Ronsard: Amours - Vertonungen

Peter Brixius (24.01.2010, 12:03):
Anthoine de Bertrand: Amours de Ronsard

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Pierre de Ronsard veröffentlichte 1552 seine "Amours". Die meisterhaften Sonette fanden bis in die Gegenwart viele Komponisten. Schon in den ersten drei Jahrzehnten nach dem Erscheinen haben etwa dreißig Komponisten Gedichte aus der Sammlung vertont, in den unterschiedlichsten Stilen. Bertrands Vertonungen erscheinen 1576.

Ha, seigneur dieu, que de graces écloses

Ha, seigneur dieu, que de graces écloses
Dans le jardin de ce sein verdelet,
Enflent le rond de deus gazons de lait,
Où des Amours les fléches sont encloses!

Je me transforme en cent metamorfoses,
Quand je te voi, petit mont jumelet,
Ains du printans un rosier nouvelet,
Qui le matin bienveigne de ses roses.

S'Europe avoit l'estomac aussi beau,
De t'estre fait, Jupiter, un toreau,
Je te pardonne. Hé, que ne sui-je puce!

La baisotant, tous les jours je mordroi
Ses beaus tetins, mais la nuit je voudroi
Que rechanger en homme je me pusse.


Liebe Grüße Peter
Fairy Queen (24.01.2010, 12:47):
Lieber Peter, ich mag die Gedichte von Ronsard besonders gerne, :down Ich fürchte aber, dass sie "normalen" deutschen Lesern nciht gerade geläufig sein dürften. Da auch nicht Jeder der frz., zumal noch DIESER frz. Sprache mächtig ist, wäre vielleicht eine allgemeine Voraberklärung zum Dichter und eine übersetzung der Texte forumsfreundlich?

Eien aussergewöhnliche Vertonung nämlich für Flöte udn Sopranstimme ohne Bassbegleitung stammt von Albert Roussel. Bei Bedarf und Gelegenheit kann ich gerne etwas dazu sagen.
Und werde gleich die Gelegenheit nutzen, die von Dir oben empfohlene CD mal wieder aufzulegen.
euphonia
Peter Brixius (27.01.2010, 07:20):
Original von Euphonia
Lieber Peter, ich mag die Gedichte von Ronsard besonders gerne, :down Ich fürchte aber, dass sie "normalen" deutschen Lesern nciht gerade geläufig sein dürften. Da auch nicht Jeder der frz., zumal noch DIESER frz. Sprache mächtig ist, wäre vielleicht eine allgemeine Voraberklärung zum Dichter und eine übersetzung der Texte forumsfreundlich?


Liebe Euphonia,

über Ronsard werde ich gerne noch ausführlicher berichten. Er war einer der bedeutendsten französischen Lyriker und Mitgründer der sogenannten Pleiade. Ausgangspunkt war die Lyrik Petrarcas und den Transfer des Petrarkismus ins Französische. Die lyrische Anbetung einer unerreichbaren Frau, die Petrarka seiner Laura widmete, ist im ersten Band der Gedichte Ronsards Cassandre gewidmet. Das vertonte Gedicht stammt aus dem Anhang, den Ronsard der zweiten Auflage seiner "Les Amours" zufügte. Es gibt von dem Gedicht zwei Fassungen, da muss ich aber noch an eine historisch-kritische Ausgabe herankommen, um das zu klären.

Das Sonett "Ha, seigneur dieu, que de graces écloses" ist ein sehr heiß diskutiertes, vor allem wegen der Wendung "ce sein verdelet" (diese grünliche Brust). Grün ist hier die Farbe der Jugend. Da die beiden Quartette ein Netz von Beziehungen über einen Garten herstellen, das Symbol für die Brust ein Apfel ist, kommt diese verwunderliche Farbe ins Spiel, die Unreife (im positiven Sinn!), Jugendlichkeit, Jungfräulichkeit ausdrückt. Erst wenn man sich auf das Spiel der Analogien einlässt, erschließen sich die schwierigeren Stellen des Sonetts. Für Deine Hilfe, liebe Euphonia, beim ersten Terzett vielen Dank.

O Gott, welch eine Anmut blüht auf

O Gott, welch eine Anmut blüht auf
im Garten dieser jugendlichen Brust,
sein Rund schwillt an mit Feldern aus Milch,
in denen Amors Pfeile eingeschlossen sind.

Ich wandle mich in hundert Formen,
wenn ich dich seh, meinen sanften Zwillingshügel,
wie im Frühling einen neuen Rosenbusch,
dem der Morgen seine Rosen liebkost.

Wenn Europa einen ebenso schönen Bauch gehabt hat ,
verzeihe ich Dir, Jupiter, dass Du dich in einen Stier
verwandelt hast. Ach, wenn ich doch ein Floh wäre!

Die Küssenswerte, die Tage bisse ich
ihre schönen Rosenknospen, aber in der Nacht
wollte zum Menschen ich mich zurück verwandeln.


Liebe Grüße Peter
Gamaheh (27.01.2010, 12:34):
Lieber Peter,

angeregt durch Deine Übersetzung biete ich folgende Alternative an:

Ach, Herrgott, welch eine Anmut blüht
im Garten dieses frischen jungen Busens
und schwellt zwei Weiden rund von Milch,
wo Amors Pfeile eingeschlossen sind.

Ich wandle mich in hundert Formen,
wenn ich dich seh, mein kleiner Zwillingsberg,
wie wohl im Frühling auch ein neuer Rosenbusch
den lieben Morgen mit seinen Rosen grüßen mag.

Wenn denn Europas Busen von gleicher Schönheit war,
Daß du dich einst zum Stier gemacht, o Zeus,
verzeih ich dir. Ach, wär ich doch ein Floh!

Sie immer wieder küssend, biß ich dann ohn' Unterlaß
den ganzen Tag die schönen Knospen ihrer Brust. Des Nachts jedoch
wollt ich zum Manne wieder wandeln mich.

Petrarcas Sonetten an Madonna Laura gehen thematisch schon die Distichen der römischen Elegiker (Catull, Properz, Ovid, Tibull) voraus, die Griechen hatten zumindest Sappho, eine Tradition, die sich auch anderswo fortsetzt (im Englischen z.B. bei Sir Philip Sidney, Astrophel und Stella).

Beste Grüße,
Gamaheh
Fairy Queen (27.01.2010, 15:26):
Liebe Gamamah,hast Du das selbst übersetzt?
Was Cassandre Laura, Beatrice und Ahninnen angeht: verrückte Männer im Liebeswahn gab's schon immer und gibt es gottseidank heute noch, aber so extrem wie in diesem Gedicht, sind sie dann doch nicht immer.

Euphonia
Gamaheh (27.01.2010, 20:46):
Original von Euphonia
Liebe Gamamah,hast Du das selbst übersetzt?
Naja, in enger Anlehnung an die von Peter, in dem Versuch, die Skandierbarkeit zu verbessern.

Beste Grüße,
Gamaheh
Fairy Queen (28.01.2010, 05:51):
Chapeau Madame :down- lyrische Sprache ist eben auch Musik und in Frankreich heisst die Oper nicht umsonst "Art lyrique".
Euphonia