Schostakowitsch: Sonate für Viola und Klavier op. 147
Heike (25.05.2009, 22:23): Sonate für Viola und Klavier op. 147 C Dur
Da ich das Stück heute im Konzerthaus hörte, muss ich mal gleich einen Thread dazu aufmachen. Diese Sonate schrieb Schostakowitsch als letztes vollendetes Werk kurz vor seinem Tod - sie war das einzige Werk, dass er nicht mehr hören konnte.
Ich mag die Sonate gern, das ist Gänsehautmusik und wie ich finde sehr typisch für den späten Schostakowitsch. Er zitiert hier sich selbst und auch andere (Berg-VK; LvB Mondscheinsonate)
I Moderato Mit Pizzicato beginnend wandert die Viola hastig in emotionalste und teilweise beängstigende Räume, spielt später gruseligstes Flageolett, verklingt dann fast in atemlosen Null-Linie-Todesahnungen. Das Klavier spiegelt manches, sucht Motive, klingt nach.
II Allegretto Sehr sehr widersprüchlich! Einerseits große Energien, auch tänzerische Spiele, dann wieder Pathetik, auch abrupt dürstere Einbrüche. Am Ende leise, es beruhigt sich.
III Adagio Eine traurige Erinnerung? Jedenfalls viel Resignation, weinende Melodien, tiefe Bässe, Zum Heulen schön.
Heike
kreisler (25.05.2009, 22:34): Ja, das ist ein tolles Spätwerk!
Heike (25.05.2009, 22:46): Hallo Kreisler, ich hab nur eine CD, diese:
Da ich mit der aber richtig gut zufrieden bin, hab ich bisher noch nichts andres gekauft. Die hab ich damals einfach blind mitgenommen und war sogleich fasziniert! Heike
nikolaus (25.05.2009, 23:23): Ich habe sie nur einmal in Ausschnitten im Radio gehört und war direkt gefangen. Das ist noch gar nicht so lange her, und ich habe bisher noch keine Einspielung.
Ich werde sie aber in genau 2 Wochen bei meinem ersten Konzert des diesjährigen Progetto Martha Argerich in Lugano live erleben :leb (auch wenn diese smilies nicht recht zur Sonate passen, ich freue mich darauf).
Nikolaus.
Heike (26.05.2009, 07:59): Hallo nikolaus, da hast du sicher allen Grund, dich zu freuen! Leider ist Lugano so weit weg von hier, aber einmal möchte ich irgendwann da doch nochmal hin. Heike
ab (28.05.2009, 10:09): Inzwischen gibt es auch eine Traskription für Violoncello und Klavier, was eine erfreuliche Bereicherung für das Cello-Repertoir darstellt, weil die genuine Cellosonate Schostakowitschs, das op. 40, nicht gerade zu seinen Meisterwerken gehört.
Eingespielt inziwschen zumindest von Friedrich Kleinhapl & Andreas Woyke (Ars Produktion), Raphael Wallfisch &, Martyn Brabbins (Nimbus) oder Petr Prause & Yakov Kasman (Calliope)
Außerdem gibts eine Bearbeitung für Kammerorchester & Viola. Gespielt von der Kremerata Baltica und Yuri Bashmet (DG) :hello
Rachmaninov (30.05.2009, 10:29): Ich muss gestehen, dass ich um diese Sonate, die DSch wahrlich und im wörtlichen Sinne fast in seinen letzten Atemzügen geschrieben hat, und die an seinem Geburtstag kurz nach seinem Tod erstmals erklang einen riesen Bogen gemacht.
Im Grunde ist dieses Werk seine eigenes Requiem, seine eigene Biografie und seine Memoiren konzentriert auf 2 Instrumente. Die Essenz eines lebens!
Wem mag es ünerhaupt zustehen dieses Werk zu spielen als Menschen die ihm nahe standen.
Nein, eine intensive Beschäftigung mag mir (noch nicht) gelingen. Zu viel Respekt.
Heike (30.05.2009, 17:47): Hallo, Ich muss gestehen, dass ich um diese Sonate, ..... einen riesen Bogen gemacht. Ich glaube, das hätte Dsch bestimmt nicht gefallen! Heike
kreisler (30.05.2009, 18:24): Hallo Rachmaninov,
Ich kann den Respekt vor so einem Werk gut verstehen! Und mir geht es manchmal ähnlich, dass ich es dann nicht schaffe mich mit dem Werk auseinanderzusetzen (so z.B. bei Bruckners 8.). Ich muss auch zugeben, dass ich mit der Sonate, so sehr ich sie bewundere, auch nicht so ganz warm geworden bin, vielleicht aus einem ähnlichen Grund wie bei dir.
Aber ich finde auch, dass das auch noch gar nicht sein muss. Mein Vater z.B. hat sich einige Werke, von denen er wusste, dass sie im später gefallen könnten "aufgehoben", die er sich dann (an irgendeinem Geburtstag?) zum ersten mal richtig anhören will.
Grüße, Kreisler
Rachmaninov (01.06.2009, 09:18): kennt einer diese kürzlich voröffentlichte DVD, die den namen des Werks als Titel trägt?
Heike (01.06.2009, 23:18): Ich nehme mal an, das ist derselbe Film, den ich im Kino gesehen habe.
Es ist ein Dokumentarfilm, der in den 80er Jahren in der Sowjetunion entstand, dort vor dem Erscheinen verboten und konfisziert wurde und dann aus geheimen Kopien rekonstruiert wurde.
Insoweit schaut er aus der Sicht der Inlandskollegen auf Schostakowitsch. Er erzählt Teile der Biographie rückblickend von der letzten Sonate, daher der Titel. Ich fand es besonders interessant, wie die Macher versucht haben, Kritik ganz leise zwischen den Zeilen zu verstecken, so dass der Film eventuell durch die Zensur kommt (was leider misslang).