Falstaff (04.03.2017, 01:50): Die Rysanek begann in Innsbruck, wurde aber sehr schnell in Wien, an der Met und an allen großen Opernhäusern der Welt ein Star. In den 50iger und 60iger Jahren sang sie zudem regelmäßig in Bayreuth.
Die Rysanek verfügte über einen klassischen, jugendlich dramatischen Sopran über den sie eigentlich auch nicht hinausging. Die entsprechenden Wagner- und Strauss-Partien waren dabei ihr eigentliches Metier. Wobei sie auch immer wieder Partien des italienischen Repertoires sang und später in ihrer Karriere auch zu Mezzo-Partien wie Kundry, Klytämnestra oder Ortrud griff. Die hochdramatische Rolle der Elektra sang sie allerdings nur für die Filmeinspielung unter Böhm.
Man kann sicherlich die Stimme der Rysanek alleine von Aufnahmen her beurteilen, ihrer überwältigenden Bühnenpersönlichkeit wird das aber nicht gerecht. Sie besaß, immer ein Geschenk, ein unverwechselbare Timbre, zudem eine strahlende, überwältigende Höhe. Aber dazwischen war die genaue Tonhöhe z.B. nicht immer ihre Stärke. Aber wer sie jemals auf der Bühne erlebt hat, wird sie nie, nie vergessen. Immer schmiss sie sich mit allem in ihre jeweilige Rolle, dominierte den Raum und ließ alle anderen schier verblassen. Ein richtiges 'Knallweib', wie eine Freundin sie einmal nannte, jemand, der im Theater brannte.
Eine ihrer Paradepartien war die Kaiserin:
Falstaff (04.03.2017, 01:53): Unbedingt haben muss man diese Aufnahme. Nicht wegen Böhm, sondern allein wegen grandiosen Schreies der Rysanek im 1. Akt. :)
palestrina (04.03.2017, 05:20): Ich reiche dann noch einige Daten nach ...
Wiki Ein sehr interessantes Interview von 1971 Ostinato Klaus U.Spiegel
Für mich war die Rysanek immer „ Die Königin (Kaiserin) der Jubeltöne " und wie sie von sich selbst behauptete „ Ich bin ein Bühnentier "! Ihre großen musikalischen Zentren waren die Wiener Staatsoper und die MET, es gibt einen Ausschnitt bei YouTube von ihrer Abschiedsvorstellung an der MET, Gräfin in Pique Dame, daran kann man ermessen wie sehr ihr das MET Publikum zu Füßen lag und ihr dankte, mit schier grenzenlosen Jubel! https://youtu.be/xmEZPYD_P2g Sie faszinierte das Publikum und Kritik durch ihr glühendes darstellerisches Temperament, den jubelnden Klang ihres Soprans, der sich bis ins Alter sein jugendliches Timbre bewahren konnte. Sie sang ihre Partien nicht nur, sie stürzte sich in sie hinein, sie identifizierte sich mit ihnen.Die musikalische Welt von Leonie Rysanek war die Bühne. Konzertsäle und Schallplattenstudios legten ihrem Ausdruckswollen nur Beschränkungen auf. Wenn sie agieren konnte, dann wuchs auch ihr Singen ins Großartige, Einmalige, Unverwechselbare. Quelle:.berliner-zeitung
Sie hat die Kaiserin fast zwanzig Jahre lang gesungen, wohl DIE Partie mit der man sie am meisten identifiziert, nur überboten von der Sieglinde, die sie erstmals 1951 bei den Bayreuther Festspielen und letztmalig 1989 an der Wiener Staatsoper sang. Davor kann man sich nur verneigen :down ! Live habe ich sie leider nur noch 1990 als Klytämnestra erlebt, aber wie!
LG palestrina
palestrina (04.03.2017, 11:58):
Cavaradossi 1. "Holländer": Johohohe! Traft ihr das Schiff 2. dto. Wie aus der Ferne längst vergang'ner Zeiten (mit Sigurd Björling) 3. dto. Wirst du des Vaters Wahl (mit S. Björling) 4. "Arabella": Das war sehr gut, Mandryka 5. "Rosenkavalier": Da geht er hin 6. dto. Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding 7. dto. Mein schöner Schatz 8. dto. Ich werd' jetzt in die Kirchen geh'n (mit Elisabeth Grümmer) 9. dto. Marie Theres'! Hab' mir's gelobt (mit Grümmer und Erika Köth) 10. "Tiefland": Ich weiß nicht, wer mein Vater war 11. "Die Macht des Schicksals": Frieden, mein Heiland 12. "Aida": Bald kommt Radames 13. dto. Es hat der Stein sich über mir geschlossen (mit R. Schock) 14. dto. Leb wohl, o Erde (mit Schock und Sieglinde Wagner) Philharmonia Orchestra London (1-4, 10) Berliner Philharmoniker (5-9) Berliner Symphoniker (11-14) Dirigent: Wilhelm Schüchter. Die Tracks 5-9 stammen aus dem bekannten Electrola-Querschnitt von 1955, alle übrigen Aufnahmen wurden 1952 gemacht. Hallo Cavaradossi, hättest es ja gleich hierher posten können ! ;)
Die Tracks 11-14 sind auch von 1955 allerdings 5 Monate früher als die Tracks 5-9. Und ja, R.Schock ist bei aller Liebe kein Radames, einen besonderen Reiz haben die Auschnitte aus dem Rosenkavalier mit dem Oktavian der Grümmer und der Sophie der Köth! :)
LG palestrina
palestrina (04.03.2017, 12:28): Die erste Aufnahme die mit der Rysanek gemacht wurde war diese Live ...
Orchester der Bayreuther Festspiele , 12.8.1951/Herbert von Karajan
Die Tonqualität ist sehr gut, und Rysaneks Qualitäten hört man hier schon in dem kurzen Ausschnitt mit der Varnay!
LG palestrina
palestrina (04.03.2017, 13:33): Ein weiteres Arien Recital mit der Rysanek, zu dem sie selbst sagte es sei ihr bestes gewesen...
AD 1958
auf diesem Recital sind auch die beiden Arien aus dem Maskenball die auf der LP keinen Platz mehr fanden, und aufgefüllt wurde mit Macbeth und Otello aus den Gesammtaufnahmen!
Sehr bemerkenswert sind die Arie aus der Turandot sowie aus Andrea Chenier !
Sie ist ja nie gerne ins Studio gegangen und mochte auch keine Konzerte geben, also eben ein Bühnenmensch, perfekt singen war ja auch nicht ihr Ding :D sie hat sich halt des öfteren die Noten so zurecht gelegt das es für sie passte, dafür war sie lieber wahrhaftiger und eine ehrliche Haut, mit einem Ausdruck der aus ihr DIE Rysanek machte!
LG palestrina
palestrina (04.03.2017, 15:57): Eine Straussoper die es selten bis garnicht ins Repertoire geschafft hat, aber mir pers.sehr gut gefällt ...
AD 10.8.1956
Orchester und Chor der Bayerischen Staatsoper München Joseph Keilberth Leonie Rysanek, Helena Bernd Aldenhoff, Menelas Annelies Kupper, Aithra Hermann Uhde, Altair Richard Holm, Da-ud Die alles-wissende Muschel, Ira Malaniuk
allein schon der Text von Hugo von Hofmannsthal ist es wert diese musikalisch schöne Oper von R.Strauss zuhören. Meine erste Begegnung mit diesem Werk war ein sehr schlechter Ausschnitt aus der Aufnahme hier mit der Rysanek „ Zweite Brautnacht! Zaubernacht " das hat mich damals schier vom Stuhl gefegt, und als Gesammtaufnahme gab es ebenfalls nur diese Aufnahme in sehr schlechter Tonqualität, dann gab es die GA mit Antal Dorati auch nicht das Gelbe vom Ei, dann noch eine Live ebenfalls mit der Jones, da ist sie wesentlich besser als bei Dorati und hat bessere Partner z. B. Jess Thomas als Menelas, dann endlich 1996 die hier vorliegende von Orfeo, die jedenfalls ganz gut anzuhören ist. Mittlerweile gibt es dann alles in allem doch 5 GA.
Und für alle Freunde der Rysanek gehört sie auf jedenfall dazu! :thumbsup:
LG palestrina
Cavaradossi (04.03.2017, 17:42): Die Tracks 11-14 sind auch von 1955 allerdings 5 Monate früher als die Tracks 5-9. Hallo, palestrina,
Du hast natürlich recht, nur die Londoner Aufnahmen sind aus 1952.
LG, Cavaradossi
palestrina (05.03.2017, 08:47):
Jedem Rysanek Liebhaber möchte ich diesen ganz hervorragenden Bildband mit viel Information ans Herz legen! Leider nur noch antiquarisch zu erwerben!
LG palestrina
Falstaff (07.03.2017, 20:51): Unbedingt hörenswert in dem Zusammenhang ist auch diese CD:
Die Rysanek ist hier sehr persönlich und berührend zu vernehmen.
Falstaff (07.03.2017, 21:58): Übrigens jährt sich heute ihr Todestag. Man kann es gar nicht glauben, dass sie schon fast 20 Jahre tot ist. Eine Stimme und eine Person, die eigentlich immer präsent ist, die wohl auch Zeiten überdauern wird, solange Menschen bewusst Opern hören werden.
Jürgen (08.03.2017, 15:45): Unbedingt haben muss man diese Aufnahme. Nicht wegen Böhm, sondern allein wegen grandiosen Schreies der Rysanek im 1. Akt. :)
Genau deswegen habe ich diese Walküre (zur Hälfte) gestern gehört. Natürlich kann die Leonie nicht nur gut schreien, sondern singt die Sieglinde auch hervorragend.
Mir gefällt der komplette Ring gut, besonders die Souffleuse ist sehr textverständlich. :cursing: Leider ist sie namentlich nicht aufgeführt.