Tommaso Traetta - Antigona

Heike (30.01.2011, 14:39):
Der italienische Komponist Tommaso Traetta wurde 1727 in Bitonto bei Bari geboren. Er schuf über 40 Opern, Oratorien, eine Messe, ein Stabat Mater, eine Johannes-Passion, sowie Sinfonien und Divertimenti. Ab 1768 wirkte er als Hofkapellmeister in Sankt Petersburg für Zarin Katharina II.. Hier schuf er die Oper Antigona, die als sein reifstes Werk gilt. 1774 kehrte er nach Venedig zurück und starb als angesehener Mann 1779.

Antigona
Premiere in Sankt Petersburg am 11.11.1772
Libretto von Marco Coltellini

Die Handlung lehnt sich eng an die bekannte griechische Tragödie des Sophokles an, weicht aber am Ende von ihr ab (angeblich auf Wunsch der Zarin Katharina):

Vorgeschichte
Die Ödipusgeschichte ist sicher allgemein bekannt: Ödipus wurde nach seiner Geburt von seinem Vater, dem König Laios, ausgesetzt und ist ohne Kenntnis seiner Abstammung aufgewachsen. Er befreite Theben von der Sphinx und wurde dann König. Ohne dass er es weiß, bringt er später im Streit den Vater um und heiratet seine Mutter Iokaste. Mit Iokaste hat Ödipus vier Kinder: die Söhne Polyneikes und Eteokles sowie die Töchter Antigone und Ismene.
Als Ödipus später erkennt, was er getan hat, sticht er sich die Augen aus, geht in die Verbannung. Die Mutter Iokaste erhängt sich. Iokastes Bruder Kreon ordnet an, dass die Brüder Polyneikes und Eteokles abwechselnd in Theben regieren sollen. Das funktioniert aber nicht, denn Eteokles weigert sich nach Ablauf des ersten Jahres, den Bruder auf den Thron zu lassen. Sie kämpfen gegeneinander um die Macht.

Nun zur eigentlichen Opernhandlung, die von 5 Solisten (und dem Chor) gestaltet wird: Hauptfiguren sind Ödipus' Töchter Antigona und Ismene, ihr Onkel König Kreon (Creonte) und sein Sohn Haimon (Emone) sowie der Edle Adrasto.

Erster Akt
Polyneikes und Eteokles sind bei diesem Kampf beide ums Leben gekommen. In Theben bietet der Edle Adrasto daraufhin Kreon den Thron an. Er hofft, dass durch die bevorstehende Heirat von Antigone mit Kreons Sohn Haimon (Emone) die königliche Erbfolge erhalten bleibt. Kreon wird König. Was die toten Brüder angeht, soll Eteokles nach seinem Willen ein feierliches Staatsbegräbnis erhalten, Polyneikes aber unbestattet bleiben, den wilden Tieren und der Verwesung überlassen.
Die Schwestern Antigone und Ismene drängen Kreon vergeblich, diesen Befehl zurückzunehmen. Antigone ist trotzdem dazu entschlossen, ihren Bruder Polyneikes zu bestatten. Ismene, die sich vor Kreon um die Schwester sorgt, vertraut sich Haimon an.

Zweiter Akt
In einer geheimen Trauerzeremonie wird Polyneikes’ Leiche verbrannt: Haimon nimmt die Urne an sich, um sie im Grab seiner Ahnen beizusetzen. Er will Antigone so vor Kreons Zorn schützen. Adrasto entdeckt aber die Reste des Feuers.
Im Tempel des Zeus hat sich derweil das Volk versammelt, um den Frieden zu feiern. Kreon verflucht erneut Polyneikes und alle, die ihn bestatten wollen. Adrasto versucht, Kreon von Gottesschwüren abzuhalten, weil er weiß, dass gerade sein Sohn Haimon von den Wachen erwischt wurde, als er die Urne in das königliche Grab legen wollte. Das Volk bittet Kreon, seinen Sohn zu verschonen. Haimon wendet sich gegen Kreon, Antigone nimmt jedoch die ganze Schuld auf sich: Kreon verurteilt sie dazu, lebendig in eine Grabeshöhle eingeschlossen zu werden. Antigone nimmt das gefasst auf.

Dritter Akt
Kreon und das Volk versammeln sich an dem Grab, das für Antigone vorgesehen ist. Antigone betritt die Höhle, die hinter ihr zugemauert wird. Ismene will mit ihr sterben, wird aber von Kreon weggeschafft. Das Volk klagt um Antigone. Adrasto kommt und berichtet, dass der eingekerkerte Haimon sich in die Tiefe gestürzt hat, nachdem er von Antigones Schicksal erfuhr. Da wird Kreon plötzlich bewusst, dass nicht der Zorn der Götter, sondern er selbst die Schuld dafür trägt. Haimon hat aber den Sturz überlebt und will nun zu Antigone, mit ihr sterben. Er gelangt auch in die Grabhöhle. Haimon und Antigone wollen sich dort gemeinsam mit Haimons Dolch töten, aber Kreon lässt die Mauern aufbrechen und beide befreien. Er hat nämlich bereut und bittet nun um Verzeihung. Alle feiern.

Musikalisch gilt Antigona als Meilenstein zwischen Barockoper und Oper der Klassik im Stil Mozarts. Traetta hat sich weit von der Nummernoper entfernt und baut für das Werk eine kunstvolle Dramatik, in die er die Gesangspartien fließend einbaut. Der Chor wird nach Art der griechischen Tragödie, als Träger der Handlung wie als Kommentator, eingesetzt. Auch findet sich sehr viel aufklärerisches Gedankengut in dem sprachlich anspruchsvollen Libretto. Traetta gilt daher als großer Reformkomponist im Stile Glucks.

Auf der Webseite der Staatsoper im Schillertheater kann man über die musikalische Form der Oper lesen:
"Was »Antigona« im Besonderen auszeichnet, ist die Vielfalt an musikalischen Formen, die sich auf immer wieder überraschende Weise zeigen. Traetta hält das dramatische Geschehen beständig am Laufen, da er auf Arien oder Ensembles, nach denen das Publikum zu Applaudieren animiert wird, vollkommen verzichtet. Geschickt schafft er Anschlüsse und Übergange, durch ein folgendes kurzes Duett oder eine Chorpassage, so dass gar nicht erst der Eindruck entstehen kann, dass ein Sänger sich über seine Rolle hinaus selbstdarstellerisch betätigen kann. Alles bleibt im Fluss: Die Auftritte der Protagonisten wie des Chores sind organisch in den Fortlauf der Handlung eingeschmolzen, nirgendwo findet sich eine Bravourarie im traditionellen Sinne. Wie sich Traetta um die musikalische Form bemüht hat, seien es nun Arien, Ensembles, Chöre oder die verschiedenen Arten der Rezitative (auch das seinerzeit oft ein wenig lieblos behandelte »Recitativo secco« ist bei ihm nie »trocken«, sondern höchst lebendig), nötigt jedenfalls höchste Bewunderung ab."

Quellen: Wiki, http://www.staatsoper-berlin.de/

Ich werde nachher die Aufführung dieser Antigona im Schillertheater ansehen (nachdem ich mir nach sehr interessanten Vorberichten gestern spontan eine Karte gekauft habe). Ich werde berichten.
Rideamus (30.01.2011, 16:15):
Liebe Heike,

wie schön, dass sich endlich mal jemand dieser ewig vernachlässigten Oper annimmt, und das noch anlässlich einer vritablen Opernpremiere. In einem anderen Forum fragte ich vorletzten Sommer mal nach ihr in einem meiner Rätsel und schrieb damals dazu (mit der Bitte um Verständnis dafür, dass ich in dem Zitat lieber manches von Dir bereits Geschriebene wiederhole als es zu editieren):

"Wenn heute von Reformoper gesprochen wird, denken wir immer gleich an Gluck, aber es gab mindestens einen weiteren Komponisten, der sich sehr um die Auflockerung der starren Arienfolgen der opera seria verdient machte, und mir ist, seit ich diese Oper - leider nach wie vor als einziges Werk dieses selten eingespielten Komponisten - kenne, nicht ganz verständlich, warum er so unbekannt geblieben ist. Ich ziehe dieses Werk sogar ohne Zögern der im gleichen Jahr 1772 uraufgeführten Oper LUCIO SILLA von W. A. Mozart vor, nicht zuletzt, weil sie eine für ihre Zeit erstaunlich große Zahl von Duetten, Terzetten und Ensembles enthält. Ein weiterer Grund ist ein vorzügliches Libretto, dessen Autor Marco Coltellini seinerzeit von Kennern wie Friedrich II und Katharina der Großen, welche die Oper in St. Petersburg uraufführen ließ, allerhöchstes Lob erhielt - und das zu Recht, denn es ist eine sehr geschickte und auch sprachlich gelungene Bearbeitung des alten Sophokles-Dramas, die das Element der Menschlichkeit außerordentlich stark betont und uns gerade heute wieder viel zu sagen hätte.

Der Komponist Tommaso Traetta wurde 1727 in der Provinz Bari geboren und ging von dort, wie die meisten talentierten Musiker seiner Region, nach Neapel. Nach einigen Jahren an verschiedenen napolitanischen Opernbühnen wurde er 1758 von dem Herzog von Parma engagiert, wo er sich für die dort gängigen Ideen einer Reformoper begeisterte. Sehr bald war er berühmt genug um Kompositionsaufträge aus Venedig, Verona und dem damals nicht nur von Mozart sehr begehrten Mannheim zu bekommen. Seinen Durchbruch hatte er dann aber in Wien, wo er auf den Librettisten Marco Coltellini traf, der damals als "poeta cesario" als Nachfolger Metastasios arbeitete und ihm eine ARMIDA und eine andere Oper um eine hier bereits bekannte Figur textete, nämlich IFIGENIA IN TAURIDE. 1768 ließ er sich für drei Jahre von Katharina der Großen an den Hof von St. Petersburg engagieren. Über London und wiederum Neapel kam er dann nach Venedig, wo er 1779 an einer Lungenkrankheit starb.

Sophokles' Tragödie der Antigone wurde, wie in den Tipps schon angesprochen, vielfach bearbeitet und in Hölderlins Übersetzung auch hierzulande oft aufgeführt, bis Jean Anouilh diesen Stoff für eine Weile sehr populär machte. Die Heldin, eine Tochter des Ödipus aus der blutschänderischen Ehe mit dessen Mutter entstammt der zweiten unglückseligen Familie der Antike, ist aber eine der wenigen durch und durch positiven Gestalten der alten Mythen. Sie bestand nämlich darauf, trotz des Verbots ihres Onkels Kreon, des Königs von Theben, ihren Bruder Polyneikes zu bestatten, nachdem dieser gemeinsam seinem Bruder Eteokles im Zweikampf umgekommen war. Getreu der damaligen Praxis, änderte Coltellini, der aus dem Stoff ein Drama um den Zwiespalt zwischen Furcht und Liebe machen wollte, das tragische Ende ab und ließ Antigone von Kreon begnadigen, nachdem er erkannt hatte, dass Antigone einer höheren Moral gehorcht hatte als seiner Staatsraison.

Angefangen mit der ungewöhnlichen Mauerschau, während der das thebanische Publikum den Zweikampf der beiden Brüder kommentiert, die einander vor ihren Augen erschlagen, steckt das Libretto voller origineller dramatischer Lösungen und gehört für mich qualitativ in eine Reihe mit den besten Libretti Metastasios, Calzabigis und Da Pontes. Auch Traettas Musik steckt voller Schönheiten, und wer die Oper blind hört, würde sie wahrscheinlich irgendwo zwischen Gluck und dem frühen Mozart verorten, jedoch einen ganz eigenen, eben originär italienischen Tonfall wahrnehmen.

Zum Glück gelang es Christophe Rousset mit seinen Talens Lyriques und dem vorzüglichen Ensemble um Maria Bayo, Anna Maria Panzarella und Gilles Ragon, diesem Werk eine glanzvolle Realisierung angedeihen zu lassen.



Leider ist die erst 2001 erschienene Aufnahme, wohl mangels ausreichenden Interesses, schon wieder aus unseren Katalogen verschwunden, so dass ich nur den Spruch wiederholen kann, der hier unglücklicherweise all zu oft fällig ist: wer immer kann und sich für wundervolle Werke außerhalb der viel begangenen Trampelpfade interessiert, sollte sich die Aufnahme noch besorgen, bevor sie ganz verschwindet."

Damals gabe es leider kein Echo auf meine Vorstellung. Um so mehr freue ich mich, dass Du nun auch auf diese Oper aufmerksam machst, die man wirklich kennen sollte. Gibt es hier womöglich noch Andere, die das Werk kennen und dazu etwas ergänzen möchten? Es ist nämlich wirklich einen eigenen Thread wert, schon seines bedeutenden Komponisten wegen, der viel bekannter zu sein verdient. Und das sagt jemand, der von Barockopern wirklich nicht so leicht zu begeistern ist.

Jedenfalls hoffe ich, dass die Aufführung das Interesse an dem Werk eher anfacht als abflachen lässt.

:hello Rideamus
Heike (30.01.2011, 23:29):
Lieber Rideamus,
nachdem ich heute diese Oper gesehen habe, kann ich deine Begeisterung voll und ganz nachvollziehen!!!!! Es war eine wunderbare Premiere, wo für mich alles zusammenpasste: tolles Werk, großartig gespielt und gesungen, klug und ergreifend inszeniert. Bisher der eindeutige Höhepunkt der Saison für mich, mit großem Abstand. Aber der Reihe nach:

Berlin, Staatsoper im Schillertheater
Premiere 30.1.2011
Musikalische Leitung René Jacobs;
Akademie für Alte Musik Berlin, Staatsopernchor
Inszenierung Vera Nemirova

Antigona Veronica Cangemi
Ismene Jennifer Rivera
Emone Bejun Mehta
Creonte Kurt Streit
Adrasto Kenneth Tarver

zum Werk:
Ich bin rundum positiv überrascht - eine sehr sehr beeindruckende Oper! Der antike Stoff wurde mit viel Abwechslung in den musikalischen Formen vertont, wobei mir besonders die dramatische Intensität der Figuren Gänsehaut bereitete - was für schöne Arien! Es gab auch immer wieder wunderbare Ensemble. Dazu anspruchsvolle Chorpassagen, auch Tänze. Sehr anrührende, emotional unmittelbar fesselnde Musik.

zur musikalischen Umsetzung:
René Jacobs mit seiner Akademie für Alte Musik Berlin gab dem ganzen einen Rahmen, der perfekt zum Ambiente dieser archaischen Geschichte passte. Lebendig und ausdrucksvoll gespielt, ohne Schnickschnack. Die 5 Solisten agierten mit viel Gefühl, da gab es meinerseits kaum was auszusetzen: Veronica Cangemi als Antigona sang einen herzzerreißenden Sopran, mit ganz viel Ausdruck. Die Arie, zu der sie lebendig in das Grab geht, hat mir die Tränen über das Gesicht laufen lassen - unbegreflich, wie man danach klatschen kann.
Ihr Gegenspieler Kurt Streit als Kreon kam mit seinem kräftigen Tenor glaubhaft rüber. Jennifer Rivera als Ismene überzeugte mit einem gefühlvollen Mezzo, der in seiner Farbe für mich gut zur Rolle passte. Sehr präsent war natürlich Emone durch den Countertenor Bejun Mehta; die Liebesduette waren traumhaft schön. Auch der Adrasto von Kenneth Tarver hörenswert. Dazu der Chor, der tolle Akzente setzte. Ach, ich kann Stimmen immer so schlecht beschreiben, aber es war einfach unglaublich intensiv gesungen.

zur Inszenierung:
Ein sehr minimalistisches Konzept mit klarem Akzent auf der Personenführung. In der Mitte der Bühne ein großer Thron, eigentlich ein (Schieds)richterhochstuhl. Zu Beginn spielen vergnügt 4 Kinder, die 4 Geschwister Antigone, Ismene, Polyneikes und Eteokles; sie finden eine Krone, werfen damit lustig herum; fangen sich; die Brüder klettern zu zweit auf den Thron.....
Dann treten dieselben als (gleichgekleidete) Erwachsene auf, die Brüder kämpfen und sterben sogleich und die Handlung der Oper nimmt ihren Lauf. Zwischendurch tauchen eines oder alle Kinder immer mal wieder auf, als Schatten, Symbol oder Ahnen. Sehr stimmig und durchdacht umgesetzt, ohne aufgesetzt zu wirken. Immer mehr rückt das Grab (im Vorderteil der Bühne eingelassen) ins Zentrum des Geschehens.
Das Volk trägt schlichte Kostüme aus dem dörflichen Milieu der Neuzeit, die ich im Osten verorten würde. Quasi geht es in dem Werk ja auch darum, dass nicht die Götter auf ewig alles bestimmen, sondern der Herrscher Kreon die Macht hat, zu strafen oder nicht. Sehr dezent sind in der Inszenierung kleine Andeutungen gemacht, die zumindest mich an islamistische Bestrafungsriten erinnerten und damit die große Aktualität dieses Stoffes andeuteten.
Der Fußboden ist mit großen, natürlichen Lederstücken bedeckt - passend zu den urwüchsigen Gefühlen des ersten Teils (unheimlich berührend zB die Begräbnisszene am Anfang des 2. Aktes). In der Pause geht jemand über die Bühne und desinfiziert mit einem Sprühgerät den Boden. Danach kommt das Volk in 50er Jahre Cocktailkleidern zurück, man huldigt dem König, feiert marionettenhaft Kreons Macht und verflucht (zwangsweise?) die Abweichler. Die Männer erhalten Orden, die Frauen singen vom Blatt. Erst mit Antigone und Emone kommt wieder das Leben und das Gefühl zurück.
Das Ende ist in dieser Inszenierung mehrdeutig; ich will nicht alles verraten, mich hat das jedenfalls absolut überzeugt. Und das Publikum auch, es gab großen Beifall für alle und keinerlei Unmutsäußerungen.

Also, wer in Berlin wohnt und Zeit hat - Antigona läuft in dieser großartigen Besetzung und Inszenierung nochmal am 1.;3.;8. und 10. Februar. Ich kann es wärmstens empfehlen.

Leider ist die einzige CD, soweit ich das bisher feststellen kann, nur zu Mondpreisen erhältlich :-(
Heike
Armin70 (31.01.2011, 23:24):
Die Musik zu Traettas Oper "Antigona" ist für mich wirklich eine schöne Entdeckung. Vor allem gefällt mir, dass die Arien nicht so überfrachtet mit Koloraturen, sondern schön klar gestaltet sind. Des weiteren ist es Traetta hier wirklich gelungen, sich von dem (langweiligen ?) Konzept der Nummernoper zu lösen. Der Ablauf von Rezitativen, Arien, Ensembleszenen und Chören klingt sehr abwechslungsreich. Soweit ich das Beurteilen kann, hat er auch eine ganz eigene musikalische Sprache entwickelt, wobei ich allerdings zu wenig von Gluck oder gar nichts von Piccini kenne, um nur einige Zeitgenossen zu nennen, um das richtig einordnen zu können.

Des weiteren ist die Aufnahme von Rousset wirklich erstklassig, bei der alles stimmt und ich kann mir das gar nicht anders vorstellen. Allerdings ist es schade, dass diese seltene Aufnahme nur recht teuer zu haben ist. (Daher ist es um so besser, dass ich zum Nulltarif daran gekommen bin.)

Wenn ich in Berlin oder zumindest in der Nähe von Berlin wohnen würde, dann würde ich die Gelegenheit nutzen, um dieses Werk mal live zu erleben.
Heike (03.02.2011, 23:14):
Ich frage mich gerade, ob das üblich war, zu damaliger Zeit den antiken Tragödien ein glückliches Ende anzudichten? Gluck hatte ja auch solche Tendenzen (Iphigénie en Aulide). Wer weiß was?
Heike
Rideamus (04.02.2011, 00:03):
Es war zumindest nicht unüblich, und z. B. für Monteverdi nachgerade Vorschrift (s. seinen ORFEO, von der INCORONAZIONE DI POPPEA ganz zu schweigen).

Im konkreten Fall von Traettas ANTIGONA soll das Happy End aber auf einen ausdrücklichen Wunsch der Zarina Katharina zuückgegangen sein. Ich denke, es war vor allem üblich, dass die Librettisten und Komponisten sich am (unterstellten) Geschmack der recht absolutistischen Herrscher orientierten, für die sie arbeiteten, und die zogen meist ein "lieto fine", also ein heute Happy End genanntes Ende vor.

:hello Rideamus