TV-Übertragung aus Salzburg: Puccini, La Bohème

Severina (02.08.2012, 00:36):
Vorbemerkung (Wird dann von mir gelöscht): Bevor jetzt jemand schreit, warum ich das nicht in den TV-Sammelthread stelle: Die letzten Beiträge dort betreffen die Salzburger "Zauberflöte", die morgen noch einmal auf einem deutschen Sender läuft - möglicherweise gibt das der Diskussion neue Impulse, und dann hätten wir einen Mischmasch aus Zauberflöte und Bohème und ab Samstag vielleicht noch Ariadne, und kein Mensch blickt mehr durch.

Ich schlage also vor, die Bohème hier zu diskutieren - falls überhaupt Bedarf besteht - und wenn das abgeschlossen ist , kann Billy dann diesen Thread als geschlossenen Block in den TV-Sammelthread packen.

So, also nun zu meinen Eindrücken von dieser PR-Übertragung:
Damiano Michieletto hat an der Züricher Oper einen in meinen Augen ziemlich missglückten "Poliuto" hinterlassen, daher blickte ich seiner Arbeit in Salzburg eher skeptisch entgegen. Nun, mit der "Bohème" konnte er mich wesentlich mehr für sich einnehmen, das ist eine über weite Strecken gelungene Produktion.

Michieletto lässt seine "Bohème" auf einem weißen, nach links geneigten Fensterbrett spielen, der Querbalken des ebenfalls weißen Fensterkreuzes dahinter trägt eine Galerie, von einem schmiedeisernen Geländer zur Bühne hin abgeschlossen. Man erreicht sie entweder durch eine im Mittelbalken versteckte Treppe oder durch solche im Fensterrahmen. Die Flügel können ganz oder halb geöffnet und durch einen Prospekt ersetzt werden, z.B. von einem Pariser Stadtplan im Caffe Momus.
Die WG ist spärlich möbliert, ein paar Matratzen, ein Fauteuill, ein Propangasofen und eine wilde Ansammlung von Kartons. Michieletto siedelt die Oper in der Gegenwart an, dementsprechend individuell ist das Künstlervölkchen auch gekleidet. Rodolfo ist wohl Drehbuchautor, denn er zeigt Mimi einige DVDs und hantiert auch mit einer Kamera auf einem Stativ. Nicht sehr überzeugend, aber bitte. Mimi soll laut Interview ein Punkgirl sein, aber ein sehr dezentes, würde ich sagen. (Gleich in meiner Nähe befindet sich ein Punk-Haus, ich weiß daher, dass die wesentlich ausgeflipptere Outfits bevorzugen!)
Natürlich kann man anno 2012 seinen Nachbarn nicht um Kerzenlicht bitten, wohl aber um Feuer für seine Zigarette, das passt also sehr gut.

Nicht gefallen hat mir das zweite Bild. Statt des üblichen Kaffeehausinterieurs gibt es auf dem schon vorhin erwähnten Stadtplan von Paris, der wie ein überdimensionales Rollo nicht nur die Fensteröffnung, sondern auch den Boden bedeckt, Miniaturhäuser, auf denen gesessen und die Getränke serviert werden. Der weihnachtliche Corso ist ein ziemlich grell-buntes Durcheinander, viele Figuren grotesk verkleidet, wie einer Disney-Parade entsprungen, Papignol schwebt als Batman über die Bühne und beschenkt die Kinder mit Computerspielen. (Der Konsumrausch soll wohl durch die übervollen Einkaufswägen gegeißelt werden, den die meisten vor sich herschieben) Gut, soll sein, aber leider kommt just hier das ansonsten ausgezeichnete Zusammenspiel des Künstlervölkchens nicht so richtig in Schwung, stehen die einzelnen Szenen isoliert im Raum, will sich einfach keine Stimmung einstellen. Das ist zumindest mein Eindruck, ich fand dieses Bild trotz allem Aktionismus auf der Bühne langweilig.

Wirklich packend dann aber das 3. Bild: Durch die weit geöffneten Fensterflügel ergießt sich eine breite, mit Schneematsch bedeckte Straße auf die Bühne, rechts steht ein Kiosk, der Sandwiches und Drinks anbietet, davor zwei schäbige Stehtische, ein Stapel aus Getränkekisten, hinter denen sich Mimi verbirgt. Das düstere Licht - ein feiner Nebelschleier scheint über der Szene zu liegen - verstärkt die trostlose Atmosphäre, die wirklich beklemmend ist. Irgendwann macht der Kiosk dicht, die Beleuchtung erlischt, und während der Scheinwerferspot nur auf Rodolfo und Mimi ruht, passiert im Hintergrund eine Verwandlung, denn wenn das Licht wieder angeht, ist die Straße verschwunden und das Deckblatt einer zusammengefalteten "Map of Paris" lehnt wie eine Plakatwand vor dem Fensterrahmen.

Das letzte Bild entspricht natürlich dem ersten, nur dass die Fensterflügel anfangs leicht geöffnet sind. Erst bei Mimis Sterben schließen sie sich, eine große weiße Hand schreibt ihren Namen auf die angelaufenen Glasscheiben und wischt ihn zu den letzten Klängen der Musik wieder aus.
Die Habseligkeiten der WG-Bewohner liegen auf einem Haufen getürmt (Warum, ist mir allerdings nicht klar), aus dem dann die Matratze hervorgezerrt wird, auf die Mimi gebettet wird. Noch selten ist eine Mimi so armselig, aber umso authentischer gestorben. Das ging mir wirklich an die Nieren.

Gespielt wurde von allen ausgezeichnet, mit Ausnahme von Nino Machaidze, deren Musetta ich vom Anfang bis zum Schluss als unecht empfunden habe, wobei mir nicht ganz klar ist, ob diese Künstlichkeit vom Regisseur so gewollt ist oder auf ihrem Unvermögen beruht, dieser Figur Leben einzuhauchen. Auch stimmlich hat sie diesmal keinen Eindruck bei mir hinterlassen, weder einen positiven noch einen negativen.

Anna Netrebkos Punk-Mimi ist eine verlorene Seele auf der Suche nach Liebe, und das spielt sie mit vollem mimischen und vokalem Einsatz. Eine wunderbare Leistung, und dass ich Anna Netrebkos Stimme einfach liebe, sie mich immer wieder tief im Inneren berührt, muss ich wohl nicht wiederholen.

Das große Ärgernis dieser Übertragung wirkte sich bei Piotr Beczala besonders negativ aus: Warum schafft es der ORF einfach nie, eine tontechnisch einwandfreie Übertragung hinzukriegen? Ich weiß nicht, wo die Mikros platziert waren, auf jeden Fall gab es immer wieder Schwankungen in der Lautstärke, bei Beczala klang es manchmal, als würde der Regler ständig hinauf- und hinuntergeschoben. Speziell wenn er den Kopf zur Seite drehte, hatte ich den Eindruck, ihn nur mehr mono zu hören.
Daher wage ich jetzt gar keine richtige Beurteilung abzugeben, denn so wie Beczala im Fernsehen rüberkam, hatte ich nicht den Eindruck, dass er heute in Bestform agierte. Besonders die Piani klangen manchmal etwas heiser und ohne den tenoralen Schmelz, den gerade er doch so verschwenderisch verströmen kann.

Massimo Cavaletti, in Zürich der einzige Lichtblick im verkorksten "Poliuto", bewies auch als Marcello, dass er ein ausgezeichneter Singschauspieler mit einer beeindruckenden Stimme ist.
Sehr gut gefiel mir der Schaunard von Alessio Arduini, zu dessen Spielfreude sich eine sehr geschmeidige und wohltönende Stimme gesellt, und wenn es stimmt, was Barabara Rhett bei seinem Solovorhang anmerkte, dass er nämlich ab Herbst Ensemblemitglied an der WSO sein wird, dann freut mich das.

Eher schwach hingegen Carlo Colombaro als Colline, der mit seiner brav deklamierten Mantelarie nicht reüssieren konnte und auch über keinen sehr eindrucksvollen Bass verfügt.

Daniele Gatti dirigierte ebenfalls brav, aber Puccini-Maßstäbe setzt er mit dieser Interpretation sicher nicht. Er ließ die Philis für meinen Geschmack manchmal allzu sehr schwelgen, und das passt zwar zu einer Zeffirelli-Bohème, aber leider nicht zu dieser völlig entromantisierten Inszenierung von Michieletto.

Mein Fazit: Zwar keine Sternstunde, aber eine musikalisch sehr gute "Bohème", herausragend für mich Netrebko und Arduini (live vielleicht auch Beczala ) in einer interessanten Inszenierung, die ich mit Ausnahme des Momusbildes gerne in Wien hätte!

lg Severina :hello
Billy Budd (02.08.2012, 09:24):
Liebe Severina,
herzlichen Dank für Deine Eindrücke der Salzburger "Bohème"! Ich kann zum Thema nichts beisteuern, da ich nicht vorm Fernseher gesessen bin und mir auch die Radio-Übertragung geschenkt habe.
Ardurni ist in der Tat in Hinkunft Ensemblemitglied der Staatsoper. Ich glaube, das erste Mal wird er im Oktober 2012 als Masetto zu hören sein und auch noch im Jänner 2013 als Haly. Aber nachgeschaut habe ich jetzt nicht!
Erst bei Mimis Sterben schließen sie sich, eine große weiße Hand schreibt ihren Namen auf die angelaufenen Glasscheiben und wischt ihn zu den letzten Klängen der Musik wieder aus.
Hat das nicht zu plakativ gewirkt? Mir geht es jedenfalls so in unserer "Traviata", wo ja auch in der letzten Szene Violettas Name im Hintergrund weggelöscht wird.
Beczala ist ja einer meiner Lieblingssänger; ich freue mich schon auf seine 8 (!) Rodolfos nächste Saison!
Was mich noch interessieren würde: Wie war denn die Doppelrolle Benoit/Alcindoro besetzt? Können wir uns da in Wien glücklich schätzen, dass Šramek und Bankl die Rolle gepachtet haben?
Ich schlage also vor, die Bohème hier zu diskutieren - falls überhaupt Bedarf besteht - und wenn das abgeschlossen ist , kann Billy dann diesen Thread als geschlossenen Block in den TV-Sammelthread packen.
Wird gemacht!
Billy :hello
Severina (02.08.2012, 09:32):
Zu später Nachtstunde schaute ich noch in meine Aufzeichnung hinein, und beim zweiten Durchgang kroch dann langsam der Ärger in mir hoch, denn auch Michieletto ist wie so viele seiner Kollegen auf halbem Weg stehen geblieben.
Vor allem die Pseudo-Punkerin Mimi stieß mir sauer auf, das war so typisch Ich-will-aber-trau-mich-nicht. Warum geht ein Regisseur nicht wirklich einmal ganz konsequent bis zum Äußersten und zeigt eine "Bohème" mit Underdogs, bringt die Tristesse, die Hoffnungslosigkeit von jungen Leuten ohne wirkliche Perspektive auf die Bühne, die von der Hand in den Mund leben und sich hin und wieder in den Drogenrausch flüchten? Denn ehrlich, diese alberne Tanzszene im letzten Akt ist ohne den Einfluss gewisser Substanzen (Sei's Alkohol, sei's LSD o.ä.) nur schwer plausibel zu erklären. (Ebenso wie die Papageiengeschichte von Schaunard - in nüchternem Zustand fällt einem so etwas wohl kaum ein!) Armut, Hunger, Kälte, ich kann's nicht oft genug sagen, ist für mich nicht romantisch, und das will ich endlich einmal auf der Bühne sehen! Keine andere Oper eignet sich so perfekt dafür wie "La Bohème".
Nun ist Michielettos Inszenierung um Klassen besser als der verlogene Hochglanzkitsch der Dornhelm-Verfilmung, aber insgesamt ist es wieder einmal eine verpasste Chance. Schade.

lg Severina :hello
Severina (02.08.2012, 09:43):
Lieber Billy,

nun, der Benoit wird hier nicht als Lachnummer angelegt, eher als verklemmter Spießer, der heimlich Peep-Shows besucht, auf den Alcindoro habe ich nicht so speziell geachtet, weil mich das ganze Momus-Bild irgendwie genervt hat. Stimmlich war Davide Fersini OK.

Klar ist das mit der Hand plakativ, aber trotzdem hatte diese Schlussszene etwas. Das schien auch das Publikum so empfunden zu haben, denn speziell den PR-Besuchern in Salzburg kann man gewöhnlich kein besonderes Musikverständnis nachsagen, da wird regelmäßig an den falschen Stellen oder in Arien hineingeklatscht und vor allem, was mich besonders rasend macht, in die Schlussakkorde. Gestern aber war es nach Rodolfos letztem "Mimi!" wirklich für Sekunden totenstill, erst dann setzte der Applaus ein.

lg Severina :hello
Schweizer (02.08.2012, 10:05):
Hallo Severina,
danke für Deinen die neue Bohème genau illustrierenden Bericht: mich hat die Regie von D.Michieletto auch überzeugt, dieses Werk lässt sich nun effektiv ohne gröbere Verluste in die heutige Zeit übertragen; mich hat die neue Sicht unterhalten, denn ich bin der Bohème "im Normalgewand" langsam aber sicher überdrüssig obwohl ich mit gar nicht allen "Modernisierungen", nur weil was verändert wird, happy werde.
Ich habe von diesem Regisseur schon insgesamt 6 oder 7, teils sehr überzeugende, teils mir nicht gefallende Arbeiten gesehen. Höhepunkt war auch für mich der 3.Akt, das war stimmungsvoll und traurig-leer zugleich, die Weite der Bühne spiegelte die Einsamkeit/Verzweiflung der Mimi exzellent. Den 2.Akt erlebte ich nicht so negativ wie Du, dieses Hollywood- oder Disney-World-Gewusel mit der heutigen Zeit entsprechendem Konsumverhalten passte für mich zum Rest, ergab aber - da stimme ich zu - weniger Stimmung als üblich. Den 1.Akt fand ich durchaus okay, im 4.Akt hingegen war die Bühne des Festpielhauses einfach mal wieder zu gross (zu leer?) und damit in gewissem Sinn trotz Anna Netrebko's rührendem Gesang und Spiel einer ganz intensiven Stimmung abträglich. /// Zu den Sängern: Netrebko, die ich im Belcantofach auf Grund von öfters mal auftretenden Intonationsproblemen und keiner besonderen Koloraturengeläufigkeit als überbewertet halte, ist eine stimmlich 100%ig überzeugende Mimi, da ist sie zu Hause und spielt ihre Trümpfe trefflich aus. Ich frage mich warum P.Beczala öfters als darstellerisch wenig begabt bezeichnet wird, mich hat sein Rodolfo-Portrait überzeugt, stimmlich war er gut, aber ich habe ihn schon besser gehört (auch ich hatte einige Male den Eindruck, dass am technischen Schaltpult leider nicht zum Vorteil manipuliert/geschraubt wurde!). M.Cavaletti und A.Arduini beide sehr überzeugend, C.Colombara, vom Namen her eine Luxusbesetzung für den Colline, blieb eher diskret (wobei ich bis heute nach zig-Bohèmes nicht begreife warum um diese unattraktive Mantel-Arie stets soviel Aufhebens gemacht wird?). N.Machaidze fand ich gut, eine Edel-Nutte, die mit ihrem verdienten Geld dem Gucci-Fucci-Pucci-LabelWahn fröhnt, also durchaus auch eine mögliche Optik/Vertreterin der Jetzt-Zeit. /// Severina, auch ich hätte mir ein entschlakteres, kälteres, härteres Dirigat von D.Gatti gewünscht. Alles in allem ein interessanter, mich ansprechender Abend (im Gegensatz zur Zauberflöte, die mich grenzenlos langweilte!).
Gruss vom Schweizer
Severina (02.08.2012, 10:44):
Lieber Schweizer,

vielen Dank für Deinen Beitrag, es beruhigt mich ungemein, dass ich nicht die Einzige bin, die der Regie etwas abgewinnen kann, denn zumindest in den beiden mir vorliegenden Kritiken wird sie einstimmig verrissen. Weniger einstimmig die Beurteilung des Dirigats, die wieder einmal zeigt, wie subjektiv und wenig aussagekräftig Zeitungskritiken sind:

Korentschnig im Kurier findet Gatti "sensibel, sängerfreundlich, nuanciert", Sinkowicz in der Presse "ohne Charme, ohne Gespür für Puccini und mit viel Insensibilität für die Sänger".

Damit kein Missverständnis entsteht: Ich halte meine Einschätzung für nicht weniger subjektiv und keineswegs für aussagekräftiger, aber ich bin auch ein blutiger Laie und folge meinem Bauchgefühl. Aber wenn zwei Fachleute(?), die doch eigentlich ausgebildetere Ohren haben sollten als ich, zu derart divergierenden Urteilen gelangen, führt das die Kulturberichterstattung schon ein bisschen ad absurdum.

Das Schlussbild fand ich auch beim zweiten Anschauen sehr berührend. Bezüglich Anna Netrebko bin ich ganz bei Dir, in ihrem Fach ist sie einfach großartig.

Was mich sehr beruhigt und freut , dass Beczala so gut weg kommt, diese merkwürdigen Dynamik-Schwankungen dürften also wirklich an der Übertragung gelegen sein. Und ich bin mit Dir einer Meinung, dass er als Rodolfo auch schauspielerisch überzeugen konnte, was sicher auch am Regisseur liegt, der ihn entsprechend aus der Reserve gelockt hat.

Was ich sehr bedaure, dass Pereira, der doch sein halbes Team aus Zürich mit nach Salzburg gebracht hat, nicht auch Felix Breisach für die Bildregie gewinnen konnte. Es wurde also wieder der übliche 0815-Brian-Large-Schinken.

lg Severina :hello
Rideamus (02.08.2012, 11:07):
Liebe Severina, lieber Schweizer,

Ihr habt mich sehr neugierig auf die ZDF-Übertragung heute abend gemacht (der ORF findet in Berlin im Gegensatz ausgerechnet zum Servus TV ja nicht statt). ZU der Aufführung kann ich also noch nichts sagen.

Dennoch möchte ich schon jetzt zwei Fragen aufwerfen:

Henri Murgers BOHÈME würde Severinas Wunsch nach einer tristen Inszenierung im Drogenmilieu sicher decken, aber tut das auch Puccinis Libretto, geschweige denn seine Musik? Da ist die romatisierende Verzuckerung doch von Anfang an intendiert, und das macht wohl auch ihren Erfolg gegenüber der parallelen Komposition von Ruggero Leoncavallo aus. Es ist zu schade, dass niemand mal diese BOHEME spielt (bei der auch nicht uninteressanten Zarzuela BOHEMIOS von Antonio Vives kann ich das ja noch verstehen), die ich seinerzeit leider nur auf Kassetten gekauft habe und jetzt nicht mehr spielen kann, aber die würde dem mit ihrem veristischen Unterton eher entgegenkommen, denke ich.

wenn zwei Fachleute(?), die doch eigentlich ausgebildetere Ohren haben sollten als ich, zu derart divergierenden Urteilen gelangen, führt das die Kulturberichterstattung schon ein bisschen ad absurdum.

Tut es das wirklich? Das würde doch unterstellen, dass ein ein objektives Werturteil in diesen Dingen geben kann. Sicher lassen sich bestimmte Qualitäten werten, aber auch mir ging es schon öfter so, dass mir manches nicht straff genug vorkam, das mir, zum Beispiel bei manchen Aufführungen Riccardo Mutis, manches zu preussisch straff vorkam, was andere gerade angenehm toscaninisch empfanden - und umgekehrt, in anderen Fällen. Wie gesagt, ich kann Gattis Leistung noch nicht beurteilen, auch wenn ich aus Erfahrung (aktuell gerade wieder mit dem SIMON BOCCANEGRA gegenüber Abbado) ziemlich skeptisch bin. Wenn Ihr aber schon beide schreibt, dass da jemand am Tonregler gefummelt zu haben scheint, dann ist seine Leistung wohl nur noch am originalen Klang in der akustisch wohl nicht unproblematischen Felsenreitschule zu beurteilen.

Aber, wie gesagt, ich bin gespannt.

:hello Rideamus
Schweizer (02.08.2012, 11:39):
Nochmals hallo Severina,
ich könnte mir sehr wohl vorstellen (kein Wissen nur Spekulation), dass Michieletto von wegen Erwartungen Salzburg-Publikum gebremst wurde, denn ich habe von ihm schon zweimal sehr progressive Werk-Deutungen miterlebt (ich beziehe mich nicht auf den Zürcher Poliuto, den ich nicht gesehen habe).
Gruss vom Schweizer
Billy Budd (02.08.2012, 11:52):
Liebe Severina,
besten Dank für die Info!

Du glaubst aber nicht im Ernst, dass der Sinkovicz ein Fachmann ist? (Korentschnigs Kritiken habe ich zu wenig gelesen, aber das, was er unlängst über Thielemanns Holländer abgeliefert hat, beweist, dass er von der Oper wenig Ahnung hat.).
Billy :hello
Billy Budd (02.08.2012, 12:03):
Original von Rideamus
Henri Murgers BOHÈME würde Severinas Wunsch nach einer tristen Inszenierung im Drogenmilieu sicher decken, aber tut das auch Puccinis Libretto, geschweige denn seine Musik? Da ist die romatisierende Verzuckerung doch von Anfang an intendiert, und das macht wohl auch ihren Erfolg gegenüber der parallelen Komposition von Ruggero Leoncavallo aus. Es ist zu schade, dass niemand mal diese BOHEME spielt (bei der auch nicht uninteressanten Zarzuela BOHEMIOS von Antonio Vives kann ich das ja noch verstehen), die ich seinerzeit leider nur auf Kassetten gekauft habe und jetzt nicht mehr spielen kann, aber die würde dem mit ihrem veristischen Unterton eher entgegenkommen, denke ich.

Lieber Rideamus,
wäre es nicht besser, diese zweifelsfrei sehr interessante Frage nicht hier, sondern im (noch nicht vorhandenen) Thread zum Werk zu diskutieren?
Ich bin aber schon gespannt, was Du zur heutigen ZDF-Übertragung sagen wirst.
Billy :hello
Rideamus (02.08.2012, 12:52):
Original von Billy Budd

Lieber Rideamus,
wäre es nicht besser, diese zweifelsfrei sehr interessante Frage nicht hier, sondern im (noch nicht vorhandenen) Thread zum Werk zu diskutieren?
Billy :hello

Lieber Billy,

da hast Du wohl Recht, aber das wirft ein Schlaglicht auf die Problematik dieses Forums. Wir haben jetzt, von Erwähnungen in Sammelthreads abgesehen, schon vier Threads zu einzelnen Aufführungen der BOHÉME, aber tatsächlich noch keinen Thread zum Werk selbst. Das ist beileibe nicht das einzige Phänomen dieser Art - nicht einmal bei den Top Hits der Operngeschichte.

Was tun? Es kann ja nicht jedesmal jemand einen neuen Thread eröffnen, wenn man einen interessanten Nebenaspekt eines bislang fadenlosen Werkes ansprechen will, der gerade aufkommt. Damit warten, weil noch kein Thread existiert, kann aber auch nicht ernsthaft als Lösung angesehen werden.

Ich habe absolut nichts gegen eine sinnvolle Ordnung und Übersicht, im Gegentiel. Aber man kann sie auch übertreiben und damit Diskussionsansätze ersticken. Deswegen plädiere ich ja so insistierend (und bislang echolos) dafür, Komponistennamen und Werktitel in die Thread- oder (bei Sammelthreads) Beitragsüberschriften zu stellen. So kann nämlich ganz leicht alles angerufen werden, was zum Thema gehört.

:hello Rideamus
Billy Budd (02.08.2012, 13:35):
Lieber Rideamus,
es lag mir völlig fern, Euch Vorschriften zu machen oder einen interessanten Diskussionsansatz abwürgen.
Vielleicht ist es am besten, wenn Ihr hier alles diskutiert, was es zu diskutieren gibt und ich das das Werk betreffende später in den Bohème-Thread verschiebe.
Billy :hello
satie (02.08.2012, 14:03):
Original von Billy Budd
Lieber Rideamus,
es lag mir völlig fern, Euch Vorschriften zu machen oder einen interessanten Diskussionsansatz abwürgen.
Vielleicht ist es am besten, wenn Ihr hier alles diskutiert, was es zu diskutieren gibt und ich das das Werk betreffende später in den Bohème-Thread verschiebe.
Billy :hello

Lieber Billy,

ich würde es aber jetzt auch nicht übertreiben, so schön ich finde, dass Du Ordnung reinbringen willst. Wenn man einen Thread mit einem anderen vereinigt, bringt das durchaus auch Probleme mit sich. Man darf z.B. nicht vergessen, dass man die Option der Benachrichtigung per Mail damit aushebelt, wenn man einen Thread mit einem anderen verschmelzen lässt, auch kann es dann so wirken, als wäre der Thread einfach verschwunden. Da wäre ich vorsichtig, solche Zusammenführungen machen nur bei richtigen Doppelthreads einen Sinn. Ich denke, das muss ganz in Ruhe und über ein paar Wochen diskutiert werden, wie eine gute Ordnung zu schaffen wäre.

@Rideamus: absolut richtig, man sollte immer den Komponistennamen und den Werktitel mit angeben, denn dann kann man über die Überschriften suchen.

Herzlich,
S A T I E
Schweizer (02.08.2012, 14:05):
Hallo Rideamus, Du darfst gespannt sein, denn da Du nun schon im Vorfeld weisst, dass Du Dich von der mehr oder minder gängigen Aufführungs-Tradition lösen musst, wirst Du bestimmt keinen Schock erleiden: ich bin gespannt auf Deine Beurteilung, wie diese modernisierte Bohème bei Dir ankommen wird?
Gruss vom Schweizer
Heike (02.08.2012, 14:10):
Meines Erachtens findet sich hier jetzt ein schönes Beispiel für das (sicher permanent wiederkehrende) Phänomen, dass sich Aufführungspraxis und Inhaltsdiskussion schwerlich trennen lassen.

Es git doch -zig Opern, die so oft durchgekaut wurden, dass niemand mehr Lust hat, dazu einen Thread zu eröffnen. Da kann dann allenfalls mal eine Neuinszenierung ein Anlass sein, über einen einzelnen inhaltlichen Aspekt neu nachzudenken. Und das gehört imho dann auch genau dahin. Mich gruselt es bei dem Gedanken, dass irgendwann dann ständig im Nachhinein alte Threads gekürzt bzw. Teile daraus in neue Threads umgelagert werden sollen.

Heike
Sorry für das OT, ich habe die Übertragung nicht gesehen.
Billy Budd (02.08.2012, 14:16):
Original von Satie
Lieber Billy,

ich würde es aber jetzt auch nicht übertreiben, so schön ich finde, dass Du Ordnung reinbringen willst. Wenn man einen Thread mit einem anderen vereinigt, bringt das durchaus auch Probleme mit sich. Man darf z.B. nicht vergessen, dass man die Option der Benachrichtigung per Mail damit aushebelt, wenn man einen Thread mit einem anderen verschmelzen lässt, auch kann es dann so wirken, als wäre der Thread einfach verschwunden. Da wäre ich vorsichtig, solche Zusammenführungen machen nur bei richtigen Doppelthreads einen Sinn. Ich denke, das muss ganz in Ruhe und über ein paar Wochen diskutiert werden, wie eine gute Ordnung zu schaffen wäre.
Ja, das sehe ich genau so!
Billy :hello
Severina (02.08.2012, 17:26):
Original von Rideamus
Liebe Severina, lieber Schweizer,

Ihr habt mich sehr neugierig auf die ZDF-Übertragung heute abend gemacht (der ORF findet in Berlin im Gegensatz ausgerechnet zum Servus TV ja nicht statt). ZU der Aufführung kann ich also noch nichts sagen.

Dennoch möchte ich schon jetzt zwei Fragen aufwerfen:

Henri Murgers BOHÈME würde Severinas Wunsch nach einer tristen Inszenierung im Drogenmilieu sicher decken, aber tut das auch Puccinis Libretto, geschweige denn seine Musik? Da ist die romatisierende Verzuckerung doch von Anfang an intendiert, und das macht wohl auch ihren Erfolg gegenüber der parallelen Komposition von Ruggero Leoncavallo aus. Es ist zu schade, dass niemand mal diese BOHEME spielt (bei der auch nicht uninteressanten Zarzuela BOHEMIOS von Antonio Vives kann ich das ja noch verstehen), die ich seinerzeit leider nur auf Kassetten gekauft habe und jetzt nicht mehr spielen kann, aber die würde dem mit ihrem veristischen Unterton eher entgegenkommen, denke ich.

:hello Rideamus

Lieber Rideamus,

beim Libretto sehe ich kein Problem, denn wie ich schon sagte, frage ich mich seit jeher bei der fröhlichen Balgerei im letzten Akt, was sich die vier da eingeworfen haben :wink! Diese Phantastereien, die sie da entwickeln, passt doch perfekt zu einem LSD-Trip!
Was die "Romantische Verzuckerung" betrifft, so hat mich die schon immer gestört, weil ich sie eben dem Sujet als völlig unangemessen empfinde, und bin daher jedem Regisseur dankbar, der sie konterkariert. Aber ich verstehe natürlich, dass für jemanden, der eine Kongruenz von Musik und Inszenierung als sein Ideal empfindet - was auch völlig legitim ist -, an Michielettos Deutung wenig Freude haben wird.
Ich hingegen empfinde gerade das Auseinanderklaffen von Musik und Szene als so reizvoll: Die Musik steht dabei für die Träume der jungen Leute, für die Liebe, nach der sie sich natürlich ebenso sehnen wie die malerischen Bohemiens bei Zeffirelli, die Inszenierung für die brutale Wirklichkeit. (Die mir eben sogar noch ein bisschen zu wenig brutal ist, ich würde wesentlich weiter gehen, dürfte ich die "Bohème" je inszenieren. Aber keine Bange, diese Gefahr besteht absolut nicht :wink :D!)

lg Sevi :hello
Ingrid (03.08.2012, 09:24):
Original von Severina
Ich hingegen empfinde gerade das Auseinanderklaffen von Musik und Szene als so reizvoll: Die Musik steht dabei für die Träume der jungen Leute, für die Liebe, nach der sie sich natürlich ebenso sehnen wie die malerischen Bohemiens bei Zeffirelli, die Inszenierung für die brutale Wirklichkeit. (Die mir eben sogar noch ein bisschen zu wenig brutal ist, ich würde wesentlich weiter gehen, dürfte ich die "Bohème" je inszenieren. Aber keine Bange, diese Gefahr besteht absolut nicht :wink :D!)lg Sevi :hello

Liebe Severina,

würde Deine Version der Bohème total gerne auf der Bühne sehen. Denn diese Inszenierungen, so von allem ein wenig (in der Zauberfl. ja besonders krass), werden doch (zumindest bei mir) ganz schnell wieder abgehakt und vergessen. Da gehe ich dann doch lieber zum xten Mal in unsere Uralt-Bohème, so die Besetzung mich anspricht (AN muss es jetzt nicht mehr unbedingt sein) und applaudiere sogar gerne für das traumhaft schöne Bühnenbild im 2. Akt. Das gestern war ja wirklich nur verwirrend und Rampenstehen in Reinkultur (2.Bild). Bin da dann schon relativ bald eingenickt, bei der Inbissbude kurz aufgeschreckt (Protagonisten gab es in dem Augenblick nicht einmal) und dann erst wieder bei Magnum aufgewacht. Bin mir jetzt nicht sicher, ob ich die Aufnahme überhaupt noch ganz ansehen soll.

Die Optik von Anna Netrebko hat mich ziemlich verwirrt, denn bei der ständig laufenden Vorschau sah sie so völlig anders aus. Waren das evtl. Ausschnitte aus dem Film oder doch aus dem verschlafenen 4. Akt? Musikalisch hat sie mich bis dahin auch nicht sonderlich angesprochen, aber von Beczala war ich sehr angenehm überrascht. Dieses Outfit, bes. die Haarpracht, incl. Hornbrille, sollte er beibehalten. Macht ihn irgendwie total locker und nicht so granitartig, obwohl immer sehr gut singend. Konnte eigentlich bis dahin keine großen Störungen/Schwankungen der Lautstärke bei ihm erkennen (allerdings fiel bei uns so ziemlich zu Beginn durch ein schweres Gewitter der Sender total aus und erst beim eiskalten Händchen waren wir wieder dabei). Seine Zimmergenossen mocht ich auch auf Anhieb. Kommt der schlaksige Große zu Euch nach Wien? Macht einen sehr guten Eindruck :)

:hello bis vielleicht demnächst. Hoffe natürlich, dass die Ariadne die Krönung dieser Salzburger Übertragungen wird und ich endlich mal wach bleibe :wink Die Kritiken hören sich auf jeden Fall schon mal nicht so schlecht an.

Ingrid
Severina (03.08.2012, 10:09):
Liebe Ingrid,
die Vorschau war ganz eindeutig aus dem Dornhelm-Film, das fand ich auch merkwürdig. Ja, der "große Schlaksige" kommt zu uns nach Wien, und wenn er so singt und spielt wie in Salzburg, ist das endlich einmal ein positiver Neuzugang!
Schade, dass Du der Inszenierung gar nichts abgewinnen konntest, denn von der Konzeption her finde ich sie gut, nur eben in der Umsetzung zu feige.

Rideamus scheint wohl immer noch unter Schock zu stehen, weil er sich gar nicht äußert :wink :D!

lg Sevi :hello
schwarzehand (03.08.2012, 10:33):
Ich sehe es ähnlich wie Severina: Idee gut, aber bei der Umsetzung auf halber Strecke versackt. Vielleicht hatte man auch etwas Angst davor, dass man nach dem Guth-Giovanni dem Salzburger Publikum nicht schon wieder eine Drogen- und Junkieszene vor die Nase setzen darf? Das wäre dann auch sicherlich von der Kritik als schlechte und einfallslose Kopie abgehakt worden...
Rideamus (03.08.2012, 10:42):
Liebe Sevi,

keine Angst. Rideamus stand nicht unter Schock. Er schrieb nur noch nach dem und über den langen Abend.

Original von Severina
Aber ich verstehe natürlich, dass für jemanden, der eine Kongruenz von Musik und Inszenierung als sein Ideal empfindet - was auch völlig legitim ist -, an Michielettos Deutung wenig Freude haben wird.
lg Sevi :hello

Die hochinteressante Frage, ob eine Inszenierung eher kongruent oder konkurrent zur Musik bzw. zum Libretto sein soll, möchte ich gerne in einem separaten Thread beantworten, da sie zu leicht zu einem weiteren Refgietheaterthread führen kann. Hier also erst einmal meine Eindrücke von der Salzburger BOHÉME, die ich nicht erneut zu beschreiben brauche, da Du das ja zu Beginn des Threads schon sehr bildhaft6 beschrieben hast.

Um es vorweg zu nehmen, weil das meiste das folgen wird, eher die Einschränkungen meines Urteils betrifft: mir hat die Aufführung als Ganzes gefallen, und zwar durchaus auch wegen, und nicht trotz der Inszenierung. Ich finde sogar, dass sie eine anständige aber mit Ausnahmen (Beczala, Machaidze) nicht besonders hervor ragende musikalische Darbietung veredelt hat. Genau das Gegenteil meiner Erfahrung mit der ZAUBERFLÖTE also.

Normalerweise stehe ich Versuchen, eine Oper partout dadurch zu aktualisieren, indem man sie in die Gegenwart verlegt, ziemlich skeptisch gegenüber, aber bei dieser BOHÉME klappte es für mich, weil der Regisseur das Libretto immerhin sorgfältig gelesen hat - bis hin zu solch hübschen Details, wenn aus dem Bild von der Durchquerung des roten Meeres, also des "Mer rouge", ein Stück Pop Art wird, das einerseits die Rückständigkeit des Malers Marcello kennzeichnet, ihn aber auch als Pseudorevolutionär mit einer dummen Nostalgie für die "Khmer rouges" ausweist. Ich gestehe, ich liebe solche Anstöße, sich einmal über das übermäßig vertraute Personal eines Superhits neue Gedanken zu machen.

Leider zerstoben die beim Auftritt von Anna Netrebko. Zugegeben, ihre Stimme hat an Fülle und vielleicht sogar Schönheit gewonnen, aber muss man das wirklich in einem fort hinaus posaunen, als gälte es, den Zuschauer zu beruhigen, dass die arme Mimi ja gar nicht so krank ist, sondern vielmehr prall voll mit Leben, ganz zu schweigen von frisch erworbenen Kaliorien steckt? Ingrids Frust über die hier gebotene Leistung der eher aufgehenden als aufblühenden Diva kann ich da absolut nachvollziehen. Dagegen fand ich Nino Machaidze, die mir noch als salzburger JULIETTE, in den PURITANI und erst recht in ihrem Rollendebüt im Parmesaner RIGOLETTO bei guter Stimme etwas blass vorkam, eine positive Überraschung, die sicher auch der Personenregie Michielettos zu verdanken ist. Überhaupt war die detailfreudige Personenführung für mich der erfreulichste Aspekt des Abends, von dem vor allem Beczala enorm profitierte.

Leider konnte die musikalische Gestaltung dieses Niveau für mich nicht einlösen. Ich mag die BOHÉME sehr, halte siie sogar für Puccinis beste abendfüllende Oper, aber das liegt unter anderem daran, dass sie (mit Ausnahme des Momus-Aktes) eigentlich ein Kammerspiel ist, das sehr sensibel und differenziert vorgetragen werden will, wenn es überzeugen soll. Lag es an der Riesenbühne der Felsenreitschule, an dem unflexiblen Dirigenten oder tatsächlich (auch) an der Tontechnik, bei der ich keine Schwankungen hörte, obwohl ich manchmal ganz dankbar dafür gewesen wäre? Ich kann mich jedenfalls an keine BOHÉME erinnern, in der von Anfang bis Ende so durchgehend gebrüllt wurde. Zugegeben. bei bester Stimme, aber doch so unflexibel, dass ein zaghaftes Mezzoforte wie am Schluss schon als Pianissimo gelten musste. Man muss ja nicht gleich Carlos Kleibers Scala-BOHÈME von 1979 mit Cotrubas, Popp, Pavarotti und Nesterenko als Vorbild vor Augen haben. Auch Karajan (mit Freni) und Bernstein haben bewiesen, wie breit das dynamische Spektrum dieser Oper sein kann - sein muss, wenn man sie voll zur Geltung bringen will. Gatti & Co aber schlagen von Anfang an eine einzige Lautstärke an, was Puccinis Partitur, die ja nicht unbedingt die vielseitigste ist, tatsächlich auf den eintönigen Langweiler reduziert, der viele Berichterstatter zum Einschlafen verlockt hat.

Soviel zu meinen ersten Eindrücken von der Übertragung gestern abend. Vielleicht lassen die sich gelegentlich noch durch das eine oder andere Detail ergänzen, das mir nach dem ersten Ansehen weniger präsent ist. Vorab jedoch dies: der Marcello gefiel mir ebenso gut wie Severina, während ich dem Momus-Akt erheblich mehr abgewinnen konnte als sie.

:hello Rideamus
Ingrid (03.08.2012, 10:48):
Original von Severina
Schade, dass Du der Inszenierung gar nichts abgewinnen konntest, denn von der Konzeption her finde ich sie gut, nur eben in der Umsetzung zu feige.



Liebe Severina,
es lag sicher auch daran, dass ich viel zu wenig mitbekam. 3. und 4. Akt fehlten ja ganz und Teile des 1. und 2. auch. Konnte mir also wirklich nur ein ganz begrenztes Bild machen.

Lustig war aber, dass meine 88jährige Mutter bis Mitternacht durchgehalten hat und total angetan war. Sie meinte sogar, dass diese Geschichte ideal umgesetzt wurde. Da könnten sich einige Gruftis (ich in dem Fall eingeschlossen) ein paar Scheiben abschneiden :D

Liebe Grüße
Ingrid
Honoria Lucasta (03.08.2012, 12:03):
Ich habe drüben bei Capriccio ein bißchen was zu meinen beiden gesehenen Akten geschrieben - mir hat's nicht sonderlich gefallen, vor allem wegen der dunklen, lieblosen Dekoration und Kostümierung.

Aus Piotr Beczala wird leider noch in 100 Jahren kein begabter Schauspieler, aber stimmlich war die Partie sicher keine Belastung für ihn - mühelos, fast ein wenig nebenbei fand ich alles von ihm gesungen. Bei Anna Netrebko bin ich immer hin- und hergerissen. Sie hatte schauspielerisch ein paar schöne Details (das Zittern der Hände, als sie im 1. Akt in ihrer Tasche herumsuchte!), aber ich muß Rideamus zustimmen, was ihre stimmliche Gestaltung angeht: das war mir alles zu cool, zu gleichförmig laut und letztlich ein ganz klein wenig langweilig.

Nino Machaidze fand ich vom Stimmcharakter nicht passend, aber das ist sicher Geschmackssache: ich mag für dieses ziemliche Früchtchen eher eine leichtere, schlankere Stimme. Die Künstlerkollegen gefielen mir gut - Puccini hat sie ja in ihren Quartetten überhaupt fast mit den schönsten Melodien bedacht, und man muß sich schon sehr Mühe geben, das in den Sand zu setzen. Hier gelang alles gut.

Der verehrte Rideamus hat natürlich recht, was den eigentlichen Charakter der Oper angeht: sie ist ein Kammerspiel (Momus eingeschlossen, denn die Protagonisten und die lärmende Menge haben ja eigentlich nichts miteinander zu tun, die intime Unterhaltung im "Beiseite-Singen" kommt eigentlich erst so recht heraus, wenn der Kinderchor und die anderen sehr lärmend sind) - dieser Charakter geht in der Überbreite der Felsenreitschule natürlich vollständig verloren. Mglw. muß man deswegen auch alles ein wenig plakativer machen, als es die Oper eigentlich verlangt oder verträgt.

Grüße!

Honoria
stiffelio (05.08.2012, 14:01):
Hallo ihr Lieben,

man kann die Aufführung derzeit auch hier: http://www.youtube.com/watch?v=3Lx-Gqi-4Po komplett einsehen.
Ich bin (bisher) noch kein BOHÈME-Fan und hab nur ein bisschen hineingeschuppert, aber das Ende hat mir sehr gut gefallen.

VG, stiffelio
Billy Budd (05.08.2012, 17:40):
Auszug aus der Homepage von Jonas Kaufmann (5. August 2012):

Zwei Rodolfos für Anna Netrebko: Piotr Beczala agiert, Jonas Kaufmann singt.
Salzburg, 4. August, 19.50 Uhr - zehn Minuten vor Beginn der Vorstellung von Puccinis „La Bohème“. Notruf vom Betriebsbüro der Salzburger Festspiele: Piotr Beczala ist erkrankt, fühlt sich nicht in der Lage die Partie des Rodolfo durchzustehen und hat kurzfristig abgesagt. Woher so kurzfristig einen Ersatzmann bekommen, der die ausverkaufte Vorstellung retten kann? Letzte Hoffnung: Jonas Kaufmann! Obwohl am nächsten Tag die TV-Übertragung von „Ariadne auf Naxos“ ansteht, sagt Kaufmann zu, am Notenpult zu singen, während Beczala auf der Bühne agiert. Um 20.45 Uhr kann die „Bohème“-Vorstellung mit Anna Netrebko und den beiden Rodolfos beginnen. Alles geht gut. Das Publikum jubelt, und das Fernseh-Team vom ORF verfügt jetzt über ein Dokument von großem Seltenheitswert.
Billy :hello
Mime (07.08.2012, 03:07):
Nach diesen z.T. unsachlichen Rodolfo - Kritiken in der Presse war die Krankmeldung logisch und konsequent. Doch warum um Himmels willen Kaufmann als Ersatz?
Ein Playback der vorigen Vorstellung wäre die bessere Lösung gewesen, denn wer sich Knödel-Jonas als Rodolfo anhören musste, weiss Piotr Beczala in dieser Rolle wieder zu schätzen. Gute Besserung!

PS: Ob Frau Merkel vom Doppelrudolf etwas mitbekommen hat? Hoffentlich! Vielleicht gilt dann ihr nächster Rettungsschirm den Tenören. Würde endlich mal Sinn machen...

:W
Hyacinth (07.08.2012, 03:56):
Original von Mime
Ein Playback der vorigen Vorstellung wäre die bessere Lösung gewesen, denn wer sich Knödel-Jonas als Rodolfo anhören musste, weiss Piotr Beczala in dieser Rolle wieder zu schätzen. Gute Besserung!


Das gehört eigentlich in den 1000 Mal gelacht Thread. Obwohl dann sicher ein paar Kaufmann-Fans beleidigt wären :wink
Ich mag Beczala generellrecht gerne und "Knödel-Jonas" eher nicht so gerne. Aber keine Sorge, ich hör schon wieder auf mit OT, wollte nur Mimes meiner Meinung nach treffende Wortschöpfung würdigen.

Hyacinth :hello
ar (07.08.2012, 08:45):
Besonders weil man "Knödeln" objektiv bestimmen kann und Kaufmann knödelt nun mal nicht (hingegen Beczala an einem sehr schlechten Abend schon, sonst singt er technisch auf höchstem Level).
Billy Budd (07.08.2012, 12:16):
:J :J :J
Volle Zustimmung zu Mime und Hyacinth! :thanks
Billy :hello
Flosshilde (07.08.2012, 13:32):
Toll, jetzt habt ihr es dem Kaufmann aber gegeben. :wink
Ich könnte jetzt einfallen und sagen: So wie einige hier Beczala als Rodolfo bevorzugen, gibt es andere, die begeistert über den Wechsel waren und seitdem von Beczala gar nicht mehr so überzeugt sind, ätsch
Ist aber arg niveaulos und ich bin ein bisschen entsetzt darüber, dass auch dieses Forum inzwischen so tief gesunken ist, dass man bösartige Gerüchte und Sängerschelten lesen muss.

Original von Mime
Nach diesen z.T. unsachlichen Rodolfo - Kritiken in der Presse war die Krankmeldung logisch und konsequent.
Leider war es für Beczala wohl nicht so logisch, denn er hat erst fünf Minuten vor der Vorstellung endgültig abgesagt.

Es schadet nicht, sich etwas Tatsachenwissen anzueignen, bevor man „unsachlich“ herumlästert. Das Einspringen musste extrem kurzfristig erfolgen und ob nun Kaufmann stimmlich ein idealer Rodolfo ist oder nicht, er kann die Rolle singen und er kann sie auch extrem kurzfristig singen.
Dass Salzburg sich kein Cover leistet, ist eine andere Sache, aber auch hier gibt es Gründe, die im System liegen, und nicht irgendeinem Sänger anzulasten sind.

Ich kann einfach nicht verstehen, wieso man Jonas Kaufmann schlecht machen muss, weil man Piotr Bezcala als Sänger bevorzugt, und umgekehrt natürlich.

Flosshilde
Karolus Minus (07.08.2012, 13:40):
Original von Flosshilde
Toll, jetzt habt ihr es dem Kaufmann aber gegeben. :wink
.....
Ist aber arg niveaulos und ich bin ein bisschen entsetzt darüber, dass auch dieses Forum inzwischen so tief gesunken ist, dass man bösartige Gerüchte und Sängerschelten lesen muss.
Flosshilde

Dem kann ich leider nur zustimmen!
ar hat sich da ja anders geäußert - aber der singt ja auch selber und versteht praktisch was davon....
Lg
Karolus Minus
ar (07.08.2012, 14:59):
Zum Thema:
Ich habe es auf YouTube nachgeschaut und finde die Sänger wirklich gut:

Beczala: wow, toll gesungen, zwar nicht der beste Schauspieler, aber ich habe ihn selten so gut spielen sehen. Bravo (scheiss Tontechnik, übrigens)!
Netrebko: Stimmlich ist das ihre beste Rolle, darstellerisch, nun ja, ich kann damit leben, dass Mimi fit wirkt bis zum Tode. Es gibt viele Menschen die auf stark machen, bevor sie sterben, bis zum Ende hin.
Die Künstler: Alle sehr gut- ok (Colline war nicht wirklich toll). Schaunard hat auch mir am besten gefallen.
Machaidze: Gefällt mir im wirklich lustigen Fach mehr (Rossini), war sicher nicht ihr bester Abend, aber auch sie ist eine erstklassige Sängerin. Jedem ist es mal gestattet, nicht so toll drauf zu sein (auch in Salzburg oder Bayreuth).

Gatti: Ich fand es der Partitur angemessen und vor allem auch getreu (hat jemand den Schluss schon mal SO gehört, wie in den Noten?).

Inszenierung: Hier bin ich mal wieder irgendwo bei Severina. Ansatz toll, Umsetzung naja.

Wenn ich alle drei Opernübertragungen aus der Mozartstadt vergleiche, gefiel mir die Ariadne am besten. Allgemein fällt auf, dass die Sänger durchwegs hohes-höchstes Niveau hatten (Zeppenfeld, Kleiter, Kaufmann, Netrebko, Mosuc, Magee...), die Inszenierungen gefielen mir subjektiv jetzt nicht so (grosse Ausnahme: Ariadne) und die Orchesterleistungen und Dirigate gefielen mir auch allesamt (Harding am wenigstens, auch er war aber noch sehr gut). Das ist dann mal wieder typisch Salzburg: Musik top, Regie ok. Aber was bringt mir die beste Inszenierung mit schlechten Gesangs- und Orchesterleistungen? (Die Antwort ist nichts, ich brauche alle drei)
Hyacinth (07.08.2012, 15:18):
Original von Flosshilde
Toll, jetzt habt ihr es dem Kaufmann aber gegeben. :wink

Ist aber arg niveaulos und ich bin ein bisschen entsetzt darüber, dass auch dieses Forum inzwischen so tief gesunken ist, dass man bösartige Gerüchte und Sängerschelten lesen muss.

Ich kann einfach nicht verstehen, wieso man Jonas Kaufmann schlecht machen muss, weil man Piotr Bezcala als Sänger bevorzugt, und umgekehrt natürlich.


Ja, Flosshilde, du hast Recht, es war niveaulos, ich fand den Ausdruck nur lustig, weder qualitativ noch würde ich ihn in einer Kritik verwenden. Er beschreibt den Eindruck, den ich von Jonas Kaufmann habe, wenn auch überzeichnet. Aber ich werde ihn am Wochenende sehen und dann berichten.

Bei letzterem gebe ich dir völlig Recht, ich glaube auch nicht, dass das jemand beabsichtigt hat. Aber wenn jemand einen Sänger sehr mag und dann springt jemand ein, den man gar nicht mag, ist man vielleicht ein bisschen voreingenommen. Das ist dann natürlich subjektiv.

Hyacinth :hello
Severina (07.08.2012, 19:56):
Original von Mime
Nach diesen z.T. unsachlichen Rodolfo - Kritiken in der Presse war die Krankmeldung logisch und konsequent. Doch warum um Himmels willen Kaufmann als Ersatz?
Ein Playback der vorigen Vorstellung wäre die bessere Lösung gewesen, denn wer sich Knödel-Jonas als Rodolfo anhören musste, weiss Piotr Beczala in dieser Rolle wieder zu schätzen. Gute Besserung!


:W

Wenn jeder Sänger wegen einer "unsachlichen Kritik" absagt - und das von seinen Fans auch noch als logisch und konsequent empfunden wird - wäre es aber ganz schön leer auf den Opernbühnen dieser Welt.
Im Übrigen finde ich es herzig, dass sich jemand über eine angeblich unsachliche Kritik mokiert (Ich hab eigentlich nur gute zu Beczala gelesen!) und einen Satz weiter Jonas Kaufmann als "Knödel-Jonas" bezeichnet. Das ist natürlich der Gipfel an Sachlichkeit....
Ansonsten äußere ich mich nicht mehr zu dem hier mit solcher Wonne betriebenen JK-Bashing, das ist mir nämlich wirklich eine Spur zu dumm.

lg Severina
Hyacinth (07.08.2012, 20:36):
Da ich mich als ehemaliger Basherin auch etwas angesprochen fühle: Ich habe eben meine geläuterte Sicht auf Jonas Kaufmann in seinem Thread beschrieben und bin nach genauem Hinhören nicht mehr derselben Meinung über ihn wie vorher! :wink

Hyacinth :hello
Ingrid (08.08.2012, 01:27):
Vor ein paar Tagen wurde ich tatsächlich von einem Sänger angeschrieben, da er sich über meine Opernrezension einer wirklich außergewöhnlichen Vorstellung sehr gefreut hatte. Er beschrieb dann auch die gegenteiligen Gefühle:

"Wenn einem eine negative Beurteilung zuteil wird, gehen einem beim nächsten Auftritt sogar die einzelnen Worte durch den Kopf, wo es angeraten wäre, dieses wegzuschieben und grad erst recht mit einer guten Leistung
aufzuwarten."

Diese Worte haben mich schon sehr betroffen gemacht und ich hoffe sehr, dass gerade Herr Kaufmann, der hier wieder einmal beschossen wird, einen großen Bogen um alle deutschen Foren und Gazetten macht, damit er unbelastet auf der Bühne stehen kann und die Menschen erfreut, die für seine Interpretationen der Figuren, die er meisterlich verkörpern kann, Herz und alle Sinne weit öffnen. Zum Glück gibt es mehr als genug davon. Und allen anderen Protagonisten, die mal so eben ins Schussfeld geraten, wünsche ich das auch. Meist sind sie ja sowieso ihre eigenen größten Kritiker, sollten sie mal einen schlechten Tag haben und wer von uns hat den nicht?

Gruß
Ingrid
Hyacinth (08.08.2012, 11:06):
Liebe Ingrid,

Ich gebe völlig Recht, man schreibt manchmal Dinge, wo man sich nicht überlegt, wie die für den Sänger wirken können. Und gerade ich, die diesen Beruf einmal gerne ausüben würde, sollte das verstehen.
Eine Bekannte von mir (Sängerin) hat mir auch einmal erzählt, dass sie es nicht so toll findet, wenn Leute Videos von ihr auf YT stellen, weil dann manchmal dumme Kommentare kommen. Auf YT kann natürlich auch jeder schreiben, der nichts mit Oper am Hut und keine ahnung hat.
Auch wenn kaum einer jeden Tag seinen Namen googeln wird, schnappt man ab und zu eine abfällife Bemerkung auf und die bleibt dann garantiert länger im Gedächtnis als eine gute Kritik.

Man kann auch mal kritisieren, auf jeden Fall, wenn wir alles nur schönreden würden wäre es hier sinnlos, aber man muss vielleicht nicht alles immer so extrem ausdrücken. Das gilt vor allem an mich selbst, jeder, der sich angesprochen fühlt könnte diese Kehrseite der Kritik auch bedenken.

Hyacinth :hello
Ingrid (08.08.2012, 13:53):
Liebe Hyacinth,

bin mir ziemlich sicher, dass Sängerinnen und Sänger auch durchaus über Kritik dankbar sind, aber die muss für sie bestimmt von Menschen kommen, die wirklich Sachverstand haben, sie nicht einfach nur aus Lust und Laune kritisieren, da sich das vielleicht besser verkauft oder eben nur aus Geschmacksgründen. Solche Kritiken verletzen und bauen nicht auf. Die wünsche ich Dir auf jeden Fall nicht auf Deinem Weg als Sängerin.

Las auch gerade einige Kritiken/Berichte über sein Einspringen in der Bohème und da kann man wirklich nur ganz tief den Hut ziehen. Vor drei Jahren hat er diese Rolle das letzte Mal gesungen, ist mit seinen Kindern am See und trotzdem setzt er sich blitzschnell ins Auto, um eine, für die Veranstalter und das Publikum so wichtige Vorstellung zu retten. Noch dazu einen Tag vor und nacheiner sehr schwierigen Rolle, die dann auch noch live übertragen wird. Keiner dieser Besucher wird nach den Vorstellungen wohl nur im Entferntesten daran gedacht haben, ihn dafür mit Schimpfworten zu bedenken oder Übelkeitssymptome zu bekommen.

Ich bin auf jeden Fall sehr sehr dankbar, in einer Zeit zu leben, in der Jonas Kaufmann aktiv auf der Bühne steht. Hoffe sehr, er überzeugt Dich nun als Don José in Salzburg und Du kannst so gut französisch, dass Du merkst, wie sicher er auch diese Sprache beherrscht.

Herzliche Grüße
Ingrid
Karolus Minus (08.08.2012, 13:56):
Original von Hyacinth
Eine Bekannte von mir (Sängerin) hat mir auch einmal erzählt, dass sie es nicht so toll findet, wenn Leute Videos von ihr auf YT stellen, weil dann manchmal dumme Kommentare kommen. Auf YT kann natürlich auch jeder schreiben, der nichts mit Oper am Hut und keine ahnung hat.
Auch wenn kaum einer jeden Tag seinen Namen googeln wird, schnappt man ab und zu eine abfällife Bemerkung auf und die bleibt dann garantiert länger im Gedächtnis als eine gute Kritik.
Hyacinth :hello

Liebe Hyacinth,
es sind ja nicht nur die Kommentare bei YT. Häufig genug findet man ja mit dem Camcorder gedrehte Privatvideos, mitunter vom Fan des Duettpartners gedreht, dem es dann völlig egal ist, daß Frau/Herr XY daneben leider indisponiert war (im Haus angesagt aber natürlich nicht auf YT). Und dann sieht das wer und meint, XY könne nicht singen, wobei die miserable Tonqualität dem Ganzen noch den Rest gibt...

Für Deinen Berufsweg viel Glück von einem, der das auch mal werden wollte. Es ist ein hartes Brot und ich persönlich trauere ihm nicht nach, es wäre aus diversen Grümden nichts für mich gewesen.
Lg
Karolus Minus
Karolus Minus (18.08.2012, 14:55):
Noch ein kleiner Nachtrag für alle Boheme-Gucker:
wem die Salzburger Variante schon zu modern ist, der findet auf Youtube die Version aus Orange 2005 mit Gheorghiu/Alagna unter http://www.youtube.com/watch?v=ySnx0CVyQNY. Leider mit 4:3 das falsche Format, es sehen alle SEHR verhungert aus.

Wem Salzburg dagegen zu harmlos ist, der gebe Boheme und Herheim ein, Youtube hat ein paar Ausschnitte aus der Osloer Produktion, wobei die sich - mein ich - nur im Zusammenhang wirklich erschließt.

Lg
Karolus Minus