Smetana: Mein Vaterland

teleton (12.12.2007, 09:17):
Hallo Smetana-Freunde,

das bekannteste Werk Smetanas (1824-1884) ist zweifellos das Nationalepos Mein Vaterland, das aus dem Zyklus von 6 sinfonischen Dichtungen besteht.

Ich möchte mit diesem Thread die bestmöglichen Aufnahmen beleuchten und feststellen, welche Prioritäten ihr in dieser Hinsicht setzt.


Eine Stimme haben wir schon an anderer Stelle (als es OT um Mono oder Stereo ging) von Dox vorliegen:
Soll ich wirklich eine Jahrhundertaufnahme wie Talichs Má Vlast links liegen lassen, nur weil es einen Haufen oberflächlicher Langweiler gibt, die das in Stereo/Digital aufgenommen haben?
Eine interessante Stellungnahme. Taich ist sicher ein hervorragender Interpret für den Smetana - Zyklus. Gleichfalls bin ich mir sicher, das gerade bei Smetana gut klingende Stereoaufnahmen mir geschmacklich mehr Hörspaß bringen werden.

Meine Hörerfahrung beruht bei solchen TOP-Werken, wie dem Zyklus mein Vaterland meist immer aus der LP-Zeit.
:) So hatte ich zuerst die wunderbar gestaltete Surpraphon-Doppel-LP mit Prager Motiven mit Karel Ancerl - man war das eine Aufnahme.

Was Durchhörbarkeit der einzelnen Instrumentengruppen (auch die Harfe), oder die Wahl des Tempos angeheht, so halte ich diese für eine absolute Spitzenaufnahme von Mein Vaterland.
Diese Aufnahme von 1964 gehörte schon damals zu den klangbesten Platten, die ich hatte. Schon immer habe ich mich bei der Wahl der Interpretation in die Richtung orientiert, wo das Werk seinen Ursprung hatte und ich glaube, da habe ich meist sehr richtig gelegen.
Karel Ancerl bringt seinen Landsmann in einer ungeheuer spannenden Version; nichts geht unter und alles wird plastisch präsentiert.

Auf CD habe ich mir diese Supraphon-CD diesesd Jahr zugelegt.
Leider ist das tschechische Remastering nicht einwandfrei gelungen, sodass der Klang auf CD etwas steril wirkt - aber die Interpretation :engel.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6314543.jpg
Tschechische PH, Karel Ancerl
Supraphon, 1964, ADD, Remastering 2005
Bevor ich diese Supraphon - CD kaufte, hatte ich eine Menge über die unangemssene digitale Aufbereitung gelesen. Da ich die Aufnahme aber unbedingt auf CD haben wollte, habe ich trotzdem zugegriffen.
Ancerl schlägt in jeder sinf.Dichtung ein angemessenes Tempo an (nirgendwo zu langsam), die Aufnahme packt ungemein, wie schon damals auf LP.



:) Rein zufällig, weil ich die Ancerl-Aufnahme nicht auf CD bekommen konnte, hatte ich in den 90er-Jahren dann zu dieser Aufnahme mitJames Levine / Wiener PH gegriffen: Damals bei DG als Doppel-CD mit noch anderen Smetana Werken.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5965181.jpg
Wiener PH, James Levine
DG, DDD

Eigendlich hätte ich es Levine gar nicht zugetraut, aber was er auf die CD bannte ist große Klasse. Da kommt gar kein Gedanke an falsches Tempo oder nichthörbare Harfen auf.
Um es kurz zu machen:
Diese Aufnahme steht der Ancerl-Aufnahme in nichts nach.
:beer Was den Vergleich der Moldau mit meiner DG-CD mit F.Fricsay Dvorak: Sinf.Nr.9, auf der sich die Moldau auch in einer der wichtigsten Interpretationen befindet, so kann ich feststellen, daß sich Levin und Ancerl in bester Gesellschaft befinden.


:( Mehr ein Reinfall war der Kauf der Harnoncoert- Aufnahme auf RCA, die ich mir zu zufällig Karneval im Februar 2007 zulegte.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7718366.jpg
RCA, 2005, DDD

Seine RCA-Mein Vaterland-Aufnahme hat schöne Momente (zum Beispiel in Sarka kurz vor dem Schluß), die großartig wirken - aber nur im ersten Moment. Es stellt sich durch das ungewöhnlich langsame Tempo nichts ein, dass ein für die einzelnen Dichtungen zu packen vermag. Man muß sich zwingen die Sätze zu Ende zu hören; die Musik kommt nicht in den Gang.
Die 6Dichtungen dauern bei Harnoncourt 84Minuten, gegenüber meinem Favorit Ancerl mit 75Minuten.

Die Moldau ist bei Harnoncourt trockengelegt, die Musik fließt nicht - obwohl Ancerl auch 12:29 braucht ist es bei ihm überall spannend; noch besser Fricsay mit 11:01 ohne irgendwo gehetzt zu wirken; Harnoncourt mit 12:54 schießt den Vogel ab, der in die trockene Moldau fällt.
Wie man Tabor so emotionslos und belanglos dirigieren kann ist mir ein Rätsel - 14:25 Minuten Langeweile.

:wink Ich habe auch festgestellt das meine besprochene Levine-Aufnahme (DG) mit dem gleichen Orchester, den Wiener PH, gar nicht so schlecht ist, wie es anderenorts zumindest auch klanglich geschrieben wurde. Der Klang ist zwar nicht so schön und zeitgemäß wie bei Harni, aber diese DG-CD-Aufnahme hatte es für viele Jahre geschafft meine Ancerl-LP zu ersetzen und das heißt schon was.
Levine vermag mich in seiner Aufnahme als Hörer zu packen.
:down Die Ancerl-Supraphon-CD ist trotz der klanglich mißlungenen 24Bit-Remasterings auf jeden Fall sogar Beiden (Harnoncourt und Levine) vorzuziehen.

:helloLeider habe ich jetzt immer noch nicht die CD gefunden, die beide geforderte Kriterien an Interpretation und Klangqualität 100% erfüllt.
Das würde nur die Ancerl-Supraphon-LP schaffen - meine Erste.


Gerne glaube ich Dox, dass seine genannte MONO-Talich-Aufnahme TOP ist. Aber Mein Vaterland möchte ich auch klanglich optimal haben.
:D Sonst wird das bei mir nichts.
Rachmaninov (12.12.2007, 11:25):
Original von teleton
Diese Aufnahme steht der Ancerl-Aufnahme in nichts nach.
:beer Was den Vergleich der Moldau mit meiner DG-CD mit F.Fricsay Dvorak: Sinf.Nr.9, auf der sich die Moldau auch in einer der wichtigsten Interpretationen befindet, so kann ich feststellen, daß sich Levin und Ancerl in bester Gesellschaft befinden.

@teleton,
danke für die Eröffnung dieses Interessanten Threads, der mir wiedereinmal vor Augen führt, welche Lücken meine Diskographie aufweist.
Außer der Aufnahme der Moldau mit Fricsay ist meine Diskographie nämlich hier sehr erbärmlich.

Ich hoffe nun hier eine entsprechende überzeugende Aufnahme zu finden, die klanglich und interpretatorisch überzeugt.
Zelenka (12.12.2007, 17:59):
Lieber Wolfgang:

Besten Dank für Deine Eröffnung zu einem Faden, der sicher hier schon lange überfällig war!

Allzu häufig kann ich "Ma vlast" nicht hören, es geht mir dort generell ein wenig zu pompös und patriotisch zu, die "Moldau" allein habe ich wohl schon als Kind zu oft zu hören bekommen. Trotzdem habe ich vor kurzem endlich Talichs Einspielung von 1954 (Supraphon) angeschafft, die oft als Referenzaufnahme genannt wird. Ob sie diesen Status wirklich verdient, kann ich letztlich nicht beurteilen, ich finde diese Version allerdings sehr beeindruckend, intensiver als Kubeliks ebenfalls häufig empfohlene Einspielung mit dem Boston SO (DG). (Etwas weniger beeindruckt zumindest von Talichs "Moldau" ist Amadé, der sich aber sicher selbst melden wird.) Soweit meine Gesamteinspielungen von "Ma vlast", ich habe noch zweimal die "Moldau" separat, einmal mit Ancerl (VPO, EMI), einmal mit Stokowski, den Amadé hier zu Recht gar nicht schätzt.

Interessant wäre vielleicht noch zu erfahren, wie gut der Talich-Transfer von Naxos im Vergleich zum letzten von Supraphon ist ...

Gruß, Zelenka
Mime (12.12.2007, 19:52):
Ich bevorzuge die Aufnahme mit der Tschech. Philharmonie unter Vaclav Neumann.
:down
Amadé (12.12.2007, 20:20):
Lieber Zelenka,

ja, ich melde mich noch, bitte aber um ein paar Tage Geduld, da ich sehr im Advents-/Weihnachtsstress stehe.

Gruß Amadé
Cetay (inaktiv) (13.12.2007, 05:54):
Original von teleton

Eine Stimme haben wir schon an anderer Stelle (als es OT um Mono oder Stereo ging) von Dox vorliegen:
Soll ich wirklich eine Jahrhundertaufnahme wie Talichs Má Vlast links liegen lassen, nur weil es einen Haufen oberflächlicher Langweiler gibt, die das in Stereo/Digital aufgenommen haben?
Eine interessante Stellungnahme. Taich ist sicher ein hervorragender Interpret für den Smetana - Zyklus. Gleichfalls bin ich mir sicher, das gerade bei Smetana gut klingende Stereoaufnahmen mir geschmacklich mehr Hörspaß bringen werden.


Gerne glaube ich Dox, dass seine genannte MONO-Talich-Aufnahme TOP ist. Aber Mein Vaterland möchte ich auch klanglich optimal haben.
:D Sonst wird das bei mir nichts.

Das Zitat war natürlich bewußt überzogen um OT etwas klar zu machen.
Nichtsdestotrotz bleibt die Kernaussage:

Original von Dox Orkh
Keine der klanglich hochgezüchteten Aufnahmen, die ich versucht habe, konnte ich am Stück hören. Diese willkürlich erscheinende Ansammmlung von impressionistischer Klangmalerei bis hin zum zum hohlen Bombast langweilte mich nur. Was für ein Gegensatz dazu ist die Aufnahme von Talich. Hier ist alles von vorne bis hinten spannungs- und bedeutungsvoll und jeder Abschnitt wächst so "folgerichtig" (hier ist wieder die Grenze,des Redens über Musik erreicht) aus dem vorhergehenden hervor, dass die Frage nach Räumlichkeit und Klangfarben gar nicht erst aufkommt.

:hello
HenningKolf (13.12.2007, 10:55):
Halle Teleton,


ich muss zugeben, dass ich zwar die Moldau in nicht wenigen Einspielungen habe (Fricsay ist wirklich herausragend, wie ich finde), aber den gesamten Vaterlandszyklus nicht.

Immerhin kann ich etwas zu einer Aufnahme beisteuern, die ich gehört habe, die auch teilweise als sehr gut rezensiert worden ist, die mir aber überhaupt nicht gefallen hat

Die Aufnahme mit Colin Davis auf LSO Hybrid, recht neu

(Bilder verlinken kann ich mit dem Bürocomputer neuerdings nicht mehr).

Irgendwo höre ich da bei der Moldau kein Wasser fließen, dass es sich um eine sinfonische Dichtung handelt, drängt sich nicht auf.

An Ancerl hatte ich schon mal gedacht, aber allzu sterilen Klang mag ich nicht (man muss sich ja schon sehr anstrengen, eine 64er Analogaufnahme so zu bearbeiten, dass sie ausgerechnet steril klingt....)

Kennst Du die anderen Tschechen - ich meine Neumann und Kubelik? Die werden nicht nur in diesem Faden in diesem Forum ziemlich gelobt.


Gruß
Henning
teleton (13.12.2007, 11:39):
Hallo Henning,

mit Rafeal Kubelik nennst Du den spiritur rector für Mein Vaterland.
Es gibt keinen anderen Dirigenten, der dieses Werk aus seiner Heimat so oft eingespielt hat.
Die besten sollen die mit der Tschechischen PH (Supraphon) und diese
Aufnahme mit dem Bayerischen RSO München (ORFEO) sein:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5216846.jpg.

Die meistverbreitete ist die alte DG-Aufnahme von 1959 mit den Wiener PH. Wegen des Aufnahmealters vermute ich aber klangliche Einbußen, zumindest "rauschen":
http://ecx.images-amazon.com/images/I/6190596W1SL._AA240_.gif

Oft gesehen, nie gekauft (weil ich Ancerl hatte), die DG-Aufnahme mit dem Boston SO:
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5216819.jpg

Hier eine vielversprechende amazon- Kritik zu der LIVE-Aufnahme von 1990 (Suprahaon), die es zwei verschiedenen Coveraufmachungen gibt:
Zusammenfassend muß man die Aufnahme als nahezu perfekt bezeichnen! Der weltberühmte Dirigent Rafael Kubelik versteht es von Anfang an das Orchester so zu führen, daß der Zuhörer in den Bann dieses wohl einzigartigen Zyklusses gezogen wird. Herausragend dabei ist die perfekte Betonung der einzelnen Stücke, die jeweils die Gefühlslage des Komponisten Bedrich Smetana und die Tschechische Geschichte (als Grundlage des Zyklus) wiederspiegelt. Man glaubt regelrecht die Figuren und Mythen lebendig vor sich zu haben und sich in die wunderschöne Region Böhmens einzuhören und sie zu "sehen". Während andere Orchester die einzelnen Stücke (z.B. die Moldau)regelrecht "herunternudeln" dirigiert Kubelik mit einer Passion und Leidenschaft, die seinesgleichen sucht. Das Orchester spielt die Tradition einer eigenständigen Tschechischen Nationalmusik und zeigt mehr als internationale Klasse. Kubelik hat mit seiner Aufführung den Tschechen die Heimat wiedergebracht!

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61PGZQ369EL._AA240_.gif

:B Auf jeden Fall habe ich was Kubelik anbetrifft Nachholbedarf, denn die kenne ich alle nicht.
Cosima (13.12.2007, 21:04):
Ich habe drei Aufnahmen dieser Sinf. Dichtung auf CD. Alle drei auf Supraphon, alle drei gespielt vom ausgezeichneten Tschechischen Philharmonie Orchester. Dirigenten sind Ancerl, Smetácek und Talich. Alle drei sind IMO sehr gut. Auf Ancerl könnte ich vielleicht am ehesten verzichten, möchte ich aber eigentlich nicht.

Gruß, Cosima
Jürgen (14.12.2007, 09:58):
Diesen sinfonischen Zyklus habe ich in drei Einspielungen.

Meine Liebste ist diese (Neumann auf Denon mit dem Czech Philharmonic Orchestra):
http://di1.shopping.com/images1/pi/5c/2f/ca/2002321694-177x150-0-0_Repertoire_Smetana_My_Country_Vclav_Neumann_Czech.jpg


Dann habe ich noch Kubelik mit den Wienern aus den späten 50ern.
Der ist auch sehr schön, aber klanglich schon etwas angestaubt.

Und dann habe ich noch diese hier, mit genau diesem Cover. (Inbahl mit dem RSO Frankfurt auf Teldec)
Nach dem Kauf ein oder zweimal gehört. Seitdem verstaubt sie im Regal.
Ich weiss gar nicht mehr, warum.

Grüße
Jürgen
ab (15.12.2007, 13:04):
neben Fricsays Moldau habe ich noch Vacláv Neumanns, aber weder die genannte Supraphon-, noch die Denon-Aufnahme, sondern die aus Leipzig mit dem Gewandhaus Orchester. Persönlich mag ich ja Neumann sehr gerne, aber oft höre ich mir diese Musik selbst mir ihm nicht an.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41BPZGDKH0L._AA240_.jpg

Ich dachte bislang, mit dieser Einspielung hätte ich mehr als genug. Nun lese ich aber wiederholt von Talichs angelblicher Meisterleistung. Muss also mal vergleichen, ob Talich wirklich so viel mehr draus macht.
(Ein Loblied auf Kubelik kann ich leider nicht einstimmen, nichts hat mir bis jetzt von ihm richtig gefallen.)
Amadé (16.12.2007, 11:13):
Liebe Forianer,

Mein Vaterland steht auch bei mir in verschiedenen Aufnahmen im Plattenregal. Das interessanteste Werk ist für mich Die Moldau, ihn ihm werden verschiedene Situationen rund um den größten böhmischen Fluss musikalisch ausgemalt. Die fünf anderen Tondichtungen, die sich jeweils auf ein „Ereignis“ konzentrieren, sind weniger vielseitig, womit ich nicht sagen will, sie seien musikalisch nicht auf gleicher Höhe wie die Moldau.
Nun zur Moldau selbst, das Werk gliederte Smetana in neun Abschnitte:

1. Zwei Quellen der Moldau – die Moldau als Fluss (Hauptmelodie)
zunächst 2 Flöten, danach auch 2 Klarinetten sowie gezupfte Streicher und dazu Harfe, Flöten und Klarinetten müssen sehr duftig klingen, sich klanglich voneinander abheben

Spitze: Fricsay, Szell-Clev., Talich, Dohnanyi, Karajan-BPh-EMI-77, Keilberth, Harnoncourt
wenig gelungen: Barenboim, Stokowsky, Celibidache, Ancerl, Kubelik-WPh, Previn

2. Waldjagd
der Dirigent hat darauf zu achten, dass sich die 4 Hörner ihre Motive auch zurufen, das muss hörbar sein, Fricsay-SdR hat bewiesen, dass das auch in mono geht

Spitze: Fricsay, Szell-Clev., Talich, Dohnanyi, Dorati-COA, Karajan-BPh-EMI-77
wenig gelungen: Stokowski (Feuerzauber?), Toscanini, Barenboim, Karajan-BPh-EMI-58, Jansons, Järvi

3. Bauernhochzeit
das Stück darf nicht zu langsam gespielt werden, sonst besteht die Gefahr, dass die langen Terzenketten im Holz und den Streichern etwas hölzern klingen. Auch gilt es die kurzen Crescendi mit nachfolgendem piano nicht zu übersehen! Es tanzen hier junge Leute, nicht nur Opas und Omas

Spitze: Fricsay, Norrington, Szell-Clev., Karajan-BPh-EMI-77, E.Kleiber
wenig gelungen: Stokowski, Walter,Celibidache, Ancerl, Jansons, Järvi

geheinmisvolle Überleitung von Fagotten und Oboen, wird oft ohne Liebe dargeboten

4. Mondschein, Nymphen die einzelnen Instrumente müssen sich voneinander abheben: Flöten, Klarinetten, Hörner, Streicher und Harfe. Über die Streicherstimmen schreibt Smetana „dolcissimo“! Ab Takt 202 sollten die in hoher Lage spielenden Celli nicht übersehen werden! Im letzten Drittel, ab T.213, treten 3 Posaunen und die Tuba hinzu (punktierter Rhythmus), der Dirigent Gerd Albrecht meinte, sie stellten böhmische Helden aus grauer Vorzeit dar, die in ihren Ritterrüstungen im Mondschein wandelten. Diese geheimnisvolle Stelle bleibt leider bei vielen Interpretationen unterbelichtet

Spitze: Fricsay, Keilberth, Talich, Szell-Clev.
wenig gelungen: Kosler, Celibidache, Karajan-WP-84, Furtwängler, Toscanini

5. Moldaumelodie

6. Trugschluss, St.Johann-Stromschnellen
die Piccolo-Flöte deutet die bedrohliche Situation für die Schifffahrt an

Spitze: Furtwängler, Fricsay, Dorati-COA, Szell-Clev., Dohnanyi
wenig gelungen: Järvi, Stokowski, Walter, Celibidache, Kuhn, Levine, Albrecht

7. Die Moldau strömt majestätisch auf Prag zu

8. Vyscherad-Motiv aus dem 1.Teil von Mein Vaterland
vor dem Motiv wird oft ein vom Komponisten nicht vorgesehenes ritardando gespielt, dadurch wird Vyscherad zum Höhepunkt, nicht die Moldau selbst, eine fragliche Interpretation, z.B. bei Previn

9. Überleitung und Schluss

Bei der Beurteilung der Aufnahme sollte man m.E. nicht das große Ganze sehen, dass womöglich al fresco, also undifferenziert, dargeboten wird, sondern seinen Blick auf die Charakterisierung der einzelnen Abschnitte richten.

Grüße Amadé

PS: Siehe auch die Moldau-Seite auf meiner homepage.
teleton (13.01.2009, 13:00):
Hallo Smetana-Freunde,

eigendlich hätte ich nach den favorisierten Aufnahmen von Mein Vaterland mit
Ancerl / Tschechische Philharmonie (Supraphon, 1964, ADD), die leider auf CD so fürchtbar remastert wurde (da hört man besser die alte Supraphon-Doppel-LP - ich berichtete diesbezüglich bereits)
und in anständiger Klangqualität die nicht minder spannende Aufnahme auf CD mit
Levine / Wiener PH (DG, DDD)
keine weitere benötigt.

Um alle Smetana-Orchesterwerke zu haben, sollte man für 6,99Euro (bei 2001) aber unbedingt die 3CD-BRILLANT-Box besitzen.
Diese gehört zu den ersten CD-Käufen 2009 und ist eine voll positive Überraschnung.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/5028421936345.jpg
Mein Vaterland; Wallensteins Lager op. 14; Hakon Jarl op. 16;
Richard III op. 11; Ouvertüre & 3 Tänze aus "Die verkaufte
Braut"; Doktor Faust-Ouvertüre; Venkovanka; Nasim Devam;
Festsymphonie op. 6; Festouverüre C-Dur; Festouvertüre op. 4;
Prager Karneval; March of the National Guard;
Shakespeare Festival March op. 20; Wallenstein's Camp op. 14 Janacek PO, Theodore KucharBrillant, 2007, DDD

Man merkt bei hören von Mein Vaterland gleich, das das Janacek PO kein Spitzenensenble, wie die bekannten großen ist und auch wie verwöhnt man in dieser Beziegung geworden ist.
Aber das tut der Qualität keinen Abbruch, denn die tschechischen Musiker sind mit großer Spielfreude und Feuer dabei und geben alles.
:thanks Auch Kuchar, den ich auf NAXOS und BRILLANT in den letzten Jahren mehrfach positiv erlebt habe (besanders bei der 3CD-Box mit Schostakowitsch-Suiten und Kurzwerken) ist hier mit Elan und fern jeder Langweile dabei. Die Sinfonischen Dichtungen (neben den Mein Vaterland) kannte ich schon durch die TOP - Kubelik-CD (DG). Diese werden hier mit Kuchar aber ebenfalls eindrucksvoll dargeboten.
:times10 Smetana Orchestral jetzt komplett - da entsteht durch diese 3CD-Box ein ganz neues Smetana - Bild: Welch feurige hochmusikalische Musik war da noch unbekannt. Da geht es "richtig rund" und das wird durch Kuchar und die Janaceker toll umgesetzt.
Wer kennt die Doktor Faust-Ouvertüre oder die gute Laune - Sinfonie namens Festive Symponie op.6, in der auch die Deutschlandhymne anklingt ?
Auch in der paukenbehaftten Festive-Ouvertüre op.9 geht die Post ab mit Pauken und Trompeten.
Auch die bekannte Ouvertüre zur Verkauften Braut mit den zugehörigen Sätzen - hier wirklich Klasse.
Kurz: Die Brillant-Box macht einfach Spaß und Laune.
Wenn einer mal schlecht drauf ist - dann dieses !


Nun zu Mein Vaterland mit Kuchar:
Schon die Spielzeiten auf dem Cover versprachen anständiges -
:) Kuchar benötigt 73:15, ähnlich wie Ancerl 75:15 und Levine mit 76:10.
:( Aber nicht den Reinfall, den ich 02/2007 erlebte, mit Harnoncourt (RCA) der mit über 84 Minuten langatmig dahinplätscherte (lange verkauft).

Die Janacek PO scheint nicht ganz die Präzision zu haben und bei wuchtigen Einsätzen fehlt etwas die Schlagkraft, so wie bei der Tschechischen PH und den WPO in Mein Vaterland gewohnt. Da man den Musikern aber ihre Spielfreude anmerkt ist dies zu verschmerzen und es entstand eine emotionsgeladene und an keiner Stelle langweilige Interpretation, die voll zufriedenstellt.
Die Klangqualität ist sehr gut und natürlich eingefangen - - - 2007 = nagelneu.

:hello Diese Brillant-Box zeigt Musiker, die den unbekannten Smetana unbedingt in positivsten Bildern zeigen wollen - TOP gelungen - fabelhafte CD´s - tolle Ergänzung zum vorhandenen.
Und dann für diesen Geschenktpreis.
Jürgen (09.02.2009, 11:00):
Original von teleton
:( Mehr ein Reinfall war der Kauf der Harnoncoert- Aufnahme auf RCA, die ich mir zu zufällig Karneval im Februar 2007 zulegte.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7718366.jpg
RCA, 2005, DDD

Seine RCA-Mein Vaterland-Aufnahme hat schöne Momente (zum Beispiel in Sarka kurz vor dem Schluß), die großartig wirken - aber nur im ersten Moment. Es stellt sich durch das ungewöhnlich langsame Tempo nichts ein, dass ein für die einzelnen Dichtungen zu packen vermag. Man muß sich zwingen die Sätze zu Ende zu hören; die Musik kommt nicht in den Gang.
Die 6Dichtungen dauern bei Harnoncourt 84Minuten, gegenüber meinem Favorit Ancerl mit 75Minuten.

Die Moldau ist bei Harnoncourt trockengelegt, die Musik fließt nicht - obwohl Ancerl auch 12:29 braucht ist es bei ihm überall spannend; noch besser Fricsay mit 11:01 ohne irgendwo gehetzt zu wirken; Harnoncourt mit 12:54 schießt den Vogel ab, der in die trockene Moldau fällt.
Wie man Tabor so emotionslos und belanglos dirigieren kann ist mir ein Rätsel - 14:25 Minuten Langeweile.


Genau diese Aufnahme habe ich mir in der Musikbücherei ausgeliehen.
Vyserad und Moldau habe ich gleich im Auto gehört. Daraufhin habe ich diesen Thread durchgelesen und kann es eigentlich nicht besser als teleton formulieren. So spannungsarm, blutleer habe ich diese Musik noch nie gehört. Da fehlt jegliches Herz. Zwischendrin höre ich kurz das Blech ansetzen und ahne, welch ungeheures Potential in diesem Orchester steckt. Wie anders hätten sie das doch spielen können. Auch die Tonqualität ist prima, welch vertane Chance.

Harnoncourt hat ja auch viel von Dvorak aufgenommen, was ich noch nicht kenne. Ich glaube auch nicht, dass ich mich nach dieser CD da heranwage.

Grüße
Jürgen
ab (09.02.2009, 11:43):
Original von Jürgen
Harnoncourt hat ja auch viel von Dvorak aufgenommen, was ich noch nicht kenne. Ich glaube auch nicht, dass ich mich nach dieser CD da heranwage.


die Tondichtungen sind ähnlich (wie auch sein Strauß), und die Sinfonien etwas besser geraten, und das sage ich, der ich bei einigen anderen Aufnahmen absoluter Harnocurt-Bewunderer bin (wie etwa bei den gerade erst gestern wieder gehörten Mendelssohn-Sinfonien)
Maurice inaktiv (17.03.2013, 10:24):
Ich kann noch die Einspielungen von Libor Pesek mit der großartigen Tschechischen Philharmonie Prag empfehlen.Wirklich eine sehr gute Einspielung!!

Auch Antoni Wit mit dem Polnischen Radio-Sinfonie-Orchester ist sehr gut geworden.

Bei Kubelik finde ich die Wiener Mono-Aufnahme nicht so dolle,was aber vermutlich an der alten Aufnahmetechnik liegt.

Als auch nicht so schlechte Wahl ist Inbal mit dem RSO Frankfurt zu erwähnen.Er ist natürlich eher der "neutrale" Dirigent,aber man hört im Grunde jedes Teil der Partitur heraus....

Harnoncourts Fassung habe ich nicht,kenne sie auch nicht-und werde sie auch nie kennen lernen,wenn ich das so hier lese.Seine Symphonischen Dichtungen und Slawischen Tänze von Dvorak finde ich aber sehr gut gelungen....

Die Aufnahmen mit Kuchar auf Brilliant finde ich auch sehr gelungen.Die Janacek-Philharmonie hat unter Christian Arming auch einmal für Arte Nova eine schöne Janacek-CD eingespielt.Nur mal zur Info....
Maurice inaktiv (21.03.2013, 02:24):
So,ich habe mir mal den Kubelik bei dem berühmten Konzert 1990 geleistet.Mal schauen,es soll ja ein sehr emotioneller Abend gewesen damals.Der "Verlorene Sohn" kehrt zu rück zu "seiner" Philharmonie.

Auf die Orfeo-Aufnahme unter Kubelik habe ich auch ein Auge geworfen,aber irgendwann muss mal Schluss sein,denke ich mal.

Zu Harnoncourt noch einen Satz.Seine Aufnahme wird-und das wird dann doch eine große Überraschung sein-in einem der Harenbergs als Empfehlung angegeben..... ?(

Doch wenn er so eine Ewigkeit braucht,bin ich schon verwundert,Sonst ist er ja auch von der "Schnellen Truppe" gewesen.Immerhin hat sein Dvorak durchaus einiges mehr zu bieten....

Vaclav Neumann würde mich auch brennend interessieren,aber zur Zeit gibts da kein Schnäppchen zu machen,also muss das warten.

Fortsetzung folgt....
Maurice inaktiv (24.03.2013, 17:48):
Ich habe mir dazwischen diese Aufnahme gekauft,und höre sie auch gerade,kann also quasi "live" berichten davon.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/5139WpN7MSL._SL500_AA300_.jpg

Ich empfinde diese Live-Einspielung bis jetzt nicht als Kubeliks beste Einspielung,geschweige denn unter den ersten Dreien.

Natürlich ist Kubelik viel zu viel Musikant,um hier etwas schlecht oder falsch zu machen,aber die Aufnahmetechnik unterstützt dies' leider nicht,sondern "verschleiert" es durch ein untransparentes Klangbild.

In wie weit das auf den Aufnahmeort (Herkules-Saal München) zurück zu führen ist,vermag ich nicht zu sagen.Doch es kommt nicht wirklich das rüber,was ich mir gerade von einer Live-Einspielung erwartet hätte.

Ich bin mir auch recht sicher,dass es keine volldigitalisierte Einspielung ist,sonst hätten die Tontechniker einen erstaunlich schwachen Job gemacht,was ich diesen erfahrenen Leuten nicht zutrauen würde.

Besser als die alte Einspielung von 1959 ist sie allemal.

Hier mit Bildern meine Favoriten.Es fehlt aber immer noch die CD mit der Tschechischen Philharmonie unter Kubelik.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/A1nvWn5fYiS._AA1500_.jpg

Meine Nummer Eins,weil Orchester,Dirigent und Aufnahmetechnik einen vorzüglichen ob verrichteten.Pesek ist für mich ein absoluter Klassedirigent,wenn es um seine Tschechen geht.....

http://ecx.images-amazon.com/images/I/610BQ4HPZYL._SL500_AA300_.gif

Auch hier wird auf sehr hohem Niveau MUSIZIERT.Antoni Wit hat hier erneut bewiesen,dass man mit vermeintlich zweitklassigen Orchestern erstklassig Musik machen kann.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51noTC9yIVL._SL500_AA300_.jpg

Auch Antal Dorati,gebürtiger Ungar und Weltbürger,hat eine fantastische Einspielung mit dem brillianten Concertgebouw gemacht,die als absolut erstklassig zu bezeichnen ist.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41GWMMHP0YL._SL500_AA300_.jpg

Inbal macht etwas,was man vielleicht von jedem Dirigenten erwarten

kann,aber nicht jeder Dirigent es auch wirklich macht.Er nimmt jede Anweisung in der Partitur war,lässt sich aber nicht zu großem Pathos hinreißen.Klangtechnisch erstaunlich gut,musikalisch ebenfalls.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61B658JCAPL._SL500_AA300_.gif

DAS ist für MICH bis jetzt Kubeliks beste Einspielung.Selbst aufnahmetechnisch für diese Zeit erstaunlich gut eingefangen.Da war die DG noch mit Aufnahmen bester Qualität bestückt.

Ich habe noch vier interessante Einspielungen gefunden,die sehr günsitg zu erwerben waren,was ich auch getan habe.Sir Roger Norrington/LCP,Jiri Belohlavek/TPP,Vladimir Valek/PRSO und Zdenek Macal/SWF-RSO Baden-Baden.Mal schauen,was ich hier noch geboten bekomme.

VG,Maurice
Maurice inaktiv (24.03.2013, 21:35):
Ich habe DIESE Aufnahme vergessen zu erwähnen :

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/5028421936345.jpg

Eine sehr schöne Box,wirklich gut eingespielt.Hier zeigt sich,dass auch ein vermeintliches "Provinz-Orchester" hochwertige Aufnahmen machen kann,wenn auch mit leichten Schwächen in der Virtuosität des Orchesters.

Ich konnte nun auch die Denon-Einspielung von Vavlav Neumann ergattern,also wird es bis Ende Mai noch einige Berichte hier von mir geben dazu.

Natürlich werde ich nicht alle Aufnahmen behalten,aber mal schauen.Ich mag dieses Werk einfach sehr....

VG,Maurice
Maurice inaktiv (14.04.2013, 21:54):
Ich habe mich jetzt durch eine Reihe von Aufnahmen dieses Meisterwerkes gestürzt,immer mit etwas Abstand dazwischen,sonst würde ich mich dann doch damit satt hören mit der Zeit.

Mir standen bis jetzt folgende Aufnahmen zur Verfügung :

A) Tschechische Philharmonie Prag mit folgenden Dirigenten,dazu die Aufnahmedaten und Gesamtspielzeiten :

01. Vaclav Talich 10.Juni-03.Juli 1954 in Prag 75,22 Minuten

02. Vaclav Smetacek 1980 in Prag 73,55 Minuten

03. Vaclav Neumann 05.November 1982 in Tokio live 80,20 Minuten

04. Jiri Belohlavek 26.-28.März 1990 in Prag 77,01 Minuten

05. Rafael Kubelik 12.Mai 1990 in Prag live Er- 77,45 Minuten
öffnungskonzert "Prager Frühling"
06. Libor Pesek 12.05.1995 in Prag live Er- 74,29 Minuten
öffnungskonzert "Prager Frühling"

Alleine hier gibt es schon einige Unterschiede,aber dazu erst später mehr.Erst möchte ich die restlichen Aufnahmen noch hören.Es kann noch 14 Tage dauern.

07. Rafael Kubelik 1959,Wiener Philharmoniker 74,27 Min.
08. Rafael Kubelik 1971,Boston Symphony Orch. 76,09 Min.
09. Rafael Kubelik 03./04.Mai 1984,So des BR 73,00 Min.
10. Zdenek Macal Keine Angaben,aber DDD,SDR-RSO
Baden-Baden 72,14 Min.
11. Antal Dorati Oct.1986,Royal Concertgebouw 79,17 Min.
Orchestra
12. Eliahu Inbal Oct.1988,RSO Frankfurt 77,48 Min.
13. Vladimir Válek 24.-26.Oct.1990,RSO Prag 73,20 Min.
14. Antoni Wit 20.-22.Dez.1993,Polnisches RSO 79,38 Min.
15. Theodore Kuchar 2007,Janacek-Philharmonie 73,15 Min.
Ostrava

Das sind die bisher von mir auch gehörten Aufnahmen.ich muss aber das Gehörte zusammenfassen,dazu werden noch einige Aufnahmen erwartet.

Nicht dabei sind Harnoncourt,der zwar hochgelobt wird in der Fachpresse,aber hier im Forum denkbar schlecht wegkommt,Zdenek Kosler,und Karel Senja habe ich auch nicht mit dabei.Man möge mir das bitte nachsehen.

Ebenfalls nicht mit dabei sind Kubeliks Einspielung von um die 1953 und Antal Doratis 1956-er Einspielung aus den Staaten (Chicago SO)

Allerdings gibts zwei Einspielungen,die vermutlich keiner auf der Rechnung habt.Sie sind auch hier noch nicht groß erwähnt worden,was mich natürlich freut,aber auch spannend sein wird,was mich da erwartet.

Man sollte auch erwähnen,dass viele der hier erwähnten Einspielungen bereits in unzähligen Varianten immer mal wieder auf dem Markt angeboten werden.

Alleine bei Inbal habe ich sieben verschiedene Cover gesehen,bei Kubeliks Einspielungen sind es unzählige Varianten,egal ob bei der DG,Decca oder Supraphon.

So,das war es erst einmal gewesen,Ich möchte nur nicht,dass es hier einfach vor sich hin plätschert,sondern ich bin dabei.....

VG,Maurice
Cetay (inaktiv) (16.04.2013, 07:39):
Original von Maurice André
Nicht dabei sind Harnoncourt,der zwar hochgelobt wird in der Fachpresse,aber hier im Forum denkbar schlecht wegkommt

Für mich wäre das ein Grund, erst recht hinzuhören, denn Einspielungen mit so unterschiedlichen Reaktionen versprechen zumindest, etwas Besonderes zu sein. Die Fachpresse lobt übrigens nicht nur durchgehend. AMG zum Beispiel fragt: wie schlecht ist ist diese Aufnahme und antwortet selbst: Sie ist so schlecht, dass sie das Stück schlecht klingen läßt ... und plump, bombastisch, erbärmlich, albern. Dieses Urteil gilt natürlich ebenso für die Rezension, weil sich der Tippser zu keinen Besipielen herabläßt, aber immerhin schreibt er noch, dass Ma Vlast musikalischer Nationalismus sei. Da kann man sich ungefähr ausmalen, was ihm -und möglicherweise einigen Forenmitgliedern- fehlt.
Jürgen (16.04.2013, 09:19):
Original von Cetay
http://ecx.images-amazon.com/images/I/613de%2BMmr5L._SL500_AA240_.jpg
Bedrich Smetana; Ma Vlast; Wiener Philharmoniker, Nikolaus Harnoncourt

Daraus: Sarka

Inspiriert durch neue Beiträge in diesem Faden, versuche ich mich erneut an Harnoncourts Aufnahme.
Ich habe mich dort vor etwa 4 Jahren sehr negativ geäussert.

Nach Vyšehrad höre ich im Anschluss Karajans Interpretation (1967) des gleichen Satzes, weil er nahezu die gleiche Laufzeit aufweist (HvK 15:53 / NH 15:55)
http://ecx.images-amazon.com/images/I/5152HQXENNL._SL500_AA300_.jpg

Welch ein Unterschied: Karajan traut sich was, da tönt das Blech und die Schlagwerker versuchen nicht, heimlich und unbemerkt im Hintergrund zu spielen.
Platt formuliert: Er lässt es richtig krachen, malt aber auch die lyrischen Momente zuckersüß.

Harnoncourt hingegen nimmt die Dynamik raus und spielt eher nüchtern. Man mag das bar jeden Patriotismus nennen, in meinen Ohren klingt es einfach nur flach, mir gefällt es nicht, setzen - 4.

Grüße
Jürgen
Maurice inaktiv (16.04.2013, 12:13):
Für mich wäre das ein Grund, erst recht hinzuhören, denn Einspielungen mit so unterschiedlichen Reaktionen versprechen zumindest, etwas Besonderes zu sein. Die Fachpresse lobt übrigens nicht nur durchgehend. AMG zum Beispiel fragt: wie schlecht ist ist diese Aufnahme und antwortet selbst: Sie ist so schlecht, dass sie das Stück schlecht klingen läßt ... und plump, bombastisch, erbärmlich, albern. Dieses Urteil gilt natürlich ebenso für die Rezension, weil sich der Tippser zu keinen Besipielen herabläßt, aber immerhin schreibt er noch, dass Ma Vlast musikalischer Nationalismus sei. Da kann man sich ungefähr ausmalen, was ihm -und möglicherweise einigen Forenmitgliedern- fehlt.

Mein lieber (oder Meine liebe?) Cetay,ich würde das auch machen,aber da ich hier nicht alleine bin,erfreue ich mich,dass Du Dich quasi für mich "opferst" und Harnoncourts Fassung Dir anhörst.Dafür vielen Dank meinerseits.

Ma Vlast heißt nun mal "Mein Heimatland" und ist alleine durch den Titel schon national geprägt.Im Gegensatz zu vielen Landsleuten sehe ich das Wort nicht zwispältig an,denn als dieser Titel geschrieben wurde,herrschte eine andere Zeit.

Da das Werk in Tschechien jedes Jahr am Fest "Prager Frühling" zur Eröffnung gespielt wird,hat es nach wie vor dort einen völlig anderen Stellenwert als vielleicht jedes andere Werk,was in diesem Lande geschrieben wurde.

So ist z.B. gerade Kubeliks legendäre Einspielung von 1990 ein Musterbeispiel an Intensität,was aber in DIESEM Falle positiv zu werten ist.

Wir in Deutschland würden uns damit auch weniger schwer tun,wenn nicht die furchtbaren Jahre 1933-1945 und 1945-1989 in der ehemaligen DDR gewesen wären.Bei uns bekommt das Wort gleich einen negativen Beigeschmack,andere Nationen haben damit überhaupt keine Probleme.Erstaunlicherweise auch die Nachbarn aus Österreich nicht.

Wir in Deutschland können uns immerhin rühmen,Beethovens Neunte dem gegenüber stellen zu können,was Leonard Bernstein nach dem Mauerfall 1989 ja in Berlin so deutlich hat uns gezeigt.

Die Berichte,die gerade hier zur Zeit über die Musik Franz Schrekers und Alexander von Zemlinsky geschrieben werden,lässt mich doch sehr hoffen,dass dieses Forum spannend und innovativ ist,keinesfalls mit Gedankengut gespikt,was Du vielleicht mit Deinem Satz angedeutet hast.Oder sehe ich das falsch jetzt?

Zurück zu Smetana.Gerade bei Ma Vlast gibt es ja einige Einspielungen,die für die Tschechen durchaus "national-historisch" nicht uninteressant waren oder noch sind.Deshalb war ich bemüht,auch Einspielungen mir anzuhören,die eng damit in Verbindung stehen,aber auch genauso mich an Einspielungen gewagt habe,die damit rein überhaupt nichts zu tun hatten.

Ich warte noch auf einige Aufnahmen,mal schauen,wann sie aus Übersee da sind dann.

VG,Maurice
Cetay (inaktiv) (16.04.2013, 15:02):
Original von Maurice André
Die Berichte,die gerade hier zur Zeit über die Musik Franz Schrekers und Alexander von Zemlinsky geschrieben werden,lässt mich doch sehr hoffen,dass dieses Forum spannend und innovativ ist,keinesfalls mit Gedankengut gespikt,was Du vielleicht mit Deinem Satz angedeutet hast.Oder sehe ich das falsch jetzt?


Vollkommen falsch. Mir ging es nicht um negative Konnotationen eines musikalischen Nationalismus, sondern von der Erwartungshaltung, die dadurch an die Interpretation ausgelöst wird, nämlich, dass sie mit Pomp und Pathos, feierlich und folklorstisch und mit Herz & Blut (dessen Fehlen weiter oben bemägelt wird) dargeboten wird. Und das wird eben bei Harnoncourt nicht geboten. Wozu auch? Davon gibt es schon ein Dutzend andere Aufnahmen. Ich bin eher ein Freund von nüchternen Lesearten, die Stimm- und Formverläufe herausstellen und das deskriptive Element hinten anstellen. Wenn es dann "langweilig" wird, dann mag das vielleicht auch am Werk liegen.
Maurice inaktiv (16.04.2013, 15:25):
Vollkommen falsch. Mir ging es nicht um negative Konnotationen eines musikalischen Nationalismus, sondern von der Erwartungshaltung, die dadurch an die Interpretation ausgelöst wird, nämlich, dass sie mit Pomp und Pathos, feierlich und folklorstisch und mit Herz & Blut (dessen Fehlen weiter oben bemägelt wird) dargeboten wird. Und das wird eben bei Harnoncourt nicht geboten. Wozu auch? Davon gibt es schon ein Dutzend andere Aufnahmen. Ich bin eher ein Freund von nüchternen Lesearten, die Stimm- und Formverläufe herausstellen und das deskriptive Element hinten anstellen. Wenn es dann "langweilig" wird, dann mag das vielleicht auch am Werk liegen.

Sehr schön,da bin ich ja durchaus beruhigt jetzt....

Zur "Nüchternheit" stehe ich als Jazzer natürlich etwas anders,aber eigentlich ist Harnoncourt nicht "nüchtern",sondern "belebend","interessant" und "auf dem Wege nach etwas Neuem".Und nur aus diesen Gründen ist er auch für mich interessant.

Ob bei diesem Werk zu viel "Nüchernheit" wirklich der neue,innovative Ansatzpunkt sein soll,vermag ich nicht zu sagen.MEINER wäre es vermutlich weniger.

Wäre er mir mit historischen Argumenten gekommen,würde ich das wieder anders sehen.So aber,halte ich dann die Kritiken für berechtigt und werde auch weiterhin diese Aufnahme meiden wie der Teufel das Weihwasser.

Wer ein solches Werk ohne Herz interpretiert,sollte es erst garnicht aufführen,geschweige denn,auf CD festhalten.

Bei Beethovens Neunter sehe ich ähnliche Punkte.Berlioz' Symphonie Fanatstique" ist auch so ein Werk,was mit reiner "Neutralität2 nicht wirklich zündet,aber das sind Werke,die hier nicht hin gehören.

VG,Maurice
uliwer (16.04.2013, 23:12):
Original von Cetay
...
Ich bin eher ein Freund von nüchternen Lesearten, die Stimm- und Formverläufe herausstellen und das deskriptive Element hinten anstellen. Wenn es dann "langweilig" wird, dann mag das vielleicht auch am Werk liegen.

Mein Vorschlag wäre da die Aufnahme mit der Tschechischen Philharmonie unter Vaclav Talich. Sicherlich nicht nüchtern, sondern so emotional wie es bei einem Orchester und Dirigenten, für die diese Musik zu den Grundlagen ihres Selbstverständnisses gehörte, nur sein kann. Doch die Stimm- und Formverläufe höre ich nirgends deutlicher als in dieser Aufnahme von 1954 - eben weil sie dieser Musik so gar nicht nüchtern gegenüber stehen, nehmen sie sie ernst. Die bei Smetana sonst ewig krachend nervenden Beckenschläge sind Klangfarben. Natürlich ganz viel Portamento - aber ich könnte mir fast vorstellen, dass Harnoncourt, dessen Aufnahme ich nicht kenne, genau das nachahmt, mag mich aber völlig irren.

Die Aufnahme, die einer nicht bombastischen, strukturell orientierten aber dennoch emotionalen Sichtweise des Werks vielleicht am Nächsten kommen könnte, gibt es leider wahrscheinlich gar nicht: sie könnte von Karel Sejna sein, wird aber soweit ich es überblicke, nirgends genannt.
Cetay (inaktiv) (16.04.2013, 23:19):
Ja, Talich kenne ich und wurde von mir hier als gut befunden.
Maurice inaktiv (17.04.2013, 00:00):
Ich sage es mal so : Talichs Einspielung von 1954 erscheint MIR nicht als DIE Einspielung zu sein,doch das möchte ich jetzt und heute noch nicht wirklich so sagen,dazu ist es einfach noch zu früh.

Im Moment fehlen mir leider noch immer einige Einspielungen,so dass ich keine konkreten Angaben machen kann.

Die Diskussion um die Harnoncourt-Einspielung hat mich jetzt dazu verleitet,mir auch diese zu kaufen.Also werde ich auch da bald wissen,ob sie MIR gefällt oder eben nicht.

Allerdings warte ich auf u.a. auf zwei Einspielungen,die mich neugierig machen,weil sie nicht von Dirigenten kommen,die man damit allgemein in Verbindung setzen würde.

Leider wird das Ganze länger dauern als geplant.

VG,Maurice.
palestrina (18.04.2013, 15:05):
Meine Aufnahme ist diese hier:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/4011790115122.jpg

Ja, Maurice dann muss ich ja Wooooochen warten , nein einfach aus dem Bauchgefuehl
heraus !

LG palestrina
Maurice inaktiv (18.04.2013, 15:47):
Meine Aufnahme ist diese hier:

Ich werde jetzt nichts dazu schreiben hier.Nur so viel,Dein Favorit wäre nicht meiner....

Zum Thema habe ich Dir eine PN geschrieben,da das hier den Rahmen erst einmal total sprengen würde.

Nur so viel : Bei Kubelik kann man nichts falsch machen bei diesem Werk....

VG,Maurice
Maurice inaktiv (20.04.2013, 03:13):
Nachdem ich mich durch die ein oder andere Einspielung erneut habe versucht reinzuhören (ohne es gleich zu berichten,was ich gerade höre... :D),möchte ich kurz berichten :

Als "Basis-Einspielung" habe ich für mich einmal die 1959-er Kubelik-Einspielung mit den Wienern genommen.An ihr habe ich mich ei wenig ausgerichtet.

Generell wurde ich mir überhaupt nicht bewusst,was ich mir da für ein "Himmelfahrtskommado" eingefangen habe,aber ok,da muss ich jetzt durch.

Was mir an allen Kubelik-Einspielungen gefällt,ist die Tatsache,dass er all die Jahre hindurch seinen Stil und Ansatz vollkommen bewahrt hat.Alleine an den Satzzeiten das auszumachen wäre nicht ganz richtig,aber wer Ohren hat,wird feststellen,dass er selbst 1990 noch diesen Ansatz hatte,als er nach 42 Jahren wieder vor seiner Tschechischen Philharmonie Prag stand.

Welche jetzt von IHM die "beste" Einspielung ist,scheint MIR eine reine Geschmackssache zu sein.

Sollte jemand seine alte Einspielung mit dem Chicago Symphony Orchestra haben,würde diese mich durchaus auch interessieren.

Vaclav Talich hatte 1954 eine Sternstunde in der Mono-Ära,wie man sie wohl nur alle Jubeljahre hat.Trotz eines guten Remastering gehen hier aber mit Sicherheit einige Feinheiten durch den Mono-Klang verloren.Deshalb setze ich sie asl die "beste historische Einspielung" im Moment einmal Außen vor.

Zu der hier sehr umstrittenenen Harnoncourt-Einspielung kann ich nach nur einmaligem Hören nur bedingt Antwort geben.Doch das Werk ist mir nun mal jetzt wirklich sehr vertraut,deshalb kurz einie Bemerkungen
dazu :

Sein Orchster spielt sehr sauber,unglaublich tonschön und klingt mMn weitaus weniger entschlackt als dies bei seinen Beethoven,Schumann oder Schubert-Einspielungen der Fall ist.

Ja,er ist langsam,aber das ist er durchgehend und stimmig.Er kostet die Partitur aus,das mag einem nicht gefallen,aber auch so könnte man es sehen.

Ähnliche Ansatzpunkte findet man auch in seinem Dvorak oder Bruckner,immerhin stilistisch artverwandt (bitte nicht so engstirnig jetzt sein,danke).

Für mich enthält sein "Meine Heimat" viele schöne Momente,aber leider eben auch die hier bereits beschriebenen Schwächen.

Gerade im so berühmten zweiten Satz fließt mir das Ganze zu wenig,sondern es scheint nur sehr zähflüssig voran zu gehen,fast so,als ob in der Moldau viele Bäume udn anderes Gehölz durch einen Sturm mitfließen würde.

Auch der Bauerntanz ist kein Tanzen,sondern eher ein "Tanz der Kriegsinvaliden",die nach einer Schlacht froh sind,überlebt zu haben....

Absolut positiv angekommen sind bei mir Antoni Wits Naxos-Aufnahme,der vielleicht in Polen ein ähnliches Schicksal erleiden musste,wie seine Kollegen in der Tschechoslowakei damals.

Ebenfalls eine sehr gute Option ist der Dirigent Libor Pesek.Er dirigiert hier einmal das Royal Liverpool Philharmonic Orchestra,doch diese Aufnahme kenne ich nicht,sondern ich meine jene von 1995 mit der Tschechischen Philharmonie Prag.Hier wurde auch aufnahmetechnisch sehr gute Arbeit geleistet.

Auch ganz weit Oben steht die hier bereits erwähnte Einspielung von Vaclav Neumann von 1982.Diese Einspielung wurde in Japan live gemacht,also nicht mit der tschechischen Technik,sondern mit der bekannt guten Aufnahmetechnik der Firma Denon.Er dirigiert ,fast schon logisch,auch die Tschechische Philharmnonie Prag.

Antal Dorati hatte 1985 das holländische Spitzen-Ensemble aus Amsterdam zur Verfügung.Als gebürtiger Ungar war auch er genau der richtige Mann für dieses Werk.Das Weltklasse-Orchester spielt dabei mit einer Wärme,die das Prager Spitzen-Orchester an den Rand gerdrängt hat,ohne sich dabei weh zu tun.Großartig!!!

Mit Jiri Belohlavek haben wir dann einen weiteren Spezialisten für die Musik seiner Heimat mit der Tschechischen Philharmonie Prag anstehen.Er macht nichts falsch,doch an die vorherigen Aufnahmen kommt er mMn nicht heran.

Vaclav Smetanek gehört zur älteren Generation von tschechischen Dirigenten,die eine absolut schlüssige Aufnahme präsentiert haben,die aber hier kaum bekannt geworden ist.

Alle diese fünf Aufnahmen zeichnen sich durch ein hinreißendes Orchesterspiel und stimmige Tempi aus.

Dass bei all diesen Einspielungen eine "Billig-Veröffentlichung" mithalten kann,die das gesamte Orchesterwerk gleich mit vereint,möchte ich als die eigentliche Überraschung hier nicht verleugnen.

Es handelt sich um jene von Brilliant Classics,die ja auch bereits hier erwähnt wurde.

Theodore Kuchar steht ein nur zweitklassiges Orchester zur Verfügung,was dann auch mal an seine Grenzen gelangt,aber er bringt es fertig,alle drei CDs wunderbar rüber zu bringen.Er leitet die Janacek-Philharmonie aus Ostrava.

Ebenfalls ordentlich gelungen ist eine mir noch etwas "nebulöse" CD mit dem Dirigenten Zdenek Macal,der auch hier in Deutschland tätig war.

Er machte mit dem "Sinfonieorchester Bade-Baden" eine Einspielung in DDD-Qualität,die sehr gut klingt und auch stimmig wirkt.Hier vermute ich,dass es sich um das SWR-Sinfonie-Orchester Baden-Baden handelt,nicht um das RSO Stuttgart.

Enttäuschend ist bisher nur die Einspielung von Vladimir Valek und dem Radio-Sinfonie-Orchester Prag ausgefallen.Hier wirkt für mich alles um zwei Lautstärkestufen zu hoch,bereits beginnend mit dem harfen-Solo zu Beginn des Werkes.

Seine Moldau klingt mir mehr nach Wagners Walhalla als nach böhmischen Wäldern und Feldern.Dazu ist das Orchester auch nicht in der gleichen Reihe mit der Prager Philharmonie,sondern deutlich schwächer.Diese Aufnahme ist auf Clarton erschienen 1994.Entstanden ist sie 1991 bereits.

Ebenfalls einen eher "neutralen Eindruck",was aber nicht anders zu erwarten war,macht die Inbal-Aufnahme mit seinem Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt auf mich.

Auf der einen Seite kennt man Inbal als einen sehr getreuen Partitur-Kenner,dem nichts entgeht,auf der anderen Seite steht sein eher "neutraler" Ansatzpunkt.

Trotzdem klingt seine Aufnahme interessanter als Harnoncourts Variante.Er kommt dabei immerhin in die Nähe der Harnoncourt-Zeiten,aber letztendlich ist er runde dreieinhalb Minuten schneller als dieser.

Doch Inbals Tempi wirken niemals träge oder langweilig,da er jedes Zeichen spielen lässt,jede Lautstärkenangabe folgt,aber auch immer ein Orchester hinter sich hat,was ihm alles gibt,zu was es zu geben ist.

So,das war das nächtliche erste größere Fazit meiner ganz persönlichen Ansichten dieses Werkes.

Es fehlen noch vier Einspielungen,davon wurden hier drei davon überhaupt noch nicht erwähnt,was doch schon ein wenig Spannung in das Ganze bringen könnte.

Ich freue mich auf anregende Diskussionen.Wem also hier etwas am Herzen liegt,nur zu.

Ach,ich könnte jetzt noch mit einigen anderen Details aufwarten,aber es ist so schon ein ganzer Roman geworden.Auf zusätzliche Bilder habe ich verzichtet,da diese bereits hier vorhanden sind.

VG,Maurice
Maurice inaktiv (30.04.2013, 18:50):
So,nun habe ich mich durch die Aufnahmen von James Levine und Paavo Berglund gehört,Sir Malcolm Sargent muss ich noch einmal hören,da mein Telefon leider nicht still gestanden hat.

Bei Levine war ich zunächst eher skeptisch,auch wenn die allgemeinen Kritiken recht gut ausgefallen waren.Doch auch ich bin positiv überrascht,wie schön ihm dieses doch eher "fremde" Stück gelungen ist.

Natürlich waren ihm die hervorragenden Wiener Philharmoniker hier eine wichtige Stütze,auf die er sich vollauf verlassen konnte.

Manchmal habe ich den Eindruck bei diesem Werk,dass man bereits nach der etwa einen Minute,also beim alleinigen Anfangen der Harfe,bis zum Einsetzen des Orchesters,ziemlich genau weiß,wie das Stück verlaufen wird.

Besonders interssant ist,finde ich,wenn man sich einmal den ersten Satz Levines anhört,und dann dann Harnoncourts ersten Satz mit dem gleichen Orchester.Die Spielzeiten sind hier sehr ähnlich (15,37 Levine,15,55 Harnoncourt) ,aber bei Levine fühlt man diese Länge nicht, Kubelik weiß ebenfalls ganz genau,dass Langsamkeit nichts mit Ruhe zu tun hat (1990 immerhin auch 15,40).

Berglund hatte die fantastische Staatskapelle Dresden zur Hand,die er aber weniger "böhmisch" als "nordisch" hat spielen lassen.Mir kamen manche Stellen vor,als ob er die Moldau mal kurz in einen finnischen oder norwegischen Fjord hat fließen lassen.

Allerdings möchte ich dabei betonen,dass er das wirklich ausgezeichnet gemacht hat.Mir kam deshalb keine Langeweile auf,aber es war eben nicht "Meine Heimat",sondern "Berglunds Heimat".

Hier zeigt es sich mMn ganz deutlich,dass ein Dirigent ein hervorragendes Orchester durchaus dazu bringen kann,nach SEINEM Willen zu spielen,wenn es denn bereit ist,diesen Weg mit zu gehen.

Bei Sir Malcolm Sargent kann ich zur Zeit immerhin schreiben,dass er einige Stellen anders akzentuieren lässt,als man es sonst "angeboten" bekommt.

Er spielt das Werk auch weniger mit britischem "Understatement",denn teilweise doch recht forsch und mir persönlich zu kräftig,laut und weniger filigran an,als man es gerne haben möchte.

Schon der Beginn mit der Harfe ist mir zu laut,auch als dann das Orchester einsetzt,ist die Harfe zu laut,oder wurde zu sehr von der Technik eingefangen.Den Übergang zum Orchestereinsatz ist dafür sehr gut gelungen.

Die beiden Flöten am Beginn des zweiten Satzes spielen mir auch eher schwammig bei ihrer kleinen "Verfolgungsjagd" beim Enstehen der Moldau.Ob man das alleine dem Alter der Aufnahme zuordnen kann,möchte ich nicht so stehen lassen.

Ich habe dann noch eine Einspielung hier,nämlich jene unter Sir Roger Norrington mit seinen London Classical Players.Hier bin ich auch neugierig,wie sich die einzige Aufnahme mit einem Ensemble,das mit der historischen Aufführungs-Praxis vertraut ist.

Weil ich hier einen völlig anderen Klang erwarte,habe ich sie auch bis zum Schluss aufgehoben.Durch die mir ersichtlichen Spielzeiten der einzelnen Sätze bin ich überrascht,dass Norrington mit 77,17 Minuten Gesamtspielzeit keinesfalls das Werk durchgehetzt haben kann.

Bis ich dazu etwas schreiben kann,verabschiede ich mich erst einmal hier wieder.

VG,Maurice
Maurice inaktiv (03.05.2013, 01:06):
Heute konnte ich die letzte Aufnahme von "Ma Vlast" endlich hören.Dieses Mal die einzige Aufnahme mit einem "Historischem Ensemble",den "London Classical Players" unter ihrem Chefdirigenten Sir Roger Norrington.

Natürlich lässt er ohne Vibrato spielen,was vor allem bei den Streichern immer wieder zu völlig anderen Ergebnissen führt,was man so vielleicht nie vermuten würde.

Doch ich konnte mich damit anfreunden,weil auch die Tempi stimmig und überhaupt nicht gehetzt wurde.

Mich haben aber nicht alle Betonungen überzeugt,gerade dann,wenn es vom Forte ins Piano gehen sollte,waren mir diese Unterschiede nicht deutlich genug.

In Gegensatz zu Sargents Einspielung konnte ich (ich habe keine Partitur vor mir,das mag ich nicht) keine grobe Veränderungen in den Betonungen feststellen,die mir bei dort eben aufgefallen sind.

Die Aufnahmetechnik ist natürlich viel besser als jene von Sargents Einspielung,so dass man sehr schön die einzelnen Solo-Stellen oder auch Übergänge sehr schön heraushören kann.

Wenn ich jetzt MEINE persönliche Nummer Eins festlegen sollte,komme ich trotzdem ins Straucheln.

Die Unterschiede sind bei einigen Aufnahmen so gering,dass man dies auch als persönliche Ansichten sehen könnte.Ich werde es aber mal versuchen :

01. Tschechische Philharmonie Prag / Libor Pesek Regis 1995 LIVE

01. Tschechische Philharmonie Prag / Vaclav Neumann Denon 1982 LIVE

01. Tschechische Philharmonie Prag / Rafael Kubelik Sup. 1990 LIVE


04. Polnisches Radio-Sinfonie-Orchester / Antoni Wit Naxos 1993/1994

05. Boston Symphony Orchestra / Rafael Kubelik 1971 DG

06. Royal Concertgebouw Orchestra / Antal Dorati 1987 Philips

07. Tschechische Philharmonie Prag / Vaclav Talich 1954 Naxos

08. Janacek Philharmonie Ostrava / Theodore Kuchar 2007 Brilliant Cl.

09. Wiener Philharmoniker / James Levine 1987 DG

10. Tschechische Philharmonie Prag / Jiri Belohlavek 1990 Sup.

11. Sinfonie-Orchester des BR / Rafael Kubelik 1984 Orfeo LIVE

12. Wiener Philharmoniker / Rafael Kubelik 1959 Decca

13. Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt / Eliahu Inbal 1988 Teldec

14. Milwaukee Symphony Orchestra / Zdenek Marcal 1991 Telarc

15. Tschechische Philharmonie Prag / Vaclav Smetacek 1980 Sup.

16. London Classical Players / Sir Roger Norrington 1996 Virigin

17. Staatskapelle Dresden / Paavo Berglund 1979 EMI

18. Sinfonie-Orchester des SWR / Zednek Marcal Amco/Aurophon

19. Wiener Philharmoniker / Nikolaus Harnoncourt 2001 RCA

20. Royal Philharmonic Orchestra / Sir Malcolm Sargent EMI

21. Radio-Sinfonie-Orchester Prag / Vladimir Valek Moravia CANS

Die ersten neun hier erwähnten Einspielungen liegen wirklich extrem eng zusammen,dass es im Grunde unmöglich ist,hier einen Favoriten zu benennen.

Man muss selbst bei Kubeliks Orfeo-Einspielung zugeben,dass sie in der Fachpresse sehr hoch gehandelt wird,dagegen Belohlaveks Einspielung nicht auftaucht dort.

Selbst Kubeliks frühe Decca-Einspielung würde ich selbst mit "sehr gut" bewerten,also in einem oberen Bereich.

Antal Dorati ist als Ungar und "Kosmopolit" natürlich auch bei Smetana jederzeit in er Lage,diesem Werk gerecht zu werden.Für mich eh einer der ganz großen Dirigenten,der leider viel zu wenig genannt wird.

Er hat im Concertgebouw Orchestra ein Weltklasse-Orchester hinter sich,was so hochkarätig ist,dass es "tschechischer" und "wärmer" klingen kann als die tschechischen Orchester selbst.

Seine Einspielung ist absolut stimmig und jederzeit zu empfehlen.Vielleicht hatte er das beste Orchester all dieser Einspielungen zur Verfügung,und das,obwohl einige wirkliche Spitzenklangkörper hier dabei sind,in diesem illusteren Kreis.

Auch Vacalv Smetaceks Einspielung dürfte von Vielen geschätzt werden,die ihn vielleicht noch in guter Erinnerung haben.

Warum die Fachpresse Harnoncourt so hoch bewertet,er aber hier im Forum eher schlecht bewertet wird,ist sicher einer der größten Gegensätze.

Die Einspielung ist an sich stimmig,aber eben nicht bewegend.Hier dirigiert Harnoncourt ein grandioses Orchester genial am Werk vorbei.

Vladimir Valek bringt mir leider viel zu wenig Form,dafür aber zu viel Lautstärke in das Werk hinein.Unterschiede zwischen Piano und Forte sind im Grunde nicht zu hören,Crescendi und Decrescendi ebenso wenig.

Sir Malcolm Sargent hat ein hervorragendes Orchester zur Hand,nutzt dies auch durchaus angemessen aus,beachtet mir aber einzelne Zeichen zu wenig,was doch einige Male ziemlich seltsam klingt.Wären diese für mich nicht unwichtigen Irritationen,ist diese Einspielung nicht schlecht.

Paavo Berglund kann ebenfalls auf ein hervorragendes Orchester bauen,was absolut sauber und klanglich sehr schön spielt,eben die "Wunderharfe aus dem Osten".Manche Stellen klingen doch schon eher "nordisch" als "böhmisch",aber besser als Harnoncourt,Valek und Sargent allemal.

Eliahu Inbal spielt die vermutlich "neutralste" "Heimat" hier in dieser Reihe,aber er tut dies mit einer Werkstreue,die nun einmal seine Sache eher sind,als Gefühlsdusselei oder gar Pathos.

Er steht damit irgendwie Sir Roger Norrington näher als den anderen Dirigenten hier,ohne dass man bei Inbal von einem "Revolutionär" sprechen kann.

Zdenek Macal gehört auch zu der Generation tschechischer Dirigenten,die eine internationale Karriere gemacht haben,aber letztendlich eine Nummer kleiner als seine Kollegen (u.a. Chefdirigent beim WDR-SO Köln,der Radiophilharmonie Hannover,sowie des Milwaukee und New Jersey SO in den USA,aber auch der Tschechischen Philharmonie Prag).

Seine beiden Einspielungen sind hier absolut stimmig,auch sehr gut aufgenommen,überzeugend,aber nicht überragend.

Jiri Belohlavek würde,wenn er das Werk HEUTE noch einmal einspielen würde,bestimmt eine bessere Wiedergabe zustande bringen als 1990.Doch seine Einspielung ist absolut stimmig,dem Werk angemessen,die Zeichen beachtend,die Tempi stimmig,dadurch auch überzeugend,aber nicht überragend.

Über die Qualitäten eines Rafael Kubelik als Dirigent der Werke seiner Landsleute muss man mMn nicht streiten.Er ist alleine hier vier Mal verteten,und das mit vier verschiedenen Orchestern aus vier verschiedenen Ländern.

Auch auf Grund des historischen Wertes sehe ich seine 1990-er Live-Einspielung vom "Prager Frühling" als seine beste Aufnahme an.

Antoni Wit hat mit seinem polnischen Orchester geschafft,sich ebenfalls weit nach vorne zu spielen.Ob es an der ähnlichen Situation liegt,die die Polen geschichtlich mit den Tschechen verbindet,und/oder die Qualitäten des Dirigenten Wit,immerhin ehemaliger Karajan-Wettbewerbs-Preisträger,kann ich nicht sagen,aber seine "Heimat" ist eine der besten CDs des Labels Naxos im Katalog.

Vaclav Neumann ist 1982 in Japan mit seiner Tschechischen Philharmonie eine exzellente Live-Einspielung gelungen,die zum Glück von den Japanern auf Denon vorzüglich aufgenommen wurde.Sie ist keinesfalls schlechter als Kubeliks Einspielungen,doch das war bei einem ebenso hervorragenden Dirigenten und Interpreten seiner Landsleute nicht anders zu erwarten.

Libor Pesek sehe ich mit den beiden Einspielungen Neumann/Kubelik,gepaart mit der Tschechischen Philharmonie Prag auf einer Stufe.Auch er hat das Werk live eingespielt,auch er hatte die berühmte Tschechische Philharmonie aus Prag als Orchester zur Hand,und auch er dirigiert das Eröffnungs-Konzert vom "Prager Frühling" wie Kubelik,aber 1995 erst.

Auch hier wurde das Orchester vorzüglich aufgenommen,wie dies ja bei Neumann in Japan ebenfalls war.

Das war jetzt sehr viel Text,hoffentlich habe ich niemanden verschreckt jetzt....

VG,Maurice
ab (03.05.2013, 16:35):
Original von Maurice André


Vaclav Neumann ist 1982 in Japan mit seiner Tschechischen Philharmonie eine exzellente Live-Einspielung gelungen,die zum Glück von den Japanern auf Denon vorzüglich aufgenommen wurde.Sie ist keinesfalls schlechter als Kubeliks Einspielungen,doch das war bei einem ebenso hervorragenden Dirigenten und Interpreten seiner Landsleute nicht anders zu erwarten.

VG,Maurice

Danke für Deine Einschätzungen! Hast Du auch einmal Neumanns Einspielung aus Leipzig im Vergleich gehört?
:thanks
teleton (19.01.2014, 19:48):
Gestern habe ich die recht neue Decca-Eloquence-CD (C 2010) mit Dorati / Royal Concertgebow Orchestra Amsterdam (Decca, 1986, DDD)erhalten und gleich mit Erwartung gehört. Die Aufnahme gleiche Aufnahme ist sogar schon länger bei Philps und jetzt ganz neu auch beim Label NEWTON erschienen:

Die Klangqualität ist erwartungsgemäss wirklich sehr gut - vorbildlich.
Aber was nützt das alles: :( So richtig wollte sich gleich von Anfang an bei Vysehrad keine Spannung einstellen.
Auch bei der Moldau kam eher Verwunderung bei mir auf - wie die Moldau um die Felsklippen fegt, habe ich mit Fricsay (DG), Karajan (DG) und in meine GA mit Ancerl (Supraphon), Levoine (DG) und Kuchar (Brillant) wirklich anders gehört.
Sarka kam dann wirklich angemessen.
Kein Witz - aber bei Aus Böhmens Hain und Flur war ich kurzzeitig eingepennt.
Tabor sprüht doch nur so vor berstender Spannung - der lento-Anfang lässt aufhorchen; aber ab dem Grandioso Molto vivace elininuert Dorati das alles und liefert hie ein seichtes Softpiece. Die saftigen Paukenstellen werden einfach mit breiten Akzenten (auch in den Streichern) ausgedünnt und spannungslos dargestellt. So harmlos habe ich das noch nie gehört. Bei Tabor sehe ich das als "Chance verpasst".
Blanik muss so packend anfangen, wie Tabor aufgehört hat - bei Dorati als langezogenes Hauptthema teee teee teee tääää (statt te te tää tä); danach einen schön ausgehörten Mittelteil, die auch durch den TOP-Sound verwöhnen. Aber insgesamt: Ne, hat mir nicht gefallen.
*** Ansonsten - und bitte nicht falsch verstehen - bietet Dorati schönen Stellen in allen 6 Dichtungen ; aber da wo es packen sollte kommt einfach wenig !!!

:( Insgesamt war ich am Ende mehr entsetzt als erfreut, wie man das Werk besonders bei Tabor und Blanik so belanglos herunterbuchstabieren kann. Auch die lange Spielzeit, bei der jede der 6 Dichtungen je 1 -2 Minuten länger dauern ist nicht gerade förderlich für eine straffe Sichtweise.
> Die Antwort finde ich eventuell in Doratis Alter - er war zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits 80 !


Mit Sicherheit liegt mein Eindruck auch an meiner Prägung. Meine erste Aufnahmen, die immer noch mein Favorit bleibt ist
:engel Karel Ancerl / Tschechische Philharmonie (Supraphon).
Spielzeiten: 14:16 - 12:29 - 9:49 -12:14 - 13:45 :thanks
Leider ist das 24BIT-Remastering bei Supraphon auf CD gehörig in die Hose gegangen, denn von dem sagenhaft guten Klang der Aufnahmen (auf der Supraphon-Doppel-LP), ist auf CD durch totale Rauschunterdrückung ein seltsam technisch-blechern klingendes Ergebnis zurück geblieben. :wink Dem Paukenklang hat es zum Glück nicht geschadet.
Man höre aber den Int-Vergleich, wie unsagbar fetzig die Streicher akzentuieren und die Pauken mit Gänsehautfeeling agieren
wo ist das bei Dorati ?
* Es ist von der Ancerl-Aufnahme eine ältere CD-Ausgabe im handel ! Ich habe gerade nachgesehen: Die ist vorhanden aber zum Megapreis !



Auch meine weiteren GA mit Levine / Wiener PH (DG) sind aus ganz anderem Holz geschnitzt - packende Spannung von Anfang bis Ende, herausragende Paukenstellen mit den glänzenden Wiener PH.
Es ist richtig, das Levine hier eine recht eigenwillige Sicht vorlegt, die auch nicht gerade böhmisch klingt; aber die Wiener PH klingen fabelhaft in jeder Beziehung. :beer Jedenfalls produziert er keine Langeweile und liefert einen ganz excellenten Tabor mit Saft und Kraft.


Selbst die ebenfalls empfehlenswerte Smetana: Complete Orchesterworks auf 3 CD mit der Janacek Philharmonie / Kuchar (Brillant) ist hier vorzugsweise zu nennen, obwohl das Orchester nicht so perfekt und mit etwas zuviel Hall klingt, wie die o.g.TOP-Aufnahmen, aber mit Hingabe gespielt.

:hello Ich bin mal gespannt, wie die Klassikforianer das beurteilen !
Florestan (19.01.2014, 21:58):
Original von teleton

* Es ist von der Ancerl-Aufnahme eine ältere CD-Ausgabe im handel ! Ich habe gerade nachgesehen: Die ist vorhanden aber zum Megapreis !



Warum soll man sich eine CD Kopie kaufen wenn man das LP Original hat? Ich bin nicht der Meinung das eine CD per se besser klingt. Im Gegenteil, ich besitze reichlich alte Vinyl Aufnahmen die mir vom Klang wesentlich besser gefallen als CD's.
Die genannte Aufnahme mit Ancerl ist für mich auch nach wie vor eine Top Einspielung, und sie klingt auf der LP auch tatsächlich super.

Florestan
Maurice inaktiv (26.03.2014, 06:07):
Ich habe die Talich-Einspielung von Naxos zu Hand gehabt. Vielleicht ist dort das Remastering besser ausgefallen?

Es ist mit Sicherheit eine sehr gute Einspielung, aber aus meiner persönlichen Sicht nicht die Spitze. Doch wenn man bedenkt, dass die Einspielung runde 60 Jahr auf dem Buckel hat, kann man von der Leistung aller Beteiligten von damals nur den Hut ziehen.

Ich hatte die Tage zufällig die Dorati-Einspielung mit dem Concrtgebouw Orkestra im Player drin. Hier kann ich nicht verstehen, warum man diese Aufnahme insgesamt als eher schwächer einstuft.

VG, Maurice
Sfantu (27.04.2020, 23:18):
Meine Sammlung zählt 4 Aufnahmen.
Nach Jahr & Tag hörte ich sie am vergangenen Wochenend einmal im Vergleich:


הַתִּזְמֹרֶת הַפִילְהַרְמוֹנִית הַיִּשְׂרָאֵלִית (= ha-Tizmoret ha-Phīlharmōnīt ha-Jisra'elīt = Israelische Philharmonie) - Walter Weller
(2 LPs, decca, 1979)

Vyšehrad 14'39
Vltava 11'39
Šárka 9'31
Z českých luhů a hájů 12'30
Tábor 11'41
Blaník 12'59

Dem Orchester aus Tel Aviv zu lauschen, macht großes Vergnügen! Ein Spitzenensemble spielt mit sattem Strich in luxuriösem Stereo-Sound. Allerdings kommt es hie & da zu kleinen Oberflächlichkeiten. Oder vielleicht besser gesagt: da & dort gehen Details etwas unter: In der Moldau sind die Pizzicati in den Anfangstakten zu leise. Bei der Fanfare zur Waldjagd bleiben die Hörner zu sehr im Hintergrund, die Trompeten sind dagegen zu weit vorn. Die Stromschnellen kommen etwas zu behäbig in Fahrt, das Holz (Piccoli) ist unterbelichtet. Nach einer stimmigen Šárka wälzt sich der Beginn von Hain & Flur müde & zu langsam daher. Ein ordentlicher Tábor wird von einem Blaník gefolgt, der wiederum etwas zu lau, ohne Tragik & Gänsehaut beginnt. Am Ende sind dies aber kleinliche Beanstandungen, die am insgesamt positiven Eindruck nicht rütteln sollen. Kaufanreiz zu diesem Doppel-Album war eh, eine Alternativeinspielung des Haakon Jarl zu haben.


Česká filharmonie - Karel Ančerl
(2 LPs, supraphon, 1964)

Vyšehrad 14'18
Vltava 12'44
Šárka 9'59
Z českých luhů a hájů 12'27
Tábor 12'31
Blaník 13'58

Die meisten Pluspunkte vereint die Ančerl-Version auf sich.
Rundum wird einfach sehr viel richtig gemacht. Die Vielzahl der gezielt gesetzten Akzente ergibt in der Summe eine schlüssige & sehr einnehmende Dramaturgie. Was die verschenkten Laut-Leise-Betonungen im Bauerntanz / Moldau betrifft, gehe ich d'accord mit Amadés Beschreibung. Herrlich schroff die trockenen Schlußakkorde der Šárka. Dort auch ein wie sonst nirgends in dieser Intensität sich vermittelndes Schaudern in den unheimlichen Takten, wenn die holzschnittartige Polka langsam verebbt. Dann das Fagott als Vorbote der Hornfanfare & der Klarinettenmelodie. Der sich anschließende Aufschwung zum Höllenritt, wenn die List der Amazonen aufgeht & sie Ctirads Mannen niedermetzeln - da läuft's dann schonmal kalt den Rücken hinunter! Überhaupt möchte ich eine Lanze brechen für Šárka. Neben dem Naturbild der vorhergehenden Vltava für mich der Satz, der am klarsten eine Handlung beschreibt, der emotional packt, sei er auch musikalisch vielleicht nicht der Wertvollste dieser Sechs. Ich finde, er kann auch schon mal losgelöst vom Zyklus für sich bestehen - bildhaft, plastisch, aufwühlend. Bei Csampai & Holland wird übrigens der wild auffahrende Beginn bis zum Einsatz des Marsches als Ausdruck Smetanas ganz persönlicher Verzweiflung über seine Ertaubung gedeutet. Auch nennen sie Šárka als exemplarisch gelungen für den Ausdruck von Hysterie in der Musik.
In allen sechs Abschnitten hervorzuheben die herrliche Pauke, die knackig & mit einer großen Palette an Abstufungen markante Akzente setzt. Guter Stereoklang, die Bässe müssen etwas aufgedreht werden.



Slovenská filharmónia - Zdeněk Košler
(2 LPs, opus, 1977)

Vyšehrad 15'11
Vltava 12'05
Šárka 9'50
Z českých luhů a hájů 12'47
Tábor 12'35
Blaník 14'30

Die Einspielung aus Bratislava möchte ich im gehobenen Mittelfeld ansiedeln. Besonders die Streicherpulte sind exzellent besetzt, es wird gediegen & homogen musiziert. Nur bei Košler hört man die Streicherstimmen, wenn im Vyšehrad nach dem Beckenschlag die apokalyptischen Bläser-Kaskaden hinab stürzen. Oft deckt das Blech hier alles zu - nicht so bei den Slowaken. Am Ende dieses Satzes ist die Harfe nur sehr leise wahrnehmbar & das Thema des mit an-& abschwellendem Paukenwirbel unterlegten letzten Aufbäumens des Tutti bleibt zu harmlos. Im Bauerntanz das gleiche Manko im Laut-Leise wie bei Ančerl . Bei Šárka ist der Marsch zu langsam & mit zu wenig Kontur. In Ctirads Liebes-(oder Begehrens-)Motiv hört man die mittleren Streicher wunderbar heraus. Der Rest wirkt auf mich vollauf angemessen. Kaum etwas fehlt, es wird andererseits auch nicht zu sehr aufgetrumpft. Das ganze ist von einem noblen Understatement durchwirkt. Ich werde den Eindruck nicht ganz los, daß von der Tontechnik die lauteren Passagen (kaum merklich) gedeckelt wurden. Ansonsten aber eine sehr angenehme, alle Stimmen gut abbildende Klangqualität.



Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks - Rafael Kubelík
(2 CDs, orfeo, 1984)

Vyšehrad 15'29
Vltava 11'47
Šárka 9'53
Z českých luhů a hájů 13'15
Tábor 12'40
Blaník 13'55

Diese Kubelík-Version läuft bei mir quasi außer Konkurrenz. Ende der Achtziger eine meiner ersten Klassik-CDs (noch auf 2 Scheiben) & die Aufnahme, mit der ich diesen Zyklus kennenlernte, gilt sie mir als Referenz obwohl alles in allem Ančerl die Palme gebührt. Der Klang ist keineswegs so schlecht wie weiter oben im Faden beschrieben, er neigt aber etwas zum Schweren & unterstreicht den Bombast, verweist so vielleicht auch auf Smetanas gelegentliche Wagner-Nähe. Apropos Bombast. Daß er es ist, durch den dieser Zyklus für Cetay (sinngemäß) nur schwer verdaulich wird, kann ich nachvollziehen. Ich denke aber, daß gerade dieser Pomp hier eine wichtige Zutat ist. Der Versuch, ihn gegen den Strich bürstend, auszutreiben, kann nur fehlschlagen.
Zu oft kann auch ich das nicht hören. Es ist wunderbare Musik. Es muß aber eben auch zur Gemütslage passen.

Mein Fazit hier & heute lautet also: Favorit ist Ančerl, dann folgen Kubelík, Košler & Weller.
Zwar ist diese Auswahl schon mehr als ich persönlich brauche. Die vielen Lobeshymnen auf Talich wecken aber meine Neugier...
Maurice inaktiv (28.04.2020, 10:21):
Die vielen Lobeshymnen auf Talich wecken aber meine Neugier...
Es gibt zwei Einspielungen, die ich persönlich für insgesamt gesehen, doch hochwertiger finde:

Tschechische Philharmonie / Rafael Kubelik aus dem Jahre 1990 !! Es ist ein wirklich historisches Konzert denn Kubelik kehrt als kranker, alter Mann wieder in seine Heimat zurück, um SEIN Orchester zu dirigieren, nachdem er es 41 Jahre (!!!) nicht dirigieren konnte. Man hört die Spannung, aber auch das absolut inbrünstige Spiel jedes einzelnen Musikers vom ersten Ton an. Sie gaben hier wirklich alles, damit es der große, alte und weise Mann da vorne so einfach als möglich hatte.

Ebenfalls von 1990 stammt die Einspielung mit Jiri Belohlavek, der das Werk erneut 2014 mit dem gleichen Werk dirigierte. Das Konzert wurde posthum veröffentlicht und ist ebenfalls ganz großes Kino. Die Einspielung von 2014 ist noch ein Idee zwingender geworden.

Auch Vaclav Neumann (auf Denon), Libor Pesek (u.a. auf Alto) und Antoni Wit (Naxos) haben absolute Topp-Aufnahmen hier vorgelegt.
Sfantu (28.11.2020, 23:46):
Zwei Neuzugänge der zurückliegenden Monate habe ich für kleines Geld als Zugabe zu größeren Käufen quasi nebenbei mitgenommen. Die Eindrücke verblüffen zum Teil.


京都市交響楽団 = Kyōto Kōkyō Gakudan = Sinfonieorchster Kyōto - Uwe Mund
(CD, Arte Nova, 2000)

Vyšehrad 14'35
Vltava 11'55
Šárka 10'02
Z českých luhů a hájů 12'25
Tábor 12'46
Blaník 14'33

Zunächst einmal beeindruckt das souverän & gediegen aufspielende Ensemble. Kein Pult enttäuscht, die hohe Klasse, individuell wie kollektiv, bereitet an viele Stellen richtig Freude. Dazu wird auch eine klare & satte Aufnahmequalität geliefert, sodaß die Kyōter einen rundum gelungenen Zyklus abliefern. Mund ist in Deutschland wohl am ehesten durch seine Zeit in Gelsenkirchen während der 70er & 80er als musikalischer Leiter des Musiktheaters im Revier bekannt. Chefdirigent des Sinfonieorchsters Kyōto war er von 1998 bis 2001.
Perfekt ist die Aufnahme so wenig wie irgend eine andere. Die wenigen "Schwachpunkte" aufzuzählen, grenzt fast an den obligaten Auftritt des advocatus diaboli. Sagen wir es also vielleicht einmal so: zwei Stellen höre ich anderswo für meine Begriffe gelungener:
1.) Der Beckenschlag unmittelbar vor dem Apokolypsen-Tutti gegen Ende des Vyšehrad wird so knapp abphrasiert, will sagen, abgedämpft, daß der Plopp beim Öffnen meiner dazu verkosteten Bügelverschlußflasche feinsten Bockbiers fast mehr Glamour hatte. Das Abdämpfen mag der Notentreue verpflichtet sein. Wenn sich Konkurrenten aber darüber hinwegsetzen, den Schlag also ausschwingen lassen, wirkt dies (auf mich) stimmiger.
2.) Gegen Ende von Hain & Flur gibt es diese Passage, in der zwischen zwei lauten Tuttischlägen die Streicher allein & unisono ihre schnellen Tonika-Dominant-Oktav-Zuckungen spielen. Sie sind für mich ein Sinnbild zum Bersten geladener Anspannung. Hier werden sie seltsam nüchtern ausbuchstabiert.
Absolut herausragend dagegen die Šárka. Hier stimmt einfach alles. Allein das Unheil verkündende Fagott-Solo vor dem blutrünstigen Schlußabschnitt ist auf eine Art fahl & brüchig, daß es direkt unter die Haut geht. Die darauf folgende Horn-Fanfare so keck & draufgängerisch, daß es mich regelrecht durchzuckt - ganz großes Drama! Da kann nur Ančerl noch mithalten.

Summa summarum erlebe ich hier eine der fesselndsten Einspielungen dieses Sechsers.


Orchestre de la Suisse Romande - Wolfgang Sawallisch
(CD, RCA, 1978)

Vyšehrad 14'06
Vltava 12'54
Šárka 9'01
Z českých luhů a hájů 11'35
Tábor 12'11
Blaník 13'59

Diese Version möchte ich als eine Art Gegengift zu emotionsgetränktem Überschwang bezeichnen. Das kann bisweilen wohltuend relativierend wirken. Wohl verstanden - wir haben es nicht mit der Klangwerdung eingeschlafener Gliedmaßen zu tun. Sawallisch läßt mit einer Art Verhältnismäßigkeit & Noblesse musizieren, die das Werk zum Klingen bringt, seinen ihm innewohnenden (stellenweise hohlen) Bombast aber weitgehend abfedert. Der herrliche Ensembleklang der Romands mit seinem angerauhten Streicherapparat trifft sich aufs Schönste mit Smetanas Musik. Hie & da geraten Drama & Aplomp ins Hintertreffen. Diese gesunde Portion Normal-Null hat aber eben auch ihren speziellen Reiz. Ein überraschender Kunstgriff zum Schluß - bei der finalen Stretta des Blaník wird das Tempo gedrosselt statt angezogen. Das ist so verblüffend wie stimmig. Der Klang hat Klarheit & Schmelz, nicht zuviel & nicht zu wenig Raum.
Maurice inaktiv (29.11.2020, 00:30):

Dann sollte man aber auch die erst nach dem Tode des großartigen Jiri Belohlavek veröffentlichte Einspielung des Werkes hinweisen. Eine exzellente Einspielung, die zu recht als "sein Vermächtnis" bezeichnet werden kann. Sie übertrifft seine Live-Einspielung vom Prager Frühling von 1990 noch einmal auf wundersame Art und Weise.

Ebenfalls neu im Rennen, bzw. hier noch nicht erwähnt ist jene mit dem jungen Shooting-Star der Dirigenten aus den alten tschechischen Gebieten, Jakub Hrusa.






Sie wurde mit den Bamberger Symphonikern eingespielt im Jahre 2016.
Er hat bereits 2010 das gleiche Werk mit dem Prager Philharmonia eingespielt. Es handelt sich hierbei NICHT um die bekannte Tschechische Philharmonie Prag, sondern um das PFK-Prag. Dort war er von 2005-2008 Haupt-Gastdirigent und dann bis 2015 Chefdirigent.


Es ist übrigens das erste Mal, dass man die alte Arte Nova-Einspielung in einem Forum mal lobt, bzw. dass sie überhaupt einen Abnehmer gefunden hat. Lieber Sfantu, das geht jetzt überhaupt nicht gegen Dich, doch ich kann mich auch nicht im Rahmen meiner damals gemachten "Marathon-Anhörung" erinnern, überhaupt auf die Aufnahme ein Auge geworfen zu haben. Sie war mir als "existent" bekannt, aber nicht als "gelungen" oder gar mehr. Ich käme auch jetzt nicht auf die Idee sie zu kaufen (ok, ich habe ja genug Auswahl des Werkes noch hier Zuhause herumliegen).
Und "Schwächen" haben bestimmt 10 Einspielungen keine oder nur sehr geringe, dass sie vielleicht eher persönlicher Natur sein dürften. Daher hat natürlich die Arte Nova-Einspielung einen sehr schweren Stand.
Sfantu (29.11.2020, 14:05):
Dann sollte man aber auch die erst nach dem Tode des großartigen Jiri Belohlavek veröffentlichte Einspielung des Werkes hinweisen.
Sollte man? Keine Ahnung. Ist allerdings auch längst geschehen:


Ebenfalls von 1990 stammt die Einspielung mit Jiri Belohlavek, der das Werk erneut 2014 mit dem gleichen Werk dirigierte. Das Konzert wurde posthum veröffentlicht und ist ebenfalls ganz großes Kino. Die Einspielung von 2014 ist noch ein Idee zwingender geworden.


Ebenfalls neu im Rennen, bzw. hier noch nicht erwähnt ist jene mit dem jungen Shooting-Star der Dirigenten aus den alten tschechischen Gebieten, Jakub Hrusa.






Sie wurde mit den Bamberger Symphonikern eingespielt im Jahre 2016.
Er hat bereits 2010 das gleiche Werk mit dem Prager Philharmonia eingespielt. Es handelt sich hierbei NICHT um die bekannte Tschechische Philharmonie Prag, sondern um das PFK-Prag. Dort war er von 2005-2008 Haupt-Gastdirigent und dann bis 2015 Chefdirigent.

& was spricht für Hrusa (neben der Tatsache, daß er aus "alten tschechischen Gebieten" stammt - was auch immer das sein mag)?
Immerhin hat er das Werk ja nun auch bereits 2x eingespielt.
Maurice inaktiv (29.11.2020, 16:48):
was spricht für Hrusa (neben der Tatsache, daß er aus "alten tschechischen Gebieten" stammt - was auch immer das sein mag)?
Immerhin hat er das Werk ja nun auch bereits 2x eingespielt.
Ich habe bewusst dazu nichts geschrieben, weil ich die Einspielung selbst nicht kenne, beide nicht. "Sprechen" , bzw. gesprochen haben Andere, die vor allem jene mit den BS sehr gelobt hatten.

Danke, was Deine Info angeht. aber 2014 dürfte ich eher auf die Einspielung von 1990 hingewiesen haben, nicht auf jene von 2016. In die Zukunft schauen kann och nicht, lieber Sfantu. Ich hatte damals die 1990-er Einspielung mit in der ganzen "Hör-Runde" gehabt.
Sfantu (29.11.2020, 17:24):
Danke, was Deine Info angeht. aber 2014 dürfte ich eher auf die Einspielung von 1990 hingewiesen haben, nicht auf jene von 2016. In die Zukunft schauen kann och nicht, lieber Sfantu. Ich hatte damals die 1990-er Einspielung mit in der ganzen "Hör-Runde" gehabt.
Von 2014 war nicht die Rede. Das mit Bělohlávek bezog sich auf etwas, was Du im April dieses Jahres (2020) im Beitrag Nr. 51 in diesem Faden in Bezug auf dessen 2014er Aufnahme schriebst. So hatte ich es im Beitrag Nr. 54 zitiert.
Maurice inaktiv (29.11.2020, 18:19):
Sorry. Das hatte ich dann falsch verstanden.
Sfantu (30.11.2020, 23:21):
Fricsays Moldau

Amadés Analyse & Interpretationsvergleiche zur Vltava in seinem Klassik Prisma resp. auf S. 2 dieses Fadens (Beitrag Nr. 23) kann man schwerlich noch etwas hinzufügen. Eine der vielen Ausgaben seiner Berliner Einspielung steht auch in meinem Regal. Kürzlich aber konnte ich die praktisch zeitgleich entstandene Platte mit den Probemittschnitten + Aufführung aus Stuttgart ergattern. Dieser Link hier leitet zum entsprechenden YT-Video. Für den Fall, daß es nicht unbegrenzt abrufbar bleibt oder jemand nicht die Zeit oder Lust auf die vollen 55min hat, möchte ich hier ein paar kurze Notizen beisteuern.

Die Anmoderation des Südfunk-Intendanten erwähnt die angeschlagene gesundheitliche Verfassung Fricsays. & daß er, Fricsay, drauf & dran gewesen sei, den Termin abzusagen. In der Aufzeichnung vermittelt sich das nicht ansatzweise. So vital, so lustvoll & doch blitzsauber konzentriert, dazu mit vollem Körpereinsatz ist er bei der Sache.

Fricsays Detailliebe & ihre entsprechende Umsetzung wurden von Amadé bereits en detail wiedergegeben.
Ich beschränke mich auf ein paar Kleinigkeiten, die mir aber für dieses oder jenes zusätzliche Detail die Ohren öffneten.

Bei der Quell-Szene mit den Flötengruppen + Pizzicati spricht F davon, die beiden Quellbäche sollten sich quasi kreuzen & umeinander winden, mit dem Ausdruck freudigen Erstaunens über die erstmals geschauten Sonnenstrahlen & darüber, ins Leben zu treten. Die Pizzicati sollen (dem Bild entsprechend) wie einzelne Wassertropfen dahinplätschern. Später bringt er ein weiteres Bild für denselben Abschnitt: nach starkem Regenguß erstrahlt die Sonne. Statt der Quellbäche sind es nun zwei Regenwürmer, die dicht nebeneinander ihre Köpfe aus der Erdkrume emporstrecken. Der eine macht sich über die tänzelnden Bewegungen des anderen lustig & bemerkt flapsig, er solle sich nicht so aufspielen, schließlich sei er (der andere) ja nur sein (des einen) Hinterteil. Den Musikern sagt er hierzu: "Jetzt lieber Fehler machen aber atmosphärisch soll's stimmen". Bei dem Wellenmotiv in den Streichern, das der Moldau-Melodie unmittelbar vorangeht, unterstützen die Hörner zweimal den Streicherapparat auf der 1. & 3. Eins (wenn ich von 6/8 ausgehe) mit einem gehaltenen Einzelton, der jeweils 3 der 6 Achtel dauert, F sagt, sie sollen wie Glockenschläge tönen. Hand aufs Herz - die hab' ich vorher nie bewußt wahrgenommen (oder sie erhalten sonst eben nicht die Aufmerksamkeit des Dirigenten wie hier). Überhaupt betont F wiederholt, welchen Wert er darauf legt, daß die Musiker einander zuhören, sich auch mal zurücknehmen, Dialoge entstehen lassen sollen. Einmal sagt er "Machen sie Kammermusik - ich bin garnicht da". Bei der Bauernhochzeit weist er die Streicher an: "Spielen Sie mit großem Bogenstrich, kraftvoll, nah am Frosch, froschissimo, wenn Sie so wollen". Was mich auch beeindruckt, ist die unaufgeregte & doch bestimmte Art, mit der er kommuniziert. Er ist vollendet höflich & liebenswürdig, kennt mehrere Musiker beim Namen, sagt oft bspw. "Macht nix - seid so lieb, spielt's noch omol", "Wenn Sie mir den Gefallen tun wollen...", "Wir werden uns schon einig" usw. usf. Was für ein Orchestererzieher! Doch kein Wenn ohne Aber: Es sind mindestens 2 Frauen im Orchester. Er spricht aber ausnahmslos von "Meine Herren". Aber ja - das waren wohl noch andere Zeiten.

Wie gesagt, man erlebt einige Aha-Momente, weshalb ich den Mitschnitt nur empfehlen kann.

Die Stuttgarter Version ist über eine Minute kürzer als jene aus Berlin. Trotzdem kommt nicht der Einduck auf, es sei verhetzt. Der Mono-Klang ist gut. Allein bei zwei Forte-Stellen gegen Ende gibt es wabernde Nachechos, die etwas stören. Kann mir vorstellen, daß bei späteren Remasterings das behoben werden konnte.
Die Orchester schenken sich qualitativ kaum etwas. Bei den Berlinern kommt die Pauke besser zur Geltung, bei den Waldnymphen sind die Stuttgarter Flöten präsenter.


Vltava,
Satz II der Suite. Dirigiert von Ferenc Fricsay


Symphonieorchester des Südfunks Stuttgart
(LP, DG, mono, AD: 14. Juni 1960, ℗ 1963)


Berliner Philharmonisches Orchester
(LP, DG, stereo, AD: 1960, ℗ 1963)
Sfantu (11.11.2022, 11:14):
Es braucht bei mir immer großzügige Pausen, eh ich mir diesen schönen aber schnell auch erschlagenden Heimat-Bombast geben kann. Nun paßte es wieder:



Filharmonie Hradec Králové - Miriam Némcová
(2 CDs, live aus dem Rudolfinum, 4. Mai 2002, amabile, 2003)

Vyšehrad 16`35
Vltava 12'56
Šárka 10`43 (abzüglich 0`36 Zwischenapplaus)
Z českých luhů a hájů 13'04
Tábor 14'51
Blaník 14'51 (abzüglich 0`45 Applaus)

Eine weitere sympathische, gute bis sehr gute Alternative zu den sattsam bekannten heiligen Kühen im Katalog.
Die wackeren Philharmoniker aus dem ostböhmischen Hradec Králové (Königgrätz) bieten einen feinen Zyklus, der neben den großen Namen mühelos bestehen kann. Némcová (Dozentin für Orchesterleitung am Prager Konservatorium und ständige Gastdirigentin in Hradec Králové) steuert souverän durch diesen Sixpack. Vyšehrad wird vielleicht etwas zu sehr auszelebriert, gerät stellenweise etwas statisch. Auch Vltava könnte eine Prise mehr Drive vertragen. Šárka und die beiden Schlußsätze gehören dann aber in die vorderste Reihe: die blutrünstige Amazone wird angemessen stürmisch und rockig gespielt, schließt ganz dicht zu den atemberaubenden Versionen bei Ančerl und Mund auf. In Tábor und Blaník sitzt jeder Akzent punktgenau, die Stimmungen werden auf das Schönste getroffen. Die hohen Streicher spielen mit variablem Vibrato (da und dort etwas zu satt?). Großartiges Blech, warmes Holz. Extra-Klasse die Schlagwerker - hier wird sogar im Vergleich zu Ančerl noch eine Schippe drauf gepackt. Im Schlußabschnitt der Šárka winzige Wackler im Zusammenspiel, ansonsten hört man fein abgeschmeckte, noble Orchesterkultur.
Allerliebst!
Maurice inaktiv (13.11.2022, 14:25):
Es braucht bei mir immer großzügige Pausen, eh ich mir diesen schönen aber schnell auch erschlagenden Heimat-Bombast geben kann. Nun paßte es wieder:



Filharmonie Hradec Králové - Miriam Némcová
(2 CDs, live aus dem Rudolfinum, 4. Mai 2002, amabile, 2003)

Vyšehrad 16`35
Vltava 12'56
Šárka 10`43 (abzüglich 0`36 Zwischenapplaus)
Z českých luhů a hájů 13'04
Tábor 14'51
Blaník 14'51 (abzüglich 0`45 Applaus)

Eine weitere sympathische, gute bis sehr gute Alternative zu den sattsam bekannten heiligen Kühen im Katalog.
Die wackeren Philharmoniker aus dem ostböhmischen Hradec Králové (Königgrätz) bieten einen feinen Zyklus, der neben den großen Namen mühelos bestehen kann. Némcová (Dozentin für Orchesterleitung am Prager Konservatorium und ständige Gastdirigentin in Hradec Králové) steuert souverän durch diesen Sixpack. Vyšehrad wird vielleicht etwas zu sehr auszelebriert, gerät stellenweise etwas statisch. Auch Vltava könnte eine Prise mehr Drive vertragen. Šárka und die beiden Schlußsätze gehören dann aber in die vorderste Reihe: die blutrünstige Amazone wird angemessen stürmisch und rockig gespielt, schließt ganz dicht zu den atemberaubenden Versionen bei Ančerl und Mund auf. In Tábor und Blaník sitzt jeder Akzent punktgenau, die Stimmungen werden auf das Schönste getroffen. Die hohen Streicher spielen mit variablem Vibrato (da und dort etwas zu satt?). Großartiges Blech, warmes Holz. Extra-Klasse die Schlagwerker - hier wird sogar im Vergleich zu Ančerl noch eine Schippe drauf gepackt. Im Schlußabschnitt der Šárka winzige Wackler im Zusammenspiel, ansonsten hört man fein abgeschmeckte, noble Orchesterkultur.
Allerliebst!
Leider kein Link, dem man folgen kann. Ich habe weder auf Amazon, noch auf JPC einen Hinweis auf die Aufnahme gefunden. Leider das erste Kriterium, wenn dann niemand diese Einspielung kennt. Ebenfalls stellt sich mir bei der nun wirklich erstklassigen Auswahl, man unbedingt zu DIESER Aufnahme greifen sollte.

Verstehe ich bitte nicht falsch, ich möchte daran nichts kritisieren, ich kenne sie selbst nicht, aber Suchmaschinen sind halt auch ein Problem, wenn wirklich mal jemand danach suchen sollte. Vielleicht hast Du einen Link dafür, damit sich ein möglicher Interessent doch schneller bedienen könnte als ich es konnte. Das nächste Thema wäre dann der Preis. Aufnahmen, die hervorragend sind, bekommt man inzwischen fast nachgeworfen. Etwa Kubeliks historisch, wie auch interpretatorisch hervorragende letzte Einspielung aus dem Jahre 1990 etwa für 1,76 € gebraucht, Macherras für 4,82 €, Antomi Wit für 1,33 € , Hrusas Neueinspielung für 11,18 € incl. Versandkosten.
Sfantu (13.11.2022, 15:42):
Ein Link war gewünscht?
Dann könnte etwa dieser hier weiterhelfen.
329 Kronen sind knapp 13,29 CHF.

Ebenfalls stellt sich mir bei der nun wirklich erstklassigen Auswahl, man unbedingt zu DIESER Aufnahme greifen sollte.
Sagt ja niemand, daß man unbedingt zu dieser Aufnahme greifen sollte. Gegenfrage: warum sollte man nicht zu dieser Aufnahme greifen?


Das nächste Thema wäre dann der Preis. Aufnahmen, die hervorragend sind, bekommt man inzwischen fast nachgeworfen.
Muß ich immer alles fast nachgeworfen bekommen? Nein. Darf Qualität nicht auch ihren Preis haben?
Sfantu (13.11.2022, 16:01):
Die Moldau wird wie selbstverstänlich oft und gern losgelöst vom Gesamtzyklus gespielt/aufgenommen/gehört. Schließlich rangiert sie als Superhit, der auch klassikfernem Publikum bekannt ist. Sollte nicht gleiches Recht für Alle gelten? Ich höre Einzelteile dieses Sechsers gern auch mal separat. Daß ich ein Šárka-Fan bin, hatte ich weiter oben bereits bekannt.

Wie wär`s denn mal damit, nach bewährter Hörwitz-Tradition ein "ideales" Vaterland zusammenzustellen? So, wie er es gern mit allerlei Sinfonien-oder Konzertzyklen tut?

Meines würde dann wie folgt aussehen:

Vyšehrad: Wiener Philharmoniker - James Levine
Vltava: Symphonieorchester des Südfunks Stuttgart - Ferenc Fricsay
Šárka: Sinfonieorchster Kyōto - Uwe Mund
Z českých luhů a hájů: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks - Rafael Kubelik
Tábor und Blaník: Filharmonie Hradec Králové - Miriam Némcová
Philidor (13.11.2022, 22:22):
Ein Link war gewünscht?
Dann könnte etwa dieser hier weiterhelfen.
329 Kronen sind knapp 13,29 CHF.

Ebenfalls stellt sich mir bei der nun wirklich erstklassigen Auswahl, man unbedingt zu DIESER Aufnahme greifen sollte.
Sagt ja niemand, daß man unbedingt zu dieser Aufnahme greifen sollte. Gegenfrage: warum sollte man nicht zu dieser Aufnahme greifen?

Das nächste Thema wäre dann der Preis. Aufnahmen, die hervorragend sind, bekommt man inzwischen fast nachgeworfen.
Muß ich immer alles fast nachgeworfen bekommen? Nein. Darf Qualität nicht auch ihren Preis haben?
Das ist der Punkt ... wenn ich ein Stück nur kennenlernen will, kann ich ja die Tube bemühen, vielleicht habe ich sogar Möglichkeiten des Streamings.

Wenn ich dinosaurierartig noch ein Medium bestelle, SA-CD, CD, LP oder sonstwas, dann ist mir die Aufnahme ja irgendwie wichtig. Da geht's um Haptisches, Regalmeter, Habenwollen, Störungen in der analen Phase, wasweißich. Kennenlernen ginge ja über die Tube oder auf anderen Wegen, das kann es also nicht sein.

Und in diesem Falle ist ein hoher Preis völlig ok. Aufnahmen, die ich in hoher Qualität dauerhaft verfügbar haben wollte. Ich erinnere mich an eine Traviata mit Ponselle/Jagel/Tibbett, ich erinnere mich an Brahms 1 mit Fu und dem NDR SO 1951, ich erinnere mich an Mahler 9 mit Horenstein, die haben alle auf dem Gebrauchtmarkt deutlich mehr gekostet als neu, aber das war, weil neu vergriffen, der einzige Weg.

Welcher Musikfreund schaut denn da aufs Geld? Hier geht's um Musik ... und allen, die Musik lieben, ist doch die Musik wichtiger als schnödes Geld ... oder bin ich da naiv? Worum geht es hier denn? Ist das ein Finanzforum oder ein Klassikforum?

Vyšehrad: Wiener Philharmoniker - James Levine
Vltava: Symphonieorchester des Südfunks Stuttgart - Ferenc Fricsay
Šárka: Sinfonieorchster Kyōto - Uwe Mund
Z českých luhů a hájů: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks - Rafael Kubelik
Tábor und Blaník: Filharmonie Hradec Králové - Miriam Némcová
Da machste'n Fass auf ... :D
Sfantu (13.11.2022, 22:31):
Da machste'n Fass auf ...
An 'nem Sonntag Abend vor der neuen Arbeitswoche nicht ohne - ich weiß.
Andererseits: man lebt (möglicherweise) nur einmal :(
Joe Dvorak (15.11.2022, 08:14):
... man unbedingt zu DIESER Aufnahme greifen sollte.
Ich finde zu dieser Frage immer seltener eine Antwort und schon gleich gar keine, die ich Dritten vermittlen koennte. Auch wenn ich mich wahrscheinlich wie eine Platte mit Sprung anhoere, kann ich nur wiederholen, dass die beste Interpretation diejenige ist, die man nicht wahrnimmt. Das heisst nicht, dass nicht interpretiert oder dass gar 'buchstabiert' werden soll, sondern dass ich mir beim Hoeren keine Gedanken darum mache und die Musik unmittelbar erfahre.

Ein Vergleich, der mindestens hinkt, wenn nicht gar lahmt: Wenn ich mir einen gelungenen Film ansehe, dann mache ich mir waehrenddessen selten Gedanken ueber die regisseurische und schauspielerische Leistung und wie gut das Drehbuch umgesetzt wurde, sondern ich sehe den Film (bin drin). Wenn ich Klassische Musik hoere, dann mache ich mir waehrenddessen keine Gedanken ueber die interpretatorische und musikalische Leistung, sondern hoere das Werk (bin drin) - so sollte es fuer mich zumindest sein. Und wenn es so ist, dann ist es gut. So wie hier:





Bedřich Smetana - Má Vlast
Slowakische Staatsphilharmonie, Reinhard Seifried

Arm an folkoristischem Kolorit, an deskriptivem Gestus und an Bombast. Bei diesem Werk ist solcherlei Neutralitaet sicher nicht jedepersons Sache - meine schon.
Andréjo (15.11.2022, 12:38):
Joe Dvorak kann ich gut folgen. Meinerseits gehe ich gerne einen Schritt weiter - sollte es ein Schritt weiter denn tatsächlich sein. Es gibt ein paar Aufnahmen, die mir - werkunabhängig - nicht so gefallen, aber viele sind es nicht. Zuerst interessiert mich das Werk per se und da dürften wir uns sowieso treffen. Dann wiederum kann ich ganz unterschiedlichen Deutungen etwas abgewinnen, kann genau diese Unterschiede für sich interessant finden.

Bombast und große Lautstärke konnte ich ganz früher überhaupt nicht leiden. Das hat sich ein wenig geändert - und ich habe den fürchterlichen Verdacht, dass es an wenig anderem lag als der Qualität der Wiedergabegeräte ... zusätzlich düften die Ohren noch empfindlicher gewesen sein, schlicht MEHR wahrgenommen haben. MEHR meine ich wertneutral ...

Ach so, das ist ein Vaterlands-Thread ...

Später höre ich mir vielleicht endlich mal die (wahrscheinlich) dritte Einspielung an des Zyklus an, die ich besitze. Vor Monaten zugelegt.



Weiterhin im Regal vor allem und für ordentlich befunden - da auch schön vollständig:



Eine weitere Einspielung müsste ich erst suchen; irgend was schwirrt mir aber im Kopf herum. Möglich, dass es auch nur die Moldau betrifft, wo ich ohnehin noch Etliches finde, und sei es im Beifang zu irgendeinem alten Sampler aus Jugendtagen.

Den ganzen Thread habe ich gerade zügig gesichtet. Alles von soeben oben schon da gewesen, wenig überraschenderweise.

Über das Lob für Kuchar freue ich mich natürlich. Teleton mag den Dorati nicht wirklich. Ich könnte jetzt zwar nicht sagen, dass mir das völlig wuäscht (Helmut Qualtinger) wäre, aber abwarten ...

Interessant wird die Erstanhörung auf jeden Fall.

:hello Wolfgang
Maurice inaktiv (23.11.2022, 00:23):
Über das Lob für Kuchar freue ich mich natürlich. Teleton mag den Dorati nicht wirklich.
Kuchar hat das wunderbar eingespielt. Es muss also nicht unbedingt der große Namen sein, das hat auch niemand behauptet. Gerade als Gesamtpaket war es damals einmalig gewesen. Ich habe es selbst gekauft und für wunderbar befunden.

Antal Dorati hatte natürlich ein ganz anderes Orchester zur Hand, eines der Sahne-Orchester in der Welt. Ich fand seinen Zyklus auch absolut hörenswert. Die CD steht nach wie vor bei mir.

Ich habe allerdings einige Aufnahmen inzwischen aus den Regalen verkauft. Über den Winter möchte ich mich von einem nicht unerheblichen Teil meiner CDs trennen. Die Luft brauche ich, damit ich nicht Ladenhüter unnötig im Regal stehen habe. Doch das ist überhaupt nicht einfach.
Joe Dvorak (23.11.2022, 02:00):
Bombast und große Lautstärke konnte ich ganz früher überhaupt nicht leiden. Das hat sich ein wenig geändert - und ich habe den fürchterlichen Verdacht, dass es an wenig anderem lag als der Qualität der Wiedergabegeräte ... zusätzlich düften die Ohren noch empfindlicher gewesen sein, schlicht MEHR wahrgenommen haben. MEHR meine ich wertneutral ...
Das geht mir genau so. Wobei es fuer mich nicht nur ein Verdacht, sondern Gewissheit ist, dass es an den Wiedergabegeraeten liegt. Das hat weniger mit der Qualitaet zu tun, es ist einfach prinzipbedingt so, dass mit Lautsprecherboxen das Konzertsaalerlebnis von grossorchestraler Musik nicht annaehernd realistisch wiedergegeben werden kann (ausser man kauft sich High-End-Monsterschraenke fuer einen sechsstelligen Betrag und mietet als Hoerraum eine Lagerhalle). Live machen mir Laerm und Bombast gar nichts aus, da kann ich sogar schlimmste spaetromantische Atrozitaeten mit Freude und Spannung hoeren.

Ach so, das ist ein Vaterlands-Thread ... und den habe ich aufgesucht, um den neuen Beitrag zu lesen und um darauf hinzuweisen, dass es dieses Jahr eine interessante Neuerscheinung gegeben hat. Interessant finde ich sie deswegen, weil es eine 'historisch informierte' (Besetzungsstaerke, Instrumente, Auffuehrungspraxis) Aufnahme ist und davon gibt es von diesem Werk mWn nicht allzuviele - wobei die Pioniertat von Roger Norrington auch schon wieder 25 Jahre her ist. Dass das Logo von ACCENT auf dem Cover prangt, ist eine weitere Einladung.








Colleguim 1704, Vaclav Lukas (Live @ Prager Frühling, 12./13. Mai 2021)
Maurice inaktiv (25.11.2022, 07:01):
Ach so, das ist ein Vaterlands-Thread ... und den habe ich aufgesucht, um den neuen Beitrag zu lesen und um darauf hinzuweisen, dass es dieses Jahr eine interessante Neuerscheinung gegeben hat. Interessant finde ich sie deswegen, weil es eine 'historisch informierte' (Besetzungsstaerke, Instrumente, Auffuehrungspraxis) Aufnahme ist und davon gibt es von diesem Werk mWn nicht allzuviele - wobei die Pioniertat von Roger Norrington auch schon wieder 25 Jahre her ist.
Die Norrington-Einspielung hatte ich bis vor Kurzem noch gehabt und damals bei dem Vergleich auch gehört. Ich muss allerdings sagen, dass es bei mir nicht unbedingt "klick" gemacht hat bei Norrington. Sie ist stimmig, aber hebt sich trotzdem nicht wirklich positiv ab zu den Topp-Einspielungen.

Du hast allerdings absolut recht, was das Label "Accent" angeht. Vielleicht ist ja diese Einspielung von einem anderen Kaliber als damals jene unter Norrington.
Joe Dvorak (06.02.2025, 01:54):


Musica Florea, Marek Štryncl

Anscheinend wurde diese Live-Aufnahme im Smetana-Jahr (200. Geburtstag) weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf den Markt gebracht. Als CD habe ich sie bei einem tschechischen Händler gesehen, sonst nur als MP3, und die internationale Presse schweigt sich darüber aus. Auch der Dvorak-Sinfonien-Zyklus dieses Originalklang-Ensembles ist weitgehend unbeachtet geblieben. Mir gefällt das Set wegen seiner Transparenz, seinem Farbenreichtum und dem Verzicht auf Bombast.
Maurice inaktiv (07.02.2025, 22:42):
Musica Florea, Marek Štryncl

Anscheinend wurde diese Live-Aufnahme im Smetana-Jahr (200. Geburtstag) weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf den Markt gebracht. Als CD habe ich sie bei einem tschechischen Händler gesehen, sonst nur als MP3, und die internationale Presse schweigt sich darüber aus. Auch der Dvorak-Sinfonien-Zyklus dieses Originalklang-Ensembles ist weitgehend unbeachtet geblieben.
Davon habe ich nicht einmal ansatzweise gelesen oder je etwas gehört. Die andere Seite ist, dass es von dem Zyklus schon jetzt sehr viele Einspielungen gibt, darunter durchaus ebenfalls genug hochklassige Einspielungen.
Sfantu (07.02.2025, 23:36):
Mir gefällt das Set wegen seiner Transparenz, seinem Farbenreichtum und dem Verzicht auf Bombast.
Den Bombast empfinde ich geradezu als Wesenszug dieses Zyklus'. Und das noch nicht einmal in negativer Hinsicht.
Seine Abwesenheit würde mich eher sogar erschrecken, ja verstören.
Joe Dvorak (08.02.2025, 07:33):
Musica Florea, Marek Štryncl

Anscheinend wurde diese Live-Aufnahme im Smetana-Jahr (200. Geburtstag) weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf den Markt gebracht. Als CD habe ich sie bei einem tschechischen Händler gesehen, sonst nur als MP3, und die internationale Presse schweigt sich darüber aus. Auch der Dvorak-Sinfonien-Zyklus dieses Originalklang-Ensembles ist weitgehend unbeachtet geblieben.
Davon habe ich nicht einmal ansatzweise gelesen oder je etwas gehört. Die andere Seite ist, dass es von dem Zyklus schon jetzt sehr viele Einspielungen gibt, darunter durchaus ebenfalls genug hochklassige Einspielungen.
Das ist die alte Frage, ob man immer wieder neue Aufnahmen von alten Hadern machen soll, und dann auch noch mit Klangkörpern, die nicht zur absoluten Weltspitze gezählt werden...

Mir gefällt das Set wegen seiner Transparenz, seinem Farbenreichtum und dem Verzicht auf Bombast.
Den Bombast empfinde ich geradezu als Wesenszug dieses Zyklus'. Und das noch nicht einmal in negativer Hinsicht.Seine Abwesenheit würde mich eher sogar erschrecken, ja verstören.
...und ich denke, in diesem Fall hat sie ihre Berechtigung, denn Einspielungen dieses Werkes, die den Bombast herauskehren, gibt es schon in Hülle und Fülle, und man kann einer Neueinspielung kaum vorwerfen, dass sie nicht so ist wie die bereits vorhandenen. Ob man es mag und ob es so korrekt ist, steht auf einem anderen Blatt.
Sfantu (08.02.2025, 08:40):
...und ich denke, in diesem Fall hat sie ihre Berechtigung, denn Einspielungen dieses Werkes, die den Bombast herauskehren, gibt es schon in Hülle und Fülle, und man kann einer Neueinspielung kaum vorwerfen, dass sie nicht so ist wie die bereits vorhandenen. Ob man es mag und ob es so korrekt ist, steht auf einem anderen Blatt.
D'accord.
Maurice inaktiv (08.02.2025, 23:26):
...und ich denke, in diesem Fall hat sie ihre Berechtigung, denn Einspielungen dieses Werkes, die den Bombast herauskehren, gibt es schon in Hülle und Fülle, und man kann einer Neueinspielung kaum vorwerfen, dass sie nicht so ist wie die bereits vorhandenen. Ob man es mag und ob es so korrekt ist, steht auf einem anderen Blatt.
Nun, darüber lässt sich sicher diskutieren. Ich sehe das Stück als DAS Stück, was den Bombast gut verträgt. Harnoncourt und Norrington haben ja bereits auch diesen Bombast versucht durch andere Ansätze zu umgehen. Hanrnoncourt vielleicht weitaus weniger als man es von ihm erwartet hätte, aber ich finde nicht, dass beide damit wirklich Erfolg hatten. Harnonocurts Einspielung ist großartig, aber seine "Moldau" fließt leider überhaupt nicht, sie steht quasi nahezu still. DAS ist für mich leider das allergrößte Manko seiner Einspielung. Bei Norrington wirkt mir das Ganze einfach zu flach und irgendwie "hüllenlos".

Ich persönlich halte dieses Stück irgendwie für äußerst schwierig, es mit einer HIP-Formation einzuspielen. Hier scheint mir der Ansatz, es zu entschlacken und zu "entvibratosieren" für bedenklich. Das Stück schreit nach Pathos. Übrigens finde ich es bei Bruckner und Mahler auch für äußerst problematisch, etwa die Einspielungen von Norrington aus Stuttgart. Man mag das so machen können, aber auf mich wirkt die Musik dann irgendwie steril und leblos.
BM-LvB (09.02.2025, 05:10):
Volle Zustimmung, Du Lieber.

Schon die "eiskalten Gletscherbäche" der Moldau unter Toscanini gehört?

PS. Habe meine Krankheiten "überwunden"-
Joe Dvorak (09.02.2025, 12:22):
Na dann, Glückwunsch zur Genesung. Und danke für den Tipp mit Toscanini. Ich habe sie zwar als Zugabe zu seiner herausragenden Neunten von Dvorak aus dem Jahr 1953, aber nie gehört, weil die Moldau bei mir fast immer nur im Rahmen des Zyklus und nicht als Einzelsatz läuft. Das habe ich jetzt nachgeholt, und es stimmt: Er macht aus der Moldau keinen Amazonas.
Maurice inaktiv (09.02.2025, 21:16):
Volle Zustimmung, Du Lieber.
Wen meinst Du damit?


Schon die "eiskalten Gletscherbäche" der Moldau unter Toscanini gehört?
Nein. Das Werk höre ich eigentlich nur als Gesamtwerk. Ausnahme: Karajans Aufnahme aus seiner Spätzeit. Außerdem mag ich keine uralten Mono-Einspielungen.


PS. Habe meine Krankheiten "überwunden"-
Das freut mich sehr zu lesen. Dann wünsche ich Dir nun viel Gesundheit.
Andréjo (09.02.2025, 23:03):
Auch von mir die besten Wünsche an unseren Kollegen!

:hello Wolfgang
BM-LvB (10.02.2025, 05:19):
Dich, Maurice!

Danke Maurice und Wolfgang. Dto.!
BM-LvB (10.02.2025, 05:22):
Na dann, Glückwunsch zur Genesung. Und danke für den Tipp mit Toscanini. Ich habe sie zwar als Zugabe zu seiner herausragenden Neunten von Dvorak aus dem Jahr 1953, aber nie gehört, weil die Moldau bei mir fast immer nur im Rahmen des Zyklus und nicht als Einzelsatz läuft. Das habe ich jetzt nachgeholt, und es stimmt: Er macht aus der Moldau keinen Amazonas.
Danke Dir. Ja, auch bei Dvoraks Neunter ist Toscanini grandios!
BM-LvB (10.02.2025, 05:25):
Übrigens: Bei der Neuen Welt empfehle ich die Gegenüberstellung Toscanini - Klemperer1