Sopranstimmen oft gleichklingend?

Basstibariton (27.07.2008, 21:16):
Für mich hören sich viele Sopranstimmen, grade heutige, einfach gleich an. Würde man mir zwei Aufnahmen derselben Stelle unter denselben Aufnahmebedingungen vorspielen, würde ich, glaube ich, nur am Orchester (das man ja auch entfernen kann) einen Unterschied hören. Natürlich gibt es Ausnahmen wie Callas, Nilsson etc.- aber was meint ihr zum großen Ganzen?
Poztupimi (27.07.2008, 23:23):
Original von Basstibariton
Für mich hören sich viele Sopranstimmen, grade heutige, einfach gleich an. Würde man mir zwei Aufnahmen derselben Stelle unter denselben Aufnahmebedingungen vorspielen, würde ich, glaube ich, nur am Orchester (das man ja auch entfernen kann) einen Unterschied hören. Natürlich gibt es Ausnahmen wie Callas, Nilsson etc.- aber was meint ihr zum großen Ganzen?

Hallo Basstibariton,

wenn ich einfach mal annehme, daß der "Stimmapparat" als dem Menschen gegebenes Instrument von seiner Anlage ebenso individuell ist wie jeder Besitzer, dann habe ich so meine Zweifel, ob diese unterschiedlichen Instrumente bei noch so gleicher Behandlung und Ausbildung und unter gleichen Bedingungen gleich klingen. Genauso könntest Du annehmen, daß eine und dieselbe Geige in den Händen unterschiedlicher Geiger immer gleich klingt. Und auch das bezweifle ich.

Zumindest die von mir vorhin gehörten jüngeren Mezzo-Sopranistinnen (Kozena, Schäfer, Kirchschlager; Troyanos, die im September 70 werden würde, lebt nicht mehr) klingen bei der ausgewählten Arietta so unterschiedlich, daß ich mir auch unter identischen "Versuchsbedingungen" nicht vorstellen kann, daß man sie verwechseln wird.

Viele Grüße,
Wolfgang
satie (27.07.2008, 23:46):
Ich kann mich da Wolfgang nur anschließen und hinzufügen: gerade die Stimme ist derart persönlich geprägt, dass sie definitiv unterscheidbar ist, natürlich in mehr oder weniger starker Ausprägung. Natürlich gibt es auch im Gesang so etwas wie standardisierte Arten der Interpretation, die wie ungeschriebene Gesetze sind (so singen etwa alle, wirklich alle in "Mon coeur s'ouvre à ta voix " aus Saint-Saens' "Samson et Dalila" die Septime vom as zum ges als portamento, auch wenn der Komponist das nicht schreibt und man auch keinen Dunst hat, wieso man unbedingt ein Portamento machen müsste; man macht es einfach). Aber der Stimmklang, das Timbre, ist schon meistens sehr ausgeprägt, auch bei Sopranistinnen.

Herzlich,
S A T I E
Rachmaninov (28.07.2008, 06:57):
Original von Basstibariton
Für mich hören sich viele Sopranstimmen, grade heutige, einfach gleich an. Würde man mir zwei Aufnahmen derselben Stelle unter denselben Aufnahmebedingungen vorspielen, würde ich, glaube ich, nur am Orchester (das man ja auch entfernen kann) einen Unterschied hören. Natürlich gibt es Ausnahmen wie Callas, Nilsson etc.- aber was meint ihr zum großen Ganzen?

Kannst Du auch einmal etwas konkret ansprechen statt nur immer blauen Dunst ohne Inhalt in den Raum zu werfen?
Kantate (28.07.2008, 12:35):
Oh! "Blauen Dunst, ohne Inhalt". - Das klingt nicht sehr freundlich!

Ich denke, der Themenstarter meinte, er erkenne keinen Unterschied, wenn er nicht unmittelbar nach dem ersten Hören den Vergleich dazu hätte. - In diesem Falle hat er ja Recht. - Aber ich denke, diese Feststellung bezieht sich wohl nicht alleine auf die Sopranstimme, sondern auf alle Gesangsstimmen, abgesehen von charakteristischen Stimmfärbungen einiger weniger Persönlichkeiten.

Ist es so?

Sangesfreudige Grüße, Hollareidijo

Kantate :wink
Rachmaninov (28.07.2008, 12:50):
Original von Kantate
Oh! "Blauen Dunst, ohne Inhalt". - Das klingt nicht sehr freundlich!

Ich denke, der Themenstarter meinte, er erkenne keinen Unterschied, wenn er nicht unmittelbar nach dem ersten Hören den Vergleich dazu hätte. - In diesem Falle hat er ja Recht. - Aber ich denke, diese Feststellung bezieht sich wohl nicht alleine auf die Sopranstimme, sondern auf alle Gesangsstimmen, abgesehen von charakteristischen Stimmfärbungen einiger weniger Persönlichkeiten.

Ist es so?

Sangesfreudige Grüße, Hollareidijo

Kantate :wink

Wie man an Deinem Posting erkennt hast Du ja selber keinen Inhalt erkannt und suchst verzweifelt nach einen solchen Inhalt.

Übrigens, ich finde die Ferraris waren früher roten! k.A. warum ich das so denke, schreibe ich aber einfach mal.....
Solitaire (29.07.2008, 13:52):
Warum wird das hier eigentlich in letzter Zeit so schnell aggressiv? Naja, egal. Nicht mein Problem.
Zum Thema:
ich finde nicht, daß sich Sopranstimmen heutzutage alle gleich anhören. Natürlich erkenne ich nicht jede Stimme auf Anhieb aber Unterschiede hoert man druchaus. Habe vor einigen Tagen Maria Bayos Adina gehoert, sie klnigt komplett anders als die von Anna Netrebko. Natalie Dessays Lucia ist eine ganz andere als die von Callas oder Sumi Jo etc. Ich kann dir also nicht wirklich zustimmen. Allerdings gibt es in der Tat nicht viele Saenger, egal ob Mann oder Frau, die man unter tausenden raushoeren wuerde. Fuer mich sind das vor allem Maria Callas, Fritz Wunderlich, Erna Berger, Luciano Pavarotti und Rolando Villazon, die erkenne ich IMMER. Unnoetig zu betonen, dass ich jeden einzelnen von ihnen liebe.
manrico (29.07.2008, 16:09):
Ich glaube, ich sehe deinen Punkt, Bastibariton, und ich finde die Frage nicht uninteressant.

Für mich stellt sich die Sache folgendermaßen dar: Wenn ich eine Gruppe unbekannter Menschen vor mir habe, die ich für kurze Zeit sehe, werde ich mir ihre Gesichter nicht merken, sie sind für mich eine mehr oder minder anonyme Masse (ich habe ein gutes Namensgedächtnis und ein jämmerliches Gesichtergedächtnis). Wenn ich diese Leute eine halbe Stunde später sehen, werde ich sie nicht mehr erkennen. Dann gibt es aber das eine oder andere Gesicht, das für mich einfach aus der Masse hervorsticht (und das hat auch nur zwei Augen, zwei Ohren, eine Nase und einen Mund - meistens, jedenfalls) - diesen Menschen habe ich genauso lange vor mir gehabt wie die anderen und trotzdem kenne ich sein Gesicht - das sind neurologisch und psychologisch vermutlich hoch komplexe Vorgänge, die mit Musterkennung und Prägung zu tun haben dürften - wenn ich jetzt einmal so frei vor mich hinspekulieren darf. Diese Menschen werden aber oft von mehreren Menschen sofort wahrgenommen - vermutlich handelt es sich um das, was man Ausstrahlung und Charisma nennt.

Wenn ich mich aber mit einem dieser ehemals "uncharakteristischen" Gesichter länger beschäftige, werde ich ihn auch wieder erkennen, selbst wenn es sich um einen Menschen handelt, der für gewöhnlich leicht übersehen wird (und das hängt nicht mit der Körpergrösse zusammen).

Ich nehme an, dass das, was für die optische Wahrnehmung gilt, in ähnlicher Weise auch für die akustische Wahrnehmung zutrifft.
Also, ich denke, dass es Stimmen gibt, die absolut individuell klingen und ein ganz charakteristisches Timbre haben, das man jetzt mögen kann oder auch nicht, die ich aber sofort wieder erkenne. Dazu gehören für mich Sopran-Stimmen wie die der Callas, Jurinac, Ricciarelli, Gencer, Price, Zampieri, Massis, Raphanel, Sutherland und (um bei den Frauen zu bleiben) Mezzos wie Horne, Baltsa oder Obraztowa (Sängerinnen wie die Zampieri find ich zwar furchtbar, erkenne sie aber sofort).

Und dann gibt es Stimmen - und da gebe ich dir recht - bei denen ich für mich persönlich keine individuelle Stimmfarbe heraushöre und die ich auch maximal an der Aufnahme erkenne, die ich aber bei einer anderen mir unbekannten Aufnahme vermutlich nicht erkennen würde. Ich glaube nun nicht, dass diese Sängerinnen keine spezielle Stimmfarbe hätten, sie ist meiner individuellen Wahrnehmung nur einfach nicht zugänglich. Eine solche Sängerin beispielsweise ist die Tebaldi. Kaum eine andere Sängerin klingt für mich derartig neutral und un-individuell (jetzt hätt ich doch tatsächlich beinahe "langweilig" geschrieben). Die Scotto erkenn ich in erster Linie am Kreischen und am Pressen. Für mich ist der Wiedererkennungswert dieser Stimmen gering. Würde ich mich aber lange genug mit der einen oder anderen Sängerin beschäftigen, würde ich ihre Stimme besser kennen und erkennen lernen.

Ich wundere mich beispielsweise, dass die Netrebko so einen hohen (akustischen) Wiedererkennungswert haben soll. Das finde ich überhaupt nicht. Sie hört sich wie eine durchschnittliche Opernsängerin mit einer Reihe von akustischen Defiziten und optischen Vorteilen an - gut, die hört man nicht, daher ist bei der Netrebko der kauf von DVDs ratsam :ignore.

Ich glaube aber nicht, dass Stimmen heutzutage weniger charakteristisch sind wie in den vergangenen Jahrzehnten. Die uncharakteristischen Stimmen von damals geraten einfach nur leichter in Vergessenheit.


lg


Werner