Tagliavini, Feruccio  „ Tenore di grazia "

palestrina (20.06.2017, 00:03):
„ Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. " Hermann Hesse

Tagliavini Wiki

Dolcezza: Feruccio Tagliavini (* 14. August 1913 in Barco, Reggio nell’Emilia; † 28. Januar 1995 in Reggio nell’Emilia)

Nachdem er 1938 den Concorso Nationale Italiano gewonnen hatte, gab er seinen Début im gleichen Jahr in Florenz mit dem Rodolfo in der Boheme, 1940 sein Début an der Scala und 1947 an der Met.
Die besten Aufnahmen sind in der Zeit von 1940-mitte der fünfziger, die Lucia mit der Callas kam leider viel zu spät.
1941 heiratete er Pia Tassinari die damals noch Sopranistin war, später dann im Mezzofach erfolgreich war, die beiden haben auch zusammen div.Aufnahmen hinterlassen.

Er verzaubert die Hörer die Gigli lieben, aber nicht seine Manier. Er ist für die, die sich an Eleganz und Morbidezza ergötzen. Tagliavinis Stimme konnte, vor allem bei Mezzavoce -Phrasen, von süßzärtlicher, fast androgyner Tönung sein, aber auch schneidend -intensiv klingen und gleichzeitig mit dem Klang der Wehmut (morbidezza) eingefärbt werden, es war immer eine zarte, feine, pastellene Stimme.
J.Kesting
So habe ich Tagliavini kennengelernt, über die Aufnahme „ L'Amico Fritz " von Mascagni, die sich auch gut kannten und Mascagni sagte daß es keinen besseren für die Rolle gegeben hat.
„ Ed anche Beppo amò " aus dieser Oper muss man von ihm gehört haben, in dieser Mischung aus Dolcezza- und Squillante Effekten, dazu mit den melancholischen Morbidezza Tönen, die voller Tränen sind und doch nie weinen oder schluchzen.
J.Kesting


Ist auf diesen CD enthalten und das Duett „ Suzel buon di " mit der Olivero, :down ein wahrlich wunderschönes Album,(es gibt unzählige Ausgaben dieses Cetra Albums) die dritte enthält 3CDs. Und im großen und ganzen sind auf allen diesen Ausgaben mehr oder weniger die gleichen Arien enthalten, bei der ersten CD noch mit Duetten.

Ich kam wieder auf Tagliavini durch diese Aufnahme der „ Fedora " ....
mit Duetten aus der CD mit Piano Tassinari!

Von den GA sind auser dem Fritz, der Rigoletto sowie die Sonnambula zu empfehlen!

Ich bin immer wieder auf's höchste angetan und begeistert wenn ich das höre, der einzige der noch als Bewahrer der Tradition des Tenore di grazia in Frage kam war wohl Alfredo Kraus.

LG palestrina
Falstaff (21.06.2017, 00:28):
Ich bin immer wieder auf's höchste angetan und begeistert wenn ich das höre, der einzige der noch als Bewahrer der Tradition des Tenore di grazia in Frage kam war wohl Alfredo Kraus.
Lieber Palestrina, schön, dass du an diesen wunderbaren Sänger erinnerst.

Was für ein gepflegtes, technisch und stilistisch herausragendes Singen. Leider wurde er wirklich im wahrsten Sinne des Wortes übertönt von den stimmlichen Schwergewichten der Zeit und auch von der gesanglichen Eloquenz eines di Stefanos, der ihm technisch nun wahrlich nicht das Wasser reichen konnte.

Interessant ist, dass diese Tradition wohl wirklich ziemlich abgerissen ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das immer noch nur oder vor allem an anderen Hörgewohnheiten des Publikums liegt. Es fehlen wohl eher die entsprechenden Lehrer, die noch das entsprechende Vokabular des Belcanto vermitteln können.

LG Falstaff
palestrina (23.06.2017, 00:36):
Hallo Falstaff, na ja, brüllen war Tagliavinis Sache nicht, differenziertes singen war seine Domäne mit vielen Schattierungen das kann man in allen seinen Aufnahmen hören, auch bin ich nach wie vor der Meinung er hat alles mit ungeheuerem Gefühl gesungen, was man wahrlich nicht von vielen dieser Zeit sagen kann.
Ihn mit di Stefano zu vergleichen geht nicht so ganz, wenn du gesangliche Eloquenz als draufgängerisches Ausdrucksmittel bezeichnest gebe ich dir recht, aber nicht die Feinheit des singens, evtl. am Anfang von di Stefanos Karriere war das noch in gewissem Maße da jedoch, wenn man dann aber mithalten wollte musste man schon mit den übertönern in etwa gleichziehen >Degen oder Florett< ! ;)

LG palestrina
Falstaff (23.06.2017, 23:40):
auch bin ich nach wie vor der Meinung er hat alles mit ungeheuerem Gefühl gesungen, was man wahrlich nicht von vielen dieser Zeit sagen kann.
Lieber Palestrina, absolut d'accord.
Ihn mit di Stefano zu vergleichen geht nicht so ganz, wenn du gesangliche Eloquenz als draufgängerisches Ausdrucksmittel bezeichnest gebe ich dir recht, aber nicht die Feinheit des singens,
Mit 'gesanglicher Eloquenz' meinte ich kein technisches-stilistisches Merkmal, sondern schlicht etwas, das man hat oder nicht. Ähnlich wie ein schönes Timbre. Wunderlich besaß diese Eloquenz ja auch. Vielleicht kann man es auch als natürlichen Charme bezeichnen. Im Fall von di Stefano muss man ihm dies wohl uneingeschränkt zugestehen, auch wenn Eloquenz oder Charme, so wie ich es verstehen, durchaus subjektiv sind. Von daher würde ich es auch nicht als 'draufgängerisches Ausdrucksmittel' bezeichnen, weil er, also di Stefano, es wohl in der Regel nicht bewusst einsetzt hat. Dieser Charme war einfach da. Möglicherweise hat er sich auch zu sehr darauf verlassen (wie andere auf ihre 'Stentortöne') und von daher die technische Seite eher vernachlässigt. Er konnte sich seiner Wirkung auf das Publikum ja fast immer sicher sein.

Mit Sicherheit konnte er, technisch gesehen, Tagliavini nicht das Wasser reichen. Ich befürchte auch nicht in seinen frühen Aufnahmen. So überwältigend sie sind (und ich liebe sie wirklich SEHR), schon in ihnen kann man gewisse technische Mängel hören, die im Laufe seiner Karriere immer weiter überhand nahmen. Ein ewiger Jammer, dass ein Sänger, der mit solchen Voraussetzungen begnadet war, die richtige Technik so vernachlässigt hat.

Aber ich komme vom eigentlichen Thema ab. Und das ist Tagliavini. Er und Schipa sind Tenöre, die für ein bestimmtes Repertoire und die richtige, weil technisch richtige Art des Singens wirklich noch einmal Maßstäbe gesetzt haben. Die gezeigt haben, dass eben ein bestimmtes Repertoire technisch makellos, wirklich belcantistisch gesungen werden muss, um die richtige Wirkung, den richtigen Ausdruck in der Musik zu finden. Interessanterweise gelang dies Tagliavini auch in ausgesprochen veristischen Partien, die eigentlich eine ganz andere Technik verlangen.

Jedenfalls sind Schipa und Tagliavini Tenöre gewesen, die einem noch einmal zeigen, wie bestimmte Opern gesungen werden sollten. (Wie gerne würde ich einmal einen Pasquale mit Tagliavini hören.) Und wir können froh sein, dass es danach noch einen Kraus gab. Und nun?

LG Falstaff
Waldi (25.06.2017, 12:27):
Auch für mich war und ist Tagliavini der Inbegriff eines "tenore di grazia", wofür auch diese Aufnahme ein wunderbares Beispiel darstellt:



Wobei Tagliavini aber weit mehr war, nur war er als solcher eben besonders gefragt.
palestrina (25.06.2017, 13:20):
Auch für mich war und ist Tagliavini der Inbegriff eines "tenore di grazia", wofür auch diese Aufnahme ein wunderbares Beispiel darstellt:



Wobei Tagliavini aber weit mehr war, nur war er als solcher eben besonders gefragt.
Ja lieber Waldi, diese Aufnahme ist von besonderer Güteklasse auch wegen der hinreißenden Lina Pagliughi als Amina und dem ebenso wunderbaren Cesare Siepi, aber was Tagliavini uns hier als Elvino an Tönen hören lässt ist einfach zum :down :down :down :down :down !
Löbl schrieb...Sein tenorales Schmachten entspricht der Musik und Rolle!
Ich habe diese Aufnahme in dieser Original Ausgabe von Cetra in dem 1992 Remastering von Ezio De Rosa.

AD 1952

LG palestrina