Schubert: Das Werk für Violine und Klavier

Zelenka (28.08.2007, 17:51):
Um auf andere Schubert-Gedanken zu kommen, hier eine ganz kurze Fadeneröffnung zu Schuberts nicht gerade umfangreichem Werk für Violine und Klavier . Es umfaßt die drei Sonaten in D-Dur D 384, in a-Moll D 385 und in g-Moll D 408, die im März und April 1816 komponiert wurden, als der Komponist 19 Jahre alt war, die Sonate in A-Dur D 574, das Rondo ("Rondeau brillant") in h-Moll D 895 und die Fantasie in in C-Dur D 934. Die frühen Sonaten wurden erst 8 Jahre nach Schuberts Tod 1836 von Diabelli als "Sonatinen" gedruckt, die Bezeichnung hält sich hartnäckig, auch wenn die Stücke sich an Mozarts Sonatenwerk orientieren. (Beethoven war hier nicht Vorbild.) Technisch sind sie eher anspruchslos, weswegen allein sie relativ selten im Konzertsaal zu hören sein dürften. Ich persönlich schätze allerdings etwa den Melodienreichtum dieser Stücke sehr und höre sie in Abständen sehr gern, gerade wenn es einmal nicht so tiefgründeln soll.

Dies sind meine Aufnahmen:

Boskovsky, Kraus EMI Les Rarissimes 724358647129
Goldberg, Lupu Decca Double Decca 2894667482
Kremer, Maisenberg DG 4370922
Grimal, Afanassiev Æon AECD0317


Schon aus klanglichen Gründen sind Boskovsky/Kraus nicht sehr zu empfehlen. Goldbergs große Zeiten als Geiger lagen wohl schon hinter ihm zur Zeit der Aufnahme, man merkt es ein wenig. Der Star ist hier eher Lupu, der sehr aufmerksam weniger begleitet als führt. Kremer/Maisenberg und Grimal/Afanassiev wählen eher breitere Tempi, ohne daß allerdings die Stimmung düster werden würde. Weder Kremer noch Grimal überzeugen mich völlig mit ihrem Geigenton.

Die Sonate D 574 wurde ein Jahr später 1817 komponiert und ist, was Virtuosität angeht, ambitionierter. Meine Aufnahmen:

Goldberg, Lupu Decca Double Decca 2894667482
Kremer, Afanassiev DG Schubert Meisterwerke 4536652
Faust, Melnikov Harmonia Mundi HMC901870

Neben Goldberg und Kremer nun auch Isabelle Faust auf einer der meiner Meinung nach schönsten CDs des letzten Jahres, auch wenn ihr Geigenton stellenweise wärmer sein könnte.

Das "Rondeau brillant" vom Oktober 1826 ist nicht viel mehr als brilliant, geschrieben im Hinblick wohl auf den Markt, der eher Virtuoses erwartete. Von den hier erwähnten Werken ist es auch als einziges zu Schuberts Lebzeiten gedruckt worden. Meine Aufnahmen:

Milstein, Pludermacher DG Originals 002894775914
Faust, Melnikov Harmonia Mundi HMC901870

Vielleicht ist Milstein als etwa Achtzigjähriger zur Aufnahmezeit mit immer noch größter Intonationssicherheit sogar vorzuziehen, beide Aufnahmen sind aber unbedingt empfehlenswert.

Bei der Fantasie D 934 (entstanden im November 1827) ist der dritte Satz mit seinen Variationen über Schuberts Liedsatz "Sei mir gegrüßt" (D 741) das Filetstück, insgesamt aber stellt das Werk hohe technische Ansprüche. Ich höre es vor den frühen Sonaten am liebsten. Meine Aufnahmen:

D. Oistrakh, Yampolsky Brilliant Historical Russian Archives 8402
Kogan, Alumian Brilliant Historic Russian Archives 93030
Gigler, Kempff Orfeo Orfeo d'Or C721072I
Goldberg, Lupu Decca Double Decca 2894667482
Kremer, Afanassiev DG Schubert Meisterwerke 4536652
Faust, Melnikov Harmonia Mundi HMC901870

Bei allen hier vertretenen großen (und kleineren) Namen ist es dann doch die neueste Aufnahme mit Faust/Melnikov, die mir am meisten Freude bereitet, auch wenn der Geigenton anderswo üppiger ausfällt. Letztlich zählt die Ensembleleistung.

Hört noch jemand außer mir gern Schuberts Werke für Violine und Klavier?

Gespannt, Zelenka
nikolaus (28.08.2007, 19:56):
Original von Zelenka

Hört noch jemand außer mir gern Schuberts Werke für Violine und Klavier?

Gespannt, Zelenka

Ich kann da leider nicht so gut mitreden, denn ich besitze nur die Aufnahme mit Faust/Melnikov. Die höre ich aber in der Tat sehr gerne und halte sie trotz fehlender Vergleichsmöglichkeiten für sehr gelungen (irgendwie springt der Funken über...).

Nikolaus.
ab (04.10.2007, 15:43):
Ich bin großer Freund der Kremer/Afanassiev-Aufnahme, und wäre es auch bei den Sonantine, würde dort nur nicht Maisenberg nebenher spielen.

Grimal finde ich höchst überraschend, weil er sich völlig dem spannungsfreien Obertonspiel Afanassievs anzupassen versteht. Meins ist das bei den Sonantinen deutlich weniger als wie bei dessen späten Klaviersonaten (Denon).

Oft wird Grumiaux/Veyron-Lacroix geannt, doch bei all meiner Liebe zu Grumiaux introvertierten Spannung, dessen Schubert finde ich für meinen Geschmack zu rasch und beiläufig interpretiert.

Positiv überrascht war ich von Goldberg & Lupu, die ich erst jüngst dank unserer Stadtbücherei kennen gelernt habe. (Off topic: Wie ist eigentlich die Philips-Aufnahmen-Box von Goldberg bei Brilliant Classics?)

Oistrach, soweit ich ihn mit Schubert kenne, ist mir zu spätromantisch schwer und vibratoreich. Die genannte mit Yampolsky ist noch jene, die mir am besten gefiel.

Faust gefiel mir gar wenig.

Die Aufnahmen von Milstein und Gigler kenne ich nicht.

Ein Kuriosum am Rande, der Holländische Cellist Pieter Wispelwey hat die Sonatinen für sein Instrument bearbeitet und spielt sie dort, neben der Arpeggione-Sonate, mit violinesquem Ton.
Zelenka (05.10.2007, 15:20):
Lieber ab:

Herzlichen Dank für Deine Bemerkungen! Ich sehe, daß wir recht unterschiedlicher Meinung sind. Im wesentlichen habe ich nichts an Maisenberg in den Sonaten auszusetzten, ich schrieb allerdings, daß mir generell die Tempi zu breit sind, was ja auch auf Kremers Konto geht. Seit dieser Woche besitze ich Thibauds und Janopoulos Version von D 408 und ihr Rondo aus D 384 von 1944 (Andante). Abgesehen davon, daß Thibaud teils nicht sehr sauber spielt, ist dies eine hochempfehlenswerte Aufnahme: der elegante Ton des Geigers ist exquisit, die Musik wird nicht mit Bedeutung, die ihr nicht recht zukommt, überfrachtet und der Transfer recht erträglich. Ebenfalls neu bei mir sind das Freundespaar Kreisler und Rachmaninov in D 574 in einer gut transferierten Aufnahme aus dem Schubertjahr 1828 (Andante). Ich schwelge jetzt noch in Kreislers opulentem Geigenton (weniger in Rachmaninovs zwar schönem, aber eher dienendem Spiel), ein schlechtes Gewissen, daß ich hier einer spät-spätromantischen Vorstellung lausche, will sich bei mir einfach nicht einstellen. Am beeindruckendsten war vielleicht Adolf Buschs und Rudolf Serkins für mich neue Aufnahme von D 934 aus dem Jahre 1931 (Andante), obwohl die Aufnahmequalität nur mäßig ist. Buschs Schubertsicht ist weniger süßlich und häuslich als Kreislers.

Ich beharre auf Oistrakhs/Yampolskys Meriten: Auch wenn hier historisch uninformiert gespielt wird: Ihr Spiel ist einfach wunderschön! Und Faust/Melnikov? Modern, nicht ganz so schön, aber angesichts der heutigen Gegebenheiten wohl doch Spitzenklasse!

Off-topic: Im Septemberheft des Diapason bekam die Goldberg-Box von Brilliant fünf Stimmgabeln. U.a. sind in der Box wohl eine sehr ordentliche „La Poule“-Symphonie von Haydn und eine ebensolche 29. von Mozart.

Gruß, Zelenka
ab (08.10.2007, 09:36):
sorry, falsch editiert, bitte löschen!
ab (08.10.2007, 09:55):
Lieber Zelenka,

Deine Zeilen erinnerten mich gerade daran, dass ich auch die Kreisler-Aufnahme in einer membran-Ausgabe - zu dynamikreduziert - sowie in einem History-Transfer - bekannt sorgsam transferiert - haben müsste; und siehe da, so ist es (das mit den Sammel-Boxen ist so ein Problem, dass man die Übersicht verliert...) : Ich lausche so gerade der 574er-Sonate. Ich empfinde diese übrigens nicht als "spät-spätromantisch", dazu ist mir die Aufnahme zum einen zuwenig vorwärtsdrängend interpretiert sowie, damit zusammenhängend, die Betonung - der deutschen Sprache entsprechend - auf dem Phrasenanfang gelegt und zum anderen trotz des "opulenten" Tons doch tendentiell schlank (zumindest schlanker als beim Grieg dieses Gespanns). "Häuslich" ist sicherlich treffend. Ich finde dies durchaus ok.

Deine Charakterisitik des Spiels Rachmaninovs klingt bei meinem membran-Transfer völlig zutreffend, nicht aber beim History-Transfer: Was für feindynamische Gestaltungen! Auch Kreisler klingt beim klanglich besseren Transfer deutlich weniger "häuslich"!
Fazit: Ein schlechter Transfer und man kommt zu völlig falscher Einschätzung der Güte von Interpreten (Wie sagte schon Karl Kraus vor gut hundert Jahren trefflich: "Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte!" :ignore)

Ich bestreit übrigens keineswegs die Schönheit des Oistrakhs/Yampolsky-Spiels, sondern habe nichts weiter als ein persönliches Geschmacksurteil abgegeben.

Maisenberg/Kremer betreffend habe ich bloß auszusetzen, dass Kremers Ton ansatzlos mit Tonbeginn präsent ist, während Maisenberg einen Anschlag pflegt, dessen Resultat erst etwa in der Tonmitte sein Zentrum hat. (Nur diesen einen Aspekt meinte ich, als ich oben vom "nebenher spielen" schrieb.) Ich kann diese unterschiedlichen Klangauffassungen immer nur sehr schwer zu einer Einheit amalgamieren. (.. und deshalb zögere ich auch, mir die Kremer-Brilliant-Box zuzulegen, auf der doch die Mehrzahl der Aufnahmen mit Maisenberg sind. Zurecht?) Das langsame Tempo gefällt mir persönlich, Dank der Spannung Kremers, sehr gut. Kremers Musikalität sowieso...

Gerne kennte ich die Busch/Serkin-Aufnahme, obwohl ich finde, dass dieses verschwägerte Duo, soweit ich es von Beethoven und Brahms her kenne, keine Idealpartnerschaft bilden. (Liegt das auch womöglich nur am Transfer!!??)

Fazit: Ich vermute, daß wir gar nicht so sehr unterschiedlicher Meinung sind, sonder bloß unsere persönlichen Geschmäcker eher weiter außeinander liegen.
Zelenka (08.10.2007, 17:22):
Lieber ab:

War das nicht der alte Maler Liebermann, der vom Essen und Kotzen sprach, als er von den Nazis aus der Akademie entfernt wurde?

Zu D 574: Offenbar das alte Elend mit unterschiedlich gelungenen Transfers, im konkreten Fall kann ich nichts dazu sagen. Kreislers Spiel war immer etwas gutmütig, sonnig, auch häuslich, das Dämonische z.B. lag ihm nicht, wie Menuhin einmal richtig bemerkt hat. Rachmaninov spielt sicher sehr differenziert, aber ich gehe davon aus, daß auch der beste Transfer zeigen würde, daß er Kreisler nicht die Show stehlen will.

Mit Kremer habe ich seit Jahren leider meine Probleme, nicht zu ändern!

Bei Busch und Serkin ist nicht mit Opulenz zu rechnen, letztlich gehts in die Richtung der "Neuen Sachlichkeit". Aber auch hier ist es schwer, angesichts der allgemeinen Transfer-Misere sichere Urteile zu fällen. (Ich war letztlich überrascht, daß mir alte Monoaufnahmen Serkins einiger Beethovensonaten besser gefielen als das, was CBS später in Stereo klanglich "gezaubert" hat. Ich konnte plötzlich Serkins Klavierton ertragen ...)

Gruß, Zelenka
ab (08.10.2007, 18:04):
Original von Zelenka
Lieber ab:

War das nicht der alte Maler Liebermann, der vom Essen und Kotzen sprach, als er von den Nazis aus der Akademie entfernt wurde?


keine Ahnung, wer die Henne und wer das Ei war oder ob es beide gesagt haben oder aber ob ich falsch informiert bin. Womöglich solte ich aber dieses bonmot behutsamer verwenden, schließlich soll der ursprüngliche Anlass nicht heruntergespielt werden: Verstöße gegen die Menschlichkeit sind doch anders zu gewichten als posthumes Verstümmeln von hörbarer Musikalität.
Zelenka (08.10.2007, 18:13):
Original von ab
Original von Zelenka
Lieber ab:

War das nicht der alte Maler Liebermann, der vom Essen und Kotzen sprach, als er von den Nazis aus der Akademie entfernt wurde?


keine Ahnung, wer die Henne und wer das Ei war oder ob es beide gesagt haben oder aber ob ich falsch informiert bin. Womöglich solte ich aber dieses bonmot behutsamer verwenden, schließlich soll der ursprüngliche Anlass nicht heruntergespielt werden: Verstöße gegen die Menschlichkeit sind doch anders zu gewichten als posthumes Verstümmeln von hörbarer Musikalität.

Der Spruch ist ja mittlerweile Allgemeingut, und beide Herren hätten wohl nichts dagegen, daß hier die schlimmen Machenschaften der Tontechniker angeprangert werden.

Gruß, Zelenka
ab (08.10.2007, 18:46):
Original von Zelenka
Der Spruch ist ja mittlerweile Allgemeingut, und beide Herren hätten wohl nichts dagegen, daß hier die schlimmen Machenschaften der Tontechniker angeprangert werden.

Gruß, Zelenka

Schon recht, dennoch...

Kannst Du - übrigens - meiner Charakterisierung von Maisenberg etwas abgewinnen? So etwas interessiert mich immer sehr...
Zelenka (08.10.2007, 19:41):
Original von ab

Kannst Du - übrigens - meiner Charakterisierung von Maisenberg etwas abgewinnen? So etwas interessiert mich immer sehr...

Ich habe Kremer und Maisenberg gerade noch einmal kurz angespielt, letzterer hat sicher keinen harten Anschlag, was ja auch nicht tadelnswert ist. Ich hatte eben eher den Eindruck, daß Maisenberg im anderen Sinne "nebenher spielt", aber ich bin auch nicht mehr sehr aufnahmefähig. Im übrigen kann es doch jeweils nur um Hundertstel einer Sekunde gehen ...

Gruß, Zelenka
ab (09.10.2007, 21:01):
Original von Zelenka
Im übrigen kann es doch jeweils nur um Hundertstel einer Sekunde gehen ...


Oh, es ging mir nicht um eine zeitliche Verzögerung, sondern um die Klangcharakteristik.
Zelenka (10.10.2007, 13:09):
Original von ab
Original von Zelenka
Im übrigen kann es doch jeweils nur um Hundertstel einer Sekunde gehen ...


Oh, es ging mir nicht um eine zeitliche Verzögerung, sondern um die Klangcharakteristik.

Da ist doch auch eine zeitliche Dimension, wenn Kremers Ton gleich voll da ist und Maisenbergs erst noch etwas Anlauf braucht, um sich voll zu entfalten? Ich fürchte, meine alten Lauscher kommen da ohnehin nicht mehr mit.

Gruß, Zelenka
ab (10.10.2007, 13:29):
Original von Zelenka
Da ist doch auch eine zeitliche Dimension, wenn Kremers Ton gleich voll da ist und Maisenbergs erst noch etwas Anlauf braucht, um sich voll zu entfalten?

Ja aber sie sind doch zusammen, - Anfang und Ende differieren nicht - nur dass sozusagen der Kern des Tons unterschiedlich akzentuiert ist.

nur ganz am Anfang existiert, wobei nur mehr der Rest seines Notenwertswerts gleichsam nachklingt, so ists bei diesem gerade umgekehrt: Erst nachdem Furtwänglers Ton bereits vorbei ist, vollendet er sich sozusagen im Ohr als ein Gesamter. Gardiner gibts sozusagen vor dem Notenwert, Furtwängler (beim Schumann hier) nur hinterher. Anders ist Celibidache, wo er immer im jeweiligen Moment des Notenwerts völlig "da" ist.]
ab (10.10.2007, 13:49):
Original von Zelenka
Rachmaninov spielt sicher sehr differenziert, aber ich gehe davon aus, daß auch der beste Transfer zeigen würde, daß er Kreisler nicht die Show stehlen will.

sicherlich! D'accord!
Zelenka (10.10.2007, 17:36):
Original von ab
Original von Zelenka
Da ist doch auch eine zeitliche Dimension, wenn Kremers Ton gleich voll da ist und Maisenbergs erst noch etwas Anlauf braucht, um sich voll zu entfalten?

Ja aber sie sind doch zusammen, - Anfang und Ende differieren nicht - nur dass sozusagen der Kern des Tons unterschiedlich akzentuiert ist.

nur ganz am Anfang existiert, wobei nur mehr der Rest seines Notenwertswerts gleichsam nachklingt, so ists bei diesem gerade umgekehrt: Erst nachdem Furtwänglers Ton bereits vorbei ist, vollendet er sich sozusagen im Ohr als ein Gesamter. Gardiner gibts sozusagen vor dem Notenwert, Furtwängler (beim Schumann hier) nur hinterher. Anders ist Celibidache, wo er immer im jeweiligen Moment des Notenwerts völlig "da" ist.]

Herzlichen Dank für die Erläuterung!

Gruß, Zelenka
ab (12.10.2007, 09:24):
Damit hätte ich nicht gerechnet, das Andrew Manze sich der Sonate annimmt. Ich bin schon gespannt wie ein Flitzebogen:

Violinsonaten op. 137 Nr. 1-3 , op. 162
Andrew Manze
Richard Egarr

Dazu hier überschänglich.


Schubert, Franz: Violinsonaten op. 137 Nr. 1-3 , op. 162
Label: harmonia mundi

http://magazin.klassik.com/records/covers/11346_400x400.jpg
Zelenka (12.10.2007, 12:50):
Original von ab
Damit hätte ich nicht gerechnet, das Andrew Manze sich der Sonate annimmt. Ich bin schon gespannt wie ein Flitzebogen:

Violinsonaten op. 137 Nr. 1-3 , op. 162
Andrew Manze
Richard Egarr

Dazu hier überschänglich.


Schubert, Franz: Violinsonaten op. 137 Nr. 1-3 , op. 162
Label: harmonia mundi

http://magazin.klassik.com/records/covers/11346_400x400.jpg

Da bin ich allerdings auch sehr gepannt, was Manze aus den Soanten machen wird!

Gruß, Zelenka
Gamaheh (04.01.2008, 16:33):
Original von Zelenka

Andrew Manze
Richard Egarr
Schubert, Franz: Violinsonaten op. 137 Nr. 1-3 , op. 162
Label: harmonia mundi

http://magazin.klassik.com/records/covers/11346_400x400.jpg


Die lief gerade bei 2001, und ich war wirklich auf Anhieb sehr angetan; ich überlege direkt, ob ich sie mir leiste.

Ansonsten habe ich eine ältere Aufnahme (von Schuberts gesamten Werken für Violine und Klavier) mit Gérard Poulet und Noël Lee, die ich sehr gerne höre.

Die Aufnahmen mit Afanassiev habe ich auch gehört, kann aber nicht sagen, daß der Funke da wirklich übergesprungen wäre (es ist aber schon eine Weile her, und ich habe sie nicht zur Hand).

Grüße,
Gamaheh
Zelenka (28.08.2007, 17:51):
Um auf andere Schubert-Gedanken zu kommen, hier eine ganz kurze Fadeneröffnung zu Schuberts nicht gerade umfangreichem Werk für Violine und Klavier . Es umfaßt die drei Sonaten in D-Dur D 384, in a-Moll D 385 und in g-Moll D 408, die im März und April 1816 komponiert wurden, als der Komponist 19 Jahre alt war, die Sonate in A-Dur D 574, das Rondo ("Rondeau brillant") in h-Moll D 895 und die Fantasie in in C-Dur D 934. Die frühen Sonaten wurden erst 8 Jahre nach Schuberts Tod 1836 von Diabelli als "Sonatinen" gedruckt, die Bezeichnung hält sich hartnäckig, auch wenn die Stücke sich an Mozarts Sonatenwerk orientieren. (Beethoven war hier nicht Vorbild.) Technisch sind sie eher anspruchslos, weswegen allein sie relativ selten im Konzertsaal zu hören sein dürften. Ich persönlich schätze allerdings etwa den Melodienreichtum dieser Stücke sehr und höre sie in Abständen sehr gern, gerade wenn es einmal nicht so tiefgründeln soll.

Dies sind meine Aufnahmen:

Boskovsky, Kraus EMI Les Rarissimes 724358647129
Goldberg, Lupu Decca Double Decca 2894667482
Kremer, Maisenberg DG 4370922
Grimal, Afanassiev Æon AECD0317


Schon aus klanglichen Gründen sind Boskovsky/Kraus nicht sehr zu empfehlen. Goldbergs große Zeiten als Geiger lagen wohl schon hinter ihm zur Zeit der Aufnahme, man merkt es ein wenig. Der Star ist hier eher Lupu, der sehr aufmerksam weniger begleitet als führt. Kremer/Maisenberg und Grimal/Afanassiev wählen eher breitere Tempi, ohne daß allerdings die Stimmung düster werden würde. Weder Kremer noch Grimal überzeugen mich völlig mit ihrem Geigenton.

Die Sonate D 574 wurde ein Jahr später 1817 komponiert und ist, was Virtuosität angeht, ambitionierter. Meine Aufnahmen:

Goldberg, Lupu Decca Double Decca 2894667482
Kremer, Afanassiev DG Schubert Meisterwerke 4536652
Faust, Melnikov Harmonia Mundi HMC901870

Neben Goldberg und Kremer nun auch Isabelle Faust auf einer der meiner Meinung nach schönsten CDs des letzten Jahres, auch wenn ihr Geigenton stellenweise wärmer sein könnte.

Das "Rondeau brillant" vom Oktober 1826 ist nicht viel mehr als brilliant, geschrieben im Hinblick wohl auf den Markt, der eher Virtuoses erwartete. Von den hier erwähnten Werken ist es auch als einziges zu Schuberts Lebzeiten gedruckt worden. Meine Aufnahmen:

Milstein, Pludermacher DG Originals 002894775914
Faust, Melnikov Harmonia Mundi HMC901870

Vielleicht ist Milstein als etwa Achtzigjähriger zur Aufnahmezeit mit immer noch größter Intonationssicherheit sogar vorzuziehen, beide Aufnahmen sind aber unbedingt empfehlenswert.

Bei der Fantasie D 934 (entstanden im November 1827) ist der dritte Satz mit seinen Variationen über Schuberts Liedsatz "Sei mir gegrüßt" (D 741) das Filetstück, insgesamt aber stellt das Werk hohe technische Ansprüche. Ich höre es vor den frühen Sonaten am liebsten. Meine Aufnahmen:

D. Oistrakh, Yampolsky Brilliant Historical Russian Archives 8402
Kogan, Alumian Brilliant Historic Russian Archives 93030
Gigler, Kempff Orfeo Orfeo d'Or C721072I
Goldberg, Lupu Decca Double Decca 2894667482
Kremer, Afanassiev DG Schubert Meisterwerke 4536652
Faust, Melnikov Harmonia Mundi HMC901870

Bei allen hier vertretenen großen (und kleineren) Namen ist es dann doch die neueste Aufnahme mit Faust/Melnikov, die mir am meisten Freude bereitet, auch wenn der Geigenton anderswo üppiger ausfällt. Letztlich zählt die Ensembleleistung.

Hört noch jemand außer mir gern Schuberts Werke für Violine und Klavier?

Gespannt, Zelenka
nikolaus (28.08.2007, 19:56):
Original von Zelenka

Hört noch jemand außer mir gern Schuberts Werke für Violine und Klavier?

Gespannt, Zelenka

Ich kann da leider nicht so gut mitreden, denn ich besitze nur die Aufnahme mit Faust/Melnikov. Die höre ich aber in der Tat sehr gerne und halte sie trotz fehlender Vergleichsmöglichkeiten für sehr gelungen (irgendwie springt der Funken über...).

Nikolaus.
ab (04.10.2007, 15:43):
Ich bin großer Freund der Kremer/Afanassiev-Aufnahme, und wäre es auch bei den Sonantine, würde dort nur nicht Maisenberg nebenher spielen.

Grimal finde ich höchst überraschend, weil er sich völlig dem spannungsfreien Obertonspiel Afanassievs anzupassen versteht. Meins ist das bei den Sonantinen deutlich weniger als wie bei dessen späten Klaviersonaten (Denon).

Oft wird Grumiaux/Veyron-Lacroix geannt, doch bei all meiner Liebe zu Grumiaux introvertierten Spannung, dessen Schubert finde ich für meinen Geschmack zu rasch und beiläufig interpretiert.

Positiv überrascht war ich von Goldberg & Lupu, die ich erst jüngst dank unserer Stadtbücherei kennen gelernt habe. (Off topic: Wie ist eigentlich die Philips-Aufnahmen-Box von Goldberg bei Brilliant Classics?)

Oistrach, soweit ich ihn mit Schubert kenne, ist mir zu spätromantisch schwer und vibratoreich. Die genannte mit Yampolsky ist noch jene, die mir am besten gefiel.

Faust gefiel mir gar wenig.

Die Aufnahmen von Milstein und Gigler kenne ich nicht.

Ein Kuriosum am Rande, der Holländische Cellist Pieter Wispelwey hat die Sonatinen für sein Instrument bearbeitet und spielt sie dort, neben der Arpeggione-Sonate, mit violinesquem Ton.
Zelenka (05.10.2007, 15:20):
Lieber ab:

Herzlichen Dank für Deine Bemerkungen! Ich sehe, daß wir recht unterschiedlicher Meinung sind. Im wesentlichen habe ich nichts an Maisenberg in den Sonaten auszusetzten, ich schrieb allerdings, daß mir generell die Tempi zu breit sind, was ja auch auf Kremers Konto geht. Seit dieser Woche besitze ich Thibauds und Janopoulos Version von D 408 und ihr Rondo aus D 384 von 1944 (Andante). Abgesehen davon, daß Thibaud teils nicht sehr sauber spielt, ist dies eine hochempfehlenswerte Aufnahme: der elegante Ton des Geigers ist exquisit, die Musik wird nicht mit Bedeutung, die ihr nicht recht zukommt, überfrachtet und der Transfer recht erträglich. Ebenfalls neu bei mir sind das Freundespaar Kreisler und Rachmaninov in D 574 in einer gut transferierten Aufnahme aus dem Schubertjahr 1828 (Andante). Ich schwelge jetzt noch in Kreislers opulentem Geigenton (weniger in Rachmaninovs zwar schönem, aber eher dienendem Spiel), ein schlechtes Gewissen, daß ich hier einer spät-spätromantischen Vorstellung lausche, will sich bei mir einfach nicht einstellen. Am beeindruckendsten war vielleicht Adolf Buschs und Rudolf Serkins für mich neue Aufnahme von D 934 aus dem Jahre 1931 (Andante), obwohl die Aufnahmequalität nur mäßig ist. Buschs Schubertsicht ist weniger süßlich und häuslich als Kreislers.

Ich beharre auf Oistrakhs/Yampolskys Meriten: Auch wenn hier historisch uninformiert gespielt wird: Ihr Spiel ist einfach wunderschön! Und Faust/Melnikov? Modern, nicht ganz so schön, aber angesichts der heutigen Gegebenheiten wohl doch Spitzenklasse!

Off-topic: Im Septemberheft des Diapason bekam die Goldberg-Box von Brilliant fünf Stimmgabeln. U.a. sind in der Box wohl eine sehr ordentliche „La Poule“-Symphonie von Haydn und eine ebensolche 29. von Mozart.

Gruß, Zelenka
ab (08.10.2007, 09:36):
sorry, falsch editiert, bitte löschen!
ab (08.10.2007, 09:55):
Lieber Zelenka,

Deine Zeilen erinnerten mich gerade daran, dass ich auch die Kreisler-Aufnahme in einer membran-Ausgabe - zu dynamikreduziert - sowie in einem History-Transfer - bekannt sorgsam transferiert - haben müsste; und siehe da, so ist es (das mit den Sammel-Boxen ist so ein Problem, dass man die Übersicht verliert...) : Ich lausche so gerade der 574er-Sonate. Ich empfinde diese übrigens nicht als "spät-spätromantisch", dazu ist mir die Aufnahme zum einen zuwenig vorwärtsdrängend interpretiert sowie, damit zusammenhängend, die Betonung - der deutschen Sprache entsprechend - auf dem Phrasenanfang gelegt und zum anderen trotz des "opulenten" Tons doch tendentiell schlank (zumindest schlanker als beim Grieg dieses Gespanns). "Häuslich" ist sicherlich treffend. Ich finde dies durchaus ok.

Deine Charakterisitik des Spiels Rachmaninovs klingt bei meinem membran-Transfer völlig zutreffend, nicht aber beim History-Transfer: Was für feindynamische Gestaltungen! Auch Kreisler klingt beim klanglich besseren Transfer deutlich weniger "häuslich"!
Fazit: Ein schlechter Transfer und man kommt zu völlig falscher Einschätzung der Güte von Interpreten (Wie sagte schon Karl Kraus vor gut hundert Jahren trefflich: "Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte!" :ignore)

Ich bestreit übrigens keineswegs die Schönheit des Oistrakhs/Yampolsky-Spiels, sondern habe nichts weiter als ein persönliches Geschmacksurteil abgegeben.

Maisenberg/Kremer betreffend habe ich bloß auszusetzen, dass Kremers Ton ansatzlos mit Tonbeginn präsent ist, während Maisenberg einen Anschlag pflegt, dessen Resultat erst etwa in der Tonmitte sein Zentrum hat. (Nur diesen einen Aspekt meinte ich, als ich oben vom "nebenher spielen" schrieb.) Ich kann diese unterschiedlichen Klangauffassungen immer nur sehr schwer zu einer Einheit amalgamieren. (.. und deshalb zögere ich auch, mir die Kremer-Brilliant-Box zuzulegen, auf der doch die Mehrzahl der Aufnahmen mit Maisenberg sind. Zurecht?) Das langsame Tempo gefällt mir persönlich, Dank der Spannung Kremers, sehr gut. Kremers Musikalität sowieso...

Gerne kennte ich die Busch/Serkin-Aufnahme, obwohl ich finde, dass dieses verschwägerte Duo, soweit ich es von Beethoven und Brahms her kenne, keine Idealpartnerschaft bilden. (Liegt das auch womöglich nur am Transfer!!??)

Fazit: Ich vermute, daß wir gar nicht so sehr unterschiedlicher Meinung sind, sonder bloß unsere persönlichen Geschmäcker eher weiter außeinander liegen.
Zelenka (08.10.2007, 17:22):
Lieber ab:

War das nicht der alte Maler Liebermann, der vom Essen und Kotzen sprach, als er von den Nazis aus der Akademie entfernt wurde?

Zu D 574: Offenbar das alte Elend mit unterschiedlich gelungenen Transfers, im konkreten Fall kann ich nichts dazu sagen. Kreislers Spiel war immer etwas gutmütig, sonnig, auch häuslich, das Dämonische z.B. lag ihm nicht, wie Menuhin einmal richtig bemerkt hat. Rachmaninov spielt sicher sehr differenziert, aber ich gehe davon aus, daß auch der beste Transfer zeigen würde, daß er Kreisler nicht die Show stehlen will.

Mit Kremer habe ich seit Jahren leider meine Probleme, nicht zu ändern!

Bei Busch und Serkin ist nicht mit Opulenz zu rechnen, letztlich gehts in die Richtung der "Neuen Sachlichkeit". Aber auch hier ist es schwer, angesichts der allgemeinen Transfer-Misere sichere Urteile zu fällen. (Ich war letztlich überrascht, daß mir alte Monoaufnahmen Serkins einiger Beethovensonaten besser gefielen als das, was CBS später in Stereo klanglich "gezaubert" hat. Ich konnte plötzlich Serkins Klavierton ertragen ...)

Gruß, Zelenka
ab (08.10.2007, 18:04):
Original von Zelenka
Lieber ab:

War das nicht der alte Maler Liebermann, der vom Essen und Kotzen sprach, als er von den Nazis aus der Akademie entfernt wurde?


keine Ahnung, wer die Henne und wer das Ei war oder ob es beide gesagt haben oder aber ob ich falsch informiert bin. Womöglich solte ich aber dieses bonmot behutsamer verwenden, schließlich soll der ursprüngliche Anlass nicht heruntergespielt werden: Verstöße gegen die Menschlichkeit sind doch anders zu gewichten als posthumes Verstümmeln von hörbarer Musikalität.
Zelenka (08.10.2007, 18:13):
Original von ab
Original von Zelenka
Lieber ab:

War das nicht der alte Maler Liebermann, der vom Essen und Kotzen sprach, als er von den Nazis aus der Akademie entfernt wurde?


keine Ahnung, wer die Henne und wer das Ei war oder ob es beide gesagt haben oder aber ob ich falsch informiert bin. Womöglich solte ich aber dieses bonmot behutsamer verwenden, schließlich soll der ursprüngliche Anlass nicht heruntergespielt werden: Verstöße gegen die Menschlichkeit sind doch anders zu gewichten als posthumes Verstümmeln von hörbarer Musikalität.

Der Spruch ist ja mittlerweile Allgemeingut, und beide Herren hätten wohl nichts dagegen, daß hier die schlimmen Machenschaften der Tontechniker angeprangert werden.

Gruß, Zelenka
ab (08.10.2007, 18:46):
Original von Zelenka
Der Spruch ist ja mittlerweile Allgemeingut, und beide Herren hätten wohl nichts dagegen, daß hier die schlimmen Machenschaften der Tontechniker angeprangert werden.

Gruß, Zelenka

Schon recht, dennoch...

Kannst Du - übrigens - meiner Charakterisierung von Maisenberg etwas abgewinnen? So etwas interessiert mich immer sehr...
Zelenka (08.10.2007, 19:41):
Original von ab

Kannst Du - übrigens - meiner Charakterisierung von Maisenberg etwas abgewinnen? So etwas interessiert mich immer sehr...

Ich habe Kremer und Maisenberg gerade noch einmal kurz angespielt, letzterer hat sicher keinen harten Anschlag, was ja auch nicht tadelnswert ist. Ich hatte eben eher den Eindruck, daß Maisenberg im anderen Sinne "nebenher spielt", aber ich bin auch nicht mehr sehr aufnahmefähig. Im übrigen kann es doch jeweils nur um Hundertstel einer Sekunde gehen ...

Gruß, Zelenka
ab (09.10.2007, 21:01):
Original von Zelenka
Im übrigen kann es doch jeweils nur um Hundertstel einer Sekunde gehen ...


Oh, es ging mir nicht um eine zeitliche Verzögerung, sondern um die Klangcharakteristik.
Zelenka (10.10.2007, 13:09):
Original von ab
Original von Zelenka
Im übrigen kann es doch jeweils nur um Hundertstel einer Sekunde gehen ...


Oh, es ging mir nicht um eine zeitliche Verzögerung, sondern um die Klangcharakteristik.

Da ist doch auch eine zeitliche Dimension, wenn Kremers Ton gleich voll da ist und Maisenbergs erst noch etwas Anlauf braucht, um sich voll zu entfalten? Ich fürchte, meine alten Lauscher kommen da ohnehin nicht mehr mit.

Gruß, Zelenka
ab (10.10.2007, 13:29):
Original von Zelenka
Da ist doch auch eine zeitliche Dimension, wenn Kremers Ton gleich voll da ist und Maisenbergs erst noch etwas Anlauf braucht, um sich voll zu entfalten?

Ja aber sie sind doch zusammen, - Anfang und Ende differieren nicht - nur dass sozusagen der Kern des Tons unterschiedlich akzentuiert ist.

nur ganz am Anfang existiert, wobei nur mehr der Rest seines Notenwertswerts gleichsam nachklingt, so ists bei diesem gerade umgekehrt: Erst nachdem Furtwänglers Ton bereits vorbei ist, vollendet er sich sozusagen im Ohr als ein Gesamter. Gardiner gibts sozusagen vor dem Notenwert, Furtwängler (beim Schumann hier) nur hinterher. Anders ist Celibidache, wo er immer im jeweiligen Moment des Notenwerts völlig "da" ist.]
ab (10.10.2007, 13:49):
Original von Zelenka
Rachmaninov spielt sicher sehr differenziert, aber ich gehe davon aus, daß auch der beste Transfer zeigen würde, daß er Kreisler nicht die Show stehlen will.

sicherlich! D'accord!
Zelenka (10.10.2007, 17:36):
Original von ab
Original von Zelenka
Da ist doch auch eine zeitliche Dimension, wenn Kremers Ton gleich voll da ist und Maisenbergs erst noch etwas Anlauf braucht, um sich voll zu entfalten?

Ja aber sie sind doch zusammen, - Anfang und Ende differieren nicht - nur dass sozusagen der Kern des Tons unterschiedlich akzentuiert ist.

nur ganz am Anfang existiert, wobei nur mehr der Rest seines Notenwertswerts gleichsam nachklingt, so ists bei diesem gerade umgekehrt: Erst nachdem Furtwänglers Ton bereits vorbei ist, vollendet er sich sozusagen im Ohr als ein Gesamter. Gardiner gibts sozusagen vor dem Notenwert, Furtwängler (beim Schumann hier) nur hinterher. Anders ist Celibidache, wo er immer im jeweiligen Moment des Notenwerts völlig "da" ist.]

Herzlichen Dank für die Erläuterung!

Gruß, Zelenka
ab (12.10.2007, 09:24):
Damit hätte ich nicht gerechnet, das Andrew Manze sich der Sonate annimmt. Ich bin schon gespannt wie ein Flitzebogen:

Violinsonaten op. 137 Nr. 1-3 , op. 162
Andrew Manze
Richard Egarr

Dazu hier überschänglich.


Schubert, Franz: Violinsonaten op. 137 Nr. 1-3 , op. 162
Label: harmonia mundi

http://magazin.klassik.com/records/covers/11346_400x400.jpg
Zelenka (12.10.2007, 12:50):
Original von ab
Damit hätte ich nicht gerechnet, das Andrew Manze sich der Sonate annimmt. Ich bin schon gespannt wie ein Flitzebogen:

Violinsonaten op. 137 Nr. 1-3 , op. 162
Andrew Manze
Richard Egarr

Dazu hier überschänglich.


Schubert, Franz: Violinsonaten op. 137 Nr. 1-3 , op. 162
Label: harmonia mundi

http://magazin.klassik.com/records/covers/11346_400x400.jpg

Da bin ich allerdings auch sehr gepannt, was Manze aus den Soanten machen wird!

Gruß, Zelenka
Gamaheh (04.01.2008, 16:33):
Original von Zelenka

Andrew Manze
Richard Egarr
Schubert, Franz: Violinsonaten op. 137 Nr. 1-3 , op. 162
Label: harmonia mundi

http://magazin.klassik.com/records/covers/11346_400x400.jpg


Die lief gerade bei 2001, und ich war wirklich auf Anhieb sehr angetan; ich überlege direkt, ob ich sie mir leiste.

Ansonsten habe ich eine ältere Aufnahme (von Schuberts gesamten Werken für Violine und Klavier) mit Gérard Poulet und Noël Lee, die ich sehr gerne höre.

Die Aufnahmen mit Afanassiev habe ich auch gehört, kann aber nicht sagen, daß der Funke da wirklich übergesprungen wäre (es ist aber schon eine Weile her, und ich habe sie nicht zur Hand).

Grüße,
Gamaheh
Sarastro (25.02.2008, 18:38):
Ich kenne nur die drei Sonatinen op. 137, die mir alle - vor allem die erste in D-Dur und der Kopfsatz der dritten in g-Moll - sehr gut gefallen und die ich trotz ihrer relativen Einfachheit keineswegs zu wenig tiefgründig finde. Vielleicht ist es die besonders stark fühlbare Nähe zu Mozart, die mir diese Werke besonders nahebringt, näher als manches andere von Schubert. Hinsichtlich Melodik, Struktur (formale Geschlossenheit, keine "himmlischen Längen") und Satztechnik sind diese Werke ja stark der Wiener Klassik verpflichtet. Es fehlen aber auch typisch Schubertsche Elemente nicht: Dreiklangsequenzen wie die jeweils fünfmal auftretende spannungsgeladene und nicht aufgelöste(!) Folge des - f- a'/a'' in Takt 70 und 72 (in der Durchführung) des ersten Satzes der g-Moll-Sonatine dürften in der Musik vor 1816 kaum anzutreffen sein.
Ich habe eine alte in Italien gekaufte Schallplatte mit diesen drei Sonatinen (mit "Salvatore Accardo, violinista, Lodovico Lessona, pianista"), die mir bisher gereicht hat, aber da sollte ich wohl mal nachrüsten ...

Schöne Grüße,
Sarastro
Zelenka (26.02.2008, 17:08):
Original von Sarastro

Ich habe eine alte in Italien gekaufte Schallplatte mit diesen drei Sonatinen (mit "Salvatore Accardo, violinista, Lodovico Lessona, pianista"), die mir bisher gereicht hat, aber da sollte ich wohl mal nachrüsten ...

Schöne Grüße,
Sarastro

An guten Tagen war oder ist Accardo ja nun kein schlechter Geiger ... Ansonsten bin ich schon weiter der Meinung, daß man die drei Sonaten oder Sonatinen nicht unbedingt mit Bedeutung überfrachten sollte.

Gruß, Zelenka
Sarastro (03.03.2008, 17:53):
Na ja, mit Bedeutung überfrachten tu ich sie ja auch nicht, ich finde einfach nur, daß es sich um wohlgesetzte sowie - und das ist mir wichtig - durchaus inspirierte und beseelte Stücke handelt, die man sehr gut genießen kann, ohne sie, sagen wir mal, gegen die Kreutzersonate ausspielen zu müssen ...

Grüße,
Sarastro