Geboren am 20. März 1915 in der Ukraine – verstorben am 1. August 1997 in Moskau.
Aufgewachsen in Odessa, gab Richter dort im Jahre 1934 sein bescheidenes aber erfolgreiches Solo-Debüt als Pianist. Erst drei Jahre später begannen seine Studien in Moskau, bei dem bekannten Pianisten und Pädagogen Heinrich Neuhaus, der seine ersten Eindrücke nach Richters Vorspielen später wie folgt formulierte: „Here is the pupil for whom I have waited all my life. In my opinion, he is a genius.“
In den 50ern war Sviatoslav Richter im Westen nur vom Hörensagen und durch seine Aufnahmen bekannt, da ihm Reisen ins Ausland zunächst nicht erlaubt waren. Erst im Oktober 1960 fand sein sensationelles U.S.-Debüt in Chicago statt, er spielte das 2. Klavierkonzert von Brahms unter dem Dirigat von Erich Leinsdorf. Am darauf folgenden Tag entstand die legendäre Einspielung, die für mich zu den essentiellen Richter-Aufnahmen gehört:
http://www.wom.de/image/cover/front/0/5047875.jpg
Interessanterweise sei angemerkt, dass Richter in seinen Gesprächen mit Bruno Monsaingeon („The Enigma“) sagt, dass die Aufnahme mit dem Orchestre de Paris unter Lorin Maazel (1969) besser sei als jene unter Leinsdorf. Ich kenne zwar noch die Einspielungen unter Kondrashin (1950) und Mravinsky (1961), aber die Maazel-Aufnahme habe ich bisher leider noch nicht gehört. Ich werde dieses Versäumnis aber sehr bald nachholen und berichten.
Heute hätte dieser große Pianist seinen 91. Geburtstag gefeiert. Ihm zur Erinnerung möchte ich nochmals Heinrich Neuhaus zitieren, der viel würdigere Worte für seinen einstigen Schüler gefunden hatte, als ich sie mir ausdenken könnte:
„Whether he is playing Bach or Shostakovich, Beethoven or Scriabin, Schubert or Debussy, the listener seems to hear the living, resurrected composer, and becomes completely immersed in his unique, enormous world. And all of it breathes the "Richter spirit", all of it is infused with his inimitable genius for penetrating the innermost secrets of the music. Only a pianist whose genius is a match for the composer's, a pianist who is the composer's brother, comrade and friend, can play like that.“
Gruß, Cosima
Walter (20.03.2006, 11:31): Ich kann Dir nur zustimmen! Immer wenn ich Richter höre läuft mir ein Schauer nach dem anderen den Rücken hinunter. Kaum ein ander Pianist spielt für meinen Geschmack so ausdrucksstark und emotional wie Richter. Leider bin ich bei der Aufnahmequalität schon ein paar mal enttäuscht worden. Erst vor kurzem habe ich mir von Brilliant Classics eine CD Box aus den Russischen Archiven gekauft. Darauf kann man leider manchmal mehr über den Gesundheitszustand des Auditoriums erfahren als einem lieb ist.
Was würdest Du denn so empfehlen um meine Sammlung etwas audiophiler auszubauen?
Walter
Rachmaninov (20.03.2006, 12:45): @Cosima,
herrlich, ein S. Richter Thread! Einer der größten Pianisten des letzten Jahrhunderts, dokumentiert auf zahlreichen Tonträgern, gehört natürlich in ein Klassikforum!
@Walter,
sobald ich etwas Zeit habe werde ich hier auf Aufnahmen von Richter eingehen, die sicherlich auch Deinen audiophilen Anforderungen entsprechen.
Admin Rachmaninov
Peter (20.03.2006, 14:39): Original von Rachmaninov @Cosima,
herrlich, ein S. Richter Thread! Einer der größten Pianisten des letzten Jahrhunderts, dokumentiert auf zahlreichen Tonträgern, gehört natürlich in ein Klassikforum!
In ein Klassikforum gehören natürlich noch viele andere große Pianisten. Aber das wird die Zeit mit sich bringen.
Cosima hat das 2. Brahms-Konzert schon erwähnt. Ich liebe diese Aufnahme, sie ist schlicht und einfach perfekt. Erwähnen möchte ich aber auch eine der Aufnahmen des Klavierkonzertes a-Moll von Robert Schumann. Superb gespielt, zudem mit einer tollen Orchesterbegleitung. Mit drauf ist auch eine grandios gespielte Toccata op. 7, sowie das tolle Introduction & Allegro appassionato op. 92 und die Waldszenen op. 82. Eine meiner absoluten Lieblingsscheiben.
es freut mich, hier auf einen weiteren Fan von Sviatoslav Richter zu stoßen. :)
„Audiophil“ und Richter – das wird schwierig. Viele seiner Aufnahmen haben ein Klangbild, das sehr zu wünschen übrig lässt, bzw. sind Live-Aufnahmen, die oft durch sehr störende Geräusche des Publikums beeinträchtigt sind. Dadurch sollte man sich jedoch nicht abschrecken lassen.
Die Brillant-Box ist trotz der sehr mäßigen Klangqualität natürlich ein Muss für Richter-Fans. M.E. finden sich darauf einzigartige Aufnahmen, die Richters Willens- und Gestaltungskraft dokumentieren, z.B. in der umwerfenden h-Moll-Sonate von Liszt.
Eine weitere essentielle Aufnahme (Live-Einspielung und klangtechnisch auch weit von „audiophil“ entfernt) ist das Sofia Recital von 1958:
http://www.wom.de/image/cover/front/0/7733213.jpg
Richters Interpretation der „Bilder einer Ausstellung“ von Mussorgsky ist m.E. überwältigend. Hier zeigt Richter die ganze Palette seiner Ausdrucksmöglichkeiten – von Zartheit bis ungehemmte Wucht und Düsternis; ich bekomme regelmäßig eine Gänsehaut, wenn ich bspw. seine Deutung der „Baba Yaga“ höre.
Gruß, Cosima
Maik (20.03.2006, 15:42): Hallo,
Richter - er sitzt am Pult meiner absoluten Lieblingsaufnahme von Dvoráks Klavierkonzert op.33 :down Zusammen mit Carlos Kleiber und dem Bayerischen Staatsorchester zaubert er eine grandiose Aufnahme dieses Konzertes hin, die für jeden Dvorákianer und jeden, der von Dvoráks Klavierkonzert begeistert ist, einfach ein MUSS ist.
Als Vergleich stehen mir noch Aimard mit Harnoncourt und Jando mit Wit zur Verfügung. Auch diese Aufnahmen haben einiges für sich. Mit Aimard hatte ich noch meine Probleme gehabt - vor kurzem konnte er mich aber auch begeistern.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5076558.jpg
Schuberts Wandererfantasie ist genauso überwältigend...
Lieben Gruß, Maik
AcomA (20.03.2006, 23:34): hallo,
meine erste erfahrung mit s.richter geht in meine schulzeit zurück ! obertertia (etwa 1979): wir behandelten präludium und fuge nr. 2 c-moll aus bachs WTK I. unser lehrer, ein ausgebildeter konzertpianist, legte die LP mit sviatoslav richter auf. unser hörmerk richtete sich auf das präludium, einer toccata. dann spielte der lehrer selbst am kawai-flügel. er fragte uns, ob wir einen unterschied bemerkten. ein mitschüler, der sonst keinen konstruktiven beitrag erbrachte, sagte, unser lehrer hätte an einer stelle falsch gespielt bzw. daneben gegriffen ! der lehrer war sehr verärgert und wies daraufhin, dass er richtig gespielt hätte und richter hier falsch lag ! was er meinte und was IMO richtig festgestellt wurde, ist: das präludium weist kurz vor dem schluss (coda) ein 'presto' auf. der interpret muss also noch mal im tempo deutlich anziehen ! richter aber spielt von beginn an presto, er kann kaum noch an besagter stelle anziehen. außerdem ist die kongruenz der hände nicht 'perfekt'.
kurze zeit danach war ich zum geburtstag bei einem klassenkameraden, der wirklich gut klavier spielte und t. richter hieß (!) eingeladen. ich schenkte ihm die LP mit dem 1. klavierkonzert tschaikowskys mit sviatoslav richter (berl. philh./karajan, DG) ! die aufnahme ist akustisch exzellent gelungen, es fehlt etwas der schwung und die freude am 'donnern' ! es gibt jedoch eine frühere einspielung aus der UDSSR, wo es 'richtig zur sache geht'. Cosima kennt bestimmt die aufnahme !
gruß, siamak :)
Rachmaninov (20.03.2006, 23:38): Siamak,
ich vermute Du meinst die 1959 Aufnahme des Konzertes mit den Leningrad Academic Philharmonic unter Evgeni Mravinsky, oder?
AcomA (20.03.2006, 23:50): hallo Rachmaninov,
ja genau.
gruß, siamak :)
Rachmaninov (20.03.2006, 23:52): Ist die Melodiya CD 10 00993
gab es mal bei jpc! :cool
Ist übrigens gekoppelt mit Rachmaninov No.2 - gleiches Orchester, aber unter K. Sanderling!
Rachmaninov (21.03.2006, 00:01): Bei jpc wohl nicht mehr zu bekommen, daber dafür bei Amazon Deutschland noch im Programm!
Leider kein Cover!
Walter (21.03.2006, 07:41): Vielen Dank - das werde ich doch sofort mal behören! Ich habe mir schon mal das Sofia Recital sowie die Konzerte von Tchaikovsky und Rachmaninov in den Einkaufswagen gelegt.
Die Vorfreude läuft schon an!!
Walter
Markus (21.03.2006, 10:45): Mein erster Kontakt mit Richter war noch zu Vinylzeiten: damals faszinierte mich die Aufnahme der Liszt-Konzerte unter Kondraschin ungemein.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/3660885.jpg
Diese markante, kraftvoll männliche Interpretation, die jeglichem Hang zum Kitsch abschwört. Technisch und musikalisch über jeden Zweifel erhaben, vielleicht ein wenig spröde, aber überzeugend in der Gesamtkonzeption.
Etwas weniger überzeugte mich die lisztsche h-moll-Sonate, hier gibt es deutlich mitreißendere Aufnahmen...
Sehr gut hingegen gefallen mir das Konzert von Dvorak, gekoppelt mit der schubertschen Wandererfantasie. Zwar gibt es für beide Werke ebenfalls sehr gute Konkurrenzeinspielungen, Richter spielt jedoch meiner Ansicht nach ganz oben mit.
Gruß,
Markus.
Cosima (21.03.2006, 13:49): Original von AcomA die aufnahme ist akustisch exzellent gelungen, es fehlt etwas der schwung und die freude am 'donnern' ! es gibt jedoch eine frühere einspielung aus der UDSSR, wo es 'richtig zur sache geht'. Cosima kennt bestimmt die aufnahme !
Hallo Siamak, hallo allerseits,
schöne Geschichte aus Deiner Schulzeit. :D
Ja, die Aufnahme besitze ich auch. Dazu auch noch jene unter Ancerl mit der Czech Philharmonic (1954), die ich aber nicht empfehlen würde: Das Klangqualität ist so furchtbar, dass man sie nur einem echten Liebhaber zumuten kann.
Die Karajan-Aufnahme ist gefälliger und glatter, wie Siamak schon schrieb – unter Mravinsky lässt Richter mehr die Zügel los. Die Aufnahme wirkt dadurch tiefgründiger, kantiger, im Grunde für mich interessanter. Allerdings kann ich sie nur bedingt empfehlen; die Karajan-Aufnahme ist nicht ohne Recht die bekanntere geblieben. Sie wirkt in sich schlüssiger, der Klavierpart ist mehr integriert und Richter spielt auch sauberer.
Gruß, Cosima
P.S. an Markus: Ja, die Liszt-Konzerte sind in der Tat grandios! Da Du Richter schon so lange kennst: Hast Du ihn noch live gehört? Mich interessieren derlei Eindrücke immer sehr, weil ich ihn leider nicht mehr im Konzert erleben konnte.
enno-records (21.03.2006, 22:54): Hallo zusammen, die Eurodisc-LP mit den "Bildern einer Ausstellung" war die erste Klassik-LP, die ich mir in meinem Leben kaufte (so ca. 1975 ?). Seitdem hat sich mein Geschmack zwar mehr zum Gesang hin verlagert, aber Richter bin ich doch immer treu geblieben und habe ihn auch einmal in der Kölner Philharmonie mit späten Liszt-Stücken, gespielt beim Schein einer Lampe, die auf dem Klavier stand, live gehört. Mir gefallen Solo-Klavier-Aufnahmen meist besser als Orchesterkonzerte, und ich schätze besonders Richters Schubert-Aufnahmen. Er hat m.E. entscheidend dazu beigetragen (mit Brendel), dass dieser Komponist als Klaviersonatenschreiber ernstgenommen wurde. Gibt es eigentlich irgendwo im Netz eine Diskografie seiner vielen Aufnahmen? Abendliche Grüsse von Enno
Markus (21.03.2006, 23:22): Original von Cosima P.S. an Markus: Ja, die Liszt-Konzerte sind in der Tat grandios! Da Du Richter schon so lange kennst: Hast Du ihn noch live gehört? Mich interessieren derlei Eindrücke immer sehr, weil ich ihn leider nicht mehr im Konzert erleben konnte.
Nein, leider nicht. Allerdings existiert eine Dokumentation auf DVD mit dem Titel "Richter - The Enigma", welche hochgelobt ist. Vielleicht ist sie ja irgendwo einmal reduziert zu erhalten, dann könnte ich mir vorstellen zuzuschlagen.
Gruß,
Markus.
Cosima (22.03.2006, 18:45): Original von Markus Nein, leider nicht. Allerdings existiert eine Dokumentation auf DVD mit dem Titel "Richter - The Enigma", welche hochgelobt ist. Vielleicht ist sie ja irgendwo einmal reduziert zu erhalten, dann könnte ich mir vorstellen zuzuschlagen.
Hallo Markus,
ich würde an Deiner Stelle nicht zögern, die Engima-DVD auch zum Normal-Preis zu kaufen, wenn Du nur einigermaßen Richter magst. Die ist nämlich einfach unbeschreiblich schön! Man erfährt sehr viel über Richters feinen und aufrechten Charakter, seinen schönen, leisen Sinn für Humor, seine selbstkritische und bescheidene Sicht auf seine Interpretationen etc.
Wirklich, als Klaviermusik-Liebhaber muss man diese DVD einfach gesehen haben! Und am besten noch gleich das Buch „Notebooks and Conversations“ dazu kaufen. Es liefert viele wertvolle Informationen, Bilder, Einblicke in Richters Einstellungen zu anderen Pianisten, zu bestimmten Werken usw. Ich meine, dass es sogar kürzlich in deutscher Übersetzung irgendwo erschienen ist.
Gruß, Cosima
Markus (23.03.2006, 00:40): OK, ist für die nächste Bestellung vorgemerkt... :leb
Gruß,
Markus.
Cosima (23.03.2006, 16:56): Wenn man Richter-CDs sammelt, kann man leicht den Überblick verlieren, weil er für so viele verschiedene Plattenfirmen Aufnahmen gemacht hat. Obgleich ich sie noch nicht ganz komplett habe, kann ich die Melodiya-Edition empfehlen, die 10 CDs umfasst, die bis ca. 1960 entstanden. Ein besonderes Highlight ist für mich Vol. 2, mit einer tollen „Pathétique“ und „Apassionata“:
http://www.wom.de/image/cover/front/0/7594465.jpg
Es gibt mehrere Aufnahmen der Appassionata von Richter: Erstens jene bei seinem Debüt in New York 1960, mit der er selber nicht zufrieden war, da er unter großem psychischen Druck stand. Später entstand dann aus diesem Grund noch eine Studio-Aufnahme in New York (November des gleichen Jahres). Drittens existiert eben die o.g. Aufnahme gespielt in Moskau 1959, der Richter selber den Vorzug gab.
Gruß, Cosima
AcomA (23.03.2006, 17:18): hallo Cosima,
wusstest du, dass s. richters mutter bei seinem new yorker debut mit der appassionata anwesend war, und ihren sohn nach jahrzehnten erstmalig wiedersah ? man hatte richter extra nicht vorher unterrichtet, um ihn nicht zu destabilisieren !
gruß, siamak :)
Cosima (23.03.2006, 17:40): Hallo Siamak,
nein , das wusste ich nicht (oder habe es vergessen). Ja, dieser Riese mit den gewaltigen Pranken war schon ein recht sensibler Mensch. Verständlich wäre diese Vorsichtsmaßnahme also auf jeden Fall gewesen. Dieser gewaltige Erwartungsdruck, der auf Richter lastete, muss für ihn grausam gewesen sein.
Gruß, Cosima :)
Zelenka (27.03.2006, 11:48): Eine recht umfangreiche Diskographie findet man unter trovar.com/str/(eine auch in anderer Hinsicht sehr nützliche Website, englisch). Ziemlich erschöpfend ist Pete Taylor's Catalog: homepages.nildram.co.uk/~pandatay/setup.exe Die Benutzung mag etwas etwas gewöhnungsbedürftig sein, aber hier dürften praktisch alle Aufnahmen und Konzerte Richters zu finden sein.
Gruß,
Zelenka
Nochmals: Bitte keine direkten Links einführen! Danke Rachmaninov
enno-records (27.03.2006, 21:00): Hallo und vielen Dank, Zelenka! Das hilft mir sehr weiter...
Grüsse von enno
AcomA (29.03.2006, 00:08): hallo an alle fans von sviatoslav,
ich möchte heute einige erklärungen zu folgender doppel-cd (sicher kennt Cosima diese) der DG machen:
es ist ein kompendium von aufnahmen der deutschen grammophon, teilweise sogar live-mitschnitte, zwischen 1959 und 1965 entstanden. hier wird das gesamte armamentarium des neuhaus-schülers und 'spätberufenen' hörbar. es sind die ersten jahre seiner präsenz im westlichen kulturbetrieb.
js bach: sviatoslav richter hat seinen lebtag sich entschieden für den meister aller klassen eingesetzt. live aufgenommen sind hier vier präludien und fugen aus dem WTK I. und meine lieblingsepisode, präludium und fuge cis-moll BWV 849, ist darunter. schon das präludium lässt einem eine 'gänsehaut' entstehen. gleichmäßige kontrapunktische bewegungen der hände, melancholisch bis meditativ. dann die 5-stimmige fuge ! es ist die vervollkommnung des fugenstils. eigentlich eine doppelfuge, wo im weiteren verlauf sich die notenwerte halbieren und dadurch bewegung erzeugt wird. eine extreme vergeistigung und verdichtung. es klingt tatsächlich so, als würde man abheben und 'fliegen' :engel. sviatoslav spielt das stück genau mit der richtigen dosierung aus transparenz, klangmagie und drängen. kaum einer, der die bässe so akzentuiert, wie 'zwischenstationen'. eine echte alternative zur berühmten interpretation edwin fischers, der allerdings die besagten bässe oktaviert. richter kommt ohne diesen 'trick' aus. und das verklingen bzw. 'aushauchen' der coda, das macht keiner so zart. ich will nicht verschweigen, dass ich für die vor-abiturarbeit im dritten fach als hörprobe ein präludium und fuge aus dem WTK I mit sviatoslav richter bekam (auch hier zu hören, d-moll BWV 851). :down
joseph haydn: sonate g-moll HOB. XVI: 44. sviatoslav war der erste pianist von weltrang, der regelmäßig sonaten von 'papa' j. haydn auf das programm setzte. kraftvoll und straight forward interpretiert er diese werke. gerade in den mittelsätzen (die hier aufgeführte hat ausgerechnet nur zwei sätze :wink ) wirkt es bei richter dann meditativ. hier hat s. richter nachfolgende interpretengenerationen beeinflusst ! heute gehören haydn-sonaten zum standard.
frederic chopin: nun, ausgerechnet chopin. da ist richter nicht erste wahl. es fehlt die lässigkeit, die eleganz. aber dennoch, die polonaise-fantasie as-dur op.61, ein spätwerk, bringt richter großartig. ein für chopin eher untypisches werk. sehr fest strukturiert und mit fortschreitendem aufbau. es klingt fast wie bei spätem beethoven. richter ist ein meister des entwickelns aus einem atemzug !
robert schumann: abegg-variationen op.1. dieses werk ist im sog. brillianten stil geschrieben und offenbart motorischen sturm und drang. da ist richter referenz ! :engel die motorischen entladungen richters sind einmalig. auch in der toccata und der ersten novelette, welche nicht mit drauf sind.
sergei rachmaninov: wir wissen, dass seine aufnahmen des 2. konzertes referenzstatus (pianistischerseits) besitzen. IMO bestätigt er bei den hier gebotenen preludes diesen eindruck. op. 23 nr.2,4,5,7 und op.32 nr.2 und 12. für mich sind es die kraftvollsten und berauschendsten aufnahmen des alla marcia g-moll op.23 nr.5 und des allegro c-moll op.23 nr.7. und trotzdem hört man jede note, die ganze polymelodik. :down
sergei prokofiev: live, visions fugitives op.22 nr.3, 6, 9. hier brauch ich wohl nicht viel zu schreiben. er war mit prokofiev befreundet, die 9. sonate wurde ihm gewidmet, nachdem prokofiev ihn mit seinen werken hörte. motorischer drive, härte im zugriff und architektonische übersicht prädestinierten ihn für das prokofiev-spiel. 'seine 6. und 8. sonate sind referenz. :down
nun habe ich die estampes und einige preludes von debussy vergessen. hier zeigte richter, dass er auch mit klangdestillaten umzugehen wusste. vielleicht kein ABM oder gieseking, aber richtig versiert !
ich verneige mich vor diesem phänomen. so etwas wird es nicht mehr wieder geben. es bestätigt auch die these, dass die lebenserfahrung die kunst beeinflusst. und richter hatte ein schweres leben gehabt.
Rachmaninov (29.03.2006, 09:51): Meine irgendwo einmal gelesen zu haben, daß Richter Autodidakt war! Stimmt das?
AcomA (29.03.2006, 11:15): hallo Sergejewitsch,
sviatoslav erhielt in seiner frühen kindheit den ersten unterricht von seiner mutter, einer pianistin, und seinem vater, einem klavierlehrer. er ging zunächst nicht aufs konservatorium (odessa) sondern war von 1934 bis 1937 korrepetitor und kapellmeister an der oper in odessa. dort wurde sein pianistisches talent von heinrich neuhaus erkannt. anschließend studierte er sieben jahre lang am moskauer konservatorium bei neuhaus. insofern war er auch autodidakt.
gruß, siamak :)
Cosima (29.03.2006, 16:26): Lieber Siamak,
was für ein schöner Beitrag zu meinem Lieblings-Pianisten! Ich bin ganz gerührt und begeistert! :down
Ich muss mir glatt die CD noch einmal unter den von Dir genannten Gesichtspunkten anhören. Grandios ist sie allemal!
Herzlichen Dank!
Gruß, Cosima :)
AcomA (31.03.2006, 10:27): hallo,
es folgt die besprechung einer IMO legendären aufnahme dieses musikers:
die aufnahmequalität des rundfunkschnittes ist gut. etwas dumpf vielleicht. dieses recital hat mehrere besonderheiten. die webersche sonate ist eine rarität, erst recht im repertoire von super-pianisten. sie ist technisch schon sehr vertrackt, kaum einer kennt sie. lohnt sich der aufwand ? bei richter ja ! dann die klavierstücke des späten brahms, die häufig sehr verklärt und weltabgewandt interpretiert werden. zuletzt dann die brutale und extrem schwere 6. sonate prokofievs, die richter zur vollsten zufriedenheit des komponisten aufführte, so dass er ihm schließlich die 9. sonate komponierte und widmete. bei allen stücken präsentiert sich richter auf der höhe seines pianistischen könnens. richters kunst, mal abgesehen von seinen immensen technischen reserven, besteht in der entwicklung der stücke aus einem atem, was schon in oberen beiträgen dargelegt wurde. er interpretiert die stücke quasi mit dem adlerblick. die energien, welche er investiert führen zu wahren explosionen. die werke von brahms erstrahlen plötzlich in jugendlichem glanz. so vehemnt und technisch überlegen habe ich das op. 118,3 nicht mehr gehört. und der prokofiev bleibt in dieser darstellung immer noch referenz (neben der viel späteren aufnahme pogorelichs) !
gruß, siamak :engel
Cosima (31.03.2006, 14:27): Hallo Siamak,
Du gräbst ja interessante Sachen von Richter aus! Die Weber-Sonate finde ich auch sehr stark, kenne allerdings nur die Aufnahmen von 1954 und 1994, wobei ich die ältere noch besser finde. Manchmal zweifele ich schon daran, ob es ein kluger Entschluss war, Richter-Aufnahmen sammeln zu wollen. Das sind einfach viel zu viele. Mein Zwischenziel ist es, zumindest von jedem Werk, das Richter mal gespielt hat, wenigstens eine Aufnahme zu besitzen. Das alleine ist schon ein Riesen-Aufwand.
Gruß, Cosima
AcomA (31.03.2006, 16:17): liebe Cosima,
wenn du z.b. pogorelich-fan gewesen wärest, dann hättest du es mit dem sammeln einfacher gehabt :rofl
gruß, siamak :)
AcomA (01.04.2006, 01:19): hallo, hier wieder eine ausgrabung:
maurice ravel valses nobles et sentimentales miroirs
aura, DDD, aufn. (live) 05.06.1994
leider kein cover im netz verfügbar, daher dieses bild des späten richter
http://alenos.piranho.de/erbe/richter.jpg
bei dieser äußerlich sehr bescheidenen cd (bild im netz leider nicht verfügbar) handelt es sich um einen konzertmitschnitt aus lugano. nun gibt es eine unübersichtliche anzahl von richterschen konzertmitschnitten, auch aus seiner späten zeit. bei dieser performance handelt es sich doch um etwas ganz besonderes. wenn man berücksichtigt, dass richter hier auf yamaha spielt, ist es umso erstaunlicher.
der frühe richter dominierte, indem er mit unbändiger kraft, manchmal sogar zu viel schwung, triumphierte. der mittlere richter war ziemlich unbeständig. der späte richter wiederum (nach überstandener krankheitsphase) konzentrierte sich auf den strukturellen inhalt der werke, schnörkellos ! dieser späte richter wartet an diesem abend mit purem klangzauber auf. eine reichhaltige palette an farben, und große dynamische breite, gerade auch im pianissimo.
die drei lyrischen stücke griegs gehören nicht zu den bekannten. die harmonik mutet exotisch an und richter nutzt es voll aus. das motto des abends wird schon gelegt.
das dreiteilige werk francks wird gerne von virtuosen aufs programm gesetzt, da es durch den vollgriffigen satz die kirchenorgel auf dem flügel ersetzt und außerdem im prelude darlegt, warum viele franck für einen wegbereiter des impressionismus halten. richter konzentriert sich auf den klang. ich habe ihn noch nie so reichhaltig 'malen' gehört. das kann sich bestens vergleichen mit arthur rubinstein und ivan moravec.
und dann ravel ! ich erinnere mich einiger preludes und den estampes von debussy, wie richter sie in jüngeren jahren einspielte. geschmackvoll, aber es fehlten die leisen übergänge und ein schuss eleganz. nicht an dem abend in lugano. die valses nobles et sentimentales hat richter lange im repertoire gehabt. aber an diesem abend verbreitet richter feinstes parfum. auch hier absolut vergleichbar mit arthur rubinstein (der übrigens in jungen jahren zu den ersten gehörte, der dieses werk verbreitete. als das publikum sich einmal ablehnend verhielt, spielte er zur 'strafe' den zyklus noch einmal hinterher !). einschränkend könnte man lediglich sagen, dass das 'vif' des 6. stückes etwas zu gemächlich daherkommt (vgl. mit pogorelich).
der absolute höhepunkt sind die miroirs. das 'une barque sur l'ocean' wird dermaßen differenziert 'im wellengang' aufgebaut, dass man sofort ins träumen gerät. kenne kaum vergleichbares, phantastico ! merkwürdigerweise wurden im programm die letzten beiden stücke des zyklus nicht gedruckt. irritiert applaudierte das publikum nach der 'barque' nicht ! s. richter schloss 'alborada del gracioso' direkt an, dieses virtuosenstück. welch eine energie und trotzdem differenziert im anschlag. hiernach nun geriet das publikum in heftigen applaus und jubel, so dass richter sich erhob und verbeugte. danach ging es doch weiter mit dem letzten stück, 'la vallee des cloches', betörend, und das auf einem yamaha ! es gibt viele, die solche wirkungen auf dem japanischen instrument nicht für möglich hielten. dafür keine zugaben.
gruß, siamak :engel
Cosima (01.04.2006, 17:35): Original von AcomA leider kein cover im netz verfügbar...
Trotz der insgesamt bescheidenen Aufmachung der CD gefällt mir der Text im Booklet. Bekannt ist ja, dass Richter gerne vor kleinem Publikum spielte, aber wie er seine Auswahl traf, erzählt diese Anekdote:
„On another occasion, Richter (who preferred to travel in his Mercedes, never on superhighways, and never faster than 80 km/h) passed through Casalpusterlengo. He liked the name Casalpusterlengo so much that he wanted to play there.“
Typisch Richter… :)
Deiner Einschätzung der Aufnahme stimme ich zu.
Lieben Gruß, Cosima
AcomA (07.04.2006, 00:19): hallo,
es gibt aus der melodiya-cd reihe von richter eine cd, die ich zum besten dieses pianisten zähle !
alexander scriabin etüden op.2 nr.1; op.8 nr. 5,11; op.42 nr.2-6,8; op.65 nr.1-3 sonate nr.6 op.62
sviatoslav richter präsentiert einen scriabin, wie er eindringlicher nicht formuliert werden kann. sviatoslav singt polymelodisch im berühmten frühwerk des op.2 nr.1 und steht hierbei horowitz in nichts nach. gerade die bewegende basslinie kommt vorzüglich. mein kürzlich verstorbener alter freund und kollege nannte das gefühl, das sich in solchen situationen einstellt 'fliegen'. :engel der zuhörer möchte abheben. scriabin träumte vom fliegen ! es werden werke aus all seinen schaffensperioden geboten. die etüde cis-moll op.42 nr.5 (affanato) kommt so kräftig und drängend, wie ich es sonst nur noch von horowitz und andrei gawrilov gehört habe. :down die wehmütige kantilene der etüde b-moll op.8 nr.11 (andante cantabile) treibt einem die tränen in die augen, als ob sich alle erinnerungen in dieser zeit abbilden. richter, der erzähler. :B die 'vers la flamme'-stimmungen der op. >60 beschwören den flug gegen die sonne. ungeheuer intensiv, der zuhörer verbrennt sich wahrlich ! :S
bei den sonaten myaskovskys und prokofievs hört man durchgehend die erbarmungslose härte der zeit, das ganze leid des ehemals sowjetischen volkes, die qual und vernichtung, die ihm durch äußere aggressoren und interne unmenschen angetan wurde. richter spielt diese stimmungen voll aus, ultrahart. sein precipitato gehört zu den raschesten (argerich, pollini) und gleichzeitig transparentesten. hier spielt jemand als zeitzeuge !
gruß, siamak :engel
Cosima (08.04.2006, 18:25): Hallo allerseits,
ich darf mal zitieren, weil ich heute denk- und schreibfaul bin: (aus Kaiser, Große Pianisten)
„Richters großartigste Schumann-Aufnahme scheint mir die Humoreske op. 20. Sie fasziniert nicht nur durch selbstverständliche technische Brillanz, sondern auch durch Ausdrucksreichtum, lyrisches Leben und bezwingend intelligenten „Sturm“. Wenn Richter da auf den Polonaisenrhythmus zusteuert – Schumann schreibt vor: „Mit einigem Pomp“ -, ist ein großer Augenblick zeitgenössischen Klavierspiels erreicht, …“
Da ist sie:
http://www.wom.de/image/cover/front/0/7695135.jpg
Mit Dank an Siamak, der mit diesen Ball quasi zuspielte (und der eine viel schönere Kritik schreiben könnte als der olle Kaiser :)). Er hat sie ja heute gekauft und wird vielleicht noch von seinen Eindrücken berichten. Für mich eine wunderbare Aufnahme! Richter befolgt nicht nur perfekt die Vorschriften des Komponisten, er füllt sie mit sprudelndem Leben („Sehr rasch und leicht“), mit würdevoller Eile („Hastig“) und nonchalanter Anmut ("Adagio"); sein "Einfach und zart" driftet niemals ins Belanglose ab - im Gegenteil: es ist voll schlichter Zärtlichkeit.
Gruß, Cosima
P.S.: Die o.g. Scriabin-Aufnahme fehlt mir leider noch! Sie ist auch derzeit nirgends erhältlich, nicht mal gebraucht zu astronomischen Preisen.
Cosima (08.04.2006, 20:39): Eine hab' ich noch... :D
Dies hier nun: Britten, Klavierkonzert op. 13 (Russian Revelation) :down
http://www.beepworld.de/memberdateien/members86/bizbiz/brittensvetlanov.jpg Neben der o.g. Aufnahme gibt es noch zwei Einspielungen unter Britten (1967, 1970). In der 1970er-Aufnahme agiert nicht nur Richter zurückhaltender, auch das Orchester spielt mit angezogener Handbremse, in Richtung britisches Understatement halt. Alles wirkt eher gepflegt, handwerklich ordentlich, ein bisschen leblos. 1967 unter Swetlanow lässt Richter stellenweise den Pferden die Zügel frei, lässt richtig die Sau raus, klar und brillant! Die langsamen Stellen scheint er dagegen fast wie in Trance zu spielen.
Swetlanow steigert immer wieder bis zu einem gewissen Fast-Höhepunkt; immer wenn man meint, jetzt ginge es richtig los, nimmt er die Stimmung zurück. Um dann erneut zu steigern, aber von einem höheren Level aus! Das ist stellenweise fast unerträglich (im positiven Sinne), hat etwas sehr Erotisches! So wie Swetlanow und Richter das Konzert hier bringen, fährt es direkt in die Magengrube. Eine tolle Aufnahme, die ganz oben bei meinen Favoriten rangiert!
Gruß, Cosima
AcomA (08.04.2006, 20:48): liebe Cosima,
ich muss gestehen, ich mag das klavierkonzert brittens nicht sonderlich. ich habe es in einer klanglich durchaus guten aufnahme von arte nova mit einem saarländer pianisten leonardy, der eine ganz spektakuläre frisur hat ! :rofl wahrscheinlich wirst du mir raten, sviatoslav damit zu hören, zumal er ja mit britten viel zusammengearbeitet hat. und soll ich dir was sagen, das werde ich machen ! welche aufnahme empfiehlst du mir explizit ?(
gruß, siamak :)
Cosima (08.04.2006, 21:05): Lieber Siamak,
ich mochte das Britten-Konzert auch nicht sonderlich, nicht mal in der Richter-Aufnahme (also der unter Britten mit dem English Chamber Orchestra), die ich zuerst kennen lernte. Und dann der Ohren-Öffner unter Swetlanow! Nur die und sonst keine muss es sein! Du wirst aber nicht viel Glück haben, sie ist derzeit nicht zu bekommen. Ich schaue aber regelmäßig, ob es Wiederveröffentlichungen von Richter-Aufnahmen gibt – ich werde Dich informieren, wenn ich sie sehe. Sie ist umwerfend, wirklich!
Gruß, Cosima :)
ab (17.05.2006, 15:03): Hallo Peter,
viel überzeugender finde ich übrigens die Schumann-Konzert-Aufnahme, die Richter gemeinsam mit Alexander Gauk und dem Moskauer Radio Orchester aufgenommen hat (bei Andromeda oder multisonic ("Russian Treasures") erhältlich gewesen). Selbst den nie auf CD herausgebrachten Konzertmitschnitt des ORF gemeinsam mit Karajan von 1977 (?) halte ich für wesentlich gelungender als die DG-Aufnahme.
ab (17.05.2006, 15:07): Erstaunlicherweise halte ich diese beide Produktionen für so ziemlich das Sterilste, was Richter aufgenommen hat. Beim Dvorak-Konzert ziehe ich allemal den Konzertmitschnitt bei Praga mit dem Prager Sinfonieorchester unter Vaclav Semtacek von 1966 vor!
ab (17.05.2006, 15:35): Ich halte ja Richter für den tiefsten der Musiker des 20 Jahrunderst überhaupt!
Meine Lieblingsaufnahme von ihm ist sicherlich der Salzburger Konzertmittschnitt von 1977, nämlich der zweite Teil mit Werken von Debussy. Das gehört zu jenem, wofür es sich zu leben lohnt! (Orfo) Mehr als nur eine Inselplatte!
Mein Lieblings-Beethoven mit ihm ist eine CD, die ich als Abverkauf unter dem Titel: "Russian All Star Orchestra" in Händen bekommen habe: op. 2/3, op. 10/3 & op.49/1 alle aus der Leningrader Philharmonie, dier ersten beiden von 1960, die letze von 1965. Das Label heißt Icone (ICN - 9402 - 2
Ein Dokument der besonderen Art ist der Altersmitschnitt bei Stradivarius mit Lyrischen Stücken von Edvard Grieg: Beklemmendere Einsamkeit habe ich nie zuvor oder später gehört! (STR 33353).
Völlig unbegreiflich ist mir, dass keine einzige Aufnahme des Labels LiveClassics Out "Of the later years" genannt wurde. Die Konzertmitschnitte vom 16.5.1992 in München am Begräbnistag der von ihm so verehrten Marlene Dietrich und vor allem jener von 19.5.1994 aus Ludwigshafen sind einzigartige Dokumente musikalischer Tiefe.
Außerdem muss man unbedningt die Prokofiev-Sonate Nr. 2 vom 2.2.1965 aus Prag (Praga) gehört haben: der dritte Satz ist unglaublich! (buchstäblich!)
Entbehrlich sind eher seine Studioaufnahmen, insbesondere die bei Regis, nicht aber das Wohltemperierte Klavier!
Besonders interessant finde ich noch seine Schubert 960er Sonate vom 9.5.1957 (bei Preiserrecords.at): eine leidige Ende-des Krieges-Jubiläums-UdSSR-Verpflichtung von größter und für ihn ungewöhnlicher agogischer Freiheit! (Außerdem ein faszinierendes Beiwerk: Liszts Pensées des morts und Schumanns Fugen op.72!)
Gefällt euch eigentlich sein Chopin-Spiel auch so (natürlich nur relativ) wenig?
Cosima (17.05.2006, 16:53): Original von ab viel überzeugender finde ich übrigens die Schumann-Konzert-Aufnahme, die Richter gemeinsam mit Alexander Gauk und dem Moskauer Radio Orchester aufgenommen hat (bei Andromeda oder multisonic ("Russian Treasures") erhältlich gewesen).
Hallo ab,
ich denke, da würde ich Dir zustimmen. Die Aufnahme unter Matacic (EMI, 1975) ist für mich die schwächste. Besser schon jene unter Rowicki (DG, 1959). Die Einspielung unter Gauk (Andromeda, 1954) ist auch mein Favorit, auch was die Orchesterbegleitung anbelangt. Sie ist lebendiger und sprühender als die späteren Einspielungen, hat mehr Charme im Schumann'schen Sinne. .
Für Interessierte: Die Doppel-CD habe ich kürzlich noch für 6,99 Euro gesehen. Enthalten sind weiterhin: 3. Beethoven-, 2. Brahms- und 1. Tschaikowskij-Konzert. Die Aufnahmen sind alle aus 1950/1954, man muss also Abstriche bei der Klangqualität machen.
Gruß, Cosima
Cosima (17.05.2006, 17:09): Original von ab Ich halte ja Richter für den tiefsten der Musiker des 20 Jahrunderst überhaupt!
Hallo ab!
Da sagst Du etwas! Genau meine Rede. Wie gut, dass Du in diesem Forum aufgetaucht bist - ich freue mich! :)
Meine Lieblingsaufnahme von ihm ist sicherlich der Salzburger Konzertmittschnitt von 1977, nämlich der zweite Teil mit Werken von Debussy. Das gehört zu jenem, wofür es sich zu leben lohnt! (Orfo) Mehr als nur eine Inselplatte!
Ja, die Aufnahme besitze ich auch! Sie ist wirklich wunderbar! Und damit wäre wieder einmal bewiesen, dass die 70-er nicht durchweg zu Richters schwächsten Jahren gehören, wie Siamak immer so gerne betont. :)
Entbehrlich sind eher seine Studioaufnahmen, insbesondere die bei Regis, nicht aber das Wohltemperierte Klavier!
Ohne mit anderen Interpretationen vergleichen zu wollen: Die Schubert-Sonaten auf Regis finde ich schon gut, die Beethoven-Einspielungen durchweg schlechter (vor allem die Diabelli-Variationen). Die Schumann-CD (Regis) mit den Ètudes symphoniques und Bunte Blätter würde ich auch empfehlen. Das Wohltemperierte Klavier natürlich sowieso - ein echtes Highlight!
Gefällt euch eigentlich sein Chopin-Spiel auch so (natürlich nur relativ) wenig?
Richters Chopin höre ich zwar gerne, halte ihn aber dennoch nicht für einen großen Chopin-Interpreten. Am besten gefallen mir noch die vier Scherzi. Ein wenig fehlt mir insgesamt das Filigrane, Zarte und Empfindsame.
Gruß, Cosima
Cosima (17.05.2006, 17:17): Original von ab Erstaunlicherweise halte ich diese beide Produktionen für so ziemlich das Sterilste, was Richter aufgenommen hat. Beim Dvorak-Konzert ziehe ich allemal den Konzertmitschnitt bei Praga mit dem Prager Sinfonieorchester unter Vaclav Semtacek von 1966 vor!
Hallo ab,
Du meinst das Dvorák-Klavierkonzert unter Carlos Kleiber, nehme ich an. Steril vielleicht etwas, wenn man Richters sonstige Aufnahmen kennt - aber was für ein grandioses Zusammenspiel von Solist und Orchester und was für ein Dirigat von Kleiber! Nein, das ist schon eine wirklich hervorragende Aufnahme! Da haben zwei Giganten zusammengefunden und etwas Großes geschaffen! Das sage ich, obwohl ich das Klavierkonzert selber gar nicht mal zu meinen Favoriten zählen würde.
Gruß, Cosima
Cosima (25.05.2006, 11:42): Hallo,
ich habe mir einen groben Überblick über die Aufnahmen des 2. Brahms-Klavierkonzertes verschafft:
Kompromisslos, technisch großartig und kraftvoll gespielt von Richter, gute Orchesterbegleitung, die eher im Hintergrund stattfindet.
http://images-eu.amazon.com/images/P/B000023XYW.03.MZZZZZZZ.gif - Orchestre de Paris / Maazel, 24.-28. Okt. 1969
Besser gefällt mir Maazels Dirigat. Weniger diskret, dem Solisten dennoch Raum lassend, farbiger und temperamentvoller als unter Leinsdorf. Richter auch hier brillant, aber vielleicht nicht ganz so zwingend. Ich finde beide Aufnahmen überragend und mag mich nicht entscheiden, welcher ich den Vorzug gebe. Aber allein wegen der überwältigenden Schumann-Sonate sollte man diese CD unbedingt besitzen! :down
Im Einführungsbeitrag erwähnte ich es bereits: Richter selber sagt in seinen Gesprächen mit Bruno Monsaingeon, dass er die Aufnahme unter Maazel für besser halte als jene unter Leinsdorf, die allgemein eher als Referenz gehandelt wird.
http://www.wom.de/image/middle/front/0/9276138.jpg - Czech Philharmonic Orchestra / Kondrashin, 23. Mai 1950
Klangqualität erwartungsgemäß schlecht. Wirkt insgesamt etwas statisch. Im Vergleich eher lustlos interpretiert, kein rechter Vorwärtsdrang und keine rechte Geschlossenheit spürbar
Klang auch hier unterirdisch, zudem Live-Aufnahme. Eher so etwas wie ein „russischer Brahms“.
http://www.wom.de/image/middle/front/0/2691578.jpg - USSR State SO / Sanderling, 20. März 1951
Lustig ist, dass eine Dame etwas atemlos auf Russisch das Konzert ansagt, nach 30 Sekunden geht es dann endlich los. Klang ist gar nicht mal so schlecht, gemessen am Alter der Aufnahme. Leidenschaftliches, einfühlsames Dirigat unter Sanderling.
Fehlen noch die Einspielungen unter Munch, Georgescu, Rossi. Kennt die jemand von Euch?
Was meint Ihr? Zu Brahms und Richter im Allgemeinen und zu den einzelnen Aufnahmen im Besonderen? :)
Gruß, Cosima
ab (03.10.2006, 23:26): Ein Jammer, dass derzeit keine einzige Aufnahme Richters bei Aura erhältlich ist. Diesen Grieg/Frank/Ravel-Abend hätte ich gerne gehört!
Ich habe bloß die beiden anderen Aura-Mitschnitte mit Weber/Brahms/Prokofiev sowie Bach/Haydn/Debussy (1991-93) bekommen.(Die ich beide weniger lobe, insbesondere im Vergleich zu den Mitschnitte bei LiveClassics!)
Rachmaninov (12.02.2007, 15:26): Vor einigen Tagen hörte ich nochmal die Aufnahme von Prokofiev's 8. Klaviersonate in der DG Aufnahme mit S. Richter.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7948347.jpg
Es ist einfach eine Freude diese ungehemmte musikalische Erlebnisswelt eines S. Richters zu erleben.
Eine Freude dies zu hören und ein pianistisches Erlebnis.
Ein ganz großer Musiker :down
Cosima (01.07.2007, 12:14): Original von ab Ein Jammer, dass derzeit keine einzige Aufnahme Richters bei Aura erhältlich ist. Diesen Grieg/Frank/Ravel-Abend hätte ich gerne gehört!
Falls diese CD noch immer gesucht wird: Sie ist gelegentlich bei ebay zu finden, momentan hier:
ab (02.07.2007, 16:15): Original von Cosima Original von ab Ein Jammer, dass derzeit keine einzige Aufnahme Richters bei Aura erhältlich ist. Diesen Grieg/Frank/Ravel-Abend hätte ich gerne gehört!
Falls diese CD noch immer gesucht wird: Sie ist gelegentlich bei ebay zu finden, momentan hier:
Der Booklet-Text zu diesen Mitschnitten aus 1961, 1963 und 1967 (Royal Festival Hall, London und Maltings, Snape) stammt von Alexander Melnikov. Mir war bis dato gar nicht bekannt, dass Richter - als Förderer von Melnikov - diesen wiederholt zu seinem Festival in Tarussa, Russland, und zu seinem Kammermusikfestival in Tours, Frankreich, einlud. Entsprechend engagiert und bewegend ist der Text verfasst – sehr lesenswert.
Obwohl seine Liebe zu Chopin ihn ein ganzes Leben lang begleitete, gefallen mir Richters Chopin-Aufnahmen zumeist nicht sehr gut. Oftmals wirken seine Interpretationen zu grob, lassen die Verfeinerung, das Aristokratische und Emotionale vermissen.
Nicht so hier: Richter war bei diesen Konzerten in fantastischer Form. Sein Chopin ist sensibel und zart interpretiert, mit der für Richter so typischen (jenseitigen) Melancholie verfeinert. Auch wenn es hier und da ein paar Wendungen gibt, die mir seltsam erscheinen, meine ich, dass die auf dieser CD versammelten zu seinen besten Chopin-Aufnahmen gehören, die ich kenne.
Die noch größere Überraschung sind für mich die Debussy-Préludes. Aus Heft 1 fehlen leider 'La fille aux cheveux de lin' und 'Minstrels'. Den Grund hierfür kenne ich nicht.
Voller Klangfülle und Farbigkeit, vielfältig variierend im Anschlag verleiht Richter jedem der Préludes einen eigenen, ganz klaren Charakter. Er scheint ganz hinter das Werk zurück zu treten, so als würde er es aus einiger Distanz betrachten. Dadurch habe ich – als Hörerin – das Gefühl, dem Werk noch näher kommen zu können. Ich kann dieses Gefühl leider nur unzulänglich beschreiben, aber m.E. erweist sich Richter hier wieder einmal als glänzender Vermittler.
Die Klangqualität der Mitschnitte ist akzeptabel bis gut für Live-Verhältnisse.
Gruß, Cosima
ab (11.07.2007, 12:52): Liebe Cosima,
eine wunderbare Ausgabe, wahrlich! (Ich muss aber gestehen, bei dieser CD noch nicht einmal in den Chopin hinein gehört zu haben, weil ich nie über den Debussy hinauskomme.) Ich finde Deine Worte dazu sehr treffend, auch wenn vermutlich Frank dagegen einwenden würde, dass Richter zumindest an vielen Stellen garade kein "glänzender Vermittler" sei, weil es Debussy um anderen Ausdruck ginge als bei Riochter zu hören. Die Préludes II gefallen mir jedenfalls besser als die jener Auswahl, die bei Ermitage/Stradivarius zu hören ist.
Gratulation zu der DG-Aufnahme, die Du heute geschenkt bekommen hast: Es war die erste Richters, die in meinem Besitz gekommen ist, weil sie mir ein Freund und Klaviermusikliebhaber geschenkt hatte, woraufhin ich dadurch jene von den Salzburger Festspielen mit Debussy anhörte, und danach sozusagen von Richter infiziert war. Sonst kannte ich aus meiner Kindheit nur das Tchaikovisky-Klavierkonzert mir Mravinsky, dessen markiger Anfang für mich nach wie vor unübertroffen bleibt - obwohl mir lange Zeit eigentlich Richter ganz gegen meinen Geschmack gegangen ist.
Weißt Du eigentlich genaueres zu der neuen Doppel-CD-Serie von Philips und Decca? Dies sind überwiegend späte Aufnahmen von Richter. Aus dem Internet kann ich aber nirgends eruieren, welche Aufnahmen sich zuvor auf welcher CD befunden haben. Kannst Du mir genaueres mitteilen?
Das Label schreibt selbst bloß lapidar: RECORDING INFORMATION
For the first time Philips and Decca recordings are brought together for a new definitive mid-price Richter series.
The great Russian pianist Sviatoslav Richter, considered by many to be the greatest pianist of the 20th century, died ten years ago on August 1st 1997.
The previous Philips-only Richter Edition (which was at top price) has been out of the catalogue for several years.
Each volume will include 2CDs in a 'duo' box. Many recordings will be available at mid price for the first time.
Cosima (11.07.2007, 22:29): Original von ab Weißt Du eigentlich genaueres zu der neuen Doppel-CD-Serie von Philips und Decca? Dies sind überwiegend späte Aufnahmen von Richter. Aus dem Internet kann ich aber nirgends eruieren, welche Aufnahmen sich zuvor auf welcher CD befunden haben. Kannst Du mir genaueres mitteilen?
Lieber ab,
ich nehme an, dass die Masters-Edition (Decca) mit der Authorised-Recordings-Edition (Philips) übereinstimmt. D.h. zumindest die neu aufgelegte Mozart-Ausgabe stimmt mit der alten überein, zumindest was das Repertoire anbelangt, die Daten konnte ich nicht vergleichen. Deshalb habe ich mir auch zunächst nur Vol. 1 (Beethoven) und Vol. 3 (Scriabin, Prokofiev, Shostakovich) zugelegt, weil ich den Mozart schon hatte.
Ansonsten habe ich von den autorisierten Aufnahmen nur noch die Schubert-Aufnahme, kann also nicht weiter vergleichen. Die nächsten 3 Volumes werde ich mir aber auf jeden Fall zulegen.
Meine Vermutung wird hier von einem Rezensenten bestätigt: (in der Beschreibung ist als Label auch Philips angegeben)
Obwohl mir das im Falle der Beethoven-Ausgabe seltsam erscheint, enthält sie doch nur spätere Aufnahmen, aus 1991 und 1992. Vielleicht hat man auch einfach Aufnahmen vermischt. Hast Du die alten Philips-Aufnahmen? Dann könnten wir die Daten vergleichen.
Gruß, Cosima
P.S.: Ich bin immer noch ganz glücklich über das heute erhaltene Geschenk. Damit hatte ich wahrlich nicht gerechnet! :down
ab (11.07.2007, 23:33): Leider habe ich nichts von der Philips-Serie (damals entging mir noch seine Musikalität ...) außer einer gebrannten Brahms-Sonaten-Scheibe. Der Mozart ist identisch, wie ich im Laden sehen konnte.
Weil der Beethoven aus so später Zeit stammt, fürchte ich, dass es womöglich Überscheidungen mit den Aufnahmen von Frau Maria E. Michel-Beyerle bei Live Classics geben könnte. Die Aufnahmen dort sind in Kiel 1992, Kreuth 1992 & 94, München 1992 & 94 sowie in Rellingen 1991 gemacht worden.
Der Prokofiev sieht so aus als könnte er auch von der DG stammen...
Gibt es da Überschneidungen? Weißt Du genaueres?
Cosima (12.07.2007, 16:37): Vol. 1
Die Beethoven-Sonaten sind allesamt vorher nur auf Philips (438486) erschienen. Aufgenommen wurden sie November 1992 in Amsterdam und Oktober 1991 in Stuttgart. Also keine Überschneidungen mit LiveClassics.
Vol. 3
Scriabin und Prokofiev sind aus 1993 und vorher erschienen auf Philips (438627). Schostakowitsch ist aus 1963, dazu finde ich keine weiteren Angaben.
Aber scheinbar sind diese Aufnahmen zumindest vorher auch nicht auf LiveClassics erschienen, wobei ich hier nicht sicher bin, weil genaue Daten im Booklet fehlen.
Es wird sich also doch um die alten autorisierten Aufnahmen handeln. In den Booklets selber ist auch noch ein Hinweis auf Philips, der dies für mich untermauert.
Gruß, Cosima
ab (12.07.2007, 16:57): Liebe Cosima,
herzlichen Dank für diese Hinweise! Wie findest Du persönlich diese Aufnahmen? Ein großer Richter-Freund, der diese alte Ausgabe komplett hatte, meinte einmal zu mir, dass darauf zahlreiche eher schwächere Konzertabende ausgewählt worden seinen, die wohl besser im Archiv verschwunden wären. Wie siehst Du das? findest Du seinen DECCA-Beethoven besser als die bei Brilliant aus Russland?
Cosima (12.07.2007, 22:09): Lieber ab,
ich habe die letzten drei Beethoven-Sonaten jeweils aus der Brillant-Box und der Decca-Aufnahme nochmals quergehört, um meinen Eindruck aufzufrischen.
Richter war auch 1991/92 noch ein großer Pianist, er besaß immer noch Leidenschaft. Aber ich meine (und ich sage es sehr ungern): Wer die Brillant-Box schon besitzt und Richters Spätstil bereits kennt, dem würde ich nicht zum Kauf dieser Doppel-CD raten.
Etwas traurig macht mich vor allem der Mitschnitt der Appassionata aus 1992. Ich kriege diese vollkommen enthemmte, nervös-überhitzte, rauschhafte Aufnahme aus der Carnegie-Hall nicht mehr aus meinem Kopf. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich diesen dritten Satz gehört habe. Man merkt eben doch, dass Richter 1992 schon ein alter Herr war, trotz all des Temperamentes.
Gruß, Cosima
ab (13.07.2007, 11:31): Danke für diese Schilderung deines Eindrucks. Ich selbst bin ja gerade Liebhaber der späten Zeit Richters mit seiner einsam-jenseitigen Tiefe. Die Brilliant-Aufnahmen mit Beethoven finde ich jedoch überwiegend weniger gut und deshalb hätte mich interessiert, ob die DECCA-Abenden glücklicher gewesen sind.
Cosima (13.07.2007, 18:13): Original von ab Ich selbst bin ja gerade Liebhaber der späten Zeit Richters mit seiner einsam-jenseitigen Tiefe.
Ja, ich liebe auch Richters Spätstil. Allerdings weniger seinen Beethoven, da bevorzuge ich die hitzigeren, früheren Interpretationen.
Dieses Konzert vom 16. Mai 1992 (München) ist ein wundervolles Beispiel dafür, wozu Richter auch im Alter noch fähig war. (Es war Marlene Dietrich gewidmet, die am gleichen Tag in Berlin beerdigt wurde.)
Es gab an diesem Abend einen von Richter handgeschriebenen (!) Programmzettel, der im Booklet abgedruckt ist. Vor allem der Scriabin und der Debussy sind großartig! Ach was, die ganze CD ist großartig!
Zur Abrundung der Richter-Beethoven-Diskographie möchte ich noch erwähnen, dass Richter in den frühen 60ern, etwa zeitgleich mit der Einspielung der Cellosonaten mit Rostropovich, 2 LPs mit nicht so gängigen (!, eigentlich bezeichnend für ihn) Sonaten herausgebracht hat: LP 1 : Sonaten op.14 Nr.1 und 2, der 2. Satz der E-dur Sonate ist extrem langsam gespielt, die Spannung hängt nicht durch LP 2: Sonaten op.22 und op.49 Nr.1 und 2.
Diese beiden LPs sind nicht in der vor Jahren erschienenen Philips-Richter-Edition enthalten und m.W. bisher auch nicht (zumindest in Deutschland) auf CD erschienen. Richter spielte zeitlebens nicht immer nur die bekannten Sonaten sondern widmete sich auch immer wieder vernachlässigten. Von einigen kenne ich überhaupt keine Einspielungen mit ihm: z.B.: A-dur op.2 Nr.2, Es-dur op.27 NR.1, C-dur op.53, op.78, op.79 und op.81a.
Grüße von Amadé
Cosima (13.07.2007, 20:35): Hallo Amadé,
Op. 49 Nr. 1 und 2 aus 1963 (London) sind auf der Philips-CD zusammen mit den Liszt-Klavierkonzerten unter Kondrashin erschienen. Die meinst Du dann also nicht.
Könntest Du bitte mal auf den LPs nachschauen und genauere Infos (Datum, Aufnahmeort) angeben? Das würde mich sehr freuen!
Gruß, Cosima
Amadé (14.07.2007, 11:01): Hallo Cosima,
ich habe mich auf der Decca/Philips homepage schlau gemacht, die genannten Sonaten sind 1963 aufgenommen worden, die Liszt-Konzerte 1961 sowie die Cellosonaten nicht zusammen, sondern in mehreren Sitzungen von 1961 bis 1963. Die auf der CD mit den Liszt-Konzerten gekoppelten Sonaten sind mit den genannten identisch.
Gruß Amadé
Cosima (14.07.2007, 11:17): Hallo Amadé,
vielen Dank für die Recherche!
Wie stehst Du eigentlich zu Richter? Du schriebst in einem anderen Thread, dass Du ihn noch live erlebt hast. Wann war das denn? Und wo? Und wie war Dein Eindruck?
Ich höre/lese immer so gern Berichte von Menschen, die ihn wahrhaftig noch erleben durften. :)
Gruß, Cosima
ab (14.07.2007, 11:39): Original von Cosima Ach was, die ganze CD ist großartig!
Diese CD, gemeinsam mit dem Ludwigshafen-Konzert dieser Serie dieses Lables (VOlII) http://www.live-classics.com/images/472.JPG und dem Debussy vom Salzburger Mittschnitt von 1977 http://www.orfeo-international.de/covers/16989g.jpg sind meine Lieblings-Richter-CDs! :P
(Ps. Nochmals danke für den aura-Hinweise, die CD wird in Bälde in minen Händen sein!)
Amadé (14.07.2007, 20:14): @Cosima
Hallo,
wenn ich mich nicht irre war es am 4.Sept.1972 in der Bonner Beethoven-Halle. Ich besitze auch noch das Programmheft, das liegt aber unter einen Riesenstapel anderer. Auf Richter habe ich mich damals sehr gefreut, da ich sein Spiel schon von vielen Schallplattenaufnahmen her kannte. M.W. war es sein erstes Konzert in der BRD, in der DDR und in Westberlin war er schon vorher aufgetreten. Ich hatte das Gefühl, dass im Saal eine ungeheure Spannung herrschte. Er betrat das Podium, verneigte sich kurz, drehte noch ein wenig an den Knöpfen des Klavierstuhls und schon begann er mit Beethovens e-moll op.90. Von der vierten Reihe konnte ich ihn ganz gut beobachten, wie er unruhig vor dem Instrument saß und Beethovens Klavierwelt in seiner Vorstellung herüberbrachte. Ich hatte bis dahin schon viele Pianisten gehört, u.a. Kempff, Arrau, Curzon, Cherkassky, L.Hoffmann, Pollini, Gelber, aber fast alle von ihnen spielten ruhiger und -äußerlich- konzentrierter. In der ersten Sonate galt meine Aufmerksamkeit mehr dem Künstler als dem Stück, das er gerade spielte. Im Anschluss an die e-moll Sonate spielte er ohne lange Zwischenpause die A-dur Sonate op.101, die man im Konzertsaal nicht so oft hört. Nach der Pause brachte er dann die Sinfonischen Etüden op.13 von Schumann. Für mich neu waren die ins Stück eingeflossenen 5 Etüden aus dem Nachlass, die ich bisher noch nicht gehört hatte. Ich war überwältigt wie fein und zart und auch im nächsten Augenblick kräftig donnernd er das Stück meisterte. Überwältigender Beifall in der Beethoven-Halle. Als Zugaben gab es noch nach und nach 4 Intermezzi/KLavierstücke aus op.117-119 von Brahms. Nicht lange nach dem Konzert veröffentlichte Eurodisc 3 LPs mit Richter: Schumann op.13 und Beethoven op.90, Brahms Intermezzi sowie Preludes von Rachmaninoff. Keine Frage, die LPs habe ich sofort gekauft. Nach Veröffentlichung dieser LPs spielen viele Pianisten auch die posthumen Etüden, teilweise in anderer Platzierug als Richter, ich meine jedoch, dass Richters Anordnung am überzeugendsten klingt. Neulich erwarb ich die CD der Sinfonischen Etüden gespielt von Ragna Schirmer, die noch eine neue, für mich unbekannte Etüden,für den Hörer entdeckte, auch sehr interessant und hörenswert! Soviel zu Richter. Ein schönes Wochenende wünscht Amadé
Cosima (14.07.2007, 20:47): Hallo Amadé,
ganz herzlichen Dank für die Schilderung dieses Klavierabends! Ich freue mich immer sehr, Menschen zu begegnen, die mir Ihre Eindrücke schildern mögen. So versuche ich, mein Richter-Bild mehr und mehr zu vervollständigen. Es ist so schade, dass ich ihn selber nicht mehr erlebte und dass es kaum Mitschnitte seiner Konzerte auf Video oder DVD gibt.
Ja, mich fasziniert auch immer wieder, wie wandlungsfähig Richter war. Von ganz sensibel und zart bis donnernd und schier explodierend – seine Ausdrucksvielfalt ist enorm. Die Sinfonischen Etüden habe ich natürlich auch auf CD. Ich liebe sie sehr, sowohl das Werk selber als auch Richters Interpretation.
Die Aufnahmen, die ab oben nannte, würde ich (neben vielen anderen, die ich hier schon gelegentlich vorstellte) auch als meine liebsten Richter-CDs bezeichnen. Welche Aufnahmen würdest Du als seine gelungensten bezeichnen?
Ich wünsche auch ein schönes Wochenende!
Gruß, Cosima
reno (15.07.2007, 00:28): Hallo,
Ich habe mich vor kurzem hier extra angemeldet, weil ich auch mal was dazu sagen möchte. Für mich ist Richter der größte Pianist aller Zeiten, keine andere Interpretationen berühren mich so tief wie seine. Es ist einfach umwerfend, wieviel Seele in seiner Musik steckt. Er trifft damit genau meine Empfindungswelt. Ich habe ihn noch live erlebt in der Hamburger Musikhalle 1995, das war zu seinem 80. Geburtatag. Er spielte Haydn, es war grandios. Ich schrieb ihm daraufhin einen Brief und bekam von ihm sogar handschriftliche Antwort. Mein Brief hat ihn offensichtlich gerührt, das schrieb er mir jedenfalls. Ich werde ihn nie vergessen. Ich bin selbst Pianist und spiele zugegebenermaßen viele Werke in seiner Interpretation.
Viele Grüße von jemandem, der auch Richter heißt :wink
Amadé (15.07.2007, 10:24): Hallo Cosima,
Richter hat bekanntlich hunderte von Aufnahmen hinterlassen, die meisten von ihnen sind live-Aufnahmen, die ursprünglich nicht für eine Veröffentlichung vorgesehen waren. Auffallend ist, dass man bei von Richter interpretierten Werken Aufnahmen aus verschiedenen Lebensepochen begegnet. In den 50er und 60er-Jahren kamen sie überwiegend aus der UdSSR und "befreundeten" Staaten, u.a. aus Prag, das Label Praga hat vor Jahren eine 15 CD-Box mit hervorragenden live-Aufnahmen aus dieser Zeit herausgebracht, auf die ich nachdrücklich hinweisen möchte, auch wenn der Kaufpreis zunächst abschreckend erscheint. Später traten "westliche" Aufnahmen dazu. In seinen letzten Jahren spielte er überwiegend in Italien und Deutschland. Decca und Live Classics haben vieles mitgeschnitten und uns zugänglich gemacht. Hier nun meine Richter-Favoriten: Mozart: KLavierkonzert d-moll KV 466 DGG Beethoven: Klaviersonaten op.13, op.14 Nr.1, op.26, op.31 Nr.2, op.57, op.111, Diabelli-Variationen, Variationen F-dur op.34, Violinsonaten Nr.4 und 5 mit Oleg Kagan Schubert: Klaviersonate a-moll D.845 op.42, c-moll D.958. Die B-dur Sonate ist mit Richter sehr interessant, aber ich möchte sie aufgrund ihres sehr langsamen Tempos nur selten hören, da ist mir z.B. Schnabel viel lieber, oder auch Curzon. Schumann: Papillons op.2, Fantasiestücke op.12 (er hat nicht alle 8 Stücke gespielt), Fantasie C-dur op.17, Sinfonische Etüden op.13, Waldszenen op.82, KLavierkonzert Chopin: Scherzo h-moll op.20, Preludes op.28 (Auswahl), Nocturnes op.15 Nr.1 und 2 Liszt: KLavierkonzerte, späte Stücke Brahms: 2. KLavierkonzert, Sonaten Nr. 1 und 2. Kennst Du meine Homepage? Da findest Du einige der genannten Werke im Vergleich mit anderen Interpreten. Gruß Amadé
Cosima (15.07.2007, 14:54): Hallo Amadé,
Original von Amadé u.a. aus Prag, das Label Praga hat vor Jahren eine 15 CD-Box mit hervorragenden live-Aufnahmen aus dieser Zeit herausgebracht, auf die ich nachdrücklich hinweisen möchte, auch wenn der Kaufpreis zunächst abschreckend erscheint.
Genau diese Box ist es, auf deren Wieder-Veröffentlichung ich schon lange warte. Ich hatte gehofft, dass sich gerade in diesem Jahr (10 Jahre nach Richters Tod) etwas tun würde. Na ja, ich hoffe noch immer.
Bei der Auflistung Deiner favorisierten Richter-Aufnahmen fällt mir auf, dass Du D.960 gar nicht nennst. Dies ist die einzige Aufnahme, die ich aus eben o.g. Prag-Box besitze. Ich finde sie grandios! (Auf die anderen Punkte werde ich noch gelegentlich eingehen. Heute ist es zu heiß...)
Danke für den Hinweis auf Deine Homepage. Ich werde sie mir in Ruhe anschauen.
Gruß, Cosima
Rachmaninov (15.07.2007, 16:30): Original von reno Ich habe ihn noch live erlebt in der Hamburger Musikhalle 1995, das war zu seinem 80. Geburtatag. Er spielte Haydn, es war grandios. Ich schrieb ihm daraufhin einen Brief und bekam von ihm sogar handschriftliche Antwort. Mein Brief hat ihn offensichtlich gerührt, das schrieb er mir jedenfalls. Ich werde ihn nie vergessen. Ich bin selbst Pianist und spiele zugegebenermaßen viele Werke in seiner Interpretation.
@Reno,
das klingt alles sehr bewegend! Sicherlich eine unglaubliche Erfahrung :down
AcomA (15.07.2007, 19:16): hallo reno,
Hallo,
Ich habe mich vor kurzem hier extra angemeldet, weil ich auch mal was dazu sagen möchte. Für mich ist Richter der größte Pianist aller Zeiten, keine andere Interpretationen berühren mich so tief wie seine. Es ist einfach umwerfend, wieviel Seele in seiner Musik steckt. Er trifft damit genau meine Empfindungswelt. Ich habe ihn noch live erlebt in der Hamburger Musikhalle 1995, das war zu seinem 80. Geburtatag. Er spielte Haydn, es war grandios. Ich schrieb ihm daraufhin einen Brief und bekam von ihm sogar handschriftliche Antwort. Mein Brief hat ihn offensichtlich gerührt, das schrieb er mir jedenfalls. Ich werde ihn nie vergessen. Ich bin selbst Pianist und spiele zugegebenermaßen viele Werke in seiner Interpretation.
Viele Grüße von jemandem, der auch Richter heißt
ich hatte mal einen klassenkameraden und freund, der auch Richter hieß. er spielte sehr gut klavier und wir schenkten ihm zum geburtstag die LP mit dem tschaikowsky-konzert in der aufnahme mit karajan. wie auch immer, ich zumindest würde niemals sviatoslav den größten pianisten aller zeiten nennen ! garrick Ohlsson dürfte von der körpergröße noch größer gewesen sein. aber s. richter war einer der größten seiner zunft. IMO waren seine interpretationen des schumann-konzertes und der beethovenkonzerte nicht überragend, seine chopininterpretationen waren durchschnittlich sehr schwerfällig und ohne die erforderliche eleganz bei der phrasierung. sein später beethoven war sehr gut, aber die detailarbeit war nicht gut, und IMO fehlte der große zusammenhalt der form im gegensatz zu interpretationen beim mittleren und frühen beethoven.
gruß, siamak
ab (16.07.2007, 11:35): Original von AcomA ich zumindest würde niemals sviatoslav den größten pianisten aller zeiten nennen
IMO waren seine interpretationen des schumann-konzertes und der beethovenkonzerte nicht überragend,
Es wude ja nicht behauptet, dass er interpreatatorisch der rundum überzeugenste Piansit aller Zeiten gewesen sei, sondern, dass er es wie kaum ein anderer es schaffte, durch seine Interpretationen zu berühren (sofern man sich davon überhaupt berühren lässt). Ich habe an anderer Stelle - wel ich dieses Urteil teile - statt von dem "größten", daher lieber vom Piansiten mit der größte "Tiefe" in seinem Spiel gesprochen.
Auf welche Aufnahmen beziehst Du dich denn bei Deinem Urteil zum Schumann- und Beethoven-Konzert, jene bei der DG? Bei diesen beiden könnte ich Dir durchaus zustimmen. Doch: Höre einmal den Schumann gemeinsam mit Alexander Gauk und den Beethoven mit Hermann Abendroth an (gerade jüngst wieder wohlfeil zusammen veröffentlicht.)
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9276138.jpg
Cosima (16.07.2007, 16:10): Original von ab Höre einmal den Schumann gemeinsam mit Alexander Gauk und den Beethoven mit Hermann Abendroth an
Interpretatorisch sind die beiden Aufnahmen wirklich gut (der Schumann könnte noch ein klein wenig poetischer sein). Über die Klangqualität und die Orchesterbegleitung schweigt man besser.
Kennt jemand diese Aufnahme des Schumann-Konzertes: Richter / Muti, Wiener Philharmoniker, Salzburg, 17. Aug. 1972 - De Agostini FS96 CD 01 ? Die fehlt mir nämlich noch.
ich gehöre wohl eher zu jenen Menschen, die Richter mit seinem Spiel nicht oder eher weniger erreicht. Mich begeisert er kaum, und eigentlich immer weniger. Glaube er "polarisiert" sehr stark mit seinen Interpretationen...
AcomA (16.07.2007, 19:03): lieber ab,
ja, ich beziehe mich auf die aufnahmen der DG aber auch der EMI. aber kann denn sviatoslav richter nicht einfach einer der großartigsten pianisten sein ?
und der ausdruck der tiefe bezgl. interpretationen ist ein typisch deutscher. was bedeutet tiefe ? wer bestimmt das ? vielleicht dachte ein künstler wärend des spiels nicht an das tiefe sondern gerade daran, dass das essen heute nicht gut war, wer will das wissen ?
gruß, siamak :)
ab (17.07.2007, 11:09): Original von Cosima Kennt jemand diese Aufnahme des Schumann-Konzertes: Richter / Muti, Wiener Philharmoniker, Salzburg, 17. Aug. 1972 - De Agostini FS96 CD 01 ? Die fehlt mir nämlich noch.
Gruß, Cosima
Ich hörte zwei Sätze daraus von Jahren am Weihnachtstag im Radio gespielt, irrtümlich in der festen Meinung, dass Karajan der Dirigent gewesen sei. Damals war ich fasziniert, weil anders als in den Karajan-Dirigaten sonst, mir der Solist nicht so gebremst vorkam. Ich vermute, dass es einen Grund hat, weshalb dies Aufnahme bei uns (zB bei Orfeo) nie veröffentlich worden ist: Es wird ihnen wohl einiges "passiert" sein. Genaueres kann ich aber leider nicht sage, weil mir leider in Italien nie die De Agostini-CD in Händen gefallen ist (ein heißer Anwärter auf den ersten Platz für unseren thread über die hässlichsten Covers!)
Ich kenne aber auch nicht die EMI-Aufnahme mit Lovro von Matacic. Wie ist denn die im Vergleich zu Gaug bzw. Rowicki? Danke!
ab (17.07.2007, 11:25): Original von AcomA lieber ab,
ja, ich beziehe mich auf die aufnahmen der DG aber auch der EMI. aber kann denn sviatoslav richter nicht einfach einer der großartigsten pianisten sein ?
und der ausdruck der tiefe bezgl. interpretationen ist ein typisch deutscher. was bedeutet tiefe ? wer bestimmt das ? vielleicht dachte ein künstler wärend des spiels nicht an das tiefe sondern gerade daran, dass das essen heute nicht gut war, wer will das wissen ?
gruß, siamak :)
Womöglich möchte man für einen Kandidaten auf den Anwärter der Auszeichnung "einer der großartigsten pianisten" jemanden, der ein umfassenderes Programm als Richter gepflegt hat und in jedem dieser Bereiche großartiges leistet, und zwar nicht nur in Hinblick darauf, was er für Wirkung erreichen kann, sondern auch, wie sehr er die (mutmaßlichen) Intentionen des Komponisten verwirklicht.
Was den Begriff der "Tiefe" betrifft, so muss man wohl nicht viele Worte machen, sondern es genügt, auf klare Beispiele zu verweisen: Vergleiche den musikalischen Ausdruck der Aufnahmen Richters, etwa von Prokofiev, mir jender eines trockenen Glemser; oder von Beethoven mit einem sterilen Korstick. Das ist doch wohl ohrenfällig genug, oder?
Wer das bestimmt? Nun, das Erklingende selbst: man kann es hören und von anderen Aufnahmen leicht unterscheiden. (Natürlich wird es stets Randinterpretationen geben, wo die eine meint, es habe keine Tiefe und der andere hingegen beteuert, es sei musikalisch tief. Im gewissen Grade ist dies ein unscharfer Begriff. Das heißt aber niemals, dass es keine klaren Fälle gäbe. Abgesehen davon können wir uns stets irren und bloß auf unseren eigenen Geschmack hereinfallen, und so zu einem falschen Urteil kommen.)
Was soll da das Problem sein?
AcomA (17.07.2007, 17:05): lieber ab,
ich behaupte, es gibt keine klaren fälle von tiefe ! jedes gehör verarbeitet über die hörbahn und die heschlschen querwindungen etwas anders. die verarbeitung in den sekundär- und tertiärfeldern ist dann individuell spezifisch. es gibt auch leute, und das nicht wenige, die behaupten, richters spiel wäre gefühllos und grobschlächtig.
bei alfred brendel scheiden sich auch die geister ! und so fort. glemsers einspielungen empfinde ich nicht als steril, im gegenteil. auch sein prokofiev ist IMO beseelt.
übrigens, die l. matacic-aufnahme des grieg und schumann-konzertes gehört IMO zum unbeselltetsten und unmusikalischten, was ich je hörte !
gruß, siamak
Cosima (17.07.2007, 17:12): Original von ab Ich kenne aber auch nicht die EMI-Aufnahme mit Lovro von Matacic. Wie ist denn die im Vergleich zu Gaug bzw. Rowicki? Danke!
Aus der Erinnerung würde ich sagen, dass die EMI-Aufnahme die kraftvollste ist. Man muss natürlich Schumann so energiegeladen gespielt mögen, um überhaupt Gefallen daran zu finden. Ich selber höre das Schumann-Konzert gerne etwas weicher, zarter, runder… Teilweise klingt es zudem lieblos heruntergespielt, leider.
Richter selber war mit der Aufnahme nicht zufrieden, er schrieb (nachzulesen in Monsaingeons Buch): „I can’t quite put my finger on exactly what’s missing, but, whatever it is, it’s something essential, something poetical…“
Recht hat er.
Gruß, Cosima
Cosima (17.07.2007, 17:19): Original von ab Es wude ja nicht behauptet, dass er interpreatatorisch der rundum überzeugenste Piansit aller Zeiten gewesen sei, sondern, dass er es wie kaum ein anderer es schaffte, durch seine Interpretationen zu berühren (sofern man sich davon überhaupt berühren lässt). Ich habe an anderer Stelle - wel ich dieses Urteil teile - statt von dem "größten", daher lieber vom Piansiten mit der größte "Tiefe" in seinem Spiel gesprochen.
Ich stimme Dir absolut zu, ab. Aber ich denke, es hat keinen Sinn, dies weiter zu beleuchten. Die inneren Antennen sind halt bei den Menschen unterschiedlich ausgerichtet.
Gruß, Cosima :)
ab (17.07.2007, 17:57): Original von AcomA l jedes gehör verarbeitet über die hörbahn und die heschlschen querwindungen etwas anders.
No na, natürlich sieht auch jeder (vermutlich) etwas anderes, wenn er vor der Mona Lisa steht. Das ist unbestritten. Daraus folgt aber nicht, dass wir nicht dennoch zu übereistimmenden Urteilen kommen können, zB wo das Gemälde "grün" und wo "gelb" ist. Es gibt einfach Sprachkonventionen, die von kompetenten Sprechern, sofern sie keinen Wahrnehmungsdefizit wie Farbenblindheit haben, geteilt werden. Und so ist es auch bei den expressiven Qualitäten von Musik. Wir lernen dieses Prädikate anzuwenden, indem wir auf Fälle davon verweisen. Nicht selben kommt es deshalb zu unterscheidlich (scheinenden) Urteilen, weil wir die Begriffe etwas anders verwenden. Doch mit den richtigen Beispielen, können wir dies gewöhnlich (mit der zeit) ausräumen.
ab (17.07.2007, 18:01): Original von Cosima [ Die inneren Antennen sind halt bei den Menschen unterschiedlich ausgerichtet.
so sehe ich das auch! Dies setzt aber gerade voraus, dass es etwas - wie etwa die "Tiefe" einer Interpretation - gibt, auf die man ausgerichtet sein könnte, wenn man nur die Antene danach richten würde/könnte.
AcomA (17.07.2007, 19:43): lieber ab,
ich finde deine ausführungen äußerst arrogant und teilweise auch widersprüchlich. wie kannst du entscheiden oder wissen, wer welche art von antenne besitzt oder wie fühlt, wenn er etwas hört ? deiner meinung nach sollen wohl nur diejenigen sich äußern, welche genauso so wie du empfinden, oder es sollen nur die beispiele genannt werden, welche deine ansichten untermauern oder angeblich untermauern.
davon ganz abgesehen, so ist es alleine schon von der physiologie her unmöglich, die farbe gelb mit der hörempfindung einer sog. 'tiefe' zu vergleichen.
gruß, siamak
Cosima (17.07.2007, 21:14): Lieber Siamak,
ich entdecke bei Dir auch einen Widerspruch. Zuerst schreibst Du:
„und der ausdruck der tiefe bezgl. interpretationen ist ein typisch deutscher. was bedeutet tiefe ? wer bestimmt das ?“
Und dann bestimmst genau Du für Dich, wo 'Tiefe' für Dich nicht spürbar ist:
„übrigens, die l. matacic-aufnahme des grieg und schumann-konzertes gehört IMO zum unbeselltetsten und unmusikalischten, was ich je hörte !“
Du nennst es 'unbeseelt'. Aber ich denke, dass man 'Seele' mit 'Tiefe' durchaus gleichsetzen kann. Oder was wäre 'tiefer' als die Seele?
Gruß, Cosima :)
ab (18.07.2007, 00:21): Original von AcomA lieber ab,
ich finde deine ausführungen äußerst arrogant und teilweise auch widersprüchlich. wie kannst du entscheiden oder wissen, wer welche art von antenne besitzt oder wie fühlt, wenn er etwas hört ? deiner meinung nach sollen wohl nur diejenigen sich äußern, welche genauso so wie du empfinden, oder es sollen nur die beispiele genannt werden, welche deine ansichten untermauern oder angeblich untermauern.
davon ganz abgesehen, so ist es alleine schon von der physiologie her unmöglich, die farbe gelb mit der hörempfindung einer sog. 'tiefe' zu vergleichen.
gruß, siamak
Lieber Siamak,
es tut mir leid, diesen Eindruck bei Dir erweckt zu haben. Sei versichert, nichts liegt mir ferner als Arroganz. Auch kann ich die Widersprüchlichkeit leider nicht entdecken, wohl aber ein Missverständnis: Es geht mir nicht im geringsten darum, wie oder was eine Person fühlt, wenn sie etwas hört. Musik, um ein anderes Beispiel zu bemühen, kann zB traurig klingen, auch wenn weder der Komponist beim Komponieren traurig war, noch der Musiker bei der Aufführung traurig ist noch die Hörerin im Auditorium traurig wird, sondern viel mehr begeistert von dieser Anmutungsqualität.
Worum es mir geht, ist dass die Musik eine hörbaren Charakter aufweist, für den wir ein Wort finden können und uns darüber austauschen können. Nenne es "Tiefe" oder anders, wichtig ist nur, dass wir dieses Ausdrucksmoment hören , und von anderen Ausdrucksmomenten bei anderer Musik unterscheiden können.
Welches Problem Du bzgl. den "Antennen" hast, weiß ich nicht. Gemeint habe ich folgendes: Ist etwa eine Hauswand mit einem "schreienden Rot" bemalt, so kann ich dies entweder übersehen, oder sozusgen trocken konstatieren oder aber mich auf das Schreiende des Rots einlassen. Im letzten Falle würde ich sagen, dass die Betrachterin "die Antennen besitzt". Solches kennen wir doch alle!
Ich beipielsweise habe leider keine richtigen Antennen für die Tiefe des Ausdrucks von Shlomo Mintz zu seinen Höhezeiten in den 80ern. Ich bedauere es sehr!
Wie kann ich wisse, ob jemand Antennen für jemandes Interpetation hat? Nun, indem ich nachfrage und eine Antwort bekomme. Wie denn sonst?
wenn du etwas als tief dargeboten empfindest, dann ist es wunderbar und für dich in jedem falle richtig. genauso wird es hörer geben, die diese darbietung ihrer meinung nach nicht als tief empfinden. aus diesem grunde bin ich dem ausdruck der tiefe eher skeptisch gegenüber eingestellt. natürlich verstehe ich was ab meint, auch mit charakter.
daher versuche ich primär, mich an für andere objektivierbaren kriterien festzuhalten und diese zu beschreiben, was schwierig genug ist. horowitz z.b. war der ansicht, das emil gilels sehr kalt und maschinistisch spielen würde. arthur rubinstein sah das genau anders. ich persönlich schliesse mich rubinsteins meinung über gilels an.
die tiefe an s. richters spiel und letztlich gesamterscheinung setzt sich wohl IMO zusammen aus seinem bescheidenen charakter und seine sehr spontan-emotionale art des klavierspiels zusammen. dabei vernachlässigt er eher details und konzentriert sich auf die wesentlichen strukturen.
nun war ich ja nach Cosimas beurteilung selbst reingefallen, da ich von nicht beseeltem vortrag bei der matacic-aufnahme schrieb. was objektivierbar ist, s. richter und auch das orchester beachten viele der anweisungen des komponisten nicht, die dynamische bandbreite ist extrem gering, es schlichen sich erhebliche manualtechnische 'schlampigkeiten ein. also rundum eine schlechte darbietung eines weltklasse-künstlers.
gruß, siamak :)
ab (18.07.2007, 18:24): Original von AcomA lhorowitz z.b. war der ansicht, das emil gilels sehr kalt und maschinistisch spielen würde. arthur rubinstein sah das genau anders.
Der erste bezog sich auch auf die ersten Jahre, de zweite auf seine folgenden!
ab schrieb: Insbs. von der Nr. 2 ist der letzte Satz ist der reine Wahnsinn an Geschwindigkeit, Gestaltung und Ausdruck!
Ja, gigantisch schnell und gigantisch gut gespielt! :down
Ich habe mit der 1994-er Aufnahme (Live Classics) verglichen. Eigentlich sollte man sie nicht vergleichen, weil immerhin fast 30 Jahre dazwischen liegen, aber der Unterschied ist enorm: Natürlich war Richter auch nicht mehr so schnell wie damals, aber auch was die Ausdruckskraft angeht liegen Welten dazwischen.
Dies auf das Alter zu schieben, wäre aber nicht richtig, denn ich habe mit einer weiteren Aufnahme aus früheren Jahren (1950, ANKH) verglichen. Hier brauchte Richter nur 3 Sekunden länger, erreicht aber auch nicht jene Tiefe und Gestaltungskraft wie auf der Praga-Aufnahme. 1950 klingt er eher gehetzt und wütend.
Es existieren noch weitere Aufnahmen, u.a. aus Toronto auf dieser Video-Kassette (1964). Die hätte ich furchtbar gerne und warte auf den Tag, an dem sie endlich auf DVD erscheint.
es kommt nicht nur darauf an, sehr schnell zu spielen. es kommt auf das setzen der akzente, die spiellust als solche an. sehr beeindruckend sind hier auch die studio-einspielungen von emil gilels, lazar berman und vladimir ovshinikov !
gruß, siamak
ab (26.07.2007, 12:04): Original von Cosima Ich habe mit der 1994-er Aufnahme (Live Classics) verglichen. Eigentlich sollte man sie nicht vergleichen, weil immerhin fast 30 Jahre dazwischen liegen, aber der Unterschied ist enorm: Natürlich war Richter auch nicht mehr so schnell wie damals, aber auch was die Ausdruckskraft angeht liegen Welten dazwischen.
Wie ist das zu verstehen? Welche der beiden findest Du "ausdrucksstärker", und in welcher Hinsicht? (ich teile jedenfalls die Ansicht, dass der Ausdruck der beiden für eine und denselben Interpreten wohl kaum größer sein könnte...)
Jedenfalls trifft das von siamak Eingemahnte voll und ganz auf die Prager Aufnahme zu: Überragend ist bei Richter trotz des Tempos "das setzen der akzente" sowie "die spiellust als solche".
Cosima (26.07.2007, 16:43): Original von ab Jedenfalls trifft das von siamak Eingemahnte voll und ganz auf die Prager Aufnahme zu: Überragend ist bei Richter trotz des Tempos "das setzen der akzente" sowie "die spiellust als solche".
Da habe ich mich wohl etwas unklar ausgedrückt, aber ich meine es genau so wie Du oben schriebst. Die Prager-Aufnahme ist für mich in jeder Hinsicht nahezu perfekt. Und ich wollte sagen, dass dies eben nicht allein eine Frage des Tempos ist, denn hier ist die 1950-er Aufnahme fast ebenbürtig. Die 1994-er Aufnahme stellt mich von den dreien am wenigsten zufrieden.
Gruß, Cosima
ab (26.07.2007, 22:40): Original von Cosima Original von ab Jedenfalls trifft das von siamak Eingemahnte voll und ganz auf die Prager Aufnahme zu: Überragend ist bei Richter trotz des Tempos "das setzen der akzente" sowie "die spiellust als solche".
Da habe ich mich wohl etwas unklar ausgedrückt, aber ich meine es genau so wie Du oben schriebst. Die Prager-Aufnahme ist für mich in jeder Hinsicht nahezu perfekt. Die 1994-er Aufnahme stellt mich von den dreien am wenigsten zufrieden.
Ich liebe nämlich die 94er besonders ob des typischen tiefen (alters-)Ausdruck von Richter.
reno (01.08.2007, 13:10): Gibt es denn eigentlich eine Aufnahme mit Richter und der Liszt'schen Etude d'exécution Transcendante 4 (Mazeppa) ?
Amadé (01.08.2007, 14:54): Hallo Reno,
wie bekannt war Richter sehr wählerisch. Mir ist nicht bekannt, dass er die Mazeppa-Etüde eingespielt hat. Andere Etüden aus dieser Sammlung gibt es sehr wohl, manche in mehreren Einspielungen, alles live-Mitschnitte. Bei Philips Nr. 1-3, 5, 7, 8, 10 und 11 (1988), Nr. 5 und 11 (1958) bei Praga Nr. 1-3, 5 und 11 (1956) bei RCA NR. 11
Gruß Amadé
ab (01.08.2007, 16:48): Original von reno Gibt es denn eigentlich eine Aufnahme mit Richter und der Liszt'schen Etude d'exécution Transcendante 4 (Mazeppa) ?
Laut dieser Discographie hat er die Nr. 4 nicht eingespielt:
Ich möchte nur daran erinnern, dass dieser wundervolle Mensch und großartige Künstler heute vor 10 Jahren verstarb.
Mir bedeutet er sehr viel!
:engel
nikolaus (01.08.2007, 21:21): Original von Cosima http://www.jacquesleiser.com/UserFiles/Image/pics/Richter-profile.jpg
Ich möchte nur daran erinnern, dass dieser wundervolle Mensch und großartige Künstler heute vor 10 Jahren verstarb.
Mir bedeutet er sehr viel!
:engel
Deine Worte rühren mich richtig. Ich finde es sehr schön, wenn ein Künstler einen Menschen so tief bewegen kann :down! Daher wünsche ich dir einen besinnlichen Abend im Gedenken an IHN!
Nikolaus.
reno (01.08.2007, 21:48): Original von Cosima
Mir bedeutet er sehr viel!
richtig, mir auch
Amadé (02.08.2007, 00:01): Ich habe den (genauen) Todestag vergessen, aber ich kann mich noch genau erinnern, wie die Todesnachricht im Radio gesendet wurde. Ich befand mich im Urlaub im Tennengebirge - schlechtes Wetter - und hörte im Radio die Tristan-Übertragung aus Bayreuth, in der Pause kam dann die Nachricht, ich war betroffen, da ich Richter sehr schätzte und ihn auch live erlebt hatte. Richter besuchte auch in den 50er Jahren mit seiner Mutter, sie lebte damals in oder in der Nähe von Stuttgart, die Bayreuther Festspiele. Ich habe noch irgendwo ein Bild, auf dem beide in der Pause ums Festspielhaus wandeln.
Grüße Amadé
reno (02.08.2007, 13:08): Sagt mal, wo kann man denn die 7 CD's (oder wieviele es sind) aus der Melodya-Serie bekommen? Suche schon ewig danach. Bei Amazon z.b. bin ich nicht fündig geworden. Ich meine diese CD-Serie hier:
Rachmaninov (02.08.2007, 13:11): Original von reno Sagt mal, wo kann man denn die 7 CD's (oder wieviele es sind) aus der Melodya-Serie bekommen? Suche schon ewig danach. Bei Amazon z.b. bin ich nicht fündig geworden. Ich meine diese CD-Serie hier:
Sonata in B minor, S. 178 Funerailles, from S. 154 Transcendental Etudes, S. 139, no. 1, 2, 3, 5, 7, 8, 10, 11 (rec. S. 178 Carnegie Hall, New York, 18 May 1965; S. 154 Budapest, 11 February 1958; S. 139 Moscow, 1956. ADD) PALEXA CD-0537
Diese Aufnahme vom 18. Mai 1965 aus der Carnegie Hall gilt als Richters stärkste Deutung der h-Moll-Sonate von Liszt. Ich kenne die 1965-er Aufnahme aus Moskau (Brilliant) und jene aus Aldeburgh, 1966 (BBC Legends). Sie sind m.E. beide gut, stellen aber nicht eine so gewaltige Leistung dar, wie sie Richter in der Carnegie Hall vollbrachte!
Diese Interpretation ist extrem, im positiven Sinne und in jeder Beziehung: Sie ist furios und virtuos in den schnellen, tief verinnerlicht und würdevoll in den langsamen Passagen, wobei es teilweise zum Herzstillstand kommt. Richter demonstriert Kraft und Energie, nimmt sich dann wieder ganz zurück, spielt zart und voller Leichtigkeit.
Faszinierend ist für mich dabei, dass diese Gegensätze in seinem Klavierspiel sich nicht ausschließen, sondern sich zu einem harmonischen Ganzen formen. Sie fließen ganz natürlich ineinander über. Grandios ist auch hier wieder Richters Gespür für die Struktur, den großen Zusammenhalt. Man (ich) kann gar nicht anders, als seinem Weg von den ersten Takten an zu folgen, so sicher und überzeugend wirkt er. Intellekt und Gefühl befinden sich in dieser Deutung in schönstem Einklang.
Und all das gelingt ihm, ohne die Details zu vernachlässigen. Im Gegenteil! Ach, man muss es gehört haben: Die herrlichen Klangfarben, das Abgründige, aber auch die Schwerelosigkeit usw. – diese Interpretation ist so wunderschön lebendig!
Er selber sagte über diese Aufnahme: „...it's one of my genuinely successful recordings. I myself enjoy listening to it, which is not that often.“
Ich kann nur sagen: Bravo! :down
Gruß, Cosima
ab (18.08.2007, 10:55): und der Rest auf der CD? Wie ist der?
Cosima (18.08.2007, 11:37): Original von ab und der Rest auf der CD? Wie ist der?
Der Rest ist sehr speziell, um es mal vorsichtig auszudrücken. :D
Im Booklet ist eine nette Anekdote zu lesen: Während eines Wettbewerbs spielte Richter einige der Liszt-Etüden. Wegen eines Stromausfalls im Saal musste er bei Kerzenlicht spielen. Die Kerze, die auf dem Klavier platziert war, wurde bei der Etüde „Wild Jagd“ von selbigem heruntergefegt. Das Publikum war jedoch hingerissen!
Du kannst Dir also in etwa vorstellen, wie die Etüden klingen. Aber schon sehr faszinierend...
Gruß, Cosima
Cosima (19.08.2007, 00:32): Richter spielt Schumanns Toccata:
http://www.youtube.com/watch?v=4Au_TBsyRAA
:down
Cosima (22.08.2007, 20:59): Original von ab Ich habe bloß die beiden anderen Aura-Mitschnitte mit Weber/Brahms/Prokofiev bekommen.(Die ich beide weniger lobe, insbesondere im Vergleich zu den Mitschnitte bei LiveClassics!)
Ich habe die CD (noch die alte Veröffentlichung von Ermitage, nicht die Aura-CD) kürzlich günstig ersteigern können. Es handelt sich um ein Konzert, das in Locarno am 8.9.1966 stattfand.
Richter spielte:
Carl Maria von Weber: Sonata No. 3
Johannes Brahms: Capriccio in C major Op. 76 No. 8 Intemezzo in E minor Op. 116 No. 5 Ballade in E minor Op.118 No. 3 Rapsody in E flat major Op. 119 No. 4
Sergei Prokofiev: Sonata No. 6 op. 82
Ich finde die Interpretationen ganz hervorragend! Die Weber-Sonate hört man ja nicht so häufig, ich kenne sie von keinem anderen Pianisten. Richter spielte sie öfter (ich habe noch einige andere Konzert-Mitschnitte davon). Ein schönes, eingängiges Werk, mit viel Dramatik und Leidenschaft interpretiert hier durch Richter. Ich mag diese Sonate sehr gern, vor allem der 3. Satz ist doch herrlich. - Auch die Prokofiev-Sonate ist fantastisch gespielt.
Und das Allerbeste: Die Klangqualität dieses Mitschnittes ist erstaunlich gut! Ich hatte wieder das Schlimmste erwartet und traute meinen Ohren kaum! Sogar das Publikum ist von Anfang bis Ende mucksmäuschenstill. Insgesamt eine ganz tolle CD (nicht nur für Richter-Fans… :) )
ab (22.08.2007, 22:51): Original von Cosima Die Weber-Sonate hört man ja nicht so häufig, ich kenne sie von keinem anderen Pianisten.
heißer Tipp: Emil Gilels! WEBER Klaviersonate Nr.2 in As-dur, Op.39 18/1/1968 - Leningrad - Live MELODIYA S 10-07387-88 (LP), MELODIYA/EURODISC 27626 KK (LP), MELODIYA/BMG BVCX-4063 (CD), MELODIYA/BMG 25179 2 (CD), PHILIPS 456 793-2 (2CD)
Cosima (06.10.2007, 23:33): Ich habe eben eine interessante Seite zu Richter entdeckt:
http://sviatoslavrichter.ru/
Sie ist in russischer Sprache, man kann sie jedoch mithilfe von Babelfish in leidliches Englisch übersetzen lassen. Großartig an der Seite sind erstens die vielen Live-Aufnahmen aus den 50-er Jahren, die man sich anhören kann (wie es scheint komplett, nicht nur die üblichen Hörschnipsel). Zweitens habe ich endlich gefunden, wonach ich schon lange suchte: Richter war ja künstlerisch als Maler auch recht aktiv. Ich wollte immer diese Bilder sehen – auf dieser Website sind sie nun zu bewundern, neben weiteren Richter-Bildern, die von anderen Künstlern stammen. So einen Richter würde ich mir auch an die Wand hängen. :engel
Gruß, Cosima
ab (10.10.2007, 21:09): Heute war im Radio ein interessante Beitrag über gewisse Probleme von jenen Menschen, die mit dem Absoluten Gehör gesegnet oder geschlagen sind. Ein Problem, so wurde berichtet, bestehe darin, dass gelegentlich im Alter diese Fähigkeit verloren ginge.
Einer der Sprechende war ein Klavierprofessor aus Graz, der berichtete in den 90ern häufig in Wien das Glück gehabt zu haben, Sviatoslav Richter bei seinen Konzerten umblättern zu dürfen. Dabei habe dieser ihm einmal berichtet, dass er deshalb nicht mehr auswendig spielen würden, weil er sich nicht mehr auf sein Absolutes Gehör verlassen könnte: Er würde inzwischen häufig einen Halbton tiefer alles erfassen was bei ihm zu Verwirrungen führen würde...
Cosima (24.10.2007, 21:05): Positiv überrascht war ich jüngst von dieser BBC Legends-Aufnahme:
Mozart Klavierkonzerte Nr. 22 und 27 (und KV 546) English Chamber Orchester / Benjamin Britten Live-Aufnahmen 1965 und 1967, Aldeburgh Festival
Sicherlich nicht jedermanns Sache, aber ich meine, dass Britten ein guter Mozart-Dirigent ist. Wie erwartet ist dies kein verzärtelter Mozart; Richter spielt kraftvoll, eher streng, aber mit großer Delikatesse. Beide Konzerte sind spannungsvoll interpretiert; die von Britten für Richter komponierten Kadenzen sind etwas irritierend, aber interessant. Gefällt mir insgesamt ganz ausgezeichnet!
Gruß, Cosima
Cosima (27.11.2007, 17:33): Zeit für einen Richter-Beitrag. :tongue:
Interessant ist die kürzlich erschienene BBC-Richter-CD wegen der Hüttenbrenner-Variationen, von denen es nur diese 1969-er Aufnahme aus Manchester gibt. Auch sehr hörenswert ist die Debussy-Zugabe (Cloches à travers les feuilles), die bislang noch nicht auf CD erschienen war. Faszinierender Debussy voller Klangfarbenreichtum. Die Schubert-Sonate D 784 und die Schumann-Fantasiestücke sind sehr gut gespielt.
Markus (23.03.2006, 00:40): OK, ist für die nächste Bestellung vorgemerkt... :leb
Gruß,
Markus.
Zelenka (27.03.2006, 11:48): Eine recht umfangreiche Diskographie findet man unter trovar.com/str/(eine auch in anderer Hinsicht sehr nützliche Website, englisch). Ziemlich erschöpfend ist Pete Taylor's Catalog: homepages.nildram.co.uk/~pandatay/setup.exe Die Benutzung mag etwas etwas gewöhnungsbedürftig sein, aber hier dürften praktisch alle Aufnahmen und Konzerte Richters zu finden sein.
Gruß,
Zelenka
Nochmals: Bitte keine direkten Links einführen! Danke Rachmaninov
enno-records (27.03.2006, 21:00): Hallo und vielen Dank, Zelenka! Das hilft mir sehr weiter...
Grüsse von enno
AcomA (29.03.2006, 00:08): hallo an alle fans von sviatoslav,
ich möchte heute einige erklärungen zu folgender doppel-cd (sicher kennt Cosima diese) der DG machen:
es ist ein kompendium von aufnahmen der deutschen grammophon, teilweise sogar live-mitschnitte, zwischen 1959 und 1965 entstanden. hier wird das gesamte armamentarium des neuhaus-schülers und 'spätberufenen' hörbar. es sind die ersten jahre seiner präsenz im westlichen kulturbetrieb.
js bach: sviatoslav richter hat seinen lebtag sich entschieden für den meister aller klassen eingesetzt. live aufgenommen sind hier vier präludien und fugen aus dem WTK I. und meine lieblingsepisode, präludium und fuge cis-moll BWV 849, ist darunter. schon das präludium lässt einem eine 'gänsehaut' entstehen. gleichmäßige kontrapunktische bewegungen der hände, melancholisch bis meditativ. dann die 5-stimmige fuge ! es ist die vervollkommnung des fugenstils. eigentlich eine doppelfuge, wo im weiteren verlauf sich die notenwerte halbieren und dadurch bewegung erzeugt wird. eine extreme vergeistigung und verdichtung. es klingt tatsächlich so, als würde man abheben und 'fliegen' :engel. sviatoslav spielt das stück genau mit der richtigen dosierung aus transparenz, klangmagie und drängen. kaum einer, der die bässe so akzentuiert, wie 'zwischenstationen'. eine echte alternative zur berühmten interpretation edwin fischers, der allerdings die besagten bässe oktaviert. richter kommt ohne diesen 'trick' aus. und das verklingen bzw. 'aushauchen' der coda, das macht keiner so zart. ich will nicht verschweigen, dass ich für die vor-abiturarbeit im dritten fach als hörprobe ein präludium und fuge aus dem WTK I mit sviatoslav richter bekam (auch hier zu hören, d-moll BWV 851). :down
joseph haydn: sonate g-moll HOB. XVI: 44. sviatoslav war der erste pianist von weltrang, der regelmäßig sonaten von 'papa' j. haydn auf das programm setzte. kraftvoll und straight forward interpretiert er diese werke. gerade in den mittelsätzen (die hier aufgeführte hat ausgerechnet nur zwei sätze :wink ) wirkt es bei richter dann meditativ. hier hat s. richter nachfolgende interpretengenerationen beeinflusst ! heute gehören haydn-sonaten zum standard.
frederic chopin: nun, ausgerechnet chopin. da ist richter nicht erste wahl. es fehlt die lässigkeit, die eleganz. aber dennoch, die polonaise-fantasie as-dur op.61, ein spätwerk, bringt richter großartig. ein für chopin eher untypisches werk. sehr fest strukturiert und mit fortschreitendem aufbau. es klingt fast wie bei spätem beethoven. richter ist ein meister des entwickelns aus einem atemzug !
robert schumann: abegg-variationen op.1. dieses werk ist im sog. brillianten stil geschrieben und offenbart motorischen sturm und drang. da ist richter referenz ! :engel die motorischen entladungen richters sind einmalig. auch in der toccata und der ersten novelette, welche nicht mit drauf sind.
sergei rachmaninov: wir wissen, dass seine aufnahmen des 2. konzertes referenzstatus (pianistischerseits) besitzen. IMO bestätigt er bei den hier gebotenen preludes diesen eindruck. op. 23 nr.2,4,5,7 und op.32 nr.2 und 12. für mich sind es die kraftvollsten und berauschendsten aufnahmen des alla marcia g-moll op.23 nr.5 und des allegro c-moll op.23 nr.7. und trotzdem hört man jede note, die ganze polymelodik. :down
sergei prokofiev: live, visions fugitives op.22 nr.3, 6, 9. hier brauch ich wohl nicht viel zu schreiben. er war mit prokofiev befreundet, die 9. sonate wurde ihm gewidmet, nachdem prokofiev ihn mit seinen werken hörte. motorischer drive, härte im zugriff und architektonische übersicht prädestinierten ihn für das prokofiev-spiel. 'seine 6. und 8. sonate sind referenz. :down
nun habe ich die estampes und einige preludes von debussy vergessen. hier zeigte richter, dass er auch mit klangdestillaten umzugehen wusste. vielleicht kein ABM oder gieseking, aber richtig versiert !
ich verneige mich vor diesem phänomen. so etwas wird es nicht mehr wieder geben. es bestätigt auch die these, dass die lebenserfahrung die kunst beeinflusst. und richter hatte ein schweres leben gehabt.
Rachmaninov (29.03.2006, 09:51): Meine irgendwo einmal gelesen zu haben, daß Richter Autodidakt war! Stimmt das?
AcomA (29.03.2006, 11:15): hallo Sergejewitsch,
sviatoslav erhielt in seiner frühen kindheit den ersten unterricht von seiner mutter, einer pianistin, und seinem vater, einem klavierlehrer. er ging zunächst nicht aufs konservatorium (odessa) sondern war von 1934 bis 1937 korrepetitor und kapellmeister an der oper in odessa. dort wurde sein pianistisches talent von heinrich neuhaus erkannt. anschließend studierte er sieben jahre lang am moskauer konservatorium bei neuhaus. insofern war er auch autodidakt.
gruß, siamak :)
Cosima (29.03.2006, 16:26): Lieber Siamak,
was für ein schöner Beitrag zu meinem Lieblings-Pianisten! Ich bin ganz gerührt und begeistert! :down
Ich muss mir glatt die CD noch einmal unter den von Dir genannten Gesichtspunkten anhören. Grandios ist sie allemal!
Herzlichen Dank!
Gruß, Cosima :)
AcomA (31.03.2006, 10:27): hallo,
es folgt die besprechung einer IMO legendären aufnahme dieses musikers:
die aufnahmequalität des rundfunkschnittes ist gut. etwas dumpf vielleicht. dieses recital hat mehrere besonderheiten. die webersche sonate ist eine rarität, erst recht im repertoire von super-pianisten. sie ist technisch schon sehr vertrackt, kaum einer kennt sie. lohnt sich der aufwand ? bei richter ja ! dann die klavierstücke des späten brahms, die häufig sehr verklärt und weltabgewandt interpretiert werden. zuletzt dann die brutale und extrem schwere 6. sonate prokofievs, die richter zur vollsten zufriedenheit des komponisten aufführte, so dass er ihm schließlich die 9. sonate komponierte und widmete. bei allen stücken präsentiert sich richter auf der höhe seines pianistischen könnens. richters kunst, mal abgesehen von seinen immensen technischen reserven, besteht in der entwicklung der stücke aus einem atem, was schon in oberen beiträgen dargelegt wurde. er interpretiert die stücke quasi mit dem adlerblick. die energien, welche er investiert führen zu wahren explosionen. die werke von brahms erstrahlen plötzlich in jugendlichem glanz. so vehemnt und technisch überlegen habe ich das op. 118,3 nicht mehr gehört. und der prokofiev bleibt in dieser darstellung immer noch referenz (neben der viel späteren aufnahme pogorelichs) !
gruß, siamak :engel
Cosima (31.03.2006, 14:27): Hallo Siamak,
Du gräbst ja interessante Sachen von Richter aus! Die Weber-Sonate finde ich auch sehr stark, kenne allerdings nur die Aufnahmen von 1954 und 1994, wobei ich die ältere noch besser finde. Manchmal zweifele ich schon daran, ob es ein kluger Entschluss war, Richter-Aufnahmen sammeln zu wollen. Das sind einfach viel zu viele. Mein Zwischenziel ist es, zumindest von jedem Werk, das Richter mal gespielt hat, wenigstens eine Aufnahme zu besitzen. Das alleine ist schon ein Riesen-Aufwand.
Gruß, Cosima
AcomA (31.03.2006, 16:17): liebe Cosima,
wenn du z.b. pogorelich-fan gewesen wärest, dann hättest du es mit dem sammeln einfacher gehabt :rofl
gruß, siamak :)
AcomA (01.04.2006, 01:19): hallo, hier wieder eine ausgrabung:
maurice ravel valses nobles et sentimentales miroirs
aura, DDD, aufn. (live) 05.06.1994
leider kein cover im netz verfügbar, daher dieses bild des späten richter
http://alenos.piranho.de/erbe/richter.jpg
bei dieser äußerlich sehr bescheidenen cd (bild im netz leider nicht verfügbar) handelt es sich um einen konzertmitschnitt aus lugano. nun gibt es eine unübersichtliche anzahl von richterschen konzertmitschnitten, auch aus seiner späten zeit. bei dieser performance handelt es sich doch um etwas ganz besonderes. wenn man berücksichtigt, dass richter hier auf yamaha spielt, ist es umso erstaunlicher.
der frühe richter dominierte, indem er mit unbändiger kraft, manchmal sogar zu viel schwung, triumphierte. der mittlere richter war ziemlich unbeständig. der späte richter wiederum (nach überstandener krankheitsphase) konzentrierte sich auf den strukturellen inhalt der werke, schnörkellos ! dieser späte richter wartet an diesem abend mit purem klangzauber auf. eine reichhaltige palette an farben, und große dynamische breite, gerade auch im pianissimo.
die drei lyrischen stücke griegs gehören nicht zu den bekannten. die harmonik mutet exotisch an und richter nutzt es voll aus. das motto des abends wird schon gelegt.
das dreiteilige werk francks wird gerne von virtuosen aufs programm gesetzt, da es durch den vollgriffigen satz die kirchenorgel auf dem flügel ersetzt und außerdem im prelude darlegt, warum viele franck für einen wegbereiter des impressionismus halten. richter konzentriert sich auf den klang. ich habe ihn noch nie so reichhaltig 'malen' gehört. das kann sich bestens vergleichen mit arthur rubinstein und ivan moravec.
und dann ravel ! ich erinnere mich einiger preludes und den estampes von debussy, wie richter sie in jüngeren jahren einspielte. geschmackvoll, aber es fehlten die leisen übergänge und ein schuss eleganz. nicht an dem abend in lugano. die valses nobles et sentimentales hat richter lange im repertoire gehabt. aber an diesem abend verbreitet richter feinstes parfum. auch hier absolut vergleichbar mit arthur rubinstein (der übrigens in jungen jahren zu den ersten gehörte, der dieses werk verbreitete. als das publikum sich einmal ablehnend verhielt, spielte er zur 'strafe' den zyklus noch einmal hinterher !). einschränkend könnte man lediglich sagen, dass das 'vif' des 6. stückes etwas zu gemächlich daherkommt (vgl. mit pogorelich).
der absolute höhepunkt sind die miroirs. das 'une barque sur l'ocean' wird dermaßen differenziert 'im wellengang' aufgebaut, dass man sofort ins träumen gerät. kenne kaum vergleichbares, phantastico ! merkwürdigerweise wurden im programm die letzten beiden stücke des zyklus nicht gedruckt. irritiert applaudierte das publikum nach der 'barque' nicht ! s. richter schloss 'alborada del gracioso' direkt an, dieses virtuosenstück. welch eine energie und trotzdem differenziert im anschlag. hiernach nun geriet das publikum in heftigen applaus und jubel, so dass richter sich erhob und verbeugte. danach ging es doch weiter mit dem letzten stück, 'la vallee des cloches', betörend, und das auf einem yamaha ! es gibt viele, die solche wirkungen auf dem japanischen instrument nicht für möglich hielten. dafür keine zugaben.
gruß, siamak :engel
Cosima (01.04.2006, 17:35): Original von AcomA leider kein cover im netz verfügbar...
Trotz der insgesamt bescheidenen Aufmachung der CD gefällt mir der Text im Booklet. Bekannt ist ja, dass Richter gerne vor kleinem Publikum spielte, aber wie er seine Auswahl traf, erzählt diese Anekdote:
„On another occasion, Richter (who preferred to travel in his Mercedes, never on superhighways, and never faster than 80 km/h) passed through Casalpusterlengo. He liked the name Casalpusterlengo so much that he wanted to play there.“
Typisch Richter… :)
Deiner Einschätzung der Aufnahme stimme ich zu.
Lieben Gruß, Cosima
AcomA (07.04.2006, 00:19): hallo,
es gibt aus der melodiya-cd reihe von richter eine cd, die ich zum besten dieses pianisten zähle !
alexander scriabin etüden op.2 nr.1; op.8 nr. 5,11; op.42 nr.2-6,8; op.65 nr.1-3 sonate nr.6 op.62
sviatoslav richter präsentiert einen scriabin, wie er eindringlicher nicht formuliert werden kann. sviatoslav singt polymelodisch im berühmten frühwerk des op.2 nr.1 und steht hierbei horowitz in nichts nach. gerade die bewegende basslinie kommt vorzüglich. mein kürzlich verstorbener alter freund und kollege nannte das gefühl, das sich in solchen situationen einstellt 'fliegen'. :engel der zuhörer möchte abheben. scriabin träumte vom fliegen ! es werden werke aus all seinen schaffensperioden geboten. die etüde cis-moll op.42 nr.5 (affanato) kommt so kräftig und drängend, wie ich es sonst nur noch von horowitz und andrei gawrilov gehört habe. :down die wehmütige kantilene der etüde b-moll op.8 nr.11 (andante cantabile) treibt einem die tränen in die augen, als ob sich alle erinnerungen in dieser zeit abbilden. richter, der erzähler. :B die 'vers la flamme'-stimmungen der op. >60 beschwören den flug gegen die sonne. ungeheuer intensiv, der zuhörer verbrennt sich wahrlich ! :S
bei den sonaten myaskovskys und prokofievs hört man durchgehend die erbarmungslose härte der zeit, das ganze leid des ehemals sowjetischen volkes, die qual und vernichtung, die ihm durch äußere aggressoren und interne unmenschen angetan wurde. richter spielt diese stimmungen voll aus, ultrahart. sein precipitato gehört zu den raschesten (argerich, pollini) und gleichzeitig transparentesten. hier spielt jemand als zeitzeuge !
gruß, siamak :engel
Cosima (08.04.2006, 18:25): Hallo allerseits,
ich darf mal zitieren, weil ich heute denk- und schreibfaul bin: (aus Kaiser, Große Pianisten)
„Richters großartigste Schumann-Aufnahme scheint mir die Humoreske op. 20. Sie fasziniert nicht nur durch selbstverständliche technische Brillanz, sondern auch durch Ausdrucksreichtum, lyrisches Leben und bezwingend intelligenten „Sturm“. Wenn Richter da auf den Polonaisenrhythmus zusteuert – Schumann schreibt vor: „Mit einigem Pomp“ -, ist ein großer Augenblick zeitgenössischen Klavierspiels erreicht, …“
Da ist sie:
http://www.wom.de/image/cover/front/0/7695135.jpg
Mit Dank an Siamak, der mit diesen Ball quasi zuspielte (und der eine viel schönere Kritik schreiben könnte als der olle Kaiser :)). Er hat sie ja heute gekauft und wird vielleicht noch von seinen Eindrücken berichten. Für mich eine wunderbare Aufnahme! Richter befolgt nicht nur perfekt die Vorschriften des Komponisten, er füllt sie mit sprudelndem Leben („Sehr rasch und leicht“), mit würdevoller Eile („Hastig“) und nonchalanter Anmut ("Adagio"); sein "Einfach und zart" driftet niemals ins Belanglose ab - im Gegenteil: es ist voll schlichter Zärtlichkeit.
Gruß, Cosima
P.S.: Die o.g. Scriabin-Aufnahme fehlt mir leider noch! Sie ist auch derzeit nirgends erhältlich, nicht mal gebraucht zu astronomischen Preisen.
Cosima (08.04.2006, 20:39): Eine hab' ich noch... :D
Dies hier nun: Britten, Klavierkonzert op. 13 (Russian Revelation) :down
http://www.beepworld.de/memberdateien/members86/bizbiz/brittensvetlanov.jpg Neben der o.g. Aufnahme gibt es noch zwei Einspielungen unter Britten (1967, 1970). In der 1970er-Aufnahme agiert nicht nur Richter zurückhaltender, auch das Orchester spielt mit angezogener Handbremse, in Richtung britisches Understatement halt. Alles wirkt eher gepflegt, handwerklich ordentlich, ein bisschen leblos. 1967 unter Swetlanow lässt Richter stellenweise den Pferden die Zügel frei, lässt richtig die Sau raus, klar und brillant! Die langsamen Stellen scheint er dagegen fast wie in Trance zu spielen.
Swetlanow steigert immer wieder bis zu einem gewissen Fast-Höhepunkt; immer wenn man meint, jetzt ginge es richtig los, nimmt er die Stimmung zurück. Um dann erneut zu steigern, aber von einem höheren Level aus! Das ist stellenweise fast unerträglich (im positiven Sinne), hat etwas sehr Erotisches! So wie Swetlanow und Richter das Konzert hier bringen, fährt es direkt in die Magengrube. Eine tolle Aufnahme, die ganz oben bei meinen Favoriten rangiert!
Gruß, Cosima
AcomA (08.04.2006, 20:48): liebe Cosima,
ich muss gestehen, ich mag das klavierkonzert brittens nicht sonderlich. ich habe es in einer klanglich durchaus guten aufnahme von arte nova mit einem saarländer pianisten leonardy, der eine ganz spektakuläre frisur hat ! :rofl wahrscheinlich wirst du mir raten, sviatoslav damit zu hören, zumal er ja mit britten viel zusammengearbeitet hat. und soll ich dir was sagen, das werde ich machen ! welche aufnahme empfiehlst du mir explizit ?(
gruß, siamak :)
Cosima (08.04.2006, 21:05): Lieber Siamak,
ich mochte das Britten-Konzert auch nicht sonderlich, nicht mal in der Richter-Aufnahme (also der unter Britten mit dem English Chamber Orchestra), die ich zuerst kennen lernte. Und dann der Ohren-Öffner unter Swetlanow! Nur die und sonst keine muss es sein! Du wirst aber nicht viel Glück haben, sie ist derzeit nicht zu bekommen. Ich schaue aber regelmäßig, ob es Wiederveröffentlichungen von Richter-Aufnahmen gibt – ich werde Dich informieren, wenn ich sie sehe. Sie ist umwerfend, wirklich!
Gruß, Cosima :)
ab (17.05.2006, 15:03): Hallo Peter,
viel überzeugender finde ich übrigens die Schumann-Konzert-Aufnahme, die Richter gemeinsam mit Alexander Gauk und dem Moskauer Radio Orchester aufgenommen hat (bei Andromeda oder multisonic ("Russian Treasures") erhältlich gewesen). Selbst den nie auf CD herausgebrachten Konzertmitschnitt des ORF gemeinsam mit Karajan von 1977 (?) halte ich für wesentlich gelungender als die DG-Aufnahme.
ab (17.05.2006, 15:07): Erstaunlicherweise halte ich diese beide Produktionen für so ziemlich das Sterilste, was Richter aufgenommen hat. Beim Dvorak-Konzert ziehe ich allemal den Konzertmitschnitt bei Praga mit dem Prager Sinfonieorchester unter Vaclav Semtacek von 1966 vor!
ab (17.05.2006, 15:35): Ich halte ja Richter für den tiefsten der Musiker des 20 Jahrunderst überhaupt!
Meine Lieblingsaufnahme von ihm ist sicherlich der Salzburger Konzertmittschnitt von 1977, nämlich der zweite Teil mit Werken von Debussy. Das gehört zu jenem, wofür es sich zu leben lohnt! (Orfo) Mehr als nur eine Inselplatte!
Mein Lieblings-Beethoven mit ihm ist eine CD, die ich als Abverkauf unter dem Titel: "Russian All Star Orchestra" in Händen bekommen habe: op. 2/3, op. 10/3 & op.49/1 alle aus der Leningrader Philharmonie, dier ersten beiden von 1960, die letze von 1965. Das Label heißt Icone (ICN - 9402 - 2
Ein Dokument der besonderen Art ist der Altersmitschnitt bei Stradivarius mit Lyrischen Stücken von Edvard Grieg: Beklemmendere Einsamkeit habe ich nie zuvor oder später gehört! (STR 33353).
Völlig unbegreiflich ist mir, dass keine einzige Aufnahme des Labels LiveClassics Out "Of the later years" genannt wurde. Die Konzertmitschnitte vom 16.5.1992 in München am Begräbnistag der von ihm so verehrten Marlene Dietrich und vor allem jener von 19.5.1994 aus Ludwigshafen sind einzigartige Dokumente musikalischer Tiefe.
Außerdem muss man unbedningt die Prokofiev-Sonate Nr. 2 vom 2.2.1965 aus Prag (Praga) gehört haben: der dritte Satz ist unglaublich! (buchstäblich!)
Entbehrlich sind eher seine Studioaufnahmen, insbesondere die bei Regis, nicht aber das Wohltemperierte Klavier!
Besonders interessant finde ich noch seine Schubert 960er Sonate vom 9.5.1957 (bei Preiserrecords.at): eine leidige Ende-des Krieges-Jubiläums-UdSSR-Verpflichtung von größter und für ihn ungewöhnlicher agogischer Freiheit! (Außerdem ein faszinierendes Beiwerk: Liszts Pensées des morts und Schumanns Fugen op.72!)
Gefällt euch eigentlich sein Chopin-Spiel auch so (natürlich nur relativ) wenig?
Cosima (17.05.2006, 16:53): Original von ab viel überzeugender finde ich übrigens die Schumann-Konzert-Aufnahme, die Richter gemeinsam mit Alexander Gauk und dem Moskauer Radio Orchester aufgenommen hat (bei Andromeda oder multisonic ("Russian Treasures") erhältlich gewesen).
Hallo ab,
ich denke, da würde ich Dir zustimmen. Die Aufnahme unter Matacic (EMI, 1975) ist für mich die schwächste. Besser schon jene unter Rowicki (DG, 1959). Die Einspielung unter Gauk (Andromeda, 1954) ist auch mein Favorit, auch was die Orchesterbegleitung anbelangt. Sie ist lebendiger und sprühender als die späteren Einspielungen, hat mehr Charme im Schumann'schen Sinne. .
Für Interessierte: Die Doppel-CD habe ich kürzlich noch für 6,99 Euro gesehen. Enthalten sind weiterhin: 3. Beethoven-, 2. Brahms- und 1. Tschaikowskij-Konzert. Die Aufnahmen sind alle aus 1950/1954, man muss also Abstriche bei der Klangqualität machen.
Gruß, Cosima
Cosima (17.05.2006, 17:09): Original von ab Ich halte ja Richter für den tiefsten der Musiker des 20 Jahrunderst überhaupt!
Hallo ab!
Da sagst Du etwas! Genau meine Rede. Wie gut, dass Du in diesem Forum aufgetaucht bist - ich freue mich! :)
Meine Lieblingsaufnahme von ihm ist sicherlich der Salzburger Konzertmittschnitt von 1977, nämlich der zweite Teil mit Werken von Debussy. Das gehört zu jenem, wofür es sich zu leben lohnt! (Orfo) Mehr als nur eine Inselplatte!
Ja, die Aufnahme besitze ich auch! Sie ist wirklich wunderbar! Und damit wäre wieder einmal bewiesen, dass die 70-er nicht durchweg zu Richters schwächsten Jahren gehören, wie Siamak immer so gerne betont. :)
Entbehrlich sind eher seine Studioaufnahmen, insbesondere die bei Regis, nicht aber das Wohltemperierte Klavier!
Ohne mit anderen Interpretationen vergleichen zu wollen: Die Schubert-Sonaten auf Regis finde ich schon gut, die Beethoven-Einspielungen durchweg schlechter (vor allem die Diabelli-Variationen). Die Schumann-CD (Regis) mit den Ètudes symphoniques und Bunte Blätter würde ich auch empfehlen. Das Wohltemperierte Klavier natürlich sowieso - ein echtes Highlight!
Gefällt euch eigentlich sein Chopin-Spiel auch so (natürlich nur relativ) wenig?
Richters Chopin höre ich zwar gerne, halte ihn aber dennoch nicht für einen großen Chopin-Interpreten. Am besten gefallen mir noch die vier Scherzi. Ein wenig fehlt mir insgesamt das Filigrane, Zarte und Empfindsame.
Gruß, Cosima
Cosima (17.05.2006, 17:17): Original von ab Erstaunlicherweise halte ich diese beide Produktionen für so ziemlich das Sterilste, was Richter aufgenommen hat. Beim Dvorak-Konzert ziehe ich allemal den Konzertmitschnitt bei Praga mit dem Prager Sinfonieorchester unter Vaclav Semtacek von 1966 vor!
Hallo ab,
Du meinst das Dvorák-Klavierkonzert unter Carlos Kleiber, nehme ich an. Steril vielleicht etwas, wenn man Richters sonstige Aufnahmen kennt - aber was für ein grandioses Zusammenspiel von Solist und Orchester und was für ein Dirigat von Kleiber! Nein, das ist schon eine wirklich hervorragende Aufnahme! Da haben zwei Giganten zusammengefunden und etwas Großes geschaffen! Das sage ich, obwohl ich das Klavierkonzert selber gar nicht mal zu meinen Favoriten zählen würde.
Gruß, Cosima
Cosima (25.05.2006, 11:42): Hallo,
ich habe mir einen groben Überblick über die Aufnahmen des 2. Brahms-Klavierkonzertes verschafft:
Kompromisslos, technisch großartig und kraftvoll gespielt von Richter, gute Orchesterbegleitung, die eher im Hintergrund stattfindet.
http://images-eu.amazon.com/images/P/B000023XYW.03.MZZZZZZZ.gif - Orchestre de Paris / Maazel, 24.-28. Okt. 1969
Besser gefällt mir Maazels Dirigat. Weniger diskret, dem Solisten dennoch Raum lassend, farbiger und temperamentvoller als unter Leinsdorf. Richter auch hier brillant, aber vielleicht nicht ganz so zwingend. Ich finde beide Aufnahmen überragend und mag mich nicht entscheiden, welcher ich den Vorzug gebe. Aber allein wegen der überwältigenden Schumann-Sonate sollte man diese CD unbedingt besitzen! :down
Im Einführungsbeitrag erwähnte ich es bereits: Richter selber sagt in seinen Gesprächen mit Bruno Monsaingeon, dass er die Aufnahme unter Maazel für besser halte als jene unter Leinsdorf, die allgemein eher als Referenz gehandelt wird.
http://www.wom.de/image/middle/front/0/9276138.jpg - Czech Philharmonic Orchestra / Kondrashin, 23. Mai 1950
Klangqualität erwartungsgemäß schlecht. Wirkt insgesamt etwas statisch. Im Vergleich eher lustlos interpretiert, kein rechter Vorwärtsdrang und keine rechte Geschlossenheit spürbar
Klang auch hier unterirdisch, zudem Live-Aufnahme. Eher so etwas wie ein „russischer Brahms“.
http://www.wom.de/image/middle/front/0/2691578.jpg - USSR State SO / Sanderling, 20. März 1951
Lustig ist, dass eine Dame etwas atemlos auf Russisch das Konzert ansagt, nach 30 Sekunden geht es dann endlich los. Klang ist gar nicht mal so schlecht, gemessen am Alter der Aufnahme. Leidenschaftliches, einfühlsames Dirigat unter Sanderling.
Fehlen noch die Einspielungen unter Munch, Georgescu, Rossi. Kennt die jemand von Euch?
Was meint Ihr? Zu Brahms und Richter im Allgemeinen und zu den einzelnen Aufnahmen im Besonderen? :)
Gruß, Cosima
ab (03.10.2006, 23:26): Ein Jammer, dass derzeit keine einzige Aufnahme Richters bei Aura erhältlich ist. Diesen Grieg/Frank/Ravel-Abend hätte ich gerne gehört!
Ich habe bloß die beiden anderen Aura-Mitschnitte mit Weber/Brahms/Prokofiev sowie Bach/Haydn/Debussy (1991-93) bekommen.(Die ich beide weniger lobe, insbesondere im Vergleich zu den Mitschnitte bei LiveClassics!)
Rachmaninov (12.02.2007, 15:26): Vor einigen Tagen hörte ich nochmal die Aufnahme von Prokofiev's 8. Klaviersonate in der DG Aufnahme mit S. Richter.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7948347.jpg
Es ist einfach eine Freude diese ungehemmte musikalische Erlebnisswelt eines S. Richters zu erleben.
Eine Freude dies zu hören und ein pianistisches Erlebnis.
Ein ganz großer Musiker :down
Cosima (01.07.2007, 12:14): Original von ab Ein Jammer, dass derzeit keine einzige Aufnahme Richters bei Aura erhältlich ist. Diesen Grieg/Frank/Ravel-Abend hätte ich gerne gehört!
Falls diese CD noch immer gesucht wird: Sie ist gelegentlich bei ebay zu finden, momentan hier:
ab (02.07.2007, 16:15): Original von Cosima Original von ab Ein Jammer, dass derzeit keine einzige Aufnahme Richters bei Aura erhältlich ist. Diesen Grieg/Frank/Ravel-Abend hätte ich gerne gehört!
Falls diese CD noch immer gesucht wird: Sie ist gelegentlich bei ebay zu finden, momentan hier:
Der Booklet-Text zu diesen Mitschnitten aus 1961, 1963 und 1967 (Royal Festival Hall, London und Maltings, Snape) stammt von Alexander Melnikov. Mir war bis dato gar nicht bekannt, dass Richter - als Förderer von Melnikov - diesen wiederholt zu seinem Festival in Tarussa, Russland, und zu seinem Kammermusikfestival in Tours, Frankreich, einlud. Entsprechend engagiert und bewegend ist der Text verfasst – sehr lesenswert.
Obwohl seine Liebe zu Chopin ihn ein ganzes Leben lang begleitete, gefallen mir Richters Chopin-Aufnahmen zumeist nicht sehr gut. Oftmals wirken seine Interpretationen zu grob, lassen die Verfeinerung, das Aristokratische und Emotionale vermissen.
Nicht so hier: Richter war bei diesen Konzerten in fantastischer Form. Sein Chopin ist sensibel und zart interpretiert, mit der für Richter so typischen (jenseitigen) Melancholie verfeinert. Auch wenn es hier und da ein paar Wendungen gibt, die mir seltsam erscheinen, meine ich, dass die auf dieser CD versammelten zu seinen besten Chopin-Aufnahmen gehören, die ich kenne.
Die noch größere Überraschung sind für mich die Debussy-Préludes. Aus Heft 1 fehlen leider 'La fille aux cheveux de lin' und 'Minstrels'. Den Grund hierfür kenne ich nicht.
Voller Klangfülle und Farbigkeit, vielfältig variierend im Anschlag verleiht Richter jedem der Préludes einen eigenen, ganz klaren Charakter. Er scheint ganz hinter das Werk zurück zu treten, so als würde er es aus einiger Distanz betrachten. Dadurch habe ich – als Hörerin – das Gefühl, dem Werk noch näher kommen zu können. Ich kann dieses Gefühl leider nur unzulänglich beschreiben, aber m.E. erweist sich Richter hier wieder einmal als glänzender Vermittler.
Die Klangqualität der Mitschnitte ist akzeptabel bis gut für Live-Verhältnisse.
Gruß, Cosima
ab (11.07.2007, 12:52): Liebe Cosima,
eine wunderbare Ausgabe, wahrlich! (Ich muss aber gestehen, bei dieser CD noch nicht einmal in den Chopin hinein gehört zu haben, weil ich nie über den Debussy hinauskomme.) Ich finde Deine Worte dazu sehr treffend, auch wenn vermutlich Frank dagegen einwenden würde, dass Richter zumindest an vielen Stellen garade kein "glänzender Vermittler" sei, weil es Debussy um anderen Ausdruck ginge als bei Riochter zu hören. Die Préludes II gefallen mir jedenfalls besser als die jener Auswahl, die bei Ermitage/Stradivarius zu hören ist.
Gratulation zu der DG-Aufnahme, die Du heute geschenkt bekommen hast: Es war die erste Richters, die in meinem Besitz gekommen ist, weil sie mir ein Freund und Klaviermusikliebhaber geschenkt hatte, woraufhin ich dadurch jene von den Salzburger Festspielen mit Debussy anhörte, und danach sozusagen von Richter infiziert war. Sonst kannte ich aus meiner Kindheit nur das Tchaikovisky-Klavierkonzert mir Mravinsky, dessen markiger Anfang für mich nach wie vor unübertroffen bleibt - obwohl mir lange Zeit eigentlich Richter ganz gegen meinen Geschmack gegangen ist.
Weißt Du eigentlich genaueres zu der neuen Doppel-CD-Serie von Philips und Decca? Dies sind überwiegend späte Aufnahmen von Richter. Aus dem Internet kann ich aber nirgends eruieren, welche Aufnahmen sich zuvor auf welcher CD befunden haben. Kannst Du mir genaueres mitteilen?
Das Label schreibt selbst bloß lapidar: RECORDING INFORMATION
For the first time Philips and Decca recordings are brought together for a new definitive mid-price Richter series.
The great Russian pianist Sviatoslav Richter, considered by many to be the greatest pianist of the 20th century, died ten years ago on August 1st 1997.
The previous Philips-only Richter Edition (which was at top price) has been out of the catalogue for several years.
Each volume will include 2CDs in a 'duo' box. Many recordings will be available at mid price for the first time.
Cosima (11.07.2007, 22:29): Original von ab Weißt Du eigentlich genaueres zu der neuen Doppel-CD-Serie von Philips und Decca? Dies sind überwiegend späte Aufnahmen von Richter. Aus dem Internet kann ich aber nirgends eruieren, welche Aufnahmen sich zuvor auf welcher CD befunden haben. Kannst Du mir genaueres mitteilen?
Lieber ab,
ich nehme an, dass die Masters-Edition (Decca) mit der Authorised-Recordings-Edition (Philips) übereinstimmt. D.h. zumindest die neu aufgelegte Mozart-Ausgabe stimmt mit der alten überein, zumindest was das Repertoire anbelangt, die Daten konnte ich nicht vergleichen. Deshalb habe ich mir auch zunächst nur Vol. 1 (Beethoven) und Vol. 3 (Scriabin, Prokofiev, Shostakovich) zugelegt, weil ich den Mozart schon hatte.
Ansonsten habe ich von den autorisierten Aufnahmen nur noch die Schubert-Aufnahme, kann also nicht weiter vergleichen. Die nächsten 3 Volumes werde ich mir aber auf jeden Fall zulegen.
Meine Vermutung wird hier von einem Rezensenten bestätigt: (in der Beschreibung ist als Label auch Philips angegeben)
Obwohl mir das im Falle der Beethoven-Ausgabe seltsam erscheint, enthält sie doch nur spätere Aufnahmen, aus 1991 und 1992. Vielleicht hat man auch einfach Aufnahmen vermischt. Hast Du die alten Philips-Aufnahmen? Dann könnten wir die Daten vergleichen.
Gruß, Cosima
P.S.: Ich bin immer noch ganz glücklich über das heute erhaltene Geschenk. Damit hatte ich wahrlich nicht gerechnet! :down
ab (11.07.2007, 23:33): Leider habe ich nichts von der Philips-Serie (damals entging mir noch seine Musikalität ...) außer einer gebrannten Brahms-Sonaten-Scheibe. Der Mozart ist identisch, wie ich im Laden sehen konnte.
Weil der Beethoven aus so später Zeit stammt, fürchte ich, dass es womöglich Überscheidungen mit den Aufnahmen von Frau Maria E. Michel-Beyerle bei Live Classics geben könnte. Die Aufnahmen dort sind in Kiel 1992, Kreuth 1992 & 94, München 1992 & 94 sowie in Rellingen 1991 gemacht worden.
Der Prokofiev sieht so aus als könnte er auch von der DG stammen...
Gibt es da Überschneidungen? Weißt Du genaueres?
Cosima (12.07.2007, 16:37): Vol. 1
Die Beethoven-Sonaten sind allesamt vorher nur auf Philips (438486) erschienen. Aufgenommen wurden sie November 1992 in Amsterdam und Oktober 1991 in Stuttgart. Also keine Überschneidungen mit LiveClassics.
Vol. 3
Scriabin und Prokofiev sind aus 1993 und vorher erschienen auf Philips (438627). Schostakowitsch ist aus 1963, dazu finde ich keine weiteren Angaben.
Aber scheinbar sind diese Aufnahmen zumindest vorher auch nicht auf LiveClassics erschienen, wobei ich hier nicht sicher bin, weil genaue Daten im Booklet fehlen.
Es wird sich also doch um die alten autorisierten Aufnahmen handeln. In den Booklets selber ist auch noch ein Hinweis auf Philips, der dies für mich untermauert.
Gruß, Cosima
ab (12.07.2007, 16:57): Liebe Cosima,
herzlichen Dank für diese Hinweise! Wie findest Du persönlich diese Aufnahmen? Ein großer Richter-Freund, der diese alte Ausgabe komplett hatte, meinte einmal zu mir, dass darauf zahlreiche eher schwächere Konzertabende ausgewählt worden seinen, die wohl besser im Archiv verschwunden wären. Wie siehst Du das? findest Du seinen DECCA-Beethoven besser als die bei Brilliant aus Russland?
Cosima (12.07.2007, 22:09): Lieber ab,
ich habe die letzten drei Beethoven-Sonaten jeweils aus der Brillant-Box und der Decca-Aufnahme nochmals quergehört, um meinen Eindruck aufzufrischen.
Richter war auch 1991/92 noch ein großer Pianist, er besaß immer noch Leidenschaft. Aber ich meine (und ich sage es sehr ungern): Wer die Brillant-Box schon besitzt und Richters Spätstil bereits kennt, dem würde ich nicht zum Kauf dieser Doppel-CD raten.
Etwas traurig macht mich vor allem der Mitschnitt der Appassionata aus 1992. Ich kriege diese vollkommen enthemmte, nervös-überhitzte, rauschhafte Aufnahme aus der Carnegie-Hall nicht mehr aus meinem Kopf. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich diesen dritten Satz gehört habe. Man merkt eben doch, dass Richter 1992 schon ein alter Herr war, trotz all des Temperamentes.
Gruß, Cosima
ab (13.07.2007, 11:31): Danke für diese Schilderung deines Eindrucks. Ich selbst bin ja gerade Liebhaber der späten Zeit Richters mit seiner einsam-jenseitigen Tiefe. Die Brilliant-Aufnahmen mit Beethoven finde ich jedoch überwiegend weniger gut und deshalb hätte mich interessiert, ob die DECCA-Abenden glücklicher gewesen sind.
Cosima (13.07.2007, 18:13): Original von ab Ich selbst bin ja gerade Liebhaber der späten Zeit Richters mit seiner einsam-jenseitigen Tiefe.
Ja, ich liebe auch Richters Spätstil. Allerdings weniger seinen Beethoven, da bevorzuge ich die hitzigeren, früheren Interpretationen.
Dieses Konzert vom 16. Mai 1992 (München) ist ein wundervolles Beispiel dafür, wozu Richter auch im Alter noch fähig war. (Es war Marlene Dietrich gewidmet, die am gleichen Tag in Berlin beerdigt wurde.)
Es gab an diesem Abend einen von Richter handgeschriebenen (!) Programmzettel, der im Booklet abgedruckt ist. Vor allem der Scriabin und der Debussy sind großartig! Ach was, die ganze CD ist großartig!
Zur Abrundung der Richter-Beethoven-Diskographie möchte ich noch erwähnen, dass Richter in den frühen 60ern, etwa zeitgleich mit der Einspielung der Cellosonaten mit Rostropovich, 2 LPs mit nicht so gängigen (!, eigentlich bezeichnend für ihn) Sonaten herausgebracht hat: LP 1 : Sonaten op.14 Nr.1 und 2, der 2. Satz der E-dur Sonate ist extrem langsam gespielt, die Spannung hängt nicht durch LP 2: Sonaten op.22 und op.49 Nr.1 und 2.
Diese beiden LPs sind nicht in der vor Jahren erschienenen Philips-Richter-Edition enthalten und m.W. bisher auch nicht (zumindest in Deutschland) auf CD erschienen. Richter spielte zeitlebens nicht immer nur die bekannten Sonaten sondern widmete sich auch immer wieder vernachlässigten. Von einigen kenne ich überhaupt keine Einspielungen mit ihm: z.B.: A-dur op.2 Nr.2, Es-dur op.27 NR.1, C-dur op.53, op.78, op.79 und op.81a.
Grüße von Amadé
Cosima (13.07.2007, 20:35): Hallo Amadé,
Op. 49 Nr. 1 und 2 aus 1963 (London) sind auf der Philips-CD zusammen mit den Liszt-Klavierkonzerten unter Kondrashin erschienen. Die meinst Du dann also nicht.
Könntest Du bitte mal auf den LPs nachschauen und genauere Infos (Datum, Aufnahmeort) angeben? Das würde mich sehr freuen!
Gruß, Cosima
Amadé (14.07.2007, 11:01): Hallo Cosima,
ich habe mich auf der Decca/Philips homepage schlau gemacht, die genannten Sonaten sind 1963 aufgenommen worden, die Liszt-Konzerte 1961 sowie die Cellosonaten nicht zusammen, sondern in mehreren Sitzungen von 1961 bis 1963. Die auf der CD mit den Liszt-Konzerten gekoppelten Sonaten sind mit den genannten identisch.
Gruß Amadé
Cosima (14.07.2007, 11:17): Hallo Amadé,
vielen Dank für die Recherche!
Wie stehst Du eigentlich zu Richter? Du schriebst in einem anderen Thread, dass Du ihn noch live erlebt hast. Wann war das denn? Und wo? Und wie war Dein Eindruck?
Ich höre/lese immer so gern Berichte von Menschen, die ihn wahrhaftig noch erleben durften. :)
Gruß, Cosima
ab (14.07.2007, 11:39): Original von Cosima Ach was, die ganze CD ist großartig!
Diese CD, gemeinsam mit dem Ludwigshafen-Konzert dieser Serie dieses Lables (VOlII) http://www.live-classics.com/images/472.JPG und dem Debussy vom Salzburger Mittschnitt von 1977 http://www.orfeo-international.de/covers/16989g.jpg sind meine Lieblings-Richter-CDs! :P
(Ps. Nochmals danke für den aura-Hinweise, die CD wird in Bälde in minen Händen sein!)
Amadé (14.07.2007, 20:14): @Cosima
Hallo,
wenn ich mich nicht irre war es am 4.Sept.1972 in der Bonner Beethoven-Halle. Ich besitze auch noch das Programmheft, das liegt aber unter einen Riesenstapel anderer. Auf Richter habe ich mich damals sehr gefreut, da ich sein Spiel schon von vielen Schallplattenaufnahmen her kannte. M.W. war es sein erstes Konzert in der BRD, in der DDR und in Westberlin war er schon vorher aufgetreten. Ich hatte das Gefühl, dass im Saal eine ungeheure Spannung herrschte. Er betrat das Podium, verneigte sich kurz, drehte noch ein wenig an den Knöpfen des Klavierstuhls und schon begann er mit Beethovens e-moll op.90. Von der vierten Reihe konnte ich ihn ganz gut beobachten, wie er unruhig vor dem Instrument saß und Beethovens Klavierwelt in seiner Vorstellung herüberbrachte. Ich hatte bis dahin schon viele Pianisten gehört, u.a. Kempff, Arrau, Curzon, Cherkassky, L.Hoffmann, Pollini, Gelber, aber fast alle von ihnen spielten ruhiger und -äußerlich- konzentrierter. In der ersten Sonate galt meine Aufmerksamkeit mehr dem Künstler als dem Stück, das er gerade spielte. Im Anschluss an die e-moll Sonate spielte er ohne lange Zwischenpause die A-dur Sonate op.101, die man im Konzertsaal nicht so oft hört. Nach der Pause brachte er dann die Sinfonischen Etüden op.13 von Schumann. Für mich neu waren die ins Stück eingeflossenen 5 Etüden aus dem Nachlass, die ich bisher noch nicht gehört hatte. Ich war überwältigt wie fein und zart und auch im nächsten Augenblick kräftig donnernd er das Stück meisterte. Überwältigender Beifall in der Beethoven-Halle. Als Zugaben gab es noch nach und nach 4 Intermezzi/KLavierstücke aus op.117-119 von Brahms. Nicht lange nach dem Konzert veröffentlichte Eurodisc 3 LPs mit Richter: Schumann op.13 und Beethoven op.90, Brahms Intermezzi sowie Preludes von Rachmaninoff. Keine Frage, die LPs habe ich sofort gekauft. Nach Veröffentlichung dieser LPs spielen viele Pianisten auch die posthumen Etüden, teilweise in anderer Platzierug als Richter, ich meine jedoch, dass Richters Anordnung am überzeugendsten klingt. Neulich erwarb ich die CD der Sinfonischen Etüden gespielt von Ragna Schirmer, die noch eine neue, für mich unbekannte Etüden,für den Hörer entdeckte, auch sehr interessant und hörenswert! Soviel zu Richter. Ein schönes Wochenende wünscht Amadé
Cosima (14.07.2007, 20:47): Hallo Amadé,
ganz herzlichen Dank für die Schilderung dieses Klavierabends! Ich freue mich immer sehr, Menschen zu begegnen, die mir Ihre Eindrücke schildern mögen. So versuche ich, mein Richter-Bild mehr und mehr zu vervollständigen. Es ist so schade, dass ich ihn selber nicht mehr erlebte und dass es kaum Mitschnitte seiner Konzerte auf Video oder DVD gibt.
Ja, mich fasziniert auch immer wieder, wie wandlungsfähig Richter war. Von ganz sensibel und zart bis donnernd und schier explodierend – seine Ausdrucksvielfalt ist enorm. Die Sinfonischen Etüden habe ich natürlich auch auf CD. Ich liebe sie sehr, sowohl das Werk selber als auch Richters Interpretation.
Die Aufnahmen, die ab oben nannte, würde ich (neben vielen anderen, die ich hier schon gelegentlich vorstellte) auch als meine liebsten Richter-CDs bezeichnen. Welche Aufnahmen würdest Du als seine gelungensten bezeichnen?
Ich wünsche auch ein schönes Wochenende!
Gruß, Cosima
reno (15.07.2007, 00:28): Hallo,
Ich habe mich vor kurzem hier extra angemeldet, weil ich auch mal was dazu sagen möchte. Für mich ist Richter der größte Pianist aller Zeiten, keine andere Interpretationen berühren mich so tief wie seine. Es ist einfach umwerfend, wieviel Seele in seiner Musik steckt. Er trifft damit genau meine Empfindungswelt. Ich habe ihn noch live erlebt in der Hamburger Musikhalle 1995, das war zu seinem 80. Geburtatag. Er spielte Haydn, es war grandios. Ich schrieb ihm daraufhin einen Brief und bekam von ihm sogar handschriftliche Antwort. Mein Brief hat ihn offensichtlich gerührt, das schrieb er mir jedenfalls. Ich werde ihn nie vergessen. Ich bin selbst Pianist und spiele zugegebenermaßen viele Werke in seiner Interpretation.
Viele Grüße von jemandem, der auch Richter heißt :wink
Amadé (15.07.2007, 10:24): Hallo Cosima,
Richter hat bekanntlich hunderte von Aufnahmen hinterlassen, die meisten von ihnen sind live-Aufnahmen, die ursprünglich nicht für eine Veröffentlichung vorgesehen waren. Auffallend ist, dass man bei von Richter interpretierten Werken Aufnahmen aus verschiedenen Lebensepochen begegnet. In den 50er und 60er-Jahren kamen sie überwiegend aus der UdSSR und "befreundeten" Staaten, u.a. aus Prag, das Label Praga hat vor Jahren eine 15 CD-Box mit hervorragenden live-Aufnahmen aus dieser Zeit herausgebracht, auf die ich nachdrücklich hinweisen möchte, auch wenn der Kaufpreis zunächst abschreckend erscheint. Später traten "westliche" Aufnahmen dazu. In seinen letzten Jahren spielte er überwiegend in Italien und Deutschland. Decca und Live Classics haben vieles mitgeschnitten und uns zugänglich gemacht. Hier nun meine Richter-Favoriten: Mozart: KLavierkonzert d-moll KV 466 DGG Beethoven: Klaviersonaten op.13, op.14 Nr.1, op.26, op.31 Nr.2, op.57, op.111, Diabelli-Variationen, Variationen F-dur op.34, Violinsonaten Nr.4 und 5 mit Oleg Kagan Schubert: Klaviersonate a-moll D.845 op.42, c-moll D.958. Die B-dur Sonate ist mit Richter sehr interessant, aber ich möchte sie aufgrund ihres sehr langsamen Tempos nur selten hören, da ist mir z.B. Schnabel viel lieber, oder auch Curzon. Schumann: Papillons op.2, Fantasiestücke op.12 (er hat nicht alle 8 Stücke gespielt), Fantasie C-dur op.17, Sinfonische Etüden op.13, Waldszenen op.82, KLavierkonzert Chopin: Scherzo h-moll op.20, Preludes op.28 (Auswahl), Nocturnes op.15 Nr.1 und 2 Liszt: KLavierkonzerte, späte Stücke Brahms: 2. KLavierkonzert, Sonaten Nr. 1 und 2. Kennst Du meine Homepage? Da findest Du einige der genannten Werke im Vergleich mit anderen Interpreten. Gruß Amadé
Cosima (15.07.2007, 14:54): Hallo Amadé,
Original von Amadé u.a. aus Prag, das Label Praga hat vor Jahren eine 15 CD-Box mit hervorragenden live-Aufnahmen aus dieser Zeit herausgebracht, auf die ich nachdrücklich hinweisen möchte, auch wenn der Kaufpreis zunächst abschreckend erscheint.
Genau diese Box ist es, auf deren Wieder-Veröffentlichung ich schon lange warte. Ich hatte gehofft, dass sich gerade in diesem Jahr (10 Jahre nach Richters Tod) etwas tun würde. Na ja, ich hoffe noch immer.
Bei der Auflistung Deiner favorisierten Richter-Aufnahmen fällt mir auf, dass Du D.960 gar nicht nennst. Dies ist die einzige Aufnahme, die ich aus eben o.g. Prag-Box besitze. Ich finde sie grandios! (Auf die anderen Punkte werde ich noch gelegentlich eingehen. Heute ist es zu heiß...)
Danke für den Hinweis auf Deine Homepage. Ich werde sie mir in Ruhe anschauen.
Gruß, Cosima
Rachmaninov (15.07.2007, 16:30): Original von reno Ich habe ihn noch live erlebt in der Hamburger Musikhalle 1995, das war zu seinem 80. Geburtatag. Er spielte Haydn, es war grandios. Ich schrieb ihm daraufhin einen Brief und bekam von ihm sogar handschriftliche Antwort. Mein Brief hat ihn offensichtlich gerührt, das schrieb er mir jedenfalls. Ich werde ihn nie vergessen. Ich bin selbst Pianist und spiele zugegebenermaßen viele Werke in seiner Interpretation.
@Reno,
das klingt alles sehr bewegend! Sicherlich eine unglaubliche Erfahrung :down
AcomA (15.07.2007, 19:16): hallo reno,
Hallo,
Ich habe mich vor kurzem hier extra angemeldet, weil ich auch mal was dazu sagen möchte. Für mich ist Richter der größte Pianist aller Zeiten, keine andere Interpretationen berühren mich so tief wie seine. Es ist einfach umwerfend, wieviel Seele in seiner Musik steckt. Er trifft damit genau meine Empfindungswelt. Ich habe ihn noch live erlebt in der Hamburger Musikhalle 1995, das war zu seinem 80. Geburtatag. Er spielte Haydn, es war grandios. Ich schrieb ihm daraufhin einen Brief und bekam von ihm sogar handschriftliche Antwort. Mein Brief hat ihn offensichtlich gerührt, das schrieb er mir jedenfalls. Ich werde ihn nie vergessen. Ich bin selbst Pianist und spiele zugegebenermaßen viele Werke in seiner Interpretation.
Viele Grüße von jemandem, der auch Richter heißt
ich hatte mal einen klassenkameraden und freund, der auch Richter hieß. er spielte sehr gut klavier und wir schenkten ihm zum geburtstag die LP mit dem tschaikowsky-konzert in der aufnahme mit karajan. wie auch immer, ich zumindest würde niemals sviatoslav den größten pianisten aller zeiten nennen ! garrick Ohlsson dürfte von der körpergröße noch größer gewesen sein. aber s. richter war einer der größten seiner zunft. IMO waren seine interpretationen des schumann-konzertes und der beethovenkonzerte nicht überragend, seine chopininterpretationen waren durchschnittlich sehr schwerfällig und ohne die erforderliche eleganz bei der phrasierung. sein später beethoven war sehr gut, aber die detailarbeit war nicht gut, und IMO fehlte der große zusammenhalt der form im gegensatz zu interpretationen beim mittleren und frühen beethoven.
gruß, siamak
ab (16.07.2007, 11:35): Original von AcomA ich zumindest würde niemals sviatoslav den größten pianisten aller zeiten nennen
IMO waren seine interpretationen des schumann-konzertes und der beethovenkonzerte nicht überragend,
Es wude ja nicht behauptet, dass er interpreatatorisch der rundum überzeugenste Piansit aller Zeiten gewesen sei, sondern, dass er es wie kaum ein anderer es schaffte, durch seine Interpretationen zu berühren (sofern man sich davon überhaupt berühren lässt). Ich habe an anderer Stelle - wel ich dieses Urteil teile - statt von dem "größten", daher lieber vom Piansiten mit der größte "Tiefe" in seinem Spiel gesprochen.
Auf welche Aufnahmen beziehst Du dich denn bei Deinem Urteil zum Schumann- und Beethoven-Konzert, jene bei der DG? Bei diesen beiden könnte ich Dir durchaus zustimmen. Doch: Höre einmal den Schumann gemeinsam mit Alexander Gauk und den Beethoven mit Hermann Abendroth an (gerade jüngst wieder wohlfeil zusammen veröffentlicht.)
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9276138.jpg
Cosima (16.07.2007, 16:10): Original von ab Höre einmal den Schumann gemeinsam mit Alexander Gauk und den Beethoven mit Hermann Abendroth an
Interpretatorisch sind die beiden Aufnahmen wirklich gut (der Schumann könnte noch ein klein wenig poetischer sein). Über die Klangqualität und die Orchesterbegleitung schweigt man besser.
Kennt jemand diese Aufnahme des Schumann-Konzertes: Richter / Muti, Wiener Philharmoniker, Salzburg, 17. Aug. 1972 - De Agostini FS96 CD 01 ? Die fehlt mir nämlich noch.
ich gehöre wohl eher zu jenen Menschen, die Richter mit seinem Spiel nicht oder eher weniger erreicht. Mich begeisert er kaum, und eigentlich immer weniger. Glaube er "polarisiert" sehr stark mit seinen Interpretationen...
AcomA (16.07.2007, 19:03): lieber ab,
ja, ich beziehe mich auf die aufnahmen der DG aber auch der EMI. aber kann denn sviatoslav richter nicht einfach einer der großartigsten pianisten sein ?
und der ausdruck der tiefe bezgl. interpretationen ist ein typisch deutscher. was bedeutet tiefe ? wer bestimmt das ? vielleicht dachte ein künstler wärend des spiels nicht an das tiefe sondern gerade daran, dass das essen heute nicht gut war, wer will das wissen ?
gruß, siamak :)
ab (17.07.2007, 11:09): Original von Cosima Kennt jemand diese Aufnahme des Schumann-Konzertes: Richter / Muti, Wiener Philharmoniker, Salzburg, 17. Aug. 1972 - De Agostini FS96 CD 01 ? Die fehlt mir nämlich noch.
Gruß, Cosima
Ich hörte zwei Sätze daraus von Jahren am Weihnachtstag im Radio gespielt, irrtümlich in der festen Meinung, dass Karajan der Dirigent gewesen sei. Damals war ich fasziniert, weil anders als in den Karajan-Dirigaten sonst, mir der Solist nicht so gebremst vorkam. Ich vermute, dass es einen Grund hat, weshalb dies Aufnahme bei uns (zB bei Orfeo) nie veröffentlich worden ist: Es wird ihnen wohl einiges "passiert" sein. Genaueres kann ich aber leider nicht sage, weil mir leider in Italien nie die De Agostini-CD in Händen gefallen ist (ein heißer Anwärter auf den ersten Platz für unseren thread über die hässlichsten Covers!)
Ich kenne aber auch nicht die EMI-Aufnahme mit Lovro von Matacic. Wie ist denn die im Vergleich zu Gaug bzw. Rowicki? Danke!
ab (17.07.2007, 11:25): Original von AcomA lieber ab,
ja, ich beziehe mich auf die aufnahmen der DG aber auch der EMI. aber kann denn sviatoslav richter nicht einfach einer der großartigsten pianisten sein ?
und der ausdruck der tiefe bezgl. interpretationen ist ein typisch deutscher. was bedeutet tiefe ? wer bestimmt das ? vielleicht dachte ein künstler wärend des spiels nicht an das tiefe sondern gerade daran, dass das essen heute nicht gut war, wer will das wissen ?
gruß, siamak :)
Womöglich möchte man für einen Kandidaten auf den Anwärter der Auszeichnung "einer der großartigsten pianisten" jemanden, der ein umfassenderes Programm als Richter gepflegt hat und in jedem dieser Bereiche großartiges leistet, und zwar nicht nur in Hinblick darauf, was er für Wirkung erreichen kann, sondern auch, wie sehr er die (mutmaßlichen) Intentionen des Komponisten verwirklicht.
Was den Begriff der "Tiefe" betrifft, so muss man wohl nicht viele Worte machen, sondern es genügt, auf klare Beispiele zu verweisen: Vergleiche den musikalischen Ausdruck der Aufnahmen Richters, etwa von Prokofiev, mir jender eines trockenen Glemser; oder von Beethoven mit einem sterilen Korstick. Das ist doch wohl ohrenfällig genug, oder?
Wer das bestimmt? Nun, das Erklingende selbst: man kann es hören und von anderen Aufnahmen leicht unterscheiden. (Natürlich wird es stets Randinterpretationen geben, wo die eine meint, es habe keine Tiefe und der andere hingegen beteuert, es sei musikalisch tief. Im gewissen Grade ist dies ein unscharfer Begriff. Das heißt aber niemals, dass es keine klaren Fälle gäbe. Abgesehen davon können wir uns stets irren und bloß auf unseren eigenen Geschmack hereinfallen, und so zu einem falschen Urteil kommen.)
Was soll da das Problem sein?
AcomA (17.07.2007, 17:05): lieber ab,
ich behaupte, es gibt keine klaren fälle von tiefe ! jedes gehör verarbeitet über die hörbahn und die heschlschen querwindungen etwas anders. die verarbeitung in den sekundär- und tertiärfeldern ist dann individuell spezifisch. es gibt auch leute, und das nicht wenige, die behaupten, richters spiel wäre gefühllos und grobschlächtig.
bei alfred brendel scheiden sich auch die geister ! und so fort. glemsers einspielungen empfinde ich nicht als steril, im gegenteil. auch sein prokofiev ist IMO beseelt.
übrigens, die l. matacic-aufnahme des grieg und schumann-konzertes gehört IMO zum unbeselltetsten und unmusikalischten, was ich je hörte !
gruß, siamak
Cosima (17.07.2007, 17:12): Original von ab Ich kenne aber auch nicht die EMI-Aufnahme mit Lovro von Matacic. Wie ist denn die im Vergleich zu Gaug bzw. Rowicki? Danke!
Aus der Erinnerung würde ich sagen, dass die EMI-Aufnahme die kraftvollste ist. Man muss natürlich Schumann so energiegeladen gespielt mögen, um überhaupt Gefallen daran zu finden. Ich selber höre das Schumann-Konzert gerne etwas weicher, zarter, runder… Teilweise klingt es zudem lieblos heruntergespielt, leider.
Richter selber war mit der Aufnahme nicht zufrieden, er schrieb (nachzulesen in Monsaingeons Buch): „I can’t quite put my finger on exactly what’s missing, but, whatever it is, it’s something essential, something poetical…“
Recht hat er.
Gruß, Cosima
Cosima (17.07.2007, 17:19): Original von ab Es wude ja nicht behauptet, dass er interpreatatorisch der rundum überzeugenste Piansit aller Zeiten gewesen sei, sondern, dass er es wie kaum ein anderer es schaffte, durch seine Interpretationen zu berühren (sofern man sich davon überhaupt berühren lässt). Ich habe an anderer Stelle - wel ich dieses Urteil teile - statt von dem "größten", daher lieber vom Piansiten mit der größte "Tiefe" in seinem Spiel gesprochen.
Ich stimme Dir absolut zu, ab. Aber ich denke, es hat keinen Sinn, dies weiter zu beleuchten. Die inneren Antennen sind halt bei den Menschen unterschiedlich ausgerichtet.
Gruß, Cosima :)
ab (17.07.2007, 17:57): Original von AcomA l jedes gehör verarbeitet über die hörbahn und die heschlschen querwindungen etwas anders.
No na, natürlich sieht auch jeder (vermutlich) etwas anderes, wenn er vor der Mona Lisa steht. Das ist unbestritten. Daraus folgt aber nicht, dass wir nicht dennoch zu übereistimmenden Urteilen kommen können, zB wo das Gemälde "grün" und wo "gelb" ist. Es gibt einfach Sprachkonventionen, die von kompetenten Sprechern, sofern sie keinen Wahrnehmungsdefizit wie Farbenblindheit haben, geteilt werden. Und so ist es auch bei den expressiven Qualitäten von Musik. Wir lernen dieses Prädikate anzuwenden, indem wir auf Fälle davon verweisen. Nicht selben kommt es deshalb zu unterscheidlich (scheinenden) Urteilen, weil wir die Begriffe etwas anders verwenden. Doch mit den richtigen Beispielen, können wir dies gewöhnlich (mit der zeit) ausräumen.
ab (17.07.2007, 18:01): Original von Cosima [ Die inneren Antennen sind halt bei den Menschen unterschiedlich ausgerichtet.
so sehe ich das auch! Dies setzt aber gerade voraus, dass es etwas - wie etwa die "Tiefe" einer Interpretation - gibt, auf die man ausgerichtet sein könnte, wenn man nur die Antene danach richten würde/könnte.
AcomA (17.07.2007, 19:43): lieber ab,
ich finde deine ausführungen äußerst arrogant und teilweise auch widersprüchlich. wie kannst du entscheiden oder wissen, wer welche art von antenne besitzt oder wie fühlt, wenn er etwas hört ? deiner meinung nach sollen wohl nur diejenigen sich äußern, welche genauso so wie du empfinden, oder es sollen nur die beispiele genannt werden, welche deine ansichten untermauern oder angeblich untermauern.
davon ganz abgesehen, so ist es alleine schon von der physiologie her unmöglich, die farbe gelb mit der hörempfindung einer sog. 'tiefe' zu vergleichen.
gruß, siamak
Cosima (17.07.2007, 21:14): Lieber Siamak,
ich entdecke bei Dir auch einen Widerspruch. Zuerst schreibst Du:
„und der ausdruck der tiefe bezgl. interpretationen ist ein typisch deutscher. was bedeutet tiefe ? wer bestimmt das ?“
Und dann bestimmst genau Du für Dich, wo 'Tiefe' für Dich nicht spürbar ist:
„übrigens, die l. matacic-aufnahme des grieg und schumann-konzertes gehört IMO zum unbeselltetsten und unmusikalischten, was ich je hörte !“
Du nennst es 'unbeseelt'. Aber ich denke, dass man 'Seele' mit 'Tiefe' durchaus gleichsetzen kann. Oder was wäre 'tiefer' als die Seele?
Gruß, Cosima :)
ab (18.07.2007, 00:21): Original von AcomA lieber ab,
ich finde deine ausführungen äußerst arrogant und teilweise auch widersprüchlich. wie kannst du entscheiden oder wissen, wer welche art von antenne besitzt oder wie fühlt, wenn er etwas hört ? deiner meinung nach sollen wohl nur diejenigen sich äußern, welche genauso so wie du empfinden, oder es sollen nur die beispiele genannt werden, welche deine ansichten untermauern oder angeblich untermauern.
davon ganz abgesehen, so ist es alleine schon von der physiologie her unmöglich, die farbe gelb mit der hörempfindung einer sog. 'tiefe' zu vergleichen.
gruß, siamak
Lieber Siamak,
es tut mir leid, diesen Eindruck bei Dir erweckt zu haben. Sei versichert, nichts liegt mir ferner als Arroganz. Auch kann ich die Widersprüchlichkeit leider nicht entdecken, wohl aber ein Missverständnis: Es geht mir nicht im geringsten darum, wie oder was eine Person fühlt, wenn sie etwas hört. Musik, um ein anderes Beispiel zu bemühen, kann zB traurig klingen, auch wenn weder der Komponist beim Komponieren traurig war, noch der Musiker bei der Aufführung traurig ist noch die Hörerin im Auditorium traurig wird, sondern viel mehr begeistert von dieser Anmutungsqualität.
Worum es mir geht, ist dass die Musik eine hörbaren Charakter aufweist, für den wir ein Wort finden können und uns darüber austauschen können. Nenne es "Tiefe" oder anders, wichtig ist nur, dass wir dieses Ausdrucksmoment hören , und von anderen Ausdrucksmomenten bei anderer Musik unterscheiden können.
Welches Problem Du bzgl. den "Antennen" hast, weiß ich nicht. Gemeint habe ich folgendes: Ist etwa eine Hauswand mit einem "schreienden Rot" bemalt, so kann ich dies entweder übersehen, oder sozusgen trocken konstatieren oder aber mich auf das Schreiende des Rots einlassen. Im letzten Falle würde ich sagen, dass die Betrachterin "die Antennen besitzt". Solches kennen wir doch alle!
Ich beipielsweise habe leider keine richtigen Antennen für die Tiefe des Ausdrucks von Shlomo Mintz zu seinen Höhezeiten in den 80ern. Ich bedauere es sehr!
Wie kann ich wisse, ob jemand Antennen für jemandes Interpetation hat? Nun, indem ich nachfrage und eine Antwort bekomme. Wie denn sonst?
wenn du etwas als tief dargeboten empfindest, dann ist es wunderbar und für dich in jedem falle richtig. genauso wird es hörer geben, die diese darbietung ihrer meinung nach nicht als tief empfinden. aus diesem grunde bin ich dem ausdruck der tiefe eher skeptisch gegenüber eingestellt. natürlich verstehe ich was ab meint, auch mit charakter.
daher versuche ich primär, mich an für andere objektivierbaren kriterien festzuhalten und diese zu beschreiben, was schwierig genug ist. horowitz z.b. war der ansicht, das emil gilels sehr kalt und maschinistisch spielen würde. arthur rubinstein sah das genau anders. ich persönlich schliesse mich rubinsteins meinung über gilels an.
die tiefe an s. richters spiel und letztlich gesamterscheinung setzt sich wohl IMO zusammen aus seinem bescheidenen charakter und seine sehr spontan-emotionale art des klavierspiels zusammen. dabei vernachlässigt er eher details und konzentriert sich auf die wesentlichen strukturen.
nun war ich ja nach Cosimas beurteilung selbst reingefallen, da ich von nicht beseeltem vortrag bei der matacic-aufnahme schrieb. was objektivierbar ist, s. richter und auch das orchester beachten viele der anweisungen des komponisten nicht, die dynamische bandbreite ist extrem gering, es schlichen sich erhebliche manualtechnische 'schlampigkeiten ein. also rundum eine schlechte darbietung eines weltklasse-künstlers.
gruß, siamak :)
ab (18.07.2007, 18:24): Original von AcomA lhorowitz z.b. war der ansicht, das emil gilels sehr kalt und maschinistisch spielen würde. arthur rubinstein sah das genau anders.
Der erste bezog sich auch auf die ersten Jahre, de zweite auf seine folgenden!
ab schrieb: Insbs. von der Nr. 2 ist der letzte Satz ist der reine Wahnsinn an Geschwindigkeit, Gestaltung und Ausdruck!
Ja, gigantisch schnell und gigantisch gut gespielt! :down
Ich habe mit der 1994-er Aufnahme (Live Classics) verglichen. Eigentlich sollte man sie nicht vergleichen, weil immerhin fast 30 Jahre dazwischen liegen, aber der Unterschied ist enorm: Natürlich war Richter auch nicht mehr so schnell wie damals, aber auch was die Ausdruckskraft angeht liegen Welten dazwischen.
Dies auf das Alter zu schieben, wäre aber nicht richtig, denn ich habe mit einer weiteren Aufnahme aus früheren Jahren (1950, ANKH) verglichen. Hier brauchte Richter nur 3 Sekunden länger, erreicht aber auch nicht jene Tiefe und Gestaltungskraft wie auf der Praga-Aufnahme. 1950 klingt er eher gehetzt und wütend.
Es existieren noch weitere Aufnahmen, u.a. aus Toronto auf dieser Video-Kassette (1964). Die hätte ich furchtbar gerne und warte auf den Tag, an dem sie endlich auf DVD erscheint.
es kommt nicht nur darauf an, sehr schnell zu spielen. es kommt auf das setzen der akzente, die spiellust als solche an. sehr beeindruckend sind hier auch die studio-einspielungen von emil gilels, lazar berman und vladimir ovshinikov !
gruß, siamak
ab (26.07.2007, 12:04): Original von Cosima Ich habe mit der 1994-er Aufnahme (Live Classics) verglichen. Eigentlich sollte man sie nicht vergleichen, weil immerhin fast 30 Jahre dazwischen liegen, aber der Unterschied ist enorm: Natürlich war Richter auch nicht mehr so schnell wie damals, aber auch was die Ausdruckskraft angeht liegen Welten dazwischen.
Wie ist das zu verstehen? Welche der beiden findest Du "ausdrucksstärker", und in welcher Hinsicht? (ich teile jedenfalls die Ansicht, dass der Ausdruck der beiden für eine und denselben Interpreten wohl kaum größer sein könnte...)
Jedenfalls trifft das von siamak Eingemahnte voll und ganz auf die Prager Aufnahme zu: Überragend ist bei Richter trotz des Tempos "das setzen der akzente" sowie "die spiellust als solche".
Cosima (26.07.2007, 16:43): Original von ab Jedenfalls trifft das von siamak Eingemahnte voll und ganz auf die Prager Aufnahme zu: Überragend ist bei Richter trotz des Tempos "das setzen der akzente" sowie "die spiellust als solche".
Da habe ich mich wohl etwas unklar ausgedrückt, aber ich meine es genau so wie Du oben schriebst. Die Prager-Aufnahme ist für mich in jeder Hinsicht nahezu perfekt. Und ich wollte sagen, dass dies eben nicht allein eine Frage des Tempos ist, denn hier ist die 1950-er Aufnahme fast ebenbürtig. Die 1994-er Aufnahme stellt mich von den dreien am wenigsten zufrieden.
Gruß, Cosima
ab (26.07.2007, 22:40): Original von Cosima Original von ab Jedenfalls trifft das von siamak Eingemahnte voll und ganz auf die Prager Aufnahme zu: Überragend ist bei Richter trotz des Tempos "das setzen der akzente" sowie "die spiellust als solche".
Da habe ich mich wohl etwas unklar ausgedrückt, aber ich meine es genau so wie Du oben schriebst. Die Prager-Aufnahme ist für mich in jeder Hinsicht nahezu perfekt. Die 1994-er Aufnahme stellt mich von den dreien am wenigsten zufrieden.
Ich liebe nämlich die 94er besonders ob des typischen tiefen (alters-)Ausdruck von Richter.
reno (01.08.2007, 13:10): Gibt es denn eigentlich eine Aufnahme mit Richter und der Liszt'schen Etude d'exécution Transcendante 4 (Mazeppa) ?
Amadé (01.08.2007, 14:54): Hallo Reno,
wie bekannt war Richter sehr wählerisch. Mir ist nicht bekannt, dass er die Mazeppa-Etüde eingespielt hat. Andere Etüden aus dieser Sammlung gibt es sehr wohl, manche in mehreren Einspielungen, alles live-Mitschnitte. Bei Philips Nr. 1-3, 5, 7, 8, 10 und 11 (1988), Nr. 5 und 11 (1958) bei Praga Nr. 1-3, 5 und 11 (1956) bei RCA NR. 11
Gruß Amadé
ab (01.08.2007, 16:48): Original von reno Gibt es denn eigentlich eine Aufnahme mit Richter und der Liszt'schen Etude d'exécution Transcendante 4 (Mazeppa) ?
Laut dieser Discographie hat er die Nr. 4 nicht eingespielt:
Ich möchte nur daran erinnern, dass dieser wundervolle Mensch und großartige Künstler heute vor 10 Jahren verstarb.
Mir bedeutet er sehr viel!
:engel
nikolaus (01.08.2007, 21:21): Original von Cosima http://www.jacquesleiser.com/UserFiles/Image/pics/Richter-profile.jpg
Ich möchte nur daran erinnern, dass dieser wundervolle Mensch und großartige Künstler heute vor 10 Jahren verstarb.
Mir bedeutet er sehr viel!
:engel
Deine Worte rühren mich richtig. Ich finde es sehr schön, wenn ein Künstler einen Menschen so tief bewegen kann :down! Daher wünsche ich dir einen besinnlichen Abend im Gedenken an IHN!
Nikolaus.
reno (01.08.2007, 21:48): Original von Cosima
Mir bedeutet er sehr viel!
richtig, mir auch
Amadé (02.08.2007, 00:01): Ich habe den (genauen) Todestag vergessen, aber ich kann mich noch genau erinnern, wie die Todesnachricht im Radio gesendet wurde. Ich befand mich im Urlaub im Tennengebirge - schlechtes Wetter - und hörte im Radio die Tristan-Übertragung aus Bayreuth, in der Pause kam dann die Nachricht, ich war betroffen, da ich Richter sehr schätzte und ihn auch live erlebt hatte. Richter besuchte auch in den 50er Jahren mit seiner Mutter, sie lebte damals in oder in der Nähe von Stuttgart, die Bayreuther Festspiele. Ich habe noch irgendwo ein Bild, auf dem beide in der Pause ums Festspielhaus wandeln.
Grüße Amadé
reno (02.08.2007, 13:08): Sagt mal, wo kann man denn die 7 CD's (oder wieviele es sind) aus der Melodya-Serie bekommen? Suche schon ewig danach. Bei Amazon z.b. bin ich nicht fündig geworden. Ich meine diese CD-Serie hier:
Rachmaninov (02.08.2007, 13:11): Original von reno Sagt mal, wo kann man denn die 7 CD's (oder wieviele es sind) aus der Melodya-Serie bekommen? Suche schon ewig danach. Bei Amazon z.b. bin ich nicht fündig geworden. Ich meine diese CD-Serie hier:
Sonata in B minor, S. 178 Funerailles, from S. 154 Transcendental Etudes, S. 139, no. 1, 2, 3, 5, 7, 8, 10, 11 (rec. S. 178 Carnegie Hall, New York, 18 May 1965; S. 154 Budapest, 11 February 1958; S. 139 Moscow, 1956. ADD) PALEXA CD-0537
Diese Aufnahme vom 18. Mai 1965 aus der Carnegie Hall gilt als Richters stärkste Deutung der h-Moll-Sonate von Liszt. Ich kenne die 1965-er Aufnahme aus Moskau (Brilliant) und jene aus Aldeburgh, 1966 (BBC Legends). Sie sind m.E. beide gut, stellen aber nicht eine so gewaltige Leistung dar, wie sie Richter in der Carnegie Hall vollbrachte!
Diese Interpretation ist extrem, im positiven Sinne und in jeder Beziehung: Sie ist furios und virtuos in den schnellen, tief verinnerlicht und würdevoll in den langsamen Passagen, wobei es teilweise zum Herzstillstand kommt. Richter demonstriert Kraft und Energie, nimmt sich dann wieder ganz zurück, spielt zart und voller Leichtigkeit.
Faszinierend ist für mich dabei, dass diese Gegensätze in seinem Klavierspiel sich nicht ausschließen, sondern sich zu einem harmonischen Ganzen formen. Sie fließen ganz natürlich ineinander über. Grandios ist auch hier wieder Richters Gespür für die Struktur, den großen Zusammenhalt. Man (ich) kann gar nicht anders, als seinem Weg von den ersten Takten an zu folgen, so sicher und überzeugend wirkt er. Intellekt und Gefühl befinden sich in dieser Deutung in schönstem Einklang.
Und all das gelingt ihm, ohne die Details zu vernachlässigen. Im Gegenteil! Ach, man muss es gehört haben: Die herrlichen Klangfarben, das Abgründige, aber auch die Schwerelosigkeit usw. – diese Interpretation ist so wunderschön lebendig!
Er selber sagte über diese Aufnahme: „...it's one of my genuinely successful recordings. I myself enjoy listening to it, which is not that often.“
Ich kann nur sagen: Bravo! :down
Gruß, Cosima
ab (18.08.2007, 10:55): und der Rest auf der CD? Wie ist der?
Cosima (18.08.2007, 11:37): Original von ab und der Rest auf der CD? Wie ist der?
Der Rest ist sehr speziell, um es mal vorsichtig auszudrücken. :D
Im Booklet ist eine nette Anekdote zu lesen: Während eines Wettbewerbs spielte Richter einige der Liszt-Etüden. Wegen eines Stromausfalls im Saal musste er bei Kerzenlicht spielen. Die Kerze, die auf dem Klavier platziert war, wurde bei der Etüde „Wild Jagd“ von selbigem heruntergefegt. Das Publikum war jedoch hingerissen!
Du kannst Dir also in etwa vorstellen, wie die Etüden klingen. Aber schon sehr faszinierend...
Gruß, Cosima
Cosima (19.08.2007, 00:32): Richter spielt Schumanns Toccata:
http://www.youtube.com/watch?v=4Au_TBsyRAA
:down
Cosima (22.08.2007, 20:59): Original von ab Ich habe bloß die beiden anderen Aura-Mitschnitte mit Weber/Brahms/Prokofiev bekommen.(Die ich beide weniger lobe, insbesondere im Vergleich zu den Mitschnitte bei LiveClassics!)
Ich habe die CD (noch die alte Veröffentlichung von Ermitage, nicht die Aura-CD) kürzlich günstig ersteigern können. Es handelt sich um ein Konzert, das in Locarno am 8.9.1966 stattfand.
Richter spielte:
Carl Maria von Weber: Sonata No. 3
Johannes Brahms: Capriccio in C major Op. 76 No. 8 Intemezzo in E minor Op. 116 No. 5 Ballade in E minor Op.118 No. 3 Rapsody in E flat major Op. 119 No. 4
Sergei Prokofiev: Sonata No. 6 op. 82
Ich finde die Interpretationen ganz hervorragend! Die Weber-Sonate hört man ja nicht so häufig, ich kenne sie von keinem anderen Pianisten. Richter spielte sie öfter (ich habe noch einige andere Konzert-Mitschnitte davon). Ein schönes, eingängiges Werk, mit viel Dramatik und Leidenschaft interpretiert hier durch Richter. Ich mag diese Sonate sehr gern, vor allem der 3. Satz ist doch herrlich. - Auch die Prokofiev-Sonate ist fantastisch gespielt.
Und das Allerbeste: Die Klangqualität dieses Mitschnittes ist erstaunlich gut! Ich hatte wieder das Schlimmste erwartet und traute meinen Ohren kaum! Sogar das Publikum ist von Anfang bis Ende mucksmäuschenstill. Insgesamt eine ganz tolle CD (nicht nur für Richter-Fans… :) )
ab (22.08.2007, 22:51): Original von Cosima Die Weber-Sonate hört man ja nicht so häufig, ich kenne sie von keinem anderen Pianisten.
heißer Tipp: Emil Gilels! WEBER Klaviersonate Nr.2 in As-dur, Op.39 18/1/1968 - Leningrad - Live MELODIYA S 10-07387-88 (LP), MELODIYA/EURODISC 27626 KK (LP), MELODIYA/BMG BVCX-4063 (CD), MELODIYA/BMG 25179 2 (CD), PHILIPS 456 793-2 (2CD)
Cosima (06.10.2007, 23:33): Ich habe eben eine interessante Seite zu Richter entdeckt:
http://sviatoslavrichter.ru/
Sie ist in russischer Sprache, man kann sie jedoch mithilfe von Babelfish in leidliches Englisch übersetzen lassen. Großartig an der Seite sind erstens die vielen Live-Aufnahmen aus den 50-er Jahren, die man sich anhören kann (wie es scheint komplett, nicht nur die üblichen Hörschnipsel). Zweitens habe ich endlich gefunden, wonach ich schon lange suchte: Richter war ja künstlerisch als Maler auch recht aktiv. Ich wollte immer diese Bilder sehen – auf dieser Website sind sie nun zu bewundern, neben weiteren Richter-Bildern, die von anderen Künstlern stammen. So einen Richter würde ich mir auch an die Wand hängen. :engel
Gruß, Cosima
ab (10.10.2007, 21:09): Heute war im Radio ein interessante Beitrag über gewisse Probleme von jenen Menschen, die mit dem Absoluten Gehör gesegnet oder geschlagen sind. Ein Problem, so wurde berichtet, bestehe darin, dass gelegentlich im Alter diese Fähigkeit verloren ginge.
Einer der Sprechende war ein Klavierprofessor aus Graz, der berichtete in den 90ern häufig in Wien das Glück gehabt zu haben, Sviatoslav Richter bei seinen Konzerten umblättern zu dürfen. Dabei habe dieser ihm einmal berichtet, dass er deshalb nicht mehr auswendig spielen würden, weil er sich nicht mehr auf sein Absolutes Gehör verlassen könnte: Er würde inzwischen häufig einen Halbton tiefer alles erfassen was bei ihm zu Verwirrungen führen würde...
Cosima (24.10.2007, 21:05): Positiv überrascht war ich jüngst von dieser BBC Legends-Aufnahme:
Mozart Klavierkonzerte Nr. 22 und 27 (und KV 546) English Chamber Orchester / Benjamin Britten Live-Aufnahmen 1965 und 1967, Aldeburgh Festival
Sicherlich nicht jedermanns Sache, aber ich meine, dass Britten ein guter Mozart-Dirigent ist. Wie erwartet ist dies kein verzärtelter Mozart; Richter spielt kraftvoll, eher streng, aber mit großer Delikatesse. Beide Konzerte sind spannungsvoll interpretiert; die von Britten für Richter komponierten Kadenzen sind etwas irritierend, aber interessant. Gefällt mir insgesamt ganz ausgezeichnet!
Gruß, Cosima
Cosima (27.11.2007, 17:33): Zeit für einen Richter-Beitrag. :tongue:
Interessant ist die kürzlich erschienene BBC-Richter-CD wegen der Hüttenbrenner-Variationen, von denen es nur diese 1969-er Aufnahme aus Manchester gibt. Auch sehr hörenswert ist die Debussy-Zugabe (Cloches à travers les feuilles), die bislang noch nicht auf CD erschienen war. Faszinierender Debussy voller Klangfarbenreichtum. Die Schubert-Sonate D 784 und die Schumann-Fantasiestücke sind sehr gut gespielt.
Cosima (16.03.2008, 17:45): Mitte letzten Jahres kam plötzlich wie aus dem Nichts (ich las weder eine Ankündigung noch später eine Rezension) eine DVD von VAI Music mit Richter und Oistrach auf den Markt, über die ich deshalb auch nur zufällig stolperte.
Gespielt werden Beethoven op. 30,1 und Brahms op. 108. Etwas kurios ist m.E., dass dieses erste Aufeinandertreffen der beiden Künstler für eine Fernseh-Aufzeichnung ausgerechnet in dem Land stattfand, von dem Richter gar nicht viel hielt: Das Konzert wurde am 18. März 1970 im New York gegeben.
Ausgezeichnet gefällt mir die Brahms-Sonate. Als Zugabe wird das Scherzo aus Beethovens op. 24 gespielt. Dieses kann man auch hier anschauen und anhören.
Gruß, Cosima
ab (24.04.2008, 10:06): Kennt jemand von euch diese Aufnahmen Richters, auf denen er Scribains Sonate Nr. 9 spielt? Welche der beiden Itnerpretationen ist empfehlenswerter? Gibt es sonst noch eine weitere Aufnahme mit dieser Sonate?
Danke! :hello
Richter Plays Scriabin (Aufnahmen Warschau 27.10.1972) Music&Arts http://ecx.images-amazon.com/images/I/416W7DFKQDL._SL500_AA240_.jpg
BBC Legends - Svjatoslav Richter (Mozart, Prokofieff, Rachmaninow, Scriabin) (vermutlich aus Aldeburgh, 19.6.1966) http://ecx.images-amazon.com/images/I/410ZTSZC7SL._SL500_AA240_.jpg
Cosima (24.04.2008, 19:10): Original von ab Richter Plays Scriabin (Aufnahmen Warschau 27.10.1972) Music&Arts http://ecx.images-amazon.com/images/I/416W7DFKQDL._SL500_AA240_.jpg
Ich kenne leider nur die BBC-Aufnahme aus 1966. Die obige steht schon sehr lange auf meiner Suchliste. Sie taucht immer mal wieder als Gebrauchtware zu unverschämten Preisen auf.
Schlecht ist die BBC-Aufnahme aber auch keinesfalls. Ich ziehe jedoch Sofronitzky mit der "Schwarzen Messe" eindeutig vor. Ich schrieb es seinerzeit schon im Skrjabin-Thread: So eindringlich und ausweglos, wirklich „schwarz“ ist keine der anderen Aufnahmen, die ich kenne!
Gruß, Cosima
ab (24.04.2008, 22:22): Original von Cosima Ich kenne leider nur die BBC-Aufnahme aus 1966. Die obige steht schon sehr lange auf meiner Suchliste. Sie taucht immer mal wieder als Gebrauchtware zu unverschämten Preisen auf.
Na, dann hoffen wir mal auf eine umfassende Richter-Box mit all dem Zeug drauf bei Brilliant Classics! :W
Bislang finde ich Sokolov am überzeugendsten (weniger schwarz aber als extatisch), vermute aber dass mir Richter besser gefallen würde.
Fuff (29.04.2008, 00:11): Hallo ab,
Von Richter's Scriabin kenne ich leider nur die Praga CD mit der 5ten und 7ten Sonate : http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0794881739424.jpg Im Booklet steht, dass er die Nr. 9 erst 1966 (wenigstens in meinem Geburtsjahr :wink) in sein Repertoire aufnahm. Und, "dass es ihm nicht daran lag, von vornherein eine Art Extase (im Gegensatz zu Sofronitsky) zu vermitteln. sondern vielmehr eine klangliche Dichte, in der eine gleichsam verborgene, fantastische Schnelligkeit und ständig wechselnde Harmonien zur klassischen und spirituellen Offenbarung werden."
Sobald sich mir die Gelegenhait bietet, werde ich mir aber eine der zwei obigen Aufnahmen zulegen, da mich sein Ansatz interessiert. Obwohl ich momentan immer noch komplett im Banne Sudbins bin, was die Nr.9 betrifft!
Patrick.
ab (29.04.2008, 11:57): Hallo Patrick,
ganz heißer Tipp, Richter: out of the later years vol. 2: Sonate Für Klavier Nr. 7 Op. 64 "Weiße Messe"
Cosima machte kürzlich auf eine neue Supraphon-CD mit Schumann-Klavierwerken aufmerksam, auf der sich eine mir bisher unbekannte Aufnahme der Fantasie op.17 befindet.
Inzwischen konnte ich die Aufnahme hören und mit meiner Aufnahme von Praga, die auf meiner Webseite von op.17 auf Grund ihrer außergewöhnlichen Qualitäten ganz oben steht, vergleichen. Interessant ist, dass beide Aufnahmen unmittelbar hintereinander im Jahr 1959 in Prag entstanden sind, die Supraphon-Aufnahme am 1.11., die von Praga am 2.11., bei beiden handelt es sich um Konzertmitschnitte. Richters interpretatorischer Ansatz ist in beiden Aufnahmen identisch, das konnte man von vorn herein erwarten. Die Praga-CD überzeugt mich interpretatorisch ein klein wenig mehr, ich habe den Eindruck, als spielte Richter hier etwas freier, gelöster, trotz einiger Publikumsstörungen. Bei Supraphon ist der Klang eindeutig besser und man hört nur wenige Publikumsgeräusche, die jedoch nicht stören. Da die Praga-CD im Augenblick nicht greifbar ist, ist die neue Supraphon-CD für die Fantasie erste Wahl. Die restlichen Werke kann der Sammler jedoch schon im Regal stehen haben: Waldszenen, 6 Fantasiestücke aus op.12 und den g-moll Marsch op.76 Nr.2. Die Aufnahmen wurden 1956 in Koproduktion von Supraphon und DG in Prag aufgenommen und tauchten immer wieder im DG-Katalog auf!
Grüße Amadé
Zelenka (26.06.2008, 17:02): Lieber Amadé:
Besten Dank für Deine Bemerkungen! Zumindest eine Unstimmigkeit bleibt weiter bestehen. Nach dieser Richter-Chronologie zum Jahr 1959 hat der Künstler am 1. November Schumanns Fantasie in Prag nicht gespielt:
November 1. Prague. Dum umelcu. Haydn: Sonata No. 52. Beethoven: Sonatas Nos. 7, 12, and 23.
--
2. Prague. Dum umelcu. Schumann: Fantasy, opus 17. Rachmaninoff: Preludes, opus 23, no. 1, and opus 32, nos. 9, 10, and 12; Prokofiev: Piano pieces, opus 32, nos. 1 and 4; Gavotte, opus 95, no. 2; Ravel: Miroirs, nos. 1, 2, and 4.
Nach der Chronolgie haben die beiden Konzerte, in denen die Fantasie auftaucht, in zwei verschiedenen Sälen stattgefunden, einmal im Rudolfinum, das andere Mal im Smetana-Saal.
Gruß, Zelenka
Amadé (26.06.2008, 17:29): Lieber Zelenka,
als Hörer und Sammler muss ich mich zunächst auf die Angaben auf der Hülle oder im Booklet stützen, wohl wissend, dass sich da auch mal Fehler einschleichen. Supraphon gibt an: Aufnahme am 1. November 1959 im Dvorak-Saal des Rudolfinums Prag, live. Praga berichtet: Live-Aufnahme des Tschechischen Rundfunks vom 2. November 1959 aus dem Dvorak-Saal Prag. Soweit die mitgeteilten Tatsachen!? Das Programm des 1.Nov. (in der Chronologie) wäre mit der Haydn-52 und den 3 Beethoven-Sonaten fast schon voll, die Fantasie mit 33' würde den Rahmen sprengen. Das spräche eindeutig gegen die Supraphon-Angabe. Betrachtet man die akustische Seite der beiden Aufnahmen, so kommt man zu dem Schluss, dass es sich um 2 verschiedene Flügel handelt , der bei Praga scheint älter zu sein, und um 2 verschiedene Säle. Nach der Chronologie könnte dann eine der beiden Aufnahmen vom 3. Nov. stammen. Wer vermag das Rätsel zu lösen?
Grüße Amadé
Zelenka (26.06.2008, 18:02): Lieber Amadé:
Die zahlreiche Richter-Gemeinde scheint sich, zumindest was das Internet angeht, sehr bedeckt zu halten. Ein paar Recherchen meinerseits haben noch nichts zutage gefördert. Kommt Zeit, kommt Rat ... Hoffentlich!
Gruß, Zelenka
Cosima (04.07.2008, 18:02): Die CD enthält einige bis dato unveröffentlichte Chopin-Etüden und die Polonaise-Fantaisie op. 61. Die Live-Aufnahmen (Chopin) stammen vom 21. Feb. 1960 und wurden wohl nur teilweise von Praga seinerzeit herausgebracht. Ich hoffe sehr, dass Supraphon die legendären Prager Aufnahmen künftig nicht häppchenweise auf den Markt bringen wird. (Obwohl: Besser so als gar nicht.)
ab (04.07.2008, 19:59): Original von Cosima Ich hoffe sehr, dass Supraphon die legendären Prager Aufnahmen künftig nicht häppchenweise auf den Markt bringen wird. (Obwohl: Besser so als gar nicht.)
Ich bin noch dreister und hoffe auf eine Ausgabe wohlfeil bei Documents :cool
Zelenka (04.07.2008, 20:10): Original von ab Original von Cosima Ich hoffe sehr, dass Supraphon die legendären Prager Aufnahmen künftig nicht häppchenweise auf den Markt bringen wird. (Obwohl: Besser so als gar nicht.)
Ich bin noch dreister und hoffe auf eine Ausgabe wohlfeil bei Documents :cool
DVD Medici Arts - Barbican Centre, London, 29. März 1989 Mozart: Klaviersonaten K 282, K 545, K 310 Chopin: Études Op. 10: No.1 to No. 6, No. 10 to No. 12, Études Op. 25: No. 5, 6, 8, 11
An anderer Stelle schrieb ich kürzlich: Es wird in der Ankündigung der DVD darauf hingewiesen, dass Richter seinerzeit - wie üblich - darauf bestand, lediglich eine 40 Watt-Lampe als Beleuchtung zuzulassen. Keine idealen Voraussetzungen für das Film-Team, das ansonsten mit 50.000 Watt an Leuchtmitteln zu arbeiten gewohnt war. So heißt es dann auch: „If we feel short-changed by the predominantly black screen in the Barbican recital, we should remember that the small amount of Richter we are allowed to see is very much more than he would have liked us to see. Ideally, he would have preferred a light that illuminated only the music.“
Meine Befürchtung war, dass man gar zu wenig sehen würde – jetzt freue ich mich umso mehr, die DVD trotzdem gekauft zu haben. Die Beleuchtung ist zwar spärlich, aber durchaus ausreichend, um sich ein Bild machen zu können.
Bei den Chopin-Etüden scheint es sich um Erstveröffentlichungen zu handeln, die Mozart-Sonaten sind bereits bei Philips erschienen:
Ich konnte Richter nicht mehr im Konzert erleben, habe immer nur gelesen bzw. von Leuten, die ihn noch live erleben durften, gehört, dass er die letzten Jahre im abgedunkelten Saal, nur mit Beleuchtung in Form einer kleinen Lampe spielte. Es ist sehr berührend für mich, dieses Szenario nun – wenn auch nur auf DVD – endlich einmal sehen zu können!
Natürlich ist er 1989 in den Etüden nicht mehr so flink wie früher. Davon zeugen auch die drei Bonus-Tracks aus 1969 (Rachmaninov op. 39 Nr. 3 und Chopin op. 10 Nr. 4 und 12). Die Étude op. 10 Nr. 4 spielte Richter in wahnwitzigen 1:34 (hier auch zu sehen), 20 Jahre später brauchte er immerhin 2:11.
Im Vergleich op. 10 Nr. 12: 1969 = 2:11 1989 = 3:01
Aber über Richters Chopin-Aufnahmen kann man eh streiten. Seine rasanten Etüden sind aber auf jeden Fall sehen- und hörenswert.
Ich habe mich jedenfalls sehr über diese neu erschiene DVD gefreut. Es gibt ja nur sehr wenige Richter-Dokumente in Bild und Ton. Mögen aus den Archiven noch mehr gefilmte Konzert-Mitschnitte ans Tageslicht kommen!
Gruß, Cosima
AcomA (12.07.2008, 14:39): liebe Cosima,
IMO ist die gelungendste chopin-interpretation sviatoslav richters die polonaise-fantasie. die schwermütige veranlagung des werkes kommt dem kompakten spiel des pianisten entgegen.
gruß, siamak :)
Cosima (12.07.2008, 19:20): Lieber Siamak,
schön, wieder etwas von Dir zu lesen! :)
Original von AcomA IMO ist die gelungendste chopin-interpretation sviatoslav richters die polonaise-fantasie. die schwermütige veranlagung des werkes kommt dem kompakten spiel des pianisten entgegen.
Da könntest Du recht haben. Ich kenne 5 verschiedene Richter-Aufnahmen der Polonaise-Fantaisie:
1966 auf Notes PGP – 11:45 1972 auf Praga – 11:55 1976 auf Doremi – 11:58 1988 auf Philips – 13:37 1992 auf Live Classics – 13:45
Im Laufe von rund 25 Jahren hat Richter bei diesem Werk also 2 Minuten „verloren“ (bzw. gewonnen?). Die liebsten sind die mir die ersten beiden Live-Mitschnitte - dort finde ich alles das wieder, was ich bei diesem großen Pianisten so liebe: tiefe Melancholie, den typisch leuchtenden Richter-Klang und einen entfesselt-rauschhaften Schlussteil.
Gruß, Cosima
Cosima (18.07.2008, 14:26): Wahnsinn!!! Der totale Wahnsinn!!! Die Scheibe, auf deren Wiederveröffentlichung ich schon seit Jahren warte – sie erscheint am 01.08.2008! Endlich - halleluja!!! :down :down :down
Es handelt sich um ein Recital vom 28. November 1963 im Leipziger Gewandhaus. Richter spielte die letzten drei Beethoven-Sonaten und Brahms-Intermezzi. Ich konnte den Mitschnitt schon einmal hören, deshalb weiß ich, wie wundervoll Richter hier vor allem op. 111 interpretierte – vielleicht die beste Interpretation dieser Klaviersonate überhaupt, auf jeden Fall eine absolute Sternstunde in Richters Laufbahn. Das ganze Recital ist absolut fantastisch!!! Ein höchst konzentrierter Richter spielt in geradezu vollendeter Art und Weise! :down
Die Scheibe war auf dem Markt mit diesem Cover (Music & Arts):
In den letzten Jahren schwankte der Preis für eine gebrauchte CD um die 500,00 Euro (momentan sogar als Schnäppchen für 476,00 Euro erhältlich). Dann konnte man sie zwischendurch (ich meine auch bei Parnassus) als kopierte CD erwerben (wollte ich aber nicht). Nun hat sich das Label also doch entschlossen, eine „richtige“ CD auf den Markt zu bringen, mit diesem Cover:
Ich hyperventiliere, man reiche mir etwas Riechsalz! :D Hach, wie schön! Was für ein Glück! Jetzt fehlt nur noch die Prag-Box! Aber auch die wird wiedererscheinen!
Kürzlich dachte ich noch daran, dass sich am 1. August Richters Todestag jährt. Meine Hoffnung war, dass zu dieser Gelegenheit eines der vergriffenen Recitals wieder veröffentlicht werden würde. Und nun erscheint just zum 1. August dieser absolut wunderbare, umwerfende, grandiose Konzertmitschnitt!
Freudige Grüße, Cosima
Cosima (18.07.2008, 14:44): Nachtrag zu oben:
Man kann einen Ausschnitt des Recitals (den ersten Satz aus op. 111) hier hören.
Das ist so wundervoll, so unglaublich intensiv und konzentriert gespielt und einfach zum Weinen, zum Niederknien schön! :I
Ich bin ganz außer mir vor Freude über diese Wiederveröffentlichung!!! :down :down :down
Gruß, Cosima
Poztupimi (19.07.2008, 16:51): Liebe Cosima,
Original von Cosima Nachtrag zu oben:
Man kann einen Ausschnitt des Recitals (den ersten Satz aus op. 111) hier hören.
Das ist so wundervoll, so unglaublich intensiv und konzentriert gespielt und einfach zum Weinen, zum Niederknien schön! :I
Ich bin ganz außer mir vor Freude über diese Wiederveröffentlichung!!! :down :down :down
Gruß, Cosima
nachdem es mit der Bestellung einer Brahms/Arrau-CD, die Du eindringlich gelobt hattest bei mir irgendwie nicht funktioniert hat (jpc hat nach mehrmaligem Vertrösten nach Monaten von sich aus – nicht lieferbar bei wem-auch-immer – die Bestellung storniert, Amazon hat eine falsche CD geliefert und sah sich danach nicht in der Lage die gesuchte zu liefern), werde ich, sobald Du das Eintreffen vermeldest, einen Bestellversuch starten, um – vielleicht diesmal erfolgreich – den Sprung ins für mich eiskalte Klavier-Live-Recital-Wasser zu wagen. Mal sehen was daraus wird.
Viele Grüße, Wolfgang
Cosima (19.07.2008, 17:17): Original von Poztupimi den Sprung ins für mich eiskalte Klavier-Live-Recital-Wasser zu wagen. Mal sehen was daraus wird.
Lieber Wolfgang,
ich bin ganz gerührt, ehrlich. :engel
Den Arrau mit Brahms hatte ich zwar auch gelobt, aber das war gar nichts gegen die überbordende Freude über diese Richter-Aufnahme! Ich halte es für schlichtweg unmöglich, dass sie Dir – und jedem Beethoven-Liebhaber, der ein offenes Ohr und ein offenes Herz besitzt – nicht gefallen könnte! (Ich weiß ja, dass ich manchmal zu überschäumend bin in meiner Begeisterung, dennoch: Für mich – und wahrscheinlich für alle Richter-Fans, die die Aufnahme seinerzeit nicht mehr bekommen konnten – ist diese Wiederveröffentlichung die Sensation des Jahres!) Aber ich werde das Eintreffen vermelden und auch über die Klangqualität des neuen Transfers berichten.
Gruß, Cosima
Cosima (19.07.2008, 19:31): Ich habe übrigens herausgefunden, warum dieses Leipziger Recital und jene aus Salzburg und Helsinki, nach denen ich auch immer noch fahnde und die auch sehr gut sein sollen, von Music & Arts seinerzeit gestrichen wurden. Hier findet sich eine kurze Stellungsnahme des Labels, wonach auf Betreiben des Erben - Dimitri D. Dorliak – die Recitals aus dem Katalog genommen werden mussten. Und dass, obgleich sie von Richter selber freigegeben worden waren. Das war in 2002 – kein Wunder, dass seitdem die Preise in astronomische Höhen geklettert sind.
Wieso nun Parnassus, die den Mitschnitt schon einmal auf ihrer Homepage als „Privat-Kopie“ angeboten hatten, eine offizielle Version herausbringt, bleibt im Dunkeln. Parnassus kündigt weiterhin an, dass die anderen privaten Richter-CD- und - DVD-Mitschnitte in Kürze nicht mehr erhältlich sein werden.
Alles sehr merkwürdig…
Gruß, Cosima
Rachmaninov (23.07.2008, 18:49): ich antworte mal hier:
Original von Zelenka Original von Rachmaninov
Nach 1990 und Gilels Beethoven ist grandios, Richter ist mir mehr und mehr zu wieder :ignore
Lieber Rachmaninov:
Eine kleine Begründung, warum Richter Dir so zuwider ist, wäre natürlich willkommen! Sind Dir alle seine Appassionata-Versionen gleichmäßig zuwider?
Gruß, Zelenka
Mir ist Richter mehr und mehr zuwider, weil ich seinem Spiel nichts mehr abgewinnen kann. Ihn höre ich so gut wie gar nicht mehr, seit Jahren!
Ein Literaturhinweis in Sachen Richter: In Frankreich ist Anfang des letzten Monats das abgebildete Buch "Du côté de chez Richter : Conversations" (Actes Sudes) erschienen. Der Verfasser ist Youri Borissov, ein Regisseur, der offenbar mit jenem Yuri Borisov im Monsaingeon-Buch identisch ist, der gar nicht so gut wegkommt ... Borissov hat mit Richter von 1977 bis 1983 und 1992 immer wieder länger gesprochen.
Gruß, Zelenka
Zelenka (23.07.2008, 18:56): Original von Rachmaninov ich antworte mal hier:
Original von Zelenka Original von Rachmaninov
Nach 1990 und Gilels Beethoven ist grandios, Richter ist mir mehr und mehr zu wieder :ignore
Lieber Rachmaninov:
Eine kleine Begründung, warum Richter Dir so zuwider ist, wäre natürlich willkommen! Sind Dir alle seine Appassionata-Versionen gleichmäßig zuwider?
Gruß, Zelenka
Mir ist Richter mehr und mehr zuwider, weil ich seinem Spiel nichts mehr abgewinnen kann. Ihn höre ich so gut wie gar nicht mehr, seit Jahren!
Da kann man wohl nichts machen ...
Gruß, Zelenka
Gamaheh (23.07.2008, 20:20): Original von Rachmaninov Mir ist Richter mehr und mehr zuwider, weil ich seinem Spiel nichts mehr abgewinnen kann. Ihn höre ich so gut wie gar nicht mehr, seit Jahren!
In gewisser Weise kann ich das nachvollziehen, obwohl ich es gewiß nicht so ausdrücken würde.
Richter kann ich nur selten hören, weil mir einerseits mein Wohnzimmer zu klein erscheint; andererseits fühle ich mich von ihm vereinnahmt. Ich muß schon in besonderer Stimmung sein und mich stark fühlen, um Richter zu hören. Das ist jemand, den ich wirklich gerne mal im Konzert erlebt hätte ...
Ähnlich geht es mir aber mit Werken, die mir besonders viel bedeuten, namentlich dem Deutschen Requiem von Brahms: Das kann ich auch nur selten und in besonderer Stimmung hören.
Grüße, Gamaheh
Cosima (10.08.2008, 10:31): Ich habe eine neue Richter-CD (die 172. :D), die ich auch lange zu einem annehmbaren Preis gesucht hatte:
Sviatoslav Richter in Prag (1968) und New York (1965) - Live
Sehr gut sind die Mozart-Werke, aber das Highlight sind die Variations sérieuses op. 54 von Mendelssohn. Distler schreibt hier:
„Thank goodness someone recorded Richter's April 22, 1965 recital at the Brooklyn Academy of Music, otherwise we wouldn't have the tautest and most scintillating Mendelssohn Variations Sérieuses it's been my pleasure to hear. Don't worry about the semi-professional sound, for Richter's powers of projection easily come through.“
Gruß, Cosima
Zelenka (10.08.2008, 10:38): Original von Cosima Ich habe eine neue Richter-CD (die 172. :D) ...
Ich war etwas in Panik geraten, weil es um das Label nicht so gut zu stehen scheint und wollte sie unbedingt haben (wegen vieler positiver Rezensionen), bevor sie womöglich wieder nur als teure Gebrauchtware zur Verfügung steht. Bericht folgt u.U.
Gruß, Cosima
Zelenka (10.08.2008, 10:47): Original von Cosima Original von Zelenka http://www.smileygarden.de/smilie/Sonstige/bravo_happy.gif
:P
169 und 170 sind diese Doppel-CD von Parnassus, die ich aber noch gar nicht gehört habe:
Ich war etwas in Panik geraten, weil es um das Label nicht so gut zu stehen scheint und wollte sie unbedingt haben (wegen vieler positiver Rezensionen), bevor sie womöglich wieder nur als teure Gebrauchtware zur Verfügung steht. Bericht folgt u.U.
Ich weiß gar nicht, wo ich beginnen soll – diese Doppel-CD mit Live-Aufnahmen aus Moskau (1958 und 1954) ist in jeder Hinsicht erfreulich! :down
Zunächst einmal ein großes Kompliment an Leslie Gerber für seinen Booklet-Text! Gerber scheint nicht nur ein Richter-Kenner und -Anhänger zu sein, er liefert auch Informationen über Vergleichs- und überhaupt andere gute Richter-Aufnahmen (inkl. Angabe des Labels mit Nr.!), korrigiert sogar fremde Fehler, wie im Falle einer Melodiya-Veröffentlichung, bei der ein falsches Aufnahmedatum angegeben wurde etc. Ganz vorbildlich das alles!
Obgleich die Aufnahmen von russischen Bändern stammen, die jahrzehntelang in irgendwelchen Archiven lagerten, ist die Klangqualität wirklich gut. Die 1954-er Aufnahmen sind sogar noch etwas besser als die aus 1958.
Die CDs enthalten einige Mitschnitte von Werken, die ansonsten bis heute (die Veröffentlichung ist aus 1998) – soweit ich es überschaue – die einzigen Richter-Dokumente sind, die es davon auf Tonträger überhaupt gibt! Dazu gehören: Die einzigen Stücke, die Richter aus Liszts „Années de Pelerinage“ jemals gespielt hat. Besonders „Au bord d'un source“ ist funkelnd und farbig, ganz großartig!
Weiterhin spielt er Webers 3. Klaviersonate - ein Werk, das er sehr gern gespielt hat. Ich kenne bereits die Aufnahmen aus 1966 und 1994, aber diese frühe Aufnahme ist die fesselndste, weil risikofreudigste! Ich mag die Sonate sowie sehr, wundere mich immer wieder, dass sie von Pianisten kaum gespielt wird.
Ein weiteres funkelndes Highlight ist Ravels „Jeux d’eau“, von dem es auch nur wenige Richter-Dokumente gibt. Bis auf die Carnegie Hall-Aufnahme vom 26. Dez. 1960 (RCA), scheinen sie zudem allesamt derzeit vergriffen zu sein. Aber auch die anderen Ravel-Stücke sind großartig gespielt!
Zum Schluss der 2. CD gibt es noch einige vorzügliche Rachmaninov-Stücke und die Prokofiev-Gavotte aus „Cinderella“, die Richter gern als Zugabestücke gespielt hat.
Aber das wirkliche Highlight habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben! Es ist die einzige bislang veröffentlichte Live-Version der „Pathétique“-Sonate! :down Gerber weist natürlich auf die fulminante Moskauer Studio-Einspielung aus 1959 hin, die ich schon lange kenne und für eine der besten Interpretationen dieser Klaviersonate überhaupt halte!
Die Zeiten im Vergleich:
1958: 7’45 5’30 4’23 1959: 7’36 5’28 4’26
Obgleich die Zeiten sehr dicht beieinander liegen, empfinde ich die Live-Version aus 1958 fast als noch fesselnder, weil freier und auch wieder risikofreudiger, auch mit noch etwas mehr Sinn für die Kontraste. Ich würde die Live-Version insgesamt nicht unbedingt vorziehen, freue mich aber sehr, sie endlich gehört zu haben. Sie ist wirklich faszinierend!
Sehr schön ist das Schusswort in Gerbers Text:
„Paranassus is proud to offer these recordings to the public. We hope the Maestro forgave us for eavesdropping on his younger self in this way. We do it, of course, only because we feel we can never hear enough of his playing.“
Wie recht er hat!
Gruß, Cosima
Zelenka (10.08.2008, 18:00): Liebe Cosima:
Herzlichen Dank für Deinen Bericht! Da wird man wohl zugreifen müssen ...
Gruß, Zelenka
Cosima (10.08.2008, 18:22): Original von Zelenka Herzlichen Dank für Deinen Bericht! Da wird man wohl zugreifen müssen ...
Gern geschehen - ich höre die CD eh schon den ganzen Nachmittag.
"Zugreifen": So man denn noch zugreifen kann. Vol. 3 und 5 besitze ich, mit Mühe habe ich eben noch Vol. 1 zu einem vernünftigen Preis gefunden (und natürlich bestellt :D ). Die restlichen zwei Veröffentlichungen interessieren mich nicht so sehr. - Vor einiger Zeit meine ich, die Parnassus-Aufnahmen auch noch bei jpc gesehen zu haben, bei amazon sowieso und auch über den marketplace sehr günstig. Plötzlich ist der Markt wie leer geräumt. Vielleicht ist doch etwas dran an den Gerüchten rund um Parnassus...
Gruß, Cosima
Zelenka (10.08.2008, 18:29): Zumindest vol. 3 scheint noch häufiger angeboten zu werden, vol. 5 habe ich schon länger. Beim Rest werde ich erst einmal warten.
Gruß, Zelenka
Cosima (10.08.2008, 18:35): Original von Zelenka vol. 5 habe ich schon länger. Beim Rest werde ich erst einmal warten.
Vol. 5 enthält ja auch die D 960 aus 1957. Die ist sehr gut, aber nicht seine beste Interpretation. - Ich kann bei Richter immer schlecht abwarten - bei mir bricht immer gleich Panik aus, wenn Aufnahmen, die ich noch nicht habe, plötzlich rar werden.
Gruß, Cosima
Zelenka (10.08.2008, 18:41): Original von Cosima Original von Zelenka vol. 5 habe ich schon länger. Beim Rest werde ich erst einmal warten.
Vol. 5 enthält ja auch die D 960 aus 1957. Die ist sehr gut, aber nicht seine beste Interpretation. - Ich kann bei Richter immer schlecht abwarten - bei mir bricht immer gleich Panik aus, wenn Aufnahmen, die ich noch nicht habe, plötzlich rar werden.
Gruß, Cosima
Liebe Cosima:
Für die Panik habe ich natürlich sehr viel Verständnis! :D Im Falle der letzten Schubert-Sonate ist, fürchte ich, der bei Preiser erschienene Transfer vorzuziehen.
Gruß, Zelenka
Cosima (10.08.2008, 18:50): Original von Zelenka m Falle der letzten Schubert-Sonate ist, fürchte ich, der bei Preiser erschienene Transfer vorzuziehen.
... die ich natürlich auch mein Eigen nenne... :cool
Zelenka (10.08.2008, 18:55): Original von Cosima Original von Zelenka m Falle der letzten Schubert-Sonate ist, fürchte ich, der bei Preiser erschienene Transfer vorzuziehen.
... die ich natürlich auch mein Eigen nenne... :cool
:down :down :down Hatte ich auch angenommen! :D
Gruß, Zelenka
Cosima (27.08.2008, 19:26): Kleine Zwischenmeldung wegen der „Richter in Leipzig“-Aufnahme. Das sieht leider alles nicht gut aus, gar nicht gut… :I
Amazon-UK hat sie wieder gestrichen, weil angeblich nicht lieferbar. Eine Anfrage bei Leslie Gerber (Parnassus) hat ergeben, dass die Aufnahme mit Zeitverzögerung in den Handel gekommen sein soll. Ich habe sie jedoch noch nirgends als lieferbar gesehen, auch von niemandem gehört oder gelesen, der sie bereits in den Händen gehalten hat. Leslie Gerber hat in einer Newsgroup eine Direktlieferung angeboten, sich jedoch auch dort dann nicht mehr gemeldet. Ich habe die Vermutung, dass es – vielleicht wegen eines erneuten Rechtsstreits – gar nicht zur Auslieferung gekommen ist.
So ein Elend! - Das erinnert mich an die Geschichte um „Brockes Passion“ von cpo. Die Aufnahme ist ganz kurz nach Auslieferung auch wegen eines Rechtsstreits noch gestoppt worden. Ganze 4 Exemplare sollen es trotzdem in den Umlauf geschafft haben, der Rest wurde eingestampft. Eines davon wird hier für 1.500 Euro gehandelt.
Gruß, Cosima
Dr. Schön (28.08.2008, 12:12): Das ist schade, denn ich hatte mir diese Cd nach dem hören des Ausschnittes bei Youtube notiert.
Cosima (28.08.2008, 20:12): Original von Dr. Schön Das ist schade, denn ich hatte mir diese Cd nach dem hören des Ausschnittes bei Youtube notiert.
Ja, das ist wirklich schade, den 2. Satz aus op. 111 konntest Du ja noch gar nicht hören. Der ist auch himmlisch! :engel
Aber nicht nur das: Vol. 1 aus der Parnassus-Reihe „Richter in the 1950s“, die ich vor ca. 2 Wochen schon bestellt hatte, scheint auch nicht mehr lieferbar zu sein. Zumindest hat der Verkäufer schon mal mit einer Lieferzeitverzögerung gedroht und mir eine Stornierung freigestellt. Ich hatte es doch geahnt! :S
Dr. Schön (28.08.2008, 20:16): Wo gibts eigentlich die oft erwähnte Appassionata aus der Carnegie Hall? Es gibt/gab so ein teures Cd Set "Legendary Treasures" auf Doremi, wo sie drauf sein sollte. Aber gibt es die auch irgendwie einzeln?
Dr. Schön
Cosima (28.08.2008, 20:24): Ich kenne sie nur aus der Doremi-Box:
Vorher war sie wohl nur auf LP erhältlich, dann eine ganze Weile gar nicht mehr. Leider ist sie sehr teuer, aber ich hatte mich seinerzeit fürchterlich darauf gefreut. Die Appassionata ist wahnsinnig: Ein Pianist am Rande des Nervenzusammenbruchs, aber genial gespielt! :down (Dabei soll Richter doch Beruhigungsmittel genommen haben. Wie hätte er bloß ohne gespielt?) Die Klangqualität ist leider eher schlecht, das betrifft sämtliche Mitschnitte.
Dr. Schön (28.08.2008, 20:36): Ja, bevor diese Box rauskam hatte ich sie auch nie finden können. Ein Bekannter hat eine alte CBS LP wo sie drauf ist. War klanglich gar nicht so schlecht. Ist aber zu lange her, dass er sie mir vorgespielt hat. Den Schluß des dritten Satzes habe ich noch in lebhafter Erinnerung.
Die Moskau '58 auf Melodia ist natürlich auch sehr eindrucksvoll. Daneben mag ich seine "Hammerklavier" bei BBc Legends ganz gerne. Die ersten beiden Sätzte nimmt er beeindruckend schnell. Im Langsamen Satz scheint er etwas verausgabt, was mich hier aber weniger stört, und das Finale wirkt trotz eher schwacher Klangtechnik erstaunlich durchsichtig. Solomon ist natürlich unschlagbar. Aber ich höre seine Aufnahme sehr selten. Diese Richter höre mit am liebsten. Sie plättet mich auf eine andere Art als Solomon. Man muss hier nicht immer den besten hören.
Dr. Schön
Cosima (28.08.2008, 20:49): Original von Dr. Schön Die Moskau '58 auf Melodia ist natürlich auch sehr eindrucksvoll.
Bist Du sicher? Oder meinst Du Moskau, Juni 1960? Ich denke aber, wir meinen dieselbe Melodiya-Aufnahme. Ich finde sie jedenfalls besser (und ich meine mich zu erinnern, dass Richter selbst das auch so sah) als die RCA-Studio-Aufnahme aus Nov. 1960.
Bzgl. Solomon stimme ich Dir zu!
Dr. Schön (28.08.2008, 20:53): Ja. Da habe ich irgendwelche Richter Recitals verwechselt. Richter in Sofia war '58. Ich meine 60.
verlegen Dr. Schön
Cosima (11.09.2008, 19:07): Richter als Liedbegleiter: Schubert-Lieder - Konzertmitschnitt (1977 im Grand Théatre de Tours) mit Dietrich Fischer-Dieskau
Was die stimmliche Disposition des Sängers angeht, so kann ich hier nur schwerlich ein Urteil abgeben. Faszinierend finde ich aber die Fülle an Farben und Nuancierungen, die Fischer-Dieskaus Gesang aufweist. M.E. gestaltet er intensiv, betont aber nicht über. Gefällt mir sehr gut! (Ich muss mein vorschnelles, eher negatives Urteil über Fischer-Dieskau revidieren.)
Sviatoslav Richter ist in diesem Konzert für mich der ideale Begleiter! :down Er geht auf den Sänger ein, gibt darüber hinaus dem pianistischen Part eine individuelle Akzentuierung. Richter gestaltet aktiv und aufmerksam mit, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Vor allem den Nachspielen verleiht er eine besondere Betonung, indem er sie sensibel auskostet und nicht nur herunterspielt. Genauso wünsche ich mir Liedbegleitung – ganz hervorragend macht er das!
Das Programm ist intelligent zusammengestellt: Durch die gewählte Reihenfolge entsteht ein schöner Fluss im Vortrag der Lieder, der das ganze Konzert sehr stimmig erscheinen lässt.
Obgleich es sich um einen Konzertmitschnitt handelt, sind keine Störgeräusche aus dem Publikum zu hören. Auch die Klangqualität ist sehr gut.
Insgesamt hat mich diese Aufnahme, die ich zunächst eher zur Komplettierung meiner Richter-Sammlung angeschafft hatte, sehr begeistert! Da haben sich zwei Künstler zusammengetan, die in ihrer gemeinsamen Arbeit jeweils von der starken Persönlichkeit des anderen profitieren konnten. Das Ergebnis ist faszinierend und für mich absolut überzeugend!
Gruß, Cosima
ab (11.09.2008, 21:08): Original von Cosima Richter als Liedbegleiter: Schubert-Lieder - Konzertmitschnitt (1977 im Grand Théatre de Tours) mit Dietrich Fischer-Dieskau
Faszinierend finde ich aber die Fülle an Farben und Nuancierungen, die Fischer-Dieskaus Gesang aufweist. M.E. gestaltet er intensiv, betont aber nicht über. Gefällt mir sehr gut! (Ich muss mein vorschnelles, eher negatives Urteil über Fischer-Dieskau revidieren.)
Dieses vorschnelle Urteil kann ich gut nachvollziehen: Auch heute noch kostet es mich jededesmal wieder so seine Zeit, von diesem - wie ich finde - eigentlich wenig schönem Timbre zu abstrahieren. Auch finde ich seine Technik weniger ausgefeilt als es heute inzwischen fast üblich geworden ist. Was aber die Gestaltung und den Ausdrucks angeht, und insbesondere die geistige Durchdringung des Textes, kann man fast beliebig weitere positive Attribute anfügen.
Es ist wohl kaum ein Wunder, dass Richter gerade mit diesem Sänger zusammengearbeitet hat.
Was den 1977er Schubert Liederabend betrifft (ich wusste gar nicht dass die DG-Sache live aufgenommen wurde), so gibt es aus demselben Jahr auch den Mitschnitt aus Salzburg vom 29 August:
Praktisch dasselbe Programm, nur etwas am Anfang und Ende verlängert:
Versunken; Des Sängers Habe; Wehmut; Der Strom; Das Zügenglöcklein; Abendbilder; Auf der Donau; Der Schiffer; Totengräbers Heimweh; Die Vögel; Am Fenster; Die Sterne; Fischerweise; Liebeslauschen; Der Wanderer; Auf der Bruck; Im Frühling; Heliopolis II; Nachtviolen; Der Einsame; Geheimes; Nacht & Träume; Abschied
:hello
Cosima (11.09.2008, 21:49): Original von ab Es ist wohl kaum ein Wunder, dass Richter gerade mit diesem Sänger zusammengearbeitet hat.
Ja, langsam wird mir das auch deutlich! Und die Zusammenarbeit muss für beide Künstler inspirierend gewesen sein (so zumindest mein Eindruck nach dem Hören der DG-Aufnahme).
Ich habe in Richters „Notebooks and Conversations“ (Monsaingeon) nachgeschaut, ob und wie er sich zu Fischer-Dieskau geäußert hat. Da gibt es sehr viele positive Aussagen, er muss den Sänger sehr geschätzt haben. Da ist auch ein Eintrag zu Schubert-Liedern (Tours 1977, wohl aber nicht jener Liederabend, der von der DG mitgeschnitten worden ist). Jedenfalls sagt Richter, dass die Arbeit mit FiDi nicht einfach war, das Ergebnis aber großartig sei. Und weiter: „The way he sings „Des Totengräbers Heimweh“ is fantastic. It creates the impression of something wrenched and crushed.“ – Diesen Eindruck kann ich nachempfinden – es ist wirklich fantastisch!
Die Orfeo-CD werde ich als nächstes beschaffen, danke für den Hinweis.
Gruß, Cosima
ab (12.09.2008, 09:22): Original von Cosima Ich habe in Richters „Notebooks and Conversations“ (Monsaingeon) nachgeschaut
Ist das das Original von jenem Buch deutscher Übersetzung ?
Bruno Monsaingeon SWJATOSLAW RICHTER
Mein Leben, meine Musik 485 Seiten / Paperback ISBN 3-932976-27-4
Cosima (12.09.2008, 14:13): Original von ab Ist das das Original von jenem Buch deutscher Übersetzung ?
Ja, das meine ich. Als ich mir seinerzeit das Buch gekauft hatte, gab es leider noch keine deutsche Übersetzung. (Das Buch ist unbedingt empfehlenswert!)
:hello
ab (12.09.2008, 14:36): Original von Cosima Original von ab Ist das das Original von jenem Buch deutscher Übersetzung ?
Ja, das meine ich. Als ich mir seinerzeit das Buch gekauft hatte, gab es leider noch keine deutsche Übersetzung. (Das Buch ist unbedingt empfehlenswert!)
:hello
Werde ich mir wohl zum nächsen Geburtstag schenken lassen. Danke für den Tipp!
Cosima (12.09.2008, 16:09): Original von ab Werde ich mir wohl zum nächsen Geburtstag schenken lassen. Danke für den Tipp!
Lieber ab,
unbedingt – Du wirst dieses Buch lieben, da bin ich mir sicher! Es enthält die Gespräche mit Bruno Monsaingeon und sehr viel wunderbares Bild-Material (Richter als Kind, als Dirigent, zusammen mit anderen Persönlichkeiten, in Konzerten, in seiner Wohnung etc.). Ungefähr die Hälfte des Buches machen die Tagebuchaufzeichnungen bzw. Notizen aus. In dem Monsaingeon-Film sieht man Richter aus diesen Heften vorlesen. Im Anhang findet sich eine umfangreiche Statistik mit allen Werken, die Richter jemals gespielt hat, einschließlich der Anzahl in den jeweiligen Jahrzehnten, den Daten der Premieren etc.
Ich kann dieses Buch gar nicht genug preisen, es ist das beste und schönste Buch, das ich in Sachen Musik kenne! :down
Apropos Monsaingeon: Er hat ja so wundervolle, einfühlsame Filme gemacht (über Richter, Gould etc.); ich sah eben, dass es von ihm auch eine Dokumentation über Fischer-Dieskau gibt. Falls meine Begeisterung also anhalten – oder sich gar verstärken – sollte: Diese DVD werde ich mir schon einmal auf meine Wunschliste setzen.
Gruß, Cosima
ab (13.09.2008, 12:55): Sehe mit Entsetzen, dass es eigentlich schon vergriffen zu sein scheint.
Ich sehe aber auch, dass es im Englischen zwei Bücher verschiedenen Titels gibt. Eimals der von dir genannte (PRINCETON UNIV PR 2002) dann aber auch bloß mit dem Titel: Sviatoslav Richter( FABER & FABER 2005). Ist das identisch?
:hello
Cosima (13.09.2008, 13:42): Lieber ab,
ich denke, dass die Bücher identisch sein müssen, es gibt ja nur dieses eine Richter-Buch von Monsaingeon.
Du kann aber die deutsche Ausgabe direkt beim Staccato-Verlag bestellen (geht problemlos, ich habe dort auch schon bestellt). Ich habe gerade nachgeschaut, die liefern innerhalb Europas mit 3,50 Euro Versandkosten.
Gruß, Cosima
Dr. Schön (14.09.2008, 19:51): Original von Cosima Original von ab Es ist wohl kaum ein Wunder, dass Richter gerade mit diesem Sänger zusammengearbeitet hat.
Ja, langsam wird mir das auch deutlich! Und die Zusammenarbeit muss für beide Künstler inspirierend gewesen sein (so zumindest mein Eindruck nach dem Hören der DG-Aufnahme).
Ihr macht mich wirklich neugierig..... http://www.vpsingles.com/pics/piano.gif http://www.vpsingles.com/pics/sing.gif
Amadé (14.09.2008, 20:26): Richter und Fischer-Dieskau haben sich sowohl menschlich als auch künstlerisch verstanden, sonst hätten sie nicht so oft miteinander musiziert. Ich bin jetzt nicht ganz im Bilde, ob dieses schon Erwähnung und Würdigung fand:
Brahms: Die schöne Magelone, auch eine kommerzielle Aufnahme von EMI gibt es, empfehlenswert!
Grüße Amadé
Cosima (14.09.2008, 22:04): Original von Amadé Brahms: Die schöne Magelone, auch eine kommerzielle Aufnahme von EMI gibt es, empfehlenswert!
Lieber Amadé,
auf diese Aufnahme hat mich ab hingewiesen. Die Brahms-Lieder von Fischer-Dieskau auf EMI sind von Brilliant wieder veröffentlicht worden. Ich habe mir die Box gestern gekauft und heute bereits die "Magelone" gehört. Ja, in der Tat sehr empfehlenswert! Die Orfeo-Aufnahme habe ich bestellt. Wolf kommt als nächstes dran.
Inzwischen bin ich ganz vernarrt in Fischer-Dieskau! Verglichen habe ich das Schubert-Lied "Im Frühling" - einmal mit Richter als Begleiter und 1987 mit Gerald Moore. Moore war bestimmt ein sehr guter Liedbegleiter, aber Richter ist bei den Schubert-Liedern noch einmal eine ganz andere Klasse! Ganz großartig diese Zusammenarbeit! Ich wünschte, es würde noch viel mehr Aufnahmen mit den beiden Künstlern geben.
Gruß, Cosima
Nachtrag: Ich sehe eben, dass die "Magelone" auch in der Box "Svjatoslav Richter - The Master Pianist (Icon Series)" enthalten ist.
Cosima (14.09.2008, 22:21): Original von Dr. Schön Ihr macht mich wirklich neugierig..... http://www.vpsingles.com/pics/piano.gif http://www.vpsingles.com/pics/sing.gif
:J Hätte mir vor ein paar Wochen jemand prophezeit, dass ich mich jemals für Liedgesang und speziell für Fischer-Dieskau begeistern könnte... ich hätte es nicht geglaubt. Heute kann ich sagen, dass diese Schubert-Aufnahme mit Richter eine Scheibe für die berühmte einsame Insel wäre!
Gruß, Cosima
Dr. Schön (14.09.2008, 22:39): Original von Cosima Original von Dr. Schön Ihr macht mich wirklich neugierig..... http://www.vpsingles.com/pics/piano.gif http://www.vpsingles.com/pics/sing.gif
:J Hätte mir vor ein paar Wochen jemand prophezeit, dass ich mich jemals für Liedgesang und speziell für Fischer-Dieskau begeistern könnte... ich hätte es nicht geglaubt. Heute kann ich sagen, dass diese Schubert-Aufnahme mit Richter eine Scheibe für die berühmte einsame Insel wäre!
Gruß, Cosima
Dann und wann finde ich eine CD mit Liedgesang die mich begeistert und ich bin froh wenn ich ein paar davon habe. Vielleicht wandern ja ein oder zwei mit diesem Duo dazu, oder es packt mich wie dich :B Bei Opern habe ich sehr ziespältige Begegnungen mit Dieskau gemacht. Ganz früh in meiner Klassikzeit hatte ich eine traumatische Begegnung mit seiner Mono Winterreise mit Moore. Ich hätte damals aber wahrscheinlich von jeder Form von "solchem" Gesang ein Trauma erlitten. Jedenfalls hat mich das bzgl. Fischer Dieskau etwas negativ geprägt. Man soll ja gelegentlich solche Vorurteile überprüfen..... Und wenn man für Richter auch Rauschen, Husten und undefinierbare Störgeräusche in Kauf nimmt, scheut man auch Fieskau nicht.
Im Ernst: Ich bin sehr interessiert mir das anzuhören.
Amadé (14.09.2008, 23:13): Mit Erstaunen stelle ich fest, dass die klitzekleine FD-Gemeinde dieses Forums wächst.:B
Grüße Amadé
Cosima (02.10.2008, 23:17): Apropos Monsaingeon: Er hat ja so wundervolle, einfühlsame Filme gemacht (über Richter, Gould etc.); ich sah eben, dass es von ihm auch eine Dokumentation über Fischer-Dieskau gibt. Falls meine Begeisterung also anhalten – oder sich gar verstärken – sollte: Diese DVD werde ich mir schon einmal auf meine Wunschliste setzen.
Meine Begeisterung hat nicht nur angehalten, sie hat sich im Verlaufe der letzten Wochen sogar noch verstärkt. Den Monsaingeon-Film über Fischer-Dieskau habe ich also inzwischen gesehen. Ganz großartig ist er! Hier eine kleine Einführung von Bruno Monsaingeon darüber: „Die Stimme der Seele“.
Die Dokumentation enthält viel Filmmaterial aus Opern-Aufnahmen und Lieder-Abenden, ist im Ganzen wohltuend schlicht gehalten. Fischer-Dieskau berichtet – in bescheidener und sehr sympathischer Manier – von den wichtigen Stationen seiner Karriere, seinen Erfahrungen, Erinnerungen etc.
Enthalten auf der DVD ist auch ein Recital mit dem Pianisten Hartmut Höll, das 1992 in Nürnberg gefilmt wurde. Fischer-Dieskaus Stimme ist natürlich nicht mehr jugendlich frisch, aber es ist dennoch eine große Freude, dieses Konzert zu verfolgen. Monsaingeon hat recht, wenn er darüber folgendes schreibt: „Dietrich Fischer-Dieskau ist nicht nur ein Sänger, sondern auch ein phänomenaler Schauspieler: Während das Klavier das Lied allein zum Abschluß bringt, kann die kleinste Bewegung – ob einfach das leise Zucken der Augenbraue oder das Schließen der Augen – präzise die harmonische Struktur, die genaue rhythmische und emotionale Stimmung der Musik wiederspiegeln. Man ist sich seiner zwingenden Gegenwart bewußt, wenn er Stille interpretiert.“
Aber hier soll es ja um Sviatoslav Richter gehen… Interessant fand ich, bestätigt zu finden, was ich schon vorher hörend erfahren hatte. Fischer-Dieskau erzählt natürlich auch ein wenig über seine Begleiter. Gerald Moore war für ihn der Begleiter mit größter Sensibilität, der sofort wusste, wohin er, der Sänger, wollte. Bei Richter muss die Herangehensweise anders gewesen sein, denn Fischer-Dieskau sagt, dass er in der gemeinsamen Arbeit versuchte, den schnellsten Weg zum Partner zu finden – nämlich um ihn, den Lied-Begleiter, mit seiner Stimme zu begleiten. In FiDi’s Buch „Nachklang“ heißt es dazu: „Daß ich besonders daran Freude hatte, mich in die Konzeptionen Richters einzuschmiegen, erzählte ich schon.“
Es ist so schade, dass es keine frühen gemeinsamen Aufnahmen dieser beiden großartigen Künstler gibt. Bezeichnenderweise sagt Fischer-Dieskau über sich selber, dass er sich vorrangig immer als Musiker und nicht „nur“ als Sänger gesehen hat. Ja, so empfinde ich das auch.
Das Programm: Acht bekannte – und von mir sehr geliebte – Schubert-Lieder (Am Fenster, Auf der Donau, Des Fräuleins Liebeslauschen, Auf der Bruck, Fischerweise, Der Wanderer, Die Sterne, Im Frühling). Gefilmt im Schloss von Ismaning für den Bayerischen Rundfunk im Jahre 1978; auf DVD hier eine Erstveröffentlichung.
Richter als hochkonzentrierter und sensibler Begleiter, Fischer-Dieskau gut bei Stimme (obgleich er erkältet war) und hör- und sichtbar inspiriert bei der Sache.
Lotte Lehmann schrieb dem Sänger einst nach einem Live-Erlebnis: „Ach, aber Sie redeten von Kopf bis Fuß, was mich mehr entzückte, als ich sagen kann. Sie waren frei, ohne Zurückhaltung, Sie sangen ganz und gar, .“ So ist auch immer mein Eindruck, wenn ich Fischer-Dieskau singen höre und sehe. Gestik und Mimik verändern sich auf sehr feine, „unschuldsvolle“ Art und Weise, immer im Einklang mit dem Text bzw. der Musik.
Ein faszinierender Mitschnitt, interpretatorisch - was beide Künstler angeht - der Salzburger Orfeo-Aufnahme und der Live-Aufnahme auf DG (jeweils aus 1977) ebenbürtig.
Gruß, Cosima
Cosima (11.10.2008, 23:21): Inzwischen ist tatsächlich die „Richter in Leipzig“-Aufnahme bei mir eingetroffen! Ich wollte schon fast die Hoffnung aufgeben nach zwei vergeblichen Bestellversuchen und ewig langer Wartezeit.
Zu den Interpretationen muss man nichts mehr sagen – ich finde sie überwältigend (vor allem op. 111, aber das schrieb ich bereits)!
Das Booklet ist nur ein schlichtes Faltblatt, wie am heimischen PC gebastelt, aber das tut der Freude keinen Abbruch. Leslie Gerber weist in seinem Text noch einmal auf den außergewöhnlichen Aspekt dieser CD hin: Es handelt sich um eine Rarität, da nach Erstveröffentlichung in 1998 (Music & Arts) nur wenige Exemplare in Umlauf gebracht wurden, was die Preise sehr rasch steigen ließ.
In op. 109 waren ursprünglich Störgeräusche, zurückzuführen auf Fehler des master tapes, die vor allem in den langsamen Passagen etwas unangenehm auffielen. Parnassus hat diese Störgeräusche weitgehend eliminieren können. Außerdem wurde die Klangqualität insgesamt ein wenig verbessert, ohne aber die akustische Atmosphäre zu beeinträchtigen.
Gruß, Cosima
acousticsguru (21.11.2008, 04:23): Liebe Cosima
Im folgenden ein kleiner „Erlebnisbericht“ zu einem Richter-Rezital für Dich (und all jene von uns, die sich seiner gerne erinnern):
Über die Jahre sind mir eine Handvoll Konzerte besonders intensiv in Erinnerung geblieben. Das Rezital, das Sviatoslav Richter am 3. Juni 1994 in St. Gallen gab, hat sich gar so in mein Gedächtnis eingeprägt: „Intensität“. Ich hatte meinen liebsten Freund aus der Gymnasialzeit überredet, mich zu begleiten, und meine Güte, uns hat der Kopf geraucht, wir sind regelrecht hinausgehinkt ob der geistigen Nahrung, die uns da verabreicht wurde! Dieser Eindruck war so unmittelbar, ich weiss noch, dass ich während des Rezitals befürchtete, mein ehemaliger Schulfreund könnte es mir übel nehmen, dass ich ihn gleichsam genötigt hatte mitzukommen; natürlich war dem nicht so. Zugegebenermassen war das Programm an sich schon nicht leicht verdaulich, zumindest nicht die russisch geprägte erste Hälfte. Richter spielte damals Prokofiev, Scriabin und Ravel (das exakt gleiche Programm, das zwei Wochen zuvor in Ludwigshafen, am 19. Mai nämlich, aufgezeichnet wurde, und das man bei Live Classics auf einer CD erwerben kann mit dem Titel „Out of Later Years Vol. 2“). Trotzdem hätten wir kaum erahnen können, was uns erwartete. Ein erster Schreck bestand darin, dass wir fast unmittelbar vor Konzertbeginn von einem Sprecher der Tonhalle darauf aufmerksam gemacht wurden, dass das Licht gedämmt würde, da der Pianist die Aufmerksamkeit des Publikums vom Visuellen weg zur Musik hin zu lenken wünsche. Wir empfanden dies als aussergewöhnlich, aber interessant; geringfügig enttäuschend vielleicht, egal, wir hatten Plätze auf der Empore rechts, von wo aus man allenfalls Richters Gesicht sehen konnte, aber nicht die ganze Tastatur des, wie sich herausstellte, gewiss nicht schlecht, aber nicht allzu schön klingenden Flügels. Schon bald beschlich mich jedoch der Verdacht, die Verdunklungsmassnahme könnte das Gegenteil dessen bewirken, was beabsichtigt war, nämlich als die Zuschauer sich quasi unisono in ihren Sitzen nach vorn beugten und ihre Augen zusammenzukniffen, um möglichst gute Sicht das wenige zu bekommen, was noch zu erkennen war. Wie attraktiv die Person war, die im Lichtkegel eines grotesk kleinen Lämpchens die Noten umblätterte, weiss ich übrigens nicht mehr; vielleicht handelte es sich dabei aber eine damals noch junge Dame. Augenblicke zuvor hatte man Richter ja noch betrachten dürfen. Kein anderer Künstler hat mich je allein aufgrund seiner schieren Physiognomie so beeindruckt. Der Mann warf vielleicht einen Schatten! Ich kannte es damals noch nicht, aber das fast schon geflügelte Wort von Bryce Morrison (ich paraphrasiere), Richter hätte nicht die Bühne betreten, sondern förmlich die Welt in Siebenmeilenstiefeln durchmessen wie ein Koloss, man konnte es wahrhaft nicht nur auf seine Kunst anwenden. Er schien zugleich riesig, hünenhaft, aber auch leicht bucklig, weniger ein Glöckner von Notre-Dame als vielmehr ein Denker von Rodin mit seinen hängenden Schultern, geduckt, als sei er im Begriff, sich jeden Moment zu erheben, nur dass er bereits alles und jeden zu überragen schien. Im einem steinern wirkenden Gesicht schien ein selten maskuliner Unterkiefer leise vor sich hin zu mahlen wie bei einem Wiederkäuer, offenbar ein Ausdruck von höchster Anspannung, vielleicht unterdrückter Nervosität gepaart mit äusserster Konzentration. Es war unmöglich, den Mann nicht anzustarren. Da war noch etwas anderes, das mich anfangs verwirrte, und das mir nur allmählich einleuchtete. In seinem Gesichtsausdruck schien etwas zutiefst Dümmliches zu liegen. Oberflächlich betrachtet etwas, das an Stefan Zweigs Beschreibung seines „Schachweltmeisters“ Mirko Czentovic erinnerte. Bloss war Richter das pure Gegenteil von lächerlich. Er schien vielmehr einschüchternd wie das übergrosse Tier jenseits der natürlichen Nahrungskette, das sanftmütig, sogar verängstigt sein darf, da sich ohnehin niemand trauen würde, es anzugreifen. Woran das lag, mochte man kaum raten. Er war einerseits wohl schüchtern. Das konnte man sehen oder zumindest fühlen. Ich frage mich noch heute, wer mehr Angst hatte, er oder das Publikum, und wer wem grösseres Wohlwollen entgegenbrachte. Andererseits konnte kein Eindruck über das Offensichtliche hinwegtäuschen: da stand einer, der sich seiner Unzulänglichkeit vielleicht allzu bewusst war, inmitten vieler, die nicht wahrhaben wollen, wie sehr es ihnen an Weisheit mangelt. Sich dies einzugestehen, fällt nicht leicht. Es schien aber Teil des Phänomens Richter zu sein, dass er seinem Publikum etwas abverlangte. Und das tat er dann auch mit seinem Klavierspiel. Prokofievs Zweite Sonate schien schwere Kost, hämmernd; wenngleich ich mich auch an Momente von Ironie und Witz erinnere, wirkte ein fast triebhafter Vorwärtsdrang willentlich unterdrückt, gezähmt – von didaktischer Schwerfälligkeit möchte ich nicht sprechen, aber als etwas angestrengt empfand ich es doch (die Aufnahme des fast drei Jahrzehnte jüngeren Richter kannte ich damals nicht). Verhaltene Sinnlichkeit in Scriabins Siebter Sonate, der sogenannten “Weissen Messe”, half mir über eine gewisse Hilflosigkeit angesichts wogend-bohrenden Lärms hinweg, die sich bei mir beim Anhören dieser Musik an Stelle ansteckender mystischer Verzückung auch heute gelegentlich noch einstellt (eine Verwirrung, die für mich erstmals ein mit einiger Verspätung entdeckter Live-Mitschnitt von Igor Shukov in Wohlgefallen aufzulösen vermochte). Auch der Ravel begann zunächst als eine Mischung aus Erdenschwere, Rhythmik und Klangschönheit, dann schienen sich die Valses Nobles et Sentimentales und noch mehr die Miroirs zu einer Belohnung für die Zuhörer zu wandeln, weniger geschliffen-elegant als ein immer enthemmteres Zugeständnis an deren Geduld, wie es schien auch an die eigene Virtuosität und unterschwellig offenbar doch vorhandene Extrovertiertheit – die Ziellinie befand sich nun spürbar in Sichtweite, plötzlich war da kein Halten mehr, und was erst lange zu dauern schien, war nun allzu rasch vorbei. Ob und was für Zugaben Richter an dem Abend spielte, weiss ich nicht mehr. Obschon zu der Zeit noch vergleichsweise jung und rüstig, war für mich das sprichwörtliche Ende der Fahnenstange erreicht. In einen Zustand glücklicher Erschöpfung fühlten wir uns erst entlassen, als wir in die kühle Abendluft hinaustraten. Wir gingen, oder vielmehr torkelten ohne viele Worte unsrer Wege. Mir wurde klar, ich hatte da nur gesessen, war Zeuge gewesen, und hatte dennoch so intensiv gelebt, wie es einem nur selten vergönnt ist.
Liebe Grüsse aus der Schweiz, David. _________________
„J'ai gâché vingt ans de mes plus belles années au billard. Si c'était à refaire, je recommencerais.“ – Roger Conti
ab (21.11.2008, 11:51): Original von Gamaheh Richter kann ich nur selten hören, weil mir einerseits mein Wohnzimmer zu klein erscheint; andererseits fühle ich mich von ihm vereinnahmt. Ich muß schon in besonderer Stimmung sein und mich stark fühlen, um Richter zu hören. Das ist jemand, den ich wirklich gerne mal im Konzert erlebt hätte ...
Mir geht es so mit Maria Yudina. :hello
ab (21.11.2008, 11:59): Hallo David!
willkommen hier im Forum und herzlichen Dank für Deine persönlichen Eindrücke! Ich selbst habe ja leider Richter nicht mehr erlebt, schlicht und einfach, weil ich zu spät begonnen habe, das Klavierrepertoire für mich zu entdecken.
Ich entsinne mich aber noch deutlich an Berichte im Österreischischen Fernsehen aus den 1990ern , wo noch in Nachrichtenbeiträgen über seine Konzerte in Wien berichtet wurde. Stets war zu hören er habe sein Kraft eingebüßt und nur gelegentlich sei seine Genialität aus frühen Zeiten aufgeblitz. (Damals fand ich das interessant; heute ärgern mich derartige Vergleiche, schließlich möchte ich doch erfarhen, wie eine Interpretin heute gespielt hat und nicht, wie sie heute nicht gespielt hat. Aber das ist ein anders Thema, das leidige der Musikrezension...)
:hello
Amadé (21.11.2008, 15:42): Hallo acousticsguru, willkommen hier im Forum,
Richter-Konzerte müssen zumindest in seiner besten Zeit immer eindrucksvolle Ereignisse gewesen sein, die ein Leben lang nachklingen. Ich habe ihn 1971 oder 72 in Bonn mit Beethoven und Schumann gehört. Damals erschienen Teile seines Konzertprogramms auch auf LP: Sinfonische Etüden und Beethoven op.90.
Gruß Amadé
Cosima (21.11.2008, 16:53): Lieber David,
zunächst einmal: Herzlich willkommen in diesem Forum!
Du hast mir mit Deinem Erlebnisbericht eine große Freude gemacht! Ich habe gelegentlich nach Eindrücken gefragt, natürlich auch im Internet nach Konzert-Berichten gesucht – aber ich sage es gerne und meine es ganz aufrichtig: Ich glaube, ich habe noch keinen so bewegenden und detaillierten Bericht gelesen, wie Du ihn geschrieben hast! Ich wollte nicht gefühlsduselig werden, aber bei Richter kann ich nicht anders: Du hast Deine Eindrücke und Gefühle so lebendig beschrieben, dass ich ganz gerührt bin.
Ich habe diesen wundervollen Musiker leider auch nicht mehr live erleben können, umso mehr versuche ich mir gelegentlich vorzustellen, wie es wohl hätte sein können. Immer wieder las und hörte ich von seiner ungeheuren Präsenz, seiner raumgreifenden Ausstrahlung, aber auch von seiner Zurückhaltung und Bescheidenheit, seinem ernsthaften Auftreten. Das Szenario mit der kleinen Lampe konnte ich wenigstens kürzlich auf einer DVD sehen.
„Intensität“ – das ist es, was auch ich wahrnehme, wenn ich seine Aufnahmen höre. Richter war kein Mensch, der es sich leicht gemacht hat. Und er macht es auch dem Hörer nicht leicht. Aber wie reich wird man belohnt! Dein Schlusssatz …
„Mir wurde klar, ich hatte da nur gesessen, war Zeuge gewesen, und hatte dennoch so intensiv gelebt, wie es einem nur selten vergönnt ist.“
… ist (wie Dein ganzer Bericht!) nicht nur glänzend formuliert, er drückt auch genau das aus, was ich – sicherlich nur in abgeschwächter Form, da ein Live-Eindruck sehr viel stärker bewegt – in Bezug auf Richter und seine Kunst empfinde. Mein Leben wäre sehr viel ärmer ohne ihn.
Herzliche Grüße, Cosima
P.S.: Ich würde mich sehr freuen, hier mehr von Dir zu lesen!
acousticsguru (22.11.2008, 01:20): Liebe Cosima
Danke für die lieben Worte! Es freut mich sehr, Dir damit eine kleine Freude gemacht zu haben. :hello
Inzwischen fällt mir auch der Blumenstrauss wieder ein, dieser übergrosse Mann mit dem undeutlichen, mehr angedeuteten Lächeln, der einen Blumenstrauss erhielt, von dem man das Gefühl hatte, er kannte diesen wohl unausweichlichen Moment in seinen Rezitalen, und dennoch schien er überrascht, vielleicht mehr Ausdruck einer Rückkehr aus einem Zustand der Anspannung und Konzentration in die Normalität, und irgendwie süss wirkte er da, ein klitzekleines bisschen weniger alles überragend, eine Idee in sich zusammengesunken vielleicht ob der Anstrengung, etwas hilflos ob des Blumenstrauss, für den er so keinerlei Verwendung zu haben schien...
Nebenbei bemerkt glaube ich nicht, dass sich das, was Richter ausmachte, in vielen seiner nicht doch vollends ausdrückt; die physische Intensität erlebt zu haben, die er ausstrahlte, und das Bewusstsein derselben, das vielleicht der eigentlich wahre Grund war für seine Entscheidung, nur noch bei abgedunkelter Beleuchtung zu spielen, wiegt nicht auf, was Mitschnitte wie die 1960er Moskauer Appassionata vermitteln: an einen pianistischen Tobsuchtsanfall grenzende Triebhaftigkeit. Mit anderen Worten, man scheint es überhaupt mehr zu hören, als zu sehen, dass er (und darin erinnert mich das rein gehörmassig wahrnehmbare bei ihm an Michelangeli) offenbar in sich etwas Ungeheures gebändigt hielt. Was ich nun sage, ist nur ein vages Gefühl, aber es mag genialische "Übermenschen" geben, die vielleicht fälschlicherweise glauben, in ihnen stecke gar ein potenzielles Untier, oder ein Unhold, den es gilt, in Schach zu halten, während, wie es eine psychologisch gebildete liebe Bekannte von mir einmal ausdrückte, diese Menschen in Wirklichkeit "nur Elephanten sind, die mehr Platz brauchen als andere, und die diesen Platz für sich an Anspruch nehmen dürfen, da sie ihn ja auch anderen gar nicht wegnehmen". Wie Nelson Mandela es in seiner Antrittsrede 1994 formuliert hat:
Jeder Mensch ist dazu bestimmt, zu leuchten !
Unsere tiefgreifendste Angst ist nicht, dass wir ungenügend sind, unsere tiefgreifendste Angst ist, über das Meßbare hinaus kraftvoll zu sein. Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, die uns am meisten Angst macht. Wir fragen uns, wer ich bin, mich brillant, großartig, talentiert, phantastisch zu nennen ? Aber wer bist Du, Dich nicht so zu nennen ? Du bist ein Kind Gottes. Dich selbst klein zu halten, dient nicht der Welt. Es ist nichts Erleuchtetes daran, sich so klein zu machen, dass andere um Dich herum sich nicht unsicher fühlen. Wir sind alle bestimmt, zu leuchten, wie es die Kinder tun. Wir sind geboren worden, um den Glanz Gottes, der in uns ist, zu manifestieren. Er ist nicht nur in einigen von uns, er ist in jedem einzelnen. Und wenn wir unser Licht erscheinen lassen, geben wir anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu tun. Wenn wir von unserer eigenen Angst befreit sind, befreit unsere Gegenwart automatisch andere.
Liebe Grüsse aus der Schweiz, David. _________________
„J'ai gâché vingt ans de mes plus belles années au billard. Si c'était à refaire, je recommencerais.“ – Roger Conti
satie (22.11.2008, 10:36): Lieber David, an dieser Stelle auch von mir noch ein herzliches Willkommen im Forum! Ich freue mich auf viele interessante Beiträge von Dir.
Herzlich, S A T I E
ab (22.11.2008, 10:45): Bei all den vielen neuen Anmerkungen zu Richter fällt mir gerade wieder ein Erlebnis ein, das ich vor etlichen Jahren hatte: Ich schaltete das Radio ein und es erklang Solo-Gitarren-Musik. Ich weiß leider micht mehr wer dieser Deutsche Gitarrist war. Jedenfalls war ich sofort fasziniert, weil mich seine Klangfärbigkeit und Tongestaltung sofort an jene von Svaitoslav Richter erinnerte.
Seit dem weiß ich, was Richters Besonderheit, abseits seiner abnormen musikalischen Tiefe, war: Er schafft es als einziger Piansit, den ich kenne, einen Klang entstehen zu lassen, nicht so klingt, als schlügen die Hämmerchen auf die Saite. Richter schafft es, so anzuschlagen als entstünden der Ton erst in jenem Moment, wenn der Hammer die Saite verlässt, als würde er diese anzupfen.
(Womöglich schafft er es auch deshalb, so die Seele zu berühren...)
Was empfindet ihr diesbezüglich?
:hello
HenningKolf (22.11.2008, 11:22): Original von ab
(Womöglich schafft er es auch deshalb, so die Seele zu berühren...)
Was empfindet ihr diesbezüglich?
Die seltenen Momente, dass Musik wirklich derartig zutiefst berührt habe ich bei Richter noch nie gespürt, wobei ich allerdings einräumen muss, mich mit Richter nicht intensiv beschäftigt zu haben, weil mir die Diskographie zu unübersichtlich ist (es wurde viel zu viel in der Sorge, magische Momente zu verpassen, mitgeschnitten und vor allem dann auch veröffentlicht) und das Unterfangen schnell die finanziellen Möglichkeiten erschöpfen würde....
Mit derart tiefer Empfindung verbinde ich eher Namen wie Michelangeli, Sokolov, Kempff, Celibidache, Wunderlich und Gulda (oder das Gefühl, wenn ich bei Fleisher die Freude zu hören glaube, dass die zweite Hand wieder funktioniert).
Interessanter Gedanke, der "Gitarrenklang"......auch wenn ich diese Assoziation nicht nachempfinden kann.
Gruß Henning
Cosima (22.11.2008, 11:23): Original von ab Seit dem weiß ich, was Richters Besonderheit, abseits seiner abnormen musikalischen Tiefe, war: Er schafft es als einziger Piansit, den ich kenne, einen Klang entstehen zu lassen, nicht so klingt, als schlügen die Hämmerchen auf die Saite. Richter schafft es, so anzuschlagen als entstünden der Ton erst in jenem Moment, wenn der Hammer die Saite verlässt, als würde er diese anzupfen.
(Womöglich schafft er es auch deshalb, so die Seele zu berühren...)
Was empfindet ihr diesbezüglich?
Lieber ab,
ja, richtig! Eine tolle Beobachtung! Du fasst etwas in Worte, was bei mir nur als unterschwelliges Gefühl bislang vorhanden war. Ich meine, man kann dieses „Anzupfen“, diese besondere Anschlagskultur bei Richter auch sehen. Ich kann es nur schwer ausdrücken… Andere Pianisten halten ihre Hände sehr dicht und gerade (z.B. bei Horowitz sehr ausgeprägt, aber auch bei Arrau und Michelangeli gut zu beobachten) über der Tastatur, während Richter oft kleinere oder größere „Bögen“ schlägt, um hernach die Tasten irgendwie zu streifen, zu streicheln (oder wie immer man das ausdrücken kann). Dieser Bewegungsablauf erinnert in der Tat an den eines Harfenisten. Der Ton scheint mit einer winzigen Verzögerung zu erklingen – so wie Du es beschreibst: Eben erst nachdem der Hammer die Saite verlassen hat.
Gruß, Cosima
Cosima (22.11.2008, 11:43): Lieber David,
vielen Dank für Deine weiteren Eindrücke bzgl. des unvermeidlichen Blumenstraußes. Du bist ein sehr aufmerksamer Beobachter! Es macht Freude, Deine detaillierten Schilderungen zu lesen. :)
Kennst Du den Mitschnitt aus der Carnegie Hall vom Okt. 1960? Ich habe schon mehrfach über die völlig aus dem Ruder laufende „Appassionata“ geschrieben. Was für ein Erlebnis, dieser Raserei hörend beizuwohnen! Richter war – natürlich zu Recht – gar nicht glücklich über dieses Konzert, aber man spürt und hört ganz deutlich, dass das Ungeheure in ihm einmal völlig ungebändigt nach außen gekehrt wurde. So als hätte er einmal die Leinen losgelassen, sich ganz der „Triebhaftigkeit“ in ihm hingegeben, weil der Druck einfach zu stark war, der auf ihm lastete, er sich selber eben nicht mehr im Zaum halten konnte.
Interessant ist Dein Vergleich mit Michelangeli. Auch so ein verschlossener Einzelgänger, der sich aber sehr viel stärker kontrollierte als Richter.
Vielen Dank, dass Du die sehr schöne Antrittsrede Nelson Mandelas zitiert hast.
Herzliche Grüße, Cosima
HenningKolf (22.11.2008, 11:52): Sorry! Wie konnte ich es nur übersehen?
Auch von mir ein Herzliches Willkommen an David!
:hello
Cosima (22.11.2008, 13:02): Ich entdeckte eben ein recht neu eingestelltes Video auf youtube. Richter spielt die Schubert-Sonate D 664.
Dort kann man einerseits den von mir oben angedeuteten Bewegungsablauf - Richters sehr eigene Anschlagskultur - etwas nachvollziehen (falls überhaupt klar geworden ist, wie ich das meine). Was mir aber auch durch den Kopf ging: Man sieht auf Richters Gesicht sehr deutlich die hohe Konzentration, die Anstrengung und Anspannung. Die Kameras fangen immer gerne solche sehr intimen und persönlichen Momente ein, die aber eigentlich gar nichts mit der Musik zu tun haben. (Und mir erscheint es oft so, dass man hiermit unberechtigterweise in die Privatsphäre des Künstlers eindringt.) Richter drückte sich auch dahingehend aus, im Sinne von „was hat das, was man auf dem Podium sehen kann, mit der Musik zu tun?“. Deshalb wohl auch sein Wunsch nach Verdunkelung.
Michelangeli ging einen ähnlichen Weg übrigens. Es gibt eine Reihe von Mitschnitten des italienischen Senders RAI Turin aus 1962 (erschienen auf Opus Arte). Es handelt sich um TV-Studio-Konzerte, bei denen der Pianist nur minimale Kameraeinstellungen zuließ. Dabei erlaubte er keine Nahaufnahmen des Gesichts, weshalb man ihn immer nur aus einiger Entfernung von der Seite sieht, wenn ich mich recht erinnere. Der erste Eindruck ist ungewohnt, die Aufnahmen wirken etwas streng und statisch. Was aber geschieht, ist: Die minimale Kameraführung bewirkt, dass man sich tatsächlich sehr auf die Musik konzentriert. Man hat zwar den visuellen Eindruck, dieser lenkt jedoch nicht ab.
Gruß, Cosima
Cosima (22.11.2008, 13:45): Derselbe User („samsonno“) hat übrigens weitere Mitschnitte eingestellt, z. B. hier die fantastisch interpretierte Schubert-Sonate D 894 (Aldeburgh, 1977). :down Es existieren ansonsten von dieser Sonate nur die Aufnahmen aus 1978 (Brilliant) und 1989 (London, bei mir auf Decca).
:hello
ab (22.11.2008, 14:26): Original von Cosima Dieser Bewegungsablauf erinnert in der Tat an den eines Harfenisten. Der Ton scheint mit einer winzigen Verzögerung zu erklingen – so wie Du es beschreibst: Eben erst nachdem der Hammer die Saite verlassen hat.
Interessant, was du da über Deinen optischen Eindrücke schreibst; ich selbst habe Richter noch nie auf Video gesehen, werde wohl das noch nachholen müssen. (Freu mich jedenfalls schon darauf, das von Dir empfohlene Buch zu bekommen!)
:hello
ab (22.11.2008, 14:29): Original von HenningKolf Interessanter Gedanke, der "Gitarrenklang"......auch wenn ich diese Assoziation nicht nachempfinden kann.
"Gitarrenklang" scheint mir eine ganz fehlgleitet Assoziation zu sein, es geht mir ums anzupfen (und das selbst bei den markigsten Schlägen) - zumindest was sein Spätwerk betrifft.
acousticsguru (22.11.2008, 17:48): Original von Cosima Kennst Du den Mitschnitt aus der Carnegie Hall vom Okt. 1960? Ich habe schon mehrfach über die völlig aus dem Ruder laufende „Appassionata“ geschrieben. Was für ein Erlebnis, dieser Raserei hörend beizuwohnen! Richter war – natürlich zu Recht – gar nicht glücklich über dieses Konzert, aber man spürt und hört ganz deutlich, dass das Ungeheure in ihm einmal völlig ungebändigt nach außen gekehrt wurde. So als hätte er einmal die Leinen losgelassen, sich ganz der „Triebhaftigkeit“ in ihm hingegeben, weil der Druck einfach zu stark war, der auf ihm lastete, er sich selber eben nicht mehr im Zaum halten konnte.
Liebe Cosima
Danke wiederum für die lieben Worte! Ehrlich gesagt konnte ich mich besher noch nicht dazu durchringen, mir die Doremi Box "Legendary Treasures Vol. 10" zu leisten (meine Wunschliste scheint immer nur noch zu wachsen, trotz aller Bemühungen, sie portionenweise abzutragen, und anhören muss ich mir das alles ja auch...), wo der Mitschnitt meines Wissens einzig auf CD erhältlich ist (jemand hat mir auch einmal davon abgeraten, die Box enthalte sogar für den Sammler nur wenig Unverzichtbares - ich weiss, Du bist Richter-Kompletistin, oder hast zumindest dieses Ziel vor Augen, dennoch, wie siehst Du das?) So muss ich leider gestehen, dass ich bloss vor Jahren einmal die LP habe vorgespielt bekommen, und dass ich damals vielleicht zu sehr unter dem Eindruck der Erzählung ihres amerikanischen Besitzers, Du kennst deren Inhalt ohne Zweifel bereits, dass Richters Mutter, die er seit Jahren nicht mehr gesehen hatte, offenbar anwesend war etc. - langer Rede, kurzer Sinn, ich habe die Aufnahme nur einmal vor Jahren und nicht unvoreingenommen gehört. Was hängen blieb, war nur, dass mir der Moskauer Mitschnitt besser gefiel. Nun, da Du den New Yorker Mitschnitt erwähnst, würde ich mich gerne (noch lieber mit beiden 1960er Mitschnitten aus der Carnegie Hall) vertieft damit beschäftigen.
:engel
Liebe Grüsse aus der Schweiz, David. _________________
„J'ai gâché vingt ans de mes plus belles années au billard. Si c'était à refaire, je recommencerais.“ – Roger Conti
HenningKolf (22.11.2008, 19:07): Original von ab Original von HenningKolf Interessanter Gedanke, der "Gitarrenklang"......auch wenn ich diese Assoziation nicht nachempfinden kann.
"Gitarrenklang" scheint mir eine ganz fehlgleitet Assoziation zu sein, es geht mir ums anzupfen (und das selbst bei den markigsten Schlägen) - zumindest was sein Spätwerk betrifft.
Na ja, ich habe schon so ungefähr verstanden was du meinst, glaub ich jedenfalls (oder doch nicht?),...aber - ohne dass ich jetzt genau weiss wie ein Klavier wirklich funktioniert - ist es nicht, bei einem nicht präparierten Klavier, physikalisch vorgegeben, wann der Klang entsteht nachdem die Taste gedrückt wurde und auch wie der Klang entsteht, d.h. der Pianist kann laut und leise und zeitliche Abstände bestimmen, aber nicht wie der Klang mechanisch und wann er im eigentlichen mechanischen Sinne entsteht? Also sprich: Wenn alle hämmern kann nicht einer zupfen??
Gruß Henning
satie (22.11.2008, 19:21): Lieber Henning,
auch wenn es natürlich richtig ist, dass die Saiten nach wie vor angeschlagen werden mit immer derselben oder zumindest sehr ähnlichen Mechanik, so haben dennoch Pianisten durchaus verschiedene Klangfarben. Erklären kann ich es nicht, aber erfahren kann man es immer wieder. Darüber hat man übrigens vor etwa hundert Jahren extrem gestritten, ob man überhaupt den Klang beeinflussen könne. Dabei haben die Musiker fast immer gesagt, dass man es kann, während Physiker und andere natürlich meinten, man könne unmöglich etwas anderes herausholen aus dem Instrument als was die mechanische Vorrichtung hergibt. Ich bin der Meinung, dass die individuell geprägten Techniken der Pianisten auch zu einem eigenen Klang führen können. Manche, Horowitz etwa, haben sich auch ihre Flügel anders gewichten lassen, was letztlich auch eine klangliche Auswirkung haben kann.
Herzlich, S A T I E
HenningKolf (22.11.2008, 19:35): Lieber Satie,
ich hatte mich wohl undifferenziert auf Cosimas Beitrag
Der Ton scheint mit einer winzigen Verzögerung zu erklingen – so wie Du es beschreibst: Eben erst nachdem der Hammer die Saite verlassen hat.
bezogen und möglicherweise zu Unrecht unterstellt, dass ab und cosima dasselbe meinen. Klangfarbe ist das eine, der Zeitpunkt der Tonentstehung im akustisch-physikalischen Prozess das andere. Nur beim letzteren habe ich Schwierigkeiten zu folgen.........
Gruß Henning
acousticsguru (22.11.2008, 19:36): Original von Cosima Was mir aber auch durch den Kopf ging: Man sieht auf Richters Gesicht sehr deutlich die hohe Konzentration, die Anstrengung und Anspannung. Die Kameras fangen immer gerne solche sehr intimen und persönlichen Momente ein, die aber eigentlich gar nichts mit der Musik zu tun haben. (Und mir erscheint es oft so, dass man hiermit unberechtigterweise in die Privatsphäre des Künstlers eindringt.) Richter drückte sich auch dahingehend aus, im Sinne von „was hat das, was man auf dem Podium sehen kann, mit der Musik zu tun?“. Deshalb wohl auch sein Wunsch nach Verdunkelung.
Michelangeli ging einen ähnlichen Weg übrigens. Es gibt eine Reihe von Mitschnitten des italienischen Senders RAI Turin aus 1962 (erschienen auf Opus Arte). Es handelt sich um TV-Studio-Konzerte, bei denen der Pianist nur minimale Kameraeinstellungen zuließ. Dabei erlaubte er keine Nahaufnahmen des Gesichts, weshalb man ihn immer nur aus einiger Entfernung von der Seite sieht, wenn ich mich recht erinnere. Der erste Eindruck ist ungewohnt, die Aufnahmen wirken etwas streng und statisch. Was aber geschieht, ist: Die minimale Kameraführung bewirkt, dass man sich tatsächlich sehr auf die Musik konzentriert. Man hat zwar den visuellen Eindruck, dieser lenkt jedoch nicht ab.
Gruß, Cosima
Liebe Cosima
Herzlichen Dank übrigens immer für solche Links! Diese neuesten zwei schaue ich mir baldmöglichst an. Heute ist allerdings noch Ausgang und frühe Nachtruhe angesagt, morgen Vormittag spielt nämlich Leon Fleisher live in Luzern.
:leb
Was Du über das Visuelle sagst, ist mit ein Grund, warum ich Aufnahmen (reine Tondukumente) liebe und bei manchen Künstlern der Realität (dem visuellen Eindruck) sogar vorziehe (oder ich schliesse die Augen, was wiederum schade sein kann). Besonders ökonomische Pianisten wie Michelangeli und Solomon verleiten manche Zuhörer ja zum Irrglauben, ihre Kunst sei unterkühlt, andererseits erspare ich uns allen jetzt jegliche zynische Bemerkung dazu, was etwa der - äh... - Bewegungsablauf eines Lang Lang bei mir auslöst.
Liebe Grüsse aus der Schweiz, David.
HenningKolf (22.11.2008, 19:38): Original von Satie Lieber Henning,
Manche, Horowitz etwa, haben sich auch ihre Flügel anders gewichten lassen, was letztlich auch eine klangliche Auswirkung haben kann.
Herzlich, S A T I E
nur mal kurz off topic: Ich entsinne mich irgendwo gelesen zu haben, dass dies mit Gelenkproblemen und daraus resultierenden Anschlagsproblemen zu tun hatte????
satie (22.11.2008, 19:50): Original von HenningKolf Original von Satie Lieber Henning,
Manche, Horowitz etwa, haben sich auch ihre Flügel anders gewichten lassen, was letztlich auch eine klangliche Auswirkung haben kann.
Herzlich, S A T I E
nur mal kurz off topic: Ich entsinne mich irgendwo gelesen zu haben, dass dies mit Gelenkproblemen und daraus resultierenden Anschlagsproblemen zu tun hatte????
Da weißt Du mehr als ich. Ist natürlich eine Erklärung. Horowitz hatte ich übrigens nicht deshalb erwähnt, weil ich bei ihm unbedingt die Klangfarbe erkennen würde, wohl aber den Anschlag. Danke jedenfalls für den Hinweis, vielleicht kann man darüber ja mehr herausfinden.
Cosima (22.11.2008, 19:56): Lieber David,
Du hast natürlich recht: Die Carnegie-Mitschnitte sind wirklich eher nur für Sammler. Ich würde niemandem empfehlen, sie zu kaufen (es sei denn, sie tauchten irgendwann zu einem moderaten Preis auf).
Aber diese Apassionata… ich habe sie eben wieder einmal aufgelegt… :down :down :down Ich bekomme immer noch bzw. immer wieder eine Gänsehaut! Dabei habe ich sie schon so oft gehört; am Anfang verging kein Tag, an dem ich nicht den 3. Satz mindestens einmal gehört hätte. Weißt Du, er spielt ja nicht einfach nur schnell, laut und eindringlich - das können andere Pianisten auch. Aber da sind neben der geballten Leidenschaft zugleich Verzweiflung, Angst und Wut zu hören und zu fühlen. Er will diese Sonate bezwingen, er kämpft sich wirklich mit aller Macht durch diesen letzten Satz! Die Musik scheint sich zu verselbständigen, alles mündet in Raserei. Am Ende scheint es so, als habe nicht Richter die Musik bezwungen, sondern sich die Musik seiner bemächtigt und ihn bezwungen! Man bekommt Angst um das Instrument, man bekommt Angst um den Pianisten – und am Ende hat man Angst um sich selber. So wie Du erschöpft aus dem Konzert herauswanktest, muss ich mich erschöpft zurücklehnen, wenn ich diesen letzten Satz gehört habe.
Den Gedanken, meine Richter-Sammlung jemals zu komplettieren, habe ich schon vor längerer Zeit aufgegeben. Es wird schlichtweg nicht möglich sein, all die Aufnahmen zu erwerben. Und es sind ja auch nicht immer Sternstunden, die da auf Tonträger gebannt wurden. Ich glaube aber, die wichtigsten Aufnahmen bereits zu besitzen.
Was ich unbedingt noch haben möchte, sind natürlich die Prager-Aufnahmen auf der „Richter in Prag“-Box. Daraus kenne ich nur eine Einzelaufnahme mit der Schubert-Sonate D 960 – eine großartige Aufnahme, meine liebste dieses Werkes. Ich hoffe sehr auf eine Wiederveröffentlichung der Box. Mit „Richter in Leipzig“ hat es ja auch geklappt. Kennst Du diese Beethoven-Aufnahmen? Auch eine absolute Sternstunde!
Dann hätte ich gerne noch diese: Das Helsinki-Recital aus 1976
P.S.: Ich wünsche Dir viel Freude beim Leon Fleisher-Konzert! Schreibe doch danach etwas darüber, sofern Du magst. :)
Cosima (22.11.2008, 20:11): Was diesen besonderen „Richter-Klang“ angeht und das „Anzupfen“, von dem ab sprach: Ich glaube zu wissen, was er meint, aber ich kann es leider auch nicht besser erklären. :(
Claudio Arrau z. B. feilte sehr an seinem charakteristischen Klang. Der junge Arrau klingt ganz anders als der spätere. Ich meine gelesen zu, er hätte sein Klavier zum Üben besonders präpariert, um es schwergängiger zu machen, um am Ende zu der sonoren Klangfülle zu gelangen, die ihn so auszeichnet.
Gruß, Cosima
HenningKolf (22.11.2008, 20:50): Original von Cosima Was diesen besonderen „Richter-Klang“ angeht und das „Anzupfen“, von dem ab sprach: Ich glaube zu wissen, was er meint, aber ich kann es leider auch nicht besser erklären. :(
Da kann ich ohne weiteres folgen: Das was einen wahrhaft berührt oder man als etwas ganz Besonderes empfindet lässt sich meist nur schwer in Worte fassen.
Gruß Henning
HenningKolf (22.11.2008, 21:05): Original von Satie Original von HenningKolf Original von Satie Lieber Henning,
Manche, Horowitz etwa, haben sich auch ihre Flügel anders gewichten lassen, was letztlich auch eine klangliche Auswirkung haben kann.
Herzlich, S A T I E
nur mal kurz off topic: Ich entsinne mich irgendwo gelesen zu haben, dass dies mit Gelenkproblemen und daraus resultierenden Anschlagsproblemen zu tun hatte????
Da weißt Du mehr als ich. Ist natürlich eine Erklärung. Horowitz hatte ich übrigens nicht deshalb erwähnt, weil ich bei ihm unbedingt die Klangfarbe erkennen würde, wohl aber den Anschlag. Danke jedenfalls für den Hinweis, vielleicht kann man darüber ja mehr herausfinden.
Ob ich da etwas weiß, weiß ich nicht genau - heißt ich will nicht ausschließen, dass ich da etwas durcheinander bringe.
Cosima (22.11.2008, 22:11): In der aktuellen Piano News steht etwas über Horowitz zum Thema „Fehlhaltungen“. Es geht um die Hyperextension – das Endgelenk des Fingers wird beim Spielen durchgedrückt. Horowitz habe in seinen späteren Aufnahmen auch mit durchgedrückten Endgelenken gespielt, da ihn entzündliche Prozesse und deren Folgen in den Gelenken dazu gezwungen hätten. - Keine Ahnung, ob das stimmt und inwiefern das mit seinem besonders präparierten Klavier zusammenhängt.
Amadé (22.11.2008, 22:28): Ja, ich habe das auf Bildern oder Video-Aufnahmen bei Horowitz beobachtet und mich gewundert.
Einiges von dem Scriabin gibts bei hier bei Documents: Klaviersonate Nr. 6; Etüden op. 2, 8,42, 65; Preludes op. 11; Poeme op. 32 ; aber auch da unter: ANDRCD 5038 mit Mussorgsky Bilder aus Moskau und einer ganzen CD Bach: Piano Sonatas Nos.6 & 2, 12 Preludes Op.11.
acousticsguru (24.11.2008, 01:03): Original von Cosima Lieber David,
Du hast natürlich recht: Die Carnegie-Mitschnitte sind wirklich eher nur für Sammler. Ich würde niemandem empfehlen, sie zu kaufen (es sei denn, sie tauchten irgendwann zu einem moderaten Preis auf).
Liebe Cosima
Natürlich animiert mich nun Deine Beschreibung, es vielleicht doch zu tun...
Original von Cosima Was ich unbedingt noch haben möchte, sind natürlich die Prager-Aufnahmen auf der „Richter in Prag“-Box. Daraus kenne ich nur eine Einzelaufnahme mit der Schubert-Sonate D 960 – eine großartige Aufnahme, meine liebste dieses Werkes.
Darauf hoffe ich ebenfalls: von der Prager D.960 (ist auch eine meiner Handvoll Lieblingsaufnahmen davon) etwa habe ich nur eine MP3 Kopie. Auf CD ist sie ja wohl zur Zeit nicht erhältlich?
Original von Cosima Ich hoffe sehr auf eine Wiederveröffentlichung der Box. Mit „Richter in Leipzig“ hat es ja auch geklappt. Kennst Du diese Beethoven-Aufnahmen? Auch eine absolute Sternstunde!
Ja, obschon auch da nur als Kopie, und da Du die verbesserte Remasteringqualität weiter oben bereits erwähnt hast, steht die neue Parnassus-Ausgabe natürlich auf meiner Wunschliste.
Original von Cosima Dann hätte ich gerne noch diese: Das Helsinki-Recital aus 1976
Besitze ich leider nicht, und habe daraus wohl nur Teile gehört; bin mir auch da im Moment nicht ganz sicher...
Original von Cosima P.S.: Ich wünsche Dir viel Freude beim Leon Fleisher-Konzert! Schreibe doch danach etwas darüber, sofern Du magst. :)
Später, bin noch ganz benommen davon. Soviel nur: ich hatte meine Erwartungen vorsichtigerweise heruntergeschraubt (er ist ja nicht mehr der Jüngste), war aber hin und weg!
:down :down :down
Liebe Grüsse aus der Schweiz, David. _________________
„J'ai gâché vingt ans de mes plus belles années au billard. Si c'était à refaire, je recommencerais.“ – Roger Conti
acousticsguru (24.11.2008, 11:25): Original von Cosima Es existieren ansonsten von dieser Sonate nur die Aufnahmen aus 1978 (Brilliant)
Nebenbei bemerkt ein für sich allein betrachtet schon völlig ausreichender Grund, sich diese preisgünstige Box zu leisten. Höre/sehe mir zur Zeit gerade das von Samsonno auf YouTube eingestellte Video an (= Danke für das/den Link!). Eine Idee (und falls, dann unnötigerweise) "didaktischer" vielleicht? Hmm, mal sehen...
(Nachtrag/Edit: Oje, besonders zufrieden sieht er am Ende nicht grad aus...)
Liebe Grüsse aus der Schweiz, David. _________________
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ab (24.11.2008, 11:33): Original von HenningKolf Lieber Satie,
ich hatte mich wohl undifferenziert auf Cosimas Beitrag
Der Ton scheint mit einer winzigen Verzögerung zu erklingen – so wie Du es beschreibst: Eben erst nachdem der Hammer die Saite verlassen hat.
bezogen und möglicherweise zu Unrecht unterstellt, dass ab und cosima dasselbe meinen. Klangfarbe ist das eine, der Zeitpunkt der Tonentstehung im akustisch-physikalischen Prozess das andere. Nur beim letzteren habe ich Schwierigkeiten zu folgen.........
Gruß Henning
Mir ging es eigentlich um so etws wie eine Tonvorstellung: sage einer Schülerin, so soll sich dies voertellen und sage ihr dann danach, sie solle sich das vorstellen - und schon klingen beide Interpretationen für die Hörer unterscheidlich (- es sei denn, ein Hörer hört eine eigene Tonverstellung hinein, die nicht herauszuhören ist.)
acousticsguru (24.11.2008, 11:37): Original von Cosima Es existieren ansonsten von dieser Sonate nur die Aufnahmen aus 1978 (Brilliant) und 1989 (London, bei mir auf Decca).
Hast Du da übrigens eine Vorliebe?
Liebe Grüsse aus der Schweiz, David. _________________
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bzgl. des Salzburger Recitals aus 1977 auf Orfeo habt Ihr natürlich recht. Ich habe da etwas durcheinander gebracht. Ja, die Suite Bergamasque ist herrlich! :down
Original von acousticsguru Ja, obschon auch da nur als Kopie, und da Du die verbesserte Remasteringqualität weiter oben bereits erwähnt hast, steht die neue Parnassus-Ausgabe natürlich auf meiner Wunschliste.
Da würde ich mich schnell entscheiden. :J Parnassus scheint nur ein kleines Label zu sein; ich glaube nicht, dass die Aufnahme lange am Markt sein wird. Und dann wird es wieder schwierig... so wie mit der ersten Ausgabe auf Music & Arts. (Zu der Doremi-Box kann ich wirklich nicht raten. Objektiv betrachtet könnte man auch einfach sagen: Richter spielt zu schnell. Fertig. Aber was er daraus macht... ! :engel )
Was die beiden Schubert-Sonaten angeht: Ich müsste meinem Gedächtnis erst einmal wieder auf Sprünge helfen. Ich höre mir die Aufnahmen demnächst noch einmal an.
An ab: So hatte ich Dich auch verstanden - "Tonvorstellung" ist der passende Begriff. Du kannst derlei Dinge immer viel besser ausdrücken als ich.
Gruß, Cosima
ab (13.01.2009, 15:53): Original von Amadé Liebe Richter-Verehrer,
Cosima machte kürzlich auf eine neue Supraphon-CD mit Schumann-Klavierwerken aufmerksam, auf der sich eine mir bisher unbekannte Aufnahme der Fantasie op.17 befindet.
Inzwischen konnte ich die Aufnahme hören und mit meiner Aufnahme von Praga, die auf meiner Webseite von op.17 auf Grund ihrer außergewöhnlichen Qualitäten ganz oben steht, vergleichen. Interessant ist, dass beide Aufnahmen unmittelbar hintereinander im Jahr 1959 in Prag entstanden sind, die Supraphon-Aufnahme am 1.11., die von Praga am 2.11., bei beiden handelt es sich um Konzertmitschnitte. Richters interpretatorischer Ansatz ist in beiden Aufnahmen identisch, das konnte man von vorn herein erwarten. Die Praga-CD überzeugt mich interpretatorisch ein klein wenig mehr, ich habe den Eindruck, als spielte Richter hier etwas freier, gelöster, trotz einiger Publikumsstörungen. Bei Supraphon ist der Klang eindeutig besser und man hört nur wenige Publikumsgeräusche, die jedoch nicht stören. Da die Praga-CD im Augenblick nicht greifbar ist, ist die neue Supraphon-CD für die Fantasie erste Wahl. Die restlichen Werke kann der Sammler jedoch schon im Regal stehen haben: Waldszenen, 6 Fantasiestücke aus op.12 und den g-moll Marsch op.76 Nr.2. Die Aufnahmen wurden 1956 in Koproduktion von Supraphon und DG in Prag aufgenommen und tauchten immer wieder im DG-Katalog auf!
Grüße Amadé
Erst heute kam ich zum soundschnitzeln und mir kommt es so vor als ob diese Aufnahme bertächtlich lauter gemacht worden, sprich dynamikärmer verhunzt worden sein dürfte. In Relation zu meiner Erinnerung an die Praga-Aufnahme (die ich einmal vor vielen Jahren ausgeliehen hatte) kommt mir Richter weniger wie ein Heißsporn vor, sondern lyrischer, gelassener.
:hello
ab (13.01.2009, 15:55): Original von Cosima http://ecx.images-amazon.com/images/I/21W2GPRRDFL._SL500_AA130_.jpg
Ich weiß gar nicht, wo ich beginnen soll – diese Doppel-CD mit Live-Aufnahmen aus Moskau (1958 und 1954) ist in jeder Hinsicht erfreulich! :down
Zunächst einmal ein großes Kompliment an Leslie Gerber für seinen Booklet-Text! Gerber scheint nicht nur ein Richter-Kenner und -Anhänger zu sein, er liefert auch Informationen über Vergleichs- und überhaupt andere gute Richter-Aufnahmen (inkl. Angabe des Labels mit Nr.!), korrigiert sogar fremde Fehler, wie im Falle einer Melodiya-Veröffentlichung, bei der ein falsches Aufnahmedatum angegeben wurde etc. Ganz vorbildlich das alles!
Obgleich die Aufnahmen von russischen Bändern stammen, die jahrzehntelang in irgendwelchen Archiven lagerten, ist die Klangqualität wirklich gut. Die 1954-er Aufnahmen sind sogar noch etwas besser als die aus 1958.
Die CDs enthalten einige Mitschnitte von Werken, die ansonsten bis heute (die Veröffentlichung ist aus 1998) – soweit ich es überschaue – die einzigen Richter-Dokumente sind, die es davon auf Tonträger überhaupt gibt! Dazu gehören: Die einzigen Stücke, die Richter aus Liszts „Années de Pelerinage“ jemals gespielt hat. Besonders „Au bord d'un source“ ist funkelnd und farbig, ganz großartig!
Weiterhin spielt er Webers 3. Klaviersonate - ein Werk, das er sehr gern gespielt hat. Ich kenne bereits die Aufnahmen aus 1966 und 1994, aber diese frühe Aufnahme ist die fesselndste, weil risikofreudigste! Ich mag die Sonate sowie sehr, wundere mich immer wieder, dass sie von Pianisten kaum gespielt wird.
Ein weiteres funkelndes Highlight ist Ravels „Jeux d’eau“, von dem es auch nur wenige Richter-Dokumente gibt. Bis auf die Carnegie Hall-Aufnahme vom 26. Dez. 1960 (RCA), scheinen sie zudem allesamt derzeit vergriffen zu sein. Aber auch die anderen Ravel-Stücke sind großartig gespielt!
Zum Schluss der 2. CD gibt es noch einige vorzügliche Rachmaninov-Stücke und die Prokofiev-Gavotte aus „Cinderella“, die Richter gern als Zugabestücke gespielt hat.
Aber das wirkliche Highlight habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben! Es ist die einzige bislang veröffentlichte Live-Version der „Pathétique“-Sonate! :down Gerber weist natürlich auf die fulminante Moskauer Studio-Einspielung aus 1959 hin, die ich schon lange kenne und für eine der besten Interpretationen dieser Klaviersonate überhaupt halte!
Die Zeiten im Vergleich:
1958: 7’45 5’30 4’23 1959: 7’36 5’28 4’26
Obgleich die Zeiten sehr dicht beieinander liegen, empfinde ich die Live-Version aus 1958 fast als noch fesselnder, weil freier und auch wieder risikofreudiger, auch mit noch etwas mehr Sinn für die Kontraste. Ich würde die Live-Version insgesamt nicht unbedingt vorziehen, freue mich aber sehr, sie endlich gehört zu haben. Sie ist wirklich faszinierend!
Sehr schön ist das Schusswort in Gerbers Text:
„Paranassus is proud to offer these recordings to the public. We hope the Maestro forgave us for eavesdropping on his younger self in this way. We do it, of course, only because we feel we can never hear enough of his playing.“
Wie recht er hat!
Gruß, Cosima
Ich habe den Verdacht, dass es sich dabei um jene Aufnahmen handeln könnte, die es inzwischen billig beim Label Andromeda gibt. Wer weiß dazu mehr?
Danke! :hello
ab (06.04.2009, 09:00): Es ist soweit: Sviatoslav Richters frühe Aufnahmen sind bei Naxos angekommen:
Robert Schumann: Humoreske op. 20; Fantasiestücke op. 12 Nr. 1, 2, 3, 5, 8 Schubert: Moment Musical op. 94 Nr. 1; Impromptu D. 899 Nr. 2 Chopin: Etüde Nr. 17
ab (15.05.2009, 16:45): Svjatoslav Richter in Budapest Erscheinungstermin: 1.6.2009
Schubert: Klaviersonate D. 958 +Schumann: Toccata op. 7 +Mussorgsky: Bilder einer Ausstellung +Rachmaninoff: Prelude op. 32 Nr. 2 +Debussy: The Hills of Anacapri aus "Preludes Heft 1";Bells through the Leaves aus "Images" Nr. 2 Künstler: Svjatoslav Richter, Klavier * Label: WHRA , ADD/m, 1958
Ich meine mich zu entsinnen, dass Richter, seinem Buch von Bruno Monsaingeon zufolge, in Budapest ganz glücklich über dieses Konzert gewesen war und dies als seinen besten Abend mit den "Bildern" von Mussorgsky angesehen hat, jedenfalls wesentlich besser als das Sofia-Konzert, dessen Veröffentlichung ihm Unbehagen bereitet hatte. Er selbst hätte diese Konzert gerne veröffentlicht gesehen.
:hello
Amadé (15.05.2009, 20:37): Lieber ab,
hast Du Kenntnis über Aufnahmedaten und Aufnahmeort(e) von der Naxos-CD?
Gruß Amadé
ab (15.05.2009, 23:13): Original von Amadé Lieber ab,
hast Du Kenntnis über Aufnahmedaten und Aufnahmeort(e) von der Naxos-CD?
Gruß Amadé
Die Naxos Web-Seite ist relativ informativ. Siehe hier.
thwinter12 (29.05.2009, 10:09): Original von thwinter12 aus "Was höre ich gerade jetzt - Jahr 2009 ?" (heute) Gerade mittendrin...
Beethoven/Schubert/Schumann/Mozart etc. "Sviatoslav Richter - The Complete EMI Recordings (ICON-Series)" EMI Rec. 2008 (CD 1 von 14: Beethoven: Piano Sonatas 1, 7 & 17 "Tempest", Andante favori) ... und überglücklich die Box doch noch zu einem annehmbaren Preis über Amazon France bekommen zu haben. :down Ich dachte schon sie sei ausverkauft, da sonst zumeist vergriffen oder nur mehr zu Horror-Preisen erhältlich... :S
Ich beginne mal mit Beethoven; kann als Vergleich aber bis dato nur meine einzige Sonaten-Gesamtaufnahme von András Schiff heranziehen. :ignore Richter "stemmt" schon mal kraftvoller als er die Sonaten in die Tasten, nimmt sich bei den ruhigen Passagen aber dann auch wieder gefühlvoll zurück - gefällt mir gut! Nichtsdestotrotz "schält" für mich Schiff mehr Details aus den Sonaten heraus. Sie scheinen mir differenzierter (laut - leise, rhythmisch etc.) gestaltet als bei Richter, der mich aber wiederum durch diese "urgewaltige Kraft" seiner Interpretationen (auch in der Ruhe!) fasziniert, welche ich bei Schiff gar nicht so recht finde (Sorry, wenn das jetzt niemand versteht! :D Es ist mal nur ein Versuch meine ersten Höreindrücke von S. Richter in Worte zu fassen!)
Bei der "Sturm-Sonate" wird für mich aber dann der heute erstmals verspürte "Hauch der Tiefe" bei Richters Spiel zu einem wahren Sog... :down
Servas, Thomas
ab (29.05.2009, 12:04): Dann freue Dich schon mal auf den Klangfarbwechslungsreichtum seiner Schumann Papillons! :down
ab (09.06.2009, 14:23): Sachen entdeckt man da, wenn man auf ausländische Seiten surft, etwa das Griegkonzert unter Matacic, aber live aufgenommen in Montreux 1966. Bei Claves.
ab (16.06.2009, 10:39): Original von ab Svjatoslav Richter in Budapest Erscheinungstermin: 1.6.2009
Schubert: Klaviersonate D. 958 +Schumann: Toccata op. 7 +Mussorgsky: Bilder einer Ausstellung +Rachmaninoff: Prelude op. 32 Nr. 2 +Debussy: The Hills of Anacapri aus "Preludes Heft 1";Bells through the Leaves aus "Images" Nr. 2 Künstler: Svjatoslav Richter, Klavier * Label: WHRA , ADD/m, 1958
Ich meine mich zu entsinnen, dass Richter, seinem Buch von Bruno Monsaingeon zufolge, in Budapest ganz glücklich über dieses Konzert gewesen war und dies als seinen besten Abend mit den "Bildern" von Mussorgsky angesehen hat, jedenfalls wesentlich besser als das Sofia-Konzert, dessen Veröffentlichung ihm Unbehagen bereitet hatte. Er selbst hätte diese Konzert gerne veröffentlicht gesehen.
Brahms, Die schöne Magelone, 15 Romanzen nach Ludwig Tieck für Männerstimme und Klavier op.33
Fischer-Dieskau hat sich für diesen Zyklus immer wieder stark gemacht, auch als Erzähler der Rahmenhandlung, ich kenne fünf Aufnahmen mit ihm. Die erfülltesten sind die in Partnerschaft mit Svjatoslav Richter entstandenen, concertare im besten Sinne: obige aus Aldeburgh von 1965, dann der Salzburger Mitschnitt von 1970:
sowie die EMI Studio-Einspielung, jetzt auch bei Brilliant erhältlich.
Gruß Amadé
ab (20.06.2009, 21:40): Original von Amadé Die erfülltesten sind die in Partnerschaft mit Svjatoslav Richter entstandenen, concertare im besten Sinne: obige aus Aldeburgh von 1965, dann der Salzburger Mitschnitt von 1970.
Ist eine der beiden der anderen vorzuziehen?
(Deren Studio-Aufnahme habe ich ja nun wegen Brilliant/Brahms als auch EMI-Icon bereits als Doublette.) :thanks
Amadé (21.06.2009, 21:41): Fischer-Dieskaus dokumentierte Beschäftigung mit der schönen Magelone reicht ins Jahr 1957 zurück, als er den Zyklus für DG zusammen mit Jörg Demus zum erstenmal der Platte anvertraute und gleichzeitig auch Tiecks Rahmenerzählung berücksichtigte. Die britische Aufnahme aus Aldeburgh entstand 8 Jahre später, jetzt in kongenialer Partnerschaft mit Svjatoslav Richter. Am 30.Juli 1970 trafen sich die beiden Künstler in Salzburg mit demselben Zyklus. Die Insel-Aufnahme gefällt mir etwas besser, das liegt einerseits an der Aufnahmetechnik, andererseits an FDs Vortragsstil. In Salzburg sind Stimme und Klavier voluminöser eingefangen, beide verschwimmen auch schon mal miteinander, Fischer-Dieskaus Hang zum deklamatorischen Singen ist ausgeprägter als zuvor. In Aldeburgh hat die Stimme noch mehr Melos und die Aufnahme klingt wie aus der 10. Reihe, während man in Salzburg direkt vor den Künstlern zu sitzen meint und bei lauten Stellen vom KLangvolumen von Stimme und Flügel überfallen wird. Letztere Aufnahme profitiert zweifellos von der Arbeit im Studio, 5 Tage vor dem Liederabend entstand die Studio-Einspielung für EMI in München. Diese klingt vornehmer, polierter als der Auftritt vor dem Salzburger Festspielpublikum. Ich persönlich schätze diese EMI-Platte am meisten.
Gruß Amadé :hello
ab (21.06.2009, 23:08): :thanks
ab (21.06.2009, 23:17): Original von ab Es ist soweit: Sviatoslav Richters frühe Aufnahmen sind bei Naxos angekommen:
Robert Schumann: Humoreske op. 20; Fantasiestücke op. 12 Nr. 1, 2, 3, 5, 8 Schubert: Moment Musical op. 94 Nr. 1; Impromptu D. 899 Nr. 2 Chopin: Etüde Nr. 17
Dazu hier.
thwinter12 (02.10.2009, 09:43): Original von thwinter12 aus "Neuerscheinungen auf dem Klassikmarkt 2008 bis 20??" (02.10.2009) NOCH für EUR 14,99 bei Amazon DE vorbestellbar (Erscheinungstermin: 13.10.2009):
Schubert / Liszt "Sviatoslav Richter Archives Vol. 18: Budapest Recital February 11, 1958" Doremi
Bei meinen Versuchen einen Überblick über die "Richter-Diskographie" zu bekommen, bin ich auf das Label "Doremi" aufmerksam geworden. Hier scheinen löblicherweise regelmäßig Veröffentlichungen stattzufinden - die Richter-Serie ist wie o.a. inzwischen bei Vol. 18 angelangt – und es sind sogar alle CDs aus dieser Reihe leicht verfügbar.
Allerdings hört man von diesem Label nicht nur Gutes: Die Klangqualität der Aufnahmen soll teilweise ziemlich schlecht sein. Weiters heißt es das Doremi kein behutsames Remastering betreibt, sondern. z.B. das Rauschen gnadenlos herausgefiltert wird und damit die Ergebnisse zu dumpf klingen.
Kann das hier jemand bestätigen? Remastert Doremi Richter zu Tode?
Servas, :thanks Thomas
ab (19.10.2009, 14:28): Ich habe entdeckt, dass auf folgender DENON-CD von Richter das Beethoven op. 49/1 (meine Lieblinsg-Beethoven-sonate) droben ist. Kann mir jemand sage, wann diese Aufnahme wo entstanden ist?
thwinter12 (19.10.2009, 15:31): Original von ab Ich habe entdeckt, dass auf folgender DENON-CD von Richter das Beethoven op. 49/1 (meine Lieblinsg-Beethoven-sonate) droben ist. Kann mir jemand sage, wann diese Aufnahme wo entstanden ist?
http://graphics.musicme.com/jpg343/u0795041954725.jpg Dazu muss zunächst angemerkt werden, dass hier ausschließlich op. 49/1 von Richter gespielt wird; die restlichen Sonaten haben andere Interpreten! Stutzig wurde ich, weil laut den gängigsten Diskographien (Trovar, Doremi) Richter nie die "Waldstein-Sonate" eingespielt hat;
Ich würde davon ausgehen, dass Op. 49/1 von dieser CD (ebenfalls Denon!) stammt:
Ein Rezensent bei Amazon UK meint: There's no booklet, just a 2-page artwork which has track list only. It says 'recorded live', but no date, no place of the recordigs. My guess is, they were recorded in Leningrad in 60s. Sound quality is pretty good stereo with ver little noise from the audience.
Sonata No. 3 in C, opus 2 no. 3 Leningrad, 6/1960
Sonata No. 7 in D, opus 10 no. 3 Leningrad, 6/1960
Sonata No. 19 in g, opus 49 no. 1 Leningrad, 17 Jan 1965 Die Zusammenstellung der Sonaten entspricht weiters der früheren Veröffentlichung beim Label ICONE (und daher gehe ich davon aus, dass diese mit der o.a. Denon-Ausgabe ident ist!)...
...und die Trovar-Diskographie bestätigt bei der ICONE-CD das o.a. Datum (Leningrad, 17.01.1965) - Ates Tanin auf der Doremi-Homepage meint es war der 7. Jänner.
Hoffe mein "Spürsinn" irrt sich hier nicht... :wink
Servas, Thomas
ab (20.10.2009, 10:26): Original von thwinter12 ...und die Trovar-Diskographie bestätigt bei der ICONE-CD das o.a. Datum (Leningrad, 17.01.1965) - Ates Tanin auf der Doremi-Homepage meint, es war der 7. Jänner.
Hoffe mein "Spürsinn" irrt sich hier nicht... :wink
Danke! Habe nun Ausschnitte beider von Dir genannten Ausgaben gefunden und da ich glücklicher Besitzer der ICON-Ausgabe bin habe ich vergleichen können: Dein Spürsinn hat recht!
Bei der Icon-Ausgabe steht lapidar: "Recorded live in the Concert Hall of the Leningrad Philharmony, 1965" Als Rechtsinhaber wird Lenteleradio angegeben.
:hello
Bert (15.10.2010, 23:20): Tja, was soll man da noch sagen? Meine allererste Schallplatte war mit Svjatoslav Richter - damals kannte ich ihn nicht, aber da es meine einzige Schallplatte mit Klaviermusik war, wurde seine Spielweise für mich zur Referenz, an der ich alle Pianisten gemessen habe. Erst viele Jahre später habe ich auch Platten mit anderen Pianisten (Rubinstein, Ashkenazy, Argerich...) gekauft...
Über seine einzigartige Spieltechnik wurde viel geschrieben; mir gefällt sein Spieltemperament. Obwohl er immer noch zu meinen Lieblingspianisten zählt, viele Platten mit ihm habe ich nicht - habe jetzt nachgezählt, es sind nur sechs Stück - aber jede von ihnen ist für mich ein Leckerbissen...
Gruß, Bert
ab (28.10.2010, 11:38): Nachzutrgen wäre noch, dass es zwei richtig dicke Boxen gibt, mit Konzert-Aufnahmen aus spezifischen Ländern. Die jüngere Box stammt aus Ungarn: Richter in Hungary vom Labe: BMC http://ecx.images-amazon.com/images/I/41-UlpYRliL._SL500_AA300_.jpg - die schon länger am Markt vertretene, aber weniger bekannte (wohl weil nicht über die großen Internethäuser angeboten) stammt aus der Ukraine: Richter Live in Kiev. tnc recordings https://www.tncmusic.net/productfiles/images/TNC_CD_H13.jpg
Höchste Zeit, dass auch wieder die Box: Richter in Prague aufgelegt werden wird...
:hello
Amadé (22.03.2011, 16:41): Original von ab Höchste Zeit, dass auch wieder die Box: Richter in Prague aufgelegt werden wird...
Die Aufnahmen sind soeben von Supraphon veröffentlicht worden, es handelt sich jedoch um dieselben aus der Praga-Box, was mir vorher nicht aufgefallen war. ?( Ich habe beide miteinander verglichen: die Praga-CD (übrigens andere Kopplung!!!!) klingt natürlicher und offener, Nebengeräusche aus dem Publikum sind da, stören (mich) jedoch nicht sehr. Die sind in der neuen Ausgabe weitgehend rausgefildert, so dass sie fast wie eine Studio-Produktion klingt, in den Pausen zwischen den Sätzen hat man sie gelassen. Mit diesem revidierten Klangbild geht jedoch ein wenig von der Konzertsalatmosphäre verloren, die Aufnahme scheint mir auch etwas an Präsenz eingebüßt zu haben. Sammler, denen die Praga-Box entgangen ist, können hier nochmals den Beethoven-Spieler Richter ein Jahr vor seiner triumphalen Amarika-Tournee erleben, also: keine ganz überflüssige Aufnahme. Übrigens soll Richter nach dieser Tournee die Appassionata nie mehr gespielt haben.
Gruß Amadé
Ps: Ich möchte diese CD für 5 € + 1,45 Versand wieder verkaufen, hat jemand Interesse?
Cosima (18.01.2022, 17:56): Eigentlich sollte das hier in "Eben gehört" landen, aber dann erinnerte ich mich an meinen alten Richter-Thread. :)
Ziemlich großartiger Live-Mitschnitt aus Budapest vom 9. Februar 1958. Der Klang wurde 2009 restauriert, und ich finde, dass die CD sehr gut anzuhören ist. Allerdings spielt der Klang sowieso nicht die Hauptrolle. Wie eigentlich nie bei Richter-Aufnahmen.
Die Schubert D. 958 ist ziemlich genial und mitreißend gespielt. Unglaublich beseelt, wie so oft bei diesem Pianisten. Ebenso hörenswert ist Schumanns Toccata Op. 7., Richter ging immer gern auf Risiko.
Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ hat Richter nur wenig später in Sofia/Bulgarien gespielt. Die Sofia-Aufnahme ist wohl die bekanntere, aber ich finde diese hier genauso erstaunlich.
Das Booklet zu dieser CD ist übrigens der Wahnsinn. Ich habe nicht mal auf Anhieb gefunden, was das für ein Label ist. Jedenfalls keines der „großen“: WHRA - West Hill Radio Archives. Aber was man sich hier für eine Mühe mit dem Text (über 20 Seiten, eng beschrieben, plus Fotos) gemacht hat, ist außerordentlich anerkennenswert.