Schumann, Klavierkonzert in A-moll op. 54

Zelenka (16.10.2007, 17:30):
Dann kam das Klavierkonzert hinzu, das habe ich auch schon als ganz junger Mann zu spielen versucht. Und ich muß wirklich betonen: versucht, weil es ein Stück ist, das beim Lesen wunderbar einleuchtend scheint. Wenn man es aber unternimmt es aufzuführen, ist da dies und jenes, was nicht ganz stimmt, was nicht ganz ins Lot gekommen ist. Ich will die Komposition gar nicht beschuldigen, doch fällt es offenbar dem Interpreten und dem Zusammenwirken aller Beteiligten in diesem Stück besonders schwer. Es gibt frustrierende Werke, wo man manchmal in die Nähe, aber nie ganz hinkommt.
(Alfred Brendel in "Ausgerechnet ich", pp. 203-4)


Schumanns Klavierkonzert in A-moll op. 54: Der gezähmte Florestan?


Ganz zu Beginn unvermittelt eine Kaskade von Akkorden, die nur hier in dieser Form erscheint, dann eine unvergeßliche Melodie, die gleich vorherrschend wird und aus der sich fast alles Folgende entwickeln wird: Der Beginn von Schumanns einzigem Klavierkonzert ist spektakulär. Darf man vielleicht die feurigen Akkorde zu Anfang dem lebhaften Florestan in Schumann zuordnen, das beherrschende Hauptthema aber Clara? Oder kann man den langsamen Teil (andante espressivo) des Kopfsatzes als Liebesduett deuten? Wird der unstete Florestan endlich von der sanften Clara sozusagen gezähmt? Vielleicht, vielleicht auch nicht, reizvoll sind solche Spekulationen allemal. Die Entstehung dieses erzromantischen Konzerts ist jedenfalls einigermaßen unromantisch verlaufen, es wurde keineswegs in einer einzigen kurzen, intensiven und inspirierten Arbeitsphase geschaffen. Begonnen wurde es 1841 etwa ein halbes Jahr nach der Hochzeit der Schumanns und zwar als einsätzige Fantasie mit jenem eigenen langsamen Mittelteil, dem "Liebesduett", und einem eigenen Finale. In dieser Form konnte das Stück weder aufgeführt noch verlegt werden, der Markt verlangte unerbittlich dreisätzige Konzerte. 1845 fügte Schumann nahtlos zwei weitere Sätze an: das traumhaft schöne Intermezzo und das ohne Pause folgende optimistische, vorwärtsdrängende Finale (allegro vivace). Insgesamt war das Werk jetzt etwa doppelt so lang geworden. Die Uraufführung war im Dezember 1845 in Leipzig, natürlich mit Clara am Flügel.

Das Konzert ist von Schumann sehr bewußt nicht für mehr oder weniger eitle Virtuosen geschrieben worden, und Liszt z.B. hat es anfangs deswegen auch nicht spielen wollen. Vielleicht noch mehr als Beethovens Violinkonzert, dem es in diesem Punkte ähnelt, setzt dieses Klavierkonzert auf den Dialog zwischen dem Solisten und dem Orchester. Beide Seiten müssen sehr aufmerksam und flexibel sein. Zeitweise vertauschen sich die Rollen, wenn das Klavier das Orchester begleitet. Anderswo wird es richtiggehend kammermusikalisch, wenn das Klavier mit einzelnen Instrumenten aus dem Orchester Zwiegespräche hält. Die Zeitgenossen nahmen sehr wohl war, daß Schumann neue Wege ging, auch wenn sein Konzert wiederum in einer Tradition steht und er Anregungen von Beethoven (3. Klavierkonzert), Mendelssohn, Schubert und Bach bezog.

Auch im Zusammenhang mit diesem Konzert sind Schumann Schwächen bei der Orchestrierung vorgeworfen worden. Ganz unberechtigt sind sie nicht, viel Erfahrung hatte er nicht, als er mit der ursprünglichen Fantasie begann. Vielleicht macht es sogar den besonderen Charme dieses Meisterwerks aus, daß es eben nicht ganz perfekt ist, sondern ein wenig grün und jugendlich geblieben ist. Und im ganzen jugendlich frisch sollte es meiner Meinung nach gespielt werden und eben nicht schmalzig-schmachtend bis hin zur völligen Gedankenverlorenheit und Lethargie. Bruno Walter ("Von der Musik und vom Musizieren") hat z.B. auf eine unselige Aufführungstradition hingewiesen, die bis zum heutigen Tage nicht ausgerottet ist: Nach den fallenden Akkorden ganz zu Anfang wird das Tempo für das "Clara-Thema" gewöhnlich sofort gedrosselt, obwohl das in der Partitur überhaupt nicht so notiert ist. Erst sehr viel später wird das Thema langsamer verlangt, ein Kontrast geht also dann entweder verloren oder es muß wiederum noch langsamer, noch schmachtender gespielt werden … Ein wenig Schmachten, ein wenig Sehnsucht muß sein, aber nicht im Übermaß. Auch unbändige Lebenslust und Drama haben hier ihren Platz, und wie sich anhand der gehörten Aufnahmen zeigt, sind diese verschiedenen Elemente in diesem Konzert nicht einfach im Gleichgewicht zu halten.


Aufnahmen

Cortot, LSO, Ronald (1927) Andromeda ANDRCD5012 14.54 4.54 10.03
Nat, O Symphonique, Bigot (1933) EMI 094634782623 14.50 4.36 10.10

Sowohl Cortot als auch Nat standen leider nur sehr mäßige Orchester zur Verfügung, als Solist ist wohl Cortot der "romantischere" oder freiere. Während das Klavier in beiden Aufnahmen noch einigermaßen gut eingefangen wurde, ist der Orchesterklang beide Male eher katastrophal.

Gieseking, BPO, Furtwängler (1942) Arkadia The 78s 1CD78556 14.54 5.43 9.39
Gieseking, Sinfonie O des Hessischen Rundfunks, Schröder (1949) Tahra TAH409/412 14.22 5.13 9.44

Auch im Falle Giesekings unter Furtwängler muß man erhebliche Konzessionen machen, was die technische Qualität der Live-Aufnahme angeht. (Ob andere Transfers vielleicht besser gelungen sind, vermag ich nicht zu sagen.) Giesekings Spiel ist eher nüchtern und elegant, teils auch ein wenig uninvolviert, Solist und Dirigent sind, fast erwartungsgemäß, nicht immer einer Meinung. Im Prinzip prallen hier Welten aufeinander: der zwar wendige, aber eher wuchtige Dirigierstil Furtwänglers und Giesekings eher nach Frankreich weisende Leichtigkeit. Besser abgestimmt sind Gieseking und Schröder, leider läßt die Orchesterleistung ein wenig zu wünschen übrig.

Lipatti, Philharmonia O, von Karajan (1948) Philips Great Pianists of the 20th Century 4568922 14.22 5.26 9.56
Lipatti, O de la Suisse Romande, Ansermet (1950) Decca Golden Documents 4581212 15.32 4.52 11.28

Lipatti und Karajan hatten recht unterschiedliche Vorstellungen, wie das Konzert zu spielen sei: ein straff führender "superklassischer" (Lipatti) Dirigent und ein Solist, der sich einige Freiheiten nehmen wollte und es dann nur in der Kadenz konnte. Trotz dieser Spannungen bleibt die Aufnahme schon allein wegen Lipattis wunderschönem Spiel ein Klassiker. Vielleicht ziehe ich allerdings doch die (klanglich sehr mäßige) Live-Aufnahme unter Ansermet vor, der Lipattis Sicht des Konzerts weitgehend respektiert. (Nebenbei sei noch erwähnt, daß Karajan 1954 sich Arrau gegenüber bei einer Aufführung in Edinburgh ähnlich verhalten hat wie gegenüber Lipatti, er erreichte das Ende des Konzerts vor dem Solisten …)

M. Haas, BPO, Jochum (1951) DG Original Masters 002894776201 14.47 4.55 10.33
M. Haas, BRSO, Jochum (1954) Tahra TAH567 14.38 4.36 10.47

Nach anfänglicher Begeisterung für Monique Haas' Spiel ist inzwischen bei mir eine gewisse Ernüchterung eingetreten. Es scheint mir bei aller durchaus von mir erwünschten Leichtigkeit ein wenig zu monochrom. Dies gilt für beide hier vertretenen Versionen. Jochum ist ein zuverlässiger Begleiter.

Haskil, Philharmonisches Orchester Den Haag, van Otterloo (1951) Vandisc THE5005 14.02 4.37 10.17

Die größte Neuentdeckung bei der Vorbereitung dieses Beitrags war für mich Clara Haskil, deren Aufnahme, wenn es nach ihrem Willen gegangen wäre, nie hätte veröffentlicht werden sollen. Ein wenig unzufrieden konnte sie mit der der Leistung des Haager Orchesters sein, ihr Spiel bleibt dagegen erfrischend frei von romantisierenden Zutaten wie übermäßigem Rubato.

Hess, Philharmonia O, Schwarz (1952) Philips Great Pianists of the 20th Century 4568322 15.51 5.37 11.37

Myra Hess' Version ist wohl einer früheren Aufnahme des Konzerts mit ihr unterlegen, bei allem Schönklang fehlt es hier ein wenig an Verve.

Kempff, LSO, Krips (1953) DG Original Masters 4740242 15.22 5.36 11.17
Kempff, BRSO, Kubelik (1973) DG POCG90121 15.35 5.40 11.50
Kempff, BRSO, Kubelik (1977) Dreamlife DLVC8038 DVD

Kempffs erste Einspielung ist wohl seine beste geblieben, dies mag vor allem an Krips' sehr aufmerksamen Dirigat liegen, das mir insgesamt besser gefällt als das von Kubelik in den beiden späteren Versionen. Allen drei Versionen gemeinsam ist, daß besonders der Kopfsatz und das Finale zu langsam genommen werden, auch wenn Kempffs poetisches Spiel, besonders dann auch im Intermezzo, immer wieder ein Genuß ist.

Richter, Radio-Orchester Moskau, Gauk (1954 ) Multisonic 3102682 14.18 4.59 9.43
Richter, Warsaw National Philharmonic, Rowicki (1958) Ö1-Klassiker 4748532 14.28 5.13 10.20

Richter ist hier mit zwei Aufnahmen vertreten, die ihn beide nicht im besten Licht zeigen. Ob dies in beiden Fällen hauptsächlich auf das Konto der in der Tat wenig inspirierenden, spannungslosen Begleitung geht, wage ich nicht zu beurteilen. Ein wirkliches Geben und Nehmen scheint nicht zustandezukommen, Richter selbst wirkt eher steif.

Francois, O National de la Radiodiffusion Francaise, Kletzki (1958) EMI Les Introuvables CZS762912 15.27 4.29 10.25

Eine neue Bekanntschaft war Francois in diesem Konzert, auch hier kann ich meine Enttäuschung nicht verhehlen. Schon am Beginn des Konzerts irritiert die ungemein schleppende Begleitung Kletzkis, der ein Orchester dirigiert, das nicht sehr diszipliniert zu sein scheint.

Anda, BPO, Kubelik (1963) DG Original Masters 002894775289 15.34 5.32 10.55

Andas Version war in der LP-Zeit meine erste Einspielung des Konzerts überhaupt und ist nicht aus meinem Gedächtnis zu verdrängen, auch wenn ich ihr später ein wenig untreu geworden bin. Sie stellt eine sehr eigenwillige, breitangelegte, tiefdurchdachte und hochpoetische Sicht des Konzerts dar, die aber letztlich, etwa hinsichtlich des großzügig eingesetzten Rubato, manchmal schlicht zuviel des Guten ist.

Serkin, Philadelphia O, Ormandy (1964) Sony esprit 82876887962 14.51 5.24 10.25

Serkin hatte ich schon einmal aus meiner Sammlung entfernt, für diesen Beitrag ist er noch einmal zurückgekehrt und macht immer noch nicht recht Freude. Grundsätzlich handelt es sich um eine durchaus zufriedenstellende Version, die aufmerksam begleitet ist, am Ende aber ohne rechten Charme und wirkliche Inspiration bleibt. Es mag an Serkins für mich immer wieder problematischen Klavierton liegen. (Interessanter sind die beigegebenen seltenen, aber durchaus hörenswerten Konzertstücke opp. 92 und 134 für Klavier und Orchester.)

Kovacevich, BBC Symphony O, C. Davis (1970) Philips 50 Great Recordings 4647022 14.42 5.32 10.31

Über längere Zeit war Kovacevich wohl meine bevorzugte Einspielung. Colin Davis ist hier ein sehr aufmerksamer Begleiter, das Wechselspiel zwischen Soloist und Orchester könnte kaum besser gestaltet sein (wie auch später in Perahias erster Aufnahme des Konzerts). Kovacevich vermeidet es ganz richtig peinlichst, sein Spiel etwa mit schmachtendem Rubato zu sentimantalisieren. Ich wünschte nur einmal mehr, daß sein Klavierton schöner wäre.

Lupu, LSO, Previn (1973) Decca Legends 4663832 14.35 5.23 10.28

Lupus Version macht mir viel Freude mit ihrer Frische und ihrer Brillianz in den Außensätzen und ihrer Zartheit des Ausdrucks im Intermezzo.

Gilels, LSO, Böhm (1975) Andante Great Orchestras 4983 16.56 4.22 12.13

Gilels' Salzburger Aufnahme ist fast schockierend angesichts ihrer bleiernen Schwere und Lethargie. Der Solist hatte offenbar erst sehr spät im Leben zum Konzert gefunden.

Moravec, Tschechische Philharmonie, Neumann (1976) Supraphon SU35082 15.45 5.40 10.34

Obwohl mir der Kopfsatz in Moravec' Version zu langsam genommen zu sein scheint, ist sie für mich eine der schönsten Neuentdeckungen der letzten Zeit allein schon wegen des einfach herzzereißend schönen und sorgfältigen Spiels des Solisten. Nicht das einzige Mal, daß ich interpretatorische Vorgaben meinerseits einfach unterdrücken muß …

Grigore, Symphony O of the Cluj Philharmonic (1987) Electrecord EDC244/245 16.17 II + III 16.31

Der mir bis vor kurzem völlig unbekannte rumänische Pianist Dan Grigore ist hier durchaus kompetent und recht erfreulich, aber im ersten Satz viel zu langsam.

Perahia, BRSO, C. Davis (1988) CBS MK44899 14.43 5.12 10.19
Perahia, BPO, Abbado (1994) Sony SK64577 14.48 5.08 10.08
Pollini, BPO, Abbado (1989) DG Masters 4455222 15.08 5.32 10.29

Perahias sehr empfehlenswerte Münchener Live-Aufnahme unter Colin Davis sehe ich heutzutage ein klein wenig kritischer als vordem: In den ersten beiden Sätzen spielt er ein wenig neben dem Orchester her, überbetont zuweilen und erlaubt sich, etwa im Vergleich mit Kovacevich, ein paar Freiheiten, die nicht unbedingt angebracht sind. Perahias spätere Version unter Abbado (gekoppelt mit opp. 92 und 134) ist leider eher enttäuschend. Dies mag auf den Dirigenten zurückgehen, der möglicherweise mit der eigentümlichen Poesie Schumanns nicht viel anfangen kann, ein Tatbestand, der sich dann auch bei Pollini offenbart, nur daß in letzterem Falle auch der Solist nicht recht bei der Sache zu sein scheint und nicht viel zum Konzert mitzuteilen hat.

Holtmann, RSO Berlin, Soltesz (1991) Laserlight Classics 14097 14.52 5.43 10.28

Holtmanns unspektakuläre Einspielung (gekoppelt mit den beiden Konzertstücken) bleibt nicht länger im Gedächtnis haften.

Argerich, Chamber O of Europe, Harnoncourt (1992) Teldec 4509906962 14.24 5.09 10.01

Martha Argerich vergißt man nicht so schnell, dieses Konzert scheint gerade in den letzten Jahren ihre besondere Spezialität zu sein. Bei dieser schon älteren Live-Aufnahme verläuft keineswegs alles perfekt, Harnoncourt ist allein schon nicht flexibel genug. Angesichts der Farbigkeit und Brillianz des Spiels der Solistin verstummt auch hier einmal wieder schnöde Kritik.

Staier, O des Champs Elysées, Herreweghe (1995) Harmonia Mundi musique d'abord HMA1951731 12.09 4.59 8.06

Staiers Version ist hier die einzige, in der historische Instrumente zum Einsatz kommen, der Solist spielt auf einem Flügel aus der Zeit um 1850. Dies ist eine schlanke Einspielung z.B. völlig ohne schmachtendes Rubato und mit Tempi, die wohl den Intentionen des Komponisten näher kommen dürften als jene in allen anderen hier vertretenen Aufnahmen.

Brendel, Philharmonia O, Sanderling (1997) Philips 4623212 15.30 5.12 11.28

Und zum guten Schluß Brendel, der ebenfalls eine eher unsentimentale, nüchterne, im ganzen sehr aufmerksam begleitete Interpretation vorlegt, die im Finale allerdings nicht recht abzuheben vermag.

Vielleicht sollte ich jede Aufnahme, deren Kopfsatz länger als 15 Min. und deren dritter Satz länger als 11 Min. dauert, von vornherein strengstens abwerten. Bei Überschreitung dieser Höchstzeiten stellt sich automatisch der Verdacht ein, daß z.B. zuviel schmachtendes Rubato zum Einsatz kommt und auch die Anweisungen Schumanns öfter ignoriert werden. Es hat dann, Moravec ist da ein Beispiel, doch wieder Pluspunkte für wunderschönes Spiel gegeben, dieser Rezensent ist schon bestechlich, auch wenn er meint, daß die Idealzeiten für eine Aufführung eher näher an denen der Staier-Aufnahme liegen müßten.

Aus den 30 gehörten Aufnahmen kristallisiert sich leider keine absolute Idealaufnahme heraus, was vielleicht auch angesichts der Wankelmütigkeit des Rezensenten nicht anders zu erwarten ist. Alfred Brendel hat recht: Dies ist kein einfaches Konzert … Im Moment möchte ich jedenfalls keineswegs ohne Lipatti, Haskil, Anda, Kovacevich, Moravec, Lupu und Perahia (1988) sein.

Gruß, Zelenka
HenningKolf (16.10.2007, 18:21):
Schon lange nehme ich mir vor, mich endlich mal mit Schumann zu beschäftigen.......ich traue mich ja kaum mich zu outen, aber ich habe nur ein paar Aufnahmen der Sinfonien und auch diese liegen schon lange größtenteils ungeöffnet herum :ignore. Was ich gehört habe hat mir sogar gefallen, ich weiss auch nicht, warum es dabei geblieben ist.

Und weil ich Klavierkonzerte liebe, werde ich auch mit einer Einspielung des hier vorgestellten Konzerts einen Versuch wagen.

Danke für die sehr kenntnisreiche threaderöffnung.

So, und jetzt sollen die schreiben, die von der Materie Ahnung haben.............

Gruß
Henning
Zelenka (16.10.2007, 18:32):
Original von HenningKolf

Und weil ich Klavierkonzerte liebe, werde ich auch mit einer Einspielung des hier vorgestellten Konzerts einen Versuch wagen.

Gruß
Henning

Lieber Henning:

Dann hat ja meine Fadeneröffnung wenigstens schon einmal ein wenig Sinn gemacht! Garantieren, daß Dir das Konzert gefällt, kann ich natürlich nicht.

Gruß, Zelenka
Rachmaninov (16.10.2007, 19:34):
@Zelenka,

danke für diese sehr persönliche und wunderbare Threaderöffnung, die wiedereinmal zeigt, daß Du ein wirklicher Kenner der klassischen Musik bist und darüber hinaus scheinbar nahezu eine wahnsinnige Vielzahl Aufnahmen bereits kennst.

Original von Zelenka
Dann kam das Klavierkonzert hinzu, das habe ich auch schon als ganz junger Mann zu spielen versucht. Und ich muß wirklich betonen: versucht, weil es ein Stück ist, das beim Lesen wunderbar einleuchtend scheint. Wenn man es aber unternimmt es aufzuführen, ist da dies und jenes, was nicht ganz stimmt, was nicht ganz ins Lot gekommen ist. Ich will die Komposition gar nicht beschuldigen, doch fällt es offenbar dem Interpreten und dem Zusammenwirken aller Beteiligten in diesem Stück besonders schwer. Es gibt frustrierende Werke, wo man manchmal in die Nähe, aber nie ganz hinkommt.
(Alfred Brendel in "Ausgerechnet ich", pp. 203-4)


Oh, interessante Ausführung! Hoffe Jeremias findet die Zeit und kann ggf. hier aus der Sicht des "Pianisten" auch seine Erfahrungen mitteilen ?(
Zugegeben, für mich klingt das Material nicht wirklich "schwer" im Vergleich zu anderen Konzerten.


Schumanns Klavierkonzert in A-moll op. 54: Der gezähmte Florestan?

Darf man vielleicht die feurigen Akkorde zu Anfang dem lebhaften Florestan in Schumann zuordnen, das beherrschende Hauptthema aber Clara? Oder kann man den langsamen Teil (andante espressivo) des Kopfsatzes als Liebesduett deuten? Wird der unstete Florestan endlich von der sanften Clara sozusagen gezähmt? Vielleicht, vielleicht auch nicht, reizvoll sind solche Spekulationen allemal.


Interessanter Gedankengang. Wie kommst Du zu dieser Spekulation, wie Du es selber bezeichnest.


Das Konzert ist von Schumann sehr bewußt nicht für mehr oder weniger eitle Virtuosen geschrieben worden, und Liszt z.B. hat es anfangs deswegen auch nicht spielen wollen. Vielleicht noch mehr als Beethovens Violinkonzert, dem es in diesem Punkte ähnelt, setzt dieses Klavierkonzert auf den Dialog zwischen dem Solisten und dem Orchester. Beide Seiten müssen sehr aufmerksam und flexibel sein. Zeitweise vertauschen sich die Rollen, wenn das Klavier das Orchester begleitet. Anderswo wird es richtiggehend kammermusikalisch, wenn das Klavier mit einzelnen Instrumenten aus dem Orchester Zwiegespräche hält. Die Zeitgenossen nahmen sehr wohl war, daß Schumann neue Wege ging, auch wenn sein Konzert wiederum in einer Tradition steht und er Anregungen von Beethoven (3. Klavierkonzert), Mendelssohn, Schubert und Bach bezog.


Äußerst reizvoll sind für mich die Solopassagen, die auch klar zeigen das Schumann's "Traditon" die Klaviermusik ohne Orchester ist.


Ein wenig Schmachten, ein wenig Sehnsucht muß sein, aber nicht im Übermaß.


Da bin ich völlig Deiner Meinung! Romantisch ja, zu "schmalzen" bitte NICHT!


Lipatti, Philharmonia O, von Karajan (1948) Philips Great Pianists of the 20th Century 4568922 14.22 5.26 9.56
Lipatti, O de la Suisse Romande, Ansermet (1950) Decca Golden Documents 4581212 15.32 4.52 11.28

Lipatti und Karajan hatten recht unterschiedliche Vorstellungen, wie das Konzert zu spielen sei: ein straff führender "superklassischer" (Lipatti) Dirigent und ein Solist, der sich einige Freiheiten nehmen wollte und es dann nur in der Kadenz konnte. Trotz dieser Spannungen bleibt die Aufnahme schon allein wegen Lipattis wunderschönem Spiel ein Klassiker.


Diese Aufnahme besitze ich auch, in einer Lipatti Box, die ich einst kaufte. Die große Faszination, die diese Aufnahme teilweise auslöst blieb mir beim hören "fremd". Werde sie bei Gelegenheit nochmals hören :engel


Aus den 30 gehörten Aufnahmen kristallisiert sich leider keine absolute Idealaufnahme heraus, was vielleicht auch angesichts der Wankelmütigkeit des Rezensenten nicht anders zu erwarten ist.
Gruß, Zelenka

Das hat eher wenig mit Wankelmüdigkeit zu tuen, sondern mit der Tatsache, daß man durchaus in vielen serh guten Aufnahmen sehr positive Aspekte findet, und ein Werk in vielerlei hinsicht "Beleuchtet" werden kann.

Ich besitze die Aufnahmen:

Jansson - Andsnes
Karajan - Zimerman
Pollini - Abbado
Klara Würz
Richter (DG)
Van Cliburn - Reiner(?)

Ein klarer Favorit kristalisiert sich bei mir nicht heraus. Werde sie aber auch alle im laufe der kommenden Wochen hören.

Zu Van Cliburn: Man muss schon fast feststellen, er spielt das Konzert fast so als wäre er eher bei Prokofiev oder Tchaikovsky.
Zelenka (16.10.2007, 20:39):
Lieber Rachmaninov:

Die Sicht eines Pianisten wäre natürlich höchst willkommen! Insgesamt ist der Klavierpart sicher nicht der schwerste ... Aber das Konzert ist aus anderen Gründen eben nicht einfach.

Die Spekulation (Florestan, Clara) ist im Prinzip Allgemeingut. Im "Clara-Thema" ist der Name in fünf fallenden Noten "einkodiert". Die Florestan-Anspielung ist spekulativer.

Ich habe es ab und an erlebt, daß Lipatti nicht ganz so heiß und innig geliebt wird. Ich glaube aber trotzdem nicht, daß ich hier unkritische Heiligenverehrung betreibe.

Ich bin neidisch auf Leute, die für bestimmte Werke eine eindeutige Spitzenempfehlung geben können ... Ich wünschte wirklich, ich könnte es.

Du hast da ein paar Aufnahmen, die ich auch noch gern gehört hätte, aber es mußte einfach jetzt Schluß sein!

Gruß, Zelenka
Cosima (16.10.2007, 20:46):
Lieber Zelenka,

vielen Dank für Deinen interessanten Einführungsbeitrag zu einem der schönsten Klavierkonzerte der Weltliteratur! :) Auch ich habe bislang keine Idealinterpretation gefunden (obwohl ich mich nahe dran wähne), weshalb sich wohl auch eine größere Anzahl von Aufnahmen angesammelt hat:

Aufnahmen, die mich (aus unterschiedlichen Gründen) nicht ansprechen, sind:

Barenboim, Daniel / London Philharmonic Orchestra - Fischer-Dieskau (EMI)
Lipatti, Dinu / Philharmonia Orchestra - Karajan (EMI)
Michelangeli, Arturo Benedetti / Warsaw Philharmonic Orchestra – Rowicki (Altara)
Staier, Andreas / Orchestre des Champs Elysées – Herreweghe (Harmonia mundi)
Kovacevich, Stephen / BBC Symphony Orchestra – Davis (Philips)
Brendel, Alfred / Philharmonia Orchestra – Sanderling (Philips)
Haskil, Clara / Philh. Orchester Den Haag – van Otterloo

Perahia, Murray – Symphonieorchester des Bay. Rundfunks – Davis (CBS)
Sicher eine gute Aufnahme, aber ich empfinde Perahias Klavierspiel immer als etwas langweilig.

Was Richter angeht, so muss ich Dir leider Recht geben. Weder die von Dir genannten Aufnahmen unter Rowicki und Gauk, noch jene unter Matacic (EMI) gefallen mir. Richter ist IMO zu „schwergewichtig“ für dieses Werk – ich höre es lieber froh und leuchtend gespielt.

(Eigentlich müsste Rubinstein ein guter Interpret sein. Er hat doch dieses Leuchtende und Glückliche in seinem Spiel. Hat er das Konzert nicht gespielt?)

Aufnahmen, die ich gern bis sehr gern höre, sind:

Lipatti, Dinu / Orch. de la Suisse Romande – Ansermet (Decca)

François, Samson / Orch. Nat. de la Radiodiffusion – Kletzki (EMI):
Hier gefällt mir François’ gelöstes, tänzerisches Klavierspiel sehr gut.

Pollini, Maurizio / Berliner Philharmoniker – Abbado (DG):
Keine frohe und leuchtende Interpretation, dennoch macht es Pollinis leuchtendes Klavierspiel für mich wett.

Moravec, Ivan / Czech Philharmonic Orchestra – Neumann (Supraphon):
Wunderschön gespielt.

Und schließlich: Lupu, Radu / London Symphony Orchestra – Previn (Decca) :down

Dies war die erste Aufnahme des Klavierkonzertes, die ich gehört habe. Und bis heute ist es auch meine liebste geblieben.

Soweit dieser erste Überblick. :engel

Gruß, Cosima
teleton (17.10.2007, 07:58):
Hallo Schumann-Freunde,

Danke erst einmal für Zelenkas hervorragenden Anfangsbeitrag zu Schumanns wunderbarem Klavierkonzert.

Doch sollte so ein Anfangsbeitrag niemanden davon abhalten weit weniger anspruchsvolle Anfangsbeiträge zu gestalteten und diesen als Standard für das Forum anzusehen.
:J Sonst traut sich ja keiner mehr neue Threads zu starten !

Obwohl sehr viele Aufnahmen des Schumann-Klavierkonzertes bereits Erwähnung fanden sind meine drei (von vier) Aufnahmen nicht dabei, die ich kurz vorstellen möchte.

1. In sehr vielen Fällen ist das Schumann-Klavierkonzert immer mit dem Grieg-Klavierkonzert gekoppelt. Das liegt natürlich an der zeitlichen Nähe beider Konzerte.
So auch bei meiner ersten CD (hatte das Konzert zuvor nie auf LP) mit
Entremont / Philadelphia Orchestra / Ormandy (CBS)
Die CD hatte ich eigendlich wegen Grieg gekauft, doch gefiel mir Schumann auch sehr gut. Da die Aufnahme von 1958 ist, sind schon einige Klangdifferenzen und Rauschen zu verzeichnen.

2. Im Rahmen der Schumann-Sinfonien mit Bernstein (DG) war auch das Schumann-Klavierkonzert beim Kauf wiedermal dabei mit
Justus Frantz / Wiener PH / Bernstein (DG).
Da diese Aufnahme wesentklich neueren Datums ist, war ich nicht nur von Klang sehr zufrieden. Der oft vielgescholtene Frantz hat das Konzert mit Bernstein Jahre zuvor schonmal in New York auf CBS (heute SONY) mit Bernstein aufgenommen. Die beiden sind also gut eingespielt.
Ich finde die Aufnahme nicht schlecht.

3. Da ich klanglich mit Entremont nicht das non Plus Ultra hatte, kaufte ich mir die Afnahme mit dem von mir immer hochgeschätzeten Duo
Fleisher / Cleveland Orchestra / Szell (CBS).
Diese Interpretation scheint mir perfekt zu sein und erstmals empfinde ich eine geschmackliche "Gleichwertigkeit" der Konzerte von Grieg und Schumann, denn sonst hatte ich die CD´s ja immer wegen Grieg gekauft.
:W Diese ist meine Favoriten-Aufnahme !

4. Später kam noch durch Zufall die von cosima bekannte Aufnahme mit
Pollini / Berliner PH / Abbado (DG)
hinzu, die mir ebenfalls gut gefällt.
Interessant cosimas Zitat: "Keine frohe und leuchtende Interpretation, dennoch macht es Pollinis leuchtendes Klavierspiel für mich wett."
Das diese nicht froh und leuchtend ist, kann ich irgendwie nicht nachvollziehen. Zustimmung zu Pollinis Klavierspiel, dass ich wie immer als absolut perfekt empfinde.

:beer Ich bin natürlich nicht der Kenner des Schumann-Klavierkonzertes, wie Zelenka und Cosima, aber ich denke, dass ich mit meinen Aufnahmen gut ausgestattet bin.

An Abb habe ich nur diese gefunden:
http://ecx.images-amazon.com/images/I/61W9SVYXP5L._AA240_.gif
DG, 1988, DDD

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41R6AXDK4HL._AA240_.jpg
DG, 1994, DDD
Seltsam, bei mir ist Schumann mit Grieg gekoppelt. Diese Abb ist aber nirgens vorhanden.
AcomA (17.10.2007, 12:13):
lieber Zelenka,

herzlichen dank für diesen thread ! :)

nunmeine erfahrungen im 'low-profile':

top:

zacharias, kammerorch. lausanne, zacharias (MDG)
anda, berl. ph., kubelik (DG)
rubinstein, boston s. (?), giulini (RCA)
francois, orch. nat..., kletzki
lipatti, philh.orch., karajan
benedetti michelangeli, NY ph., mitropoulos
moravec, dallas SO, dirigent fällt mir momentan nicht ein (DOREMO)

wirklich gut:

lupu, arrau, pollini, fleisher, kovacevich, s.richter (warschau), zimerman

kalt oder unangenehm:

s. richter (monte carlo), andsnes

meine derzeitige lieblingsaufnahme ist die recht aktuelle einspielung durch christian zacharias, der gleichzeitig sein kammerorchester leitet. es ist eine sehr engagierte, liebevolle interpretation mit sorgfältiger motivation des orchesters. klanglich übrigens famos. außerdem werden auch noch die späteren konzertstücke für klavier und orchester gespielt. das introduktion und allegro appassionato op.92 ist ein ebenfalls sehr starkes und intensives werk !

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/1508004.jpg

gruß, siamak :engel
Cosima (17.10.2007, 12:51):
Original von AcomA
rubinstein, boston s. (?), giulini (RCA)

Dachte ich mir doch, dass eine Rubinstein-Interpretation gut sein müsse!

meine derzeitige lieblingsaufnahme ist die recht aktuelle einspielung durch christian zacharias, der gleichzeitig sein kammerorchester leitet.

Die würde mich auch sehr interessieren. Ich glaube nämlich, dass Zacharias genau das richtige Temperament, die Frische und eine Spur Unbekümmertheit besitzt, die diesem Konzert IMO gut tun würden.

Gruß, Cosima
ab (17.10.2007, 14:03):
Original von teleton

1. In sehr vielen Fällen ist das Schumann-Klavierkonzert immer mit dem Grieg-Klavierkonzert gekoppelt. Das liegt natürlich an der zeitlichen Nähe beider Konzerte.
So auch bei meiner ersten CD (hatte das Konzert zuvor nie auf LP) mit
Entremont / Philadelphia Orchestra / Ormandy (CBS)
Die CD hatte ich eigendlich wegen Grieg gekauft, doch gefiel mir Schumann auch sehr gut. Da die Aufnahme von 1958 ist, sind schon einige Klangdifferenzen und Rauschen zu verzeichnen.


Hallo teleton,

Ich bin mir sicher, dass bei der geannten CD zwar Entremont das Grieg-Konzert spielt, aber auch ziemlich sicher, dass nicht er, sondern Serkin den Schumann spielt.
Der Grund für meine Annahme liegt darin, dass nämlich bei der CBS-Kassette, die ich letzte Wochenende erstmals hörte, dieser Paarung vertreten ist. Der Grieg ist von 1958; der Schumann ist aber von 1965 angegeben, wie auch das Konzertstück op. 92. (Das op. 134 ist leider unterschlagen). Das wäre dan die eingangs von Zelenka genannte CD. Oder?

(Obwohl das Datum um ein Jahr mit Zelenkas Angabe abweicht, gehe ich davon aus, dass es sich um dieselbe Serkin-Aufnahmen handelt.)
ab (17.10.2007, 14:20):
Ich muss gestehen, die auswegslose Düsterheit der Brendel/Sanderling-Aufnahmen sehr zu mögen. Brendels leuchtfreien Schattenklang mag ich ja eigentlich gar nicht, aber bei Schumann ist dies anders. Mir gefällt seine düstere Interpretationsart. Ich finde das Dirigat Sanderlings phantastisch. Gerade, dass der 3. Satz nicht "abhebt" gefällt mir. (Seiner früheren Aufnahme, ich glaube mit Abbado, konnte ich nichts abegwinnen.) Schumann verbinde ich gerne mit verzweifelter Expressivität und ihren Pausen dazwischen.

Sehr mag ich auch Richter/Gauk. Richters leuchtender Ton kann ich keine Kälte abhören. Anders als bei dem uninspirierten Dirigat der DG-Aufnahme finde ich, obwohl bei beiden kein idealer Dialog stattfindet, jedoch eine passable Begleitung.
Auf der von Zelenka angegebenen Webseite kann ich der Charakteristik durchaus etwas abgewinnen (wenn natürlich weniger der Bewertung dessen):
Il y a chez lui quelque chose de trop radical, de trop impérieux pour s'acclimater pleinement à ce concerto d'échange et de dialogue. D'autre part l'indifférence bien connue du pianiste à la sonorité, non pas en tant qu'outil expressif, mais à ce que le terme peut véhiculer de beauté de beauté simplement décorative, a toujours abouti à un Concerto de Schumann un peu ligneux, parcouru de nervure trop franches et souvent trop raide.

Haskil/ van Otterloo finde ich wunderschön, nicht nur im langsamen Satz. Da stört mich gar nicht, dass die Expressivität der Schönheit geopfert wird.

Serkin/Ormandy hörte ich letzte WE erstmals auf einer alten Kassette. Ich bin fasziniert, wie der virtuose Ton Serkins mit dem Breitbandsound Ormandys zusammengeht. Alles in allem fand ich dies ein schöne Aufnahme, insbesondere von der musikalischen Übereinstimmung. Der dritte Satz ist mir zu virtuos. Ich teile die Ausführungen Zelenkas. Kaufen würde ich sie mir wohl nicht.

Barenboim hatte ich einmal verschenkt, weil es mit dem Cellokonzert der du Pré gekoppelt war: jenes ganz anders als dieses völlig belanglos. Ähnlich kam mir Perahia vor, aber auch Lipatti/Karajan, den ich einfach nicht mag. Anda ist mir zu künstlich, so wie auch Larrocha.

Von den genannten würde mich noch am ehesten Fleisher/Szell interesieren, aber natürlich auch Kempff/Krips.

Gerne hörte ich die mit Gulda, Rubinstein, Lympany aber auch eine mit Backhaus oder Cortot und Gieseking, Schnabel und Solomon.

Wann wird es eine mit Uchida geben?
Zelenka (17.10.2007, 16:42):
Original von AcomA

meine derzeitige lieblingsaufnahme ist die recht aktuelle einspielung durch christian zacharias, der gleichzeitig sein kammerorchester leitet. es ist eine sehr engagierte, liebevolle interpretation mit sorgfältiger motivation des orchesters. klanglich übrigens famos. außerdem werden auch noch die späteren konzertstücke für klavier und orchester gespielt. das introduktion und allegro appassionato op.92 ist ein ebenfalls sehr starkes und intensives werk !

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/1508004.jpg

gruß, siamak :engel

Lieber Siamak:

Abgeschreckt hatte mich dieser Verriß der Zacharias-Version (Hurwitz, 3/7) ... Ich werde in allernächster Zeit die Sachlage selbst überprüfen!

Gruß, Zelenka
Cosima (17.10.2007, 16:48):
Original von Zelenka
Ich werde in allernächster Zeit die Sachlage selbst überprüfen!


Überprüfst Du auch die Sachlage bzgl. Fleisher / Szell? :W (Die Aufnahme würde mich nämlich auch noch interessieren. Beethoven und Brahms waren ja schon fantastisch.)

Gruß, Cosima
Zelenka (17.10.2007, 16:55):
Original von Cosima
Original von Zelenka
Ich werde in allernächster Zeit die Sachlage selbst überprüfen!


Überprüfst Du auch die Sachlage bzgl. Fleisher / Szell? :W (Die Aufnahme würde mich nämlich auch noch interessieren. Beethoven und Brahms waren ja schon fantastisch.)

Gruß, Cosima

Ich habe die Verfügbarkeit der Fleisher-Version noch nicht überprüft. Falls sie zu haben ist, werde ich auch überprüfen! :D

Gruß, Zelenka
AcomA (17.10.2007, 18:03):
lieber Zelenka,

ich habe nun die hurwitz-kritik gelesen. es stimmt, dass zacharias' interpretation nicht zu den raschesten gehört. seltsamerweise höre ich das aber nicht so. ich finde die interpretation sehr romanisch und luzide. die behauptung, zacharias könne nicht dirigieren halte ich für nicht belegbar. im gegenteil höre ich hier soviele schöne orchesterdetails wie noch nie zuvor. es verhält sich etwas so wie die interpretation der chopinschen konzerte durch zimerman in personalunion als dirigent.

z.b. spielt andsnes den 3. satz des schumann-konzertes viel behender zusammen mit jansons, aber es kommt keine rechte stimmung auf, es läuft einfach vorüber. ganz anders zacharias, hier lebt alles auf !

gruß, siamak
ab (17.10.2007, 20:15):
Original von Zelenka
Warum nur muß es in diesem Konzert ausweglos düstern zugehen?

Muss es ja nicht, aber es kann so interpretiert wird. Ich mag das, auch wenn es nicht den Intentionen des Komponisten entsprechen sollte. Ausdrucksmomente sehe ich als eine Sache der Interpreten und nicht des Werks an. Eine Aufnahme hinsichtlich ihrer Authentizität (d.h. bzgl. der Intentionen des Komponisten) zu bewerten ist etwas anderes als sie hinsichtlich dessen zu bewerten, was zu hören ist. Durch Mangel auf einer der beiden Seiten sollte man keines Strick der jeweils anderen drehen; umgekehrt kann man auch nicht von der genauesten Werktreue auf einen großartigen Höreindruck schließen.
ab (17.10.2007, 20:32):
Original von Zelenka

Uchida hat das Konzert wohl wenigstens einmal in Wien unter Haitink gespielt, eine CD ist offenbar nicht daraus geworden.


Ich entsinne mich der Konzertübertragung im Radio, der ich bloß einige Takte des Klaviers ganz fasziniert lauschen konnte, weil ich leider, leider die Wohnung verlassen musste. Der Dirigent wirkte eher schwerfällig auf mich und vor allem im Gegensatz zu ihren Nuancen plakativ. Anders als ich es von ihrem Schubertspiel erwartet hätte, wirkte der Schumann auf mich gar nicht existenziell, sondern sozusagen fast spirituell, um ein vages Bild zu verwenden. Vieles kam mir davon wie ungerhört neu vor.
Nordolf (17.10.2007, 21:59):
Hallo Zelenka!

Zuerst einmal will ich meiner Freude über Deinen interessanten, wohlformulierten und einfühlsamen Text zu diesem schönen Werk Ausdruck verleihen! :W

Interessant, das Du das zweite Motiv mit Clara Schumann in Verbindung bringst...
Ich habe gelesen, das die beiden Themen mit der Doppelgestalt der "Davidsbündler" Florestan und Eusebius zusammenhängen - der erste ein vorwärtsdrängender Sanguiniker und der zweite ein träumerischer Melancholiker. Nach dem wuchtigen Beginn und den fallenden Akkorden des Klaviers folgt im vierten Takt ja dieses sehnsüchtige Motiv, welches allein schon genügt, mir dieses Konzert unvergesslich zu machen. Es wird zuerst von Holzbläsern vorgetragen und im weiteren Verlauf des 1. Satzes variiert. Obwohl ich keine Partituren lesen kann, habe ich heute bei meinem Schumann-Konzert-Hör-Marathon versucht, wenigstens den Anfang mittels der Noten nachzuvollziehen...


Zu meinen Höreindrücken:

Im Player liefen heute:

Rudolf Serkin // Eugene Ormandy / Philadelphia Orchestra 1958
Claudio Arrau // Christoph von Dohnanyi / Royal Concertgebouw Orchestra 1963
Radu Lupu // Andre Previn / London Symphony Orchestra 1973
Sviatoslav Richter // Lovro von Matacic / Orchestre National de l'Opera de Monte Carlo 1975

Ich mag sie alle vier und will keine missen, aber letztlich sind es Arrau/Dohnanyi und Richter/Matacic, die mir am besten gefallen.

Arraus feinen weichen Klavierton mag ich sowieso - dazu kommt hier der präzise, klare Akzente setzende Dohnanyi. Beide spielen sehr gut aufeinander abgestimmt. Hier ist der Florestan ganz auf der Seite des Dirigenten und den Eusebius gibt uns der Pianist. Gerade dieser Gegensatz verleiht der Aufnahme etwas sehr Lebendiges. Sie ist romantisch und erinnert an eine warme Sommernacht bei gutem Wein. Das Edle, ja "Aristokratische" dieser Aufnahme spricht mich sehr an.

Richter/Matacic ist in diesem Forum ja häufig "Sterilität" vorgeworfen worden - vor allem durch unsere Klavierexperten hier. Ich persönlich vermag das nicht zu hören. Die Interpretation ist sehr wuchtig, im ersten Satz geradezu monumental. Schumanns Werk erscheint hier überhöht und fast wie in Stein gemeißelt. Allein wie kräftig schon die ersten Töne daherkommen... Von Frohmut ist aber nichts zu spüren. Richter spielt an vielen Stellen richtiggehend introvertiert. Genau diese Verbindung zwischen Grübelei und Monumentalität gefällt mir besonders gut.

Die Frage wäre nun für mich: - wie weitermachen? Es gibt da noch Zimmerman/Karajan, über die hier noch gar nichts gesagt wurde. Auf Anda/Kubelik hat mich Zelenka jetzt neugierig gemacht. ab's Beschreibung der Brendel/Sanderling-Aufnahme klingt sehr spannend.


Herzliche Grüße!
Jörg
nikolaus (17.10.2007, 22:48):
Meine Sammlung ist da wie immer etwas einseitig:
3 x Argerich, 1 x Lipatti (den ich gerade erst wiederentdeckt habe in einer Brilliant-Box):

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/3058831.jpg
Martha Argerich, Sivzzera Italiana Orchestra, Alexandre Rabinovitch

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/7181474.jpg
Martha Argerich, Chamber Orchestra of Europe, Nikolaus Harnoncourt

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/3107793.jpg
Martha Argerich, Gewandhausorchester Leipzig, Riccardo Chailly

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/3047048.jpg
Dinu Lipatti, The Philharmonia Orchestra, Herbert von Karajan

Meine Lieblings-Aufnahme ist die live-Aufnahme aus Lugano unter Rabinovitch. Hier spielt Martha Argerich sehr frei und gelöst, einfach aus dem Moment heraus.
Die Aufnahme unter Harnoncourt finde ich dagegen etwas - wie soll ich sagen - kontrollierter, kalkulierter (?).
Der live-Mitschnitt aus Leipzig gefällt mir auch gut, v.a. durch eine wundervolle "Beredtsamkeit" an den innigen Stellen, während die "Ausbrüche" mir manchmal doch zu brachial erscheinen. Ausserdem, und das wiegt fast am schwersten, finde ich das Orchester leider etwas verhalten. Wenn Martha Argerich da einen lebendigeren Gegenpart gehabt hätte, wäre das eine tolle Aufnahme geworden.
Lipatti höre ich gerade das erstemal wirklich bewusst, und der erste Eindruck ist sehr, sehr positiv (abgesehen von der grottigen Akkustik...)!!

Nikolaus.
teleton (18.10.2007, 08:32):
Hallo Schumann-Freunde,

mit ist gestern noch eine Aufnahme des Schumann-Klavierkonzertes in meiner Sammlung aufgefallen, an die ich gar nicht mehr gedacht hatte, obwohl es meine letztgekaufte ist:

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/5183724.jpg
Zimmermann / Berliner PH / Karajan
DG, 1981, DDD

Ich habe gestern meinen Favorit Fleisher / Szell (CBS) gehört und danach Zimmermann / Karajan (DG).

Der Klang des Klavieres ist bei Fleisher (warscheinlich Steinway-Flügel) wesentlich brillanter, sowie der gesamte Klangeindruck der in dem Rauschteppich der Aufnahme von 1960 steckt, natürlich klingt. Das Rauschen ist bald vergessen und man gibt sich den referenzwürdigen Klängen hin.

Bei Zimmermann (DG) ist der Klavierklang ziemlich aufgeweicht, das Orchester klingt dagegen natürlich. Das Zimmermann, von dem ich noch nie enttäuscht wurde, pianistisch perfekt ist, davon kann man ausgehen, doch fehlt mir insgesamt die Brillanz der Aufnahme. Meinen Favoriten Fleisher kann diese Aufnahme jedenfalls nicht verdrängen.
:hello Was haltet ihr von der Zimmermann-Aufnahme ?


Cosima fragtenach der Verfügbarkeit der Fleisher / Szell-Aufnahme.
Das scheint derzeit schwierig zu sein, obwohl die Grieg/Schumann-Konzerte in verschiedenen SONY-Versionen vorliegen. Ich besitze noch die CBS-CD.
Bei amazon steht: Derzeit nicht verfügbar.

Eíne der SONY-Versionen als Abb:
http://ecx.images-amazon.com/images/I/416GHM8HSJL._AA240_.jpg
HenningKolf (18.10.2007, 11:34):
hab gerade mal geschaut...eine Ausgabe von 1988 mit dem Griegkonzert gekoppelt gibt es zumindest im marketplace mehrmals als Gebraucht-CD...keine Ahnung ob da was remastert ist oder nicht und wie das Cover aussieht, egal

ich hab mir jedenfalls gerade eine bestellt


Gruß
Henning
Zelenka (18.10.2007, 12:43):
Original von ab
Original von Zelenka
Warum nur muß es in diesem Konzert ausweglos düstern zugehen?

Muss es ja nicht, aber es kann so interpretiert wird. Ich mag das, auch wenn es nicht den Intentionen des Komponisten entsprechen sollte. Ausdrucksmomente sehe ich als eine Sache der Interpreten und nicht des Werks an. Eine Aufnahme hinsichtlich ihrer Authentizität (d.h. bzgl. der Intentionen des Komponisten) zu bewerten ist etwas anderes als sie hinsichtlich dessen zu bewerten, was zu hören ist. Durch Mangel auf einer der beiden Seiten sollte man keines Strick der jeweils anderen drehen; umgekehrt kann man auch nicht von der genauesten Werktreue auf einen großartigen Höreindruck schließen.

Lieber ab:

Du weißt ja, ich bin ein unverbesserlicher Pedant ... Für mich sollte der Komponist im Regelfall das letzte Wort haben, und die Anweisungen der Partitur sollten nach Möglichkeit respektiert werden. Mir ist klar, daß wir uns hier nie einig werden können.

Gruß, Zelenka
Zelenka (18.10.2007, 12:48):
Original von teleton

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/5183724.jpg
Zimmermann / Berliner PH / Karajan
DG, 1981, DDD

Ich habe gestern meinen Favorit Fleisher / Szell (CBS) gehört und danach Zimmermann / Karajan (DG).


:hello Was haltet ihr von der Zimmermann-Aufnahme ?


Cosima fragtenach der Verfügbarkeit der Fleisher / Szell-Aufnahme.
Das scheint derzeit schwierig zu sein, obwohl die Grieg/Schumann-Konzerte in verschiedenen SONY-Versionen vorliegen. Ich besitze noch die CBS-CD.
Bei amazon steht: Derzeit nicht verfügbar.

Eíne der SONY-Versionen als Abb:
http://ecx.images-amazon.com/images/I/416GHM8HSJL._AA240_.jpg

Lieber Teleton:

Zur Zimerman-Aufnahme kann ich nichts sagen, ich bin ihr bislang aus dem Weg gegangen, weil ich den Pianisten zwar respektiere, aber nicht so arg schätze, und weil Karajan als Begleiter im Schumann-Konzert eine Katastrophe sein kann ...

Die Fleisher/Szell-Version ist über den Umweg über Frankreich (amazon.fr) sehr wohl billig und schnell lieferbar.

Gruß, Zelenka
Zelenka (18.10.2007, 13:01):
Original von Nordolf
Hallo Zelenka!

Interessant, das Du das zweite Motiv mit Clara Schumann in Verbindung bringst...
Ich habe gelesen, das die beiden Themen mit der Doppelgestalt der "Davidsbündler" Florestan und Eusebius zusammenhängen - der erste ein vorwärtsdrängender Sanguiniker und der zweite ein träumerischer Melancholiker. Nach dem wuchtigen Beginn und den fallenden Akkorden des Klaviers folgt im vierten Takt ja dieses sehnsüchtige Motiv, welches allein schon genügt, mir dieses Konzert unvergesslich zu machen. Es wird zuerst von Holzbläsern vorgetragen und im weiteren Verlauf des 1. Satzes variiert. Obwohl ich keine Partituren lesen kann, habe ich heute bei meinem Schumann-Konzert-Hör-Marathon versucht, wenigstens den Anfang mittels der Noten nachzuvollziehen...

Die Frage wäre nun für mich: - wie weitermachen? Es gibt da noch Zimmerman/Karajan, über die hier noch gar nichts gesagt wurde. Auf Anda/Kubelik hat mich Zelenka jetzt neugierig gemacht. ab's Beschreibung der Brendel/Sanderling-Aufnahme klingt sehr spannend.


Ich würde die Akkorde ganz zu Beginn nicht als Motiv ansprechen, wie geschrieben spielt dieses Material später so gut wie keine Rolle mehr. Ansonsten gebe ich zu, daß ich auch ein wenig spekuliert habe. Andere "Programme" sind möglich.

Wie weitermachen? Anda wäre sicher interessant, Moravec ebenso ...

Gruß, Zelenka
Cosima (18.10.2007, 20:04):
Eine hatte ich oben noch vergessen, sie wurde aber schon mehrfach erwähnt: Anda, BPO, Kubelik (1963) DG

Wie bereits charakterisiert: Eine an sich schöne, runde, eben poetisch bis schwelgerische Interpretation. Sie entspricht allerdings nicht meiner persönlichen Idealvorstellung (= leicht, aber spritzig; unbekümmert, strahlend, lebendig...). Da ich aber Anda sehr viel lieber höre als z.B. Perahia, Brendel oder Kovacevich und er hier wirklich fantastisch spielt, würde ich die Aufnahme dennoch der Kategorie „höre ich gern bis sehr gern“ zuordnen.

Ich glaube, dass sie Nordolf sehr gut gefallen könnte. :)

Gruß, Cosima
Zelenka (18.10.2007, 20:07):
Original von Cosima
Eine hatte ich oben noch vergessen, sie wurde aber schon mehrfach erwähnt: Anda, BPO, Kubelik (1963) DG

Wie bereits charakterisiert: Eine an sich schöne, runde, eben poetisch bis schwelgerische Interpretation. Sie entspricht allerdings nicht meiner persönlichen Idealvorstellung (= leicht, aber spritzig; unbekümmert, strahlend, lebendig...). Da ich aber Anda sehr viel lieber höre als z.B. Perahia, Brendel oder Kovacevich und er hier wirklich fantastisch spielt, würde ich die Aufnahme dennoch der Kategorie „höre ich gern bis sehr gern“ zuordnen.

Gruß, Cosima

Ich lese es mit Freuden!!! :) Und bin erleichtert! Eine "1-2" ist ja gar nicht so schlecht!

Gruß, Zelenka
Amadé (18.10.2007, 20:50):
Hallo Zelenka und andere Freunde des Schumann Konzerts,

meine beiden Lieblingsaufnahmen wurden schon mehrmals genannt, ablehnend als auch mit Zustimmung:
Leon Fleisher, Szell, Clev.O., CBS/Sony, hier beeindrucken mich besonders die sehr gelungenen Übergänge
Geza Anda, Kubelik, BPh, DGG

Dann möchte ich noch auf interessante Aufnahmen hinweisen, die bisher noch nicht genannt wurden, oder habe ich sie übersehen?:

Alfred Cortot, Ronald, LPO; EMI
Alfred Cortot, Fricsay, RIAS SO, audite live1951 Fricsay und Cortot haben zwar nicht immer dieselbe Vorstellung von Schumanns Opus, hörenswert ist es allemal
Artur Rubinstein, Krips, RCA Victor SO, RCA 1958, hat mehr SChwung als die spätere Produktion mit Giulini
Kempff, Krips, LSO, Decca/DGG
Walter Gieseking, Karajan, POL, EMI
Soloman, Menges, POL, EMI klassizistische Darstellung
Claudio Arrau, Dohnanyi, COA, Philips
Annie Fischer, KLemperer, POL, EMI, Fischer war eine hervorragende Schumann-Interpretin
Radu Lupu, Previn, LSO, DEcca
Freire, Kempe, Münchner Ph, CBS

Einer von Euch bemängelte die ewige Kopplung des Schumann-Konzertes mit dem Grieg-Konzert. Diese Kopplung ist erst seit der Stereo-Zeit in Mode gekommen. Vorher wurde das Schumann-Konzert einzeln auf einer 25 cm LP angeboten. Ich finde die Kopplung Schumann/Grieg mittlerweile auch ärgerlich, lieber wäre mir ein anderes, noch wenig bekanntes Konzert der Romantik, oder einer der Schumannschen KLavierzyklen.

Grüße Amadé
Nordolf (18.10.2007, 23:34):
Hallo Cosima! :hello

Original von Cosima
Eine hatte ich oben noch vergessen, sie wurde aber schon mehrfach erwähnt: Anda, BPO, Kubelik (1963) DG

Wie bereits charakterisiert: Eine an sich schöne, runde, eben poetisch bis schwelgerische Interpretation. Sie entspricht allerdings nicht meiner persönlichen Idealvorstellung (= leicht, aber spritzig; unbekümmert, strahlend, lebendig...). Da ich aber Anda sehr viel lieber höre als z.B. Perahia, Brendel oder Kovacevich und er hier wirklich fantastisch spielt, würde ich die Aufnahme dennoch der Kategorie „höre ich gern bis sehr gern“ zuordnen.

Ich glaube, dass sie Nordolf sehr gut gefallen könnte. :)

Gruß, Cosima

Dann probiere ich es demnächst mit dieser Aufnahme des Werkes. Sie scheint einzeln nicht erhältlich zu sein, sondern nur in dieser Box:

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/4608420.jpg

Hast Du diese Box? Kannst Du mir sagen, wie sie sonst zu bewerten ist? Lohnt sich die Anschaffung auch jenseits des Klavierkonzertes?

Herzliche Grüsse!
Nordolf
Cosima (19.10.2007, 07:52):
Original von Nordolf
Hast Du diese Box? Kannst Du mir sagen, wie sie sonst zu bewerten ist? Lohnt sich die Anschaffung auch jenseits des Klavierkonzertes?


Lieber Jörg,

ich kenne die Anda-Box leider nicht, habe aber eben nachgeschaut, welche Werke enthalten sind. Aus dieser Auswahl kenne ich noch seine Davidsbündlertänze – die sind sehr gut, unbedingt hörenswert! (Über seine D 960-Interpretation kann sicherlich Zelenka Auskunft geben.)

Anda gehört nicht zu meinen Lieblings-Pianisten (reines Geschmacksurteil!), weshalb ich nur wenige Aufnahmen besitze. Das Konzert und die Davidsbündlertänze gäbe es noch einzeln als Gebrauchtware für rund 7,00 Euro (+ je 3,00 Versand = 20,00 Euro). Die Box kostet mit Versand auch rund 20,00 Euro. Ich würde sie also kaufen - allein wegen dieser 2 Werke lohnt sie sich bereits!

Gruß, Cosima
Nordolf (19.10.2007, 10:24):
Original von Cosima
Original von Nordolf
Hast Du diese Box? Kannst Du mir sagen, wie sie sonst zu bewerten ist? Lohnt sich die Anschaffung auch jenseits des Klavierkonzertes?


Lieber Jörg,

ich kenne die Anda-Box leider nicht, habe aber eben nachgeschaut, welche Werke enthalten sind. Aus dieser Auswahl kenne ich noch seine Davidsbündlertänze – die sind sehr gut, unbedingt hörenswert! (Über seine D 960-Interpretation kann sicherlich Zelenka Auskunft geben.)

Anda gehört nicht zu meinen Lieblings-Pianisten (reines Geschmacksurteil!), weshalb ich nur wenige Aufnahmen besitze. Das Konzert und die Davidsbündlertänze gäbe es noch einzeln als Gebrauchtware für rund 7,00 Euro (+ je 3,00 Versand = 20,00 Euro). Die Box kostet mit Versand auch rund 20,00 Euro. Ich würde sie also kaufen - allein wegen dieser 2 Werke lohnt sie sich bereits!

Gruß, Cosima

Liebe Cosima,

Danke für Deine Informationen! :)

Mich würde aus dieser Box noch besonders Liszts "Waldesrauschen" interessieren - ein Stück, das ich noch nicht kenne (mich aber wegen dem Anklang an Eichendorff neugierig macht).

Herzliche Grüsse!
Jörg
Cosima (19.10.2007, 10:40):
Original von Nordolf
Mich würde aus dieser Box noch besonders Liszts "Waldesrauschen" interessieren - ein Stück, das ich noch nicht kenne (mich aber wegen dem Anklang an Eichendorff neugierig macht).


Lieber Jörg,

Liszts Waldesrauschen (S 145/1) ist in knapp 4 Min. abgehandelt, dafür lohnt sich IMO die Anschaffung einer ganzen CD nicht. Ich höre gerade Andas Interpretation: Sie ist nicht übel, aber zum Vergleich habe ich noch Hamelin - dagegen wirkt Anda doch recht blass.

Gruß, Cosima
Zelenka (19.10.2007, 15:43):
Original von Amadé
Hallo Zelenka und andere Freunde des Schumann Konzerts,

meine beiden Lieblingsaufnahmen wurden schon mehrmals genannt, ablehnend als auch mit Zustimmung:
Leon Fleisher, Szell, Clev.O., CBS/Sony, hier beeindrucken mich besonders die sehr gelungenen Übergänge
Geza Anda, Kubelik, BPh, DGG

Dann möchte ich noch auf interessante Aufnahmen hinweisen, die bisher noch nicht genannt wurden, oder habe ich sie übersehen?:

Alfred Cortot, Ronald, LPO; EMI
Alfred Cortot, Fricsay, RIAS SO, audite live1951 Fricsay und Cortot haben zwar nicht immer dieselbe Vorstellung von Schumanns Opus, hörenswert ist es allemal
Artur Rubinstein, Krips, RCA Victor SO, RCA 1958, hat mehr SChwung als die spätere Produktion mit Giulini
Kempff, Krips, LSO, Decca/DGG
Walter Gieseking, Karajan, POL, EMI
Soloman, Menges, POL, EMI klassizistische Darstellung
Claudio Arrau, Dohnanyi, COA, Philips
Annie Fischer, KLemperer, POL, EMI, Fischer war eine hervorragende Schumann-Interpretin
Radu Lupu, Previn, LSO, DEcca
Freire, Kempe, Münchner Ph, CBS

Einer von Euch bemängelte die ewige Kopplung des Schumann-Konzertes mit dem Grieg-Konzert. Diese Kopplung ist erst seit der Stereo-Zeit in Mode gekommen. Vorher wurde das Schumann-Konzert einzeln auf einer 25 cm LP angeboten. Ich finde die Kopplung Schumann/Grieg mittlerweile auch ärgerlich, lieber wäre mir ein anderes, noch wenig bekanntes Konzert der Romantik, oder einer der Schumannschen KLavierzyklen.

Grüße Amadé

Lieber Amadé:

Herzlichen Dank für Deine Anmerkungen und vor allem auch die Hinweise auf weitere Aufnahmen! Kempff unter Krips und Lupu unter Previn waren allerdings schon in meiner Fadeneröffnung gewürdigt worden. (Wie könnte ich Kempff mißachten?) - Mir wären auch fast alle anderen Kopplungen lieber als das Grieg-Konzert ...

Gruß, Zelenka
ab (19.10.2007, 15:49):
Original von Zelenka
Mir wären auch fast alle anderen Kopplungen lieber als das Grieg-Konzert ...



Mir auch!

Ja fast alle.
:D :D :D
Zelenka (19.10.2007, 15:53):
Original von ab
Original von Zelenka
Mir wären auch fast alle anderen Kopplungen lieber als das Grieg-Konzert ...



Mir auch!

Ja fast alle.
:D :D :D

:beer

Gruß, Zelenka
daniel5993 (19.10.2007, 15:57):
Original von Zelenka
- Mir wären auch fast alle anderen Kopplungen lieber als das Grieg-Konzert ...



Zum Glück hören die nicht auf dich! :ignore :wink

Gruß
Ein Trotziger Daniel
:D
Nordolf (19.10.2007, 16:15):
Ein :beer auf die schon Jahrzehnte anhaltende Ehe dieser beiden Schlachtrösser des Klavierkonzerts!

:D
Jörg
daniel5993 (19.10.2007, 17:54):
Original von Nordolf
Ein :beer auf die schon Jahrzehnte anhaltende Ehe dieser beiden Schlachtrösser des Klavierkonzerts!

:D
Jörg


:beer

Gruß
Daniel
nikolaus (22.10.2007, 20:01):
Original von Rachmaninov
Van Cliburn - Reiner(?)

Ein klarer Favorit kristalisiert sich bei mir nicht heraus. Werde sie aber auch alle im laufe der kommenden Wochen hören.

Zu Van Cliburn: Man muss schon fast feststellen, er spielt das Konzert fast so als wäre er eher bei Prokofiev oder Tchaikovsky.

Das scheint doch diese Aufnahme zu sein, oder?
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/5794371.jpg
Chicago SO, Fritz Reiner

Komisch, ich habe überhaupt keine Assoziationen zu Tchaikovsky oder gar Prokofiev. Dazu ist es mir zu bedächtig, phasenweise richtig verhalten. Da fehlt mir etwas der "Kick".

Nikolaus.
Rachmaninov (24.10.2007, 08:48):
Original von Cosima
Pollini, Maurizio / Berliner Philharmoniker – Abbado (DG):
Keine frohe und leuchtende Interpretation, dennoch macht es Pollinis leuchtendes Klavierspiel für mich wett.

Die Pollini Aufnahme habe ich am letzten WE und am Montag auch gehört. Abbado und die Beriner packen hier ordentlich zu. Von romantisiertem Zugang oder Süße ist hier nichts zu hören.
Pollinis Klavierspiel, sein hoch diffenziertes Anschlag ist für mich imemr wieder grandios in dieser Aufnahme. Nach so manchen Solopassage ärgert man sich fast, daß das Orchester wieder einsetzt. Nicht wegen Abbado, sondern weil sich hier offenbart, daß Schumann doch eher für Klaviersolo komponieren konnte als für ein Orchester. Naja, im wesentlichen sind es ja nur die Streicher.
Wie auch immer eine durchaus interessante Aufnahme.

Vielleicht hätte Schumann lieber wie Alkan eine Sinfonie für Soloklavier komponieren sollen?

@Zelenka,

die Aufnahme enthält übrigends die Sinfonischen Etüden und nicht das von Dir ungeliebte KK Griegs.

BTW: Die Etüden sind mit Pollini richtig gut und daher ist die CD durchaus ein Kauf :D
Zelenka (24.10.2007, 12:44):
Original von Rachmaninov
Original von Cosima
Pollini, Maurizio / Berliner Philharmoniker – Abbado (DG):
Keine frohe und leuchtende Interpretation, dennoch macht es Pollinis leuchtendes Klavierspiel für mich wett.

Die Pollini Aufnahme habe ich am letzten WE und am Montag auch gehört. Abbado und die Beriner packen hier ordentlich zu. Von romantisiertem Zugang oder Süße ist hier nichts zu hören.
Pollinis Klavierspiel, sein hoch diffenziertes Anschlag ist für mich imemr wieder grandios in dieser Aufnahme. Nach so manchen Solopassage ärgert man sich fast, daß das Orchester wieder einsetzt. Nicht wegen Abbado, sondern weil sich hier offenbart, daß Schumann doch eher für Klaviersolo komponieren konnte als für ein Orchester. Naja, im wesentlichen sind es ja nur die Streicher.
Wie auch immer eine durchaus interessante Aufnahme.

Vielleicht hätte Schumann lieber wie Alkan eine Sinfonie für Soloklavier komponieren sollen?

@Zelenka,

die Aufnahme enthält übrigends die Sinfonischen Etüden und nicht das von Dir ungeliebte KK Griegs.

BTW: Die Etüden sind mit Pollini richtig gut und daher ist die CD durchaus ein Kauf :D

Lieber Rachmaninov:

Schumanns Orchestrierungen sind immer wieder gescholten worden, aber ganz so schlecht sind sie dann wieder auch nicht. Es geht zuweit, wenn man, wie geschehen, behauptet, seine Symphonien seien einfach nur aufgeblähte Klaviersuiten. Im Falle des Konzerts ist sicher nicht alles optimal gelöst, aber ich bin sehr zufrieden mit dem, was da ist.

Was Pollini und Abbado angeht: Niemand leugnet ihre hohe handwerkliche Kompetenz, ich fürchte nur, das beide hier einfach fehlbesetzt sind. Es fehlt einfach die Wärme, die Innigkeit, generell die Emotion, die das Konzert braucht. Auch aufnahmetechnisch ist nicht alles bestens gelaufen, das Klavier steht z.B. zu sehr im Vordergrund. Die Kopplung ist sicher letztlich sinnvoller als ein 1000. Grieg-Konzert, aber Pollinis Symphonische Etüden sind auch nicht meine erste Wahl ...

Gruß, Zelenka
Rachmaninov (24.10.2007, 20:36):
vor einiger Zeit hörte ich in die neue Kissin Aufnahme rein. Schumann mit Sir C. Davis

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41dpz%2BhLtCL._SS400_.jpg

Hat mir bei der kurzen Hörprobe gut gefallen!

Hat die Aufnahme einer bereits intensiver hören können?
HenningKolf (24.10.2007, 20:59):
werde ich demnächst, wenn ich dazu komme...ich hab sie nämlich vor kurzem bestellt...kannst von mir aber nur ein laienhaftes Statement zu Schumann erwarten, ich bin ja bekanntlich Mozart-Banause.......eigentlich schade dass das Schumann-Konzert nicht mit Grieg gekoppelt ist

:D :W


Henning
Zelenka (28.10.2007, 15:20):
Original von AcomA

meine derzeitige lieblingsaufnahme ist die recht aktuelle einspielung durch christian zacharias, der gleichzeitig sein kammerorchester leitet. es ist eine sehr engagierte, liebevolle interpretation mit sorgfältiger motivation des orchesters. klanglich übrigens famos. außerdem werden auch noch die späteren konzertstücke für klavier und orchester gespielt. das introduktion und allegro appassionato op.92 ist ein ebenfalls sehr starkes und intensives werk !

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/1508004.jpg

gruß, siamak :engel

Lieber Siamak:

Ich zögere es zu schreiben, aber die Zacharias-Einspielung macht mir auch nach mehrmaligem Hören keine Freude:

Zacharias, O de Chambre de Lausanne (2000) MDG Gold 94010336 14.14 4.33 11.21

Grundsätzlich: Ich schätze den Pianisten Zacharias sehr, aber hier ist eine Version eingespielt worden, an der fast nichts stimmig ist. Z. muß sich seine Gedanken gemacht haben, denn im Booklet sind die Bemerkungen Bruno Walters zum Konzert abgedruckt, auf die ich in meinem Eröffnungsbeitrag hingewiesen habe, in der es um die richtige Tempowahl zu Beginn des Konzerts geht. Leider sagt Walter nichts zum Tempo im letzten Satz, den Z. zu langsam nimmt. Das Orchester ist insgesamt schlecht integriert und nicht immer diszipliniert. Die Aufnahmequalität ist nicht so, wie man sie von einem "audiophilen" Label erwarten kann. Eine ordentliche Einspielung mit Kammerorchester bleibt ein Desiderat.

Gruß, Zelenka
Zelenka (01.11.2007, 13:41):
Zwei weitere Spätankömmlinge sind seit der Eröffnung dieses Fadens zu vermelden:

Richter, USSR State O, Georgescu (1958) Doremi Legendary Treasures Sviatoslav Richter Archives vol. 13 DHR7892 14.22 5.09 10.11

Fleisher, Cleveland O, Szell (1960) Sony Great Performances SK92751 14.47 5.08 9.49

Fleishers Einspielung wird mitunter mit durchaus guten Gründen als "Referenzaufnahme" geführt. Szell dirigiert präzis, fast messerscharf, der Solist ist technisch superb, über die enorme Qualität des damaligen Clevelander Orchesters braucht nichts weiter gesagt zu werden. Trotzdem habe ich Bedenken: Etwas wie Wärme oder Gefühl stellt sich hier nicht recht ein, Fleishers Ton ist eher kalt, die Perfektion wird ein wenig zum Selbstzweck, und der letzte Satz, der hier um einiges schneller genommen wird als in Serkins Version unter Szell, ist eher eine athletische Übung als ein freudiger Ausklang. Das Remastering der gehörten CD aus dem Jahre 2004 ist sehr akzeptabel.

Ganz anders die Live-Aufnahme Richters, die erst vor sehr kurzem zum ersten Mal veröffentlicht wurde. Hier ist das Orchester alles andere als perfekt, die Holzbläser klingen z.B. eher abstoßend, aber wenigstens habe ich das Gefühl, daß hier beseelt Musik gemacht wird. Ich kenne zwei andere Versionen dieses Konzerts mit Richter, keine der beiden hat mich überzeugt, hier jedenfalls geht Richter mit einiger Verve und Dynamik an seinen Part heran, sein Spiel wirkt spontan und lebendig, stellenweise vielleicht dann sogar ein wenig überzogen. Dem rumänischen Dirigenten gelingt es im großen und ganzen Richter zu folgen. Störend sind die bronchialen Attacken aus dem Publikum und allerlei andere Nebengeräusche, das Tonbandgerät verfügte möglicherweise nicht über einen perfekten Gleichlauf.

Gruß, Zelenka
Amadé (01.11.2007, 19:50):
Ein Gegenpol zur FleisherSzell-Aufnahme stellt die Aufnahme mit Eugene Istomin und dem Columbia Symphony Orchestra unter der Leitung von Bruno Walter dar. Hier wird warm und mit einem Schuss Sentiment musiziert, womit ein wichtiger Teil des Werkes abgedeckt wird. Vielen Mitgliedern dieses Forums wird Istomin als Pianist des Stern-Rose-Istomin Klaviertrios in sehr guter Erinnerung sein. Ich habe die Aufnahme, als meine Sammlung noch nicht so bestückt wie heute war, sehr oft und immer wieder gern gehört (CBS/Sony 1960). Im Augenblick scheint sie nicht auf dem Markt zu sein. Kennt sie jemand?

Gruß Amadé
Zelenka (01.11.2007, 20:18):
Original von Amadé
Ein Gegenpol zur FleisherSzell-Aufnahme stellt die Aufnahme mit Eugene Istomin und dem Columbia Symphony Orchestra unter der Leitung von Bruno Walter dar. Hier wird warm und mit einem Schuss Sentiment musiziert, womit ein wichtiger Teil des Werkes abgedeckt wird. Vielen Mitgliedern dieses Forums wird Istomin als Pianist des Stern-Rose-Istomin Klaviertrios in sehr guter Erinnerung sein. Ich habe die Aufnahme, als meine Sammlung noch nicht so bestückt wie heute war, sehr oft und immer wieder gern gehört (CBS/Sony 1960). Im Augenblick scheint sie nicht auf dem Markt zu sein. Kennt sie jemand?

Gruß Amadé

Lieber Amadé:

Herzlichen Dank für den Hinweis! Ich hatte mich sogar ein wenig um Aufnahmen des Konzerts unter Bruno Walter bemüht, aber nichts scheint derzeit greifbar zu sein.

Gruß, Zelenka
Zelenka (02.11.2007, 15:44):
Original von Zelenka
Zwei weitere Spätankömmlinge sind seit der Eröffnung dieses Fadens zu vermelden:

Fleisher, Cleveland O, Szell (1960) Sony Great Performances SK92751 14.47 5.08 9.49



Die Zeitangabe für den letzten Satz ist zu korrigieren: statt 9.49 lies 10.23! Ich bitte um Vergebung! (Die ursprünglich angegebene Zeit gilt für das Grieg-Konzert auf derselben CD.)

Gruß, Zelenka
HenningKolf (02.11.2007, 19:02):
Liebe Forianer, mittlerweile kann ich zum Thema des Fadens auch etwas beitragen, bin jetzt sogar im Besitz einer Aufnahme, die anscheinend noch keines der Forenmitglieder hat. Zugelegt habe ich mir:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61yw6VbyevL._AA240_.jpg

allerdings nicht in dieser 2004 von Sony remasterten Version, sondern in einer von CBS remasterten Version von Ende der 80er


http://ecx.images-amazon.com/images/I/41dpz%2BhLtCL._SS400_.jpg


http://ecx.images-amazon.com/images/I/51HV22808SL._SS500_.jpg


http://www.ivanmoravec.net/images/al-dor90172.jpg

da etwas klein geraten: Moravec, Dallas SO, Mata, 1993 auf dem inzwischen in Konkurs gegangenen Label dorian - wird es wohl nicht mehr zu kaufen geben, ich hab sie mir als mp3-Datei bei emusic gekauft





da es sich um ein Konzert handelt, wird es für mich da perfekt, wo ein sehr guter Pianist mit einem sehr guten Orchester sehr gut zusammenspielt.

Bei der Moravec-Aufnahme spielt ein ganz superber Pianist...leider wirkt das Orchester etwas fad und emotionslos...möglicherweise hat das damit zu tun, dass das Klavier mit guter Aufnahmetechnik und brilliantem Klang auf die CD gebracht worden ist, das Orchester aber ziemlich verwaschen und wenig transparent, zudem "weiter weg" klingt. Schade ums hervorragende Klavierspiel. Das gilt für das Brahmskonzert übrigens genauso.

Zelenka hat ja weiter oben geschrieben, sie empfinde Szell/Fleisher als kalt. Wer das tut kann möglicherweise etwas mit dem Klavierspiel von Kissin anfangen..wärmer, romantisierend...mein Fall ist dies eher weniger, noch ein wenig mehr und ich würde es als süßlich kitschig bezeichnen, wobei ich aber sagen muss, dass solche Empfindungen keineswegs immer gleich sind (bei mir jedenfalls) und ich die Aufnahmen allesamt erst wenig gehört habe, da ich sie erst seit kurzem habe. Bekannterweise bin ich kein Mozartfan. Das gekoppelte Mozartkonzert macht mich in dieser Spielweise wirklich allergisch....(Grieg wäre mir sowieso lieber gewesen :P)

Perahias Aufnahme mit den Bayern ist, jedenfalls was Schumann betrifft, sehr gut...mag sein, dass das Zusammenspiel nicht immer ganz perfekt ist. Aber diese Schumann-Einspielung werde ich sicherlich noch häufiger hören (bei Grieg weiß ich nicht recht, beim ersten Hördurchgang schien mir dies weniger gelungen).

Bei Szell/Fleisher trifft das perfekte Orchester unter einem höchst genauen Dirigat auf einen nicht minder guten Pianisten.....ich persönlich mag so einen Klavierton wie Fleisher ihn hier spielt, ziemlich brilliant, aber jedenfalls in meinen Ohren ist da nichts Unterkühltes...allerdings fehlt auch aufgesetztes Pathos (in meinen Ohren findet sich dies jedenfalls in Ansätzen bei Kissin). Eine Klasseeinspielung (btw: dies gilt für Grieg fast noch mehr), leider mit doch nicht unerheblichen klanglichen Beeinträchtigungen. Jedenfalls am Anfang nicht nur Grundrauschen - womit ich in Maßen leben kann - sondern auch etwas in Richtung Zischeln, was ich immer sehr störend empfinde.

Auf meiner Wunschliste:

Szell/Fleisher in neuerem Sony-Remastering (hoffentlich wird dadurch der Klavierton nicht wirklich kalt..kann ich mir durchaus vorstellen, dass so etwas passiert, wenn man zuviel "Körper" wegnimmt)

Moravec/Neumann (gibt oder gab es jedenfalls mit den sinfonischen Variationen von Franck, was gleichzeitig bei mir eine Lücke schließen würde)

Brendel sowie van/Cliburn mit Reiner sind auch eine Überlegung wert.


Gruß
Henning
nikolaus (02.11.2007, 19:15):
Original von HenningKolf

Brendel sowie van/Cliburn mit Reiner sind auch eine Überlegung wert.


Gruß
Henning

Van Cliburn finde ich persönlich etwas behäbig - nein, falsch: eher das Orchester ist behäbig u. beeinflusst den Pianisten, so mein Eindruck.
Wie wäre es denn mit Martha Argerich? Ich finde ihren Schumann sehr gut!

Gruß, Nikolaus.
Zelenka (02.11.2007, 19:19):
Original von HenningKolf

Zelenka hat ja weiter oben geschrieben, sie empfinde Szell/Fleisher als kalt. Wer das tut kann möglicherweise etwas mit dem Klavierspiel von Kissin anfangen..wärmer, romantisierend...mein Fall ist dies eher weniger, noch ein wenig mehr und ich würde es als süßlich kitschig bezeichnen, wobei ich aber sagen muss, dass solche Empfindungen keineswegs immer gleich sind (bei mir jedenfalls) und ich die Aufnahmen allesamt erst wenig gehört habe, da ich sie erst seit kurzem habe. Bekannterweise bin ich kein Mozartfan. Das gekoppelte Mozartkonzert macht mich in dieser Spielweise wirklich allergisch....(Grieg wäre mir sowieso lieber gewesen :P)

Gruß
Henning

Lieber Henning:

Herzlichen Dank für Deine Höreindrücke! In den Fällen, in denen wir dieselben Aufnahmen gehört haben, sind wir wohl nicht grundsätzlich anderer Meinung, ich habe auch großen Respekt vor Fleishers Leistung.

Ich muß allerdings aus gegebenem Anlaß noch einmal darauf hinweisen, daß ich männlich bin (man beachte das Marssymbol neben meinem Namen über meinem Avatar-Bild!). Die Gitarristin von Vermeer habe ich gewählt, weil ich erstens Vermeer sehr schätze, er ist mein Lieblingsmaler, zweitens weil ich das Bild häufiger an seinem üblichen Aufbewahrungsort in London aufsuche. Ich werde es hier wohl gegen irgendetwas anderes austauschen müssen, um Mißverständnisse zu vermeiden. Der Barockkomponist Jan Dismas Zelenka (1679-1745) war eindeutig männlichen Geschlechts, jedenfalls ist nichts anderes überliefert.

Gruß, Zelenka
HenningKolf (02.11.2007, 19:25):
Original von nikolaus
Original von HenningKolf

Brendel sowie van/Cliburn mit Reiner sind auch eine Überlegung wert.


Gruß
Henning

Van Cliburn finde ich persönlich etwas behäbig - nein, falsch: eher das Orchester ist behäbig u. beeinflusst den Pianisten, so mein Eindruck.
Wie wäre es denn mit Martha Argerich? Ich finde ihren Schumann sehr gut!

Gruß, Nikolaus.

Hallo Nikolaus...komisch dass ausgerechnet DU Martha empfiehlst :D :beer

ne im Ernst, kann ich mir auch gut vorstellen, wobei es dann nicht die Einspielung mit Harnancourt würde (den oder besser seine Art zu dirigieren mag ich eher selten)

btw: gilt das "behäbig" eigentlich nur für den Schumann oder auch für den Beethoven....von letzterem kann man nie genug haben

Gruß
Henning
Zelenka (02.11.2007, 19:33):
Original von HenningKolf

:ISorry...wer Zelenka war weiß ich sogar (dem Namen nach jedenfalls) ...kommt wohl vom Avatar, vor allem wenn man dann nicht weiter drüber nachdenkt...


um Vergebung bittend

Henning

:D Sie sei Dir gewährt, die Vergebung! - Ich muß wohl das Wilhelm-Kempff-Bild wieder hervorkramen, das ich in einem früheren Leben in diesem Forum verwendet habe.

Gruß, Zelenka
ab (02.11.2007, 20:33):
Original von Zelenka
Der Barockkomponist Jan Dismas Zelenka (1679-1745) war eindeutig männlichen Geschlechts, jedenfalls ist nichts anderes überliefert.

Gruß, Zelenka

Wieso eigentlich das Pseudonym "Zelenka"? Schätzt Du ihn besonders und wenn ja, was von ihm; und in welcher Interpretation?
Danke! Ich glaub, ich kenne nichts, außer wohl etwas in meiner Il Giardino Armonico-Box.. Mir fällt zwar sofort Holligers Triosonaten-einspielung ein, aber selbst die habe ich leider nie gehört...
Zelenka (03.11.2007, 13:20):
Original von Zelenka
... der letzte Satz, der hier um einiges schneller genommen wird als in Serkins Version unter Szell, ist eher eine athletische Übung als ein freudiger Ausklang.


Eine weitere Korrektur: Serkin hat natürlich unter Ormandy gespielt (s.o.) ... :A

Gruß, Zelenka
Zelenka (03.11.2007, 13:27):
Original von ab
Original von Zelenka
Der Barockkomponist Jan Dismas Zelenka (1679-1745) war eindeutig männlichen Geschlechts, jedenfalls ist nichts anderes überliefert.

Gruß, Zelenka

Wieso eigentlich das Pseudonym "Zelenka"? Schätzt Du ihn besonders und wenn ja, was von ihm; und in welcher Interpretation?
Danke! Ich glaub, ich kenne nichts, außer wohl etwas in meiner Il Giardino Armonico-Box.. Mir fällt zwar sofort Holligers Triosonaten-einspielung ein, aber selbst die habe ich leider nie gehört...

Lieber ab:

Ich schätze Zelenka, den Komponisten, der nicht viel, aber dafür gut geschrieben hat. Am meisten mag ich den Klang seines Namens. Holliger hat die Triosonaten zweimal eingespielt (DG Archiv, ECM).

Gruß, Zelenka
Cosima (03.11.2007, 14:32):
Original von Zelenka
Trotzdem habe ich Bedenken: Etwas wie Wärme oder Gefühl stellt sich hier nicht recht ein, Fleishers Ton ist eher kalt, die Perfektion wird ein wenig zum Selbstzweck

Ganz anders die Live-Aufnahme Richters, die erst vor sehr kurzem zum ersten Mal veröffentlicht wurde. Hier ist das Orchester alles andere als perfekt, die Holzbläser klingen z.B. eher abstoßend, aber wenigstens habe ich das Gefühl, daß hier beseelt Musik gemacht wird....

Lieber Zelenka,

ich möchte Dir nur kurz schreiben, dass meine Eindrücke mit Deinen übereinstimmen.

Von der Richter-Aufnahme war ich - ganz unerwartet - sehr positiv überrascht! Mit einem anderen Orchester und besserer Klangqualität hätte dies eine fantastische Aufnahme werden können.

Gruß, Cosima
nikolaus (04.11.2007, 22:39):
Original von HenningKolf
Original von nikolaus
Original von HenningKolf

Brendel sowie van/Cliburn mit Reiner sind auch eine Überlegung wert.


Gruß
Henning

Van Cliburn finde ich persönlich etwas behäbig - nein, falsch: eher das Orchester ist behäbig u. beeinflusst den Pianisten, so mein Eindruck.
Wie wäre es denn mit Martha Argerich? Ich finde ihren Schumann sehr gut!

Gruß, Nikolaus.

Hallo Nikolaus...komisch dass ausgerechnet DU Martha empfiehlst :D :beer

ne im Ernst, kann ich mir auch gut vorstellen, wobei es dann nicht die Einspielung mit Harnancourt würde (den oder besser seine Art zu dirigieren mag ich eher selten)

btw: gilt das "behäbig" eigentlich nur für den Schumann oder auch für den Beethoven....von letzterem kann man nie genug haben

Gruß
Henning

Hallo Henning!

Noch eine Empfehlung zu meiner Empfehlung: dies ist meine Lieblingsaufnahme des Schumann-Konzerts weil sehr frei und spontan:
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/3058831.jpg

Es gibt sie auch in dieser Auflage:
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/2199131.jpg

Aber erstere läge dir sicher mehr, da mit Beethoven kombiniert :D, während letztere noch Solo-Klavierwerke enthält :wink

Van Cliburns Beethoven gefällt mir sehr gut, gar nicht behäbig...
Das war auch der Grund des CD-Kaufs...

Gruß, Nikolaus.
ab (06.11.2007, 14:37):
Original von Zelenka

die Live-Aufnahme Richters, die erst vor sehr kurzem zum ersten Mal veröffentlicht wurde. Hier ist das Orchester alles andere als perfekt, die Holzbläser klingen z.B. eher abstoßend, aber wenigstens habe ich das Gefühl, daß hier beseelt Musik gemacht wird. Ich kenne zwei andere Versionen dieses Konzerts mit Richter, keine der beiden hat mich überzeugt, hier jedenfalls geht Richter mit einiger Verve und Dynamik an seinen Part heran, sein Spiel wirkt spontan und lebendig, stellenweise vielleicht dann sogar ein wenig überzogen. Dem rumänischen Dirigenten gelingt es im großen und ganzen Richter zu folgen. Störend sind die bronchialen Attacken aus dem Publikum und allerlei andere Nebengeräusche, das Tonbandgerät verfügte möglicherweise nicht über einen perfekten Gleichlauf.


Ich persönlich empfinde diese Aufnahme mit Georgescu als weniger beseelt als die mit Gauk. Womöglich gerade deshalb, weil Zelenka sie richtig als "mit einiger Verve und Dynamik" sowie "spontan und lebendig" charakterisiert. Mir geht der lyrisch-innige Charakter dadurch zu sehr verloren. mir fehlt irgendwie die Tiefe, die ich sonst so bei Richter liebe.

Jedenfalls gefällt sie mir besser als die mit Rowicki.
Nordolf (06.11.2007, 14:42):
Hallo,

ich will noch kurz darauf hinweisen, das sich die genannte Geza Anda, BPO, Rafael Kubelik (1963) DG Aufnahme nicht nur in der Anda-Box, sondern auch in dieser 3er-CD-Box zum Midprice befindet:

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/1697478.jpg

Im Internet sind dazu nämlich keine Infos zu finden. Ich hielt sie im Laden in der Hand und war erstaunt, die erwähnte Einspielung darauf zu sehen.

Herzliche Grüsse!
Jörg
Zelenka (06.11.2007, 19:49):
Original von ab

Ich persönlich empfinde diese Aufnahme mit Georgescu als weniger beseelt als die mit Gauk. Womöglich gerade deshalb, weil Zelenka sie richtig als "mit einiger Verve und Dynamik" sowie "spontan und lebendig" charakterisiert. Mir geht der lyrisch-innige Charakter dadurch zu sehr verloren. mir fehlt irgendwie die Tiefe, die ich sonst so bei Richter liebe.

Jedenfalls gefällt sie mir besser als die mit Rowicki.

Lieber ab:

Herzlichen Dank für Deine Eindrücke! Wie erwarten wohl wirklich sehr Unterschiedliches von Interpretationen des Konzerts. Neben der Innigkeit muß es bei mir auch, gerade dann im letzten Satz, auch Verve geben.

Gruß, Zelenka
Gamaheh (13.11.2007, 00:49):
Lieber Zelenka,

gut, daß Du diesen Faden eingefädelt hast (ist ja schon ein bißchen her) – ich hatte schon mal danach gesucht, mich gewundert, daß es ihn noch nicht gab, und mit der Idee gespielt, es selbst zu tun.
Dieses Konzert ist ja vielleicht eines der meistgespielten und meistaufgenommenen (das ist jedenfalls mein Eindruck), ich habe folgende Aufnahmen:

Gieseking BPO/Furtwängler 1942
Haskil Den Haag PO/van Otterloo 1951
Pollini BPO/Abbado 1990
Michelangeli Scala Mailand/ Pedrotti 1942
Serkin Philadelphia O/Ormandy 1973
Argerich ?? live, Festival ? 2004
Würtz, Klára ca. 2000
Nat 1933
Lipatti Philharmonia O/Karajan 1948
Arrau Detroit SO/Karl Krüger 1944
Istomin Columbia SO/Walter ?

Dieses Konzert ist auch eine ständige Quelle der Irritation für mich (d.h. natürlich nur, wenn ich es höre, sonst nicht): Es erscheint mir immer etwas wie das Ei des Vikars, d.h. teilweise gut. Es gibt brilliante Stellen, aber es gibt auch Teile, die einfach nicht dazu zu passen scheinen. Ich habe kaum eine Interpretation gehört, die mich wirklich von Anfang bis Ende und als Ganzes überzeugt hat. Mit Radu Lupu habe ich es letztes oder vorletztes Jahr im Konzert gehört und war zu meiner eigenen Überraschung enttäuscht. Im Radio hörte ich es einmal in einer Interpretation von Lang Lang, die ich nur als wüst bezeichnen kann, da völlig entstellt; glücklicherweise wußte ich nicht, wer da spielte, so daß ich mir keine Vorurteile vorwerfen muß. Im Fernsehen sah ich (ich glaube, es war das Abschlußkonzert des SHMF vom letzten Jahr) eine Interpretation von Christian Zacharias, die ich im Ganzen als gelungen empfand – das kann aber daran liegen, daß ich den Anfang verpaßt hatte.

Hier hat meiner Meinung nach Bruno Walter recht: Oft hält im ersten Satz alles vom 4. Takt an schon nicht, was die ersten drei Takte versprechen – das ist gleich eine enorme Irritation. Aber selbst, wenn das Tempo einigermaßen beibehalten wird, vermindert das den Effekt nur. Ich habe gelegentlich den Verdacht, daß das inhärente Schwächen des Konzerts sind, die einige Interpreten versuchen, mit Tempo und Panache zu überspielen. So kommt es denn, daß einige im ersten Satz besonders glänzen, während andere dort offenbar noch Hemmungen haben und erst zum Ende hin aufdrehen. Oder um es anders zu sagen: Das Tempo steigert sich generell zum Schluß hin – wer gemäßigt anfängt, ist da eher langweilig und wird zum Schluß hin interessant; wer in überzeugender Weise anfängt, kommt am Ende ins Rasen.

Martha Argerich z.B. ist mir von Anfang an viel zu schnell, dann zunehmend so; sie scheint alle Schwächen mit der Dampfwalze plattrollen zu wollen – aber ich kann mir das durchaus anhören, da es immerhin Musikalität und Panache hat.

Gieseking: stupendes Klavierspiel, hinreißend und von äußerster Musikalität: er fängt mit Elan, aber gemäßigt an, am Ende wird er aber für mein Gefühl auch viel zu schnell. Trotz der wirklich (äußerst) zweifelhaften Klangqualität hörenswert.

Lipatti finde ich auch reichlich schnell, aber er (bzw. Karajan) findet am ehesten zu einer einheitlichen Interpretation (von seinem wunderbaren Klavierspiel mal ganz abgesehen). Leider kenne ich die Aufnahme mit Ansermet nicht, die würde ich sehr gerne mal hören.

Michelangeli überzeugt mich überhaupt nicht, der erste Satz langweilt mich, nur am Ende kommt er in Schwung; Arrau ähnlich.

Die Interpretation, die mich wirklich am meisten überzeugt - wenn es eine gibt - ist die von Pollini. Es war die erste, die ich kannte, und nachdem ich sie länger nicht gehört hatte, dafür aber etliche andere, hatte ich vergessen, wie gut sie ist. Pollinis Interpretationen haben nie etwas Geschmackloses oder gar Vulgäres, schon gleich gar nicht im Verein mit Abbado.

Nocturne Grüße,
Gamaheh
Jeremias (13.11.2007, 09:39):
@ Gamameh: Was Pollini angeht, so kann ich mich Dir voll und ganz anschließen! Diese Aufnahme ist für mich immer noch das Non-plus-ultra! Allerdings greife ich zur Abwechslung dennoch auch gerne auf Argerich zurück oder auch Perahia.
ab (13.11.2007, 09:49):
Bevor ich es vergesse: Von Clara Haskil gibts nicht nur die Philips-Aufnahme mit van Otterloo, sondern auch die folgenden. Kennt jemand etwas davon?

I.)
Archives of Clara Haskil IV
http://www.tahra.com/images/products/540.jpg
Tahra 540 - Archives of Clara Haskil IV
Schumann : piano concerto Op. 54 - Het Residentie Orkest, Paul Kletzki, Live, 9.VII.1953
Paul Hindemith : Four Temperaments - Südwestfunk-Orchestrer, Hans Rosbaud, Baden-Baden, 4.III.1953

II.)
CATALOGUE NR: CD1126
RECORD LABEL: Music and Arts
TITLE: Clara Haskil in performance
TRACKS: Piano Concerto No.9 in E flat K271 (Mozart). Concerto for Piano and Orchestra in A minor op.54 (Schumann).
ORCHESTRA: Prades Festival Orchestra and Strasbourg Municipal Orchestra
CONDUCTOR: Pablo Casals and Carl Schuricht
ARTISTS: Clara Haskil
ADDITIONAL INFORMATION: recorded 19-Jun-1953 and 15-Jun-1955


III.)
http://www.crotchet.co.uk/images/502408.jpg
CATALOGUE NR: 502408
RECORD LABEL: Claves Chronos
COMPOSER: Robert Schumann (other composers in brackets after works)
TRACKS: Concerto for Piano and Orchestra in A minor op.54 (Schumann). Concerto for Piano and Orchestra No.3 in C minor op.37 (Beethoven).
ORCHESTRA: Suisse Romande Orchestra
CONDUCTOR: Ernest Ansermet
ARTISTS: Clara Haskil
ADDITIONAL INFORMATION: recorded live 10-Oct-1956 / 31-Aug-1960
ab (13.11.2007, 09:54):
Original von Jeremias
Allerdings greife ich zur Abwechslung dennoch auch gerne auf Argerich zurück

Welche? Die mit Harnoncourt?
Jeremias (13.11.2007, 10:01):
Ja, ich höre sie trotz Harnoncourt sehr gerne! Sie ist sehr frisch, toller Klang....
ab (13.11.2007, 10:12):
Wieso "trotz"? (Ich kenne sie nicht).

Aber 1995 spielte bei den Salzburger Festspielen Harnonocurt mit dem Europäischen Kammerorchester, verstärkt um das Hagen Quartett als Stimmführer bzw. Clemens Hagen als Solisten das Cellokonzert von Schumann. Eine besserer Begleitung habe ich nie zuvor und nie seitdem gehört!
:down :down :down
Für mich wäre dies das Ideal gewesen, gemeinsam mit Calsals (statt Ormandy). Leider war der letzte Satz vom Solisten weniger erfreulich und die Techniker vom ORF haben leider, leider großen Misst gebaut. Dieses Dokument ist leider nie veröffentlicht worden...
Zelenka (15.11.2007, 17:24):
Liebe Gamaheh:

Herzlichen Dank für Deine Anmerkungen! Es tut mir leid, daß ich Dir bei der Fadeneröffnung zuvorgekommen bin! Bis vor nicht allzu langer Zeit war das Thema Schumann-Klavierkonzert reserviert, ich selbst bin auch nur ein Ersatzmann, der eingesprungen ist, damit es endlich einen Faden zum Werk gibt. (Wie ich gerade sehe, ist das Thema immer noch reserviert ...)

Wir sind uns offenbar einig, daß das Konzert nicht einfach zu interpretieren ist, allerdings warum das so ist, scheint ziemlich offen zu bleiben. Auch Brendel ist uns ja eine Erklärung schuldig geblieben, warum es so frustrierend für ihn ist. Vielleicht sind es ja die von Bruno Walter angesprochenen Traditionen bei der Tempowahl, vielleicht ist es auch die Gratwanderung zwischen falscher Nüchternheit und reinem Schmalz, vielleicht auch die oft eher kammermusikalischen Ansprüche, die an den Solisten gestellt werden. Oder eben noch ganz andere Dinge.

Ich habe ganz oben in diesem Faden deutlich gemacht, daß ich Pollini hier leider nicht sehr schätze. Möglicherweise hat das auch damit zu tun, daß sein Freund Abbado vielleicht nicht immer sein bester Begleiter ist (wie es sich auch Beethovens 4. Klavierkonzert zeigt).

Um Deine Istomin/Walter-Aufnahme von 1960 beneide ich Dich, ich konnte ihrer bislang nicht habhaft werden.

Gruß, Zelenka
Gamaheh (19.11.2007, 00:26):
Lieber Zelenka,

Du bist mir überhaupt nicht zuvorgekommen, im Gegenteil bin ich dankbar, daß Du es gemacht hast - bei mir wäre daraus sicher lange nichts geworden.

Grüße,
Gamaheh
ab (04.12.2007, 14:02):
Wohl neu auf dem Markt: Das klavierkonzert mit Argerich und Chailly aus Leipzig mit dem Gewandhausorchester. Hier hoch gelobt.

http://magazin.klassik.com/records/covers/11913_400x400.jpg
nikolaus (04.12.2007, 19:37):
Original von ab
Wohl neu auf dem Markt: Das klavierkonzert mit Argerich und Chailly aus Leipzig mit dem Gewandhausorchester. Hier hoch gelobt.

http://magazin.klassik.com/records/covers/11913_400x400.jpg

Die von Dir genannte DVD dreht sich offenbar nur um das Klavierkonzert mit Werkerklärungen. Wäre auch mal ganz interessant.
Den ganzen Konzertabend gibt es auf dieser DVD:

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/3107793.jpg

Nikolaus.
Zelenka (17.10.2007, 17:00):
Original von ab
Ich muss gestehen, die auswegslose Düsterheit der Brendel/Sanderling-Aufnahmen sehr zu mögen. Brendels leuchtfreien Schattenklang mag ich ja eigentlich gar nicht, aber bei Schumann ist dies anders. Mir gefällt seine düstere Interpretationsart. Ich finde das Dirigat Sanderlings phantastisch. Gerade, dass der 3. Satz nicht "abhebt" gefällt mir. (Seiner früheren Aufnahme, ich glaube mit Abbado, konnte ich nichts abegwinnen.) Schumann verbinde ich gerne mit verzweifelter Expressivität und ihren Pausen dazwischen.

Wann wird es eine mit Uchida geben?

Lieber ab:

Warum nur muß es in diesem Konzert ausweglos düstern zugehen? Der letzte Satz ist allegro vivace zu spielen, laß den Schumanns doch hier ihren Optimismus! Nachher ist es ja dann knüppeldick genug gekommen ...

Uchida hat das Konzert wohl wenigstens einmal in Wien unter Haitink gespielt, eine CD ist offenbar nicht daraus geworden.

Ich benutze die Gelegenheit, noch auf diese französische Website hinzuweisen, die eine umfangreiche Diskographie des Konzerts bietet.

Gruß, Zelenka
HenningKolf (02.11.2007, 19:29):
Original von Zelenka
Original von HenningKolf

Zelenka hat ja weiter oben geschrieben, sie empfinde Szell/Fleisher als kalt. Wer das tut kann möglicherweise etwas mit dem Klavierspiel von Kissin anfangen..wärmer, romantisierend...mein Fall ist dies eher weniger, noch ein wenig mehr und ich würde es als süßlich kitschig bezeichnen, wobei ich aber sagen muss, dass solche Empfindungen keineswegs immer gleich sind (bei mir jedenfalls) und ich die Aufnahmen allesamt erst wenig gehört habe, da ich sie erst seit kurzem habe. Bekannterweise bin ich kein Mozartfan. Das gekoppelte Mozartkonzert macht mich in dieser Spielweise wirklich allergisch....(Grieg wäre mir sowieso lieber gewesen :P)

Gruß
Henning

Lieber Henning:

Herzlichen Dank für Deine Höreindrücke! In den Fällen, in denen wir dieselben Aufnahmen gehört haben, sind wir wohl nicht grundsätzlich anderer Meinung, ich habe auch großen Respekt vor Fleishers Leistung.

Ich muß allerdings aus gegebenem Anlaß noch einmal darauf hinweisen, daß ich männlich bin (man beachte das Marssymbol neben meinem Namen über meinem Avatar-Bild!). Die Gitarristin von Vermeer habe ich gewählt, weil ich erstens Vermeer sehr schätze, er ist mein Lieblingsmaler, zweitens weil ich das Bild häufiger an seinem üblichen Aufbewahrungsort in London aufsuche. Ich werde es hier wohl gegen irgendetwas anderes austauschen müssen, um Mißverständnisse zu vermeiden. Der Barockkomponist Jan Dismas Zelenka (1679-1745) war eindeutig männlichen Geschlechts, jedenfalls ist nichts anderes überliefert.

Gruß, Zelenka


:ISorry...wer Zelenka war weiß ich sogar (dem Namen nach jedenfalls) ...kommt wohl vom Avatar, vor allem wenn man dann nicht weiter drüber nachdenkt...


um Vergebung bittend

Henning
Cosima (04.03.2008, 16:58):
Ich zitiere mich mal selber aus einem anderen Thread:

Die Sendung hat mich begeistert! Kaiser war auch angenehmer, nicht so selbstgefällig wie in seinen anderen Sendungen. - Nach Gulda (erstaunlich!) und Arrau die eigentliche Überraschung im 1. Satz für mich: Der 28-jährige Michelangeli mit dem New York PO unter Mitropoulos (1948). Recht pathetisch der Kommentar Kaisers; sinngemäß: So als wäre Gott für einen Moment zum Pianisten geworden. – Aber er hatte Recht, was für ein Klavierspiel! Himmlisch! Die ganze Sendung hindurch hatte ich gehofft, dass er Michelangeli auch mit dem Finalsatz vorstellen würde. Meine Hoffnung erfüllte sich: Ein grandioses, wildes, aufregendes Finale! So viel jugendlichen Überschwang hatte ich Michelangeli gar nicht zugetraut (oder vielleicht doch, seitdem ich seine fulminante Aufnahme des Grieg-Konzertes auf BBC gehört hatte). Ich bin – trotz der leider miserablen Klangqualität – schwer in Versuchung, mir die Aufnahme zuzulegen. Sie müsste derzeit auf Urania verfügbar sein.

Die Aufnahme ist auch Bestandteil dieser Aura-Box, die ich heute schon geliefert bekam:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51USc6znRoL._AA240_.jpg

Michelangeli, den man später als eher zurückhaltenden, strengen Ästheten kannte, spielt als junger Mann hier, als sei er außer Rand und Band. Absolut unwiderstehliches Klavierspiel, voller Dramatik und Leidenschaft! :down Der Finalsatz dauert gerade mal 9:32 – d.h. eigentlich sogar nur 9:24, die Zeitangabe scheint nicht ganz richtig zu sein. (1. Satz 13:51; 2. Satz 5:09). Fantastisch!

Allein für dieses wahnwitzige Finale lohnt sich die Anschaffung der ganzen Box, aus der ich bereits einige Aufnahmen kenne. Diese sind durchwachsen, es finden sich aber echte Perlen darunter, wie eine berauschende Aufnahme einer Galuppi-Sonate, die man ansonsten eh nicht so oft hört, und einige schöne Chopin-, Brahms- und Schumann-Aufnahmen.

Gruß, Cosima
ab (04.03.2008, 17:28):
Original von Cosima

Die Aufnahme ist auch Bestandteil dieser Aura-Box, die ich heute schon geliefert bekam:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51USc6znRoL._AA240_.jpg

Diese sind durchwachsen, es finden sich aber echte Perlen darunter, wie eine berauschende Aufnahme einer Galuppi-Sonate, die man ansonsten eh nicht so oft hört, und einige schöne Chopin-, Brahms- und Schumann-Aufnahmen.


Die Box stammt vom Label Documents von mebran und sind Lizenzausgaben von Aura. Ich hab die Solosachen noch aus der The Seven Wonders Box - als erstes würde ich wohl die Debussy-Aufnahmen nennen, dann die Brahms-Ballanden von 1973

(Von den Balladen gibts noch eine zweite Konzertaufnahme aus dem Vatikal von 1977 , sowie eine drite aus Lugano vom April 1981 existiert. Zweitere ist in der anderen Document-Box entahlten, ich kenne sie nicht, und letzere war mit Schuberts D53-Sonate in der Arturo Benedetti Michelangelo Edition von Aura enthalten (AUR 219-2), die mir deutlich weniger als die von 1973 gefallen hat!)

Nervig, diese Überscheidungen. Ich will mir doch nicht wegen Debussy und Ravel gleich die ganze zweite Box kaufen...
Cosima (04.03.2008, 21:42):
Original von ab
Die Box stammt vom Label Documents von mebran und sind Lizenzausgaben von Aura.

Ich sah beim Bestellen den Hinweis auf Documents, auf der Box selber sind nur Aura Music und Membran vermerkt, ein Booklet ist leider nicht einmal vorhanden. Das alles verwirrte mich etwas.

In derselben Box findet sich ein zweites Schumann-Konzert: Eines der Vatikan-Konzerte aus 1962 mit dem Orchestra della RAI di Roma unter Gianandrea Gavazzeni. Was für ein Unterschied zu der 1948-er-Aufnahme! Man mag kaum glauben, dass derselbe Pianist spielt. Das Orchester agiert eher uninspiriert; die New Yorker sind da ein ganzes anderes Kaliber, Mitropoulos hat hier wirklich sehr gute Arbeit geleistet. Und entsprechend brav hört sich Michelangeli in der späteren Aufnahme an. Keine Spur mehr des Feuerwerks, das der 28-Jährige abbrannte. Schade, aber diese Aufnahme muss man m.E. nicht gehört haben. (Vielleicht sollte das Konzert aber auch wegen des Papstes etwas zurückhaltender gespielt werden, wer weiß...)

Gruß, Cosima
Absolut (05.03.2008, 09:56):
Lieber Zelenka,

zunächst einmal vielen Dank für Deine Hinweise zu den generellen Schwierigkeiten des Schumann-Konzerts. Ich möchte noch hinzufügen, daß es durchaus auch technisch nicht so einfach ist, wie es sich auf einer CD oft anhört. Wer z.B. je schon live erlebt hat, wie fürchterlich die Akkordfolgen der rechten Hand in der Kadenz des ersten Satzes daneben gehen können, wird mir sicherlich zustimmen.

Habe beim Durchlesen dieses Threads festgestellt, daß ich, obwohl mir das Konzert selbst sehr geläufig ist, eigentlich gar nicht so viele Aufnahmen kenne wie offenbar viele Foren-Mitglieder :down
Ganz zu schweigen davon, daß ich mir als armer Student auch gar nicht so viele CDs leisten kann :A

Interessanterweise wurde die Aufnahme, in der ich das Konzert vor vielen Jahren kennenlernte, noch gar nicht erwähnt: Jorge Bolet, Dir. Charles Dutoit, Decca (glaube ich).
Vielleicht noch eine Alternative, obwohl ich Bolets Klavierspiel zwar handwerklich gediegen, ansonsten aber nicht sehr aufregend finde.

Zu den bisher genannten Aufnahmen:

Michelangeli/Pedrotti finde ich sehr ästhetisch (gibt es bei M. eigentlich je mal einen zu lauten Ton), ich kann aber auch verstehen, daß man diese Einspielung als langweilig empfinden kann.

Argerich/Harnoncourt war für mich sehr inhomogen, was m.E. aber eher am unflexiblen Breitwand-Klang der Pianistin liegt (Harnoncourt schätze ich sehr, einer der interessantesten Dirigenten der Gegenwart!).
Lipatti kenne ich leider nicht mit Schumann, kann mir aber vorstellen, daß Karajan eher stört (sein Schumann ist bisweilen katastrophal).

Zum Schluß noch ein aktuelles Beispiel für kreatives Scheitern am a-moll-Konzert: ein Live-Mitschnitt von den Salzburger Festspielen mit Ragna Schirrmer und der Camerata Salzburg unter Norrington. Die Pianistin sagte im Interview, sie hätte bei diesem Konzert "viel Spaß" gehabt an der Kommunikation mit dem Dirigenten - herausgekommen ist eine musikalisch eher unklare und sprunghafte Interpretation, bei der auch der höchst unsaubere und inhomogene Streicherklang sehr negativ zu Buche schlägt. Nun ja, Norrington ist eben manchmal eine Wundertüte - man weiß nie, was bei ihm herauskommt.

Gruß Absolut
HenningKolf (05.03.2008, 11:46):
Original von Absolut
Lieber Zelenka,


Argerich/Harnoncourt war für mich sehr inhomogen, was m.E. aber eher am unflexiblen Breitwand-Klang der Pianistin liegt

Meinst Du das in Bezug auf die spezielle Aufnahme oder in Bezug auf die Pianistin als allgemeines Merkmal??

Gruß
Henning
Absolut (05.03.2008, 16:17):
Hallo Henning,

ich meinte natürlich v.a. diese spezielle Aufnahme, obwohl ich zugeben muß, nicht unbedingt Argerich-Fan zu sein. Ich hoffe, Dir damit nicht persönlich zu nahe getreten zu sein. :wink

Um vielleicht doch noch einmal etwas genauer zu werden: Ich hatte beim Hören dieser Einspielung (was zugegebener Maßen eine Weile her ist) das Gefühl, daß da zwischen Dirigent und Solistin zwei Welten aufeinander treffen, die nicht ganz zusammen passen, allerdings habe ich auch das Spiel der Argerich selbst als hölzern und gewissermaßen "unpoetisch" in Erinnerung.

Gruß Absolut
Zelenka (05.03.2008, 16:35):
Original von Absolut
Lieber Zelenka,

zunächst einmal vielen Dank für Deine Hinweise zu den generellen Schwierigkeiten des Schumann-Konzerts. Ich möchte noch hinzufügen, daß es durchaus auch technisch nicht so einfach ist, wie es sich auf einer CD oft anhört. Wer z.B. je schon live erlebt hat, wie fürchterlich die Akkordfolgen der rechten Hand in der Kadenz des ersten Satzes daneben gehen können, wird mir sicherlich zustimmen.

Interessanterweise wurde die Aufnahme, in der ich das Konzert vor vielen Jahren kennenlernte, noch gar nicht erwähnt: Jorge Bolet, Dir. Charles Dutoit, Decca (glaube ich).
Vielleicht noch eine Alternative, obwohl ich Bolets Klavierspiel zwar handwerklich gediegen, ansonsten aber nicht sehr aufregend finde.

Argerich/Harnoncourt war für mich sehr inhomogen, was m.E. aber eher am unflexiblen Breitwand-Klang der Pianistin liegt (Harnoncourt schätze ich sehr, einer der interessantesten Dirigenten der Gegenwart!).
Lipatti kenne ich leider nicht mit Schumann, kann mir aber vorstellen, daß Karajan eher stört (sein Schumann ist bisweilen katastrophal).

Zum Schluß noch ein aktuelles Beispiel für kreatives Scheitern am a-moll-Konzert: ein Live-Mitschnitt von den Salzburger Festspielen mit Ragna Schirrmer und der Camerata Salzburg unter Norrington. Die Pianistin sagte im Interview, sie hätte bei diesem Konzert "viel Spaß" gehabt an der Kommunikation mit dem Dirigenten - herausgekommen ist eine musikalisch eher unklare und sprunghafte Interpretation, bei der auch der höchst unsaubere und inhomogene Streicherklang sehr negativ zu Buche schlägt. Nun ja, Norrington ist eben manchmal eine Wundertüte - man weiß nie, was bei ihm herauskommt.

Gruß Absolut

Lieber Absolut:

Auch von mir ein herzliches Willkommen im Forum!

Natürlich ist das Konzert technisch nicht ganz ohne, obwohl der erste Satz gegenüber der ursprünglichen (freihstehenden) Version ein wenig entschärft ist.

Jorge Bolet hat das Konzert 1986 unter Chailly (nicht Dutoit) eingespielt. Die Rezensionen waren über das Resultat nicht sehr begeistert, ich habe mich deshalb nicht um die Aufnahme bemüht.

In der Tat: Bei Norrington muß man auf Überraschungen gefaßt sein, positive wie negative. Wenigstens ist er selten langweilig.

Gruß, Zelenka
Zelenka (08.03.2008, 16:07):
Original von Cosima
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51USc6znRoL._AA240_.jpg

Michelangeli, den man später als eher zurückhaltenden, strengen Ästheten kannte, spielt als junger Mann hier, als sei er außer Rand und Band. Absolut unwiderstehliches Klavierspiel, voller Dramatik und Leidenschaft! :down Der Finalsatz dauert gerade mal 9:32 – d.h. eigentlich sogar nur 9:24, die Zeitangabe scheint nicht ganz richtig zu sein. (1. Satz 13:51; 2. Satz 5:09). Fantastisch!

Allein für dieses wahnwitzige Finale lohnt sich die Anschaffung der ganzen Box, aus der ich bereits einige Aufnahmen kenne.



Liebe Cosima:

Meine Michelangeli-Aura-Box (I) ist frisch ausgepackt, das Schumann-Konzert vom 21.11.1948 zum ersten Mal gehört. Ich werde Joachim Kaiser und Dir nicht widersprechen, der letzte Satz ist von einer ganz besonderen Qualität. Von der historisch informierten Staier-Version abgesehen ist er der schnellste, den ich kenne. Auch Gieseking bleibt zurück. Schon in den ersten beiden Sätzen ist einiges ungewöhnlich: das eine oder andere wird betont, das sonst eher nebenherläuft, da fallen immer wieder jähe Veränderungen der Dynamik auf, auch das Tenpo schwankt zuweilen bedrohlich. Es wird deutlich, daß der Solist ausprobiert, wie weit er gehen kann, und seine Visitenkarte als Virtuose bei diesem wohl ersten Auftritt in den U.S.A. abgibt. Es ist fast erstaunlich, daß Mitropoulos das Orchester zusammanhalten kann. Klanglich ist der Aura-Transfer gerade noch erträglich, der Low-Fi-Klang sollte auf keinen Fall abschrecken!

Gruß, Zelenka
ab (28.05.2008, 09:58):
Der Naxos-Transfer der Aufnahme von Claudio Arrau wurde gerade hier besprochen.

http://www.klassik.com/magazin/records/covers/11947.jpg
Leif Erikson (31.05.2008, 23:06):
Hallo Rachmaninov und Gamaheh,

ihr habt beide Klara Würtz Interpretation auf Eurer Liste. Würdet ihr dies bitte nachholen ?
Ich finde sie sehr gut sowohl technisch als auch vom Werkverständnis. Sie ist locker, leicht, verspielt aber nicht ohne Autorität und spiegelt für mich besonders gut jene glückliche Aufbruchsstimmung ins gemeinsame künstlerische Leben der Schumanns. Die ersten beiden Sätze sind langsamer als bei Zacharias 15:02(14:14) und 5:16(4:33), das Allegro vivace schneller 10:28(11:21).
Gröbere Fehler fallen mir keine auf, aber ich bin pianistischer Laie. Die Nordwestdeutsche Philharmonie begleitet wacker, aber eher unauffällig. Aufnahmetechnisch ist diese SACD keine Großtat und klingt eher wie eine durchschnittliche CD.
Clara Würtz ist mir aufgefallen, weil sie m.M. die beste Aufnahme der Kreisleriana geliefert hat, vor Horowitz.
Rachmaninov (01.06.2008, 11:19):
Original von Leif Erikson
Hallo Rachmaninov und Gamaheh,

ihr habt beide Klara Würtz Interpretation auf Eurer Liste. Würdet ihr dies bitte nachholen ?
Ich finde sie sehr gut sowohl technisch als auch vom Werkverständnis. Sie ist locker, leicht, verspielt aber nicht ohne Autorität und spiegelt für mich besonders gut jene glückliche Aufbruchsstimmung ins gemeinsame künstlerische Leben der Schumanns. Die ersten beiden Sätze sind langsamer als bei Zacharias 15:02(14:14) und 5:16(4:33), das Allegro vivace schneller 10:28(11:21).

Hallo Leif Erikson,

ersteinmal ein herzliches Willkommen.

Ehrlich gesagt kann ich mich nicht entsinnen K. Würtz je auf meiner Liste gehabt zu haben!
Zelenka (01.06.2008, 11:43):
Lieber Leif:

Auch von mir ein herzliches Willkommen im Forum! Das Loblied auf Klara Würtz wird auch hier gesungen, aber die Konkurrenz ist halt groß ... Ich habe sie leider noch nicht gehört.

Gruß, Zelenka
Leif Erikson (05.06.2008, 17:36):
Hallo Rachmaninov & Zelenka,

danke für den Willkommensgruß. Da ich keinen thread gefunden habe à la "neue Mitglieder" hier etwas von mir:

Ich bin Musikliebhaber mit großer breitgestreuter Sammlung.
Da manuell vielleicht nicht so begabt, hat es mit dem Klavierunterricht nicht hingehauen. Auf mein Hörvermögen bilde ich mir allerdings schon ein bißchen was ein.
Deshalb und weil meine Frau in einem Oratorienchor gesungen hat, habe ich mich auf recording/mastering bei diesem Chor verlegt. Wenn Ihr wissen wollt, ob eine Aufnahme in Ordnung ist, könnt Ihr bei mir mit einiger Kompetenz rechnen. Ich habe nämlich schon alle Fehler gemacht die es gibt und erkenne sie wieder :-)).

Um nochmal auf Klara Würtz zu kommen. . . (Rachmaninov, der vierte Beitrag auf Seite eins dieses threads ist Deiner und enthält die Interpretenliste. Bei meinem Beitrag fehlte der Satz, daß ich mir wüschte, ihr würdet auch ihre Interpretation besprechen)
Klara Würtz unterrichtet in Amsterdam und gibt in kleinen Hallen gelegentlich Konzerte. Außerdem ist sie die Frau von Pieter van Winkel, dem Gründer von Brillant Classics, auch ein studierter Pianist. Ihre Karriere auf der Bühne ist wohl ins Stocken gekommen. Angesichts ihrer Klasse wirklich jammerschade. Aber Glemser und Korstick machen ja auch keine, so wie sie es verdienen würden.
Rachmaninov (05.06.2008, 17:42):
Original von Leif Erikson
Hallo Rachmaninov & Zelenka,

danke für den Willkommensgruß. Da ich keinen thread gefunden habe à la "neue Mitglieder" hier etwas von mir:

Ich bin Musikliebhaber mit großer breitgestreuter Sammlung.
Da manuell vielleicht nicht so begabt, hat es mit dem Klavierunterricht nicht hingehauen. Auf mein Hörvermögen bilde ich mir allerdings schon ein bißchen was ein.
Deshalb und weil meine Frau in einem Oratorienchor gesungen hat, habe ich mich auf recording/mastering bei diesem Chor verlegt. Wenn Ihr wissen wollt, ob eine Aufnahme in Ordnung ist, könnt Ihr bei mir mit einiger Kompetenz rechnen. Ich habe nämlich schon alle Fehler gemacht die es gibt und erkenne sie wieder :-)).



Mit Deiner Freundlichkeit warst Du gerade schneller als wir mit der Vergabe Deiner notwenigen Berechtigung für diesen Bereich. :(


Um nochmal auf Klara Würtz zu kommen. . . (Rachmaninov, der vierte Beitrag auf Seite eins dieses threads ist Deiner und enthält die Interpretenliste. Bei meinem Beitrag fehlte der Satz, daß ich mir wüschte, ihr würdet auch ihre Interpretation besprechen)
Klara Würtz unterrichtet in Amsterdam und gibt in kleinen Hallen gelegentlich Konzerte.

Oha, "Jugendsünden"?
Muss ich nochmal in die Anfänge des Threads schauen :engel
satie (05.06.2008, 20:12):
Hallo Leif,
auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum.

:hello

S A T I E
jünter (17.10.2008, 11:09):
Für die bereits positiv erwähnte Einspielung von Ivan Moravec/Vaclav Neumann Tschech. PO

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0099925350826.jpg

möchte ich an dieser Stelle mal eine ausdrückliche Lanze brechen:
Ich besitze die CD seit kurzem (die weiteren Kandidaten meines vorangegangenen Hörvergleichs waren Lupu/Previn, Pollini/Abbado, Perahia/Abbado) und höre sie immer wieder mit wachsender Begeisterung.
Moravec spielt das Werk mit großer romantischer Geste, für mein Empfinden würde ich sagen: Genau so muss es sein!

Hinzu kommt die exzellente Aufnahmequalität: sehr natürlicher. offener Klang, sehr transparentes Orchester, auch der Solist ist jederzeit gut durchhörbar.

Fazit: Ich habe - wenngleich die o.g. anderen Aufnahmen keineswegs schlecht sind - „mein“ Schumann-KK gefunden und kann die CD wärmstens empfehlen, zumal es die Kinderszenen op. 15 in DDD-Qualität noch dazu gibt.

Grüße und allen schönes Wochenende, jünter
Amadé (02.10.2009, 22:11):
Liebe Schumann-Freundinnen und Freunde,

das rührige französische Label Tahra brachte soeben diese CD auf den Markt:

Myra Hess und das Concertgebouw Orkest unter Leitung des damaligen Chefdirigenten Eduard van Beinum spielen Beethoven 5.KK und Schumann Klavierkonzert a-moll op.54 live

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41DVqQ5e7GL._SL500_AA240_.jpg

Diese Interpretation des Schumann-Konzerts ist in erster Linie kein Virtuosenkonzert sondern zumindest in den ersten beiden Sätzen großformatige Kammermusik. Poetische Darstellung, Hess und van Beinum lassen sich Zeit, eilen nicht durch die Partitur, sondern geben den Blick frei für Details, für das Stimmengeflecht zwischen Klavier und Orchester. Mich überzeugt diese Lesart. Aufnahme 1956, Spielzeit: 32:27.

Grüße Amadé
ab (05.10.2009, 09:49):
Danke für diesen Tipp! Die Hörschnipsel hören sich vorzüglich an; ganz anders also als der Eindruck, den ihrer Einspielung bei BBC-Legends bei mir hinterlassen hat.
Ist das Beethoven-Konzert auch so gut zusammen gelungen?

:hello
AcomA (28.02.2010, 12:31):
liebe Schumann-freunde,

Evgeni Kissin spilte das a-moll Konzert zusammen mit dem LSO unter Colin Davis 2006 ein. schon die kopplung mit dem Mozartschen c-moll Konzert ist aufhorchend. nun, IMO gehört diese aufnahme in die erste reihe. warum: aufnahmetechnisch sind klavier und orchester gut balanciert. Colin Davis nimmt das orchester sinfonisch, ohne auf feinheiten zu verzichten. er hat dies schon mit Arrau und Kovacevich auf platte praktiziert. Kissin ist offensichtlich gereift. das berühmte haupthema des kopfsatzes wird extrem ausgesungen. doch im gegensatz zu der späten zacharias-aufnahme (welche ich im gegensatz zu anderen (Zelenka/Manfred in memoriam) immer noch hochhalte) realisiert Kissin den virtuosen duktus des konzertes. das Intermezzo klingt nach etwas mehr als bloses füllsel, der schwung des finalsatzes ist von lipattischem kaliber. ich glaube, dass es sich hier nach berücksichtigung aller aspekte um eine komplette interpretation handelt.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0094638287926.jpg

gruß, siamak
Nordolf (30.03.2014, 21:52):
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/5183724.jpg

Bei Zimmermann (DG) ist der Klavierklang ziemlich aufgeweicht, das Orchester klingt dagegen natürlich. Das Zimmermann, von dem ich noch nie enttäuscht wurde, pianistisch perfekt ist, davon kann man ausgehen, doch fehlt mir insgesamt die Brillanz der Aufnahme. Meinen Favoriten Fleisher kann diese Aufnahme jedenfalls nicht verdrängen. :hello Was haltet ihr von der Zimmermann-Aufnahme ?

Ich habe den Eindruck, dass der "aufgeweichte" Klavierklang nicht mit einer mißratenen Tontechnik zusammenhängt, sondern dem Konzept von Zimerman/Karajan entspricht. Sie nehmen das Klavierkonzert eher verhalten und introvertiert: - das ganze Spiel von Zimerman scheint mir ganz deutlich nach Innen gerichtet. Er wirft sich selten zur laut-beredten Geste auf.
Ganz anders sieht es bei der Interpretation des Grieg-Konzertes aus, welches aus dem selben Aufnahmeprozess wie das Schumann-Konzert stammt: - hier ist alles viel extrovertierter, farbiger, kräftiger, das Klavier ist wesentlich präsenter und volumniöser. Da findet sich jene klangliche Brillianz, die teleton bei Schumann vermisst hatte.

Mir persönlich gefällt Zimermans leise Interpretation des Schumann-Werkes als Variante sehr gut.

Herzliche Grüße!
Nordolf
Falstaff (14.12.2017, 20:10):
Falls ich es nicht überlesen habe, wurde diese Aufnahme hier noch nicht besprochen:



Beide, Scherchen wie auch Benedetti Michelangeli ergänzen sich hier für mein Empfinden wunderbar. Man spürt schon das lodernde Feuer unter der Oberfläche im ersten Satz, das sich dann zu einem furiosen Finalsatz ausweitet. Gleichzeitig gelingt beiden diese seltsame Mischung zwischen einer gewissen Strenge und Beherrschtheit und einer hochromantischen Empfindung und Empfindlichkeit. Aber vielleicht ist es gerade das, was diese Aufnahme für mich so spannend macht.

:hello Falstaff