben hättest, dann könnte ich die Aussage verstehen.
Die Oper ”Il Re Pastore”, auf die sich dein Zitat bezieht, ist eine Opera Seria nach einem Libretto von Metastasio, genau wie zb auch die Händelopern Poro oder Ezio.
Da stellt sich mir die Frage, was soll bei Händel erlaubt sein was bei Mozart verboten ist, oder habe ich was falsch verstanden ?(

Für alle die ”Il Re Pastore” nicht kennen, HIER die Arie "Se vincendo vi rendo felici" die Villazon in der Oper singen wird. Ich bin mal gespannt wie er das hinbekommt.

:hello Jimi
Fairy Queen (10.04.2010, 17:27):
Ich auch! So ganz entsprciht das ja nciht seinem bisherigen Repertoire.... Für die Stimme ist Mozart aber, wie auch Händel, reiner Balsam. Das Problem bei Mozart ist, dass man als Sänger nackt und bloss dasteht und rein gar ncihts mit italienischer Schmalz- oder Schnulz- Show rausreissen kann. Jeder vokale Schwachpunkt rächt sich sofort und unbarmherzig. Ein ganz neues Rolando- gefühl, aber ich denke, für ihn eine kluge Entscheidung. Für die puristischen Mozart- Fans muss man mal sehen. Wenn er es ohne grosse Show schafft und sich einfach mal nur auf seine herrliche Stimme verlässt, kann es sicher sehr schön werden.
F.Q.
Severina (10.04.2010, 17:46):
Original von Fairy Queen
Ich auch! So ganz entsprciht das ja nciht seinem bisherigen Repertoire.... Für die Stimme ist Mozart aber, wie auch Händel, reiner Balsam. Das Problem bei Mozart ist, dass man als Sänger nackt und bloss dasteht und rein gar ncihts mit italienischer Schmalz- oder Schnulz- Show rausreissen kann. Jeder vokale Schwachpunkt rächt sich sofort und unbarmherzig. Ein ganz neues Rolando- gefühl, aber ich denke, für ihn eine kluge Entscheidung. Für die puristischen Mozart- Fans muss man mal sehen. Wenn er es ohne grosse Show schafft und sich einfach mal nur auf seine herrliche Stimme verlässt, kann es sicher sehr schön werden.
F.Q.

Liebe Fairy,
genau da setzt meine Skepsis ein, denn ich bezweifle, ob sich Villazón so zurücknehmen kann, wie das bei Mozart erforderlich ist. Mozart verlangt nicht nur vom Sänger, sondern auch vom Darsteller eine besondere Disziplin, besonders wenn er den Tenorpart verkörpert. Die Herren der tieferen Lagen dürfen eher überschäumendes Temperament zeigen :D .
lg Sevi :hello
Solitaire (12.04.2010, 15:44):
Hallo Jimi und Severina!
Ich habe mich ungenau ausgedrückt fürchte ich. Ich hätte wohl schreiben sollen "Freiheiten die für meinen Geschmack bei Händel so gerade noch erlaubt sind bei Mozart ein absolutes no-go sind. ".
Was ich damit meine ist folgendes: wenn RV Händel singt, und sich dabei mehr als nur ein paar Freiheiten herausnimmt, mit außermusikalischen Mitteln arbeitet (Sterbeszene Bajazet), Arien die ursprünglich nicht für seine Stimmlage (ja nicht mal für eine "natürlcihe" Männerstimme) geschrieben wurden transponiert, Verzierungen die er nicht so hinbekommt wie ein ausgesprochener Händel-Sänger vereinfacht, vokal auf's Blech haut etc. so stört mich das nicht weiter, denn weder bin ich ein händelkenner, noch ein übermäßiger Händelverehrer. (Ich weiß, ich bin schlimm :I). Von mir aus kann er also ruhig machen wie er meint, mir gefällt sein Händel-Album, auch wenn ich weiß daß (und warum) viele Barockfans diesen Stil unerträglich finden. Würde der liebe rolando das allerdings mit Mozart machen, wäre ich ihm allerdings sehr gram.
Einen vernünftigen Grund dafür kann ich euch nicht nennen, es ist eben so. Für mich kommt Mozart gleich nach dem lieben Gott (und manchmal auch nocht davor) und an dem was der liebe Gott sich ausgedacht hat pfuscht man nicht rum. :engel
Auch ich bin sehr gespannt wie RV sich bei Mozart schlägt. Es wäre sehr schön, wenn er dieser wunderbaren Musik gerecht würde. Wenn nicht: nicht jeder muß alles können, mit der "Dichterliebe" hapert es ja auch noch. Künstler die scheinbar alles singen konnten und jedem Komponisten, jedem Stil, jeder musikalischen Gattung gerecht wurden waren und sind nach wie vor die Ausnahme, nicht umsonst trauere ich immer noch Fritz Wunderlich hinterher.
Ich bin wirklich neugierig, ob er sich zu der für Mozart nötigen Schlichtheit durchringen kann. Aber da ich ihn nach wie vor für einen großen Küstler und nicht nur für einen lustigen Mann mit schöner Stimme halte, will ich glauben das er es kann bis ich eines anderen belehrt werde :)
Severina (12.04.2010, 16:22):
Liebe Mina,
doch, doch, ich verstehe Dich schon :D, mir geht es ganz ähnlich im französischen Fach: Ich glaube es den Experten aufs Wort, dass Rolando nie, fast nie, nicht immer (aber immer öfter :wink) den berühmten "französischen Stil" trifft, aber so lange er einen derart ergreifenden Werther singt und verkörpert, pfeife ich schlicht und ergreifend auf den Stil :D

Die Händel-CD habe ich allerdings immer noch nicht, irgendwie schrecke ich davor zurück, ich weiß auch nicht, wieso. Dabei gefällt mir Villazóns Monteverdi (Il Combattimento) sehr, obwohl es da die Puristen auch schüttelt.

Mich wundert nur generell, dass dieses Energiebündel Rolando eine Mozartoper reizt, weil er sich da in jeder Beziehung am Riemen reißen muss. Mozart scheint die Tenöre nicht sehr geliebt zu haben, er hat zwar wunderschönes Zeugs für sie komponiert, aber als Persönklichkeit sind die meisten so blutleer oder moralinsauer, dass ich im Zweifelsfall immer mit dem Bariton durchgehen würde. (Pamina hätte es mit Pappageno sicher viel lustiger.... :ignore )

lg Sevi :hello
Solitaire (12.04.2010, 16:36):
Original von Severina
aber als Persönklichkeit sind die meisten so blutleer oder moralinsauer, dass ich im Zweifelsfall immer mit dem Bariton durchgehen würde. (Pamina hätte es mit Pappageno sicher viel lustiger.... :ignore )

Nicht wahr? :beer
Ich sag's ja immer: DAS wäre ein Papageno geworden hätte der liebe Gott ihm eine Baritonstimme in die Kehle gelegt. Da hätte er sich austoben, über die Bühne springen und mit allem jonglieren können was ihm in die gefiederten Hände kommt.
Vielleicht reizt ihn Mozart aber auch gerade deshalb weil es so völlig anders ist als alles was er bisher gemacht hat. Immerhin hat er auch diesen Gespenster-Lenski in Berlin gesungen, bei dem er sich zumindest darstellerisch enorm zurücknehmen mußte. Mich hätte ja brennend interessiert, was er WIRKLICH darüber denkt (im Interview heißt es ja immer "ganz, ganz toll, wirklich!"). Ein Künstler, der so intensiv mit seinen Bühnenpartnern kommuniziert und spielt wie nur wenige andere, und der sie in dieser Inszenierung nicht mal ansehen sondern immer nur seine gymnastischen Übungen machen durfte :B
Rene Pape soll ja not amused gewesen sein und hat sich nur für seine Arie auf die Bühne begeben und sich ansonsten doubeln lassen. Ehrlich, so ganz verübeln kann ich es ihm weiß Gott nicht.
Fairy Queen (12.04.2010, 17:19):
Vielleicht macht er es einfach deshalb, weil "Il ré pastore " eine so wunderschöne Oper ist und ihm Freude macht? Oder weil ihm ein weiser Stimm- Coach zu Mozart geraten hat?
Als Ferrando stelle ich ihn mir übrigens gerade im Duett "Fra gli amplessi" herzallerliebst vor. Und bei der "Aura amorosa" schwimmt der Saal. :D
Meistens wollen Sänger ja im Stimmfach "aufrücken" aber evtl gibt es ja doch mal ein paar Weise,die aus ihren Fehlern etwas lernen?
Tenorrollen sind trotz Libretto auch immer das, was man aus ihnen macht. Villazon als Don Ottavio würde den Don Giovanni dann doch vielleicht mal alt aussehen lassen?
Ich stelle mir da gerade gemeinerweise eine Besetzung Schrott, Netrebko, Villazon vor-fast wie m richtigen Leben..... :ignore

F.Q.
P.S. Liebe Solitaire, du hast immer ganz wunderbare Signaturen- diese hier ist sogar dazu noch therapeutisch wertvoll! :wink

P.P.S. Nee, den Papageno willdie Pamina, der denkt ja nur ans Fressen und Saufen und nie an die Moral! :D
Solitaire (12.04.2010, 17:57):
Original von Fairy Queen
Als Ferrando stelle ich ihn mir übrigens gerade im Duett "Fra gli amplessi" herzallerliebst vor. Und bei der "Aura amorosa" schwimmt der Saal. :D

Obwohl gerade "Un' aura amorosa" mein innig geliebter Michael Schade so wunder-wunderschön singt daß es da auch ein RV schwer bei mir hätte :down
Es ist schon seltsam, daß Mozart manchen als "Rückschritt", Otello, Cavaradossi und die ganzen Wagner-Recken aber als Fortschritt gilt, oder? Ich glaube nämlich auch, daß es kaum etwas Schwereres und Entlarvenderes als Mozart gibt, eben weil er so schlicht gesungen werden muß und oft so einfach scheint. Ich finde die Bemerkung, daß der Künstler bei dieser Musik völlig nackt dasteht sehr treffend. Es gibt nichts mehr, womit man fehlende Musikalität oder Stimmprobleme kaschieren könnte. Von fehlender Seele mal ganz abgesehen (wobei das vermutlich nicht sein Problem sein wird).
Die Besetzung Villazón-Netrebko-Schrott würden unter Garantie einen der Beteiligten in die Nervenkrise treiben und ich habe da auch schon so eine Ahnung, wer das sein könnte... :wink

Der Signatursatz hat mir auch sehr gut gefallen als ich ihn zum erstenmal gehört habe. Ich sage ihn mir immer zum Trost wenn ich im Chor mal wieder zu streng mit mir bin :J
Das Papageno-Thema hatten wir ja schon mal an anderer Stelle, aber ich kann es nicht oft genug sagen: ich würde den auf der Stelle heiraten und dann mit ihm abhauen. Das ist doch ein bescheuerter faschistischer Verein diese ganze Eingeweihten-Bande :ignore :rofl
Essen, trinken, andere Sachen tun die auch noch Spaß machen und ein fröhliches Liedchen trällern. Mir würde das völlig reichen. :D
Solitaire (16.04.2010, 10:44):
Wie es aussieht gibt es 2011 in Baden-Baden einen konzertanten (!) Don Giovanni mit Villazón als Don Ottavio. Die Besetzung liest sich klasse, allerdings sind die Preise derart unverschämt, daß ich wohl dankend ablehnen muß. Im Übrigen sehe ich gerade bei dieser Oper und dieser Besetzung den Sinn einer konzertanten Aufführung nicht ein. ?(
Ob da erneut ein Soundtrack für eine Verfilmung eingespielt werden soll wie vor einigen Jahren bei „La Bohème“?
Hier die Besetzung:

Diana Damrau: Donna Anna
Elina Garanca: Donna Elvira
Ildebrando D'Arcangelo: Don Giovanni
Luca Pisaroni: Leporello
Rolando Villazón: Don Ottavio
Mojca Erdmann: Zerlina
Konstantin Wolff: Masetto
Thomas Quasthoff: Komtur


Festpielhaus Baden-Baden
Zefira (16.04.2010, 11:18):
Rolando gibt im November in Baden-Baden auch einen mexikanischen Liederabend (mit Mariachi-Band), da sind die Preise etwas ziviler.

Kennt jemand diese CD? Ich kenne Mariachis nur aus Witzfilmen, und da ist es meistens so, dass sie keiner hören will und sie überall im Weg sind :ignore ...

Schönen Gruß von Zefira (die am 29. zu Villazons Händel-Abend in Baden-Baden sein wird)
Severina (16.04.2010, 11:31):
Original von Solitaire
Wie es aussieht gibt es 2011 in Baden-Baden einen konzertanten (!) Don Giovanni mit Villazón als Don Ottavio. Die Besetzung liest sich klasse, allerdings sind die Preise derart unverschämt, daß ich wohl dankend ablehnen muß. Im Übrigen sehe ich gerade bei dieser Oper und dieser Besetzung den Sinn einer konzertanten Aufführung nicht ein. ?(
Ob da erneut ein Soundtrack für eine Verfilmung eingespielt werden soll wie vor einigen Jahren bei „La Bohème“?
Hier die Besetzung:

Diana Damrau: Donna Anna
Elina Garanca: Donna Elvira
Ildebrando D'Arcangelo: Don Giovanni
Luca Pisaroni: Leporello
Rolando Villazón: Don Ottavio
Mojca Erdmann: Zerlina
Konstantin Wolff: Masetto
Thomas Quasthoff: Komtur


Festpielhaus Baden-Baden

Liebe Mina,
wow, diese Besetzung ist wohl nicht zu toppen :down :down!! Da hoffe ich inständig auf einen Mitschnitt. Aus Baden-Baden wird ja immer wieder etwas übertragen, vielleicht auch dieser Giovanni.
Ich mag Oper konzertant generell nicht und höre mir das wirklich nur an, wenn es sich um eine Rarität handelt, die ich szenisch in Wien in absehbarer Zeit nicht erleben werde, wenn ich mir also sage: "Besser so als gar nicht!" Einen konzertanten Giovanni täte ich mir sicher nie an, egal, wer singt. (Das sag ich natürlich, weil ich weiß, dass konzertante Opern bei uns meist auf Rado Ö1 übertragen werden :wink :D)
lg Severina :hello
Jimi (16.04.2010, 15:14):
Original von Solitaire
Ich habe mich ungenau ausgedrückt fürchte ich. Ich hätte wohl schreiben sollen "Freiheiten die für meinen Geschmack bei Händel so gerade noch erlaubt sind bei Mozart ein absolutes no-go sind. ".
Was ich damit meine ist folgendes: wenn RV Händel singt, und sich dabei mehr als nur ein paar Freiheiten herausnimmt, ...
... so stört mich das nicht weiter, denn weder bin ich ein händelkenner, noch ein übermäßiger Händelverehrer.


Hallo Solitaire und hallo an alle anderen,

jetzt verstehe ich deine Aussage schon eher, mir war auch nicht klar, das du speziell die RV Händel-Cd gemeint hast, ich dachte du meinst es eher allgemein.

Original von Solitaire
Von mir aus kann er also ruhig machen wie er meint, mir gefällt sein Händel-Album, auch wenn ich weiß daß (und warum) viele Barockfans diesen Stil unerträglich finden. Würde der liebe rolando das allerdings mit Mozart machen, wäre ich ihm allerdings sehr gram. Einen vernünftigen Grund dafür kann ich euch nicht nennen, es ist eben so.

Also ich gehe jetzt mal von mir aus und vermute folgendes: Als "Mozartfan" hast du sicher Lieblingsaufnahmen/Aufführungen/Interpreten die für dich eine Art Referenzstatus haben. Wenn dann eine neue Interpretation stark von dem so geprägten Stil abweicht, empfindet man das erst mal als irritierend (geht mir jedenfalls so), d.h. du möchtest Mozart von RV stilistisch etwa so hören wie du es von deinen Lieblingsaufnahmen"gewöhnt" bist.
Bei Händel fehlt diese Prägung auf einen bestimmten Stil, weil er dich nicht besonders interessiert, und du möchtest dann einfach Rolllllando hören, gerne auch mal in seinem üblichen "Allzweckstil" irgendwo zwischen "Maaama, quel vino generoso" und "Fiesta Mexicana"(nein ich vergleiche RV nicht mit Rex Gildo).

Original von Solitaire
Für mich kommt Mozart gleich nach dem lieben Gott (und manchmal auch nocht davor) und an dem was der liebe Gott sich ausgedacht hat pfuscht man nicht rum.

Es stellt sich dann nur noch die Frage, ob sich der liebe Gott(bez. Mozart), seine Werke wirklich so gedacht hat, wie sie in deinen (oder auch meinen) Referenzaufnahmen/Aufführungen interpretiert werden. Das ist aber off Topic und wäre was für einen eigen Thread.

Original von Zefira
Rolando gibt im November in Baden-Baden auch einen mexikanischen Liederabend (mit Mariachi-Band), da sind die Preise etwas ziviler.

Kennt jemand diese CD? Ich kenne Mariachis nur aus Witzfilmen, und da ist es meistens so, dass sie keiner hören will und sie überall im Weg sind :ignore ...

Schönen Gruß von Zefira (die am 29. zu Villazons Händel-Abend in Baden-Baden sein wird)
Hier gibt es Infos zur neuen RV Cd die im Herbst erscheinen soll.

:hello Jimi
Solitaire (16.04.2010, 15:52):
Hallo Jimi!
d.h. du möchtest Mozart von RV stilistisch etwa so hören wie du es von deinen Lieblingsaufnahmen"gewöhnt" bist.
Sagen wir mal so: ich möchte Mozart gerne so hören, wie ich glaube, daß er gesungen werden sollte. Was die Tenöre angeht sind meine beiden unangefochtenen Leuchttürme Fritz Wunderlich und Michael Schade.

Bei Händel fehlt diese Prägung auf einen bestimmten Stil, weil er dich nicht besonders interessiert
Da kann ich dir zustimmen, mir fehlt die „Prägung“ weil ich mich mit Händel nicht besonders gut auskenne und relativ wenig Händel höre. Ich gebe zu, ich habe z.B. Probleme mit diesen ewigen Da-Capo-Arien im Barock. Lustiger- und seltsamerweise ist es mir gerade bei RVs-Händelalbum erst nach mehrfachem Anhören aufgefallen, daß er ja auch dieses „da-capo"-Schema singt ,daß mir manchmal so auf den Sender geht. Ob das nun daran liegt, daß sein Stil hier derart ketzerisch ist, daß er nichts mehr mit Händel zu tun hat kann ich nicht sagen. Wie gesagt: mir gefällt’s.

und du möchtest dann einfach Rolllllando hören, gerne auch mal in seinem üblichen "Allzweckstil" irgendwo zwischen "Maaama, quel vino generoso" und "Fiesta Mexicana"
Ich muß doch sehr bitten! :rofl :S :rofl
Wer RV einen Allzweckstil attestiert, dem möchte ich ja gerne sein französisches Album ans Herz legen, das m.E. das Gegenteil beweist. Aber es kann natürlich sein, daß ich einfach nur ein Idiot bin. :B
Aber du hast Recht: manchmal möchte ich auch wirklich nur Rolllllandos wunderschönes Timbre hören. So wie ich manchmal einfach nur dem sonnendurchfluteten Tenor von Luciano Pavarotti oder dem dunklen Glühen von Anna N.s Stimme lauschen möchte. Ja, es gibt diese melomanen Momente in meinem Leben.

Es stellt sich dann nur noch die Frage, ob sich der liebe Gott(bez. Mozart), seine Werke wirklich so gedacht hat, wie sie in deinen (oder auch meinen) Referenzaufnahmen/Aufführungen interpretiert werden.
Ja, die Frage stellt sich, und sie ist überaus spannend. Im Gegensatz zu Verdi, Puccini etc. gibt es ja auch keine Dirigenten die noch mit dem komponisten zusammengearbeitet haben (wie Toscanninni mit Verdu & Puccini), so daß man mit einiger Wahrscheinlichkeit annehmen kann,daß sie mit ihren Aufnahmen sooo falsch nicht liegen. Weil ich das nicht weiß, halte ich mich an das, was mich anspricht, aber ich denke bei Mozart liege ich mit Wunderlich, Schade, Berger, Siepi etc. nicht soooo falsch.
Jimi (16.04.2010, 22:49):
Original von Solitaire

Wer RV einen Allzweckstil attestiert, dem möchte ich ja gerne sein französisches Album ans Herz legen, das m.E. das Gegenteil beweist. Aber es kann natürlich sein, daß ich einfach nur ein Idiot bin. :B


Nö, du bist bestimmt kein Idiot, möglicherweise so etwas wie ein riiiiiiiiiiesengroßerRV-Fan mit einer klitzekleinen rosaroten Brille :cool :ignore

Btw ich habe die ersten drei Cd's von RV wobei mir die erste am besten gefällt, die zweite etwas weniger und die dritte hätte ich mir vor dem Kauf besser anhören sollen...
Aber ich gebe dir insofern Recht, der "Allzweckstil" ist viel mehr in den Liveaufnahmen zu hören. Mir gefallen generell die Studioaufnahmen viel, viel,... viel besser als die Liveaufnahmen. Ich werde auf youtube mal ein paar Beispiele suchen(hoffentlich finde ich die wieder ?( ) damit man besser nachvollziehen kann was ich meine. Ich werde aber erst nächst Woche dazu kommen.

:hello Jimi
Severina (16.04.2010, 23:30):
Lieber Jimi,
was genau verstehst Du unter einem "Allzweckstil"? ?( Dass bei RV alles gleich klingt? Dann hören wir wohl mit völlig verschieden gepolten Hörorganen :wink
Mir geht es übrigens genau umgekehrt, dass ich generell Live-Aufnahmen lieber habe, weil sie ehrlicher und oft auch mitreißender sind als Studioaufnahmen, die ziemlich steril klingen können. Nicht so sehr bei Villazón, der kann sich auch im Studio perfekt stimulieren, aber trotzdem schwingt bei den Mitschnitten noch das ganz bestimmte Etwas mit, das eben nur durch die Wechselwirkung von Bühne und Zuschauerraum entsteht und für das unser Rolando bekanntlich besonders empfänglich ist :D.
Dass Studioaufnahmen besser im Sinne einer angestrebten Perfektion sind, ist wohl klar. Auf der Bühne hat ein Sänger nur eine einzige Chance, verhaut er seinen Einsatz oder einen Ton, hat er Pech gehabt, im Studio kann er alles beliebig oft wiederholen. (Ein geschickter Tonmeister kann dann aus 10 Varianten eine Best-Of-Arie zusammenbasteln......) Es ist außerdem ein Unterschied, ob Du frisch ausgeruht im Studio erscheinst und "Una furtiva lagrima" schmetterst oder ob Du live schon zwei Stunden gesungen hast, bis Du endlich diese vokale Visitenkarte Nemorinos abliefern darfst.
Da es mir aber nicht um Perfektion geht (egal ob geschummelt oder nicht), sondern um ein packendes und überzeugendes Rollenporträt, ziehe ich eben Livemitschnitte vor. Ich finde es ehrlich gesagt auch schöner, die Publikumsreaktionen zu hören, selbst ein Huster dazwischen ist mir lieber als diese unnatürliche, sterile Totenstille im Hintergrund der Studioaufnahmen.
Im Übrigen bin ich nicht taub für Rolandos Schwächen (Ich habe bei seinem ersten Comeback als Werther so ziemlich den einzigen Verriss weit und breit geschrieben - noch fürs T-Forum :wink - während die Berufskritiker unisono in Jubel ausbrachen!), aber einen "Allzweckstil" kann ich bei ihm wirklich nicht orten. (Rosarot steht mir übrigens gar nicht :wink :D )
lg Severina :hello
Fairy Queen (17.04.2010, 08:38):
Lieber Jimi, was du mit "Allzweckstil" meinst, kann ich glaube ich in Villazons Fall ganz gut nachvollziehen. allerdings ist das für mich kein Negzativprädikat sondern ein Charakteristikum mit hohem Wiedererkennungswert.
Sein Allzweckstil besteht darin, aus vollem Herzen loszuschmeterrn was das zeug und die Musik hält und sichkopfüber in die Rolle zu stürzen. Das macht er zu allen Zwecken und gerade dafür lieben wir ihn ja. Ob bei Monteverdi, Händel, Massenet oder Verdi- er ist immer Rolando 10000 Volt.
Darüber sind Stilpuristen aus der Alten Musik natürlich not amused, aber wer seinen Monteverdi live erlebt hat, wird da ganz schnell kleinlaut, denn sein Allzweckstil holt eine ganz neue emotionale Qualitât heraus und macht eben alles zur "Fiesta".
Du wirst bei Villazon tatsächlich keinen Händel Stil, Mozart Stil oder Donizetti Stil finden sondern nur einen Rolando Stil.
Wenn das Allzweck ist kommt er meinen Zwecken jedenfalls all-seits entgegen.

P.S.
Herreweghe oder Gardiner werden ihn vielleicht nicht engagieren, unter Emmanuelle Haïm hat's aber geklappt! :engel

Ich empfehle dringend die CD Lamento! Dort hört man allerschönste Stimmen mit allerschönsten barocken Klageliedern/Arien. u.A. auch Villazon und Natalie Dessay.
Ich finde Villazon live übrigens, wie Sevi ,1000mal besser. So wie ich überhaupt Oper live 1000mal besser finde-Theater braucht eine Bühne und Villazon ist eindeutig OPERN-Sänger.
Jimi (18.04.2010, 09:53):
Original von Jimi
Aber ich gebe dir insofern Recht, der "Allzweckstil" ist viel mehr in den Liveaufnahmen zu hören..

Sorry, Sevi und Fairy, ich habe mich blöd ausgedrückt :( :( :(, das muss ja zu Missverständnissen führen.
Ich meinte :

" Mir gefallen generell seine(RolandoVillazon) Studioaufnahmen viel, viel,... viel besser als seine Liveaufnahmen.

Bei anderen Interpreten sieht das ganz anders aus.

Ich bin gerade auf dem Sprung(bei dem Wetter :W). Auf den"Allzweckstil" kommt ich morgen oder übermorgen, wie schon "angedroht", zurück.

:hello Jimi
Jimi (21.04.2010, 17:50):
Hallo zusammen, hallo Fairy,

Original von Fairy Queen
Lieber Jimi, was du mit "Allzweckstil" meinst, kann ich glaube ich in Villazons Fall ganz gut nachvollziehen. allerdings ist das für mich kein Negzativprädikat sondern ein Charakteristikum mit hohem Wiedererkennungswert.
Sein Allzweckstil besteht darin, aus vollem Herzen loszuschmeterrn was das zeug und die Musik hält und sichkopfüber in die Rolle zu stürzen. Das macht er zu allen Zwecken und gerade dafür lieben wir ihn ja. Ob bei Monteverdi, Händel, Massenet oder Verdi- er ist immer Rolando 10000 Volt. ...
...Du wirst bei Villazon tatsächlich keinen Händel Stil, Mozart Stil oder Donizetti Stil finden sondern nur einen Rolando Stil.
Wenn das Allzweck ist kommt er meinen Zwecken jedenfalls all-seits entgegen.



das geht schon in die in die Richtung die ich meine, speziell das mit dem Rolando Stil anstelle Händel Stil, Mozart Stil usw. Wir können uns Anstelle von Allzweckstil gerne auf einen "typischen Rolando-Stil" einigen, das klingt dann etwas freundlicher . :wink

Zum Einstieg möchte ich eure Meinung zu einer älteren Aufnahme von RV wissen, wo er IMO diesen typischen RV-Stil noch nicht entwickelt hat, und zwar :
"Mit Gewitter und Sturm aus fernem Meer" aus dem fliegenden Holländer.

Das ist eine seiner ersten Aufnahmen(2001) und auch das erst was ich von Ihm gehört habe, zu einem Zeitpunkt als er noch total unbekannt war.
Wie schätzt Ihr diese Aufnahme im Vergleich zu dem ein was er sagen wir mal in den letzten 4-5 Jahren gemacht hat ?

:hello Jimi
Solitaire (22.04.2010, 09:14):
Ich kann die Aufnahme hier im Büro nicht hören, kenne sie aber und mag sie (trotz des Akzents) sehr. Ich finde sie jedoch zu kurz um sie mit allem zu vergleichen was er seither gemacht hat. Allerdings kenne ich den Radiomitschnitt eines Recitals das er um 2004 in New York gegeben hat (Temple of Dendur). Hier singt er z.T. ein Repertoire das man heute so nicht unbedingt von ihm erwarten würde: Richard Strauss, Franz Liszt, Fauré, das unvermeidliche „Ombra mai fu“ (das in der Tat ein bißchen nach Puccini klingt)etc. außerdem Giordano und schon damals „Non puede ser“, sowie ein wunderschönes„Te Quiero Dijiste“, das viele von Linda Ronstadt kennen, und das er als innige, sehr zurückgenommene Liebeserklärung an wen auch immer singt.
Stimmlich ist er wirklich ganz wunderbar (aber Jimi hat recht: ich bin eben ein Fan und höre mit liebenden Ohren. Objektivität ist mir in diesem Fall nicht wirklich gegeben und möglich... :engel) stilistisch noch nicht ganz der spätere „Rolando Furioso“, was manche freuen dürfte. Ob er bei Strauss & Co immer den richtigen Ton trifft kann ich nicht sagen, verstehen tut man ihn allerdings leider kaum. Ich habe wirklich eine Weile gebraucht bis mir klar geworden ist, daß das Deutsch ist was er da singt. :ignore
In DER Hinsicht hat er sich jedenfalls seitdem gemausert.
Vor einigen Tagen gab’s in Paris übrigens mal wieder die „Dichterliebe“ diesmal mit Helene Grimaud am Klavier. Wer des Französischen mächtiger ist als ich kann vielleicht hiermit was anfangen:
Klick.
Was sagen denn Fairy und Severina zum Steuermann?
Fairy Queen (24.04.2010, 07:56):
Liebe Solitaire ich bin immer serh dankbar für die Links und habe den Artikel gelesen.
Der Kritiker bercihtet von der grossen Freude des Pariser Publikums "seinen" Tenor wiedergefunden zu haben, aber er geht auch auf stimmliche Schwachpunkte ein.

...... mais le récital avec piano, une discipline sans filet, où la voix est exposée dans toute sa nudité et sa fragilité. Le ténor n'a pas choisi la facilité pour commencer, offrant à son public un bouquet de mélodies françaises signées Duparc, Fauré, Massenet (et même Tosti pour une sirupeuse "Chanson de l'adieu"). La beauté du timbre riche, sombre et chaleureux à la fois qui a fait la gloire de Rolando Villazon est toujours là, mais ses aigus manquent d'épanouissement et de projection et la clarté de son français, quoiqu'en progrès, reste perfectible.

Er habe ein Liedprogramm gewählt, in dem die Stimme, anders als in der Oper, in aller Nacktheit und ohne netz und doppelten Boden ausgesetzt ist. (wie wahr wie wahr!!!!).Sein reiches warmes und dunkels Timbre das seinen Ruhm begr¨¨undet habe, sei noch da, aber die Höhe fragil und sein Französcih ermangele der Klarheit und sei verbesserungswürdig.
Diesen gebetsmühlenartigen Vorwurf sollte man als Ausländer sowieso mehr oder weniger auf seine Strin tätowieren lassen. Es gibt in dieser Hinsciht ncihts Arroganteres als Franzosen und das Paradoxe dabei ist, das sie selbst kaum in der lage sind iregendeine Fremdsprach verständlich zu singen. Darüber könnte ich mcih jedesmal wieder aufregen!!!!! :S

Die Dcihterliebe von Schumann muss ich mir nco heinzeln vornehmen, wir haben ja den thrtead dazu. Villazon ist fûr mcih kein Liedsänger, er braucht viel mehr Raum und viel mehr Szene als das das Kunstlied ihm bieten kann.

Den Holländer konnte ich nicht hören, da mein Computer dabei zweimal abstürzte und einen dritten Verscuh mache ich aus Sicherheitsgründen nicht.

F.Q.
Solitaire (28.04.2010, 14:06):
Liebe Fairy, danke für die Übersetzung! Also ICH verstehe ihnhalbwegs wenn er Französich singt. Aber ich bin ja auch mal wegen Französisch sitzen geblieben und also kein Maßstab :D
Ich halte RV aber auch nicht für einen Liedersänger. Ich denke, er braucht die große Form der Oper um seine Stärken auszuspielen. Außerdem finde ich in der Oper stilistische Freiheitein und Ungenauigkeiten noch halbwegs verzeihlich. Ein „Ich grolle nicht“ daß nach einer Stretta von Verdi klingt, könnte ich aber niemandem vergeben. :I
Ich muß allerdings zugeben, daß ich es mutig finde, daß er sich immer wieder an die Dichterliebe wagt, obwohl er es sich leicht machen und sich einfach auf das konzentrieren könnte, was er so richtig gut kann. Er muß dieses Werk schon sehr lieben, daß er es immer wieder damit versucht , obwohl es regelmäßig mittelprächtige bis schlechte Kritiken dafür hagelt. Die Liebe zur Dichterliebe kann ich jedenfalls gut verstehen, ich liebe dieses Werk ebenfalls. Vor allem, wenn Wunderlich singt. :down :down :down
Hier eine Kritik zum Händel-Konzert vom Montag.
Ich war ja nicht dabei, aber es deckt sich mit meinen Empfindungen wenn ich die CD höre. Kann natürlich sein, daß hier auch jemand schreibt, der mit liebenden Ohren hört und eine rosarote Brille trägt. :J
Klick
Zefira (28.04.2010, 14:17):
Oh, danke für diese Kritik! Jetzt freue ich mich noch mehr auf morgen. Mimí und ich werden Rolando in Baden-Baden feste bejubeln! :leb

In Vorfreude,
Zefira
Solitaire (28.04.2010, 14:22):
Oh, da wünsche ich aber gaaanz viel Freude und einen wunderschönen Abend! :beer
Severina (28.04.2010, 18:32):
Oh, viel Vergnügen!! Ich hoffe, Ihr berichtet dann ganz ausführlich! :W Muss mir jetzt doch endlich die Händel-CD zulegen und den Purismusmodus ausschalten :wink

Liebe Mina,
Rolando und Liedgesang will für mich auch nicht so ganz zusammenpassen, außerdem stört mich da ein Akzent wirklich, bei einer Oper bin ich da viel großzügiger.
Was mich bei der von Fairy dankenswerter Weise übersetzten Kritik ein wenig verwundert, ist die "fragile Höhe", denn ehrlich gesagt habe ich von Villazón schon lange keine so vollsaftige Höhe erlebt wie unlängst als Nemorino. Dass Spitzentöne generell nicht seine Stärke sind (und auch nie wirklch waren) verbindet ihn ja mit seinem großen Vorbild Domingo.
lg Severina :hello
Mimì (30.04.2010, 12:21):
Soooo, nachdem ich mich längere Zeit aus Zeitgründen nicht melden konnte (aber immer eifrig mitgelesen habe ;)), schreibe ich jetzt unseren Bericht vom Händel-Konzert gestern Abend in Baden-Baden, das unser Rolando zusammen mit den Gabrieli Players unter Paul McCreesh und der Sopranistin Lucy Crowe gegeben hat.

Bei Händels Musik muss ich oft an Wasser und Wellen denken. Sie ist so rhythmisch,so frisch. Deshalb hatte ich mich schon allein wegen der Gabrieli Players gefreut, denn dieses Barock-Orchester spielt unglaublich präzise und klar. Allerdings war unser Eindruck, dass sie etwas zu leise spielten, obwohl wir recht weit vorne saßen (wenn schon, denn schon!). Nach einer Weile gewöhnte sich das Ohr aber daran. Das Programm begann mit einem Instrumentalstück „Die Ankunft der Königin von Saba“ aus dem Oratorium „Solomon“, außerdem spielten sie noch das Concerto grosso B-Dur und das Konzert für Oboe, Streicher und Basso continuo in g-Moll, bei dem mir auffiel, was die Solo-Oboe doch für ein schönes Instrument ist :).

Mit der Arie „Se pietà di me non senti” der Kleopatra aus “Giulio Cesare” trat die Sopranistin Lucy Crowe auf. Ich war wirklich sehr beeindruckt von ihr, ihre Stimme hat ein schönes Timbre und sie sang sehr ausdrucksvoll. Bei der traurigen Arie kam mir einen Moment der Gedanke in den Sinn, ihr Gesang ist geordnetes Weinen.
Die Krönung der Koloraturen war aber “Da tempeste“ der Kleopatra aus Giulio Cesare“, bei der Lucy Crowe wirklich alles zeigen konnte, was sie drauf hatte. Die hohen Töne kamen richtig weich und oft in einem schönen piano, die Koloraturen beherrschte sie nicht nur perfekt, sondern sang sie auch mit emotionalem Ausdruck und nicht nur rein technisch. Dafür bekam sie auch große Bravo-Schreie.

Den Star des Abends hab ich mir bis zum Schluss aufgehoben :wink.
Er ist noch immer ein glücklicher Wischmopp, die Haare sind noch dran, aber wir gewöhnen uns langsam daran.
Ich habe mich auf viele Programmpunkte gefreut, wie die Arien „Pastorello d’un povero armento“ aus der Oper „Rodelinda“ und vor allem „Scherza infida“ aus „Ariodante“. Beide sind sehr getragen und traurig, besonders letztere geht mir immer fürchterlich zu Herzen.
Bei der feurigen Arie “Più che penso alle fiamme del core” aus “Serse” hatte ich das Gefühl, dass er viel mehr Probleme mit den tiefen Tönen hatte. Es gibt einige Spitzentöne darin (obwohl Händel ja nie die absolute Spitze erreicht), die er ohne Probleme und ganz weich sang, während die Abwärtsläufe etwas wackelig und unsicher kamen, so war mein Eindruck. Allerdings machte Rolando das sowieso wieder durch seine intensive Ausstrahlung und Emotionalität wett. Besonders in den kleinen instrumentalen Zwischenteilen schnitt er so lustige Grimassen des entflammten jugendlichen Liebhabers. Die Kritik, die ich schon öfters gelesen habe, er würde bei den Konzerten zu viel rumblödeln, gilt für für „unser“ Konzert aber nicht. Klar, er war sehr fröhlich, lachte viel, machte in besagter Arie ein paar Witze und einmal beim Abgang lief er zunächst gegen eine verschlossene Tür, bevor er den richtigen Ausgang fand ( :rofl), aber von „Kasperliaden“ kann keine Rede sein.
Zwei weitere Koloraturarien – „Crude furie“ aus „Serse“ und „Ciel e terra“ aus „Tamerlano“ – standen noch auf dem Programm. Auch hier waren die tiefen Töne sehr leise, die Koloraturen bewältigte er dagegen problemlos. Schade, dass gar nichts aus den Oratorien kam. Ich hätte furchtbar gerne „Così la tortorella“ gehört.
Zum Schluss spielten die beiden Solisten noch Bajazets Sterbeszene aus „Tamerlano“. Bajazet verabschiedet sich von seiner Tochter und stirbt in rasender Wut auf seinen Feind Tamerlano. Das Orchester hat an dieser Stelle einen so unglaublich aufgeregten Teil und Rolando stirbt so herzergreifend, das ich die ganze Zeit über im Sitz richtig angespannt war. Am Ende gab es großen Applaus, viele Bravos und standing ovations. Die Zugabe „Ombra mai fu“ kam allerdings meiner Ansicht nach weniger geglückt. Er fing schon zu laut an, irgendwie kamen dann wieder mehr Verdi und Puccini durch. Auf der CD singt er das viel sanfter und ausgeglichener. Das fand ich schade, aber nach so einem Applaus wieder in die Stimmung von „Ombra mai fu“ zu kommen, fiel mir selbst schon schwer.
Da war die zweite Zugabe „Dopo notte“ viel passender. Meine Mama und ich waren die einzigen im Saal, die geklatscht haben, als er uns verkündete, dass er dieses Bravourstück singen würde –vielleicht haben wir einfach schneller geschaltet als alle anderen, weil wir auf dieses Stück gewartet haben!. Ich hatte „Dopo notte“ auf dem Spielplan schon vermisst, denn sie zählt ebenfalls zu einer meiner Lieblingsarien auf der CD, die reinste Glückspille.

Insgesamt war es ein wunderschöner Abend für uns und sicherlich nicht das letzte Mal. Rolandos weiterer Karriere sehe ich nun viel zuversichtlicher entgegen. Von Stimmritzenprotzerei merkte ich nichts. Im Gegenteil, die Höhe war kein bisschen gepresst und seine Stimme sehr weich. :down
Nach dem Konzert haben wir uns natürlich gleich an der Stage Door aufgestellt und gewartet. Es dauerte einige Zeit, bis unser Rolando vorbeikam und durch die Tür winkte und schließlich in einen dicken Schal eingewickelt rauskam und Autogramme verteilte – jaaaaa, ich hab auch eins *freu*! :leb


http://farm4.static.flickr.com/3505/4564794763_ce69a73c87.jpg

Ich bin noch ganz im siebten Himmel der Musik :engel.
Fairy Queen (30.04.2010, 14:27):
Liebe Mimi, danke für diesen tollen Ohren-und Augenzeugenbericht. Das Photos mit dem Autogramm ist wahrlich ein Grund, euch zu beneiden! Später kannst du Deinen Enkeln erzählen, dass du ein Autogramm des grossen Rolando Villazon hast.

Ich habe mir gerade einige Ausschnitte aus der Händel-Cd im Internet anhören kônnen und ich kann mir sehr gut vorstellen, warum Rolando sich dieses Programm gewählt hat. Händel ist Balsam für die Stimme und dabei doch weniger exponiert als Mozart. es gibt kaum einen komponisten, der so sängerfreundlich komoniert hat und gleichzeitig so schön. das tut Leib und Seele gut, wenn man es singt. Wenn bei mir gar ncihts geht, singe ich "Lascia ch'io pianga" und "Where'ver you walk" und Welt und stimme sind wieder in Ordnung. Nach langer Auszeit ist Händel eien Medizin und Rolando Villazon hatte wohl den richtigen inneren Arzt.
Ein Koloraturgenie ist er allerdings nicht, das ist mir alles etwas zu sehr ineinandergeschliffen, die Töne sind nicht gestochen oder getupft sondern gezogen. Tant pis!
Mir fällt er stilistisch nicht allzu unangenehm aus dem Rahmen und seine Stimme ist auch für Händel gerade schön genug. Warum soll man diese Musik weissen Stimmen überlassen? sie hat doch serh viel Emotion, nur eben anders ausgedrückt als in der Romantik.
Es klingt in jedem Fall gesund und das ist serh beruhigend. Zehrt noch schôn lange von diesem Erlebnis! Die Sopranistin kenne ich auch noch nicht und verscuhe sie mal zu finden. Das Ensemble gefällt mir auf der Cd serh gut.
Liebe Grüsse aus Frankreich
Fairy Queen
Severina (30.04.2010, 18:12):
Liebe Mimi,
vielen Dank, dass Du unsere Neugierde so rasch und ausführlich befriedigt hast!! :thanksDeine Schilderung hat nun meine letzten Bedenken bezüglich Rolando+Händel hinweggefegt, sodass diese CD nun ganz oben auf meinem Wunschzettel steht.
Dass Rolando momentan mit den tieferen Tönen mehr Probleme hat als mit den Höhen, habe ich bei seinem Nemorino ebenfalls diagnostiziert. "Unten rum" musste er manchmal ein bisschen schummeln und es klang etwas fahl.

Jedenfalls beruhigend, dass er zwei Wochen vor seinen Züricher Alfredos so gut in Form ist! :D

lg Severina :hello
Jimi (01.05.2010, 16:50):
Original von Fairy Queen

Den Holländer konnte ich nicht hören, da mein Computer dabei zweimal abstürzte und einen dritten Verscuh mache ich aus Sicherheitsgründen nicht.

F.Q.

Hi Fairy,
das ist ungewöhnlich, normalerweise werden diese Videos problemlos wiedergegeben, wenn man das richtige Plugin installiert hat, oder ansonsten eben nicht. Dann gibt es halt eine Fehlermeldung aber der PC stürzt normalerweise nicht gleich ab.
Wie auch immer, es gibt noch eine andere Möglichkeit zumindest an den Ton des Videos ranzukommen :

" http://www.video2mp3.net/de/"

Auf der Seite kann man online youtube Videos in mp3 umwandeln lassen, ohne das Video aufrufen zu müssen.

Gib bei youtube in die Suche "Villazon Mit Gewitter und Sturm" ein, dann Rechter Mausklick auf das erste Video das angeboten wird und im Kontextmenü "Linkadresse kopieren" auswählen.

Diese Adresse bei "http://www.video2mp3.net/de/" einfügen und los gehts, ok die Konvertierung dauert natürlich ein wenig, funktioniert aber tadellos. Wenn du damit nicht klar kommst kannst du mir eine Pn schicken, oder einfacher frage irgendeinen 13-18 jährigen, die machen so was im Schlaf :D

:hello Jimi
Solitaire (03.05.2010, 12:28):
Hallo Mimi!
Ganz herzlichen Dank für deine Schilderung! Es freut mich sehr, daß du einen so tollen Abend hattest.Ich habe das Album am Wochenende zum erstenmal seit ziemlich langer Zeit wieder aufgelegt und ich kann mir nicht helfen: es ist schon klasse, wie er die Furien anruft ihn mit ihrem tödlichen Gift zu benetzen. Es mag ja alles mögliche sein, aber eins ist es nicht: langweilig. Da brennt die Luft und man weiß: Leichen werden seinen Weg pflastern.
Ein Autogramm habe ich auch, 2008 in Köln ganz Mina-untypisch schüchtern entgegengenommen.

@Fairy
"Lascia ch'io pianga" müssen meine Nachbarn des öfteren in Treppenhaus oder Waschküche ertragen :J. Da hat es eine so schöne hallende Akustik... Ich signe es ganz sicher nicht so gut wie du mit deiner fundierten Ausbildung, aber ich krähe voller Begeisterung. Je ärmer man gerade dran ist, weil die Welt mal wieder rabenschwarz ist, umso mehr Spaß macht es. :cool
Mimì (03.05.2010, 19:56):
Hallo zusammen :hello,

Rolando ist sicher nicht der größte, was Verzierungen und Koloraturen anbetrifft. Da gibt es bessere CDs auf dem Markt. Aber es ist einfach diese Emotionalität und die Intensität, mit der er singt. Er verleiht diesen Arien so viel Ausdruck. Ich habe leider manchmal den Eindruck, dass besonders in der Barockmusik das Gefühl hinter der Technik zurückbleibt. Bei Rolando ist das nicht so, und das macht ihn und seine CD so großartig (für mich). Ich finde auch nicht, dass er Händel wie Puccini singt. Er setzt seine Stimme doch sehr weich und mit vielen piani (pianos?) und so ein :) (Tut mir Leid, ich kann mich da nie so gut ausdrücken...)
Ich finde diese CD einfach nur wunderwunderschön und das Konzert war so toll. Ich häng dem immer noch total nach, würde am liebsten wieder zurück :I!

Liebe Sevi,
ich freue mich, dass ich dich dazu überreden konnte, die CD auf deinen Wunschzettel zu setzen. Ich hoffe nur, dass sie dir auch so gut gefällt. Nicht, dass ich dir am Ende zu einem Fehlkauf geraten habe... :ignore.
Solitaire (21.05.2010, 14:38):
Ich hatte die Gelegenheit, Villazóns Dichterliebe aus Paris zu hören, und frage mich, ob jemand Interesse an meinen Eindrücken hat. Da wir das Thema hier ja aber kurz hatten, lege ich einfach mal los.
Zunächst: ich gebe kund, daß ich nicht glaube, das man die Dichterliebe schöner, inniger und ergreifender singen kann als Fritz Wunderlich es 1966 in Edinburgh getan hat, für mich ist dieser letzte Liederabend nach wie vor das Maß aller Dinge wenn es um diesen Zyklus geht, ich tue damit vermutlich vielen, vielen anderen Sängern unrecht. Aber was will man machen. Wie Joni Mitchell sagt: „Comes love, nothing can be done...“ :engel
Ich will Wunderlich im Zusammenhang mit RVs Dichterliebe auch gar nicht weiter erwähnen, denn es ware unfair, einen Sänger der vom anderen Ende der Welt stammt und dessen Muttersprache nunmal nicht Deutsch ist, mit DEM deutschen Tenor zu vergleichen. Es verlangt ja auch kein Mensch daß Rudolf Schocks Rudolf es mit Pavarottis Jahrhundert-Rodolfo aufnehmen kann. Also ab hier kein Wort mehr über den Meister.

Zu RV.
Ich will mal mit dem unschönen anfangen, unangenehme Sachen bringe ich lieber sofort hinter mich:
Es war das allererste mal, daß es ihm nicht gelungen ist, mir die Geschichte die er erzählen will glaubhaft zu machen, und das hat er bisher immer geschafft, auch in Zeiten der Krise oder in Rollen, bei denen man um ihn bangt.

Villazóns Akzent, den ich im Allgemeinen durchaus charmant, manchmal geradezu hinreißend finde, stört mich hier ungemein. Ich bin da vermutlich eine unerträgliche Puristin und genauso schlimm wie manche Franzosen, aber bei einem Liederabend möchte ich gerne jedes einzelne Wort verstehen. Es ist eben nicht wie in der Oper, in der es zwar wünschenswert ist, den Text zu verstehen, es beim gängigen Verdi-, Puccini-, Donizetti-Repertoire aber zur Not auch anders geht. In der Oper, zumal der italienischen, liegt alles in der Musik (was Verdi nicht gerne gehört hätte, dem lag ja sehr viel am Text), im Lied sind Text und Musik m.E. absolut gleichberechtigt und wenn es mit dem einen hapert leidet auch das andere. Das ist also mein erster Kritikpunkt. Der zweite: RV weiß selbstverständlich ganz genau daß man Schumann nicht wie Verdi singen darf, und er zügelt sich (meistens) auf eine Weise die ich ihm nicht unbedingt zugetraut hätte. Aber er hat, wen ich mal in Bildern sprechen darf, erst die halbe Marathonstrecke zurückgelegt: er macht es nicht (mehr?) auf die falsche Art, aber m.E. auch (noch?) nicht auf die Richtige. Diese Dichterliebe war keine Offenbarung, aber sie war auch nicht spektakulär schlecht. Sie war so la la. Und das ist etwas, das ich vom Meister der Extreme so gar nicht gewöhnt bin.
Außerdem ist ein Sänger im Lied natürlich in der Tat so nackt und bloß wie das Jesuskind in der Krippe. Man hört stimmliche Probleme viel deutlicher als in der Oper und ich muß leider, leider sagen, daß es davon doch ein paar gibt.
Hier sind es vor allem die schon von Sevi angesprochenen tiefen Töne die ihm zu schaffen machen. Es gab ein oder zwei Stellen an denen die Stimme in der Höhe kurz geflackert hat, aber die kann man vermutlich guten Gewissens unter „Nervosität“ ablegen. Aber mit der Tiefe hat er zur Zeit tatsächlich Probleme und ich frage mich, woran das liegt...

Doch natürlich bringe ich es nicht übers Herz, den sympathischsten aller lebenden Tenöre einfach nur in der Luft zu zerreißen, deshalb jetzt mein ganz großes ABER:
Ich glaube, was da in Paris auf dem Konzertpodium passiert ist, und was vermutlich immer passiert wenn er zur Zeit die Dichterliebe singt, ist etwas das man als „work in progress“ bezeichnen könnte. Die meisten Sänger, erst recht nach so schwierigen Jahren wie in Villazóns Fall, würden sich mit der Dichterliebe wohl erst auf die Bühne wagen wenn sie nichts anderes als perfekt ist. Und genau das tut er nicht. Man erlebt einen Sänger, der hörbar um den richtigen Ausdruck ringt, der sich lauteren Herzens um ein Werk bemüht, an dem ihm viel gelegen ist, und der vermutlich sehr genau weiß, daß er noch weit davon entfernt ist, ein guter Liedersänger zu sein (und der Himmel mag wissen, ob er das jemals sein wird).
Ich denke, das war keine Dichterliebe wie sie sein sollte, aber zu hören war dennoch, wie sehr er diese Musik liebt, und daß er eben nicht ganz unbekümmert einen „Rrrrrolando-Allzweckstil“ einsetzt, sondern sich diesem Werk mit Respekt und, ja Ehrfurcht nähert. Und das hat mich dann doch sehr bewegt.
Nun mag man sagen „Ist ja gut und schön, Frau Mina-Solitaire, aber warum tut er das nicht im stillen Kämmerlein wie andere Leute auch?“ Ja, in der Tat. Warum. Es ist wohl, wie Sevi gesagt hat: der Mann muß auf die Bühne, er muß vor’s Publikum.

Sehr gefallen hat mir übrigens das Spiel von Hélène Grimaud, die begleitet hat. Allerdings muß ich zu meiner Schande gestehen, daß ich eine gute Liedbegleitung nicht unbedingt von einer Schlechten unterscheiden kann. :( Aber mir hat’s sehr gefallen.
Heike (21.05.2010, 15:27):
Sehr interessanter Bericht. Ich frage mich, ob er sich mit so einem Programm auch nach Deutschland trauen würde - in Paris sind die deutschen Muttersprachler ala Solitaire sicherlich in der Minderheit geblieben und seine sprachlichen Probleme als auch die nicht ganz stimmigen Ausdrucksdetails fielen evt. nicht so auf? Wobei ich nicht weiß, wie sich das Publikum bei solchen Liederabenden mit Star zusammensetzt, sind das eher die Liederliebhaber oder eher die Villazon-Fans?
Heike
Solitaire (21.05.2010, 15:51):
Hallo Heike!
Damit keine Mißverständnisse aufkommen: ich war nicht in Paris , ich hatte nur die Möglichkeit eine...äh...nicht ganz offizielle Aufnahme zu hören.
Ich denke mal, im Publikum werden vor allem RV-Verehrer gesessen haben, die einfach froh waren, „ihren“ Rolando nach langer Abstinenz wieder hören zu können, egal womit. Das ist nachvollziehbar und verständlich.
Ich vermute daß ein Franzose der nicht gerade sehr im Deutschen Lied zuhause ist, den Akzent als nicht besonders störend empfindet, so wie mich RVs spanischer Akzent ja auch nicht stört wenn er französisch singt.
In Deutschland hat er die Dicherliebe schon gesungen: so weit ich weiß zweimal in Berlin.
Die Kritik die mir damals am meisten im Gedächtnis geblieben ist, hat jemand in jenem anderen Forum (und ich meine nicht die netten Leute von Capriccio :hello) geschrieben. Sie war in Form eines Briefes gehalten („Lieber Rolando..“) und so herzerfrischen komisch und offen und kompetent ohne aber je bösartig zu sein, daß ich mir dringend wünsche, das sich Berufsschreiberlinge sowas auch mal trauen. :)
Severina (27.08.2010, 21:51):
Was ich schon die ganze Zeit befürchtet habe, ist nun offiziell:
Rolando Villazón hat seine beiden "Bohèmes" am 6. und 9. September in Wien abgesagt :I Sie sollen zu einem späteren Zeitpunkt in dieser Saison nachgeholt werden, nun ja....
Mein persönliches Pech, dass ich mir zum ersten Mal in meinem Leben eine sauteure Karte gegönnt habe und nun einen Mister Stephen Costello hören darf. Er debutiert an der WSO..... Ob das von Meyer klug ist, an seinem zweiten Abend als Neo-Direktor dem von nah und fern wegen Villazón angereisten Publikum einen Noname zu präsentieren, wage ich zu bezweifeln. Und in der Haut des armen Kerls möchte ich auch nicht stecken.

lg von einer traurigen Severina :I
Erna (27.08.2010, 22:38):


Hallo Severina!

Ich verstehe, dass Du traurig bist, dass Dein Liebling Villazon abgesagt hat. Ich würde es wahrscheinlich an Deiner Stelle auch sein. Trotzdem ist Stephen Costello keine schlechte Wahl, ich habe mir gerade seine "Una furtiva lagrima" Interpetation angehört, er hat zwar bei weitem nicht die Ausstrahlung von Villazon, aber die Stimme scheint mir sehr schön und gut geführt zu sein. Also, gib ihm eine Chance und hoffentlich tut das Wiener Publikum es auch.

Lg. Erni
Severina (27.08.2010, 23:00):
Liebe Erni,
danke für Dein Mitgefühl. Keine Sorge, ich habe meine Enttäuschung noch nie am Ersatz abreagiert, und lieber ist mir der Mister Costello sogar ungeschaut als Calleja, der vor zwei Jahren für Villazón eingesprungen ist. Das wäre für mich der Supergau gewesen, 100€ für einen Sänger ausgegeben zu haben, den ich nicht ausstehen kann.
Nun gut, ich habe meine Lektion gelernt - in Zukunft liegt meine Preisgrenze wieder bei 12€, so viel ist mir fast jeder Sänger wert.

lg Severina :hello
Solitaire (28.08.2010, 16:49):
Ich hab's eben auch erfahren und bin zwar nicht überrascht, aber traurig, auch wenn es mich kartentechnisch nicht betrifft.
Ich scheue mich nicht, im Falle von Rolando Villazón das Wort "Tragödie" in den Mund zu nehmen.
Eigentlich kann man nur noch die Götter um Einsicht und ein Wunder bitten... :(
Severina, ich wünsche dir dennoch einen schönen Abend, und ich hoffe, daß auch das restliche Publikum gnädig mit dem Einspringer umgeht, denn nichts ist unfairer, als einen Sänger fertigzumachen nur weil er nicht XYZ ist. X(
Severina (28.08.2010, 17:19):
Liebe Mina,
ja, es ist ein Jammer :I . Ich würde die Absage ja ohne weiteres verkraften (vom Kartenpreis abgesehen X( ), wenn es sich um eine normale Krankheit handeln würde, wie sie jeden Sänger immer wieder treffen kann. Das wäre halt Pech für mich, nichts weiter.
Aber selbst der Fan mit den größten Scheuklappen kann nicht mehr ignorieren, dass es sich eben leider um keine harmlose und vorübergehende Indisposition handelt. (Erinnere Dich bitte, ich habe schon nach Zürich den Rodolfo mehr oder weniger abgeschrieben, weil mir ziemlich klar war, dass Rolando das nicht schafft, wenn nicht ein Wunder geschieht :( )Nur: Was soll Villazón tun? Sich eine zweijährige Auszeit nehmen, was das einzig Vernünftige ist, wäre wahrscheinlich genauso das Karriereende. In unserer brutalen und schnellebigen Zeit zählt nur die Leistung, und wer die nicht erbringt, wird gnadenlos ausgemustert und ersetzt. Und machen wir uns nichts vor, Ersatz gibt es ausreichend, neben den Arrivierten steht bereits Grigolo in den Startlöchern, der von Sony ganz groß als Villazón-Nachfolger aufgebaut wird. Der wäre leider in jeder Beziehung ein ebenbürtiger Ersatz - ebenso durchgeknallt wie Rolando, ebenso beratungsresistent, ebenso unvorsichtig, was sein Repertoire betrifft.

Was Costello betrifft, brauchst Du Dir keine Sorgen machen, ich glaube nicht, dass ihn ein Villazónfan für dessen Absage büßen lässt. Das wäre wohl mehr als daneben. Ich kann mich eigentlich in meiner langen Opernzeit nur erinnern, dass ein Ersatz für Pavarotti einmal gnadenlos ausgebuht wurde, der hatte aber auch ziemlich militante Fans. (Nicht alle natürlich!)
lg Sevi :hello
Solitaire (28.08.2010, 17:35):
Ja, er hat die Wahl zwischen Pest und Cholera... :I
Aber dennoch...in einem anderen Forum hat jemand geschrieben, daß es sich kein ntendant leisten könnte einen Villazón nicht singen zu lassen, wenn, falls und if er sich wieder zu 100% erholt, dazu werde er einfach zu sehr geschätzt und geliebt. Das glaube ich ja auch. Die Frage ist nur ob er wieder gesund wird.
Es ist ein Elend...
Grigolo hat mir als Alfredo an der Seite von Patrizia Ciofi SO gut gefallen...es ist schon ein Jammer, sein Herz immer an die Sorgenkinder der Zunft zu hängen :I
In Zukunft höre ich nur noch tote Sänger, dann hat das ein Ende :J
Zefira (28.08.2010, 20:13):
In Zukunft höre ich nur noch tote Sänger, dann hat das ein Ende

... und gehst in Zombie-Konzerte? :engel

Mitfühlenden Gruß von Zefira
peter337 (28.08.2010, 21:05):
Meine Lieben!

Das Pech ist, dass an der WStO fast nur mehr abgehalfterte Tenöre zum Einsatz kommen, wenn ich die 2 Cavardossis von Cura und Shicoff nur nennen will. Ich denke genau wie Severina, dass ein zweijährige Pause Rolando Villazon gut täte, aber genaus so hat Severina Recht, es kommen neue Sänger die von Platten- d.h. CD Herstellern wie Sony großgemacht werden hervor, aber ich hätte keine Angst, denn wer Villazon ins Herz geschlossen hat, der vergisst ihn nicht.

Wenn ein Cura von einem Teil des Publikums kaum beachtet, dafür von siene Fans belobigt wird und wenn ein Shicoff noch bejubelt wird, wenn er die Partie kaum bis zum Ende bringt, dann ist das Publikum zu bedauern, ich bin nur auf die nächste Tosca am 28.9. oder 1.10. neugierig, von der Bohéme werde ich ja von Severina lesen und ich denke, dass Costello nur besser sein kann, als das was ich letzthin gehört und gesehen habe.

Liebe Grüße sendet Euch Euer Peter aus Wien. :hello :hello
Jürgen (30.08.2010, 08:38):
Original von Severina
Nur: Was soll Villazón tun? Sich eine zweijährige Auszeit nehmen, was das einzig Vernünftige ist, wäre wahrscheinlich genauso das Karriereende. In unserer brutalen und schnellebigen Zeit zählt nur die Leistung, und wer die nicht erbringt, wird gnadenlos ausgemustert und ersetzt.


Na und, dann wird er halt ausgemustert und ersetzt.
Und in 2 Jahren, wenn er gesund wiederkommt, wird er mit offenen Armen empfangen.
Ein Sänger, so populär wie Villazón, kann sich auch nach 2 Jahren Pause seine Engagements und Plattenverträge noch aussuchen.

Ich vermute eher, dass er solch eine Auszeit nicht will oder darf.

Grüße
Jürgen
Severina (30.08.2010, 11:54):
Lieber Jürgen,
Dein Wort in Gottes Gehörgang, aber ich habe Freunde in der Plattenbranche, die sehen das leider ganz anders. Aus den Augen, aus dem Sinn - in zwei Jahren fragen wahrscheinlich ein Großteil der Opernbesucher "Villazón wer????"
Und wer einmal den Ruf der Unzuverlässigkeit hat, ist auch bei Intendanten schnell unten durch, wenn es gleichwertigen Ersatz gibt. (Denn mal ehrlich, wie viele Villazón-Termine der letzten drei Jahre haben gehalten, wie viele davon hat er in wirklich guter Verfassung absolviert???) Einem Operndirektor ist es herzlich gleichgültig, mit wem er die Bude voll kriegt, Hauptsache, er kriegt sie voll, und das garantiert nicht nur unser Rolando. So realistisch muss man auch als Fan sein.
Wenn Du Recht behalten solltest, wäre ich die Erste, die darüber jubelt!

lg Severina :hello
Jürgen (30.08.2010, 16:09):
Nun ich sehe das tatsächlich anders.
Erstens habe es auch andere Stars geschafft, nach krankheitsbedingter Auszeit ein grandioses Comeback hinzulegen (z.B. Jose Carreras).

Und zweitens erzeugt RV den Ruf der Unzuverlässigkeit eher gegenwärtig mit halbherzigen Erholungsversuchen. Eine längere und damit effektivere Pause ist nicht zuletzt für Intendanten kalkulierbarer.


Grüße
Jürgen
Severina (30.08.2010, 16:35):
Lieber Jürgen,
Carreras hatte nie Probleme mit den Stimmbändern, und "grandios" würde ich sein Comeback nun wahrlich nicht bezeichnen. Er konnte nach seiner Krankheit nie wieder an früher anknüpfen, beließ es auch bei einem einzigen Opernauftritt in Carmen (wo ich dabei war, also weiß, wovon ich spreche) und gab dann nur mehr Konzerte. Carreras großartiger Einsatz für sein Lebenswerk, den Kampf gegen Leukämie, ließ einen diese Konzerte dann immer unter einem humanitären Gesichtspunkt erscheinen, will sagen, man sah über stimmliche Mängel gnädiger hinweg.
Villazón hingegen hatte bereits eine OP an den Stimmbändern, womöglich steht ihm eine weitere bevor (an der Gerüchtebörse ist so etwas im Umlauf), da braucht es eine gewaltige Portion Optimismus, um zu glauben, dass alles wieder so wird wie vor der ersten Krise. Ich wäre schön höchst zufrieden und glücklich, wenn er die Form seines "L'Elisir" heuer im März wieder erreicht und stabilisieren könnte. Denn die stimmlichen Abstriche, die man da machen musste, waren für mich nicht so gravierend, dass sie nicht durch Villazóns schauspielerische Hingabe und sein einmaliges Charisma ausgeglichen werden konnten. Sich mehr zu wünschen, ist in meinen Augen (und Ohren) unrealistisch.

lg Severina :hello
Jimi (31.08.2010, 12:28):
Original von Solitaire Die Frage ist nur ob er wieder gesund wird.


Die Frage ist doch eher: Warum bleibt er nicht gesund sobald er wieder mit dem Singen beginnt?

Die Antwort gibt es hier ca ab 4:00.

Genauer gesagt wird erklärt woran es nicht liegt, das er so oft Probleme hat.

:hello Jimi
Severina (31.08.2010, 13:20):
Lieber Jimi,
Warum er nicht gesund bleibt? Nun, weil er es noch gar nicht wirklich war, weder beim ersten noch beim zweiten Comeback, das konnte jeder hören, der es hören wollte. Villazón hat sich nie die nötige Auszeit genommen, ist immer viel zu früh wieder auf der Bühne gestanden. 8 Monate nach einer Stimmband-OP wieder aufzutreten, ist der helle Wahnsinn - ich kenne keinen Sänger, der da nicht mindestens ein bis zwei Jahre pausiert hätte.
In Zürich war dann deutlich zu hören, dass ihm die Stimme einfach nicht gehorcht, etwas anderes macht, als er will.

Und was dieses Interview betrifft: Wie bekannt das doch alles ist..... Jeder Sänger behauptet doch, genau das Richtige für seine Stimme zu tun, selbst am besten zu wissen, was gut und schlecht ist, natürlich nur die richtigen Partien zu singen und es sich leisten zu können, alle Warnungen von Experten (Zu denen ich mich bestimmt nicht zähle!) in den Wind zu schlagen. (Ein weiteres trauriges Beispiel ist Araiza...)
Freunde von mir, die aus der Branche sind, haben schon 2002 bei Villazóns sensationellem Rodolfo in Bregenz gesagt: "Eine phantastische Stimme, aber wenn er mit dieser Technik weiter singt, singt er nicht lange!" Bei Villazón hat mich von Anfang an irritiert, dass er immer nassforsch behauptet hat, er hätte keinen Gesangslehrer mehr, den brauche er nicht. Dabei betonen doch gerade die wirklich Großen immer wieder, wie wichtig es ist, die Stimmtechnik, den Stimmsitz regelmäßig überprüfen zu lassen, weil man selber betriebsblind ist für Fehler, die sich einschleichen und nachhaltigen Schaden anrichten können.

lg Severina :hello
Ingrid (31.08.2010, 14:27):
Wenn man dieses Interview hört (danke dafür), kann man eigentlich nur weinen, denn nicht einmal seine Sprechstimme funktioniert mehr richtig. Er sollte das :ignore nur noch zur Nahrungsaufnahme entfernen und tatsächlich ein, zwei Jahre total Ruhe geben. Schätze mal, dass in dieser Zeit er und seine Familie noch recht gut leben können, aber wenn die Stimme ganz weg bleibt, dürfte es Probleme, vorallem mit seiner Psyche geben.

Man kann Rolando wirklich nur ganz viel Vernunft und Weisheit wünschen, denn gute Besserung hilft bei ihm leider nur immer ein winziges Stück weiter und dann kommt der nächste Absturz.

Traurige Grüße
Ingrid
Fairy Queen (31.08.2010, 15:57):
Danke für diesen Link und dieses alles andere als Mut machende Interview, das wieder einmal ein Ausdruck des "Peter Pan Syndroms" ist, unter dem Villazon m.E. liebenswürdiger- und tragischerweise leidet.
Er behauptet dort, ob er nun "Alle meine Entchen" oder Don Carlos gesungen habe- die Zyste hâtte er so oder so bekommen. Zysten sind tatsächlich unberechenbar und es werden sogar hormonelle Komponenten angenommen- das ist oft tatsächlich etwas Anderes als Oedeme oder andere Stimmreizungen die durch Überanstrengung entstehen. Wenn das wirklich "nur" eine dieser "unberechenbaren" Zysten war, dann hâtte er vorher wirklch singen kônnern was er wollte, allerdings ist auch dann das Entscheidende die Nachsorge nach der OP. Natalie Dessay hat nach OP mehr als ein Jahr nicht gesungen und dann langsam wieder angefangen und auch ihr Repertoire umgestellt. Villazon glaubt, das nicht nötig zu haben, aber die Rechnung für diesen Hoch-oder vielmehr Übermut muss er leider hörbar selbst bezahlen. Die Ausschnitte aus seiner Mexico-Cd finde ich sehr traurig. Die Stimme hat keinen Glanz mehr und klingt ganz anders als früher. Sogar im Studio, wo man nun wirklich viel schummeln kann. Dieses etwas dumpfe Timbre spricht evtl auch für langwierige Medikamenteneinnahme(Hormone/Cortison)- solche Timbre-Veränderungen der Stimme habe ich schon öfter gehört.
Bei einem Superstar, der so im Rampenlicht der Medien steht, ist Alles leider doppelt und dreifach tragisch und ich habe wirklich grosses Mitgefühl mit R.V. und allen anderen die es nciht schaffen, die Konsequenzen aus solchen Problemen zu ziehen. Dieses Geschâft ist so unbarmherzig, dass ich immer wieder froh bin, dass es überhaupt noch Sänger an der Weltspitze gibt, die sich dem dauerhaft aussetzen können.
Ich würde auch niemals einen Sänger mit Stimmproblemen ausbuhen- er merkt ja leider selbst, wenn es nciht(mehr) läuft und das ist schon grausam genug.
Ich bin jedenfalls sehr glûcklich Villazon einmal live erlebt zu haben, als er noch in Hochform war- diese Sternstunde werde ich mein Leben lang nciht vergessen.

F.Q.
Severina (31.08.2010, 16:27):
Liebe Fairy,
ich habe mich noch nicht getraut, in die Mexiko-CD hineinzuhören und werde es nach Deiner Diagnose auch nicht tun. Ich war schon in Zürich traurig genug :I
Ich mache es wie Du und erinnere mich an die vielen Sternstunden, die uns Rolando in Wien beschert hat, und nach einiger Zeit werde ich mir wohl auch die CDs und DVDs aus seiner Glanzzeit wieder mit Genuss und Freude anhören können. Im Moment schaffe ich das nicht, ich könnte dann jedes Mal heulen, wenn ich diese Prachtstimme höre oder seine totale Hingabe beobachte und mit dem vergleiche, was vokal davon übrig geblieben ist. :I :I :I :I :I

lg Sevi :hello
Fides (01.09.2010, 11:40):
Hallo,
ich muss gestehen, dass ich nur eine einzige Aufnahme von Rolando Villazón habe, "Gitano" und die auch überwiegend wegen des Dirigenten :down! Daher eigne ich mich zur Beurteilung seiner stimmlichen Qualitäten früherer Zeiten nur bedingt. Natürlich habe ich Verschiedenes mitbekommen und verstehe die hier vorherrschende Trauer um einen begabten Sänger durchaus. Doch warum sind die Dinge heute so wie sie sind?

Nach meiner Überzeugung hatte er Ende der 90'er Jahre eine schöne, dunkel timbrierte, aber keinesfalls große Stimme, die im lyrischen Repertoire perfekt gepasst hat. Doch sein Ego und die falsche Orientierung am Idol Plácido Domingo, der Wille, in dessen Fußstapfen treten zu wollen, bewusst oder unbewusst, haben das tolle "Ausgangsmaterial" zerstört....und da offenbart sich die psychische Problematik. Da will einer aus Gründen der Überidentifikation etwas, wozu sein Körper...und die Stimme ist etwas Körperliches...nicht in der Lage war, ist oder je sein wird.
Ich erinnere mich, dass ich anlässlich der "Traviata" 2005 in Salzburg dachte..."da ist ein guter Sänger, der ein sehr guter sein will"...durchaus tragisch!
Ich drücke ihm die Daumen, dass er zurück kommen kann....glaube aber nicht daran.

LG
Fides :hello
Solitaire (10.09.2010, 12:03):
Ich hatte die Gelegenheit, einen Mitschnitt der Salzburger „Dichterliebe“ zu hören, und möchte ein paar Worte dazu schreiben.
Zunächst: ich hatte nicht das Gefühl, es mit einer vollkommen zerstörten Stimme zu tun zu haben und finde daher den Ausdruck „desaströs“ der in einigen Besprechungen zu lesen war, etwas überzogen. Um es ganz ehrlich zu sagen: mir hat dieser Liederabend, trotz aller Probleme, besser gefallen als die Mexiko-Platte. Ich empfinde die Mexiko-CD als streckenweise sehr langweilig, während RV mich hier dann doch wieder gekriegt hat.
Mein Dilemma ist ja, daß ich mal wieder alle Seiten verstehen kann: ich verstehe die besorgten Kritiker, ich verstehe nach aber auch RV-Fans im Publikum, die den Abend sehr genossen haben, und die gab es auch, und es waren nicht alles taube Idioten.
RVs Fähigkeit sich mit Haut, Haaren und Leidenschaft in eine Musik zu werfen ist offenbar ungebrochen, und das ist nach München und Kopenhagen in der Tat ein kleines, psychologisches Wunder für das ihm, egal ob man das Ergebnis mag oder nicht, Respekt gebührt.
Nach wie vor weitgehend intakt ist m.E. auch jenes Gottesgeschenk von einem Timbre: es ist immer noch unverwechselbar, es berührt und läßt einen die zweifellos vorhandenen Probleme mit liebenden und besorgten Ohren statt mit Häme zu Kenntnis nehmen.
In der Mittellage hat mir die Stimme sehr gut gefallen, in den Höhen fand ich sie ebenfalls nicht so schlecht wie in manchen Kritiken zu lesen war, die Tiefe hat ihm allerdings manchmal wohl Probleme bereitet, und gegen Ende gab es dann leider doch den einen oder anderen Moment an dem die Stimme brüchig wurde. Auch hätte ich mir manchmal mehr Dynamik gewünscht, das Spiel mit Forte und Piano hat er m.E. schon besser gespielt.
Dennoch glaube ich inzwischen, daß diese Stimme durchaus noch zu „retten“ ist. Eine völlig zerstörte Stimme klingt m.E. anders.
Es kann aber schon sein, daß die Recht haben, die eine dritte, längere Pause und konsequenten Wiederaufbau der Stimme für nötig halten. Ich kann das nicht beurteilen, da ich mich mit Stimmtechnik nicht auskenne, aber ich denke schon, daß kräftezehrende Opernrollen zur Zeit nicht ideal sind.
So bitter es ist: die Bohème-Absage ist auf lange Sicht wohl das einzig richtige gewesen.
Sie festig zur Zeit seinen Ruf als König der Absagen, aber vielleicht sollte ihm das im Augenblick egal sein.
Ich sehe es genau wie Severina, die gesagt hat, daß es sich kein Intendant der Welt leisten könnte, einen RV der in drei Jahren völlig genesen zurückkommt nicht singen zu lassen.
Zurück zur Dichterliebe:
Ich kann nach verstehen, daß viele Konzertbesucher sich von RVs Leidenschaft und seinem Timbre nach wie vor gefangen nehmen lassen, mir ging es heute nicht anders, denn was auch immer man zur Zeit über Villazón sagen kann, er ist immer noch der Künstler, der sich auf der Bühne wie kein zweiter verletzlich macht. Er scheint zu sagen „Seht her, das ist alles was ich im Augenblick habe, es ist vielleicht nicht das, was ihr gewohnt seit, aber ich gebe es euch “. Dafür lieben wir ihn, dafür bangen wir um ihn, dafür nehmen wir ihn in unser Nachtgebet auf oder verbrennen ggf. Vodoo-Puppen mit dem Bild seiner Rivalen. :engel
Nach wie vor ist RV ein Sänger, der kaum jemanden kalt läßt und dem man nicht gleichgültig gegenüber stehen kann.

Wahr ist aber auch, daß wer in RVs „Dichterliebe“ geht, eher einem Rolando- als einem Schumann-Abend beiwohnt, und daß das dem Großteil des Publikums wohl auch völlig klar ist und akzeptiert wird.
Ich habe heute bewusst versucht mich von den Titanen des deutschen Liedes freizumachen, denn es ist unfair, einen Künstler immer an den größten der jeweiligen Zunft zu messen.
Wenn es auch stimmt, daß niemand an Wunderlichs Dichterliebe heranreicht, so stimmt es eben auch, daß Rolandos „Ogni suo aver...“ der grandioseste Traviata-Wutausbruch aller Zeiten ist und mir alle anderen dagegen immer vorkommen wie kleine Jungen die gerade ihren Frühstückskakao umgeworfen haben. Also was soll’s.

Dieser Liederabend läßt mich innig wünschen, daß RV seine Probleme in den Griff bekommt, denn ich glaube mittlerweile, daß er etwas ganz besonderes aus der Dichterliebe machen kann, wenn ihm erst wieder alle seine stimmlichen Mittel in Gänze zur Verfügung stehen. Seine Dichterliebe wird wohl immer mit etwas Chili gewürzt sein, weil er nun mal ist wie er ist, aber falls es je wieder einen absolut genesenen RV geben sollte, so würde er vielleicht eine Dichterliebe singen können, die sich trotz allem wohltuend von denen unterscheidet, die es ebenfalls nicht mit Wunderlich aufnehmen können (wer kann das schon).
Ich gebe zu, daß es bei diesem Liederkreis immer wieder Momente gegeben hat, in denen ich den Kopf geschüttelt habe, weil RVs Interpretation nicht meiner Empfindung dieses Werkes entsprochen hat, daß ich aber dennoch gebannt und fasziniert war.
Viel störender als die stimmlichen Mankos und manche musikalische Schwäche fand ich in diesem Fall übrigens RVs Aussprache.
Ich wünschte bei Gott, ich spräche so gut Spanisch (oder Französisch, oder Italienisch) wie Villazón Deutsch, aber ich habe dennoch manchmal kein Wort des Textes verstanden, was aber eventuell an der Aufnahme liegen kann.
Wie auch immer, ich persönlich denke, daß ein Liedersänger sich eher KLEINE stimmliche Probleme leisten kann als Probleme mit dem Text, denn ein Liederzyklus ist ja eben auch ein Spiel mit der Sprache, die hier ja absolut gleichberechtigt neben der Musik steht, anders als in der Oper. (Richard 1 und Richard 2 würden mir entschieden widersprechen, aber was scheren mich die Herren Wagner und Strauss...)
So hat mich also so manche Textunverständlichkeit mehr gestört, als eine brüchige Tiefe. Im Großen und Ganzen war mir der Liederzyklus zu undifferenziert, aber einem an Stimme (und Psyche?) genesenen RV traue ich zu auch das in den Griff zu kriegen, obwohl es wohl immer eine sehr persönliche, eigenwillige Dichterliebe sein würde, aber das ist ja kein Fehler.
Schon jetzt gab es Phrasen, die mich sehr berührt haben: „Sei unsrer Schwester nicht böse...“ war eine davon. Auch „Ich sah dich ja im Traume, und sah die Nacht in deines Herzens Raume, Und sah die Schlang', die dir am Herzen frißt, Ich sah, mein Lieb, wie sehr du elend bist.“ hat mich gepackt. Ein bisschen opernhaft, keine Frage, aber hier ist das lyrische Ich eben ein Herr aus dem Süden, und deren Leidenschaft äußert sich halt etwas impulsiver als die eines Jungen vom Rhein.
Mein persönliches Fazit: die Probleme sind da und nicht weg zu diskutieren, ein Desaster war es m.E. aber nicht wenn man bereit ist zu akzeptieren, daß RV kein Wunderlich, FiDi oder Quasthof ist, und auch die stimmliche Seite war nicht ganz so horrible wie zu vermuten gewesen wäre.
Natürlich sieht ein Kritiker mit professionellem Abstand das etwas anders, und natürlich stört jemanden der diesen Künstler nicht für etwas besonderes hält vieles viel mehr, aber ich halte Rolando Villazón nach wie vor für etwas besonderes.
Honoria Lucasta (10.09.2010, 12:25):
Liebe Solitaire,

vielen Dank für diesen Bericht. Wer war denn RVs Klavierbegleiter?

Ich arbeite hier seit einem Jahr mit einem örtlichen Bariton allein an der Aussprache der Texte der Dichterliebe. Es ist eine Binsenweisheit, aber man kann es nicht oft genug sagen: beim deutschen klassisch-romantischen Lied ist die Aussprache wesentlich für Wohl und Wehe des gesanglichen Eindrucks - die Stimmführung, die Phrasierung sind auch wichtig, aber hat man nicht den richtigen Ausspracheansatz, kann man sich das weitere oft schenken. Vielen Sängern, die Deutsch nicht als Muttersprache haben, muß man bestimmte Konsonantenhärten, die ihnen irgendein Gesangslehrer ohne Verstand mal als typisch deutsch und korrekt beigebracht hat, mit viel Mühe wieder austreiben - ich kann mir vorstellen, daß es gerade für RV mit seinem unbestrittenen Temperament schwer ist, sich da auf eine natürliche, eher weiche Konsonantenfärbung umzustellen.

Aber immerhin hat er den Abend absolviert - man schöpft aus Kleinigkeiten Hoffnung.... :engel

Grüße aus dem Dauerregen!

Honoria
Severina (10.09.2010, 13:28):
Liebe Solitaire,
DANKE für diesen wunderbaren, einfühlsamen Bericht, wo Du das Dilemma eines jeden Villazónfan auf den Punkt bringst - man kann über die stimmlichen Mängel im Augenblick nicht hinwegsehen, will man sich nicht absolut lächerlich machen, und trotzdem ist da immer noch so vieles, was einen für diesen charismatischen Sänger einnimmt und einfach immer noch hoffen lässt, dass doch noch ein Wunder geschieht.
Erfreulich ist, dass Du sein Timbre als völlig intakt bezeichnest, denn das war in Zürich leider Gottes nicht der Fall. Da gab es zwischendurch Passagen - nicht die ganze "Traviata" hindurch - wo ich bei einer Blindanhörung Rolandos Stimme wahrscheinlich nicht erkannt hätte, so fahl, so brüchig klang sie da.
Natürlich war die Absage für Wien das einzig Richtige, und nach der Vorstellung am Montag bin ich darüber doppelt froh, denn Welser-Möst ist leider überhaupt kein Dirigent, der auf schwache Tagesverfassungen eines Sängers Rücksicht nimmt, bei ihm gilt immer die Parole "Prima la Orchestra". Schon Krassimira Stoyanova hatte Probleme, die Klangmassen, die unser GMD teilweise entfesselte, zu durchdringen, und die hat eine gesunde, kräftige Stimme. Rolando wäre völlig chancenlos gewesen, hätte es womöglich mit Gewalt versucht und sich damit noch mehr geschadet.
Ich sehe nur das alte Problem, dass er es einfach nicht so lange ohne seine geliebte Bühne aushält, um seiner Stimme die nötige Zeit zum Regenerieren zu gönnen. Zwei Jahre müsste er meiner Meinung nach mindestens pausieren. Wer fesselt und knebelt unser Sorgenkind so lange???
Und noch etwas: Rolando sollte endlich der Tatsache ins Gesicht sehen, dass er Probleme hat, und zwar massive Probleme. Die Interviews der letzten Zeit bestätigen aber leider, dass er sich der Realität immer noch verweigert, wahrscheinlich aus der verständlichen Angst vor den Konsequenzen, die eine solche Einsicht bedeuten würde (Nämlich eine sehr lange Auszeit zu nehmen). Seine jüngste Theorie "Stimme völlig OK, aber Refluxprobleme" kenne ich nur zu gut von einem früheren Sorgenkind, bei dem war es 10 Jahre immer der böse Reflux, bis dann wirklich gar nichts mehr ging. Diese Vogel-Strauß-Politik macht alles nur noch schlimmer, weil es dann irgendwann wirklich zu spät ist, den Rückwärtsgang einzulegen. Nicht wenige Leute, die mehr von Stimmen verstehen als ich, meinen, Rolando hat diesen Punkt schon jetzt überschritten, aber das will ich einfach nicht glauben und hoffe immer noch, dass er sich irgendwann wie Phönix aus der Asche erhebt.

Etwas ganz anderes ist das, was Honoria anspricht. Ich habe mir z.B. für Villazóns Dichterliebe vor zwei Jahren in Wien, die er dann ohnehin abgesagt hat, von vornherein keine Karte gekauft, weil ich mir nicht vorstellen konnte und wollte, wie das mit seinem starken Akzent klingt. Zum Liedgesang gehört außerdem viel mehr, als eine Sprache nur phonetisch zu beherrschen, man muss sie sich auch gefühlsmäßig aneignen, in ihr inneres Wesen eindringen, um zu einer wirklich überzeugenden Interpretation zu gelangen. Ich kenne ehrlich gesagt wenige Nicht-Muttersprachler, die das für mich zufrieden stellend schaffen. (Simon Keenlyside ist eine der Ausnahmen, der verblüfft mich immer wieder nicht nur mit seinem akzentfreien Deutsch, sondern noch viel mehr mit seinem unglaublichen Gefühl für den Sinngehalt der Texte) Eine Dichterliebe, die nur schön gesungen ist, langweilt mich.

Wenn ich mir also sehnsüchtig eine Rückkehr unseres Lieblings wünsche, dann eher auf die Opernbühne als das Konzertpodium.

lg Severina :hello
Solitaire (10.09.2010, 13:47):
Hallo Honoria und Severina!

Zunächst: es ist natürlich sträflich, den zweiten Mann eines Liederabends nicht mal zu erwähnen, sorry dafür!!! Der Pianist war Gerold Huber. Geplant war der Auftritt mit Hélène Grimaud, die aber wegen Krankheit abgesagt hat.
Ich habe sein Spiel als sehr sensibel empfunden, er ist m.E. sehr auf RVs besonderes Verfassung eingegangen und hat ihn unterstützt wo er konnte.

Was man in letzter Zeit von RV im Interview zu hören bekommt finde ich auch beunruhigend, ich will einfach mal hoffen, daß er einfach nur keine Lust hat, seine Sorgen und Ängste permanent vor aller Welt auszubreiten und daher auf die ewig gleichen sprüche zurückgreift.
Aber manchmal möchte man ihn wirklich packen und durchschütteln...

Villazóns Stärke, das sehe ich genau wie ihr, ist selbstverständlich die Oper, und es wäre so sehr zu wünschen, daß er wieder gesund wird. Aber Severina hat wohl recht: zwei oder drei Jahre lang keine Bühnenluft atmen. und nur im Studierzimmer und beim Onkel Doktor singen dürfte RV wohl wirklich schwer fallen. Es hilft nix, die Kerze brennt immer noch an beiden Enden... :(
Mime (10.09.2010, 18:15):
Ja, meine Lieben, der Verdacht verstärkt sich zusehends, dass die Kerze abgebrannt ist...

:I
Solitaire (04.10.2010, 19:37):
Am Samstag war RVs Scala-Debut (als Nemorino). Nicht nur ich werde mit ihm gezittert haben... :I
Hier eine Besprechung:
La Stampa
Die von uns, die Italienisch sprechen werden was damit anfangen können, meine paar Brocken dieser schönen Sprache sagen mir lediglich, daß es dem Kritiker offenbar recht gut gefallen hat, auch wenn er RV noch nicht auf der sicheren Seite sieht. Aber das ist doch schon mal was. In der Scala sollen sie ja im Allgemeinen nicht sehr zimperlich sein.
Und immerhin ist ein "Chappeau" in Verbindung mit dem Namen Villazón zur Zeit Balsam für mein geschundenes Verehrer-Herz :D
Auch wenn es vor allem seinem Mut und seinen Nerven gilt wenn ich das richrig verstanden habe.
Und dem "in bocca al lupo" für die Zukunft schließe ich mich aus vollstem Herzen an. :I
Severina (04.10.2010, 20:52):
Liebe Mina,
da wir ja gemeinsam leiden, wage ich es nach längerem Schwanken (Ich wollte Dich nicht deprimieren :(!) doch, die entscheidende Passage zu übersetzen:
"Nach eineinhalb Akten hatte man verstanden, dass Villazón nicht mehr derselbe war: Reduziertes Volumen (Glaube ich sofort), ärmliches/verarmtes Timbre (Will ich nicht glauben!!!!), acuti (und die im "L'Elisir" sind weder viele noch ??? - spaziale hat mit Weltraum zu tun, exakt übersetzen kann ich dieses Wort leider nicht - Fairy, wo bist du???????) schwach." Nun ja, Punkt 1 kann ich vom Wiener "L'Elisir" bestätigen, Punkt 2 nicht, Punkt 3 teilweise: Die Höhen klangen zwar nicht wie einst im Mai, aber wesentlich besser als bei seinem ersten comeback.
Rolandos Mut, sich in nicht 100%iger Verfassung in die Höhle des Löwen, die Scala zu wagen, bewundert nicht nur der Rezensent.

Selbst wenn wir 2 nicht glauben, so bleibt unterm Strich wohl doch die Erkenntnis, dass mehr als der Nemorino für unseren Liebling im Moment absolut nicht drin ist. :I :I :I

lg Sevi :hello

PS: Ich habe etwas Wichtiges vergessen: Der Kritiker preist sein Rolandos großartiges Spiel!
Solitaire (04.10.2010, 21:05):
Hallo Sevi!
Danke für die Übersetzung! Nein, du deprimierst mich nicht, man ist ja Kummer gewohnt. Ich hoffe sehr, daß es nochmal so richtig...ach, du weißt schon... :(
Ich möchte nicht wissen, unter welcher Anspannung der arme Kerl gestanden haben muß...
Zefira (04.10.2010, 22:55):
Mal eine Frage an die, die sich besser auskennen als ich: Über Facebook habe ich vorgestern die Info erhalten, dass im November eine CD mit der Oper "Ercole sul Termodonte" von Vivaldi erscheinen soll, und zwar in einer Einspielung von Fabio Biondi, mit Rolando Villazon in der Tiitelrolle (und einer ganzen Anzahl weiterer ausgezeichneter Sänger, u.a. Di Donato).

Mich interessiert das sehr; kann mir jemand was darüber sagen, wann diese Aufnahme gemacht wurde? Man muss wohl davon ausgehen, dass es eine Studioaufnahme ist; auf Fabio Biondis Seite habe ich leider nichts Genaueres dazu finden können, nur die Vorankündigung.

Gruß von Zefira, die die CD auf jeden Fall schon mal notiert hat ... wenn sie nur annähernd so gut ist wie "Bajazet", lohnt es sich auf jeden Fall!
Solitaire (05.10.2010, 09:50):
Hallo Zefira!
Ich habe gehört, daß die CD Anfang 2009 aufgenommen worden sein soll, also vor der OP. Ich bin auch sehr gespannt darauf. Mir haben ja sowohl Monteverdi als auch das Händel-Album gefallen. Außerdem schadet es ja nie, seinen musikalsichen Horizont zu erweitern, bei Vivaldi kenne ich bisher nämlich fast nix anderes als das grandiose Album von Cecilia Bartoli.
Heike (03.11.2010, 13:43):
Villazon hat gestern in der Berliner Philharmonie "Viva Mexico!", also mexikanische Lieder, gesungen. Ich war nicht dort, die extrem horrenden Kartenpreise hielten mich davon ab. Was ich wohl nicht bedauern muss, denn heute gab es im Kulturradio dazu eine wirklich vernichtende Kritik, nachzulesen unter:
http://www.kulturradio.de/rezensionen/buehne/2010/philharmonie_berlin11.html

Ich zitiere:
"Eine Katastrophe."
"An diesem Auftritt gibt es nichts zu kritisieren. Nur zu beweinen."
"Um es deutlich zu sagen: Der entscheidende Schritt in Richtung André Rieu ist vollzogen."

Au weia.
Heike
Solitaire (03.11.2010, 16:17):
Wenn es so war wie der Kritiker schreibt(und ich war ja nicht da, woher soll ich es wissen), dann ist das nicht zum weinen, sondern zum ins-Wasser-gehen :I :I :I :I :I
Ach, Rolando... :(
Fairy Queen (03.11.2010, 20:30):
Das klingt ja wirklich furchtbar!
Ich hatte ja aussschnitte aus dieser CD gehört udn fand bereits die Studioaufnahme schlecht. wie das dann erst live sein muss, will auch ich lieber nicht wissen! Und das mit 38!
Ob er sich in diese Konzerte hat drängen lassen oder ob es sein eigenes Bedürfnis war; würde ich gerne wissen. Im letzteren Fall ist ihm wohl nciht mehr zu helfen! :I :I :I
F.Q.
Heike (03.11.2010, 23:39):
Dar Tagesspiegel äußert sich leider genauso abwertend und beklagt ebenso wie der rbb die eingeschlagene Richtung zum Entertainment, also es scheint alles andere als eine Sternstunde gewesen zu sein. Und das in der Philharmonie, wo selbst Geflüster hinten eigentlich noch gut zu hören ist.

"
- eine stille Tragödie für die Gesangskunst. Schon nach dem zweiten Lied wird der Ruf nach dem Mikrofon laut. Villazóns Stimme füllt den Raum nicht, sie ist klein, belegt, verschleiert, mit angestrengten Höhen und Registersprüngen selbst in der mittleren Lage. ..."

siehe http://www.tagesspiegel.de/kultur/kurz-und-kritisch/1973466.html
Heike
Severina (04.11.2010, 00:22):
Bin einfach nur tieftraurig, wenn ich das lese, aber mir geht's wie Fairy - schon die Hörproben dieses Mexiko-CD reichten mir, um mich gar nicht erst um eine Karte für den 18. November zu bemühen. Da macht Villazón nämlich in Wien Station mit diesem Programm.
Vorige Woche war er übrigens kurz in Wien, um beim Geburtstag von Carl Spieß (= österr. Regisseur seichter Filmchen) ein Ständchen zu bringen. Warum macht er das, um Himmels willen????? Es war am Tag der letzten "L'Elisir"-Serie, und angeblich tauchte er danach beim Public Viewing (Die meisten Vorstellungen der WSO werden ja auf den Herbert-von-Karajan-Platz übertragen) auf, um sich den letzten Akt mit Flórez anzusehen. Das muss für ihn ziemlich deprimierend gewesen sein.... :I :I :I :I :I

lg Sevi :hello
Heike (04.11.2010, 08:18):
Ob er sich in diese Konzerte hat drängen lassen oder ob es sein eigenes Bedürfnis war; würde ich gerne wissen.
Ehrlich gesagt finde ich es auch langsam eine Frechheit dem Publikum gegenüber. Von seinen vielen Absagen vorab mal abgesehen - aber wer wie bei dem Mexiko-Abend bis zu 180 Euro für ein Ticket bezahlt, dann nur 10 Lieder (+ Zugabe) hört und die auch noch schlecht gesungen, der dürfte sich abgezockt fühlen. Nun kann man sagen, die Leute sind ja selbst schuld, wenn sie so viel Geld ausgeben, aber irgendwo muss doch auch bei einem seriösen Sänger die Schmerzgrenze sein, dass er sich selbst sagt, das ist einfach nicht mehr angemessen, was ich da als Gegenwert für diese Preise abzuliefern in der Lage bin. Villazon hat auch einige Interviews hier für die Presse gegeben, da war kein Wort von Stimmproblemen die Rede, im Gegenteil, alles ist gut und es gibt gar kein schlimmes Problem. Es sei doch für die Stimme ganz egal, welches Genre er singe, es kommt nur auf das Herz an, der Ausdruck stelle sich dann von ganz alleine ein und bla bla. Da ging es für ihn nur um die Vermittlung eines fast schnulzigen Mexiko-Heimatgefühls und ansonsten hat er wie immer ein wenig den Kasper gemacht und freut sich auf den Riesenspaß dieser Tournee. Langsam geht er mir ehrlich gesagt, bei allem Bedauern für seine gesundheitlichen Probleme, auf den Geist und mein Verständnis versiegt.
Heike
Solitaire (04.11.2010, 09:16):
Auf der anderen Seite scheinen ja Teile des Publikums durchaus begeistert gewesen zu sein...waren das jetzt die ewig gleichen Jubelperser, die alles toll finden was er tut, oder Leute denen das Programm trotz stimmlicher Probleme wirklich gut gefallen hat?
Wie auch immer, mir gefällt die Mexiko-CD nicht, ich muß aber zugeben, daß ich es, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, ohnehin nicht mag wenn klassische Sänger das tun was ich "in fremden Revieren wildern" nenne. Thomas Quasthof darf das (wenn er Jazz singt ist das grandios :down) Fritz Wunderlich darf es auch (Fritz darf ALLES :D). Aber selbst der sonst so innig verehrte Bryn Terfel gefällt mir z.B. mit den Liedern aus seiner walisischen Heimat nur sehr bedingt, er kann eben, wie soviele, den Opernsänger nicht wirklich verleugnen.
Das Drama um RV entwickelt sich immer mehr zur griechischen Tragödie, aber wenn er sich wirklich in Richtung André Rieu entwickeln sollte und damit Menschen glücklich macht, ist das auch kein Schwerverbrechen, nur wird er mich dann als Publikum wohl verlieren...dafür werde ich mich immer, immer, immer mit Begeisterung und Wehmut an den wunderbaren Opernsänger erinnern der er einmal...nein, das sage ich jetzt nicht. Es gibt ohnehin Leute, die mir vorwerfen in Bezug auf RV nur noch Nachrufe zu schreiben. Allerdings nicht hier...
Severina (04.11.2010, 11:07):
Original von Solitaire
Auf der anderen Seite scheinen ja Teile des Publikums durchaus begeistert gewesen zu sein...waren das jetzt die ewig gleichen Jubelperser, die alles toll finden was er tut,

Liebe Mina,
Ich war in Berlin nicht dabei und kenne vor allem das Berliner Publikum nicht, aber in Wien trifft das definitiv zu. Da gibt es eine große Gruppe von Villazónfans, die schon vor Entzücken ausrasten, wenn er seine große Zehe auf die Bühne setzt und die leider völlg taub sind für alles, was musikalisch schief geht. Erst vorige Woche saß beim letzten "L'Elisir" eine aus dieser Hardcore-Truppe neben mir in der Loge und hätte mich beinahe gefressen, als ich sagte, dass sich die Katastrophe schon in Zürich deutlich abgezeichnet hätte, denn dort sei er doch sooooo großartig gewesen. Nein, tut mir Leid, das war er ganz und gar nicht.

Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass genau diese fanatische Sorte von Fans ein Gutteil Schuld an Villazóns Realitätsverweigerung trägt, denn so lange der Großteil im Publikum jubelt, fällt es ihm leicht sich einzureden, dass er ohnehin toll ist, null Probleme hat, nur die bösen Kritiker mögen ihn halt nicht.
Natürlich muss man einen Sänger unterstützen, darf ihn nicht fallen lassen, wenn er eine problematische Phase durchläuft - und welchem Sänger passiert das nicht im Laufe seiner Karriere ? - aber wenn diese Phase in einen Dauerzustand übergeht und vor allem der Betroffene einfach nichts daraus lernt (weil er's nicht kann oder nicht will - wie auch immer), dann ist der Mitleidsbonus irgendwann aufgebraucht. Denn, wie Heike richtig sagt, hat das zahlende Publikum auch ein Recht auf eine gewisse Leistung, und nicht jeder fühlt sich schon alleine durch die physische Präsenz von Villazón reichlich belohnt.
Ich fürchte, genau an diesem Punkt ist Rolando jetzt angelangt :I :I :I :I
Wenn ihn eine Karriere a la Rieu glücklich macht, gönne ich ihm das von Herzen, aber so wie Du werde ich ihn auf diesem Weg sicher nicht begleiten.

lg Sevi, tieftraurig :I
Solitaire (04.11.2010, 11:43):
Hallo Sevi!
Da kann ich jedes Wort nur mit Blut und Tränen unterschreiben... :I
Heike (04.11.2010, 15:50):
Schön gesagt Sevi, genau so sehe ich das auch.
Heike
Jimi (16.11.2010, 20:52):
Hier ein spaßiger Clip von den Classical BRIT Awards 2010:

Rolando Villazón - The Classical BRIT Awards 2010

Man beachte die Stelle um 4:40 - 4:35 , flic flaaac usw ich glaube sein Kollege links von Ihm hat sich da echt ganz schön erschrocken :rofl :rofl :rofl

:hello Jimi
nikolaus (23.01.2011, 10:12):
Damit Rolando Villazon vor lauter Jonas Kaufmann nicht ganz in Vergessenheit gerät:

Er scheint die Profession zu wecheln und geht unter die Regisseure: klick

Gruß, Nikolaus.
Zefira (23.01.2011, 22:08):
Ganz unaktuell, dafür aber ein Anliegen meinerseits: Die oben erwähnte Einspielung von "Ercole sul Termodonte" empfehle ich allerwärmstens!!

Die Sänger - eine ganze Riege großer Namen, hauptsächlich Frauen natürlich - sind durch die Bank ausgezeichnet und Villazón singt wie ein Gott. Für eine konzertante Aufführung dieses Stücks mit dieser Besetzung hätte ich jeden Betrag hingeblättert. Schade, das kriegen wir nicht mehr ...

Gruß von Zefira
Severina (26.01.2011, 12:25):
Wenn man den ersten Kritiken Glauben schenken darf, ist Villazóns Regiedebut in Lyon recht erfolgreich verlaufen, zumindest die Frankfurter Rundschau vermeldet nur Positives. Dass der Sänger des Werther wie ein Rolando-Klon wirkt (und ihm angeblich auch stimmlich sehr ähnelt) wundert mich gar nicht, denn Villazón ist sicher ein Regisseur, der alles höchst mitreißend vorspielt.
Prinzipell denke ich, dass Regie ein guter Weg für ihn ist, denn er bringt dazu viele Voraussetzungen mit. Hochintelligent und sehr belesen, hat er sicher mehr Ahnung vom "Rundherum" vieler Opern als so mancher Profiregisseur (Besonders der Quereinsteiger in die Welt der Oper), sein Hobby Psychologie schadet auch nicht bei der Analyse der Charaktere, und dazu deckt er natürlich die musikalische Seite hochkompetent ab - er weiß, was man Sängern physisch zumuten kann, damit sie noch in der Lage sind, ihre Töne ordentlich zu produzieren. Außerdem glaube ich, dass er das gesamte Ensemble mit seiner Begeisterungsfähigkeit anstecken und die Spielfreude in ihm wecken kann, denn ein "park and bark" gibt es unter Villazóns Leitung sicher nicht.

Was nichts daran ändert, dass ich natürlich bei dem Gedanken todtraurig bin, den SÄNGER Rolando Villazón nie wieder zu erleben, aber so, wie es im Moment aussieht (Und sich vor allem anhört :I)....

lg Sevi :hello
Erna (26.01.2011, 12:54):
Liebe Severina!

Dass der Werther-Sänger aus Lyon eine Villazon-Kopie ist, zumindest stimmlich, kann ich nur bestätigen. Es gibt auf You Tube ein Video, das dies sehr deutlich zeigt. Die Stimme ist fast eins zu eins, auch die Probleme, denke ich, jedenfalls klingt sie gleich angestrengt, es gibt allerdings zwei gravierende Unterschiede, der Sänger agiert, auch aufgrund seiner etwas grösseren Körperfülle, weniger quirlig als Villazon und leider fehlt ihm auch dessen Charisma meiner Meinung nach völlig. Er repräsentiert in diesem Ausschnitt für mich eher nicht die Figur des Werther mit all ihren Facetten. Ich würde in jedem Fall einen gesunden Villazon-Werther jederzeit dem anderen Sänger vorziehen. Aber, auch ich glaube, dass wir beide das nicht mehr erleben werden.

Als Regisseur kann ich mir Villazon hingegen gut vorstellen, wenn er es zukünftig vermeidet, alle Tenöre als seine Klone anzulegen.

Lg. Erni
Severina (26.01.2011, 13:01):
Liebe Erni,

jetzt hast Du mich indirekt auf einen Fehler aufmerksam gemacht, natürlich ging dieser "Werther" in Lyon und nicht in Paris über die Bühne. Diese You-tube-Schnippselei ist nicht so ganz meines, wie Du ja weißt :wink, aber ich glaube Dir Deinen Befund aufs Wort. In seiner guten Zeit hat Villazón übrigens einen völlig unangestrengten Werther gesungen, in Wien trat er damit ja leider erst an, als die Stimme schon perdu war.

lg Severina :hello

PS: Jetzt hat's mich doch interessiert und ich habe mir den angeblichen Villazónklon auf youtube angehört. Also ich weiß nicht, da wird für meine Ohren hineininterpretiert, was halt eine gute Schlagzeile ist. Bestenfalls in der Höhenlage von "O nature" kann man bei Arturo Chácon-Cruz Stimme eine Ähnlichkeit mit Villazón feststellen, die Mittellage hingegen klingt trocken und nicht sehr nuancenreich. Aber wie gesagt, ich tu mir immer schwer mit diesen Schnippseln und trau mir nie zu, nach diesen paar Sekunden einen Sänger wirklich zu beurteilen. Und eine optische Ähnlichkeit kann ich noch weniger feststellen, sieht man von der Haarfarbe ab.
Solitaire (26.01.2011, 18:17):
Meint ihr wirklich, es steht so schlimm um die Stimme? Och Mensch... :I :I :I
Es scheint, als hätten in Lyon (den Vertauscher mit Paris habe ich neulich auch gemacht, sorry!) symbolhafte Clowns und Elemente aus der Welt des Zirkus eine große Rolle gespielt, was mich bei einem Regisseur mit Namen Villazón nun wahrlich nicht wundert, immerhin hat er den Clown quasi zu seinem Wappenvogel erklärt, und das wohl völlig zu recht (und das meine ich keineswegs abwertend, im Gegenteil.)
Ich weiß nicht, ob Lyon bedeutend genug ist, daß es eine DVD-Produktion geben wird, aber ich hoffe es schon, denn schließlich kommt es nicht alle Tage vor, daß ein EIGENTLICH noch amtierender Tenor eine Oper inszeniert in der er selber Erfolge gefeiert hat und die ihm vermutlich in vieler Hinsicht sehr nahe ist.
Hier mal ein paar offizielle Szenenfotos:
Klick

Klick

Klick

Klick

Die Bilder und das Licht jedenfalls finde ich wunderschön. Den WEg zu Youtube habe ich bisher nich nicht gefunden, ich habe zur zeit leider ohnehin eigentlich überhaupt keine Zeit für's Internet... :(
Karolus Minus (26.01.2011, 22:20):
WEnn ich mir die Bilder anschau, dann habe ich eine starke Assoziation zu Achim Freyer, mit dem Villazon ja an der Berliner Staatsoper den Lenski gemacht hat.

Inwieweit Lyon jetzt firmenmäßig vernetzt ist, weiß ich nicht, zu Zeiten von Gardiner und Nagano hat es ein paar Filme gegeben, die allerdings - soweit ich sie kenne - nicht live sondern anhand der Inszenierungen im Studio gedreht zu sein scheinen.

Gruß
Karolos -
Solitaire (27.01.2011, 07:19):
Hallo Karolus!
Jaaa, an Achim Freyer habe ich auch sofort gedacht!
Ich habe die Inszenierung in Berlin gesehen, sehr gut gefallen haben mir damals das Bühnenbild, die Lichtregie, die stilisierten "Typen" auf der Bühne und der eine oder andere Regieeinfall, grausam fand ich die immer wiederkehrenden Bewegungsabläufe, und daß jeder Sänger stur auf einen Punkt irgendwo im Nichts starren mußte und seine Bühnenpartner nicht ansehen durfte :S
Daß ein Künstler der wie kaum ein anderer immer bemüht ist (war? :I) auf der Bühne mit Publikum und Kollegen in Kontakt zu treten und zu kommunizieren diese Unsitte bei seiner Regiearbeit nicht pflegen wird war ja zu erwarten, aber rein optisch hat er sich ganz bestimmt von Freyer inspirieren lassen.
Severina (28.01.2011, 13:24):
Sehr interessant finde ich diese ausführliche Rezension, die auch viel Richtiges zur Persönlichkeit von Rolando Villazón enthält:

http://www.zeit.de/2011/05/Oper

Liebe Mina,

natürlich hoffe ich genauso wie Du, dass das Inszenieren nur ein zweites Standbein für RV ist und wir uns wieder über den SÄNGER freuen dürfen. Aber ich will mich halt wirklich freuen und nicht meine Nerven serienweise verschleißen müssen bei jedem Auftritt von ihm.....
Aber die Hoffnung stirbt zuletzt :D!!

lg Sevi :hello
Solitaire (01.02.2011, 11:52):
Hallo Severina!
Diese Kritik ist wirklich spannend und wohl tatsächlich zutreffend. Vor ein paar Tagen war es dann wieder soweit, RV auf dem Konzertpodium:
er hat in Salzburg bei einem Konzert vier Mozart-Arien gesungen, hier mal zwei Besprechungen des Abends.
Klick

Klick

Nach Don Ottavios Arie „Il mio tesoro“ war es jedenfalls schwer, sich ein ganzes „Don Giovanni“-Ensemble vorzustellen, in das sich diese Stimme homogen einfügen könnte.


Ich bin ja nach wie vor bekennender Fan, aber DAS denke ich auch manchmal. Selbst bei allerbester stimmlicher Verfassung und selbst unter größtmöglicher Zügelung seines Temperaments ist RV m.E. vom Ideal des Mozarttenors weiter entfernt als von jedem anderen, und das meine ich gar nicht hämisch. Eine in frühen Tagen von ihm aufegenommene Version der Bildnisarie z.B. hat mir für sich allein genommen überraschend gut gefallen, aber das Mozartensemble in das dieser Stimmklang sich wirklich einfügen kann muß wohl erst noch erfunden werden. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur zu erbsenzählerisch wenn es um meinen Lieblingskomponisten geht...
Fairy Queen (01.02.2011, 13:13):
Egal, ob er in ein Mozart-Ensemble passt oder nciht- es ist ein Segen, dass er ihn singt! Mozart und Hândel sind Balsam für die Stimme- ich hoffe er bleibt noch lange endlich ein bisschen klûger und ergo bei diesen Komponisten um seine Stimme langsam wiederaufzubauen.

F.Q.
Solitaire (01.02.2011, 16:01):
Hallo Fairy!
Dein Wort in Gottes Ohr!
Übrigens kann man sich ja bald ein Bild machen, wie Villazón sich im Mozart-Ensemble macht, in einigen Monaten singt er in Baden-Baden ja den Don Ottavio in einer konzertanten Aufführung. (Don Giovanni!!! Konzertant!!! :S :S :S :B ?( :()
Weil sie sich aber gar so lecker liest, hier nochmal die Besetzung:

Donna Anna: Diana Damrau
Donna Elvira: Elina Garanca
Don Giovanni: Ildebrando D’Arcangelo
Leporello: Luca Pisaroni
Don Ottavio: Rolando Villazón
Zerlina: Mojca Erdmann
Masetto: Konstantin Wolff
Komtur: Vitalij Kowaljow (war da nicht mal die Rede von Thomas Quasthoff???)
Dir.: Yannick Nézet-Séguin
Mahler Chamber Orchestra

Ich hoffe auf einen CD-Mitschnitt oder eine Übertragung im Radio.
Zefira (01.02.2011, 21:29):
In meinem Programmheft ist da noch Quasthoff als Komtur vorgesehen.

Die Konzerttermine liegen im Juli - da bin ich wahrscheinlich nicht zu Hause, sonst wär das was für mich gewesen, seufz ...

lG Zefira

ps. Da fällt mir noch eine Frage dazu ein - ich habe gestern ein Programmheft des diesjährigen Rheingau-Musikfestivals bekommen. Da wird u.a. im Kloster Eberbach Händels Rinaldo aufgeführt.
Hier der Link.

Das ist doch wohl auch konzertant, oder?

(Tante Edit meint, es heißt Eberbach, nicht Eberburg, wie ich zuerst schrob.)
Fairy Queen (02.02.2011, 07:47):
Liebe Solitaire, warum um alles in der welt machen die das mit diesen Vollblut-Sing-Schauspielern konzertant??????????
Das liest sich mehr als lecker...... :leb
Solitaire (03.02.2011, 13:51):
Auf der Homepage des Festspielhauses Baden-Baden heißt es, daß die Aufführungen (drei an der Zahl) von DG mitgeschnitten und auf CD herausgebracht werden :leb
Außerdem gibt es eine weitere Umbesetzung: statt Elina Garanca wird nun Joyce DiDonato die Donna Elvira singen.Die CD kommt jedenfalls auf meine Wunschliste, auf der stehen noch zwei weitere Aufnahme dieser Oper. U.a. eine in der Simon Keenlyside den Don, Bryn Terfel seinen Diener singt. Auch ein Livemitschnitt.
Severina (23.02.2011, 22:20):
Original von Zefira
Ganz unaktuell, dafür aber ein Anliegen meinerseits: Die oben erwähnte Einspielung von "Ercole sul Termodonte" empfehle ich allerwärmstens!!

Die Sänger - eine ganze Riege großer Namen, hauptsächlich Frauen natürlich - sind durch die Bank ausgezeichnet und Villazón singt wie ein Gott. Für eine konzertante Aufführung dieses Stücks mit dieser Besetzung hätte ich jeden Betrag hingeblättert. Schade, das kriegen wir nicht mehr ...

Gruß von Zefira

Zefiras Empfehlung kann ich nur wärmstens unterstützen, habe diese beiden Scheiben eben mit großer Begeisterung gehört: Wunderbare Musik in einer Traumbesetzung, die kaum zu toppen ist! Joyce di Donato, Diana Damrau, Vivica Genaux, Patrizia Ciofi, Romina Basso (für mich eine Erstbegegnung, die aber Lust auf mehr macht), Philippe Jaroussky, Topi Lehtipuu und als Sahnehäubchen Rolando Villazón in wirklich ausgezeichneter stimmlicher Verfassung und stilistisch für mich (bin keine Expertin) näher dran am Barock als auf seiner Händel-CD. Er singt mit "gebändigter Leidenschaft", also nicht so exaltiert, wie man es von ihm kennt, aber trotzdem ungemein ausdrucksstark und gefühlsintensiv.

lg Sevi :hello
Zefira (24.02.2011, 00:05):
Leider ist in dieser Oper die Besetzung groß und die Arien pro Sänger sind daher nur wenige (und kurze), damit auch jeder "drankommt": Villazon singt drei (nach meiner Erinnerung), von denen mindestens die ersten beiden wahre Sahneschnittchen sind.
Mir ist noch Diane Damrau besonders aufgefallen, die ich bisher noch gar nicht gehört habe: wunderschöne Stimme mit herrlich aufblühendem Vibrato.

Gruß von Zefira
Severina (24.02.2011, 00:49):
Stimmt, der Ercole ist keine sehr große Rolle, hat aber wunderschönes Zeugs zu singen, wie es einmal ein Forianer in anderem Zusammenhang salopp formuliert hat. Außerdem scheint die Tessitura für Villazón sehr günstig zu liegen, denn er singt völlig ohne Druck, und sein wunderschönes Timbre kann sich endlich wieder einmal so richtig entfalten.
Aber die ganze Besetzung ist toll, Diana Damrau und Joyce di Donato zählen überhaupt zu meinen Lieblingssängerinnen. Damrau habe ich schon öfter live gehört, di Donato leider noch nie.

lg Sevi :hello
Ingrid (24.02.2011, 11:53):
Original von Severina
Damrau habe ich schon öfter live gehört, di Donato leider noch nie.

lg Sevi :hello

Ich zum Glück auch schon ziemlich oft und ich mag sie unglaublich gern. Ganz klar ist mir deshalb nicht die Zeile von Zefira, dass sie ein herrlich aufblühendes Vibrato hat. Ist das nun positiv gemeint? Bei mir ist Vibrato nämlich meist sehr negativ besetzt.

:hello Ingrid
Zefira (25.02.2011, 00:26):
Hm, mit dem herrlich aufblühenden Vibrato war Frau Damrau gemeint, nciht DiDonato.
Und ich meinte es unbedingt positiv. Entschuldigt vorab, dass ich ein reines Geschmacksurteil fälle und wenig Ahnung habe, was sich "gehört" und was nicht. Bei Frau Damrau ist mir in dieser Aufnahme aufgefallen, dass sie ein für mein Empfinden sehr kontrolliertes Vibrato singt. Wer die CD besitzt: ich meine speziell Track 10 auf der ersten CD.
Das Vibrato in dieser Arie ist nicht etwa besonders hervorstechend oder gar dominierend (würde auch nicht passen), sondern eben ganz gezielt eingesetzt, nur in lang gehaltenen Tönen peu a peu heraustretend.
Mir fehlt der Fachjargon, sorry.
Nachtgruß von Zefira
Fairy Queen (25.02.2011, 07:04):
Ich mische mich in Sachen Vibrato mal ein:
ein Vibrato ist weder positiv noch negativ, sondern ein natürliches Phänomen, dass sich bei einer gesunden Stimmausbildung im klassischen Fach von selbst entwickelt. Sobald eine Stimme frei schwingt und nciht künstlich blockiert oder festgehalten wird, zeigt sie ein mehr oder weniger ausgeprägtes Vibrato. Wie eine frei angeschlagene Gitarrensaite, die nciht durch andere (parasitäre) Widerstände festgehalten wird. Ein negatives bzw ungesundes "Vibrato" heisst nciht Vibrato sondern Tremolo, Wobble oder im schlimmsten Fall "Quintenschleuder". Der Hörer hat dann das Gefühl, dass ein gesungener Ton nciht mehr ein definierter Grundton mit seinen natürlichen leichten Schwingungen ist, sondern dass diese Schwingungen den Ton dominieren bzw verwischen und die Stimme unkontrolliert und ohne Fokus ist. Im allerschlimmsten fall hört man rieisige Intervalle (eine ganze Quinte) oder ein unkontrollierbares Wackeln der Stimme. Es gibt eine Menge Ursachen dafür, von falscher Ausbildung und mangelhafter Stimmtechnik zu Uberanstrengung, zu schweres Repertoire und Altersverschleiss .
Grosse dramatische Stimmen haben von Natur aus ein stärkeres Vibrato als leichte Koloraturstimmen udn die Toleranzgrenzen sollten daher je nach Stimmfach variabel sein. Der Zwang zum vibratolosen Singen bei gewissen orthodoxen HIP-Anhängern schliesst gut ausgebildete grössere Opernstimmen von diesem Repertoire aus, es sei denn, sie wollen sich selbst knebeln bzw zu Bonsais machen und die die Schwingungen der stimme unterdrücken. Leichte Stimmen eignen sich per se besser für diesen vibratoarmen Stil aber auch eine leichte Stimme entwickelt bei normaler Gesangsausbildung ein ihr eigenes Vibrato und das weiss jeder vernünftige Dirigent. Wirklich vibratolose Stimmen hört man daher selbst im Barockgesang udn shcon gar nicht auf grossen internationalen Bühnen so gut wie nie. Wenn mich jemand zwingen wollte,, mein ziemlich kleinschwingendes Vibrato festzuhalten, würde ich jedenfalls wegen Stimmvergewaltigung sofort die Flucht ergreifen und sagen, man solle stattdessen einen unausgebildeten Knabensopran engagieren .

Die Schwingungen eines Tons zeigen sich bei langangehaltenen Noten natürlcih am deutlichsten und schönsten (oder am grässlichsten, je nachdem.... :D)- siehe Zefiras letzter Satz im vorhergehenden Posting. Ihr könnt das übrigens mal selber ausprobieren mit Vokaltönen: singt einfach mit vollem Körperbewusstsein (also nciht nur mit der Kopfstimme) ein tiefes und sehr lang angehaltenes O oder A. Wenn ihr ein bisschen übt, spürt ihr nciht nur die Vibrationen im Körper sondern hört auch die Schingungsfrequenzen und vielleicht sogar Obertöne und jedenfalls keinen ganz geraden vibratolosen Ton.

F.Q.

Ich bin dann mal bis Mittwoch in Bayern :hello
und verpasse leider die Iphigen,ie vvon der Met mit Domingo und Graham- da gibt's mit Sicherheit jede Menge Vibrato!..... :wink
Ulrica (25.02.2011, 15:32):
Ich möchte mich hier Fairy absolut anschließen und betone den fachlich korrekten, aber leider im Allgemeingebrauch offenbar nicht so präsenten Unterschied zwischen Tremolo und Vibrato. Chorleiter sollten das eigentlich wissen, aber aus dieser Ecke wird allzu häufig das Vorurteil gegen das, wie hier ausgeführt, "wertfreie" Vibrato kolportiert.

An sich könnte einen das egal sein, weil es einfach ein Naturgesetz ist, dass Stimme nur klingt, wenn sie schwingt, aber speziell Chorsänger (und noch mehr -innen) verkneifen und verzwicken sich nachgerade alles, was ein satter gerngehörter Ton werden könnte, weil der Meister da vorne dieselbige Person plötzlich schief von der Seite vor versammelter Mannschft anmachen könnte: Zügeln Sie mal Ihr Vibrato!

Nachvollziehbar unschön, oder? Vor allem, weil die wahrscheinlich schöne volle Stimme dieses nicht zu sein hat, sondern als ausgeleiert hingestellt wird.

Zu einer gut geführten Stimme gehört durchaus eine gewisse Kontrolle darüber, inwieweit das Vibrato an welcher Stelle "aufblüht" oder, ohne dabei ungesund zu singen, etwas weniger "aufblüht" Der Barockstil verlangt hier in der Tat von einer Opernstimme eine gewisse Anpassung, aber keinesfalls, dass durch hochgestellten Kehrkopf und dergleichen an der Volumenschraube gedreht wird, und, vor allem, unforciertes Volumen ist auch hier kein Fehler.

Ich habe eine sehr schwere und tiefe Stimme mit viel Vibrato an sich, aber mache trotzdem auch Barock- und Alte Musik und das sehr gerne. Bis jetzt ist jedenfalls noch niemand entsetzt davongelaufen, ist aber wohl noch kein HIP - Ideologe vorbeigekommen:-)

Es ist nicht zu vergessen, dass das Vibrato ein wesentlicher Faktor zur Erlangung der stimmlichen Tragfähigkeit ist. Um sich gegen ein Wagner- oder Strauss - Orchester in der Oper durchzusetzen, muss die Vibratofähigkeit voll ausgeschöpft werden und man kann sicher sein, dass es dann von niemandem als störend wahrgenommen wird (ein Tremolo schon), weil sich der Klang in einem großen Raum verteilt.

Auch die Stimmen, die in einem großen Haus für Händelopern eingesetzt werden, haben Vibrato. Mit Emma - Kirkby - Minimalismus käme da kein Mensch zurande.


Also, seid bitte ein wenig gnädiger mit dem Vibrato:-)


LG
Ulrica
Solitaire (25.02.2011, 16:19):
Was sind denn das für böse Chorleiter die einzelne Choristen vor versammelter Mannschaft zur Schnecke machen? Ich bin nachgerade entsetzt... :S
Da geht es bei uns gnädiger zu und es wird höchsten mal ein bisschen gespöttelt. Ich erinnere mich an den Ausspruch eines Chorleiters der ein sehr aus den Fugen geratenes „Oh könnt ich fliegen wie Tauben dahin...“ mit einem trockenen „Tauben, meine Herrschaften, nicht Hubschrauber!“ kommentiert hat. :times10
Danke jedenfalls für die Erläuterungen! Ich muß sagen, ich mag sowohl Stimmen mit gesundem Vibrato, als auch fast Vibratolose (nennt man die nicht „weiße“ Stimmen?). Allerdings stelle ich fest, daß ich letzteren nicht unbedingt stundenlang zuhören kann. Es gibt in unserer Gegend ein Vokalensemble, das einen nahezu vibratolosen Chorklang anstrebt, und mir gefällt dieser Klang auch wirklich gut, aber nach einer Dreiviertelstunde Konzert reicht es mir dann auch. Zwei Stunden möchte ich denen nicht zuhören.
Im Übrigen, und ohne wirklich Ahnung zu haben, finde ich den Ausweg u.U. einen guten aber unausgebildeten Knabensopran zu engagieren wirklich gut. Ich finde es z.B. sehr schade, das in vielen Fällen ausgebildete Sopranistinnen die drei Zauberflöten-Knaben oder das Kind im „Paulus“ singen.
Solitaire (09.03.2011, 15:28):
Zur Zeit ist RV wieder mit der "Dichterliebe" unterwegs, hier mal eine Besprechung des Abends in Essen vor ein paar Tagen:
Klick
Severina (09.03.2011, 17:49):
Danke für diesen Link! Am Freitag gastiert Rolando mit diesem Programm im Konzerthaus, aber ich habe von vornherein darauf verzichtet. Villazón und Dicherliebe, das passt für mich einfach nicht, außerdem lege ich beim Liedgesang großen Wert auf eine perfekte Diktion, die er in deutscher Sprache nun einmal nicht hat.

Bei dieser Kritik spürt man fast, wie sehr es die Verfasserin schmerzt, gewisse Wahrheiten auszusprechen, So geht uns ja allen mit unserem Liebling. Ihrem letzten Satz ist wohl nichts hinzuzufügen. :I

g Sevi :hello
Solitaire (06.05.2011, 18:21):
Gestern hat Rolando Villazón in London “Werther” gesungen, und ehrlich gesagt habe ich mich gefragt, wie er das machen will. :ignore :I
Ich bin immer froh, wenn ich mit meinem Pessimismus falsch liege. Zumindest ein Kritiker war offenbar durchaus angetan.
Hier ein bisschen Balsam für den leidenden RV-Verehrer:

Klick

EDIT
Es stehen noch weitere Termine an, ich glaube 6 an der Zahl. Hoffen wir, daß er sie gut hinter sich bringt. Ich denke mal, ein solcher Erfolg wäre ihm auch und vor allem psychologisch sehr zu wünschen.
Es wäre ZU schön, wenn uns der Opernsänger erhalten bliebe, und nicht nur der Pop-Star-Goes-Opera Juror und Film-Hit-Sänger (das wird offenbar sein neues CD-Projekt :B :A)
Heike (06.05.2011, 19:03):
Film-Hit-Sänger (das wird offenbar sein neues CD-Projekt)
Wie schrecklich!
Solitaire (06.05.2011, 19:40):
Jep.
Das neue Album heißt "Smile" und es sind Filmsongs drauf.
In Großbritannien wird sie offenbar schon verkauft und geht weg wie warme Semmeln. Da läuft ja auch bald wieder diese Pop-Star-Serie bei der RV den Juror gibt.
Ich bin bestimmt ein Snob, aber mir gefällt sowas nicht. Wenn ich "Moon River" hören will, dann soll bitte die wunderbare Audrey Hepburn singen, nicht ein Operntenor. Ich will ja "Che gelida manina" auch nicht von Eros Ramazotti hören. (Okay, von dem will ich sowieso GAR NIX hören :D).
Severina (06.05.2011, 19:47):
Liebe Mina,

danke für diesen Balsam-Link, so etwas liest man natürlich gerne. Ich bin schon neugierig, wie er sich in Zürich mit Mozart schlägt. Leider bin ich diesmal auch nur auf die Berichte meiner Freunde angewiesen, denen ich aber blind vertraue. (Sie sind tw. auch vom Fach und können daher besser als ich beurteilen, ob und woran es bei einer Stimme krankt.)
Ich drücke unserem Sorgenkind jedenfalls beide Daumen!

Seine Filmhits werde ich allerdings bestimmt nicht sponsern, auf diesem Weg folge ich ihm ebenso wenig wie seinerzeit bei seiner Tournee durch diverse Stadthallen.

lg Sevi :hello
Solitaire (10.05.2011, 20:28):
Nur mal eben noch ein Link für die Liebenden unter uns :wink
Es gibt im Netz einen spanischsprachigen Blogg der Rolando Villazón geweiht ist. Und man muß wirklich sagen "geweiht", denn man liebt ihn dort sehr.
Ich kann's ja verstehen...
Wie auch immer, dort gibt es ein aktuelles "Werther" Video von Villazón, das mir wirklich sehr gefällt. Ich bin kein Gesangsexperte und kann weder Technik noch Stil beurteilen, aber mich berührt was ich höre:
Klick

Und stilecht in blau und gelb :D
Solitaire (11.05.2011, 07:11):
Ups. Da hat wohl jemand kalte Füße bekommen und das Video vom Netz genommen. Schade, ich hätte gerne mal die eine oder andere Meinung gehört. Egal.
Severina (13.05.2011, 21:54):
Gemein, ich hätte es so gerne gesehen!
lg Sevi :hello
Severina (27.05.2011, 15:02):
Dank einer supernetten Forianerin :down konnte ich nun den Londoner "Werther" immerhin hören und muss sagen, dass mich Villazón erstmals nach langer Zeit wieder vom Stuhl gerissen hat.
"O nature" verlief zwar nicht pannenfrei, da lagen die Nerven hörbar blank, vertraute er seiner Stimme noch nicht ganz, aber er sang sich bald frei und drehte dann in der Folge so auf, dass ich die Ohren anlegte. Aber abgesehen von den Höhen, die ich so "vollsaftig" schon lange nicht von ihm gehört habe, finde ich am schönsten, dass die Stimme endlich wieder nach Rolando Villazón klingt. Das war nämlich in den letzten beiden Jahren nur selten der Fall, da hätte ich ihn oft bei einer "Blindanhörung" nicht erkannt. (z.B. bei der Züricher "Traviata", wo er so leblos, fahl und fremd klang, dass es wirklich zum Weinen war.)

Bei diesem Werther jedenfalls leuchtet seine Stimme wieder in den alten Farben. Klar, wie einst im Mai, also vor seiner Stimmkrise, singt Rolando Villazón nicht mehr und so wird es wohl auch nicht mehr werden, aber mit dem Level seines Londoner Werthers bin ich mehr als zufrieden. Ich fürchte halt nur, dass es ebenso wie bei vielen anderen Sängern mit Stimmproblemen in ewiges Auf und Ab und für die Fans dieses charismatischen Tenors ein ewiges Hoffen und Bangen bleiben wird.

lg Sevi :hello
Heike (27.05.2011, 18:26):
Das ist eine sehr erfreuliche Nachricht! Ich hatte mich fast schon damit abgefunden, ihn ins von mir gänzlich ungeliebte Crossover-Fach abzulegen.
Heiek
Fairy Queen (28.05.2011, 07:23):
Ich habe die Aufnahme als liebe Überraschung auch vorgestern bekommen und bin schon serh gespannt! vor allen dingen weil ja nun mit Kaufmann ein Werther vor meinen augen udn Ohren ist, der an der seite von Sophie Koch Massstäbe gesetzt hat.
Was kaputtgesungene bzw überforderte Stimmen angeht: ich leide da körperlich mit, weil mir beim Zuhören der Hals wehtut und das irgendwie ein Übertragungsphänomen sein muss. Gestern lief an unserer Oper eine geniale Macbeth-Inszenierung (selten so gutes radikales Regietheater gesehen) aber Lady Macbeth war stimmlich komplett überfordert. die Höhe war grässlich und das ging nicht mehr mit Wahnsinn und Verdis Willen zu entschuldigen- sie hat es einfach nicht gepackt und gehört eindeutig nicht in dieses Stimmfach. Ich war zudem mit einer Freundin da, die kürzlich fûr diese Rolle engagiert worden ist, aber abgesagt hat weil sie weiss, dass sie das (noch) nicht kann, ohne ihrer Stimme zu schaden. Möge der Himmel unserem lieben Rolando bitte auch soilche Weisheitsmomente geben....... :engel
F.Q.
Severina (28.05.2011, 11:21):
Liebe Fairy,

da bin ich sehr gespannt auf Deine Expertenmeinung! Wenn ich einen Sänger sehr mag, befürchte ich nämlich immer, dass ich etwas höre, weil ich es hören will, obwohl ich mich bemühe, objektiv zu bleiben.
Aber wie gesagt, bei diesem Werther ist der Funke wieder übergesprungen, was in letzter Zeit nie so der Fall war.
Aber ich finde ja überhaupt, Werther ist Rolandos Lebensrolle, mit der kann er sich wohl identifizieren wie mit keiner anderen. Ich "liebe" ja bekanntlich auch Jonas Kaufmann sehr, aber diese existenzielle Lebenskrise, die abgrundtiefe Verzweifung wie Villazón kann er mir als Werther nicht vermitteln, er wirkt auf mich eher wie ein blasierter Dandy, der seinen Weltschmerz kultiviert.
Aber das sieht man wahrscheinlich wirklich nur dann so, hat man einmal live miterlebt, wie Villazón den Werther gestaltet und erleidet. Jammerschade, dass es immer noch keine offizielle DVD mit ihm in dieser in meinen Augen besten Partie gibt.

lg Sevi :hello
Solitaire (28.05.2011, 15:27):
Auch ich freue mich sehr über die guten Nachrichten und bin schon gespannt auf Fairys Meinung, vor einiger Zeit gab es im Internet einen kurzen Videomitschnitt zu sehen (der aber schon wieder vom Netz ist), danach hatte ich ebenfalls die Gelegenheit einen Audiomitschnitt zu hören und war erleichtert und erfreut wie lange nicht mehr: es nicht nur so, daß RV wirklich gut singt, er singt auch sehr "entspannt" und man hat das Gefühl daß er sich seiner Stimme wieder sicher ist.

Eines wird er sicher niemals werden: ein Stimmverwalter, er wird vermutlich immer alles was er auf einer Bühne tut mit Herzblut und ganzer Seele tun, ob das nun Dinge sind die mir persönlich gefallen oder nicht (ich mag das Mexicoalbum immer noch nicht und die "Popstars-Show"... :ignore).
Wenn Stimmprobleme weiterhin immer mal wieder zu seinem Geschäft gehören sollten, so ist das vielleicht der Preis, der dafür zu zahlen ist, daß er in seinen großen Momenten bewegen kann wie nach wie vor kein amtierender Kollege.
Severina (28.05.2011, 15:43):
Da sind wir uns völlig einig, und gerade diese absolute Hingabe, dieses emotionale Eintauchen in seine Rolle, ohne Rücksicht, ob das seine stimmlichen Mittel im Moment zulassen, machen ja eines Großteil des Faszinosums Rolando Villazón aus. Es wird wohl nur in Zukunft immer schwieriger werden, ihn in einer seiner Sternstunden zu erleben, denn dazwischen muss man wahrscheinlich immer wieder mit Abstürzen rechnen. Das macht es natürlich extrem riskant, extra wegen ihm irgendwohin zu fahren, und ich bin eigentlich ganz froh, dass das bei mir aus verschiedenen Gründen ohnehin nicht mehr in Frage kommt. Denn ansonsten würde es mich natürlich seeeeehr jucken :D!!!

lg Sevi :hello
Severina (10.06.2011, 23:57):
Rolando Villazóns Hoch scheint anzuhalten, denn er springt nun für Calleja ein, der das MET-Gastspiel in Japan abgesagt hat, und zwar als Edgardo. Vielleicht dringt ja die Kunde davon bis zu uns!

lg Severina :hello
Severina (06.07.2011, 18:19):
Wie ich eben von meinen Züricher Freunden erfahren habe, hat sich Villazón in Mozarts "Finta" sehr gut geschlagen, auf jeden Fall wesentlich besser als bei der vergeigten "Traviata". Er soll auch sehr kultiviert gesungen haben, also die meiste Zeit brav auf "Mozartlinie", und besonders bei den Koloraturen angenehm überrascht haben. Da meine Freunde caro Rolando ziemlich unvoreingenommen gegenüberstehen und außerdem als Chorsänger wesentlich mehr als ich von Gesang verstehen, stufe ich ihr Urteil sehr hoch ein und freue mich sehr, dass unser Sorgenkind momentan wohl einen Flow hat :D! Möge es so bleiben!

lg Sevi :hello
Fairy Queen (07.07.2011, 07:19):
Liebe sevi, vielleicht hat er einfach durch die Katastrophe Vernunft angenommen und singt endlich das richtige Repertoire! Oder es geht ihm nsgesamt besser und das hat positive auswirkungen auf seine Stimme. Ich hoffe jedenfalls mit!!!!!!
F.Q.
Solitaire (07.07.2011, 11:21):
Wie schön!
Danke für die guten Nachrichten. Wenn es auf der Bühne mit der Oper endlich wieder wuppt, verzeihe ich ihm auch sein :S :S :S :S :Sfilmmusikalbum und seine Eskapaden in englischen Castingshows. Soll er, wenn es ihm Spaß macht. :D
Severina (08.07.2011, 17:58):
Die offiziellen Kritiken sind eher durchwachsen, um nicht zu sagen, nicht ganz so positiv wie meine Live-Ohrenzeugen. Wobei da wohl auch echte Experten am Werk waren, denn die Badische Zeitung meint allen Ernstes, Villazón befinde sich "nach seinem Wechsel ins Tenorfach" auf dem richtigen Weg......

lg Sevi :hello
Solitaire (09.07.2011, 08:31):
Original von Severina
Wobei da wohl auch echte Experten am Werk waren, denn die Badische Zeitung meint allen Ernstes, Villazón befinde sich "nach seinem Wechsel ins Tenorfach" auf dem richtigen Weg......


:rofl :rofl :rofl :rofl :rofl
golioni (12.07.2011, 12:42):
Original von Severina
Die offiziellen Kritiken sind eher durchwachsen, um nicht zu sagen, nicht ganz so positiv wie meine Live-Ohrenzeugen. Wobei da wohl auch echte Experten am Werk waren, denn die Badische Zeitung meint allen Ernstes, Villazón befinde sich "nach seinem Wechsel ins Tenorfach" auf dem richtigen Weg......

lg Sevi :hello

Hallo Sevi,

ich bin ganz deiner Meinung,dass auch bei den offiziellen Kritikern manchmal "echte Experten" dabei sind und das man solche Berichte immer sehr kritisch lesen sollte, aber in dem von dir genannten Beispiel kann ich deinen Einwand nicht ganz nachvollziehen.

In der Badischen Zeitung steht HIER ua:


Rolando Villazón gibt seine Hoheit von des jungen Mozarts jugendlich-musikalisch inspirierten Gnaden an der Zürcher Oper als regelrechten Tollpatsch, als "re kasperle". So dass man am Ende nicht mehr weiß, wie sehr sich der dem Komischen ohnedies zugetane Startenor hier nicht längst selbst inszeniert. In musikalischer Hinsicht trägt Villazóns Wechsel ins Mozart-Fach reife Früchte. Seine drei Arien setzt der Mexikaner mit Verve um, kräftig, dunkel-viril im Klang, beweglich und treffsicher in den Koloraturen, allerdings mit einigen Defiziten in der Tiefe - das tiefe h in seiner letzten Arie ist nur zu erahnen. Trotzdem: Villazón scheint auf dem richtigen Weg zu sein - und das mit einem guten Gespür für die stilistischen Anforderungen im Mozart-Fach.


Ich finde die Kritik eigentlich sehr gut und sachlich formuliert, mit konkreten nachvollziehbaren Aussagen und nicht mit dem allgemeinen Blabla was man sonst allzu oft zu lesen bekommt. Der Kritiker hat offenbar im Unterschied zu manchen Kollegen sogar einen Blick in die Partitur geworfen("das tiefe h"), hierzu auch mein einziger Einwand: In dem Zusammenhang sollte man erklären dass ein ein tiefes H für einen Tenor eine ungewöhnlich tiefe Note ist, der Umfang des lyrischen Tenors wird zb von Bernd Göpfert in "Handbuch der Gesangskunst"(sehr lesenswert) von c bis c'' angegeben. Dieses untere c wird aber in den allerwenigsten Tenorpartien erreicht und schon gar nicht das einen Halbton tiefere H, das eigentlich schon eine "richtige" Baritonnote ist. Selbst manche Bassarien wie zb "Vecchia zimarra,senti" erreicht in der Tiefe nur das c. So gesehen ist es kein Wunder das Villazon mit dem H Probleme hat, lobenswert das er es überhaupt riskiert und die Note nicht einfach eine Oktave höher singt, wie es zb die allermeisten Tenöre in "Di' tu se fidele"(Un ballo in maschera) mit dem tiefen c machen.

Hier noch ein Ausschnitt aus einer anderen Kritik:
In "Oper aktuell" steht ua:


Bleibt der "Star" des Abends, Rolando Villazón, in der Rolle Alexanders des Grossen. Man stellt mit grosser Freude fest, dass er seine Stimme wieder gefunden hat, die Mittellage erstrahlt kernig und sicher. Die Koloraturen jedoch verfügen nicht über den geforderten brillanten Schliff, er singt auf Nummer sicher, etwas gleichförmig, meidet jegliches Risiko. Dem enormen Umfang der Partie wird er in den tiefen Lagen nicht ganz gerecht, viele Töne werden nur leicht angestupst oder bleiben gänzlich unhörbar. In seinem Spiel wirkt er überkandidelt; er legt die Rolle beinahe wie eine Buffo-Partie von Rossini oder Donizetti an. Oder war dies Absicht von Regisseur Grischa Asagaroff, um eine gewisse Brechung der pastoralen Idylle und der Glorifizierung der clemenza des Herrschers zu erreichen? ...

...Rolando Villazón gewinnt die Herzen durch seine sympathische, fast kumpelhafte Ausstrahlung. Das ist kein absolutistischer Herrscher, sondern ein lustiger Geselle, dem man jeden Schabernack zutraut. Stimmlich überzeugt seine markige, männlich-kernige Mittellage, während die extremen Höhen gekonnt umschifft und die Tiefen nicht ganz erreicht werden. Auch die Dynamik wirkt eher eindimensional, bewegt sich zwischen mezzoforte und forte. Aber: Die Stimme scheint wieder richtig fokussiert zu sein, die Intonation sitzt, seine Bühnenpräsenz ist zweifellos einnehmend.


Dieser Kritiker hat offensichtlich keinen Blick in die Partitur riskiert, sonst hätte er erkannt, dass es in der Partie schlicht keine extremen Höhen gibt, der Umfang geht von dem oben genannten H bis zum a' was noch gut von einem hohen Bariton erreicht werden kann. Wenn Villazon damit Probleme gehabt haben sollte, so ist das für seine (hoffentlich positive) weitere Entwicklung nach der Stimmband- Op wahrscheinlich wesentlich bedenklicher als ein nicht 100% gelungenes tiefes H.
Severina (12.07.2011, 13:54):
Lieber Golioni,

erst einmal vielen Dank für Deine Erläuterungen zur Partitur, die für mich sehr interessant sind, weil ich selber leider keine Partituren lesen kann. Das relativiert natürlich Villazóns "Probleme" mit der Tiefe in der Tat, was die Höhe betrifft, kann ich nur hoffen, dass sie nicht allzu gravierend waren. In der GP, auf die sich meine Ohrenzeugen beziehen, muss er sie jedenfalls sehr gut gemeistert haben. Aber ich weiß aus eigenem Erleben, wie oft Sänger nicht in der Lage sind, ihre Leistungen von der GP bei der PR zu wiederholen.
Dass Villazón keine optimale Leistung erbracht hat, kann ich mir leider aufgrund meiner eigenen Erfahrungen in den letzten Jahren gut vorstellen. Ich war von vornherein sehr skeptisch, was seine Eignung als Mozartsänger betrifft, und dann angenehm überrascht, dass es offensichtlich kein Fiasko geworden ist, wie ich ehrlich gesagt befürchtet hatte.

Was aber die Badische Zeitung betrifft, so dürfte die wohl aufgrund diverser Beschwerden ihren Fehler in der Onlineausgabe korrigiert haben, denn ursprünglich stand da wortwörtlich: "in musikalischer Hinsicht trägt Rolando Villazóns Wechsel ins Tenorfach reife Früchte." Diese Textversion liegt mir im Pressespiegel der Züricher Oper vor, ich kann sie Dir gerne mailen, falls Du mir nicht glaubst. (Auch in der Presseabteilung der OZ gab es Anrufe wegen dieses "Fachwechsels", wie ich von Freunden weiß.)

lg Sevi :hello
golioni (12.07.2011, 15:48):
Original von Severina
... Diese Textversion liegt mir im Pressespiegel der Züricher Oper vor, ich kann sie Dir gerne mailen, falls Du mir nicht glaubst.
lg Sevi :hello

Liebe Sevi,

warum sollte ich dir nicht glauben, ich habe deine vielen Beiträge hier im Forum mit großen Interesse und viel Freude gelesen und hatte dabei das Empfinden, dass du immer versuchst sehr ehrlich und so objektiv wie möglich deine Eindrücke zu schildern, ich käme nie auf die Idee an deiner Aussage zu zweifeln. Ich dachte eher, dass womöglich eine Verwechslung vorliegt und du dich auf eine andere Zeitung oder einen anderen Artikel bezogen hast.

BTW vor einiger Zeit war in einem Online-Klassik-Magazin sinngemäß zu lesen, dass der Tenor Leo Nucci die Titelpartie in Rigoletto singen wird. Ich habe daraufhin einen zugegebenermaßen etwas ironischen Kommentar geschrieben, das "ich es interessant finde dass Leo Nucci es noch in dem Alter schafft vom Bariton in das Tenorfach zu wechseln"usw.
Der Kommentar wurde natürlich nicht veröffentlicht, sondern der Text kommentarlos geändert.
Severina (12.07.2011, 17:42):
Lieber Golioni,

danke für die Blumen, aber meine Berichte entspringen dem reinen Bauchgefühl, weil ich leider über keinerlei musikalische oder musiktheoretische Ausbildung verfüge und auch mein Gehör weit davon entfernt ist, absolut zu sein. Umso interessanter finde ich dann eben Ausführungen zur Partitur wie oben von Dir, und ich würde mir wünschen, von Dir einmal eine Rezension zu lesen!

Als ich übrigens Dein Zitat aus der Badischen sah, dachte ich auch im ersten Moment "Hoppla, wo hab ich denn da hingeschaut!" und nahm mir sofort noch einmal den Pressespiegel vor, aber zu meiner Verblüffung existieren tatsächlich beide Varianten, die Deine und die meine. Online kann man Fehler halt schnell korrigieren, gedruckt bleibt der Fauxpas stehen.

lg Sevi :hello
golioni (14.07.2011, 12:45):
Liebe Sevi,

nur damit keine Missverständnisse aufkommen, ich bin absolu kein Partiturfetischist. Ich habe weder einen Stapel Partituren auf dem Klavier liegen(oder noch besser eine unter dem Kopfkissen) noch würde ich auf die Idee kommen eine Partitur mit in eine Opernaufführung zu schleppen. Es gibt aber durchaus Gelegenheiten wo ein Blick in die Partitur zum eigenen Verständnis der Musik oder zur Beurteilung einer Interpretation ganz nützlich sein kann, dazu vielleicht an anderer Stelle mehr, sonst kommen wir zu weit vom eigentlichen Thema weg.
Darum schnell zurück zu "Il re Rolando", denn es sind die ersten Ausschnitte bei youtube aufgetaucht:

Il re pastore - Zürich

Ua ist Villazon mit einem kurzen Ausschnitt aus der Arie "Se vincendo vi rendo felici " aus dem 2.Akt zu hören, etwa ab 8:30.
An den Stellen 8:35 und 8:41 ist jeweils ein tiefes c gefordert und das erreicht er tatsächlich nur etwas mühsam. In den Koloraturpassagen geht es in der Höhe 2 mal bis zum a', wie weiter oben schon erwähnt der höchste Ton in der Partie des Alessandro. Hier kann ich den Kritiker nicht ganz folgen, der gehört haben will , dass "extreme Höhen gekonnt umschifft werden".
Zum Vergleich kann man sich noch 2 andere Sänger mit dieser Arie anhören:

Jerry Hadley - Se vincendo vi rendo felici
Paul Agnew - Se vincendo vi rendo felici

Der Ausschnitt den Villazon singt ist bei Hadley etwa ab 4:00 und bei Agnew ab 3:28 zu hören.
Ich bin auf eure Meinungen dazu gespannt.
Severina (14.07.2011, 17:10):
Lieber Golioni,

keine Bange, ich habe Dich ganz bestimmt nicht zu den stumpfsinnigen Partiturfetischisten gezählt, die mit Noten und Bleistift in der Oper sitzen und jeden kleinsten Fehler penibel vermerken.

Leider habe ich keinen externen Lautsprecher zu meinem PC, und der integirierte ist zu schwach, um die drei Hörbeispiele beurteilen zu können, weil ich nur Jerry Hadley einwandfrei hören kann, sowohl Villazón wie auch Agnew sind zu leise, Letzterer fast unhörbar. Gequält klingen Villazóns Höhen, so weit sie verständlich sind, auf mich nicht, aber wie gesagt, die Tonqualität ist einfach zu schlecht, um einen seriösen Kommentar dazu abgeben zu können.
Ich muss mich wohl wirklich endlich um externe Lautsprecher kümmern.

lg Sevi :hello
golioni (14.07.2011, 23:36):
Original von Severina

Ich muss mich wohl wirklich endlich um externe Lautsprecher kümmern.

lg Sevi :hello

Hallo Sevi,

billige externe Laufsprecher taugen leider auch nicht viel, wenn ich mal genauer hinhören will nehme ich einfach die Kopfhörer von meinem MP3-Player(Sennheiser cx-300), da gib es dann auch keine Probleme mit der Lautstärke. Im Gegenteil, der Wirkungsgrad von den kleinen Dingern ist so hoch, dass ich die Soundkarte am Pc ganz leise stellen muss, sonst bläst es einem die Ohren ab, relativ günstig sind die Teile auch noch, ich glaube so um die 20-25€.
Severina (14.07.2011, 23:47):
Danke für diesen Tipp, dann werde ich mich einmal um so ein Teil kümmern. Allerdings bin ich in nächster Zeit nicht in Wien, das kann also noch dauern. Aber ich bleibe am Ball :D!

lg Sevi :hello
Severina (10.09.2011, 21:38):
Gestern durfte ich nach (zu) langer Zeit Rolando Villazón endlich wieder einmal live hören, wenn auch nur im Tenorpart des Vedi-Requiems (Scalagastspiel unter Barenboim, außer RV sangen Violetta Urmana, D. Bacellona, Alexander Vinogradov).
Wie befürchtet, tat sich Villazón schwer, gegen Chor- und Orchestermassen zu bestehen, in den Ensembles ging er ziemlich unter. ABER: Seine Soloparts (besonders das "Ingemisco") bewältigte er ungemein stimmschön und ausdrucksintensiv, aber auch sehr kontrolliert, d.h. er ließ dem emotionalen Gaul nie die Zügel schießen (bei ihm bekanntlich immer eine Gefahr). Vor allem aber, und das war für mich das Schönste am gestrigen Abend, klang er endlich wieder 100%ig nach Rolando Villazón!!

lg Sevi :hello
Solitaire (11.09.2011, 17:05):
Welch eine schöne Nachricht! Danke! :)
Billy Budd (11.09.2011, 23:29):
Ich hoffe, Ihr verzeiht es mir, wenn ich die Euphorie bezüglich Rolando Villazón etwas trübe.
Ich war auch im Requiem und behielt von ihm einen sehr zweispältigen Eindruck (Abgesehen davon, dass ich sein Timbre überhaupt nicht mag.). Wie schon von Severina beschrieben war er in den Ensemblestellen nicht zu hören aber während seinen Solostellen müsste jeder gemerkt haben, dass diese Stimme einfach nur mehr kaputt ist. "Ausgepresst wie eine Zitrone" trifft den Nagel auf den Kopf. Ich würde ihm dringenst raten, den Münchener Hoffmann abzusagen (Und sollte er tatsächlich im Februar 2012 bei uns den Nemorino singen, werde ich mir - obwohl Alfred Šramek als Dulcamara besetzt ist - noch gut überlegen, ob ich die Vorstellung besuchen werde.). Sehr gut hat mir allerdings Alexander Vinogradov gefallen, aber das gehört nicht zum Thema.
Billy :hello
Ingrid (12.09.2011, 10:26):
Original von Billy Budd
Ich würde ihm dringenst raten, den Münchener Hoffmann abzusagen Billy :hello

Habe mir gerade die 3. Karte bestellt und hoffe doch, dass ich ihn wenigstens einmal erlebe, aber noch gespannter bin ich sowieso auf Diana Damrau.

Liebe Grüße
Ingrid
Billy Budd (12.09.2011, 20:20):
Liebe Ingrid,
es freut mich, dass Du Karten bekommen hast; nur - ich will Dir keinesfalls die Vorfreude trüben - glaube ich kaum, dass Villazón für den Hoffmann die erforderlichen stimmlichen Qualitäten besitzt.
Es würde mich freuen, wenn Du von Deinen Eindrücken berichten würdest.
Billy :hello
Ingrid (12.09.2011, 20:41):
Lieber Billy,

natürlich würde ich es ihm und uns sehr wünschen, dass er den Hoffmann "stemmen" kann, aber ich befürchte auch, dass seine stimmliche Kraft nicht weit über die Premiere hinaus reichen wird.
Habe zum Glück eine Premierenkarte, wenn auch in der letzten Reihe in luftigen Höhen und so evtl. eine Chance, ihn wenigstens einmal zu hören :wink

Hoffe auch, dass es dann noch kompetentere Berichterstatter als mich gibt, aber ein wenig Senf werde ich sicher dazugeben können.

:hello Ingrid
Severina (12.09.2011, 21:44):
Liebe Ingrid,

dass Villazón wohl nie wieder die Form erreichen wird, die er vor seinen beiden Stimmkrisen und der Stimmband-OP hatte, ist klar - dazu bedürfte es eines Wunders - aber von "komplett kaputt" ist seine Stimme momentan gottlob ziemlich weit entfernt. Billy hatte offensichtlich in seiner relativ kurzen Karriere als Opernfan (Das meine ich nicht abwertend, jeder fängt einmal an!) noch keine Begegnungen mit wirklich desaströsen Sängern.
Allerdings sehe ich es genauso wie er, dass Villazón gut beraten wäre, den Hoffmann zu canceln, denn diese Partie beherrschte er schon zu seinen Glanzzeiten nicht wirklich. Ich habe ihn zweimal als Hoffmann erlebt und beide Male den Eindruck, dass seine Stimme dafür einfach zu klein ist, und nun kommen noch die bewussten anderen Probleme dazu. Ich fürchte also, er erweist mit dieser Partie weder sich noch seinen (kritischen!) Fans einen Gefallen.

Beim Nemorino sehe ich aktuell kein Problem, allerdings sind es bis dahin noch 5 Monate, und die letzten Jahre waren eine ständige Berg- und Talfahrt. Ich hoffe natürlich für den Februar 2012 auf eine "Bergphase" und hätte im Übrigen gar nichts dagegen, wenn viele Leute so negativ wie Billy dächten, denn dann bestünde vielleicht die Chance, dass ich für die beiden hoffnungslos ausverkauften Vorstellungen doch noch Karten ergattern könnte :wink :D!

lg Severina :hello
Solitaire (13.09.2011, 08:37):
Ich habe ihn im Requiem ja nicht gehört, aber ich kenne einen Werther-Mitschnitt der vor einigen Monaten entstanden ist, und hier ist er wirklich gut. Von ein paar kleineren Wacklern und Unsicherheiten zu Beginn mal abgesehen. Es wäre schade, wenn sich dieser gute Eindruck (und endlich mal wieder in dem, was er wirklich kann: Oper...) schon wieder zerschlagen würde. Bis auf Weiteres vertraue ich Severinas kompetenen Ohren, denn sie gehört ja wirklich zu denen, die nicht alles bejubeln nur weil "Villazón" draufsteht.
Beim Hoffmann bin ich auch etwas skeptisch, obwohl ich ihn gerne einmal in der Rolle erleben würde: zumindest darstellerisch liegen ihm diese neurotischen Jünglinge wie vermutlich zur Zeit keinem Zweiten seienr Generation. Da verzeihe ich auch stimmliche Patzer wenn es nicht gar zu heftig wird. Aber da mir Zeit und Geld fehlen wird es nix mit München. Ich hoffe dann auf Ingrids Bericht!

Hallo Billy!
Ich persönlich kann ja nicht verstehen wie einem RVs Timbre nicht gefallen kann, gerade das ist es ja, was selbst seine schärfsten Kritiker immer wieder lobend erwähnen: dieser zu Bestzeiten berückend schöne Stimmklang. Aber natürlich ist das Gescmackssache :beer

Ich hab's schon mal erwähnt: ich habe das Verdi-Requiem vor einigen Jahren in der Philharmonie in Köln gehört, auch hier hat Violeta Urmana den Sopranpart gesungen, außerdem Ramon Vargas im Tenor, Olga Borodina im Alt und Ferruccio Furlanetto in der Baßpartie
Die Leitung hatte damals Semyon Bychkov und es war ein ganz, ganz wudnerbarer Abend. Ich liebe dieses Werk :down
Severina (13.09.2011, 13:20):
Liebe Mina,

"kompetente Ohren" würde ich für mich nie in Anspruch nehmen, aber meine Parameter sind eben die beiden Züricher "Traviatas", wo ich wirklich mit Tränen in den Augen da saß und dachte: "Das war's, Rolando, addio!" Hätte damals jemand gesagt, dass seine Stimme komplett kaputt ist, hätte ich guten Gewissens nicht widersprechen können, beim Verdi-Requiem kann ich's, was Timbre, inneres Feuer und Interpretation betrifft. Nicht natürlich beim Stimmumfang, dieses Manko habe ich ja bereits erwähnt. In einer Kritik stand zu lessen, Villazón sang um sein Leben, kämpfte und gewann den Drahtseilakt, und das trifft es mE sehr gut.

lg Sevi :hello

PS: Kursiert eigentlich irgendwo eine Aufnahme des DG aus Baden-Baden? (Ich meine eine komplette, You-tube-Schnipsel mag ich nicht!) Da muss Villazón wirklich sensationell gewesen sein, denn zwei Freunde von mir, die ihn bis dato überhaupt nicht mochten, meinten zähneknirschend: "Ich sag's äußerst ungern, aber die beiden Ottavio-Arien habe ich live noch nie so schön gehört!"
Ingrid (13.09.2011, 14:34):
Original von Severina
Liebe Mina,

"kompetente Ohren" würde ich für mich nie in Anspruch nehmen, aber meine Parameter sind eben die beiden Züricher "Traviatas", wo ich wirklich mit Tränen in den Augen da saß und dachte: "Das war's, Rolando, addio!"

Liebe Severina,

Du bist, wie immer, sehr bescheiden, aber es gibt wirklich nur wenige Opernbesucher, auf deren Beurteilung ich mich so verlassen kann wie auf Deine.

In München wurden bei Rolandos Nemorino aus ähnlichem Grund Tränen vergossen. Ich hatte kurz vorher die Karten getauscht und kam so nicht in diesen fragwürdigen "Genuss". Da bin ich auch froh drum, denn es nimmt einfach total mit, wenn Lieblinge so am Ende sind.

Herzliche Grüße nach Wien
von einer arg angegrippten Ingrid, die eigentlich in dieser Woche Urlaub machen wollte. (Man hätte sogar noch locker baden gehen können :I )
Solitaire (13.09.2011, 23:08):
Hallo Severina!
Mir ist leider kein DG-Mitschnitt bekannt, ich hoffe daher auch auf die offizielle CD, die ja mit ziemlicher Sicherheit irgendwann erscheinen wird.
Der Besetzungszettel hat sich ja (trotz der Absage von Thomas Quasthoff die ich immer noch schade finde) sehr lecker gelesen. Allerdings habe ich irgendwo auch gelesen, daß angeblich jeder Künstler seine persönliche Mozart-Version vorgestellt hat und es nicht in jeder Sekunde eine überzeugende Ensembleleistung gewesen sei. Ich weiß nicht ob das stimmt, aber wenn ja wäre es sehr schade, denn so sehr ich Mozarts Arien auch mag, seine Ensembleszenen überragen m.E. selbst Perlen wie "Dalla sua pace" oder "Non mi dir" :down
Severina (13.09.2011, 23:15):
Liebe Mina,
ja, die hoffentlich bald erscheinende CD steht natürlich auch auf meiner Must-have-Liste :D! Ist zwar hier OT, aber Quasthoff muss wohl ernsthaft erkrankt sein, denn nach seinem Auftritt beim Jazzfestival im Juli hat er nun auch seinen LA nächste Woche abgesagt. Sehr traurig, ich hatte mich so auf seine Winterreise gefreut!

lg Sevi :hello
Solitaire (14.09.2011, 07:07):
Oh, ich wußte nicht daß er krank ist!
Ich habe ihn vor einiger Zeit mit seinem Jazzprogramm im Fernsehen gesehen,und obwohl es mir normalerweile nicht gefällt wenn klassische Sänger in fremden Revieren wildern, Quasthoff kann es!
Kurze Zeit später habe ich ihn auf ARTE mit den Kindertotenliedern gehört, ich gebe zu bei "In diesem Wetter in diesem Braus..." sind mir die Tränen nur so runtergelaufen...
In einem Portrait über ihn wurde eine Autogrammstunde gezeigt bei der ihm eine Konzertbesucherin gesagt hat daß er sie zum weinen gebracht habe.
"Oh! Das tut mir leid!" :cool
Hoffen wir, daß er sich wieder erholt.
OT aus
Billy Budd (14.09.2011, 17:24):
Liebe Severina,
Du hast natürlich recht; dank meiner kurzen "Karriere" als Opernfan (Heute Abend besuche ich meine 145. Vorstellung.) kann ich nicht gut beurteilen, ob eine Stimme wirklich kaputt ist, nur hatte ich am Samstag genau diesen Eindruck, den mir übrigens auch andere Besucher bestätigt haben (darunter ein nach eigener Abgabe großer Fan von Villazón).
Ich weiß, dass dies nicht zum Thema gehört, aber mich würde interessieren, von wessen Sänger, der in den letzten Jahren an der Staatsoper gesungen hat, die Stimme Deiner Meinung nach mehr ruiniert war.
Was den Nemorino angeht, befürchte ich, dass er - vorausgesetzt, er wird auftreten - ein Kaspertheater abziehen wird, aber warten wir es ab.
Ich wünsche ihm natürlich das Beste, nur bewerte ich die Lage sehr kritisch und halte es durchaus für wahrscheinlich, dass seine Karriere als Opernsänger in spätestens fünf Jahren zu Ende sein wird.

Liebe Solitaire,
wir sind uns einig, dass es sich bei der Beurteilung eines Timbres um eine rein subjektive Angelegenheit handelt.
Auf mich wirkt Villazóns Stimme immer sehr gepresst und angestrengt. Vor kurzem fiel mir eine Holländer-Aufnahme unter Barenboim, auf der Villazón den Steuermann singt, in die Hände. Ich kann nur sagen: Schrecklich! Du wirst natürlich einwenden, dass dies nicht sein Fach sei, aber auch die Traviata aus Salzburg reißt mich nicht von Sessel. Wie gesagt: Geschmackssache!
(Wenn es Dich interessiert: Mein Lieblingstenor ist - abgesehen von Peter Seiffert, der ja ein ganz anderes Fach singt - Piotr Beczala.)

Meinen Informationen nach hat Thomas Quasthoff den Liederabend aufgrund einer Stimmbandentzündung abgesagt.

Billy :hello
Severina (14.09.2011, 17:50):
Lieber Billy,
ich will Dich ja gar nicht überzeugen, wenn Du Villazóns stimmliche Verfassung so empfunden hast, ist das OK. Was die "Sekundanten" :wink Deiner Meinung betrifft, so könnte ich Dir ebenso viele aufzählen, die meiner Diagnose zuneigen (darunter Mitglieder eines Opernchores, also nicht ganz unbedarfte Leute), aber das trifft wohl auf jeden Sänger und jede Vorstellung zu: Fast immer wirst Du Leute finden, die vor Begeisterung flach liegen, und andere, welche die gleiche Leistung als letztklassig empfinden. Ich habe es schon längst aufgegeben, mir den Kopf darüber zu zerbrechen, wer nun Recht hat, denn wenn es um Empfindungen geht (und genau die lösen doch Musik und Stimmen aus), gibt es für mich kein richtig oder falsch. Jeder hat das Recht, mit seinen Empfindungen ernst genommen zu werden.
Wenn Du Dir die Zeitungskritiken durchliest, glaubst Du doch auch, die können nicht alle in der gleichen Vorstellung gewesen sein, so unterschiedlich fallen die Bewertungen der Sängerleistungen oft aus. Und das sind Profis! Ich würde mir nie anmaßen, mein subjektives Urteil absolut zu setzen und zu behaupten "So ist es!"

Wenn es nur um die Stimme geht, ist Beczala übrigens auch mein Lieblingssänger, nur ist Oper für mich Musiktheater, und da kann er leider auf der schauspielerischen Ebene mit Villazón und vor allem Kaufmann nicht mithalten. (Peter Seiffert hingegen hat in meinen Ohren seinen Zenit schon einige Zeit überschritten. Villazón natürlich auch, das steht außer Diskussion.)

Quasthoff hat alle Termine bis Jahresende abgesagt, es dürfte also eine ernste Stimmbandentzündung sein.

lg Severina :hello

PS: Deine Frage kann ich ad hoc schwer beantworten, weil ich Villazóns Stimme eben NICHT als kaputt empfinde. Aber ein für mich ziemlich abgesungener Sänger, der mich schmerzende Töne in Serie produziert, ist z.B. José Cura. Ich bin mir bewusst, dass jetzt ganze Hundertschaften empört aufheulen werden, aber wenn er am Schluss bejubelt wird, frage ich mich jedesmal, ob diese Vorstellung von der Firma Ohropax gesponsert worden ist.......
Heike (14.09.2011, 19:46):
Liebe Sevi,
Peter Seiffert hat in Berlin in diesem Frühjahr einen phantastischen Tristan gesungen! Ganz ganz einhellig wie selten wurde er von allen Kritikern hochgelobt und meines Erachtens völlig zu recht. Vielleicht nach dem Zenit noch mal neue Höhen???
Heike
Solitaire (14.09.2011, 21:21):
Original von Billy Budd
(Wenn es Dich interessiert: Mein Lieblingstenor ist - abgesehen von Peter Seiffert, der ja ein ganz anderes Fach singt - Piotr Beczala.)

Meiner Fritz Wunderlich. Und so sehr ich caro Rolando auch mag (und ich mag ihn SEHR), fällt mir doch schwer zu glauben, daß er "Dalla sua pace" schöner singen kann als es Michael Schade getan hat.

Ich kenne übrigens den Steuermann im Holländer auch von ihm, und auch wenn du mich jetzt kreuzigen wirst: ich finde das sehr schön :I :I :ignore :engel
Vielleicht können wir uns darauf einigen: es sind die Schlechtesten nicht die so kontrovers diskutiert werden.
Allerdings befürchte offen gestanden auch ich daß es in einigen Jahren mit der Opernkarriere vorbei sein könnte. :I


Zum Thema "abgesungener Sänger" fällt mir einer ein, den ich überaus schätze, der aber seinen Zenit ebenfalls hinter sich hat und an dessen Lippen ich dennoch gebannt hänge wenn er den "Hoffmann" singt: Neil Shicoff, dem ja im "Hoffman"-Thread ausführlich gehuldigt wird.
Beczala hat eine schöne Stimme, aber so leid es mir tut: wenn ich seinen Ottaviohöre habe habe ich immer das Gefühl er singt nach Lehrbuch. Er macht alles richtig, aber er packt mich nicht.
Da ist Michael Schade für mich persönlich eine GANZ andere Hausnummer, so unterschiedlich sind die Empfindungen.
Klick.
Ich denke, Rolando verzeiht mir, daß ich in "seinem" Thema einen seiner Mitbewerber anpreise :wink

Ich bin ja ohnehin davon überzeugt, daß die persönliche Vorliebe für Sänger A B oder C mehr über den Hörer aussagt als über A B oder C. So wie manche von uns gerne den lieben langen Tag im Anzug rumrennen und andere mit Tutu und Federboa. :beer
Ich bin eher der Feberboa-Typ und das schlägt sich in den Sängern meiner Wahl nieder: Drama, Baby! :cool
Billy Budd (15.09.2011, 23:12):
Liebe Severina,
es freut mich, dass Du in dieser Angelegenheit sehr tolerant bist und mich nicht birnst, wenn ich kundtue, dass ich einen Deiner Lieblingssänger nicht besonders schätze.
Meine "Sekundanten" habe ich übrigens nur erwähnt, um zum Ausdruck zu bringen, dass ich nicht der einzige bin, der so denkt; keinesfalls, damit meine persönliche Meinung als vollendete Tatsache dasteht. Um ein Beispiel zu nennen: Nach der gestrigen "Aridane"-Vorstellung sprach ich mit einer Musikstudentin und sie sagte mir, ihr hätte der Interpret des Bacchus sehr gut gefallen. Leider habe ich sie nicht gefragt, für was genau sie sich begeistern konnte, denn dies wüsste ich wirklich gerne.
Ich habe noch eine Frage: Wo bist Du denn beim Requiem gestanden? Es könnte ja sein, dass eine Stimme irgendwo anders klingt als auf der Galerie-Ganzseite.
Peter Seiffert - dessen sängerische Laufbahn gut geplant scheint - hat seine beste Zeit schon hinter sich - da stimme ich Dir zu -, aber was er noch immer als Tristan, Tannhäuser oder Siegmund bietet, begeistert mich immer noch; nicht zuletzt wegen seiner Gestaltungskraft und Textverständlichkeit (An Heike: Wie Herr Seiffert unlängst in einem Interview kundgetan hat, wird er den Tristen in der nächsten Wiener Neuinzenierung im März 2013 singen.).
Bei José Cura sind wir ebenfalls einer Meinung; die Cavalleria/Bajazzo-Vorstellungen im Juni 2011 waren skandalös. Mir bangt ja schon vor seinem nächsten Wiener Cavaradossi. Ich werde aber trotzdem hingehen, zumal mich Nina Stemme in der Titelrolle interessiert (Ich bin kein Fan von ihr, aber möchte sie trotzdem im italienischen Fach erleben.).

Liebe Solitaire,
Fritz Wunderlich - den ich natürlich nur von Konserven kenne - schätze ich auch sehr.
Was den Steuermann betrifft habe ich heute im Vergleich Villazóns und Wunderlichs Version nacheinander angehört. Kein Vergleich! Bei Villazón stört mich hier am meisten das Anschleifen von Tönen, die oberhalb des zweigestrichenen e liegen.
Aber ich gebe Dir recht: Sänger, die nicht polarisieren, sind in den meisten Fällen uninteressant.
Neil Shicoff betrachte ich übrigens nicht als pensionsreifen Tenor, nur als einen Sänger, der zum ersten im falschen Fach singt und zum zweiten sich sängerisch nicht wirklich weiterentwickelt hat (Cavaradossi mit 60+ geht natürlich nicht.). Letzte Saison hörte ich ihn als Hermann (Pique Dame) und in der Tosca (Bei letzterer war ich entzetzt.). Im Februar 2011 soll er übrigens ein sehr guter Vere gewesen sein; leider habe ich die Vorstellungen ausgelassen. Hier übrigens zwei Links und für einen 56-jährigen muss ich sagen: Allle Achtung! - Tosca-Vittoria; Tosca-Sternenarie.
Danke übrigens für den Link; Michael Schade singt das wirklich sehr schön.

So, jetzt sind wir ziemlich weit vom Thema entfernt.
Billy :hello
Bert (17.09.2011, 17:38):
Zu José Cura: ich kenne ihn kaum, denn schon aufgrund seines Repertoires kommt es selten vor, daß mir sein Gesang zu Ohren kommt; als des Grieux fand ich ihn nicht so berauschend, wahrscheinlich weil ich generell solche Opern wie Manon Lescaut nicht so anziehend finde.
Aber als Samson gab er Olga Borodina einen um Längen besseren und einfühlsamen Partner, als es der brüllende (und sehr undeutlich artikulierende) Domingo tut.
Da ich Samson und Dalila schon gerne höre, habe ich mir die Aufnahme gerade mit José Cura gegönnt und finde ihn als eine sehr gute Wahl für diese Rolle und neben dieser Dalila-Darstellerin.

Zurück zu Villazon & co:

Vor diesem Hintergrund scheint mir sehr wichtig, die Sänger nach ihrer Eignung für die Rollen, die sie zu spielen/singen haben, auszusuchen, und nicht nach ihrer Popularität und "Quoten". Nur ganz wenige Ausnahmetalente und "harte Arbeitstiere", wie z.B. Waltraud Meier, kann man für mehrere verschiedene Rollen verwenden.
Die meisten Sänger sind schon mit drei Charakter-Rollen überfordert. Aber weil er/sie in der einen Oper bei dem Publikum (bei den Kritikern) gut ankam, werden sie von einer Rolle in die andere gepeitscht - solange die Kasse klingelt und sie noch ein paar Töne aus der Kehle kriegen.

Früher standen die Opernsänger 30 Jahre auf der Bühne, heute sind sie nach 10 Jahren "verbraucht" ...

Gruß, Bert
Solitaire (17.09.2011, 18:13):
Original von Bert. Aber weil er/sie in der einen Oper bei dem Publikum (bei den Kritikern) gut ankam, werden sie von einer Rolle in die andere gepeitscht - solange die Kasse klingelt und sie noch ein paar Töne aus der Kehle kriegen.


Mag ja sein, aber Villazón wurde m.E. nicht von einer Rolle in die andere "gepeitscht". Es ist sicher richtig, daß er Rollen gesungen hat die für ihn nicht ungefährlich sind (Don Carlo), dennoch ist sein Opernrepertoire (und über andere muskalische Exkursionen will ich nicht sprechen... :ignore )eher klein, was ich grundsätzlich nicht schlimm finde.
Es hat sich nach meiner Kenntnis seit 2005 auch nicht nennenswert vergrößert, wenn man mal vom Don Ottavio absieht.
Ich denke, RVs Stimmprobleme haben andere Gründe als zuviele (oder zuviele falsche) Rollen in zu kurzer Zeit, auch wenn sicher ab und an eine dabei war/ist die mit Vorsicht zu genießen ist.
Zefira (08.02.2012, 19:52):
Ich habe gerade im Magazin des Baden-Badener Festspielhauses ein Interview mit Villazón gelesen. Da erzählt er, er hätte einen Roman geschrieben, der demnächst veröffentlicht wird!

Es steht ausdrücklich "Roman" da, nicht Autobiographie!

EIn spannender Krimi aus dem Opernmilieu vielleicht? So was wünsche ich mir schon lange! :leb

Grüße von Zefira, die sich auf den Liebestrank freut
Severina (08.02.2012, 20:29):
Original von Zefira

Grüße von Zefira, die sich auf den Liebestrank freut]

Heißt das, dass Du nach Wien kommst?? Ich bin am 18. Februar auf jeden Fall in der Vorstellung, für den 22. muss ich mich erst um eine Karte raufen. Am 19. veranstalten die "Freunde der WSO" ein Gespräch mit Villazón im Ronacher, da bin ich natürlich auch dabei :D!
Und am 17. erscheint die neue Werther-CD mit ihm, also intensive Tage für Rolando-Fans :leb (Ein lieber Freund hat sie mir schon als Geburtstagsgeschenk angekündigt, ich bin also in froher Erwartung!)

lg Severina :hello

PS: Von dem Roman habe ich auch schon gehört, bin neugierig ob/was er am 19. darüber erzählt!
Zefira (08.02.2012, 20:35):
Ich bin am 3. März in Baden-Baden, Wien ist für mich leider zu weit, außer in den Ferien.
Baden-Baden ist eigentlich auch schon zu weit. Aber ich fahr trotzdem. :leb

Grüße von Zefira
Severina (09.02.2012, 10:08):
Recht hast Du, ich hoffe, Du berichtest dann ausführlich! Am 3. März muss Rolando von Wien her ja noch bestens eingesungen sein :D!

lg Sevi :hello
Solitaire (09.02.2012, 11:53):
Ist der Werther live oder im Studio eingesungen?
Billy Budd (09.02.2012, 11:57):
Liebe Solitaire,
Rolando Villazón meldete sich im Mai 2011 mit seinem Auftritt als Werther am Royal Opera House, London eindrucksvoll auf der internationalen Opernbühne zurück. Nun liegt die Live-Aufnahme dieser hochgelobten Produktion auf CD vor.
Quelle: Hier; letzter Aufrif am 9. Feb. 2012
Billy :hello
Solitaire (09.02.2012, 13:10):
Ah, danke!
Ich hatte die Freude, einen Mitschnitt davon vor einigen Monaten hören zu können, und er hat mir sehr gut gefallen. Bei caro Rolando bangt man ja immer wieder, aber von einigen verzeihlichen Unsicherheiten am Anfang mal abgesehen, konnte man wirklich sehr entspannt zuhören. Soweit man einem Rolando Villazón entspannt zuhören kann es geht ja grundsätzlich bei ihm immer um Leben und Tod und die GANZ großen Gefühle :wink


@Zefira
Oh, ja ein Krimi im Opernmillieu wäre toll. Mir hat damals der erste Brunetti-Roman sehr gut gefallen: "Venezianisches Finale" von Donna Leon. Ein Stardirigent wird während der Pause einer Traviata-Aufführung in La Fenice tot in der Garderobe gefunden.
Einer der Krimis aus der Zeit als Frau Leon mit ihren Romanen noch nicht Gott, die Welt und ganz Italien anklagen wollte sondern es um die simple Frage "Wer war's und warum?" ging...
OT aus.
Zefira (09.02.2012, 13:45):
Dann werde ich mir den besorgen. Danke für den Tipp!
Heike (11.03.2012, 13:13):
Liebe Sevi,
wie gefällt dir die Villazon-Werther-CD?
Heike
Severina (11.04.2012, 20:25):
Endlich Erfreuliches kann ich heute von unserem Sorgenkind berichten, wenn es sich auch um keinen Opernabend, sondern "nur" um einen Liederabend im Konzerthaus handelt.
Nach Villazóns kläglicher Darbietung als Nemorino im Februar
machte ich mich gestern mit eher gemischten Gefühlen auf den Weg ins Konzerthaus - was würde mich dort erwarten?

Nun, zunächst einmal ein sehr interessantes Programm, denn unter dem Titel "Schätze des Belcanto" präsentierte Rolando Villazón nicht, wie man es erwartet, die üblichen Verdächtigen, also Hitparadennummern quer durchs Opernrepertoire, sondern Lieder von Bellini, Donizetti, Rossini und Verdi. Als Novum wurde er dabei von einem Orchester begleitet, dem Nuevo Mundo Chamber Orchestra unter der Leitung von Guerassim Voronkov. Speziell gegen Ende, als Villazóns Kräfte doch nachließen, hätte er sich mit der üblichen Klavierbegleitung wohl leichter getan.
Das Programm war schon deshalb klug gewählt, weil Villazón damit allen Vergleichen, in erster Linie dem mit sich selbst, geschickt aus dem Weg ging. Er sang diese Lieder zum ersten Mal in Wien, und was mich betrifft, so kannte ich die meisten überhaupt nicht.

Den Beginn machte Bellini, "Vaga Luna" und "Torna vezzosa", und schon da zeigte es sich, dass sich caro Rolando in wesentlich besserer Verfassung als zuletzt befand. Die Stimme sprach in der Mittellage sehr gut an, die obere Registerverblendung funktionierte einwandfrei, die Höhen waren ersungen und nicht erkämpft, erstaunlich kräftig und schön ausschwingend, nicht aprupt abgerissen oder in einem schrillen Spitzenton endend. (Natürlich weiß ich nicht, ob Villazón nun wirklich alle notierten Töne getroffen hat, entscheidend für mich ist, dass es schön und sehr entspannt geklungen hat!) Auch dramatische Attacken, etwa bei den drei Verdiliedern, bereiteten ihm gestern keine Probleme.

Villazóns Problemzone waren einmal mehr die tieferen Lagen, da beginnt die Stimme merkwürdig zu flackern, etwas aus dem Fokus zu geraten. Bezeichnend, dass ihm anschwellende Töne wunderschön gelangen, abschwellende hingegen zu bröckeln begannen. Als musikalischer Laie kann ich natürlich nicht sagen, was genau da falsch läuft, rein gefühlsmäßig hat Villazóndie Stimme im unteren Register nicht so unter Kontrolle wie in den höheren Lagen. Leider neigt er dann dazu, das mit einem weinerlichen Tonfall zu kaschieren, für mich eine klare "Verschlimmverbesserung".
Wirklich erfreulich am gestrigen Abend war für mich, dass Rolando Villazón zumindest vor der Pause wieder nach Rolando Villazón klang, die Stimme wieder leuchtete und tenoralen Schmelz verströmte.

Nun sind acht (mit den drei Zugaben 11) ausgewählte Lieder natürlich nicht mit einer ganzen Oper zu vergleichen, und ich fürchte, dafür würden Villazóns Kräfte immer noch nicht reichen. Denn auch gestern zeigten sich in der zweiten Hälfte leichte Ermüdungserscheinungen - bei Donizettis "L'amor funesto" gab's eine Schrecksekunde, als er einen Ton zweimal ansetzen musste und sich dazwischen räsperte - wurden die Spitzentöne nicht mehr mit dieser Leichtigkeit erklommen wie z.B. bei den Bellinis.
Trotzdem bleibt unter dem Strich eine sehr erfreuliche Performance unseres Lieblings.

Eine typische Rolando-Performance war dann natürlich der Zugabenteil, wo er einmal mehr außer Rand und Band geriet, vom seriösen Sänger zum Clown mutierte und wie immer für meinen Geschmack das Rad dabei überdrehte. Seine weiblichen Fans überschütteten ihn mit Liebesgaben aller Art, bald verschwand Rolando unter Blumensträußen, Kuverts, Täschchen, Stofftieren usw. usw. Als ihm eines der Päckchen hinunterfiel, funktionierte er dieses Missgeschick flugs in eine Zirkusnummer um und erheiterte das Publikum minutenlang damit, dass er beim Versuch, ein Geschenk aufzuheben, zwei andere fallen ließ, und das in Dauerschleife. Er machte das wirklich wie ein Zirkusprofi, aber wie so oft überfütterte er den Affen mit Zucker. Zumindest ich fand's beim
x-ten "Ich hebe A auf, und B fällt mir runter" nur mehr albern. Aber ich bin wohl humorlos, denn das Publikum im ausverkauften Konzerthaus wieherte vor Begeisterung. Dass Rolando nicht ganz zu Unrecht von manchen als "Mr. Bean der Oper" bezeichnet wird, bewies er, als er mit einem geschenkten Stoffpüppchen Zwiesprache hielt, denn da wirkte er tatsächlich wie ein Klon des britischen Komikers.
Die Blumensträuße zerrupfte er und verteilte einzelne Blüten im Orchester und in der ersten Zuschauerreihe (Das wird die edlen Spenderinnen der teuren Buketts sicher gefreut haben....), einer Dame entwendete er den Fotoapparat und fotografierte damit selbst Orchester und Publikum, anschließend verschwand er damit in der Garderobe. Erst bei der letzten Verbeugungsrunde kriegte sie ihren teuren Apparat (Mit Megaobjektiv - die Fanin wollte wohl jede einzelne Wimper von caro Rolando für alle Ewigkeit festhalten!) wieder zurück. Ich an ihrer Stelle wäre stinksauer gewesen, denn sie konnte ja die ganze Zeit nicht fotografieren!!
Wie gesagt, Rolando war in Fahrt, gewährte seinen Fans exakt die Show, die sie sich von ihm erwarten. (Mir wäre ehrlich gesagt eine weitere Zugabe lieber gewesen, aber stimmschonender war natürlich die Clownnummer!)
Mit einem fulminanten "La danza" von Rossini wurden wir schließlich entlassen, und ich konnte nach einem Rolando-Auftritt endlich wieder einmal beschwingt den Heimweg antreten.

Mein Fazit: Keine Sternstunde (die Zeiten sind wohl wirklich vorbei), aber ein sehr gelungener Abend mit unserem Sorgenkind!

lg Severina :hello
Billy Budd (11.04.2012, 21:39):
Auch wenn ich mich nicht zu den Fans dieses Sängers zähle, freut es mich, dass er sich offenbar doch ein wenig erfangen hat.
:thanks für den Bericht!
Billy :hello
Fairy Queen (11.04.2012, 22:07):
Das ist ja eine schöne Nachricht! Danke fûr diesen Bericht. Ich kenne dieses Repertoire selbst sehr gut und insbesondere die Bellin-Canzonen sind Balsam für die Stimme- R.V. scheint endlich gute Berater zu haben oder selbst zu kapieren, was er singen sollte und was nicht. Diese "Composizione da camera" (so heissen sie offiziell, der Begriff Lied ist in Italien für klâssische Musik kaum geläufig), sind im Gesangsuntericht oft die Vorstufe zu Opernarien- ich habe sie rauf und runter gesungen. Am anspruchvollsten sind die Verdis, da gibt es einiges an dramatischem Potenzial und die Stimmlage der meisten dieser Stücke ist eher für Baritone oder Mezzi geeignet als für Soprane und Tenöre. es gibt aber auch einige hohe Stücke wie "La zingara" oder "Il spazzacamin" Die Rossinis eignen sich alle serh gut für hohe Stimmen, ohne das sie sonderlich exponierte Töne haben, am ehesten noch "L'orgia" aber über ein b geht da meiner Erinnerung nach auch nichts. Vaga luna ist einfach himmlisch und wird bei jeder sich bietenden Gelegenheit zum Besten gegeben- das ist Bellini für Puristen, nur halt ohne Koloraturen. Das Tolle an diesen Stücken ist, dass sie von sehr vielen Stimmtypen gesungen werden können und fast Allen gut tun- der Belcanto heisst nicht umsonst so, er ist einfach das Beste was man seiner stimme tun kann (neben Mozart, wenn man kein Tenor ist, aber Mozart ist für mich auch Belcanto. Ich hoffe, Rolando bleibt in diesem balsamischen Repertoire udn fängt nciht gleich wieder an, im grossen romantischen Fach zu kreischen. Wenn er stilistisch noch ein bisschen an sich arbeitet ist er sicher auch im Barock bestens versorgt,das hâtte ich ihn eh sehr gerne viel mehr gehört.

Was das abschwellen (decrescendo) der Stimme angeht, ist das deshalb so schwierig weil die Atemkontrolle sehr diffizil ist. Du kannst es mal selbst ohne zu singen versuchen: atme ein und atme dann auf sch oder ss oder ww aus und versuche wie das mit anschwellendem Volumen und abschwellenden Volumen sich im Unterbauch anfühlt( da wo die Bauch-Muskulatur das Zwerchfell stützt (Atemstütze), sprich es daran hindert,wieder in seine Ausgangslage zurückzuschnellen und dabei die Luft aus den Lungen zu pressen .
Ich freue mich jedenfalls für Rolando Villazon, denn ich habe diesen Sängern sehr ins herz geschlossen. einer der wenigen, die wirklich alles rückhaltlos und emphatisch gegeben haben und damit mein Herz berührten.

Es gibt eine wunderschône CD mit der Sopranistin Eva Mei, die ich noch versuche hier einzustellen.

B000003FT7

F.Q.
Severina (11.04.2012, 22:25):
Liebe Fairy,

ja, die beiden Bellinis waren auch Balsam für mein rolando-wundes Herz, denn die sang er einfach wirklich wunderschön. Danke für Deine Erläuterung zum Decrescendo, ich dachte immer, das Hinauf sei das Schwierige, hinunter singt sich's quasi von selbst. Wie man sich irren kann!
Im Mai werde ich caro Rolando (hoffentlich) in Zürich im "Re pastore" hören, da werde ich dann ja feststellen, ob er inzwischen wieder die Kraft für eine ganze Oper hat. Dass er in der nächsten Saison bei uns Alfredo singen wird, erfüllt mich schon jetzt mit Sorge.....

lg Sevi :hello
Zefira (12.04.2012, 10:50):
Danke für den Bericht, liebe Severina, da bin ich im Hinblick auf unseren "Elisir"-Besuch Ende Mai gleich etwas beruhigter ...

einer Dame entwendete er den Fotoapparat und fotografierte damit selbst Orchester und Publikum, anschließend verschwand er damit in der Garderobe. Erst bei der letzten Verbeugungsrunde kriegte sie ihren teuren Apparat (Mit Megaobjektiv - die Fanin wollte wohl jede einzelne Wimper von caro Rolando für alle Ewigkeit festhalten!) wieder zurück. Ich an ihrer Stelle wäre stinksauer gewesen,

... und mir fallen da sofort alle möglichen Spekulationen ein, was er in der Garderobe alles heimlich fotografiert haben könnte, ehe er die Kamera zurückgab ... :ignore

Gruß von Zefira
Severina (12.04.2012, 11:22):
Liebe Zefira,
wie gesagt, es waren nur 8 Lieder (+ 3 eher kurze Zugaben), und natürlich von Villazón sehr klug gewählt, also mit einer für ihn angenehmen Tessitura ohne exponierte Spitzentöne. Wohl auch deshalb kam sein ganz spezielles Timbre wieder einmal voll zur Geltung, und dieses Vergnügen hatte ich schon sehr lange nicht mehr.
Ob er allerdings mit den gestrigen Ressourcen eine ganze Oper auf gleichbleibendem Niveau packt - da bin ich ein wenig skeptisch. Auch beim Wiener "L'Elisir" begann er recht gut, aber dann ging's rasant bergab.
Aber seien wir einmal optimistisch :)!

lg Severina :hello

PS: Habe eben ein paar Kritiken gelesen, die nicht ganz zu Unrecht die Kürze des Programms bemäkeln - viel war's für die horrenden Kartenpreise wirklich nicht, denn zwischen den Liedern gab es vier Ouvertüren, um auf die zwei Stunden zu kommen, die ein Soloabend üblicherweise dauert.....
Karolus Minus (12.04.2012, 22:00):
Original von Solitaire
Ah, danke!
Ich hatte die Freude, einen Mitschnitt davon vor einigen Monaten hören zu können, und er hat mir sehr gut gefallen. Bei caro Rolando bangt man ja immer wieder, aber von einigen verzeihlichen Unsicherheiten am Anfang mal abgesehen, konnte man wirklich sehr entspannt zuhören. Soweit man einem Rolando Villazón entspannt zuhören kann es geht ja grundsätzlich bei ihm immer um Leben und Tod und die GANZ großen Gefühle

Wer Villazon als Werther auch SEHEN will, dem sei der Mitschnitt des französischen Fernsehens aus der Opera Bastille von 2009 empfohlen. Das ist für mich, auch wegen Susan Graham, kent Nagano und der Inszenierung von Jürgen Rose die ideale Version und IMO unendlich viel spannender als die szenisch doch sehr brave Koch/Kaufmann-Fassung. Leider haben es Graham/Villazon nicht zu DVD-Ehren geschafft. Youtube bietet eine mäßige Qualität in 21 Einzelteilen, aber man bekommt zumindest einen Eindruck
:hello
Karolus Minus
Severina (12.04.2012, 22:10):
Original von Karolus Minus

Wer Villazon als Werther auch SEHEN will, dem sei der Mitschnitt des französischen Fernsehens aus der Opera Bastille von 2009 empfohlen. Das ist für mich, auch wegen Susan Graham, kent Nagano und der Inszenierung von Jürgen Rose die ideale Version und IMO unendlich viel spannender als die szenisch doch sehr brave Koch/Kaufmann-Fassung. Leider haben es Graham/Villazon nicht zu DVD-Ehren geschafft. Youtube bietet eine mäßige Qualität in 21 Einzelteilen, aber man bekommt zumindest einen Eindruck
:hello
Karolus Minus

Das glaub ich Dir aufs Wort, denn obwohl ich Kaufmann sehr mag, fand ich diesen werther (vor allem die Inszenierung) einfach nur zum Gähnen!
Vielleicht besteht ja die Chance, dass irgendein TV-Sender einmal den Villazón-werther bringt, das wäre natürlich :down

lg Sevi :hello
Severina (21.05.2012, 23:12):
re pastore

Ich verweise für Rolando-Fans auf meine Rezension aus Zürich!

lg Severina :hello
Zefira (23.05.2012, 09:13):
Vielen Dank dafür! Wir werden ihn ja nächste Woche in Baden-Baden erleben. Ich fürchte, es wird eine Zitterpartie, aber ich freue mich trotzdem!

Grüße von Zefira
Mimì (24.05.2012, 22:08):
Auch von mir danke für den Link. :thanks
Mir scheint nach wie vor, er hat Probleme mit den tiefen Tönen. In der zweiten Hälfte des Videos gibt es eine Stelle, die das sehr gut zeigt. Irgendwie fehlt dabei der Glanz.
Insgesamt finde ich, dass die Stimme etwas metallisch klingt (zumal für Mozart), aber das kann auch an der Aufnahmequalität liegen. Ich denke, er reicht nicht an das Level aus seinen Glanzzeiten, aber auch jetzt singt er immer noch besser als viele andere :wink.
Severina (25.05.2012, 20:00):
Liebe Mimi,

ich bin ganz Deiner Meinung, in der Tiefe hapert es nach wie vor, und natürlich muss man als Villazónfan seine Ansprüche inzwischen herunterschrauben. Aber wie ich im Zürichthread geschrieben habe, kann ich mit seiner momentanen Verfassung gut leben.
Ich wünsche Euch jedenfalls, dass er sich in Baden-Baden so präsentiert wie als Alessandro und nicht so erbarmungswürdig wie als Nemorino zuletzt in Wien. Geprobt hat er jedenfalls brav, denn nach dem "Re pastore" wartete schon Dienstwagen + Chauffeur aus Baden-Baden, um ihn direttissima dorthin zu befördern.

Ich warte jedenfalls auf Euren Bericht :D!

lg Severina :hello
Heike (14.10.2012, 22:50):
Ich habe gerade zum ZDF umgeschaltet und was sehe ich gerade?
Rolando Villazón moderiert (gemeinsam mit Nina Eichinger) die ECHO Klassik- Verleihung. Ist das jetzt seine Zukunft, Show?
Billy Budd (15.10.2012, 16:56):
Original von Heike
Ist das jetzt seine Zukunft, Show?
Naja, da er keine jetzt Stimme hat, muss er sich Alternativen suchen.
Billy :hello
Manni (15.10.2012, 21:53):
Naja, hier singt er noch:
http://www.gramophone.co.uk/classical-music-news/villaz%C3%B3n-records-verdi-arias-for-dg

(neue Verdi-CD)
Honoria Lucasta (10.11.2012, 16:48):
Ich hatte eine Einladung zu Villazons Konzert am 1. November auf Menorca (wo er wohl auch zumindest zeitweise wohnt), konnte aber aus dienstlichen Gründen nicht fahren. Danach war für den 4. November ein Konzert im Münchner Prinzregententheater angekündigt. War jemand da? Ich wäre an einem fachkundigen Eindruck eines Forianers interessiert, denn den Zeitungen kann man in Bezug auf diesen Sänger eher weniger trauen...

Grüße von der feuchten Insel !

Honoria
Alte Fritz (13.11.2012, 09:29):
Guten Morgen,

hat jemand eventuell von R.V. schon die neue CD http://www.cd-lexikon.de/album_rolando-villazon-verdi.htm und kann eine erste Einschätzung abgeben?
Wäre nämlich an einem Kauf interessiert!

Grüße FRitz
Heike (14.11.2012, 08:49):
Die wurde im rbb Kulturradio gerade vorgestellt, noch für ein paar Tage hier in Kurzform nachzuhören: http://www.kulturradio.de/programm/musik/cd_der_woche/verdi.html

Es gibt im Radio auch täglich Auszüge daraus zu hören. Mich begeistert das bisher eher nicht, ich finde es irgendwie zu künstlich.
Heike
Alte Fritz (14.11.2012, 08:59):
Moin Heike,

besten Dank für Deine Einschätzung.

Ist doch nicht alles Gold was glänzt.


Grüße
Fritz
Solitaire (14.11.2012, 14:47):
Der Gute hat's aber auch schwer: bei Händel fallen die Puristen über ihn her, bei mexikanischer Folklore und Filmhits (beide CDs fand ich persönlich furchtbar...), mutmaßt man (auch ich :ignore ) daß es zu mehr offenbar nicht mehr reicht. Wenn es dann mal, ob mit ob ohne Studiotricks, halbwegs so klingt wie einst im Mai, ist es aber auch wieder nicht richtig :wink
Ich werde mir die CD vermutlich gönnen, es ist immerhin das erste Nicht-Crossover-Album seit einer gefühlten Ewigkeit und ich würde mir gerne in Ruhe anhören wie das klingt. Das Repertoire ist nicht sonderlich originell, außerdem hat er ganz ähnliches bereits auf seinem ersten Album eingesungen, aber was soll's.
Bei amazon kann man auch kurz reinhören:
Klick
Honoria Lucasta (18.11.2012, 14:41):
Ein Kollege aus Menorca, den ich gestern traf, meinte, es sei gut, daß ich mir die Mühe, von einer Insel auf die andere zu reisen, nicht gemacht hätte: er war bei dem Konzert dabei und sagte, das Programm sei "merkwürdig" gewesen (das ist sicher subjektiv), und nach 2 Nummern der 2. Hälfte habe Villazon das Konzert mit Rücksicht auf seine angegriffenen Stimmbänder abgebrochen. Große Enttäuschung und heftiges Befremden.

Tendenziell wird sich das Problem nicht so bald gegeben haben :(.

Grüße!

Honoria
Schweizer (02.01.2013, 21:40):
Ein neues, überaus trauriges Kapitel in der "Noch-Opernkarriere" des Rolando Villazon spielte sich am Sylvesterkonzert ab: er war in ganz übler Abend-Verfassung, ab dem g nach oben ging ungefähr gar nichts mehr; im Duett aus Don Carlo gelang es ihm Thomas Hampson derart zu irritieren, dass letzterer auch noch falsche Tonhöhen produzierte. Als Ausgleich seiner unterirdischen Leistung bot R.V. outrierendes Faxenschneiden, wilde Arm-
bewegungen, sein clowneskes Dauergrinsen mit weitaufgerissenen Augen!
Fazit: R.V. verkommt zur Knallcharge und lässt sich dafür auch noch feiern: schlimm, abstossend und jämmerlich!
Der Lichtblick der Gala war Olga Peretyatko.
Alte Fritz (02.01.2013, 21:50):
Moin Schweizer,

kann dem nur zustimmen!
War maßlos enttäuscht -

Gruß
Alte Gritz
palestrina (02.01.2013, 22:43):
Aber was hattet ihr erwartet?

Es war schauderhaft was RV abgeliefert hat. Und den T. Hampson hat es ja völlig aus der Bahn
geworfen habe jeden Moment gemeint er hört auf zu singen!

Aber Olga Peretyatko war einfach toll !

LG palestrina
Billy Budd (02.01.2013, 22:54):
Original von Schweizer
Fazit: R.V. verkommt zur Knallcharge und lässt sich dafür auch noch feiern: schlimm, abstossend und jämmerlich!
:beer
Ohne besagte Vorstellung miterlebt zu haben, aber am schlimmsten sind "Fans", die diese Witzfigur auch noch beklatschen.
Billy :hello
Honoria Lucasta (03.01.2013, 08:54):
Villazon macht ja -Stichwort: clowneskes Dauergrinsen- jetzt nichts anderes als vorher. Früher machte uns nur seine sängerische Leistung derartiges Knallchargieren vergessen.

Ich schrieb gestern einem Freund, der im SWR-Orchester spielend sozusagen hautnah dabei war:

"Villazon entwickelt sich immer mehr zur tragischen Figur der Opernbühne; ich möchte wetten, daß er auch am Silvester kurz davor war abzusagen (hab' ich recht?). Seine Nerven sind sein größtes Handicap, und da er das zunehmend weniger im Griff hat, werden auch seine Auftritte immer, sagen wir mal, durchwachsener."

Er hat mir nur noch leid getan - ein Silvesterkonzert mit Oberto(!), einem übel zusammengestoppelten Don-Carlos-Duett (das so détoné war, daß es selbst Unmusikalischen auffiel) und "La danza": das ist nicht mehr der Villazon, der uns früher hinriß, wenngleich es immer, immer schon ein Lavieren am Abgrund der Nerven war.

Es ist ja nicht verwunderlich, daß in Baden-Baden heftig auch noch dazu geklatscht wurde (dafür hat man ja auch einiges bezahlt!), aber es lagen trotzdem Welten zwischen dem -berechtigten- überbordenden Jubel für Olga Peretyatko, dem großen Zuspruch für Hampsons stimmgestalterische Leistung in der Maskenball - Arie und dem demonstrativ gemeinten und daher gleich abgeschmackt erscheinenden Claque-Jubel für Villazon.

Das war ein bitteres Erlebnis.

Grüße!

Honoria
Ingrid (03.01.2013, 10:43):
Das macht alles wirklich sehr traurig, was mit Villazon in den letzten Jahren passiert ist. Trotzdem käme es mir nie in den Sinn, einen, ehemals wirklich begnadeten Sänger, der sein ganzes Herzblut und seine Kraft in diesen Beruf steckt, als Witzfigur zu bezeichnen. Er wird halt Wege finden müssen und da ist Regie bestimmt die richtige Richtung, um im musikalischen Bereich zu bleiben, aber seine Stimme doch mehr zu schonen, um sie evtl. etwas später wieder aufblühen lassen zu können.
Wünsche Herrn Villazón wirklich das Allerbeste, da er mich sehr sehr oft bis tief ins Herz bewegt und beglückt hat.

Lg Ingrid
Manni (03.01.2013, 11:39):
Das tut mir wahnsinnig leid um RV. Konnte die Sendung nicht sehen. Kann man sie irgendwo nachhören?
Heike (03.01.2013, 12:17):
arte+7 (bis 7 Tage nach der Erstausstrahlung verfügbar)
http://videos.arte.tv/de/videos/silvestergala-2012--7158436.html
Heike
Hyacinth (03.01.2013, 12:53):
Hui das war ja grauslich... Die letzte Don-Carlos-Serie in Wien im Mai war auch nicht soo toll besetzt, aber dagegen war das damals spitze. Da haben nämlich die Töne gestimmt.
Armer Hampson, mit so jemanden Unterstimme zu sein ist sicher nicht lustig. Zum Schluss färbt Villazon schon deutlich auf ihn ab, sowohl von dem übertrieben verzweifelten Geschau als auch vom Mundaufreißen um wackelnde Töne zu produzieren.
Ich glaube nicht, dass Villazon stimmliche Leistung ausschließlich auf seine Nervosität zurückzuführen ist. Er singt einfach permanent falsche Rollen mit einer nicht wirklich profunden Technik. Das Problem ist ja, dass er nicht einmal Mozart ordentlich singen kann - wie man beim Star-besetzten Don Giovanni-Mitschnitt aus Baden-Baden hören kann (der gefällt mir übrigens gar nicht). Er kann nicht einmal aufs leichtere Fach zurückgreifen, was es natürlich schwierig macht. Da ist mir lieber, jemand singt Jahre lang dieselben Rollen, als er glaubt immer neues machen zu müssen und scheitert kläglich dran.
Als Witzfigur würde ich ihn auch nicht bezeichnen, da gebe ich Ingrid recht. Aber er sollte endlich erkennen, dass es nicht mehr geht.
Das mit dem Herzblut ist ja schön und gut, aber eben das wird ihm teilweise zum Verhängnis. Wenn man sich zu sehr von Emotionen leiten lässt und die Stimme aber nicht so automatisiert hat, dass die Technik unbewusst weiterfunktioniert dann macht man langsam aber sicher seine Stimme kaputt. Entweder man hat eine perfekt sitzende Technik oder man verzichtet aufs völlige Seelen-Striptease auf der Bühne und spielt gut, aber behält immer noch die Zügel in der Hand - auch nicht einfach, ich weiß.

lg,
Hyacinth :hello
Billy Budd (03.01.2013, 15:35):
Original von Ingrid
Trotzdem käme es mir nie in den Sinn, einen, ehemals wirklich begnadeten Sänger, der sein ganzes Herzblut und seine Kraft in diesen Beruf steckt, als Witzfigur zu bezeichnen.
Gibst Du eigentlich Deine Ohren regelmäßig an der Garderobe ab?

Meiner Meinung war der mexikanische Clown schon immer eine Witzfigur, weil er keine Ahnung von Gesangstechnik hat und als Opernsänger gehandelt wird.
Dass das nicht lang hinauen wird, war klar und ich bin beinahe ein bisschen froh, dass wir ihn jetzt los sind und wirklich gute Sänger (Beczala z.B.) immer bekannter werden.
Billy :hello
Schweizer (03.01.2013, 16:19):
an alle:
ich habe nochmals via den ARTE-link hingehört und bin überzeugt, dass beim Carlo/Posa-Duett mittlerweile manipuliert wurde, man jetzt nicht mehr den originalen Sound der live-Übertragung von Sylvester hört!
Hyacinth (03.01.2013, 16:43):
Auch wenn manipuliert wurde, war so schon schlimm genug...

@Billy: Bei Villazon war schnell abzusehen, wie sich seine Karriere entwickeln würde und eben das Missverhältnis von Klamauk und Stimmtechnik war offensichtlich, aber trotzdem kann man ihm nicht absprechen, dass er einmal über eine sehr gute, vielversprechende Stimme verfügt hat.

Hyacinth :hello
schwarzehand (03.01.2013, 17:19):
Original von Schweizer
an alle:
ich habe nochmals via den ARTE-link hingehört und bin überzeugt, dass beim Carlo/Posa-Duett mittlerweile manipuliert wurde, man jetzt nicht mehr den originalen Sound der live-Übertragung von Sylvester hört!
Es war von Anfang an keine Live-Übertragung, sondern zeitversetzt. Und bei RV's erster Arie hat man zwischendrin schon die Aufnahmen aus der Generalprobe reingeschnitten - da ändert sich der Ton ziemlich deutlich. Auch bei der TV-"Übertragung" hat man den Anfang vom DC-Duett weggeschnitten.
Billy Budd (03.01.2013, 19:20):
Original von Hyacinth
@Billy: Bei Villazon war schnell abzusehen, wie sich seine Karriere entwickeln würde und eben das Missverhältnis von Klamauk und Stimmtechnik war offensichtlich, aber trotzdem kann man ihm nicht absprechen, dass er einmal über eine sehr gute, vielversprechende Stimme verfügt hat.
Ja, das hat er (und hab ich auch nicht abgestritten), aber schon bei dieser (von 1999 stammenden) Aufnahme merkt man, dass er völlig falsch singt.
Billy :hello
Schweizer (03.01.2013, 20:56):
Stimmt, aber da konnte man auf Grund seines jugendlichen Alters, seiner Unerfahrenheit und der Wettbewerbssituation darauf hoffen, dass er sich technisch weiterentwickeln, sich noch verbessern werde.
Severina (11.01.2013, 22:48):
Ich habe mir dieses Konzert ganz bewusst NICHT angeschaut, weil es mich einfach zu traurig macht, was aus dieser einst so wunderschönen Stimme inzwischen geworden ist. Leichenfledderei war noch nie mein Ding..... Aus diesem Grund habe ich auch in die jüngste Verdi-CD nicht hineingehört und werde es auch nicht tun. Da höre ich mir lieber die alte Einspielung von 2004 an, wo Villazón noch in Bestform agiert.

Was die falsche Technik betrifft, so erinnere ich mich noch gut an eines seiner ersten Interviews, wo er auf die Frage des Reporters nach seinem Gesangslehrer nassforsch antwortete, er hätte gar keinen mehr, da er selbst am besten wisse, wie es um seine Stimme bestellt sei. Da befürchtete ich zum ersten Mal, dass Villazón wohl eine kurze Karriere mit frühem Ablaufdatum bevorstünde, denn jeder große Sänger arbeitet doch eng mit einem/mehreren Gesangslehrern zusammen, um sich einschleichende Fehler rechtzeitig erkennen und gegensteuern zu können. Dass Villazón darauf verzichten zu können glaubt, ist leider bezeichnend für ihn. Dass seine Stimme inzwischen irreparabel beschädigt ist, kann man leider nicht überhören. Natürlich gibt es zwischen desaströsen Darbietungen auch immer wieder gute, eine solche erlebte ich im Mai in Zürich mit "Il Re Pastore", aber das sind inzwischen leider die Ausnahmen von der Regel.
Ich denke mit großer Sorge an die beiden "Traviatas" an der WSO und hoffe ehrlich gesagt auf eine Absage.....

In seinen Anfängen gab Villazón übrigens ganz und gar nicht den Clown (Mit Ausnahme des Nemorino, den ich daher auch am wenigsten von allen seinen Partien mag), sondern bot psychologisch stimmige und erschütternde Rollenporträts. Sein Werther zählt ebenso zu meinen Sternstunden wie der Romeo an der Seite von Anna Netrebko, und auch den Salzburger Alfredo empfinde ich kein bisschen clownesk. Er ist ein unbekümmerter und übermütiger, bis über beide Ohren verliebter große Junge, und damit setzt er das Regiekonzept von Willy Decker ebenso genial um wie Anna Netrebko.

Zur "Witzfigur" wurde er erst in den letzten Jahren, als er seine nachlassenden vokalen Qualitäten mit übertriebenem und oft wirklich nur peinlichem Aktionismus zu kaschieren versuchte.

Ja, eine sehr traurige Geschichte...

lg Severina :hello
Schweizer (13.01.2013, 17:50):
Natürlich gibt es zwischen desaströsen Darbietungen auch immer wieder gute, eine solche erlebte ich im Mai in Zürich mit "Il Re Pastore", aber das sind inzwischen leider die Ausnahmen von der Regel.
In seinen Anfängen gab Villazón übrigens ganz und gar nicht den Clown (Mit Ausnahme des Nemorino, den ich daher auch am wenigsten von allen seinen Partien mag), sondern bot psychologisch stimmige und erschütternde Rollenporträts. Sein Werther zählt ebenso zu meinen Sternstunden wie der Romeo an der Seite von Anna Netrebko, und auch den Salzburger Alfredo empfinde ich kein bisschen clownesk. Er ist ein unbekümmerter und übermütiger, bis über beide Ohren verliebter große Junge, und damit setzt er das Regiekonzept von Willy Decker ebenso genial um wie Anna Netrebko.
Zur "Witzfigur" wurde er erst in den letzten Jahren, als er seine nachlassenden vokalen Qualitäten mit übertriebenem und oft wirklich nur peinlichem Aktionismus zu kaschieren versuchte.
Ja, eine sehr traurige Geschichte...

Hallo Severina, ich habe R.V. in der Decker-Traviata 2005 auch sehr beeindruckend und gut gefunden, stimmlich wie darstellerisch ... aber alles, was ich danach gesehen habe, ist für mich nie mehr auch nur annähernd an diese Leistung herangekommen. Und das hat seinen persönlich gefärbten Grund: für Alfredo hat mir sein ungestümes, sich
verschenkendes Singen und sein intensives Spiel für den um seine Liebe kämpfenden Heisssporn gefallen, das war für mich mit dem Charakter der Figur vereinbar, rollendeckend wie ich mir einen Alfredo persönlich vorstelle.
In allen nachfolgenden Partien hat sein mir übertrieben erscheinendes Spiel mich dann bereits gestört, weil es für mich nicht mehr zu den darzustellenden Rollen passen wollte. Da er aber (bis zu seiner ersten Stimmoperation/Stimmkrise) nachgerade gut sang, ging es für mich durch. (Als Beispiel erwähne ich Nemorino: da gibt er dem Affen einfach zuviel Zucker; und als weiteres Beispiel ein Lenski in Berlin, wo er in Clownsschminke/als veritabler Clown auftrat (auftreten musste) und mir mit dem Regisseur zusammen meine Lieblingsoper versaute. Und seit der Zeit als seine sängerische Leistung nicht mehr stimmte, wurde er für mich
zum Ärgernis ... und dieser Tage finde ich ihn in seiner traurigen Falschheit (Grinsen/Kasperln statt Singen) nur noch abstossend, mein Mitleid hat er verspielt!
Ich habe den "Il re pastore" ein Jahr früher als Du in der Premièrenserie erlebt: da ging er sängerisch sehr vorsichtig-zurückhaltend zu Werke, es war okay, mehr nicht, denn unten kam nur heisse Luft, für einen "Starsänger seines Ranges" eindeutig zu wenig.
Gruss vom Schweizer
Severina (13.01.2013, 18:28):
Lieber Schweizer,

ich verstehe sehr gut, was Du meinst, ich empfinde es ganz ähnlich. In dem Maße, in dem sich die Stimme verabschiedete, nahmen die Kasperliaden zu.

Villazón muss in der 2. Re-Pastore-Serie viel besser gewesen sein als im ersten Block, wie mir meine Züricher Freunde versicherten, die absolut keine Fans von ihm sind. Außerdem hatte ich ihn da zuvor als wirklich miesen Nemorino in Wien erlebt und war daher angenehm überrascht über seine Leistung als Alessandro. Auch schauspielerisch agierte er für seine Verhältnisse beinahe zurückhaltend.

Die Villazón-Sternstunden erlebte ich zwischen 2002, wo er mich als No-name in der Bregenzer "Bohème" begeisterte, und 2006, von da an ging's bergab mit der Stimme und bergauf mit dem Outrieren.

lg Severina :hello
Allegra (26.03.2013, 18:49):
Ich habe gerade dieses Interview gefunden.

Irgendwie stimmt mich das traurig, zumal, wenn ich Severinas Berichte aus der Wiener SO im Kopf habe.
Maurice inaktiv (26.03.2013, 21:02):
Ich möchte hier vielleicht mal etwas zum Thema "Atemtechnik" sagen:

Auch wenn ich nicht singe,ist die Zwerchfellatmung für beide Seiten der Grundstein.Deise scheint RV nie richtig erhalten haben.

Wer diese Technik nie RICHTIG erlernt hat,wird logischerweise über Kurz oder Lang auf die Nase fallen,da kann noch so viel Talent nicht mehr helfen.

Man ermüdet sehr schnell,beim Blechbläser beginnen die Probleme mit der Lippe,beim Sänger wird die Stimme dünn oder muss so forcieren,dass er schreien muss.

Es ist völlig klar,dass ein MUSIKER nervlich Probleme bekommt,wenn er,wie RV auch,für eine Wahnsinnsgage eine Leistung zu erbringen hat,die er im Grunde nicht mehr bringen kann.

Ihr könnt euch sicher sein,dass ER das auch ganz genau weiß.Das jetzt von Grund auf zu ändern,würde im besten Falle 2 Jahre dauern,da er ja auch noch mit anderen Problemen zu kämpfen hatte die letzten Jahre.

Ich kenne RV Lebensgeschichte seit seiner Stimmbanderkrankung (es war doch eine,oder?) nicht,habe ihn auch nicht singen gehört oder gesehen,kann also nur einmal beschreiben,wie ich es rein technisch sehe.

Als RV damals begann bekannt zu werden,kam er mir sehr sympathisch und auch nicht dumm rüber,also dürfte er sich darüber im Klaren sein,dass er mit jedem Auftritt seiner Gesundheit weiterhin schaden wird.

Ob er deshalb gleich als Regisseur eignen würde,finde ich doch etwas zu weit hergeholt.

Ich denke,dass er Ende dieses Jahres seine Sängerkarriere aus "Gesundheitlichen Gründen" erst einmal beenden ,und dann sich komplett von der Szene zurückziehen wird.

Übrigens sehe ich in dem Dirigenten Gustavo Dudamel auch einen Kandidaten,der viel zu früh zu hoch gepuscht worden ist,und der jetzt im Kernrepertoire seine massiven Probleme offenbahrt.

Sollte er es nicht packen,wird er mit RV bald über "alte Zeiten" reden können....
satie (26.03.2013, 23:10):
Das stimmt! Ich habe mir Dudamel ganz genau angesehen und festgestellt: der atmet kein Stück mit dem Zwerchfell!!!
Und damit nicht genug: viele, ja die meisten anderen Dirigenten tun es ebenfalls nicht. Skandalös, dass man heutzutage nicht mehr auf die Technik achtet in der Ausbildung. Man schaue sich mal beispielsweise diesen David Fray an: der spielt ausschließlich mit den Haaren statt mit den Fingern (die braucht er nur zum Gestikulieren, während er erklärt, warum er spielt wie er spielt, weil man es offenbar ja nicht hört, wenn er spielt). Dasselbe macht David Garrett auf der Fiedel (wo man mit Haaren immerhin Töne erzeugen kann), und das kann ja nun kein Zufall sein, wenn gleich zwei der jungen Wunderknaben derart fehlgeleitet sind (die haben verdächtigerweise auch noch denselben Vornamen... ich wittere eine Verschwörung...). Wahrscheinlich haben sie den selben Frisör, anders kann ich mir das nicht erklären. André Rieu hingegen erhielt seine Ausbildung nur anfänglich bei seinem Coiffeur und bildete sich noch fort bei seinem Dentalmediziner. Das alles hat es früher schon gegeben, aber da waren es Ausnahmen. Aber heute... die einzigen Dirigenten mit Zwerchfellatmung sind Peter Schreier und René Jacobs, und das hört man ja auch sofort. Boulez übrigens, der ja bekanntlich nie mittels Zwerchfell komponiert hat, nutzt es auch beim Dirigieren nicht, hat aber seit jeher denselben Frisurbonus wie Heinz Holliger (wenn auch ohne Dental-Zusatz, was man leider auch immer gleich heraushört).
Viele haben immerhin aber das Talent, das Zwerchfell zu reizen, wenn sie spielen. Wenn auch nicht das eigene, sondern das der Zuhörer...

Aber fahren wir fort, ich werde darauf zurückkommen.

Herzlich,
S A T I E
Maurice inaktiv (26.03.2013, 23:52):
Ich bin kein Freund von André Rieu,aber ER hat eine hervorragende Ausbildung genossen (an den Konservatorien in Hilversum und Lüttich) und war Konzertmeister im Limburg und,ich glaube,in Rotterdam.Letzteres aber weiß ich nicht wirklich.

Alleine damit ist der den Villazons haushoch überlegen....

Wenn Du mich jetzt auf den Arm nehmen möchtest wegen der Zwerchfellatmung bei einem Dirigenten,so ist es Dir gelungen....

VG,Maurice
Severina (27.03.2013, 00:19):
Satie: :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl

lg Severina :hello
Maurice inaktiv (27.03.2013, 01:10):
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satie (27.03.2013, 08:28):
Original von Maurice André
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Lieber Maurice,
ich lauere immer auf eine Chance, meine SATIErische Seite zu zeigen.
Dich nehme ich natürlich nicht auf den Arm, aber die Vorlage war so schön...
Kennst Du das hier schon? :
das-klassikforum.de/thread.php?threadid=782
Maurice inaktiv (27.03.2013, 10:11):
Oh,das ist zu gut... :tongue:

Wenn ich so manchen "Konzertgänger" sehe,könnte in vielen Punkten zutreffen...

VG,Maurice
Fairy Queen (28.03.2013, 14:49):
Original von Maurice André
Ich möchte hier vielleicht mal etwas zum Thema "Atemtechnik" sagen:

Auch wenn ich nicht singe,ist die Zwerchfellatmung für beide Seiten der Grundstein.Diese scheint RV nie richtig erhalten haben.

Lieber Maurice, könntest Du bitte mal nâher erklären was du unter Nicht-"Zwerchfellatmung" verstehst? Rein anatomisch gibt es überhaupt keine andere Atmung als die mit dem Zwerchfell. Das Zwerchfell ist der Riesenmuskel in Fallschirmform, der Thorax und Abdomen trennt und der sich bei jedem Menschen, ob Sänger oder Dirigent, mit der Einatmung senkt und mit der Ausatmung hebt. Rolando Villazon brauchte das nicht zu lernen das gehört zum Standard-Equipement des Menschen, wenn er aus dem Mutterleib kommt. :D
Das was man als Sänger lernen muss ist, das Zwerchfell daran zu hindern, zu schnell wieder nach oben zu schnellen und damit die Lungen zusammenzudrûcken und nicht mehr genügend Luft darinnen zu haben Zum Singen braucht man leider viel mehr Luft als zum Sprechen und normalen "Leben". Ziel der Sängeratmung ist, alle Stütz- und Haltemuskeln zu trainieren um einen kontrollierten Ausatmen zu ermôglichen, bei dem das Zwerchfell nicht macht, was es am liebsten will, nämlich faul sein und ent-spannen und nach oben schnellen. Wer nciht singt oder blâst oder trötet und wissen will wie das geht kann mal in einen Strohhalm pusten und achtsam sein, welche Muskeln da im Bauch und Unterbauch beteiligt sind. Und dann loslassen und nochmal versuchen aber mit kontrolliertem Loslassen.
Lieben Gruss aus den Tiefen des Zwerchfells
:engel
Maurice inaktiv (28.03.2013, 15:00):
Immer diese Schnipselzählerei...

Man nennt es "Zwerchfellatmung",und es geht letztendlich darum,die "Stütze" zu haben,um die Töne zu halten und zu tragen.

Ein Sänger ohne diese "Stütze" würde weder einen Ton lange genug halten können,noch eine saubere Intonation hinbekommen.

Beim Bläser kommt der Ansatz und die Lippe dazu.

Ich kann es nicht besser erklären.Sollte es nicht genau genug sein,sorry....

VG,Maurice
Severina (28.03.2013, 15:25):
Original von Maurice André

Ich kenne RV Lebensgeschichte seit seiner Stimmbanderkrankung (es war doch eine,oder?) nicht,habe ihn auch nicht singen gehört oder gesehen,kann also nur einmal beschreiben,wie ich es rein technisch sehe.


Ob er deshalb gleich als Regisseur eignen würde,finde ich doch etwas zu weit hergeholt.

Ich denke,dass er Ende dieses Jahres seine Sängerkarriere aus "Gesundheitlichen Gründen" erst einmal beenden ,und dann sich komplett von der Szene zurückziehen wird.

.

Lieber Maurice,

eine bescheidene Frage: Worauf basiert Deine Analyse, wenn Du Villazón gar nicht gehört hast? (Das Sehen spielt bei der Beurteilung seiner Leistung als Sänger ja keine Rolle!) Was beschreibst Du denn dann "rein technisch"?

Regie hat Villazón bereits zweimal geführt, den "L'Elisir" fand ich ganz witzig, wenn ich auch die teilweise euphorischen Kritiken nicht ganz teilen kann.

Solltest Du auf den 3. Punkt wetten wollen, würdest Du diese Wette sicher verlieren. Villazón wird heuer seine Karriere ganz bestimmt nicht beenden, und selbst wenn er mit dem Singen aufhört (Was ich sehr vernünftig fände, will er seinen Nimbus nicht komplett ruinieren) - aus der Szene wird er sich todsicher nie zurückziehen. Schon jetzt tut er doch alles (und im Hinblick auf seine klägliche Vefassung vielzu viel!), um medial präsent zu sein, sitzt hier in einer Jury, talkt dort mit X,Y,Z, moderiert Talenteshows usw. usw. Villazón braucht die Öffentlichkeit wie die Atemluft, also ist ein Rückzug völlig undenkbar. In irgendeiner Form wird er der Musikwelt erhalten bleiben, da bin ich ganz sicher. Ob das jetzt die Regie ist, ein eigenes Fernsehformat oder etwas in der Art, wird die Zukunft zeigen. Und so lange seine Fans jubeln, ganz egal, wie er singt, wird er auch überhaupt keinen Grund sehen, seine Sängerlaufbahn zu beenden.

lg Severina :hello
Zefira (03.04.2013, 21:22):
Ich habe die SATIErische Entwicklung hier zwar leider etwas spät gesehen, kann mir aber nicht verkneifen nachzutragen: Instrumentalisten, die mit den Haaren spielen, gibt es in der Tat zuhauf (Sol Gabetta zum Beispiel beherrscht das souverän); und auch Sänger, die mit den Zähnen singen, soll es geben (Vivica Genaux!); es gibt Schauspieler, die irgendwo zwischen den Zähnen schauspielern (Til Schweiger!) und Jimi Hendrix ewigen Angedenkens hat sogar mit Haaren auf den Zähnen Gitarre gespielt.

Ich kann leider gar nichts, obwohl ich sowohl Haare als auch Zähne habe.

Zähneklappernde Grüße
Zefira
palestrina (03.04.2013, 22:53):
"In irgend einer Form wird er der (Musik) Welt erhalten bleiben"

Heute morgen im MOMA , spielte er wieder den Pausenclown , und alle Zuschauer waren begeistert !
Wer es mag !

Ein leidender Fan!!!!!!!
LG palestrina
Heike (04.04.2013, 00:00):
sein Auftritt in Berlin letzte Woche
Maurice inaktiv (04.04.2013, 00:21):
Ich muss einen Sänger nicht hören,das ist nicht notwendig.Wenn jemand keine profunde Atemtechnik besitzt,wird er/sie ob kurz oder lang in Schwierigkeiten geraten,das sollte selbst dem Ahnungslosesten Hörer einleuchten,oder nicht?

Aber zur Beruhigung,ich habe ihn als er noch fit war,falls es möglich war,nur fernsehtechnisch gehört,live nicht.

Ob jemand mit "wehenden Haaren" spielt,hat mich noch nie inetressiert,auch nicht,ob jemand Haaren auf den Zähnen hat.Mir kann das nicht mehr passieren,ich habe nicht mehr allzu viele,und die sind ganz kurz.... :D

Ich habe im Übrigen nichts gegen Rolando.....

VG,Maurice
Zefira (04.04.2013, 10:25):
Wer des Spanischen mächtig ist, kann schon mal Rolandos ersten Roman lesen.

Malabares

Leider habe ich keine deutschsprachige Seite finden können, aus der man erlesen könnte, worum es in dem Buch geht; kann jemand helfen?

Grüße von Zefira
Allegra (04.04.2013, 11:10):
Hab ich auch gerade gesehen, aber des Spanischen bin ich dummerweise nicht mächtig. Auf FB gab's eine knappe englische Zusammenfassung:

"The story tells the tale of Balancín and Macolieta, living in parallel worlds through the pages of a diary that chronicles their sufferings and hopes."


Wenn das Buch gut ist, wird die Übersetzung nicht lange auf sich warten lassen. :wink
Aber ich kram mal in meinem Bekanntenkreis, irgendwer kann Spanisch ...

(Es soll um einen Rocksänger gehen, mit Rückenverletzung, der dann auf Macolieta trifft und die beiden einander über Tagebucheinträge kennenlernen ...)
Zefira (04.04.2013, 11:17):
Parallelwelten interessieren mich immer, darüber schreibe ich auch gerade ... :beer
Allegra (04.04.2013, 12:19):
Guck an - du auch? Na, dann willkommen im Club. :beer
Ich sitz auch noch dran ... :tongue:
Severina (04.04.2013, 21:15):
Original von palestrina
"In irgend einer Form wird er der (Musik) Welt erhalten bleiben"

Heute morgen im MOMA , spielte er wieder den Pausenclown , und alle Zuschauer waren begeistert !
Wer es mag !

Ein leidender Fan!!!!!!!
LG palestrina

Ich leide mit Dir :I (Vielleicht stimmt das ja mit dem geteilten Leid...)
lg Severina :hello
Heike (09.04.2013, 13:36):
http://www.kulturradio.de/rezensionen/buehne/2013/konzerthaus-berlin-barenboim-villazon.html
die Dramen steigern sich
Maurice inaktiv (09.04.2013, 15:11):
Diese Kritik ist absolut vernichtend und müsste eigentlich zur sofortigen Absage aller Konzerte führen.Den Besuchern müsste man ebenfalls die Hälfte des Eintrittspreises erlassen,bzw. zurück erstatten.

Wenn wir mit unserer Band so spielen würden,wäre das das Aus der Band.Ich würde mich auch schämen für eine solche Darbietung.

Ebenso eine Unverschämtheit ist,dass am Vormittag Aufnahmen stattfinden,aber dann am Abend der "Starsänger" seinen Part nicht einmal ansatzweise mehr SINGEN kann,geschweige das Programm adäquat bis zum Ende durchzusingen.

Sorry,aber solche Leute müsste man von der Bühne buhen und jagen,dass sie Schlappen und Hut verlieren.Da gibt jeder Hobbymusiker,egal wo und was sie spielen/singen mehr,als dieser abgewrackte Möchtegern-Sänger.

Mit Verlaub,aber das Duo Barenboim/Villanzon ist für mich damit das über-überbezahlteste Duo der modernen Musikgeschichte!!!

Zum Glück wurde er damals nicht Abbados Nachfolger bei den Kollegen aus der Philharmonie....

Sorry,aber mir ist das jetzt mal völig egal,ob Herr V. eigentlich "arbeitsunfähig" ist,oder nun "sangesunfähig",so etwas ist eine Zumutung für die Ganze Musiker-und Sängergarde schlechthin!!!

Ich beschreibe mal kurz eine wahre Geschichte,wie sie sich im Jazzbereich einmal zugetragen hatte vor vielen Jahren.

Der Weltklasse-Trompeter Arturo Sandoval wurde einmal im voraus entschuldigt,er hätte eine Fischvergiftung am Vortage erlitten,wolle aber unbedingt für seine Fans spielen.Er trat damals mit der HR-Bigband auf,und ich bekam durch viel Glück eine Karte.

Das Publikum,fast nur Trompeter,die weit gereist waren,applaudierten um so heftiger-und Sandoval spielte sich für SEINE Fans die Seele aus dem Leib!!!Der Mann war an diesem Abend genau so gut,wie man ihn auf seinen ganzen Alben her kennt!!!Es war einer jener legendären Abende,die man niemals mehr im Leben vergessen wird.Vielen Dank,Arturo!!DU hattest nicht nur Charakter,sondern auch den Willen,Deinen Fans zu zeigen,was Du einfach perfekt kannst-musikalische Spitzenleistung bringen,wenn man Dir auch bei Krankheit den Rücken stärkt!!!WOW!!!!!!!!!!!!!!!

Maurice
Allegra (09.04.2013, 17:46):
Original von Heike
http://www.kulturradio.de/rezensionen/buehne/2013/konzerthaus-berlin-barenboim-villazon.html
die Dramen steigern sich

Oh weia. Jetzt klärt mich als absoluten Nicht-Sänger und Nur-Genießer auf: Ist denn da niemand, der den Mann bremst?? Und wenn er seine Verfassung selbst nicht wahrhaben will, ihm das klarmacht? ?(

Mich macht das etwas fassungslos.
Maurice inaktiv (09.04.2013, 18:26):
Das Problem ist,dass solche Leute Vertäge über Jahre abgeschlossen haben,dazu Manager der Plattenindustrie,Impressarios,sein Manager,usw...

Da hängt ein ganzer Rattenschwanz dran.Er hat ja wohl schon lange kapiert,dass er nicht mehr wirklich auf dem Niveau ist,auf welches er zu oft gehoben wurde.

Es mag auch sein Geltungsbedürfnis sein,was ihn an seinem Handeln festhält.Und bei Barenboim ist er ja dabei in den "besten" Händen.

Das Musikgewerbe ist grausam,und der reine Hörer wird auch nicht annähernd das Ganze verstehen,wenn man kein Insiderwissen hat,bzw. dieses "Geschäft",denn genau DAS ist es,nicht kennt.

Ich möchte nicht deutlicher werden,ich gehöre diesem "Geschäft" selbst ab,wenn auch auf einer anderen Ebene.Doch ich kenne und kannte Leute,die darin sind oder waren,und deren "Geschichten" sind stellenweise sowas von unglaublich,aber sie sind wahr.

Nur mal ein Beispiel,was durch die Presse ging,aber auf einmal wieder verschwunden war.Es geht hier nicht um klassische Musik,hängt aber irgendwie doch damit zusammen.

Es war da mal ein Trompeter namens Stefan M......Schon damals,als dieser Herr M. seinen "Grand Prix der Volksmusik" gewann,waren einem anerkannten Profitrompeter,den ich sehr gut privat kannte,und mit dem ich auch selbst gespielt habe,und ich überzeugt von,dass Herr M. niemals habe das Stück so spielen können.Jahre später kam heraus,dass u.a. meinem Kollegen sein Satzkollege und weitere hervorragende Profitrompeter,für ihn die Stücke eingespielt hatte.Angeblich nicht wissend,wofür diese Einspielungen gedacht waren.....

Es ist alles nur eine Sache des Geldes,des Schmierens und des berühmten Vitamin B.....

VG,Mauice
Allegra (10.04.2013, 16:57):
Ja, was d sagst, ist mir schon geläufig, die allmächtige Musikindustrie. Ich kann es nur immer nicht fassen, daß Sänger, deren Gesundheit letztlich von einem bedachten Einsatz abhängt, so blind durchs Leben rennen ...

Die Sache mit dem Trompeter ist schon ein starkes Stück - aber wohl kaum ein Einzelfall. *seufz*

Manchmal bin ich ja doch froh, daß es bei mir mit der Pianistenkarriere nichts wurde. :D
Maurice inaktiv (10.04.2013, 19:27):
Nein,das ist der völlig normale Wahnsinn!!Und daran sind nahezu perfekte CD-Einspielungen genauso schuld wie der Zuschauervolk,dass ja wegen diesen Stars" zu den Aufführungen kommt,und nicht wegen dem Sänger XY,der irgend eine Nebenrolle singen darf oder muss.

Hinzu kommen unfähige Korrepetitoren,Dirigenten,die das Orchester nicht richtig zum Leisespielen auffordern können oder wollen,oder Tempi falsch wählen.

Dazu natürlich auch,dass man viel zu früh Rollen singt,die man besser sein lassen würde,usw.

Das Problem ist,dass man gewisse Angebote einfach annehmen MUSS,sei es,weil man dazu gedräbnt wird,oder auch einfach nur,weil die Gage so hoch ist,dass man schlecht absagen kann.

Schaue doch mal,wer jetzt in Wien für Welser-Möst einspringen muss.Das sind ja keine Flaschen,sondern das Beste,was gerade verfügbar ist.Diese Leute hätten eigentlich frei,sprich Erholung,und diese auch bestimmt nötig.

Die "alte Garde" wie Maazel,Muti,Boulez,Dohnanyi,Eschenbach,Neeme Järvi.Levine,Barenboim ist ja auch nicht mehr gesund,muss aber noch dauernd herumreisen.Wenn man sieht,dass Maazel für Muti auf Tournee geht (!!!),fragt man sich,wo der Nachwuchs da bleibt?

Und ein "Villanzon" macht eben die Bude voll,alleine schon wegen seinem Namen....

VG,Maurice
Billy Budd (10.04.2013, 20:03):
Hallo Maurice,
Schaue doch mal,wer jetzt in Wien für Welser-Möst einspringen muss.Das sind ja keine Flaschen,sondern das Beste,was gerade verfügbar ist.
Äh, glaubst Du wirklich, dass Dennis Russell Davies der beste gerade verfügbare Dirigent ist?
Sorry,aber solche Leute müsste man von der Bühne buhen und jagen,dass sie Schlappen und Hut verlieren.Da gibt jeder Hobbymusiker,egal wo und was sie spielen/singen mehr,als dieser abgewrackte Möchtegern-Sänger.
Da stimme ich Dir allerdings völlig zu! :beer
Billy :hello
Maurice inaktiv (10.04.2013, 21:05):
Billy Budd,wenn Du genau gelesen hast,was ich geschrieben habe,dann sage ich ganz deutlich "Ja,das meine ich so"!

Man muss Davis nicht mögen,aber er ist eben VERFÜGBAR,und genau DAS habe ich geschrieben und gemeint.

Vermutlich ist er gerade in Wien oder Österreich tätig,also wude ER verpflichtet.Man weiß dabei ja nicht,wer schon zuvor angefragt wurde,aber eben abgesagt hatte.

Es mag durchaus auch heute noch vorkommen,dass ein unbekannter Assistent kurzfristig einspringt und dann einen gewissen Erfolg hat,aber solche Fälle sind vermutlich weitaus seltener als man allgemein denken mag.

Ich kenne seine Qualitäten als Operndirigent nicht,als Konzertdirigent sind seine Einspielungen der Bruckner-Sinfonien durchaus hochwertig.

Er ist sicher mehr in der Moderne zuhause,aber was hast Du an ihm zu kritisieren?

VG,Maurice
Allegra (11.04.2013, 16:15):
Hm, aber so eine "Medaille" hat ja bekanntlich zwei Seiten: Die eine fordert, sprich: das Publikum, also letztlich wir, will hören und sehen, und das so perfekt wie möglich - die andere leistet/muss leisten und das Geld fließt dann entsprechend und bildet keinen geringen Anreiz. Von Ruhm und Glanz mal abgesehen ...
Siehe nur die Berichte nebenan im Opern-Bereich - wer von uns ist schon geneigt, heute dauerhaft sogenanntes Mittelmaß zu ertragen? Ich erwähne das deswegen, weil mir eine Kritik über die "Tote Stadt" in Lübeck vorliegt, die sich auf eine Art und Weise äußert, die ich daneben finde. Schlussendlich wird Perfektionismus erwartet - das kann möglicherweise noch eine MET (annähernd) leisten, ein kleines Provinztheater schon finanziell nicht. Aber die dortigen Sänger werden mit solchen Kritiken unter Druck gesetzt ...

Ich finde das ein sehr schwieriges Thema, bei dem mir trotz aller Hintergründe hin und wieder der sachliche Menschenverstand fehlt. Ich habe genügend Kontakte zu Musikern, Sängern, Dirigenten, die oft genug an ihrem Dasein verzweifeln - um im nächsten Moment himmelhoch jauchzend nichts anderes zu wollen. Manche, wenige hören hin, wenn ihnen gesagt wird "Schraub dich mal runter!", die meisten eben nicht. Denn die Komplettmaschinerie steht ja immer dahinter ...
Billy Budd (11.04.2013, 17:11):
Ok, dann hab ich Dich offensichtlich ein bissl falsch verstanden. Du hast aber nichtsdetotrotz geschrieben, dass er zum "Beste (n),was gerade verfügbar ist", gehört.
Aber ist ja egal.
Billy :hello
Maurice inaktiv (11.04.2013, 18:13):
Da ich sowohl ein ausführender Künstler,aber auch Zuschauer bin,versuche ich Dir mal meine Meinung dazu mitzuteilen.Das wird jetzt ziemlich umfangreich sein,bitte nicht böse werden dann.

Ich finde die Kritik der "Toten Stadt" doch mehr als nur positiv,oder siehst Du das anders?

Wir haben in Deutschland eindeutig zu viele Theater und Opernhäuser,was folge dessen mehr Masse,aber nicht unbedingt mehr Klasse bedeutet.

Man mag mich für diese Äußerung hier scharf angehen,aber da ist meine Meinung.

Die Klassische Musik wird mit viel Geld vor allem staatlich subvensioniert,also mit Steuergeldern.Wenn man nun die Anzahl der Besucher hochrechnet,stellt mir sich die Frage,ob man das SO überhaupt machen sollte,oder ob man es nicht,wie z.B. in den USA,über Privatspenden oder Stiftungen abwickeln sollte.

Sicher,würde unser Staat nicht mit vollen Händen das Geld zum Fenster werfen,wäre für die Kunst und Kultur mehr vorhanden,aber gemessen an der Bevölkerungszahl steht der Neubau eines Theaters oder einer Oper nicht mehr im rechten Verhältnis zur Nutzung durch die Bevölkerung.

Wenn ich sehe,wie in Hamburg für die "Elbphilharmonie" geradezu Unsummen verschwendet werden,könnte ich echt k........!!!Sorry!!

Zurück zum Ausgangspunkt!!

Die deutschen Orchester,auch in der Provinz,sind qualitativ auf sehr hohem Niveau,da es zum Glück genug Hochschulen und Konservatorien mit sehr guten Lehrern gibt.

Ich kann nur wenig über Sänger sagen,aber es wird seit runden 30 Jahren gejammert,dass der Nachwuchs im Gesang sehr zu wünschen lässt.So sehen auch die Laienchöre oftmals aus,was denn Altersdurchschnitt angeht-selten findet man dort Sänger unter 50,55 oder 60 Jahren.

Bei den Musikern ist das oftmals anders.Viele Musikvereine bilden zu Dutzenden Nachwuchs aus,und kümmern sich auch um die jungen Leute.

Es gibt aber immer wieder Lücken in diversen Instrumentenbereichen,und das nicht nur bei den selten gebräuchlichen Instrumenten,sondern auch bei den Trompeten.

Ich selbst habe mich damals entschieden,meinem Berufswunsch "Musiker" (ich schreibe bewusst dieses nur allgemeine Wort) letztendlich zu wählen,weil ich schon damals erkannt habe,dass ich eines Tages Probleme haben werde,die Du bereits kurz angedeutet hast.

Wer sich als Musiker in dieses "Haifisch-Becken" begibt,muss mit allen Konsequenzen leben müssen,denn das ist sein Job.Das bedeuet in den meisten Fällen Zeitverträge haben,Aushilfstätigkeiten bekommen,jede "Mucke" annehmen,die Geld bedeutet,Unterricht erteilen zum Überleben,ständig von der Hand im Mund leben,usw.

Hinzu kommt der Druck,bei dem ersten Fehler weg vom Fenster zu sein.

Es gibt selbst bei den Rundfunk-Sinfonie-Orchestern immer mehr nur noch Einstellungen über Zeitverträge,was aber den Vorteil hat,dass "Beamtendenken" in den Köpfen der Musiker solcher Anstalten immer weniger vorherrscht.

Wer heute in die Sinfonie-Orchester möchte,muss sich nicht nur den brutal harten Auswahlverfahren stellen,sondern muss erst einmal eine Qualität erreichen,die selbst begabte Musiker nicht immer erreichen werden.

Um an Solo-Stellen zu kommen,sind erfolgreiche Wettbewerbserfolge z.B. bei "Jugend Musiziert",dem "ARD-Wettbewerb",usw. Pflichtbestandteil.Ohne solche Auszeichnungen braucht man erst garnicht seine Bewerbung abzusenden.Diese Leute werden schnell ihr Studium auf "Musikschul-Lehrer" oder "Musiklehrer Schwerpunkt Schulmusik" oder "Musikwissenschaft",usw. ausrichten.

Bei den Sängern heißt das dann "Popularmusik","Musical","Chorgesang",usw.

Ich hätte damals bei der Bundeswehr unterkommen können,was mir immerhin eine sichere Stellung,regelmäßiges Einkommen und einen relativ sorgloses Leben hätte bringen können.Doch ich hätte auch täglich mit der Versetzung in ein anderes Musik-Korps rechnen müssen.

Hinzu kommt die Unfähigkeit vieler Dirigenten damals,was ich selbst erleben durfte.Hier werden dann Musiker im Grunde zu Faulheit und zum Nichtstun fast schon genötigt.Außerdem war es damals kurze Zeit so,dass es kein abgeschlossenes Studium mehr gegeben hätte,und man bis zum Abschluss hätte selbst die Kosten tragen müssen und ständig vom Standort zur Hochschule hätte fahren müssen.

So viel mal die Sicht des Musikers,was er erst einmal auf sich nehmen müsste,um überhaupt einen Job zu bekommen.

Ich weiß,das ist jetzt sehr ausführlich,aber vielleicht bekommt man so eine gewisse Einsicht,um diese Meute zu verstehen.

So,nun die Sichtweise eines Zuhörers:

Jemand,der Eintritt entrichtet hat,hat selbstverständlich das Recht Kritik jeder Art zu äußern.Ob diese Kritik dann fundiert ausfällt,oder nur "dummes Geschwätz" herauskommt,ist eine ganz andere Geschichte.

Diesen Leuten sind Laienmusiker genau so ausgesetzt wie Profis.Ob man auf die Meinungen dieser Leute was geben sollte,möge jeder ausübende Künstler für sich alleine entscheiden.

Ich sage es mal so : Man hört nach spätestens drei Sätzen heraus,wer Ahnung von der Sache hat und wer nicht!!

Viel wichtiger sind die Journalisten,die in den eingängigen Fachzeitungen berichten,oder die für die wichtigen Tageszeitungen berichten.Wichtig sind hier nicht unbedingt nur die überregionalen Zeitungen,sondern die Heimatzeitung,gerade für die kleineren Bühnen.

Auch nicht gerade einfach sind die Musikerkollegen,die aus Eifersucht oder bekannter Feindschaft ihren Senf ebenfalls dazugeben müssen.

Es ist aber völlig normal,dass es Musiker gibt,die sich bei den Konzerten untereinander besuchen,um zu hören,was der Kollege anders macht als man es selbst spielt.

Taucht ein neuer Musiker im "erlauchten Kreise" auf,wird dieser natürlich besonder genau beäugt,oder er wird,wie im Jazz üblich,zur Session gebeten.

Hier wird dann jeder Musiker versuchen,seinen Stellenwert dem Anderen Gegenüber schnell klar zu machen.Man könnte auch sagen,der Kollege wird "ausgespielt" oder "ausgeblasen".

Dieses "Ausblasen" findet selbstverständlich auch im Hobbymusik-Bereich statt.Das wird um so härter,je weiter es nach Oben geht.

Dieses "Ausblasen" findet natürlich an Konzerten statt.Hier kommt nun wieder das Publikum mit ins Spiel.Es merkt oftmals überhaupt nicht,was da gerade auf der Bühne passiert.Es erfreut sich an diesem Wettkampf,wo es am Ende nur noch "Schneller,Lauter,Höher" heißt,aber nur noch selten "Künstlerisch wertvoll","Geschmackliches Spielen","Qualitativ hochwertiges Spielen"....

Das ist jetzt sicher kein direkter Beitrag zum Thema "Rolando Villanzon",es soll auch nicht von mir mit dem berühmten "erhobenen Zeigefinger" gedeutet werden.

Ich selbst gebe dabei gerne zu,auch schon Kollegen ausgespielt zu haben,um meine Stellung zu festigen oder weil ein Kollege es umgekehrt bei mir probiert oder bereits getan hatte.

Das ist menschlich,aber im Haifischbecken leider manchmal unumgänglich.Die Jobs werden immer weniger,die Anforderungen immer höher.

Wer als Künstler noch keine Depri-Phase hinter sich hatte,ist kein Künstler!!!Diesen Spruch müsste jeder Kollege von mir so sagen,wenn er ehrlich zu sich selbst ist.

ich selbst habe mich auch einmal für vier ganze Jahre fast vollständig aus der aktiven Musik zurück gezogen,weil ich einfach innerlich ausgebrannt war.

Vielleicht kann jetzt der Ein oder Andere hier in etwa fühlen,wie sich Herr V. eigentlich fühlen MUSS,wenn er mehr Show und Clownereien macht als Musik.Innerlich geht er zugrunde,aber sagen und zeigen darf er es nicht!!!

VG,Maurice
Severina (11.04.2013, 18:33):
Vielleicht könnte man die letzten Beiträge in einen eigenen Thread auslagern? Abgesehen davon, dass sie kaum etwas mit Rolando Villazón zu tun haben, ist das nämlich ein interessantes Thema, an dem sich vielleicht mehr Leute beteiligen wollen, und zwar auch solche, die an RV nicht die Bohne interessiert sind und daher diesen Thread nie anklicken würden.

lg Severina :hello

PS: Selbst wenn man man mit RV absolut nichts anfangen kann, aber ihn mit einem Volksmusikheini wie M. in einen Topf zu werfen, hat er nun wirklich nicht verdient. (Er hat in guten wie in schlechten Tagen mit seiner Stimme gesungen :wink) Und Show hat er immer schon gemacht, das ist ein Teil seiner Persönlichkeit, bloß dass er es jetzt besonders forciert, um von seinem stimmlichen Dilemma abzulenken.
Maurice inaktiv (11.04.2013, 19:36):
Gute Idee!!

Ich habe Herrn V. nicht mit Herrn M. in einen Topf geworfen,sondern an Hand eines realen Beispiels versucht aufzuzeigen,wozu die Musikindustrie in der Lage ist,wenn es darum geht,Leute nach Oben,aber auch ganz schnell wieder nach Unten heben,bzw. fallen zu lassen.

Und mein Beispiel ging so offen durch die Presse,dass ich es herangezogen habe.

Mir wäre es wirklich viel lieber,wenn Herr V. wieder völlig gesunden würde,seine Stimme wieder jene wäre,die ihn bekannt gemacht hat.

Ich fand ihn früher auch wunderbar herzerfrischend,gerade bei den Interviews überhaupt nicht abgehoben,sondern völlig natürlich und charmant.

VG,Maurice
Billy Budd (11.04.2013, 21:07):
Original von Severina
Vielleicht könnte man die letzten Beiträge in einen eigenen Thread auslagern?
Naja, wenn es jetzt noch einen Moderator gäbe ... :D

Aber ich halte die Idee auch für sehr gut und schlage vor, dass Maurice einfach die entsprechenden Beiträge kopiert und sie als Zitat in einen von ihm eröffneten Thread setzt. Das wäre am einfachsten.
Billy :hello
Allegra (11.04.2013, 22:26):
In der Hoffnung, daß ich noch mitverschoben werden, antworte ich doch noch direkt hier - RV möge es mir nachsehen.


Original von Maurice André
Da ich sowohl ein ausführender Künstler,aber auch Zuschauer bin,versuche ich Dir mal meine Meinung dazu mitzuteilen.Das wird jetzt ziemlich umfangreich sein,bitte nicht böse werden dann.
Um Himmels Willen, warum sollte ich? :P

Ich finde die Kritik der "Toten Stadt" doch mehr als nur positiv,oder siehst Du das anders?
Nein, sehe ich genauso - auch wenn mir gerade was richtig Bescheuertes an Kritik in die Hände gefallen ist - nicht weil es wenig positiv war, sondern glatt in das Klassikhandbuch von Satie, Kapitel "Wie werde ich Kritiker?" passt - als Paradebeispiel.

Wir haben in Deutschland eindeutig zu viele Theater und Opernhäuser,was folge dessen mehr Masse,aber nicht unbedingt mehr Klasse bedeutet.
Ich will nicht unbedingt sagen zuviel - sowie sie angenommen werden, haben sie ihre Daseinsberechtigung, aber wenn wir schon so viele Häuser haben, können wir nicht erwarten, dass alle eine Qualität allererster Sahne bieten. Nicht bei den Geldern, die in der Oberliga fließen ...
Da sind wir uns glaub ich einig.
Andererseits geben Hamburg und Lübeck gerade ein wunderbares Beispiel dafür ab, dass eins der großen Häuser mit seinem derzeitigen Management die Zuhörer weniger begeistert als das kleine Theater Lübeck.

Man mag mich für diese Äußerung hier scharf angehen,aber da ist meine Meinung.
Die ich auf jeden Fall interessant finde. Jedem seine Meinung. :wink


Ich weiß,das ist jetzt sehr ausführlich,aber vielleicht bekommt man so eine gewisse Einsicht,um diese Meute zu verstehen.
Ich habe mir die Freiheit genommen, das jetzt etwas abzukürzen. Ja, das ist im Grunde bekannt, was du sagst. Ich lebe hier in einer niedersächsischen Kleinstadt, wo ich diese Entwicklungen auf der untersten Stufe, also bei den Kindern bereits beobachten kann. Wer mehr will, als ein bisschen vor sich hinklimpern, muss von Anfang an "ran". Und dahinter stehen in den allermeisten Fällen die Eltern, die ihre Kinder zum Üben, Vorspielen und nochmal Üben anhalten. Die Eltern haben Vorbilder, selten die Kinder. Selbst die Musikschulen sind heute anders organisiert als damals zu meiner Zeit. Der Leistungsdruck ist gestiegen und nur, wer bereits in jungen Jahren Erfolg hat, kann auf mehr hoffen. Das Künstlerdasein und der Erfolg gründet sich letztlich nicht auf gottgegebenes Talent, das von sich aus strahlt, sondern Ehrgeiz, Ehrgeiz, Ehrgeiz, die richtigen Verbindungen und sicher auch eine gehörige Portion Glück, Geschick und Durchsetzungskraft.


Vielleicht kann jetzt der Ein oder Andere hier in etwa fühlen,wie sich Herr V. eigentlich fühlen MUSS,wenn er mehr Show und Clownereien macht als Musik.Innerlich geht er zugrunde,aber sagen und zeigen darf er es nicht!!!
Genau das ist ja der Punkt, der mich so aufstört: dass das offenbar so sein muss. Warum? Ich wehre mich trotz allem Gesagten - das ich kenne und nachvollziehen kann, zwar nicht am eigenen Leib, aber in der eigenen Familie - dagegen. Es ist nicht nur die Musikbranche, es sind viele viele Bereiche, wo es immer noch höher, schneller, besser, weiter - noch perfekter sein muss. Auf Kosten der Einzelnen, die eigentlich die breite Masse nicht mehr sehen/hören will, wenn sie nicht mehr dem Perfektionsanspruch genügen. Und Villazon ist ein gutes Beispiel dafür - von ganz oben nach weiter unten.
Anders herum von unten nach vielleicht niemals ganz oben meinte ich das Beispiel der kleineren Häuser: Häufig werden diese niemals die verlangte und (scheinbar) in großen Häusern erzielte Perfektion erlangen können, aber muss das wirklich sein?
Ich kann diese Frage nicht beantworten.
Maurice inaktiv (11.04.2013, 22:41):
Mein lieber Billy Budd,wenn ich wüsste,wie ich da machen müsste,würde ich es tun,aber meine sehr bescheidenen Kenntnisse solcher Dinge stehen hier wieder dem Wunsche entgegen.

Also lasse ich es erst einmal so stehen.....

VG,Maurice
Maurice inaktiv (11.04.2013, 23:23):
Hallo,Allegra!!

Schön,dass Du dich so intensiv hier mit einbringst,danke!! :)

Ich versuche mal,hier zu antworten :

Wir haben in Deutschland eindeutig zu viele Theater und Opernhäuser,was folge dessen mehr Masse,aber nicht unbedingt mehr Klasse bedeutet. Ich will nicht unbedingt sagen zuviel - sowie sie angenommen werden, haben sie ihre Daseinsberechtigung, aber wenn wir schon so viele Häuser haben, können wir nicht erwarten, dass alle eine Qualität allererster Sahne bieten. Nicht bei den Geldern, die in der Oberliga fließen ... Da sind wir uns glaub ich einig. Andererseits geben Hamburg und Lübeck gerade ein wunderbares Beispiel dafür ab, dass eins der großen Häuser mit seinem derzeitigen Management die Zuhörer weniger begeistert als das kleine Theater Lübeck.

Das sehe ich anders!!Mir fehlt ein wirklich durchdachtes Programmkonzept in vielen Häusern,egal ob groß oder klein.

Wir führen so oft die gleichen Werke auf,große Künstler gehen oftmals nur mit dem Standardprogramm auf Tourneen,oder es wird eine völlig bescheuerte Uraufführung mit einem Gassenhauer gemixt,damit die Leute überhaupt zu dem Konzert kommen.

Ich gebe zu,mich mit der zeitgenössischen Musik mehr als nur schwer zu tun,aber dafür gibts ja auch Spezialisten,die das besser können und verstehen als ich.

Ich würde mir gerade in den kleinen Häusern die seltenen Werke der verschiedenen Epochen wünschen,anstatt das man mit aller Gewalt einen "Ring" durchboxen will,der sündhaft teuer ist,aber keine Qualität bietet am Ende.

Man sollte dabei erwähnen,dass kleine Häuser auch kleinere Orchester nur zur Verfügung haben,und nicht 100 oder 120 Musiker,die Richard Strauss,Gustav Mahler oder Richard Wagner erfordern teilweise.

Ich habe mir die Freiheit genommen, das jetzt etwas abzukürzen. Ja, das ist im Grunde bekannt, was du sagst. Ich lebe hier in einer niedersächsischen Kleinstadt, wo ich diese Entwicklungen auf der untersten Stufe, also bei den Kindern bereits beobachten kann. Wer mehr will, als ein bisschen vor sich hinklimpern, muss von Anfang an "ran". Und dahinter stehen in den allermeisten Fällen die Eltern, die ihre Kinder zum Üben, Vorspielen und nochmal Üben anhalten. Die Eltern haben Vorbilder, selten die Kinder. Selbst die Musikschulen sind heute anders organisiert als damals zu meiner Zeit. Der Leistungsdruck ist gestiegen und nur, wer bereits in jungen Jahren Erfolg hat, kann auf mehr hoffen. Das Künstlerdasein und der Erfolg gründet sich letztlich nicht auf gottgegebenes Talent, das von sich aus strahlt, sondern Ehrgeiz, Ehrgeiz, Ehrgeiz, die richtigen Verbindungen und sicher auch eine gehörige Portion Glück, Geschick und Durchsetzungskraft.

Das ist auch absolut ok,so lange es eben NICHT übertrieben wird.Ich stamme selbst aus einem musikalischem Elternhaus.Meine Eltern haben immer hinter mir gestanden,haben mir in dieser Hinsicht alles ermöglicht,und dabei natürlich auch einen gewissen Druck ausgeübt.

Doch ohne Druck,der sich im Rahmen hielt,und nie übertrieben wurde,wäre ich heute nicht hier sondern vielleicht ohne Instrument im Niemandsland hängen geblieben.

Es war für sie ein Schock,als ich dann nicht Musik studiert habe,sondern Kaufmann gewordne bin,aber niemals habe ich ein Wort der Klage gehört.

Selbst,als ich für vier Jahre weitgehend komplett mit dem Spielen aufgehört hatte,wurde das akzeptiert,weil ich es ihnen erklärt habe.Sie waren beide hellauf begeistert,als ich dann wieder richtig angefangen habe und heute immer noch voller Freude zu den meisten Veranstaltungen hinfahre und meine Musik spiele.

So viel mal zu den Eltern,die weder eigene Ziele,noch eigene Wünsche auf die Kinder abwälzen.Es sind in der Masse auch wirklich eher wenige als zu viele,das ist meine Erfahrung,gerade in den Hobby-Orchestern.

Die Musikschulen mussten sich neu erfinden,weil auch dort die Zuschüsse geringer wurden.Sie bestehen heute nur deshalb noch,weil Spenden sie am Leben erhalten,und viele Musiklehrer nicht mehr fest angestellt sind,sondern auf Honorarbasis arbeiten.

Durch diesen Weg ist der Unterricht aber auch bedeutend besser geworden als es früher war.Ich habe dort selbst am Klavier als Kind angefangen und später ein Praktikum an einer Musikschule absolviert,ich kenne also die alten Muster noch zu gut.

Heute gibt es dort oftmals recht fähige Lehrer mit tollen Ideen,wenn die Leitung es denn zulässt.Davon hängt halt auch viel ab.

Das Ganze könnte noch verbessert werden,wenn die Musikschulen endlich erkennen würden,dass man die Zusammenarbeit mit den Vereinen suchen muss,und nicht auf Eigenständigkeit und Selbstarroganz mehr Wert als auf die Ausbildung der Schüler legt.

Dieses "elitäre Gehabe" findet man leider im Opernhaus genauso vor wie im Jazzclub oder in der Musikschule.Auf der Strecke bleiben letztendlich die Jugendlichen,die Vereine und damit der Nachwuchs und die Kultur.

Immerhin hat man das Problem erkannt,und es werden immer mehr Jugendreihen in der Oper eingebaut,da man sonst bald keine Karten verkaufen wird,da die Generation Oper immer weniger wird.

Konzerte sind da weniger betroffen,denn man muss keine Handlung folgen oder stundenlang ruhig sitzen bleiben.Alleien deshalb bin ich auch kein Operntyp.Mir dauert das einfach zu lange,und verstehen tue ich auch oftmals nur Bahnhof.

Heute gibt es für Jugendliche so viele Angebote,doch sie nehmen letztendlich nur das Angebot war,was mehr "fun" bringt,weniger Arbeit macht und unter sich ist.

Ein weiters Manko ist das Instrumentarium,was in der Oper verwendet wird.Musicals haben das Problem nicht,da hier der "Sound" rockiger,zeitgemäßer und mit zeitgemäßen Instrumenten gearbeitet wird.

Genau das ist ja der Punkt, der mich so aufstört: dass das offenbar so sein muss. Warum? Ich wehre mich trotz allem Gesagten - das ich kenne und nachvollziehen kann, zwar nicht am eigenen Leib, aber in der eigenen Familie - dagegen. Es ist nicht nur die Musikbranche, es sind viele viele Bereiche, wo es immer noch höher, schneller, besser, weiter - noch perfekter sein muss. Auf Kosten der Einzelnen, die eigentlich die breite Masse nicht mehr sehen/hören will, wenn sie nicht mehr dem Perfektionsanspruch genügen. Und Villazon ist ein gutes Beispiel dafür - von ganz oben nach weiter unten. Anders herum von unten nach vielleicht niemals ganz oben meinte ich das Beispiel der kleineren Häuser: Häufig werden diese niemals die verlangte und (scheinbar) in großen Häusern erzielte Perfektion erlangen können, aber muss das wirklich sein? Ich kann diese Frage nicht beantworten.

Das ist ganz einfach.Weil der Zuhörer es so fordert!!!Man hört eine perfekt abgemischte CD,es wird versucht,alle für jeden HÖRBARE Fehlerquelle hinaus zu retuschieren,fertig ist die perfekte Konserve für den Konsumenten.

Und,Du wirst es jetzt nicht glauben,aber weil im TV fast nur noch im Playback-Verfahren gearbeitet wird!!Du siehst nie den Aufwand,der eigentlich für ein Live-Konzert erforderlich ist.Das beginnt schon bei den Kabelsteckern bei den Gitarren oder Keyboards bei der Popmusik,und endet an fehlenden Mikrofonen und der dazugehörigen Kabel.

Wir,die Zuschauer un Zuhörer,erwarten für ihr teures Eintrittsgeld eine perfekte Darbietung,bekommen aber oftmals als reine "Verarsche" bestenfalls ein Halb-Playback-Verfahren.

Singt mal jemand "live",wird das noch deutlich herausgestellt,ist doch lächerlich,was?Und passiert dann man so eine gravierende Panne,wie bei Sarah Connors Textfehler bei der Nationalhymne,wird man das in 10 Jahren der armen Frau immer wieder unter die Nase reiben.

Im reinen Jazz ist das mit dem Playback schon wieder weitegehend ausgeschlossen,bei Bigband-Musik hingegen schon wieder möglich,so lange keine Soli gespielt werden.

In der Klassik ist es auch schwer,weil man 100 Mann kaum dazu bringen kann,sich dem Playback perfekt anzupassen.Auch kann der Dirigent kaum so perfekt nachdirigieren,wie es dann erforderlich wäre.Und so müssen auch die Sänger selbst singen,was wiederum zur Zeit Herr V.s Pech ist.....

VG,Maurice

PS : Ich glaube,das mit dem Zitieren hat geklappt.... :)
Maurice inaktiv (12.04.2013, 00:05):
So,ich habe jetzt versucht,das Thema "auszulagern".Es befindet sich jetzt auch bei den "Sängern",aber unter dem Thema "Musik-Mehr Geschäft als Kunst?"

VG,Maurice
Billy Budd (12.04.2013, 14:25):
Original von Maurice AndréMein lieber Billy Budd,wenn ich wüsste,wie ich da machen müsste,würde ich es tun,aber meine sehr bescheidenen Kenntnisse solcher Dinge stehen hier wieder dem Wunsche entgegen.

Also lasse ich es erst einmal so stehen.....

VG,Maurice
Original von Maurice André
So,ich habe jetzt versucht,das Thema "auszulagern".Es befindet sich jetzt auch bei den "Sängern",aber unter dem Thema "Musik-Mehr Geschäft als Kunst?"

VG,Maurice
Vielen Dank fürs Kopieren (Du hast eh alles richtig gemacht :) , aber vielleicht könntest Du noch hinzufügen, von wem welcher Beitrag stammt (müsste sich nämlich noch editieren lassen)), nur werde ich mich wohl aus Zeitgründen an der Diskussion in näherer Zukunft nicht beteiligen können.
Billy :hello
Solitaire (15.04.2013, 10:25):
Nach langer Abwesenheit melde ich mich auch mal wieder zu Wort.
Ich habe die besagte Silvestergala nur in Auszügen gesehen und muß den Rolando-Kritikern schweren Herzens recht geben: auch ich war erschrocken.
Ich habe mich im ersten Moment sogar gefragt, ob es sich um eine allte, während einer der früheren Krisen mitgeschnittete Gala handelte oder tatsächlich um ein aktuelles Konzert. Leider war das ja der Fall... :(
Auffällig war m.E. auch, daß R.V. der einzige war, der keine Solozugabe gegeben hat, was ich angesichts der Umstände aber klug und richtig fand. Im Übrigen hatte ich den Eindruck, daß auch Hampson in der Zuugabe mächtig auf's Blech gehauen hat, als wolle er zeigen, daß nicht nur der Mexikaner Pfeffer im ihr-wißt-schon-wo hat. "Komm Zigan" kam mir fast schon etwas überdreht vor, das bin ich von Hampson eher nicht gewohnt. Ob's ansteckend ist? :ignore
Naja, ich habe wie gesagt nicht das ganze Konzert gesehen.
Die Sopranistin war wirklich klasse!
Allegra (19.04.2013, 20:36):
Wen es interessiert - RV war gestern im Norddeutschen Fernsehen: DAS!

Heute ist sein Konzert in der HHer Laisz-Halle. Dann gehts durch Deutschland.
Ingrid (15.09.2013, 19:35):
Gestern wurde auf 3sat die La Traviata (Decker-Insz.) von 2005 übertragen und mir wieder voll und ganz bewußt, warum ich Rolando Villazòn und auch Anna Netrebko so geliebt habe. Könnte man doch nur "die Uhr" zurück drehen, denn dann wäre er immer noch in einigen Rollen die Nummer eins für mich. Sogar schauspielerisch überzeugte er mich wieder, obwohl ich das nicht mehr für möglich hielt.

Man kann nur auf ein Wunder hoffen, dass er erneut zu annehmbarer Forum zurück findet. Nächstes Jahr im April singt er den Alfredo in München. Wollte mir eigentlich keine Karte kaufen.....

Liebe Grüße
Ingrid

PS. Mich traf gerade der Schlag, wie ich Rolandos Namen geschrieben habe :(. Lag vielleicht daran, dass Leute in der SBahn so von "Villanzonn" schwärmten und ich das dann später oft nachmachte. Schäm, schäm, schäm
Severina (15.09.2013, 20:06):
Liebe Ingrid,
davon würde ich Dir auch abraten, es macht Dich nur traurig. Zumindest mir ist es bei den letzten Villazón-Auftritten so ergangen.Ich habe jedenfalls nicht vor, mir seine nächsten Vorstellungen an der WSO anzutun. Ja, ich habe gestern auch zum x-ten Mal die Decker-Traviata gesehe. Da könnte man wirklich heulen, wenn man bedenkt, was aus dieser wunderbaren Stimme geworden ist :I :I :I

lg Severina :hello
Zefira (15.09.2013, 20:18):
Villazon wird Ende September in Baden-Baden Monteverdi singen, siehe hier. Ich kann da leider nicht, würde aber gern wissen, wie er sich dort anstellt. Die CD mit Emanuelle Haim (Combattimento) mag ich sehr. Geht vielleicht jemand aus dem Forum hin?

Grüße von Zefira
Severina (15.09.2013, 22:07):
Original von Zefira
Villazon wird Ende September in Baden-Baden Monteverdi singen, siehe hier. Ich kann da leider nicht, würde aber gern wissen, wie er sich dort anstellt. Die CD mit Emanuelle Haim (Combattimento) mag ich sehr. Geht vielleicht jemand aus dem Forum hin?

Grüße von Zefira

Diese CD liebe ich auch, aber da war caro Rolando noch bestens bei Stimme und Krise NR.1 noch weit entfernt.....

lg Severina :hello
Fairy Queen (23.09.2013, 16:24):
Jaja, das weckt nostalgische Erinnerungen! Meine erste Live-Begegnung mit rolando, damals war er noch eher ein Geheimtipp und hatte seine Stimme noch nciht ruiniert. Ich fand ihn sofort umwerfend, auch wenn er wahrlich kein HIP -Stilist ist. Aber er macht Monteverdi zum gleichen emotionalen highlight wie Massenet oder Verdi. Neulich sah ich ihn als Sprecher in einer serie über Verdi und Wagner. Seine Liedenschaft für die Musik und sein Temperament sind einfach ansteckend und immer ist da dieser sympathische Enthusiasmus. Ich hoffe, er findet seinen Weg auch ohne Verdi-Stimme seine Gaben zur Freude Anderer einzusetzen. Er wâre ein fabelhafter Botschafter für die Oper bei der jungen Generation. Eine Art pädagogischer Opern-Clown, um künftigen Generationen diese Gattung zu erschliessen und sie dafür zu begeistern. Da könnte er auch weiter alle Tenor-Arien schmettern ohne kritisiert zu werden. :engel
F.Q.
Tangua (05.11.2014, 11:32):
RV ist am vergangenen Wochenende mit einem Arien-Programm in der Düsseldorfer Tonhalle aufgetreten. Offenbar war er sehr gut bei Stimme: Wolfram Goertz, der der unkritischen Lobhudelei sicher unverdächtig ist, hat dazu in der Ausgabe der Rheinischen Post vom 3.11.2014 eine fast schon euphorische Rezension geschrieben, die die Hoffnung nährt, dass sich RV wieder seiner (wenn auch nicht alten) Bestform nähert...
Billy Budd (09.11.2014, 02:03):
Original von Tangua
RV ist am vergangenen Wochenende mit einem Arien-Programm in der Düsseldorfer Tonhalle aufgetreten. Offenbar war er sehr gut bei Stimme: Wolfram Goertz, der der unkritischen Lobhudelei sicher unverdächtig ist, hat dazu in der Ausgabe der Rheinischen Post vom 3.11.2014 eine fast schon euphorische Rezension geschrieben, die die Hoffnung nährt, dass sich RV wieder seiner (wenn auch nicht alten) Bestform nähert...
Glaubt doch kein Mensch... sorry, aber so ists...
Billy :hello
Tangua (10.11.2014, 08:22):
Na ja, Wolfram Goertz ist ein in Deutschland ziemlich renommierter Musik-Journalist. Und wie gesagt - er ist unverdächtig, ein unkritischer Villazon-Fan zu sein.
Billy Budd (10.11.2014, 18:32):
Dieser Herr sagt mir nix, aber vertrauen wir besser unseren eigenen Ohren. :)
Severina (10.11.2014, 22:02):
Dazu kann ich leider auch nur mit Altmeister Goethe sagen: "Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube!" Schön wär's, aber.....
Ehrlich gesagt habe ich in den letzten Jahren keine einzige Kritik gelesen, die Villazóns stimmlicher Verfassung gerecht geworden wäre. Nicht nur ich frage mich, was hinter diesem Hochjubeln einer Leistung steckt, an der nur wenig zu bejubeln ist. Leider, ich wäre die Letzte, die nicht mitjubeln wollte, aber aus ehrlicher Überzeugung und nicht aus Mitleid oder weil er halt ein so netter Mensch ist. (Oder was der Motive mehr sind, die so viele Opernbesucher die traurige Realität verleugnen lassen!)

Allmählich glaube ich, dass die Labels Druck ausüben, denn Villazón garantiert immer noch Umsätze, aber natürlich nur, wenn tunlichst nicht in den Zeitungen steht, dass man sein Geld besser in andere Interpreten investieren sollte. Eine andere Erklärung habe ich nicht für Rezensionen, die völlig konträr zu meinen Wahrnehmungen sind. (Das bezieht sich selbstverständlich nur auf die Wiener und Züricher Auftritte von Villazón, bei denen ich live dabei war!)

lg Severina :hello
Zefira (06.09.2015, 21:38):
Hey, ich höre Villazon gerade im TV (Konzert auf München) und muss sagen, der scheint seine Stimme wirklich wiedergefunden zu haben! Zumindest für ein Konzert reicht es.
Aktuell singt er gerade mit Hampson das Freundschaftsduett aus Don Carlos. Wirklich nicht schlecht!

ps. Eben fertig. Es war richtig schön, wie sich die beiden am Schluss in die Arme gefallen sind :leb